V/0586/2013
Verzicht auf Umbenennung der Von-Einem-Straße
KI-Zusammenfassung
Klicken Sie, um eine KI-Zusammenfassung dieses Vorgangs zu erstellen.
KI-Analyse läuft...
vergangen
Was passiert gerade?
- 📄 Dokumente werden analysiert...
- 🤔 KI denkt nach (Reasoning-Modell)...
- ✍️ Zusammenfassung wird geschrieben...
- ⏳ Das dauert etwas länger bei komplexen Dokumenten...
Dieser Vorgang kann 1-3 Minuten dauern. Bitte lassen Sie die Seite geöffnet.
2-Stellungnahme-vom-Stadtarchiv
6966 Zeichen
Aktenzeichen Datum 47 00 0002 15.05.2013 Aktenzeichen 47-0-4/17 Name des Absenders ‚ Vermessungs- u. Fe Anja Gussek | Telefon Eing.: 4702 |; Telefax | 7727 Io 62. ER: 62 - Vermessungs- und Katasteramt Herrn Zimmermann Vorschlag zur Umbenennung der Von-Einem-Straße — Anregung) Nr. 2013-00036 : ihre Mail vom 08.05.2013 Zur Biographie des Karl von Einem Karl von Einem (Namenszusatz von Rothmaler, geb. 1. Januar 1853 in Herzberg am Harz; gest. am 7. April 1934 in Mülheim an der Ruhr) war verheiratet mit Marie geb. von Rothmaler. Nach dem Schulbesuch begann seine Militärausbildung / Kadettenanstalt in Bensberg und Berlin. 1870 Eintritt in das Ulanen-Regiment Nr. 14 1870/71 Teilnahme am Dt.-Frz. Krieg, Beförderung zum Sekondeleutnant Tätigkeit als Adjudant und Eskadronchef, danach Generalstab 1893-1895 Kommandeur des Westf. Kürassier-Regimentes Nr. 4 von Driesen Chef des Generalstabs des VIl. Armeekorps mit Sitz in Münster 1897 Beförderung zum Oberst 1898 Abteilungsleiter im Kriegsministerium 1903: Kriegsminister, daneben Bevollmächtigter im Bundesrat, Vorsteher des Ausschusses für das Landesheer und die Festungen sowie Chef der Direktion des Großen Militär-Waisen-Hauses in Potsdam 1907 Beförderung zum General 1909 nach Rücktritt als Kriegsminister, Truppenkommando, Ernennung zum Chef des VIl. Armeekorps und später zum Kommandierenden General dieser militärischen Oberbehörde (Kavallerie) Ab 15. September 1914 war er Befehlshaber der 3. Armee an der Westfront Beförderung zum Generaloberst, Titel: Kommandierender General des VII: Armeekorps Zusammen mit dem Deutschen Kronprinzen erfuhr er am 11. November 1918 die Waffenstillstandsbedingungen. (von Einem in seinen Lebenserinnerungen: „Damit war Deutschland verloren, seine Armee dahin und unser aller Leben zerbrochen.“ Von Einem schied nach der Niederlage 1918 aus dem Militärdienst aus. Seine Beisetzung erfolgte auf dem münsterischen Zentralfriedhof, das Grabmal existiert noch heute. Zitat aus: Neue Deutsche Biographie „Der früh vaterlos gewordene Einem wurde nach 1866 preußischer Kadett. Während des Krieges 1870/71 zum Offizier befördert, kam er 1880 ohne Besuch der Kriegsakademie über die Adjutantur in den Generalstab. 1898 in das preußische Kriegsministerium versetzt, wurde er 2 Jahre später Generalmajor und Direktor des Allgemeinen Kriegsdepartements und 1903 als Nachfolger des Generals von Goßler Kriegsminister. Als solcher lehnte Einem die Forderungen des Generalstabschefs Schlieffen auf Vermehrung der Kriegsformationen und nach der Marokkokrise auch den Wunsch des Reichskanzlers Bülow, die Heeresrüstung voranzutreiben, unter Hinweis auf die wachsenden Kosten des Schlachtflottenbaus und die schlechte Finanzlage des Reiches ab; ausschlaggebend war für ihn tatsächlich die Überzeugung, die organisatorische Entwicklung des Heeres sei im wesentlichen abgeschlossen: Qualität dürfe nicht durch Quantität in Frage gestellt werden. So unterblieb während der Amtszeit Einems als Kriegsminister eine ins Gewicht fallende Vermehrung der deutschen Friedenspräsenzstärke, ein Versäumnis, welches auch durch die Wehrvorlagen 1912 und 1913 bis zum Ausbruch des 1. Weltkrieges nicht aufgeholt werden konnte. Immerhin wurden in der technischen Ausrüstung Fortschritte gemacht, von denen die Einführung des Maschinengewehrs, die Verstärkung der schweren Artillerie des Feldheeres, der Ausbau der Festungen und die Vorbereitung der feldgrauen Kriegsuniform genannt werden können. Im Zusammenhang mit der Entlassung Bülows wurde Einem von dem Amt des Kriegsministers entbunden; 1907 zum General der Kavallerie befördert, übernahm