2013/0085
Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2013 des Jobcenter Darmstadt
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AARRBBEEIITTSSMMAARRKKTT-- UUNNDD
IINNTTEEGGRRAATTIIOONNSSPPRROOGGRRAAMMMM
22001133
Herausgeber:
Jobcenter Darmstadt
Zentrum für Existenzsicherung und Beschäftigung
Groß-Gerauer-Weg 3
64295 Darmstadt Stand: 29.01.2013
Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2013
2
Inhaltsverzeichnis
EINLEITUNG ..................................................................................................... .................... 4
1. Arbeitsmarkt - Lokale Ausgangssituation ..................................................................... 6
2. Kundenstruktur und Profillagen im Jobcenter Darmstadt ............................................ 8
2.1 Kundenstruktur ..................................................................................................... ...... 8
2.2 Kundensegmentierung ............................................................................................... 9
3. Zielsystem des SGB II .................................................................................................... 11
3.1 Was haben wir erreicht? - Rückblick 2012 - ........................................................... 13
3.2 Kennzahlen nach § 48 a SGB II ............................................................................... 14
3.2.1 Verringerung der Hilfebedürftigkeit .................................................................. 14
3.2.2 Verbesserung der Integration in Erwerbstätigkeit ........................................... 14
3.2.3 Vermeidung von langfristigem Leistungsbezug .............................................. 15
3.2.4 Kennzahlen und Referenzwerte 2013 ................................................................ 16
3.3 Prozess- und Qualitätsziele .................................................. ................................... 17
3.4 Lokale Zielvereinbarung mit der Wissenschaftsst adt Darmstadt ....................... 19
4. Aktive Förderung durch das Jobcenter Darmstadt – Planung 2013 ....................... 20
4.1. Haushalts- und Finanzsituation 2013: Eingliederungs- und Verwaltungs-
budget .................................................. ................................................... ................. 20
4.2 Budgetausstattung und Eintrittsplanung 2013 ....................................................... 21
5. Geschäftspolitische Schwerpunkte .............................................................................. 23
5.1 Kundinnen und Kunden ohne Abschluss zu Fachkräften ausbilden .................... 25
5.1.1 Arbeitskreis Fachkräftebedarf .......................................................................... 25
5.1.2 Jobs für best!agers ............................................................................................ 26
5.1.3 Förderung von Schwerbehinderten ................................................................. 30
5.2. Langzeitbezieherinnen und -bezieher aktivieren und Integrationschancen
erhöhen ..................................................................................................... ............... 31
5.2.1 Beschäftigungsorientiertes Fallmanagement (bF M) und
Beratungskonzeption SGB II (Beko) ................................................................ 31
5.2.2 Mehrgenerationenhaus ...................................................................................... 32
5.2.3 Arbeitsgelegenheiten ......................................................................................... 32
5.2.4 Bundesfreiwilligendienst ................................................................................... 33
5.3 Marktchancen bei Arbeitgebern erschließen und Integrationen realisieren ......... 33
5.4 Beschäftigungschancen für Alleinerziehende nutzen ......................................... 34
5.5 Jugendliche in den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt integrieren .......................... 36
5.6 Handlungsschwerpunkt „Erstausbildung für junge Erwachsene“ ....................... 37
5.7 Rechtmäßigkeit und Qualität der operativen Umsetzung sicherstellen ................ 38
5.7.1 Rechtmäßigkeit der Leistungsgewährung sicherstellen ................................. 38
5.7.1.1 Team Selbständige .......................................................................................... 38
Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2013
3
5.7.1.2 Leistungssachbearbeitung ............................................................................. 39
5.7.1.3 Das Bildungs- und Teilhabepaket .................................................................. 40
5.7.2 Konzept Datenqualität/Datenqualitätsmanagement (DQM) ............................. 41
5.7.3 Internes Kontrollsystem (IKS) ........................................................................... 41
5.8 Kommunale Arbeitsmarkt- und Ausbildungsstrategi e 2013 ................................ 42
5.8.1 Kofinanzierung des lokalen Ausbildungs- und Arbeitsmarktprogramm 2013
..................................................................................................... ................................. 45
5.9 Lokale Aktivitäten ..................................................................................................... 46
5.9.1 Unser Bewerbungscenter „dabei“ .................................................................... 46
5.9.2 Projekt „Wasser macht Arbeit“ ........................................................................ 46
5.9.3 Werkakademie/Jobakademie ............................................................................. 47
5.9.4 Kooperationen und Netzwerke .......................................................................... 47
5.9.4.1 Kooperationsvereinbarung zur Zusammenarbeit mit dem städtischen
Sozialdienst des Jugendamts der Wissenschaftsstadt Darmstadt ............. 48
5.9.5 Übergabemanagement SGB II/SGB III .............................................................. 48
5.9.6 Patenmodell ..................................................................................................... ... 49
6. Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt ............................................... 50
7. Gemeinsame Bildungszielplanung ............................................................................ 51
Anlage Bildungs- und Maßnahmenplanung ..................................................................... 52
Anlage Geschäftspolitische Schwerpunkte 2013 des Jobcenters Darmstadt ............... 55
Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2013
4
EINLEITUNG
Seit der Änderung des Grundgesetzes und der Neufassung des Sozialgesetzbuches Zweites
Buch (SGB II) vom 01.01.2011 ist das Jobcenter Darm stadt für die Umsetzung dieses Ge-
setzes zuständig.
Auch im vergangenen Jahr 2012 hat das Jobcenter Dar mstadt die erfolgreiche, lokale Zu-
sammenarbeit der Wissenschaftsstadt Darmstadt und d er Agentur für Arbeit Darmstadt in
Form einer „gemeinsamen Einrichtung“ Jobcenter Darmstadt fortgesetzt.
Das vorliegende Arbeitsmarkt- und Integrationsprogr amm 2013 des Jobcenters Darmstadt
legt fest, mit welchen Strategien und Maßnahmen der gesetzliche Auftrag, die vereinbarten
Ziele und die geschäftspolitischen Schwerpunkte zur Verringerung der Hilfebedürftigkeit, der
Verbesserung der Integration in Erwerbstätigkeit und der Vermeidung von langfristigem Leis-
tungsbezug für Arbeitssuchende in Darmstadt umgesetzt werden sollen.
Gemäß § 44 (6) SGB II wird das Arbeitsmarkt- und In tegrationsprogramm der Grundsiche-
rung für Arbeitssuchende unter Beachtung von Zielvorgaben der Träger bestimmt.
Die geschäftspolitischen Schwerpunkte für das Jahr 2013 lauten:
a. Kundinnen/Kunden ohne Abschluss zu Fachkräften a usbilden
b. Langzeitbezieherinnen und -bezieher aktivieren u nd Integrationschancen erhö-
hen
c. Marktchancen bei Arbeitgebern erschließen und In tegrationen realisieren
d. Beschäftigungschancen für Alleinerziehende nutze n
e. Jugendliche in den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt integrieren
f. Rechtmäßigkeit und Qualität der operativen Umset zung sicher stellen
Darüber hinaus gibt es einen besonderen Handlungsschwerpunkt
„Erstausbildung für junge Erwachsene“
Die lokale Arbeitsmarktstrategie verfolgt weiterhin wie bisher fünf strategische Ziele:
a. Inklusion und Integration als sozialpolitische u nd sozialplanerische Strategie
b. Armut bekämpfen – Existenz sichern
c. Zielgruppen passgenau fördern
d. Lokale und regionale Netzwerke stärken
e. Lokalen (sozialen) Arbeitsmarkt / Ausbildungsmar kt sichern
In Ergänzung zum Arbeitsmarkt- und Integrationsprog ramm 2012 wurden in dieses Pro-
gramm speziell auch das kommunale Arbeitsmarkt und Ausbildungsbudget für das Jahr 2013
integriert. Dies auch um eine noch bessere, institutionsübergreifende Planung sicher zu stel-
len.
Eine vollständige Abbildung aller vorhandenen Verfa hren und Maßnahmen kann das Ar-
beitsmarkt- und Integrationsprogramm nicht aufzeigen, es soll aber einen Überblick verschaf-
fen, welche Zielgruppen, die eine besondere Aufmerk samkeit für ihre Integration oder Teil-
habe benötigen, im Fokus stehen. Dies sind insbeson dere Alleinerziehende, ältere Arbeits-
suchende, Jugendliche, Migrantinnen und Migranten s owie Menschen mit Schwerbehinde-
rung.
Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2013
5
Die Umsetzung dieses arbeitsmarktpolitischen Auftra ges obliegt vielen Akteuren und kann
keinesfalls vom Jobcenter allein bewältigt werden. Daher ist auch weiterhin eine aktive, in-
tensive Netzwerkarbeit notwendig. Das vorliegende Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm
dient in der Außenwirkung auch dazu arbeitsmarktpolitische Angebote verschiedener Träger
und Institutionen sinnvoll und abgestimmt miteinander zu verknüpfen.
Das Programm wirkt nach innen und richtet sich an a lle Beschäftigten des Jobcenters Dar-
mstadt. Hier erfüllt das Programm eine wichtige Ori entierungs- und Leitfunktion. Die pro-
grammatische Darstellung von Zielen und Projekten s oll den Mitarbeiterinnen und Mitarbei-
tern die Möglichkeit geben das eigene Handeln mit d en geschäftspolitischen Zielen zu ver-
knüpfen.
Das Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm wurde von den Fach- und Führungskräften des
Jobcenters Darmstadt aufgestellt und mit den Fachve rantwortlichen der Trägerorganisatio-
nen abgestimmt.
Es ist ein flexibles Programm, das die Möglichkeit bietet im Jahresverlauf im Sinne der Kun-
dinnen und Kunden auf geänderte Anforderungen adäquat zu reagieren.
Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2013
6
1. Arbeitsmarkt - Lokale Ausgangssituation
Arbeitsmarkt - Lokale Ausgangssituation
Die lokale Ausgangssituation im Dezember 2012 wird aktuell geprägt durch eine leichte Kon-
junkturabschwächung, die sich auch auf dem Arbeitsmarkt widerspiegelt.
Laut Mitteilung der Bundesagentur für Arbeit vom 29 .11. 2012 1 ist von Oktober auf Novem-
ber 2012 die Zahl der Arbeitslosen bundesweit nur u m 2000 auf 2,751 Millionen gesunken.
Damit fiel die Herbstbelebung deutlich schwächer al s sonst üblich aus. Zum November des
Vorjahres gab es sogar einen Anstieg um 38.000.
Für die nahe Zukunft in 2013 ist mit einem moderate n Anstieg der Arbeitslosigkeit zu rech-
nen.
Der Job-Markt hinkt der Konjunktur gewöhnlich rund ein halbes Jahr hinterher. Die Wirtschaft
verliert seit Beginn 2012 zunehmend an Fahrt und dü rfte Ökonomen zufolge ab
Herbst/Winter 2012 nur noch stagnieren. Wegen sinke nder Investitionen halten sich immer
mehr Firmenchefs mit Neueinstellungen zurück. Das zeigt sich auch daran, dass die um jah-
reszeitliche Schwankungen bereinigte Arbeitslosenzahl zum achten Mal in Folge stieg - und
zwar um 5000, so Bundesministerin von der Leyen
2.
Diese bundesweite Entwicklung kennzeichnet auch den südhessischen Arbeitsmarkt.
Arbeitslosigkeit
„Die Lage am südhessischen Arbeitsmarkt hatte sich durch die fehlende Herbstbelebung im
Oktober etwas eingetrübt. Wir spüren zwar die nachl assende wirtschaftliche Dynamik, die
erfreulicherweise in diesem Monat zu keinem weiter en Anstieg der Arbeitslosigkeit führte,
aber entgegen unserer Befürchtungen, gingen in Südh essen die Arbeitslosenzahlen leicht
zurück. Auch der Wintereinbruch ließ bisher auf sic h warten. Erfreulich ist vor allem der
Rückgang der Arbeitslosigkeit der älteren Arbeitnehmer. Aufgrund der hohen Exportauftrags-
lage und des ungebrochen hohen Konsumverhaltens der Bevölkerung gehe ich davon aus,
dass sich der Arbeitsmarkt spätestens nach der Win terpause im Jahr 2013 auf hohem Ni-
veau weiterhin positiv entwickeln wird“, so Birgit Förster, Vorsitzende der Geschäftsführung
der Agentur für Arbeit Darmstadt
3.
Im November 2012 waren im Bezirk der Agentur für Ar beit Darmstadt 26.683 Menschen ar-
beitslos gemeldet. Im Vergleich zum Vormonat Oktobe r ist die Zahl der von Arbeitslosigkeit
betroffenen Menschen um 185 Personen gesunken. Im V ergleich zum Vorjahresmonat er-
höhte sich die Arbeitslosenzahl um 664 Personen (+2,6 Prozent).
Die Arbeitslosenquote bezogen auf alle zivilen Erwe rbspersonen lag unverändert bei 5,0
Prozent. Im Vorjahr waren es noch 4,9 Prozent.
1 Presse Info 054/2012
2 Pressekonferenz BMAS vom 29.11.2012
3 Presse Info 093/2012 vom 29.12.2012 der AA Darmstadt
Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2013
7
Arbeitslosigkeit nach Rechtskreisen
Das Jobcenter Darmstadt betreute im Jahr 2012 zwischen 5.964 und 6.070 Bedarfsgemein-
schaften. Die Anzahl der erwerbsfähigen Leistungsbe rechtigten schwankte im Jahresverlauf
zwischen 8.003 und 8.207 Personen. Mit Stand Dezemb er 2012 wurden 8.178 erwerbsfähi-
ge Leistungsberechtigte registriert.
Die Quote der Arbeitslosigkeit der Leistungsbezieherinnen und -bezieher im SGB II lag im
Jahr 2012 zwischen 4,5 % und 4,8 %. Während bei den Männern im Dezember ein leichter
Anstieg auf 4,9 % zu verzeichnen war, konnte die Quote der arbeitslosen Frauen auf 4,2 %
gesenkt werden.
Die bundesweite Entwicklung, dass die Anzahl der La ngzeitarbeitslosen und dauerhaft von
Hilfeabhängigen nur langsam sinkt, kann auch in Darmstadt festgestellt werden.
Integration in Ausbildung oder Beschäftigung ist be i vielen erwerbsfähigen Leistungsberech-
tigten nur schwer in naher Zukunft möglich.
8.003 8.131 8.114 8.125 8.143 8.130 8.207 8.146 8.157 8.115 8.103 8.178
5.964 5.994 5.979 6.047 6.059 6.021 6.056 6.029 6.030 6.010 6.040 6.070
5.600
5.800
6.000
6.200
6.400
6.600
6.800
7.000
7.200
7.400
7.600
7.800
8.000
8.200
8.400
8.600
Jan 12 Feb 12 Mrz 12 Apr 12 Mai 12 Jun 12 Jul 12 Aug 12 Sep 12 Okt 12 Nov 12 Dez 12
erwerbsfähige Leistungsberechtigte
Bedarfsgemeinschaften
4,5
4,6 4,6
4,7
4,6 4,6
4,7
4,8
4,7
4,6 4,6 4,6
4,4 4,4
4,5 4,5
4,4 4,4
4,6 4,6 4,6
4,4 4,4
4,2
4,7 4,7 4,7 4,7 4,7 4,7
4,9 4,9 4,9
4,8 4,8
4,9
3,8
4
4,2
4,4
4,6
4,8
5
Jan 12 Feb 12 Mrz 12 Apr 12 Mai 12 Jun 12 Jul 12 Aug 12 Sep 12 Okt 12 Nov 12 Dez 12
Alo Quote gesamt
Alo Quote Frauen
Alo Quote Männer
Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2013
8
2. Kundenstruktur und Profillagen im Jobcenter Darmstadt
Voraussetzung für eine Einschätzung der Kundinnen u nd Kunden und einer passgenauen
Maßnahmeplanung ist eine Strukturierung der Kundengruppen in Bezug auf eine spez. Typi-
sierung der Arbeitslosigkeit sowie nach Profil- bzw. Problemlagen.
2.1 Kundenstruktur
Die nachfolgende Grafik liefert einen Überblick über die Kundenstruktur im Jobcenter
Darmstadt.
Mit Datenstand 08/2012 waren 6029 Bedarfsgemeinschaften mit 12.324 Personen im Job-
center Darmstadt gemeldet.
Von den 12.324 Personen sind in Bedarfsgemeinschaften 5.421 Personen (43,98 %) unter
25 Jahren und 6.903 Personen sind zwischen 25 und 64 Jahren (56,02 %).
Von den 12.324 Personen der Bedarfsgemeinschaften waren 8.146 erwerbsfähige Leis-
tungsberechtigte (4256 Frauen und 3890 Männer) und 4178 Personen nicht erwerbsfähige
Leistungsberechtigte.
12.324
Veränderung ggü VJ: - 0,3%
Anzahl der Personen in
Bedarfsgemeinschaften
5.421 6.903
Veränderung ggü VJ: + 0,1% Veränderung ggü VJ: + 0,2 %
Personen im Alter unter 25
Jahren
Personen im Alter von 25 bis
64 Jahren
4.178 8.146
Veränderung ggü VJ: - 1,3% Veränderung ggü VJ: + 0,2 %
nicht erwerbsfähige
Leistungsberechtigte
erwerbsfähige
Leistungsberechtigte (eLb)
1.569 5.684 3469
Veränderung ggü VJ: +3,5% Veränderung ggü VJ: + 2,0% Veränderung ggü VJ: + 2,2%
eLb im Alter von 15 bis unter
25 Jahren
eLb ohne Einkommen aus
Erwerbstätigkeit
arbeitslose
Leistungsberechtigte
4.721 1.051 3.304
Veränderung ggü VJ: - 2,48% Veränderung ggü VJ: - 3, 2% Veränderung ggü VJ: + 3,3%
eLb im Alter von 25 bis unter
50 Jahren
abhängig Erwerbst. mit Ein-
kommen kleiner/gleich 400 €
eLb mit ausländischer
Staatsbürgerschaft
1.856 162 1.259
Veränderung ggü VJ: + 4,4% Veränderung ggü VJ: -8,4% Veränderung ggü VJ: - 0,4%
eLb im Alter von 50 bis unter
65 Jahren
eLb mit Einkommen aus
Selbständigkeit
alleinerziehende
Leistungsberechtigte
1.265 192
Veränderung ggü VJ: - 3,2% Veränderung ggü VJ: + 4,3 %
abhängig Erwerbstätige mit
Einkommen über 400 €
eLb mit Paralellbezug von
Arbeitslosengeld I
Datenstand: 08.2012; Quellen:
Kreisreport, S2S Cockpit
Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2013
9
Von den erwerbsfähigen Leistungsberechtigten (eLb) waren insgesamt 2.462 Personen er-
werbstätig. Dies entspricht einem Prozentsatz von 30,22.
Ein Einkommen aus abhängiger Erwerbstätigkeit konnten insgesamt 2316 Personen
(28,43 %) erzielen. Lediglich 162 (1,98 %) eLb erwirtschafteten Einkommen aus einer Selb-
ständigkeit. 16 Personen erzielten ein Einkommen aus Selbständigkeit sowie abhängiger
Beschäftigung. Von den 8.146 eLB waren 5.684 Personen ohne Einkommen aus Erwerbstä-
tigkeit, was einem Anteil von 69,77 % entspricht.
Die 8.146 erwerbsfähigen Leistungsberechtigten (eLb) wiesen folgende Altersstruktur auf:
- 1569 eLb im Alter von 15 bis 24 Jahre
- 4721 eLb im Alter von 25 - 50 Jahre
und
- 1856 eLb im Alter von 50 bis unter 65 Jahre
Insgesamt 3.304 eLb hatten eine ausländische Staatsangehörigkeit (40,55%), 1.259 waren
alleinerziehend (15,45 %) und 192 eLb bezogen Arbeitslosengeld I nach dem SGB III, was
einem Prozentsatz von 2,35 entspricht.
2.2 Kundensegmentierung
Das System der Profillagen hat das zuvor eingesetzte Betreuungsstufenkonzept abgelöst. Es
ermöglicht eine feinere Strukturierung der Kundengruppierung und erlaubt eine passgenaue
Einschätzung der Kundinnen und Kunden im SGB II nach ihren individuellen Potenzialen und
Handlungsbedarfen. Sechs Profillagen werden dabei in je drei integrationsnahe Profillagen
und drei komplexe Profillagen unterteilt.
