2013/0338
Einrichtung von offenen Stadtteilforen mit bürgerschaftlicher Beteiligung in der Wissenschaftsstadt Darmstadt
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Dezernat I Darmstadt, 28.10.2013
Bürgerbeauftragte AZ; Nst.: 2300
Entwurf für ein Rahmenkonzept „Stadtteilforen mit
bürgerschaftlicher Beteiligung“ in Darmstadt
Präambel:
Im Rahmen der repräsentativen Bürgerumfrage 2012 wurden die Darmstädterinnen und Darmstädter
auch zum Thema Bürgerbeteiligung befragt. Aus der Umfrage konnte man ablesen, dass über 45 %
der Bürgerinnen und Bürger die Mitarbeit bei Stadtteilforen bzw. Stadtteilinitiativen für sinnvoll
halten und diese Form der Beteiligung für knapp 20% der Bürgerinnen und Bürger persönlich in
Frage kommt.
Die Ergebnisse der Bürgerumfrage bestätigen die konkreten Erfahrungen der politisch
Verantwortlichen, dass es ein hohes Interesse in der Darmstädter Bürgerschaft gibt, bei Projekten der
Stadt frühzeitig informiert zu werden und mitgestalten zu können. Die Wissenschaftsstadt Darmstadt
hat daher ihre Angebote zur Bürgerbeteiligung in den letzten zwei Jahren stark ausgebaut.
Die Stadtteilebene ist für eine niedrigschwellige, inklusive Bürgerbeteiligung äußerst relevant, weil
vor Ort über die Wohn- und Lebensqualität entschied en wird. Im Lebensraum sind die Bürgerinnen
und Bürger von den politischen Entscheidungen am di rektesten betroffen, die Maßnahmen liegen
im direkten Umfeld und deren Auswirkungen sind für jede und jeden direkt spürbar.
Der Stadtteil, der den Lebensmittelpunkt bildet, is t aber auch der Ort, an dem man sich am besten
auskennt und dessen Stärken und Schwächen jeden Tag sichtbar werden. Hier sind alle
Bewohnerinnen und Bewohner Expertinnen und Experten für den eigenen Stadtteil und können
wesentlich einfacher und direkter als für die Gesam tstadt über Themen und Probleme beraten und
Verbesserungsideen entwickeln. Gerade deshalb biete t sich die Stadtteilebene an, um eine neue
Beteiligungskultur zu entwickeln.
Für die Umsetzung einer solchen stadtteilbezogenen Beteiligungskultur braucht es neben einem
konkreten Ort auch eine verbindliche Struktur, in d em Aushandlungsprozesse für und mit dem
Stadtteil möglich sind. Mit den Stadtteilforen scha ffen wir diesen kleinräumigen Rahmen für eine
integrierte, partizipative Stadtentwicklung. In all en neun Stadtteilen Darmstadts und den darunter
liegenden Stadtbezirken existiert eine aktive Bürge rschaft, die sich um die Belange vor Ort
kümmert und sich für mehr Lebensqualität im Stadtte il einsetzt. Die bisher vorhandenen Initiativen,
Treffpunkte und Strukturen unterscheiden sich dabei deutlich von Stadtteil zu Stadtteil. Bereits
bestehende Stadtteilrunden und ähnliche Angebote so llen erhalten werden. Eine Verknüpfung mit
existierenden Angeboten ist zu entwickeln und in de r Folge zu gewährleisten, um keine
Doppelstrukturen entstehen zu lassen.
Für die Kommunikation zwischen den Vertreterinnen u nd Vertretern aus Verwaltung und
Kommunalpolitik und den Bürgerinnen und Bürgern aus dem Stadtteil besteht die Chance, ein
besseres Verständnis für die Sichtweisen und Argume nte des jeweils anderen zu entwickeln. Die
Rolle der Stadtverwaltung ist die eines Zuhörenden und Fachexperten. Sie verfolgt das Ziel, die
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Positionen der anderen Akteursgruppen verstehen zu wollen und Wissen aus der Verwaltung
frühzeitig zu teilen. Auch die Kommunalpolitik hat in erster Linie die Rolle eines Beobachtenden.
Sie hat den Auftrag, Themen, Fragen und Ideen aus d en Stadtteilforen in ihre Gremien weiter zu
transportieren.
Zielgruppe:
Mit den Stadtteilforen werden verschiedene Zielgrup pen angesprochen. Neben Bürgerinnen und
Bürgern aus dem Stadtteil werden Gewerbetreibende, Vereine, Verbände, Initiativen, Kirchen,
Stadtverordnete und Verwaltungsvertreter in den Bet eiligungsprozess eingebunden.