er 1909 als Kommandierender General das VIl. Armeekorps in Münster. Beim Vormarsch im Westen 1914 führte Einem sein Korps im Verbande der 2. Armee (Bülow) durch Belgien und Nordfrankreich bis über die Marne. Nach dem Rückzug. an die Aisne wurde er am 12.9.1914 zum Oberbefehlshaber der 3. Armee ernannt (Anfang 1915 Generaloberst). Der Frontabschnitt der 3. Armee in der Champagne zwischen Reims und den Argonnen war im Frühjahr und Herbst 1915 und erneut im April/Mai 1917 das Ziel starker erfolgloser französischer Durchbruchsversuche. Mitte Juli 1918 war die 3. Armee an der letzten deutschen Offensive beiderseits Reims beteiligt, die mit einem Fehlschlag endete. Beim Rückzug der Westfront in die Maas-Antwerpen-Stellung im Herbst 1918 nahm Einem die von den Amerikanern hart bedrängte 3. Armee hinter die Maas zurück; nach Abschluß des Waffenstillstandes blieb als letzte Aufgabe die Rückführung der ihm unterstellten Heeresgruppe Deutscher Kronprinz auf das rechte Rheinufer. In der Nachkriegszeit trat der Generaloberst nicht hervor.“ Quellen: Stadtarchiv Münster, Persönlichkeiten- -Sammlung. - Hermann Klüting. Soldaten in Westfalen und am Niederrhein. Das Königlich Preußische VII. Armeekorps, Beckum 1982, S. 27. Hermann Gackenholz, „Einem genannt von Rothmaler, Karl Wilhelm George August Gottfried von“, in: Neue Deutsche Biographie 4 (1959), S. 394 f. [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd116424974.html Ehrungen in Münster 1939 Umbenennung der Reiter- oder Kürassierkaserne, Steinfurter Straße, in Von-Einem- Kaserne 24.09.1962 Ratsbeschluss zur Straßenbenennung. Resümee Karl von Einem kann - das zeigt sein gesamter Lebensweg - als Militarist bezeichnet werden. Im Rückblick auf das eigene Leben und im Sinne der Erhaltung soldatischer Tradition veröffentlichte er unter anderem „Die alte preußisch-deutsche Armee" (1933), „Erinnerungen eines Soldaten 1853-1933" (1933) und „Ein Armeeführer erlebt den Weltkrieg“ (1933). Seine Zeit als Kriegsminister fiel in die sicher nicht demokratisch ausgerichtete Kaiserzeit, sein politisches Handeln kann sich daher nur an den damals geltenden Vorstellungen orientieren. Eine ablehnende Haltung der Homosexualität ist im Deutschen Kaiserreich sicher weit verbreitet gewesen, lässt daher auch nicht erstaunen. Es gibt darüber hinaus keine Anzeichen, dass er sich in der Weimarer Zeit politisch neu zur Demokratie hin orientiert hätte. Über die Beweggründe für die Straßenbenennung, die weit nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgte, lassen sich nur Mutmaßungen anstellen. Weitere Militärs gelangten in den 1960er Jahren nicht auf Straßenschilder. Hochrangige Militärangehörige und Kriegsschauplätze finden sich zahlreich auf münsterischen Straßenschildern. Diese Benennungen stammen vor allem aus den 1930er Jahren. Eine ‚Entmilitarisierung’ der münsterischen Straßennamen gelang in der unmittelbaren Nachkriegszeit nicht vollständig. Festzustellen ist, dass es auch in anderen Städten Umbenennungsanregungen gegeben hat, die zum Teil abgelehnt oder befürwortet wurden. Das Stadtarchiv kann in Bezug auf die Straßenbenennung und die Anregung zur Umwidmung bzw. Umbenennung historische Fakten zusammenstellen und damit die Entscheidung in den politischen Gremien unterstützen. Auf einen wertenden Kommentar wird verzichtet. Im Auftrag iM ANja Gussek
1-Anregung-2013-36
48 Zeichen
Anregung Nr. 2013-00036 Anregung Nr. 2013-00036
Beschlussvorlage
4538 Zeichen
V/0586/2013 DER OBERBÜRGERMEISTER Vermessungs- und Katasteramt Betrifft Verzicht auf Umbenennung der Von-Einem-Straße Beratungsfolge 08.10.2013 Bezirksvertretung Münster-Mitte Entscheidung Beschlussvorschlag: I. Sachentscheidung: Auf die Umbenennung der Von-Einem-Straße wird verzichtet. II. Finanzielle Auswirkungen: Es entstehen keine Kosten und keine Folgekosten. Begründung: Mit der Anregung gem. §24 GO NRW Nr. 2013 -00036 wird vorgeschlagen, die Von -Einem- Straße, die nach dem General Karl von Einem (1853-1934) benannt ist, umzubenennen und nach dem österreichischem Komponisten Gottfried von Einem (1918-1996) zu benennen. Als im