V/0402/2005
Demographischer Wandel in Münster - Konsequenzen und Optionen
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Beschlussvorlage
11216 Zeichen
DER OBERBÜRGERMEISTER
Amt für Stadt- und Regionalentwicklung, Statistik
Betrifft
Demographischer Wandel in Münster - Konsequenzen und Optionen für die künftige
Stadtentwicklung
Erster Sachstandsbericht
Beratungsfolge
29.06.2005 Hauptausschuss Vorberatung
29.06.2005 Rat Entscheidung
Sachentscheidung:
1. Der Rat nimmt den ersten Sachstandsbericht der verwaltungsinternen Projektgruppe zum
Thema “Demographischer Wandel in Münster – Konsequenzen und Optionen für die künftige
Stadtentwicklung’ zur Kenntnis (Anlage 1: Erster Werkstattbericht).
2. Die Verwaltung wird beauftragt,
2.1 auf der Basis des Werkstattberichtes vertiefende Analysen in den einzelnen themati-
schen Fachbereichen durchzuführen und potenzielle Konsequenzen für künftige Entwick-
lungen aufzuzeigen,
2.2 strategische Handlungsempfehlungen im Rahmen eines Handlungsprogramms “De-
mographischer Wandel” zu entwickeln.
3. Der Rat nimmt zur Kenntnis, dass die Stadt die guten Kooperationen mit der Stadtregion Müns-
ter und den Münsterlandkreisen fortsetzt und auch die Thematik des demographischen Wan-
dels interkommunal diskutiert und analysiert.
4. Die politischen Gremien der Stadt Münster sind über die demographische Entwicklung in der
Stadt Münster entsprechend dem Arbeitsfortschritt zu informieren.
Kosten/Folgekosten
Es entstehen keine Kosten und keine Folgekosten.
Vorlagen-Nr.:
V/0402/2005
Auskunft erteilt:
Frau Dr. Kreft-Kettermann
Herr Schulze Schwienhorst
Ruf:
492 12 00
492 1211
E-Mail:
KreftH@stadt-muenster.de
Schulze.schwienhorst@stadt-
muenster.de
Datum:
30.05.2005
Öffentliche Beschlussvorlage
- 2 -
Begründung
Zu 1.:
Die Bundesrepublik alte
rt, wie Europa insgesamt. Diese Erkenntnis ist nicht mehr nur Prognose,
sondern auch zunehmend Wirklichkeit. Diese unter dem Begriff „Demographischer Wandel“ sub-
sumierte Entwicklung rückt immer stärker in das öffentliche Interesse. Gekennzeichnet von struktu-
rellen und quantitativen Veränderungen in der Bevölkerungsentwicklung verläuft dieser Wandel
regional wie auch von Stadt zu Stadt sehr unterschiedlich. Es sind insbesondere die Städte und
Gemeinden, in denen der demographische Wandel zur erfahrbaren Realität wird, denn die Bevöl-
kerungsentwicklung und Bevölkerungsstruktur sind nicht zuletzt die zentralen Rahmenbedingun-
gen für die Entwicklung und Zukunftsperspektiven einer Stadt.
So ist es dringend erforderlich, Aufklärungsarbeit zu leisten und ein nachhaltiges Bewusstsein für
diese Thematik aufzubauen. Es wird insbesondere Aufgabe der Städte sein, den demographi-
schen Wandel in der Gesellschaft aktiv mitzugestalten.
Auch in Münster hat der Verwaltungsvorstand im Jahr 2004 den Auftrag in die Ämter gegeben, das
Thema ‚Demographie’ für die Stadt Münster grundsätzlich und systematisch aufzubereiten. Hierzu
wurde eine fachübergreifende Arbeitsgruppe unter der Federführung des Amtes für Stadt- und
Regionalentwicklung, Statistik eingerichtet. Die Erarbeitung der Thematik ist dabei zweistufig ange-
legt. In einer ersten Arbeitsphase ist dazu auf der Grundlage der kleinräumigen Bevölkerungs-
prognose ein erster Werkstattbericht erstellt worden (vgl. Anlage 1).
In diesem Bericht wird neben der Erläuterung und münsterspezifischen Darstellung der zentralen
Kenngrößen, der natürlichen Bevölkerungsentwicklung, der Altersstruktur und der Wanderung,
auch die demographische Entwicklung der Stadt im Kontext unterschiedlicher überregionaler
Prognosen beleuchtet. Während im Spiegel dieser Berechnungen die Entwicklung für die Gesamt-
stadt weiterhin allgemein als moderat wachsend bezeichnet werden kann, zeigt die kleinräumige
Bevölkerungsprognose der Stadt Münster unterschiedliche Entwicklungsperspektiven für die ein-
zelnen Stadtteile auf. Diese gilt es in der zweiten Arbeitsphase weiter aufzuarbeiten und zu analy-
sieren.