Neben den Stadtteilforen ist es notwendig, weitere Beteiligungsangebote in den Stadtteilen zu
implementieren, die insbesondere die Bewohnergruppe n anspricht, die von den Stadtteilforen nicht
oder nur unzureichend angesprochen und erreicht wer den. Sowohl für den Ablauf der Stadtteilforen
als auch für weitere Beteiligungsprozesse im Stadtt eil ist eine Zusammenarbeit mit der AG
Sozialplanung
1, den stadtteilbezogenen Koordinationsstellen in de n Fachämtern 2, der
Bürgerbeauftragten sowie - falls vorhanden - mit de n Vertreterinnen und Vertretern der
Gemeinwesenarbeit unbedingt notwendig.
Ziele:
Die Stadtteilforen stellen ein dezentrales, niedrig schwelliges und inklusives Beteiligungsangebot
dar. Mit den Stadtteilforen werden die Eigeninitiat ive und das Engagement der Bürgerinnen und
Bürger gepflegt, wertgeschätzt und politisch unters tützt.
Die Stadtteilforen schaffen einen Ort, wo sich Bürg erschaft, Verwaltung und Politik treffen und
miteinander ins Gespräch kommen. Es wird eine neue Beteiligungskultur entwickelt, die auf einen
frühzeitigen Meinungs- und Erfahrungsaustausch vor zu treffenden politischen Entscheidungen
setzt, die den Stadtteil betreffen. Voraussetzung f ür das Gelingen dieses Ansatzes ist, dass eine
frühe Information der Bürgerschaft über geplante Vo rhaben im Stadtteil im Rahmen der
Stadtteilforen erfolgt. So können Planungen und Ent scheidungen, die den Stadtteil betreffen, mit
Bürgerbeteiligung im Rahmen der Stadtteilforen tran sparent vorbesprochen und diskutiert werden.
Alternativvorschläge bzw. Ergänzungswünsche werden erarbeitet, abgestimmt und als Empfehlung
der Stadtteilforen an den Magistrat weitergegeben.
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Stadtteilfor en unterbreiten der Verwaltung und der Politik
selbst Vorschläge für neue Projekte und Maßnahmen. In den Stadtteilforen werden Empfehlungen
für politisches Handeln erarbeitet, mehrheitlich ab gestimmt und über eine Koordinationsstelle an
die zuständigen Dezernentinnen und Dezernenten zur Beratung weitergeleitet.
Die Stadtteilforen tragen zur Stärkung der gemeinsa m wahrgenommen Stadtteilidentität bei. Sie
schaffen einen Dialograum, sich im Stadtteil besser kennen zu lernen und den Zusammenhalt zu
stärken. Sie bieten einen Rahmen, in dem sich Neubü rgerinnen und Neubürger über die Aktivitäten
im Stadtteil informieren können.
Der stadtteilbezogene Ansatz bietet die Chance, die Aufgabenteilung zwischen Stadt und
Bürgerschaft an verschiedenen Themen exemplarisch z u diskutieren. Möglicherweise können
1 Die AG Sozialplanung ist dezernatsübergreifend zusammengesetzt. Hierzu gehören: Sozial- und Jugendhilfeplanung,
Altenhilfeplanung, Schulentwicklungsplanung, Stadtplanung und Grünflächenplanung.
2 Hierzu gehören: städtischer Sozialdienst, Bezirksverwaltung, Bürger- und Ordnungsamt, EAD
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einzelne Aufgaben in Bezug auf Lebensräume wieder v on den Bürgerinnen und Bürgern
übernommen werden, die bisher in kommunaler Verantw ortung liegen (Bsp.
Grünflächenpatenschaften). Initiativen aus dem Stad tteil finden in den Stadtteilforen einen Raum,
um gemeinsam Themen mit Gemeinwohlinteresse zu besp rechen und Aktionen zu planen.
Stadtteile und Zuschnitt:
Darmstadt besteht aus neun statistisch ausgewiesene n Stadtteilen. In diesen Stadtteilen leben
zwischen 6.000 und 22.000 Einwohnerinnen und Einwoh ner.
