V/0606/2023
Ergebnisse der Wohnungs- und Arbeitsstättenbedarfsprognosen
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CIMA Bericht Arbeitsstättenbedarf
124697 Zeichen
Arbeitsstättenbedarfs-
prognose und
Arbeitsstättenbedarfs-
deckungsprognose
Stadt Münster
CIMA Institut für Regionalwirtschaft GmbH
Hannover, März 2023
2
Impressum
CIMA Institut für Regionalwirtschaft GmbH
Rühmkorffstraße 1
30163 Hannover
Tel.: 0511-220079-64
Fax: 0511-220079-99
E-Mail: boettcher@cima.de
Internet: regionalwirtschaft.cima.de
Auftraggeber:
Stadt Münster
Bearbeitungszeitraum:
Juli 2022 – März 2023
Autoren:
Fabian Böttcher (Projektleiter)
Meike Schlesiger
Esther-Maria Nolte
Rabea Lenz
Bildquelle Cover:
Erich Westendarp | Pixabay
3
Nutzungs- und Urheberrechte
Die vorliegende Ausarbeitung ist durch das Gesetz über
Urheberrecht und verwandte Schutzrechte (Urheberrechtsgesetz)
und andere Gesetze geschützt. Die Urheberrechte verbleiben bei
der CIMA Institut für Regionalwirtschaft GmbH (cima).
Der Auftraggeber kann die Ausarbeitung innerhalb und außerhalb
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Rechte am geistigen Eigentum der cima und ihrer Mitarbeiter.
Inhalte von Präsentationen dürfen deshalb ohne schriftliche
Genehmigung nicht in Dokumentationen jeglicher Form
wiedergegeben werden.
Arbeitsstättenbedarfsprognose und
Arbeitsstättenbedarfsdeckungsprognose (2023)
Münster
Haftungsausschluss gutachterlicher Aussagen
Für die Angaben in diesem Gutachten haftet die cima gegenüber
dem Auftraggeber im Rahmen der vereinbarten Bedingungen.
Dritten gegenüber wird die Haftung für die Vollständigkeit und
Richtigkeit der im Gutachten enthaltenen Informationen (u.a.
Datenerhebung und Auswertung) ausgeschlossen.
Sprachgebrauch
Aus Gründen der Lesbarkeit wird bei Personenbezügen die
männliche Form gewählt. Die Angaben beziehen sich jedoch immer
auf Angehörige aller Geschlechter, sofern nicht ausdrücklich auf ein
Geschlecht Bezug genommen wird.
Hinweise
Agenda
Agenda
Zielsetzung des Berichts
Rahmenbedingungen
Methodisches Vorgehen
Ergebnisse der einzelnen Analyseschritte
Handlungsempfehlungen
Literaturverzeichnis
5
Zielsetzung des Berichts
Einleitung
6
Als eine der größten Universitätsstädte bundesweit blickt die
Stadt Münster auf eine sehr dynamische Entwicklung in den
vergangenen Jahren zurück. Als Oberzentrum im nordwestlichen
Nordrhein-Westfalen beheimatet sie knapp 319.500 Einwohner am
Haupt- und Nebenwohnsitz und dient 180.000 sozialver-
sicherungspflichtig Beschäftigten als Arbeitsort. Auch über ihre
Stadtgrenzen hinaus weist Münster eine große Bedeutung als
Wohn- und Wirtschaftsstandort auf.
Sowohl die Bevölkerungs- als auch die Wirtschaftsentwicklung
verlief in den letzten Jahrzehnten äußerst dynamisch mit Wachs-
tumsraten weit oberhalb des Bundes- und Landesdurchschnitts.
Einerseits ist diese Entwicklung sehr positiv zu bewerten und trägt
wesentlich zum Erhalt und der Stärkung Münsters als bedeutender
Wirtschaftsstandort bei. Andererseits ergeben sich hieraus aber
auch vielfältige Herausforderungen.
Zielsetzung des Berichts
Einleitung
„Die Bereitstellung von Flächen für Wohnen, Arbeiten und
Infrastruktur ist neben dem Vorhandensein eines ausreichenden
Arbeitskräftepotenzials und einer modernen Infrastruktur die dritte
unabdingbare Voraussetzung für wirtschaftliche Entwicklung“
(Dallmann/ Richter 2012: 202). Die bestehenden Flächennutzungs-
konkurrenzen werden sich vor dem Hintergrund der Entwicklungen
der vergangenen Jahre und den zukünftig zu erwartenden
Veränderungen weiter verschärfen. Dies wird seitens der
Stadtentwicklung und Stadtplanung intelligente, bedarfsorientierte
und ressourcenschonende Flächenplanungen erfordern.
7
Vor dem Hintergrund der langen Umsetzungsphasen vom
Regionalplan bis hin zum rechtskräftigen Bebauungsplan ist ein
vorausschauendes und frühzeitiges Agieren unabdingbar. Für die
künftige Planung von Wirtschaftsflächen innerhalb der Stadt
Münster soll die vorliegende Analyse eine fundierte Grundlage
bieten.
Wirtschaftsflächen beinhalten dabei sowohl Flächen in klassischen
Gewerbegebieten als auch Büro- und Handelsstandorte sowie
sonstige Flächen für den gewerblichen Zweck. Damit gehen das
Konzept der Wirtschaftsflächen und die vorliegende Analyse
deutlich über den Ansatz eines klassischen Gewerbeflächen-
entwicklungskonzeptes hinaus. Die zu erwartenden Flächen-
bedarfe der wirtschaftlichen Akteure werden mithilfe einer
Erwerbstätigenprojektion und einer darauf aufbauenden Flächen-
bedarfsprognose ermittelt. Bei der Erwerbstätigenprojektion werden
unterschiedliche Einflussfaktoren wie die regionalen
Rahmenbedingungen, die zu erwartende Bevölkerungs-
entwicklung sowie die Auswirkungen des technischen
Fortschritts auf die verschiedenen Branchen berücksichtigt.
Zielsetzung des Berichts
Einleitung
Technischer
Fortschritt
(BMAS)
Funktion der
Stadt/ Rahmen-
bedingungen
Kapitel I
Bevölkerungs-
Prognose
(InWIS)
Erwerbstätigenprojektion
Flächenbedarfsprognose
Analyse des
Flächenangebots
Handlungsbedarf
Kapitel III
Kapitel IV
Kapitel II
8
Sie können sowohl eine fördernde als auch dämpfende Wirkung auf
die regionale Erwerbstätigenentwicklung haben. Die ermittelten
Bedarfe werden letztendlich den bestehenden Flächenpotenzialen
gegenüber gestellt, um mögliche Handlungsbedarfe zu
identifizieren. Aufgrund der sehr unterschiedlichen Standort-
anforderungen der verschiedenen Branchen und Unternehmen, wird
eine differenzierte Bewertung nach verschiedenen Standorttypen
vorgenommen. Die Abbildung auf der vorhergehenden Seite
visualisiert die einzelnen Analyseschritte und deren Abhängigkeiten
voneinander.
Zielsetzung des Berichts
Einleitung
Der Bericht gliedert sich grob in vier Kapitel: Zunächst werden die
sozioökonomischen Rahmenbedingungen und Entwicklungen in der
Stadt Münster analysiert, da diese einen nicht unerheblichen
Einfluss auf die künftige Entwicklung haben. In einem zweiten
Kapitel erfolgt die detaillierte Darstellung des methodischen
Vorgehens inklusive der zugrunde gelegten Annahmen. Kapitel drei
stellt die Ergebnisse der einzelnen Analyseschritte dar und im
letzten Kapitel erfolgt eine Zusammenfassung der konkreten
Handlungsbedarfe.
9
Rahmenbedingungen
Rahmenbedingungen
* am Haupt- und Nebenwohnsitz 10
Die Bevölkerungsentwicklung ist für die zukünftige wirtschaftliche
Entwicklung einer Region eine wichtige Einflussgröße. Sie wirkt sich
maßgeblich auf die Nachfrage von Gütern und Dienstleistungen
sowie auf das Angebot von Fachkräften auf dem Arbeitsmarkt
aus.
In Münster ist seit dem Jahr 2011 ein dynamisches Bevöl-
kerungswachstum zu beobachten. Im Jahr 2011 lebten etwa
296.500 Personen* in der Stadt, 2022 sind es knapp 319.500. Dies
entspricht einem Zuwachs von 23.000 Personen bzw. um 7,8 %. Das
Wachstum verlief dabei konstant. Ein besonderer Anstieg war im
Jahr 2015 zu beobachten. Dies ist auf den vermehrten Flüchtlings-
zuzug zurückzuführen. Auch im Jahr 2022 ist wiederum ein
deutlicher Anstieg zu beobachten. Auch hier werden die Zuzüge
durch geflüchtete Personen, insbesondere der Ukraine, die
maßgebliche Ursache sein.
Die Entwicklung stellt sich insgesamt deutlich günstiger dar als auf
Bundes- oder Landesebene (+3,6 %; +2,2 %). Die Bevölkerungs-
entwicklung in den umliegenden Kreisen ist unterschiedlich. So liegt
die Entwicklung des Kreises Steinfurt im Jahr 2021 knapp über dem
Bundestrend (+3,8 %). Auch die Kreise Coesfeld und
Starker Bevölkerungszuwachs in Münster
Warendorf verbuchten Bevölkerungszuwächse, jedoch erreichten sie
die Dynamik auf Bundesebene nicht. Mit einem Zuwachs um +2,9 %
fiel der Anstieg in Coesfeld jedoch noch dynamischer aus als im
Landesdurchschnitt. Warendorf erreichte diesen mit +1,9 % nicht.
Da für die umliegenden Kreise keine Angaben auf Basis der
Einwohnermeldedaten vorlagen, musste an dieser Stelle auf die
amtliche Statistik zurückgegriffen werden. Aufgrund des im Jahr
2011 durchgeführten Zensus wurde zur besseren Vergleichbarkeit
der Bevölkerungsentwicklung der Zeitraum 2011 bis 2021 gewählt.
Im Zuge des Zensus 2011 erfolgte eine Anpassung der amtlichen
Einwohnerzahl, die in vielen Gemeinden zu höheren oder
geringeren Einwohnerzahlen geführt hat. Daten für das Jahr 2022
sind in der amtlichen Statistik zum Zeitpunkt der Berichterstellung
noch nicht verfügbar.
Rahmenbedingungen
11
Rahmenbedingungen
Entwicklung der wohnberechtigten
Bevölkerung* Münster, 2011-2022, abs.
Quelle: Stadt Münster, jeweils zum 31.12.; Darstellung CIMA IfR
* Bevölkerung am Haupt- und Nebenwohnsitz
Bevölkerungsentwicklung*
2011-2021, 2011=100
Quelle: Bevölkerungsfortschreibung des Statistischen Bundesamtes und der
Statistischen Landesämter, jeweils zum 31.12.; Darstellung CIMA IfR
*ausschließlich Bevölkerung am Hauptwohnsitz, Daten für 2022 zum Zeitpunkt
der Berichterstellung noch nicht verfügbar
98
100
102
104
106
108
110
2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021
Münster, Kreisfreie Stadt
Steinfurt, Kreis
Deutschland
Coesfeld, Kreis
Nordrhein-Westfalen
Warendorf, Kreis
280.000
285.000
290.000
295.000
300.000
305.000
310.000
315.000
320.000
2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022
*Selbstständige, Beamte, ausschließlich geringfügig Beschäftigte und mithelfende
Familienangehörige sind hier nicht enthalten 12
Ein weiterer wesentlicher Einflussfaktor für die Beschäftigten- bzw.
Erwerbstätigenprojektion bildet die Beschäftigtenentwicklung der
vergangenen Jahre. Seit 1999 hat sich diese in Münster äußerst
dynamisch entwickelt. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig
Beschäftigten* stieg um 46,7 % auf 179.671 Personen an (Stand
2021). Damit liegt das Beschäftigtenwachstum der Stadt weit
über den Vergleichswerten für Deutschland (+23,0 %) und
Nordrhein-Westfalen (+22,2 %).
Lediglich in den Jahren 2003 und 2004 verzeichnet Münster einen
leichten Beschäftigtenrückgang. Seitdem wächst die Beschäftigung
kontinuierlich an. Selbst während der Wirtschafts- und Finanzkrise
2008/2009 hat sich die Wirtschaft in Münster äußerst robust ge-
zeigt. Während auf der Bundes- und Landesebene die Entwicklung
im Jahr 2020 einen leichten Rückgang aufgrund der Corona-Pan-
demie aufweist, ist dieser in Münster ebenfalls nicht festzustellen.
Im Vergleich zu den umliegenden Kreisen entwickelt sich Münster
dynamischer, dicht gefolgt von den Kreisen Coesfeld (+44,5 %) und
Steinfurt (+43,3 %). Der Kreis Warendorf weist ebenfalls ein
positives, aber deutlich schwächeres Beschäftigtenwachstum auf
(+18,7 %).
Beschäftigtenentwicklung weit über dem Bundestrend
Rahmenbedingungen
Während die Beschäftigtenentwicklung insgesamt Hinweise auf die
quantitativen Entwicklungstendenzen eines Wirtschaftsstandorts
aufzeigt, können durch eine Analyse der Branchenstruktur auch
Hinweise zu den unternehmerischen Tätigkeitsschwerpunkten an
einem Wirtschaftsstandort gewonnen werden. Zudem können auf
Basis der Branchenstruktur wichtige Hinweise für eine qualitative
Ausgestaltung von Wirtschaftsflächen gewonnen werden.
Die Stadt Münster als überregional bedeutendes Zentrum nimmt
die Funktion eines Dienstleistungsstandorts ein. Das Gesundheits-
und Sozialwesen, die Informations- und Kommunikationsbranche,
die Finanz- und Versicherungsdienstleitungen sowie die öffentliche
Verwaltung, Verteidigung und Sozialversicherung sind in Münster
deutlich überrepräsentiert.
Das Verarbeitende Gewerbe hat in Münster im Vergleich zu
Deutschland und Nordrhein-Westfalen einen relativ niedrigen
Stellenwert. Lediglich sieben Prozent der Beschäftigten sind in
diesem Wirtschaftszweig angestellt. Auch im Baugewerbe sowie
dem Verkehr und der Lagerei ist eine vergleichsweise geringe
Beschäftigung festzustellen.
13
Rahmenbedingungen
Entwicklung der Beschäftigten am Arbeitsort
1999 bis 2021, 1999=100
Quelle: Beschäftigungsstatistik der Bundesagentur für Arbeit;
Berechnungen und Darstellung CIMA IfR
90
100
110
120
130
140
150
160
1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021
Münster, Stadt
Coesfeld
Steinfurt
Deutschland
Nordrhein-Westfalen
Warendorf
14
Rahmenbedingungen
Anteil der Beschäftigten am Arbeitsort in den Wirtschaftszweigen
in Prozent, 2021
Quelle: Beschäftigungsstatistik der Bundesagentur für Arbeit;
Berechnungen und Darstellung CIMA IfR
0% 5% 10% 15% 20% 25%
A Land- und Forstwirtschaft, Fischerei
B Bergbau und Gewinnung von Steinen und Erden
C Verarbeitendes Gewerbe
D Energieversorgung
E Wasserversorgung; Abwasser-, Abfallentsorgung, Beseitigung v.…
F Baugewerbe
G Handel; Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen
H Verkehr und Lagerei
I Gastgewerbe
J Information und Kommunikation
K Finanz- und Versicherungsdienstleistungen
L Grundstücks- und Wohnungswesen
M Freiberufliche, wissenschaftliche und technische Dienstleistungen
N Sonstige wirtschaftliche Dienstleistungen
O Öffentliche Verwaltung, Verteidigung; Sozialversicherung
P Erziehung und Unterricht
Q Gesundheits- und Sozialwesen
R Kunst, Unterhaltung und Erholung
S Sonstige Dienstleistungen
T Private Haushalte
U Exterritoriale Organisationen und Körperschaften
Ohne Angabe zum Wirtschaftszweig
Deutschland
Nordrhein-Westfalen
Münster, Stadt
15
In Münster gibt es, wie in vielen Städten Deutschlands, einen
deutlichen Einpendlerüberschuss. Das bedeutet, dass mehr
Menschen zum Arbeiten nach Münster kommen, als von Münster
aus in andere Gemeinden fahren. Damit ist Münster ein starker
Arbeitsmarktstandort.
Sowohl die Zahl der Einpendler als auch die Zahl der Auspendler hat
in Münster seit 1998 nahezu konstant zugenommen. Noch im Jahr
1998 waren es in Münster 54.102 Einpendler und 16.173
Auspendler. Im Jahr 2021 gibt es hingegen bereits 89.197 Ein- und
33.945 Auspendler.
Bedeutender überregionaler Arbeitsstandort
Rahmenbedingungen
Auch in Zukunft werden die Einwohner der umliegenden Kreise
eine zentrale Bedeutung zur Deckung der Fachkräftebedarfe
einnehmen. Laut Bevölkerungsprognose für die Stadt Münster wird
die Zahl der Einwohner im erwerbsfähigen Alter bis 2038 (18 bis
unter 65 Jahre) um ca. 4.500 Personen und bis 2045 um ca. 12.800
Personen zunehmen (vgl. InWIS 2023). Obwohl dieser Anstieg als
äußerst positive Entwicklung zu bewerten ist, da in weiten Teilen des
Landes die Zahl der Erwerbspersonen drastisch zurückgehen wird,
wird dieser Zuwachs nicht ausreichen, um die Fachkräftebedarfe zu
decken.
16
Rahmenbedingungen
Pendlervolumen Münster
1998 bis 2021 (absolut)
Quelle: Beschäftigungsstatistik der Bundesagentur für Arbeit;
Berechnungen und Darstellung CIMA IfR
0
10.000
20.000
30.000
40.000
50.000
60.000
70.000
80.000
90.000
100.000
1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021
Einpendler Auspendler
17
Die im Rahmen des Projektes zu erarbeitende
Erwerbstätigenprojektion basiert auf der Anzahl der tätigen
Personen, gibt jedoch keinen Aufschluss über den Arbeitsumfang
sowie die Bedeutung einzelner Personengruppen und
Qualifikationen. Um die Ergebnisse richtig interpretieren zu können,
wird nachfolgend ein Blick auf qualitative Aspekte der
Beschäftigtenstruktur und -entwicklung geworfen. Hierbei
werden folgende Aspekte betrachtet:
▪ Voll- und Teilzeitbeschäftigung
▪ Erwerbsbeteiligung von Frauen
▪ Qualifikationsstruktur der Beschäftigten
Die Zahl der Teilzeitbeschäftigten ist in Deutschland generell
stark angestiegen. Auch in der Stadt Münster ist dies zu
beobachten. Während die Beschäftigung in Vollzeit in den Jahren
2012 und 2013 leicht rückläufig war, stieg die Beschäftigung in
Teilzeit kontinuierlich an (+90 %). Im Jahr 2021 arbeiten demnach
Teilzeitbeschäftigung und Erwerbsbeteiligung der Frauen
deutlich gestiegen
Rahmenbedingungen
59.359 Beschäftigte in Teilzeit und 120.312 Beschäftigte in Vollzeit.
Folglich ist der kontinuierliche Beschäftigungsaufbau und die
dynamische Beschäftigungsentwicklung in der Stadt Münster
insbesondere auf die Zuwächse bei den Teilzeitbeschäftigten
zurückzuführen.
Einhergehend mit dem Anstieg der Beschäftigten in Teilzeit, stieg
auch die Zahl der weiblichen Beschäftigten in den vergangenen
Jahren nahezu konstant an. Im Jahr 2021 sind 89.223 Frauen in der
Stadt Münster sozialversicherungspflichtig beschäftigt, dies sind
31.772 mehr als noch im Jahr 1999 (+55,3 %). Die Entwicklung liegt
auch hier über dem Bundes- und Landestrend (+29,8 %; +34,4 %).
Einziger leichter Rückgang ist in Münster in den Jahren 2003 und
2004 zu beobachten. Damit stellen Frauen knapp die Hälfte aller
sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in der Stadt Münster. Zu
berücksichtigen ist jedoch, dass Frauen deutlich häufiger in Teilzeit
beschäftigt sind als Männer und daher die Anzahl der geleisteten
Arbeitsstunden wesentlich geringer ausfällt als bei Männern. Trotz
allem stellen Frauen bereits heute wie auch in Zukunft eine
wichtige Zielgruppe bei der Deckung der Fachkräftebedarfe dar.
*Zahlen für 2012 geschätzt 18
Rahmenbedingungen
Voll- und Teilzeitbeschäftigte
Münster, absolut, 2008 bis 2021*
Quelle: Beschäftigungsstatistik der Bundesagentur für Arbeit;
Berechnungen und Darstellung CIMA IfR
Voll- und Teilzeitbeschäftigte
Münster, 2008 bis 2021, 2008=100*
Quelle: Beschäftigungsstatistik der Bundesagentur für Arbeit;
Berechnungen und Darstellung CIMA IfR
60
80
100
120
140
160
180
200
2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021
Münster, Stadt Beschäftigte in Teilzeit
Münster, Stadt Beschäftigte in Vollzeit
0
20.000
40.000
60.000
80.000
100.000
120.000
140.000
160.000
180.000
200.000
2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021
Münster, Stadt Beschäftigte in Teilzeit
Münster, Stadt Beschäftigte in Vollzeit
19
Rahmenbedingungen
Beschäftigte
Münster, absolut, 1999 bis 2021
Quelle: Beschäftigungsstatistik der Bundesagentur für Arbeit;
Berechnungen und Darstellung CIMA IfR
0
20.000
40.000
60.000
80.000
100.000
120.000
140.000
160.000
180.000
200.000
1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021
Frauen
Männer
20
Rahmenbedingungen
Beschäftigte Frauen
1999 bis 2021, 1999=100
Quelle: Beschäftigungsstatistik der Bundesagentur für Arbeit;
Berechnungen und Darstellung CIMA IfR
90
100
110
120
130
140
150
160
170
1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021
Münster, Stadt
Nordrhein-Westfalen
Deutschland
21
Die Arbeitsplätze von hochqualifizierten Kräften konzentrieren
sich bundesweit in besonderem Maße auf die großen Städte und
ihr näheres Umfeld. An der Spitze stehen großstädtische Zentren
sowie Standorte und Regionen mit Hochschulen und anderen
Forschungseinrichtungen.
Der Anteil der hochqualifizierten Kräfte in Münster ist mit 26,7 %
erwartungsgemäß deutlich höher als im Bundes- und
Landesdurchschnitt (19,8 % bzw. 18,7 %), was unter anderem auf
die Hochschulen zurückzuführen ist. Infolgedessen fällt der Anteil
der Beschäftigten mit anerkanntem Berufsabschluss mit 59 %
geringer aus als in den Vergleichsräumen (66,6 % bzw. 64,9 %). Die
geringsten Unterschiede bestehen bei den Beschäftigten ohne
abgeschlossene Berufsausbildung (Spannweite 2,8 %-Punkte).
Anteil der hochqualifizierten
Beschäftigten in Münster sehr hoch
Rahmenbedingungen
In den vergangenen Jahren sind die qualifikatorischen
Anforderungen an die Beschäftigten zunehmend gestiegen und
höhere Bildungsabschlüsse haben an Bedeutung gewonnen. Dies
spiegelt sich in der Entwicklung der Qualifikationsstruktur der
Beschäftigten in Münster wider. So ist der Anteil der Beschäftigten
mit akademischem Abschluss 2021 gegenüber 1999 um 14 %-
Punkte gestiegen (von 12,6 % auf 26,7 %). Die anderen
Qualifikationsniveaus haben entsprechend an Bedeutung verloren,
wobei dieser Bedeutungsverlust sich insbesondere bei den
beruflichen Qualifikationen bemerkbar macht (-11,7 %-Punkte). Die
Bedeutung der Beschäftigten ohne anerkannten Berufsabschluss an
allen Beschäftigten haben sich lediglich um gut 2 %-Punkte
gegenüber 1999 verringert.
22
Rahmenbedingungen
Qualifikationsstruktur der Beschäftigten am Arbeitsort
2021
Quelle: Beschäftigungsstatistik der Bundesagentur für Arbeit;
Berechnungen und Darstellung CIMA IfR
13,6% 16,4% 14,3%
66,6% 64,9%
59,0%
19,8% 18,7%
26,7%
0%
10%
20%
30%
40%
50%
60%
70%
80%
90%
100%
Deutschland Nordrhein-Westfalen Münster, Stadt
ohne beruflichen Ausbildungsabschluss mit anerkanntem Berufsabschluss mit akademischem Abschluss
*Zahlen für 2012 geschätzt 23
Rahmenbedingungen
Qualifikationsstruktur der Beschäftigten am Arbeitsort
Münster, absolut, 1999 bis 2021*
Quelle: Beschäftigungsstatistik der Bundesagentur für Arbeit;
Berechnungen und Darstellung CIMA IfR
0
20.000
40.000
60.000
80.000
100.000
120.000
140.000
160.000
180.000
200.000
1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021
mit akademischem Abschluss
mit anerkanntem Berufsabschluss
ohne beruflichen Ausbildungsabschluss
24
Die bisherigen Auswertungen beziehen sich ausschließlich auf die
sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. Für eine ganzheitliche
Betrachtung und Prognose der Arbeitsstättenbedarfe ist diese
Größe jedoch nicht hinreichend. Selbstständige, Beamte,
geringfügig Beschäftigte und mithelfende Familienangehörige
sind in den Beschäftigungsstatistiken der Bundesagentur für
Arbeit nicht erfasst. Von diesen Personengruppen gehen jedoch
auch Arbeitsplatzbedarfe aus, die in einer Stadtentwick-
lungsplanung zu berücksichtigen sind. Folglich sind die
sozialversicherungspflichtig Beschäftigten um diese Personen-
gruppen zu ergänzen. Aus diesem Grund wird nachfolgend die
Entwicklung aller Erwerbstätigen analysiert.
In der Regel verläuft die Entwicklung der Erwerbstätigen analog
zur Entwicklung der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten.
So ist auch in Münster die Zahl der Erwerbstätigen seit dem Jahr
2007 konstant angestiegen. Im Jahr 2020 gibt es 236.300
Erwerbstätige in der Stadt Münster.
Anteil der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten an den
Erwerbstätigen nimmt stetig zu
Rahmenbedingungen
Der Anteil der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten an
allen Erwerbstätigen liegt mit 74,0 % im Jahr 2020 nahezu im
bundesweiten Durchschnitt. Gegenüber dem Landesdurchschnitt
fällt der Anteil etwas höher aus, was damit zu erklären ist, dass die
Stadt Münster als Oberzentrum zwar eine Vielzahl von
Verwaltungsfunktionen übernimmt, andere Städte wie die
ehemalige Bundeshauptstadt Bonn aber traditionell bedingt noch
über deutlich mehr Beamte verfügen.
Gegenüber 2007 ist der Anteil der sozialversicherungspflichtig
Beschäftigten an allen Erwerbstätigen kontinuierlich gestiegen
(von 68,8 % auf 74 %). Diese Entwicklung ist auf verschiedene
Ursachen zurückzuführen. Ein Grund liegt in der zunehmenden
Privatisierung von Staatsunternehmen und der vermehrten Ausla-
gerung von staatlichen Tätigkeiten in den Privatsektor. Zudem ist
die Beschäftigung in der Privatwirtschaft in den letzten Jahren
deutlich stärker gewachsen als der öffentliche Dienst. Darüber hin-
aus schlagen bestimmte Personengruppen („Bedarfsgründungen“)
bei guten Beschäftigungsmöglichkeiten am Arbeitsmarkt nicht den
Weg in die Selbstständigkeit ein (vgl. Metzger 2022: 2).
* Daten für Erwerbstätige 2021 noch nicht verfügbar 25
Rahmenbedingungen
Beschäftigte und Erwerbstätige nach Jahren
absolut, 2007 bis 2020 (30.06.)*
Quelle: Beschäftigungsstatistik der Bundesagentur für Arbeit und Volkswirtschaftliche
Gesamtrechnungen; Berechnung und Darstellung CIMA IfR
133.571 136.334 136.959 140.506 144.178 147.552 150.059 153.384 156.981 160.646 164.707 168.696 172.362 174.761
194.100 198.000 199.900 202.900 208.500 212.200 215.500 219.800 223.900 224.000 228.500 231.700 234.000 236.300
0
50.000
100.000
150.000
200.000
250.000
2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020
Beschäftigte Erwerbstätige
26
Ein Indiz für eine hohe Attraktivität als Wirtschaftsstandort stellen
Flächenanfragen seitens um- und ansiedlungswilliger Unter-
nehmen dar. Die Attraktivität der Stadt Münster kommt durch die
zahlreichen Flächenanfragen seitens verschiedener Unternehmen
zum Ausdruck. Laut Statistik der Wirtschaftsförderung Münster
(WFM) erhält diese im Durchschnitt der letzten zehn Jahre rund 90
Flächenanfragen pro Jahr. Während vor dem Ausbruch der Corona-
Pandemie tendenziell eine Zunahme der jährlichen Anfragen zu
beobachten war, wurde diese Entwicklung im Jahr 2020 zunächst
unterbrochen. Zwar war 2021 bereits wieder eine leichte Zunahme
zu verzeichnen, diese konnte sich aufgrund des Krieges in der
Ukraine jedoch zuletzt nicht verstetigen (vgl. nebenstehende
Abbildung oben). Hinter der Anzahl der Anfragen verbirgt sich, mit
Ausnahme des Pandemiejahres 2020, ein Flächenvolumen von
jährlich 50 bis 76 ha (vgl. nebenstehende Abbildung unten).
Aus diesen Flächenanfragen resultieren jedoch nur in Teilen
Verkaufsabschlüsse. Ursachen hierfür liegen beispielsweise darin,
dass Unternehmen bei ihrer Standortsuche in der Regel mehrere
Vergleichsstandorte in Betracht ziehen und parallele Anfragen
tätigen. Darüber hinaus sind zeitliche Verschiebungen der
Verlagerungs- oder Erweiterungsvorhaben aufgrund veränderter
externer und interner Rahmenbedingungen denkbar. Allerdings
können auch fehlende bzw. ungeeignete Flächenangebote eine
Ursache für die Verhinderung eines Kaufabschlusses bilden. Dies
kann sich sowohl auf die quantitative als auch qualitative
Verfügbarkeit beziehen und unterstreicht die Bedeutung eines
bedarfsorientierten Flächenangebots in der Stadt.
Rahmenbedingungen
Hohe Attraktivität der Stadt
Münster als Wirtschaftsstandort
Gewerbeflächenanfragen und -Vergaben durch die Wirtschaftsförderung der
Stadt Münster (WFM), Angaben in ha
Quelle: Wirtschaftsförderung der Stadt Münster (WFM), Darstellung CIMA IfR
Gewerbeflächenanfragen und -Vergaben durch die Wirtschaftsförderung der
Stadt Münster (WFM), Anzahl der Fälle
Quelle: Wirtschaftsförderung der Stadt Münster (WFM), Darstellung CIMA IfR
0
20
40
60
80
100
120
140
2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022
Anfragen
Vergaben
0
10
20
30
40
50
60
70
80
90
2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022
Anfragen
Vergaben
27
Die vorhergehenden Analysen haben gezeigt, dass sich die Stadt
Münster in den vergangenen Jahren sehr erfolgreich im
Standortwettbewerb behaupten konnte. Sowohl die
Bevölkerungsentwicklung als auch die Beschäftigtenentwicklung
verliefen in den vergangenen Jahren äußerst dynamisch und
deutlich positiver als in vielen anderen Regionen. Selbst die
vergangenen Krisen, die in weiten Teilen Deutschlands zu teilweise
drastischen Beschäftigungseinbrüchen geführt haben, sind in der
Stadt Münster nicht nachweisbar. Die Wirtschaftsakteure haben sich
selbst in schwierigen Zeiten äußerst robust gegenüber negativen
Einflüssen und Rahmenbedingungen gezeigt.
Mit der vorherrschenden Qualifikationsstruktur der Beschäftigten
sowie den vielfältigen Aus- und Weiterbildungsangeboten, die
maßgeblich zur künftigen Verfügbarkeit gut qualifizierter
Arbeitskräfte beitragen, besitzt die Stadt vergleichsweise günstige
Rahmenbedingungen für eine erfolgreiche Positionierung im
Fachkräftewettbewerb. Unterstützt wird dies durch eine hohe
Lebensqualität mit vielfältigen Kultur-, Freizeit- und Versorgungs-
angeboten sowie einem attraktiven Stadt- und Landschaftsbild,
welches die Stadt gleichzeitig als Wohnstandort lebenswert macht.
Münster – weit überdurchschnittliche Entwicklung
des Wirtschaftsstandorts
Rahmenbedingungen
Dementsprechend besitzt die Stadt Münster sehr günstige Rahmen-
bedingungen für eine erfolgreiche Behauptung im sich weiter
verschärfenden Standortwettbewerb und damit eine gute
Ausgangsbasis für eine auch weiterhin dynamische Entwicklung als
Wohn- und Wirtschaftsstandort.
28
Methodisches Vorgehen
Methodisches Vorgehen
Abgleich
29
Nachdem die Rahmenbedingungen des Wirtschaftsstandorts
Münster sowie die zurückliegende Entwicklung im vorhergehenden
Kapitel skizziert wurden, wird nun der Blick in die Zukunft gerichtet.
Zunächst wird hierbei das methodische Vorgehen detailliert
erläutert.
Aufbauend auf einer branchendifferenzierten Beschäftigten- und
Erwerbstätigenprojektion werden die künftigen Flächenbedarfe
für wirtschaftliche Aktivitäten in der Stadt Münster bis zum Jahr
2045 mittels einer Arbeitsstättenbedarfsprognose abgeleitet.
Hierbei werden gemäß der unterschiedlichen Flächenansprüche
verschiedener Branchen fünf Standorttypen unterschieden. Diese
Arbeitsstättenbedarfsprognose bildet die Grundlage für die
Ableitung von Handlungsbedarfen im Hinblick auf die künftige
Wirtschaftsflächenentwicklung der Stadt. Hierzu erfolgt ein Abgleich
der prognostizierten Bedarfe mit den bestehenden und bereits
geplanten Flächenpotenzialen (Flächenangebot). Die Ergebnisse
der sogenannten Arbeitsstättendeckungsprognose erlauben eine
Einschätzung inwiefern die vorgesehenen Erweiterungen zu den zu
erwartenden Bedarfen passen und in welchen Segmenten ein
Nachfrageüberhang bzw. weiterer Handlungsbedarf besteht.
Methodisches Vorgehen im Überblick
Methodisches Vorgehen
Branchendifferenzierte
Beschäftigtenprojektion
Branchendifferenzierte
Erwerbstätigenprojektion
Arbeitsstättenbedarfs-
prognose differenziert
nach Standorttypen
Handlungsbedarfe
Analyse des Flächen-
angebots differenziert
nach Standorttypen
Arbeitsstättendeckungs-
prognose
30
Methodik
Branchendifferenzierte Beschäftigtenprojektion
Methodisches Vorgehen
Beschäftigtenprojektion
Abgleich
Branchendifferenzierte
Beschäftigtenprojektion
Branchendifferenzierte
Erwerbstätigenprojektion
Arbeitsstättenbedarfs-
prognose differenziert
nach Standorttypen
Handlungsbedarfe
Analyse des Flächen-
angebots differenziert
nach Standorttypen
Arbeitsstättendeckungs-
prognose
31
Basierend auf der Beschäftigtenentwicklung der vergangenen Jahre
wird eine branchendifferenzierte Beschäftigtenprojektion bis 2045
erstellt. Sie bildet die Ausgangsbasis für alle weiteren Analyse-
schritte.
Wesentliche Einflussfaktoren für die künftige Beschäftigten-
entwicklung sind:
▪ Die Funktion der Stadt – Münster als Arbeitsmarktzentrum ist
ein attraktiver Unternehmensstandort. Auf die künftige
Beschäftigtenentwicklung hat dies einen positiven Einfluss.
▪ Der technische Fortschritt – dieser Aspekt wirkt sich in den
verschiedenen Branchen ganz unterschiedlich aus. Während er
in der Informations- und Kommunikationstechnik (IKT)
insgesamt für eine steigende Dynamik sorgt, ist in Teilen des
Verarbeitenden Gewerbes aufgrund der zunehmenden
Automatisierung eher mit einer dämpfenden Wirkung zu
rechnen.
▪ Bevölkerungsentwicklung im erwerbsfähigen Alter – dieser
Faktor bestimmt maßgeblich die Fachkräfteverfügbarkeit. Im
Zuge des demographischen Wandels hat die Zahl der Erwerbs-
Branchendifferenzierte Beschäftigtenprojektion
Zentrale Einflussfaktoren der Projektion
Methodisches Vorgehen
Beschäftigtenprojektion
fähigen bereits deutlich abgenommen. Mit dem Eintritt der
Babyboomer ins Rentenalter wird sich diese Situation weiter
verschärfen. Auch wenn die Stadt Münster ein attraktiver Arbeits-
und Wohnstandort ist und folglich weniger stark von einer
Fachkräfteknappheit betroffen sein könnte als andere Regionen,
wird dieser Faktor die künftige Entwicklung langfristig dämpfen.
Drei zentrale Einflussfaktoren in der Projektion
Technischer
Fortschritt
Differenziert/
Branchen-
abhängig
Bevölkerungsentwick-
lung im erwerbs-
fähigem Alter
(Fachkräfte-
verfügbarkeit)
dämpfend
Funktion der
Stadt
(Arbeitsmarkt
zentrum)
push
32
Bei der Projektion der Beschäftigten kommt ein
regressionsbasiertes Pooling-Modell nach dem Bottom-Up-
Ansatz zum Einsatz, welches regionale Strukturen und
Entwicklungen explizit berücksichtigt. Pooling-Modelle kombinieren
unterschiedliche Szenarien und führen diese in einem gewichteten
Mittelwert zusammen. Damit werden unterschiedliche
Entwicklungsverläufe in Form von Szenarien im Modell
berücksichtigt und am Ende in einer Projektion zusammengeführt.
Dieser Ansatz wird beispielsweise auch vom Institut für
Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB) für regionale Projektionen
verwendet (vgl. Bach et al. 2009: 68ff).
Die im Pooling-Modell berücksichtigten Szenarien basieren auf
verschiedenen Einflussfaktoren. Mithilfe dieser Einflussfaktoren wird
eine trendbasierte, branchen-differenzierte Beschäftigtenprojektion
bis zum Jahr 2045 erstellt. Berücksichtigt werden hierbei:
▪ Der technische Fortschritt/ Digitalisierung – branchen-
spezifisch wirkt sich dieser Faktor ganz unterschiedlich aus. In
der Projektion findet er Berücksichtigung in Form der
Ergebnisse der Prognose zur „Digitalisierten Arbeitswelt“, die
Branchendifferenzierte Beschäftigtenprojektion
Pooling-Modell
Methodisches Vorgehen
Beschäftigtenprojektion
im Auftrag des BMAS (Bundesministeriums für Arbeit und
Soziales) im Jahr 2021 erstellt worden ist.
▪ Der allgemeine Branchentrend in der Bundesrepublik –
dieser erlaubt die Berücksichtigung globaler Entwicklungen
und wirtschaftspolitischer Entscheidungen. Er wird durch die
nationale Beschäftigungsentwicklung abgebildet.
▪ Der lokale Branchentrend – lokal weicht die Entwicklung von
Branchen zum Teil deutlich vom nationalen Trend ab.
Regionale Rahmenbedingungen können sich sowohl positiv als
auch negativ auf die Branchenentwicklung auswirken. Hierzu
wird die lokale Beschäftigungsentwicklung in der Stadt
Münster einbezogen.
▪ Die Bevölkerungsentwicklung in Münster – hierdurch wird
maßgeblich die Verfügbarkeit von Arbeitskräften beeinflusst.
Berücksichtigt wird dies auf Wunsch des Auftraggebers in Form
der Bevölkerungsprognose für die Stadt Münster von InWIS
aus dem Jahr 2023.
33
Gemäß ihres individuellen Erklärungsgrades in den einzelnen
Branchen fließen die verschiedenen Einflussfaktoren gewichtet in
die jeweiligen Projektionen ein. Die nationalen und globalen
Rahmenbedingungen – präsentiert durch den Bundestrend und
technische Fortschritt – sind im Durchschnitt aller Branchen mit
einem Gewicht von 31,7 %, die lokalen Entwicklungen mit 35,1 %
und das Arbeitskräftepotenzial mit 33,3 % berücksichtigt.
Die Stützzeiträume für die nationalen und lokalen Branchentrends
umfassen längerfristige Entwicklungen der letzten 15 Jahre und
kurzfristige Entwicklungen der letzten fünf Jahre zu gleichen Teilen.
Der kurzfristige Betrachtungszeitraum wurde über fünf Jahre
angelegt, um die Trendberechnung robust gegenüber
Einzelereignissen zu gestalten.
Branchendifferenzierte Beschäftigtenprojektion
Szenarien-Gewichtung und Stützzeitraum
Methodisches Vorgehen
Beschäftigtenprojektion
34
Methodik
Branchendifferenzierte Erwerbstätigenprojektion
Methodisches Vorgehen
Erwerbstätigenprojektion
Abgleich
Branchendifferenzierte
Beschäftigtenprojektion
Branchendifferenzierte
Erwerbstätigenprojektion
Arbeitsstättenbedarfs-
prognose differenziert
nach Standorttypen
Handlungsbedarfe
Analyse des Flächen-
angebots differenziert
nach Standorttypen
Arbeitsstättendeckungs-
prognose
35
Die Beschäftigtenprojektion umfasst ausschließlich die sozialver-
sicherungspflichtig Beschäftigten (SVB). Beamte und Richter,
ausschließlich geringfügig Beschäftigte sowie Selbstständige
sind nicht enthalten. Da auch diese Arbeitsplätze Fläche
benötigen, muss die Beschäftigtenprojektion um diese Gruppe
ergänzt werden.
Die Anteile dieser Personengruppe an den insgesamt
Erwerbstätigen unterscheiden sich zwischen den Branchen sehr
stark voneinander. Im Bereich Erziehung und Unterricht fällt dieser
aufgrund der hohen Anzahl verbeamteter Lehrer vergleichsweise
hoch aus. Im Verarbeitenden Gewerbe hingegen bilden die SVB den
Großteil der in dieser Branche tätigen Personen. Folglich wird die
Beschäftigtenprojektion mit branchenspezifischen Aufschlägen
zu einer Erwerbstätigenprojektion erweitert.
Branchendifferenzierte Erwerbstätigenprojektion
Erwerbstätigenanteile in den Branchen
Methodisches Vorgehen
Erwerbstätigenprojektion
Anteil SVB an Erwerbstätigen 2020 Anteil Gesamt 74,0%
Land- und Forstwirtschaft, Fischerei
58,3%
Produzierendes Gewerbe
95,2%
Produzierendes Gewerbe ohne Baugewerbe
98,0%
Verarbeitendes Gewerbe96,9%
Baugewerbe88,4%
Dienstleistungsbereiche71,7%
Handel, Verkehr und Lagerei, Gastgewerbe,
Information und Kommunikation75,3%
Finanz-, Versicherungsdienstleister; Grundstücks-
und Wohnungswesen80,3%
Öffentliche und sonstige Dienstleistungen,
Erziehung und Gesundheit65,4%
Quelle: Beschäftigungsstatistik der Bundesagentur für Arbeit und Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen; Berechnung und Darste llung CIMA IfR
36
Methodik
Arbeitsstättenbedarfsprognose nach Standorttypen
Methodisches Vorgehen
Arbeitsstättenbedarfsprognose
Abgleich
Branchendifferenzierte
Beschäftigtenprojektion
Branchendifferenzierte
Erwerbstätigenprojektion
Arbeitsstättenbedarfs-
prognose differenziert
nach Standorttypen
Handlungsbedarfe
Analyse des Flächen-
angebots differenziert
nach Standorttypen
Arbeitsstättendeckungs-
prognose
37
Aufbauend auf der Erwerbstätigenprojektion für die Stadt Münster
wird in einem weiteren Arbeitsschritt eine Arbeitsstättenbedarfs-
prognose erstellt. Sie gibt Aufschluss darüber, wie viel
Wirtschafts- und Gewerbeflächen künftig in der Stadt Münster
benötigt werden.
Hierbei ist zu berücksichtigen, dass im Rahmen der Studie die
Entwicklungspotenziale der Stadt dargelegt werden. Die
tatsächlich realisierte Nachfrage kann aufgrund nicht abschätzbarer
Veränderungen der Rahmenbedingungen durchaus anders
ausfallen.
Ein Bedarf repräsentiert den Wunsch sich etwas anzueignen. Somit
stellt er eine hypothetische Größe dar, die unter optimalen
Bedingungen und ohne bestehende Restriktionen anzunehmen ist.
Die Nachfrage hingegen bildet eine letztendlich am Markt
realisierte Größe ab. Ob ein Unternehmen seinen Bedarf auch am
Markt umsetzt, hängt von einer Vielzahl von Faktoren ab. So muss
beispielsweise zunächst einmal ein geeignetes Angebot vorhanden
sein und gleichzeitig müssen die wirtschaftlichen Rahmenbe-
dingungen des Unternehmens einen Kauf ermöglichen.
Arbeitsstättenbedarfsprognose nach Standorttypen
Methodisches Vorgehen
Arbeitsstättenbedarfsprognose
Folglich sind die Ergebnisse der Arbeitsstättenbedarfsprognose
als Größenordnung zu interpretieren, die die Unternehmen
unter optimalen Rahmenbedingungen am Markt nachfragen
würden.
Bei der Berechnung der Flächenbedarfe werden verschiedene
Annahmen zugrunde gelegt. Diese beziehen sich auf:
▪ die Gründe des Flächenbedarfs,
▪ die unterschiedlichen Standortanforderungen der Unter-
nehmen/ Branchen,
▪ den unterschiedlichen Anteil flächenrelevanter Arbeitskräfte in
den verschiedenen Branchen sowie
▪ die unterschiedlich hohen Arbeitsplatzbedarfe in den
verschiedenen Branchen.
Nachfolgend sind die getroffenen Annahmen im Detail erläutert.
38
Für den (zusätzlichen) Flächenbedarf der Unternehmen gibt es
verschiedene Ursachen. Hierbei ist grundsätzlich zunächst einmal
zwischen Unternehmen zu unterscheiden, die bereits ihren Standort
in der Stadt haben und Unternehmen, die bisher keinen Firmensitz
in Münster besitzen.
Letztere werden unter dem Label „Ansiedlungen“ betrachtet.
Hierunter fallen sowohl Unternehmensneugründungen, die bisher
noch gar nicht am Markt vertreten waren als auch Unternehmen,
die bisher einen Standtort außerhalb der Stadtgrenzen hatten und
sich in Münster neu ansiedeln. Für die Ansiedlungsfälle wird
unterstellt, dass von allen Erwerbstätigen ein Flächenbedarf
ausgeht. Als Berechnungsbasis dient die Veränderung der
Erwerbstätigen gegenüber dem Vorjahr.
Unternehmen, die bereits einen Standort in der Stadt haben,
werden unter dem Label der „Verlagerungen“ zusammengefasst.
Gründe für eine Verlagerung innerhalb der Stadt können
beispielsweise sich verändernde Standortanforderungen aufgrund
Arbeitsstättenbedarfsprognose nach Standorttypen
Verschiedene Gründe des Flächenbedarfs
Methodisches Vorgehen
Arbeitsstättenbedarfsprognose
neuer Produktionsanlagen sein, die mehr oder weniger Platz
benötigen. Eine Reduzierung oder ein Aufbau des Personals, der zu
veränderten Platzbedarfen führt. Oder einfach auch auslaufende
Miet- oder Pachtverträge, die den Unternehmer zu einem
Standortwechsel zwingen. Für die Berechnung wird in Anlehnung an
das TBS-GIFPRO-Modell zur Berechnung der Gewerbeflächen-
nachfrage angenommen, dass 0,7 Personen je 100 Erwerbstätige
innerhalb eines Jahres ihren Arbeitsplatz verlagern (vgl. u.a. Grabow
et al. 2010: 42; Stadt Bielefeld (Hrsg.) 2016: 12; Vallée et al. 2012:
61). Die Bezugsgröße bilden jeweils die Erwerbstätigen des
Vorjahres.
* WZ-2-Steller sind ein Bestandteil der Wirtschaftszweigeklassifikation der
Bundesagentur für Arbeit. Die Klassifikation dient der systematischen Erfassung und
Auswertung von Wirtschaftsaktivitäten nach Tätigkeitsfeldern und Branchen. Auf Ebene
der 2-Steller werden 21 Wirtschaftsabschnitte unterschieden. 39
Zwischen den Branchen und Unternehmen bestehen ganz
unterschiedliche Standortanforderungen. Beispielsweise sind für
Logistikunternehmen eine überregionale Verkehrsanbindung, für
stark emittierende Unternehmen eine Lage fernab von
Siedlungskernen sowie für Dienstleistungsunternehmen eine
zentrale Lage im Stadtkern von enormer Bedeutung. Für eine
bedarfsorientierte Gewerbeflächenplanung ist es daher zentral, die
verschiedenen Standortanforderungen zu berücksichtigen und eine
differenzierte Bedarfsabschätzung vorzunehmen. Eine rein
flächenbezogene Bedarfsermittlung wäre an dieser Stelle nicht
hinreichend. Aus diesem Grund wird in der Prognose zwischen
verschiedenen Standorttypen differenziert.
Hierzu wird eine anteilige Zuordnung der Branchen zu den
Standorttypen auf Basis der WZ-2-Steller* vorgenommen. Für den
Maschinenbau bedeutet dies beispielsweise, dass ca. zwei Drittel
der Erwerbstätigen dem Standorttyp emissionsarmes Gewerbe und
ein Drittel dem emissionsintensiven Gewerbe zugeordnet werden.
Arbeitsstättenbedarfsprognose nach Standorttypen
Unternehmen/ Branchen besitzen unterschiedliche Standortanforderungen
Methodisches Vorgehen
Arbeitsstättenbedarfsprognose
Technologische Entwicklungen und deren Auswirkungen auf die
jeweiligen Produktionsprozesse können auch in Zukunft zu
veränderten Raumbedarfen führen. Da diese sowie weitere
Entwicklungen jedoch nicht verlässlich abgeschätzt werden können,
bleiben die Branchenzuordnung zu den Standorttypen über den
gesamten Prognosezeitraum hinweg konstant.
Die verschiedenen Standorttypen werden auf den nachfolgenden
Folien kurz charakterisiert.
Emissionsarmes
Gewerbe
Emissionsintensives
Gewerbe
Büro/ Praxis
Handel
Sonstige
40
Emissionsintensives Gewerbe
Der Standorttyp „emissionsintensives Gewerbe“ beheimatet in der
Regel stark emittierende Unternehmen mit überwiegend hohen
Flächenbedarfen. Daher weisen sie meist eine grobkörnige
Mischung auf. Oftmals befinden sie sich in exponierten Lagen mit
einem konfliktfreien Umfeld. Sie grenzen folglich regelmäßig nicht
an Wohnsiedlungsbereiche oder Naturschutzgebiete an. Darüber
hinaus ist oftmals ein 24-Stunden-Betrieb zulässig. Im
Bebauungsplan sind diese Flächen in der Regel als Industriegebiet
(GI), eingeschränktes Industriegebiet (GIe) oder als Gewerbegebiet
(GE) gemäß §§ 8 und 9 Baunutzungsverordnung (BauNVO)
gekennzeichnet.
Sich an diesen Standorten ansiedelnde Unternehmen sind
beispielsweise sämtliche Betriebe aus dem Bereich Verkehr und
Lagerei, Teile des Verarbeitenden Gewerbes, wie Hersteller von
chemischen und pharmazeutischen Erzeugnissen, Unternehmen der
Arbeitsstättenbedarfsprognose nach Standorttypen
Standorttyp „Emissionsintensives Gewerbe“
Methodisches Vorgehen
Arbeitsstättenbedarfsprognose
Metallerzeugung und -bearbeitung oder dem sonstigen
Fahrzeugbau sowie Teile der Wasserversorgung und Abwasser-
behandlung.
Hafenumfeld Rostock
Quelle: CIMA
41
Emissionsarmes Gewerbe
An Standorten des Typs „emissionsarmes Gewerbe“ siedeln sich in
der Regel Unternehmen an, die ihr Umfeld nur in begrenztem Maße
beeinträchtigen. Der Flächenbedarf dieser Unternehmen ist
deutlich geringer, wodurch sich eine kleinteiligere Gliederung und
Mischung ergibt. Die Gewerbegebiete dieses Typs befinden sich in
der Regel in teilintegrierten oder integrierten Lagen und weisen
in großen Teilen eine Verträglichkeit mit einem städtischen
Umfeld auf. Meist verfügen diese Flächen gemäß Bebauungsplan
über eine GE-Ausweisung, teilweise eignen sich aber auch Misch-
und Kerngebiete zur Unterbringung entsprechender Unternehmen.
Hauptnutzer dieser Art von Gewerbegebieten sind sämtliche
stadtaffine Branchen, zu denen nach einer Definition von Piegler
und Spars (2019: 10) Teile des emissionsarmen Verarbeitenden
Gewerbes, die IKT-, Hightech-, Gesundheits- und Kreativwirtschaft
sowie das Handwerk und Urban Farming/Urban Gardening zählen.
Arbeitsstättenbedarfsprognose nach Standorttypen
Standorttyp „Emissionsarmes Gewerbe“
Methodisches Vorgehen
Arbeitsstättenbedarfsprognose
Beispiele für emissionsarmes Verarbeitendes Gewerbe sind große
Teile des Maschinenbaus, Hersteller von Kraftwagen und
Kraftwagenteilen, von Nahrungs- und Futtermitteln, aber auch das
Baugewerbe. In einem Teil dieser Gebiete besteht zudem die
Zulässigkeit für großflächige Handelsbetriebe.
Gewerbegebiet in
Isernhagen
Quelle: CIMA
Arbeitsstättenbedarfsprognose nach Standorttypen
Standorttyp „Büro/Praxis“
Bürostandort Hannover
Quelle: CIMA
42
Büro/ Praxis
Wie der Name des Standorttyps bereits verdeutlicht, ist dieser von
(großen) Bürogebäuden geprägt. Diese Standorte liegen
vorwiegend in integrierten, innerstädtischen Lagen mit einer
guten verkehrlichen Anbindung. Eine zentrale Bedeutung hat
hierbei auch der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV).
Schallschutzvorgaben und Emissionsgrenzen spielen an diesen
Standorten aufgrund der Nachfragegruppe in der Regel keine Rolle.
Bei Büro- und Praxisstandorten kann es sich sowohl um einzelne
Gebäude mit entsprechender Nutzung handeln als auch um ganze
Stadtviertel, die überwiegend von entsprechenden Nutzungsformen
geprägt sind.
Hauptnachfrager sind hierbei nahezu sämtliche Dienstleistungs-
betriebe, die öffentliche Verwaltung sowie große Teile der
Gesundheitswirtschaft (insb. Praxen).
Methodisches Vorgehen
Arbeitsstättenbedarfsprognose
Gewerbegebiet EASTSITE, Mannheim
Quelle: CIMA
* Der sog. Annexhandel steht in räumlichem und funktionalem Zusammenhang mit einem
zulässigen Dienstleistungs-, Gewerbe und Industriebetrieb, ist diesem flächenmäßig aber
deutlich untergeordnet (vgl. MWIDE NRW/ MHKBG NRW 2021: 57). 43
Handel
Handelsflächen sind ebenso vielfältig wie die Branche selbst. Die
Spannweite reicht dabei vom inhabergeführten Einzelhandel bis
hin zum flächenintensiven Großhandel. Folglich fallen hierunter
sowohl Einzelhandelsflächen in der Innenstadt als auch Flächen für
den großflächigen Einzelhandel, die oftmals etwas weiter außerhalb
an verkehrlich gut angebundenen Standorten liegen.
Teilweise finden Handelsaktivitäten auch an anderen Standorttypen
statt. Ein typisches Beispiel ist hierbei der Autohandel, der oftmals
am Rande emissionsarmer Gewerbegebiete zu finden ist. Zudem ist
teilweise auch die Zulässigkeit des Annexhandels* in anderen
Standorttypen gegeben.
Typische Hauptnutzer sind in großen Teilen der klassische Handel
aber auch Unternehmen aus dem Bereich Beherbergung und
Gastronomie.
Arbeitsstättenbedarfsprognose nach Standorttypen
Standorttyp „Handel“
Methodisches Vorgehen
Arbeitsstättenbedarfsprognose
Handels-Standort Isernhagen (A2-Center)
Quelle: CIMA
44
Sonstige
Die Flächenkategorie Sonstige umfasst sämtliche Nutzungsformen,
die durch die anderen Kategorien nicht abgedeckt werden. Auch
wenn der Schluss naheliegt, sind sie nicht mit im Baurecht
definierten Sonderflächen gleichzusetzen. Mögliche Nutzungs-
formen sind Unternehmen der Energie- und Wasserversorgung
oder auch landwirtschaftliche Betriebe sowie Pflege- und
Altenheime.
Folglich weisen die Standortanforderungen in dieser Kategorie eine
sehr breite Spannweite auf. Sie reichen von der Zulässigkeit
hoher Emissionen bis hin zur Vereinbarkeit mit Wohnnutzung in
unmittelbarer Nachbarschaft.
Arbeitsstättenbedarfsprognose nach Standorttypen
Standorttyp „Sonstige“
Methodisches Vorgehen
Arbeitsstättenbedarfsprognose
45
Nicht von jedem Erwerbstätigen geht ein Flächenbedarf aus. In den
Branchen fällt der Anteil flächenrelevanter Arbeitskräfte sogar recht
unterschiedlich aus. Dies bedingt eine branchen- und standort-
differenzierte Betrachtung der flächenrelevanten Personen.
Dies betrifft einerseits die Erwerbstätigen, die dem Handel
(Wirtschaftsabschnitt G) zugeordnet sind. Für diesen Wirtschafts-
abschnitt wird unterstellt, dass ein Beschäftigungsaufbau
insbesondere mit dem Ausbau der Servicequalität einhergeht
und nicht in vollem Umfang zu einer proportionalen Erweiterung
der Verkaufsflächen führt. Vor diesem Hintergrund wird im Rahmen
der Arbeitsstättenbedarfsprognose angenommen, dass nur von
30 % der Erwerbstätigen ein Flächenbedarf ausgeht (vgl. Stadt
Bielefeld 2016: 10). In älteren Arbeiten wurde bisher in der Regel
von einem Anteil von 40 % gewerbeflächenbeanspruchende
Beschäftigte im Handel ausgegangen (vgl. Bonny/ Kahnert 2005:
234; Bauer/Bonny 1987: 42).
Arbeitsstättenbedarfsprognose nach Standorttypen
Unterschiedlicher Anteil flächenrelevanter Arbeitskräfte
Methodisches Vorgehen
Arbeitsstättenbedarfsprognose
Andererseits wird auch beim Standorttyp „Büro/Praxis“ davon
ausgegangen, dass die Erwerbstätigen nicht in vollem Umfang
flächenrelevant sind. Hierbei werden jedoch keine pauschalen
Abschläge gebildet, sondern in Anlehnung an den Leitfaden zur
Büromarktberichterstattung der gfi (Hrsg.) eine Differenzierung
zwischen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten (SVB) und
sonstigen Erwerbstätigen (z.B. Selbstständige, Beamte,
ausschließlich geringfügig Beschäftigte) vorgenommen.
Zu den sonstigen Erwerbstätigen, die grundsätzlich Büroflächen-
bedarfe aufweisen können, zählen insbesondere Selbstständige.
Diese üben ihre Tätigkeiten nicht selten in privaten Arbeitszimmern
aus. Soloselbstständige im Architektur- und Ingenieurwesen sind
hierfür Beispiele. In der Flächenbedarfsprognose wird unterstellt,
dass nur 40 % der sonstigen Erwerbstätigen für den Standorttyp
„Büro/Praxis“ flächenrelevant sind (vgl. gfi 2015: 6).
1 Aufgrund fehlender wissenschaftlicher Grundlagen basiert dieser Wert auf Basis
der gutachterlichen Einschätzung. 46
Auch für die SVB (sozialversicherungspflichtig Beschäftigten) gilt
spätestens seit der Corona-Pandemie, dass nicht mehr von jedem in
vollem Umfang ein eigener Arbeitsplatz benötigt wird. Während der
Pandemie wurden bestehende Möglichkeiten zum mobilen Arbeiten
ausgebaut oder neu geschaffen. Mit dem Ende der Corona-
Schutzmaßnahmen hat die Bedeutung des Büros zwar wieder
zugenommen, doch auch in Zukunft ist davon auszugehen, dass
unter anderem vor dem Hintergrund der Vereinbarkeit von Familie
und Beruf zumindest ein Teil der Arbeitszeit von vielen SVB an
anderen Orten als dem Büro geleistet wird. In der
Arbeitsstättenbedarfsprognose wird daher unterstellt, dass 95 %
der SVB, die dem Standorttyp „Büro/Praxis“ zugeordnet werden,
flächenrelevant sind1.
Arbeitsstättenbedarfsprognose nach Standorttypen
Unterschiedlicher Anteil flächenrelevanter Arbeitskräfte
Methodisches Vorgehen
Arbeitsstättenbedarfsprognose
47
Neben den qualitativen Flächenanforderungen hinsichtlich der
Ausstattung, Lage und Emissionswerte unterscheiden sich auch die
rein quantitativen Flächenbedarfe zwischen den Branchen.
Beispielsweise ist der Flächenbedarf eines Beschäftigten in der
Verwaltung deutlich geringer als der eines Beschäftigten im
Verarbeitenden Gewerbe. Zur Ausstattung eines Verwaltungs-
mitarbeiters gehört in der Regel ein Schreibtischarbeitsplatz. Ein
Mitarbeiter im Verarbeitenden Gewerbe benötigt zur Ausübung
seiner Tätigkeit nicht selten spezialisierte Maschinen mit großen
Platzbedarfen. Zur besseren Vergleichbarkeit werden die
branchenspezifischen Flächenbedarfe pro Beschäftigten ausge-
wiesen - in sogenannten Flächenkennziffern.
