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V/0586/2013

Verzicht auf Umbenennung der Von-Einem-Straße

Vorlagen 12.08.2013

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Nächste Beratung: Bezirksvertretung Münster-Mitte, Sitzung am 12.11.2013, TOP 4.1

2-Stellungnahme-vom-Stadtarchiv

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1-Anregung-2013-36

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Beschlussvorlage

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2-Stellungnahme-vom-Stadtarchiv

6966 Zeichen

Aktenzeichen Datum
47 00 0002 15.05.2013
Aktenzeichen 47-0-4/17

Name des Absenders
‚ Vermessungs- u. Fe Anja Gussek

| Telefon
Eing.: 4702
|; Telefax
| 7727
Io

62.
ER:

62 - Vermessungs- und Katasteramt
Herrn Zimmermann

Vorschlag zur Umbenennung der Von-Einem-Straße — Anregung)
Nr. 2013-00036

: ihre Mail vom 08.05.2013

Zur Biographie des Karl von Einem
Karl von Einem (Namenszusatz von Rothmaler, geb. 1. Januar 1853 in Herzberg am Harz; gest.
am 7. April 1934 in Mülheim an der Ruhr) war verheiratet mit Marie geb. von Rothmaler.

Nach dem Schulbesuch begann seine Militärausbildung / Kadettenanstalt in Bensberg und Berlin.
1870 Eintritt in das Ulanen-Regiment Nr. 14

1870/71 Teilnahme am Dt.-Frz. Krieg, Beförderung zum Sekondeleutnant

Tätigkeit als Adjudant und Eskadronchef, danach Generalstab

1893-1895 Kommandeur des Westf. Kürassier-Regimentes Nr. 4 von Driesen

Chef des Generalstabs des VIl. Armeekorps mit Sitz in Münster

1897 Beförderung zum Oberst

1898 Abteilungsleiter im Kriegsministerium

1903: Kriegsminister, daneben Bevollmächtigter im Bundesrat, Vorsteher des Ausschusses für
das Landesheer und die Festungen sowie Chef der Direktion des Großen Militär-Waisen-Hauses
in Potsdam

1907 Beförderung zum General

1909 nach Rücktritt als Kriegsminister, Truppenkommando, Ernennung zum Chef des VIl.
Armeekorps und später zum Kommandierenden General dieser militärischen Oberbehörde
(Kavallerie)

Ab 15. September 1914 war er Befehlshaber der 3. Armee an der Westfront

Beförderung zum Generaloberst, Titel: Kommandierender General des VII: Armeekorps
Zusammen mit dem Deutschen Kronprinzen erfuhr er am 11. November 1918 die
Waffenstillstandsbedingungen. (von Einem in seinen Lebenserinnerungen: „Damit war
Deutschland verloren, seine Armee dahin und unser aller Leben zerbrochen.“ Von Einem schied
nach der Niederlage 1918 aus dem Militärdienst aus.

Seine Beisetzung erfolgte auf dem münsterischen Zentralfriedhof, das Grabmal existiert noch
heute.

Zitat aus: Neue Deutsche Biographie

„Der früh vaterlos gewordene Einem wurde nach 1866 preußischer Kadett. Während des Krieges
1870/71 zum Offizier befördert, kam er 1880 ohne Besuch der Kriegsakademie über die
Adjutantur in den Generalstab. 1898 in das preußische Kriegsministerium versetzt, wurde er 2
Jahre später Generalmajor und Direktor des Allgemeinen Kriegsdepartements und 1903 als
Nachfolger des Generals von Goßler Kriegsminister. Als solcher lehnte Einem die Forderungen
des Generalstabschefs Schlieffen auf Vermehrung der Kriegsformationen und nach der