- Darmstadt-Mitte: ca. 19.000 Einwohnerinnen und Ei nwohner
- Darmstadt-Nord: ca. 30.000 Einwohnerinnen und Ein wohner
- Darmstadt-Ost: ca. 13.500 Einwohnerinnen und Einwo hner
- Darmstadt-Bessungen: ca. 13.500 Einwohnerinnen und Einwohner
- Darmstadt-West: ca. 17.000 Einwohnerinnen und Einw ohner
- Darmstadt Arheilgen: ca. 17.000 Einwohnerinnen und Einwohner
- Darmstadt-Eberstadt: ca. 22.500 Einwohnerinnen und Einwohner
- Darmstadt-Wixhausen: ca. 6.000 Einwohnerinnen und Einwohner
- Darmstadt-Kranichstein: ca. 11.500 Einwohnerinnen u nd Einwohner
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In jedem Stadtteil soll zukünftig ein Stadtteilforu m angeboten werden. Da die Stadtteile statistische
Räume sind, ist es notwendig, zu erläutern, welche Bezirke sich in den Stadtteilen befinden.
Außerdem ist zu beachten, dass die jeweiligen Stadt teilgrenzen nicht starr interpretiert werden
dürfen. Es handelt sich hierbei eher um Grenzräume, die, wenn notwendig, auch übertreten werden
sollten.
Schnittstellen zwischen Bürgerschaft, Politik und
Stadtverwaltung:
Die Probleme und Chancen innerhalb eines Stadtteils werden von den verschiedenen Akteuren
häufig unterschiedlich wahrgenommen und eingeschätz t. Das Organisationsverständnis einer
Stadtverwaltung entspricht dabei selten dem Verstän dnis der Bürgerinnen und Bürger. Dies kann
dazu führen, dass ein komplexes Anliegen aus der Bü rgerschaft mehrere
Verwaltungszuständigkeiten berührt und unterschiedl iche Ansprechpartner in verschiedenen
Dezernaten zuständig sind. Hier sorgen die Stadttei lforen für mehr Übersicht und Transparenz.
Außerdem sind die Perspektiven und Hintergründe, vo n denen aus die Themen betrachtet werden,
höchst unterschiedlich. Die Stadtteilforen haben di e Aufgabe, die jeweiligen Perspektiven auf ein
Thema deutlich zu machen und so ein Verstehen der v erschiedenen Positionen zu fördern.
Eine weitere Herausforderung besteht darin, alle Ak teure auf den gleichen Informationsstand zu
bringen, da viele Themen eine Vorgeschichte haben u nd in die jeweiligen Sichtweisen eingeordnet
werden müssen. Wichtig für einen konstruktiven Dial og sind hierbei Offenheit, Respekt und
Vertrauen aller Teilnehmerinnen und Teilnehmer in d en Stadtteilforen.
Koordination der Stadtteilforen durch die Verwaltung
Die Schnittstellen zwischen Bürgerschaft, Politik u nd Verwaltung werden auf lokaler Ebene mit den
Stadtteilforen verbunden. An diesen Schnittstellen muss eine verlässliche, im Stadtteil anerkannte
Ansprechperson eingesetzt werden, die die Kooperati onsprozesse in den Stadtteilforen unterstützt
und professionelle Unterstützung leistet.
Für jedes Stadtteilforum wird eine feste Ansprechpe rson aus der Verwaltung ausgewählt, der/die
eine Koordination für das jeweilige Stadtteilforum übernimmt. Diese sog.
Stadtteilforenkoordinatorinnen und –koordinatoren fungieren themenübergreifend als erste
Ansprechpersonen sowohl in die Stadtverwaltung hine in und als auch hinaus und sorgen so für
mehr Transparenz und einen funktionierenden Informa tionsfluss. Sie stellen ein zusätzliches,
freiwilliges Angebot der Stadtverwaltung dar, gemei nsam mit Politik und engagierter Bürgerschaft
vor Ort den Stadtteil bedarfsgerecht weiterzuentwic keln.
Die Stadtteilforenkoordinatorinnen und –koordinator en haben folgende Aufgaben:
Sie sorgen für das Zustandekommen der Stadtteilfore n und stellen eine Schnittstelle zwischen dem
jeweiligen Stadtteil und der Gesamtkoordination dar . Sie übernehmen sowohl die Vorbereitung als
auch die Moderation und Nachbereitung der Stadtteil foren. Zu den konkreten Aufgaben der
Tätigkeit gehört auch die Entgegennahme und Sammlun g von Themenvorschlägen, die Aufbereitung
der Themen und die Einladung zu den Stadtteilforen. Die Stadtteilforenkoordination moderiert die
Sitzungen und sorgt für die Einhaltung der Sitzungs regeln. Im Anschluss an die Sitzungen bereitet
die Stadtteilforenkoordination die Sitzung nach. Di es umfasst die Unterstützung der
Protokollantinnen und Protokollanten bei etwaigen F ragen, den Versand des Protokolls und die
Weitergabe der Empfehlungen und Vorschläge an die G esamtkoordination. Außerdem bereitet die
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Stadtteilforenkoordination Pressemitteilungen vor u nd nach den Foren in Abstimmung mit der
Gesamtkoordination vor.