System der Profillagen
Profillagen
Komplex Integrationsnah
Unterstützungs -Stabilisierungs -Entwicklungs -profil Förderprofil Aktivierungsprofil Marktprofil
Integrationsfern Stabilisierungsbedarf (IG) Förderbedarf (IK) Integrationsnah (IN)
bisherige Betreuungsstufen
Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2013
10
Im Jobcenter Darmstadt befinden sich lediglich 21,2 % der erwerbsfähigen Leistungsberech-
tigten aktuell in Profillagen, die eine schnelle Integration in den Arbeitsmarkt erwarten lassen.
Demgegenüber stehen 78,8 % bzw. absolut 3573 Kundinnen und Kunden, die mit erhebli-
chen Vermittlungshemmnissen bzw. komplexen Profillagen registriert sind.
Im Laufe des Jahres 2012 ist der Anteil der Kundinnen und Kunden mit komplexen Profilla-
gen um 127 Kundinnen und Kunden angestiegen.
Kundenanteile nach Profillagen im Jobcenter Darmstadt (Stand November 2012)
55 113
796
1944
820
809
50
1279
60
MP Marktprofil
AP Aktivierungsprofil
FP Förderprofil
EP Entwicklungsprofil
SP Stabilisierungsprofil
UP Unterstützungsprofil
0,71% 1,45%
10,21%
24,94%
10,52%
10,38%
0,64% 16,41%
0,77%
MP Marktprofil
AP Aktivierungsprofil
FP Förderprofil
EP Entwicklungsprofil
SP Stabilisierungsprofil
UP Unterstützungsprofil
Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2013
11
3. Zielsystem des SGB II
Die Grundsicherung für Arbeitssuchende dient nicht nur der einheitlichen Sicherstellung des
Lebensunterhaltes in finanzieller Hinsicht. Mit der Einführung dieses Gesetzes zum
01.01.2005 wurden umfassende Hilfen geschaffen, um Menschen unmittelbar in den Ar-
beitsprozess zurückzuführen. Dabei sollen deren individuelle Fertigkeiten und Fähigkeiten
gestärkt werden, so dass zukunftsperspektivisch ein Leben unabhängig von der Grundsiche-
rung geführt werden kann.
Dieses Ziel soll einerseits durch staatliche Unterstützung erreicht werden, die darauf ausge-
richtet ist, die Eigeninitiative und die Eigenverantwortung zu stärken. Im SGB II sind daher
eine Vielzahl von Eingliederungsinstrumenten manifestiert, die die Kundin bzw. den Kunden
individuell fördern, aber auch fordern sollen.
Mit dem Gesetz zur „Weiterentwicklung der Organisation der Grundsicherung für Arbeitssu-
chende“ wurden nunmehr die Grundlagen für die Zielsteuerung hinsichtlich der Aufgaben-
wahrnehmung im Rechtskreis SGB II ab 2011 neu fixiert.
Im Zuge dieser Neuorganisation wurde für alle Jobcenter eine neue gemeinsame Datenbasis
zum Zwecke des öffentlichen Vergleichs der Leistungsfähigkeit sowie als Datengrundlage für
die Zielvereinbarung definiert (§ 48 a SGB II). So gelten nun seit 2012 für die Jobcenter in
gemeinsamen Einrichtungen und für Jobcenter unter alleiniger kommunaler Trägerschaft die
gleichen Ziele. Damit kann dem gesetzlichen Auftrag nach § 48 a SGB II, einen Leistungs-
vergleich unabhängig von der Trägerschaft zu ermöglichen, nachgekommen werden.
Zur Erreichung dieser Ziele schließen das Bundesministerium für Arbeit und Soziales
(BMAS) und die Bundesagentur für Arbeit (BA) eine bundesweite Zielvereinbarung hinsicht-
lich der Leistungen, für die die Bundesagentur für Arbeit (BA) nach § 6 Abs. 1 Nr. 1 SGB II
die Verantwortung als Leistungsträgerin innehat, ab. Die BA wiederum führt den Zielpla-
nungsprozess des Bundes mit den Jobcentern vor Ort durch. In lokalen Zielvereinbarungen
wird die bundesweite Zielvereinbarung konkretisiert, Ziele der kommunalen Träger festgelegt
und regionalen Gegebenheiten Rechnung getragen. Die in der Zielvereinbarung vorgesehe-
nen Ziele, Zielindikatoren und Richtgrößen sollen die zur Aufgabenerfüllung notwendige Ori-
entierung geben.
Der Planungsprozess 2013 fußt auf dem abgestimmten Grundlagenpapier des Bund-Länder-
Ausschusses nach § 18c SGB II „Gemeinsame Grundlagen der Zielsteuerung SGB II“ und
wurde in Abstimmung zwischen Bund, Ländern, der BA und den kommunalen Spitzenver-
bänden entwickelt.
Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2013
12
Ziel
Verringerung der
Hilfebedürftigkeit
Verbesserung der
Integration in
Erwerbstätigkeit
Vermeidung von
langfristigem
Leistungsbezug
Ergebnisqualität Prozessqualität
Zielindikatoren
Summe der Leistungen
zum Lebensunterhalt
(ohne LUH)
Integrationsquote Bestand an Langzeit-
leistungsbeziehern
Index aus Kunden-
zufriedenheit
Index aus
Prozessqualität
weitere steuerungsrelevante Kennzahlen
▪ eLb mit Einkommen
aus Erwerbstätigkeit
▪ Sanktionsquote
▪ durchschn. LLU je
Wohnbevölkerung
▪ Anteil Qualifizierung
mit zertifiziertem
Abschluss
▪ Anteil unversorgte
Bewerber
▪ Anteil Altbewerber
▪ durchschn.
Maßnahmekosten je TN
▪ Mindestkunden-
kontaktdichte
▪ AG-S
▪ Bearbeitungsdauer
Widersprüche
▪ Stattgabequote
Widersprüche
▪ Dauer Antragstellung
bis Bescheid
▪ Absolventen-
management
TrEffeR
• Bearbeitungsdauer
• Erstberatung U/Ü25
• Angebot U25
• Eingliederungsverein-
barung im Bestand
Das SGB II - Kennzahlensystem der BA 2013
Steuerungsziele Qualitätskennzahlen
Ergänzungsgrößen
▪ Summe der Leistungen
für Unterkunft und
Heizung
▪ Bestand der
erwerbsfähigen
Leistungsberechtigten
▪ Zugangsrate der
erwerbsfähigen
Leistungsberechtigten
▪ Abgangsrate der
erwerbsfähigen
Leistungsberechtigten
• Quote der Eintritte in
geringfügige
Beschäftigung
▪Quote der Eintritte in
öffentlich geförderte
Beschäftigung
▪ Nachhaltigkeit der
Integration
▪ Integrationsquote der
Alleinerziehenden
• Integrationsquote der
Langzeitleistungs-
bezieher
• Aktivierungsquote der
Langzeitleistungs-
bezieher
• Durchschnittliche
Zugangsrate der
Langzeitleistungs-
bezieher
• Durchschnittliche
Abgangsrate der
Langzeitleistungs-
bezieher
Gesamtzufriedenheit
mit:
• Beratung und
Vermittlung
• Geldleistung
• Mitarbeiter
• Rahmenbedingungen
Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2013
13
3.1 Was haben wir erreicht? - Rückblick 2012 -
Das Jahr 2012 war für das Jobcenter Darmstadt geprä gt durch schwierige Rahmenbedin-
gungen mit vielfältigen Veränderungen und Personalvakanzen. Insbesondere im Bereich des
Führungsstabes und der Geschäftsführung ergaben sic h Veränderungen, aber auch in der
Organisationsstruktur, z.B. Neuorganisation der Ein gangszone, der Eröffnung des Bewer-
bungscenter „dabei“ wurden grundlegende Veränderun gen durchgeführt. Die für das Jahr
2012 sehr ambitionierten Ziele konnten nicht auf allen Ebenen erreicht werden.
Wie schon in den vergangenen Jahren so war auch für 2012 das folgende Zielsystem maß-
gebend:
Ziel Zielindikator
Verringerung der Hilfebedürftigkeit Summe passive Leistungen 4
Verbesserung der Integration in
Erwerbstätigkeit Integrationsquote
5
Langzeitbezug vermeiden
Anzahl der Langzeitleistungsbezieher
/innen
(LZB)
6
Die bisher vorliegenden Ergebnisse und Zahlen für das Jobcenters Darmstadt sehen im Sep-
tember 2012 wie folgt aus.
Ziel Erwartungswerte 201 2
Stand 09.2012
Zielerreichung 201 2
Stand 09.2012
Verringerung der Hilfebedürftigkeit
18.087 Mio. Euro
19.141 Mio. Euro 7
Verbesserung der Integration in Erwerbstä-
tigkeit (Integrationsquote)
22,6 % - 1853
17,1 % = 1375 4
Langzeitbezug vermeiden
Bestand soll 5197 nicht
übersteigen
5066 4
4 Die Summe passiver Leistungen ist definiert als die Summe der Leistungen zur Sicherung des Lebensunterhaltes (ohne kom-
munale Leistungen nach § 7 Abs. 1 Ziffer 2 SGB II sowie Beiträge zur Sozialversicherung).
5 Die Integrationsquote gibt das Verhältnis der inne rhalb des betrachteten Berichtsmonats in Erwerbstät igkeit oder Ausbildung
integrierten erwerbsfähigen Leistungsberechtigten (eLb) zum Bestand aller eLb des Vormonats in Prozent an.
6 Als LZB gelten eLb, die in den vergangenen 24 Monaten mindestens 21 Monate gem. § 9 SGB II hilfebedürftig waren und zum
Messzeitpunkt bestandsrelevant sind.
7 Quelle: Controllingdaten der BA und Kreisreport September 2012; vorläufiger Stand 09/2012; revidierte Daten stehen erst mit
einer Wartezeit von 3 Monaten zur Verfügung; Prognose
Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2013
14
Im Zeitraum 01.01.2012 bis 15.09.2012 wurden bisher insgesamt 1375 erwerbsfähige Hilfs-
bedürftige in Erwerbstätigkeit integriert. Dies ent spricht einer Integrationsquote von 17,1%.
Eine Zielerreichung in diesem Bereich erscheint zum gegenwärtigen Zeitpunkt kaum mehr
realistisch. Vielmehr muss genau analysiert werden, in welchen Bereichen Schwachstellen
bestehen und Abhilfe z.B. durch Schulungen oder Opt imierung in den Arbeitsabläufen ge-
schaffen werden, um so für das Jahr 2013 bessere Ergebnisse erzielen zu können.
Gleichwohl bleibt festzustellen, dass der Personenk reis des SGB II von der positiven Ent-
wicklung am Arbeitsmarkt nicht in dem zu wünschende n Umfang partizipieren kann. Auch
wenn die Zahlen sowohl der Arbeitslosen als auch di e der Hilfsbedürftigen leicht gesunken
sind, so muss dennoch betont werden, dass aufgrund einer Vielzahl von Hemmnissen, wie
z.B. schlechte Schul- und/oder Berufsausbildung, ei ne Entlassung von Personen aus dem
Leistungsbezug des SGB II sehr schwierig ist.
3.2 Kennzahlen nach § 48 a SGB II
Mit dem Jahr 2012 wurde ein Wandel in der Betrachtu ng der Vergleichswerte und Zielsyste-
me im Bezug auf die übrigen Jobcenter vollzogen. Ne ue Kennzahlen gem. § 48 a SGB II
werden zum Leistungsvergleich ausgewertet und zur Zielnachhaltung herangezogen.
Grundlage der Betrachtung sind nicht mehr, wie in Vorjahren, die Kundinnen und Kunden im
Kundenkontakt, sondern alle erwerbsfähigen Leistung sbezieherinnen und -bezieher. Inte-
grierte und nichtaktivierbare Kundinnen und Kunden werden mit in die Betrachtung gezogen.
Für das Jahr 2012 waren drei Hauptziele formuliert:
1. Verringerung der Hilfebedürftigkeit
2. Verbesserung der Integration in Erwerbstätigkeit
3. Vermeidung von langfristigem Leistungsbezug
3.2.1 Verringerung der Hilfebedürftigkeit
Die Kennzahl K1 - Veränderung der Summe der Leistun gen zum Lebensunterhalt (LLU) -
misst die Veränderung der Hilfebedürftigkeit zwisc hen dem aktuellen betrachteten Monat
(Bezugsmonat) und dem entsprechenden Kalendermonat des Vorjahres. Das Maß der Hilfe-
bedürftigkeit ist hierbei die Summe der Leistungen zum Lebensunterhalt der Bedarfsgemein-
schaften. Leistungen zum Lebensunterhalt sind die A nsprüche, die den Mitgliedern
der Bedarfsgemeinschaft als Differenz zwischen dem Bedarf und eigenem Einkommen zu-
gewiesen werden. Dabei bleiben zahlungsmindernde Sa nktionen auf der Ebene der Leis-
tungsansprüche unberücksichtigt.
3.2.2 Verbesserung der Integration in Erwerbstätigkeit
Die Integrationsquote wird seit dem Jahr 2012 aus dem Index der Integrationen der letzen 12
Monate gebildet, die in das Verhältnis zu dem durchschnittlichen Bestand an erwerbsfähigen
Leistungsbezieherinnen und -beziehern der vergangen en 12 Monate gesetzt werden. Die
Grundlage der Zahlen bildet das Fachverfahren A2LL.
Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2013
15
Als Integrationen gelten die Aufnahme von sozialver sicherungspflichtiger Beschäftigung so-
wie selbständiger Erwerbstätigkeit. Ferner fließen die Eintritte in voll qualifizierende berufli-
che Ausbildungen in die Betrachtung ein. Berücksic htigung findet die Aufnahme neuer Be-
schäftigungs- und Ausbildungsverhältnisse sowie selbständiger Tätigkeiten innerhalb des
Berichtsmonats, unabhängig von der Gewährung einer Beschäftigung begleitenden Leistung
(BBL). Dazu gehören ebenfalls Beschäftigungen, die sich unmittelbar an eine bereits beste-
hende anschließen.
Folgende Konstellationen sind möglich:
• Wechsel des Arbeitgebers
• Wechsel von einem geringfügigen in ein sozialversicherungspflichtiges Beschäfti-
gungsverhältnis
• Weiterbeschäftigung beim selben Arbeitgeber im Anschluss an eine befristete Tätig-
keit
Die Aufnahme eines Studiums oder der Eintritt in Be schäftigungszuschuss stellt keine Integ-
ration dar. Die rückwirkende Zählung einer Integration erfolgt nicht mehr, die Integration wird
ohne Berücksichtigung ihrer Dauer gewertet. Pro erw erbstätiger Leistungsbezieherin bzw.
erwerbstätigen Leistungsbezieher wird nur maximal e ine Integration pro Monat gezählt (bei
mehreren kurzfristigen Beschäftigungsverhältnissen).
3.2.3 Vermeidung von langfristigem Leistungsbezug
Für die Wertung der Veränderung des Bestands an Langzeitleistungsbezieherinnen und
-beziehern (LZB) wird die die Veränderung der LZB i m Bezugsmonat zu den Langzeitleis-
tungsbezieherinnen und -beziehern im Vorjahresmonat gemessen. Die Kennzahl ist definiert
als Anzahl der Langzeitleistungsbezieherinnen und - beziehern im Bezugsmonat im Verhält-
nis zu den Langzeitleistungsbezieherinnen und -beziehern im Vorjahresmonat.
Für die Auswertung zur Vermeidung von langfristigem Bezug wird die Zahl der Langzeit-
leistungsbezieherinnen und -bezieher aus dem Fachve rfahren A2LL herangezogen. Der
Leistungsanspruch wird in Monatswerten gemessen, das heißt: Am Stichtag des ausgewähl-
ten Berichtsmonats werden aus allen erwerbsfähigen Leistungsberechtigten (eLb) in be-
standsrelevanten Bedarfsgemeinschaften diejenigen im Langzeitleistungsbezug ermittelt.
Eine Person muss also am Stichtag
• im SGB II-Bezug und
• erwerbsfähig sein,
• mindestens das 17. Lebensjahr vollendet haben und eine
• Verweildauer im SGB II von mindestens 21 Monaten (definiert mit 638 Kalenderta-
gen) in den letzten 24 Monaten (definiert mit 730 Kalendertagen) aufweisen.
Dem dritten Ziel wurde im Jahr 2012 hohe geschäftsp olitische Bedeutung beigemessen. Die
ganzheitliche Betrachtung der Bedarfsgemeinschaft erfordert spezielle Maßnahmen zur Ein-
gliederung und Aktivierung von Langzeitbezieherinnen und -beziehern.
In Anbetracht des novellierten Zielsystems war es in diesem Jahr umso wichtiger, ein für die
Beschäftigten des Jobcenters transparentes und als Leitlinie fungierendes Arbeitsmarktpro-
gramm zu formulieren. Die operativen Strategien mussten deutlich auf eine bedarfsgerechte
Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2013
16
Maßnahmeplanung unter effizientem und effektiv genu tztem Eingliederungsbudget ausge-
richtet sein.
Die Umstellung auf das neue Kennzahlensystem bracht e zum Teil gravierende Veränderun-
gen mit sich. So stieg die Basisgröße der Integrationsquote von seither 4.593 Kundinnen und
Kunden im Kundenkontakt auf nun 8.186 erwerbsfähige Leistungsberechtigte.
Dies entspricht einer Veränderung um 78,2%.
8 Auch die Zahl der Langzeitleistungsbeziehe-
rinnen und -bezieher wuchs signifikant. Aus 1.226 Kundinnen und Kunden im Kundenkontakt
> 24 Monate wurden 5.347 Langzeitleistungsbezieheri nnen und -bezieher. Eine Steigerung
um sagenhafte 436%. 5
3.2.4 Kennzahlen und Referenzwerte 2013
Für die Zielindikatoren der Ziele „Verbesserung der Integration in Erwerbstätigkeit“ und
„Vermeidung von langfristigem Leistungsbezug“ wurde n für den Planungsprozess Referenz-
werte gebildet. Die Referenzwerte legen fest in wel chem Umfang sich die Integrationen im
kommenden Jahr nach oben und der Bestand an Langzeitleistungsbezieherinnen und
-beziehern (LZB) nach unten entwickeln sollen. Sie bilden den Mittelpunkt des Referenz-
rahmens, in dem das Jobcenter seinen Zielwert plant.
Für das Jobcenter Darmstadt ergibt sich folgendes Bild:
Der absolute Zielwert wird nach Bekanntgabe der Int egrationszahl und des Bestandes an
LZB am Berichtsjahresende angepasst.
Das Jobcenter Darmstadt hat zwischenzeitlich im Rahmen des Planungsprozesses 2013 die
o.a. Angebotswerte für die Steigerung der Integrationen (+ 1,6%) sowie für die Abnahme des
Bestand an Langzeitbezieherinnen und -bezieher (-1,2 %) abgegeben.
8 Datenstand Juni 2011
Integrationen (Steigerung in %) Bestand LZB (Abnahme in %)
Referenzwert 2,4 -2,5
Referenzrahmen 1,4 bis 3,4 "-1,0 bis -4,0
Planung JC Darmstadt 1,6 -1,2
Planung absoluter Zielwert 51 -60
Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2013
17
3.3 Prozess- und Qualitätsziele
Zur Unterstützung und Ergänzung des Steuerungssyste ms werden neben den Kennzahlen
nach § 48 a SGB II weitere steuerungsrelevante Kennzahlen für die Zielnachhaltung genutzt.
Auch im Jahr 2012 wurden die operativen Mindeststandards nachgehalten. Diese sind:
a) Index aus Prozessqualität
b) Index aus Kundenzufriedenheit
Im Index aus Prozessqualität werden die Erfüllungsquoten verschiedener Arbeitsa bläufe
gemessen, um so einen schnellen Überblick über die Qualität der Arbeitsprozesse zu geben.
Hierzu gehören (Gewichtung):
die Durchführung der Erstberatung (15%)
die Durchführung der Erstberatung U25 (15%)
das Angebot U25 (15%)
die Eingliederungsvereinbarungen im Bestand (25%)
die Bearbeitungsdauer (30%)
Der hier abgebildeten Grafik kann nochmals die Zusa mmenstellung und Gewichtung der
zum Index aus Prozessqualität gehörigen Dimensionen entnommen werden.
Index aus Prozessqualität JFW
Rang Rang
Ist 3/1 5 Ist (Typ)
Soll-Ist in % Ist (Dtl.)