Jahre 2007 die Straßennamen im Stadtbezirk Münster -Mitte, deren Namensgeber in die Unrechtstaten und Kriegsverbrechen des Nationalsozialismus verstrickt waren, überprüft wurden, ist die Von-Einem-Straße schon im Vorfeld ausgeschlossen worden; denn Karl von Einem trat 1918 mit 65 Jahren in den Ruhestand. Er ist danach politisch nicht in Erscheinung getreten. Er veröffentlichte drei Bücher, die sich mit dem Ersten Weltkrieg und seinem Soldatenleben befassten. Im Jahr der Machtübernahme der Nationalsozialisten war von Einem 80 Jahre alt und starb ein Jahr später am 7. April 1934. Eine Beteiligung an Unrechtstaten des NS-Regimes wurde daher ausgeschlossen. In der Anregung wird von Einem zur Last gele gt, er „forderte im Reichstag explizit die Vernichtung homosexueller Männer“ . Dieses Zitat bezieht sich auf eine Reichstagssitzung vom 29. November 1907. http://www.reichstagsprotokolle.de/Blatt_k12_bsb00002839_00236.html Vorlagen-Nr.: V/0586/2013 Auskunft erteilt: Herr Zimmermann Ruf: 492 62 42 E-Mail: ZimmermannBernhard@stadt-muenster.de Datum: 03.09.2013 Öffentliche Beschlussvorlage - 2 - V/0586/2013 In der Reichstagssitzung ging es um eine Affäre mit Homosexuellen beim Militär. Von Einem sagte dazu: „Wo ein solcher Mann mit solchen Gefühlen in der Armee weilen sollte ( … ) muss er vernichtet werden.“ (Seite 1916) Trotz der scharfen Formulierung kommt das Stadtarchiv im Resümee zu dem Schluss (Anlage 3): Von Einems „politisches Handeln kann sich … nur an den damals geltenden Vorstellungen orientieren. Eine ablehnende Haltung (gegenüber) der Homosexual ität ist im Deutschen Kaiserreich sicher weit verbreitet gewesen.“ Nach Recherchen im Internet gab es insgesamt fünf Straßenbenennungen nach Karl von Einem, von denen zwei zwischenzeitlich umbenannt wurden. Es gibt eine Von -Einem-Straße in seinem Geburt sort Herzberg am Harz und eine Einemstraße in Hannover. Die Von -Einem-Straße in Essen wurde im Bürgerentscheid vom 3. Februar 2013 nicht aufgehoben sondern bestätigt. Nach einem sehr engagierten Wahlkampf ergab die Frage „Sind Sie dafür, dass die Von -Seeckt-Straße und die Von - Einem-Straße ihre Namen weiterhin behalten sollen?“ 79,7 % Ja-Stimmen. http://www.essen.de/de/Rathaus/Aemter/Ordner_12/Wahlen/Buergerbegehren_ buergerentscheid/buergerentscheid_2013_ergebnis.html Die Bezirksverordnetenversammlung B erlin Tempelhof -Schöneberg fasste den Beschluss, dass Karl von Einem „als ein geistig politischer Wegbereiter der nationalsozialistischen Ideologie a ngesehen werden “ muss und hat die Einemstraße umbenannt. Die Gutachten zweier Historiker sind im Internet veröffentlicht. http://www.berlin.de/ba-tempelhof-schoeneberg/aktuell/#einem Der Von -Einem-Platz in Verden an der Aller wurde schon 1993 in Anita -Augspurg-Platz umbenannt. Die Ehrung von Einems als Namensgeber für den Platz wurde nach einer sehr emotionalen Debatte im Stadtrat 1990 mit knapper Mehrheit wieder aufgehoben. Von Einem wurde aufgrund einiger Formulierungen in seinen 1933 erschienenen Lebenserinnerungen als „Steigbügelhalter des Nationalsozialismus“ bezeichnet. In Münster hieß die Kaserne an der Steinfurter Straße 106 bis 1938 Reiterkaserne und ab 1939 Von -Einem-Kaserne, bis die letzten Bundeswehreinheiten 1986 abgezogen wurden. Seit das Land Nordrhein -Westfalen 1994 das Gelände für die münsterschen Hoc hschulen erworben hat, heißt es Leonardo-Campus. Über die Gründe, die 1962 zur Benennung der Von -Einem-Straße geführt haben, ist in der Verwaltung nichts bekannt. Nach diesen Ausführungen sieht die Verwaltung keinen hinreichenden Grund für eine U m- benennung und empfiehlt, der Anregung nicht zu folgen. In Vertretung gez. Anlagen: Anregung Nr. 2013-00036 Schultheiß Stellungnahme des Stadtarchivs Stadtdirektor V/0586/2013
Beratungsverlauf (1)
Beschluss: mehrheitlich geändert beschlossen
Zur SitzungOrte (3)
- Steinfurter Straße 106
- Von-Einem-Straße
- Leonardo-Campus
Ortsbezüge werden automatisch aus den Dokumenten ermittelt und können unvollständig sein.
Details
- Vorlagen-Nr.
- V/0586/2013
- Typ
- Vorlagen
- Datum
- 12.08.2013
- Erstellt
- 06.10.2020 14:37