Die Stadtteilforenkoordinatoren stehen in einem eng en Austausch mit der AG Sozialplanung, den
stadtteilbezogenen Koordinationsstellen in den Fach ämtern, der Bürgerbeauftragten sowie soweit
vorhanden zu den Gemeinwesenmitarbeiterinnen und –m itarbeitern. Damit wird gewährleistet, dass
schnelle Absprachen und Abstimmungen sowohl im Stad tteil als auch innerhalb der Verwaltung
getroffen werden können.
Die Gesamtkoordination der Stadtteilforen erfolgt durch die Bürgerbeauftragte / den
Bürgerbeauftragten der Wissenschaftsstadt Darmstadt . Somit wird eine enge Anbindung an den
Magistrat gewährleistet. Die Gesamtkoordination hat die Aufgabe, die Entwicklung der
Stadtteilforen zu begleiten, die Ideen, Vorschläge und Empfehlungen an die zuständigen
Dezernentinnen und Dezernenten weiterzuleiten und d en Austausch zwischen den
Stadtteilforenkoordinatorinnen und -koordinatoren s icherzustellen. Hierzu treffen sich jeweils zwei
gewählte Vertreterinnen und Vertreter der Stadtteil foren, Stadtteilforenkoordination und
Bürgerbeauftragte / Bürgerbeauftragter einmal jährl ich, um sich über Erfahrungen und Probleme
auszutauschen, den Beteiligungsprozess auszuwerten und gemeinsame Aktionen und Themen zu
planen.
Aufgaben der Stadtteilforen:
Die Stadtteilforen tragen dazu bei, festzustellen, was in den Stadtteilen gut funktioniert und was
derzeit noch fehlt bzw. nicht gut läuft. Aktuell wa hrgenommene Probleme werden in den
Stadtteilforen angesprochen und diskutiert. Die The men können alle kommunalen Handlungsfelder
berühren 3.
Die Stadtteilforen haben außerdem die Aufgabe, stad tteilbezogene Handlungsbedarfe zu ermitteln,
zu priorisieren und daraus Handlungsvorschläge und –empfehlungen zu erarbeiten. Die
Stadtteilforen bieten einen Rahmen, um thematisiere n zu können, wer bereit wäre, einen konkreten
Beitrag zur Lösung des Problems bzw. Bedarfs zu lei sten. Es geht daher nicht um einen defizitären
Blick auf den Stadtteil, sondern vor allem um die R essourcen und Ideen, die in einem Stadtteil
liegen und genutzt werden können für konkrete Initi ativen und Projekte.
Wenn eine stadtteilbezogene Bürgerversammlung von der Stadtverordnetenvorsteherin/dem
Stadtverordnetenvorsteher einberufen wird, haben di e jeweiligen Stadtteilforen die Aufgabe, die
Bürgerversammlung in ihrem Stadtteil vorzubereiten, indem die aus Sicht der Stadtteilforen zu
besprechende Themen abgefragt und priorisiert werde n. Die gewichteten Themenvorschläge werden
der Stadtverordnetenvorsteherin / dem Stadtverordne tenvorsteher mindestens 6 Wochen vor
Veranstaltungstermin eingereicht, um eine Vorbereit ung der Themen in Politik und Verwaltung zu
ermöglichen. Darüber hinaus können die Stadtteilfor en eine stadtteilbezogene Bürgerversammlung
mit dem gesamten Magistrat anregen oder bei besonde rs diskursiven Themen auch gesonderte
Veranstaltungen durchführen, zu denen die fachlich zuständigen Dezernentinnen und Dezernenten
und die Vertretungen der Fachämter eingeladen werde n.