Die hier verwendeten Flächenkennziffern beruhen soweit verfügbar
auf den tatsächlich realisierten Ansiedlungsfällen der
vergangenen Jahre in der Stadt Münster. Diese stellen eine
äußerst seltene Informationsbasis dar, da in den meisten Städten
und Gemeinden keine systematische Erfassung dieser
Informationen vorliegt. Wie herausfordernd eine entsprechende
Informationsbeschaffung ist, belegt beispielsweise der im Rahmen
Arbeitsstättenbedarfsprognose nach Standorttypen
Flächenbedarfe unterscheiden sich zwischen den verschiedenen Branchen
Methodisches Vorgehen
Arbeitsstättenbedarfsprognose
einer Masterarbeit unternommene Versuch, die seit Jahrzehnten in
solchen Gutachten verwendeten Flächenkennziffern empirisch zu
überprüfen. Aufgrund der mangelnden Teilnahmebereitschaft
seitens der Unternehmen konnten keine verwertbaren Ergebnisse
gewonnen werden (vgl. Vallée 2012: 63).
Für die Ermittlung der standortspezifischen Flächenkennziffern für
die Stadt Münster hat die Wirtschaftsförderung der Stadt eine
Erhebung bei den neu angesiedelten Unternehmen durchgeführt
und die genutzte Fläche sowie die Mitarbeiterzahl zum Zeitpunkt
der Ansiedlung erfasst. Bei den Angaben für Gewerbeflächen
handelt es sich dabei um die Grundstücksfläche, bei sonstigen
Flächen wurde die Geschossfläche betrachtet. Aufgrund der
höheren Aktualität berücksichtigen die Flächenfaktoren auch
Veränderungen im Arbeitsumfeld, wie zum Beispiel die gestiegene
Teilzeitquote.
48
Im Produzierenden Gewerbe, der Logistik sowie dem Kfz-Handel
fallen die Flächenkennziffern in Münster etwas geringer aus als die
in anderen Konzepten weit verbreiteten Angaben (vgl. u.a. Wagner-
Endres et al. 2020: 74, Stadt Bielefeld (Hrsg.) 2016: 12, Acocella/
Kahnert/ Helbig 2015: 73, Vallée 2013: 325, Grabow et al. 2010: 47).
Eine Ursache könnte in den höheren Bodenpreisen in städtischen
Zentren liegen, welche die Unternehmen zu einem sparsameren
Flächenverbrauch verleiten.
In den Bereichen Forschung und Entwicklung (FuE), Medien,
wirtschaftsnahe und sonstige Dienstleistungen werden die
Flächenkennziffern der Literatur für Bürobeschäftigte mit einer
Spannweite von 22-32 m² pro Beschäftigten (vgl. Just 2013: 144)
durch die Erhebung in der Stadt Münster hingegen bestätigt.
Zudem werden bei diesen Branchen unterschiedliche
Flächenkennziffern für die einzelnen Standorttypen angesetzt.
Bei den Standorttypen „emissionsintensives und emissionsarmes
Gewerbe“ werden die Angaben aus der Spalte „Flächenkennziffer
Gewerbeflächen“ verwendet, bei den anderen Standorttypen die
Arbeitsstättenbedarfsprognose nach Standorttypen
Unterschiedliche Flächenbedarfe in Gewerbegebieten
und sonstigen Flächen
Methodisches Vorgehen
Arbeitsstättenbedarfsprognose
Angaben aus der Spalte „Flächenkennziffer sonstige Flächen“. Der
Hintergrund ist, dass bei denjenigen Aktivitäten, die in
Gewerbegebieten ausgeübt werden, davon auszugehen ist, dass
beispielsweise im Bereich FuE große Maschinen zum Einsatz
kommen, die zu höheren Flächenbedarfen führen, als bei Aktivitäten
an sonstigen Standorten. Branchen, für die keine Angaben für
„Flächenkennziffer sonstige Flächen“ vorliegen, siedeln sich in der
Regel ausschließlich in Gewerbegebieten an, da aufgrund ihrer
Umfeldauswirkungen an anderen Standorten keine Betriebs-
genehmigungen erteilt werden. Die Anteilige Zuordnung der
jeweiligen Branchen (siehe auch Seite 39) erfolgte dabei in
Anlehnung an die Arbeiten von Piegeler und Spars 2019 zum
Konzept und zur Messung urbaner Produktion.
Für Branchen, ohne Ansiedlungsfälle in den vergangenen Jahren,
wird auf die Flächenkennziffern aus der Literatur zurückgegriffen
(vgl. Tabelle nachfolgende Folie).
49
Methodisches Vorgehen
Arbeitsstättenbedarfsprognose
Branchenspezifische und standortdifferenzierte Flächenkennziffern
Betriebsgruppe Flächenkennziffer Gewerbeflächen ** Flächenkennziffer sonstige
Flächen***
Angaben aus der
Literatur
Erhebungen der
Wirtschaftsförderung Münster *
Erhebungen der
Wirtschaftsförderung Münster *
Emissionsintensives Verarbeitendes
Gewerbe
200 m² 162,5 m² -
Emissionsarmes Verarbeitendes
Gewerbe
150 m² 61,1 m² -
Baugewerbe 75 m² - -
Logistik, Lagerhaltung 250 m² 152,3 m² -
Einzelhandel 150 m² - -
Kfz-Handel 250 m² 176,7 m² -
Forschung, Entwicklung, Medien 150 m² - 23,0 m²
Wirtschaftsnahe Dienstleistungen 100 m² - 21,6 m²
Sonstige Dienstleistungen 50 m² - 31,7 m²
*Angaben beruhen auf realen Ansiedlungsfällen in der Stadt Münster (Quelle: Erhebung der WFM)
** Als Gewerbeflächen werden sämtliche Flächen verstanden die über eine Ausweisung als GI- oder GE-Flächen verfügen. Sämtliche andere Flächen fallen in die Kategorie
der sonstigen Flächen (z.B. Flächen in Mischgebieten).
*** für sonstige Flächen liegen ausschließlich Informationen auf Basis der Erhebung der Wirtschaftsförderung Münster vor
Bei den anderen Angaben wurde auf die allgemein verwendeten Flächenkennziffern nach TBS-GIFPRO zurückgegriffen.
Quellen u.a.: Wagner-Endres et al. 2020: 74
Stadt Bielefeld (Hrsg.) 2016: 12
Acocella/ Kahnert/ Helbig 2015: 73
Vallée 2013: 325
Grabow et al. 2010: 47
50
Die im Rahmen der Methodik zur Arbeitsstättenbedarfsprognose
vorgestellten Annahmen und Parameter zu den flächenrelevanten
Beschäftigten, der Zuordnung zu den Standorttypen sowie die
verwendeten Flächenkennziffern werden über den gesamten
Prognosezeitraum hinweg konstant gehalten. Gleichwohl können
technologische Entwicklungen sowie veränderte Rahmen-
bedingungen Auswirkungen auf diese Größen nach sich ziehen.
Aufgrund der aktuell nicht abschätzbaren und verlässlich
vorhersagbaren Auswirkungen, werden diese Veränderungen zum
aktuellen Zeitpunkt nicht in der Prognose berücksichtigt.
Arbeitsstättenbedarfsprognose nach Standorttypen
Konstante Annahmen über den Prognosezeitraum aufgrund fehlender
Informationen
Methodisches Vorgehen
Arbeitsstättenbedarfsprognose
51
Methodik
Flächenangebot nach Standorttypen
Methodisches Vorgehen
Analyse des Flächenangebots
Abgleich
Branchendifferenzierte
Beschäftigtenprojektion
Branchendifferenzierte
Erwerbstätigenprojektion
Arbeitsstättenbedarfs-
prognose differenziert
nach Standorttypen
Handlungsbedarfe
Analyse des Flächen-
angebots differenziert
nach Standorttypen
Arbeitsstättendeckungs-
prognose
52
Parallel zu den Prognoseschritten erfolgt eine Analyse der
Flächenpotenziale in den infrage kommenden Kategorien in der
Stadt Münster. Hierzu wurden die bestehenden Berichte der Stadt
sowie Angaben auf Internetseiten analysiert. Die hieraus
gewonnenen Ergebnisse wurden seitens der Stadt und Wirtschafts-
förderung Münster verifiziert und ergänzt.
Neben den Angaben zur Größe wurden die Flächen hinsichtlich
ihrer zeitlichen Verfügbarkeit eingeordnet. Hierbei wird zwischen
drei Zeitpunkten unterschieden:
▪ Sofort verfügbar: Hierunter fallen vorhandene Reserveflächen,
die über ein entsprechendes Planungsrecht verfügen und
erschlossen sind. Da diese sowohl im Besitz der öffentlichen
Hand als auch von privaten Eigentümern sind, wird eine
Unterteilung nach dem Besitzverhältnis vorgenommen. Für
die Flächen in städtischem Besitz wird angenommen, dass
diese zu 100 % zur Deckung der Bedarfe zur Verfügung stehen.
Bei privaten Flächen wird ein Abschlag in Höhe von 10 %
gebildet, da die Grundstücke teilweise als Erweiterungsflächen
einzelner Unternehmen dienen und unsicher ist, ob diese die
geplanten Investitionen umsetzen. Folglich gehen nur 90 % der
privaten Flächen in das Flächenangebot ein.
Methode
Analyse des Flächenangebots
Methodisches Vorgehen
Analyse des Flächenangebots
▪ Mittelfristig verfügbar bis 2030: In dieser Kategorie befinden
sich Baugebiete, bei denen angenommen wird, dass eine
Baureife bis zum Jahr 2030 gegeben sein wird. Da diese
Flächen (nahezu) ausschließlich im Besitz der Stadt sind, ist
eine weitere Unterteilung hinsichtlich der Besitzverhältnisse
nicht erforderlich. Die Flächen gehen zu 100% ins dargestellte
Flächenangebot ein.
▪ Langfristig verfügbar bis 2038: Hierbei handelt es sich fast
ausschließlich um private Flächen, die bereits planerisch im
Flächennutzungsplan gesichert sind. Bei diesen Flächen ist
jedoch nicht davon auszugehen, dass mittelfristig eine Baureife
hergestellt werden kann. Ob langfristig eine Entwicklung bis
zum Jahr 2038 möglich ist, ist mit großen Unsicherheiten
behaftet. Aus diesem Grund gehen die Flächen zu 50 % in das
dargestellte Angebot ein.
Anhand dem ggf. vorliegenden Planungsrecht sowie der
siedlungsstrukturellen Lage und Ausstattung wurde eine
Zuordnung der Flächen zu den oben genannten Standorttypen
vorgenommen.
53
Methodik
Arbeitsstättendeckungsprognose
Methodisches Vorgehen
Arbeitsstättendeckungsprognose
Abgleich
Branchendifferenzierte
Beschäftigtenprojektion
Branchendifferenzierte
Erwerbstätigenprojektion
Arbeitsstättenbedarfs-
prognose differenziert
nach Standorttypen
Handlungsbedarfe
Analyse des Flächen-
angebots differenziert
nach Standorttypen
Arbeitsstättendeckungs-
prognose
54
Im Rahmen der Arbeitsstättendeckungsprognose erfolgt ein
Abgleich der prognostizierten Bedarfe mit dem zur Verfügung
stehenden Angebot.
Die Differenz zwischen Bedarf und Angebot skizziert den
Handlungsrahmen hinsichtlich der künftigen Flächenplanungen in
der Stadt Münster. Zu beachten ist, dass die Ergebnisse zwar grobe
Entwicklungstendenzen aufzeigen, jedoch nicht den Anspruch
einer exakten Vorhersage aufweisen können. Beispielsweise können
aufgrund fehlender valider Daten keine verlässlichen Aussagen zur
Wiedernutzung von freigewordenen Flächen eingepreist werden. So
können freiwerdende Gewerbeflächen oder bestehende Brach-
flächen künftig für gewerbliche Nutzungen durch andere Betriebe
oder auch andere Nutzungsarten, wie beispielsweise die Wohn-
nutzung, verwendet werden. Gleichwohl zeigen die Erfahrungen der
vergangenen Jahre, dass freiwerdende Flächen in der Regel sehr
zeitnah einer neuen Nutzung zugeführt werden und in der Stadt
Münster kaum ungenutzte Flächenpotenziale vorhanden sind.
Arbeitsstättendeckungsprognose
Abgleich von Angebot und Bedarf
Methodisches Vorgehen
Arbeitsstättendeckungsprognose
55
Sowohl bei der Prognose der Flächenbedarfe als auch bei der
Angebotsanalyse werden die Nettoflächen betrachtet. Dies
bedeutet, dass Verkehrsflächen, Grünflächen oder Flächen für
sonstige Nutzungen nicht einberechnet sind. Gemäß des GIFPRO-
Modells wären die Nettoflächen durchschnittlich um einen
Aufschlag von circa 25 % für Erschließungsflächen zu erweitern (vgl.
u.a. Stadt Bielefeld (Hrsg.) 2016: 12; Acocella et al. 2015: 74)
Darüber hinaus ist zu beachten, dass sämtliche Flächenangaben in
der für die Nutzungsart üblichen Größenangabe gemacht
werden.
Für den Standorttyp emissionsintensives und emissionsarmes
Gewerbe bedeutet dies eine Angabe in ha, welche sich auf die
jeweilige Grundstücksfläche bezieht. Ebenso beziehen sich die
Angaben für den Standorttyp Handel auf die Grundstücksfläche,
werden aber aufgrund ihrer höheren Kleinteiligkeit und der
üblicherweise verwendeten Quadratmeterzahlen in eben dieser
Einheit angegeben. Inwieweit sich der Grundstücksbedarf durch
eine mögliche „Stapelung“ reduzieren könnte, ist von den
individuellen Gegebenheiten vor Ort abhängig und kann an dieser
Stelle nicht in die Betrachtung einfließen.
Interpretationshinweise zu den Größenangaben
Methodisches Vorgehen
Interpretationshinweise Größenangaben
Beim Standorttyp Büro/Praxis erfolgt die Ausweisung der Bedarfe
als Geschossfläche in Quadratmeter. An solchen Standorten ist
eine mehrgeschossige Bauweise und Bedarfsdeckung die Regel.
Aufgrund sehr unterschiedlicher Gestaltungsmöglichkeiten, die
stark von den lokalen Gegebenheiten und Bauvorschriften
abhängen, lässt sich keine pauschale Aussage zu den benötigten
Grundstücksflächenbedarfen dieses Standorttypen treffen.
Ebenso erfolgt eine Ausweisung der Bedarfe in Quadratmeter für
den Standorttyp „Sonstige“. Auch hier sind die Bedarfe zu großen
Teilen auf Wirtschaftsakteure zurückzuführen, die eine gestapelte
Bedarfsdeckung erlauben (Mehrgeschossigkeit). Ein Beispiel sind
hierbei die Flächenbedarfe aus dem Bereich Gesundheitswesen, die
u.a. in Form von Alten- und Pflegeheimen entstehen. Dies erfordert
ebenfalls eine individuelle Einzelfallbetrachtung.
Aufgrund der unterschiedlichen Bezugsflächen ist eine direkte
Vergleichbarkeit zwischen den Bedarfen der einzelnen
Standorttypen nicht gegeben. Dies ist bei der Interpretation der
Ergebnisse zu beachten.
56
Ergebnisse der einzelnen Analyseschritte
Ergebnisse der einzelnen Analyseschritte
57
Ergebnisse der Erwerbstätigenprojektion
Ergebnisse der einzelnen Analyseschritte
Erwerbstätigenprojektion
Abgleich
Branchendifferenzierte
Beschäftigtenprojektion
Branchendifferenzierte
Erwerbstätigenprojektion
Arbeitsstättenbedarfs-
prognose differenziert
nach Standorttypen
Handlungsbedarfe
Analyse des Flächen-
angebots differenziert
nach Standorttypen
Arbeitsstättendeckungs-
prognose
58
In der Stadt Münster ist aufgrund ihrer Bedeutung als
überregionales Arbeitsmarkt- und Verwaltungszentrum, ihrer
diversifizierten Branchenstruktur und vor allem der Fokussierung auf
Dienstleistungsbereiche sowie ihrer Rolle als bedeutender
Bildungsstandort auch künftig mit einer dynamischen
Wirtschaftsentwicklung zu rechnen. Unter den gesetzten
Annahmen wird sich die Zahl der Erwerbstätigen auch in den
kommenden Jahren in der Stadt Münster weiter erhöhen. Bis 2038
ist von einem Zuwachs um circa 15,7 % bzw. knapp 38.400
Erwerbstätigen bezogen auf die Anzahl der Erwerbstätigen im Jahr
2021 auszugehen. Langfristig wird die Zahl der Erwerbstätigen
sogar die Marke von 300.000 überschreiten. Laut Projektion
werden 2045 knapp 302.000 Menschen in der Stadt Münster
erwerbstätig sein. Dies entspricht einem Zuwachs von gut 23 % bzw.
56.600 Personen.
Ergebnisse der Erwerbstätigenprojektion:
Auch in Zukunft dynamische Wirtschaftsentwicklung
Ergebnisse der einzelnen Analyseschritte
Erwerbstätigenprojektion
Das Wachstum wird sich dabei jedoch nicht gleichmäßig über die
verschiedenen Branchen erstrecken. Zu den großen Wachstums-
treibern in der Stadt Münster mit Zuwachsraten von über 30 %
zählen in den kommenden Jahren:
▪ die Freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen
Dienstleistungen: In dieser Branche sind Personen mit
höheren Qualifikationen und akademischen Abschlüssen
überproportional vertreten. Aufgrund der Bedeutung Münsters
als überregional bedeutender Universitäts- und Hochschul-
standort profitiert die Branche in besonderer Weise von den
regionalen Strukturen, beispielsweise durch Universitäts-
ausgründungen. Zudem fällt der Anteil der wissensbasierten
Ökonomie, zu der auch die freiberuflichen, wissenschaftlichen
und technischen Dienstleistungen zählen, traditionell in
Oberzentren höher aus als in ländlich strukturierten Räumen.
59
▪ die Informations- und Kommunikationsbranche: Sie
profitiert in besonderem Maße von der weiter
voranschreitenden Digitalisierung. Gleichzeitig ist sie ein
wichtiger Impulsgeber für eben diese (vgl. BMWi 2020: 16).
▪ das Gesundheits- und Sozialwesen: Im Zuge der
voranschreitenden Alterung unserer Gesellschaft gewinnt die
Branche zunehmend an Bedeutung. Trotz aller Schwierigkeiten
bei der Gewinnung und Bindung von Fachkräften ist weiterhin
mit einem Beschäftigungszuwachs in der Branche zu rechnen
(vgl. DIHK 2022: 10). Gleichzeitig bildet die Stadt Münster mit
der ansässigen Universitätsmedizin einen überregional
bedeutenden Versorgungsstandort und Kristallisationskern.
Ergebnisse der Erwerbstätigenprojektion:
Auch in Zukunft dynamische Wirtschaftsentwicklung
Ergebnisse der einzelnen Analyseschritte
Erwerbstätigenprojektion
▪ der Bereich Wasserversorgung, Abwasser-, Abfall-
entsorgung, Beseitigung von Umweltverschmutzungen: In
Zeiten des Klimawandels und erhöhten Anforderungen an den
Umweltschutz findet die Branche immer mehr Beachtung und
trägt durch Innovationen und neue Technologien zu einem
nachhaltigen Umgang mit den Ressourcen bei (vgl. BMZ 2023).
60
Hingegen werden die Branchen Land- und Forstwirtschaft,
Gastgewerbe und Verarbeitendes Gewerbe weit unterdurch-
schnittliche Wachstumsraten verbuchen. In diesen Branchen ist
lediglich von einem Zuwachs von bis zu 10 % auszugehen. Bei den
sonstigen Wirtschaftlichen Dienstleistungen zu denen unter
anderem Mietwagenagenturen, Reisebüros, Wach- und Sicherheits-
dienste oder Gebäudeservices gehören, ist sogar nur mit einer
gleichbleibenden Zahl von Erwerbstätigen zu rechnen.
Zu beachten ist an dieser Stelle, dass die Projektion die Anzahl der
Erwerbstätigen in Personen widerspiegelt und keine Aussagen
zum Arbeitsumfang trifft. Vor dem Hintergrund der Entwicklungen
in den vergangenen Jahren (vgl. Kapitel „Rahmenbedingungen“) ist
jedoch anzunehmen, dass ein nicht unerheblicher Anteil der
Erwerbstätigen auch weiterhin in Teilzeit tätig sein wird.
Zudem ist zu berücksichtigen, dass trotz der weiteren Zunahme der
Personen im erwerbsfähigen Alter in der Stadt Münster ein
Beschäftigungsaufbau in dem prognostizierten Umfang nur
Ergebnisse der Erwerbstätigenprojektion:
Wachstum nur unter bestimmten Voraussetzungen möglich
Ergebnisse der einzelnen Analyseschritte
Erwerbstätigenprojektion
durch die weitere Aktivierung zusätzlicher Arbeitskräfte
möglich sein wird. In diesem Zusammenhang sind unter anderem
die weitere Steigerung der Erwerbsbeteiligung von Frauen, die
Verlängerung des Erwerbslebens bzw. die Reaktivierung von
Ruheständlern (Silverworker) sowie auch eine gezielte Anwerbung
von Fachkräften aus dem Ausland zu nennen.
Innovationen haben maßgeblichen Einfluss auf die Zahl der
benötigten Arbeitskräfte, die notwenigen Flächenbedarfe und die
Branchenentwicklung im Allgemeinen. In der Vergangenheit führten
fundamentale Basisinnovationen zu erheblichen wirtschaftlichen
Veränderungen (vgl. Liefner/Schätzl 2012: 109ff). Zuletzt hat die
vierte industrielle Revolution (Industrie 4.0) mit der breiten
Etablierung cyberphysischer Systeme sowie dem Internet der Dinge
Änderungen mit Produktionsprozess angestoßen. Zukünftige
Entwicklungen werden, sofern vorhersagbar, in Form der BMAS-
Prognose berücksichtigt.
61
Im Vergleich zu vielen anderen Erwerbstätigenprognosen auf
Bundes- oder Landesebene fällt die Projektion für die Stadt Münster
deutlich positiver aus (vgl. Schneemann/ Zika 2022: 59f). Hierfür
zeigen sich verschiedene Entwicklungen verantwortlich:
1) Die regionale Branchenstruktur begünstigt einen
Beschäftigungsaufbau im Zuge des technischen Fortschritts
und der Digitalisierung: Der technische Fortschritt und die
Digitalisierung sorgt in vielen Branchen für einen Rückgang der
benötigten Arbeitsplätze. Gleichzeitig wird an anderer Stelle
aber auch Beschäftigung aufgebaut. Von einem Beschäftigungs-
rückgang sind insbesondere das Verarbeitende Gewerbe oder
auch die Logistikbranche betroffen. Ein umfassender Beschäf-
tigungsaufbau findet hingegen in Teilen in den Branchen
Information und Kommunikation, Finanz- und Versicherungs-
dienstleistungen sowie Erziehung und Unterricht statt (vgl. Zika
et al. 2018: 3ff). Zwar wird es in Teilbereichen dieser Branchen
ebenfalls einen Beschäftigungsabbau, beispielsweise in der
Finanzwirtschaft durch die Schließung von Filialstandorten
geben, gleichzeitig gewinnen die Risikoanalyse und das Geo-
marketing aber an Bedeutung. Die regionale Branchenstruktur
Ergebnisse der Erwerbstätigenprojektion:
Gründe der positiven Entwicklung
Ergebnisse der einzelnen Analyseschritte
Erwerbstätigenprojektion
der Stadt Münster als überregional bedeutender
Dienstleistungs- und Verwaltungsstandort profitiert folglich in
besonderem Maße vom technischen Fortschritt. Branchen in
denen die Digitalisierung zu einem Arbeitsplatzabbau führen
könnte, weisen innerhalb der Wirtschaftsstruktur der Stadt
Münster hingegen eine vergleichsweise geringe Bedeutung auf
(vgl. Seite 14).
2) Der demographische Wandel stärkt die bedeutende
Gesundheitswirtschaft der Stadt: Im Zuge der Alterung der
Gesellschaft wird der Bedarf an medizinischem Fachpersonal
weiter ansteigen. Münster mit seiner Universitätsmedizin zählt
bereits heute zu einem überregional bedeutenden Medizin-
standort. Aufgrund der bestehenden Grenzen des Tech-
nisierungsgrades im Gesundheitswesen und der deutlich
steigenden Nachfrage, wird der Personalbedarf in diesem
Segment weiter zunehmen. Zudem zeigen Befragungen zum
Seniorenwohnen, dass sich Menschen im Alter mit ihrem
Wohnsitz stark an guten Versorgungsstrukturen orientieren, die
62
sie vorwiegend in Städten vorfinden (vgl. Hoffmann et al. 2021:
91f). Folglich könnte die Stadt Münster in besonderer Weise
profitieren, wenn die entsprechenden Angebote auf dem
Wohnungsmarkt vorhanden sind.
3) Die Entwicklung des Erwerbspersonenpotenzials in der Stadt
begünstig den Beschäftigungsaufbau: Ein wesentlicher
Engpassfaktor für den Arbeitsmarkt ist das Erwerbspersonen-
potenzial. Dieses wird bundesweit trotz starker Zuwanderung
rückläufig sein, weil die geburtenstarken Jahrgänge ins
Rentenalter wechseln. Allerdings wird es regional sehr starke
Unterschiede geben. Binnenwanderungen können zu unter-
schiedlichen Verläufen der Erwerbsbevölkerung führen, die sich
letztlich auch in der Erwerbstätigenprojektion zeigen. Für die
Stadt Münster zeigt die Bevölkerungsprognose von InWIS aus
dem Jahr 2023 eine vergleichsweise günstige Entwicklung für die
Erwerbsbevölkerung auf, die sich entsprechend in der
Erwerbstätigenprojektion niederschlägt und im Gegensatz zu
vielen anderen Regionen in der Stadt Münster nicht zu einer
Dämpfung der Entwicklung innerhalb des Betrachtungs-
zeitraums führt.
Ergebnisse der Erwerbstätigenprojektion:
Gründe der positiven Entwicklung
Ergebnisse der einzelnen Analyseschritte
Erwerbstätigenprojektion
4) Wirtschaftsentwicklung in Münster in der Vergangenheit
sehr robust gegenüber Krisen: Prognosen sind immer mit
Unsicherheiten behaftet. Dies gilt vor allem für Arbeitsmarkt-
prognosen, weil Arbeitsplätze meist schneller auf- und abgebaut
werden können als Personen umziehen/wandern. Dennoch
haben die letzten 15 Jahre für Münster gezeigt, dass der
Arbeitsmarkt extrem stabil und wachsend war (vgl. Seite 13).
Neueste Zahlen belegen, dass auch die Corona-Pandemie anders
als auf Bundesebene zu keinem kurzfristigen Einbruch geführt
hat. Darüber hinaus hat der Arbeitsmarkt sich trotz steigender
Inflation, Krieg in der Ukraine und beeinträchtigten globalen
Handelsketten als sehr robust gezeigt. Daher besteht zum
Zeitpunkt der Erstellung der Erwerbstätigenprojektion kein
Anlass, die über lange und kurze Zeiträume empirisch ermittelten
Trends der Beschäftigungsentwicklung abzuschwächen.
63
Ergebnisse der einzelnen Analyseschritte
Erwerbstätigenprojektion
Entwicklung der Erwerbstätigen nach Branchen
Quelle: Erwerbstätigenprojektion der CIMA, eigene Berechnung und Darstellung
0
50.000
100.000
150.000
200.000
250.000
300.000
350.000 S Sonstige Dienstleistungen
R Kunst, Unterhaltung und Erholung
Q Gesundheits- und Sozialwesen
P Erziehung und Unterricht
O Öffentliche Verwaltung, Verteidigung; Sozialversicherung
N Sonstige wirtschaftliche Dienstleistungen
M Freiberufliche, wissenschaftliche und technische
Dienstleistungen
L Grundstücks- und Wohnungswesen
K Finanz- und Versicherungsdienstleistungen
J Information und Kommunikation
I Gastgewerbe
H Verkehr und Lagerei
G Handel; Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen
F Baugewerbe
E Wasserversorgung; Abwasser-, Abfallentsorgung, Beseitigung v.
Umweltverschmutzungen
D Energieversorgung
C Verarbeitendes Gewerbe
A Land- und Forstwirtschaft, Fischerei
64
Ergebnisse der einzelnen Analyseschritte
Erwerbstätigenprojektion
Entwicklung der Erwerbstätigen nach Branchen
Quelle: Erwerbstätigenprojektion der CIMA, eigene Berechnung und Darstellung
40
60
80
100
120
140
160 M Freiberufliche, wissenschaftliche und technische
Dienstleistungen
J Information und Kommunikation
Q Gesundheits- und Sozialwesen
E Wasserversorgung; Abwasser-, Abfallentsorgung,
Beseitigung v. Umweltverschmutzungen
H Verkehr und Lagerei
P Erziehung und Unterricht
F Baugewerbe
K Finanz- und Versicherungsdienstleistungen
R Kunst, Unterhaltung und Erholung
L Grundstücks- und Wohnungswesen
D Energieversorgung
S Sonstige Dienstleistungen
O Öffentliche Verwaltung, Verteidigung; Sozialversicherung
G Handel; Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen
A Land- und Forstwirtschaft, Fischerei
I Gastgewerbe
C Verarbeitendes Gewerbe
N Sonstige wirtschaftliche Dienstleistungen
65
Ergebnisse der einzelnen Analyseschritte
Erwerbstätigenprojektion
Entwicklung der Erwerbstätigen nach Branchen zu ausgewählten
Zeitpunkten
Quelle: Erwerbstätigenprojektion der CIMA, eigene Berechnung und Darstellung
Branche 2007-2021 2021-2038 2021-2045
abs. in % abs. in % abs. in %
Insgesamt* 52.148 27,0 38.443 15,7 56.633 23,1
A Land- und Forstwirtschaft 205 27,6 77 8,2 105 11,1
B Bergbau - - - - - -
C Verarbeitendes Gewerbe 898 7,2 770 5,8 1.096 8,2
D Energieversorgung 27 1,5 208 11,7 295 16,6
E Wasserversorgung; Abwasser-,
Abfallentsorgung, Beseitigung v.
Umweltverschmutzungen 387 69,1 203 21,5 287 30,4
F Baugewerbe 879 15,2 1.056 15,8 1.540 23,1
* Die Summe der dargestellten Branchen ergibt nicht die dargestellten Ergebnisse für „Insgesamt“, da sehr kleine Wirtschaftsa bschnitte wie T (Private Haushalte) und U
(Exterritoriale Organisationen und Körperschaften) aufgrund ihrer marginalen Bedeutung nicht abgebildet wurden. Diese Abschni tte weisen zudem in den hier dargestellten
Zeiträumen eine negative Entwicklung auf.
66
Ergebnisse der einzelnen Analyseschritte
Erwerbstätigenprojektion
Entwicklung der Erwerbstätigen nach Branchen zu ausgewählten
Zeitpunkten
Quelle: Erwerbstätigenprojektion der CIMA, eigene Berechnung und Darstellung
Branche 2007-2021 2021-2038 2021-2045
abs. in % abs. in % abs. in %
G Handel; Instandhaltung und Reparatur von
Kraftfahrzeugen 4.038 14,0 2.610 7,9 4.498 13,6
H Verkehr und Lagerei 1.198 22,6 1.209 18,6 1.775 27,3
I Gastgewerbe 1.050 19,4 423 6,5 561 8,7
J Information und Kommunikation 4.268 35,4 4.237 26,0 6.191 37,9
K Finanz- und Versicherungsdienstleistungen 1.309 9,6 1.860 12,4 2.722 18,2
L Grundstücks- und Wohnungswesen 220 19,0 168 12,2 245 17,8
M Freiberufliche, wissenschaftliche und technische
Dienstleistungen 9.491 103,1 5.593 29,9 7.988 42,7
N Sonstige wirtschaftliche Dienstleistungen -1.501 -9,0 32 0,2 88 0,6
O Öffentliche Verwaltung, Verteidigung;
Sozialversicherung 3.590 17,6 2.124 8,9 3.424 14,3
67
Ergebnisse der einzelnen Analyseschritte
Erwerbstätigenprojektion
Entwicklung der Erwerbstätigen nach Branchen zu ausgewählten
Zeitpunkten
Branche 2007-2021 2021-2038 2021-2045
abs. in % abs. in % abs. in %
P Erziehung und Unterricht 4.920 48,2 2.788 18,4 4.005 26,5
Q Gesundheits- und Sozialwesen 19.248 53,2 13.514 24,4 19.508 35,2
R Kunst, Unterhaltung und Erholung 290 10,8 375 12,6 522 17,6
S Sonstige Dienstleistungen 1.792 18,8 1.265 11,2 1.868 16,5
Quelle: Erwerbstätigenprojektion der CIMA, eigene Berechnung und Darstellung
68
Ergebnisse der Arbeitsstättenbedarfsprognose
Ergebnisse der einzelnen Analyseschritte
Arbeitsstättenbedarfsprognose
Abgleich
Branchendifferenzierte
Beschäftigtenprojektion
Branchendifferenzierte
Erwerbstätigenprojektion
Arbeitsstättenbedarfs-
prognose differenziert
nach Standorttypen
Handlungsbedarfe
Analyse des Flächen-
angebots differenziert
nach Standorttypen
Arbeitsstättendeckungs-
prognose
69
Die Arbeitsstättenbedarfsprognose zeigt, basierend auf der
Entwicklung der Erwerbstätigen in Münster, die zu erwartenden
Flächenbedarfe. Wie bereits erläutert handelt es sich hierbei
ausdrücklich um die Bedarfe und nicht um die tatsächlich realisierte
Nachfrage (vgl. Seite 37). Zu beachten ist zudem, dass es sich nicht
in jedem Fall um die benötigten Grundstücksflächen handelt,
sondern sich die Bedarfe teilweise auch auf mehrgeschossige
Gebäude beziehen können, was die benötigte Grundfläche
entsprechend verringert (vgl. Seite 55). Darüber hinaus beziehen
sich sämtliche Flächenangaben auf die Nettofläche.
Verkehrsflächen, Grünflächen sowie Flächen für sonstige Nutzungen
sind hierin nicht enthalten und mit einem Aufschlag von circa 25 %
in den weiteren Planungen zu berücksichtigen (vgl. Seite 55).
Die mit Abstand größten Bedarfe sind hinsichtlich des Stand-
orttyps „emissionsarmes Gewerbe“ zu erwarten. Bis 2038 werden
knapp 150 ha dieses Typs benötigt. Bis 2045 ist zudem mit einer
weiteren Bedarfssteigerung auf bis zu 215 ha zu rechnen. Ein
Großteil der Bedarfe ist hierbei auf die sich sehr dynamisch
Ergebnisse der Arbeitsstättenbedarfsprognose:
Größte Bedarfe beim Standorttyp „emissionsarmes Gewerbe
Ergebnisse der einzelnen Analyseschritte
Arbeitsstättenbedarfsprognose
entwickelnden Branchen des Informations- und Kommunikations-
wesens sowie auch die freiberuflichen, wissenschaftlichen und
technischen Dienstleistungen zurückzuführen.
Der zweithöchste Bedarf entfällt auf den Standorttyp
„Büro/Praxis“. Sowohl die öffentliche Verwaltung als auch die
Hochschulen bilden einen großen Nachfrager auf dem Büromarkt.
Bis 2038 wird sich der Bedarf um knapp 868.000 m² erhöhen und
bis 2045 sogar auf 1.262.000 m² ansteigen. Verantwortlich sind
hierbei insbesondere die dynamischen Entwicklungen im
Gesundheits-wesen, den Finanz- und Versicherungsdienstleistungen
sowie in den Bereichen Erziehung und Unterricht und freiberufliche,
wissenschaftliche und technische Dienstleistungen, die unmittelbar
mit der Universität Münster verknüpft sind. Zu beachten ist, dass es
sich hierbei nicht um Flächenbedarfe im Sinne der
Stadtentwicklungsplanung handelt, sondern an dieser Stelle eine
Umrechnung in Quadratmeter und entsprechende Geschossflächen
erforderlich ist, da Bürogebäude in der Regel über mehrere
Stockwerke verfügen.
70
Der Standorttyp „Handel“ weist hingegen die geringsten
Flächenbedarfe auf. Bis 2045 wird der Bedarf auf rund 285.000 m²
geschätzt. Zurückzuführen sind die Bedarfe insbesondere auf den
Handel, die Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen
sowie das Gastgewerbe (Abschnitte G und I). Beide Branchen weisen
eine vergleichsweise moderate Entwicklung auf. Zudem unterliegt
der Handel der Annahme, dass ein Großteil des
Beschäftigungsaufbaus im Zuge der Verbesserung der Service-
qualität erfolgt (vgl. Seite 45).
Beim Standorttyp „emissionsintensives Gewerbe“ ist von einem
Bedarf in Höhe von 57,2 ha bis 2045 auszugehen. Einen
maßgeblichen Anteil hieran haben Teile des Verarbeitenden
Gewerbes (Abschnitt C) sowie der Bereich Verkehr und Logistik.
Während das Verarbeitende Gewerbe eine vergleichsweise
moderate Entwicklung erfahren wird, ist im Bereich Verkehr und
Logistik mit einem deutlich stärkeren Beschäftigungswachstum zu
Ergebnisse der Arbeitsstättenbedarfsprognose:
geringste Bedarfe im Handel
Ergebnisse der einzelnen Analyseschritte
Arbeitsstättenbedarfsprognose
rechnen. Aufgrund der vergleichsweise kleinen Zahlen in der Stadt
Münster, fallen jedoch auch die hierdurch ausgelösten
Flächenbedarfe entsprechend klein aus.
Der Standorttyp „Sonstige“ weist wie bereits beschrieben eine große
Spannweite unterschiedlicher Unternehmen und Branchen auf (vgl.
Seite 38). Dies erschwert die Interpretation der ermittelten
Angaben, da diese je nach konkretem Tätigkeitsbereich des
Unternehmens unterschiedlich gut für eine Stapelung geeignet sind.
Ein Großteil der zu erwartenden Flächenbedarfe in Höhe von
355.000 m² ist auf das Gesundheitswesen und hier insbesondere
auf den Beschäftigungs-aufbau zur Unterstützung und Begleitung
von Senioren und Pflegebedürftige zurückzuführen. Hintergrund
dieser Entwicklung ist der demographische Wandel, der zu einer
zunehmenden Alterung unserer Gesellschaft führt.
*Für die Brutto-Grundstücksfläche ist ein Aufschlag von circa 25 % in
Ansatz zu bringen (vgl. Seite 55) 71
Ergebnisse der einzelnen Analyseschritte
Arbeitsstättenbedarfsprognose
Flächenbedarfe der einzelnen Standorttypen
Quelle: Flächenbedarfsprognose der CIMA IfR
Emissionsarmes Gewerbe
(Angaben in ha Netto-Grundstücksfläche*)
Bis 2038 Bis 2045 insgesamt
148,9 ha 66,5 ha 215,4 ha
Emissionsintensives Gewerbe
(Angaben in ha Netto-Grundstücksfläche*)
Bis 2038 Bis 2045 insgesamt
39,7 ha 17,5 ha 57,2 ha
Büro/ Praxis
(Angaben in m² Geschossfläche)
Bis 2038 Bis 2045 insgesamt
867.922 m² 394.170 m² 1.262.092 m²
Handel
(Angaben in m² Netto-Grundstücksfläche*)
Bis 2038 Bis 2045 insgesamt
195.096 m² 90.338 m² 285.434 m²
Sonstiges
(Angaben in m² Geschossfläche)
Bis 2038 Bis 2045 insgesamt
244.026 m² 110.574 m² 354.600 m²
72
Ergebnisse der Angebotsanalyse
Ergebnisse der einzelnen Analyseschritte
Angebotsanalyse
Abgleich
Branchendifferenzierte
Beschäftigtenprojektion
Branchendifferenzierte
Erwerbstätigenprojektion
Arbeitsstättenbedarfs-
prognose differenziert
nach Standorttypen
Handlungsbedarfe
Analyse des Flächen-
angebots differenziert
nach Standorttypen
Arbeitsstättendeckungs-
prognose
73
Bei der Analyse der Angebotsflächen ist zu beachten, dass die
einzelnen Standorttypen aufgrund der unterschiedlichen Anfor-
derungen der Unternehmen grundsätzlich nicht untereinander
substituierbar sind. Gleichwohl bestehen bei einigen Flächen
gewisse planerische Spielräume.
Dies betrifft beispielsweise den Standorttyp „emissionsintensives
Gewerbe“. Aufgrund der hohen zulässigen Emissionswerte bietet
dieser Standorttyp vielfältige Möglichkeiten für die Unternehmen.
Auch Unternehmen mit geringeren Emissionswerten, die beispiels-
weise eher dem emissionsarmen Gewerbe zugeordnet werden,
können sich hier theoretisch ansiedeln. In der Realität sind diese
Flächen aber selten attraktiv für emissionsarme Unternehmen und
stellen daher eher eine „zweite Wahl“ dar.
Bei den Flächen des Standorttyps „emissionsarmes Gewerbe“ ist
es in der Regel auch zulässig Bürogebäude zu errichten.
Hierdurch können an entsprechenden Standorten teilweise auch die
Bedarfe des Büromarktes mit abgedeckt werden. Zudem ist häufig
auch der Annexhandel zugelassen.
Ergebnisse der Angebotsanalyse
Interpretationshinweise
Ergebnisse der einzelnen Analyseschritte
Angebotsanalyse
Beim Standorttyp „Handel“ ist zu bedenken, dass die Stadt
Münster keine allgemeine Angebots- und Vorratsplanung für nicht-
zentrenrelevante Handelsbetriebe betreibt, sondern Standort- und
projektbezogene Planung auf Basis des Einzelhandelskonzepts. Bei
dem hier ausgewiesenen Flächenangebot handelt es sich in der
Regel um GE-Flächen, auf denen der Handel explizit zugelassen ist.
Gleichzeitig sind andere Nutzungsarten, die in GE-Gebieten erlaubt
sind, nicht ausgeschlossen. Folglich können auf den Handelsflächen
bei entsprechendem unternehmerischem Interesse auch die
Bedarfe des emissionsarmen Gewerbes mit gedeckt werden.
Zudem ist zu beachten, dass es sich bei den Angaben zu den
unbebauten Flächen um Nettoflächen handelt (analog zu den
anderen Standorttypen).
Darüber hinaus ist die Verfügbarkeit der Flächen mit gewissen
Unsicherheiten behaftet. Sowohl die Besitzverhältnisse als auch die
zeitlichen Perspektiven können sich negativ auf die tatsächliche
Verfügbarkeit der Flächen auswirken (vgl. Seite 52).
74
Die größten Potenziale bestehen hinsichtlich des Standorttyps
„emissionsarmes Gewerbe“ mit insgesamt 87,6 ha. Hiervon sind
gut 50 ha sofort verfügbar und mit entsprechendem Planungsrecht
ausgestattet. Im Besitz der Stadt Münster befinden sich rund 30 ha,
die in Form baureifer Grundstücke, die teilweise allerdings bereits
einzelnen Unternehmen fest zugeordnet, optioniert oder sogar
verkauf worden sind (sofern der Eigentumsübergang noch nicht
stattgefunden hat). Mit Ihnen können kurzfristige Anfragen bedient
werden.
Der Standorttyp „emissionsintensives Gewerbe“ weist insgesamt ein
Flächenpotenzial von knapp 60 ha auf. Circa zwei Drittel dieser
Potenziale sind sofort verfügbar. Hiervon liegen allerdings nur rund
20 ha im Besitz der Stadt.
Ergebnisse der Angebotsanalyse
Größte Potenziale beim Standorttyp „emissionsarmes Gewerbe“
Ergebnisse der einzelnen Analyseschritte
Angebotsanalyse
Auf den Standorttyp „Büro/Praxis“ entfallen gut 480.000 m²
Geschossfläche (vgl. WMF 2022: 9ff). Allerdings ist die sofort
verfügbare Fläche mit gerade einmal gut 10 % vergleichsweise
gering. Rund 51.000 m² Bürofläche stehen derzeit zur Verfügung.
Darüber hinaus gibt es konkrete Projektplanungen mit einer
Größenordnung von 328.000 m², die voraussichtlich bis 2030
realisiert werden. Weitere Projekte mit einer Größenordnung von
107.000 m² könnten bis 2038 umgesetzt werden (vgl. WMF 2022: 19
sowie ergänzende Zulieferungen der Stadt Münster). Allerdings ist
hierbei zu berücksichtigen, dass im Büromarkt keine Abschläge
aufgrund unsicherer Realisierungen vorgenommen wurden.
75
Für den Standorttyp „Handel“ konnte insgesamt ein
Flächenpotenzial von 41.000 m² identifiziert werden. Diese Flächen
stehen alle sofort zur Verfügung, befinden sich jedoch
ausschließlich in privatem Besitz. Hierbei ist die Nettofläche analog
zu den anderen Standorttypen erfasst worden. Da in der Stadt
Münster die Handelsflächenentwicklung anlass- und projekt-
bezogen vorgenommen wird, bestehen keine mittel- und
langfristigen Flächenangebote für diesen Standorttyp.
Ergebnisse der Angebotsanalyse
Anlass- und projektbezogene Planung bei den
Standorttypen „Handel“ und „Sonstige“
Ergebnisse der einzelnen Analyseschritte
Angebotsanalyse
Für den Standorttyp „Sonstige“ konnten in der Stadt Münster
keine expliziten Flächen zugeordnet werden. Dies ist allerdings auf
die große Spannweite innerhalb dieses Standorttyps zurückzu-
führen. Wie oben beschrieben, kann dieser Standorttyp sowohl stark
emittierende Unternehmen, die eine Lage abseits von
Siedlungskernen erfordert, als auch beispielsweise Heimstandorte,
die in unmittelbarer Nachbarschaft bzw. innerhalb von Wohn-
siedlungen integriert werden können, umfassten (vgl. Seite 44). Vor
diesem Hintergrund ist eine anlass- und projektbezogene
Standortentwicklung erforderlich und keine mittel- bis langfristige
Planung.
76
Ergebnisse der einzelnen Analyseschritte
Angebotsanalyse
Potentialflächen in der Stadt Münster nach Standorttyp*
*Ohne die Flächen der geplanten urbanen Stadtquartiere an der Steinfurter Straße und Kanalkante Südost, für die die Stadt Münster derzeit
vorbereitende Untersuchungen dahingehend vornimmt, ob eine städtebauliche Entwicklungsmaßnahme nach § 165 BauGB in Betracht kommen kann.
Quelle: Zulieferung der Stadt Münster und der Wirtschaftsförderung Münster (WfM),
WFM (Hrsg.) (2022) : Büromarktstudie 2022 der Wirtschaftsförderung Münster,
Zusammenstellung der CIMA IfR
Emissionsarmes Gewerbe
(Angaben in ha Netto-Grundstücksfläche*)
Sofort verfügbar Mittelfristig verfügbar
(bis 2030)
Langfristig verfügbar
(bis 2038)
Insgesamt
städtischer Besitz Privater Besitz
30,5 ha 22,2 ha 15,4 ha 19,6 ha 87,6 ha
Emissionsintensives Gewerbe
(Angaben in ha Netto-Grundstücksfläche*)
Sofort verfügbar Mittelfristig verfügbar
(bis 2030)
Langfristig verfügbar
(bis 2038)
Insgesamt
städtischer Besitz Privater Besitz
20,9 ha 17,5 ha 9,4 ha 11,8 ha 59,5 ha
77
Ergebnisse der einzelnen Analyseschritte
Angebotsanalyse
Potentialflächen in der Stadt Münster nach Standorttyp*
*Ohne die Flächen der geplanten urbanen Stadtquartiere an der Steinfurter Straße und Kanalkante Südost, für die die Stadt Münster derzeit
vorbereitende Untersuchungen dahingehend vornimmt, ob eine städtebauliche Entwicklungsmaßnahme nach § 165 BauGB in Betracht kommen kann.
Quelle: Zulieferung der Stadt Münster und der Wirtschaftsförderung Münster (WfM),
WFM (Hrsg.) (2022) : Büromarktstudie 2022 der Wirtschaftsförderung Münster,
Zusammenstellung der CIMA IfR
Handel*
(Angaben in m² Netto-Grundstücksfläche*)
Sofort verfügbar Mittelfristig verfügbar
(bis 2030)
Langfristig verfügbar
(bis 2038)
Insgesamt
städtischer Besitz Privater Besitz
41.000 m² - - 41.000 m²
Sonstige
(Angaben in m² Geschossfläche)
Sofort verfügbar Mittelfristig verfügbar
(bis 2030)
Langfristig verfügbar
(bis 2038)
Insgesamt
städtischer Besitz Privater Besitz
- - - - -
Büro/ Praxis
(Angaben in m² Geschossfläche)
Sofort verfügbar Mittelfristig verfügbar
(bis 2030)
Langfristig verfügbar
(bis 2038)
Insgesamt
51.000 m² 328.000 m² 107.000 m² 486.000 m²
78
Ergebnisse der Arbeitsstättendeckungsprognose
Ergebnisse der einzelnen Analyseschritte
Arbeitsstättendeckungsprognose
Abgleich
Branchendifferenzierte
Beschäftigtenprojektion
Branchendifferenzierte
Erwerbstätigenprojektion
Arbeitsstättenbedarfs-
prognose differenziert
nach Standorttypen
Handlungsbedarfe
Analyse des Flächen-
angebots differenziert
nach Standorttypen
Arbeitsstättendeckungs-
prognose
79
Im Rahmen der Arbeitsstättendeckungsprognose werden
nachfolgend die Ergebnisse der Bedarfsermittlung und der
Angebotsanalyse gegenübergestellt, um mögliche Handlungs-
bedarfe im Hinblick auf die künftige Stadtentwicklung sowie
insbesondere die Flächenplanung zu identifizieren.
Wie bereits an anderer Stelle beschrieben, können im Rahmen der
Gegenüberstellung Handlungskorridore aufgezeigt werden. Es
besteht jedoch nicht der Anspruch exakter quantifizierbarer
Vorhersagen zu benötigten Flächenbedarfen (vgl. Seite 37).
Nachfolgend werden die Ergebnisse separat für die einzelnen
Standorttypen dargestellt und interpretiert.
Ergebnisse der Arbeitsstättendeckungsprognose
Aufzeigen möglicher Handlungskorridore
Ergebnisse der einzelnen Analyseschritte
Arbeitsstättendeckungsprognose
148,9
66,5
30,5
22,2
15,4
19,6
0
50
100
150
200
250
Bedarf Angebot
Emissionsarmes Gewerbe
langfristig bis 2038
mittelfristig bis 2030
privat sofort
städtisch sofort
Bedarf bis 2045
Bedarf bis 2038
80
Der Bedarf an Flächen des Standorttyps „emissionsarmes
Gewerbe“ übersteigt das Angebot deutlich. Selbst bis 2038
reichen die aktuell bestehenden und geplanten Flächen nicht aus,
um die Bedarfe zu decken. Zudem ist zu berücksichtigen, dass die
Verfügbarkeit der privaten Flächen sowie der sich derzeit noch im
Planungsprozess befindenden Flächen mit Unsicherheiten behaftet
sind. Durch diese könnte sich das Flächenangebot auch weiter
verringern und die Lücke zwischen Bedarf und Angebot zunehmen.
Mischgebiete und Kerngebiete, die im Rahmen der
Angebotsanalyse nicht berücksichtigt wurden und grundsätzlich
kombinierte Nutzungsformen zulassen, können ggf. einen Teil
des Bedarfs aufnehmen und in gewissem Umfang zur
Bedarfsdeckung beitragen. Gleichzeitig erlauben Flächen des
Standorttyps „emissionsarmes Gewerbe“ die Ansiedlung von
Bürogebäuden und können folglich in Teilen zur Deckung
entsprechender Büroflächenbedarfe beitragen. Während die
Bedarfsdeckung in Kern- und Mischgebieten den Bedarf im
„emissionsarmen Gewerbe“ reduziert, erhöht der Bedarf auf dem
Büromarkt die potenzielle Nachfrage nach entsprechenden
Flächen. Grundsätzlich ist beim Standorttyp „emissionsarmes
Gewerbe“, soweit der Bebauungsplan es zulässt, eine Stapelung
durch mehrgeschossige Gebäude möglich, allerdings ist dies in der
Praxis eher selten.
Um den Unternehmen günstige Rahmenbedingungen für Um- und
Ansiedlungen sowie Erweiterungen bieten zu können, sind weitere
Flächenentwicklungen dieses Standorttyps unerlässlich.
Ergebnisse der einzelnen Analyseschritte
Arbeitsstättendeckungsprognose
Emissionsarmes Gewerbe: weitere
Flächen dringend benötigt
Flächenbedarf und -Angebot beim Standorttyp „Emissionsarmes Gewerbe“,
Angaben in ha
Quelle: Arbeitsstättendeckungsprognose für die Stadt Münster der CIMA IfR
39,7
17,5
20,9
17,5
9,4
11,8
0
50
100
150
200
250
Bedarf Angebot
Emissionsintensives Gewerbe
langfristig bis 2038
mittelfristig bis 2030
privat sofort
städtisch sofort
Bedarf bis 2045
Bedarf bis 2038
81
Die Bedarfe im „emissionsintensiven Gewerbe“ fallen deutlich
geringer aus, als im emissionsarmen Gewerbe. Mit den derzeit
verfügbaren sowie geplanten Flächen, lassen sich die zu
erwartenden Flächenbedarfe bis zum Jahr 2045 decken. Die
Bedarfe bis zum Jahr 2038 können sogar vollumfänglich durch die
sofort verfügbaren Flächenpotenziale befriedigt werden.
Auch wenn hinsichtlich der privaten Flächen gewisse
Unsicherheiten in Bezug auf die tatsächliche Nutzung oder
Verfügbarkeit bestehen, zeigt sich die Stadt Münster aus der
quantitativen Perspektive beim Standorttyp „emissionsintensives
Gewerbe“ sehr gut aufgestellt. Folglich ist bezüglich dieses
Standorttyps zunächst kein Handlungsbedarf im Sinne einer
weiteren Flächenplanung und -ausweisung erforderlich.
Handlungsbedarfe bezüglich dieses Standorttyps können sich
daher insbesondere aus qualitativen Gesichtspunkten ergeben, die
allerdings nicht Gegenstand dieser Analyse waren. Als Beispiel wäre
hier die Größe zusammenhängender Grundstücksflächen für
entsprechende Großansiedlungen zu nennen.
Folglich werden zur Bedarfsdeckung und dem Erhalt der
Handlungsfähigkeit bei Flächenanfragen langfristig auch die
konkrete Entwicklung von im FNP dargestellten Gewerbeflächen
oder Alternativstandorten erforderlich sein.
Ergebnisse der einzelnen Analyseschritte
Arbeitsstättendeckungsprognose
Emissionsintensiven Gewerbe:
weitere Flächenentwicklung nicht
erforderlich
Flächenbedarf und -Angebot beim Standorttyp „Emissionsintensives Gewerbe“,
Angaben in ha
Quelle: Arbeitsstättendeckungsprognose für die Stadt Münster der CIMA IfR
867.922
394.170
51.200
328.000
107.000
0
500.000
1.000.000
1.500.000
2.000.000
2.500.000
Bedarf Angebot
Büro/ Praxis
langfristig bis 2038
mittelfristig bis 2030
sofort
Bedarf bis 2045
Bedarf bis 2038
82
Die hier ausgewiesenen Flächenbedarfe und Angebote beziehen
sich entgegen der vorherigen Standorttypen nicht auf die
Grundstücksfläche, sondern auf die Geschossfläche. Die
Größenangabe erfolgt daher in Quadratmeter. (vgl. Seite 55).
Die Gegenüberstellung von Angebot und Bedarf zeigt sehr
deutlich, dass die derzeitigen Flächenangebote sowie die mittel-
und langfristigen Planungen nicht ausreichen, um die zu
erwartenden Bedarfe zu decken. Bereits bis 2038 zeigt sich eine
deutliche Lücke von rund 380.000 m² Büro- und Praxisfläche. Bis
2045 wird sich die Lücke aus Angebot und Bedarf auf insgesamt
780.000 m² erhöhen. Diese hohen Differenzen zwischen Bedarf und
Angebot zeigen einen dringenden Handlungsbedarf auf. Nicht
zuletzt vor dem Hintergrund der bestehenden Unsicherheiten bei
den mittel- und langfristigen Flächenverfügbarkeiten.
Grundsätzlich können Büro- und Praxisgebäude aufgrund der von
ihnen ausgehenden geringen Emissionen auf das Umfeld in
integrierten Lagen errichtet werden. Dies bedeutet, dass sich auch
Grundstücke in Kern- und Mischgebieten eignen, um den
Bedarf zu decken. Gleichzeitig können entsprechende Gebäude
grundsätzlich auch auf Flächen des Standorttyps „emissions-
armes Gewerbe“ errichtet werden.
Ergebnisse der einzelnen Analyseschritte
Arbeitsstättendeckungsprognose
Büro/ Praxis: weitere Flächen-
entwicklung erforderlich
Flächenbedarf und -Angebot beim Standorttyp „Büro/ Praxis“, Angaben in m²
Quelle: Arbeitsstättendeckungsprognose für die Stadt Münster der CIMA IfR
195.096
90.338
40.590
0
500.000
1.000.000
1.500.000
2.000.000
2.500.000
Bedarf Angebot
Handel
privat sofort
Bedarf bis 2045
Bedarf bis 2038
195.096
90.338
40.590
0
500.000
1.000.000
1.500.000
2.000.000
2.500.000
Bedarf Angebot
Handel
privat sofort
Bedarf bis 2045
Bedarf bis 2038
83
Beim Standorttyp „Handel“ beziehen sich sämtliche Angaben auf
die Netto-Grundstücksfläche. Da der Handel deutlich kleinteiliger
als Unternehmen in Industrie- und Gewerbegebieten ist, erfolgt an
dieser Stelle die Größenangabe in Quadratmeter.
Die Gegenüberstellung von Angebot und Bedarf zeigt, dass die
Lücke zwischen Angebot und Bedarf deutlich geringer ausfällt als
bei anderen Standorttypen. Zudem wurden bereits seit Jahren
bestehende Flächenpotenziale für den Handel bisher nicht vom
Markt angenommen. Darüber hinaus besteht auf einigen
Gewerbeflächen eine Zulässigkeit für den Annexhandel. Vor dem
Hintergrund der Entwicklungen der vergangenen Jahre sowie den
zu erwartenden Bedarfen erscheint auch in Zukunft eine anlass-
und projektbezogene Flächenentwicklung für Handels-
unternehmen, wie sie bereits seit Jahren in der Stadt Münster
praktiziert wird, sinnvoll.
Zu beachten ist, dass die verwendeten Flächenkennziffern für die
Berechnung der Bedarfe Durchschnittswerte der Branche abbilden
und die unterschiedlichen Handelsakteure durchaus sehr
unterschiedliche Grundstücksflächenbedarfe aufweisen, für die in
der entsprechenden Detailtiefe keine individuellen Angaben
vorliegen. Darüber hinaus erlaubt auch die Erwerbstätigen-
projektion nur grobe Branchenabgrenzungen und damit die
Projektion der Beschäftigtenentwicklung im Handel insgesamt.
Über die konkrete Zusammensetzung bzw. die Anteile der
unterschiedlichen Handelsakteure innerhalb der Branche lassen
sich keine Aussagen treffen. Entsprechend unterliegen die hier
ermittelten Bedarfe den oben genannten Unsicherheiten.
Detailliertere Abschätzungen können nur im Rahmen eines
Einzelhandelskonzeptes erarbeitet werden.
Ergebnisse der einzelnen Analyseschritte
Arbeitsstättendeckungsprognose
Handel: Weiterführung der anlass-
und projektbezogenen
Flächenentwicklung
Flächenbedarf und -Angebot beim Standorttyp „Handel“, Angaben in m²
Quelle: Arbeitsstättendeckungsprognose für die Stadt Münster der CIMA IfR
244.026
110.574
0
500.000
1.000.000
1.500.000
2.000.000
2.500.000
Bedarf Angebot
Sonstiges
Bedarf bis 2045
Bedarf bis 2038
84
Die Bedarfe beim Standorttyp „Sonstige“ werden durch eine
große Bandbreite von Unternehmen ausgelöst. Ein Großteil entfällt
hierbei auf das Gesundheitswesen und die Unterstützung von
älteren und pflegebedürftigen Menschen. Damit wird der
überwiegende Flächenbedarf im Rahmen von mehrgeschossigen
Gebäuden gedeckt werden können, wodurch die zu erwartende
Grundstücksfläche deutlich geringer ausfallen wird.
Den Bedarfen von knapp 250.000 m² bis 2038 bzw. von insgesamt
350.000 m² bis 2045 steht in der Stadt Münster aktuell kein
konkretes Flächenangebot gegenüber. Dies ist vor dem
Hintergrund der großen Nutzerbandbreite durchaus nachvoll-
ziehbar und sinnvoll. Vor dem Hintergrund eines ressourcen-
schonenden Flächenverbrauchs und den bestehenden Nutzungs-
konkurrenzen in der Stadt Münster ist eine anlass- und
projektbezogene Flächenausweisung zielführend. Zudem ist ein
Großteil der Bedarfe auf das Gesundheitswesen, und hier
insbesondere auf den Beschäftigungsaufbau zur Unterstützung
und Begleitung von Senioren und Pflegebedürftige
zurückzuführen, die in der Regel in integrierten Lagen in Kern- und
Mischgebieten realisiert werden können.