Ist-Ist VJ in % 1 2/1 5
Ist-Ist VJ in % (Typ)
Ist-Ist VJ in % (Dtl.)
QS - Bearbeitungsdauer gJFW QS - Erstberatung JFW
Soll: 1 4 Tage l Gewichtung: 30 % Rang Rang Soll: 80 % l Gewichtung: 1 5 % Rang
Ist in Tagen 1 2/1 5 Ist in Tagen (Typ) Ist erfüllt in % 5/1 5 Ist erfüllt in % (Typ)
Soll-Ist in % Ist in Tagen (Dtl.) Ist erfüllt in % (MW) Ist erfüllt in % (Dtl.)
Daten für Indexberechnung Ist-Ist VJ in % 1 0/1 5 Daten für Indexberechnung
Soll-Ist Index in % Ist-Ist VJ in % (Typ) Soll-Ist Index in %
Teilergebnis Ist-Ist VJ in % (Dtl.) Teilergebnis
QS - Eingliederungsvereinbarung im Bestand JDW QS - Erstberatung U25 JFW
Soll: 80 % l Gewichtung: 25 % Rang Rang Soll: 80 % l Gewichtung: 1 5 % Rang
Ist erfüllt in % 1 1 /1 5 Ist erfüllt in % (Typ) Ist erfüllt in % 4/1 5 Ist erfüllt in % (Typ)
Ist erfüllt in % (MW) Ist erfüllt in % (Dtl.) Ist erf üllt in % (MW) Ist erfüllt in % (Dtl.)
Daten für Indexberechnung Ist-Ist VJ in % 1 3/1 5 Daten für Indexberechnung
Soll-Ist Index in % Ist-Ist VJ in % (Typ) Soll-Ist Index in %
Teilergebnis Ist-Ist VJ in % (Dtl.) Teilergebnis
QS - Angebot U25 JFW
Soll: 80 % l Gewichtung: 1 5 % Rang
Ist erfüllt in % 2/1 5 Ist erfüllt in % (Typ)
Ist erfüllt in % (MW) Ist erfüllt in % (Dtl.)
Daten für Indexberechnung
Soll-Ist Index in %
Teilergebnis
-1,1
3,5
3,5
88,3
93,7
l
112,8
12,8
105,3
105,8
l l
110,4
16,6
l
16,2
90,2
100,0
8,09
-42,2
120,0
36,0
7,36
7,07
7,1
-0,8
-3,6
l
86,9
85,2
108,6
27,2
88,2
87,2
-1,9
2,4
2,2
75,7
79,5
86,4
100,0
108,0
l
112,8
16,9
74,5
74,1
72,4
73,6
Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2013
18
Im Jahresverlauf konnte das Jobcenter Darmstadt hie r sehr gute Ergebnisse erzielen und
auch im Vergleich mit anderen Jobcentern bestehen. So wurde im offiziellen Ranking inner-
halb des SGB II Vergleichstyps (Typ IV) Platz 3 von 15 erreicht.
Ein weiterer Aspekt von Qualität ist die Bewertung der Dienstleistungen durch die Kundinnen
und Kunden. Diese werden im Index aus Kundenzufriedenheit gemessen.
Schwerpunkt dieser Detailanalyse ist die Auswertung der zentral durch das Zentrum für
Kunden- und Mitarbeiterbefragungen (ZKM) durchgeführten Untersuchungen. Hierzu werden
standardisierte Befragungen in unterschiedlicher Form (schriftlich, mündlich, telefonisch oder
auch online) durchgeführt.
Die Themenfelder sind in folgende Blöcke zusammengefasst, die mit einer unterschiedlichen
Gewichtung in das Ergebnis einfließen:
• Beratung und Vermittlung (25%)
• Geldleistungen (25%)
• Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (30%)
• Rahmenbedingungen (20%)
Der Fragebogen des ZKM umfasst insgesamt 45 Einzelfragen, wird jedoch nur halbjährlich
ausgewertet. Das Ergebnis wird in Schulnoten dargestellt. Im ersten Halbjahr 2012 konnte
das Jobcenter Darmstadt die Note 2,68 erreichen.
Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2013
19
3.4 Lokale Zielvereinbarung mit der Wissenschaftsst adt Darmstadt
Im August 2011 wurde eine lokale Zielvereinbarung mit dem Jugendamt der Wissenschafts-
stadt Darmstadt abgeschlossen.
Ziele waren:
Ł Senkung der Jugendarbeitslosigkeit bis Dezember 2012 auf 300 junge Menschen
Ł Erhöhung der Einmündungsquote in schulische Weiterbildung sowie schulische und
betriebliche Ausbildung auf 65 %
Zielerreichung:
1.) Senkung der Jugendarbeitslosigkeit auf 300 Jugendliche bis Dezember 2012
Ł wird erreicht (im November 2012 sind 307 junge Menschen unter 25 Jahren
arbeitslos gemeldet)
2.) Erhöhung der Einmündungsquote auf 65 % bis September 2012
Ł wurde mit 71 % übertroffen
Von 545 jugendlichen Bewerberinnen und Bewerbern haben erreicht:
- schul. bzw. betriebliche Berufsausbildung: 210 Ju gendliche
- weiterführende Schule: 142 Jugendliche
- Studium: 35 Jugendliche
40 Jugendliche sind in berufsvorbereitende Maßnahmen eingemündet, weitere 30 Jugendli-
che haben eine Chance in einer Einstiegsqualifizierung gefunden und 22 Jugendliche ma-
chen ein freiwilliges soziales Jahr.
Somit bleibt positiv festzustellen, dass beide lokalen Ziele im Jahr 2012 erfüllt wurden.
Die neuen Zielvereinbarungen 2013 lauten wie folgt:
• Senkung der Jugendarbeitslosigkeit bis Dezember 20 13 auf 280 Jugendliche
• Steigerung der Einmündungsquote auf 75 % bis zum E nde des Berichtsjahres
(20.09.2013)
• Gemeinsame Planung und Durchführung von Maßnahmen zur Verbesserung der Aus-
bildungsreife und Verselbständigung sowie gemeinsame Maßnahmen zur Herstellung
der Vermittlungsfähigkeit
Weiteres ist dem Punkt 5.5 zu entnehmen.
Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2013
20
4. Aktive Förderung durch das Jobcenter Darmstadt – Planung
2013
Die arbeitsmarktpolitische Jahresplanung des Jobcenters Darmstadt ist mit den vorhandenen
Finanzmitteln in Bezug auf die vereinbarten lokalen und allgemeinen Zielsetzungen abzu-
stimmen. Das Jobcenter Darmstadt ist hierbei bestre bt die vorhandenen Finanzressourcen
so effizient einzusetzen, dass die Zielsetzungen maximal erreicht werden.
Die Planung stellt sich demnach wie folgt für das Jahr 2013 dar:
4.1. Haushalts- und Finanzsituation 2013: Eingliederungs- und Verwaltungs-
budget
Für das Haushaltsjahr 2013 steht dem Jobcenter Darmstadt voraussichtlich ein Gesamtbud-
get von insgesamt 12,0 Mio. Euro zur Verfügung. Das entspricht einem Rückgang der Mittel-
zuteilung um rd. 9,1 % (Zuteilung 2012: 13,1 Mio. Euro).
Dieses Gesamtbudget teilt sich wie folgt auf:
Voraussichtliche Mittelzuteilung nach der Eingliederungsmittelverordnung in Mio. EURO:
Jahr Eingliederungstitel Verwaltungshaushalt
2012 6,2 6,9
2013 5,3 6,7
Im Rahmen der Planung der Verwaltungskosten für das Haushaltsjahr 2013 hat sich heraus-
gestellt, dass der tatsächlich notwendige Betrag fü r das Verwaltungsbudget 7,2 Mio. Euro
umfasst. Es müssen deshalb rd. 1,5 Mio. Euro aus dem Eingliederungsbudget in das Verwal-
tungsbudget umgeschichtet werden (2012: rd. 1,7 Mio. Euro).
Für das Neugeschäft im Eingliederungsbudget verblei bt nach Abzug des Umschichtungsbe-
trages, der nicht verausgabten Bindungen aus 2012 u nd den Vorbindungen ein Gesamtbe-
trag von 1,7 Mio. Euro.
Eingliederungsmittel 2013 (in EURO)
Voraussichtliche Ausgabemittelzuteilung insgesamt
5.299.100
geplante Umschichtungen zum Verwaltungshaushalt -1. 535.000
Saldo Forderungseinzug / nicht verausgabte Bindunge n aus 2012 -15.000
zur Verfügung stehende Ausgabemittel 2013 3.749.100
Vorbindungen aus Vorjahren fällig 2013 -2.039.400
zur Verfügung stehende Ausgabemittel für Neugeschäf t 1.709.700
Geplante Ausgaben für 2013 in Euro (Neugeschäft)
2.057.300
Geplante Ausgaben für 2013 in % (Neugeschäft)
120,3%
Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2013
21
Die Überplanung des Neugeschäfts ist begründet:
Aufgrund des Haushaltrechts werden in die Planung a lle Verpflichtungen aufgenommen.
Hieraus ergeben sich im Laufe eines Jahres Freirech nungen (z. B. aufgrund von Einsparun-
gen im Einkauf oder durch Abbrüche/ Fluktuationen b ei der Maßnahmebesetzung). Vor die-
sem Hintergrund und nach der Erfahrung des laufenden Haushaltsjahres, in dem nur rund
84 % (Stand 17.12.2012) der für das Neugeschäft zur Verfügung stehenden Haushaltsmittel
verausgabt wurden, ist eine Überplanung auch in diesem Umfang notwendig. Eine Rückgabe
von Haushaltsmitteln an den Bund soll soweit möglic hst vermieden werden. Die Einhaltung
der im Gesamtjahr zur Verfügung stehenden Haushalts mittel obliegt dem Beauftragten für
den Haushalt (BfdH), der ggf. der Geschäftsführung entsprechende Planungskorrekturen im
Rahmen einer ab April 2013 vorgesehenen Revisionsplanung vorschlagen wird.
4.2 Budgetausstattung und Eintrittsplanung 2013
Die Budgetausstattung der einzelnen Instrumente sieht mit einem Anteil von 26,8 % der
Ausgaben den größten Anteil für die Maßnahmen der Aktivierung und beruflichen Eingliede-
rung (MabE) vor. Das entspricht einer Steigerung um 17,0 Prozentpunkte gegenüber der
Planung für 2012. Auch das Budget bei der Förderung der beruflichen Weiterbildung (FbW)
wurde gegenüber 2012 in der Planung von einem Anteil von 7,6 % auf 17,9 % gesteigert.
Eingliederungszuschüsse wurden überwiegend im zweiten Halbjahr 2013 eingeplant, so
dass bei diesem Instrument trotz reduziertem Mitteleinsatz die Eintrittszahlen des Vorjahres
leicht überschritten werden (s. u.). Deutlich reduziert wurde der Budgetansatz für die Ar-
beitsgelegenheiten mit einem Anteil von 10,0 % (Planung 2012: 16,9%).
Ein Gesamtüberblick kann der folgenden Aufstellung entnommen werden:
Bei der vorstehenden Tabelle ist zu beachten, dass die Ausgaben für 2013 um 20,3 % über-
plant sind und für 2012 Ist-Werte zugrunde gelegt wurden.
2012
Altgeschäft
(Vorbindungen) Neugeschäft Ausgaben
Anteil an
Ausgaben
in % Ausgaben
Planung EgT Gesamt (Beträge in EURO) 2.039.420 2.057. 252 4.096.672 100 3.908.273
Förderung der beruflichen Weiterbildung (FbW) 215.00 0 519.854 734.854 17,9 474.293
Aktivierung und berufliche Eingliederung (MAbE) 725. 000 371.843 1.096.843 26,8 720.562
Arbeitsgelegenheit (AGH) Mehraufwandvariante 55.000 3 53.115 408.115 10,0 483.525
Berufsausbildung in außerbetriebl. Einrichtungen (BaE) 765.000 76.528 841.528 20,5 743.425
Eingliederungszuschüsse (EGZ) 130.000 356.937 486.937 1 1,9 755.869
Förderung aus dem Vermittlungbudget (VB) 0 100.430 100 .430 2,5 108.839
Reha Ermessens- und Pflichtleistungen 75.420 125.000 2 00.420 4,9 304.155
Förderung Arbeitsverhältnisse (FAV) 14.000 89.835 103. 835 2,5 16.197
Gutscheinverfahren (VGS) 0 0 0 0,0 9.000
Befristeter Beschäftigungszuschuss (BEZ) 0 0 0 0,0 13.32 3
Einstiegsgeld (ESG) 4.000 5.500 9.500 0,2 5.561
Einstiegsqualifizierung (EQ) 0 34.125 34.125 0,8 50.582
Begleitende Hilfen Selbstständigkeit 0 6.000 6.000 0,1 5.677
Sonstige Förderleistungen 56.000 18.085 74.085 1,8 217.265
2013
Eingliederungsleistungen: Budgetausstattung nach Instrumenten
Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2013
22
Hinter den 5 Instrumenten mit den größten Anteilen an den Gesamtausgaben steht folgende
Eintrittsplanung:
Eintritte
Anteil an
Gesamteintritten
in % Eintritte
Anteil an
Gesamteintritten
in %
Gesamt 1.433 100 1.682 100
Förderung der beruflichen Weiterbildung (FbW) 180 12, 6 161 9,6
Aktivierung und berufliche Eingliederung (MAbE) 823 5 7,4 808 48,0
Arbeitsgelegenheit (AGH) Mehraufwandvariante 280 19,5 553 32,9
Berufsausbildung in außerbetriebl. Einrichtungen (BaE) 16 1,1 31 1,8
Eingliederungszuschüsse (EGZ) 134 9,4 129 7,7
2013 2012
Eintritte: Die 5 großen EGT Instrumente
Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2013
23
5. Geschäftspolitische Schwerpunkte
Die Aufgaben und Ziele der Grundsicherung für Arbeitsuchende hat der Gesetzgeber in
§ 1 SGB II beschrieben. Danach soll die Grundsicherung für Arbeitsuchende es den Leis-
tungsberechtigten ermöglichen, ein Leben zu führen, das der Würde des Menschen ent-
spricht. Aufgabe ist es, die Eigenverantwortung von erwerbsfähigen Leistungsberechtigten
und Personen, die mit ihnen in einer Bedarfsgemeinschaft (BG) leben, zu stärken und dazu
beitragen, dass sie ihren Lebensunterhalt unabhängig von der Grundsicherung aus eigenen
Mitteln und Kräften bestreiten können.
Das Jobcenter soll erwerbsfähige Leistungsberechtigte bei der Aufnahme oder Beibehaltung
einer Erwerbstätigkeit unterstützen und den Lebensunterhalt sichern, soweit sie ihn nicht auf
andere Weise bestreiten können.
Insbesondere sind die Leistungen der Grundsicherung darauf auszurichten, dass
• durch eine Erwerbstätigkeit Hilfebedürftigkeit ver mieden oder beseitigt, die Dauer der
Hilfebedürftigkeit verkürzt oder der Umfang der Hilfebedürftigkeit verringert wird
• die Erwerbsfähigkeit einer leistungsberechtigten Person erhalten, verbessert oder
wieder hergestellt wird
• geschlechtsspezifischen Nachteilen von erwerbsfähi gen Leistungsberechtigten ent-
gegengewirkt wird
• die familienspezifischen Lebensverhältnisse von er werbsfähigen Leistungsberechtig-
ten, die Kinder erziehen oder pflegebedürftige Angehörige betreuen, berücksichtigt
werden
• die behindertenspezifischen Nachteile überwunden w erden
• Anreize zur Aufnahme und Ausübung einer Erwerbstät igkeit geschaffen und auf-
rechterhalten werden.
Neben dem in § 1 SGB II definierten gesetzliche Auftrag der Grundsicherung sind die in
§ 48 b SGB II definierten Steuerungsziele der Grundsicherung für Arbeitsuchende
- Verringerung der Hilfebedürftigkeit
- Verbesserung der Integration in Erwerbstätigkeit
- Vermeidung von langfristigem Leistungsbezug
sowie die Qualitätskennzahlen im Bereich Prozessqualität und Kundenzufriedenheitsindex
Grundlagen des Arbeitsmarktprogramms.
Die im Jahr 2012 festgelegten geschäftspolitischen Schwerpunkte sind für das Jahr 2013
nicht als bundesweite Schwerpunkte vorgegeben, sondern als „geschäftspolitische Hand-
lungsfelder“, die von den einzelnen Jobcentern je nach den spezifischen regionalen Bedin-
gungen schwerpunktmäßig unterschiedlich operativ umgesetzt werden können.
Die geschäftspolitischen Handlungsfelder sind mit der kommunalen Arbeitsmarkt-
und Beschäftigungsstrategie und den damit verbundenen Zielen zu verzahnen.
Als einziger bundesweit festgelegter Handlungsschwerpunkt ist die „Erstausbildung im Er-
wachsenenalter“ vorgesehen (näheres unter Punkt 5.6).
Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2013
24
Das Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm des Jobcenters Darmstadt orientiert sich an
den umseitig beschriebenen Zielen und geschäftspolitischen Handlungsfeldern.
Die Integration der Grundsicherungskundinnen und -kunden in den ersten Arbeitsmarkt ist
auch 2013 das primäre Ziel des Jobcenters Darmstadt.
Somit ergeben sich für das Jobcenter Darmstadt folgende geschäftspolitischen Schwerpunk-
te und Handlungsfelder für 2013
9:
9
Zur besseren Darstellung wird auf die Anlage „Geschäftspolitische Schwerpunkte 2013 des Jobcenters Darmstadt“ verwiesen
Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2013
25
Für 2013 sind im Jobcenter Darmstadt folgende Handlungsschwerpunkte gesetzt:
• Steigerung der ungeförderten Integrationen von mar ktnahen Kundinnen und Kunden
durch eine enge Kundenkontaktdichte und durch Intensivierung der Zusammenarbeit
im gemeinsamen Arbeitgeberservice mit der Agentur für Arbeit. Ein verbindliches
Kontaktdichtekonzept befindet sich derzeit in Abstimmung und wird nachgereicht
• Schnellere Einbindung von Neukundinnen und -kunden in die Vermittlungs- und In-
tegrationsarbeit durch Einrichtung einer „Jobakademie“ Anfang 2013 (siehe hierzu
Punkt 5.9.3.)
• Fortführung der Förderung der beruflichen Weiterbi ldung trotz geringeren Eingliede-
rungsbudgets auf dem Niveau des Vorjahres, um insbesondere jungen Erwachsenen,
durch Qualifizierungen mit Abschluss dauerhafte Integrationschancen zu ermöglichen
• Fortführung bzw. Weiterentwicklung von Projekten f ür Zielgruppen des Arbeitsmark-
tes (u.a. Alleinerziehende, Jugendliche, 50+ Programm)
Auch die weitere Aktivierung der Langzeitbestandskundinnen und -kunden wird eine wesent-
liche Rolle in 2013 spielen. Für eine Heranführung an den Markt und die Unterstützung die-
ser Kundengruppe sollen spezifische Maßnahmeangebote konzipiert werden (s. hierzu Punkt
5.2).
5.1 Kundinnen und Kunden ohne Abschluss zu Fachkräften ausbilden
Die Entwicklung des deutschen Arbeitsmarktes im Hin blick auf die Fachkräfteproblematik ist
weiterhin in allem Munde. Es gibt hierzu verschiede ne Schätzungen und Szenarien, die je-
doch eine Gemeinsamkeit aufweisen: Das Angebot an A rbeitskräften geht demographisch
zurück, während gleichzeitig der Bedarf an gut qual ifizierten Arbeitskräften voraussichtlich
steigen wird. Bei wachsenden Qualifikationsanforder ungen und geringer Nachfrage im Be-
reich einfacher Tätigkeiten bleiben diejenigen Personen zurück, die keine ausreichende Qua-
lifikation besitzen. Diese Entwicklungen stellen gerade für das SGB II eine große Herausfor-
derung dar.