Äußerst wichtig ist die frühzeitige Einbeziehung un d Beteiligung der Bürgerschaft in Vorhabenpläne
insbesondere der Stadt, aber auch der anderen Stake holder (Wohnungswirtschaft,
Gewerbetreibende etc.). Die Aufgabe der Stadtteilfo ren ist zum einen, den passenden Raum zur
Darstellung der Vorhaben zu bieten, die den Stadtteil betreffen. Die Stadtte ilbewohnerinnen und –
3 Kommunale Handlungsfelder sind laut Koalitionsvertrag: Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern, Finanzen, Wirtschaft,
Verwaltung, Soziales, Familie, Betreuung und Bildung, Frauen, Kommunale Integrationspolitik, Nachhaltige Umwelt- und
Energiepolitik, Mobilität und Verkehr, Stadtentwicklung und Wohnen, Kultur, Sport und Sicherheit und Ordnung.
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bewohner lernen die Planungen frühzeitig kennen, kö nnen Fragen stellen und über die Pläne
diskutieren. Zum anderen geht es darum, die Erfahru ngen und das Wissen der Bürgerschaft vor Ort
zu bestimmten Fragestellungen kennen zu lernen, um es – im Idealfall zu einem frühen Zeitpunkt -
in die weiteren Planungen einbeziehen zu können. Be i diesem Austausch spielt der Alltagsbezug
eine wichtige Rolle, da die die Foren niedrigschwellig und offen für alle anzulegen sind.
Zur Vertiefung einzelner Themen sind bei Bedarf projektbezogene, offene Arbeitsgruppen (AGs)
einzurichten, die zeitlich befristet arbeiten und i n die sich interessierte Bürgerinnen und Bürger
freiwillig einbringen können. Mittels der AGs könne n themen- und bezirksspezifische Ideen und
Empfehlungen ausgearbeitet und konkretisiert und in dem jeweiligen Stadtteilforum vorgestellt und
ggfs. abgestimmt werden. Die Arbeitsergebnisse werd en nach der Vorstellung und Abstimmung in
den Stadtteilforen über die Gesamtkoordination an d ie zuständigen Dezernate weitergeleitet.
Der Vorteil bei dieser Arbeitsform liegt daran, das s Themen zum einen vertieft werden können, die
im Rahmen der Stadtteilforen nicht ausführlich besp rochen werden können. Zum anderen bleibt der
zeitliche Aufwand in einem überschaubaren Rahmen, w as ein Engagement in einer AG attraktiver
macht.
Struktur der Stadtteilforen:
Die Einladung zu den Stadtteilforen erfolgt über verschiedene Ka näle, z.B. durch Flyer, mit einer
Pressemitteilung, per Rundmail, mit einem öffentlic hen Aushang etc. Die Stadtteilforen besitzen
eine offene, freiwillige Struktur. Insbesondere Neu bürgerinnen und Neubürgern des Stadtteils und
neuen Institutionen oder Initiativen wird die Mögli chkeit gegeben, sich über die aktuellen Themen
im Stadtteil zu informieren, eigene Initiativen vor zustellen und neue Kontakte zu knüpfen. Eine
offene Struktur ermöglicht zudem, dass Akteure sich themenbezogen informieren und engagieren
können und keine regelmäßige Teilnahmeverpflichtung eingegangen wird.
Es wird empfohlen, für jedes Stadtteilforum im Vorf eld ein Schwerpunktthema zu benennen, mit
dem sich intensiver beschäftigt wird. Hierzu können zusätzliche Verwaltungsvertreterinnen und -
vertreter und andere Fachexpertinnen und –experten gezielt eingeladen werden. Aber auch andere,
weniger politische Themen können einen Raum bekomme n, um besondere Highlights zu setzen.
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Die Sitzungen werden protokolliert. Das Protokoll w ird an alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer und
weitere Interessierte per E-Mail verschickt. Eine V eröffentlichung der Protokolle erfolgt auf der
Internetseite der Wissenschaftsstadt Darmstadt und über öffentliche Aushänge in Schaukästen.
Es ist für den Erfolg der Stadtteilforen notwendig, dass über Diskussionsverläufe, Ergebnisse und
gefundene Lösungen im Anschluss an die Stadtteilfor en regelmäßig berichtet wird, damit die
Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Stadtteilforen z ur regelmäßigen Teilnahme motiviert und
Glaubwürdigkeit und Vertrauen gebildet und ausgebau t werden können.
Die Stadtteilforen führen zwei Sitzungen pro Jahr durch, je nach Dringlichkeit und Erfordernis sind
weitere Sitzungen möglich. Wichtig ist ein kontinui erliches Angebot, um Vertrauen zu den
Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartnern und zu de n Dialogprozessen aufbauen zu können.
Die Stadtteilforen ermöglichen eine kritische Ausei nandersetzung zu stadtteilbezogenen Themen.