Ergebnisse der einzelnen Analyseschritte
Arbeitsstättendeckungsprognose
Sonstige: Anlass- und
projektbezogene Flächen-
entwicklung
Flächenbedarf und -Angebot beim Standorttyp „Sonstiges“, Angaben in m²
Quelle: Arbeitsstättendeckungsprognose für die Stadt Münster der CIMA IfR
85
Die Ergebnisse der Erwerbstätigenprojektion fallen deutlich
positiver aus als in vielen anderen Prognosen. Während zahlreiche
Prognosen für die Bundesrepublik – aber teilweise auch für die
Stadt Münster – in den kommenden Jahren nur noch mit einem
geringen Beschäftigungswachstum rechnen und mittelfristig sogar
von einem Rückgang der Beschäftigung ausgehen, kommt die
vorliegende Projektion zu einer weiterhin stetigen Zunahme, für die
zumindest innerhalb des Betrachtungszeitraums bis 2045 keine
deutliche Abschwächung erkennbar ist.
Alle Prognosen basieren auf Daten aus der Vergangenheit, die unter
Heranziehung von Annahmen in die Zukunft fortgeschrieben
werden. Die dabei herangezogenen Daten und Einflussfaktoren
sowie deren Gewichtung unterscheiden sich zwischen den
Prognosen. Dementsprechend können die Ergebnisse einzelner
Prognosen sehr unterschiedlich ausfallen.
Selbst bei der Heranziehung identischer Einflussfaktoren können
sich Prognosen unterscheiden, weil aufgrund unterschiedlicher
Stützzeiträume die eingepreisten Trends stark unterschiedliche
Entwicklungsverläufe annehmen können.
Einordnung der Ergebnisse
Ergebnisse der einzelnen Analyseschritte
Arbeitsstättendeckungsprognose
Grundsätzlich bestehen hierbei zwei verschiedene Ansätze – der
Top-Down-Ansatz (von oben nach unten) und der Bottom-Up-
Ansatz (von unten nach oben).
Beim Top-Down-Ansatz wird in der Regel eine Prognose für eine
übergeordnete Gebietseinheit, zum Beispiel der Bundesrepublik
Deutschland, auf die zu betrachtende Region übertragen. Folglich
wird unterstellt, dass sich die Region so entwickeln wird wie die
übergeordnete Einheit (ähnlicher Prognoseverlauf). Ein Unterschied
besteht bei solchen Ansätzen oftmals nur hinsichtlich des Niveaus,
welches sowohl oberhalb als auch unterhalb der Referenzeinheit
liegen kann (vgl. IHK NRW 2022).
Beim Bottom-Up-Ansatz, bildet die zu betrachtende Region bzw.
deren Teileinheiten, wie einzelne Branchen, die Ausgangsbasis.
Aufbauend auf der Beschäftigtenentwicklung der verschiedenen
Branchen wird die Gesamtentwicklung bestimmt. Lokale Gegeben-
heiten und Entwicklungen rücken daher stärker in den Fokus.
86
Die vorliegende Erwerbstätigenprojektion, die maßgeblich die
Flächenbedarfe determiniert, fußt auf einem Pooling-Modell,
welches in Bezug auf die oben beschriebenen Ansätze einen
Methodenmix darstellt. Die Einflussfaktoren „Funktion der Stadt“
und „Bevölkerungsentwicklung“ sind dem Prinzip des Bottom-Up-
Ansatzes zuzuordnen, wohingegen der „technische Fortschritt“ dem
Top-Down-Ansatz folgt. Jeder der betrachteten Einflussfaktoren
stützt jedoch die positive Beschäftigungsentwicklung in der Stadt:
Die Funktion der Stadt: Die Stadt Münster bildet ein überregional
bedeutendes Arbeitsmarktzentrum mit weit überdurchschnittlicher
Beschäftigungsentwicklung. Zudem hat sie sich anders als die
Bundesrepublik insgesamt sehr robust gegenüber Krisen erwiesen.
In den vergangenen Jahren wurde in der Stadt nahezu ein lineares
Beschäftigungswachstum beobachtet.
Bevölkerungsentwicklung im erwerbsfähigen Alter: Der Faktor
Bevölkerungsentwicklung im erwerbsfähigen Alter, welcher
stellvertretend für die Fachkräfteverfügbarkeit steht, wurde in Form
der InWIS-Bevölkerungsprognose für die Stadt Münster
berücksichtigt. Auch die Bevölkerungsprognose weist über den
gesamten Prognosezeitraum hinweg eine kontinuierliche Zunahme
Einordnung der Ergebnisse
Ergebnisse der einzelnen Analyseschritte
Arbeitsstättendeckungsprognose
in den relevanten Altersjahrgängen auf. Entsprechend geht auch
von diesem Faktor keine Begrenzung des Wachstums aus.
Technischer Fortschritt: Die Berücksichtigung des technischen
Fortschritts erfolgte durch die Ergebnisse der BMAS-Prognose zur
digitalisierten Arbeitswelt, welche die Auswirkungen des
technischen Fortschritts auf die Beschäftigtenentwicklung in
verschiedenen Branchen analysiert und beschreibt. Insbesondere in
den für Münster bedeutenden Branchen zeigt die Studie einen
positiven Effekt der Digitalisierung auf die Beschäftigten-
entwicklung. Branchen, in denen die Digitalisierung eher zu einer
abnehmenden Beschäftigung führt, besitzen in der Stadt hingegen
eine untergeordnete Bedeutung.
Gemäß dem hier verwendeten methodischen Ansatz, der die
lokalen Strukturen und Entwicklungen als Ausgangsbasis in den
Mittelpunkt stellt und diese mit übergeordneten Rahmen-
bedingungen wie dem technischen Fortschritt verknüpft, sind keine
stark begrenzenden Einflussfaktoren erkennbar. Stützen lässt
sich dieses Ergebnis durch die enorme Robustheit gegenüber
Krisen in der Vergangenheit und der Tatsache, dass trotz der
87
bereits seit Jahren stetig zunehmenden Fachkräfteengpässe die
Stadt Münster nach wie vor eine äußerst dynamische Entwicklung
verzeichnen konnte. Im Rahmen der Studie wird unterstellt, dass
sich die Stadt, aufgrund der hohen Lebensqualität in der Region,
im Wettbewerb der Wirtschaftsstandorte auch künftig erfolgreich
positionieren kann.
Die Ergebnisse der Erwerbstätigenprojektion sind vor diesem
Hintergrund als lokale Entwicklungspotenziale zu verstehen. Eine
grundlegende Veränderung der Rahmenbedingungen durch glo-
bale Krisen, strategische Neuausrichtungen der Standortent-
wicklung oder andere politische Weichenstellungen können im
Rahmen einer solchen Projektion jedoch nicht berücksichtigt
werden und zu deutlich abweichenden Ergebnissen führen.
Da die Anzahl der Beschäftigten eine zentrale Einflussgröße für die
Bedarfsabschätzung bildet, unterliegen auch die darauf aufbau-
enden Flächenbedarfe den oben beschriebenen Unsicherheiten.
Zudem kommen im Rahmen der Bedarfsabschätzung weitere
Unsicherheitsfaktoren hinzu, die insbesondere mit den verwen-
deten Flächenkennziffern in Verbindung stehen. So ist es möglich,
Einordnung der Ergebnisse
Ergebnisse der einzelnen Analyseschritte
Arbeitsstättendeckungsprognose
dass die verwendeten Flächenkennziffern in einigen Branchen den
Bedarf überschätzen, da nicht für alle Wirtschaftsbereiche lokal-
spezifische Größen vorlagen und auf allgemein angewandte
Flächenkennziffern zurückgegriffen werden musste. In Städten und
Ballungskernen mit hohen Bodenpreisen könnte der Kostendruck
auch zu einem tendenziell geringerem Flächenverbrauch pro
Beschäftigten führen.
Weitergehend werden die Flächenkennziffern über den Prog-
nosezeitraum konstant gehalten, da keine verlässlichen Infor-
mationen zur künftigen Entwicklung vorliegen. Grundsätzlich be-
stehen jedoch verschiedene Entwicklungstendenzen, die sowohl
zu einer Zunahme als auch zu einer Abnahme des Flächen-
verbrauchs pro Beschäftigten führen können. Eine Zunahme des
Flächenverbrauchs wird beispielsweise durch neue ebenerdige
Produktionskonzepte oder einem steigenden Anteil von KMU, die
tendenziell einen höheren Flächenverbrauch aufweisen als größere
Unternehmen, bedingt. Zu einer Abnahme des Flächenverbrauchs
tragen hingegen ein zunehmender Kostendruck, technische Ent-
wicklungen oder Nachhaltigkeitsaspekte bei (vgl. Grabow et al.
2010: 46).
88
Handlungsempfehlungen
Handlungsempfehlungen
89
Vor dem Hintergrund des steigenden Wettbewerbs der
Wirtschaftsstandorte um Unternehmen und qualifizierte
Fachkräfte kommt einem intelligenten Management und der
Entwicklung von Standorten eine zentrale Bedeutung zu. (vgl.
Jehling/ Krehl/ Krüge 2020: 102). Aufgabe der Stadtent-
wicklungsplanung und Wirtschaftsförderung ist es dabei
bestmögliche Voraussetzungen für die Ansiedlung neuer
Unternehmen bzw. die Erweiterung bestehender Unternehmen zu
schaffen. Das Angebot adäquater Flächen und Immobilien ist
hierbei eine grundlegende Voraussetzung. Ohne ein entspre-
chendes Angebot ist eine erfolgreiche Weiterentwicklung einer
Wirtschaftsregion nicht möglich (vgl. Pongratz/ Vogelgesang
2016: 62). „Das Kunststück des Wirtschaftsförderers besteht darin,
zum richtigen Zeitpunkt das richtige Grundstück für den richtigen
Betrieb zur Verfügung zu haben.“ (Dallmann/ Richter 2012: 48).
Hierfür ist eine intelligente und vorausschauende Planung, für die
im Rahmen dieser Analyse die Grundsteine gelegt wurden,
unabdingbar.
Handlungsempfehlungen
Hohe Bedeutung von verfügbaren Wirtschaftsflächen
Handlungsempfehlungen
Die Studie zeigt, wie sich der Arbeitsmarkt und der Flächenbedarf
der Unternehmen unter vergleichbaren Voraussetzungen wie in der
Vergangenheit und weiterhin günstigen Rahmenbedingungen
entwickeln werden. In den kommenden Jahren ist für die Stadt
Münster weiterhin eine äußerst dynamische Bevölkerungs- (vgl.
InWIS 2023) und Wirtschaftsentwicklung (vgl. Ergebnisse der
Erwerbstätigen-projektion) zu erwarten. Damit nimmt die Stadt
Münster im bundesweiten Vergleich eine Spitzenposition ein.
Während in vielen Regionen Deutschlands in den kommenden
Jahren die Zahl der Erwerbstätigen sinken wird, wird für die
Arbeitsmarktregion Münster/Osnabrück als eine von
bundesweit vier Regionen ein weiterer Anstieg der
Erwerbstätigen seitens des IAB prognostiziert (vgl. Schneemann/
Zika 2022: 59f). Innerhalb der Arbeitsmarktregion werden die
urbanen Zentren und damit auch die Stadt Münster ein
wesentlicher Treiber dieser Entwicklung sein, was auch durch die
vorliegende Projektion gestützt wird.
90
Gleichwohl ist zu bedenken, dass auch das Wachstum in Münster
nicht grenzenlos ist und in den kommenden Jahren an Dynamik
verlieren wird. Die Ursache für das begrenzte Wachstum liegt dabei
insbesondere in der Verfügbarkeit von Fachkräften begründet. Die
Bevölkerungsprognose der Stadt Münster zeigt zwar über den
gesamten Prognosezeitraum hinweg noch eine wachsende Zahl der
Personen im erwerbsfähigen Alter, doch auch dieses Wachstum
wird früher oder später an seine Grenzen stoßen. Parallel dazu ist
dann auch mit einer entsprechenden Entwicklung der
Erwerbstätigen und folglich auch der Flächenbedarfe zu rechnen.
Zudem ist zu beachten, dass die positive Entwicklung der
Bevölkerung in der Stadt Münster nur erreicht werden kann, wenn
entsprechende Rahmenbedingungen vorliegen. An erster Stelle ist
hierbei die Verfügbarkeit von Wohnraum zu nennen. Darüber
hinaus ist die langfristige Sicherung einer hohen Lebensqualität
durch vielfältige Freizeit-, Kultur- und Bildungsangebote sowie eine
intakte Umwelt ein zentraler Faktor. Auch wenn die vorliegenden
Projektionen noch keine Begrenzung des Wachstums zeigen, wird
diese künftig eintreten. Voraussichtlich ist von einem
„Prognoseknick“ sogar zeitnah nach dem vorliegenden
Betrachtungszeitraum auszugehen.
Handlungsempfehlungen
Wachstum nicht grenzenlos – laufendes Monitoring wichtig
Handlungsempfehlungen
Nichtsdestotrotz werden die hier beschriebenen Entwicklungen die
bereits bestehenden Flächennutzungskonkurrenzen zwischen
Wohn- und Wirtschaftsflächen in den kommenden Jahren
zunächst weiter verschärfen. Vor diesem Hintergrund ist eine
intelligente und bedarfsorientierte Flächenplanung auch in Zukunft
unabdingbar. Neben den jetzt dringend benötigten Flächenneu-
ausweisungen, um auch künftig gute Rahmenbedingungen für eine
dynamische Entwicklung des Wohn- und Wirtschaftsstandorts
Münster sicherstellen zu können, ist darüber hinaus ein
regelmäßiges Flächenbedarfsmonitoring zu empfehlen. In der
Stadt Münster bestehen mit der regelmäßig erstellten
Büromarktstudie, dem Gewerbeflächenmonitoring, dem
Einzelhandelskonzept/-Monitoring sowie dem Baulandmonitoring
Wohnen bereits wichtige und sehr gute Instrumente zur
Unterstützung einer bedarfsorientierten und ressourcenschonenden
Stadtentwicklung. Wichtig ist es, ein solches Instrument für
sämtliche Wirtschaftsflächen zu etablieren und die Erkenntnisse der
einzelnen Instrumente zusammenzufassen. Hierdurch wird eine
ganzheitliche Planung unterstützt und ermöglicht. Durch die
91
regelmäßigen Bedarfsabschätzungen sowie deren Gegenüber-
stellungen mit den bestehenden Potenzialen, wie sie im vor-
liegenden Bericht erfolgte, können frühzeitige Handlungs-
erfordernisse identifiziert werden. Hierauf aufbauend lassen sich
Flächenneuausweisungen oder Umnutzungen bestehender Flächen
planen.
Die Arbeitsstättendeckungsprognose hat für die einzelnen
betrachteten Standorttypen aufgezeigt, inwieweit das bestehende
Angebot die zu erwartenden Bedarfe decken kann. Zu beachten ist
jedoch, dass es sich bei sämtlichen Angaben um die Nettofläche
handelt und entsprechende Aufschläge für die Erschließung,
Parkflächen, Grünflächen etc. in der Planung erforderlich sind. In der
Regel wird hierbei von einem Aufschlag um 25 % ausgegangen (vgl.
u.a. Stadt Bielefeld (Hrsg.) (2016): 12; Acocella et al. 2015: 74) .
Hinsichtlich des Standorttyps „emissionsintensives Gewerbe“
zeigt die Analyse eine gute Ausstattung mit Gewerbeflächen. An
dieser Stelle sind daher keine unmittelbaren Handlungsbedarfe
zu benennen.
Handlungsempfehlungen
Emissionsarmes Gewerbe und Büro/Praxis mit Handlungsbedarf
Handlungsempfehlungen
Beim Standorttyp „Handel“ erscheint die bisher praktizierte
anlass- und projektbezogene Flächenentwicklung sehr
zielführend. Bestehende Potenziale wurden bisher nicht vom Markt
angenommen, sodass auch hier zunächst von einer ausreichenden
Flächenausstattung auszugehen ist.
Unmittelbare Handlungsbedarfe zeigt die vorliegende Analyse
hingegen für die Standorttypen „emissionsarmes Gewerbe“,
„Büro/Praxis“ sowie „Sonstige“ auf. Bei allen drei Standorttypen
übersteigen die Bedarfe die bestehenden Angebotsflächen
deutlich. Alle Standorttypen haben gemeinsam, dass sich
potenzielle neue Standorte möglichst in zentralen integrierten oder
zumindest teilintegrierten Lagen befinden sollten. Zudem ist eine
gute ÖPNV-Anbindung insbesondere bei den Standorttypen
„Büro/Praxis“ sowie einem Großteil des Standorttyps „Sonstige“,
dessen Bedarf insbesondere auf das Gesundheitswesen
zurückzuführen sind, von Vorteil. Damit stehen die verschiedenen
Nutzungstypen bei potenziellen Neu-Standorten untereinander in
direkter Konkurrenz.
92
Neben den Konkurrenzen der Wirtschaftsstandorte untereinander
ist im Rahmen der Stadtentwicklungsplanung zusätzlich noch der
Flächenbedarf für Wohnstandortnutzungen zu berücksichtigen
(vgl. InWIS 2023) da dieser voraussichtlich ebenfalls in zentralen,
gut erreichbaren und integrierten Lagen erfolgen wird.
Um möglichst allen Nutzungsformen zentrale und gut erreichbare
Standorte zur Verfügung stellen zu können, bietet sich die
Entwicklung von Standorten mit kombinierten Nutzungs-
formen an. Durch eine intelligente Stadtplanung und
städtebauliche Gestaltung lassen sich die verschiedenen
Nutzungsformen in neu zu entwickelnden Quartieren geschickt
miteinander kombinieren. Eine bedarfsorientierte Nutzungs-
mischung stellt somit eine geeignete Handlungsstrategie für die
weitere Flächenentwicklung der Stadt Münster dar.
Handlungsempfehlungen
Flächenkonkurrenzen mit kombinierten Nutzungsformen lösen
Handlungsempfehlungen
93
Literaturverzeichnis
Literaturverzeichnis
94
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Anlage A
2510 Zeichen
Anlage A zur V/0606/2023 Kurzüberblick Mit dieser Berichtsvorlage soll über die zentralen Ergebnisse von zwei Bedarfsgutachten zu den Themen Wohnstätten und Arbeitsstätten informiert werden. Die Ergebnisse werden darüber hin- aus vor dem Hintergrund der im Rahmen der Regionalplan-Änderung vorgelegten Bedarfszahlen sowie weiteren städtischen Ziel- und Kennzahlen fachlich gewürdigt. Ziele/Teilziele/Zielerreichung Mit der Vorlage werden die Ziele „Wir werden einer der führenden Bildungs-, Wissenschafts-, Forschungs- und Entwicklungsstandorte in Europa“, „Wir werden als Wirtschaftsstandort die Stadt des dynamischen Mittelstandes in Nordrhein-Westfalen“ sowie „Wir werden Münster zu einer Stadt mit höchster Lebens- und Erlebnisqualität weiterentwickeln: […] mit hohem Wohnwert, Fa- milienfreundlichkeit und sozialer Balance in der Stadtgesellschaft“ verfolgt. Das Teilziel lautet „Sicherstellung von Entwicklungsflächen für Wohnen und Gewerbe durch pla- nerische Vorsorge“. Dazu ist zunächst die Ermittlung der jeweiligen Flächenbedarfe erforderlich. Finanzierung Produktgruppe: Nr. der PG Bezeichnung der PG Auswirkungen auf den Ergebnisplan Ja X Nein Auswirkungen auf den Finanzplan Ja X Nein Zum gegenwärtigen Zeitpunkt entstehen keine Kosten. Pflichtigkeitsgrad Die Maßnahme/Leistung ist vollständig pflichtig X überwiegend pflichtig überwiegend freiwillig vollständig freiwillig Die Erkenntnisse der Gutachten dienen vorbereitend der räumlichen Stadtentwicklung, um auf dieser Basis dem § 1 Abs. 1 BauGB („Die Gemeinden haben die Bauleitpläne aufzustellen, sobald und soweit es für die städtebauliche Entwicklung und Ordnung erforderlich ist“) Rechnung tragen zu können. Unmittelbare, grundsätzliche Relevanz für Querschnittsthemen (Demographie, Gleichstellung, Inklusion, Klimaschutz, Migration) Die Vorlage berührt das Themenfeld der Demographie insofern, als im Gutachten zu den Woh- nungsbedarfen als Basis auch eine eigenständige Bevölkerungsprognose erstellt worden ist und damit langfristige Aussagen zur Bevölkerungsentwicklung – unabhängig von den Ergebnissen der Landes-Prognose von it.nrw – vorliegen. Die Vorlage berührt indirekt auch klimaschutzrelevante Aussagen, als der in den Prognosen er- mittelte Siedlungsflächenbedarf in nicht unerheblichen Teilen eine weitere Siedlungsflächenent- wicklung erfordert. Jede Siedlungsentwicklung im Außenbereich bedeutet einen – auch klima- schutzrelevanten – Eingriff in Natur und Landschaft.
Berichtsvorlage
27691 Zeichen
V/0606/2023
V/0606/2023
Öffentliche Berichtsvorlage
Betrifft
Ergebnisse der Wohnungs- und Arbeitsstättenbedarfsprognosen
Beratungsfolge
30.11.2023 Ausschuss für Stadtplanung und Stadtentwicklung Bericht
06.12.2023 Ausschuss für Wohnen, Liegenschaften, Finanzen und Wirtschaft Bericht
Bericht:
Hintergrund
Der Rat hat im Jahr 2020 Grundsatzbeschlüsse zur Entwicklung zweier neuer urbaner Stadtquartiere
im Bereich Steinfurter Straße sowie Kanalkante Südost gefasst.1 In den Beschlüssen wird den beiden
Flächen eine „herausragende Bedeutung“ für die städtebauliche Entwicklung und Ordnung der Stadt
Münster zugesprochen. Angestrebt wird dabei eine kooperative Baulandentwicklung im engen Aus-
tausch mit den heutigen Eigentümern. Nichtsdestotrotz hat der Rat mit den o.a. Grundsatzbeschlüs-
sen auch die Durchführung von vorbereitenden Untersuchungen (VU) gemäß § 165 Abs. 4 BauGB
beschlossen, um die Anwendungsvoraussetzungen für eine städtebauliche Entwicklungsmaßnahme
(SEM) gem. §§ 165 ff. BauGB als zweite und nachrangige Option zu prüfen. Mit Projektsteuerungs-
leistungen für die Entwicklung dieser Flächen sowie der Durchführung der VU hat die Sta dt die
NRW.URBAN Kommunale Entwicklung GmbH beauftragt.
Eine SEM kann gem. § 165 Abs. 3 Nr. 2 BauGB durchgeführt werden, wenn das Wohl der Allgemein-
heit dies erfordert, insbesondere wenn diese Maßnahmen zur Deckung eines erhöhten Bedarfs an
Wohn- und Arbeitsstätten dienen und die beiden o.a. Gebietsentwicklungen für die weitere Stadtent-
wicklung von besonderer Bedeutung und von daher erforderlich sind. Zu diesem Zweck hat die Ver-
waltung die Erstellung entsprechender gutachterlicher Bedarfsprognosen extern be auftragt. Konkret
handelt es sich um folgende Prognosen:
Wohnungsbedarfsprognose und Wohnungsbedarfsdeckungsprognose
(Auftragnehmer: InWIS Forschung & Beratung GmbH, Bochum)
Arbeitsstättenbedarfsprognose und Arbeitsstättenbedarfsdeckungsprognose
(Auftragnehmer: CIMA Institut für Regionalwirtschaft GmbH, Hannover)
1 vgl. dazu die Vorlagen V/0180/2020 und V/0435/2020
Stadtplanungsamt
14.11.2023
Ihr/e Ansprechpartner/in:
Herr Bartmann
Telefon: 492-6115
Bartmann@stadt-
muenster.de
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V/0606/2023
Die Prognosen wurden innerhalb des Zeitraums Juli 2022 – März/Juli 2023 erstellt. Die Prognosen
betrachten als Zeithorizont zwei unterschiedliche Jahre: das Jahr 2038 und das Jahr 2045. Ersteres
ergibt sich aus der im Allgemeinen angenommenen voraussichtlichen Dauer einer geplanten zügigen
Quartiersentwicklung im Rahmen einer SEM – hier wird ein Zeitraum von maximal 15 Jahren unter-
stellt mit Beginn in 2023. Da zudem der sich in Fortschrei bung befindliche Regionalplan Münsterland
einen Planungshorizont bis 2045 abbildet, betrachten die Prognosen stellenweise auch dieses Jahr
als zweiten Zeithorizont.
Die Abschlussberichte zu den jeweiligen Prognosen sind dieser Berichtsvorlage als Anlagen 1 und 2
beigefügt. Nachfolgend werden die zentralen Ergebnisse der beiden Gutachten zusammengefasst
und anschließend auch vor dem Hintergrund der im Rahmen der Regionalplan -Änderung von der
Bezirksregierung Münster vorgelegten Bedarfszahlen sowie weiteren städtischen Ziel- und Kennzah-
len gewürdigt.
Wohnstätten
Wohnungsbedarfsprognose
Das Institut InWIS hat sich gutachterlich mit der Frage auseinandergesetzt, wie sich die Wohnungs-
nachfrage in der Stadt Münster zukünftig entwickeln wird und welche Potenziale zur Deckung dieses
Bedarfs absehbar bestehen werden.
Die Ermittlung der Wohnungsnachfrage setzt sich dabei aus drei Schritten zusammen. Zunächst wur-
de eine Bevölkerungsprognose erstellt, aus der InWIS eine Haushaltsprognose berechnete. Darauf
aufbauend wurde die Wohnungsbedarfsprognose für Münster berechnet.
Im Ergebnis prognostiziert InWIS für das Jahr 2038 eine Bevölkerung in Münster von ca. 342.000 und
für das Jahr 2045 von 353.500 Einwohnern. Gegenüber der aktuellen Bevölkerung zum Stichtag
31.05.2023 (318.868) würde dies einen Zuwachs von ca. 7,3 Prozent bis 2038 und ca. 10,9 Prozent
bis 2045 darstellen. Insofern wird davon ausgegangen, dass sich das Wachstum der vergangenen
Jahre bzw. Jahrzehnte in Münster weiter fortsetzen wird.
Aus der Bevölkerungsprognose wurde in einem nächsten Schritt die Haushaltsprognose errechnet.
Unter anderem aufgrund des sich fortsetzenden Trends zu kleineren Haushaltsgrößen fällt die pro-
zentuale Steigerungsrate etwas stärker aus als bei der Bevölkerungsprognose. Für das J ahr 2038
wird die Anzahl der Privathaushalte auf ca. 190.500 und für das Jahr 2045 auf ca. 198.500 prognosti-
ziert.
Unter den grundsätzlichen Annahmen, dass jedem Haushalt eine eigene Wohnung zusteht, eine so-
genannte Fluktuationsreserve im Wohnungsmarkt benötigt wird und Ferienwohnungen nicht zum ver-
fügbaren Wohnungsbestand zählen, wurde ausgehend von der Haushaltsprognose die Wohnungs-
bedarfsprognose berechnet. Dabei wurden sowohl Komponenten des quantitativen Bedarfs (z.B. Er-
satzbedarf, der durch zu erwartende Abgänge entsteht) als auch des qualitativen Bedarfs (z.B. Präfe-
renzen für Wohnraum) berücksichtigt. Zudem fließen zu erwartende kurzfristige Auswirkungen (etwa
die insbesondere derzeit zu beobachtenden makroökonomischen Einflüsse auf den Bausektor und
den Wohnungsmarkt) mit ein.
Insgesamt ergeben die Berechnungen von InWIS einen Bedarf von knapp 29.000 zusätzlichen
Wohneinheiten (WE) bis zum Jahr 2038, was einer durchschnittlichen jährlichen Anzahl von etwa
1.700 WE entspricht. Von den knapp 29.000 zu sätzlichen Wohneinheiten würden laut InWIS knapp
22.800 im Mehrfamilienhaus-Segment und etwa 6.100 in Form von Ein - und Zweifamilienhäusern
nachgefragt. Zwischen 2039 und 2045 kommen nach Einschätzung von InWIS weitere zusätzliche ca.
11.000 Wohneinheiten als Bedarf hinzu (Gesamtbedarf bis 2045 ca. 40.000 Wohneinheiten).
- 3 -
V/0606/2023
Jährlicher Wohnungsbedarf
WE pro Jahr (gesamt) WE pro Jahr (Mefa) Anteil WE pro Jahr (Efa) Anteil
2022 – 2025 2.550 2.100 450
2026 – 2030 1.350 950 400
2031 – 2038 1.500 1.200 300
2039 – 2045 1.550 1.300 250
2022 – 2045 1.700 1.350 80% 350 20%
Alle Angaben gerundet
In einer zusätzlichen Betrachtung wurde eine Prognose der Wohnraumbedarfe für einkommens-
schwache Haushalte erstellt. Diese kommt im Ergebnis zu einem Bedarf an zusätzlichen preisgebun-
denen Mietwohnungen im Umfang von rd. 7.400 Wohneinheiten bis zum Jahr 2035, was einem jährli-
chen Bedarf von ca. 530 Wohneinheiten entspricht.
Jährlicher Bedarf an zusätzlichen preisgebundenen Mietwohnungen
2022 – 2035 500 - 550 preisgebundene Mietwohnungen pro Jahr
(in den o.a. Zahlen bereits enthalten)
Alle Angaben gerundet
Wohnbaupotenziale
Um beurteilen zu können, inwiefern dieser errechnete Wohnungsbedarf durch die bereits vorhande-
nen bzw. in der Entwicklung befindlichen Wohnbaupotenziale der Stadt Münster – allerdings ohne die
geplanten Quartiere an der Steinfurter Straße sowie der Kanalkante Südost – gedeckt werden kann,
wurden die dafür in Frage kommenden Außen- als auch Innenentwicklungspotenziale betrachtet.
Bei den Potenzialen, die sich aus der Entwicklung neuer Baugebiete ergeben, wurden insbesondere
die Flächen des Baulandprogramms herangezogen, für die bis zum Jahr 2038 eine weitestgehende
Bebauung angenommen wird. Darüber hinaus wurden basierend auf den weiteren wohnbaulichen
Potenzialen von Flächennutzungsplan, Regionalplan und verschiedenen Stadtteilentwicklungskon-
zepten vier weitere Flächen im Außenbereich identifiziert, die nach dem Jahr 2030 entwickelt werden
könnten und für die bis 2038 eine nennenswerte Bebauung angenommen wird.
Bei den Potenzialen innerhalb des Siedlungsbestandes wurden darüber hinaus zum einen Restkapa-
zitäten in bestehenden Wohnbaugebieten jüngerer Jahre sowie zu erwartende Baufertigstellungen
außerhalb von Wohnbaugebieten („spontane Bautätigkeit“) betrachtet. Neben den vorliegenden Da-
ten und Prognosen der Verwaltung wurden insbesondere zum Aspe kt der „spontanen Bautätigkeit“
Einschätzungen von verschiedenen Experten, beispielsweise zu Potenzialen der Nachverdichtung
und des Ausbaus im Bestand herangezogen. Auf Grundlage dieser Einschätzungen gelangt InWIS zu
der Prognose, dass die bisherige Anna hme der Stadt Münster, wonach ca. 750 Wohneinheiten jähr-
lich außerhalb von Wohngebieten fertiggestellt werden, nur (noch) für die kommenden fünf Jahre ein-
gehalten werden könne.2 Danach sei aufgrund des zunehmenden Ausschöpfens der Potenziale im
Siedlungsbestand ein Rückgang der Fertigstellungen außerhalb von Wohngebieten anzunehmen.
Als Ergebnis dieser Analyse berechnet InWIS, dass bis zum Jahr 2038 ein Potenzial zur Realisierung
von ca. 22.500 Wohneinheiten ohne die Quartiere an der Steinfurter Straße und Kanalkante Südost
besteht. Davon werden ca. 18.800 fertiggestellte Wohneinheiten im Mehrfamilienhaussegment und
ca. 3.700 neue Ein- und Zweifamilienhäuser prognostiziert.
2 vgl. V/0945/2016 „ Zwischenbericht zu den bisherigen Ergebnissen und Empfehlungen der Planungswerkstatt
2030 sowie geplante Öffentlichkeitsbeteiligung“
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V/0606/2023
Wohnbaupotenziale
WE insgesamt WE in Mefa WE in Efa
Restkapazitäten in bestehenden Baugebieten 2.700 2.250 450
Zukünftige „spontane Bautätigkeit“ 9.300 7.900 1.400
Baulandprogramm 2023 - 2030 9.550 7.900 1.700
Weitere Wohnbaupotenziale 900 700 200
Gesamtpotenziale bis 2038 22.500 18.800 3.700
Alle Angaben gerundet
Wohnungsbedarfsdeckungsprognose
In einem abschließenden Schritt werden im Rahmen der Wohnungsbedarfsdeckungsprognose die
ermittelten Wohnungsbedarfe und Wohnbaupotenziale bis zum Jahr 2038 gegenübergestellt. Dem-
nach besteht insgesamt eine Lücke in der Bedarfsdeckung in Höhe von ca. 6.500 Wohneinheiten. Ca.
4.100 Wohneinheiten der nicht gedeckten Bedarfe entfallen dabei auf das Mehrfamilienhaussegment
und ca. 2.400 Einheiten auf Ein- und Zweifamilienhäuser.
Defizit in der Bedarfsdeckung
WE insgesamt WE in Mefa WE in Efa
Wohnungsbedarfe bis 2038 29.000 22.800 6.100
Wohnungspotenziale bis 2038 22.500 18.800 3.700
Bedarfsdeckungsdefizit 6.500 4.000 2.400
Alle Angaben gerundet
Arbeitsstätten
Arbeitsstättenbedarfsprognose
Auch die Erstellung der Bedarfsprognose für den Bereich der Arbeitsstätten besteht aus drei wesent-
lichen, aufeinander aufbauenden Schritten. Zunächst hat das Büro CIMA eine Beschäftigtenprojektion
und daraus abgeleitet eine Erwerbstätigenprojektion (beides jeweils branchendifferenziert) errechnet.
Deren Ergebnisse münden schließlich in der Erstellung der Arbeitsstättenbedarfsprognose differen-
ziert nach Standorttypen.
Für die Erstellung der Beschäftigtenprojektion wurden, neben der Entwicklung der sozialver siche-
rungspflichtigen Beschäftigten in den zurückliegenden Jahren, zentrale Einflussfaktoren wie die Funk-
tion der Stadt als Arbeitsmarktzentrum, der technische Fortschritt und die Entwicklung der Bevölke-
rung im erwerbsfähigen Alter betrachtet. Zu letzterem Aspekt werden die Daten der vom Institut In-
WIS berechneten Bevölkerungsprognose verwendet. Über branchenspezifische Kennzahlen wurde
die Anzahl der Beschäftigten in die Anzahl der Erwerbstätigten umgerechnet. Konkret geht das be-
rechnete Modell der CIMA davon aus, dass die Zahl der in Münster Beschäftigten von ca. 236.300 im
Jahr 2020 auf ca. 280.000 im Jahr 2038 und ca. 300.000 im Jahr 2045 ansteigt. Das stärkste Wachs-
tum prognostiziert CIMA dabei für die Bereiche freiberufliche, wissenschaftliche und tech nische
Dienstleistungen, Information und Kommunikation sowie Gesundheits- und Sozialwesen.
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V/0606/2023
Dabei ist zu bedenken, dass auch das Wachstum in Münster nicht grenzenlos ist und in den kom-
menden Jahren aufgrund zurückgehender Verfügbarkeit von Fachkräften an Dynamik verlieren wird.
Zwar zeigt die Bevölkerungsprognose von InWIS über den gesamten Prognosezeitraum noch eine
wachsende Zahl der Personen im erwerbsfähigen Alter, doch auch dieses Wachstum wird früher oder
später an seine Grenzen stoßen, insofern ist v on einem „Prognoseknick“ zeitnah nach dem vorlie-
genden Betrachtungszeitraum (2045) auszugehen.
Zur Berechnung der Arbeitsstättenbedarfsprognose wurden die Branchen den folgenden fünf ver-
schiedenen Standorttypen zugeordnet:
Emissionsarmes Gewerbe
Emissionsintensives Gewerbe
Büro/Praxis
Handel
Sonstiges
Anschließend wurden die Zahlen zu den Erwerbstätigen in Flächenbedarfe umgerechnet. Zu den ent-
sprechenden Flächenkennziffern wurden – sofern vorliegend – Angaben der Wirtschaftsförderung
Münster verwendet, die auf realen Ansiedlungsfällen in der Stadt Münster beruhen. Im Ergebnis wur-
den für die fünf verschiedenen Standorttypen die nachfolgend dargestellten Flächenbedarfe ermittelt.
Die Angaben sind in Abhängigkeit davon, ob der jeweilige Standorttyp e ine „gestapelte“ Bedarfsde-
ckung erlaubt (Mehrgeschossigkeit), entweder in Hektar oder in Quadratmeter angegeben.
Flächenbedarfe
Emissionsintensives Gewerbe
(Angaben in ha Netto -Grundstücksfläche)
Bis 2038 Bis 2045 Insgesamt
40 ha 18 ha 57 ha
Büro / Praxis
(Angaben in m² Geschossfläche)
Bis 2038 Bis 2045 Insgesamt
870.000 m² 390.000 m² 1.260.000 m²
Handel
(Angaben in m² Netto-Grundstücksfläche)
Bis 2038 Bis 2045 Insgesamt
195.000 m² 90.000 m² 285.000 m²
Sonstiges
(Angaben in m² Geschossfläche)
Bis 2038 Bis 2045 Insgesamt
245.000 m² 110.000 m² 355.000 m²
Alle Angaben gerundet
Emissionsarmes Gewerbe
(Angaben in ha Netto -Grundstücksfläche)
Bis 2038 Bis 2045 Insgesamt
149 ha 67 ha 215 ha
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Flächenpotenziale
Um in der Arbeitsstättenbedarfsdeckungsprognose die ermittelten Bedarfe den Flächenangeboten
gegenüberzustellen, wurde eine Analyse des Flächenangebots differenziert nach Standorttypen vor-
genommen. Dazu wurden der Standorttyp, zeitliche Verfügbarkeit und die Eigentumsverhältnisse der
Potenzialflächen analysiert. Die geplanten Quartiere an der Steinfurter Straße und der Kanalkante
Südost wurden analog zu den Wohnbaupotenzialen nicht in die Betrachtung des Flächenangebotes
einbezogen.
Flächenpotenziale
Alle Angaben gerundet
Da es im Bereich „Sonstige “ kein eigenständiges Flächenangebot gibt, sondern diese Bedarfe i.d.R.
in den anderen Bereichen untergebracht werden, wird dieser Bereich im Weiteren nicht mehr geson-
dert dargestellt.
Arbeitsstättenbedarfsdeckungsprognose
Die Gegenüberstellung der ermittelten Bedarfe und des Flächenangebots zeigt, dass für die Standort-
typen „Emissionsarmes Gewerbe“ und „Büro/Praxis“ der Bedarf das Angebot deutlich übersteigt.
Emissionsarmes Gewerbe
(Angaben in ha Netto -Grundstücksfläche)
Sofort verfügbar Mittelfristig verfügbar Langfristig verfügbar insgesamt
Städtischer Besitz Privater Besitz (bis 2030) - städtisch (bis 2038) - privat
31 ha 22 ha 15 ha 20 ha 88 ha
Emissionsintensives Gewerbe
(Angaben in ha Netto -Grundstücksfläche)
Sofort verfügbar Mittelfristig verfügbar Langfristig verfügbar insgesamt
Städtischer Besitz Privater Besitz (bis 2030) - städtisch (bis 2038) - privat
21 ha 18 ha 9 ha 12 ha 60 ha
Büro / Praxis
(Angaben in m² Geschossfläche)
Sofort verfügbar Mittelfristig verfügbar Langfristig verfügbar insgesamt
(bis 2030) (bis 2045)
50.000 m² 330.000 m² 110.000 m² 490.000 m ²
Handel
(Angaben in m² Netto -Grundstücksfläche)
Sofort verfügbar Mittelfristig verfügbar Langfristig verfügbar insgesamt
Städtischer Besitz Privater Besitz (bis 2030) (bis 2038)
40.000 m² 40.000 m ²
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Defizit in der Bedarfsdeckung
Alle Angaben gerundet
Gutachten-Ergebnisse im Vergleich zur Regionalplanung und städtischen Zielzahlen
Wohnungsbedarfe
InWIS hat einen Bedarf von insgesamt ca. 40.000 neuen Wohnungen bis zum Jahr 2045 ermittelt und
hinsichtlich der Deckung dieses Bedarfs herausgearbeitet, dass ca. 20.000 neue Wohnungen in die-
sem Zeitraum im Innenbereich entstehen können. Das Gutachten von InWIS fokussiert dabei auf den
Zeitpunkt der konkreten Fer tigstellung von neuen Wohnungen. Da her werden zur Bedarfsdeckung
alle bis dahin zu entwickelnden Flächen und konkreten Baupotenziale herangezogen – dies beinhaltet
Restkapazitäten in bereits bestehenden Baugebieten, Innenentwicklungsprojekte im Baulandpro-
gramm sowie „spontane Bautätigkeit“ (vgl. Ausführungen oben). Es verbleibt damit bis zum Jahr 2045
ein Bedarf von ca. 20.000 neuen Wohnungen, der durch Baulandentwicklung im heutigen Außenbe-
reich zu decken ist.
Die Regionalplanungsbehörde hat im Zuge der Fortschreibung des Regionalplans eine Wohnungsbe-
darfsprognose nach den Vorgaben des Landesentwicklungsplans (LEP) erstellt. Danach benötigt
Münster ca. 19.500 neue Wohnungen bis zum Jahr 2045. Da angenommen wird, dass diese in neuen
Baugebieten im Außenbereich entstehen, wird die Anzahl der Wohnungen mittels eines angenomme-
nen Dichtewertes (hier 50 Wohnungen je Hektar Bruttowohnbauland) in Fläche umgerechnet, so dass
im Ergebnis ein Flächenbedarf von ca. 390 ha ermittelt worden ist. Die Regionalplanung fokussiert
dabei auf den Zeitpunkt der planerischen Vorbereitung – konkret der planerischen Inanspruchnahme
von Potenzialbereichen durch Darstellung von Baugebieten im Flächennutzungsplan (FNP) . Daher
wird für die Bedarfsdeckung nur auf die über den FNP hinausgehenden Potenzialbereiche abgestellt.
Emissionsarmes Gewerbe
(Angaben in ha Netto-Grundstücksfläche)
Bedarf Angebot Saldo
Bis 2038 Bis 2045 Sofort mittelfristig bis 2030 langfristig bis 2038
149 ha 67 ha 53 ha 15 ha 20 ha - 128 ha
Emissionsintensives Gewerbe
(Angaben in ha Netto -Grundstücksfläche)
Bedarf Angebot Saldo
Bis 2038 Bis 2045 Sofort mittelfristig bis 2030 langfristig bis 2038
40 ha 18 ha 38 ha 9 ha 12 ha 2 ha
Büro / Praxis
(Angaben in m² Geschossfläche)
Bedarf Angebot Saldo
Bis 2038 Bis 2045 Sofort mittelfristig bis 2030 langfristig bis 2038
870.000 m ² 390.000 m ² 50.000 m ² 330.000 m ² 105.000 m ² -775.000 m ²
Handel
(Angaben in m² Netto -Grundstücksfläche)
Bedarf Angebot Saldo
Bis 2038 Bis 2045 Sofort mittelfristig bis 2030 langfristig bis 2038
195.000 m ² 90.000 m ² 40.000 m ² -245.000 m ²
- 8 -
V/0606/2023
Die bei InWIS ermittelten Reserven in bestehenden Baugebieten bzw. im Siedlungsbestand spielen
hier daher keine Rolle.
Es gibt darüber hinaus einige städtische Zielsetzungen, die im Zusammenhang mit dem Baulandpro-
gramm und der Planungswerkstatt 2030 entwickelt worden sind. Insbesondere zu nennen ist das Ziel,
dass jedes Jahr 2.000 neue Wohnungen errichtet werden sollen.3 Um das zu erreichen hat der Rat im
Rahmen der Planungswerkstatt 2030 beschlossen, dass mittels Baulandentwicklung jährlich Kapazi-
täten für 1.250 neue Wohnungen geschaffen werden sollen.4 Sofern dieses Ziel (Fertigstellung von
2.000 Wohnungen / Jahr) unverändert fortbesteht, würde dies für Münster ca. 46.000 neue Wohnun-
gen bis zum Jahr 2045 bedeuten. Darüber hinaus besteht das Ziel, dass jährlich 300 neue Wohnun-
gen öffentlich gefördert werden.5
Eine weitere Empfehlung der Planungswerkstatt 2030 betrifft den Vorrang der Innenentwicklung: da-
her wurde dort eine spontane Bautätigkeit im Innenbereich von 750 Wohnungen / Jahr angenommen.
Darüber hinaus gab es die grundsätzliche Empfehlung, neue Baugebiete etwa je zur Hälfte (d.h. 500
– 750 Wohnungen / Jahr) im Innenbereich und auf Außenbereichsflächen zu entwickeln . Bis zum
Jahr 2030 sollten diese Außenbereich-Baugebiete auf ca. 500 Wohneinheiten / Jahr beschränkt wer-
den.
Für die Entwicklung neuer Baugebiete im Außenbereich verbleibt damit ein Bedarf von ca.
15.500 neuen Wohnungen bis zum Jahr 2045.6 Dabei wird angenommen, dass ab 2030 wg. zurück-
gehender Innenentwicklungs-Potenziale die Baulandentwicklung im Außenbereich auf 750 WE / Jahr
ansteigt. Auf Grundlage der Empfehlung der Planungswerkstatt 2030 zu einer Mindest-
Siedlungsdichte im Außenbereich von 55 – 65 Wohneinheiten (WE) / ha Nettowohnbauland7 entsteht
damit ein maximaler (Brutto-)Flächenbedarf in einer Größe von ca. 385 ha.
Ein zentraler Unterschied in der Herleitung der Flächenbedarfe bei InWIS bzw. bei der Regionalpla-
nung und bei den städtischen Zielzahlen ist die Bevölkerungsprognose, die die Grundlage für die Be-
rechnung der Wohnungsbedarfe bildet. Einer eigenständigen Prognose von InWIS steht die Landes-
prognose it.nrw gegenüber. Die Stadt hat darüber hinaus eigene Erkenntnisse aus der „Kleinräumi-
gen Bevölkerungsprognose“, die im Ergebnis die Prognose von InWIS stützen . Basis einer Bevölke-
rungsprognose sind Einwohner- und Bewegungsdaten, deren Veränderung (Trendentwicklung) inner-
halb eines Stützzeitraums untersucht und in die Zukunft fortgeschrieben werden.
Trotz wesentlicher Unterschiede in der Bevölkerungsprognose und damit einhergehend unterschiedli-
cher Wohnu ngsbedarfe (InWIS ca. 40.000 Wohnungen, Regionalplanung ca. 19.500 Wohnungen,
Baulandprogramm bis zu ca. 46.000 Wohnungen) ergibt sich im Ergebnis (insbesondere aufgrund
unterschiedlicher Annahmen zur Innenentwicklung) eine ähnliche Größenordnung für den Bedarf an
neuen Wohnungen auf Außenbereichsflächen, so dass die Größenordnung des im Rahmen der Re-
gionalplanung ermittelten Bedarfs (ca. 390 ha) durch die vorliegenden Erkenntnisse von InWIS und
aus den städtischen Zielsetzungen heraus, grundsätzlich bestätigt werden kann.
Der von InWIS ermittelte Bedarf an zusätzlichen preisgebundenen Mietwohnungen (jährlich ca. 500 –
550 Wohnungen bis 2035) liegt oberhalb der städtischen Zielzahl von jährlich 300 zu fördernden
Wohnungen. Unter der pauschalen Annahme, dass 30 % der im Baulandprogramm bis zum Jahr
2030 vorgesehenen Kapazität an Wohneinheiten als geförderter Wohnungsbau realisiert werden
3 vgl. Ratsbeschluss zum Baulandprogramm 2015, Vor lage V/0088/2015/1
4 vgl. Ratsbeschluss zur Planungswerkstatt 2030, nicht -öffentliche Vorlage V/0200/2018
5 vgl. u.a. Ratsbeschluss zum Planungswerkstatt 2030, nicht -öffentliche Vorlage V/0200/2018
6 In den Jahren 2023 – 2029: 500 WE / Jahr, in den Jahren 2030 – 2045: 750 WE / Jahr – in Summe 15.500
7 Zuletzt verifiziert durch Beschluss des Rates zur Vorlage V/0193/2023 „Bericht zur Wohnbaulandentwicklung
2022 und Fortschreibung des Baulandprogramms 2023 – 2030“
- 9 -
V/0606/2023
könnte8, ergibt sich grundsätzlich ein Wohnungsbau -Potenzial, welches auch die erhöhten Mengen
an gefördertem Wohnungsbau mö glich machen kann. (Dabei wird davon ausgegangen, dass auf-
grund der aktuell günstigen Förderkonditionen auch – geringe – Realisierungspotenziale außerhalb
des Baulandprogramms bestehen.) In welcher Größenordnung preisgebundener Mietwohnungsbau
dann im Einz elnen tatsächlich realisiert werden kann, hängt allerdings maßgeblich vom Fördervolu-
men des Landes sowie den Förderkonditionen im Detail ab und kann daher zum jetzigen Zeitpunkt
nicht verlässlich abgeschätzt werden.
Arbeitsstättenbedarfe
CIMA hat bis zum Jahr 2045 einen Bedarf von insbesondere ca. 215 ha (Netto-Grundstücksfläche) für
emissionsarmes Gewerbe, ca. 57 ha (Netto-Grundstücksfläche) für emissionsintensives Gewerbe und
ca. 1.250.000 m² (Geschossfläche) für Büros und Praxen ermittelt. Hinsichtlich der Deckung dieses
Bedarfs wird dabei davon ausgegangen, dass insbesondere im Bereich des emissionsarmen Gewer-
bes eine Lücke in der Bedarfsdeckung in einer Größenordnung von knapp 130 ha (Netto -
Grundstücksfläche) und im Bereich von Büros / Praxen i n einer Größenordnung von ca. 775.000 m²
(Geschossfläche) besteht, wenn die tatsächlichen und die planerischen Reserven in Abzug gebracht
werden.
Die Regionalplanungsbehörde hat im Zuge der Fortschreibung des Regionalplans eine Gewerbeflä-
chenbedarfsprognose erstellt, die nach den LEP -Vorgaben auf der durchschnittlichen tatsächlichen
Inanspruchnahme der Jahre 2014 – 2019 basiert. D iese beträgt in MS ca. 10 ha/Jahr (Brutto -
Flächen), so dass die Regionalplanungsbehörde insgesamt von einem Gewerbeflächenbedarf bis
zum Jahr 2045 von ca. 250 ha ausgeht.
Die methodischen Ansätze zur Ermittlung des Arbeitsstätten- bzw. Gewerbeflächenbedarfs sind somit
sehr unterschiedlich: Bei der Regionalplanung wird der Bedarf auf Basis der Inanspruchnahme der
Vorjahre ermittelt, bei CIMA basiert der Bedarf auf einer Erwerbstätigenprognose und entsprechen-
den Flächenkennziffern. Um die Größenordnung der Ergebnisse der Bedarfsermittlung vergleichen zu
können, wurden die von CIMA ermittelten – nicht durch Reserven gedeckten – Netto-Bedarfe in Brut-
to-Flächen umgerechnet.9 Damit ergeben sich Flächenbedarfe in einer Größenordnung von bis zu
240 ha. Trotz der Unterschiedlichkeit der methodischen Ansätze zur Bedarfsermittlung zeigt sich im
Ergebnis eine ähnliche Größenordnung der erforderlichen, zusätzlichen gewerblichen Bauflächen.
Es gibt darüber hinaus einige städtische Zielsetzungen im Zusammenhang mit der Gewerbeflächen-
entwicklung. Das Gewerbeflächenentwicklungskonzept 2016 empfiehlt aus fachlicher Sicht eine per-
manente Verfügbarkeit von 50 ha Manövriermasse (d.h. Grundstücke im Eigentum der WFM / Stadt,
die über Planungsrecht verfügen, erschlossen sind und daher unmittelbar anfragenden Unternehmen
angeboten werden können).10 Diese Manövriermasse betrug zuletzt allerdings nur ca. die Hälfte der
o.a. Empfehlung und lag damit unter 25 ha. Die Größenordnung der Manövriermasse ergibt sich nach
den Annahmen aus dem Gewerbeflächenkonzept 2016 aus dem Fünffachen de r Inanspruchnahme
der Vorjahre, diese betrug ca. 10 ha Netto / Jahr. Die tatsächliche Inanspruchnahme ist allerdings in
den letzten Jahren etwas zurückgegangen und betrug zuletzt etwa 8 ha Netto / Jahr.
8 Geringe Quoten an gefördertem Wohnungsbau in Einfamilienhausbereichen werden dabei kompensiert durch
zum Teil höhere Quoten in städtischen Baugebieten („kommunale Selbstverpflichtung“)
9 Brutto-Netto-Faktor 0,7, durchschnittliche Geschossflächenzahl 2,0
10 vgl. Vorlage V/0723/2016 „Gewerbeflächene ntwicklungskonzept Münster“
- 10 -
V/0606/2023
Fazit
Die im Rahmen dieser Vorlage dargestellten Ergebnisse der beauftragten Gutachten von InWIS und
CIMA sowie der Bedarfsprognosen der Regionalplanung zu den Themen Wohnen sowie Arbeitsstät-
ten / Gewerbeflächen zeigen aufgrund des weiteren Wachstums der Stadt Münster einen erheblichen
Flächenbedarf für weitere Baugebiete für Wohnungen und Arbeitsstäten bis zum Jahr 2045. Trotz der
Unterschiedlichkeit hinsichtlich der Annahmen, der methodischen Ansätze sowie der betrachteten
planerischen Voraussetzungen (konkrete Realisierung auf der Grundlage von bestehenden bzw. noch
zu schaffenden Baurechten bei den Gutachte n von InWIS und CIMA im Gegensatz zur planerischen
Vorsorge im Regionalplan) kommen InWIS und CIMA auf der einen Seite und die Bedarfsberechnun-
gen der Regionalplanung auf der anderen Seite im Ergebnis zu vergleichbaren Größenordnungen.
Vor diesem Hintergrund liefern die Gutachten hinsichtlich der räumlichen Bedarfe für weitere Woh-
nungen im Innen- und Außenbereich sowie der unterschiedlichen Standorttypen von Arbeitsstätten
und gewerblichen Bauflächen in Münster wichtige Grundlagen und Anhaltspunkte für die räumliche
Stadtentwicklung der nächsten Jahre.
In Vertretung
gez. Denstorff
Stadtbaurat
Anlagen:
InWIS: Wohnungsbedarfsprognose und Wohnungsbedarfsdeckungsprognose
CIMA: Arbeitsstättenbedarfsprognose und Arbeitsstättenbedarfsdeckungsprognose
InWIS Bericht Wohnungsbedarf
295480 Zeichen
Wohnungsbedarfsprognose und
Wohnungsbedarfsdeckungs-
prognose
Stadt Münster
06.07.2023
Wohnungsbedarfsprognose | Stadt Münster
2
Auftraggeber:
Stadt Münster - Stadtplanungsamt
Albersloher Weg 33
48155 Münster
Ansprechpartner:
Mattias Bartmann
Tel. 0251-492-6115
E-Mail: bartmann@stadt-muenster.de
Auftragnehmer:
InWIS Forschung & Beratung GmbH
Springorumallee 20a
44795 Bochum
Tel.: 0234 - 890 34-0
Fax: 0234 - 890 34-49
E-Mail: info@inwis.de
Internet: www.inwis.de
Ansprechpartnerinnen:
Regina Höbel, Dipl.-Ing.
Kyra Nieland, M.Sc.
Tel.: 0234-89034-24 | 0234-89034-352
E-Mail: regina.hoebel@inwis.de | kyra.nieland@inwis.de
© InWIS, Bochum. Alle Rechte vorbehalten
Wohnungsbedarfsprognose | Stadt Münster
3
Inhalt
1. Einleitung ................................ ................................ ................................ ..................... 7
2. Methodik und Aufbau ................................ ................................ ................................ ..... 9
3. Situationsanalyse der wohnungswirtschaftlichen Rahmenbedingungen ............................ 11
3.1. Soziodemografische Rahmenbedingungen ................................................................ 11
3.2. Sozioökonomische Rahmenbedingungen .................................................................. 17
3.3. Eckdaten zur Wohnungsbestandsentwicklung .......................................................... 20
4. Analyse der Angebots- und Nachfragesituation in den Wohnungsteilmärkten ................... 24
4.1. Markt für Mietwohnungen (freifinanziert) ................................................................ 24
4.2. Markt für Eigentumswohnungen .............................................................................. 29
4.3. Markt für Ein- und Zweifamilienhäuser .................................................................... 32
4.3.1 Exkurs: Generationenwechsel und daraus resultierende Umzugsketten ............ 36
5. Vertiefung besonderer Teilmärkte................................ ................................ ................. 38
5.1. Studentisches Wohnen ............................................................................................ 38
5.2. Soziale Wohnraumversorgung ................................................................................. 40
5.2.1 Nachfrageseite: Bestimmung der einkommensschwachen Haushalte ............... 41
5.2.2 Angebotsstruktur und Versorgungslage .......................................................... 43
6. Wohnungsbedarfsprognose ................................ ................................ .......................... 48
6.1. Bevölkerungsprognosen .......................................................................................... 48
6.2. Haushaltsprognose ................................................................................................. 54
6.3. Wohnungsbedarfsprognose ..................................................................................... 57
6.4. Prognose der Wohnraumbedarfe einkommensschwacher Haushalte ......................... 62
7. Wohnbaupotenziale ................................ ................................ ................................ ..... 67
7.1. Überblick über die Wohnbaupotenziale .................................................................... 67
7.2. Bilanzierung der Wohnbaupotenziale ...................................................................... 68
7.2.1 Potenziale innerhalb des Siedlungsbestandes ................................................. 68
7.2.2 Potenziale außerhalb des Siedlungsbestands .................................................. 70
7.2.3 Zusammenfassung der Wohnbaupotenziale ..................................................... 75
7.3. Bedarfsdeckungsprognose....................................................................................... 75
8. Fazit ................................ ................................ ................................ ........................... 77
9. Literaturverzeichnis ................................ ................................ ................................ ..... 80
10. Anhang zu methodischen Erläuterungen ................................ ................................ 83
10.1. Wohnungsannoncenauswertung .............................................................................. 83
10.2. Bevölkerungsprognose ............................................................................................ 84
10.3. Wohnungsbedarfsprognose ..................................................................................... 87
10.3.1 Überblick ........................................................................................................ 87
10.3.2 Quantitativer Bedarf ....................................................................................... 89
10.3.3 Qualitativer Bedarf ......................................................................................... 93
10.4. Bilanzierung der Wohnbaupotenziale ...................................................................... 95
Wohnungsbedarfsprognose | Stadt Münster
4
Abbildungen
Abbildung 1: Methodische Vorgehensweise ............................................................................ 9
Abbildung 2: Aufbau des vorliegenden Berichtes .................................................................. 10
Abbildung 3: Bevölkerungsentwicklung in Münster ................................................................ 11
Abbildung 4: Durchschnittliche jährliche Entwicklung der Bevölkerung 2012 bis 2021 ........... 12
Abbildung 5: Determinanten der Bevölkerungsentwicklung in Münster ................................... 13
Abbildung 6: Entwicklung der Altersstruktur von 2016 zu 2021 ............................................. 14
Abbildung 7: Altersspezifische Wanderungen pro Jahr (2016-2021) ........................................ 15
Abbildung 8: Altersspezifische Wanderungen im Vergleich (2017-2021) ................................ 16
Abbildung 9: Wanderungsverflechtungen zwischen Münster und der Stadtregion Münster pro
Jahr (2017-2021) ......................................................................................... 17
Abbildung 10: Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte (am Arbeitsort) .............................. 19
Abbildung 11: Kaufkraftindex pro Haushalt (2021) ................................................................ 19
Abbildung 12: Baufertigstellungen von Wohnungen in Ein- und Zweifamilien- sowie
Mehrfamilienhäusern.................................................................................. 20
Abbildung 13: Gesamtbauintensität in regionalen Vergleich ................................................... 21
Abbildung 14: Bauintensität im Geschosswohnungsbau im Vergleich (Neubau, ohne
Wohnheimplätze) ........................................................................................ 22
Abbildung 15: Mittlere Wiedervermietungsmiete (nettokalt) für Bestandsangebote ................25
Abbildung 16: Angebotspreise und Nachfragekennwerte von Mietwohnungen in Neubau und
Bestand ...................................................................................................... 26
Abbildung 17: Gegenüberstellung von Preisklassen und Wohnflächenklassen .................... 28
Abbildung 18: Der Markt für Mietwohnungen – Experteneinschätzungen ............................... 29
Abbildung 19: Angebotspreise und Nachfragekennwerte von ETW in Neubau und Bestand . 30
Abbildung 20: Der Markt für Eigentumswohnungen – Experteneinschätzung ..........................32
Abbildung 21: Eigenheimerschwinglichkeit: Preis-Einkommens-Relation* beim Kauf eines
Bestandseigenheims im Jahr 2021 .............................................................. 33
Abbildung 22: Angebotspreise und Nachfragekennwerte von EH in Neubau und Bestand ....... 34
Abbildung 23: Der Markt für Eigenheime – Experteneinschätzungen...................................... 35
Abbildung 24: Generationenwechsel .................................................................................... 36
Abbildung 25: Entwicklung der Studierendenzahlen in Münster ............................................ 38
Abbildung 26: Entwicklung und Prognose der Studierendenzahlen in NRW 2017 bis 2030 ..... 39
Abbildung 27: Der Markt für das studentische Wohnen – Experteneinschätzungen ................ 40
Abbildung 28: Einkommensschwache Haushalte in Münster 2021 ......................................... 42
Abbildung 29: Entwicklung und Prognose* der preisgebundenen Wohnungen in Münster ...... 44
Abbildung 30: Relevante Mietpreise für einkommensschwache Haushalte ............................. 45
Abbildung 31: Entwicklung der Angebotsmieten in verschiedenen Preisklassen (ohne Neubau)
.................................................................................................................. 46
Abbildung 32: Derzeitige Lage am Markt für öffentlich geförderte Wohnungen -
Experteneinschätzungen ............................................................................. 46
Abbildung 33: Bevölkerungsprognosen 2021 bis 2045 .......................................................... 49
Abbildung 34: Bevölkerungsprognosen im Vergleich 2021 bis 2045 ....................................... 51
Abbildung 35: Veränderung der Altersgruppen 2021 bis 2045 – Variante 2 ............................52
Abbildung 36: Prognostizierte Entwicklung der Haushaltstypen (ohne Ukraine -Flüchtlinge) .. 55
Abbildung 37: Entwicklung der privaten Haushalte in Münster (inkl. Ukraine-Flüchtlinge) ..... 56
Abbildung 38: Komponenten des quantitativen Wohnungsbedarfes ....................................... 58
Abbildung 39: Entwicklung des Wohnungsbedarfs bis 2045 .................................................. 59
Wohnungsbedarfsprognose | Stadt Münster
5
Abbildung 40: Wohnungsbedarf in den Teilmärkten .............................................................. 61
Abbildung 41: Vorausschätzung der Wohnraumbedarfe einkommensschwacher Haushalte ..... 63
Abbildung 42: Wohnbaupotenziale innerhalb und außerhalb des Siedlungsbestands ............. 67
Abbildung 43: Wohnbaupotenzialflächen des Baulandprogramms 2022 – 2030 .................... 73
Abbildung 44: Übersicht der Wohnbaupotenziale ................................................................. 75
Abbildung 45: Gegenüberstellung von Wohnungsbedarfen und Wohnbaupotenzialen bis 2038
.................................................................................................................. 76
Abbildung 46: Relevante Komponenten einer Bevölkerungsprognose .................................... 84
Abbildung 47: Komponenten einer Wohnungsbedarfsprognose ............................................. 88
Abbildung 48: Relevante Komponenten des quantitativen Bedarfs ........................................ 92
Abbildung 49: Relevante Komponenten des qualitativen Bedarfs .......................................... 95
Tabellen
Tabelle 1: Berufspendler in Münster...................................................................................... 18
Tabelle 2: Mietwohnungsangebot nach Baualter.................................................................... 26
Tabelle 3: Baualtersklassen der angebotenen Eigentumswohnungen ..................................... 30
Tabelle 4: Nachfrage differenziert nach Angebotspreis und Wohnungsgröße ........................... 31
Tabelle 5: Angebot an Eigenheimen nach Bauform ................................................................ 34
Tabelle 6: Angebot an freistehenden Einfamilienhäusern nach Preisklassen .......................... 35
Tabelle 7: Amtlich registrierte wohnungssuchende Haushalte ............................................... 43
Tabelle 8: Überblick der demografischen Komponenten der Bevölkerungsp rognosen ............. 85
Tabelle 9: Einbezogene Flächen des Baulandprogramms ....................................................... 99
Wohnungsbedarfsprognose | Stadt Münster
6
Abkürzungsverzeichnis
AsylbLG Asylbewerberleistungsgesetz
BAföG Bundesausbildungsförderungsgesetz
BMVBS Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung
BBSR Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung
BMWSB Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen
DHH Doppelhaushälfte
EH Eigenheime
EKG Einkommensgruppe
ETW Eigentumswohnungen
EZFH Ein- und Zweifamilienhäuser
FEFH Freistehendes Einfamilienhaus
FH Fachhochschule
FNP Flächennutzungsplan
HH Haushalte
KdU Kosten der Unterkunft
Leerstandsreserve Synonym für Fluktuationsreserve
MFH Mehrfamilienhaus
MP-HH Mehrpersonenhaushalte
MW Mietwohnungen
RH Reihenhaus
SGB Sozialgesetzbuch
SoBo Sozialgerechte Bodennutzung
TFR Total Fertility Rate (Fertilitätsrate)
WBS Wohnberechtigungsschein
WE Wohneinheit
WFNG NRW Gesetz zur Förderung und Nutzung von Wohnraum für das Land Nor drhein-
Westfalen
WG Wohngemeinschaft
Whg Wohnung
WoFG Wohnraumförderungsgesetz
WWU Westfälische-Wilhelmsuniversität Münster
Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wurde in der Regel die männliche Schreibweise verwendet. Wir
weisen an dieser Stelle ausdrücklich darauf hin, dass sämtliche Personenbezeichnungen gleic herma-
ßen für alle Geschlechter gelten.