Marokkokrise auch den Wunsch des Reichskanzlers Bülow, die Heeresrüstung voranzutreiben,
unter Hinweis auf die wachsenden Kosten des Schlachtflottenbaus und die schlechte Finanzlage
des Reiches ab; ausschlaggebend war für ihn tatsächlich die Überzeugung, die organisatorische
Entwicklung des Heeres sei im wesentlichen abgeschlossen: Qualität dürfe nicht durch Quantität
in Frage gestellt werden. So unterblieb während der Amtszeit Einems als Kriegsminister eine ins
Gewicht fallende Vermehrung der deutschen Friedenspräsenzstärke, ein Versäumnis, welches
auch durch die Wehrvorlagen 1912 und 1913 bis zum Ausbruch des 1. Weltkrieges nicht
aufgeholt werden konnte. Immerhin wurden in der technischen Ausrüstung Fortschritte gemacht,
von denen die Einführung des Maschinengewehrs, die Verstärkung der schweren Artillerie des
Feldheeres, der Ausbau der Festungen und die Vorbereitung der feldgrauen Kriegsuniform
genannt werden können. Im Zusammenhang mit der Entlassung Bülows wurde Einem von dem
Amt des Kriegsministers entbunden; 1907 zum General der Kavallerie befördert, übernahm er
1909 als Kommandierender General das VIl. Armeekorps in Münster. Beim Vormarsch im
Westen 1914 führte Einem sein Korps im Verbande der 2. Armee (Bülow) durch Belgien und
Nordfrankreich bis über die Marne. Nach dem Rückzug. an die Aisne wurde er am 12.9.1914 zum
Oberbefehlshaber der 3. Armee ernannt (Anfang 1915 Generaloberst). Der Frontabschnitt der 3.
Armee in der Champagne zwischen Reims und den Argonnen war im Frühjahr und Herbst 1915
und erneut im April/Mai 1917 das Ziel starker erfolgloser französischer Durchbruchsversuche.
Mitte Juli 1918 war die 3. Armee an der letzten deutschen Offensive beiderseits Reims beteiligt,
die mit einem Fehlschlag endete. Beim Rückzug der Westfront in die Maas-Antwerpen-Stellung
im Herbst 1918 nahm Einem die von den Amerikanern hart bedrängte 3. Armee hinter die Maas
zurück; nach Abschluß des Waffenstillstandes blieb als letzte Aufgabe die Rückführung der ihm
unterstellten Heeresgruppe Deutscher Kronprinz auf das rechte Rheinufer. In der Nachkriegszeit
trat der Generaloberst nicht hervor.“

Quellen:
Stadtarchiv Münster, Persönlichkeiten- -Sammlung.

- Hermann Klüting. Soldaten in Westfalen und am Niederrhein. Das Königlich Preußische VII.
Armeekorps, Beckum 1982, S. 27.

Hermann Gackenholz, „Einem genannt von Rothmaler, Karl Wilhelm George August Gottfried
von“, in: Neue Deutsche Biographie 4 (1959), S. 394 f. [Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd116424974.html

Ehrungen in Münster
1939 Umbenennung der Reiter- oder Kürassierkaserne, Steinfurter Straße, in Von-Einem-
Kaserne

24.09.1962 Ratsbeschluss zur Straßenbenennung.

Resümee

Karl von Einem kann - das zeigt sein gesamter Lebensweg - als Militarist bezeichnet werden. Im
Rückblick auf das eigene Leben und im Sinne der Erhaltung soldatischer Tradition veröffentlichte
er unter anderem „Die alte preußisch-deutsche Armee" (1933), „Erinnerungen eines Soldaten
1853-1933" (1933) und „Ein Armeeführer erlebt den Weltkrieg“ (1933).

Seine Zeit als Kriegsminister fiel in die sicher nicht demokratisch ausgerichtete Kaiserzeit, sein
politisches Handeln kann sich daher nur an den damals geltenden Vorstellungen orientieren. Eine
ablehnende Haltung der Homosexualität ist im Deutschen Kaiserreich sicher weit verbreitet
gewesen, lässt daher auch nicht erstaunen. Es gibt darüber hinaus keine Anzeichen, dass er sich
in der Weimarer Zeit politisch neu zur Demokratie hin orientiert hätte.