In einem weiteren Schwerpunktkapitel werden die bereits bestehenden Kooperationen mit Dritten
in dieser Thematik aufgeführt und die schon vorhandenen interdisziplinären Netzwerke vorgestellt.
Das Ergebnis zeigt, dass Münster nicht zuletzt mit dem AK ‚Wohnen in Münster’
1, dem ‚Netzwerk
für Familien’2, dem Arbeitskreis ‚XENIA’3 und auch in der Mitwirkung im Forschungsverbund ‚De-
mographischer Wandel und Mobilität’ bereits frühz eitig das Thema ‚Demographie’ pro aktiv und
interdisziplinär besetzt hat.
In Ergänzung zum bestehenden Prognosejahr 2013 werden darüber hinaus zur Abschätzung der
langfristigen Bevölkerungsentwicklung der Stadt Münster für einen Prognosehorizont 2030/2050
erste Szenarien gerechnet, die von unterschiedlichen Annahmen der Stadtentwicklung ausgehen
und damit die Spannweiten von Min bis Max aufzeigen. So wird auch deutlich, dass die prognosti-
zierte positive Bevölkerungsentwicklung kein Selbstläufer ist, sondern in Anlehnung an die Leitori-
entierungen des Integrierten Stadtentwicklungs- und Stadtmarketingkonzeptes (ISM) eine aktive,
attraktive und strategisch ausgerichtete Standortpolitik für den Bildungs- und Wissenschafts-, den
Wohn- und Wirtschaftsstandort Münster erforderlich macht.
Insgesamt stellt der erste Werkstattbericht den Einstieg in das Thema des demographischen Wan-
dels und die Auseinandersetzung mit den Konsequenzen, Optionen und Chancen für die künftige
Stadtentwicklung in Münster dar. Er präsentiert eine systematische Aufbereitung des Themas,
einschließlich einer ersten Zusammenstellung der verschiedenen inhaltlichen und institutionellen
fachlichen Befasstheiten und Beteiligungen zu diesem Thema.
1 Interdisziplinär besetzter Arbeitskreis, Informations- und Kooperationsplattform zu Fragen der Wohnstand-
ort- und Wohnungsmarktentwicklung
2 Gegründet im Juni 2004 unter Federführung des Amtes für Kinder, Jugendliche und Familien in Kooperati-
on mit dem Institut für Politikwissenschaft der WWU Münster mit dem erklärten Ziel, kinder- und familien-
freundliche Strukturen in Münster zu verbessern
3 Arbeitsgemeinschaft zur Integration von Spätaussiedlerinnen und Spätaussiedlern
- 3 -
Zu 2.1:
Der demographische Wandel mit seinen Ausprägungen in der Bevölkerungsentwicklung und Be-
völkerungsstruktur und damit auch in der Stadtgesellschaft betrifft die interdisziplinären Themen-
felder der Stadtentwicklung. Diese reichen z. B. vom Stadtprofil der Zukunft über die strategische
Wohnsiedlungsentwicklung, Herausforderungen an das Arbeits- und Wirtschaftsleben und die So-
zialsysteme, den Bildungssektor bis hin zur städtischen Infrastruktur.
Allein das Thema ‚Wohnen’ ist im Kontext der Wohnstandortattraktivität z.B. ein fachspezifisches
Aufgabenfeld, das in direkter Abhängigkeit der Bevölkerungsentwicklung zu behandeln ist. Die
aktuelle Zuzugsumfrage 2005, die derzeit in der Auswertung ist, wird wertvolle Erkenntnisse und
Hinweise zur Attraktivität Münsters als Wohnstandort liefern. Schließlich ist es das Thema ‚Wande-
rung’, konkret die ‚Zuwanderung’ und das Festhalten der zuziehenden Bevölkerungsgruppen in der
Stadt, das von zentraler Bedeutung für die künftige Bevölkerungsentwicklung der Stadt ist. Denn
im Bereich der natürlichen Bevölkerungsentwicklung zeigt Münster die gleichen negativen Aus-
prägungen wie im bundesweiten Trend.
Der erste Werkstattbericht bildet die Grundlage für weitere inhaltlich und räumlich vertiefende De-
taillierungsgrade sowie fachspezifische Fragestellungen. Auf der Grundlage der kleinräumigen
Bevölkerungsprognose werden in der Phase 2 vertiefende Analysen in den einzelnen Fachberei-
chen durchzuführen und auch die räumlich unterschiedlich verlaufenden Stadtteil- und Quartiers-
entwicklungen in ihren Konsequenzen, Optionen und Chancen aufzuzeigen sein. Letzteres auch in
enger Kooperation und im Austausch zum AK ‚Wohnen in Münster’.