5.1.1 Arbeitskreis Fachkräftebedarf
Mitte 2011 nahm im Jobcenter Darmstadt der Arbeitsk reis Fachkräftebedarf, der aus den
Teamleiterinnen des Bereiches Markt und Integration und der Beauftragten für Chancen-
gleichheit am Arbeitsmarkt besteht, seine Arbeit au f. Die bisherigen Aktivitäten des Arbeits-
kreises sind dem Arbeitsmarkt- und Integrationsprog ramm 2012 zu entnehmen. Im Jahr
2012 führte der Arbeitskreis seine Arbeit fort. Ein e statistische Abfrage ergab, dass sich die
Kundenstruktur gegenüber den Vorjahren veränderte. Der prozentuale Anteil der arbeitslo-
sen Kundinnen und Kunden in marktfernen Profillagen steigt stetig an. 78 % der Arbeitslosen
im Jobcenter Darmstadt sind als „arbeitsmarktfern“ nach dem 4-Phasenmodell der Integrati-
onsarbeit eingestuft. Viele der „arbeitsmarktfernen “ arbeitslosen Menschen sind von multip-
len Problemlagen, wie beispielsweise lange Zeiten o hne Erwerbsarbeit, geringe Qualifikatio-
nen, soziale, psychische und gesundheitliche Probleme betroffen.
Um einerseits den Teil der marktnahen arbeitslosen Kundinnen und Kunden im Rahmen der
Fachkräftesicherung für die regionale Wirtschaft zu gewinnen und andererseits bei der ar-
beitsmarktfernen Personengruppe der Verfestigung der Langzeitarbeitslosigkeit entgegen zu
wirken, wurden vom Arbeitskreis Impulse für die Aus richtung der Integrationsarbeit formu-
liert:
Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2013
26
• Kundenpotenziale für die Erzieherberufe und Altenp flege identifizieren
• Migrantinnen und Migranten als Fachkräfte gewinnen / Nutzung Anerkennungsbe-
ratung steigern
• Frauenerwerbstätigkeit durch eine bessere Vereinba rkeit von Familie und Beruf
erhöhen
• Zielgerichtete Ansprache der Arbeitgeber zur Verbe sserung der Wettbewerbsfä-
higkeit von SGB II Kundinnen und Kunden - Die Zus ammenarbeit mit dem ge-
meinsamen Arbeitgeberservice intensivieren
• Nutzung von Vorbereitungsmaßnahmen zur Kompetenzfe ststellung für erfolgrei-
che Teilnahme an Qualifikationsmaßnahmen bzw. erfol greiches Zustandekom-
men von Erwerbstätigkeit intensivieren
• Beschäftigungsfähigkeit bei arbeitsmarktfernen Kun dinnen und Kunden erhalten
Aufgrund der Zunahme komplexer Profillagen hat sich der Arbeitskreis im Jahr 2013 zum
Ziel gesetzt, verstärkt die Potenziale der arbeitsm arktfernen erwerbsfähigen Leistungsbe-
rechtigten herauszuarbeiten.
Auf den folgenden Seiten des Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramms 2013 sind Informati-
onen zu Unterstützungspotenzialen und Fördermöglich keiten der weiteren Zielgruppen im
SGB II zu finden.
5.1.2 Jobs für best!agers
Die Personengruppe 50plus behält weiterhin einen gr oßen Stellenwert im gesellschaftlichen
Kontext, zum einen, dass sie für die Arbeitsleistun g zur wirtschaftlichen Stabilität beiträgt,
indem aufgebautes Humankapital nicht vergeudet wird und andererseits, dass sie durch ihre
Finanzleistung an die sozialen Sicherheitssysteme deren Stabilität sichert.
Für ältere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer
haben sich die Chancen auf einen neuen
Job im vergangenen Jahr kaum verbessert, Unternehmen stellen nicht wesentlich mehr Älte-
re ein.
Verringert hat sich nach Darstellung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung
(IAB) aber ihr Risiko, arbeitslos zu werden. Untern ehmen halten länger an älteren Beschäf-
tigten fest. Dies signalisiert, dass in der Arbeits marktpolitik auf gesamtwirtschaftlicher Ebene
und in der Personalpolitik auf betrieblicher Ebene ein Paradigmenwechsel eingeleitet worden
ist und der Bewusstseinswandel bereits erste Spuren hinterlassen hat.
So ist auch erkennbar, dass sich die Einstellung de r Unternehmen zu älteren Belegschafts-
mitgliederinnen und Belegschaftsmitglieder ganz gru ndlegend wandelt, insofern, dass Be-
triebe, die mit einem hohen Anteil älterer Arbeitne hmerinnen und Arbeitnehmern in altersge-
mischten Teams eine weit überdurchschnittliche Prod uktivität vorweisen. Da wird deutlich,
dass die oft beschworenen „Chancen einer alternden Gesellschaft“ nicht nur leere Worte
sind.
Durch die erfahrungsgebundene Intelligenz der Älteren und die fluide Intelligenz der Jungen -
die Jungen kennen den Weg, aber die Alten die Abkür zung - ist eine optimale Konstellation
im Generationenmix gegeben.
Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2013
27
Bei einem Mangel an qualifizierten Arbeitskräften wird es zudem immer wichtiger, vorhande-
ne Ressourcen der älteren Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern (wieder) zu aktivieren und
ausschöpfend zu nutzen. Dazu gehört auch eine besse re und nachhaltigere Eingliederung
älterer Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in den Produktionsprozess.
Zwar kann aus dem Bewerberpool der best!agers keine nennenswerte Anzahl an Fachkräf-
ten rekrutiert werden jedoch könnten Bemühungen dah ingehend ausgerichtet werden, dass
Unternehmen arbeitslose 50plus Kundinnen und Kunden durch Job Rotation in den Betrie-
ben eine Einstellung finden.
Hier würde für Unternehmen und Arbeitnehmerin und A rbeitnehmer gleichermaßen ein Vor-
teil entstehen. Eine effektive Möglichkeit, die in den Betrieben vorhandenen Mitarbeiterinnen
und Mitarbeiter durch Lernen am Arbeitsplatz zu qua lifizieren, um das Wissen im Betrieb zu
binden. Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern
könnten den unternehmerischen Bedürfnis-
sen entsprechend intern weitergebildet werden und s o gezielt eingesetzt werden. Frei wer-
dende Stellen, insbesondere im Helferbereich und mi t weniger Qualifizierungsanspruch
könnten die Beschäftigungschancen für die älteren Arbeitslosen bieten.
Auch im Jahre 2013 wird eine stetige Sensibilisieru ng der Arbeitgeber erfolgen müssen um
einerseits offene und auch verdeckte Stellen zu akq uirieren und andererseits auch an das
gesellschaftliche Engagement zu appellieren, an die soziale Verantwortung und an die Weit-
sicht, dass motivierte Bewerberinnen und Bewerber e ine Chance erhalten eine Teilhabe am
Erwerbsleben, an sozialer und kultureller Teilhabe.
Das Projekt des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales „Perspektive 50plus“ setzt als
zentrales Ziel weiterhin die Verbesserung der Besch äftigungschancen älterer Langzeitar-
beitsloser sowie deren Aktivierung und Vermittlung in sozialversicherungspflichtige Beschäf-
tigung.
Der Handlungsansatz der Projektumsetzung bleibt off en; je nach den regionalen Gegeben-
heiten und innovativem Engagement besteht die Mögli chkeit, den älteren Langzeitarbeitslo-
sen individuelle Leistungen und Unterstützungsangeb ote zu unterbreiten, um deren
(Re)Integration in den Arbeitsmarkt zu ermöglichen. Auch für 2013 bleibt die vorgegebene
Zielgröße bei 250 Integrationen.
Die im Team Jobs für best!agers betreute Zielgruppe „ältere Langzeitarbeitslose ab 50“ ist
sehr heterogen in Bezug auf Qualifikation, Berufser fahrung, Sprachkenntnisse, Gesundheit,
da sie außer dem Alter und der Hilfebedürftigkeit w enig gemeinsam hat. Allgemein in der
Grundsicherung typische Arbeitsmarktrisiken wie ger inge Qualifizierung, fehlende aktuelle
Kenntnisse und das „Alter“ an sich setzten starke eigenständige Akzente.
Zwei Drittel der Langzeitarbeitslosen über 50 sind jedoch in der freien Wirtschaft faktisch
ohne Chance. Aus den verschiedenen Problemlagen der Kundinnen und Kunden lassen sich
insbesondere zwei vermehrt auftretende Hemmnisse er kennen: schwierige Bedingungen
bzgl. der Leistungsfähigkeit durch gesundheitliche Beeinträchtigungen (körperlich und psy-
chisch) und schwierige soziale Lage. Weitere Einste llungshürden sind auch bei diesen Kun-
dinnen und Kunden die kaum vorhandenen beruflichen Kenntnisse und bei den Migrantinnen
und Migranten fehlende Sprachkompetenzen.
Nur durch eine engmaschige Betreuung kann ein Zugan g zu den
Kundinnen und Kunden,
die Beachtung und Würdigung der spezifischen Lebens umstände und eine sinnvolle, auf
Beseitigung von Vermittlungshemmnissen ausgerichtete, Integrationsstrategie erfolgen.
Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2013
28
Für die komplexen Profillagen werden 2013 eher Maßn ahmen mit einer Kompetenzerfas-
sung im Arbeitsprozess zum Ansatz gebracht. Hier sollen durch eine umfass ende Ein-
schätzung der Fähigkeiten, sowie Stärken und Kompet enzen über weitere Qualifizierungs-
und Fördermaßnahmen Weichen gestellt werden.
Besonders benachteiligte Langzeitarbeitslose sollen einer Netto-Maßnahme zugewiesen
werden mit dem Ziel, die Teilnehmerinnen und Teilne hmer zu aktivieren, eine Tagesstruktur
herstellen, Heranführen an das Arbeitsleben und Erwerb von Kompetenzen.
Eine Maßnahme Integrationszentrum Darmstadt für Migrantinnen und Migranten und
ältere Menschen mit Migrationshintergrund soll zur Reduzierung der Arbeitslosenquote
von Migrantinnen und Migranten und deren Integratio n in den Arbeitsmarkt führen. Hierbei
steht auch die Anerkennung der im Ausland erworbene n Berufsabschlüsse im Fokus, Erlan-
gung ausreichender Deutschkenntnisse, Reflexion und Abbau kulturell geprägter Barrieren,
die eine berufliche Eingliederung erschweren.
Der Ansatz einer Maßnahme für Menschen mit psychischer Erkrankung ist ausgerichtet
für Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit besonderen sozialen und persönlichen Defiziten, für
die unter notwendigen begleitenden Hilfen eine Täti gkeit auf dem Ersten Arbeitsmarkt zu
realisieren ist. Kundinnen und Kunden mit zu erwar tenden Chancen am Arbeitsmarkt neh-
men an einer Maßnahme mit assistierter Vermittlung teil; eine intensive Begleitung bei
der Jobsuche. In Selbstanalyse der Eigenschaften und Fähigkeiten, Optimierung der Bewer-
bungsstrategien, Suchstrategien für offene und verd eckte Stellen, Telefontraining für Initia-
tivbewerbungen und Vorbereitung auf Vorstellungsges präche werden die
Kundinnen und
Kunden in wöchentlichen Präsenzzeiten unterstützt.
Auch 2013 wird im Rahmen des Projektes „Perspektive 50plus“ das Teilprojekt „IMPULS
50plus“ für ältere langzeitarbeitslose Bewerberinnen und B ewerber mit multiplen Vermitt-
lungshemmnissen fortgeführt. Hier steht die schritt weise Heranführung an den Arbeitsmarkt
im Fokus. Es zeigte sich, dass viele Bewerberinnen und Bewerber positiv auf die engma-
schige Betreuung reagierten. Zwei Impuls-Fallmanagerinnen betreuen jeweils 75 Kundinnen
und Kunden. Eine Kontaktdichte beträgt vier bis sec hs Wochen. 16 Integrationen sind im
Jahre 2013 zu realisieren.
Wie bereits in den vorangegangenen Jahren festgeste llt wurde, stellt die Problematik ge-
sundheitlicher Einschränkungen, physischer wie psychischer, eine wichtige Komponente der
relevanten Vermittlungshemmnisse dar. Im Jahr 2012 wurde daher verstärkt der Schwer-
punkt zum Thema „Gesundheit“ gesetzt. Die für die Impuls-Teilnehmerinnen und Te ilneh-
mer für 2013 eingerichtete Maßnahme setzt sich aus vier Bausteinen (Mobilität, Selbstrefle-
xion, Bewerbungstraining, Gesundheit) zusammen, wobei der Gesundheitsaspekt eine wich-
tige Säule bildet. Beinhaltet sind hierbei wöchentl ich ein Tag aktive Sportübungen mit einer
qualifizierten Trainerin, sowie zusätzlich Ernährungsberatung (auch gemeinsames Einkaufen
und Kochen) und Stressmanagement.
Unterstützend wurde ein Chorworkshop eingerichtet, der neben einer gesundheitsfördern-
den Wirkung auch die
Teilnehmerinnen und Teilnehmer in Hinblick auf geistliche, moralische
und emotionale Entwicklung fördert, einen kulturell en Austausch liefert und den Beteiligten
eine aktive Teilnahme am gesellschaftlichen Leben ermöglicht.
Seit Oktober 2012 wird im Rahmen eines Assessments zur Feststellung der Erwerbsfä-
higkeit über eine arbeitsmedizinische, eine arbeitspsychol ogische und eine fachpraktische
Testung festgestellt, welche Berufswegplanung für d ie Teilnehmerinnen und Teilnehmer in
Frage kommen bzw. welche Integrationsmöglichkeiten bestehen.
Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2013
29
Im Jahr 2013 endet für einige der Impulskundinnen und Impulskunden die Teilnahme im „Im-
puls 50plus-Projekt“, da dieses eine Teilnahmedauer von 3 Jahren für die einzelnen Bewer-
berinnen und Bewerber vorsieht. Es hat sich gezeigt , dass sich die Teilnahme bei den Be-
werberinnen und Bewerbern mit verstetigten Vermittl ungshemmnissen sehr unterschiedlich
auswirkt. Bei einigen Teilnehmerinnen und Teilnehme rn ließen sich auch durch die Teilnah-
me im Projekt bisher kaum Veränderungen bzgl. einer Heranführung an den Arbeitsmarkt
erzielen. Andererseits konnten viele der Bewerberin nen und Bewerber, für die im Jahr 2013
die Teilnahme auch ohne eine Arbeitsmarktintegratio n beendet sein wird, trotzdem von der
Projektteilnahme profitieren. Es konnten Teilschrit te im Integrationsprozess erreicht werden,
z.B. durch das Ausüben von Ehrenämtern, Minijobs oder die Erweiterung sozialer Netzwerke
durch die Teilnahme an Angeboten wie dem Gesundheitssport oder dem Chorworkshop.
Für alle 50plus Kundinnen und Kunden wird dem Aspek t Gesundheit für das Jahr 2013 wei-
terhin große Bedeutung beigemessen. Gesundheitssport und Aquatraining wird den
50plus Kundinnen und Kunden weiterhin angeboten. 2013 wird wiederum ein Gesundheits-
tag mit verschiedenen Aktivitäten veranstaltet um Anreg ungen zum Thema Bewegung, ge-
sunder Ernährung und sozialer Einbindung zu liefern . Hierbei soll insbesondere das Enga-
gement in eigener Sache geweckt werden und „Motivation zur Bewegung“ erreicht werden.
Langzeitarbeitslose mit Migrationshintergrund sind in der Zielgruppe mit einem überdurch-
schnittlichen Anteil vertreten und haben einen viel fältigen Förderbedarf. Die Integration ge-
staltet sich hier besonders schwierig. Ursachen lie gen zum einen in strukturellen Problemen
wie fehlenden beruflichen Kenntnissen oder erheblichen Sprachdefiziten bis nicht vorhande-
nen Sprachkenntnissen. Ein für 2013 geplanter Workshop soll die Teilnehmerinnen und
Teilnehmer befähigen einen Grundwortschatz und eine n berufsbezogenen Wortschatz auf-
zubauen.
Das Schwerpunktthema Öffentlichkeitsarbeit bleibt auch 2013 im Fokus. Es gilt Arbeitge-
ber und Netzwerke zu sensibilisieren und die verwer tbare Arbeitsleistung der 50 plus Kun-
dinnen und Kunden anzubieten und dem Arbeitsmarkt zuzuführen. Ein direkten Kontakt zu
potenziellen Arbeitgebern ist von entscheidender Be deutung; nur so lassen sich zwischen
Fallmangerinnen und Fallmanagern vertrauensvolle un d tragfähige Beziehungen aufbauen,
die im Rahmen eines gegenseitigen Verständnisses fü r die Zielgruppe Vermittlung in das
Erwerbsleben möglich macht.
Mit geeigneten Maßnahmen und Werbekampagnen sollen insbesondere Kleinbetriebe und
mittelständische Betriebe im gewerblichen und handw erklichen Bereich angesprochen wer-
den. Fortgesetzt werden auch die Präsentationen des Projektes und die Arbeitgeberanspra-
che im IHK-Magazin, da diese Veröffentlichungen zu großer Resonanz Seitens der Arbeitge-
ber führt.
Eine ständige Entwicklung von verschiedenen und neu en Eingliederungsmethoden sowie
Herstellung und Erhaltung der Eigenständigkeit der Kundinnen und Kunden, der Kontaktpfle-
ge zu den Betroffenen und der Aktivierung der Selbs thilfe ist bezeichnen für das Tätigkeits-
feld der Fallmanagerinnen und Fallmanager. Eine ganzheitliche Betreuung der Zielgruppe im
Team durch qualifizierte Fallmanagerinnen und Fallmanager zeigt sich als sehr effektiv.
Mit Hilfe von individueller Situationsanalyse, indi vidueller Berufswegplanung, Aktivierung,
Abbau von Vermittlungshemmnissen, Auffrischung beruflicher Kenntnisse und eine
Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2013
30
spezifische Qualifizierungspolitik unter prophylakt ischen Gesichtspunkten, ist den älteren
Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern eine Anpassung an aktuelle Produktionsverfahren zu
ermöglichen.
Nur ein geringer Betreuungsschlüssel, der eine sehr eng geführte Betreuung und Beratung
möglich macht, liefert die Grundvoraussetzung für innovative Integrationsansätze für die ste-
tig wachsende Personengruppe der schwer Vermittelbaren.
Mithilfe eines multimodalen Ansatzes, der sich, bes tehend aus verschiedenen Elementen
individuell an der Zielgruppe ausrichtet, besteht d ie Gewährleistung, dass die Teilnehmerin-
nen und Teilnehmer entsprechend des Integrationsziels, eventuell auch unter längerfristigen
Strategien, dem Arbeitsmarkt zugeführt werden können.
5.1.3 Förderung von Schwerbehinderten
Die Zahl der schwerbehinderten Menschen steigt infolge der demografischen Alterung.
Schwerbehinderte sind überwiegend ältere Menschen u nd zumeist ist eine im Lebenslauf
erworbene Krankheit die Ursache einer Schwerbehinde rung wie Funktionseinschränkungen
der Wirbelsäule, Herz-Kreislauferkrankungen und Schädigungen der Organe.
Im Jobcenter Darmstadt sind derzeit 174 schwerbehin derte Menschen im Leistungsbezug,
116 Männer und 58 Frauen von denen 78 Kundinnen und Kunden über 50 Jahre alt sind. 91
Kundinnen und Kunden sind zwischen 25 und 49 Jahre alt und 5 Schwerbehinderte unter 25
Jahre.
Schwerbehinderte Menschen werden nicht so häufig ar beitslos, wie nicht schwerbehinderte;
sind sie jedoch einmal arbeitslos kommt eine Beschä ftigungsaufnahme schwerer zustande
als bei nicht schwerbehinderten Arbeitslosen.
Infolge der demografischen Entwicklung und des stei genden Renteneintrittsalters wird die
Zahl von Menschen mit Schwerbehinderung in den komm enden Jahren vermutlich weiter
zunehmen.
In Anbetracht der verschiedenen und unterschiedlich ausgeprägten Problemlagen der Kun-
dinnen und Kunden mit Schwerbehinderung ist eine ge meinsame für alle schwerbehinderte
Kundinnen und Kunden ausgerichtete Maßnahme nicht s innvoll. Vielmehr ist von der indivi-
duellen Problemlage der Einzelnen / des Einzelnen ausgehend und eine individuelle Integra-
tionsstrategie festzulegen, d.h. erforderliche Qual ifizierungsansätze und Kenntnisvermitt-
lungsmaßnahmen sowie Eingliederungsmaßnahmen direkt am Arbeitsplatz sind nach den
individuellen Defiziten und Vermittlungshemmnissen der einzelnen Kundinnen und Kunden
zum Ansatz zu bringen.
