1894/2026
Beantwortung einer Anfrage der FDP/KSG-Fraktion vom 18.06.2026 (AN/1066/2026) betreffend "KI-gestütztes Brückenmonitoring zur frühzeitigen Schadenserkennung"
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Beantwortung einer Anfrage (Rat bzw. HauptA)
5611 Zeichen
Dezernat, Dienststelle III/69/693 Vorlagen-Nummer 01.07.2026 1894/2026 Beantwortung einer Anfrage nach § 4 der Geschäftsordnung öffentlicher Teil Gremium Datum Rat 02.07.2026 Beantwortung einer Anfrage der FDP/KSG-Fraktion vom 18.06.2026 (AN/1066/2026) betreffend "KI-gestütztes Brückenmonitoring zur frühzeitigen Schadenserkennung" Die Autobahn GmbH erprobt derzeit an mehreren Brücken im Ruhrgebiet und im Bergischen Land ein KI-gestütztes Brückenmonitoring. Mithilfe von Sensoren und Künstlicher Intelligenz sollen Schäden frühzeitig erkannt, Instandhaltungsmaßnahmen gezielter geplant und unge- plante Sperrungen vermieden werden. Vor diesem Hintergrund bitten wir die Verwaltung um die Beantwortung folgender Fragen: 1. Inwieweit ist der Verwaltung das von der Autobahn GmbH erprobte KI-gestützte Brü- ckenmonitoring bekannt und wie bewertet sie die grundsätzliche Eignung eines sol- chen Systems für kommunale Brückenbauwerke? 2. Inwieweit gibt es nach Einschätzung der Verwaltung Brückenbauwerke im Kölner Stadtgebiet, bei denen ein sensorgestütztes Monitoring zur frühzeitigen Schadenser- kennung besonders sinnvoll sein könnte? 3. Welche Voraussetzungen wären für die Einführung eines solchen Monitorings an städ- tischen Brücken hinsichtlich Technik, Personal und Finanzierung erforderlich? 4. Inwieweit beabsichtigt die Verwaltung, die Möglichkeiten eines KI-gestützten Brücken- monitorings für Köln zu prüfen oder hierzu Gespräche mit der Autobahn GmbH, wis- senschaftlichen Einrichtungen oder anderen Kommunen zu führen? Zu 1.: a) Das angesprochene, von der Autobahn GmbH erprobte, KI-gestützte Brückenmonitoring ist der Verwaltung nicht bekannt. b) Da keine Informationen zu dem System vorliegen, kann die grundsätzliche Eignung eines solchen Systems für kommunale Brückenbauwerke derzeit noch nicht bewertet werden. Grundsätzlich ist davon auszugehen, dass der Einsatz technischer Monitoringsysteme inklu- sive einer automatisierten Datenauswertung und Erarbeitung von Prognosen über Schaden- entwicklungen auch unter Nutzung von KI-Systemen zunehmend zum Einsatz kommen wird. Zu 2.: Das Thema des sensorgestützten Brückenmonitorings ist sehr komplex. Zu beachten sind nicht nur normative Vorgaben, sondern auch baupraktische Einschränkungen, sozusagen die Umsetzung von der Theorie in die Praxis. Nachfolgende Gegenüberstellung einer klassischen Bauwerksprüfung und Überwachung nach DIN 1076 zu einem sensorgestützten Monitoring soll verdeutlichen welche Punkte einer be- 2 sonderen Beachtung beim Monitoring bedürfen und wo solche Systeme systematische Gren- zen haben Bauwerksprüfung und Überwachung nach DIN 1076 sensorgestütztes Bauwerksmonitoring flächendeckend punktuell kostengünstig teuer ausfallsicher ausfallanfällig Redundanz durch 4-Augen-Prinzip keine Redundanz direkte Interpretation der Prüfergebnisse nachgelagerte (evtl. zu späte) Interpretation der Ergebnisse anpassungsfähig und flexibel voreingestellt und starr im Mess- und Prüf- umfang Insofern ist der Einsatz von Monitoringverfahren grundsätzlich sorgfältig zu prüfen und bleibt bisher in der Regel auf besondere Einzelfälle beschränkt (z.B. vorgeschädigte Bauwerke, de- ren Ausfall bzw. weiter fortschreitendes Schadensbild große Auswirkungen auf das betroffene Verkehrsnetz hat oder besondere Gefährdungen auslösen kann). Auch der Einsatz von KI-gestützten Methoden erfordert die Interpretation und Bewertung der Daten bzw. ggf. vorgeschlagenen Empfehlungen durch besonders qualifiziertes Fachpersonal. Insofern sind viele der technisch möglichen Monitoringverfahren derzeit noch als Ergänzung zur standardisierten Bauwerksprüfung zu verstehen und geben wertvolle zusätzliche Informa- tionen, die z.B. bei der Bewertung der Restlebensdauer und Tragfähigkeit des Bauwerks un- terstützen können. Die aktuell – unter Mitwirkung der Stadt Köln – aktualisierte DIN 1076 gibt diesbezüglich den Rahmen vor. Zu 3.: Es sind keine Voraussetzungen bekannt, die den Einsatz sensorgestützter Monitoringsysteme an städtischen Brücken hinsichtlich Technik, Personal und Finanzierung beschränken. Sen- sorgestützte Monitoringsysteme werden nicht flächendeckend und präventiv, sondern Einzel- fallbezogen und aus einem bestimmten technischen Anlass eingesetzt. Die Verwaltung hat bereits in der Vergangenheit bei Bedarf technische Monitoringsysteme an Bauwerken eingesetzt und auch aktuell laufen automatisierte Überwachungen an einzelnen Bauwerksteilen. Zu 4.: Die Verwaltung prüft ständig und fortlaufend den Bedarf und die sinnvolle Anwendung sensor- gestützter Monitoringsysteme. Ergibt sich aus einem technischen Sachverhalt die Notwendig- keit eines sensorgestützten Monitorings, so wird dieses umgehend angewendet. Die Stadt Köln pflegt einem regelmäßigen fachlichen Austausch mit anderen Kommunen bzw. Baulastträgern um durch Best-Practice-Beispiele sinnvolle und gute Lösungen für die eigene zu betreuende Infrastruktur zu erreichen. Darüber hinaus ist die Stadt Köln in einschlägigen Fachgremien aktiv beteiligt und wendet be- sondere, in der Bauwerksprüfung neue, digitale Methoden an, sofern diese dem aktuellen Stand der Technik entsprechen. Durch die fallweise Zusammenarbeit mit Hochschulen ergibt sich weiterhin ein Einblick in den aktuellen Stand der Wissenschaft. Grundvoraussetzung für den Einsatz vieler innovativer Methoden ist allerdings auch eine qua- litätsgesicherte, normengestützte Einführung dieser Verfahren, um eine rechts- und haftungs- sichere Handhabung zu gewährleisten. Gez. Burmester
Beratungsverlauf (1)
Details
- Aktenzeichen
- 1894/2026
- Typ
- Beantwortung einer Anfrage (Rat bzw. HA)
- Datum
- 01.07.2026
- Erstellt
- 23.06.2026 07:19