Hierbei besteht die Aufgabe darin, alle Positionen zu Wort kommen zu lassen und Spielregeln im
4 Hierzu gehören beispielsweise die Besichtigung von besondere Orten bzw. Einrichtungen im Stadtteil, die Präsentation
besonderer Themen und besonderer Persönlichkeiten aus dem Stadtteil.
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Umgang miteinander einzuhalten. Um keine unnötigen Barrieren zu schaffen, wird empfohlen, die
Sitzordnung so aufzubauen, dass alle Teilnehmerinnen und Teiln ehmer auf einer Ebene sitzen und
sich möglichst alle im Halbkreis anschauen können ( U- oder O-Form der Stühle).
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Stadtteilfor en werden nicht durch Wahl bestimmt,
sondern eine Teilnahme ist grundsätzlich für alle möglich . Aufgrund der offenen
Teilnahmestruktur und der fehlenden Rechtsverbindli chkeit hat das Gremium empfehlenden
Charakter und ist nur begrenzt legitimiert . Die Stadtteilforen ergänzen die gewählten
repräsentativen Gremien und haben eine beratende Fu nktion. Politische, haushalts- und
rechtsrelevante Entscheidungen erfolgen in den legi timierten Gremien der
Stadtverordnetenversammlung, an diesem Ort wird auc h die politische Verantwortung für erfolgte
Entscheidungen übernommen. Die Spielräume der Stadt teilforen und deren Grenzen müssen in den
Sitzungen deutlich dargestellt werden.
Fazit:
Mit den Stadtteilforen wird ein wichtiger Beitrag z ur partizipativen Stadtteilorientierung der
Verwaltung und zum Dialog zwischen Politik, Verwalt ung und Zivilgesellschaft geleistet.
Bei dem vorliegenden Konzept handelt es sich bewuss t um kein abgeschlossenes Gesamtkonzept,
sondern um eine Rahmenkonzeption, die in einen Gesa mtprozess zur Entwicklung von Leitlinien für
Bürgerbeteiligung eingebunden ist.
Das Stadtteilforenkonzept stellt einen Rahmen dar, der in der konkreten Umsetzung an bestehende
Stadtteilstrukturen, Bedarfe und Bedürfnisse für je den Stadtteil angepasst werden muss. Das
Konzept wird in Stufen umgesetzt. Bei der Auswahl d er Stadtteile, in denen Stadtteilforen
implementiert werden, wird zum einen berücksichtigt , ob ein Bedarf von Seiten der Bürgerschaft
für einen Diskussionsrahmen im Stadtteil signalisie rt wird und zum anderen, welche
Priorisierungen durch den Magistrat vorgenommen wer den.
Die Wissenschaftsstadt Darmstadt will insbesondere die informellen, niedrigschwelligen und
inklusiven Bürgerbeteiligungsmöglichkeiten ausbauen , um frühzeitiger die Bürgerschaft vor Ort
informieren und Ideen und Vorschläge in den Planung s- und Entscheidungsprozess einbeziehen zu
können. Mit den Stadtteilforen geht die Wissenschaf tsstadt Darmstadt einen weiteren Schritt in der
Entwicklung einer kommunalen Beteiligungskultur vor an. Sie werden künftig integraler Bestandteil
der Bürgerbeteiligungsstrategie der Wissenschaftsst adt Darmstadt sein.