Anzustreben ist, dass bei dem Handlungsbedarf Vermi ttlung die Kundenprofile der Schwer-
behinderten auch intensiv durch den gAGS in Augensc hein zu nehmen und ausgehend von
den Zielberufen Arbeitsstellen zu akquirieren sind. Hierbei sind insbesondere die Betriebe
zur Einstellungsbereitschaft anzusprechen, die die Besetzung ihre Pflichtplätze nicht erfüllt
haben.
Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2013
31
Um einstellungswilligen Betrieben zusätzlich zu den bestehenden Fördermöglichkeiten eine
„Inklusionsprämie“ zu sichern, ist das Jobcenter Darmstadt durch schr iftliche Erklärung
gegenüber dem Hessischen Sozialministerium der Koop erationsabsprache beigetre-
ten.
Mit dem Beitritt ist die Berechtigung verbunden, sich an der Umsetzung des Handlungsfeldes
der Initiative Inklusion Hessen nach Maßgabe der in Absprache festgelegten Grundsä tze
zu beteiligen. Zielgruppe sind schwerbehinderte ältere Menschen mit Hauptwohnsitz in Hes-
sen, die das 50. Lebensjahr vollendet haben.
Förderfähig sind Betriebe und Dienststellen des all gemeinen Arbeitsmarktes, die für diese
Zielgruppe einen neuen Arbeitsplatz schaffen. Neu i st ein Arbeitsplatz, der erstmals mit ei-
nem älteren schwerbehinderten Menschen besetzt wird oder wenn die Zahl der älteren
Schwerbehinderten in
den Arbeitsstellen der jeweiligen Betriebe steigt. Gefördert werden können Arbeitsverhältnis-
se, die bis zum 31.12.2015 begründet werden.
Die Inklusionsprämie wird für ein mindestens auf 12 Monate befristetes Arbeitsverhältnis
gewährt; erhöht sich bei einem festgestellten Grad der Behinderung von 100 sowie nochmals
bis zum 4. Weiterbeschäftigungsjahr.
5.2. Langzeitbezieherinnen und -bezieher aktivieren und Integrationschancen
erhöhen
Das Jobcenter verfolgt für das Jahr 2013 das Ziel, die Zahl der Langzeitleistungsbezieherin-
nen und -bezieher weiter zu senken.
Schwerpunktmäßig werden für diesen Kreis von Kundin nen und Kunden Aktivierungsmaß-
nahmen im Rahmen des § 45 SGB III eingekauft.
Aufgrund der multiplen Vermittlungshemmnisse, die d ie Kundengruppe aufweist, werden
auch neue, innovative Maßnahmen entwickelt. Diese M aßnahmen sollen auf individuelle
Situationen und Notwendigkeiten zugeschnitten sein und insbesondere Unterstützungsleis-
tungen durch ein tiefgründiges Profiling, engmaschi ge sozialpädagogische Betreuung und
ggfs. medizinische Begleitung bieten.
5.2.1 Beschäftigungsorientiertes Fallmanagement (bF M) und Beratungskonzeption
SGB II (Beko)
Das beschäftigungsorientierte Fallmanagement betreut Kundinnen und Kunden, die aufgrund
von Brüchen in ihren Lebens- und Erwerbsbiographien, sowie multiplen Vermittlungshemm-
nisse keine direkte Chance auf dem regulären Arbeitsmarkt haben. Die Profillagen der SGB
II Kundinnen und Kunden sind häufig sehr komplex und erschweren eine sofortige berufliche
Integration. Bei einer hohen Anzahl von erwerbsfähigen Hilfebedürftigen ist daher eine inten-
sive und individuelle Betreuung im Aufgabenbereich des bFM erforderlich.
Wie bereits unter Punkt 2.1 in der Darstellung der Kundenstruktur ersichtlich, hat sich der
Anteil der Kundinnen und Kunden mit multiplen Vermittlungshemmnissen im letzten Jahr im
Jobcenter Darmstadt deutlich erhöht.
Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2013
32
Ein beschäftigungsorientiertes Fallmanagement ist für Kundinnen und Kunden mit komple-
xen Profillagen und mehreren Handlungsbedarfen von daher eine wichtige Unterstützungs-
leistung für das Erzielen von Integrationen bzw. von Integrationsfortschritten.
Um insbesondere langjährige Bestandskundinnen und -kunden zu aktivieren, soll das Ange-
bot im Jahr 2013 intensiv von den Fallmanagerinnen und Fallmanagern genutzt werden. Im
Rahmen eines Arbeitskreises wurde hierzu eine Arbeitshilfe zur Nutzung des Fachkonzepts
für alle Fallmanagerinnen und Fallmanagern erarbeitet.
Zur Unterstützung der Fallmanagerinnen und Fallmanager in der täglichen Beratungsarbeit
werden ab Herbst 2013 „Beko“ – Schulungsangebote zu r Verfügung gestellt. Hinter „BeKo
SGB II“ steht ein Qualifizierungskonzept, das speziell für die Grundsicherung entwickelt
wurde und dessen fachliche Inhalte den aktuellen Stand der Beratungswissenschaften wi-
derspiegeln. Die Inhalte werden in drei aufeinander aufbauenden Schulungsmodulen über
insgesamt 11 Nettotage vermittelt und sollen die Gesprächs- und Handlungskompetenzen
der Fallmanagerinnen und Fallmanager stärken bzw. weiterentwickeln.
5.2.2 Mehrgenerationenhaus
Seit Juli 2011 wird innerhalb der Gruppeninformatio nsveranstaltungen zur Frühaktivierung
das Angebot des Mehrgenerationenhauses in Darmstadt von der Beauftragten für Chancen-
gleichheit am Arbeitsmarkt, den Kundinnen und Kunden des Jobcenters vorgestellt.
Mit dem Ziel die Zusammenarbeit zu intensivieren is t für das Jahr 2013 angedacht, Veran-
staltungen des Jobcenters Darmstadt, vor Ort im MGH stattfinden zu lassen.
Über diese Vorgehensweise sollen Kundinnen und Kund en mit Familienpflichten - insbe-
sondere Alleinerziehende - das vielfältige Angebo t dieser Institution näher kennen und
nutzen lernen, um es gezielt in ihr Leben wie in das ihrer Kinder integrieren zu können.
Das Jobcenter Darmstadt und das Mehrgenerationenhau s sind über die Plattform, die das
„lokale Bündnis für Familie“ bietet, seit Januar 2011 gut vernetzt.
5.2.3 Arbeitsgelegenheiten
Die Ziele von Arbeitsgelegenheiten sind unter ander em, schwer vermittelbare Langzeitar-
beitslose wieder an eine Erwerbstätigkeit und somit an den regulären Arbeitsmarkt heranzu-
führen, den Erhalt der Beschäftigungsfähigkeit sich erzustellen und eine soziale Teilhabe zu
gewährleisten. Die in Frage kommende Personengruppe benötigt einen besonderen Anlei-
tungsbedarf und es soll mit Hilfe der Arbeitsgelege nheit eine Perspektivänderung erreicht
werden.
Arbeitsgelegenheiten sind Tätigkeiten, die im öffen tlichen Interesse liegen, zusätzlich, wett-
bewerbsneutral und arbeitsmarktpolitisch zweckmäßig sind. Während der Teilnahme erhält
die Kundin bzw. der Kunde zuzüglich zum Arbeitslose ngeld II eine angemessene Mehrauf-
wandsentschädigung. Die entstandenen Fahrkosten wer den der Kundin bzw. dem Kunden
ebenfalls erstattet.
Im Jobcenter Darmstadt gibt es Arbeitsgelegenheiten in unterschiedlichen Arbeitsfeldern,
hierzu zählen unter anderem die Einsatzfelder Gesundheit und Pflege, Kinderbetreuung und
Jugendhilfe, Umweltschutz und Landschaftspflege, In frastrukturverbesserung, Wissenschaft
und Forschung, Kunst und Kultur, Sport und diverse soziale Beschäftigungsprojekte (Nut-
zung ausschließlich für sozial benachteiligte Personen).
Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2013
33
5.2.4 Bundesfreiwilligendienst
Um langjährige Bestandskundinnen und - kunden zu aktivieren und an den Arbeitsmarkt
heranzuführen, nutzt das Fallmanagement auch die Freiwilligendienst Angebote, insbeson-
dere den Bundesfreiwilligendienst (BFD).
Für Jugendliche und junge Erwachsene, die das 27. Lebensjahr noch nicht vollendet haben,
wird vorrangig das Freiwillige Soziale Jahr bzw. Freiwillige Ökologische Jahr genutzt, da die-
ses Programm ausschließlich auf diesen Personenkreis zugeschnitten ist und zudem bei
einer Ausbildung in einem sozialen Beruf als Praktikum und als Wartezeit auf einen Studien-
platz anerkannt wird.
5.3 Marktchancen bei Arbeitgebern erschließen und Integrationen realisieren
Um Arbeitsgebern mit allen Dienstleistungen und Auskünften zum Arbeitskräfte- und
Förderangebot aus den Rechtskreisen SGB II und SGB III gleichermaßen bedienen zu kön-
nen, haben sich die Agentur für Arbeit Darmstadt un d das Jobcenter Darmstadt für einen
gemeinsamen Arbeitgeberservice (gAGS) entschieden. Regelungen zu den Arbeitsprozes -
sen und Schnittstellen werden ständig weiterentwickelt und dokumentiert.
Im gAGS werden die von den Unternehmen gemeldeten S tellenangebote bearbeitet und
nach festgelegten Qualitätsstandards Vermittlungsvorschläge erstellt. Ziel ist es, die gemel-
deten Stellen zeitnah und passgenau zu besetzen.
Die vier Kolleginnen und Kollegen des Jobcenters, d ie im gAGS arbeiten, sind einmal wö-
chentlich im Jobcenter Darmstadt präsent, um Vermit tlungsgespräche mit eingeladenen ar-
beitsmarktnahen Leistungsberechtigten zu führen und geeignete Stellenangebote zu unter-
breiten. Gemeinsame Aktivitäten, wie z. B. Stellen börsen, Betriebsbesuche oder Auswahl-
verfahren für Arbeitgeber runden das Angebot ab.
Zur weiteren Verbesserung der Zusammenarbeit und de m besseren Verständnis unterei-
nander haben die Fallmanagerinnen und Fallmanager des Jobcenters in der zweiten Jahres-
hälfte 2012 bei den Kolleginnen und Kollegen im gAG S hospitiert. Ab Februar 2013 finden
gegenseitige Hospitationen der Kolleginnen und Koll egen des Jobcenters und des gAGS
statt.
Die Teamleitungen treffen sich regelmäßig, um die E rfahrungen auszutauschen und neue
Strategien zum Wohl der Leistungsberechtigten und der Beschäftigten zu entwickeln.
Außerdem unterstützt der gAGS die Fallmanagerinnen und Fallmanager bei deren Ausübung
des Absolventen-Managements im Rahmen der Förderung der beruflichen Weiterbildung.
Das Absolventen-Management soll die Kundinnen und K unden am Ende einer beruflichen
Weiterbildungsmaßnahme anleiten und unterstützen ei ne Berufstätigkeit auf dem Arbeits-
markt zu finden und aufzunehmen.
Zur zeitnahen Integration veranstaltet der gAGS im Rahmen von Gruppenfortbildungen, nach
Aufforderung, Bewerberrunden mit Arbeitgebern.
Bei Einzelfortbildung und Umschulungen kann die ent sprechende Kundin bzw. der entspre-
chende Kunde an den gAGS überstellt werden, damit s ie oder er zielgerichtet bei dem pas-
senden Arbeitgeber platziert wird.
Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2013
34
5.4 Beschäftigungschancen für Alleinerziehende nutzen
Alleinerziehende haben ein besonders hohes Risiko, dauerhaft im SGB II-Leistungsbezug zu
bleiben. Obwohl sie häufig gut qualifiziert und mot iviert sind, haben sie nach Analysen des
Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung von allen Bedarfsgemeinschaften die längste
Verweildauer im Leistungsbezug. Vor allem Kinderbet reuungsprobleme verhindern die Auf-
nahme einer bedarfsdeckenden Erwerbstätigkeit. Bei den Integrationsbemühungen greifen
die vorhandenen Regelinstrumente oft nicht. Die Per sonengruppe der Alleinerziehenden hat
einen spezifischen Bedarf. Ihre Betreuung muss auf ihre individuellen Problem- und Lebens-
lagen zugeschnitten sein.
Im Jobcenter Darmstadt sind mit Stand Dezember 2012 6.070 Bedarfsgemeinschaften mit
8.178 erwerbsfähigen Leistungsberechtigten gemeldet . 1.260 davon gehören dem Perso-
nenkreis der Alleinerziehenden an (1.207 Frauen, 53 Männer).
Wie schon in den vergangenen Jahren, wird auch 2013 der Gruppe der Alleinerziehenden
im Jobcenter Darmstadt besondere Aufmerksamkeit gewidmet, da nach wie vor unterschied-
liche Handlungsbedarfe bestehen, um diesen Personen kreis bei der Eingliederung in den
ersten Arbeitsmarkt zu unterstützen
Das überwiegend aus ESF-Mitteln geförderte und vom Jobcenter kofinanzierte Bundespro-
jekt „Gute Arbeit für Alleinerziehende“ endete zum 31.12.2012. Die Träger, BAFF Frauenko-
operation gGmbH und sefo femkom (Teilprojekt), welc he das Projekt mit dem Namen „DA-
NA“ – Darmstädter Netzwerk für Alleinerziehende - i m Auftrag des Jobcenters Darmstadt
umgesetzt hatten, werden ab 2013 auf getrennten Weg en gezielte Unterstützungsangebote
in Form von Beratung, Bewerbungscoaching und Bildun gsmaßnahmen für Alleinerziehende
anbieten und umsetzen. Als Regelinstrument (Aktivie rungs- und Vermittlungsgutscheine
nach § 45 SGB III) wird das Anschlussprojekt „DAIA“ – Darmstädter Initiative Alleinerziehen-
de über BAFF Frauenkooperation in die Praxis überführt.
Für die Zielgruppe ist darüber hinaus eine weitere Maßnahme für 2013 geplant.
Um verschiedene Arbeitsfelder kennen zu lernen, wer den Module mit berufspraktischen
Kenntnisvermittlungen angeboten. Flankierend besteht für Migrantinnen die Möglichkeit ein
Sprachtraining zu integrieren. Als Querschnittsthema über die gesamte Zeitspanne hinweg,
wird der „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“ in u nterschiedlichen Facetten und Formen
Rechnung getragen. Eine dieser Inhalte wird die Akquise familienfreundlicher Arbeits- und
Ausbildungsplätze bilden. Auch wird über intensive sozialpädagogische Betreuung ein Ge-
sprächs- und Beratungsangebot vorgehalten werden.
Um der Verbesserung der Mobilität und Flexibilität Rechnung zu tragen und neuen Schwung
in das Leben der ein oder anderen Teilnehmerin zu bringen, ist das Erlernen des Fahrradfah-
rens inklusive „Erwerb des Fahrradführerscheins“ während der Maßnahme möglich.
Da die Teilnahme nicht an mangelnder Kinderbetreuun g scheitern soll, wird zu Beginn der
Maßnahme, wie während der gesamten Schulferien 2013 , ein Kinderbetreuungsangebot
vorgehalten. Sobald der Eingliederungstitel des Job centers die Finanzierung zulässt, ist be-
absichtigt diese bereits konzeptionierte Maßnahme i m Laufe des Jahres 2013 zusätzlich
anzubieten.
Um Alleinerziehende nachhaltig in existenzsichernde Beschäftigungsverhältnisse zu integrie-
ren, sind zusätzlich unterschiedliche Qualifizierun gsangebote notwendig. Die Bildungsziel-
planung des Jobcenters Darmstadt berücksichtigt in verschiedenen Berufssparten - Erzie-
hung, Pflege, kaufmännische Berufe, Hauswirtschaft, Gastronomie - sowohl Teilzeit- wie
auch Vollzeitangebote. Diese werden über Bildungsgutscheine zugänglich sein. Ebenfalls
Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2013
35
über dieses Instrument wird der Erwerb des Hauptsch ulabschlusses in Verbindung mit be-
rufspraktischer Kenntnisvermittlung gefördert.
Sinnvoll ergänzt werden all diese Angebote durch da s Theaterprojekt JobAct Family, wel-
ches das Jobcenter Darmstadt in Kooperation mit der Kreisagentur für Beschäftigung Dar-
mstadt-Dieburg 2012/2013 durchführt. Künstlerische Methoden der Theaterpädagogik wer-
den mit Biographiearbeit, klassischem Bewerbungsman agement und Coaching verknüpft
und zielgruppengerecht umgesetzt.
Mit Unterstützung des Arbeitgeber-Service der Bunde sagentur, wird das Jobcenter Darm-
stadt gezielt auf Arbeitgeber wie auf Kammern und A rbeitgeberverbände zugehen um diese
zu sensibilisieren, zu beraten, ggf. entsprechende Arbeitsmarktinstrumente anzubieten oder
auch über Teilzeitausbildung und innovative Arbeits zeitmodelle zu informieren. Zu dieser
Thematik plant das Jobcenter Darmstadt in der zweit en Hälfte des Jahres 2013 eine Veran-
staltung.
Die frühzeitige Aktivierung von Alleinerziehenden mit Kindern unter drei Jahren wird auch im
Jahr 2013 in Form von Gruppeninformationsveranstaltungen durch die Beauftragte für Chan-
cengleichheit am Arbeitsmarkt (BCA) in Zusammenarbe it mit drei Fallmanagerinnen umge-
setzt.
„Bewerbungstipps für Frauen mit Familienpflichten“ lautet eine weitere Gruppeninformations-
veranstaltung, die im Jahr 2012 durch die BCA des Jobcenters Darmstadt in Kooperation mit
den BCAs der Agentur für Arbeit ins Leben gerufen w urde. Auch diese Veranstaltung wird
fortlaufend im Jahr 2013 angeboten.
Um jungen alleinerziehenden Müttern und Vätern in b esonderer Weise gerecht zu werden,
hat sich im Team der Jugendberufsagentur eine Fallm anagerin auf die Gruppe der Alleiner-
ziehenden spezialisiert. Durch die Konzentration auf die Zielgruppe kann die Mitarbeiterin ihr
Fachwissen gezielt einsetzen und die, für diese Gr uppe so wichtigen Beratungs- und Infor-
mationsangebote ausbauen und erweitern. Hinzu kommt , dass diese Organisationsform die
Zusammenarbeit mit der BCA des Jobcenters optimiert und vereinfacht. Die Erkenntnisse
und Ergebnisse aus dieser Umstrukturierung wurden 2012 in einem Handlungsleitfaden
festgeschrieben und stehen somit dem „Arbeitskreis Alleinerziehende“ des Jobcenters Dar-
mstadt zur Verbesserung organisatorischer als auch fachbezogener Prozesse zur Verfü-
gung.
Die Pflege und der Ausbau von Netzwerken durch die BCA, stehen in Bezug auf Alleinerzie-
hende für das Jahr 2013 selbstverständlich auch auf dem Plan.
Eine wichtige Plattform bietet hier die seit 2011 b estehende Mitgliedschaft im „lokalen Bünd-
nis für Familie“. Da in diesem Kreis Vertreterinnen und Vertreter von sozialen Einrichtungen,
Behörden wie auch Unternehmerinnen und Unternehmer an einem Tisch sitzen, sind der
Entwicklung innovativer Gedanken und Ideen sowie de ren Umsetzung gute Chancen gege-
ben. Die Verbesserung der Kinderbetreuung in Darmst adt, der Ausbau sozialer Strukturen
und nicht zuletzt die Entwicklung und Akquise familienfreundlicher Arbeitsplätze sind wesent-
liche Themenblöcke.
Die Zusammenarbeit mit dem Mehrgenerationenhaus in Darmstadt wird im Jahr 2013 inten-
siviert. (siehe 5.2.2)
Über die aktive Auseinandersetzung mit den aufgefüh rten Handlungsfeldern wird das Job-
center Darmstadt einen Beitrag zum Thema „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“ leisten,
Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2013
36
und hofft somit auf wesentliche Lebensbereiche von Alleinerziehenden in Darmstadt positiv
einwirken zu können.
5.5 Jugendliche in den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt integrieren
Der Zielgruppe der unter 25 Jahre alten Jugendlichen gilt weiterhin besondere Aufmerksam-
keit. Ca. zwei Drittel der beim Jobcenter Darmstadt gemeldeten Jugendlichen sind durch ihre
Eltern Mitglied einer Bedarfsgemeinschaft. Ein Drittel der gemeldeten Jugendlichen bilden
allein, mit Partnerin bzw. Partner oder Familie eine eigene Bedarfsgemeinschaft.