Wohnungsbedarfsprognose | Stadt Münster
7
1. Einleitung
Die Stadt Münster zählt zu den wachsenden Groß - und Universitätsstädte n in Nordrhein -Westfalen.
Dem starken und kontinuierlichen Bevölkerungszuwachs folgt eine entsprechend hohe Wohnungsnach-
frage, was nicht ohne Folgen für den städtischen Wohnungsmarkt bleibt: Münster zählt zu de r Gruppe
der Städte mit einem angespannten Wohnungsmarkt. Ein landesweiter Vergleich zeigt, dass Mün ster
das vierthöchste Mietpreisniveau in NRW aufweist, einen überdurchschnittlichen hohen Anstieg der
Mieten verzeichnet und im Jahr 2020 Platz fünf der höchsten Baulandpreise belegt.1 Damit einher geht
ein Nachfragedruck am Wohnungsmarkt, der nicht nur minderverdienenden Haushalten Schwierigkei-
ten in der Wohnraumversorgung bereitet , sondern auch dem unteren Mittelstand . Eine zentrale Her-
ausforderung der Stadt Münster ist es somit, durch eine vorausschauende Schaffung von Baurecht len-
kend Einfluss auf den Wohnungsmarkt zu nehmen, um eine möglichst adäquate Wohnraumversorgung
zu gewährleisten und rechtzeitig das Entstehen weiterer Versorgungsengpässe und zunehmende r
Preissteigerungen einzuschränken.
Dabei steht der Münsteraner Wohnungsmarkt derzeit auch vor zusätzlichen Herausforderungen. Die
langjährige Wachstumsphase am Wohnungsmarkt, geprägt durch starke Preissteigerungen, endete mit
Beginn des Ukraine -Krieges und seinen Folgen für Wirt schaft und private Haushalte. Bundesweit hat
das gegenwärtige makroökonomische Umfeld zu erheblichen Veränderungen auf der Angebots - und
Nachfrageseite des Wohnungsmarktes geführt, die sich zum Teil auch in Münster zeigen . 2 Erste empi-
rische Befunde zeigen eine bundesweit gedrosselte Nachfrage nach Baufinanzierungen und in der
Wohneigentumsbildung sowie eine große Zurückhaltung von Wohnungsunternehmen und Bauträgern
in der Umsetzung neuer Wohnbauprojekte. Der Rückgang der Baugenehmigungen für neue Wohnungen
hat sich in Deutschland seit Mitte 2022 weiter beschleunigt. Bei gleichzeitig hoher Nachfrage nach
Wohnraum in den Großstädten und Wachstumsregionen führt das rückläufige Neubaugeschehen zu ei-
ner Angebotsverknappung, was die Preise stützt und eine vermehrte Konkurrenz am Mietwohnungs-
markt zur Folge haben dürfte. Besonders nachteilig ist diese Entwicklung für einkommensschwache
Personengruppen. Für sie führt das Auslaufen von Preis - und Belegungsbindungen bei einst öffentlich
geförderten Wohnungen zu weiteren Erschwernissen in der Wohnraumversorgung.
Die Stadt Münster hat eine Wohnungsbedarfsprognose und Wohnungsbedarfsdeckungsprognose in Auf-
trag gegeben, um durch die passgenaue Schaffung von Baurecht lenkend auf den Wohnungsmarkt Ein-
fluss zu nehmen und zu klären, ob die vorhandenen und anvisierten Wohnbauflächenreserven ausrei-
chen werden, den prognostizierten Bedarf zu decken . Der Abgleich der Wohnungsbedarfe und der
Wohnbaupotenziale ist auch relevant, da die Stadt Münster derzeit vorbereitende Untersuchungen da-
hingehend vornimmt, ob für zwei neue Stadtquartiere eine städtebauliche Entwicklungs maßnahme
nach § 165 BauGB in Frage kommen kann. Folgende Fragestellungen stehen daher im Fokus des vorlie-
genden Gutachtens:
▪ Wie stellt sich derzeit di e Ausgangssituation am Münsteraner Wohnungsmarkt dar? Welche
Wohnungsangebote fehlen am Markt? Wie ist die Situation in der sozialen Wohnraumversor-
gung und in anderen Teilmärkten zu bewerten?
▪ Wie wird sich der Wohnungsbedarf in den unterschiedlichen Teilmärkten zukünftig entwickeln
– im Segment der Mehrfamilienhäuser, im Segment der Ein- und Zweifamilienhäuser sowie die
Bedarfe für einkommensschwache bzw. von Armut gefährdeten Haushalte?
▪ Welche Wohnbaupotenziale hat die Stadt Münster? Stehen ausreichend Wohnbauflächenreser-
ven zur Verfügung, nicht nur theoretischer Art, sondern auch tatsächlich mobilisierbar?
1 Vgl. MHKBD Nordrhein-Westfalen 2022: Entwurf einer „Rechtsverordnung zur Bestimmung von Gebieten mit einem ange-
spannten Wohnungsmarkt nach § 201a Satz 1 BauGB (BaulandmobilisierungsVO NRW).
2 Vgl. hierzu auch Kapitel 6.3
Wohnungsbedarfsprognose | Stadt Münster
8
▪ Welches Ergebnis weist die Bedarfsdeckungsprognose auf? Sind ausreichend Wohnbaupoten-
ziale vorhanden, um die prognostizierten Bedarfe zu decken? Ist g gf. die Entwicklung zusätz-
licher Flächenreserven notwendig?
Wohnungsbedarfsprognose | Stadt Münster
9
2. Methodik und Aufbau
Zur Erstellung der Wohnungsbedarfsprognose und der Wohnungsbedarfsdeckungsprognose
für die Stadt Münster wurde auf einen Multimethodenmix zurückgegriffen. So sind in die Analysen und
Berechnungen verschiedene Informationsquellen eingeflossen, die sich gegenseitig ergänzt und vali-
diert haben. Hierzu zählen unter anderem Daten der Stadt Münster, Daten des Statistischen Landesam-
tes (IT.NRW) sowie der NRW.BANK. Eingeflossen sind a uch eine Wohnungsannoncenauswertung mit-
tels des Onlineportals ImmobilienScout24, Wohnungsmarktberichte (z.B. Grundstücksmarktbericht,
Berichte der NRW.BANK), Konzepte und Vorlagen der Stadt Münster wie das Baulandprogramm, das
Handlungskonzept Wohnen aus dem Jahr 2014 und weitergehende Literaturquellen.
Für die Erstellung des Gutachtens wurde ein kooperatives Verfahren gewählt, bei dem Zwischenergeb-
nisse unter Einbeziehung der zentralen Akteure aus der städtischen Verwaltung intensiv diskutiert wur-
den. Des Weiteren wurden Expertengespräche mit Marktkennern aus der Wohnungs - und Immobilien-
wirtschaft in Münster geführt, in denen ihre Praxiserfahrungen und Marktkenntnisse erfragt und reflek-
tiert wurden. Einbezogen wurden Wohnungsunternehmen mit Beständen in Münster, Baufinanzierungs-
institute und Kenner des studentischen Wohnungsmarktes . Darüber hinaus sind Erfahrungswerte der
Stadtverwaltung Münster eingeflossen, insbesondere bei der Bilanzierung der Wohnbaupotenziale.
Abbildung 1: Methodische Vorgehensweise
Quelle: InWIS 2022, eigene Darstellung
Das vorliegende Gutachten setzt sich aus drei Modulen zusammen, die in kleinere Bausteine unterglie-
dert sind. Die Module umfassen:
▪ Eine Analyse der Ausgangssituation am Wohnungsmarkt der Stadt Münster. Hier wird ein Über-
blick über die den Markt beeinflussenden Entwicklungstrends geboten. Dazu werden die ver-
schiedenen Teilmärkte analysiert und die Angebotsdefizite am Wohnungsmarkt benannt.
▪ Die Prognose der Wohnungsbedarfe bis zum Jahr 2045. Sie untergliedert sich in drei zentrale
Schritte und befasst sich mit der Darstellung der zukünftigen Nachfrageentwicklung in Müns-
ter und der Entwicklung zukünftiger Wohnraumbedarfe.
▪ Die Wohnbaupotenziale und die Bedarfsdeckungsprognose. Hier werden die Wohnbaupotenzi-
ale zunächst zusammengestellt und anschließend den Wohnungsbedarfen der Prognose ge-
genüberstellt, um der Frage nachzugehen, ob die vorhandenen Wohnbaupotenziale ausrei-
chen, um die Bedarfe zu decken.
DIALOG
Experten-
gespräche
Abstimmung
Steuerungsteam
Arbeitstreffen
mit planender
Verwaltung
DATENANALYSE & STUDIEN
• Wohnungsannoncenauswertung im Portal
Immobilienscout 24 (Anzahl ausgewerteter Inserate:
EZFH 3.686 ; ETW 7.409; MW 31.062)
• Daten der Stadt Münster
• Daten des statistischen Landesamts (IT.NRW)
• Daten der NRW.BANK
• Wohnungsmarktberichte & Studien für die Stadt Münster
• Ergänzt durch weitere bestehende Konzepte
Wohnungsbedarfsprognose | Stadt Münster
10
Abbildung 2: Aufbau des vorliegenden Berichtes
Quelle: InWIS 2022, eigene Darstellung
Untergliedert man die einzelnen Module in Bausteine, so ergibt sich folgender Berichtsaufbau:
▪ In Kapitel 3 wird zunächst der Wohnstandort Münster anhand der soziodemografischen und -
ökonomischen Rahmenbedingungen sowie der Entwicklung des Wohnungsbestandes genauer
betrachtet.
▪ Das Kapitel 4 beleuchtet die Angebots- und Nachfragesituation in den drei zentralen Teilmärk-
ten.
▪ In Kapitel 5 werden das studentische Wohnen und die Versorgungssituation der einkommens-
schwachen bzw. von Armut gefährdeten Haushalte tiefergehend analysiert.
▪ Kapitel 6 befasst sich mit der Prognose des Wohnungsbedarfs, dazu zählen die Bevölkerungs -
und Haushaltsprognose ebenso wie die Bedarfe in den einzelnen Teilmärkten bis zum Jahr
2045. Zudem wird der Bedarf an öffentlich geförderten Wohnungen für die einkommensschwa-
chen bzw. von Armut gefährdeten Haushalte prognostiziert.
▪ In Kapitel 7 werden die Wohnbaupotenziale in der Stadt Münster identifiziert und hinsichtlich
der darauf zu errichtenden Wohnungen bilanziert. Das Kapitel enthält zudem die Bedarfsde-
ckungsprognose im Sinne einer Gegenüberstellung der Bedarfe mit den Wohnbaupotenzialen.
▪ In dem abschließenden Kapitel 8 werden die Ergebnisse des vorliegenden Gutachtens in einem
Fazit zusammengetragen.
Darüber hinaus sind im Anhang tiefergehende methodische Erläuterungen zu den einzelnen Bausteinen
vorhanden, welche insbesondere die Wohnungsannoncenauswertung, die Methodik und die Annahmen
der Prognosen sowie die Bilanzierung der Wohnbaupotenziale genauer erläutern.
MODUL 1:
SITUATIONSANALYSE
MODUL 2:
PROGNOSE DES
WOHNUNGSBEDARFS
MODUL 3:
PROGNOSE DER
BEDARFSDECKUNG
MODUL 4:
AUSARBEITUNG DES KONZEPTES
Berechnung der zukünftigen Nachfrageentwicklung und
Wohnungsbedarfe
− Bevölkerungs- und Haushaltsprognose
− Wohnungsbedarfsprognose und Teilmarktprognose
Überblick Trends + Angebotsdefizite/-überhänge
− Erstellung eines Wohnungsmarktprofils
− Analyse Nachfragefaktoren & Wohnungsangebot
− Soziale Wohnraumversorgung
Ermittlung der Wohnbaupotenziale und Bewertung der Bedarfsdeckung
− Bilanzierung der Wohnbaupotenziale innerhalb und außerhalbdes
Siedlungsbestands
− Bedarfsdeckungsprognose
Wohnungsbedarfsprognose | Stadt Münster
11
3. Situationsanalyse der wohnungswirtschaftlichen
Rahmenbedingungen
Im Folgenden wird die Entwicklung der nachfrage - und angebotsseitigen Rahmenbedingungen des
Wohnungsmarktes der Stadt Münster dargestellt und bewertet. Dazu werden wesentliche Kernindika-
toren analysiert.
Während zum Zei tpunkt der Berichtslegung im März 2023 bereits kommunale Daten zum Einwohner-
stand am 31.12.2022 vorlagen, sind zuverlässige Daten zu allen anderen Datenbereichen wie der Sozi-
oökonomie und der Wohnungsbestandsentwicklung noch nicht verfügbar, da sie erst au fbereitet, ab-
geglichen und auf Plausibilität überprüft werden müssen. Das gilt auch für Bewegungsdaten zu den Zu-
und Fortzügen der Bevölkerung.
3.1. Soziodemografische Rahmenbedingungen
Münster ist nicht nur Oberzentrum für die Region, sondern zugleich ein wichtiges Arbeitsmarktzentrum
und Universitätsstandort, was sich auch im Bevölkerungszuwachs der Stadt widerspiegelt. Die wohn-
berechtigte Bevölkerung der Stadt Münster ist in den letzten Jahren auf 319.441 Ende des Jahres 2022
gestiegen. Dabei zeigt die Betrachtung der letzten Dekade einen kontinuierlichen Zuwachs der Einwoh-
nerzahl. Insbesondere zwischen den Jahren 2015 und 2016 lässt sich ein starker Anstieg der Bevölke-
rung im Zuge der internationalen Fluchtmigration konstatieren. Auch im Jahr 2022 zeigt sich ein über-
proportionaler Zuwachs, der zum Großteil auf den Zuzug ukrainischer Flüchtlinge zurückzuführen ist.
Abbildung 3: Bevölkerungsentwicklung in Münster
Quelle: InWIS 2023, Datenbasis: Stadt Münster, eigene Darstellung
Der Regionalvergleich zeigt, dass Münster im Zeitraum von 2012 bis 2021 3 überproportional an Ein-
wohnern gewonnen hat und sich damit deutlich vom Großteil anderer Städte in Nordrhein -Westfalen
abhebt. Die jährliche demografische Entwicklung der Stadt zeigt sich positiver als im Landestrend und
übertrifft auch die Dynamik anderer Großstädte. Seit 2012 hat die Einwohnerzahl in Münster um sechs
Prozent zugenommen, damit liegt Münster auf einem ähnlichen Niveau wie die Stadt Bonn und noch
oberhalb der Entwicklung anderer Großstädte wie Düsseldorf (+4%) und Köln (+5%). Insgesamt zähl t
3 Der Regionalvergleich beruht stets auf Daten des Statistischen Landesamtes IT.NRW. Sie werden in der Regel zur Jahresmitte
für Daten des zurückliegenden Jahres veröffentlicht.
296.536
298.518
300.267
305.235
307.842
309.429
310.610
312.169
312.969
314.332
319.441
1.982 1.749
4.968
2.607
1.587
1.181
1.559
800
1.363
5.109
0
1.000
2.000
3.000
4.000
5.000
6.000
7.000
8.000
9.000
10.000
100.000
150.000
200.000
250.000
300.000
350.000
2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022
Anzahl der Einwohner Veränderung zum Vorjahr
Wohnungsbedarfsprognose | Stadt Münster
12
Münster zu den starken Wachstumszentren des Landes, zusammen mit den genannten Städten Bonn,
Köln und Düsseldorf.
Abbildung 4: Durchschnittliche jährliche Entwicklung der Bevölkerung 2012 bis 2021
Quelle: NRW.BANK 2022: Wohnungsmarktbericht Nordrhein-Westfalen 2022
Die Bevölkerungsentwicklung einer Stadt gilt bei der Analyse des Wohnungs - und Immobilienmarktes
als wichtige Determinante. Hierzu zählen neben der Veränderung der absoluten Bevölkerungszahl auch
die natürliche Be völkerungsentwicklung und die Wanderungen. Die natürliche Bevölkerungsentwick-
lung einer Stadt ergibt sich aus dem Saldo der Geburten und Sterbefälle. Der bundesweite Trend zeigt
hier bereits seit gut 50 Jahren einen Überschuss der Sterbefälle, der sich in einem Geburtendefizit und
einer negativen natürlichen Bevölkerungsentwicklung widerspiegelt. Die Stadt Münster weicht von die-
sem Trend ab und zeigt eine positive Entwicklung. D.h. in Münster gibt es jährlich mehr Geburten als
Sterbefälle, wodurch die Stadt – auch ohne Zuwanderung – wächst. Dabei unterliegt die natürliche
Bevölkerungsentwicklung im betrachteten Zeitraum geringfügigen Schwankungen. Der vergleichsweise
niedrige Zuwachs von 190 Personen im Jahr 2021 ist auf eine verminderte Zahl der Geburten au fgrund
der Covid-19-Pandemie zurückzuführen (u.a. durch den Aufschub des Kinderwunschs).
Die Wanderungsgewinne der Stadt Münster zeigen hingegen deutlichere Schwankungen in den vergan-
genen Jahren auf, die unterschiedliche Ursachen haben. Im Jahr 2015 erreicht die Wanderungsbilanz –
aufgrund der erhöhten Zuwanderungen von Flüchtlingen – einen ersten Höhepunkt. In dem folgenden
Jahr 2016 sind die Wanderungen u.a. durch Zuweisungen von Flüchtlingen immer noch auf einem er-
höhten Niveau. Auch in den nächsten Jahren zeigen sich weiterhin Wanderungsgewinne. In 2020 lässt
sich der vergleichsweise geringe Wanderungssaldo durch die Einschränkungen der Coronapandemie
erklären, wodurch bspw. ein Teil des Zuzugs von (ausländischen) Studierenden ausgeblieben ist. Im
Jahr 2022 ist ein weiterer Höhepunkt infolge der Zuwanderung von Ukraine -Flüchtlingen erreicht wor-
den. Insgesamt hat die Stadt in den letzten Jahren dauerhaft an Einwohner gewonnen. Die gesamte
Wohnungsbedarfsprognose | Stadt Münster
13
Bevölkerungsentwicklung liegt durchgehend auf einem positiven Nive au und entwickelt sich parallel
zu der Entwicklung der Wanderungsbilanz.
Abbildung 5: Determinanten der Bevölkerungsentwicklung in Münster
Quelle: InWIS 2022, Datenbasis: Stadt Münster, eigene Darstellung, Hinweis: Registerbereinigungen und Statusveränderungen füh-
ren zur Abweichung zwischen der Summe der natürlichen Bevölkerungsentwicklung und der Wanderungen gegenüber den Verände-
rungen im Bevölkerungsstand (s. Abbildung 3); die Bewegungsdaten für 2022 lagen zum Zeitpunkt der Berichtslegung noch nicht
vor
Neben der absoluten Bevölkerungsentwicklung können in Münster auch altersstrukturelle Veränderun-
gen beobachtet werden. Durch die Zunahme der absoluten Bevölkerungszahl von 2016 bis 2021, haben
sich auch die meisten Altersgruppen in Münster vergrößert. Eine Ausnahme bildet die Altersgruppe der
30- bis unter 50-Jährigen, die insbesondere Haushalte in der Konsolidierung umfasst. Abso lut verklei-
nert sich diese Gruppe von 81.934 Personen auf 80.088 Personen, was einem Rückgang um 2,3 Prozent
entspricht. Dieser Rückgang hängt stark mit den Wanderungsbewegungen der Stadt zusammen, auf die
im Folgenden genauer eingegangen wird.
Dem Bundestrend entsprechend hat die Altersgruppe der Personen 50+ auch in Münster zugenommen.
Insbesondere bei den 50- bis unter 65-Jährigen und den Senioren über 80 Jahren gab es einen erhöhten
Zuwachs. Die hochaltrigen Personen über 80 Jahre machen in Münster jed och mit sechs Prozent nur
einen geringen Anteil an der gesamten Bevölkerung aus.
Wohnungsbedarfsprognose | Stadt Münster
14
Abbildung 6: Entwicklung der Altersstruktur von 2016 zu 2021
Quelle: InWIS 2022, Datenbasis: Stadt Münster, eigene Darstellung
Wanderungsverflechtungen sind neben der natürlichen Bevölkerungsentwicklung eine der entschei-
denden Determinanten der Bevölkerungsentwicklung. Die Differenzierung der Wanderungsbewegun-
gen nach Altersgruppen zeigt die Bedeutung Münsters als Universitätsstadt. Die stärksten Wanderungs-
gewinne verzeichnet Münster in der Altersgruppe der 18 - bis unter 25 -Jährigen, die zu Ausbildungs -
und Studienzwecken in die Stadt ziehen. Im Betrachtungszeitraum von 2017 bis 2021 beträgt der jähr-
liche Überschuss in dieser Altersgruppe rd. 4.200 Personen.4 In der Bevölkerungsgruppe 25- bis unter
30-Jähriger überwiegt hingegen der Fortzug. Das ist insbesondere darauf zurückzuführen, dass ein Teil
der Studierenden nach ihrem Abschluss wieder wegziehen, bspw. zum Berufseinstieg in einer anderen
Stadt. Vergleicht man jedoch den Umfang der Wanderungsgewinne in der Altersgruppe der 18- bis unter
25-Jährigen mit dem Wanderungsdefizit der 25 bis unter 30-Jährigen, kann abgeleitet werden, dass ein
Teil der Studierenden auch nach Abschluss in Münster bleib t. Bei den Familien mit jüngeren Kindern,
also den Bevölkerungsgruppen der 30 - bis unter 50 -Jährigen sowie den Kindern unter sechs Jahren,
zeigen sich für Münster hingegen Wanderungsverluste.
Die Altersgruppe der über 50 -Jährigen ist sehr heterogen hinsichtlich ihrer Lebensstile und Wohnvor-
stellungen. Die Gruppe der 50 - bis 65-Jährigen, auch als Best -Ager bezeichnet, umfasst häufig Haus-
halte mit einer relativ hohen Kaufkraft, die auf dem Wohnungsmarkt qualitativ hochwertigen Wohn-
raum suchen, wenn sie ihre Wohnsituation verändern wollen. Münster verzeichnet in dieser Alters-
gruppe ein leicht negative r Wanderungssaldo. Die Altersgruppe der über 65 -Jährigen, die „jungen Al-
ten“, zeichnen sich zunehmend dadurch aus, dass sie sich zu Beginn des Rentenalters ggf. noch einmal
neu orientieren und ihre Wohnsituation im Hinblick auf die eingetretene dritte Lebensphase neu über-
denken. Sowohl bei den Best -Agern als auch bei den „jungen Alten“ sind häufig wohnwertorientierte
Gründe für das Wanderungsverhalten von großer Bedeutung. Für die Altersgruppe 80+ rückt der Wech-
sel in eine altengerechte Wohnform am stärksten in s Blickfeld, sei es die barrierefreie Wohnung oder
das betreute Wohnen. In allen drei Teilgruppen ist der Wanderungssaldo nahezu ausgeglichen.
4 Datenbasis: Stadt Münster
16.507 16.842
30.211 30.524
38.614 39.191
29.477 29.905
81.934 80.088
58.818 61.649
36.019 36.723
16.262 19.410
0
50.000
100.000
150.000
200.000
250.000
300.000
350.000
2016 2021
80 und älter
65 bis unter 80
50 bis unter 65
30 bis unter 50
25 bis unter 30
18 bis unter 25
6 bis unter 18
unter 6
Wohnungsbedarfsprognose | Stadt Münster
15
Abbildung 7: Altersspezifische Wanderungen pro Jahr (2016-2021)
Quelle: InWIS 2022, Datenbasis: Stadt Münster, eigene Darstellung
Im regionalen Vergleich zeigen sich die Besonderheiten des Wanderungsmusters der Stadt Münster.
Im Unterschied zu anderen kleinen Großstädten 5 vergleichbarer Größe ist der Zuzug der 18 - bis unter
25-Jährigen deutlich überdurchschnittlich, bedingt durch das Hochschulangebot und die Rolle Müns-
ters als „Schwarmstadt“ .6 Bei den Berufseinsteigern und -aufsteigern in der Altersgruppe 25 bis 30
Jahre ist die Wanderungsbilanz – bedingt durch den Wegzug der Hochschulabsolventen – im Vergleich
zu anderen kleinen Großstädten deutlich negativ, während die Wanderungsbilanz der anderen kleinen
Großstädte in dieser Altersgruppe ausgeglichen bis geringfügig negativ ist.
Bei den Familienhaushalten zeigt sich eine andere Be sonderheit im Münsteraner Wanderungsprofil .
Während andere kleine Großstädte in Nordrhein -Westfalen bei den Kindern und Jugendlichen einen
Überschuss an Zuzügen verzeichnen, überwiegen in Münster die Fortzüge. Deutlicher ist die negative
Bilanz bei der Gruppe der 30- bis unter 50-Jährigen ausgeprägt. Beides kennzeichnet den Wanderungs-
verlust bei Familienhaushalten. Als ein Grund hierfür können die angespannte Wohnungsmarktsi tua-
tion mit sehr hohen Miet - und Kaufpreisen, ein geringes Angebot an Bauplätzen für Eigenheime und
fehlende (bezahlbare) Alternativen im Geschosswohnungsbau genannt werden. Generell wünschen
sich Personen dieser Lebensphase häufig größere Immobilien. Die zentralen Kriterien bei der Wahl sind
vorzugsweise die Bezahlbarkeit und eine kinderfreundliche Umgebung. Die starken Fortzüge dieser
Altersgruppen geben somit Hinweise auf wohnwertorientierte Abwanderungen.
5 Zu dem Typ „Kleine Großstädte“ zählen Städte mit 100.000 bis 500.000 Einwohner; neben Münster zählen dazu in NRW
bspw. die Städte Aachen, Bielefeld, Bochum, Bottrop, Hamm, Oberhausen, Paderborn und Wuppertal
6 Vgl. GdW (Hrsg.) 2015: Schwarmstädte in Deutschland. Ursachen und Nachhaltigkeit der neuen Wanderungsmuster
-24
-6
-29
-1.076
-857
4.267
204
-350
209
355
1.077
5.533
4.939
5.193
861
1.182
185
349
1.048
4.457
4.082
9.460
1.064
832
-4.000 -2.000 0 2.000 4.000 6.000 8.000 10.000 12.000
80 und älter
65 bis unter 80
50 bis unter 65
30 bis unter 50
25 bis unter 30
18 bis unter 25
6 bis unter 18
unter 6
Zuzüge Fortzüge Wanderungssaldo
Wohnungsbedarfsprognose | Stadt Münster
16
Abbildung 8: Altersspezifische Wanderungen im Vergleich (2017-2021)
Quelle: IT.NRW 2022: Kommunalprofil Münster, Hinweis: Typ: Kleine Großstadt umfasst Städte mit 100.000 bis 500.000 Einwoh-
nern
Die Wanderungsverflechtungen der Großstadt Münster mit der Stadtregion zeigen den sich auch in den
vergangenen fünf Jahren fortsetzenden Trend der Suburbanisierung. Im Saldo verlor Münster jährlich
rd. 790 Personen an die Kommunen der Stadtregion.
Zwar überwiegt bei jungen Erwachsenen der Zuzug aus der Stadtregion in die Großstadt, um etwa mög-
lichst nah an der Hochschule zu wohnen. In den übrigen Altersgruppen überwiegen jedoch die Abwan-
derungen in das Umland. Besonders groß ist der Wanderungsverlust in der Gruppe der 30 - bis 50 -
Jährigen, die traditionell die Familienhaushalte umfasst. Laut lokalen Marktexperten ist die Abwande-
rung auf das in Münster unzureichende Angebot an Eigenheimen zurückzuführen, das sich im Umland
wesentlich größer und z ugleich preisgünstiger darstellt. Nicht wenige dieser Haushalte wären bei ei-
nem entsprechenden Angebot auch in Münster geblieben. Umfrage n der Stadt Münster zu den Wande-
rungsgründen aus den Jahren 2000 und 2011 bestätigen die Expertenaussagen und zeigen, dass die
dort benannten Wanderungsgründe schon in früheren Zeiten eine hohe Relevanz hatten.
Die Umfragen haben sich auf die Nahwanderungen konzentriert, da diese in hohem Maß wohnungs-
marktorientiert erfolgen. In der Wanderungsumfrage 2000 wurden Haushalte befragt, die in den Ver-
flechtungsbereich von 19 umliegenden Kommunen gezogen sind. 45 Prozent wären lieber in Münster
geblieben. Hauptmotiv für den Fortzug war bei 70 Prozent der Befragten, kein passendes Ange bot für
die Wohneigentumsbildung gefunden zu haben. Eine weitere Wanderungsumfrage aus dem Jahr 2011
zeigte ähnliche Ergebnisse. Befragt wurden alle Haushalte, die zwischen 2007 und 2010 in eine der elf
Kommunen der Stadtregion Münster 7 gezogen sind. 8 In der Umfrage haben 42 Prozent der Befragten
angegeben, dass sie sowohl in als auch außerhalb von Münster nach Wohnraum gesucht haben. Weitere
14 Prozent gaben an, gezielt in Münster gesucht, aber nichts gefunden zu haben (ohne Nennung von
Gründen). Sie haben ihren Bleibewunsch aktiv verfolgt, sind jedoch mangels eines passenden Woh-
nungsangebotes erfolglos geblieben.
7 Zur Stadtregion gehören neben Münster die elf Kommunen Altenberge, Ascheberg, Drensteinfurt, Everswinkel, Greven, Havix-
beck, Nottuln, Ostbevern, Senden, Sendenhorst und Telgte
8 Vgl. Stadt Münster 2012: Zentrale Ergebnisse der Fortzugsumfrage 2011 (Fortzug aus Münster in die Stadtregion).
V/0718/2012
Wohnungsbedarfsprognose | Stadt Münster
17
Hauptmotive aller Fortzügler war der Eigentumserwerb . 61 Prozent aller Fortzügler sind in ein Eigen-
heim innerhalb der Stadtregion gezogen. Aus der Umfrage, den aktuellen Wanderungsbewegungen und
den Einschätzungen lokaler Marktakteure kann abgeleitet werden, dass ein Teil der Nahwanderungen
ins Umland – bei einem entsprechenden Wohnungsangebot – gehalten werden könnte. Dadurch erge-
ben sich Hinweise auf Wachstumsrestriktionen der Stadt Münster : Ein Teil der vorzugsweise familien-
orientierten Haushalte kann aufgrund des fehlenden Wohnungsangebots für diese Zielgruppe nicht an
die Stadt gebunden werden.
Abbildung 9: Wanderungsverflechtungen zwischen Münster und der Stadtregion Münster pro Jahr (2017-2021)
Quelle: InWIS 2022, Datenbasis: Stadt Münster, eigene Darstellung
3.2. Sozioökonomische Rahmenbedingungen
Die Wirtschafts- und Beschäftigungsentwicklung einer Stadt hat m aßgeblichen Einfluss auf die Attrak-
tivität eines Wohnstandortes und fließt daher in die Analyse mit ein. Die Zahl der Pendler, der sozial-
versicherungspflichtig Beschäftigten und auch die Kaufkraft lassen Rückschlüsse auf die Nachfra-
geseite des Wohnungsmarktes zu.
Die Bedeutung Münsters als Arbeitsort für das Umfeld zeigt sich insbesondere in den Pendlerzahlen.
Insgesamt standen 2021 rd. 45.300 Auspendlern rd. 109.00 Einpendlern gegenüber, das entspricht
einem Saldo von rd. 63.700 Personen. Dabei ist die Pen dlerzahl in den letzten zehn Jahren stetig an-
gestiegen. Die Einpendlerquote zeigt den Anteil der Einpendler an den Erwerbstätigen am Arbeitsor t
Münster in Prozent, d.h. rd. 47 Prozent der in Münster Beschäftigten pendeln täglich zur Arbeit in die
Stadt. Hierbei ist wichtig zu beachten, dass Wanderungsbewegungen in einem engen Zusammenhang
mit den Pendlerbewegungen stehen und diese im Umfeld von Kernstädten in der Regel in umgekehrter
Richtung zu den Wanderungsbewegungen verlaufen. Besonders viele Einpendler stammen aus den an-
grenzenden Kreisen Steinfurt, Coesfeld und Warendorf.
-18
-28
-71
-638
-79
376
-77
-254
50
83
230
1.003
417
295
155
311
32
55
158
365
339
671
78
57
-1.000 -500 0 500 1.000 1.500
80 und älter
65 bis unter 80
50 bis unter 65
30 bis unter 50
25 bis unter 30
18 bis unter 25
6 bis unter 18
unter 6
Zuzüge Fortzüge Wanderungssaldo
Wohnungsbedarfsprognose | Stadt Münster
18
Tabelle 1: Berufspendler in Münster
Quelle: InWIS 2022, Datenbasis: Information und Technik Nordrhein-Westfalen, eigene Darstellung; Einpendlerquote = Zahl der
Berufseinpendler im Verhältnis zur Anzahl der Erwerbstätigen am Arbeitsort
Der Zunahme der Einpendler liegt die positive Entwicklun g der sozialversicherungspflichtig Beschäf-
tigten am Arbeitsort in Münster zugrunde. In den vergangenen zehn Jahren ist die Zahl der sozialversi-
cherungspflichtig Beschäftigten am Arbeitsort in Münster um rd. 33.640 Personen gewachsen und lag
zuletzt in 2021 bei 183.461 Beschäftigten. Dies entspricht einer Zunahme von 22,5 Prozent gegenüber
dem Jahr 2012 (landesweite Entwicklung im gleichen Zeitraum rd. 1 6%). Damit hat Münster seine Be-
deutung als überregionaler Arbeitsplatzstandort stark ausgebaut. Ein Großteil der sozialversicherungs-
pflichtig Beschäftigten arbeitet in Bildungs- und Verwaltungseinrichtungen, im Gesundheitssektor so-
wie weiteren Dienstleistungsbetrieben, etwa aus der Finanz- und Versicherungsbranche.
Der Kaufkraftindex pro Haushalt liegt in Münster bei 91,4 (Stand 2021), also unterhalb des bundes-
deutschen Durchschnitts. 9 Gut verdienende Münsteraner Haushalte scheint es eher in das Umland zu
ziehen. Landesweit ist dort und in den Kommunen der Rheinschiene die höchste Kaufkra ft zu konsta-
tieren. Beim Kaufkraftindex pro Einwohner erreicht Münster hingegen einen Wert von 101,2, der leicht
oberhalb des bundesdeutschen Durchschnitts liegt. Durch die in Teilen geringe Kaufkraft der Münster-
aner Haushalte entsteht eine dementsprechende Nachfrage nach preisgünstigem Wohnraum.
Zudem hat sich die Spreizung der Ei nkommensverteilung in den vergangenen Jahren weiter fortge-
setzt.10 Das bedeutet, die höheren Einkommen steigen stärker als die Einkommen unterhalb des Durch-
schnitts. Das erhöht den Konkurrenzdruck um Wohnraum besonders für untere und mittlere Einkom-
mensgruppen. Die derzeitigen Rahmenbedingungen wie die starke Inflation verstärken die Problematik
und schwächen besonders von Haushalten mit unterdurchschnittlichem Einkommen die Wohnkauf-
kraft.11 Die steigenden Zinsen und Energiepreise beeinträchtigen zudem die wirtschaftliche Situation
von Mieter- und Eigentümerhaushalten.
9 Der niedrigere Kaufkraftindex pro Haushalt erklärt sich durch die zahlreichen kleinen Haushalte und Studierende in der Groß-
stadt, während sich die kaufkraftstärkeren (Familien-)Haushalte, u. a. zum Zweck der Eigentumsbildung, in das Münsteraner
Umland orientieren.
10 Vgl. NRW.BANK 2022: Wohnungsmarktbericht Nordrhein-Westfalen 2022, S.29
11 Vgl. NRW.BANK 2022: Wohnungsmarktbericht Nordrhein-Westfalen 2022, S.15
2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021
Berufsein-
pendler 91.014 92.818 94.729 96.724 99.491 101.534 103.067 105.270 104.853 108.998
Einpendler-
quote 44,5 % 44,4 % 44,3 % 44,6 % 44,8 % 44,9 % 44,7 % 45,0 % 46,1 % 46,6 %
Pendlersaldo 53.194 54.303 55.285 56.594 57.652 58.334 58.175 60.348 60.927 63.661
Wohnungsbedarfsprognose | Stadt Münster
19
Abbildung 10: Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte (am Arbeitsort)
Quelle: InWIS 2022, Datenbasis: IT.NRW, eigene Darstellung
Abbildung 11: Kaufkraftindex pro Haushalt (2021)
Quelle: InWIS 2022, Datenbasis: GfK, eigene Darstellung
Wohnungsbedarfsprognose | Stadt Münster
20
3.3. Eckdaten zur Wohnungsbestandsentwicklung
Der Wohnungsbestand der Stadt Münst er ist seit Jahren wachsend, im Jahr 2021 umfasste er rd.
170.580 Wohnungen. 12 Der Großteil der Wohnungen befindet sich in Mehrfamilienhäusern (rd. 65%
zzgl. 5% in Wohnheimen). In den letzten zehn Jahren wurden durchschnittlich 1.653 Wohnungen pro
Jahr fertiggestellt, darunter 1.328 Wohnungen im Mehrfamilienhaussegment und 325 in in dividueller
Bauweise. Die Fertigstellungszahlen im Segment der Mehrfamilienhäuser haben über die Jahre an Be-
deutung gewonnen, der Schwerpunkt liegt deutlich in diesem Segment.
In dem Handlungskonzept Wohnen der Stadt Münster ist als Ziel definiert, ab 2013 jährlich mindestens
1.500 neue Wohnungen in Münster zu errichten. In 2015 wurde dieses Ziel auf eine Anzahl von 2.000
neuen Wohnungen pro Jahr angehoben. In 2020 konnte es mit rd. 2.100 Fertigstellung sogar übertrof-
fen werden. Die seit Herbst 2022 u.a. durch starke Zins- und Baupreissteigerungen bundesweit zurück-
haltende Bautätigkeit wird sich vermutlich auch auf Münster auswirken. Für 2023 und 2024 gehen
Wirtschaftsverbände davon aus, dass ein Drittel der ursprünglich geplanten Neubaufertigstellungen
nicht realisierbar ist.13
Abbildung 12: Baufertigstellungen von Wohnungen in Ein- und Zweifamilien- sowie Mehrfamilienhäusern
Quelle: InWIS 2022, Datenbasis: Stadt Münster, eigene Darstellung
*Die Bautätigkeit für die Jahre 2017 und 2018 kann nur zusammengefasst ausgewertet werden.
Zur Einordnung der Baufertigstellungszahlen kann die Bauintensität herangezogen werden. Die Bauin-
tensität gibt eine Aussage darüber, wie viele neue Wohnungen in einem Betrachtungszeitraum (hier:
zwischen 2019 und 2021) bezogen auf 10.000 Einwohner fertiggestellt wurden. Im Vergleich zeigt sich
landesweit die höchste Gesamtintensität – wie auch in den Jahren zuvor – in den wirtschaftlich und
demografisch besonders dynamischen Regionen wie dem Münsterland und dem westlichen Ostwestfa-
len. Verglichen mit dem Landesdurchschnitt ist die Gesamtbauintensität in Münster überdurchschnitt-
lich hoch.
In Münster zeigt sich eine deutlich erhöhte Bauintensität im Segment der Mehrfamilienhäuser. Landes-
weit verzeichnet das Münsterland zusammen mit der Region Gütersloh und Paderborn sowie Düsseldorf
die höchste Bauintensität im Geschosswohnungsbau. In diesen stark wachsenden Regionen gewinnt
12 Verminderung des Wohnungsbestands um 215 WE auf 170.578 WE infolge lückenhafter Fortschreibung, s. weitergehende
Erläuterungen im methodischen Anhang 10.3
13 Vgl. GdW 2023: Pressekonferenz des GdW am 18. Januar 2023. Bezahlbares Bauen und Wohnen in der Krise
516 373 337 318 298
464 326 377
244
1.410
1.589
1.111 1.053
1.399
2.290
1.414
1.736
1.274
0
500
1.000
1.500
2.000
2.500
3.000
2012 2013 2014 2015 2016 2017/18* 2019 2020 2021
WE in Ein-/Zweifamilienhäusern WE in Mehrfamilienhäusern
Wohnungsbedarfsprognose | Stadt Münster
21
der Geschosswohnungsbau zunehmend an Bedeutung. Für die Stadt Münster zeigt sich das in deutlich
überdurchschnittlichen Fertigstellungszahlen, die auch bei Nichtbetrachtung der Neubautätigkeiten im
Bereich der Studierendenwohnheime hoch sind. Die Bautätigkeit im Bereich der Ein - und Zweifamili-
enhäuser ist hingegen auf einem niedrigen N iveau. Das knappe Angebot und ein höheres Kaufpreisni-
veau haben potenzielle Eigenheimerwerber veranlasst, ins Münsteraner Umland auszuweichen. Das
haben sich Gemeinden im direkten Umland zunutze gemacht und größere Baugebiete ausgewiesen –
so ist die Bauin tensität in diesem Teilmarkt bspw. in Everswinkel, Telgte, Havixbeck und Altenberge
stark ausgeprägt.14 Die hohe Gesamtbauintensität, bedingt durch einen stark ausgeprägten Wohnungs-
neubau im Mehrfamilienhaussegment, ist als positives Resultat der städtischen Anstrengungen zu wer-
ten, dem Nachfragedruck am Wohnungsmarkt zu begegnen.
Abbildung 13: Gesamtbauintensität in regionalen Vergleich
Quelle: NRW.BANK 2022: Wohnungsmarktbericht Nordrhein-Westfalen 2022
14 Vgl. NRW.BANK 2022: Wohnungsmarktbericht Nordrhein-Westfalen 2022, S. 83
Wohnungsbedarfsprognose | Stadt Münster
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Abbildung 14: Bauintensität im Geschosswohnungsbau im Vergleich (Neubau, ohne Wohnheimplätze)
Quelle: NRW.BANK 2022: Wohnungsmarktbericht Nordrhein-Westfalen 2022
Wohnungsbedarfsprognose | Stadt Münster
23
Schlussfolgerungen zur Situationsanalyse
▪ Münster ist die zweitgrößte Universitätsstadt in NRW und zugleich ein beliebter Wohnstandort
in der Region, davon zeugen stetige Wanderungsüberschüsse. Zugleich ist Münster eine stark
wachsende Kommune mit einem überdurchschnittlichen Bevölkerungswachstum , das in den
letzten zehn Jahren jedes Jahr 2.000 Personen umfasste.
▪ Münster ist eine junge Stadt mit dem landesweit geringsten Altersdurchschnitt. 15 Im Unter-
schied zu vielen anderen Städten verzeichnet sie einen jährlichen Geburtenüberschuss. Es
sind jedoch vorzugsweise die Wanderungsgewinne von 1.500 und mehr Personen jährlich, die
zu dem Bevölkerungswachstum beitragen.
▪ Die Befunde zu den Stadt -Umland-Wanderungen und Wanderungsumfragen zeigen, dass ein
Verbleib zahlreicher wohnungssuchender Haushalte am Wohnort Münster mangels eines hin-
reichendem Wohnungsangebot kaum möglich ist. Dies betrifft vor allem Familienhaushalte,
die in Münster kein hinreichendes Wohnungsangebot vorfinden. Repräsentative Wanderungs-
umfragen und Marktexperten bestätigen, dass ein Teil der Abwanderer gerne in Münster ge-
blieben wäre. Dadurch ergeben sich Hinweise auf bestehende Wachstumsrestriktionen durch
die Abwanderung von (Familien-)Haushalten aufgrund eines unzureichendem Wohnungsange-
bot für diese Zielgruppe.
▪ Münster ist ein bedeutender regionaler Wirtschaftsstandort mit einer hohen Zahl an Einpend-
lern und positiven wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Der Aufwärtstrend bei den sozialver-
sicherungspflichtig Beschäftigten, eine durchschnittli che Arbeitslosenquote und ein breites
Arbeitsplatzangebot in Verwaltung, Wissenschaft und Dienstleistung garantieren einen steti-
gen Zuzug von Erwerbstätigen.
▪ Die Stadt zeichnet eine deutlich erhöhte Bauintensität im Segment der Mehrfamilienhäuser
aus. Die Verdichtung im Wohnungsbau spiegelt einen hohen Bedarf bei gleichzeitig knappen
Baulandreserven wider. Trotz hoher Gesamtbauintensität kann Münster die vorhandene Nach-
frage nicht binden, sodass Wohnungssuchende nicht selten unfreiwillig ins Umland auswei-
chen.
15 NRW.BANK 2021: Regionalwirtschaftliche Profile Nordrhein-Westfalen 2021. Ausgewählte Indikatoren, Münsterland.
Wohnungsbedarfsprognose | Stadt Münster
24
4. Analyse der Angebots- und Nachfragesituation in den
Wohnungsteilmärkten
Den Münsteraner Wohnungsmarkt kennzeichnet eine stark angespannte Marktsituation mit steigenden
Kauf- und Mietpreisen sowie einer hohen Nachfrage nach Wohnraum. Dies gilt sowohl für den Mietwoh-
nungsmarkt als auch für die Teilmärkte der Ein- und Zweifamilienhäuser sowie der Eigentumswohnun-
gen. Alle drei Segmente werden in den nachfolgenden Abschnitten analysiert. Dem studentischen Woh-
nen und der sozialen Wohnraumversorgung im Sinne des preisgebundenen Mietwohnraums werden ein
eigenes Kapitel gewidmet (s. hierzu Kapitel 5).
In die Analyse sind neben Expertengesprächen mit Marktkennern und der Auswertung von Wohnungs-
marktgutachten auch eine Wohnungsannoncenauswertung eingeflossen, deren Methodik in den Kapi-
teln 2 und 10.1 nachzulesen ist. Für die Auswertung wurde das Angebotsportal des ImmobilienScout24
ausgewertet. Es bietet bekanntermaßen einen umfangreichen, aber keinen vollständigen Überblick
über den gesamten Wohnungsmarkt. Gerade in Universitätsst ädten wie Münster werden etliche Inse-
rate und Gesuche über studentische Portale , Social Media, Aushängen oder die Wohnungsbörse des
Allgemeinen Studierendenausschusses (AStA) vermittelt, die aus Gründen des erheblichen Erhebungs-
aufwandes nicht einbezogen wurden. Daher wurde besonderer Wert daraufgelegt, dass die getroffenen
Aussagen aus verschiedenen Informationsquellen übereinstimmen.
Zur Einordnung der Ergebnisse der Wohnungsannoncenauswertung ist noch darauf hinzuweisen, dass
sich die Auswirkungen der Coronapandemie auch am Wohnungsmarkt bzw. bei der Wohnungssuche
deutlich gemacht hat. Zuzugsbeschränkungen für ausländische Studierende, ein verminderter Studie-
rendenzuzug durch eine sich ausbreitende digitale Lehre an den Hochschulen und eine generell gerin-
gere Umzugsaktivität prägten die Wohnungssuche im Jahr 2021. Diese Einflüsse zeigten sich in Münster
u.a. in Form einer gewissen Beruhigung des hohen Nachfragedrucks. Verglichen mit den Vorjahren zeigt
sich dort in der Wohnungsannoncenauswertung ein Rückgang der Nachfragekennziffern. Dabei darf das
abnehmende Interesse auf dem Online-Immobilienportal in dem betreffenden Jahr nicht als ein Abfla-
chen des Nachfragedrucks angesehen werden. Insgesamt war die Nachfrage sowohl nach Mietwohnun-
gen als auch nach Wohneigentum im Jahr 2021 – verglichen mit anderen Regionen – überdurchschnitt-
lich hoch.
4.1. Markt für Mietwohnungen (freifinanziert)
Der Mietwohnungsmarkt stellt für die Stadt Münster das zentrale Wohnungsmarktsegment dar. Zum
einen, da sich der Großteil des Wohnungsbestands in diesem Segment befindet und zum anderen da
viele Münsteraner Haushalte Mietwohnungen nachfragen. Zu den Nachfragern zählen Starterhaushalte,
Singles und Paare unterschiedlicher Altersgruppen sowie Senioren, die wiederum besondere Anforde-
rungen hinsichtlich der Barrierearmut an den Mietwohnraum stellen. D urch diese Haushalte entsteht
eine erhöhte Nachfrage besonders im Markt für kleinere Mietwohnungen. Aber auch die Nachfrage nach
größeren Wohnungen steigt. Das ist u.a. darauf zurückzuführen, dass potenzielle Käufer größere Miet-
wohnungen als Alternative zum Wohneigentum ansehen. In Münster kommen auch demografische Fak-
toren hinzu, wie der Geburtenüberschuss, dadurch gewinnt familiengerechter Wohnraum an Bedeu-
tung.
Im Ergebnis konkurrieren diverse Haushaltstypen am Münsteraner Mietwohnungsmarkt, die zum gro-
ßen Teil auf Wohnungen im unteren bis mittleren Preissegment a ngewiesen sind. Dabei zählt Münster
landesweit zu den Großstädten mit einem stark angespannten Mietwohnungsmarkt, demnach werden
in NRW in Münster, Aachen und de r Rheinschiene die höchsten Mietpreis e verlangt.16 Blickt man auf
die Entwicklung der Mietpreise in den vergangenen Jahren zeigt sich, dass die Mieten generell in ganz
16 Vgl. NRW.BANK 2022: Wohnungsmarktbericht NRW 2022, S. 40f.
Wohnungsbedarfsprognose | Stadt Münster
25
NRW gestiegen sind. Besonders stechen jedoch auch hier die Stadt Münster sowie die Rheinschiene
und das engere Umland hervor.
Abbildung 15: Mittlere Wiedervermietungsmiete (nettokalt) für Bestandsangebote
Quelle: NRW.BANK 2022: Wohnungsmarktbericht Nordrhein-Westfalen 2022
Die deutliche Anspannung zeigt sich auch bei einer differenzierten Betrachtung der Angebotsmieten
im Neubau, also Wohnungen, die im Angebotsjahr höchstens drei Jahre alt waren, und bei der Wieder-
vermietung im Bestand.
Während die Angebotsmieten in Bestandswohnungen von 9,01 Euro/m² im Jahr 2014 auf 11,44 Euro/m²
im Jahr 20 21 angestiegen sind, haben sich die Preise von Mietwohnungen in Neubauten von 11,11
Euro/m² auf zuletzt 13,79 Euro/m² erhöht (s. Abbildung 16). Dies entspricht sowohl im Neubau als auch
im Bestand einer Preissteigerung von mehr als drei Prozent pro Jahr, einem Niveau, das oberhalb der
allgemeinen Teuerungsrate in Deutschland liegt. Generell liegen die Nachfragekennwerte von Neubau-
wohnungen dabei unterhalb der Bestandswohn ungen. Dabei ist die Nachfrage über den gesamten Be-
trachtungszeitraum auf einem sehr hohen Niveau, insbesondere bei den Bestandswohnungen. Das wie-
derum zeigt die hohe Nachfrage nach, zumindest im Vergleich zum Neubau, preisgünstigerem Wohn-
raum.
Wie bereits angemerkt kann der jüngste Rückgang der Nachfragekennwerte nicht gänzlich auf die tat-
sächliche Nachfrage am Wohnungsmarkt zurückgeführt werden, da unter andere m technische Vorkeh-
rungen des Immobilienportals im Jahr 2020 zu einem Rückgang der ausgewiesenen Hits/Monat geführt
haben. Gleichzeitig hat sich die Corona -Pandemie im gesamten Bundesgebiet hemmend auf die Wan-
derungsbewegungen und der Bereitschaft zum Umzug in den Jahren 2020 und 2021 ausgewirkt. Das
zeigt sich auch in der Nachfrageentwicklung in den anderen Wohnungsteilmärkten.
Wohnungsbedarfsprognose | Stadt Münster
26
Abbildung 16: Angebotspreise und Nachfragekennwerte von Mietwohnungen in Neubau und Bestand
Quelle: InWIS 2022, Datenbasis: ImmobilienScout24 2014-2021, eigene Darstellung; Anmerkung: Allgemeiner Nachfragerückgang
im Jahr 2020 ist auf technische Vorkehrungen gegen das „Scraping“ bei ImmobilienScout24 zurückzuführen
In Hinblick auf das Objektalter der bei ImmobilienScout24 inserierten Mietwohnungsangebote erhal-
ten Wohnungen mit Baujahr vor 1980 ein im gesamtstädtischen Vergleich leicht überdurchschnittliches
Interesse. Dabei bilden Wohnungen dieser Altersklasse rd. 43 Prozent aller angebotenen Wohnungen
ab und bewegen sich mit einem durchschnittlichen Mietpreis von 9,72 bzw. 10.69 Euro/m² im mittleren
Preissegment. Rund 28 Prozent aller Wohnungsangebote stammen aus den Jahren ab 2010, diese er-
fahren (vermutlich auch preisbedingt) das vglw. geringste Interesse. Der durchschnittliche Mietpreis
ist mit 12,22 Euro/m² bei neuwertigen Wohnungen ab 2010 am höchsten.
Ungefähr jede Fünfte aller angebotenen Mietwohnungen wurde zwischen 1980 bis 1999 erbaut, was
auf einen erhöhten Modernisierungsbedarf insbesondere in Hinblick auf Barrierefreiheit hindeutet.
Gleiches gilt für den Großteil des Wohnungsangebots mit einem Baujahr vor 1980. Auch die lokalen
Marktakteure bestätigen, dass die Nachfrage nach barrierearmen Wohnungen deutlich höher ist als das
verfügbare Angebot. Hinzu kommt, dass sich viele Senioren barrierearme Neubauwohnungen in Müns-
ter nicht leisten können. Dabei wird die Bezahlbarkeit von barrierearmen und -freien Wohnungen auch
zukünftig ein relevantes Themenfeld bleiben, da die Altersarmut voraussichtlich zunehmen wird. 17
Tabelle 2: Mietwohnungsangebot nach Baualter
Baujahr Zahl der
Angebote Anteil Mietpreis in €/m² Hits pro Monat Interesse
Bis 1949 1.446 6,0% 10,69 4.803 leicht überdurchschnittlich
1950 bis 1979 8.314 37,0% 9,72 4.725 leicht überdurchschnittlich
1980 bis 1999 4.817 21,0% 9,35 4.330 durchschnittlich
2000 bis 2009 1.740 8,0% 10,41 4.199 durchschnittlich
Ab 2010 6.324 28,0% 12,22 2.684 unterdurchschnittlich
Quelle: InWIS 2022, Datenbasis: ImmobilienScout24 2014 bis 1. Quartal 2022, eigene Darstellung
Dabei ist nicht nur das Baualter ein Indiz für Anpassungs - und Modernisierungsbedarfe der Wohnun-
gen. Im Hinblick auf die Qualität der Wohnungsausstattung ist bei jeder vierten inserierten Wohnung
17 Vgl. Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales NRW: Sozialbericht NRW 2020. Armuts- und Reichtumsbericht, S. 361
Wohnungsbedarfsprognose | Stadt Münster
27
(ca. 28%) ein Modernisi erungsbedarf zu vermuten, da bei dem Wohnungsinserat entweder der Über-
gabezustand noch zu vereinbaren ist oder keine Objektmerkmale angegeben werden. Erfahrungsgemäß
werden diese Angaben bei einer geringen Ausstattungsqualität getroffen. Diese Wohnungen weisen
entsprechend unterdurchschnittliche Mietpreise auf. Gleichzeitig kann bei mehr als jeder dritten inse-
rierten Wohnung (39%) erwartet werden, dass sie über zeitgemäße und moderne Standards verfüg t,
da sie als saniert, modernisiert, neuwertig oder neu (Erstbezug) beschrieben werden.
Neben dem Objektalter und -zustand ist insbesondere die Größe der angebotenen Wohnungen für die
Wohnungssuchenden relev ant. Der Nachfrageschwerpunkt liegt in Münster bei kleineren Wohnungs-
größen, die von unterschiedlichen Zielgruppen nachgefragt werden, dazu zählen in Münster insbeson-
dere Studierende sowie generell Single- und Paarhaushalte. Während Studierende sowohl kleinere Sin-
gle-Wohnungen als auch größere Wohnungen für Wohngemeinschaften nachfragen, sind i nsbesondere
Familien, die sich kein Eigenheim leisten können oder wollen, vielfach auf der Suche nach größeren
Wohnungen. Diese Wohnungen kommen jedoch auch für Singl es, Paare und Wohngemeinschaften mit
einem höheren Einkommen in Frage. Anteilig bilden jedoch Wohnungen bis 80 m² das weitaus größere
Angebot ab. Auch diese Wohnungen sind für mehrere wohnungswirtschaftliche Zielgruppen von Bedeu-
tung. So können hier nicht nur Singles und Paare, sondern bei einem günstigen Zuschnitt auch kleine
Familien Platz finden.
In welcher Beziehung Objektgröße, Mietpreis und Nachfrage zueinanderstehen, macht die nachfol-
gende Abbildung mit einer Gegenüberstellung von Preisklassen und Wohnungsgrößenklassen deutlich.