Zu 2.2:
Der künftigen Bevölkerungsentwicklung der Stadt Münster gilt es frühzeitig durch eine pro aktive
und nachfrageorientierte Familien-, Bildungs-, Arbeitsmarkt-, Sozial- und Wohnungspolitik zu be-
gegnen. In diesem Kontext sind nicht nur ress ortübergreifende Entwicklungsstrategien, Hand-
lungsempfehlungen und schwerpunktmäßig Best-Practice-Projekte zu erarbeiten, sondern auch
kleinräumig entsprechend differenzierte Maßnahmen zu entwickeln und im Rahmen eines ‚Hand-
lungsprogramms Demographischer Wandel’ zu positionieren.
Den strategischen Handlungsrahmen liefert dabei das im ISM-Prozess erarbeitete und beschlos-
sene zentrale Stadtprofil ‚Wissenschaft und Lebensart’ mit den entsprechenden Leitorientierungen
in den fachlichen Schwerpunkten.
Das fachlich-methodische Instrumentarium ist in diesem Zusammenhang die kleinräumige Bevöl-
kerungsprognose, die seit Ende der 1980er Jahre detaillierte Einblicke in die geschlechts- und al-
tersgruppenspezifisch getrennt aufbereitete Bevölkerungsentwicklung vor Ort liefert.
2004 ist das Thema ‚Haushalte’ erstmals untersucht worden, wobei die aktuellen Haushaltsstruk-
turtypen und Haushaltsgrößen im Mittelpunkt der Veröffentlichung standen (Beiträge zur Statistik
90). Obgleich ein methodisches Verfahren zur kleinräumigen Prognose von Haushalten derzeit
noch in der Entwicklungsphase steckt und damit noch einige Zeit in Anspruch nehmen wird, so sei
bereits an dieser Stelle auf den perspektivischen Mehrwert hingewiesen, den die Prognoseaussa-
gen zur Haushalteentwicklung in Münster dann liefern können.
Insgesamt wird auf der Basis der Prognose-Inst rumentarien systematisch von der Stadtentwick-
lung ein ‚Frühwarnsystem Demographischer Wandel’ aufgebaut, mit dem kritische aber auch posi-
tive Entwicklungen frühzeitig erkannt und kommuniziert werden können.
Zu 3.:
Seit 1998 arbeitet die Stadt Münster intensiv und vertrauensvoll mit ihren 10 Umlandgemeinden in
der Stadtregion Münster zusammen. Zu den Themenfeldern zählen u. a. die Einzelhandelsentwick-
lung, die Wohnsiedlungsentwicklung, die Verkehrsentwicklung und auch die Perspektiven der Be-
völkerungsentwicklung. Darüber hinaus findet auf fachplanerischer Ebene regelmäßig ein Informa-
tionsaustausch mit Vertretern der Münsterlandkreise statt.
Da letztendlich die demographische Entwicklung nicht solitär, sondern nur im regionalen und über-
regionalen Kontext analysiert und gesteuert werden kann, wird die Stadt Münster das Thema des
Demographischen Wandels auch mit den stadtregionalen Partnern und den Münsterlandkreisen
- 4 -
behandeln und weiterentwickeln. Hierfür haben sich aktuell die Bürgermeister der Stadtregion in
ihrer ‚Bürgermeisterrunde 2005’ am 10.05.2005 in Everswinkel ausgesprochen.
Zu 4.:
Das Thema ‚Demographie’ mit den Komponenten der Veränderung in der Bevölkerungsentwick-
lung und der Bevölkerungsstruktur ist von gesamtstädtischer Bedeutung. Neben den Fachaus-
schüssen und der dortigen inhaltlichen Befassung mit fachlichen Schwerpunkten wird der Rat der
Stadt Münster über die gebündelten Arbeitsschritte und Ergebnisse entsprechend dem Arbeitsfort-
schritt informiert.
I.V.
gez.
Schultheiß
Stadtdirektor
Anlagen:
Anlage 1:
Erster Sachstandsbericht „Demographischer Wandel in Münster – Konsequenzen und Optionen für
die künftige Stadtentwicklung“
Beratungsverlauf (2)
Beschluss: einstimmig beschlossen
Zur SitzungDetails
- Vorlagen-Nr.
- V/0402/2005
- Typ
- Vorlage
- Datum
- 19.05.2005
- Erstellt
- 06.10.2020 14:37