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Magistratsvorlage Eingang Magistrats- geschäftsstelle: 30.10.2013 an den Magistrat zur Kenntnis zur Beschlussfassung Beteiligt vor Magistratsbeschlussfassung: Dezernat I Dezernat II Dezernat III Dezernat IV Dezernat V an die Stadtverordnetenversammlung OBW zur Befassung zur Kenntnis zur Beschlussfassung zur abschließenden Beschluss- fassung Fachausschuss Bürgerbeauftragte Behandlung in öffentl. Sitzung Ja Nein OBW bei abschl. Beschlussfassung Magistrat Ja Nein Internetfähig Verteiler: Vorlage-Nr. 2013/0338 Magistratsbeschluss-Nr. Produkt-Nr.: Kostenstelle: Investitionsnummer: Kostenträger: Sachkonto: Betreff: Einrichtung von offenen Stadtteilforen mit bürgerschaftlicher Beteiligung in der Wissenschaftsstadt Darmstadt Vorlage vom: 30.09.2013 Beschlussvorschlag: 1. Die Einrichtung von offenen Stadtteilforen für die Wissenschaftsstadt Darmstadt wird beschlossen. 2. Der Magistrat wird beauftragt, eine Reihenfolge, nach der die Umsetzung der Stadtteilforen erfolgen soll, vorzulegen. 3. Der Magistrat wird beauftragt, Stadtteilforenkoordinatorinnen bzw. Stadtteilforenkoordinatoren auszuwählen. 4. Der Magistrat wird beauftragt, einen Kosten- und Finanzplan aufzustellen. Anlagen: Entwurf Stadtteilforenkonzept Datenschutzrelevante Anlage: Folgekosten: Ja Nein - 2 - Beschluss des Magistrats vom - 3 - Begründung zur Magistratsvorlage vom 30.09.2013 In der Darmstädter Bürgerschaft gibt es ein hohes Interesse, bei Projekten der Stadt frühzeitig informiert zu werden und mitgestalten zu können. Die Wissenschaftsstadt Darmstadt hat daher ihre Angebote zur Bürgerbeteiligung in den letzten zwei Jahren stark ausgebaut. Die Stadtteilebene ist hierbei äußerst relevant, weil vor Ort über die Wohn- und Lebensqualität entschieden wird. Im Lebensraum sind die Bürgerinnen und Bürger von den politischen Entscheidungen am direktesten betroffen, die Maßnahmen liegen im direkten Umfeld und deren Auswirkungen sind für jede und jeden direkt spürbar. Der Stadtteil, der den Lebensmittelpunkt bildet, ist aber auch der Ort, an dem man sich am besten auskennt und dessen Stärken und Schwächen jeden Tag sichtbar werden. Hier sind alle Bewohnerinnen und Bewohner Expertinnen und Experten für den eigenen Stadtteil und können wesentlich einfacher und direkter als für die Gesamtstadt über Themen und Probleme beraten und Verbesserungsideen entwickeln. Gerade deshalb bietet sich die Stadtteilebene an, um eine neue Beteiligungskultur zu entwickeln. Für die Umsetzung einer solchen stadtteilbezogenen Beteiligungskultur braucht es neben einem konkreten Ort auch eine verbindliche Struktur, in dem Aushandlungsprozesse für und mit dem Stadtteil möglich sind. Mit den Stadtteilforen schaffen wir diesen kleinräumigen Rahmen für eine integrierte, partizipative Stadtentwicklung. In allen neun Stadtteilen Darmstadts und den darunter liegenden Stadtbezirken existiert eine aktive Bürgerschaft, die sich um die Belange vor Ort kümmert und sich für mehr Lebensqualität im Stadtteil einsetzt. Die bisher vorhandenen Initiativen, Treffpunkte und Strukturen unterscheiden sich dabei deutlich von Stadtteil zu Stadtteil. Bereits bestehende Stadtteilrunden und ähnliche Angebote sollen erhalten werden. Eine Verknüpfung mit existierenden Angeboten ist zu entwickeln und in der Folge zu gewährleisten, um keine Doppelstrukturen entstehen zu lassen. Mit den Stadtteilforen werden folgende Zielgruppen angesprochen: - Bürgerinnen und Bürger aus dem Stadtteil - Gewerbetreibende - Vereine, Verbände, Initiativen - Kirchen - Stadtverordnete - Verwaltungsvertreter. Die Stadtteilforen verfolgen die Ziele: - Schaffung eines dezentralen, niedrigschwe lligen und inklusiven Beteiligungsangebots - Wertschätzung und Unterstützung der Eigeninitiative und des bürgerschaftlichen Engagements - Ort zum Austausch und Gespräch für Bürgerschaft, Verwaltung und Politik - Frühzeitige Information der Bürgerschaft über geplante Vorhaben im Stadtteil - Erarbeitung von Vorschlägen, Ideen und Empfehlungen an den Magistrat - Stärkung der Stadtteilidentität, des Zusammenhalts und des gegenseitigen Verstehens - 4 - In jedem der neun statistisch ausgewiesenen Stadtteile soll zukünftig