Sie bestätigt die starke Nachfrage nach kleineren Wohnungen bis 65 m², vor allem im niedrigen und
mittleren Preissegment bis zu 10,00 Euro, in abgeschwächter Form auch bei einem höheren Preis von
bis zu 12,00 Euro/m². Ein weiterer Interessenschwerpunkt ist bei großen und zugleich preisgünstigen
Wohnungen bis 95 m² Wohnfläche festzustellen, die zum Beispiel für Familien und Wohngemeinschaf-
ten geeignet sind. Durch den verstärkten Homeoffice-Trend der letzten Jahre haben auch andere (kauf-
kraftstärkere) Haushalte den Wunsch nach zusätzlicher Wohnfläche für ein Arbeitszimmer. Dadurch ist
in den jüngeren Jahren eine verstärkte Nachfrage nach größeren Wohnungen zu konstatieren. Da der
Mietwohnungsmarkt in Münster aber insgesamt seh r angespannt ist, zeigen sowohl die Wohnungs-
annoncenauswertung als auch die befragten Experten, dass für alle Wohnungsgrößen eine hohe Nach-
frage festgestellt werden kann. Obgleich bei kleineren preisgünstigen Wohnungen ein im Vergleich
stärkerer Engpass be steht, stellen die lokalen Experten auch ein Angebotsdefizit bei größeren Woh-
nungen fest. Dort besteht Nachfrage u.a. durch Haushalte mit Kindern, die eine bezahlbare familienge-
rechte Wohnung zur Miete suchen oder die kein adäquates Angebot für den Eigentumserwerb innerhalb
des Stadtgebietes gefunden haben und daher auf eine hinreichend große Mietwohnung ausweichen
wollen oder müssen. Die befragten Experten weisen darauf hin, dass die Versorgung mit Mietwohnraum
für Familien mit zwei und mehr Kindern besond ers schwierig ist, da es nur wenige bezahlbare Woh-
nungsangebote gibt, die für diese Haushalte in Frage kommen. Dabei sehen die Experten derzeit ein
sehr knappes Angebot an großen Mietwohnungen.
Wohnungsbedarfsprognose | Stadt Münster
28
Abbildung 17: Gegenüberstellung von Preisklassen und Wohnflächenklassen
Quelle: InWIS 2022, Datenbasis: ImmobilienScout24 2014 bis 1. Quartal 2022, eigene Darstellung,
Hinweis: Wert in den Feldern zeigt die Anzahl der Wohnungsinserate in der jeweiligen Preis- und Wohnflächenklasse, Einteilung der
Nachfrage im gesamtstädtischen Vergleich
Nach Aussagen von Marktexperten ist eine deutliche Knappheit an Mietwohnungen vorhanden. Dabei
bestehen die größten Angebotsdefizite bei kleinen Wohnungen bis 50 m² Wohnfläche sowie bei größe-
ren Wohnungen ab vier Zimmern. Letztere kommen für mehrere Haushalte in Frage, die in Konkurrenz
zueinanderstehen: Singles und Paare mit höherem Budget und Wunsch nach einem zusätzlichen Zim-
mer (bspw. als Arbeitszimmer), studentische Wohngemeinschaften sowie Familienhaushalte mit klei-
nerem Budget. Haushalte mit Kindern haben besondere Schwierigkeiten bei der Wohnungssuche , da
sie in Konkurrenz zu den anderen Nachfragern stehen, häufig ein vergleichsweise geringeres Budget
zur Verfügung haben und weil kinderreichere Familien nach Expertenaussagen teilweise auch auf Vor-
behalte von Vermietern treffen.
Aber auch für Familien mit Kind und Paare ohne Kind, die aufgrund ihres Einkommens die Schwelle
überschritten haben, die Haushalten einen Anspruch auf einen Wohnberechtigungsschein ermöglicht
(so genannte „Schwellenhaushalte“), ist am Markt zu wenig bezahlbarer Wohnraum vorhanden. Beson-
dere Schwierigkeiten ergeben sich daraus, dass sie keine öffentlich geförderte Wohnung beziehen kön-
nen und am freifinanzierten Markt in Konkurrenz zu kaufkraftstärkeren Haushalten stehen. Gleichzeitig
besteht viel Unkenntnis bei Haushalten über Berechtigungen nach den Einkommensgruppen (EKG) A
und B. Viele Haushalte, die Anspruch auf eine geförderte Wohnung hätten, wissen darüber nicht Be-
scheid und stellen erst gar keinen Antrag für einen W ohnberechtigungsschein. Bei einer besseren In-
formation dieser Gruppen wäre die Nachfrage nach gefördertem Wohnraum andernfalls höher. Dies
geht mit der Einschätzung einher, dass in Großstädten wie Münster ca. 50 Prozent aller Haushalte einen
Anspruch auf einen Wohnberechtigungsschein hätten.18
Die Wartelisten beim größten Anbieter preisgünstiger Mietwohnungen in Münster bestätigen die hohe
Nachfrage. Die Zahl der Interessenten übersteigt das dortige Angebot um ein Vielfaches. In 2022 gab
es im Durchschnitt 4.000 Mietinteressenten, gleichzeitig hat das Unternehmen jeden Monat nur rd. 40
freie Wohnungen, die durch einen Mieterwechsel neu vermietet werden können. Demnach kommen 100
Interessenten auf eine freigewordene Mietwohnung. Dabei wird die Liste vom Unternehmen jährlich
aktualisiert, da sich Bewerber zum Jahreswechsel neu anmelden müssen. Auch wenn innerhalb der
Warteliste Doppelnennungen möglich sind, bspw. wenn sich alle Haushaltsmitglieder angemeldet ha-
ben, bestätigt das die hohe Nachfrage nach preisgünstigem Mietwohnraum.
Hinsichtlich des Mietniveaus besteht den Experten zufolge ein deutlicher Mangel bei Wohnungen bis
zu 11,00 Euro/m². Diese Wohnungen sind für Haushalte mit einem kleineren Budget wichtig, die Nach-
frage übersteigt das Angebot jedoch um ein Vielfaches . Von den Marktakteuren wird konstatiert, dass
die Mieten zwar stark steigen, der Nachfragedruck jedoch so hoch ist, dass derzeit fast jede Wohnung
vermietet werden kann. Im oberen Preissegment (ab ca. 13,00 €/m²) dauert der Vermarktungsprozess
18 S. hierzu auch Kapitel 5.2
€/m² bis 50 m² bis 65 m² bis 80 m² bis 95 m² ab 96 m²
bis <7,35 315 693 797 590 593
7,35 bis <8,50 706 1.044 1.168 724 674
8,50 bis <10,00 2.101 1.732 1.924 1.158 1.215
10,00 bis <12,00 2.329 1.444 1.468 1.091 1.423
12,00 bis <13,65 1.486 797 734 536 924
13,65 und mehr 1.629 446 317 224 458
€/m² bis 50 m² bis 65 m² bis 80 m² bis 95 m² ab 96 m²
bis <7,35 315 693 797 590 593
7,35 bis <8,50 706 1.044 1.168 724 674
8,50 bis <10,01 2.101 1.732 1.924 1.158 1.215
10,01 bis
<12,00 2.329 1.444 1.468 1.091 1.423
12,00 bis
<13,65 1.486 797 734 536 924
13,65 und mehr 1.629 446 317 224 458
Legende für die Nachfrage
überdurchschnittlich
(über 5.700 Hits/Monat)
leicht überdurchschnittlich
(4.700 – 5.700 Hits/Monat)
durchschnittlich
(3.700 – 4.700 Hits/Monat)
leicht unterdurchschnittlich
(2.700 – 3.700 Hits/Monat)
unterdurchschnittlich
(unter 2.700 Hits/Monat)
Wohnungsbedarfsprognose | Stadt Münster
29
jedoch etwas länger, sodass das Segment als eher ausgeglichen beschrieben wird. Der hohe Nachfra-
gedruck zeigt sich auch in dem deutlich unterdurchschnittlichen Leerstand sniveau der größeren Woh-
nungsanbieter in Münster von weniger als einem Prozent. Dieser Anteil ist so gering, dass Umzüge und
Modernisierungen kaum stattfinden können, da dazu immer ein Anteil an leerstehenden Wohnungen
notwendig ist. Die Leerstandsreserve, im wissenschaftlichen Kontext auch Fluktuationsreserve ge-
nannt, ist in jedem Wohnungsmarkt in ausreichender Höhe notwendig, damit Haushalte, deren Wohn-
bedarfe sich durch Kindernachwuchs, Arbeitsplatzwechsel usw. ändern, eine passende neue Wohnung
suchen können. Auf die notwendige Höhe einer angemessenen Leerstandrese rve wird in Kapitel 6.3
eingegangen.
Abbildung 18: Der Markt für Mietwohnungen – Experteneinschätzungen
Quelle: InWIS 2022, eigene Darstellung
4.2. Markt für Eigentumswohnungen
In Münster stellt sich die Marktsituation auch bei Eigentumswohnungen angespannt dar, obgleich sich
das Teilsegment im Vergleich zu den Mietwohnungen und den Eigenheimen am wenigsten angespannt
zeigt. In Münster wurden im Beobachtungszeitraum von 2014 bis 1. Quartal 2022 insgesamt rd. 7.400
Wohnungen mit einem durchschnittlichen Preis von 3.500 Euro/m² (Bestand und Neubau) bei Immo-
bilienScout24 zum Verkauf angeboten. Münsters Preisniveau gilt auch bei den Eigentumswohnungen
im landesweiten Vergleich als überdurchschnittlich. Dabei verweist die NRW.BANK in ihrem jüngsten
Wohnungsmarktbericht darauf, dass eine mittlere Bestandseigentumswohnung in den teuersten Städ-
ten des Landes Köln, Münster und Düsseldorf 4.000 bis 5.000 Euro/m² kostet. 19
Die Auswertung der ImmobilienScout24-Angebote zeigt, dass der mittlere Angebotspreis für Bestand-
seigentumswohnungen im Jahr 2021 auf rd. 4.300 Euro/m² gestiegen ist. Gegenüber dem Jahr 2014
entspricht das einem Anstieg um 65 Prozent bzw. 1.726 Euro/m². Bei der Unterscheidung zwischen
Neubau und Bestand zeigt sich ein ähnliches Bild: Sowohl Angebotspreise als auch Nachfragekenn-
werte sind in beiden Gruppen an gestiegen. Der durchschnittliche Angebotspreis für Neubau -Eigen-
tumswohnungen liegt derzeit rd. 1.200 Euro/m² über dem Prei s für Bestandswohnungen. Der Ange-
botspreis von rd. 5.600 Euro/m² im Neubau wurde von den befragten Experten bestätigt, denen zufolge
19 Vgl. NRW.BANK 2022: Wohnungsmarktbericht NRW 2022, S.49
Familien mit Kindern
haben Schwierigkeiten, da
sie u.a. in Konkurrenz zu
studentischen WGs treten
Enormer Mangel bei mittleren
Mietpreisen von 10- €
Starker Mangel bei größeren
Whg. ab 4 Zimmern
Leerstandsquote unter 1% bei
größeren Wohnungsanbietern
Mieten sind teuer geworden, aber
derzeit findet alles eine Nachfrage
Zentrumsnahe Whg.
besonders beliebt
Extremer Mangel bei
kleinen Whg. bis 50 m²
Im oberen Preissegment ab
€
Leichte Angebotsknappheit
auch bei mittelgroßen Whg.
Barrierefreie Whg.
nach wie vor knapp
Wohnungsbedarfsprognose | Stadt Münster
30
für Neubauten im Stadtgebiet rd. 6.000 Euro/m² genommen werden . Dabei werden die Kaufpreise
durch die hohen Baukosten und Baulandpreise stark geprägt.
Abbildung 19: Angebotspreise und Nachfragekennwerte von ETW in Neubau und Bestand
Quelle: InWIS 2022, Datenbasis: ImmobilienScout24 2014-2021, eigene Darstellung
Rund ein Drittel der auf ImmobilienScout24 angebotenen Eigentumswohnungen wurden in den 1950er
und 1970er Jahren errichtet, ein weiteres Viertel ab 2010. Generell erfahren ältere und im Vergleich
günstigere Eigentumswohnungen ein höheres Interesse als teur ere Neubauobjekte. Wobei hier in der
Zeitachse nochmal zu unterscheiden ist: Eigentumswohnungen mit Baujahr ab 2010, die nach 2019 am
Markt platziert wurden und höhere Angebotspreise von rd. 5.000 EUR/m² aufrufen, erreichen ein gutes
Nachfrageniveau, d.h. auch höherpreisige Objekte werden vom Markt absorbiert . Grundsätzlich wird
auch von den Marktexperten bestätigt, dass sich derzeit alle Eigentumswohnungen gut vermarkten las-
sen. Es wird jedoch betont, dass in den jüngeren Jahren insbesondere kleine – für Investoren lukrative
– Apartments gebaut wurden. Dort wird davon ausgegangen, dass sich Nachfrage und Angebot zukünf-
tig weiter annähern werden, auch da noch einige Wohnungen in diesem Bereich für die nächsten Jahre
projektiert sind. Nachfrage besteht aber auch bei anderen Wohnungsgrößen.
Tabelle 3: Baualtersklassen der angebotenen Eigentumswohnungen
Quelle: InWIS 2022; Datenbasis: ImmobilienScout24, Angebote im Zeitraum 2014 bis 1. Quartal 2022, eigene Auswertung
Im Segment der Eigentumswohnungen wird bei rd. 27 Prozent der angebotenen Objekte keine Angabe
zum Objektzustand gemacht. Weitere ca. 3 Prozent werden entweder als renovierungsbedürftig be-
schrieben oder der Übergabezustand ist noch zu vereinbaren. Insgesamt kann demnach für rd. 30 Pro-
zent des Gesamtbesta ndes vermutet werden, dass ein Modernisierungsrückstand besteht. Insbeson-
dere renovierungsbedürftige Eigentumswohnungen weisen dabei ein sehr geringes Angebotspreisni-
veau auf.
Baujahr Zahl der
Angebote Anteil Angebotspreis
in Euro/m²
Hits pro
Monat Nachfrageindikator
bis 1949 327 4% 4.542 2.746 überdurchschnittlich
1950 bis 1979 2.387 32% 3.070 2.068 überdurchschnittlich
1980 bis 1999 1.715 23% 2.935 1.890 leicht überdurchschnittlich
2000 bis 2009 350 5% 3.867 2.381 überdurchschnittlich
ab 2010 1.979 27% 4.318 1.028 unterdurchschnittlich
Wohnungsbedarfsprognose | Stadt Münster
31
Der Angebotsschwerpunkt lieg t auf kleinen und Mikro-Wohnungen mit einer Wohnflä che zwischen 20
bis 60 m². Dabei erfahren in dieser Größenklasse insbesondere höherpreisige Angebote eine sehr gute
Nachfrage. Bei Wohnungsgrößen zwischen 60 bis unter 105 m² haben ebenfalls höherpreisige Inserate
ab einem Angebotspreis von 4.000 Euro/m² eine gute Nachfrage. 20 In diese Preiskategorie gliedern
sich zahlreiche Neubauobjekte ein, die insbesondere für Kapitalanleger von Interesse sind . Gleichzei-
tig haben günstigere Eigentumswohnungen mit Angebotspreisen von weniger als 3.000 Eur o/m² bis
zu einer Wohnungsgröße von 105 m² Wohnfläche unterdurchschnittliche Nachfragekennwerte. Bei
Wohnungen mit einem Angebotspreis von weniger als 3.000 Euro/m² handelt es sich zum Großteil um
Wohnungen mit Baujahr zwischen 1950 und 1979, die zumeist entsprechende Modernisierungsbedarfe
aufweisen.
Bei den größeren Eigentumswohnungen ab 105 m² besteht hingegen ein überdurchschnittlich hohes
Interesse an vergleichsweise preisgünstigen Wohnungen bis 3.000 Euro/m². Hier macht sich der be-
stehende Mangel an Eigenheimen in Münster bemerkbar.21 Durch das geringe Angebot und die hohen
Preise am Markt der Ein - und Zweifamilienhäuser weichen einige Nachfrager auf den benachbarten
Markt der Eigentumswohnungen aus. Dort werden entsprechend große und preisgünstige W ohnungen
als Alternative zum Eigenheim nachgefragt.
Tabelle 4: Nachfrage differenziert nach Angebotspreis und Wohnungsgröße
Quelle: InWIS 2022; Datenbasis: ImmobilienScout24, Angebote im Zeitraum 2014 bis 1. Quartal 2022, eigene Auswertung
Hinweis: Wert in den Feldern zeigt die Anzahl der Wohnungsinserate in der jeweiligen Preis- und Wohnflächenklasse
Unter Berücksichtigung beider Segmente fällt ferner auf, dass sowohl bei Miet - als auch Eigentums-
wohnungen in Münster ein überdurchschnittliches Interesse an Wohnungen mit einer kleineren Wohn-
fläche besteht. Die befragten Marktexperten bestätigen das Interesse an kleinen Wohnungen. Insbe-
sondere im Segment der Eigentumswohnungen sind kleinere Apartments für Investoren lukrativ e Pro-
jekte – entweder zur Vermietung an Studierende und junge Arbeitnehmer oder zum Weiterverkauf.
Gleichzeitig kann derzeit festgestellt werden, dass Selbstnutzer und Investoren, die auf hohes Fremd-
kapital angewiesen sind, von den derzeitigen Preis - und Zinssteigerungen besonders betroffen sind.
Dabei setzen sich die Nachfrager von Eigentumswohnungen eben aus diesen Gruppen zusammen: Ka-
pitalanlegern und Selbstnutzer. Letztere stammen zumeist au s Münster oder sind Rückkehrer. So ist
Münster laut den befragt en Marktexperten auch bei Best Agern beliebt, die in Münster studiert oder
gearbeitet haben.
Hinsichtlich der Kaufpreise konstatieren die lokalen Marktakteure ein deutliches Angebotsdefizit im
„normalen“ Preissegment . Die Neubaupreise liegen derzeit bei r d. 6.000 Euro/m², im oberen
20 Da die Wohnungsannoncenauswertung noch nicht die Auswirkungen der Ukraine-Krise einbezieht, dürfte dieses Ergebnis
mittlerweile nicht mehr gültig sein. Denn die Gruppe der Kapitalanleger, die hier als Nachfragegruppe eine nicht unerhebliche
Bedeutung hat, ist mittlerweile deutlich kleiner geworden, da sich Anleger mit hohem Fremdfinanzierungsanteil aufgrund des
stark gestiegenen Zinsniveaus aus dem Wohnungsmarkt zurückgezogen haben. Dies bestätigen auch die Expertengespräche
mit Kennern des Münsteraner Marktes.
21 Vgl. hierzu Kapitel 4.3
€/m² bis unter
60 m²
60 bis
unter 75
m²
75 bis
unter 90
m²
90 bis
unter 105
m²
ab 105 m²
bis <3.000 996 660 629 286 321
3.000 bis
<4.000 561 420 411 332 363
4.000 und mehr 533 416 410 323 748
Legende für die Nachfrage
überdurchschnittlich
(über 2.000 Hits/Monat)
leicht überdurchschnittlich
(1.850 – 2.000 Hits/Monat)
durchschnittlich
(1.700 – 1.850 Hits/Monat)
leicht unterdurchschnittlich
(1.550 – 1.700 Hits/Monat)
unterdurchschnittlich
(unter 1.550 Hits/Monat)
Wohnungsbedarfsprognose | Stadt Münster
32
Preissegment mit entsprechenden Ausstattungsqualitäten oder einer zentralen Lage werden auch bis
zu 9.000 Euro/m² aufgerufen. Dabei herrscht im oberen Preissegment eine eher ausgeglichene Markt-
lage. Stark angespannt stellt sich die Marktlage hingegen bei Angeboten dar, die unter dem durch-
schnittlichen Neubaupreis liegen. Dadurch erhöht sich der Nachfragedruck bei den Bestandsangeboten
und führt auch dort zu steigenden Kaufpreisen. Für Familien, die eine Eigentumswohnung als Alter na-
tive zum Eigenheim sehen, wird es dadurch zunehmend schwieriger, eine passende Wohnung zu finden.
Denn bei rd. 6.000 Euro/m² liegt der Kaufpreis für eine 90 m² Eigentumswohnung bei 540.000 Euro
zzgl. Nebenkosten. Für diese Zielgruppe ist es wichtig, bezahlbarere Angebote mit einer familienge-
rechten Größe von mindestens drei Zimmern zu schaffen.
Abbildung 20: Der Markt für Eigentumswohnungen – Experteneinschätzung
Quelle: InWIS 2022, eigene Darstellung
4.3. Markt für Ein- und Zweifamilienhäuser
Im Vergleich zum Geschosswohnungsbau stellt der Markt für Eigenheime in Münster ein kleineres Seg-
ment dar, was für eine stark wachsende Großstadt nicht untypisch ist. Die hohe Nachfrage nach Wohn-
raum und die begrenzte Ressource Boden münden in dichteren Bebauungsstrukturen und in einer Bau-
tätigkeit, in denen Ein- und Zweifamilienhäuser nur eine untergeordnete Rolle spielen.
Mit einem Bodenrichtwert von 720 Euro/m² für baureife Grundstücke des individuellen Wohnungsbaus
in mittlerer Lage weist Münster ein landesweit sehr hohes Preisniveau auf. Damit ist Bauland in Müns-
ter mindestens doppelt so teurer wie in den direkt angrenzenden Kommunen. In mittleren Wohnlagen
liegt der Bodenrichtwert bspw. in Telgte bei 350 Euro/m² und in Havixbeck bei 220 Euro/m².22
Beim regionalen Vergleich der Eigenheimerschwinglichkeit zeigt sich, analog zu den Grundstücksprei-
sen, ein ähnliches Bild. Setzt man den mittleren Angebotspreis eines Bestandshauses ins Verhältnis
zum mittleren jährlichen Nettoein kommen je Haushalt eines Kreises, zeigt sich, dass Haushalte in
Münster sowie auch in den Großstädten Bonn, Düsseldorf und Köln bis zu 15 Jahreseinkommen für ein
Eigenheim bezahlen müssen. Im direkten Umfeld ist es ein Vielfaches weniger.
22 Vgl. Der Obere Gutachterausschuss für Grundstückswerte im Land Nordrheinwestfalen 2022: Übersicht über die Bodenricht-
werte. Abgerufen von: https://www.boris.nrw.de/boris-nrw/?lang=de
€
bedingt durch hohe Baukosten
und Baulandpreise
Im Neubau ist die Marktlage weniger
angespannt, aber nur wenige können
sich dieses Preissegment leisten
Verstärkter Neubau von Apartments
zur Vermietung an Studierende
Enorme Angebotsknappheit im
„ “ P
Bauen ist teuer, daher hohe
Nachfrage nach Bestands-ETW
Nachfrager: Kapitelanleger sowie
Selbstnutzer aus Münster oder
Rückkehrer (insb. Best Ager)
Interesse von Familien an ETW
als Alternative zum Eigenheim
vorhanden aber derzeitige
Neubaupreise kaum finanzierbar
Von Preis- und Zinssteigerungen
sind vor allem Eigennutzer und
Kapitalanleger mit hoher
Fremdfinanzierung betroffen
Wohnungsbedarfsprognose | Stadt Münster
33
Abbildung 21: Eigenheimerschwinglichkeit: Preis-Einkommens-Relation* beim Kauf eines Bestandseigenheims
im Jahr 2021
Quelle: NRW.BANK 2022: Wohnungsmarktbericht Nordrhein-Westfalen 2022
* Hinweis: genutzter Indikator: mittlerer Angebotspreis eines Bestandshauses als Vielfaches des mittleren jährlichen Nettoeinkom-
mens je Haushalt im jeweiligen Kreis
Bedingt durch den hohen Nachfragedruck stieg der durchschnittliche Angebotspreis für ein Bestands-
eigenheim von einst rd. 380.900 Euro in 2014 um 67 Prozent auf rd. 635.500 Euro Ende 2021. Auch
das Interesse an Bestandseigenheimen ist nahezu stetig gestiegen.
In dem Teilmarkt wirkt sich der hohe Nachfragedruck zusammen mit hohen Baukosten und Bauland-
preisen spürbar auf die Kaufpreise von Ein- und Zweifamilienhäusern in der Stadt aus. Im Gegensatz
zu den Miet- und Eigentumswohnungen hat der Preisanstieg bei Bestandsgebäuden den des Neubaus
mittlerweile überholt. Allerdings muss man an dieser Stelle auch weitere Faktoren berücksichtigen: So
beträgt 2021 die durchschnittliche Wohnfläche bei Bestandsgebäuden 158 m², bei Neubauten hingegen
nur 147 m². Die Grundstücksflächen liegen im Bestand bei 460 m², im Neubau bei 390 m². Würden
Neubauten die Flächen des Bestands erreich en, läge der Angebotspreis für Neubauten deutlich höher.
Dennoch bestätigen auch die lokalen Marktakteure, dass sich die Preise im Bestand und Neubau mitt-
lerweile angenähert haben, bedingt u.a. durch das knappe Angebot an Bestandsimmobilien und Bau-
grundstücken. Die Folge ist, dass Eigenheime in Münster fast nur für Haushalte mit höherer Kaufkraft
erschwinglich sind.
Wohnungsbedarfsprognose | Stadt Münster
34
Abbildung 22: Angebotspreise und Nachfragekennwerte von EH in Neubau und Bestand
Quelle: InWIS 2022, Datenbasis: ImmobilienScout24 2014-2021, eigene Darstellung
Im Zeitraum von 2014 bis zum ersten Quartal 2022 wurden insgesamt rd. 3.700 Eigenheime auf Immo-
bilienScout24 angeboten. Ihre Auswertung vermittelt nicht nur einen Eindruck über das Segment der
Ein- und Zweifamilienhäuser insgesamt, sondern auch über die angebotenen Haustypen: Bei nahezu
der Hälfte der Angebote handelt es sich um freistehende Einfamilienhäuser, bei ca. 28 Prozent um Dop-
pelhaushälften und nochmals rd. 26 Prozent um Reihenhäuser. Bei deutlich geringerem Angebotsvolu-
men weisen die Reiheneigenheime die im Vergleich höchste Nachfragekennziffer auf . Obgleich sie die
geringsten Wohn- und Grundstücksflächen aufweisen, weisen sie bei einem deutlich geringeren Ange-
botspreis einen hohen Nachfrageindikator auf. Das hohe Interesse bei Reihenhäusern lässt auf eine
preissensible Nachfrage schließen, was auch von den Wohnungsmarktexperten bestätigt wird. Sie se-
hen einen starken Mangel an Eigenheimen im unteren und mittleren Preissegment , den besonders Fa-
milien mit Kindern spüren. Gleichzeitig gibt es im Stadtgebiet zu wenig bezahlbare Mietwohnungen,
die einen familiengerechten Grundriss aufweisen und daher als Altern ative für diese Zielgruppe in
Frage kämen. Die Folge: Familien ziehen aus Münster weg und orientieren sich für den Eigentumser-
werb ins direkte Umland.
Tabelle 5: Angebot an Eigenheimen nach Bauform
Bautyp Angebot Angebotspreis
in €
Wohnfläche
in m²
Grundstücks-
fläche in m²
Hits pro
Monat Interesse
FEFH 1.679 546.874 172 665 2.754 durchschnittlich
DHH 1.041 486.433 145 359 2.698 durchschnittlich
RH 966 381.616 130 288 3.498 überdurchschnittlich
Quelle: InWIS 2022, Datenbasis: ImmobilienScout24 2014 bis 1. Quartal 2022, eigene Darstellung
Blickt man mithilfe der ImmobilienScout24 -Auswertung nur auf das Segment der freistehenden Einfa-
milienhäuser, wird auch dort die Preissensibilität in der Nachfrage deutlich. Der Int eressenschwer-
punkt liegt bei den untersten zehn Prozent der Angebote. Aber auch die übrigen Preisklassen erfahren
überwiegend ein gutes Interesse. Im Betrachtungszeitraum lagen die untersten zehn Prozent der An-
gebote bereits bei 315.000 Euro, im Durchschni tt kostete ein freistehendes Eigenheim rd. 547.000
Euro (Bestand und Neubauobjekte). Laut aktuellem Grundstücksmarktbericht für die Stadt Münster lag
Wohnungsbedarfsprognose | Stadt Münster
35
der Durchschnittspreis für ein freistehendes Einfamilienhaus in 2021 bei rd. 676.000 Euro. Demnach
sind die Kaufpreise im Vergleich zum Vorjahr um rd. 20 Prozent gestiegen. 23
Tabelle 6: Angebot an freistehenden Einfamilienhäusern nach Preisklassen
Kaufpreis in € Angebot Anteil Wohnfläche
in m²
Hits pro
Monat Interesse
bis unter 315.000 162 10% 142 3.526 überdurchschnittlich
315.000 bis unter 398.000 255 15% 151 2.721 durchschnittlich
398.000 bis unter 530.000 426 25% 164 2.719 durchschnittlich
530.000 bis unter 680.000 423 25% 177 2.285 unterdurchschnittlich
680.000 bis unter 825.000 249 15% 192 2.902 durchschnittlich
825.000 und mehr 164 10% 210 2.874 durchschnittlich
Quelle: InWIS 2022, Datenbasis: ImmobilienScout24 2014 bis 1. Quartal 2022, eigene Darstellung
Der Druck am Eigenheimmarkt wird durch Zins- und Baukostensteigerungen sowie die hohe Inflation
weiter verstärkt. Insbesondere Haushalte mit einem kleineren Budget sind von den starken Preis - und
Zinssteigerungen betroffen. Die befragten Experten bestätige n, dass Haushalte der unteren Mittel-
schicht in Münster bei den derzeitigen Kaufpreisen kaum eine Chance haben, ein bezahlbares Neubau-
oder Bestandsobjekt zu finden. Wie auch andere Haushalte versuchen sie, in den Mietwohnungsmarkt
oder ins Umland auszuweichen und erhöhen dort die bereits stark angespannte Marktlage. Familien-
gerechte und zugleich bezahlbare Mietwohnungen könnten somit indirekt auch zu einer Entspannung
auf dem Markt der Ein- und Zweifamilienhäuser beitragen.
Abbildung 23: Der Markt für Eigenheime – Experteneinschätzungen
Quelle: InWIS 2022, eigene Darstellung
23 Vgl. Der Gutachterausschuss für Grundstückswerte in der Stadt Münster 2022: Grundstücksmarktbericht 2022, S.37
Nachfrage nach Eigenheimen
hat sich angestaut
Enorme Knappheit im normalen Preissegment
→ Nachfrage wandert in den Mietwohnungsmarkt
und führt dort zu enormer Nachfrage nach großen
Mietwohnungen, die viel zu wenig vorhanden sind
Nachfrage vorhanden, Angebot gering
und teuer, viele wandern ins Umland
bspw. nach Greven oder Havixbeck
Wenig Neubau von EZFH bei hoher
Nachfrage, gleichzeitig kaum große
Mietwohnungen vorhanden
→ Familien wandern ab
Zinssteigerungen wirken sich vor allem
auf Märkte mit hohem Preisniveau wie
Münster negativ auf die Nachfrage aus
Haushalte der unteren Mittelschicht
haben wenig Chancen, bezahlbare
Eigenheime zu finden
Münster baut in die Höhe, wenig Flächen für
Eigenheime → Alternativ Bedarf an größeren Whg. für
Familien, die sind aber nicht hinreichend vorhanden
Wunsch nach innerstädtischem
Leben im Grünen in großzügiger
individueller Wohnform
Wohnungsbedarfsprognose | Stadt Münster
36
4.3.1 Exkurs: Generationenwechsel und daraus resultierende Umzugsketten
Aus den demografischen und gesellschaftlichen Entwicklungstendenzen ergeben sich spezifische Zu-
kunftsperspektiven und Herausforderungen in den Wohnquartieren einer Stadt. Umbruchsituationen
entstehen oftmals dann, wenn die Bewohnerschaft und die Gebäude gleichermaßen altern und sich aus
dem anschließenden Generationenwechsel die Anforderung ergibt, die Bestandsquartiere so zu quali-
fizieren, dass sie den Bedürfnissen der künftigen Bewohnerschaft entsprechen. Dabei ist es wichtig,
die Bedürfnisse unterschiedl icher Haushalte nicht nur differenziert zu betrachten, sondern auch als
Ganzes. Durch den Umzug eines älteren Haushalts aus seinem Eigenheim in eine barrierearme Woh-
nung profitiert nicht nur der Senior, sondern im Idealfall auch ein weiterer Haushalt, da d as frei wer-
dende Bestandseigenheim wieder an den Markt kommt. In der Phase der Familiengründung und -er-
weiterung haben viele Paare und junge Familien den Bedarf an zusätzlicher Wohnfläche und den
Wunsch nach einer familiengerechten Wohnform. Insbesondere b eim Eigentumserwerb stehen sie vor
der Entscheidung, ob sie ein Bestandsobjekt kaufen und ggf. sanieren oder ob die Wahl auf ein neues
Eigenheim fällt. Damit eine ausreichende Anzahl an Bestandsobjekten überhaupt zur Wahl steht , müs-
sen diese zunächst freigezogen werden. Hier kann der Generationenwechsel eine entscheidende Rolle
spielen und sollte – auch mit Blick auf den demografischen Wandel und den „alternden“ Bestandsquar-
tieren – von den Kommunen gut unterstützt werden.
In der Wohnungsmarktforschung ist der barrierefreie oder altengerechte Wohnungsneubau ein zentra-
les Element, um den Generationenwechsel in Einfamilienhausquartieren und entsprechende Umzugs-
ketten zu fördern. Ein realisiertes, attraktives Neubauobjekt ist nachweislich eine wichtige Vorauss et-
zung, um bei älteren Eigenheimbesitzern den Anstoß zu einem Wohnungswechsel auszulösen. Ebenso
wichtig ist es, dass die Kaufpreise für den Neubau nicht den Erlös für den Verkauf des älteren Eigen-
heimes übersteigen.
Abbildung 24: Generationenwechsel
Quelle: InWIS 2022, eigene Darstellung
?
Altersgerechter Umzug?
Verbleib im Eigenheim?
Wunsch nach
familiengerechtem Wohnen
Bestand Neubau
Wohnungsbedarfsprognose | Stadt Münster
37
Schlussfolgerungen zu den Wohnungsteilmärkten
▪ Der Mietwohnungsmarkt in Münster ist ein durch enorme Knappheit, sehr hohe Nachfrage und
stetigem Preisanstieg von bis zu vier Prozent jährlich geprägt. Dies bestätigen Marktkenner,
Marktanalysen und die Wohnungsannoncenauswertung. Eine insgesamt stark steigende Nach-
fragekennziffer sowie das steigende Mietpreisniveau sprechen für ein hohes Interesse am
Wohnstandort mit entsprechender Notwendigkeit neuer Wohnungen in Münster.
▪ Im Mietwohnungsmarkt steigt der Druck im unteren und mittleren Preissegment zunehmend.
Hierbei sind es vorzugsweise kleine Wohnungen für Singles und Paare , bei denen ein starkes
Angebotsdefizit besteht; es fehlt aber auch ein hinreichendes Angebot an großen, bezahlbaren
Wohnungen für Familien.
▪ Auch im Teilmarkt der Eigentumswohnungen weisen verschiedene Indikatoren auf einen gro-
ßen Nachfrageüberhang bei Bestandsimmobilien hin, die in preislicher Hinsicht eher von mit-
telschichtsorientierten Haushalten finanziert werden können als der hochpreisige Neubau. Ne-
ben den stets gefragten Kleinwohnungen bis zu 60 m² Wohnfläche – auch zu derzeitigen Neu-
baupreisen – sind es wiederum Wohnungen mit familienorientierten Grundrissen im mittleren
bis unteren Preissegment, die am Markt fehlen.
▪ Der Markt für Eigenheime zeigt sich in Münster extrem angespannt, bedingt durch ein zu ge-
ringes Angebot. Gefragt sind innerhalb des Stadtgebietes alle Eigenheimtypen. Aufgrund der
niedrigeren Kaufpreise erfahren Reihenhäuser ein besonders hohes Interesse.
▪ Im Segment der Ein - und Zweifamilienhäuser zeigen sich in Münster typische Probleme von
angespannten Großstadtmärkten: Aufgrund der zunehmenden Flächenkonkurrenz, der End-
lichkeit verfügbarer Flächen und der Bodenpreisentwicklungen wird in solchen Großstädten
eine dichtere Bebauung angestrebt, um der hohen Nachfrage zu begegnen und gleichzeitig
flächensparend zu agieren. Von diesem Spannungsverhältnis der Großstädte profitiert jedoch
nicht selten das jeweilige Umland. In den Verflechtungsräumen der Großstädte hat sich das
Angebot an Ein- und Zweifamilienhäusern erhöht , so auch im Münsteraner Umland . Dieser
Trend wird so lange anhalten, wie insbesondere für Familien Wohnalternativen im Stadtgebiet
fehlen.
▪ Im Segment der Eigenheime besteht l aut Marktexperten das Hauptproblem darin, dass die
Nachfrage nur auf ein sehr geringes und zugleich hochpreisiges Angebot trifft. Das fehlende
Angebot an Eigenheimen, aber auch Angebotsdefizite bei familiengerechten und bezahlbaren
Etagenwohnungen tragen entscheidend dazu bei, dass vorzugsweise Paare mit Kinderwunsch
und Familien mit Kindern in das Münsteraner Umland ausweichen. Die lokalen Marktakteure
sehen, dass familiengerechte Miet- oder Eigentumswohnungen für diese Zielgruppen als Alter-
native zum Eigenheim grundsätzlich in Frage kommen würden. Ab er auch in diesen Teilseg-
menten sind bezahlbare größere Wohnungen am Münster Wohnungsmarkt nicht in hinreichen-
dem Umfang vorhanden.
▪ Wanderungsumfragen zeigen, dass immerhin 14 Prozent der Haushalte, die ins Umland gezo-
gen sind, zuvor gezielt in Münster gesucht haben, weil sie innerhalb der Stadt wohnen bleiben
wollten. Das Bevölkerungswachstum Münsters wäre noch deutlich größer, wenn der Woh-
nungsmangel nicht entsprechende Restriktionen setzen würde.
▪ Im Segment der Eigenheime hat sich sowohl bei Bestandsobj ekten als auch im Neubau eine
enorme Nachfrage angestaut. Im Bestand ist sie so groß, dass sich das Angebotspreisniveau
auf Angebotsportalen wie dem ImmobilienScout24 mittlerweile dem Neubau angenähert bzw.
den Neubau überholt hat. Das Angebot an Bestandshäusern lässt sich aber nur erhöhen, wenn
der Generationenwechsel gut funktioniert und das damit verbundene Freisetzungspotenzial
ausgeschöpft werden kann. Dies setzt zumindest ein attraktives und bezahlbares Angebot an
altengerechten Wohnformen als Wohnalternative voraus.
Wohnungsbedarfsprognose | Stadt Münster
38
5. Vertiefung besonderer Teilmärkte
5.1. Studentisches Wohnen
Münster zeichnet sich durch ein breites Angebot an hochschulischer Bildung aus. Im Wintersemester
2020/21 lag die Gesamtzahl der Studierenden bei rund 62.250. Damit ist Münster nach Köln die Stadt
mit der zweithöchsten Zahl an Studierenden in NRW und belegt im bundesweiten Vergleich sogar Platz
sechs.24 Der Großteil – rd. 70 Prozent – aller Studierenden in Münster sind an der Westfälische Wil-
helms-Universität Münster (WWU) eingeschrieben. Die Fachhochschule Münster (FH) ist die zweit-
größte Hochschuleinrichtung in der Stadt und verzeichnet seit dem Wintersemester 2017/18 über
10.000 Studierende. Auch die weiteren Hochschulen in Münster wie die Kunstakademie, die Deutsche
Hochschule der Polizei, die Fachhochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung, die Fachhochschule
für öffentliche Verwaltung Nordrhein -Westfalen, die Philosophisch -Theologische Hochschule und die
Katholische Hochschule weisen über die le tzten zehn Jahre stark steigende Studierendenzahlen auf.
Seit dem Wintersemester 2013/14 wuchs die Zahl der Studierenden aller Münsteraner Hochschulen um
insgesamt 16 Prozent.
Die hohe Zahl der Studierenden prägt nicht nur Münster als Studentenstadt, sondern auch den hiesigen
Wohnungsmarkt. Es lässt sich jedoch nicht genau quantifizieren wie viele Studierende in Münster woh-
nen und somit eine entsprechende Nachfrage nach Wohnraum in Münster haben. Die Stadt Münster hat
sich bereits 2013 im Rahmen des Arbeitskreises „Studentische Wohnraumraumversorgung“ mit dieser
Thematik auseinandergesetzt und ist auf Basis der verfügbaren Datengrundlagen zu der Annahme ge-
kommen, dass rd. 30 Prozent der Studierenden an der WWU und FH Münster nach Münster pendeln,
die übrigen 70 Prozent wohnen demnach im Stadtgebiet.25 Wendet man diese Annahme auf die aktuel-
len Studierendenzahlen der WWU und FH an, müssten rd. 38.200 Studierenden der insgesamt 54.570
Studierenden dieser zwei Hochschulen in Münster wohnen.
Abbildung 25: Entwicklung der Studierendenzahlen in Münster
Quelle: InWIS 2022, Datenbasis: IT.NRW, eigene Darstellung; die Zahl der Studierenden im Wintersemester 2022/23 betrug für die
WWU Münster 44.585 Personen (lt. Homepage), die der FH Münster am Standort Münster 10.467 Personen lt. mündl. Auskunft der
Pressestelle der Hochschule. Für die „sonstigen“ Hochschuleinrichtungen liegen keine aktuelleren Zahlen vor.
24 Vgl. Destatis 2022, abgerufen unter: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1270593/umfrage/staedte-meiste-studie-
rende/
25 Vgl. Stadt Münster 2013: Entwicklung der studentischen Wohnraumversorgung: Sachstandsbericht und Maßnahmenpaket,
V/0037/2013
41.994
42.484
43.154
44.016
43.728
44.869
45.022
44.459
43.728
7.984
8.453
9.010
9.303
10.839
10.147
10.324
10.585
10.839
4.931
7.683
5.929
6.388
6.849
7.683
10.000
20.000
30.000
40.000
50.000
60.000
WS
2013/14
WS
2014/15
WS
2015/16
WS
2016/17
WS
2017/18
WS
2018/19
WS
2019/20
WS
2020/21
WS
2021/22
WWU Münster FH Münster (Standort Münster) Sonstige
Wohnungsbedarfsprognose | Stadt Münster
39
Während jüngst Sondereffekte wie die Coronapandemie Einfluss auf die Entwicklung der Studierenden-
zahlen genommen hat, wird langfristig die demografische Entwicklung, somit die Zahl der zukünftigen
Schulabsolventen die Entwicklung der Studienanfänger beeinflussen. Die Kultusministerkonferenz der
Länder berücksichtigt diese Entwicklungen bei der Vorausberechnung der Studierenden und Studien-
anfänger. Der Blick auf die Entwicklungen in NRW zeigt, dass die Zahl der Studierenden langfristig nicht
weiter steigen wird. Langfristig wird eine konstante, in der Tendenz abnehmende Zahl an Studierenden
in NRW prognostiziert, da die entsprechenden Geburtenjahrgänge rückläufig sind. Für Münster kann
eine ähnliche Entwicklung angenommen werden, denn die WWU und die FH gehen langfristig von kon-
stanten Studierendenzahlen aus.26
Abbildung 26: Entwicklung und Prognose der Studierendenzahlen in NRW 2017 bis 2030
Quelle: InWIS 2022, Datenbasis: Kultusministerkonferenz 2021, eigene Darstellung
Der Wohnungsmarkt für Studierende
Studierende fallen überwiegend in die Altersgruppe der 18- bis 25-Jährigen und zählen damit, neben
Auszubildenden oder Berufsanfängern, zu den sogenannten „Starterhaushalten“. Starterhaushalte fra-
gen aufgrund fehlender oder geringer Einkünfte vor allem günstige Wohnraumangebote nach. Wichtig
sind entweder die Nähe zur Hochschule (bzw. Ausbildungsstelle) oder urbane und lebhafte Stadtteile
nahe der jeweiligen Universität oder Hochschule. Die bisherigen Ausführungen haben bereits gezeigt,
dass derzeit bei kleinen und preisgünstigen Wohnungen in Münster besondere Engpässe bestehen. Dies
wurde durch die befragten Experten bestätigt. Demnach ist auch der Wohnungsmarkt für Studierende
derzeitig sehr angespannt, die Nachfrage ist höher als das vorhandene Angebot an studentischem
Wohnraum.
Der größte Wohnungsanbieter für Studierende ist das Studierendenwerk mit insgesamt über rd. 5.400
Plätzen (Stand: 12/2021) in Einzelzimmern, Apartments und Wohnungen. Das deutsche Studierenden-
werk vergleicht regelmäßig die Zahl der Wohnheimplätze mit der Zahl der Studierenden einer S tadt,
um die Unterbringungsquote zu ermitteln. Laut Erhebung des deutschen Studierendenwerk s gab es in
Münster im Jahr 2021 insgesamt rd. 5.724 Studierendenwohnplätze (Zahl beinhaltet öffentlich geför-
derte Plätze des Studentenwerks und auch von anderen Trä gern), in der Gegenüberstellung mit der
Zahl der Studierenden im Wintersemester 2020/2021 zeigt sich eine Unterbringungsquote von zehn
Prozent. Das bedeutet, theoretisch steht jedem zehnten Studierenden in Münster ein preisgünstiger
Wohnheimplatz zur Verfügung. Im Durchschnitt liegt die Quote in ganz NRW bei 7,4 Prozent. Auch im
26 Quelle: mündliche Auskunft der beiden Hochschulen
P P
Wohnungsbedarfsprognose | Stadt Münster
40
Vergleich mit anderen größeren Universitätsstädten des Landes wie Köln (6,6%), Düsseldorf (6,7%)
oder Aachen (8,7%) hat Münster eine überdurchschnittliche Unterbringungsquote, dennoc h zeigt sich
das Angebot geringer als die Nachfrage.
Durch die hohe Nachfrage sind die Wohnheimplätze und Wohnungen des Studierendenwerks vollbe-
legt. Derzeit gibt es eine lange Warteliste, auf denen sich die Studierenden eintragen können, die War-
tezeit beträgt jedoch sechs Monate. Die studentische Nachfrage nach Wohnraum ist ungebrochen hoch,
derzeit ist sie wieder auf einem Stand wie vor zwei Jahren, also wie vor der Coronapandemie. Dabei
wurde auch während der Pandemie eine hohe Nachfrage konstatiert, hier zeigt sich eventuell auch ein
Unterschied zu anderen Universitätsstädten, die Corona deutlicher gespürt haben. In Münster herrscht
lt. Experten ein massiver Nachfrageüberhang beim studentisc hen Wohnen, sodass auch während
Corona eine hohe Nachfrage herrschte, die jüngst weiter zugenommen hat. Der Wohnort Münster ist für
Studenten – auch trotz der digitalen Lehre während der Coronapandemie – sehr attraktiv. Viele wollen
für das studentische Le ben vor Ort Wohnen. Dabei untergliedert sich die Nachfrage in ein vielfältiges
Wohnraumangebot, da es Studierende mit unterschiedlichen Budgets gibt. Generell besteht größtes
Interesse an Einzelapartments und kleineren Wohnungen für Wohngemeinschaften mit zwei bis drei
Personen. Während sich die Lage bei kleinen Apartments durch den verstärkten Neubau langsam ent-
spannt, besteht ein deutliches Angebotsdefizit bei Wohnungsangeboten im unteren und mittleren
Preissegment.
Abbildung 27: Der Markt für das studentische Wohnen – Experteneinschätzungen
Quelle: InWIS 2022, eigene Darstellung
5.2. Soziale Wohnraumversorgung
Wohnen stellt ein Grundbedürfnis des Menschen dar und ist Voraussetzung für die Teilnahme am ge-
sellschaftlichen Leben. Entsprechend schützt das im Bürgerlichen Gesetzbuch verankerte Mietrecht
dieses Grundbedürfnis, indem es z. B. ungerechtfertigte Kündigungen oder Mieterhöhungen verhindert.
Nichtsdestotrotz ist für bestimmte Bevölkerungsgruppen der Zugang zu Wohnraum erschwert. Z. B.
können Erwerbslosigkeit oder ein niedriges Einkommen die Suche nach Wohnraum beeinträchtigen.
Der öffentlich geförderte Wohnungsbau ist ein sozialstaatliches Instrument, das ein bezahlbares Woh-
nungsangebot auf dem Markt ergänzt und soziale Wohnraumversorgung zum Ziel hat. Mit Fördermitteln
errichtete Wohnungen sind mehrjährig preisgebunden und damit auch bei Marktanspannung „bez ahl-
bar“. Als Hauptzielgruppen richtet sich die Wohnraumförderung an Familien und Haushalte mit Kin-
dern, Alleinerziehende, Schwangere sowie ältere Menschen und Menschen mit Behinderung.
P
P
P
Wohnungsbedarfsprognose | Stadt Münster
41
Voraussetzung zum Bezug einer Sozialwohnung ist ein Wohnberechtigungssc hein (WBS), der nach Ab-
gleich des Einkommens mit definierten Einkommensgrenzen behördlich ausgestellt wird.
5.2.1 Nachfrageseite: Bestimmung der einkommensschwachen Haushalte
Bei der Berechnung des Bedarfs an geförderten Mietwohnungen konzentrieren wir uns auf diejenigen
Bedarfsgruppen, die aufgrund ihres sehr niedrigen Einkommens unbedingt auf die Versorgung mit
preisgünstigem Wohnraum angewiesen sind. Es handelt sich um armutsgefährdete Haushalte, die
dadurch gekennzeichnet sind, dass ihr verfügbares Monatsein kommen weniger als 60 Prozent des na-
tionalen Medianeinkommens bemisst (vgl. Europäische Kommission: Messung der Fortschritte auf dem
Weg zu einem nachhaltigeren Europa. Indikatoren für nachhaltige Entwicklung für die Europäische
Union. Panorama der Europäi schen Union, Ausgabe 2015). In Deutschland lag diese Schwelle im Jahr
2021 nach Angaben des Statistischen Bundesamtes bei einem Haushaltsnettoeinkommen von monat-
lich 1.148 € für einen Singlehaushalt und 2.869 € für eine Familie mit zwei Kindern unter 14 Ja hren.27
Einkommensschwache Haushalte sind nach dieser Definition nur eine Teilgruppe der Haushalte, die
zum Bezug einer öffentlich geförderten Wohnung (Einkommensgruppe EKG A) berechtigt sind und de-
nen ein Wohnberechtigungsschein zusteht. Die gesamte Ziel gruppe der Wohnraumförderung ist deut-
lich größer. Sie bestimmt sich nach § 2 Abs. 1 WFNG (Gesetz zur Förderung und Nutzung von Wohnraum
für das Land Nordrhein-Westfalen), wobei die Einkommensgrenzen im § 13 WFNG festgelegt sind. Laut
Expertenschätzungen kann die Zielgruppe in größeren Ballungsräumen, zu denen Münster gerechnet
werden kann, bis zu 50 Prozent aller Haushalte umfassen.
Zu den einkommensschwachen bzw. von Armut gefährdeten Haushalten zählen:
▪ Personen, die Leistungen nach Sozialgesetzbuch (SGB) II erhalten (Grundsicherung für Ar-
beitssuchende, im aktuellen Sprachgebrauch auch „Empfänger von Bürgergeld“ genannt),
▪ Personen, die Leistungen nach dem SGB XII erhalten (entweder Sozialhilfe bzw. Hilfe zum Le-
bensunterhalt oder aber Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung),
▪ Personen, die Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz erhalten,
▪ Personen, die Wohngeld beziehen,
▪ Personen unter der Armutsrisikogrenze, die weder eine der oben genannten Transferleistun-
gen noch Wohngeld beziehen, sondern berufstätig sind, aber aufgrund von Minijobs, Teilzeit-
arbeit, geringer Qualifizierung oder gering bezahlter Berufsgruppen nur wenig Einkommen er-
zielen,
▪ Konkurrenz erhalten diese Gruppen durch Studierende, die teilweise durch das BAföG und /
oder Wohngeld abgesichert sind.
Die einkommensschwachen Haushalte sind durch die Bezieher von Transferleistungen bzw. staatlichen
Sozialleistungen geprägt. Die Versorgung dieser Gruppe mit entsprechendem Wohnraum stellt in vielen
Regionen Deutschlands – wie auch in Münster – eine Schwierigkeit dar, denn der Wohnungsmarkt un-
terliegt einem ständigen Anpassungsdruck, von dem einzelne Teilmärkte unterschiedlich stark betrof-
fen sind. Hierzu zählt auch der öffentlich geförderte Wohnungsbestand. Das planmäßige Auslaufen der
Mietpreis- und Belegungsbindungen verstärken tendenziell die Versorgungsprobleme auf diesem Teil-
markt.
27 In 2020 lebten in Nordrhein-Westfalen – gemessen auf Basis des Landesmedians – 17,4% der Einwohner unterhalb der Ar-
mutsgefährdungsschwelle (vgl. IT.NRW Statistik 2022: Armutsgefährdungsquote und Armutsgefährdungsschwelle in NRW)
Wohnungsbedarfsprognose | Stadt Münster
42
In der Stadt Münster zählen zum 31.12.2021 rd. 18 Prozent aller Haushalte zu der beschriebenen
Gruppe der einkommensschwachen bzw. von Armut gefährdeten Haushalte:
Abbildung 28: Einkommensschwache Haushalte in Münster 2021
Quelle: InWIS 2022, eigene Darstellung
Nicht explizit in der vorstehenden Abbildung enthalten sind wohnungslose Haushalte, die häufig eine
Teilgruppe der Bezieher von Mindestsicherung nach dem SGB XII sind. Aufgrund ihres akuten Woh-
nungsbedarfes sind sie in besonderem Maße auf den Zugang zu preisgünstige m Wohnraum angewie-
sen. Diese Personengruppe trifft am Wohnungsmarkt auf besondere Zugangsschwie rigkeiten und ist
bei der Versorgung mit passendem Wohnraum auf entsprechende Unterstützungsangebote angewie-
sen. Das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein -Westfalen hat in die-
sem Zusammenhang eine Erhebung beauftragt, die für Münster eine Gesamtzahl von rd. 150 wohnungs-
losen Personen ermittelte.28
Des Weiteren ist mit Blick auf die Gruppe der einkommensschwachen Haushalte zu erwähnen, dass das
Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB) mit dem „Wohngeld 2023“
eine historische Wohngeldreform umgesetzt hat, wodurch sich der Kreis der Leistungsberechtigten –
nach ersten Schätzungen der Bundesregierung – verdreifachen wird. 29 Durch die Anhebung der Ein-
kommensgrenzen für den Wohngeldbezug wird das Instrume nt Experteneinschätzungen zufolge aber
auch Haushalten der unteren Mittelschicht zugutekommen, deren Einkommen zwischen 60 und 80 Pro-
zent des nationalen Medianeinkommens bemisst . Innerhalb der Gruppe der einkommensschwachen
Haushalte mit weniger als 60 Prozent des Medianeinkommens ist mit einer Verschiebung innerhalb der
dargestellten Teilgruppen zu rechnen, da Niedrigeinkommensbezieher, die bislang keine Transferleis-
tungen erhielten, von den erweiterten Möglichkeiten des Wohngeldbezuges Gebrauch machen werden.
28 Vgl. Gesellschaft für innovative Sozialforschung und Sozialplanung e.V. 2022: Wohnungslose ohne Unterkunft und verdeckt
Wohnungslose in Nordrhein-Westfalen. Ergebnisse einer Befragung, S. 84
29 Vgl. BMWSB 2023: Wohngeld – Reform, abgerufen unter: https://www.bmwsb.bund.de/SharedDocs/topthe-
men/Webs/BMWSB/DE/wohngeld-plus/wohngeld-plus-artikel.html
Wohnungsbedarfsprognose | Stadt Münster
43
Ein messbarer Indikator für eine besonders angespannte Nachfragesituation bei den einkommens-
schwachen Haushalten ist die Zahl der wohnungssuchend gemeldeten Haushalte, der allerdings Schwä-
chen aufweist. Denn er korreliert erfahrungsgemäß mit dem Angeb ot an preisgebundenen Wohnungen
– werden viele geförderte Wohnungen gebaut, steigt nicht selten auch die Zahl der Haushalte, die sich
wohnungssuchend meldet. Daher verwenden wir ihn in Kombination mit Expertengesprächen. Für den
Bezug einer preisgebundenen Wohnung ist ein Wohnberechtigungsschein (WBS) notwendig. Berech-
tigte Haushalte können sich bei den Kommunen als wohnungssuchend registrieren lassen, die dort er-
teilten WBS werden als Zahl der Wohnungssuchenden interpretiert.
Der Anteil der als wohnungssu chend gemeldeten Haushalte in Münster ist dabei deutlich überdurch-
schnittlich. Im Jahr 2020 lag dieser bei 1,5 Prozent, was den landesweit vierthöchsten Wert darstellt.30
Dabei war die Anzahl im Jahr 2020 in Münster im Vergleichszeitraum noch gering ; zuletzt ist die Zahl
der wohnungssuchenden Haushalte wieder gestiegen, auf rd. 2.820 Haushalte im Jahr 2021.
Tabelle 7: Amtlich registrierte wohnungssuchende Haushalte
2016 2017 2018 2019 2020 2021
Münster 2.900 2.940 2.999 3.016 2.561 2.824
Quelle: InWIS 2022, Datenbasis: NRW.BANK, Stadt Münster
Dabei stellen die registrierten wohnungssuchenden Haushalte nur „die Spitze des Eisbergs“ dar, da es
weniger verfügbare preisgebundene Wohnungen als registrierte Haushalte gibt. Deshalb werden Wohn-
berechtigungsscheine häufig erst erteilt, wenn eine konkrete Wohnung in Aussicht steht. Aufgrund des
Bindungsverlusts und niedriger Fluktuation infolge steigender Marktmieten werden weniger geförderte
Wohnungen frei, sodass die Zahl erteilter Wohnberechtigungsscheine landesweit kontinuierlich zu-
rückgeht. In Münste r ist jedoch eine stabile Entwicklung sichtbar, die in 2020 und 2021 gesunkene
Zahl resultiert lediglich aus einem geringeren Studierendenzuzug und geringeren Fluktuationen insge-
samt durch die Coronapandemie.
5.2.2 Angebotsstruktur und Versorgungslage
Preisgünstige Wohnungen stehen entweder in Form öffentlich geförderter Wohnungen – mit Preisbin-
dungen und der Eingrenzung des zum Bezug berechtigten nur Personenkreises auf die Zielgruppe nach
§ 2 Abs. 1 WFNG –, oder aber in Form freifinanzierter Wohnungen mit geringem Mietpreis zur Verfü-
gung.
In 2021 unterlagen in Münster 8.423 Wohnungen einer Preisbindung. Der Großteil öffentlich geförder-
ten Wohnungen, insgesamt rd. 2.500 Wohneinheiten, befindet sich im Eigentum der Wohn + Stadtbau
GmbH Münster, weitere rd. 280 Wohnungen sind den im Stadtgebiet ansässigen Wohnungsgenossen-
schaften Wohnungsverein Münster eG und Bauverein Ketteler eG zuzuordnen. Damit besitzen diese drei
Anbieter rd. 30 Prozent der Wohnungen im öffentlich geförderten Segment. Die übrigen Wohn ungen
verteilen sich auf andere institutionelle Anbieter sowie Privateigentümer. Die Baufertigstellungen von
geförderten Mietwohnungen sind schwankend, zeigen aber einen positiven Trend. 31 Anhand des Zu-
wachses im Bestand in den letzten Jahren – Zuwachs um rd. 100 Wohnungen zwischen 2020 und 2021
– zeigen sich die Erfolge der Stadt Münster bei der Schaffung öffentlich geförderter Wohnungen. Ins-
besondere die Regelungen der sozialgerechten Bodennutzung fördern die Neuschaffung von öffentlich
gefördertem Wohnraum im Stadtgebiet.
30 Vgl. NRW.BANK 2022: Wohnungsmarktbericht Nordrhein-Westfalen 2022, S.34; NRW.BANK 2021: Preisgebundener Woh-
nungsbestand 2020, S.61
31 Baufertigstellungen geförderter Wohnungen in Mehrfamilienhäusern in Münster: 2019: 271 WE, 2020: 394 WE, 2021: 64 WE,
Datenbasis: NRW.BANK
Wohnungsbedarfsprognose | Stadt Münster
44
Blickt man auf die zukünftige Entwicklung des öffentlich geförderten Bestandes in Münster, wird deut-
lich, dass er – ohne Neuförderungen – bis zum Jahr 2030 bereits um 46 Prozent abnehmen würde und
bis 2035 ein Rückgang von fast 60 Prozent auf 3.510 Wohnungen zu erwarten wäre. Dieses Abschmel-
zen ist durch geförderten Neubau oder Erwerb im Bestand bzw. Verlängerung von Bindungen im Be-
stand zu begegnen – insgesamt eine besondere Herausforderung für die kommunale Wohnungsmarkt-
steuerung. Durch den Rückgang des Bestandes dürften sich die Zugangschancen zu preisgünstigen
Wohnungen für einkommensschwache Haushalte deutlich verschlechtern, sofern die Bindungsverluste
nicht abgefedert werden.
Abbildung 29: Entwicklung und Prognose* der preisgebundenen Wohnungen in Münster
Quelle: InWIS 2022, Datenbasis: NRW.BANK 2021, eigene Darstellung,
* 2030 und 2035 zeigen eine Modellrechnung, wie sich die Anzahl an Wohnungen ohne Neuförderung entwickeln würde
Für einkommensschwache Haushalte sind verschiedene Miethöhen relevant: Die Bemessungsgrenze
der Kosten der Unterkunft (KdU) für Transferleistungsempfänger, die Bewilligungsmiete im geförderten
Wohnungsbau sowie die Angebotsmieten am freien Wohnungsmarkt für alle Teilgruppen . Die Bemes-
sungsgrenze der angemessenen Kosten der Unterkunft biete t eine Orientierung für die Bezahlbarkeit
von Mieten und die Versorgungsmöglichkeiten von Leistungsbeziehern der sozialen Mi ndestsicherung
(nach SGB II und SGB XII). Für diese Haushalte kommen auch Wohnungen am freien Markt infrage,
sofern diese innerhalb der Bemessungsgrenzen der Kosten der Unterkunft liegen. Eine weitere wichtige
Kenngröße ist die Bewilligungsmiete im öffentlich geförderten Wohnungsbau. Findet öffentlich geför-
derter Wohnungsbau in Münster statt, so darf die Miete nach den aktuellen Förderbestimmungen des
Landes bei maximal 7, 10 (EKG A) bzw. 8,00 Euro/m² (EKG B) (nettokalt) je nach Einkommen der Be-
rechtigten liegen.