Jugendliche bedürfen beim Übergang von der Schule zur Ausbildung und bis zur Eingliede-
rung in Arbeit einer besonderen Begleitung und Betreuung. Ein großer Anteil der gemeldeten
Jugendlichen ist durch Sprachdefizite und psychischen Probleme besonders benachteiligt.
Diese resultieren meist durch Misserfolge im schulischen Bildungssystem oder familiäre
Probleme.
Durch die gute Vernetzung von Hilfsangeboten aus den Rechtskreisen SGB II, SGB III und
SGB VIII und die Zusammenarbeit und Fachkompetenz bei Betreuung und Beratung der
Jugendlichen durch die Beschäftigten ist es jedoch gelungen, die Verweildauer in Arbeitslo-
sigkeit bei den Jugendlichen zu senken und diesen einen nachhaltigen Einstieg ins Berufsle-
ben zu ermöglichen.
Die enge Zusammenarbeit in einer Bürogemeinschaft der drei Institutionen Jobcenter Dar-
mstadt, Berufsberatung der AA Darmstadt und Jugendberufshilfe (Kompetenzagentur) der
Stadt Darmstadt in der Jugendberufsagentur helfen beim Abbau von Vorurteilen und verhin-
dern so eine Stigmatisierung der Jugendlichen aus dem Rechtskreis des SGB II.
Beim Übergang von der Schule in den Ausbildungsmarkt sind die Ergebnisse der Kollegin-
nen und Kollegen des Jobcenters seit Beginn des Ausbildungsjahres 2011/2012 (vom
01.10.2011 bis zum 30.09.2012) Bestandteil der Zielerreichung der Berufsberatung der
Agentur für Arbeit und stehen auch weiterhin im besonderen Fokus.
Hierbei ist es im abgelaufenen Ausbildungsjahr gelungen mehr als 200 Jugendliche in eine
berufliche Ausbildung zu integrieren.
Wie bereits unter Punkt 3.4 erläutert wurden die lokalen gesteckten Ziele beim Übergang von
der Schule in den Beruf und bei der Senkung der Jugendarbeitslosigkeit in 2012 voll erreicht.
Was wollen wir in 2013 erreichen?
Ł Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen sollen durch die Intensivierung der
Beratungs- und Vermittlungsprozesse und Erhöhung sowie passgenaue Vermittlung in
Aus-, Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen auf das Berufsleben vorbereitet und
dauerhaft integriert werden.
Ł Durch den weiteren Ausbau der Netzwerkarbeit, insbesondere bei der Zusammenarbeit
mit den Schulen und der Schulsozialarbeit wollen wir den Übergang Schule/Beruf durch
höhere Einmündungsquoten steigern und die gesteckten lokalen Ziele erreichen.
Ł Die Erstausbildung für junge Erwachsene (siehe Pkt. 5.6) soll optimiert und verbessert
werden, um dem Fachkräftebedarf zu entsprechen
Durch die hohe Kompetenz der Fallmanagerinnen und Fallmanager im Beratungsprozess
und die gute Vernetzung im Rahmen der Jugendberufsagentur ist es möglich und sehr wich-
tig, die benachteiligten Jugendlichen und jungen Erwachsenen zu stabilisieren.
Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2013
37
Nach Herstellung der Ausbildungsreife erfolgt dann die Integration in den für den jeweiligen
Jugendlichen nach Neigung und Fähigkeit passenden Ausbildungsberuf.
5.6 Handlungsschwerpunkt „Erstausbildung für junge Erwachsene“
Die Kundenstrukturanalyse der Arbeitslosen (15 - 40 Jahre) im Jobcenter Darmstadt ergibt
folgendes Bild:
Von den Anfang Januar 2013 325 arbeitslosen jungen Menschen (< 25 Jahre) sind rund 4 %
ohne Schulabschluss und rund 85 % ohne abgeschlossene Berufsausbildung.
Bei den über 25-jährigen bis unter 40-jährigen Arbeitslosen ergibt sich ein ähnliches Bild der
Kundenstruktur. Von den Anfang Januar 2013 1434 Arbeitslosen sind rund 4 % ohne Schul-
abschluss und rund 67 % ohne abgeschlossene Berufsausbildung.
Daher hat die passgenaue Beratung und Vermittlung in Ausbildung große Bedeutung und
wird auch unter Beteiligung der vorhandenen Netzwerke (gemeinsamer Arbeitgeber Service,
Schulen, staatl. Schulamt, Kammern und Unternehmerverbände und Bildungsträger) immer
weiter voran getrieben.
In enger Abstimmung mit der Berufsberatung der AA Darmstadt und der Jugendberufshilfe
der Wissenschaftsstadt Darmstadt wurden folgende berufsvorbereitende und berufsfördern-
de Maßnahmen für die unter 25-jährigen auf den Weg gebracht:
• 30 Plätze in berufsvorbereitenden Maßnahmen (BVB) gemeinsamer
Maßnahmeeinkauf mit der Berufsberatung der AA Darmstadt (gefördert über das
SGB III)
• 10 Plätze in Aktivierungshilfe mit besonderem sozi alpädagogischen Anteil mit Vorbe-
reitung auf den externen Hauptschulabschluss (rechtskreisübergreifend, gefördert
über das Ausbildungsbudget und Kofinanzierung des Jobcenters)
• 15 Plätze in der Maßnahme „Betriebsnahe Nachquali fizierung“ (in Kooperation mit
der IHK und HWK Südhessen, Förderung über das Jobcenter Darmstadt)
• 25 überbetriebliche Ausbildungsplätze (gemeinsamer Maßnahmeeinkauf mit der Be-
rufsberatung der AA Darmstadt, gemeinsame Abstimmung und Kofinanzierung mit
dem kommunalisierte Ausbildungsbudget der Stadt Darmstadt, Förderung der Wei-
terbildung über das Jobcenter)
Desweiteren ist die verstärkte Vermittlung in Einstiegsqualifizierungen (EQ) ein probates
Mittel, um benachteiligten Jugendlichen unter 27 Jahre den Einstieg in eine Berufsausbil-
dung zu ermöglichen.
Im Jahr 2013 sind insgesamt 75 Bildungsgutscheine für geringqualifizierte junge Menschen
mit Erwerb eines Berufsabschlusses vorgesehen
Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2013
38
5.7 Rechtmäßigkeit und Qualität der operativen Umsetzung sicherstellen
Die Erbringung einer rechtmäßigen, wirtschaftlichen und kundenfreundlichen Dienstleistung,
die sich an den Zielen des Sozialgesetzbuchs II ausrichtet, ist auch in 2013 primäres Ziel des
Jobcenters Darmstadt.
Im Hinblick auf das geschäftspolitische Handlungsfeld „Rechtmäßigkeit und Qualität der ope-
rativen Umsetzung sicherstellen“ soll im Jahr 2013 auf folgendes ein besonderer Fokus ge-
legt werden:
5.7.1 Rechtmäßigkeit der Leistungsgewährung sicherstellen
Neben der erfolgreichen Integration der Leistungsberechtigten ist die Existenzsicherung ein
sehr wesentlicher Bereich des SGB II. Die Leistungsgewährung muss sich dabei zum einen
an den Bedürfnissen der Leistungsberechtigten orientieren, aber auch im Hinblick auf die
Entwicklung der Summe passiver Leistungen erfolgen.
Dies wird im Jobcenter Darmstadt durch die nachfolgend näher beschriebenen Maßnahmen
sichergestellt. Im Jahr 2013 wird ein besonderes Augenmerk auf die Leistungsgewährung für
Selbständige gelegt, um der Komplexität der entsprechenden Fallgestaltungen Rechnung zu
tragen. Darüber hinaus liegt ein besonderer Fokus auf der Umsetzung des Bildungs- und
Teilhabepaketes. Die Rechtmäßigkeit der Leitungsgewährung wird durch die konsequente
Umsetzung der Regelungen des Internen Kontrollsystems (IKS) sichergestellt (siehe Punkt
5.7.3).
5.7.1.1 Team Selbständige
Die Leistungsgewährung für selbständige Leistungsbe rechtigte gestaltet sich in der Praxis
meist sehr schwierig. Die Leistungsberechtigten müs sen bei der Antragstellung vorläufige
Angaben zu voraussichtlichen Einnahmen und Ausgaben machen; nach Ende des Bewilli-
gungsabschnittes ist eine abschließende Erklärung h ierzu abzugeben. Seitens der Sach-
bearbeitung ist zu entscheiden, welche Einnahme- un d Ausgabeposten bei der Festsetzung
der Leistungen zu berücksichtigen sind. Dies bedingt in den jeweiligen Leistungsfällen einen
großen Zeitaufwand und verlangt teilweise sehr umfangreiche und spezifische Kenntnisse in
buchhalterischen oder steuerrechtlichen Fragen.
In der Vergangenheit wurde bereits durch Schulungen und der Erstellung von umfangreichen
Arbeitshilfen versucht, dieser Problematik zu begegnen. Erfahrungen in anderen Jobcentern
haben gezeigt, dass die Implementierung eines spezialisierten Teams oder Fachdienstes zu
einer deutlichen Verbesserung der Arbeitsergebnisse und zu einer beträchtlichen Entlastung
der übrigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter geführt haben.
Daher wird sich im Jobcenter im ersten Quartal 2013 eine Arbeitsgruppe mit der Prüfung
befassen, ob und wenn ja in welcher Form und unter welchen Voraussetzungen die Leis-
tungsgewährung für Selbständige auch im Jobcenter D armstadt durch spezialisierte Be-
schäftigte sichergestellt werden kann.
Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2013
39
5.7.1.2 Leistungssachbearbeitung
Um eine Integration in Erwerbstätigkeit oder die erfolgreiche Teilnahme an integrativen Maß-
nahmen möglich zu machen, ist die materielle Sicher ung der Existenz unabdingbar notwen-
dig.
Daher ist es das Bestreben des Bereichs Existenzsic herung, Leistungen zum Lebensunter-
halt zeitgerecht, umfassend und bedarfsentsprechend zu gewähren. Diese beinhalten neben
Regelleistungen für jede Person in einer Bedarfsgem einschaft, den Kosten der Unterkunft
und eventuellen Mehrbedarfen auch die Leistungen für Bildung und Teilhabe.
Die Rechtmäßigkeit der Leistungsgewährung wird zum einen durch die Regelungen des In-
ternen Kontrollsystems (IKS) sichergestellt. Diese umfassen eine inhaltliche Pr üfung und
Freigabe der neu erfassten Leistungsfälle durch die Teamleitung, die Anordnung von Leis-
tungen im 4-Augen-Prinzip und die Durchführung monatlicher fachaufsichtlicher Prüfungen
durch die Führungskräfte in den Teams der Existenzs icherung und beim Fachdienst Unter-
halt.
Ein weiteres Instrument zur Sicherstellung der rech tmäßigen Leistungsgewährung ist die
Überprüfung von Leistungsmissbrauch. Hierzu wird je weils durch die Bundesagentur für Ar-
beit quartalsweise ein zentraler Datenabgleich mit anderen Sozialleistungsträgern, Sozial-
versicherungsträgen und dem Bundesvermögensamt durc hgeführt. Die sich hieraus pro
Quartal ergebenden jeweils rund 2500 Überschneidung smitteilungen werden stets sorgfältig
und vollständig abgearbeitet, um eventuell nicht be kannte Beschäftigungsverhältnisse oder
bisher nicht bekanntes Einkommen oder Vermögen zu i dentifizieren. Die guten Arbeitser-
gebnisse der Vorjahre sollen auch im Jahr 2013 weitergeführt werden.
Um eine qualitativ hochwertige Arbeit leisten zu kö nnen, sind permanente Qualifizierungen
der Beschäftigten erforderlich. Die entsprechenden Handlungsfelder ergeben sich durch
Rechts- und Verfahrensänderungen oder werden durch Prüfungsfeststellungen im Rahmen
der Fachaufsicht oder Analyse der Stattgabegründe i n Widerspruchsverfahren identifiziert.
Qualifizierungsbedarf wird durch interne oder exter ne Schulungsmaßnahmen (für einzelne
Beschäftigte oder teamübergreifend) abgedeckt, sofe rn die ausführlichen Informations- und
Qualifizierungsmaterialien der Agentur für Arbeit nicht ausreichen.
Darüber hinaus verfügt das Jobcenter Darmstadt über eine beispielhafte Zusammenstellung
der Dienstanweisungen. Diese ist in einer für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zugängli-
chen Ablage platziert und wird permanent auf dem ak tuellsten Stand gehalten. Neben Infor-
mationen zu den gesetzlichen Regelungen und entspre chenden Verfahrensvorschriften sind
auch Verlinkungen zu den erforderlichen Vordrucken gesetzt, um eine einheitliche Bearbei-
tungs- und Entscheidungsstruktur zu gewährleisten.
Ein weiterer wichtiger Aspekt im Rahmen der Sicherstellung des Lebensunterhaltes der Leis-
tungsberechtigten ist die Sicherstellung einer zügigen Bearbeitung der Leistungsanträ-
ge . Derzeit ist als operativer Standard eine Bearbeitungsdauer von 14 Werktagen für Neuan-
träge festgeschrieben. Wie bereits in den Vorjahren wird dieser Wert auch aktuell vom Be-
reich Existenzsicherung regelmäßig unterschritten. Der gleitende Jahresfortschrittswert in
den Jahren 2011 und 2012 lag bei 8,44 Arbeitstagen (Stand 08/2012). Dieser Wert ist einer
der Faktoren des Index aus Prozessqualität. Innerhalb des SGB II-Vergleichstyps belegt das
Jobcenter Darmstadt hinsichtlich der Prozessqualität Platz 3 von 15 Jobcentern.
Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2013
40
5.7.1.3 Das Bildungs- und Teilhabepaket
Mit dem im April 2011 rückwirkend zum 01. Januar 20 11 eingeführten Bildungs- und Teilha-
bepaket eröffnen sich auch für Kinder und Jugendlic he aus Familien mit geringem Einkom-
men weit größere Möglichkeiten für Teilhabe und Mitmachen als bisher.
Das Bildungs- und Teilhabepaket sieht sieben Leistungen vor:
• Leistungen für eintägige Ausflüge in Kinderbetreuu ngseinrichtungen, Schulen und
Horten
• Leistungen für mehrtägige Fahrten in Kinderbetreuu ngseinrichtungen, Schulen und
Horten
• Leistungen für Schulbedarf
• Leistungen zur Schülerbeförderung
• Leistungen zur Lernförderung
• Leistungen zur Teilhabe an gemeinschaftlicher Mitt agsverpflegung in Schulen und
Kindertageseinrichtungen
• Leistungen zur sozialen und kulturellen Teilhabe
Neben der zügigen Bearbeitung der gestellten Anträg e ist es eine sehr wichtige Aufgabe im
Jobcenter, die Leistungsberechtigten umfassend über die im Rahmen des Bildungs- und
Teilhabepaketes zur Verfügung stehenden Leistungen und das entsprechende Antragsver-
fahren zu informieren.
Dies geschieht durch verschiedene Maßnahmen: Neuant ragstellerinnen und Neuantragstel-
ler werden bereits bei der Vorsprache in der leistu ngsrechtlichen Erstberatung über das be-
stehenden Angebot informiert. Gleichzeitig werden d as Antragsformular und ein Informati-
onsflyer ausgehändigt. Bei Antragsabgabe bespricht die Sachbearbeitung mit den Leis-
tungsberechtigten nochmals eingehend die Möglichkei ten, die sich mit dem Bildungs- und
Teilhabepaket eröffnen.
Um auch die Bestandskundinnen und Bestandskunden nochmals umfassend zu informieren,
erfolgte im September 2012 nochmals eine zentrale A nschreibeaktion aller potenziell leis-
tungsberechtigten Familien. Hier wurde neben dem fü r Darmstadt individuell gestalteten In-
formationsflyer auch ein Antragsformular übersandt.
Darüber hinaus werden im Jobcenter Informationsvera nstaltungen speziell für anspruchsbe-
rechtigte Familien angeboten; ebenso sind die Leistungen für Bildung und Teilhabe Bestand-
teil der Informationsveranstaltungen für Neukundinn en und Neukunden, Alleinerziehende
und Leistungsberechtigte im Rahmen des Übergabemanagements SGB III – SGB II.
Das Jobcenter arbeitet eng mit der städtischen Koordinierungsstelle zusammen, um die Leis-
tungsgewährung für alle Beteiligten – Leistungsbere chtigte, Beschäftigte im Jobcenter und
Anbieterinnen und Anbieter trotz dem aus den gesetz lichen Regelungen resultierenden bü-
rokratischen Aufwand so einfach und reibungslos wie möglich zu gestalten.
Ein wichtiger Schritt in diese Richtung ist die Ein führung des sogenannten Globalantrages
im April 2012. Mit dessen Einreichung gelten die Le istungen für Bildung und Teilhabe als
dem Grunde nach beantragt. Das bedeutet, dass zum A brufen konkreter Leistungen nur
noch die erforderlichen Nachweise eingereicht werde n müssen, aber kein separater Antrag
mehr erforderlich ist. Die Ansparfrist für die Leistungen der sozialen und kulturellen Teilhabe
beginnt im Monat der Antragstellung, außerdem muss für fortlaufende Leistungen nach Ende
des ALG II-Bewilligungsabschnittes kein neuer Formantrag gestellt werden.
Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2013
41
Im Jobcenter wird durch umfassende und intensiviert e Beratung, die wohlwollende Prüfung
der Leistungsansprüche und eine unbürokratische und schnellstmögliche Bearbeitung der
vorliegenden Anträge dazu beigetragen, auch im Jahr 2013 so vielen leistungsberechtigten
Kindern und Jugendlichen wie möglich den Zugang zu den Leistungen für Bildung und Teil-
habe zu ermöglichen.
5.7.2 Konzept Datenqualität/Datenqualitätsmanagement (DQM)
Ziel des Datenqualitätsmanagement (DQM) ist ein gan zheitlicher, systematischer und be-
ständiger Ansatz zur Verbesserung und Erhaltung der Datenqualität. Datenqualität ist das
Ergebnis eines Gesamtprozesses von der Datengenese bis hin zur Datenverwendung, d.h.
in den einzelnen Phasen müssen konstant qualitativ hochwertige Ergebnisse produziert wer-
den. Das DQM beurteilt und beeinflusst die sachliche Qualität, nicht die fachliche Aufgaben-
erledigung im engeren Sinne. Letztere ist und bleibt Aufgabe von Fachaufsicht und
Interner Revision.
Das Jobcenter Darmstadt hat hierzu eine Mitarbeiter in benannt, die für das Datenqualitäts-
management verantwortlich ist (V-DQM).
Das Jobcenter Darmstadt verfügt seit April 2009 über ein DQM Konzept, welches bei Verän-
derungen laufend angepasst wird. Um die entsprechen de Zielerreichung zu unterstützen,
wurden in diesem Konzept verschiedene Maßnahmen in den einzelnen IT-Fachverfahren
festgelegt. Dieser Maßnahmenkatalog umfasst die Maß nahme, deren Ziel, den vorzuneh-
menden Suchlauf, den Zeittakt, die/den Verantwortli che/n sowie die Priorität/Wirkungsgrad
der entsprechenden Maßnahme.
5.7.3 Internes Kontrollsystem (IKS)
Das originäre Ziel des Jobcenters Darmstadt ist die Erbringung einer rechtmäßigen, wirt-
schaftlichen und wirksamen sowie möglichst kundenfreundlichen Dienstleistung, die sich
nach den Aufgaben und Zielen des SGB II ausrichtet.
Ein funktionsfähiges internes Kontrollsystem ist ein verpflichtendes Element der Führung und
Steuerung im Rahmen der Mindeststandards und dient zur Sicherung der ordnungsgemäßen
und wirtschaftlichen Aufgabenerledigung der Bereiche Markt & Integration und Existenzsi-
cherung.
Das IKS soll sicherstellen, dass Geschäftsprozesse durch fest in Arbeitsabläufe integrierte
und automatisierte, begleitende und nachträgliche Kontrollen anhand eines Soll-/Ist-
Vergleichs überwacht und bewertet werden.