Über die Beweggründe für die Straßenbenennung, die weit nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgte,
lassen sich nur Mutmaßungen anstellen. Weitere Militärs gelangten in den 1960er Jahren nicht
auf Straßenschilder. Hochrangige Militärangehörige und Kriegsschauplätze finden sich zahlreich

auf münsterischen Straßenschildern. Diese Benennungen stammen vor allem aus den 1930er
Jahren. Eine ‚Entmilitarisierung’ der münsterischen Straßennamen gelang in der unmittelbaren
Nachkriegszeit nicht vollständig. Festzustellen ist, dass es auch in anderen Städten
Umbenennungsanregungen gegeben hat, die zum Teil abgelehnt oder befürwortet wurden.

Das Stadtarchiv kann in Bezug auf die Straßenbenennung und die Anregung zur Umwidmung
bzw. Umbenennung historische Fakten zusammenstellen und damit die Entscheidung in den
politischen Gremien unterstützen. Auf einen wertenden Kommentar wird verzichtet.

Im Auftrag

iM

ANja Gussek

1-Anregung-2013-36

48 Zeichen

Anregung Nr. 2013-00036

Anregung Nr. 2013-00036

Beschlussvorlage

4538 Zeichen

V/0586/2013 
DER OBERBÜRGERMEISTER 
Vermessungs- und Katasteramt 
 
 
 
 
 
 
 
 
Betrifft 
 
Verzicht auf Umbenennung der Von-Einem-Straße 
 
 
Beratungsfolge 
 
 
08.10.2013 Bezirksvertretung Münster-Mitte Entscheidung 
 
 
Beschlussvorschlag: 
I. Sachentscheidung: 
 
Auf die Umbenennung der Von-Einem-Straße wird verzichtet. 
 
II. Finanzielle Auswirkungen: 
 
Es entstehen keine Kosten und keine Folgekosten. 
 
 
Begründung: 
Mit der Anregung gem. §24 GO NRW Nr. 2013 -00036 wird vorgeschlagen, die Von -Einem-
Straße, die nach dem General Karl von Einem (1853-1934) benannt ist, umzubenennen und 
nach dem österreichischem Komponisten Gottfried von Einem (1918-1996) zu benennen. 
Als im Jahre 2007 die Straßennamen im Stadtbezirk Münster -Mitte, deren Namensgeber in 
die Unrechtstaten und Kriegsverbrechen des Nationalsozialismus verstrickt waren, überprüft 
wurden, ist die Von-Einem-Straße schon im Vorfeld ausgeschlossen worden; denn Karl von 
Einem trat 1918 mit 65 Jahren in den Ruhestand. Er ist danach politisch nicht in 
Erscheinung getreten. Er veröffentlichte drei Bücher, die sich mit dem Ersten Weltkrieg und 
seinem Soldatenleben befassten. Im Jahr der Machtübernahme der Nationalsozialisten war 
von Einem 80 Jahre alt und starb ein Jahr später am 7. April 1934. Eine Beteiligung an 
Unrechtstaten des NS-Regimes wurde daher ausgeschlossen. 
 
In der Anregung wird von Einem zur Last gele gt, er „forderte im Reichstag explizit die 
Vernichtung homosexueller Männer“ . Dieses Zitat bezieht sich auf eine Reichstagssitzung 
vom 29. November 1907. 
http://www.reichstagsprotokolle.de/Blatt_k12_bsb00002839_00236.html 
 
Vorlagen-Nr.: 
  
V/0586/2013 
Auskunft erteilt: 
Herr Zimmermann 
Ruf: 
492 62 42 
E-Mail: 
ZimmermannBernhard@stadt-muenster.de  
Datum: 
03.09.2013 
Öffentliche Beschlussvorlage