Im Vergleich zeigt sich, dass die Bewilligungsmiete unterhalb der Bemessungsgrenzen der Kosten der
Unterkunft liegt (s. Abbildung 30). Damit ist auch für Transferleistungsempfänger der Zugang zu geför-
derten Neubauwohnungen prinzipiell möglich. Auch die Mieten am freifinanzierten Markt zeigen sich
mit 8,75 Euro Angebotsmiete lt. Wohnungsannoncenauswertung oder 8,55 Euro Bestandsmiete lt. Miet-
spiegel im untersten Preissegment noch bezahlbar für einkommensschwache Haushalte. Indes berück-
sichtigt der Vergleich keine Mengengerüste. Der Zugang zum freien Markt wird zum einen durc h das
geringe Angebot und zum anderen durch die starke Konkurrenz am Mietwohnungsmarkt erheblich er-
schwert. Das geringe Angebot ist auch Folge einer geringen Fluktuation im Bestand. 32 Durch die
32 Nach Angaben der Wohn+Stadtbau GmbH Münster lag die Fluktuation in ihrem Wohnungsbestand im Jahr 2021 bei nur noch
6 Prozent.
8.365 8.326 8.423
4.480
3.510
0
1.000
2.000
3.000
4.000
5.000
6.000
7.000
8.000
9.000
10.000
2019 2020 2021 2030 2035
Wohnungsbedarfsprognose | Stadt Münster
45
verminderte Umzugstätigkeit kommen preisgünstigere Bestandswohnungen seltener an den Markt. So-
fern dies doch geschieht, ist dies nicht selten mit einer Mietpreiserhöhung im Rahmen eines neuen
Vertragsabschlusses verbunden, bei der Mieterhöhungsspielräume ausgeschöpft werden.
Abbildung 30: Relevante Mietpreise für einkommensschwache Haushalte
Quelle: InWIS 2023, Datenbasis: KdU: Jobcenter Bruttokaltmiete, Verrechnung der Betriebskosten lt. Betriebskostenspiegel NRW zur
Ermittlung der Nettokaltmiete; Bewilligungsmiete: NRW.BANK 2023; Angebotsmiete: ImmobilienScout24 2021 (n=3.250), eigene
Darstellung; Anmerkung: unteres Preissegment wird bei IS24 vermutlich nicht gänzlich abgebildet
Zum freien Wohnungsmarkt haben Transferleistungsempfänger nur eingeschränkt Zugang, da die dor-
tigen Miethöhen die Bemessungsgrenzen vielfach übersteigen. Aufschlussreich ist hierzu eine Differen-
zierung des Teilmarktes nach Mietpreisklassen (s. nachstehende Abbildung). Bei Betrachtung der Ent-
wicklung ausgewählter Preisklassen im frei finanzierten Wohnungsbest and (ohne Neubau), zeigt sich
bei der Wohnungsannoncenauswertung, dass die Angebotsmieten auch in den unteren Preisklassen
einen Anstieg deutlich oberhalb der bundesdeutschen Teuerungsrate vollzogen haben (seit 2016 Ø 4
% p.a., deutlich über Inflationsrate von Ø 1,3 %). Diese Entwicklung spiegelt die zunehmend schwieri-
gere Versorgungssituation im bezahlbaren Bereich des Münsteraner Mietwohnungsmarktes wider. Die
Bemessungsgrenzen der Kosten der Unterkunft würden es einkommensschwachen Haushalten theore-
tisch lediglich erlauben, sich im unteren bzw. untersten Preissegment des freien Mietwohnungsmarktes
zu versorgen. Dies setzt aber ein ausreichend umfangreiches Angebot voraus, was derzeit für den Müns-
teraner Markt nicht als gegeben betrachtet werden kann . Für die Versorgung der beschriebenen ein-
kommensschwachen Haushalte spielen öffentlich geförderte Wohnungen somit eine zentrale Rolle.
8,37 8,97
7,10 8,00
11,44
8,75 8,55
0,00
2,00
4,00
6,00
8,00
10,00
12,00
14,00
Grenze der Kosten
der Unterkunft
€
Angebotsmiete IS24
(Bestand 2021)
Bewilligungsmiete
€
Bestandsmiete
(Mietspiegel
2021)
Wohnungsbedarfsprognose | Stadt Münster
46
Abbildung 31: Entwicklung der Angebotsmieten in verschiedenen Preisklassen (ohne Neubau)
Quelle: InWIS 2022, Datenbasis: ImmobilienScout24 2016-2021; unterstes Preissegment = 10% der günstigsten Mietangebote, un-
teres Preissegment = 25% der günstigsten Mietangebote, mittlere Angebotsmiete = arithmetisches Mittel aller Mietangebote
Im Ergebnis zeigt sich im öffentlich geförderten Wohnungssegment eine stark angespannte Marktlage.
Was laut Aussagen der befragten Wohnungsmarktexperten dazu führt, dass Wohnungen in Münster für
viele Bevölkerungsgruppen nicht mehr bezahlbar sind. Die derzeitigen Versorgungsengpässe betreffen
mehrere Haushaltstypen. Besonders schwierig ist es für Single - und größere Familienhaushalte, denn
es fehlen am hiesigen Markt sowohl kleine als auch große Wohnungen. Bei den Zielgruppen zeigt sich
zudem eine große Knappheit an Wohnungen für Studierende, Senioren und Menschen mit Behinderung.
Dabei haben letztere sowie auch ältere Senioren häufig einen Bedarf an barrierefreiem Wohnraum .
Dieses Ausstattungsmerkmal lässt sich häufig nur im Neubau realisieren, da die Herstellung von Barri-
erefreiheit im Bestand zumeist einen zu kostspieligen Umbau nach sich zieht .
Abbildung 32: Derzeitige Lage am Markt für öffentlich geförderte Wohnungen - Experteneinschätzungen
Quelle: InWIS 2022, eigene Darstellung
7,08
7,75 7,92
8,21 8,40
8,758,47
9,23 9,50
9,90
10,26 10,56
9,29
9,96
10,43
10,90 11,05 11,44
6
7
8
9
10
11
12
13
2016 2017 2018 2019 2020 2021
€
untere 10% untere 25% mittlere Angebotsmiete
Wohnungen in Münster für
viele Bevölkerungsgruppen
nicht mehr bezahlbar
Enorme Knappheit bei großen Whg.
für Familien und kleineren Whg.
Sehr stark angespannter Markt
Viel Unkenntnis bei Haushalten
über Berechtigungen nach EKG
A und B, Nachfrage wäre dann
andernfalls höher
Preissteigerungen setzen gute
aktuelle Bedingungen für
geförderten Wohnbau unter Druck
Große Knappheit an
Wohnungen für Senioren,
Studenten und Menschen
mit Behinderung
Wohnungsbedarfsprognose | Stadt Münster
47
Schlussfolgerungen zur sozialen Wohnraumversorgung
▪ Es zeigt sich in Münster eine s tark angespannte Versorgungslage für einkommensschwache
Haushalte mit deutlichen Versorgungsengpässen bei bezahlbaren Mietwohnungen. Rd. 18 Pro-
zent aller Haushalte in Münster zählen zu den einkommensschwachen im Sinne der von Armut
gefährdeten Haushalte und sind auf entsprechenden preisgünstigen Wohnraum angewiesen .
Der Anteil der Haushalte, die zum Bezug einer öffentlich geförderten Wohnung berechti gt ist,
ist in Münster aller Wahrscheinlichkeit nach noch wesentlich umfangreicher – Berechnungen
des zuständigen Ministeriums des Landes Nordrhein -Westfallen zu Folge liegt er zumindest
landesweit bei 40 bis 50 Prozent aller Haushalte.
▪ Münster hat landesweit einen überdurchschnittlich hohe n Anteil wohnungssuchender Haus-
halte. Gleichzeitig besteht eine zusätzliche Nachfrage nach preisgünstigen Wohnungen durch
Studierende mit kleinem Budget.
▪ Schwierig gestaltet sich die Wohnungssuche auch für Schwellenhaushalte, die keinen An-
spruch auf einen Wohnberechtigungsschein haben und auf dem frei finanzierten Markt in Kon-
kurrenz zu anderen Nachfragern wie bspw. Studenten-WGs stehen, die tendenziell eine höhere
Gesamtmiete bezahlen können.
▪ Das Abschmelzen der Preis- und Belegungsbindungen geförderter Wohnungen führt bis 2035
zu einem Rückgang des derzeitigen Bestandes um fast 60 Prozent, sofern dieser Rückgang
nicht durch zusätzliche öffentlich geförderte Wohnungen kompensiert wird – im Neubau
und/oder im Bestand.
▪ Ein Rückgang des geförderten Wohnungsbestands bei einer bereits stark angespannten Ver-
sorgungslage bedeutet, dass für viele Haushalte der sichere Zugang zu einer bezahlbaren Woh-
nung entfällt.
▪ Ein besonderer Mangel besteht bei kleinen Wohnungen für Single - und Paarhaushalte, auch
größere Wohnungen für Familien und sowie geeigneter Wohnraum für Senioren und Menschen
mit Behinderung fehlen am Münsteraner Markt.
Wohnungsbedarfsprognose | Stadt Münster
48
6. Wohnungsbedarfsprognose
Die Analyse der bisherigen Entwicklung am Mün steraner Wohnungsmarkt ist eine wichtige Vorbedin-
gung für die nachfolgende Vorausschätzung zukünftiger Trends in der Entwicklung von Wohnungsbe-
darfen und der Frage, in welchem Umfang, für welche Haushalte und für welche Wohnformen Hand-
lungsbedarfe in der S teuerung der Marktentwicklung entstehen werden. Vor allem ist die Wohnungs-
bedarfsprognose Grundlage für die Bewertung, ob die mobilisierbaren Flächenreserven ausreichen
werden, um die prognostizierten Bedarfe zu decken.
Die Wohnungsbedarfsprognose dient d er Vorausschätzung der Zahl der Haushalte und – in Verknüp-
fung mit Versorgungsnormen und Präferenzen der Wohnungsnachfrage – des Umfangs des zukünftig
für eine adäquate Wohnraumversorgung notwendigen Wohnungsneubaus. Die Methodik der vorliegen-
den Wohnungsbedarfsprognose wird in Kapitel 10.2 erläutert.
6.1. Bevölkerungsprognosen
Die Entwicklung der Einwohnerzahl ist für die zukünftige Wohnungsmarkt - und Stadtentwicklung eine
entscheidende Größe. Mit einer wachsenden Einwohnerzahl steigt auch der Bedarf nach Wohnraum und
Infrastruktureinrichtungen, während bei sinkenden Einwohnerzahlen die Kosten pro Kopf für Gemein-
bedarfseinrichtungen zunehmen und ggf. auch die Wohnungsnachfrage nachlassen kann.
Im Rahmen der vorliegenden Wohnungsbedarfsprognose und Wohnungsbedarfsdeckungsprognose hat
InWIS eine eigene Bevölkerungsprognose für Münster auf Basis kommunaler Daten berechnet. Die
Prognose für den Zeitraum 2021 bis 2045 basie rt auf der Kohorten -Komponenten-Methode. Eine ver-
lässliche Bevölkerungsprognose ist im Wesentlichen durch folgende Einflussfaktoren gekennzeichnet:
Geburtenniveau (Fertilität), Sterblichkeitsniveau (Mortalität) und Umfang der Wanderungen (Migra-
tion). 33 Für die InWIS-Prognose wird auf die städtischen Einwohnerdaten zur wohnberechtigten Bevöl-
kerung zurückgegriffen. Das Basisjahr der Prognose ist 2021 (Stand: 31.12.2021).
Sowohl die altersspezifischen Geburtenraten als auch die altersspezifischen Sterbewahrsc heinlichkei-
ten haben in den letzten Jahren einen relativ gleichförmigen Verlauf angenommen. Der Umfang der
Wanderungen stellt hingegen eine unsichere Komponente dar, denn er hängt oftmals von einer Vielzahl
von Faktoren ab. Dazu gehören die Entwicklung der weltpolitischen Lage sowie gesamtwirtschaftliche
oder politische Maßnahmen, die nur sehr schwer einzuschätzen sind. Auch besondere örtliche Entwick-
lungsimpulse wie die Entwicklung der Studierendenzahlen oder Veränderungen des Arbeitsmarkts,
bspw. umfangreiche Gewerbeansiedlungen, die einen Zuzug von Arbeitskräften auslösen können, kön-
nen einen relevanten Einfluss ausüben. Auf diese Faktoren wird in einem nachfolgenden Abschnitt nä-
her eingegangen.
InWIS-Bevölkerungsprognosen in zwei Varianten
Um einen Korr idor für die zukünftige Entwicklung des Wanderungsgeschehens aufzuzeigen, wurden
bezüglich der Wanderungen zwei unterschiedliche Stützzeiträume zugrunde gelegt, die sich in zwei
Prognosevarianten darstellen. So können unterschiedliche Entwicklungsszenarien für die Zukunft der
demografischen Entwicklung in Münster aufgezeigt werden. Die Stützzeiträume erstrecken sich über
einen längeren Zeitraum und schließen die durch die starke Flüchtlingsmigration geprägten Jahre 2015
und 2016 aus. Innerhalb des Stützzeitraumes bildet das durch die Corona -Pandemie geprägte Jahr
2020 aufgrund von Reisebeschränkungen, Lockdown usw. eine Besonderheit im Migrationsgeschehen,
sodass die Einbeziehung oder der Ausschluss dieses Jahres die Grundlage für die beiden Varianten
33 Weitergehende Erläuterungen zur Methodik der Bevölkerungsprognosen in Kapitel 10.2
Wohnungsbedarfsprognose | Stadt Münster
49
bildet. Das Jahr 2020 steht für den niedrigsten Wanderungsüberschuss Münsters in der vergangenen
Dekade.34
▪ Variante 1: Für die Abschätzung der zukünftigen Bevölkerungsentwicklung wird in dieser Va-
riante das alters- und geschlechtsspezifisches Wanderungsverhalten auf Basis der Jahre 2017
bis 2021 fortgeschrieben. Die Variante nutzt die jüngeren Wanderungsbewegungen der letzten
fünf Jahre als Basis. Darin enthalten ist auch das Jahr 2020, das sehr geringe Zuwanderung
aufgrund der Einschränkungen der Pandemie aufzeigt. Im Ergebnis dieser Prognosevariante
steigt die Einwohnerzahl von 2021 bis 2045 um rd. 35.350 Einwohner bzw. 11,2 Prozent auf
349.689 Einwohner.
▪ Variante 2: Für die Abschätzung der zukünftigen Bevölkerungsentw icklung in einer Variante,
die die Entwicklungen der Stadt fortsetzt, werden die alters - und geschlechtsspezifischen
Wanderungssalden des Zeitraums 2017 bis 2021 ohne das Jahr 2020 in die Zukunft fortge-
schrieben. Das Jahr 2020 kennzeichnet sich durch bundesweite Sondereffekte im Wanderungs-
verhalten, wovon Münster als Universitätsstadt mit internationalen Studierenden durch be-
sonders geringere Wanderungsbewegungen betroffen war. Im Rahmen dieser Variante steigt
die Einwohnerzahl von 2021 bis 2045 auf 353.596 Einwohner, das entspricht einem Zuwachs
von rd. 39.260 Personen bzw. 12,5 Prozent.
Der jährliche Bevölkerungszuwachs verliert in der Variante 1 ab 2030 und in der Variante 2 ab 2032 an
Dynamik. In den Folgejahren bis 2045 bleibt er auf einem relativ konstanten Niveau.
Abbildung 33: Bevölkerungsprognosen 2021 bis 2045
Quelle: InWIS 2022, Datenbasis: Stadt Münster, eigene Darstellung und Berechnung
Die Auswahl des „richtigen“ Referenzzeitraumes für die Gewinnung der Migrations raten stellt stets
eine besondere Herausforderung dar, um möglichst realistische Annahmen über die zukünftige demo-
grafische Entwicklung zu treffen. Das Ausklammern des Jahres 2015 mit der großen Flüchtlingsmigra-
tion geht mit der Annahme einher, dass sich e in derart großer Außenwanderungsgewinn für Deutsch-
land (und für die Kommunen) im Prognosezeitraum nicht oft wiederholen wird. Ob diese Annahme an-
lässlich der andauernden Kriegshandlungen in der Ukraine und der instabilen politischen Situation in
Osteuropa auch dauerhaft nicht mit aller Gewissheit auszuschließen ist, bleibt zu hoffen, aber
34 Eine Modellrechnung zur zukünftigen Einwohnerentwicklung Münsters auf Basis der Migrationsraten des Sonderjahres 2020
und denselben Fertilitäts- und Mortalitätsraten wie in den Prognosevarianten 1 und 2 ergab, dass die Bevölkerung Münsters
trotz der denkbar ungünstigen Rahmenbedingungen dennoch langfristig wachsen wird. Vgl. hierzu auch Kapitel 10.2
314.332
250.000
270.000
290.000
310.000
330.000
350.000
370.000
390.000
Stadt Münster (HW+NW) Variante 1 Variante 2
332.478
353.596
345.411
349.689
342.643
337.209
335.449
329.034
328.044320.814
320.399
Wohnungsbedarfsprognose | Stadt Münster
50
ungewiss. Das Jahr 2016 wurde ausgeschlossen, da Deutschland erst im Jahresverlauf die im Vorjahr
einsetzende starke Flüchtlingsmigration mindern konnte. Der Ausschluss der Jahre 2015 und 2016 mit
hohen Wanderungsgewinnen entspricht einer vorsichtigen Auswahl des Referenzzeitraumes. Das Jahr
2020 steht demgegenüber für ein Jahr mit einer außerordentlich niedrigen Außenzuwanderung für
Deutschland und seine Kommunen, also für ein weiteres Jahr mit Sondereffekten auf bundesdeutscher
Ebene.
Es entspricht einem konservativen Vorgehen, einen Referenzzeitraum zu wählen, der möglichst unbe-
einflusst von großräumigen Sondereffekten im Wanderungsgeschehen ist. Die Variante 2 ist daher aus
gutachterlicher Sicht die Vorzugsvariante, die sich aus heuti ger Sicht in langfristiger Perspektive als
besonders treffsicher erweisen könnte und der die größte Eintrittswahrscheinlichkeit mit Blick auf den
Prognosezeitraum bis 204 5 beigemessen wird. Sie wird für alle nachfolgenden Prognoserechnungen
zugrunde gelegt.
Allerdings zeichnete sich gegen Ende des Jahres 2022 ab, dass das Jahr mit Blick auf den Ausbruch des
Ukraine-Krieges und der daraufhin einsetzenden Fluchtbewegung – auch in Richtung Deutschland –ein
Sonderjahr in der Migrationsbewegung werden würde. Die Hoffnungen auf ein baldiges Kriegsende und
eine Rückkehr der Flüchtlinge schwanden. Zugleich stieg im Jahresverlauf auch die Zahl der Asylanträge
in Deutschland auf ein Niveau, wie es seit 2016 nicht mehr erreicht wurde.35 Die Entwicklung zeigt, wie
schwierig es ist, unerwartet auftretende Sondereffekte in der Migration angemessen in der Bevölke-
rungsprognose zu berücksichtigen. Es gibt erst im Nachhinein, quasi rückblickend, die Gewissheit, ob
die getroffenen Annahmen die Zukunft zutreffend eingeschätzt h aben. Da sich eine Prognose wie die
vorliegende Bevölkerungsprognose über zwei Jahrzehnte erstreckt, ist es aus wissenschaftlicher Per-
spektive zulässig, Annahmen zu treffen, die sich als langfristig tragfähig erweisen, auch wenn Einzele-
reignisse diese Trends überlagern können.
Inwieweit nun die dargestellten Sondereffekte in der Migration in die Bevölkerungs- bzw. Wohnungs-
bedarfsprognose einbezogen wurden, wird im letzten Abschnitt dieses Kapitels erläutert.
Bevölkerungsprognosen im Vergleich
Die Stadt Münster erstellt im regelmäßigen Turnus eine kleinräumige Bevölkerungsprognose. Die ak-
tuellste Prognose ist aus dem Jahr 2019 und reicht bis zum Jahr 2030, für das 334.774 Einwohner
prognostiziert werden. Damit liegt die kleinräumige städtische Prognose oberhalb beider InWIS-Prog-
nosevarianten. Da die Prognose die gedämpfte Einwohnerentwicklung im Jahr 2020 (s.u.) nicht vorher-
sehen konnte und einen kürzeren Prognosezeitraum hat, bleibt sie für den weiteren Vergleich unbe-
rücksichtigt.
Darüber hinaus erstellt auch das Statistische Landesamt IT.NRW eine Bevölkerungsvorausberechnung36
für die Städte und Gemeinden in Nordrhein -Westfalen. Die Annahmen der Prognose gewinnt das Sta-
tistische Landesamt ebenso wie InWIS oder wie die Stadt Münster für ihre eig ene Prognose durch die
Analyse der Trendentwicklung innerhalb eines Stützzeitraums und dessen Fortschreibung in die Zu-
kunft. Dabei nutzt die Prognose von IT.NRW Einwohner - und Bewegungsdaten des Statistischen Lan-
desamtes, die von denen der Stadt Münster deutlich abweichen.
Bei dem Vergleich zwischen der IT.NRW Prognose und der InWIS -Varianten muss berücksichtigt wer-
den, dass wegen der unterschiedlichen Datenbasis die absolute Höhe der prognostizierten Einwohner-
zahl nicht miteinander vergleichbar ist, der jährliche Einwohnerzuwachs hingegen schon. Im Ergebnis
zeigt die Vorausberechnung von IT.NRW bis zum Jahr 2045 einen Zuwachs von 2,6 Prozent im
35 Vgl. hierzu Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (2023): Aktuelle Zahlen, Ausgabe Dez. 2022. Die Zahl der Asylanträge
stieg von 222.683 im Jahr 2017 auf 244.132 im Jahr 2022. Der Anstieg vollzog sich vorzugsweise in den Monaten August bis
Dezember 2022; das hohe Niveau hält nach aktuellem Stand (Ende Febr. 2023) an.
36 Vgl. IT.NRW 2022: Bevölkerungsvorausberechnung für NRW, Düsseldorf. Abgerufen unter: https://www.it.nrw/bevoelke-
rungsvorausberechnung-fuer-nrw
Wohnungsbedarfsprognose | Stadt Münster
51
Unterschied zu den InWIS -Varianten mit 11,2 bis 12,5 Prozent (s. Abbildung 34). Die Entwicklungen
basieren auf den unterschiedlichen Ausgangsdaten und Annahmen der Prognosen. Im Wesentlichen
können folgende zentrale Unterschiede in den Prognosen angeführt werden:
▪ Einen zentrale n Aspekt stellen die unterschiedlichen Datengrundlagen der zwei Prognosen
dar. Während die Prognose von IT.NRW auf Bevölkerungs - und Bewegungsdaten des Statisti-
schen Landesamtes zurückgreift, basiert die InWIS-Prognose auf aktuellen kommunalen Daten
der Stadt Münster.
▪ Die Bevölkerungsprognose von IT.NRW basiert auf dem Bevölkerungsstand vom 31.12.2020.
Das Jahr 2021 ist bereits das erste Prognosejahr. Im ersten Jahr weicht die Prognose gegenüber
der amtlichen Bevölkerungszahl von IT.NRW bereits um 541 Personen nach unten ab, d.h. die
tatsächliche Einwohnerzahl liegt leicht oberhalb der Prognose. Die InWIS-Bevölkerungsprog-
nose für die Stadt Münster basiert auf dem aktuelleren Bevölkerungsstand vom 31.12.2021.
▪ IT.NRW hat die Jahre 2017 bis 2020 als maßgeblichen Stützzeitraum für seine Annahmen zum
Wanderungsgeschehen und zu den Geburten- und Sterbefällen gewählt, während in der InWIS-
Variante 2 die Jahre 2017 bis 2021 ohne das Jahr 2020 als Stützzeitraum dienen. Es wurde
bereits dargestellt, dass das Ausnahmejahr 2020 durch bundesweite Sondereffekte im Wan-
derungsverhalten gekennzeichnet ist, welche sich insbesondere in einer außerordentlich nied-
rigen Außenwanderung darstellen. Für Münster als Universitätsstadt zeigt sich dies besonders
deutlich, daher wurde das Jahr 2020 in der InWIS-Variante 2, der Vorzugsvariante, auch nicht
im Stützzeitraum aufgenommen.
Die InWIS-Variante 2 (Vorzugsvariante) wird gegenüber der Prognose des Statistischen Landesamts für
Münster präferiert, da sie zum einen kommunalen Daten als Grundlage nutzt und darüber hinaus ein
aktuelleres Ausgangsjahr der Prognose hat. Zudem werden Sondereffekte – wie das durch die Pande-
mie geprägte Jahr 2020 mit einer geringen Außenwanderung – in der Variante 2 nicht fortgeschrieben.
Aus heutiger Sicht wird der Variante 2, gegenüber der Prognose von IT.NRW, daher eine größere Ein-
trittswahrscheinlichkeit beigemessen.
Abbildung 34: Bevölkerungsprognosen im Vergleich 2021 bis 2045
Quelle: InWIS 2023, Datenbasis: Stadt Münster, IT.NRW, eigene Darstellung und Berechnung
314.332
317.713 326.121
250.000
270.000
290.000
310.000
330.000
350.000
370.000
390.000
Stadt Münster (HW+NW) Variante 1 Variante 2 IT.NRW (HW) IT.NRW Prognose
332.478
353.596
349.689337.209
335.449320.814
318.810
320.399 321.831
Wohnungsbedarfsprognose | Stadt Münster
52
Effekte auf die Altersstruktur der Bevölkerung
Neben einer rein quantitative n Zunahme der Bevölkerungszahl verändert sich auch der Altersaufbau
der Bevölkerung. In der nachfolgenden Abbildung ist die prognostizierte Entwicklung der Altersgrup-
pen bis zu den Jahren 2030 und 2045 zu erkennen. Es zeigt sich ein leichter Anstieg bei de m Großteil
der Altersjahre. So auch eine voraussichtliche Zunahme älterer Familien bis 20 45, da neben dem An-
stieg in der Altersgruppe der 35 - bis 50-Jährigen auch die Zahl der Kinder zunimmt. Eine starke Zu-
nahme ist in der Altersklasse der über 65-Jährigen zu verzeichnen, weil die geburtenstarken Jahrgänge,
die derzeit die Gruppe der Best Ager bilden, ins Rentenalter hineinwachsen. Insgesamt ist also mit
einer deutlichen Verschiebung der Altersstruktur, hin zu jungen und hochaltrigen Senioren, zu rechnen.
Gleichzeitig schmilzt die Gruppe der Best Ager ab.
Abbildung 35: Veränderung der Altersgruppen 2021 bis 2045 – Variante 2
Quelle: InWIS 2022, Datenbasis: Stadt Münster, eigene Darstellung und Berechnung
Hinweis: Skala der y-Achse Personen ist bei der Altersgruppe Gruppe 80+ verkürzt dargestellt
Die prognostizierte Veränderung im Altersaufbau der Bevölkerung wird auch Auswirkungen auf den
lokalen Wohnungsmarkt haben. Sie werden im nachfolgenden Kapitel beschrieben.
Effekte der Fluchtmigration im Jahr 2022 auf die Bevölkerungsprognose
Bei der Erstellung der Bevölkerungsprognose für Münster im Spätsommer 2022 waren weder die fort-
gesetzte Dauer des Krieges noch das Ausmaß der Fluchtmigration und ihre Auswirkungen auf die Stadt
Münster absehbar. Mittlerweile, im Frühjahr 2023, können die demografischen Effekte der Fluchtmig-
ration aus der Ukraine für die Stadt Münster quantifiziert und nachträglich in die Prognoserechnungen
einbezogen werden. Während die Entwicklung der Asylbewerberzahlen in Münster im Jahr 2022 nach
Auskunft der Stadt Münster keine Auffälligkeiten zeigt, hat die Fluchtmigration aus der Ukraine zu ei-
nem erheblichen Anstieg dieser Gruppe innerhalb der wohnberechtigten Bevölkerung geführt.
Die Gruppe der Ukraine-Flüchtlinge hat eine spezifische demografische Struktur, die stark dadurch ge-
kennzeichnet ist, dass für Männer im bestimmten Alter die Wehrpflicht gilt und ihnen die Ausreise aus
der Ukraine untersagt ist. Es sind also vorzugsweise Frauen mit und ohne Kind(er), die geflüchtet sind.
Ihr Familienleben ist im Wesentlich durch die Abwesenheit der Männer und große Unsicherheiten hin-
sichtlich der Zukunftsperspektiven geprägt. Geburtenhäufigkeit, Sterblichkeit und altersspezifisches
Wanderungsverhalten sind daher nur schwer einzuschätzen. Es sind jedoch genau diese Faktoren, die
in eine Bevölkerungsprognose einfließen. Aufgrund der unzureichenden Datenbasis werden die Effekte
der Fluchtmigration aus der Ukraine in einer gesonderten Modellrechnung berechnet. Si e nutzt
P
Wohnungsbedarfsprognose | Stadt Münster
53
zuverlässige Daten zur altersstrukturellen Zusammensetzung der Gruppe und zu Bleibeperspektiven .
Die Ergebnisse der Modellrechnung werden zur Bevölkerungsprognose (und darauf aufbauenden Haus-
halts- und Wohnungsbedarfsprognose) hinzugerechnet, statt eine neue Bevölkerungsprognose zu rech-
nen. Im Folgenden werden die Daten vorgestellt, die zur Dimensionierung dieser Zielgruppe und ihres
Wohnungsbedarfes genutzt wurden.
Ende Februar 2022 begann mit dem russischen Überfall auf die Ukraine der Krieg zwischen den beiden
Staaten. Zum 28.02.2022 verzeichnete die Einwohnermeldestatistik innerhalb der in Münster lebenden
wohnberechtigten Bevölkerung 416 Personen mit erster Staatsangehörigkeit „Ukraine“. Diese Gruppe
wuchs bis zum 31.12.2022 auf insgesamt 3.494 Personen an. Zu 32 Prozent bestand sie aus Kindern
und Jugendlichen unter 18 Jahren, 74 Prozent der Erwachsenen waren weiblichen Geschlechts. Die Zu-
nahme von 3.078 Personen ist aus gutachterlicher Sicht ursächlich auf den Krieg zurückzuführen.
Eine bundesweite repräsen tative Befragung von Flüchtlingen Ende 2022 gibt Aufschluss über die Fa-
milien- und Haushaltsstruktur der ukrainischen Geflüchteten. Demnach leben 77 Prozent der Frauen,
aber nur 29 Prozent der Männer im Erwachsenenalter ohne ihre Partnerin oder ihren Partner in Deutsch-
land. 48 Prozent der Frauen lebt mit ihren minderjährigen Kindern zusammen, unter den Männer sind
es 44 Prozent.37
Schätzungen der Europäischen Union und der Vereinten Nationen zur möglichen Anzahl der Kriegs-
flüchtlinge im Jahr 2023 gehen von weiteren 4 bis 8,3 Mio. Ukrainern aus, die ihr Land verlassen wer-
den. Zum Vergleich: Im März 2023 schätzt das UN -Flüchtlingskommissariat die bisherige Anzahl der
Flüchtlinge auf 19,5 Mio. Menschen. Es wird damit gerechnet, dass der Höhepunkt der Flüchtlingsbe-
wegung im Jahr 2022 lag und sich die Zuwanderung 2023 auf einem niedrigeren Stand einpendeln wird.
Die Migrationsdaten des Statistischen Bundesamt zeigen, dass im Zeitraum 09/2022 bis 01/2023 die
Zahl der offiziell gezählten Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine in Deutschland um monatlich „nur“ noch
durchschnittlich rd. 11.500 Personen anwuchs, nachdem das Groß der Flüchtlingsbewe gung den Mo-
naten zuvor zuzurechnen ist .38 Legt man den aktuellen Trend f ür das gesamte Jahr 2023 zugrunde,
würde dies bundesweit ein Plus von weiteren rd. 140.000 Flüchtlingen bedeuten. Bei einem Bevölke-
rungsanteil von Münster von bislang 0,3 Prozent (Stand 12/2022) ergäbe sich ein weiterer Zuwachs
von rd. 340 Personen.
Die erwähnte repräsentative Befragung von geflüchteten Ukrainerinnen und Ukrainern in Deutschland
zeigt deren Bleibeperspektiven auf , wobei die Ungewissheit ihrer Zukunft in Deutschland und der un-
kalkulierbare Kriegsverlauf die Ergebnisse prägen:
▪ 37 Prozent möchten für immer oder mehrere Jahre in Deutschland bleiben,
▪ 34 Prozent bis Kriegsende,
▪ 2 Prozent planen, Deutschland innerhalb eines Jahres wieder zu verlassen,
▪ 27 Prozent sind noch unentschieden.
Um die Zeitdauer des Wohnungsbedarfs für die Ukraine -Flüchtlinge berechnen zu können, wird ange-
nommen, dass sich die Gruppe der Unentschiedenen so verhalten wird wie die Mehrheit der Befragten.
Die Gesamtheit der Bleibewünsche wird auf die Bevölkerungsgruppe der Ukraine-Flüchtlinge in Müns-
ter übertragen und in die Haushalts- sowie Wohnungsbedarfsprognose einberechnet.
37 Vgl. Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) / Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB) / Bundesamt für
Migration und Flüchtlingen (BAMF) / Sozio-oekonomisches Panel (SOEP) (Hg.) (2022): Geflüchtete aus der Ukraine in Deutsch-
land. Flucht, Ankunft und Leben. Berlin, S. 6
38 Vgl. https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1294820/umfrage/kriegsfluechtlinge-aus-der-ukraine-in-deutschland/
Wohnungsbedarfsprognose | Stadt Münster
54
Abweichungen der Bevölkerungsprognose im Jahr 2022 vom Bevölkerungsstand
Die Fluchtmigration aus der Ukraine hat in Münster seit Kriegs beginn einen externen Effekt auf die
Bevölkerungsentwicklung in Form einen Zuwachs um 3.078 Personen ausgelöst. Durch die anzuneh-
mende Rückkehr der Mehrheit der Flüchtlinge in ihr Herkunftsland nach Kriegsende wird dieser Effekt
mittel- bis langfristig deutlich schrumpfen.
Für das Jahr 2022 beträgt die Differenz zwischen der melderechtlich erfassten wohnberechtigten Be-
völkerung in Höhe von 319.441 Personen und dem prognostizierten Bevölkerungsstand von 315.888
Personen rd. 3.850 Personen (vgl. hierzu auch Kapitel 3.1). Die Fluchtmigration aus der Ukraine erklärt
die Abweichung weitestgehend (80 Prozent bzw. rd. 3.100 Personen sind auf die Fluchtbewegung zu-
rückzuführen). Andere Einzelereignisse sind nicht erkennbar. Die verbleibende Differenz von 750 Per-
sonen kann möglicherweise auf eine vermehrte Mobilität als Nachholeffekt zu den von der Corona -
Pandemie beeinflussten Jahren 2020 bis 2021 mit deutschlandweit geringer Mobilität zurückzuführen
sein. Dies nachzuweisen, erfordert bundesweite B ewegungsdaten in der Einwohnerentwicklung, die
frühestens Mitte 2023 vorliegen werden. Auch Effekte aus der Hochschulentwicklung sind noch nicht
auszuschließen, wenngleich die Westfälische Wilhelms -Universität einen Zuwachs an Studierenden
und die FH Münst er am Standort Münster einen Rückgang derselben verzeichnet. Denn die Zahl der
Studierenden zum Wintersemester 2022/23 der zahlreichen kleineren Hochschulen sind noch nicht ver-
öffentlicht. Vielleicht hat die Differenz aber auch – wie bereits in einzelnen früheren Jahren der Bevöl-
kerungsentwicklung in Münster – viele einzelne Quellen.
Die Abweichung von 750 Personen bzw. 0,2 Prozent, bezogen auf die Gesamtbevölkerung Münsters
von fast 320.000 Personen ist in statistischer Hinsicht als geringfügig zu betracht en. Sie liegt im To-
leranzbereich einer jeden Prognoserechnung, in der sich Jahre mit überdurchschnittlichem Wande-
rungsgewinn durch Jahre mit einem unterdurchschnittlichen Zuwachs abwechseln und über den langen
Prognosezeitraum ausgleichen können.
6.2. Haushaltsprognose
Da nicht einzelne Personen, sondern Haushalte als Nachfrager am Wohnungsmarkt auftreten, ist es
notwendig, nicht nur die künftige Bevölkerungsdynamik, sondern auch die Haushaltsentwicklung zu
prognostizieren. Die Anzahl und die strukturellen Ver änderungen der privaten Haushalte stellen we-
sentliche Komponenten für die Entwicklung des künftigen Wohnungsbedarfs dar.
Haushaltsprognosen
Für die Prognose der Haushalte müssen in einem ersten Schritt die in der Bevölkerungsprognose er-
mittelten Einwohner in die Bevölkerung in Privathaushalten überführt werden. In diesem Schritt wer-
den Bewohner von Heimen und stationären Einrichtungen, die keine eigene Wohnung nachfragen, her-
ausgerechnet. Die Zahl der Personen in Privathaushalten wird dann in einem zweiten Schritt mithilfe
des Haushaltsvorstandsquotenverfahrens den diversen Haushaltstypen nach Größe und Altersgruppe
zugeordnet.
Infolge der zu erwartenden Zunahme älterer Einwohner, die in kleineren Haushalten wohnen als Fami-
lienhaushalte, aber auch durch eine fortgesetzte hohe berufliche Mobilität und die Zunahme der Part-
nerschaften mit separater Haushaltsführung, verkleinert sich die durchschni ttliche Haushaltsgröße in
Münster von ca. 1,79 Personen in 2021 auf voraussichtlich 1,75 Personen im Jahr 2045.
Auch die Zusammensetzung der Haushalte nach Haushaltstypen, die sich hinsichtlich des Alters und
der Größe unterscheiden, wird sich verändern.
Wohnungsbedarfsprognose | Stadt Münster
55
Abbildung 36: Prognostizierte Entwicklung der Haushaltstypen (ohne Ukraine-Flüchtlinge)
Quelle: InWIS 2023, Datenbasis: Stadt Münster, Mikrozensus, eigene Berechnung
Mit 19 Prozent Zunahme bis zum Jahr 2045 wird sich die Gruppe der Singlehaushalte am stärksten
vergrößern, gefolgt von den Zweipersonenhaushalten mit 12 Prozent und den größeren Haushalten ab
drei Personen mit sechs Prozent. Aus den Veränderungen in der Zu sammensetzung der Haushalte las-
sen sich einige qualitative Anforderungen an die Wohnungsgrößenstruktur der neu zu schaffenden
Wohnungen ableiten:
▪ Knapp jede zehnte Wohnung sollte auf einen größeren Haushalt ausgerichtet und familien-
tauglich sein. Diese Größenordnung kann sich in dem Maße vermindern, wie das Freisetzungs-
potenzial in Bestandseigenheimen mobilisiert werden kann. 39
▪ Zwei Drittel der neuen Wohnungen richten sich an Singles, die je nach Kaufkraft und Wohnvor-
stellungen kleine kompakte bis hin zu mittelgroßen Wohnungen präferieren.
In der Differenzierung der wachsenden Wohnungsnachfrage nach Haushaltstypen zeigen sich bei den
älteren Haushalten sehr deutlich die Effekte des demografischen Wandels. Die heute noch durch ge-
burtenstarke Jahrgänge geprägte große Gruppe der Singles, Paare und Familien zwischen 50 bis unter
65 Jahren („Best Ager“) wächst im Zuge von Alterungsprozessen in die Gruppe der Seniorenhaushalte
hinein, die sehr stark zunehmen wird, während die Gruppen der „Best Ager“ spürbar an Umfang verlie-
ren werden. Alle anderen Haushaltstypen werden zukünftig noch an Umfang gewinnen, wenngleich im
unteren zweistelligen Bereich. Für die Wohnraumbedarfe bedeutet dies Folgendes:
▪ Die Bedarfe nach Wohnformen im Alter werden stark wachsen. Dies betrifft barrierefreie/-arme
Wohnungen mit und ohne Service sowie gemeinschaftliche Wohnformen für jüngere Senioren
als auch Angebote des betreuten oder heimverbundenen Wohnens für Hochaltrige.
▪ Es bedarf weiterer Wohnformen des jungen Wohnens, auch für Haush alte mit geringer Zah-
lungsfähigkeit. Dies umfasst sowohl Angebote für Studierende und Aus zubildende – vorzugs-
weise Einzelappartements und kleinere Wohneinheiten für ein bis drei Personen.
39 Vgl. hierzu Kapitel 4.3.1
13,8%
11,5%
17,0%
13,3%
-2,3%
-13,5%
38,7%
-30% -20% -10% 0% 10% 20% 30% 40% 50%
junge Starter-HH
junge Familien & MPHH
Singles/Paare mittl. Alters
Familien / MP-HH mittl. Alters
Singles /Paare best Ager
Familien / MP-HH best Ager
Senioren-HH
(58 %)
unter 30-Jährige 30 bis unter 50-Jährige 50 bis unter 65-Jährige über 65-Jährige
Wohnungsbedarfsprognose | Stadt Münster
56
▪ Wechseln Seniorenhaushalte in altengerechte Wohnformen, ziehen sie Be standswohnungen
frei, die ein Wohnraumpotenzial für nachwachsende Generationen bieten. Der Ausbau von
Wohnformen im Alter kann als Motor für den Generationenwechsel in älteren Wohnungsbe-
ständen betrachtet werden. Gleichwohl ist fraglich, ob er in quantitativer Hinsicht ausreichen
wird, um der zunehmenden Zahl an Familienhaushalten adäquaten Wohnraum zu bieten. Es
sollten daher im Neubau weitere familiengerechte Wohnungen geschaffen werden, sei es in
Form von Eigenheimen, Eigentumswohnungen und Mietwohnungen , vorzugsweise zu günsti-
gen Kauf- und Mietpreisen.
▪ In preislicher Hinsicht sind im spürbaren Umfang weitere Wohnangebote zu schaffen, die dazu
beitragen, nicht nur zusätzliche Bedarfe an bezahlbaren Wohnungen für die große Gruppe der
armutsgefährdeten und einkommensschwachen Haushalte zu decken, sondern auch das der-
zeit feststellbare, immense Angebotsdefizit abzubauen. Dies schließt Transferleistungsemp-
fänger, minderverdienende Haushalte bis hin zu einfachen Angestellten ebenso ein wie Stu-
dierende, Auszubildende oder Flüchtlinge.
Abbildung 37: Entwicklung der privaten Haushalte in Münster (inkl. Ukraine-Flüchtlinge)
Quelle: InWIS 2023, Datenbasis: Stadt Münster, Mikrozensus, eigene Berechnung
Die Zahl der privaten Haushalte umf asst 2021 rd. 172.500 Haushalte. Der prognostizierte Bevölke-
rungsanstieg führt in Verbindung mit der Verkleinerung der mittleren Haushaltsgröße und unter Hin-
zuziehung der Zielgruppe der Ukraine -Flüchtlinge zu einer Zunahme der privaten Haushalte auf rd.
198.400 in 2045. Dies entspricht einem Plus von rd. 25.900 Haushalten bzw. 15 Prozent. Der Trend
der Haushaltsverkleinerung bewirkt, dass der Haushaltszuwachs stärker ausfällt als der Bevölkerungs-
anstieg in dem betrachteten Zeitraum. Die beschriebenen demogr afischen Effekte bewirken, dass die
Nachfrage nach Wohnraum in Münster in den kommenden Jahren noch deutlich an Umfang zunehmen
wird. Dieses Ergebnis korrespondiert mit der Prognose von GEWOS, die für den etwas kürzeren Zeit-
raum von 2018 bis 2040 und ohne Einbeziehung der Flüchtlingshaushalte aus der Ukraine eine Haus-
haltszunahme von 21.500 Haushalten vorausberechnet hat. 40
Für die Gruppe der Ukraine -Flüchtlinge wurde anhand der Informationen zur Haushaltszusammenset-
zung (vgl. vorheriges Kapitel) eine mittlere Haushaltsgröße von 1,9 Personen pro Haushalt ermittelt.
Für das Jahr 2022 lassen sich somit 1.640 Haushalte ukrainisc her Staatsangehörigkeit mit Fluchthin-
tergrund berechnen. In 2023 wird ihre Anzahl durch einen Zuzug einiger weniger, weiterer Flüchtlings-
haushalte auf 1.820 Haushalte anwachsen. Bei einem angenommenen Kriegsende zum Ende des Jahres
40 Vgl. GEWOS 2020
172.476
178.093 182.512
187.357 190.689 192.966
198.384
130.000
140.000
150.000
160.000
170.000
180.000
190.000
200.000
2021 2025 2030 2035 2038 2040 2045
Privathaushalte
Wohnungsbedarfsprognose | Stadt Münster
57
2024 wird eine Rückwanderung in die Ukraine einsetzen. Allerdings wird aufgrund der dort zerstörten
Infrastruktur mit zum Teil schwierigen Lebensverhältnissen zu rechnen sein. Wir gehen daher davon
aus, dass diejenigen, die Deutschland nach Kriegsende wieder verlassen wollen, ihr Vorhaben nicht
innerhalb eines Jahres, sondern verteilt über einen Zeitraum von fünf Jahren umsetzen werden . Für
diejenigen Haushalte, die die Perspektive geäußert haben, für einige Jahre in Deutschland zu bleiben,
wird angenommen, dass sie ab dem Jahr 20 30 – wiederum verteilt auf fünf Jahre – zurückwandern.
Dauerhaft werden rd. 650 ukrainische Flüchtlingshaushalte in Münster verbleiben.
Von den privaten Haushalten sind die Haushalte mit Wohnungsbedarf zu unterscheiden. Denn ein klei-
ner Teil der privaten Haushalte wohnt zur Untermiete und fragt keine eigene Wohnung nach. Wendet
man die im Mikrozensus ausgewiesenen altersspezifischen Quoten für Untermieteranteile auf die
Münsteraner Altersstruktur an, berechnen sich rund 3.100 Haushalte im Ausgangsjahr 2021 und rund
3.550 am Ende des Prognosezeitraumes. Sie vermindern den Wohnungsbedarf der privaten Haushalte
und werden nicht zu den Haushalten mit Wohnungsbedarf gerechnet.
Die Zahl der Haushalte mit Wohnungsbedarf wächst von 169.400 im Jahr 2021 auf rd. 194.830 Haus-
halte im Jahr 2045 an.
6.3. Wohnungsbedarfsprognose
Für die Berechnung des Bedarfs an Wohnraum werden die Haushalte mit Wohnungsbedarf dem derzeit
verfügbaren Wohnungsbestand gegenübergestellt. Der Wohnungsbestand wird dafür um die Anzahl an
Freizeitwohnungen vermindert, da sie nicht für eine reguläre Wohnungsvermietung zur Verfügung ste-
hen.
Für die Funktionstüchtigkeit des Wohnungsmarktes ist zudem eine Fluktuationsreserve notwendig, da
infolge von Wohnungswechseln oder Modernisierungen immer einige Wohnungen kurzfristig leer ste-
hen (müssen). Der Wohnungsbestand sollte also die Zahl der Wohnungsbedarfsträger immer um eine
ausreichende Leerwohnungsreserve übersteigen. Die Reserve ist notwendig, um Umzüge überhaupt
erst möglich zu machen. Sie sorgt dafür, dass sich Haushalte, deren Wohnbedarfe sich im Zeitverlauf
wandeln, eine für sie geeignetere Wohnung beziehen können. Wohnbedarfe ändern sich zum Beispiel
durch Kindernachwuchs oder das Älterwerden der Kinder, wenn ein zusätzliches Kinderzimmer benö-
tigt wird. Gesundheitliche Beeinträchtigungen und Mobilitätseinschränkungen können es erforderlich
machen, in eine barrierefreie Wohnung zu wechseln. Berufstätige oder Auszubildende wollen näher an
ihrem Arbeits- oder Ausbildungsplatz wohnen, um lange Fahrtzeiten zu vermeiden. Für Münster wird
eine in der Wohnungsmarktforschung übliche Quote von 3 Prozent angesetzt. Sie übersteigt die zuletzt
in Münster gemessene Fluktuationsreserve von 0,3 Prozent, die Ausdruck eines großen Wohnungsman-
gels ist, um das Zehnfache.41
Des Weiteren ist zu berücksichtigen, dass sich der Wohnungsbestand in den kommenden Jahren infolge
von Abrissen, Wohnungszusammenl egungen und Umwidmungen von Wohn - in Gewerberäume verrin-
gern wird. Durch diesen Abgang entsteht ein Ersatzbedarf an Wohnungen. Anhand von baualtersspezi-
fischen Abgangsquoten wurde der Ersatzbedarf für Münster berechnet. Er beläuft sich auf jährlich 0,27
Prozent des Bestandes bzw. rd. 470 Wohnungen. Experten aus Bund und Ländern42 gehen von Abgangs-
raten von durchschnittlich 0,2 bis 0,3 Prozent aus. Der errechnete Wert ist nicht nur im überregionalen
Vergleich belastbar. Er berücksichtigt auch den in Münster überdurchschnittlich hohen statistisch er-
fassten Abriss von Wohnungen, der in Münster mit rd. 0,19 Prozent nahezu doppelt so hoch wie im
Regierungsbezirk Münster (0,10 %) und fast dreimal so hoch wie im Landesdurchschnitt (0,07%) ist.
41 Vgl. Empirica-Institut: CBRE-empirica-Leerstandsindex 2022. Leerstandsquote zum 31.12.2021. In: https://www.empirica-
institut.de/thema/regionaldatenbank/einzeldaten-cbre-empirica-leerstandsindex/ Abruf am 23.3.2023
42 vgl. u.a. BBSR Analysen Kompakt 07/2015
Wohnungsbedarfsprognose | Stadt Münster
58
Er ist Ausdruck eines prosperierenden Wohnungsmarktes bei gleichzeitig hohem Verwertungsdruck auf
die bereits vorhandenen Wohnsiedlungsflächen.
In der Gegenüberstellung von verfügbaren Wohnungen und Haushalten mit Wohnungsbedarf zuzüglich
einer Fluktuationsreserve errechnet sich nunmehr der jährliche Bedarf an Wohnraum. Im Ausgangsjahr
der Prognose wird er Nachholbedarf genannt.
An diesem Punkt ist jedoch eine weitere Komponente in der Berechnung des Wohnungsbedarfs einzu-
beziehen, nämlich die Auswirkung des Ukraine-Krieges auf die immobilienwirtschaftlichen Rahmenbe-
dingungen. Eine sinkende Zahlungsfähigkeit und -bereitschaft von Haushalten mit Wohnungsbedarf
infolge von hoher Inflation, erheblichen Energiepreissteigerungen und spürbar gestiegenen Baufinan-
zierungszinsen beenden eine lange Hochphase am Wohnungsmarkt, die durch Miet- und Kaufpreisstei-
gerungen geprägt war. Krisenbedingt stellen zurzeit nach Einschätzung von Marktexperten etliche woh-
nungssuchende Haushalte ihre Wohnbedarfe zurück, etwa bezüglich de s Eigentumserwerbs, der An-
mietung einer größeren Mietwohnung oder des Auszugs aus der elterlichen Wohnung. Dies geschieht
in einem Umfang, den wir zeitlich begrenzt für die Jahre 2022 und 2023 auf ein Drittel des Bedarfes an
Wohnraum einschätzen. 43 Der Zeitraum ist unter der gegenwärtigen Annahme gesetzt, dass sich die
immobilienwirtschaftlichen Rahmenbedingungen ab 2024 verbessern werden und eine spürbare Erho-
lung am Wohnungsmarkt einsetzen wird.44
Abbildung 38: Komponenten des quantitativen Wohnungsbedarfes
Quelle: InWIS 2023, eigene Darstellung
Wohnungsbedarfe bis zum Jahr 2045
Für den Zeitraum 2022 bis 2045 errechnet sich ein Wohnungsbedarf in Höhe von insgesamt rd. 40.000
Wohnungen. Das entspricht einem jährlichen Neubaub edarf im Umfang von rd. 1.670 Wohnungen und
annähernd dem Münsteraner Baufertigstellungsniveau der letzten Dekade (Ø rd. 1.650 Wohnungen pro
Jahr). Die erheblichen Anstrengungen der Stadt Münster, dem hohen Marktdruck durch eine entspre-
chend hohe Bauintensität zu begegnen, sind demnach auf lange Sicht zu verstetigen. Zu einem ähnli-
chen Ergebnis kommt auch die Prognose von GEWOS für Münster , die in ihrer damaligen Prognose
sogar ein etwas höheres Bedarfsniveau – allerdings für einen früheren und kürzeren Zei traum – be-
rechnet.45
43 Vgl. hierzu auch Kapitel 10.3
44 Das RWI-Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung rechnet damit, dass die Preissteigerung nach 7,9 Prozent in diesem Jahr
auf 5,8 Prozent im kommenden und 2,5 Prozent im Jahr 2024 zurückgehen wird, In: Wann steigt wieder der Konsum?
15.12.2022. Marktexperten rechnen damit, dass die „Flaute“ am Wohnungsmarkt spätestens in der 2. Hälfte des Jahres 2024
überwunden sein wird, In Handelsblatt vom 26.01.2023: Immobilienpreise – mit dieser Entwicklung rechnen Experten bei Im-
mobilien 2023.
45 Vgl. GEWOS 2020: S. 76 ff. GEWOS ermittelt für Münster für den Zeitraum 2018 bis 2040 einen Gesamtbedarf in einer
Spannweite von Höhe von 1.180 bis 1.680 Wohnungen jährlich, allerdings auf Basis einer geringeren Zunahme der privaten
Haushalte gegenüber 25.200 Haushalten in 2021 bis 2045 in der InWIS-Prognose.
Demografischer
Bedarf
Ersatzbedarf
Quantitativer Bedarf
+
Verfügbarer
Wohnungsbestand-
Haushalte mit
Wohnungsbedarf
Fluktuationsreserve
+ =
Wohnungsbedarfsprognose | Stadt Münster
59
Der Wohnungsbedarf verteilt sich jedoch nicht gleichmäßig über die Prognosejahre. Vielmehr ist der
kurzfristige Bedarf bis 2025 deutlich höher anzusetzen als die Bedarfsniveaus späterer Zeiträum e –
trotz der Bedarfsminderung infolge d er veränderten immobilienwirtschaftlichen Rahmenbedingungen
(siehe oben) und auch unabhängig von der Einberechnung des durch Ukraine -Flüchtlinge ausgelösten
zusätzlichen Wohnbedarfs . Bis 2025 ist die Bautätigkeit bedarfsgerecht auf über 2. 500 Wohnungen
pro Jahr zu steigern, während in späteren Jahren ein Niveau von 1. 350 bis 1.600 Wohnungen ausrei-
chend sein dürfte.
Für die Jahre 2022 bis 2038, die den Umsetzungszeitraum der möglichen städtebaulichen Entwick-
lungsmaßnahmen umfassen, beläuft sich das Bedarfsniveau auf insgesamt rd. 28.930 Wohnungen.
Abbildung 39: Entwicklung des Wohnungsbedarfs bis 2045
Quelle: InWIS 2023, eigene Berechnung und Darstellung
Wohnungsbedarf in den Segmenten des Wohnungsmarktes
Verknüpft man die demografischen Prognosedaten mit Präferenzen zu Wohnformen, wie sie der Mikro-
zensus ausweist, lassen sich die Wohnungsbedarfe nach Wohnformen differenzieren. Ausgenommen
von dieser Methodik ist die Gruppe der Ukraine -Flüchtlinge. Sie wird aufgrund folgender Erwägungen
vollständig dem Marktsegment der Mehrfamilienhäuser zugeordnet:
▪ Die Geflüchteten verfügen über ein gutes Bildungsniveau, 72 Prozent haben Hochschulab-
schluss. Nur vier Prozent haben Deutschkenntnisse, aber die Hälfte besucht bereits einen
Deutschkurs.46
▪ Sie werden als großen Potenzial für den hiesigen Arbeitsmarkt betrachtet. Allerdings liegen
nicht unerheblich Hemmnisse in der mangelnden Verfügbarkeit von Kinderbetreuungsplät-
zen.47
▪ Im Februar 2023 waren nur 11 Prozent der in Deutschland lebenden Personen ukrainischer
Staatsangehörigkeit, die im erwerbsfähigen Alter sind, sozialversicherungspflichtig beschäf-
tigt. Weitere drei Prozent waren als geringfügig Beschäftigte tätig. Insofern waren 86 Prozent
der Erwerbsfähigen, also zumeist geflüchtete Frauen mit oder ohne Kind, auf
46 Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) / Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB) / Bundesamt für Mig-
ration und Flüchtlingen (BAMF) / Sozio-oekonomisches Panel (SOEP) (Hg.) (2022): Geflüchtete aus der Ukraine in Deutschland.
Flucht, Ankunft und Leben. Berlin
47 Münchener Merkur vom 14.2.2023: Ukrainer wollen arbeiten, aber Kinderbetreuung ist das größte Problem.
10.142
2022 bis 2025
WE insg. WE p.a.
2.536
6.789
2026 bis 2030
1.358
12.000
2031 bis 2038
1.500
11.051
2022 bis 2045
1.579
1.666
39.983
2039 bis 2045
28.932
1.702
2022 bis 2038
Wohnungsbedarfsprognose | Stadt Münster
60
Transferleistungen oder Unterstützung von Familienangehörigen angewiesen. Sie sind daher
der Gruppe der Haushalte mit geringer Kaufkraft einzuordnen. 48
▪ Die Integration in den Arbeitsmarkt wird vermutlich im Zeitverlauf an Fahrt aufnehmen. Den-
noch ist nicht davon auszugehen, dass ein nennenswerter Anteil der Haushalte in der Lage sein
wird, Vermögen bzw. Eigenkapital zu bilden, um Wohneigentum in Form eines Ein- oder Zwei-
familienhauses zu erwerben oder für dasselbige die Mietzahlung aufzubringen. Gegebenen-
falls ergeben sich für Einzelne Chancen, eine Eigentumswohnung zu erwerben. Die Gruppe
wird daher der Nachfrage nach Mehrfamilienhäusern zugeordnet.
▪ Der hohe Anteil an Frauen mit einem Kind unter den Geflüchteten spricht für eine überwie-
gende Nachfrage nach Wohnungen mit zwei bis drei Zimmern. Doch es besteht auch Bedarf an
Wohnungen für geflüchtete Frauen mit 2 oder auch mehr Kindern sowie für Mehrgenerationen-
haushalte, wenn zusätzlich noch Großeltern oder andere Verwandte zur Familie gehören .
Im Ergebnis weist die Prognose bis 2045 einen Bedarf von rd. 3 2.000 Wohnungen in Mehrfamilien-
häusern und rd. 8.000 Wohnungen in Ein - und Zweifamilienhäusern auf. Damit sind auf lange Sicht
durchschnittlich vier von fünf Wohnungen in Geschosswohnungsbauweise und jede fünfte Wohnung in
individueller Bauweise zu errichten. Für den Zeitraum 2022 bis 2038 entfallen auf das Segment der
Mehrfamilienhäuser rd. 22.800 und auf das Segment der Ein- und Zweifamilienhäuser rd. 6.130 Woh-
nungen.
In kurz - bis mittelfristiger Perspektive erhalten Wohnformen des individuellen Wohnungsbaus eine
größere Bedeutung als in späteren Jahren. Hierbei ist auch der angestrebte Effekt einbezogen, denje-
nigen Münsteraner Haushalten eine Wohnalternative zu bieten, die innerhalb des Stadtgebietes bislang
erfolglos eine passende Wohnung für den Eigentumserwerb bzw. eine familiengerechte Wohnform ge-
sucht haben und schließlich auf das Umland ausgewichen sind, um dort vorzugsweise (in rd. 60 % der
Fälle) ein Eigenheim zu erwerben. Die Ergebnisse der Münsteraner Wanderungsmotivbefragungen wei-
sen jedoch auf vielfältigere Wohnwünsche hin, die auch andere Wohnformen umfassen.49 Auch im Mehr-
familienhaussegment ist ein größeres, bezahlbares Angebot an Wohnungen zur Miete und zur Wohnei-
gentumsbildung zu schaffen, um Münsteraner Wohnungssuchenden zukünftig stärker als bisher inner-
halb des Stadtgebietes eine attraktive Wohnalternative bieten zu können. Sofern im Geschosswoh-
nungsbau auch „einfamilienhausähnliche“ Wohnungen im Erdgeschoss geschaffen werden können, mit
mindestens vier Zimmern, einem Zugang zu privaten Freiflächen und eingebunden in öffentliches Grün,
können diese Wohnungen auch den Präferenzen einiger Nachfrager nac h Eigenheimen bedienen. Die
Studie „Stadt als Wohnort für Familien“50 weist jedoch darauf hin, dass es maßgeblich darauf ankommt,
dass der gesamte Stadtteil familienfreundlich ausgerichtet ist, nicht nur die Bauform.
Gegenüber der Bautätigkeit der letzten 10 Jahre ist der individuelle Wohnungsbau kurzfristig bis 2025
um 36 Prozent auf ein jährliches Niveau von rd. 440 Wohnungen auszuweiten. Im Mehrfamilienhaus-
bau ist jedoch eine Erhöhung um immerhin 57 Prozent auf rd. 2.100 Wohnungen bedarfsgerecht, um
das Wohnungsdefizit abzubauen und eine Fluktuationsreserve von 3 Prozent zu erreichen.
Während der Bedarf im individuellen Wohnungsbau noch bis 2030 das bisherige Neubauniveau von rd.