Das IKS der Bereiche Markt & Integration und Existenzsicherung splittet sich in zwei Teilbe-
reiche:
1. Sicherungsmaßnahmen
2. Fachaufsicht
Das Jobcenter Darmstadt hat hierzu für beide Teilbereiche eine entsprechende Dienstanwei-
sung erlassen. Darüber hinaus gibt es Regelungen zu den Verantwortungsbereichen und
Schnittstellen.
Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2013
42
5.7.4 Geschäftsprozessmodell SGB II
Die Geschäftsprozesse nach dem Geschäftsprozessmodell SGB II sollen die Jobcenter bei
ihrer recht- und zweckmäßigen Aufgabenerledigung unterstützen. Die einzelnen Geschäfts-
prozesse stellen eine chronologische Abfolge von Aktivitäten der einzelnen Arbeitssabläufe
dar und erklären die einzelnen Arbeitsschritte.
Die Kernprozesse im Bereich Markt & Integration und Existenzsicherung wurden im Jahre
2012 stichprobenartig beleuchtet und mit dem Geschäftsprozessmodell SGB II abgeglichen,
um ggf. nötige Anpassungen der internen Prozesse vornehmen zu können.
Es wurde jedoch festgestellt, dass die Geschäftsprozesse nach dem Geschäftsmodell SGB II
in der gelebten Praxis des Jobcenters Darmstadt nur in geringen Facetten abweichen. Die
Abweichungen waren stets nachvollziehbar, begründet und ergeben sich aus den lokalen
Gegebenheiten vor Ort. Die Dienstanweisungen des Jobcenters Darmstadt sind sehr aus-
führlich und bilden die Prozesse für das Fallmanagement und die Sachbearbeitung klar ab.
Aufgrund der präzisen Darstellung der vorgesehen Arbeitsabläufe und der Vielzahl von spe-
ziell entwickelten Arbeitshilfen und Vordrucken sind die Beschäftigten befähigt eine qualitativ
hochwertige Arbeit leisten zu können.
Das Geschäftsprozessmodell SGB II wird jedoch weiterhin zur Unterstützung aller Mitarbeite-
rinnen und Mitarbeitern, vor allem bei der Einarbeitung neuer Beschäftigter, Anwendung fin-
den.
5.8 Kommunale Arbeitsmarkt- und Ausbildungsstrategi e 2013
Zielgruppenspezifische Angebote auf dem Sozialen Ar beitsmarkt sind von zentraler Bedeu-
tung zur Erhöhung der Chancengerechtigkeit für sozi al benachteiligte Menschen. Durch
flankierende, zielgruppenspezifische beschäftigungs politische Projekte werden die Chan-
cen zur Teilhabe am Arbeitsleben in der sozialen Ge meinschaft für Langzeitarbeitslose und
besonders benachteiligte Gruppen wie bspw. Alleiner ziehende, Ältere und Menschen mit
Behinderung erhöht. Das Ziel dieser Projekte ist de r Erhalt und die Verbesserung der Be-
schäftigungsfähigkeit der betroffenen Menschen.
Die strategische Verknüpfung von Sozial-, Beschäfti gungs-, Arbeitsmarkt- und Wirtschafts-
politik wird in Darmstadt als geschäftspolitischer Schwerpunkt sowohl im Jobcenter Dar-
mstadt als auch im Rahmen der kommunalen Beschäftig ungsförderung der Wissenschafts-
stadt Darmstadt seit 2005 politisch explizit ausgew iesen. Diese Strategie ist ebenfalls Be-
standteil der kommunalen Jugendhilfe, Integrations- und Gleichstellungspolitik, basierend
auf drei Prinzipien: Prävention, Partizipation und Sozialraumorientierung. Dabei geht es
insbesondere um folgende Grundsätze:
1. Inklusion und Integration als sozialpolitische u nd sozialplanerische Strategie
Insbesondere:
• Stärkung von Teilhabe und Verteilungsgerechtigkeit durch sozialpolitische
Intervention und Konzepte
- flächendeckende sozialraumorientierte Schulsoziala rbeit
- Gleichstellungspolitik als Querschnittsthema in Sc hule, Ausbildung,
Beruf – Maßnahmen zum Berufswahlverhalten von Mädch en und
Jungen, Stärkung von familiengerechten Arbeitsbedin gungen für
Frauen und Männer
Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2013
43
- Projektgruppe Stärkung der Teilhabe von Menschen m it Behinderung
in der Wissenschaftsstadt Darmstadt, Schwerpunkt Bi ldung und Ar-
beitsmarkt
- Stärkung der Arbeits- und Ausbildungschancen für J ugendliche mit
Migrationshintergrund
• Bearbeitung sozialpolitischer Ziele auf der Grundl age kommunaler Sozialbe-
richterstattung
- sozialräumliche Analysen und Erstellung von Interv entionsmaßnah-
men zur bedarfsorientierten Angebotsplanung
- Umsetzung von tragfähigen, sozialraumorientierten Beteiligungs-
konzepten für Bürgerinnen und Bürger
- Einsatz von interkulturellen Vermittlungskräften im Jobcenter in Zu-
sammenarbeit mit dem Interkulturellen Büro der Wiss enschaftsstadt
Darm-
stadt
2. Armut bekämpfen – Existenz sichern
Individuell und strukturell:
• Finanzielle Unterstützungsleistungen durch kommuna le Zuschüsse für kin-
derreiche Familien, erhöhte Bewilligung für Erstaus stattung für Säuglinge,
erhöhte Angemessenheitsgrenzen bei den Kosten der U nterkunft für
Alleinerziehende, alleinerziehende Schwangere sowie Schwangere, Senio-
rencard für ältere Menschen mit geringem Einkommen usw. Einführung ei-
ner Teilhabecard für Leistungsberechtigte von Sozia lleistungen zur Inan-
spruchnahme von sozialen und kulturellen Vergünstig ungen, sowie Bil-
dungs- und Teilhabeleistungen.
• Unterstützungsleistung durch ausgebautes soziales Beratungs- und Dienst-
leistungsnetzwerk – soziale Infrastruktur in Darmst adt ist stabil, flexibel und
umfassend
• Rahmenkonzeption: Gemeinwesenarbeit als Strategie gegen Armut und so-
ziale Ausgrenzung
- Gemeinwesenarbeit aktiviert und beteiligt Bewohner innen und
Bewohner
- Gemeinwesenarbeit fördert Inklusion und wirkt sozi aler Be-
nachteiligung entgegen
- Gemeinwesenarbeit fördert die strukturelle Integra tion der zu-
gewanderten Bevölkerung
3. Zielgruppen passgenau fördern
Insbesondere:
• Abgestimmte Konzepte der Existenzsicherung und Arb eitsmarktförderung für
einzelne Zielgruppen sowie sozialpädagogische Begle itung
- Maßnahmen zur beruflichen Integration älterer Arbe itsloser
- Maßnahmen zur Integration in den Arbeitsmarkt für Frauen
mit Migrationshintergrund
Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2013
44
- Enge Kooperation mit dem Integrationsfachdienst zu r Integra-
tion schwerbehinderter Menschen in den Arbeitsmarkt
- Koordinationsstelle für Hilfen für von Gewalt bedr ohten und
betroffenen Frauen und deren Kinder
- Hilfen aus einer Hand für obdachlose erwerbsfähige Men-
schen mit flankierendem Hilfebedarf nach § 67 SGB X II
- Sozialpädagogisches Projekt für Frauen, die der St raßenpros-
titution nachgehen – hier: Ausstiegsberatung und
niedrigschwelliges Kontaktangebot
- Entwicklung von spezifischen Qualifizierungs- und Weiterbil-
dungsmaßnahmen – insbesondere niedrigschwellige akt ivie-
rende Maßnahmen im Jugend- und Erwachsenenbereich
- Maßnahmen zum Abbau von funktionalem Analphabetism us
4. Lokale und regionale Netzwerke stärken
• Finanzielle Sicherung und Vernetzung von Beratungs stellen (Suchtberatung,
Schuldnerberatung, Allgemeine Lebensberatung, Migra tionsberatung usw.),
Stärkung der Jugendberufsagentur
• Ausweitung von Präventionsangeboten in sozial-, ju gend-, gesundheits-,
frauen-, migrationsspezifischen Bereichen, z. B. so zialraumorientierte
Schulsozialarbeit, kommunale Mitarbeit an der Entwi cklung inklusiver Schu-
len, Stärkung der Bedeutung des Bildungs- und Erzie hungsplanes, Bündnis
für Familie, Angebote der Jugendberufshilfe unabhän gig von Leistungsbe-
zug usw.
• Intensive Einbindung von Bildungsträgern in kommun ale Netzwerke
• Zusammenarbeit mit Betroffenenorganisationen und G ewerkschaften – z. B.
Sozialhilfekommission, Magistratskommission Soziale Brennpunkte usw.
• Einbindung der Migrantenselbstorganisationen in ko mmunale Arbeitsmarkt-
strategien
• Beteiligung des Jugendhilfeausschusses an arbeitsm arkt- und ausbildungs-
strategischen Konzepten
• Arbeitsgruppe § 78 SGB VIII Jugendberufshilfe
• Arbeitsgruppe § 78 SGB VIII Neustrukturierung der Kinder- und Jugendar-
beit
• Aufbau von Kooperationen zwischen Wirtschaft, Bild ungsträgern, Agentur
für Arbeit und Jobcenter zur Förderung von (arbeits platzorientierter) Grund-
bildung (gemeinsam mit der Vereinigung hessischer U nternehmerverbände)
5. Lokalen (sozialen) Arbeitsmarkt / Ausbildungsmar kt sichern
• Stärkung lokaler Beschäftigungsinitiativen, die – neben der Integration ein-
zelner Menschen in den Arbeitsmarkt – die strukture lle Aufwertung benach-
teiligter Quartiere sichern
• Lokale Wirtschaft übernimmt Verantwortung für Lang zeitarbeitslose und
Ausbildung, Unterstützt des ersten Darmstädter Inte grationsbetriebes durch
kommunale Aufträge
Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2013
45
Die oben genannten fünf strategischen Ziele zeigen, dass langfristige und nachhaltige Er-
werbsintegration aus kommunalpolitischer Sicht nur interdisziplinär erfolgreich wirken kann.
5.8.1 Kofinanzierung des lokalen Ausbildungs- und Arbeitsmarktprogramm 2013
Auf der Grundlage der kommunalen Arbeitsmarkt – und Ausbildungsstrategie hat das Job-
center Darmstadt mit den zuständigen städtischen Di enststellen nachstehende Maßnah-
men abgestimmt und in die Maßnahmenplanung 2013 ff. integriert:
Arbeitsmarktprogramm
Projekt Plätze
Wohnumfeldverbesserung 4
Computer für Alle 6
Schulküche Kranichstein 10
Cafe Nimmersatt 10
Dienstleistungszentrum Waschsalon 7
Qualifizierung und Begleitung für
Alleinerziehende
10
Einkaufs- und Begleitservice 10
Insgesamt beträgt die Ko-Finanzierung aus dem Eingl iederungsetat des Jobcenters ca.
110.000 Euro.
Ausbildungsprogramm 2013
Projekt Plätze
Alleinerziehende in Ausbildung 3
Aktivierungsmaßnahme für Mädchen und junge Frauen i m Bereich Medienkom-
petenz
6
Chance 2.0 10
Integrative Ausbildung Industriemechaniker/in 2
Hier werden ebenfalls aus dem Eingliederungsetat de s Jobcenters ca. 234.000 Euro zur
Kofinanzierung herangezogen.
Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2013
46
5.9 Lokale Aktivitäten
Neben den klassischen Instrumenten der aktiven Arbeitsförderung verfügt das Jobcenter
Darmstadt über rein lokale Aktivitäten, die die Maßnahmenpalette für die Leistungsberech-
tigten erweitert.
5.9.1 Unser Bewerbungscenter „dabei“
Das Bewerbungscenter „dabei“ des Jobcenters Darmsta dt wurde am 02.04.2012 eröffnet.
Vor Ort sind vier Beschäftigte des Jobcenters und ein Mitarbeiter der Agentur für Arbeit
Darmstadt für die Beratung der Leistungsberechtigten im SGB II und SGB III zuständig.
Das Bewerbungscenter hat einen offenen Zugang zur e igenständigen Erstellung der Bewer-
bungsunterlagen an den dafür vorgesehenen 8 PC-Arbe itsplätzen. Die Computer sind alle
internetfähig, so dass diese auch zum Zwecke der St ellenrecherche und weiterer Bewer-
bungsaktivitäten, z. B. Onlinebewerbungen, genutzt werden können. Das Bewerbungscenter
kann sowohl von Leistungsberechtigten des SGB II als auch des SGB III genutzt werden.
Für die Leistungsberechtigten des SGB II besteht zu sätzlich die Möglichkeit einen Bera-
tungstermin zum Erstellen der Bewerbungsunterlagen zu erhalten. In diesem Termin erhal-
ten die Kundinnen und Kunden gezielte Unterstützung beim Erstellen ihrer individuellen Be-
werbungsunterlagen.
Im Bewerbungscenter können vollständige Bewerbungsu nterlagen mit allen dazu gehörigen
Unterlagen erstellt werden. Es ist ein Scanner, zum Einscannen von Zeugnissen und Nach-
weisen vorhanden, sowie eine Kamera zur Erstellung von Bewerbungsfotos. Die Kundinnen
und Kunden erhalten die benötigten Bewerbungsmappen und können auch die Möglichkeit
des neutralen Versands nutzen.
Seit April 2012 haben 1477 Leistungsberechtigte das Bewerbungscenter aufgesucht, hierun-
ter 975 Leistungsberechtigte des SGB II und 502 Leistungsberechtigte des SGB III.
Im Rahmen der Terminvergabe wurden 323 Kundinnen un d Kunden des SGB II durch die
Fallmanagerin und den Fallmanager des Bewerbungscenters beraten und 515 Bewerbungs-
unterlagen erstellt.
5.9.2 Projekt „Wasser macht Arbeit“
Das Projekt „Wasser macht Arbeit“ wurde bereits im Arbeitsmarktprogramm 2012 vorgestellt.
Im Laufe des Jahres 2012 wurde die Projektidee weit er entwickelt und durch die Beteiligten
weiter forciert.
Das Projekt mit erheblichem gesellschaftlichem und ökologischem Mehrwert ist ein Gewäs-
serentwicklungs- und Beschäftigungsprojekt, bei dem eine Kooperationsgemeinschaft zwi-
schen den beiden Wasserverbänden Modaugebiet und Sc hwarzbachgebiet-Ried gebildet
werden soll. Im Detail geht es um die naturnahe Ent wicklung und das Erreichen eines guten
Gewässerzustandes an Modau, Schwarzbach und deren Seitengewässern.
Der Einsatz der Leistungsberechtigten (der Kreisage ntur für Beschäftigung Darmstadt-
Dieburg und des Jobcenters Darmstadt) soll über eine Arbeitsgelegenheit erfolgen mit einer
eventuellen Übernahme in ein für ein Jahr befristetes sozialversicherungspflichtiges Beschäf-
tigungsverhältnis. Ein erstes Projekt startet voraussichtlich im Jahr 2014.
Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2013
47
Die Arbeitsgruppe, die sich diesbezüglich in regelm äßigen Abständen trifft, führt derzeit Ab-
stimmungsgespräche mit potentiellen Projektträgern, die zur Umsetzung der Projektidee un-
abdingbar sind.
5.9.3 Werkakademie/Jobakademie
„Ihr Job ist es, Arbeit zu finden“ unter diesem Slo gan stehen die Werkakade-
mien/Jobakademien. Die Idee der sogenannten Werkaka demien basiert auf einem holländi-
schen Modell, das von Dick Vink entwickelt wurde.
Die Werkakademien dienen dazu den Neukundenprozess zu unterstützen und zur Bereitstel-
lung eines Sofortangebotes für alle Neukundinnen un d Neukunden. Ausgewählte Neukun-
dinnen und -kunden werden direkt ab Antragsstellung für 8 Wochen in die Werkakademie
zugewiesen. Im Rahmen dieser Zuweisungsdauer sollen die Teilnehmerinnen und Teilneh-
mer mit Hilfe des Empowerment-Ansatzes (Hilfe zu Se lbsthilfe) bei der Arbeitssuche bzw.
Arbeitsaufnahme unterstützt werden.
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sollen sich selb st in Gruppen zusammenfinden und
selbständig erarbeiten wo sie noch Unterstützungsbe darf haben. Dieser Unterstützungsbe-
darf wird dann von den Lehrkräften aufgegriffen und beispielsweise mit Hilfe eines Work-
shops den Teilnehmerinnen und Teilnehmern näher geb racht. Die Entwicklung soll hierbei
weg von der reinen „Beschulungsmaßnahme“ hin zu meh r Eigenständigkeit, Selbständigkeit
und Eigenverantwortung.
Das Jobcenter Darmstadt plant die Einrichtung einer Werkakademie/Jobakademie in den
freien Räumlichkeiten des Bewerbungscenters dabei. Hierdurch kann eine optimale Ver-
knüpfung des bereits bestehenden Angebots mit dem n euen Ansatz der Werkakademie er-
folgen. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Be werbungscenters werden dann auch An-
sprechpartnerinnen und Ansprechpartner in der Werka kademie sein. Ziel ist es eine enge
Zusammenarbeit zwischen den Jobcoachs des Trägers u nd den Fallmanagerinnen und
Fallmanagern des Jobcenters. Der Träger wird über e ine öffentliche Ausschreibung gesucht
und der voraussichtliche Beginn der Werkakademie wird im März 2013 sein.
5.9.4 Kooperationen und Netzwerke
Ein Kriterium für erfolgreiche Vermittlungsarbeit u nd nachhaltige Integration in den Arbeits-
markt sind gut funktionierende Netzwerke sowie eine enge Kooperation mit den lokalen
Akteuren im arbeitsmarkt- und sozialpolitischen Umfeld. Das Jobcenter Darmstadt hat sich in
den letzten Jahren ein umfassendes Netzwerk aufgebaut und kooperiert mit einer Vielzahl an
kommunalen Einrichtungen sowie mit externen Organisationen und freien Trägern. Die Form
der Kooperation variiert dabei: während in einigen Fällen formelle Kooperationsvereinbarun-
gen bestehen, ist die Kooperation in anderen Fällen auf der langjährigen Zusammenarbeit
gegründet.
Das Fallmanagement im Rechtskreis SGB II wird häufig mit Problemen konfrontiert, die nicht
direkt arbeitsmarktbezogen sind, sondern in den per sönlichen Verhältnissen der betroffenen
Personen liegen. Dazu gehören beispielsweise Suchtmittelauffälligkeit, Überschuldung, fami-
liäre Konfliktlagen, fehlende Kinderbetreuung, droh ender Wohnungsverlust, drohende Ver-
wahrlosung usw. Die betroffenen Menschen sind häufig nicht in der Lage, Bewältigungsstra-
tegien zu entwickeln und selbst ein Unterstützungsnetzwerk aufzubauen.
Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2013
48
Im Bereich der Kommunalen Eingliederungsleistungen gemäß § 16a SGB II wurden Koope-
rationsvereinbarungen, die laufend evaluiert werden, mit folgenden Stellen geschlossen:
• Koordinierungsstelle Kinderbetreuung des Jugendamtes der Wissenschaftsstadt
Darmstadt (Kinderbetreuung)
• Schuldner- und Insolvenzberatung des Amtes für Soziales und Prävention der
Wissenschaftsstadt Darmstadt (Schuldnerberatung)
• Städtischer Sozialdienst des Jugendamtes der Wissenschaftsstadt Darmstadt (psy-
chosoziale Beratung)
• Caritasverband Darmstadt e.V. (Sucht- und Drogenberatung)
Im Jahr 2012 wurde der Kontakt mit den kommunalen Stellen wieder intensiviert und konzen-
triert, so dass sich für das Jahr 2013 eine weitere Verbesserung der Zusammenarbeit und
ggf. Anpassungen der Kooperationsvereinbarungen ergeben werden.
5.9.4.1 Kooperationsvereinbarung zur Zusammenarbeit mit dem städtischen
Sozialdienst des Jugendamts der Wissenschaftsstadt Darmstadt
Die Kooperationsvereinbarung mit dem städtischen Sozialdienst wurde im abgelaufenen
Jahr mit Beteiligten beider Ämter überarbeitet und neugefasst, um die Akzeptanz für die
Aufgaben des anderen zu erhöhen, eine Transparenz aller vorhanden Hilfsangebote in der
Stadt Darmstadt herzustellen und die Zusammenarbeit zu steigern.