- 2 - 
 V/0586/2013 
In der Reichstagssitzung ging es um eine Affäre mit Homosexuellen beim Militär. Von Einem 
sagte dazu: „Wo ein solcher Mann mit solchen Gefühlen in der Armee weilen sollte (  … )  
muss er vernichtet werden.“ (Seite 1916) 
Trotz der scharfen Formulierung kommt das Stadtarchiv im Resümee zu dem Schluss 
(Anlage 3): Von Einems  „politisches Handeln kann sich … nur an den damals geltenden 
Vorstellungen orientieren. Eine ablehnende Haltung (gegenüber) der Homosexual ität ist im 
Deutschen Kaiserreich sicher weit verbreitet gewesen.“  
 
Nach Recherchen im Internet gab es insgesamt fünf Straßenbenennungen nach Karl von 
Einem, von denen zwei zwischenzeitlich umbenannt wurden.  
Es gibt eine Von -Einem-Straße in seinem Geburt sort Herzberg am Harz und eine 
Einemstraße in Hannover. Die Von -Einem-Straße in Essen wurde im Bürgerentscheid vom 
3. Februar 2013 nicht aufgehoben sondern bestätigt. Nach einem sehr engagierten 
Wahlkampf ergab die Frage  „Sind Sie dafür, dass die Von -Seeckt-Straße und die Von -
Einem-Straße ihre Namen weiterhin behalten sollen?“  79,7 %  Ja-Stimmen.  
http://www.essen.de/de/Rathaus/Aemter/Ordner_12/Wahlen/Buergerbegehren_ 
buergerentscheid/buergerentscheid_2013_ergebnis.html 
Die Bezirksverordnetenversammlung B erlin Tempelhof -Schöneberg fasste den Beschluss, 
dass Karl von Einem „als ein geistig politischer Wegbereiter der nationalsozialistischen 
Ideologie a ngesehen werden “ muss und hat die Einemstraße umbenannt. Die Gutachten 
zweier Historiker sind im Internet veröffentlicht.  
http://www.berlin.de/ba-tempelhof-schoeneberg/aktuell/#einem 
Der Von -Einem-Platz in Verden an der Aller wurde schon 1993 in Anita -Augspurg-Platz 
umbenannt. Die Ehrung von Einems als Namensgeber für den Platz wurde nach einer sehr 
emotionalen Debatte im Stadtrat 1990 mit knapper Mehrheit wieder aufgehoben. Von Einem 
wurde aufgrund einiger Formulierungen in seinen 1933 erschienenen Lebenserinnerungen 
als „Steigbügelhalter des Nationalsozialismus“ bezeichnet. 
 
In Münster hieß die Kaserne an der  Steinfurter Straße 106 bis 1938 Reiterkaserne und ab 
1939 Von -Einem-Kaserne, bis die letzten Bundeswehreinheiten 1986 abgezogen wurden. 
Seit das Land Nordrhein -Westfalen 1994 das Gelände für die münsterschen Hoc hschulen 
erworben hat, heißt es Leonardo-Campus. 
Über die Gründe, die 1962 zur Benennung der Von -Einem-Straße geführt haben, ist in der 
Verwaltung nichts bekannt. 
Nach diesen Ausführungen sieht die Verwaltung keinen hinreichenden Grund für eine U m-
benennung und empfiehlt, der Anregung nicht zu folgen. 
In Vertretung 
 
gez. Anlagen: 
 Anregung Nr. 2013-00036 
Schultheiß Stellungnahme des  Stadtarchivs 
Stadtdirektor V/0586/2013

Beratungsverlauf (1)

12.11.2013 Bezirksvertretung Münster-Mitte
TOP 4.1 Entscheidung Entscheidung

Beschluss: mehrheitlich geändert beschlossen

Zur Sitzung

Orte (3)

  • Steinfurter Straße 106
  • Von-Einem-Straße
  • Leonardo-Campus

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Details

Vorlagen-Nr.
V/0586/2013
Typ
Vorlagen
Datum
12.08.2013
Erstellt
06.10.2020 14:37