325 Wohnungen übertreffen wird und sich erst danach rückläufig entwickelt, verhält es sich im Mehr-
familienhaussegment differenziert. Aufgrund der angenommenen Rückkehr eines Großteils der Ukra-
ine-Flüchtlinge in ihre Heimat ab dem Jahr 2025 sinkt der jährliche Wohnungsbedarf in der Periode
2026 bis 2030. Der mittelfristig verminderte Bedarf steigt im Zeitverlauf wieder an und erreicht in den
frühen 2040er Jahren das bisherige Fertigstellungsniveau von rd. 1.300 Wohnungen.
48 Vgl. Bundesagentur für Arbeit 2023: Auswirkungen der Fluchtmigration aus der Ukraine auf den Arbeitsmarkt und die Grund-
sicherung für Arbeitssuchende. In: Berichte Arbeitsmarkt kompakt, Februar 2023, o.O.
49 Vgl. hierzu Kapitel 3.1
50 Vgl. Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung BBSR 2008
Wohnungsbedarfsprognose | Stadt Münster
61
Abbildung 40: Wohnungsbedarf in den Teilmärkten
Quelle: InWIS 2023, eigene Berechnung und Darstellung
Die nach Teilmärkten differenzierten Wohnbedarfe können sich nochmal in dem Maße verändern, wie
es der Stadt Münster gelingt, das Freisetzungspotenzial in älteren Eigenheimen zu mobilisieren . Dazu
sind älteren Haushalten, die aus Überlegungen wie bspw. Wechsel in ein kleineres Haus, in eine zent-
ralere Lage, oder aufgrund von Mobilitätseinschränkungen einen Wohnungswechsel in Erwägung zie-
hen, attraktive Angebote an altengerechten Wohnformen zu machen, die im Neubau in der Re gel in
Mehrfamilienhausbauweise errichtet werden. D as Freisetzungspotenzial durch mobilitätseinge-
schränkte Seniorenhaushalte, die nicht in umfassend barrierereduzierten 51 Ein- und Zweifamilienhäu-
sern wohnt, wurde in der GEWOS-Studie für Münster für das Jahr 2018 auf 3.130 Haushalte und für den
Zeitraum 2018 bis 2040 auf weitere 1.630 Haushalte berechnet.52 Nun handelt es sich dabei um ein
theoretisches Potenzial, das nicht die Mobilitätsbereitschaft älterer Haushalte berücksichtigt. Eine
bundesweite, repräsentative Befragung zur Umzugsbereitschaft älterer Menschen ab 50 Jahren ergab,
dass in städtischen Regionen 19 Prozent im Alter in eine speziell altersgerecht ausgestattete Wohnung
ziehen möchte, während die Mehrheit in ihrer jetzigen, ggf. altengerecht an gepassten Wohnung alt
werden will.53 Damit errechnet sich ein mobilisierbares Freisetzungspotenzial im Eigenheimbestand im
Umfang von insgesamt rd. 900 Haushalten bzw. Wohnungen.
Dieselbe Studie hat die Versorgungslücke bei umfassend barrierereduzierten Wohnungen, die sich für
Seniorenhaushalte mi t Mobilitätseinschränkungen – unabhängig davon, ob sie in einem Eigenheim
oder einer Geschosswohnung leben – eignen, für alle Kreise und kreisfreie Städte in Nordrhein -West-
falen für das Jahr 2018 ermittelt und festgestellt, dass eine große Diskrepanz zwisc hen dem Nachfra-
gepotenzial und dem Bestand an Wohnungen besteht. Für Münster wurde für das Jahr 2018 eine Ver-
sorgungslücke von 4.250 Wohnungen errechnet. Sie wird im Zeitverlauf infolge der prognostizierten
enormen Zunahme älterer Haushalte noch wesentlich umfangreicher kalkuliert. Allerdings entsteht auf
der Angebotsseite mit jeder altengerechten Bestandsanpassung und seit der Anfang 2019 in Kraft ge-
tretenen und im Juli 2021 geänderten Landesbauordnung in Nordrhein-Westfalen mit jedem Neubau in
der Gebäudeklasse 3 bis 5 54 eine weitere umfassend barrierereduzierte Wohnung. Im Zuge der
51 Als umfassend barrierereduziert gelten Wohnungen, die innerhalb der Wohnungen Barrierereduzierungen aufweisen, wie sie
der Mikrozensus in seiner Zusatzerhebung erhebt. Die Merkmale orientieren sich an denen, die u.a. auch Barrierefreiheit nach
DIN 18040-2 definieren: alle Räume stufenlos erreichbar, ausreichende Türbreiten, ausreichende Raumgrößen, ebenerdige
Dusche.
52 Vgl. GEWOS 2020: Wohnungsmarktgutachten über den quantitativen und qualitativen Wohnungsneubaubedarf in Nordrhein-
Westfalen bis 2040. Im Auftrag des Ministeriums für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes Nordrhein-
Westfalen. Düsseldorf, S. 132 ff.
53 GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen e.V. (Hg.) 2013: Wohntrends 2030.. Berlin.
54 Zur Gebäudeklasse 3 gehören Häuser mit mehr als 2 Wohneinheiten und einer Höhe max. sieben Metern. Mehrfamilienhäuser
mit mehr als 2 Geschossen und einer Höhe von 7-13 Meter gehören meist der Gebäudeklasse 4 an.
Wohnungsbedarfsprognose | Stadt Münster
62
Bestandsausweitung kann das Freisetzungspotenzial in älteren Eigenheimen sukzessive mobilisiert
werden.
6.4. Prognose der Wohnraumbedarfe einkommensschwacher Haushalte
In den folgenden Abschnitten werden die Wohnraumbedarfe dargestellt, die aus der Nachfrage nach
preisgünstigen Wohnungen durch einkommensschwache Haushalte resulti eren. Als einkommens-
schwach gelten in der vorliegenden Studie armutsgefährdete Haushalte, also eine Zielgruppe mit be-
sonderen Zugangsbarrieren zum Wohnungsmarkt. 55
Vorausschätzung des Bedarfs an preisgünstigen Wohnungen
In der Vorausschätzung des Bedarfs an preisgünstigen Wohnungen flossen folgende Komponenten ein:
▪ Der Neubedarf durch die zukünftige Haushaltsentwicklung im Prognosezeitraum. Hierbei wird
angenommen, dass der Anteil einkommensschwacher Haushalte an allen privaten Haushalten
in Münster auch in den kommenden Jahren konstant bleiben wird.56 Er wurde mit 18,0 Prozent
ermittelt (vgl. Kapitel 5.2).
▪ Der Nachholbedarf an preisgünstigen Wohnungen errechnet sich durch die Multiplikation des
Wohnungsbedarfs im Ausgangsjahr der Prognose 2022 mit dem Anteil einkommensschwacher
Haushalte.
▪ Der Ersatz für zukünftige Verluste im preisgebundenen Mietwohnungsbestand fließt als wei-
tere Komponente ein. Die NRW.BANK hat berechnet, dass in Münster bis zum Jahr 2035 rund
4.900 preisgebundene Wohnungen aufgrund eines planmäßige n Bindungsendes verloren ge-
hen werden. Doch das bedeutet nicht automatisch, dass alle diese Wohnungen auch ihre Ei-
genschaft als preisgünstigen Wohnraum verlieren. In welchem Umfang dies geschieht, hängt
von den Bewirtschaftungsplänen der Eigentümer ab, denen die betreffenden Wohnungen ge-
hören. Von den insgesamt 8.423 preisgebundenen Mietwohnungsbestandes in 2021 befinden
sich rd. 30 Prozent im Eigentum des kommunalen Wohnungsunternehmens Wohn + Stadtbau
GmbH und den Genossenschaften Wohnungsverein Münster eG und Bauverein Ketteler eG. Auf-
grund der sozialorientierten Geschäftspolitik der drei Unternehmen wird angenommen, dass
diese Wohnungen auch nach Bindungsende ihre Preisgünstigkeit behalten. Die übrigen 70 Pro-
zent preisgebundenen Wohnungen befinden sich im Besitz anderer institutioneller und priva-
ter Eigentümer. Für diese Wohnungen ist nicht anzunehmen, dass sie ihre Preisgünstigkeit
behalten, sondern dass die Eigentümer markt - bzw. renditeorientiert agieren und die rechtli-
chen Mieterhöhungsspielräume ausnutzen werden, vor allem bei Mieterwechsel. Für diese
Wohnungen gehen wir – nach Abstimmung mit der städtischen Verwaltung – von der gut-
achterlichen Annahme aus, dass künftig nur jede zehnte Wohnung mit Bindungsverlust auch
ihre Preisgünstigkeit behält und die übrigen Verluste zu ersetzen sind. Somit sind 3.095 der
insgesamt 4.913 Wohnungen mit Bindungsverlust zu ersetzen.
▪ Der Wohnraumbedarf für diejenigen anerkannten Flüchtlinge bzw. Asylbewerber ist einzube-
rechnen, die derzeit noch in Übergangseinrichtungen untergebracht sind, jedoch Anspruch auf
eine reguläre Wohnraumversorgung haben. Nach Angaben der Stadt Münster sind dies insge-
samt rd. 2.320 Personen (Stand: 5/2023). Darin enthalten ist auch eine Teilgruppe der ukrai-
nischen Flüchtlinge.57 Bei diesen Personengruppen wird davon ausgegangen, dass sie zu den
einkommensschwachen Haushalten zählen und auf entsprechend preisgünstigen
55 Begriffsdefinition in Kapitel 5.2
56 Die Effekte der Wohngeldreform, die ab 2023 ihre Wirkung entfalten, wird die Gruppe der Empfängerhaushalte bundesweit
voraussichtlich signifikant erhöhen vgl. hierzu Kapitel 5.2.1
57 Für das Jahr 2022 lassen sich 1.640 Haushalte ukrainischer Staatsangehörigkeit mit Fluchthintergrund berechnen (s. Ausfüh-
rungen in Kapitel 6.2), eine Teilgruppe davon ist in städtischen Unterkünften untergebracht, diese werden hier mit eingerech-
net
Wohnungsbedarfsprognose | Stadt Münster
63
Mietwohnraum angewiesen sind.58 Durch eine Abschätzung der Zahl der Haushalte umfasst der
Wohnungsbedarf für die Gruppe der Flüchtlinge derzeit rd. 1.170 Wohnungen .
Im Rahmen der Wohnungsbedarfsprognose wurde für die Wohnraumversorgung einkommensschwa-
cher Haushalte ein Bedarf an zusätzlichen preisgebundenen Mietwohnungen im Umfang von rd. 7. 400
Wohnungen bis zum Jahr 2035 errechnet. Dies entspricht einem jährlichen Bedarf von 529 Wohnungen.
Bezogen auf den prognostizierten Bedarf im Mehrfamilienhaussegment umfasst der Bedarf an preisge-
bundenen Mietwohnungen einen Anteil von 40 Prozent. Zu berücksichtigen ist, dass laut Marktkennern
kurzfristig ein spürbarer Nachholbedarf an preisgünstigem Wohnraum für Studierende besteht, sodass
der momentane Handlungsdruck höher ausfällt als in späteren Prognosejahren.
Abbildung 41: Vorausschätzung der Wohnraumbedarfe einkommensschwacher Haushalte
Quelle: InWIS 2023, eigene Berechnung und Darstellung
Die Stadt Münster hat sich bereits 2014 auf Bas is des Handlungskonzepts Wohnen als Zielzahl vorge-
nommen, jährlich mindestens 300 neue, öffentlich geförderte Wohnungen zu schaffen. Die Differenz zu
der Bedarfszahl von 529 Wohnungen ist demnach durch die Gewinnung von Bindungen im Wohnungs-
bestand oder du rch eine Ausweitung des geförderten Neubaus zu verringern, was auf deutliche An-
strengungen in der Zukunft in diesem Segment hinweist. Mit der sozialgerechten Bodennutzung hat die
Stadt Münster bereits entsprechende Rahmenbedingungen geschaffen, um die Schaffung von öffentlich
gefördertem Wohnraum durch vorgegebene Quoten zu fördern. Zur Umsetzung der SoBo Münster und
zur Schaffung von öffentlich gefördertem Wohnraum bedarf es jedoch entsprechender Rahmenbedin-
gungen und Flächen. Dabei ist die Schaffung und E rhaltung sozial stabiler Bewohnerstrukturen und
ausgewogener Siedlungsstrukturen zu berücksichtigen (§ 6 WoFG Wohnraumförderungsgesetz). Eine
soziale Stabilisierung wird in Münster durch gezielte Maßnahmen auf Grundlage von Quartierskonzep-
ten verfolgt, sodass sozial und wirtschaftlich benachteiligte Haushalte verbesserte Integrationschan-
cen erhalten.
Abschließend ist auch zu erwähnen, dass sich aktuell die Versorgungssituation einkommensschwacher
Haushalte verschlechtert. Denn die steigenden Energiekosten und die Inflation vermindern die bereits
geringe Wohnkaufkraft. Es bleibt abzuwarten, welchen dämpfenden Effekt die Ausweitung des Kreises
der Wohngeldberechtigten und die Entlastungspakete der Bundesregierung, u.a. die Energiepauschale,
haben werden. Zud em konstatieren die Baufinanzierungsinstitute, dass nicht wenige potenzielle Ei-
gentumserwerber aufgrund erschwerter Finanzierungsbedingungen ihren Kaufwunsch aufschieben und
zunächst in ihrer Mietwohnung verbleiben oder aber, wenn durch Kindernachwuchs ein dringender
58 Weitergehende Ausführungen zur Wohnkaufkraft in Kapitel 6.3
¹ Annahme: Auch zukünftig bleiben 18%
der Haushalte einkommensschwach
² Annahme: Vom gesamten
Nachholbedarf werden 18% für
einkommensschwache Haushalte
benötigt
³ Annahme: 30% der Whg. sind im
Eigentum des kommunalen Whg.-
Unternehmen oder der städt.
Genossenschaften, diese bleiben auch
nach Bindungsverlust preisgünstig; von
den übrigen Whg. bleiben nur 1/10
preisgünstig, der Rest wird teurer und
muss ersetzt werden
⁴ Flüchtlinge / Asylbewerber (inkl.
Ukraineflüchtlinge) in städt.
Übergangseinrichtungen Stand: 5/23,
die noch mit Wohnraum versorgt
werden müssen (*Umrechnung der
Personen in Haushalte)
Neubedarf aufgrund
Haushaltsveränderung
2.557 Wohnungen¹
Nachholbedarf
578 Wohnungen²
Ersatz für Bindungsverluste
3.095 Wohnungen³
Wohnbedarf für
Flüchtlinge*
1.172 Wohnungen⁴
Σ 7.402 WE
529 WE p.a.
Bis 2035
Wohnungsbedarfsprognose | Stadt Münster
64
Wohnflächenbedarf besteht, in eine passendere Mietwohnung wechseln. Dadurch entsteht – zum Nach-
teil Einkommensschwacher – eine vermehrte Konkurrenz am Mietwohnungsmarkt.
Wohnungsbedarfsprognose | Stadt Münster
65
Schlussfolgerungen
▪ Münster wird auch in den kommenden Jahren eine Großstadt mit einer starken Einwohnerzu-
nahme sein, sofern nicht unvorhergesehene Ereignisse die erkennbaren Entwicklungstrends
verändern sollten. Die Zahl der Einwohner wird voraussichtlich um weitere 39.000 P ersonen
bis 2045 anwachsen. Das entspräche einem Zuwachs von rund 12 Prozent.
▪ Verantwortlich hierfür ist vor allem die Attraktivität Münsters als „Schwarmstadt“. Münster
übt als Stadt mit einem hohen Bevölkerungsanteil junger Erwachsener, mit einer großen Hoch-
schule und vorteilhaften weichen Standortfaktoren wie dem mittelalterlichen Stadtgrundriss
mit zahlreichen Baudenkmälern und dem Ruf als Fahrradstadt eine besondere Anziehungskraft
aus, die bundesweit viele junge Menschen anlockt.
▪ Die Angebotsengpässe am Wohnungsmarkt sind jedoch so weitreichend, dass sie eine Abwan-
derung von Haushalten ins benachbarte Umland fördern, die eigentlich lieber in Münster ge-
blieben wären, aber notgedrungen eine Wohnalternative außerhalb der Stadtgrenzen bezogen.
Diesen Effekt, der nach wie vor hohe Aktualität besitzt, belegen und quantifizieren die Wan-
derungsumfragen, die die Stadt Münster durchführte. Diese Wachstumsrestriktionen wurden
in der Bevölkerungsprognose berücksichtigt . Dadurch, dass ein ausreichend großes Woh-
nungsangebot einkalkuliert wird, haben die Haushalte mit Bleibeperspektive eine größere
Chance, ihren Bleibewunsch umzusetzen. Indem die Fortzüge aus Münster ins Umland entspre-
chend der Umfragen reduziert wurden, erhöhten sich die prognostizierten Wohnbedarfe ent-
sprechend.
▪ Der zu erwartende Bevölkerungszuwachs führt in Kombination mit dem Trend zu kleineren
(und älteren) Haushalten voraussichtlich zu einem Zuwachs von mindestens 25.000 Haushal-
ten bis zum Jahr 2045.
▪ Es sind vornehmlich Single- und Zweipersonenhaushalte, deren Umfang wachsen wird. 90 Pro-
zent des Zuwachses ist auf eine wachsende Zahl von Kleinhaushalten mit bis zu zwei Personen
zurückzuführen. Sie haben je nach Kaufkraft, Alter und Lebensstil sehr unterschiedliche Anfor-
derungen an das Wohnen.
▪ Es werden mehr Wohnformen jungen Wohnens, auch für Haushalte mit geringer Zahlungsfä-
higkeit benötigt. Für die Gruppe der armutsgefährdeten, aber auch der gesamten Zielgruppe
der Wohnraumförderung werden mehr preisgebundene und -günstige Mietwohnungen benö-
tigt. Für die Familienhaushalte unterschiedlicher Kaufkraft, auch denjenigen, die ins Umland
abwandern und die man in Münster halten möchte, werden Etagenwohnungen mit familienge-
rechten Grundrissen sowie Ein-/Zweifamilienhäuser – in einer angepassten urbanen B auform
– benötigt. Die Aufmerksamkeit ist auch auf die steigenden Bedarfe an Wohnformen im Alter
zu lenken. Die Zielgruppe der Seniorenhaushalte wird – vor allem in den kommenden 10 Jahren
– sehr stark zunehmen. Bereits jetzt ist ein erheblicher Nachholbed arf an barrierereduzierten
Wohnungen vorhanden, der im Neubau zum Teil gedeckt werden kann.
▪ Der prognostizierte Haushaltszuwachs, das bereits derzeit feststellbare starke Wohnungsdefi-
zit in Münster sowie der Ersatzbedarf für Wohnungsabgänge lässt den Wohnungsbedarf auf rd.
40.000 Wohnungen bis zum Jahr 2045 anwachsen. Dies entspricht umgerechnet einem Neu-
baubedarf von durchschnittlich rd. 1.670 Wohnungen pro Jahr. Besonders in den kommenden
Jahren bis 2025 sind die Bedarfe mit rd. 2. 540 Wohnungen p.a. sehr hoch, trotz der bereits
einberechneten dämpfenden Effekte infolge der Auswirkungen des Ukraine-Krieges, aber auch
unter Einbeziehung der Ukraine-Flüchtlinge, die nach Münster zugewandert sind.
Wohnungsbedarfsprognose | Stadt Münster
66
▪ Um den Bedarf bis 2045 zu decken, ist das Bautätigkeitsniveau der letzten Dekade
beizubehalten; es ist kurzfristig um rd. 50 Prozent auf die o.g. Zielzahl zu steigern. Mittel- bis
langfristig ist ein Neubauniveau von rd. 1. 700 Wohnungen pro Jahr ausreichend, um die
weiteren Bedarfe zu decken.
▪ 80 Prozent des Bedarfs entfallen auf Wohnungen in Mehrfamilienhäusern, nur jede fünfte Woh-
nung betrifft das Segment der Ein - und Zweifamilienhäuser. Wenn es in hohem Maße gelingt,
das Freisetzungspotenzial im Eigenheimbestand zu mobilisieren, können Bestandseigenheime
einen Teil des Neubaubedarfs substituieren. Zurzeit ist jedoch sowohl im Bestand als auch im
Neubau gleichermaßen Angebotsknappheit vorherrschend, die in beiden Teilmärkten zu einem
erheblichen Preisanstieg beigetragen hat. Das Freisetzungspotenzial richtet sich auf rund 900
mobilitätseingeschränkte Eigentümer im Seniorenalter, die in nicht barrierereduzierten Eigen-
heimen wohnen und umzugsbereit sind . Können ihnen attraktive altengerechte Wohnformen
angeboten werden, kann der freigezogene Bestand für die Wohneigentu msbildung von Fami-
lien zur Verfügung stehen. Der Wohnungsbedarf würde sich zugunsten der (altengerechten)
Wohnungen in Mehrfamilienhäusern verlagern.
▪ Zudem können für Haushalte mit Kindern, die urbane Wohnkonzepte bevorzugen, „einfamili-
enhausähnliche“ Erdgeschosswohnungen in Frage kommen, die die Merkmale des Wohnens im
Eigenheim aufgreifen (4+ Zimmer, überschaubare Gebäude, privater Garten und Eingang, Ein-
bettung in Grünflächen usw.) und in einem familienfreundlichen Umfeld gelegen sind.
▪ Der Bedarf an zusätzlichen preisgebundenen Mietwohnungen umfasst rund 7.400 Wohnungen
bis zum Jahr 2035, umgerechnet rd. 530 Wohneinheiten pro Jahr. Dabei ist zunächst unerheb-
lich, ob die Wohnungen durch den Einsatz öffentlicher Mittel bei der Modernisierung oder
beim Neubau entstehen. Realistisch betrachtet wird es jedoch notwendig sein, in größerem
Umfang geförderten Neubau zu errichten, auch um zusätzliche barrierefreie Wohnungen zur
Versorgung von älteren Haushalten zu gewinnen, die Grundsicherung im Alter erhalten. Die
Stadt Münster hat u.a. mit ihrer Strategie der sozialgerechten Bodennutzung bereits v orteil-
hafte Rahmenbedingungen geschaffen, um den geförderten Wohnungsbau zu forcieren.
Wohnungsbedarfsprognose | Stadt Münster
67
7. Wohnbaupotenziale
Um zu beurteilen, ob in Münster hinreichend Wohnbauflächen für die unterschiedlichen Wohnraumbe-
darfe vorhanden sind, ist zunächst eine Zusammenstellung und Bilanzierung der Wohnbauflächenre-
serven notwendig. Die Gegenüberstellung der Reserveflächen und der prognostizierten Wohnraumbe-
darfe zeigt, ob die Flächenpotenziale in zeitlicher und teilmarktbezogener Hinsicht ausreichen würden,
um die Bedarfe zu decken. Dazu wurden alle möglichen Wohnbaupotenziale bis zum Jahr 2038 zusam-
mengetragen. Der Zeithorizont wu rde gewählt, da bis dahin die zwei möglichen städtebaulichen Ent-
wicklungsmaßnahmen abgeschlossen sein sollen. Aufgrund vielerlei Planungsunsicherheiten wurde
von einer weiteren Abschätzung der Wohnbaupotenziale bis zum Zieljahr 2045 der Wohnungsbedarfs-
prognose abgesehen.
7.1. Überblick über die Wohnbaupotenziale
Die Wohnbaupotenziale der Stadt Münster setzen sich aus noch entwickelbaren Flächen außerhalb des
Siedlungsbestandes (bspw. Flächen des Flächennutzungsplans) und weiteren Potenzialen innerhalb
des Siedlungsbestandes (bspw. durch Nachverdichtung) zusammen. Zur Ermittlung der Wohnbaupo-
tenziale wurden für Münster ebendiese Potenziale innerhalb und außerhalb des Siedlungsbestandes
betrachtet.
Abbildung 42: Wohnbaupotenziale innerhalb und außerhalb des Siedlungsbestands
Quelle: InWIS 2023, eigene Darstellung
Für die Ermittlung der Wohnbaupotenziale innerhalb des Siedlungsbestandes wurden in Abstimmung
mit der Stadt Münster folgende Potenziale berücksichtigt:
▪ Potenziale durch Restkapazitäten in bestehenden Wohnbaugebieten. Betrachtet werden Wohn-
baugebiete mit einer Baureife ab dem Jahr 2014, die noch Restkapazitäten (Baulücken bzw.
freie Bauplätze) aufweisen. Dazu können insgesamt 19 Münsteraner Baugebiete gezählt wer-
den, die derzeit aufgrund unterschiedlicher Gründe noch freie Bauplätze enthalten. Teilweise
sind diese Restkapazitäten noch vorhanden, da eine Entwicklung in den nächsten Jahren an-
steht, teilweise gehören die Grundstücke aber Eigentümern, die – zumindest bisher – nicht an
einer Vermarktung interessiert sind.
▪ Potenziale durch zukünftige „spontane B autätigkeit“. Als Annäherung an zukünftige Wohn-
baupotenziale im Siedlungsbestand wird die bisherige „spontane Bautätigkeit“ herangezogen.
Darin enthalten sind Baufertigstellungen im gewachsenen Siedlungsbestand, die außerhalb
P
Wohnungsbedarfsprognose | Stadt Münster
68
von Baugebieten stattgefunden haben. Dazu zählen bspw. Baulückenaktivierung, Nachverdich-
tung, Abriss von Bestandsgebäuden mit anschließendem Ersatzneubau sowie Ausbaumaßnah-
men im Bestand wie Dachgeschossausbau und Aufstockung von Gebäuden.
Für die Ermittlung der Wohnbaupotenziale außerhalb des Siedlungsbestandes wurden folgende Poten-
ziale berücksichtigt:
▪ Potenziale basierend auf dem Baulandprogramm 2022. Dort sind diejenigen Flächen enthalten,
die in den nächsten Jahren (bis 2030) konkret entwickelt und bis zur Baureife gebracht werden
sollen. Dabei wurden für diese Flächen bereits wichtige Voraussetzungen und fachliche K.O. -
Kriterien (bspw. landwirtschaftliche Geruchsimmissionen, fehlende Erschließungsmöglichkei-
ten) geprüft, sodass grundsätzlich davon ausgegangen werden kann, dass eine Realisierung
dieser Baugebiete erfolgen wird. Das Baulandprogramm ist ein wesentlicher Teil der Bauland-
entwicklung in Münster und wird von der Verwaltung regelmäßig fortgeschrieben. Der vorlie-
genden Bilanzierung liegt die Fortschreibung des Baulandprogramms 2022 bis 2030 zu
Grunde.
▪ Potenziale basierend auf dem Flächennutzungsplan (FNP), Regionalplan, Stadt teilentwick-
lungskonzepten und Planungswerkstatt 2018. Gemeint sind Flächen, die über das Baulandpro-
gramm 2022 bis 2030 hinaus bestehen und dort nicht enthalten sind. Dazu zählen entspre-
chende Wohnbaupotenzialflächen, die planerisch über eine entsprechende Darstellung im Re-
gionalplan oder im Flächennutzungsplan gesichert sind, sowie Flächen, die sich aus Stadttei-
lentwicklungskonzepten und der Planungswerkstatt 2018 ergeben. Aus der Gesamtmenge die-
ser potenziellen Wohngebiete wurde eine Vorauswahl derjenigen Gebiete gewählt, fü r die an-
genommen wird, dass sie tatsächlich bis 2038 entwickelt werden könnten.
7.2. Bilanzierung der Wohnbaupotenziale
In die Bilanzierung der Wohnbaupotenziale für die Stadt Münster wurden die nach aktuellem Kenntnis-
stand verfügbaren Wohnbaupotenziale sowohl im Siedlungsbestand als auch außerhalb berücksichtigt,
auf denen bis 2038 voraussichtlich Wohnungen entstehen können. Im Ergebnis stehen der Stadt Müns-
ter bis zum Jahr 2038 Wohnbaupotenziale im Umfang von rd. 2 2.460 Wohneinheiten zur Verfügung.
Dabei bestehen rd. 12. 010 Wohneinheiten innerhalb des Siedlungsbestandes in Form von Innenent-
wicklungspotenzialen. Die übrigen 10.450 Wohneinheiten bestehen in Potenzialen außerhalb des Sied-
lungsbestands insbesondere durch die geplanten Baugebiete des Baulandprogramm s.
In der folgenden Bilanzierung wird die Zusammensetzung der einzelnen Wohnbaupotenziale genauer
erläutert und die theoretischen Wohnbaupotenziale in Form von potenziellen Wohneinheiten sum-
miert.
7.2.1 Potenziale innerhalb des Siedlungsbestandes
Die Stadt Mün ster agiert nach dem Vorrang der Innenentwicklung gegenüber der Außenentwicklung,
was sich u. a. darin zeigt, dass der Wohnungsbestand nicht nur durch Baufertigstellungen in neuen
Wohnbaugebieten zunimmt, sondern auch aufgrund der sogenannten „spontanen Ba utätigkeit“. Diese
Bautätigkeit innerhalb des Siedlungsbestandes findet auf unterschiedlichen Wegen statt : Dazu zählen
die Nutzung von Baulücken, Nachverdichtungen, der Abriss und Neubau oder auch der Ausbau im Be-
stand bspw. durch Dachgeschossausbau. Für die Ermittlung der Potenziale innerhalb des Siedlungsbe-
stands werden dazu zum einen bereits vorhandene, freie Bauplätze betrachtet und zum anderen die
Wohnungsbedarfsprognose | Stadt Münster
69
Potenziale der zukünftigen Bautätigkeit im Siedlungsbestand aus den bisherigen Erfahrungswerten ab-
geleitet.59
Potenziale durch Restkapazitäten in bestehenden Baugebieten
In jüngeren Baugebieten der Stadt Münster gibt es noch Restkapazitäten, die zumindest theoretisch
sofort zur Verfügung stehen. Gemeint sind damit nicht bebaute Bauplätze in Baugebieten, bei d enen
die Stadt die Baureife aktiv begleitet hat und die seit dem Jahr 2014 baureif sind. Für einige dieser
Flächen ist bekannt, dass diese vermarktet werden sollen und dort in den nächsten Jahren auch Bau-
fertigstellungen zu erwarten sind. Für einen Teil dieser Flächen bestehen seitens der Stadt jedoch keine
Kenntnisse darüber, wann die Flächen vermarktet und bebaut werden sollen. Eine ausbleibende Be-
bauung kann diverse Gründe haben bspw. zeitliche Verzögerungen in der Entwicklung oder weil die
Eigentümer derzeit nicht an einer Vermarktung interessiert sind. In dem vorliegenden Gutac hten wird
eine zuversichtliche Einschätzung getroffen, dass bis 2038 nahezu alle vorhandenen Restkapazitäten
aktiviert werden können.60 In den 19 Baugebieten mit eben diesen vorhandenen Potenzialen bestehen
insgesamt Wohnbaupotenziale im Umfang von 2. 710 Wohneinheiten, die sich zum Großteil in Mehrfa-
milienhäusern befinden (2.260 Wohneinheiten) und in kleinerem Umfang auch in Ein- und Zweifamili-
enhäusern (450 Wohneinheiten).
Potenziale durch zukünftige „spontane Bautätigkeit“
In Münster wird ein großer Teil der derzeitigen jährlichen Baufertigstellungen durch sogenannte „spon-
tane Bautätigkeit“ geschaffen. Dabei handelt es sich um Baufertigstellungen, die sich im Siedlungsbe-
stand – ohne die Aufstellung eines Bebauungsplans oder andere Initiativen der Stadt M ünster – voll-
ziehen. Dazu zählt das Schließen von Baulücken, Nachverdichtungen, der Abriss von Bestandsgebäu-
den mit anschließendem Ersatzneubau sowie Dachgeschossausbau und -aufstockungen. Dieser Art der
Wohnbaupotenziale stehen dabei unterschiedliche Hemm nisse bei der Aktivierung gegenüber und zu-
gleich nehmen die Potenziale bei zunehmender Inanspruchnahme ab, da die Zahl an nicht-ausgebauten
Dachgeschossen und Baulücken nicht unbegrenzt vorhanden ist.
Für die Vorausschätzung der zukünftigen „spontanen Baut ätigkeit“ werden die bisherigen Baufertig-
stellungen herangezogen. Dabei ist davon auszugehen, dass sich diese durch ein zunehmendes Ab-
schmelzen von Baulückenpotenzialen und Nachverdichtungsoptionen sukzessive verringern werden.
Diese Annahme wird auch durch die Aussagen der großen Wohnungsunternehmen in Münster bestätigt,
die in den vergangenen Jahren bereits zu großen Teilen ihre vorhanden Potenziale zum Dachge-
schossaus- und -aufbau genutzt sowie zur Nachverdichtung ausgeschöpft haben. Für die Zukunft wer-
den dort von den institutionellen Anbietern nur noch geringe Potenziale gesehen.
Hinsichtlich der zukünftigen spontanen Bautätigkeit in der Stadt Münster wird für die nächsten Jahre
erfahrungsgemäß angenommen, dass weiterhin rd. 750 Wohneinheiten pro Jahr auf diesem Wege ge-
schaffen werden können.61 Durch die dargestellten Schwierigkeiten und Hemmnisse sowie dem zuneh-
menden Ausschöpfen der Potenziale ist aber davon auszugehen, dass die spontane Bautätigkeit im
Laufe des Betrachtungszeitraums bis 2038 immer weiter abnehmen wird. Im Ergebnis können bis 2038
voraussichtlich 9.300 Wohneinheiten durch zukünftige „spontane Bautätigkeit“ im Siedlungsbestand
geschaffen werden. Wenn man davon ausgeht, dass sich diese zukünftigen Baufertigstellungen ähnlich
auf die Segmente verteilen wie in der Vergangenheit, dann untergliedern sich diese in 7.900 Wohnein-
heiten in Mehrfamilienhäusern und 1.400 Wohneinheiten in Eigenheimen.
59 Um die Potenziale innerhalb des Siedlungsbestandes nicht nur für vergangene Jahre, sondern auch für die Zukunft zuverläs-
sig einschätzen zu können, fließen Fachkenntnisse und Erfahrungswerte der Stadt Münster in die Berechnungen ein.
60 Erläuterungen zu den Wohnbaupotenzialen durch Restkapazitäten im methodischen Anhang 10.4
61 Erläuterungen zu den Wohnbaupotenzialen durch die zukünftige „spontane Bautätigkeit“ im methodischen Anhang 10.4
Wohnungsbedarfsprognose | Stadt Münster
70
7.2.2 Potenziale außerhalb des Siedlungsbestands
Insbesondere in Städten mit einer langen Historie an aktiver Innenentwicklung, die gleichzeitig einer
anhaltenden Wohnungsnachfrage gegenüberstehen , muss auch Außenentwicklung betrieben werden,
um die vorhandene Nachfrage zu decken. In Münster ergibt sich diese Notwendigkeit der Außenent-
wicklung unter anderem aus dem Rückgang von Potenzialen im Innenbereich, zumindest für einen Teil
der Nachfrage und deren Bedarfspräferenzen .62 In der Außenentwicklung ist es für die Stadt zudem
möglich, die Verfügbarkeit von Baugrundstücken mit begleitenden Verträgen abzusichern. Aus diesem
Grund erachtet die Stadt neben der Innenentwicklung auch eine ausreichende Außenentwicklung für
erforderlich, um den Bedarf decken zu können.
Bei der Bilanzierung der Wohnbaupotenziale außerhalb des Siedlungsbestands in Münster stellen die
Baugebiete des Baulandprogramms die zentrale Komponente dar. Das Baulandprogramm wird regel-
mäßig evaluiert und fortgeschrieben. Es bekundet die aktuellen Entwicklungsabsichten der Stadt.
Um ein vollständiges Bild potenzieller Flächen auf der B edarfsdeckungsseite zu erhalten, wurden je-
doch weitere mögliche Flächenreserven zusammengetragen und mit städtischen Kennwerten zur Er-
mittlung der Bebauungspotenziale verknüpft, um die Summe der auf den Flächen realisierbaren Woh-
nungen rechtssicher zu ermi tteln. Damit werden insgesamt alle nach heutigem Kenntnisstand grund-
sätzlich theoretisch realisierbaren Wohnbaupotenziale außerhalb des Siedlungsbestands in Münster
betrachtet. Durch letztgenannte Erweiterung werden mithin auch Flächen abgedeckt, bei denen die
Stadt noch keine konkreten Entwicklungsabsichten bekundet hat, die aber für eine Entwicklung denk-
bar in Betracht kommen.
Potenziale basierend auf dem Baulandprogramm 2022
Im Rahmen der kommunalen Wohnungspolitik ist die Wohnbaulandbereitstellung und di e Sicherstel-
lung eines ausreichenden Baulandangebots eine zentrale städtische Aufgabe. Die Stadt Münster be-
gegnet dieser Aufgabe mit ihrem Baulandprogramm. Das Baulandprogramm dient als ein übergeordne-
tes Instrument der (Wohn-)Baulandaktivierung.
Grundsätzlich besteht das Baulandprogramm 2022-2030 aus zwei verschiedenen Arten von Baugebie-
ten: Zum einen sind in ihm alle vorhabenbezogenen Wohngebietsbebauungspläne gelistet, zu denen
die politischen Gremien auf Antrag der jeweiligen Vorhabenträger eine entsprechende Entwicklung be-
schlossen haben. Es handelt sich dabei um vorhabenbezogene Bauleitpläne nach § 12 BauGB, die auf
entsprechenden Antrag eines Investors ins Verfahren gebracht werden. Die Verfügungsberechtigung
der Vorhabenträger über die Grundstücke liegt in allen Fällen vor. Eine liegenschaftliche Partizipation
gemäß dem Modell der sozialgerechten Bodennutzung (SoBo Münster) ist in diesen Fällen aufgrund der
Innenbereichslage regelmäßig nicht erforderlich bzw. es handelt sich um einen sogenannten SoBo
Münster-Altfall, bei dem dies ebenfalls nicht erforderlich ist.
Zum anderen finden sich im Baulandprogramm die städtischen Baugebiete, die in den nächsten Jahren
bis zur Baureife entwickelt werden sollen. Als städtische Flächen werden Flächen bezeichnet, die im
Eigentum der Stadt stehen oder bei denen der Eigentumserwerb der Stadt rechtlich gesichert ist. Dabei
umfasst das Baulandprogramm nahezu alle städtischen Flächen, die planerisch grundsätzlich geeignet
und gesichert sind (d. h. Darstellung als Wohnbau- oder als gemischte Baufläche im Flächennutzungs-
plan oder als Allgemeiner Siedlungsbereich im Regionalplan).
62 Institut der deutschen Wirtschaft e.V. und ILS-Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung gGmbH 2020: IW-Report
(41/2020) Erfolgreiche Wege für mehr Wohnungsbau
Wohnungsbedarfsprognose | Stadt Münster
71
Darüber hinaus gibt es eine Ausnahme. Hierbei handelt es sich um eine landeseigene Fläche (Busso -
Peus-Straße). Verbindliche liegenschaftliche Sicherungen liegen noch nicht vor. Insofern wurde hier
ein Risikoabschlag von 25 Prozent in Bezug auf die zu realisierenden Wohneinheiten gemacht. 63
Sofern gemischte Bauflächen (Mischgebiete, Urbane Gebiete, Kerngebiete) geplant und entwickelt wer-
den, werden die jeweiligen Wohnanteile ebenfalls im Baulandprogramm berücksichtigt.
Diejenigen Flächen, auf die die o. a. Beschreibung ebenfalls zutrifft (im Eigentum der Stadt und plane-
risch grundsätzlich geeignet und gesichert), die aber nicht im Baulandprogramm bis zum Jahr 2030 zur
Entwicklung vorgesehen sind, werden im nächsten Unter -Kapitel betrachtet. Insoweit besteht zwar
eine grundsätzliche Entwicklungseignung in planerischer und liegenschaftlicher Hinsicht. Die Stadt hat
jedoch als Träger der Planungshoheit noch keine konkrete Entwicklungsabsicht für die nächsten Jahre
bis 2030 bekundet.
Alle Flächen des Baulandprogramms wurden bereits auf eine Entwicklung vorgeprüft, d. h. es liegen
keine grundsätzlichen liegenschaftlichen, immissionsschu tzrechtlichen o. ä. Hemmnisse vor. Zudem
weisen die Flächen eine grundsätzliche strukturelle Eignung für den Wohnungsbau auf (i. d. R. durch
Darstellung im FNP oder Regionalplan). Die Flächen unterscheiden sich somit von anderen generellen
Flächenpotenzialen bspw. weiteren Flächen basierend auf dem FNP, dahingehend, dass sie liegen-
schaftlich (nach den Anforderungen gem. SoBo Münster, d. h. liegenschaftlicher Erwerb von mindestens
50 Prozent eines Baugebiets im Außenbereich bzw. liegenschaftliche Verfügbarkeit und grundsätzliche
Bereitschaft zur Umsetzung der wohnungspolitischen Zielsetzungen durch den Vorhabenträger) und
planerisch grundsätzlich geeignet sind und K.O. -Kriterien für eine Entwicklung (beispielsweise land-
wirtschaftliche Geruchsimmissionen, fehl ende Erschließungsmöglichkeiten) bereits geprüft wurden,
sodass mit erhöhter Wahrscheinlichkeit von einer Realisierung im angegebenen Zeitraum ausgegangen
werden kann.
Da die Baulandentwicklung von verschiedenen Aspekten abhängt, wird das Baulandprogramm regel-
mäßig von der Stadt fortgeschrieben und aktualisiert. Die letzte Fortschreibung wurde vom Rat der
Stadt Münster im Oktober 2022 beschlossen. So werden mögliche Verzögerungen oder sich ändernde
liegenschaftliche, planerische oder auch fachgesetzliche Faktoren berücksichtigt.
In den jüngeren Jahren gab es Verzögerungen bei der Baureifmachung neuer Baugebiete oder bei der
Fertigstellung neuer Wohnungen, die vielfältige Ursachen haben. Dazu zählen insbesondere die derzei-
tigen Herausforderungen bei der Wohnbaulandentwicklung wie bspw. Planungsverfahren, welche
durch die Einbindung neuer Energiekonzepte komplexer werden, Engpässe bei erforderlichen Ingeni-
eurbüros, begrenzte Personalkapazitäten innerhalb der Verwaltung und nicht zuletzt die Auswirkungen
der Corona-Pandemie sowie die Kapazitäten der Bauwirtschaft.64 Die aktuelle Fortschreibung des Bau-
landprogramms 2022 bis 2030 berücksichtigt bereits aktuelle Verzögerungen. Daher wird die vom Rat
in seiner Sitzung am 26.10.2022 beschlossene Fortschreibung des B aulandprogramms dem vorliegen-
den Gutachten zugrunde gelegt.
Die einzelnen Baugebiete des Baulandprogramms können der folgenden Abbildung entnommen wer-
den. Dargestellt wird auch die anvisierte Baureifmachung in den Zeitabschnitten kurz -, mittel - und
langfristig. Darüber hinaus gibt es in der Vorlage zum Baulandprogramm die Kategorie „Projekte für
spätere Jahre“ (vgl. auch Abbildung 43). Diese Projekte wurden jedoch vom Rat noch nicht zur Reali-
sierung beschlossen. Von den dort insgesamt neun dargestellten Baugebieten wurden dennoch drei
Baugebiete als Potenzial aufgenommen. Dabei handelt es sich um diejenigen Baugebiete, deren Flä-
chen die Stadt explizit zur Wohngebietsentwicklung in den letzten Jahren angekauft hat und die ledig-
lich aus Kapazitätsgründen noch nicht bis 2030 entwickelt werden können.
63 Weitergehende Erläuterungen im methodischen Anhang 10.4
64 Stadt Münster: Vorlage V/0196/2022: Wohnbaulandentwicklung bis zum Jahr 2030 - Fortschreibung des Baulandprogramms
Wohnungsbedarfsprognose | Stadt Münster
72
Die Baureife ist erreicht, wenn verbindliches Planungsrecht (mindestens § 33 BauGB) vorliegt und die
Fläche zum Zweck der Bebauung erschlossen ist. Für das vorliegende Gutachten wurde darüber hinaus
von der Stadt Münster eine Einschätzung vorgenommen, wann, d.h. in welchen Jahren, auf den einzel-
nen Flächenreserven des Baulandprogramms konkrete Baufertigstellungen zu erwarten sind. Eine sol-
che Einschätzung ist notwendig, um die Wohnbaupotenziale der Wohnungsbedarfsprognose gegen-
überstellen zu können, denn Baufertigstellungen und somit Wohnungen, die den Bedarf decken können,
sind in der Regel erst einige Jahre nach der reinen Baureifmachung des Baugebiets zu erwarten. In der
Summe stehen durch das Baulandprogramm bis 2038 Wohnbaupotenziale in einem Gesamtumfang von
rd. 9.550 Wohneinheiten zur Verfügung. Diese untergliedern sich in 7. 875 Wohneinheiten in Mehrfa-
milienhäusern und rd. 1.675 Wohneinheiten in Ein- und Zweifamilienhäuser. In dieser Summe sind die
im Baulandprogramm enthaltenen Flächen der in der Prüfung befindlichen städtebaulichen Entwick-
lungsmaßnahmen mit einem Gesamtumfang von 4.000 Wohneinheiten nicht enthalten. 65
65 Erläuterungen zu der Bilanzierung der Wohnbaupotenziale des Baulandprogramm 2022 im methodischen Anhang 10.4
Wohnungsbedarfsprognose | Stadt Münster
73
Abbildung 43: Wohnbaupotenzialflächen des Baulandprogramms 2022 – 2030
Quelle: Stadt Münster 2022, Anlage 2b zur Vorlage V/196/2022
Wohnungsbedarfsprognose | Stadt Münster
74
Potenziale durch weitere Flächen basierend auf FNP, Regionalplan, Stadtteilentwicklungs-
konzepten und Planungswerkstatt 2018
Die Stadt Münster hat im Rahmen des Baulandprogramms bereits aktiv die Realisierbarkeit vorhande-
ner Potenzialflächen geprüft und geeignete, zeitnah realisierbare Flächen in das Baulandprogramm
aufgenommen. Auf Basis des derzeitigen Flächennutzungsplans (FNP), des Regionalplans, mehreren
Stadtteilentwicklungskonzepten sowie dem Wohnsiedlungsflächenkonzept 2030 gibt es in Münster
noch weitere Wohnbau-Potenzialfläche. Nicht alle dieser Potenziale können jedoch tatsächlich zeitnah
(d. h. bis 2038) entwickelt und bebaut werden, da vielschichtige Planungshemmnisse entgegenstehen:
Zuvorderst dabei zu nennen ist die Frage der liegenschaftlichen Verfügbarkeit. Hierzu gehören Flächen,
die sich derzeit nicht im Eigentum d er Stadt Münster befinden und auch derzeit nicht erkennbar ist,
dass diese Flächen mit hoher Wahrscheinlichkeit von der Stadt oder einem Wohnungsbauinvestor er-
worben werden können (bspw. aufgrund komplexer Eigentümerstrukturen, der fehlenden grundsätzli-
chen Verkaufsbereitschaft der Eigentümer, Belastungen der Grundstücke etc.). Demgegenüber wurden
Flächen, die sowohl liegenschaftlich verfügbar (nach den Anforderungen gemäß SoBo Münster, vgl. die
Ausführungen oben) wie auch grundsätzlich planerisch geeignet sind, bereits im Baulandprogramm
aufgenommen.
Mit Blick auf eine mögliche Realisierung bis 2038 wurden die theoretischen, d.h. planerischen Poten-
ziale neben dem Baulandprogramm beurteilt und eine Einschätzung getroffen, inwiefern bei den Flä-
chen Planungs- und Realisierungshemmnissen bestehen. D.h. es wurden für jede Fläche drei Kategorien
geprüft. Für jede Fläche wurde eine liegenschaftliche Beurteilung vorgenommen und es wurden die
planungsrechtlichen Restriktionen und die Entwicklungspriorität eingeschät zt. Es wurden dann jene
Flächen in dieses Gutachten mitaufgenommen, bei denen in mehr als einer Kategorie (Liegenschaften,
Planung, erhöhte Priorität) eine positive Einstufung erwartet wird.
Dabei erfolgte die Einbeziehung der Flächen unabhängig von ihrem derzeitigen Planungsstand nach
der Maßgabe, planerisch grundsätzlich geeignete, mögliche Potenzialflächen mit einer Bebaubarkeit
bis zum Jahr 2038 durch die Prüfung der Kategorien miteinzubeziehen. Im Ergebnis wurden vier grö-
ßere Flächen identifiziert, be i welchen in mindestens zwei Kategorien eine positive Einstufung zu er-
warten ist. 66 Diese Flächenpotenziale haben einen Gesamtumfang von 900 Wohneinheiten, die sich in
rd. 715 Wohneinheiten in Mehrfamilienhäuser und rd. 185 Wohneinheiten in Ein- und Zweifamilienhäu-
ser aufteilen. Die Flächen zeigen lediglich Entwicklungspotenziale auf. Konkrete Entwicklungsabsich-
ten der Stadt für die nächsten Jahre ergeben sich erst aus der Aufnahme von Flächen in das Bauland-
programm.
66 Erläuterungen zu der Bilanzierung der Wohnbaupotenziale basierend auf FNP, Regionalplan, Stadtteilentwicklungskonzept
und Planungswerkstatt 2018 im methodischen Anhang 10.4
Wohnungsbedarfsprognose | Stadt Münster
75
7.2.3 Zusammenfassung der Wohnbaupotenziale
Die nachfolgende Abbildung zeigt die in Münster bestehenden Wohnbaupotenziale und ihre Unterglie-
derung in die Segmente.
Abbildung 44: Übersicht der Wohnbaupotenziale
Quelle: InWIS 2023, eigene Darstellung
Im Ergebnis zeigt sich, dass d er Stadt Münster bis zum Jahr 2038 Wohnbaupotenziale im Umfang von
rd. 22.460 Wohneinheiten zur Verfügung stehen. Diese untergliedern sich in 83 Prozent in Mehrfamili-
enhäuser und die übrigen 17 Prozent in Ein- und Zweifamilienhäusern. Differenziert man die Potenziale
nach denen innerhalb des Siedlungsbestandes (Restkapazitäten in bestehenden Baugebieten und zu-
künftige „spontane Bautätigkeit“) und denen außerhalb, zeigt sich, dass die Innenentwicklungspoten-
ziale mit insgesamt 12. 010 Wohneinheiten auch zukünftig einen großen Beitrag zu den Wohnbaupo-
tenzialen leisten.
7.3. Bedarfsdeckungsprognose
Bei der Bedarfsdeckungsprognose geht es im Ergebnis darum, durch eine Gegenüberstellung von Woh-
nungsbedarfen und Wohnbaupotenzialen zu überprüfen, ob die im Prognosezeitraum mobilisierbaren
Potenziale ausreichen werden, um die Bedarfe zu decken.
Für die Überprüfung der Bedarfsdeckung werden somit die in Kapitel 6.3 dargestellten Wohnungsbe-
darfe von insgesamt 28.932 Wohneinheiten bis 2038 den ermittelten Wohnbaupotenzialen von insge-
samt 22.460 Wohneinheiten gegenübergestel lt. Es zeigt sich somit ein Gesamtdefizit von 6.472
Wohneinheiten. Dieser Bedarf kann mithilfe der vorhandenen, in diesem Gutachten miteinbezogenen
Wohnbaupotenzialen nicht gedeckt werden.
In der nachfolgenden Abbildung sind die Wohnungsbedarfe und die Potenziale bis 2038 gegenüberge-
stellt. Im Ergebnis zeigt sich, in welchem Umfang die Wohnungsbedarfe durch die vorhandenen Wohn-
baupotenziale gedeckt werden können, sofern alle dargestellten Potenziale in dem angenommenen
Umfang auch tatsächlich mobilisiert werden können:
▪ 78 Prozent aller Bedarfe,
▪ 82 Prozent aller Bedarfe im Teilmarkt der Mehrfamilienhäuser,
▪ 61 Prozent aller Bedarfe im Teilmarkt der Ein- und Zweifamilienhäuser.
P
Wohnungsbedarfsprognose | Stadt Münster
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Abbildung 45: Gegenüberstellung von Wohnungsbedarfen und Wohnbaupotenzialen bis 2038
Quelle: InWIS 2023, eigene Berechnung und Darstellung
Wohnungsbedarfsprognose | Stadt Münster
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8. Fazit
Münster ist eine stark wachsende Stadt und beliebter Wohnstandort in der Region. Als „Schwarmstadt“
und zweitgrößte Universitätsstadt in NRW verzeichnet Münster stetige Wanderungsgewinne. B is zum
Jahr 2045 ist mit einer weiteren Zunahme von 25.900 Privathaushalten auszugehen, was einem Zu-
wachs von 15 Prozent gegenüber 2021 bedeutet. Entscheidend hierfür sind anhaltende Wanderungsge-
winne sowie der sich fortsetzende Trend zu kleineren Haushalten . Dieser Zuwachs löst einen Woh-
nungsbedarf aus, der sich auf rd. 40.000 Wohnungen beläuft, davon fast 29.000 Wohnungen bis zum
Jahr 2038, dem Jahr, in dem die möglichen zwei städtebaulichen Entwicklungsmaßnahmen abgeschlos-
sen sein sollen.
Dieser Zuwachs erfordert von der Stadt Münster weiterhin erhebliche Anstrengungen in der Stimulie-
rung des Wohnungsbaus, in der Schaffung von Baurecht und in der Weiterentwicklung einer nachhalti-
gen und klimagerechten Stadtstruktur. Münster hat bereits Weichen für einen bedarfsgerechten und
bezahlbaren Wohnungsbau gestellt. Mit dem Beschluss der SoBo Münster im Jahr 2014 ist die Stadt in
erheblichem Umfang in den Grundstückserwerb eingestiegen, um ein Höchstmaß an Steuerung und
Zielerreichung gemäß den identifizierten Bedarfen zu erreichen. Im Rahmen des Münsteraner Bauland-
programms sollen Neubauflächen mit einer Gesamtkapazität von über 13.000 Wohnungen bis 2030
einer passgenauen Entwicklung zugeführt werden. 67 Mit den derzeit hinsichtlich der Voraussetzungen
untersuchten städtebaulichen Entwicklungsmaßnahmen kann der vorhandene Instrumentenbaukasten
– falls erforderlich – erweitert werden, um die verschiedenen Bedarfslagen und Anforderungen an das
Wohnen und Arbeiten in Münster in hinreichendem Maße aufzugreifen und in eine zukunftsweisende
Richtung zu lenken.
Angesichts der begrenzten Ressource Boden gleicht es einem Balanceakt, die vielfältigen Nutzungsan-
sprüche, die Wachstumsprozesse und die Vorstellungen der Bürgerinnen und Bürger zu einer lebens-
werten Stadt in Einklang zu bringen. Eine geschickte städtebauliche Mischung von Nutzungen und ein
hohes Maß an städtebaulicher Dichte sind dabei sicherlich dienlich. Die vorliegende Wohnungsbedarf-
sprognose hat neben dem Bedarf an 32.000 Wohnungen in Geschosswohnungsbauweise auch den Be-
darf von rd. 8.000 Wohnungen in Ein - und Zweifamilienhäusern nachgewiesen. Dabei wurde berück-
sichtigt, dass einem – gewiss kleineren – Teil der mangels attraktiven Wohnangeboten aus Münster ins
Umland abwandernden Haushalte zukünftig Wohnalternativen innerhalb des Stadtgebietes geboten
werden sollen. Die Bauform erscheint jedoch mit Blick auf die freistehenden Eigenheime im Münster-
land wie ein Anachronismus in einer so stark wachsenden Großstadt wie Münster. Daher sind an dieser
Stelle ein paar Anregungen formuliert, wie mit diesem Anachronismus umgegangen werden kann.
Freisetzungspotenzial in älteren Ein- und Zweifamilienhäusern ausschöpfen
Erstens besteht die Möglichkeit, das Angebot an Bestandseigenheimen zu erhöhen und somit den Neu-
baubedarf an Ein- und Zweifamilienhäuser entsprechend zu senken. Dies kann erreicht werden, wenn
es gelingt, den Generationenwechsel im älteren Eigenheimbes tand intensiv zu unterstützen. GEWOS
hat in einer aktuellen Studie festgestellt: „(Der) Generationen im EZFH-Segment birgt enormes Freiset-
zungspotenzial“.68 Landesweit stellen über 350.000 Seniorenhaushalte, die in ihrer Mobilität einge-
schränkt sind und nicht in einem umfassend barrierefreien Ein-/Zweifamilienhaus wohnen, eine poten-
zielle Nachfragegruppe für altengerechten Wohnraum darstellen, die bei einem Wechsel in diese Wohn-
form Bestandseigenheime freisetzen würde. In Münster wird die Zahl der Seniorenh aushalte gemäß
der Haushaltsprognose bis 2045 um immerhin fast 40 Prozent ansteigen (vgl. 6.1). Dies spricht für ein
erhebliches Freisetzungspotenzial, zumindest für diejenigen, die in einem Eigenheim wohnen, aber in
eine kleinere oder zentraler gelegene Wohnung oder aufgrund von Mobilitätseinschränkungen in eine
67 Stadt Münster: Vorlage V/0196/2022: Wohnbaulandentwicklung bis zum Jahr 2030 - Fortschreibung des Baulandprogramms
68 GEWOS 2020: Wohnungsmarktgutachten über den quantitativen und qualitativen Wohnungsneubaubedarf in Nordrhein-
Westfalen bis 2040. Im Auftrag des Ministeriums für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes Nordrhein-
Westfalen. Düsseldorf. S. 225
Wohnungsbedarfsprognose | Stadt Münster
78
barrierefreie Wohnung wechseln wollen . GEWOS hat für Münster das Potenzial für die Teilgruppe der
Mobilitätseingeschränkten für den Zeitraum 2018 bis 2040 in einer Größenordnung von 4.760 Haus-
halte berechnet. 69 Berücksichtigt man die Bereitschaft von 19 Prozent dieser Haushalte, in eine barri-
erefreie Wohnung umzuziehen, dann umfasst das mobilisierbare Freis etzungspotenzial im Eigenheim-
bestand auf insgesamt 900 Haushalte bzw. Wohnungen. Im Zuge der neuen Richtlinien der Landesbau-
ordnung Nordrhein-Westfalen zum barrierefreien Bauen ist vor allem in Münster mit seinen hohen Neu-
bauleistungen im Mehrfamilienhaussegment von damit zu rechnen, dass der Bestand und das Angebot
an barrierefreien Wohnungen im Geschosswohnungsbau von zuletzt rund 1.600 Wohnungen in den
vergangenen fünf Jahren sich schnell ausweiten wird und für die genannte Zielgruppe eine attraktive
Wohnalternative bieten wird. Das daraus entstehende, zusätzliche Angebot an Bestandsimmobilien er-
möglicht es, einen größeren Anteil der „nachwachsenden“ Nachfrage nach Ein - und Zweifamilienhäu-
sern in den Bestand zu lenken, sodass sich der Bedarf in diesem Segment zugunsten des Wohnungsbaus
in Mehrfamilienhäusern verlagern würde. Leider ist derzeit noch keine hinreichende Datenbasis zur
Belegungsstruktur in neu errichteten barrierefreien Wohnungen vorhanden, um Aussagen dazu treffen
zu kann, wann das realistische Freisetzungspotenzial im Eigenheimbestand in welchem Umfang mobi-
lisiert werden kann und sich der Wohnungsbedarf vom individuellen in den Geschosswohnungsbau
verlagern wird. Dass dieser Prozess stattfinden wird, dürfte unbestreitbar sein.
Um das Potenzial umzusetzen, sind nach Erkenntnissen der Akademie für Raumforschung und Landes-
planung (ARL) das Vorhandensein eines attraktiven (und bezahlbaren) altengerechten Wohnungsange-
bots sowie u. U. auch Umzugshilfen ausschlaggebend. 70 Ältere Menschen habe n in hohem Maße eine
große Bindung an die vertraute Wohnung und Wohnumgebung sowie den Wunsch, genau dort alt zu
werden. Ein attraktives und hinreichendes Angebot an altengerechten Wohnungen und ggf. auch Um-
zugshilfen können jedoch bei einigen der Senioren wichtige Impulse für einen Wohnungswechsel aus-
lösen. Darüber hinaus stellen sich die nachwachsenden Generationen jüngerer Senioren öfter die
Frage, ob das gewohnte Eigenheim auch für die Zukunft die beste Wohnalternative darstellt oder eine
barrierefreie, moderne Wohnung in zentraler Lage nicht eher den Wohnbedürfnissen im Alter entspre-
chen würde. Altersgerechte Wohnformen – angefangen von der barrierefreien Miet - oder Eigentums-
wohnung, diversen Formen des betreuten Wohnens oder des Wohnens mit Service sow ie des gemein-
schaftlichen Wohnens – werden in der Regel im Mehrfamilienhaussegment errichtet und angeboten. Es
spricht daher einiges dafür, durch ein attraktives und erweitertes Angebot an altengerechten (bezahl-
baren) Wohnformen den Neubaubedarf im Ein- und Zweifamilienhaussegment zu vermindern.
Urbane Formen des Eigenheimes anstreben
Zweitens gibt es auch urbane Formen des Eigenheims. In erster Linie ist an die Townhouses mit ihren
üblichen drei bis vier Etagen zu denken, in denen die Wohnungen im Mais onette-Stil angeordnet sind.
Sie sind eine bauliche Alternative zum Wohnen im Grünen für diejenigen Haushalte mit oder ohne Kind,
die das Wohnen in der Stadt präferieren und neuen Wohnformen aufgeschlossen gegenüberstehen. Die
Häuser umfassen ein individuelles Gartengrundstück oder zumindest einen größeren Dachgarten sowie
eine Garage. Auch andere bauliche Formen sind in Betracht zu ziehen, die vergleichbare Qualitäten
zum Eigenheim im Grünen bieten im Hinblick auf den Wunsch der zukünftigen Bewohner nach größerer
Fläche, Individualität und Privatsphäre. Die Townhouses werden vermutlich eher kaufkraftstarke Haus-
halte ansprechen, darunter sicherlich auch solche, die mangels Alternativen im Münsteraner Eigen-
heimbestand eine passende Immobilie suchen und mit dazu beitragen, dass die Angebotspreise für die
älteren Eigenheime mittlerweile schon die Neubaupreise eingeholt haben. Ein Umlenken der Nachfrage
kaufkraftstarker Haushalte auf neue Townhouses würde den Druck auf den Bestand vermindern und
dazu beitragen, dass sich die Preise im Bestand wieder etwas normalisieren.