Gegenseitige Hospitationen sind vorgesehen und ein Interaktionsformat zur dauerhaften und
sich weiter entwickelnden Kommunikation der beteiligten Führungskräfte wird eingeführt.
5.9.5 Übergabemanagement SGB II/SGB III
Im Jahr 2011 wurde mit dem Ziel, den Übergang der Leistungsberechtigen zwischen den
Rechtskreisen SGB III und SGB II zu harmonisieren und die gemeinsame Schnittstelle zu
verbessern, ein gemeinsamer Handlungsleitfaden erstellt. Das Verfahren hat sich im Jahr
2012 bewährt und etabliert, so dass dieses auch im Jahr 2013 erfolgreich fortgeführt werden
soll.
Der Handlungsleitfaden beinhaltet Aktivitäten beider Träger, die zu bestimmten Zeitpunkten
eingeleitet werden.
Etwa drei Monate vor Ende des Leistungsbezuges ALG I werden die Leistungsberechtigten
in einer von Agentur für Arbeit und Jobcenter gemeinsam durchgeführten Informationsveran-
staltung über die zur Verfügung stehenden Unterstützungsangebote der Agentur für Arbeit
sowie die für das Arbeitslosengeld II geltenden leistungsrechtlichen Voraussetzungen und
die Angebote und Ziele des beschäftigungsorientierten Fallmanagements informiert.
Rund 1-2 Monate vor Ende des ALG I-Bezuges führt die Arbeitsvermittlung der Agentur für
Arbeit ein persönliches Abschlussgespräch mit den Leistungsberechtigten. Die Inhalte des
Gespräches werden in einem Vermerk in VerBIS dokumentiert.
Mit dem Rechtskreisübertritt erfolgt das vermittlerische Erstgespräch, zu dessen Vorberei-
tung das Fallmanagement auf den Übergabevermerk zurückgreift und auch die zuletzt ver-
einbarten Aktivitäten in die Gestaltung des Vermittlungsprozesses im Jobcenter einbezieht.
Sofern sich im Rahmen des Profiling keine zusätzlichen oder geänderten Erkenntnisse
ergeben, soll hierbei der in der Agentur für Arbeit begonnene Integrationsprozess nahtlos
fortgesetzt werden.
Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2013
49
5.9.6 Patenmodell
Seit Mitte Februar 2013 besteht zwischen dem Jobcenter Darmstadt und der Initiative „Arbeit
durch Management/Patenmodell“ des Diakonischen Werkes eine Kooperationsvereinbarung.
Im Rahmen der Kooperation können arbeitslose und interessierte Leistungsberechtigte in
Ergänzung zu den SGB II - Maßnahmen von sogenannten JobPaten bei ihrer beruflichen
Integration unterstützt werden.
Dabei geht es nicht in erster Linie darum, den arbeitslosen Leistungsberechtigten die pas-
senden Stellen zu organisieren, sondern vielmehr ist das Ganze als „Hilfe zur Selbsthilfe“ zu
verstehen. Die Paten sind Menschen aus allen Berufsgruppen, die über gute berufliche Er-
fahrungen und Kontakte verfügen. Ihre ehrenamtliche Unterstützung richtet sich an Leis-
tungsberechtigte, die vor allem einen Gesprächspartner mit besonderer beruflicher Erfahrung
suchen oder Bedarf an intensivem Gesprächsaustausch haben bzw. einer verstärkten indivi-
duellen Betreuung bedürfen.
Die JobPaten bzw. das Patenmodell setzen auf Freiwilligkeit der Teilnahme. Der Impuls zur
Kontaktaufnahme/Kooperation muss durch die Leistungsberechtigten selbst erfolgen. Hierfür
muss sich die bzw. der Leistungsberechtigte selbst in eine Datenbank Patenmodell eintra-
gen.
Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2013
50
6. Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt
Um die Gleichstellung von Frauen und Männern im Außenverhältnis besser gewährleisten zu
können, wurde für 2011 auch im SGB II die Rolle der Beauftragten für Chancengleichheit am
Arbeitsmarkt (BCA) implementiert.
Als operative Impulsgeberin unterstützt sie die Fac hkräfte ihres Jobcenters und hilft beim
Auf- und Ausbau von Netzwerken. Sie setzt sich dafü r ein, die Beschäftigungsperspektiven
für Arbeitssuchende mit familiären Verpflichtungen zu verbessern.
Die Trägerversammlung des Jobcenters Darmstadt best ellte am 14.01.2011 Frau Elke Jo-
kisch zur Beauftragten für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt.
Ihre Aufgabenfelder bestehen aus
• der Beratung von Führungs- und Fachkräften sowie e xternen Partnerinnen und Part-
nern zur Förderung der Chancengleichheit
• der Mitwirkung bei der Aufstellung des Arbeitsmark t- und Integrationsprogramms des
Jobcenters Darmstadt
• der Analyse und Bewertung von geschlechtsspezifisc hen Daten zum Ausbildungs-
und Arbeitsmarkt
• der Planung, Entwicklung und Realisierung von Konz epten und Maßnahmen zur För-
derung der Chancengleichheit ( z.B. Projekte, Fortbildungen etc.)
• der Planung und Durchführung von Gruppeninformatio nsveranstaltung zur Frühakti-
vierung von Alleinerziehenden und Erziehenden
• der Vertretung des Jobcenters Darmstadt in lokalen Netzwerken
Ein wichtiger Schwerpunkt der Tätigkeit der BCA ist die Förderung von Alleinerziehenden.
Hierfür ist sie konzeptionell mit zuständig, überni mmt eine Koordinationsfunktion und arbei-
tet aktiv in vorhandenen Gremien und Netzwerken mit. Darüber hinaus hat sie ein Informati-
ons-, Beratungs- und Vorschlagsrecht in Fragen, die Auswirkungen auf die Chancengleich-
heit von Frauen und Männern haben.
Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2013
51
7. Gemeinsame Bildungszielplanung
Die insgesamt stabile wirtschaftliche Lage der verg angenen Jahre in der Region Darmstadt
und die demografische Entwicklung hat die Nachfrage nach qualifiziertem Personal weiter
steigen lassen. In einigen Branchen zeichnet sich bereits ein Fachkräfteengpass ab.
Diesem Trend entgegenzuwirken erfordert einen breiten Ansatz von verschiedenen Wegen
und Hebeln vieler Akteure. Einer dieser Wege ist die zielgerichtete Qualifizierung und
Weiterbildung von Arbeitslosen und Arbeitssuchenden. Darüber hinaus ist es von Vorteil,
wenn sich die Leistungsträger aus verschiedenen Rechtskreisen auf lokaler Ebene zusammen-
schließen um noch effizientere Qualifizierungs- und Weiterbildungsmaßnahmen für die
Arbeitslosen und Arbeitssuchenden anbieten zu können; dies auch vor dem Hintergrund der
immer knapper werdenden finanziellen Ressourcen.
Im Herbst 2012 wurde erstmals ein rechtskreisübergr eifender Arbeitskreis unter Beteiligung
der Agentur für Arbeit Darmstadt, der Kreisagentur für Beschäftigung und des Jobcenters
Darmstadt initiiert, in dem ausgehend von der Nachf rage nach Arbeitskräften auf dem regio-
nalen Arbeitsmarkt gemeinsame Qualifizierungsbedarfe erhoben wurden und hieraus Quali-
fizierungsmaßnahmen für 2013 abgestimmt wurden.
In folgenden Bereichen ist künftig vor allem eine e nge Zusammenarbeit bei der
Maßnahmeplanung und -durchführung vorgesehen:
• Pflegeberufe
• Erzieher/in
• Lager/Logistik
• Berufspraktische Weiterbildungen mit hohem Deutsch kursanteil
Die Qualifizierungsplanung des Jobcenters Darmstadt für 2013 wurde auf die geschäftspoli-
tischen Handlungsfelder abgestimmt und ist der Anlage zu entnehmen.
Schwerpunktmäßig soll durch kurz-und mittelfristige Anpassungsqualifizierungen mit einem
hohen Bezug zur praktischen Kenntnisvermittlung dem Fachkräftebedarf auf dem regionalen
Arbeitsmarkt Rechnung getragen werden. Desweiteren sind Qualifizierungen vorgesehen,
die zu einem Berufsabschluss führen und mittelfristig Fachkräfte bereitstellen werden.
Die aufgeführten Bildungsziele in der Bildungszielp lanung stellen keine abschließende Auf-
zählung dar.
Die Ausgabe eines Bildungsgutscheins stellt immer eine Einzelfallentscheidung in Abhängig-
keit der im Rahmen des Profilings und der individue ll zu prognostizierenden Integrations-
wahrscheinlichkeit auf dem Arbeitsmarkt dar.
Neben den aufgeführten Qualifizierungsschwerpunkten können daher auch Bildungsziele
für eine Förderung in Betracht gezogen werden, die zwar nicht in der Qualifizierungsplanung
aufgeführt sind, die aber im Einzelfall eine hohe Integrationsquote erwarten lassen. Hierfür wird
eine entsprechende Anzahl von Bildungsgutscheinen in der Bildungszielplanung vorgehalten.
Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2013
52
Anlage Bildungs- und Maßnahmenplanung
Jobcenter Darmstadt – FbW Bildungszielplanung 2013
Bildungsziel
Qualifizierungsinhalte
Berufs-
ordnung
(BO) /
Kenn-
ziffer
(DKZ)
Anzahl
Bildungs-
gutscheine
Unterrichts-
form
Vollzeit /
Teilzeit /
berufsbe-
gleitend
max.
Dauer
Monate
mit Berufsabschluss
Altenpfleger/in
lt. Rahmenlehrplan
82102-901
10
VZ
36
Altenpflegehelfer/in lt. Rahmenlehrplan 82101-900 4 VZ 12
Erzieher/in lt. Rahmenplan 83112-903 10 VZ oder TZ 24 bzw.36
Bürokauffrau/ -mann
bzw. Kauffrau/-mann
für Bürokommunika-
tion
Inhalte entsprechend IHK
Rahmenplan
71402-101 4 VZ oder TZ 21 bzw.
28
betriebliche Einze l-
umschulungen
37 VZ 24
Umschulungen im
Einzelfall
10 VZ oder TZ 24
sonstige Bildungsziele (ohne Abschluss)
gewerblicher Bereich (Lager / Logistik / Sicherheit / Gastronomie)
Erwerb Hauptschul-
abschluss mit berufs-
praktischer Qualifizie-
rung
14
VZ oder TZ
12
Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2013
53
Fachkraft Luftfrach t-
lagerlogistik (Air Car-
go Handling
Specialist)
Lagerkenntnisse für den
Luftfrachtbereich, inklusive
Praktikum bzw. fachprakti-
scher Unterweisung
51311-118 4 VZ 3
Bildungsziel
Qualifizierungsinhalte
Berufs-
ordnung
(BO) /
Kenn-
ziffer
(DKZ)
Anzahl
Bildungsgut-
scheine
Unterrichts-
form
Vollzeit /
Teilzeit /
berufsbe-
gleitend
max.
Dauer
Monate
sonstige Bildungsziele (ohne Abschluss)
gewerblicher Bereich (Lager / Logistik / Sicherheit / Gastronomie)
Qualifizierung im
Sicherheitsgewerbe
inkl. Vorbereitung auf
Sachkundenprüfung
nach §34a GewO
Öffentliches Recht, Bürgerli-
ches Gesetzbuch BGB,
Straf- und Verfahrensrecht,
Umgang mit Menschen,
Umgang mit Verteidigungs-
waffen, Erste Hilfe, Vorberei-
tung zur Prüfung nach §34a
GewO.
Sachkundenprüfung bei IHK
53112-907
8
VZ
bis zu 6
Monate
modulare Fortbildung
im Bereich Lagerlo-
gistik
EDV, Materialwirtschaft,
Lagerhaltung/Standort-
/Lagerplanung, Verpackun-
gen, Logistik + Beschaffung,
Versand, Lagerverwaltung,
Gabelstaplerausbildung inkl.
Fahrtraining
51311-118 14 VZ bis zu 3
Mon.
Modulare Teilqualif i-
zierung „Fachkraft
Gastgewerbe“
Teilqualifizierung im Bereich
Küche / Gastronomie
29301-101 4 VZ o. TZ je nach
Modul
unter-
schiedlich
Fahrerausbildung
EU Kraftfahrer Klasse
C, CE
theoretische und praktische
Fahrerausbildung inklusive
Gefahrgut, Ladungssiche-
rung und Gabelstapler
52122-108 5 VZ 5
Fahrerausbildung
Güter- und Personen-
verkehr
theoretische und praktische
Fahrerausbildung mit be-
schleunigter Grundqualifizie-
rung C,CE, D und DE inklu-
sive Ladungssicherung
52122-108 5 VZ 4
Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2013
54
Bildungsziel
Qualifizierungsinhalte
Berufs-
ordnung
(BO) /
Kenn-
ziffer
(DKZ)
Anzahl
Bildungsgut-
scheine
Unterrichts-
form
Vollzeit /
Teilzeit /
berufsbe-
gleitend
max.
Dauer
Monate
kaufmännischer Bereich / Akademiker
modulare kaufmänni-
sche Weiterbildung
Finanzbuchhaltung, Perso-
nalwesen, EDV, SAP, Wirt-
schaftsenglisch -individuelle
Trainingspläne nach Bedarf
71402-101
8
VZ o.TZ
je nach
Modul bis
zu 6 Mon.
sozialer Bereich
Helfer/in in der Pflege
Vermittlung von Grundlagen
in der Pflege, der Lebens-
und Alltagsgestaltung
81301-107
5
VZ o. TZ 4 Mon.
sonstige Bildungs-
ziele
Berufspraktische Wei-
terbildung mit
Deutsch Intensivför-
derung
20
VZ oder TZ
6
Fortbildungen im Ei n-
zelfall (insbesondere
mit Einstellungszusa-
ge)
18
Anlage Geschäftspolitische Schwerpunkte 2013 des Jobcenters Darmstadt
2013/0085
5331 Zeichen
Magistratsvorlage
Eingang Magistrats-
geschäftsstelle:
27.02.2013
an den Magistrat
zur Kenntnis
zur Beschlussfassung
Beteiligt vor
Magistratsbeschlussfassung:
Dezernat an die Stadtverordnetenversammlung
OBW zur Befassung
zur Kenntnis
zur Beschlussfassung
zur abschließenden Beschluss-
fassung Fachausschuss
Amt: Dezernat V
Jobcenter
Behandlung in
öffentl. Sitzung
Ja
Nein
OBW bei abschl. Beschluss-
fassung Magistrat
Ja
Nein
Internetfähig
Verteiler:
Vorlage-Nr. 2013/0085
Magistratsbeschluss-Nr.
Produkt-Nr.:
Kostenstelle: Investitionsnummer:
Kostenträger: Sachkonto:
Betreff: Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2013 des Jobcenter Darmstadt
Vorlage vom: 27.02.2013
Beschlussvorschlag:
Der Magistrat nimmt das Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2013 des Jobcenter Darmstadt zur
Kenntnis.
Anlagen: Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2013
Datenschutzrelevante Anlage:
Folgekosten: Ja Nein
- 2 -
Beschluss des Magistrats vom
- 3 -
Begründung zur Magistratsvorlage vom 27.02.2013:
In der Trägerversammlung am 29.01.2013 wurde das örtliche Arbeitsmarkt- und Integrationspro-
gramm der Grundsicherung für Arbeitssuchende gemäß § 44 c (6) SGB II (Sozialgesetzbuch II) unter
Beachtung von Zielvorgaben zwischen den Trägern der Grundsicherung inhaltlich abgestimmt.
Die Wissenschaftsstadt Darmstadt, als Träger der Grundsicherung, sieht in der Verzahnung von Sozi-
al-, Beschäftigungs-, Arbeitsmarkt- und Wirtschaftspolitik einen bedeutenden, strategischen, ge-
schäftspolitischen Schwerpunkt. Sowohl im Jobcenter Darmstadt, als auch im Rahmen der Kommuna-
len Beschäftigungsförderung der Wissenschaftsstadt Darmstadt, spielt diese politisch, explizit ausge-
wiesene Strategie bei der operativen Umsetzung eine bedeutende Rolle.
Auf den Grundsätzen Prävention, Partizipation und Sozialraumorientierung basieren folgende kom-
munale Arbeitsmarkt- und Ausbildungsstrategien
1. Inklusion und Integration als sozialpolitische und sozialplanerische Strategie
2. Armut bekämpfen – Existenz sichern
3. Zielgruppen passgenau fördern
4. Lokale und regionale Netzwerke stärken
5. Lokalen (sozialen) Arbeitsmarkt / Ausbildungsmarkt sichern
Neben diesen lokalen Zielen verfolgt die Bundesagentur für Arbeit folgende geschäftspolitische
Schwerpunkte für das Jahr 2013:
1. Kundinnen / Kunden ohne Abschluss zu Fachkräften ausbilden
2. Langzeitbezieherinnen und – bezieher aktivieren und Integrationschancen
erhöhen
3. Marktchancen bei Arbeitgebern erschließen und Integrationen realisieren
4. Beschäftigungschancen für Alleinerziehende nutzen
5. Jugendliche in den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt integrieren
6. Rechtmäßigkeit und Qualität der operativen Umsetzung sicher stellen
Darüber hinaus gibt es einen besonderen Handlungsschwerpunkt
„Erstausbildung für junge Erwachsene“.
In Ergänzung zum Arbeitsmarkt – und Integrationsprogramm 2012 wurden in dieses Programm spe-
ziell auch das kommunale Arbeitsmarkt- und Ausbildungsbudget für das Jahr 2013 integriert. Dies
auch, um eine noch bessere, institutionsübergreifende Planung sicher zu stellen. Das kommunale
Arbeitsmarkt- und Ausbildungsbudget ergänzt die Maßnahmen des Jobcenters und gewährleistet
somit eine verstärkte Förderwirkung. Hierbei stehen insbesondere besonders benachteiligte Gruppen,
wie z.B. Alleinerziehende, Ältere und Menschen mit Behinderung, Migrantinnen und Migranten, Lang-
zeitarbeitslose im Fokus.
Damit wird auf lokaler Ebene ein wirksamer Beitrag zur Bekämpfung der Langzeitarbeitslosigkeit und
zur Schaffung bzw. zum Erhalt von Beschäftigten erbracht.
Eine vollständige Abbildung aller vorhandenen Verfahren und Maßnahmen kann das Arbeitsmarkt-
und Integrationsprogramm nicht aufzeigen, es soll aber einen Überblick verschaffen, welche Zielgrup-
pen, die eine besondere Aufmerksamkeit für ihre Integration oder Teilhabe benötigen, im Fokus ste-
hen.
Die finanzielle Situation gestaltet sich wie folgt:
Für das Jahr 2013 wird mit einer weiteren Mittelkürzung von Seiten des Bundes gerechnet. Für das
Haushaltsjahr 2013 steht dem Jobcenter voraussichtlich ein Gesamtbudget von 12,0 Mio € zur Verfü-
gung. Dies entspricht einem Rückgang zum Vorjahr von 9,1% (13,1 Mio. € in 2012). Da das Jobcenter
in 2013 mit einem Verwaltungsbudget von ca. 8,2 Mio € plant, verbleiben für den Eingliederungstitel
und die klassischen, arbeitsmarktpolitischen Instrumente, wie z.B. Eingliederungszuschüsse, Förde-
rung beruflicher Weiterbildung ca. 3,8 Mio €.
- 4 -
Arbeitsmarkt- und Beschäftigungspolitik ist dann erfolgreich, wenn verschiedene Handlungsträger auf
lokaler und regionaler Ebene zusammenwirken und im Idealfall ihre Potenziale bündeln und aufeinan-
der abstimmen. Das Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm ist Grundlage für die Zusammenarbeit
mit allen regionalen Akteuren am Arbeits- und Ausbildungsmarkt in der Wissenschaftsstadt Darm-
stadt. So wurde das vorliegende Programm von den Führungs- und Leistungskräften des Jobcenters
erarbeitet und mit den zuständigen Fachverantwortlichen beider Trägerorganisationen in enger Ko-
operation abgestimmt.
Darmstadt, den 27.02.2013
Barbara Akdeniz
Stadträtin
Beratungsverlauf (4)
Orte (1)
- Groß-Gerauer Weg 3
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Details
- Vorlagen-Nr.
- 2013/0085
- Typ
- Magistratsvorlage
- Datum
- 27.02.2013
- Erstellt
- 29.09.2026 00:00