ein Stadtteilforum angeboten werden. Es wird empfohlen, mit der Umsetzung der Stadtteilforen in Darmstadt West, Arheilgen, Eberstadt und Wixhausen zu beginnen und in der Folge möglichst zeitnah alle neun Stadtteilforen einzurichten. Die Stadtteilforen sollen auf lokaler Ebene die Schnittstellen zwischen Bürgerschaft, Politik und Verwaltung besser verknüpfen. Für jedes Stadtteilforum wird eine feste Ansprechperson durch den Magistrat ausgewählt, die die Koordination eines Stadtteilforums übernimmt. Sie stellen ein zusätzliches, freiwilliges Angebot des Magistrats dar, gemeinsam mit allen Akteuren vor Ort den Stadtteil bedarfsgerecht weiterzuentwickeln. Die Stadtteilforenkoordinatorinnen und –koordinatoren haben folgende Aufgaben: - Erste Ansprechperson in die Verwaltung hinein und hinaus - Vorbereitung, Moderation und Nachbereitung der Sitzungen - Weitergabe der Empfehlungen und Vorschläge an den Magistrat - Presse- und Öffentlichkeitsarbeit - Zusammenarbeit mit AG Sozialplanung, stadtteilbezogenen Koordinationsstellen, Bürgerbeauftragte, Gemeinwesensarbeit Die Gesamtkoordination der Stadtteilforen erfolgt durch die Bürgerbeauftragte der Wissenschaftsstadt Darmstadt. Einmal jährlich finden Treffen zwischen zwei gewählten Vertreterinnen und Vertretern der Stadtteilforen, Stadtteilforenkoordination und Bürgerbeauftragte statt, um sich über Erfahrungen und Prob leme auszutauschen, den Beteiligungsprozess auszuwerten und gemeinsame Aktionen und Themen zu planen. Die Stadtteilforen haben folgende Aufgaben: - Feststellen, was in den Stadtteilen gut funktioniert bzw. was noch fehlt - Handlungsbedarfe ermitteln, priorisieren und Handlungsempfehlungen ableiten - Ressourcen und Ideen aus dem Stadtteil sammeln und für konkrete Initiativen und Projekte nutzen - Stadtteilbezogene Bürgerversammlungen vorbereiten, indem im Vorfeld Themen gesammelt und gewichtet werden - Einrichtung von projektbezogenen, offenen Arbeitsgruppen nach Bedarf Die Einladung zu den Stadtteilforen erfolgt über einen Multikanalansatz. Die Sitzungen werden protokolliert und das Protokoll öffentlich zugänglich gemacht. Pro Stadtteilforum fi nden mindestens zwei Sitzungen im Jahr statt. Die Stadtteilforen besitzen eine off ene und freiwillige Struktur. Aufgrund der offenen Teilnahmestruktur und der fehlenden Rechtsverbindlichkeit hat das Gremium empfehlenden Charakter und ist nur begrenzt legitimiert. Die Stadtteilforen ergänzen die gewählten repräsentativen Gremien und haben eine beratende Funktion. Für die Einführung und regelmäßige Durchführung der Stadtteilforen entstehen neben Raummieten und Öffentlichkeitsarbeit vermutlich keine größeren Kosten. Kleinere Ausgaben können über Haushaltsmittel der Bürgerbeauftragten gedeckt werden. - 5 - Das Stadtteilforenkonzept stellt einen Rahmen dar, der in der konkreten Umsetzung an bestehende Stadtteilstrukturen, Bedarfe und Bedürfnisse für jeden Stadtteil angepasst werden muss. Das Konzept wird in Stufen umgesetzt. Bei der Auswahl der Stadtteile, in denen Stadtteilforen implementiert werden, wird zum einen berücksichtigt, ob ein Bedarf von Seiten der Bürgerschaft für einen Diskussionsrahmen im Stadtteil signalisiert wird und zum anderen, welche Priorisierungen durch den Magistrat vorgenommen werden. Die Wissenschaftsstadt Darmstadt will insbesondere die informellen, niedrigschwelligen und inklusiven Bürgerbeteiligungsmöglichkeiten ausbauen, um frühzeitiger die Bürgerschaft vor Ort informieren und Ideen und Vorschläge in den Planungs- und Entscheidungsprozess einbeziehen zu können. Mit den Stadtteilforen als Dialog- und Handlungsrahmen geht die Wissenschaftsstadt Darmstadt einen weiteren Schritt in der Entwicklung einer kommunalen Bete iligungskultur voran. Sie werden künftig integraler Bestandteil der Bürgerbeteiligungsstrategie der Wissenschaftsstadt Darmstadt sein. Darmstadt, 30.09.2013 Dezernat I Dezernat II Dezernat III Jochen Partsch Rafael Reißer Brigitte Lindscheid Oberbürgermeister Bürgermeister Stadträtin Dezernat IV Dezernat V André Schellenberg Barbara Akdeniz Stadtkämmerer Stadträtin
Beratungsverlauf (5)
Details
- Vorlagen-Nr.
- 2013/0338
- Typ
- Magistratsvorlage
- Datum
- 30.09.2013
- Erstellt
- 29.09.2026 00:00