69 GEWOS 2020: Wohnungsmarktgutachten über den quantitativen und qualitativen Wohnungsneubaubedarf in Nordrhein-
Westfalen bis 2040. Im Auftrag des Ministeriums für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes Nordrhein-
Westfalen. Düsseldorf., S. 135
70 Vgl. ARL 2018: Ältere Einfamilienhausgebiete im Umbruch. Eine unterschätzte planerische Herausforderung – Zur Situation
in Nordrhein-Westfalen, S. 16
Wohnungsbedarfsprognose | Stadt Münster
79
Eigenheimähnliche Wohnungen in Geschossbauweise errichten
Die Markt- und Stadtforschung hat gezeigt, dass manche junge Paare oder Haushalte mit Kindern Wohn-
konzepte präferieren, die urban und kommunikativ geprägt sind und ihre Wohnpräferenz eher auf den
verdichteten Stadtraum als auf ein ländliches Umfeld ausrichten. Gelänge es, „einfamilienhausähnli-
che“ Geschosswohnungen zu bauen, die mehrere zentrale Vorteile eines Wohnens im Eigenheim verei-
nen, könnte diese Zielgruppe womöglich auch von einer Wohnung in Geschossbauweise statt im indi-
viduellen Wohnungsbau überzeugt werden. Wichtig ist dabei, nicht nur bei der Bauform möglichst viele
Merkmale eines Eigenheimes umzusetzen (4+ Zimmer, ebenerdiger Ein gang und privater Garten, Ein-
bettung in sich anschließende Grünflächen, kleinere Gebäude usw.), sondern auch ein familienfreund-
liches Quartier zu schaffen.71
71 InWIS und Analyse & Konzepte 2018: Wohntrends 2035. Bochum/Hamburg; DIFU 2005: Wohnen in der Innenstadt – eine
Renaissance, Berlin
Wohnungsbedarfsprognose | Stadt Münster
80
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Wohnungsbedarfsprognose | Stadt Münster
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Institut der deutschen Wirtschaft (IW) und ILS -Institut für Landes - und Stadtentwicklungsforschung
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Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales NRW 2022: Entwurf einer „Rechtsverordnung zur Be-
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NRW.BANK 2020: Wohnungsmarktbericht NRW 2020. Berichtszeitraum 2018/2019, Düsseldorf
NRW.BANK 2021: Preisgebundener Wohnungsbestand 2020, Düsseldorf
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Wohnungsbedarfsprognose | Stadt Münster
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Stadt Münster 2022: Arbeitskreis „Wohnen in Münster“: Dokumentation der 34. Sitzung am 2. Novem-
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Stadt Münster 2022: Bericht zur Wohnbaulandentwicklung 2021. Anlage 1 zur Vorlage V/0196/2022.
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Stadt Münster 2022: Entwicklungsorientierte Wohnungsmarktbeobachtung in der Stadtregion Münster,
Münster
Statistisches Bundesamt 2020: Entwicklung der Privathaushalte bis 2040, Wiesbaden
Wohn + Stadtbau GmbH 2021: Geschäftsbericht 2021, Münster
Wohnungsverein Münster von 1893 eG 2021: Geschäftsbericht 2021, Münster
Wohnungsbedarfsprognose | Stadt Münster
83
10. Anhang zu methodischen Erläuterungen
10.1. Wohnungsannoncenauswertung
Für die Analyse des Wohnungsmarktes werden diverse Quellen, Daten und Informationen genutzt. Eine
der Grundlagen der Marktanalyse stellen die Wohnungsangebote (Wohnungsannoncen) des Online-Im-
mobilienportals ImmobilienScout24 dar. Die Wohnungsannoncenauswertung auf Basis des Immob ili-
enportals ImmobilienScout24 ermöglicht dabei sowohl Aussagen zur Angebots - als auch zur Nachfra-
gesituation.
Aufgrund einer Kooperationsvereinbarung kann InWIS die Angebotsdatenbank des ImmobilienScout24
verwenden, welche diejenigen Immobilienangebote e nthält, die von den Anbietern zum Kauf oder zur
Miete in dem Internetportal inseriert wurden. Für jedes Angebot enthält die Datenbank Angaben zur
Struktur der Objekte: zum Status (Miete/Eigentum), zum Baujahr, zu Ausstattungsmerkmalen, zur
Größe und zu den Angebotspreisen. Die Mietwohnungsangebote wurden auf der Basis der Nettokalt-
mieten ausgewiesen.
Gleichzeitig erlaubt die Angebotsdatenbank auch die Abschätzung der Nachfrage nach Wohnungen.
Hierfür wurde die Messung der sogenannten „Hits“ ausgewählt. Suc ht ein Nachfrager in einer Stadt
eine Immobilie und gibt seine Wohnwünsche in die Eingabemaske ein, so erhält er Übersichten über
die in Frage kommenden Objekte. Der Nachfrager hat durch das Vorschaufoto auf der Showliste in der
Regel einen optischen Eindruck vom Angebot, kann die Lage durch die Entfernungsangabe vom Zielort
einschätzen und sieht den Preis. Das Anschauen des Angebotes signalisiert bereits ein intensiveres
Interesse und wird als „Hit“ gezählt. Ein „Hit“ gibt wieder, wie oft das konkrete Ange bot von potenzi-
ellen Nachfragern betrachtet wird. Berechnet wird grundsätzlich ein Durchschnittswert für jedes ein-
zelne Objekt, der sogenannte Hit pro Objekt und Monat. Die Hits bilden zwar nicht die tatsächliche
Nachfrage ab, sie verdeutlichen jedoch das Interesse der Nachfrager an bestimmten Wohnungsange-
boten. In zahlreichen bundesweiten Marktanalysen hat sich gezeigt, dass starke (schwache) Märkte auf
diese Weise durch entsprechend hohe (niedrige) Werte identifiziert werden können. Preise, Wohnflä-
chen und Grundstücksflächen werden als gemittelte Werte dargestellt.
Bei den Auswertungen handelt es sich ausdrücklich nicht um eine komplette Marktanalyse, da nur ein
Teil der auf dem Markt verfügbaren Angebote auch bei ImmobilienScout24 inseriert wird. Erfahrungs-
gemäß werden sehr preisgünstige Wohnungen, die häufig „unter der Hand“ weitervermittelt werden,
nicht einbezogen. Gleichwohl erlauben die Auswertungen Rückschlüsse auf Tendenzen und Entwick-
lungen in den Segmenten, die wiederum mit weiteren Quellen, u.a. über die Expertengespräche, abge-
glichen werden. Des Weiteren werden Bestandsmieten nicht erfasst. Zudem können die angebotenen
Kauf- bzw. Mietpreise von den im weiteren Verlauf tatsächlich vereinbarten Preisen abweichen.
Für die Stadt Münster wurden alle Inserate vom 1. Quartal 2014 bis zum 1. Quartal 2022 berücksichtigt.
Dadurch zeigen sich nicht alle aktuellen Marktgeschehnisse in der Wohnungsannoncenauswertung. Für
die Erfassung der Veränderungen der Marktsituation des Jahres 2022 wurden Expertengespräch e und
Literaturrecherche genutzt. Diese ergänzen die Wohnungsannoncenauswertung.
Wohnungsbedarfsprognose | Stadt Münster
84
10.2. Bevölkerungsprognose
Die Bevölkerungsprognose basiert auf der Kohorten -Komponenten-Methode. Bei dieser Modellrech-
nung wird die Bevölkerung des Ausgangsjahres nach Alter und Geschlecht jahrgangsweise fortgeschrie-
ben, indem die natürlichen Bevölkerungsbewegungen (Geburten und Sterbefälle) sowie Wanderungen
(Zu- und Fortzüge) entsprechend abgezogen bzw. hinzugezählt werden. Durch die alters - und ge-
schlechtsspezifische Vorausberechnung der Bevölkerung können nicht nur Aussagen zur Bevölkerungs-
zahl, sondern auch zur Struktur getroffen werden. Für die Berechnung der Bevölkerungsprognose müs-
sen für den Prognosezeitraum entsprechende Annahmen zur zukünftigen Entwicklung der Geburten und
Sterbefälle sowie zu den Wanderungen getroffen werden, die im Folgenden dargelegt werden.
Abbildung 46: Relevante Komponenten einer Bevölkerungsprognose
Quelle: InWIS 2023, eigene Darstellung
Für das vorliegende Gutachte n werden städtische Daten zu den relevanten Komponenten einer Bevöl-
kerungsprognose genutzt. Für die Ausgangsbevölkerung wird auf Einwohnerdaten zur wohnberechtig-
ten Bevölkerung zum Stand 31.12.2021 zurückgegriffen. Das Basisjahr der Prognose ist demnach 2021.
Daten für das Jahr 2022 lagen zum Zeitpunkt der Erstellung der Prognose im Herbst 202 2 naturgemäß
noch nicht vor.
Die Wahl der Stützzeiträume und die getroffenen Annahmen einer Bevölkerungsprognose sind ent-
scheidend für die Treffsicherheit von Prognosen. Im Rahmen des vorliegenden Gutachtens wurden zwei
Varianten sowie eine Modellrechnung für die zukünftige Bevölkerungsentwicklung berechnet, um un-
terschiedliche Entwicklungsszenarien darstellen zu können. Sowohl die altersspezifischen Geburtenra-
ten als auch die alters - und geschlechtsspezifischen Sterbewahrscheinlichkeiten haben in den letzten
Jahren einen relativ gleichförmigen Verlauf angenommen. Der Umfang der Wanderungen stellt hinge-
gen eine unsichere Komponente dar, denn sie hängen oftmals von einer Vielzahl von Faktoren ab. Dazu
gehören die Entwicklung der weltpolitischen Lage sowie gesamtwirtschaftliche oder politische Maß-
nahmen, die nur sehr schwer einzuschätzen sind. Aber auch besondere örtliche Entwicklungsimpulse
wie die Entwicklung der Studierendenzahlen oder Veränderungen des Arbeitsmarkts bspw. umfangrei-
che Gewerbeansiedlungen, die einen Zuzug von Arbeitskräften auslösen können, können einen rele-
vanten Einfluss ausüben. Für die Prognosevarianten wurden daher unterschiedliche Annahmen bei der
Migration getroffen, während die Annahmen zur natürlichen Bevölkerungsentwicklung in beiden Vari-
anten gleich sind.
Vorausberechnung
in Varianten
Bevölkerungsprognose
Fertilität
(Geburten-
niveau)
Geschlecht und
Einzelaltersjahre
Ausgangsbevölkerung
Stützzeitraum & Annahmen
Determinanten der Bevölkerungsentwicklung
Mortalität
(Sterblichkeits-
niveau)
Migration
(Wanderungen)
Wohnungsbedarfsprognose | Stadt Münster
85
Die InWIS-Bevölkerungsprognosen für die Stadt Münster basieren auf den in der folgenden Tabelle
dargestellten Annahmen:
Tabelle 8: Überblick der demografischen Komponenten der Bevölkerungsprognosen
Quelle: InWIS 2023
Annahmen der natürlichen Bevölkerungsbewegungen
Für die Vorausschätzung der Geburten wird die zusammengefasste Geburtenziffer (TFR = total fertility
rate) zu Grunde gelegt. Diese Fertilitätsrate stellt die relative Geburtenhäufigkeit der Frauen pro Jahr
dar. Als Stützzeitraum für die Fertilitätsrate wur den die Jahre 2017 bis 2020 gewählt. Die Jahre 2016
und 2021 wurden aufgrund ihrer Besonderheiten nicht betrachtet, da das Jahr 2016 in ganz Deutsch-
land ein Jahr mit sehr hohen Geburten darstellt 72, die zukünftig so in Münster nicht anzunehmen sind
und das Jahr 2021 hingegen aufgrund der Covid -19-Pandemie durch geringe Geburten geprägt ist. Für
die Bevölkerungsprognose wird eine konstante Geburtenrate bis 2025 von 1,32 (wie im Stützzeitraum)
angenommen, welche ab 2026 auf 1,27 abfällt. Für Münster wird ange nommen, dass ein Teil der für
2021 geplanten und aufgrund der Pandemie aufgeschobenen Geburten in nächsten Jahren nachgeholt
wird und die Rate so vorerst konstant bleibt, anschließend die Geburtenzahl aber abnimmt. Die Ab-
nahme geht auch mit der Entwicklung Fertilitätsrate in Münster in den vergangenen Jahren einher. Auch
in der landesweiten Bevölkerungsvorausberechnung wird eine Abnahme der Fertilitätsrate ab 2026
angenommen.73
Bei der Mortalität wird die Vorausschätzung anhand der Sterberate aus dem Stützzeitraum 2016 bis
2020 ermittelt und eine konstante Entwicklung über den Prognosezeitraum angenommen. Bezüglich
der Lebenserwartung bei Geburt wird ein Anstieg angenommen. In Orientierung an der 14. koordinier-
ten Bevölkerungsvorausberechnung des Statistischen Bundesamtes wird ein Anstieg der Lebenserwar-
tung bei Geburt bei Jungen auf 83,0 Jahre und bei Mädchen auf 86,7 Jahre bis 2045 angenommen.
Annahmen zu den Wanderungen in zwei Varianten
In beiden Varianten werden die jüngeren Wanderungsdaten ab 2017 ber ücksichtigt, da in den Jahren
2015 und 2016 staatliche Maßnahmen die Wanderungsströme bzw. die Flüchtlingsbewegung stark be-
einflussten und es sich daher um zwei temporäre Ausnahmejahre mit sehr hoher Zuwanderung han-
delte. Zudem werden in beiden Varianten, die in Kapitel 3.1 beschrieben Wachstumsrestriktionen
72 Zum besonderen Anstieg der Geburtenrate in den Jahren 2014 bis 2016 trugen lt. statischem Bundesamt vor allem die Zu-
wanderinnen aus dem Ausland bei. Nach 2016 nahm diese Geburtenhäufigkeit ab, sodass 2016 als Ausreißerjahr nicht betrach-
tet wird (vgl. https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Bevoelkerung/Bevoelkerungsvorausberechnung/Publi-
kationen/Downloads-Vorausberechnung/bevoelkerung-deutschland-2035-5124202219004.pdf;jsessio-
nid=8943EC68DC313E5C955390026AD65E9F.live711?__blob=publicationFile)
73 IT.NRW 2022: https://www.it.nrw/node/107838/pdf
Beide Varianten der Bevölkerungsprognose stützen sich auf folgende Grundannahmen:
Ausgangsbevölkerung Wohnberechtigte Bevölkerung aus dem Melderegister der Stadt Münster
zum Stand 31.12.2021
Fertilität Zusammengefasste Geburtenziffer (TFR) 2022-2025: 1,32 Kinder je Frau
(gemäß dem Stützzeitraum 2017-2020); ab 2026: 1,27 Kinder je Frau
Mortalität
Sterblichkeit konstant (gemäß dem Stützzeitraum 2016-2020);
Anstieg der Lebenserwartung bei Geburt bis 2045: bei Jungen auf 83,0
Jahre und bei Mädchen auf 86,7 Jahre
Unterschiede in den Annahmen der Migration:
Migration Variante 1 Konstante Entwicklung (Stützzeitraum 2017-2021)
Migration Variante 2 Konstante Entwicklung (Stützzeitraum 2017, 2018, 2019 & 2021)
Wohnungsbedarfsprognose | Stadt Münster
86
einbezogen. Demnach wird in beiden Varianten der Fortzug (in den jeweiligen Referenzjahren) in die
umliegende Stadtregion um 14 Prozent minimiert, was folgend nochmals erläutert wird.
Es ist typisch für große Städte wie Münster, dass sie jährlich eine beträchtliche Zahl an Einwohnern im
Wanderungsaustausch mit dem Umland verlieren. Die meisten dieser Wohnungswechsel sind wohn-
wertorientiert, d.h. es geht um die Verbesserung der Wohnsituation. Jedes Jahr verlassen zwischen
2.600 bis 4.000 Münsteraner die kreisfreie Stadt für einen Wohnortwechsel in das Umland. Die Stadt
Münster hat in zwei Wanderungsumfragen die Motivlage erfragt.74 Die Umfragen ergeben, dass ein gro-
ßer Anteil der Personen lieber in Münster geblieben wäre: In der 2000er Befragung gaben 45 Prozent
an, lieber in Münster geblieben zu sein. In der Umfrage im Jahr 2011 suchten 56 Prozent die neue
Wohnung innerhalb Münsters (davon 14% ausschließlich in Münster und nicht auch im Umland). Die
Ergebnisse zeigen, dass möglicherweise fast die Hälfte der ins Umland Fortgezogenen in Münster ge-
blieben wäre, hätte es ein adäquates Wohnungsangebot gegeben. Die Befragung aus dem Jahr 2011
fragt bewusst danach, wo gesucht wurde. Dabei zeigte sich, dass 14 Prozent ausschließlich innerhalb
Münsters gesucht haben, ihren Bleibewunsch also aktiv verfolgten.
Es ist allerdings nicht zulässig, davon auszugehen, dass 45 bis 56 Prozent der ins Umland abgewan-
derten Personen in Münster geblieben wäre n, hätte es nur ein größeres Wohnungsangebot gegeben.
Denn es kam bei der Umzugsentscheidung auch auf die Art der Wohnung an. Während mindestens 30
Prozent eine Mietwohnung suchten und kein Wohneigentum anstrebten (Befragung 2000) und 58 Pro-
zent eine größere Wohnung suchten, ist der Eigentumserwerb ein wichtiges Umzugsmotiv (62% in
2000, 43% in 2011). Der Eigentumserwerb umfasst den Kauf einer Eigentumswohnung ebenso wie den
Kauf eines Eigenheimes. In der 2011er Befragung sind 61 Prozent der ins Umland abgewanderten Per-
sonen in ein Eigenheim gezogen, 39 Prozent in ein Mehrfamilienhaus. Die Datenlage zu den Wande-
rungsmotiven ist zwar differenziert, dennoch existiert keine eindeutige Zahl für die Bestimmung der
Gruppe derer, die Münster durch ein erweitertes Wohnungsangebot – vornehmlich als Miet - oder Ei-
gentumswohnung in einem Mehrfamilienhaus – hätte zu einem Verbleib innerhalb der Stadtgrenzen
bewegt werden können. Die Abwägung zeigt, da ss ein Wert von 45 bis 56 Prozent zu hoch gegriffen
wäre, denn es wurde öfters der Erwerb eines Eigenheimes mit der Wohnungssuche verbunden – dieses
Angebot wird auch mit einer zukünftigen Bautätigkeit in Münster nicht signifikant ausgeweitet. Ande-
rerseits wäre ein oben genannter Wert von 30 Prozent aller Fortziehenden auch zu hoch gegriffen, denn
es haben nicht alle ausschließlich in Münster gesucht. Aus gutachterlicher Sicht wird der geringe Wert
von 14 Prozent aufgegriffen, die gezielt in Münster gesucht haben. Hierunter befinden sich auch solche,
die später ein Eigenheim bezogen. Aber auch innerhalb der Gruppe derer, die innerhalb und außerhalb
Münsters gesucht haben, befinden sich solche, die eine Präferenz für eine Wohnung im Mehrfamilien-
haus hatten. Wir gehen davon aus, dass durch eine Ausweitung des Wohnungsangebotes mind estens
14 Prozent der ins Umland Fortziehenden zu einem Verbleib in Münster bewegt werden.
Für die Wanderungen werden zwei Stützzeiträume angenommen, um unterschiedliche Szenarien für
die Zukunft der demografischen Entwicklung in Münster aufzeigen zu können.
▪ Variante 1: Für die Abschätzung der zukünftigen Bevölkerungsentwicklung wird in dieser Va-
riante das alters - und geschlechtsspezifische Wanderungsverhalten auf Basis der Jahre 2017
bis 2021 fortgeschrieben. Die Variante geht von jüngeren Wanderungsbewegungen der letzten
fünf Jahre aus. Dabei wird das Jahr 2020, das sehr geringe Zuwanderungen aufgrund der Ein-
schränkungen der Pandemie aufzeigt, miteinbezogen. Für die Fortschreibung dieser W ande-
rungsbewegungen wird durch diesen Stützzeitraum angenommen, dass es bis 2045 regelmä-
ßig Jahre mit einer sehr geringen Zuwanderung wie im Jahr 2020 geben wird, etwa infolge
einer Rezession, wie sie sich für Deutschland in 2023 abzeichnet. Diese Jahre werden sich ab-
wechseln mit solchen, in denen eine wirtschaftliche Erholung einsetzt, etwa durch sinkende
Energiepreise, sodass Deutschland im Großen und Ganzen weiterhin für Zuwanderer attraktiv
74 Vgl. Stadt Münster 2012: Zentrale Ergebnisse der Fortzugsumfrage 2011 (Fortzug aus Münster in die Stadtregion).
V/0718/2012; Stadt Münster 2000: Wanderungsumfrage 2000, Beiträge zur Statistik 75. Münster
Wohnungsbedarfsprognose | Stadt Münster
87
ist, während der Abwanderungsdruck aus Osteuropa u.a. aufgrund der dortigen Kriegsfolgen
weiter anhält. In der Konsequenz daraus steigt die Einwohnerzahl von 2021 bis 2045 um rd.
35.350 Einwohner bzw. 11,2 Prozent auf 349.689 Einwohner .
▪ Variante 2: Für die Abschätzung der zukünftigen Bevölkerungsentwicklung wird in d ieser Va-
riante das alters- und geschlechtsspezifisches Wanderungsverhalten auf Basis des Zeitraums
2017 bis 2021 ohne das atypische Jahr 2020 fortgeschrieben. Diese Variante setzt die Bevöl-
kerungsentwicklung der Stadt fort, ohne dabei Jahre zu berücksichtigen, die durch besondere
Ereignisse mit untypischer Zu - oder Abwanderungen geprägt sind. Das Jahr 2020 wird daher
nicht berücksichtigt, denn es kennzeichnet sich durch bundesweite Sondereffekte im Wande-
rungsverhalten, wovon Münster als Universitätsstadt mi t internationalen Studierenden durch
besonders geringere Wanderungsbewegungen betroffen war. Hinter dieser Variante steht die
Annahme, dass Deutschland sich u.a. durch sinkende Energiepreise wirtschaftlich schnell wie-
der erholt, weiterhin für Zuwanderer attraktiv ist und Abwanderungsdruck aus Osteuropa u.a.
aufgrund der dortigen Kriegsfolgen weiter anhält. Daher wird das Wanderungsverhalten auf
Basis der Jahre 2017, 2018, 2019 und 2021 fortgeschrieben, die für Münster durchschnittliche
Jahre darstellen. Im Rahmen dieser Variante steigt die Einwohnerzahl bis 2045 auf 353.596
Einwohner. Im Vergleich zu 2021 entspricht dies einem Zuwachs von rd. 39.260 Personen bzw.
12,5 Prozent.
▪ In einer Modellrechnung hat InWIS modelliert, wie sich die Einwohnerentwicklung Mü nsters
vollziehen würde, wenn die Wanderungen dauerhaft auf dem geringen Niveau des Sonderjah-
res 2020 verharren würden. Für diese Modellrechnung wurde n die Wanderungsbewegungen
des Jahres 2020 für alle Prognosejahre bis 2045 angenommen. Im Ergebnis würde die Einwoh-
nerzahl bis zum Jahr 2045 um 18.146 Personen bzw. 5,8 Prozent zunehmen. Daran zeigt sich,
dass die Stadt Münster in der Fortschreibung eines Jahres mit den denkbar ungünstigsten Rah-
menbedingungen dennoch wachsen würde. Dieses Wachstum spiegelt die Besonderheiten der
Stadt Münster wider, dazu zählt die positive natürliche Bevölkerungsentwicklung und auch die
starken Pull-Faktoren, wie die hiesigen Hochschulen.
10.3. Wohnungsbedarfsprognose
10.3.1 Überblick
Die Wohnungsbedarfsprognose hat grundsätzlich einen n ormativen Charakter, da von den Trägern der
Wohnungs- und Sozialpolitik eine bedarfsgerechte Wohnungsversorgung angestrebt wird. Als allge-
mein anerkannte Versorgungsnorm hat sich der Grundsatz „für jeden Haushalt eine Wohnung“ heraus-
gebildet. Diese hat sic h jedoch analog zum Wissen über die Wirkungszusammenhänge auf den regio-
nalen Wohnungsmärkten ausdifferenziert.
Die vorliegende Wohnungsbedarfsprognose berechnet den quantitativen Wohnungsbedarf. Dazu ist
den privaten Haushalten eine ausreichende Anzahl ve rfügbarer Wohnungen zuzüglich einer Fluktuati-
onsreserve zur Verfügung zu stellen. Aus der Gegenüberstellung errechnet sich ein Wohnungsüberhang
oder -defizit. Das Ergebnis der Gegenüberstellung im Ausgangsjahr der Prognose wird als Nachholbe-
darf bezeichnet, der sowohl positiv wie negativ ausfallen kann.
In der Prognose wird der quantitative Bedarf aus zwei Komponenten gebildet, dem demografischen
und dem Ersatzbedarf. Durch die Veränderung in der Zahl und Zusammensetzung der privaten Haus-
halte erwächst ein demografisch bedingter Wohnungsbedarf im Prognosezeitraum. Dieser kann in
schrumpfenden Regionen rückläufig sein, sodass sich im Zeitverlauf ein Überhang an Wohnungen ein-
stellt. Der Ersatzbedarf bezieht sich auf den Wohnungsbestand. Er entsteht infolge de r baulichen und
Wohnungsbedarfsprognose | Stadt Münster
88
wirtschaftlichen Alterung von Gebäuden und umfasst sowohl Wohnungsabrisse als auch Wohnungszu-
sammenlegungen und Umwidmungen von Wohn - in Gewerberäume. Für diesen Abgang ist Ersatz zu
schaffen.
Wohnungen werden aber nicht nur dann gebaut, we nn sich die Zahl der Haushalte erhöht, sondern
wenn am Markt bestimmte Qualitätsmerkmale nachgefragt werden, die im vorhandenen Wohnungsbe-
stand nicht vorhanden sind. Diese qualitativen Bedarfe resultieren aus Veränderungen in der Zusam-
mensetzung der Hausha lte und deren Wohnpräferenzen. Ihnen wird in der Prognose der qualitativen
Wohnungsbedarfe nachgegangen. Die Wohnpräferenzen beziehen sich auf verschiedene Wohnformen
– z. B. Eigenheime versus Geschosswohnungen –, Neubauqualitäten oder Wohnungsgrößen.
In Münster wie auch in anderen prosperierenden Wohnungsmärkten verhält es sich so, dass der quan-
titative Bedarf hoch genug ist, um die Präferenzen der Nachfrage nach bestimmten Wohnqualitäten
bedienen zu können. Durch die Umsetzung der quantitativen Wohnungsne ubaubedarfe können in hin-
reichendem Maße die gewünschten Neubauqualitäten wie auch die notwendigen Wohnungsgrößen ge-
schaffen werden. Die Nachfrage nach Wohnformen differenziert, erhöht jedoch nicht den quantitativen
Bedarf. Sie bleiben daher im Rahmen der vorliegenden Wohnungsbedarfsprognose weitgehend unbe-
rücksichtigt. Anders verhält es sich in Schrumpfungsregionen bei geringen bis fehlenden quantitativen
Bedarfen. Dort kann die Präferenz für Neubauqualitäten und / oder für bestimmte Wohnungsgrößen
einen Wohnungsneubaubedarf hervorrufen, der bei einer rein quantitativen Bedarfsberechnung nicht
sichtbar werden würde.
In der vorliegenden Prognose wurde der ermittelte quantitative Wohnungsbedarf abschließend nach
Wohnformen differenziert. Dieser Schritt hatte jedoch keinen Einfluss auf die zuvor ermittelte Gesamt-
höhe des Wohnungsbedarfs. Es wurde zwischen den beiden großen Teilmärkten der Wohnungen in Ein-
und Zweifamilienhäuser n und in Mehrfamilienhäusern unterschieden. Ein Synonym für das Segment
der Ein- und Zweifamilienhäuser ist der individuelle Wohnungsbau.
Abbildung 47: Komponenten einer Wohnungsbedarfsprognose
Quelle: InWIS 2023, eigene Darstellung
Abgleich pro
Prognosejahr
* Präferenzen differenzieren den quantitativen Bedarf
Qualitativer Bedarf = Gesamtbedarf
quantitativer größer qualitativer
Bedarf
quantitativer kleiner qualitativer
Bedarf
F …
oder
Quantitativer Bedarf = Gesamtbedarf*
Wohnungsbedarfsprognose | Stadt Münster
89
10.3.2 Quantitativer Bedarf
Im Folgenden werden die einzelnen Bausteine der quantitativen Bedarfsprognose erläutert.
Bevölkerung in Privathaushalten
Die Bevölkerungsprognose für Münster basiert auf der Vorausschätzung der wohnberechtigten Bevöl-
kerung. Für die Darstellung der Haushalte und ihrer Struktur wird jedoch die Bevölkerung in Privat-
haushalten zugrunde gelegt. Hierzu zählen alle Personen, die in Münster einen eigenen Haushalt führen
bzw. eine wirtschaftliche Einheit bilden. Nicht hinzugerechnet werden Personen, die in Gemeinschafts-
einrichtungen wie etwa Pflegeeinrichtungen, Haftanstalten oder Kliniken leben. Für die Umrechnung
der wohnberechtigten Bevölkerung in die Bevölkerung in Privathaushalte wurde ein altersspezifischer
Umrechnungsfaktor für Münster abgeleitet und angewendet.
Privathaushalte
Für die Haushaltsprognose wurde das Haushaltsvorstandsquotenverfahren angewendet. Datenquelle
ist der jährliche regionalisierte Mikrozensus für Nordrhein -Westfalen, dessen Ergebnisse anhand der
Haushaltsstruktur, die das Haushaltegenerierungsverfahren der Stadt Münster ausweist, feinjustiert
wurden. Die Haushaltsvorstandsquoten geben an, zu welchem Anteil Personen männlichen oder weib-
lichen Geschlechts in einer bestimmten Altersgruppe einen Haushaltsvorstand mit einer bestimmten
Anzahl an Personen bilden.
Für die Haushaltsprognose wurde angenommen, dass sich die Haushaltsvorstandsquoten entlang der
bisher zu beobachtenden Trends entwickeln:
▪ Zunahme der Partnerschaften mit separater Haushaltsführung
▪ eine immer spätere Familiengründung bei jungen Menschen
▪ hohe berufliche Mobilität
▪ wachsende Zahl älterer Menschen infolge zunehmender Lebenserwartung und besser er Le-
bensqualität im höheren Alter
Diese Trends sprechen dafür, dass die Zahl der kleineren Haushalte mit ein oder zwei Haushaltsmit-
gliedern weiter steigen wird. Entgegen der sogenannten Status -Quo-Variante, bei der die ermittelten
Haushaltsvorstandsquoten über den gesamten Prognosezeitraum konstant gehalten werden und die
somit von einem unveränderten Haushaltsbildungsverhalten ausgeht, werden in der beschriebenen
Trendvariante die Verhaltensänderungen bei der Bildung von privaten Haushalten in die Zukunft fort-
geschrieben. Nach Einschätzung des Statistischen Bundesamtes stellt die Trendvariante „… somit ein
umfassenderes Zukunftsmodell dar“.75
Das Haushaltsvorstandsquotenverfahren ermöglicht es, den Umfang der privaten Haushalte differen-
ziert nach Größe und Haushaltstyp zu prognostizieren.
Haushalte mit Wohnungsbedarf
Die Wohnungsbedarfsprognose fußt auf der Bedarfsnorm, dass jedem Haushalt mit Wohnungsbedarf
eine eigene Wohnung zusteht. Während für eine Haushaltsprognose die Zahl und Struktur der privaten
Haushalte das entscheidende Ergebnis darstellt, ist für eine Wohnungsbedarfsprognose auf die Zahl
der Haushalte mit Wohnungsbedarf abzustellen. Beide Haushaltsbegriffe unterscheiden sich durch die
Einbeziehung bzw. den Ausschluss der Haushalte, die ein Un termietverhältnis eingehen und somit
75 S. Statistisches Bundesamt (2020): Entwicklung der Privathaushalte bis 2040, S. 8. Wiesbaden.
Wohnungsbedarfsprognose | Stadt Münster
90
keine eigene Wohnung nachfragen. Bei den Haushalten mit Wohnungsbedarf werden sie nicht einbezo-
gen, da sie nicht zu den Trägern des Wohnungsbedarfs zu rechnen sind.
Untermieterhaushalte
Die Zahl der Untermieterhaushalte errechnet sich durch die Verknüpf ung der verschieden großen Al-
tersgruppen der Münsteraner Bevölkerung mit altersspezifischen Untermieteranteilen, die auf der lan-
desweiten Mikrozensuserhebung beruhen. Übertragen auf Münster errechnen sich rund 3.100 Haus-
halte im Jahr 2021, die in dieser Wohnform leben. Sie findet sich vorzugsweise bei Studierenden sowie
bei Berufstätigen, die ihren Familienwohnsitz in einer anderen Kommune haben, weil sie zum Beispiel
nur zeitweise in Münster berufstätig sind.
Fluktuationsreserve
Der Wohnungsbestand sollte die Zahl der Haushalte mit Wohnungsbedarf um eine gewisse Leerwoh-
nungsreserve übersteigen, um Wohnungswechsel und Modernisierungsaktivitäten im Vorfeld einer er-
neuten Wohnungsbelegung zu ermöglichen. Die für die Funktions tüchtigkeit des Wohnungsmarktes
notwendige Fluktuationsreserve wird in Wohnungsmarktuntersuchungen üblicherweise bei 2 bis 3 Pro-
zent angesetzt, 1 Prozent bildet eine untere Marge für eine normativ gesetzte Reserve. 76
Die Besonderheiten am Münsteraner Wohnu ngsmarkt, nachrangig auch die bundesweite Anforderung
an einen klimaneutralen Umbau des Wohngebäudebestandes bis 2045, begründen eine obere Marge
in der Bestimmung der Fluktuationsreserve:
▪ junge Nachfragestruktur mit höherer Mobilität
▪ geringer Anteil an Ein- und Zweifamilienhäusern (mit typisch geringer Umzugstätigkeit)
Die Fluktuationsreserve wird somit bei 3 Prozent angesetzt.
Wohnungsbestand
Der Wohnungsbestand umfasst Wohnungen in Wohn - und Nichtwohngebäuden einschließlich Wohn-
heime. Seine jährlichen V eränderungen durch Zugänge in Form von Baufertigstellungen und Bauab-
gänge in Form von Gebäudeabbrüchen und Abgang durch Nutzungsänderung werden statistisch erfasst,
sofern es die Landesbauordnung BauO NRW vorsieht. Seit der novellierten BauO NRW, die Anfang 2019
in Kraft trat, ist für den Abbruch von freistehenden Gebäuden geringer Höhe und Umfang in bestimmten
Gebäudeklassen keine Baugenehmigung mehr notwendig. 77
In der Folge verzeichnet das statistische Landesamt deutliche Untererfassung der Wohnungsabg änge.
Diese sind in den Folgejahren landesweit um 60 Prozent gegenüber dem Zeitraum 2012 bis 2018 zu-
rückgegangen, in Münster um 70 Prozent. Umgerechnet beläuft sich die Untererfassung für Münster für
die Jahre 2020 und 2021, in denen die Neuerungen der Landesbauordnung voll zum Tragen kamen, auf
215 Wohnungen. Sie fließen als Fortschreibungsfehler in die Berechnungen ein und vermindern den
zum Startzeitpunkt der Prognose amtlich ausgewiesenen Wohnungsbestand.
Ferienwohnungsanteil
Wohnungen, die vom Eigentümer primär zu Erholungszwecken oder im Urlaub bewohnt oder als Feri-
enwohnungen vermietet werden, stehen dem allgemeinen Wohnungsmarkt nicht zur Verfügung. Nach
Angaben der Stadt Münster sind rund 200 Wohnungen bereits registriert worden. Es ist aber anhand
der Ferienportale für die Stadt Münster erkennbar, dass etliche Wohnungen noch nicht registriert sind.
76 Vgl. BBSR 2017: Lücken in der Leerstandsforschung – Wie Leerstände besser erhoben werden können. BBSR-Berichte Kom-
pakt 02/2017, S. 21. Bonn, GEWOS 2020 sowie InWIS 1994
77 Vgl. hierzu Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes Nordrhein-Westfalen 2019: BauO NRW
2018: Handlungsempfehlung auf Grundlage der Dienstbesprechungen mit den Bauaufsichtsbehörden, S. 49 ff. Düsseldorf.
Wohnungsbedarfsprognose | Stadt Münster
91
Darauf fußt ihre Schätzung, dass voraussichtlich 400 Wohnungen als Ferienwohnungen einzustufen
sind. Für diesen Wert spricht z udem, dass seit der damaligen Erfassung im Rahmen der Zensuserhe-
bung 2011 mit rd. 200 ausgewiesenen Ferienwohnungen ein bundesweit starker Anstieg von Airbnb -
Übernachtungen festzustellen ist, der sicherlich auch in Münster wirksam geworden und die Zahl der
Ferienwohnungen erhöht hat.
Verfügbare Wohnungen
Für den Prognosezeitraum wird der Wohnungsbestand des Ausgangsjahres zugrunde gelegt, eine Neu-
bautätigkeit fließt nicht ein. Allerdings wird berücksichtigt, dass sich der Bestand durch den Abgang
von Wohnungen verringert. Zum Umfang des Abgangs, auch Ersatzbedarf genannt, werden Annahmen
getroffen.
Der Wohnungsbestand ist um sogenannte Ferienwohnungen zu vermindern, da sie dem Wohnungs-
markt nicht als reguläre Wohnungen für eine dauerhafte Wohnnutzung in Fo rm einer Anmietung oder
für einen selbstnutzenden Käufer zur Verfügung stehen.
Ersatzbedarf
Der Ersatzbedarf berücksichtigt, dass sich der Wohnungsbestand, der den Haushalten mit Wohnungs-
bedarf stets gegenübergestellt wird, in den kommenden Jahren infolge von Abrissen, Wohnungszusam-
menlegungen und Umwidmungen von Wohn- in Gewerberäume verringern wird.
Die tatsächliche Höhe des Wohnungsabgangs kann nicht empirisch bestimmt werden, da nur Daten zum
statistisch erfassten Wohnungsabgang durch Abrisse vorliegen. Dieser beträgt in Münster im 10-Jahres-
Durchschnitt 0,15 Prozent des Wohnungsbestandes. Die amtliche Statistik weist damit für Münster eine
im Vergleich zum Regierungsbezirk oder dem Landesdurchschnitt spürbar erhöhte Abrissquote aus.
Dies verwundert nicht angesichts eines starken Nachfragedrucks am Wohnungsmarkt bei gleichzeitig
begrenzten Wohnbauflächenreserven, der die bauliche Ausnutzung vorhandener Grundstücke forciert.
Wohnungsmarktexperten gehen davon aus, dass die statistisch erfassten Wohnungsab gänge bundes-
weit lediglich ein Viertel bis ein Drittel aller Wohnungsabgänge umfassen 78. Zum statistisch nicht er-
fassten Abgang liegen keine empirisch gesicherten Informationen vor.
Da die tatsächliche Höhe des Wohnungsabgangs nicht empirisch bestimmt werden kann, muss die Höhe
der Wohnungsabgänge normativ bestimmt werden. Hierfür wird in Wohnungsmarktuntersuchungen
häufig eine Marge von 0,2 bis 0,3 Prozent des Wohnungsbestandes angenommen. In der Wohnungsbe-
darfsprognose des BBSR wird etwa ein Ersatzbedarf von 0,2 bis 0,3 Prozent zugrunde gelegt, wobei
die untere Marge bei Ein- und Zweifamilienhäusern und die obere Marge bei Mehrfamilienhäusern an-
gesetzt wird79. Die Wohnungsmarktprognose für Nordrhein-Westfalen nimmt eine durchschnittliche Ab-
gangsquote von 0,3 Prozent des Wohnungsbestandes pro Jahr an. 80 Sie setzt sich – wie in zahlreichen
Wohnungsmarktprognosen praktiziert – aus baualtersklassenspezifischen Abgangsquoten zusammen.
Auch in der vorliegenden Prognose wird der Wohnungsabgang in Münster anhan d von baualtersspezi-
fischen Abgangsquoten berechnet, wobei ältere Baualtersklassen naturgemäß höhere Abgangsquoten
als Wohnungen jüngeren Baualters aufweisen. Über den gesamten Wohnungsbestand gerechnet beläuft
sich der jährliche Wohnungsabgang in Münster auf 0,27 Prozent des Bestandes.
In prosperierenden Wohnungsmärkten wie Münster muss der Wohnungsabgang durch Neubau ersetzt
werden, es entsteht ein Ersatzbedarf. In schrumpfenden Regionen hingegen kann der Ersatzwohnungs-
neubau bereits ausreichen, um vorhandene Wohnungsbedarfe zu decken oder gänzlich entfallen.
78 InWIS 1994: S. 32; NRWBank 2011, S. 14f sowie GEWOS 2020: Wohnungsmarktgutachten, S. 163
79 Vgl. BBSR-Analysen Kompakt 07/2015 sowie Institut der deutschen Wirtschaft (2015): IW policy paper 24/2015, S. 7
80 GEWOS 2020: Wohnungsmarktgutachten S. 71
Wohnungsbedarfsprognose | Stadt Münster
92
Abbildung 48: Relevante Komponenten des quantitativen Bedarfs
Quelle: InWIS 2023, eigene Darstellung
Auswirkungen der Energie- und Wirtschaftskrise
Der Beginn des Ukraine -Krieges mit darauffolgenden Wirtschaftssanktionen gegen Russland und ein-
geschränkten bis ausbleibenden Erdgaslieferungen für die Wirtschaft und Privathaushalte in Deutsch-
land markiert einen Wendepunkt in der bundesdeutschen Wohnungsm arktentwicklung, der in einer
Wohnungsmarktprognose zu berücksichtigen ist. Ein gesunkenes Kaufkraftpotenzial bei den privaten
Haushalten infolge von Inflation und erheblichen Energiepreissteigerungen sowie stark gestiegene Hy-
potheken- / Kreditzinsen beend en eine lang anhaltende Hochphase am Wohnungsmarkt, die durch
starke Preissteigerungen geprägt war.
In der Folge sank das Neugeschäft der Baufinanzierungen für Kaufimmobilien bis Ende 2022 um 39
Prozent gegenüber dem Vorjahresniveau. Der Zinssatz für einen durchschnittlichen Immobilienkredit
mit zehnjähriger Festschreibung stieg seit Anfang 2022 von 1 Prozent auf zuletzt 3,8 Prozent, verbun-
den mit deutlich höheren finanziellen Belastungen für den Eigentumserwerb.81 Die Gruppe der Kapital-
anleger mit hohem Fremdfinanzierungsanteil hat sich aus Sicht der Baufinanzierungsinstitute aus dem
Wohnungsmarkt zurückgezogen. Bauträger und Wohnungsunternehmen stellen allerorts Bauvorhaben
zurück, bis wieder Planungssicherheit besteht und sich die Rahmenbedingungen für den Wohnungsbau
verbessern. Die Energieeffizienz von Bestandswohnungen steigt nach Einschätzung der Immobilien-
makler in die Kategorie der 3 Top-Merkmale für den privaten Wohnungskauf auf.
Das makroökonomische Umfeld bleibt schwer prognostizierbar. Trotzdem lassen sich gewisse Entwick-
lungstrends in einem ersten Ausblick aus heutiger Perspektive zeichnen:
▪ Wohnraum bleibt auch weiterhin dort knapp, wo er es schon vor Beginn der dargestellten Krise
war. Zu den aktuellen Gebieten mit Wohnungsknappheit zählen neb en Münster auch weitere
Stadtregionen mit prosperierenden Wohnungsmärkten. 82 Die Nachfrage nach Wohnraum ist
durch Zuzug, unter anderen aus der Ukraine, erheblich gestiegen. Allerdings können viele po-
tenzielle Eigentumserwerber die gestiegenen Finanzierung skosten nicht tragen. Ebenso wird
in der Wohnungsbranche davon ausgegangen, dass infolge der erheblichen Energiepreisstei-
gerungen und der Inflation die Zahlungsfähigkeit der meisten Mieterhaushalte in Bezug auf
Neubaumieten und Mieterhöhungen zu Beginn des Jahres 2023 äußerst begrenzt ist.83 Die Re-
form des Wohngeldes, die den Kreis der Berechtigten um den Faktor 3 erhöhen wird, wird al-
lerdings etwas Abhilfe schaffen.
81 Quelle: „Immobilienpreise sinken um bis zu zehn Prozent: Die Käufer kehren zurück“, Wirtschaftswoche 16. Jan. 2023
82 Vgl. MHKBD Nordrhein-Westfalen 2022: Entwurf einer „Rechtsverordnung zur Bestimmung von Gebieten mit einem ange-
spannten Wohnungsmarkt nach § 201a Satz 1 BauGB (BaulandmobilisierungsVO NRW)“
83 Vgl. ImmobilienZeitung Ausgabe 1-2/2023: Der Druck auf die Vermieter wächst.
Demografischer
Bedarf
Ersatzbedarf
Quantitativer Bedarf
+
Verfügbarer
Wohnungsbestand-
Haushalte mit
Wohnungsbedarf
Fluktuationsreserve
+ =
Wohnungsbedarfsprognose | Stadt Münster
93
▪ Die gedrosselte Nachfrage nach Wohnraum ist mindestens bis Ende 2023 anzunehmen (Zeit-
raum des 150- bis 200-Milliarden-Rettungsschirms („Doppel-Wumms“) der Bundesregierung
zur Energieversorgung und Preisbegrenzung für Gas sowie Mindest-Zeitdauer der wirtschaftli-
chen Folgen des Krieges für Deutschland)
▪ Der Nachfragerückgang trifft die Teilmärkte in unterschiedlichem Maße:
▪ Es ist ein Rückgang der Nachfrage nach Wohneigentum sowie Preisrückgänge bei Neubau -
und Bestandswohnungen festzustellen84
▪ Es wird mit einer vermehrten Konkurrenz am Mietwohnungsmarkt zum Nachteil einkom-
mensschwacher Haushalte gerechnet. Denn d ie Nachfrage auf de n prosperierenden Woh-
nungsmärkten ist sehr groß85
▪ Es ist eine steigende Nachfrage nach kleineren, günstigen Wohnungen in den Großstädten
festzustellen86
▪ Der geförderte Wohnungsbau gewinnt bei einigen institutionellen Anlegern an Bedeutung,
da er zwar niedrige, aber zuverlässige Renditen erwirtschaften kann 87
Die im Rahmen der vorliegenden Wohnungsmarktstudie befragten Münsteraner Marktexperten weisen
darauf hin, dass die Zahl der Nachfrager nach Wohnraum innerhalb des Stadtgebietes und der Region
Münster ab Mitte 2022 um rund ein Drittel zurückgegangen sei. Diese Aussage spiegelt die Ergebnisse
der bundesweiten Analysen zum Wohnungsmarkt.
In der vorliegenden Wohnungsbedarfsprognose wird daher angenommen, dass rund ein Drittel der
Haushalte mit Wohnungsbedarf ihre Wohnbedarfe kurzfristig bis Ende 2023 zurückstellen werden oder
im Falle einer angestrebten Wohneigentumsbildung ggf. auch aufgeben und in den bisherigen Wohn-
verhältnissen weiterleben werden. Der kurzfristige Effekt lässt sich kaum zuverlässig im Ra hmen der
Haushaltsprognose darstellen. Von daher wird der Nachfragerückgang durch eine Verminderung der
für 2022 und 2023 berechneten Wohnungsbedarfe um ein Drittel berücksichtigt.
10.3.3 Qualitativer Bedarf
Die Prognose des qualitativen Wohnungsbedarfs konzent riert sich nicht auf die reine Gegenüberstel-
lung von Haushalten und vorhandenen Wohnungen, sondern richtet sich auf die Frage, welche Wohn-
qualitäten am Markt bedarfsgerecht durch Neubau geschaffen werden sollten, weil sie im vorhandenen
Wohnungsbestand nic ht in hinreichendem Maße vorhanden sind. In prosperierenden Regionen wie
Münster ist der quantitative Bedarf erfahrungsgemäß groß genug, um die verschiedenen Präferenzen
der Haushalte zu bedienen.
Ausschlaggebend für die Ermittlung der qualitativen Bedarf e sind die verschiedenen Haushaltstypen
und ihre veränderte Zusammensetzung im Zeitverlauf. Das Alter und die Größe eines Haushalts sind
ausschlaggebend dafür, ob etwa für die Befriedigung des Wohnbedarfs eine kleinere Geschosswohnung
für den jungen Hausha ltsgründer ausreicht, oder für eine wachsende Gruppe von Familienhaushalten
größere Wohnungen, ggf. auch im individuellen Wohnungsbau, am Markt benötigt werden. Auch ver-
änderte Ansprüche an das Wohnen, also Veränderungen in den Wohnpräferenzen, können qual itative
Bedarfe auslösen. Dies kann zum Beispiel die Qualitätsmerkmale Barrierefreiheit oder hohe
84 Vgl. Wirtschaftswoche Ausgabe 16. Januar 2023: Immobilienpreise sinken um bis zu 10 %: Die Käufer kehren zurück
85 Vgl. NRW.BANK 2022: Wohnungsmarktbericht NRW 2022, S.42 sowie Wirtschaftswoche 29.09.2022: Wohnimmobilien - statt
der Preise boomen nun die Mieten.
86 Vgl. Wirtschaftswoche Ausgabe 16. Januar 2023: Immobilienpreise sinken um bis zu 10 %: Die Käufer kehren zurück.
87 Der geförderte Wohnungsbau gewinnt bei einigen institutionellen Anlegern an Bedeutung, da er zwar niedrige, aber zuver-
lässige Renditen erwirtschaften kann; vgl. dazu ImmobilienZeitung 25.11.2022: Industria hält Sozialwohnungen für rendite-
trächtiger als frei finanzierte sowie ImmobilienZeitung 6.10.22: Dann eben ins geförderte Wohnen
Wohnungsbedarfsprognose | Stadt Münster
94
Energieeffizienz betreffen, die zu Nachfrageverschiebungen in Richtung Neubauqualitäten führen kön-
nen. Bei der Prognose der qualitativen Bedarfe stehen die Wohnungsgrößen, die Wohnform Ein-/Zwei-
familienhaus versus Mehrfamilienhaus und die Präferenz für Neubauqualitäten im Mittelpunkt.
Qualitative Neubaubedarfe kommen vorzugsweise in Regionen mit einer rückläufigen Zahl von Haus-
halten zum Tragen, wenn die verän derten Wohnqualitäten im Bestand nicht vorzufinden sind und die
ermittelten quantitativen Neubaubedarfe zu gering oder auch nicht vorhanden, um sie im Neubau zu
schaffen. Man denke an die Schrumpfungsregionen in Deutschland, in denen genug Wohnraum vorhan-
den ist, um rechnerisch betrachtet jeden Haushalt mit einer Wohnung zu versorgen. Dennoch wird auch
dort Wohnungsbau betrieben, der am Markt aufgenommen wird, weil er einem Bedarf entspricht. Dies
kann den Neubau von Eigenheimen betreffen, die moderne Grund risse und Ausstattungen aufweisen,
die im vorhandenen Eigenheimbestand nicht vorzufinden sind, oder den Neubau von Miet - und Eigen-
tumswohnungen mit Qualitätsmerkmalen wie Barrierefreiheit, die für eine wachsende Zahl von Senio-
renhaushalten besonders bedarfsgerecht sind.
Allerdings erhöht in den schrumpfenden Regionen jeder Neubau, für den nicht ein Bestandsgebäude
abgerissen wird, den Druck auf den Bestand und das Leerstandsrisiko. Die Neubauprozesse in diesen
Regionen werden in der Regel über die beiden Bedarfskomponente der Präferenz für Neubauqualitäten
und / oder Präferenz für Wohnungsgrößen abgebildet.
Die Ermittlung der Präferenzen für Wohnformen, Neubauqualitäten und Wohnungsgrößen beruht auf
Auswertungen von Datensätzen zur Wohnsituation, die im Rahmen der Mikrozensus-Zusatzerhebungen
erhoben werden. Die Erhebungen finden in einem Vier -Jahres-Rhythmus statt, die aktuellste Erhebung
wurde im Jahr 2018 durchgeführt.
Präferenz für Wohnformen
Die Präferenz für bestimmte Wohnformen wurde in der vorliegen den Wohnungsbedarfsprognose für
Münster ermittelt, um den quantitativen Wohnungsneubaubedarf in qualitativer Hinsicht näher zu be-
stimmen. Unterschieden wurde zwischen Wohnungen im Mehrfamilienhaus oder im Ein- und Zweifami-
lienhaus. Die Nachfrage nach den Wohnformen ist vom Alter des Haushalts abhängig: Die Präferenz für
eine Wohnung im Ein - oder Zweifamilienhaus steigt bei einem Haushaltsvorstand bis zum Alter von
rund 50 Jahren sukzessive an. Sie unterscheidet sich aber noch stärker in Abhängigkeit von der Ge-
meindegrößenklasse: Während in Kleinstädten ca. 80 Prozent der Haushaltsvorstände ab 50 Jahren im
Eigenheim lebt, sind es in Großstädten lediglich ca. 25 Prozent. Hierbei spielen die Siedlungsdichte
(stellvertretend für das vorherrschende Wohnungsangebot), aber auch das Bodenpreisniveau eine ent-
scheidende Rolle für die Wahl der Wohnform. Der Bedarf an Wohnungen in Mehrfamilienhäusern er-
rechnet sich durch die Differenz zwischen dem Gesamtbedarf an Wohnungen (quantitativer Bedarf) und
dem Bedarf an Wohnungen in Ein- und Zweifamilienhäusern.
Bei einer rein quantitativen Betrachtung der Wohnungsbedarfe kann der Bedarf an Wohnungen in Ein -
und Zweifamilienhäusern auch durch ein verstärktes Angebot an Wohnungen in Mehrfamilienhäusern
ausgeglichen werden. Diese Nachfrageverschiebungen sind bereits im Rahmen von Generationenwech-
seln in älteren Eigenheimgebieten beobachtet worden, sofern ein attraktives Angebot an altengerech-
ten Wohnungen in der nachgefragten Qualität zur Verfügung stand. In der vorliegenden Wohnu ngsbe-
darfsprognose sind solche Nachfrageverschiebungen jedoch nur in Ansätzen berücksichtigt worden,
indem die altersspezifischen Anteile der Präferenz für Ein - und Zweifamilienhäuser bei Seniorenhaus-
halten leicht vermindert in die Zukunft fortgeschrieben wurden.
Wohnungsbedarfsprognose | Stadt Münster
95
Abbildung 49: Relevante Komponenten des qualitativen Bedarfs
Quelle: InWIS 2023, eigene Darstellung
10.4. Bilanzierung der Wohnbaupotenziale
Für die Bilanzierung der Wohnbaupotenziale in Münster wurden alle nach derzeitigem Kenntnisstand
bis 2038 verfügbaren Potenziale miteinbezogen. Folgend werden die Bilanzierung und die Annäherun-
gen an die zukünftigen Wohnbaupotenziale genauer erläutert.
Potenziale durch Restkapazitäten in bestehenden Baugebieten
Zum Stichtag 31.12.2021 war für rd. 80 Prozent der Bauplätze in Baugebieten mit Restkapazitäten be-
kannt, dass sich dort Wohnbauvorhaben in Umsetzung (erteilte Baugenehmigung) sowie in Vorberei-
tung (Vermarktung bzw. geplante Bebauung bekannt) befinden. Für rd. 17 Prozent der Bauplätze lagen
keine weiteren Informationen vor. Erfahrungsgemäß ist davon auszugehen, dass von diesen Flächen
u.a. aufgrund fehlender liegenschaftlicher Verfügbarkeit – nur ein kleinerer Teil jährlich aktiviert wer-
den kann.88 Mit Blick auf den längeren Betrachtungszeitraum bis zum Jahr 2038 wurde für das vorlie-
gende Gutachten die optimistische Einschätzung getroffen, dass diese trotzdem nahezu gänzlich akti-
viert werden können und insgesamt 90 Prozent der auf den Flächen geplanten Wohneinheiten bis 2038
errichtet werden können.
Potenziale durch zukünftige „spontane Bautätigkeit“
Die „spontane Bautätigkeit“ beinhaltet die Bebauung von Baulücken, Nachverdichtungen, den Ausbau
im Bestand (bspw. Dachgeschossausbauten und -aufstockungen) sowie den Abriss von Gebäuden mit
entsprechendem Neubau auf der Fläche, sofern diese ohne die Aufstellung eines Bebauungsplans oder
andere Initiativen der Stadt Münster durchführbar sind. Die jährlichen Baufertigstellungen durch die
„spontane Bautätigkeit“ beinhalten damit weitestgehend die bisherige Nutzung der Innenentwick-
lungspotenziale der Stadt Münster.
In einer Studie des BBSR zu den Innenentwicklungspotenzialen in Deutschland gibt der Großteil der
befragten Kommunen an, dass die Innenentwicklungspotenziale zukünftig abnehmen oder stagnieren
werden. In Großstädten – wozu auch Münster zählt – wird hingegen überwiegend von einer Abnahme
ausgegangen.89 Die Erfahrungswerte der Stadt Münster sowie die befragten Marktexperten – darunter
auch Wohnungsunternehmen mit Beständen in Münster – bestätigen diese Einschätzung. Insbesondere
durch die intensive Aktivierung und Nutzung vorhandener Potenziale in den vergangenen Jahren, wur-
den diese zu einem großen Teil bereits ausgeschöpft. Die institutionellen Anbieter haben ihre vorhan-
denen Potenziale im Bestand in der Vergangenheit weitestgehend genutzt. Daraus erg ibt sich für
88 Stadt Münster 2022: Bericht zur Wohnbaulandentwicklung 2021. Anlage 1 zur Vorlage V/0196/2022.
89 Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) Hg. 2013: Innenentwicklungspotenziale in Deutschland, S.5
Qualitativer Bedarf
Haushalte mit
Wohnungsbedarf
Haushalte mit
Wohnungsbedarf
Haushalte mit
Wohnungsbedarf
x
x
x
Präferenzen für
Wohnungsgrößen
Präferenzen für
Wohnformen
Präferenzen für
Neubauqualitäten
Wohnungsbedarfsprognose | Stadt Münster
96
Münster, dass die hohe spontane Bautätigkeit der letzten Jahre langfristig nicht beibehalten werden
kann, da diese durch die Bauaktivitäten der institutionellen Anbieter stark mitgeprägt war, welche nun
ihre Potenziale (Nachverdichtung, Dachgeschossausbau) weitgehend ausgeschöpft sehen.
Für die Vorausschätzung der zukünftigen „spontanen Bautätigkeit“ wird auf die bisherigen Baufertig-
stellungen geblickt und anhand der dargestellten Erkenntnisse und Erfahrungswerte eine Einschätzung
für Zukunft getroffen. In den vergangenen 10 Jahren sind jährlich rd. 960 Wohnungen durch die spon-
tane Bautätigkeit entstanden. Im Durchschnitt der vergangenen 5 Jahre – von 2017 bis 2021 – wurden
dabei jährlich 830 Wohnungen durch die „spontane Bautätigkeit“ geschaff en, während es in den fünf
Jahren zuvor (2012 bis 2016) noch rd. 1.090 Wohnungen waren. Es zeigt sich somit eine Abnahme der
Baufertigstellungen um rd. 25 Prozent innerhalb von fünf Jahren. Für die nächsten fünf Jahre ab 2022
wird als Ausgangsgröße angenommen, dass jährlich rd. 750 Wohnungen durch „spontane Bautätigkeit“
geschaffen werden kann. Dieser Wert wurde auch von der Stadt Münster als Rechengröße für die nächs-
ten Jahre angenommen und basiert auf den bisherigen Baufertigstellungen und den Erfahrungsw erten
der Stadt zur zukünftigen Entwicklung. Dahinter steht die Annahme, „dass zum einen durch die erhöhte
Bautätigkeit in neuen Baugebieten der Druck auf die Nachverdichtung nachlassen wird und zum ande-
ren das Potenzial an nicht -ausgebauten Dachgeschossen und Baulücken nicht unbegrenzt vorhanden
ist“.90 Dabei ist davon auszugehen, dass durch die intensive Aktivierung dieser Potenziale zukünftig
immer weniger Potenziale in einem abnehmenden Umfang zur Verfügung stehen, was sich – wie bereits
der Vergleich der Bautätigkeit der letzten 10 Jahre zeigt – in einer zunehmend rückläufigen Baufertig-
stellungszahl niederschlägt. Aufbauend auf den Baufertigstellungszahlen der vergangenen Jahre sowie
den dargestellten Schwierigkeiten und dem zunehmenden Ausschöpfen der Potenziale wird angenom-
men, dass die „spontane Bautätigkeit“ im Laufe des Betrachtungszeitraums bis 2038 alle 5 Jahre um
rd. 25 Prozent abnehmen wird. Im Ergebnis können demnach bis 2038 voraussichtlich 9.300 Wohnein-
heiten durch zukünftige „spontane Bautät igkeit“ geschaffen werden. Die Potenziale im Umfang von
9.300 Wohneinheiten entsprechen rd. 40 Prozent der gesamtstädtischen Wohnbaupotenziale, was
deutlich macht, dass die Innenentwicklungspotenziale in Münster auch zukünftig eine große Relevanz
haben werden.
Potenziale basierend auf dem Baulandprogramm 2022
Das Baulandprogramm führt die Baugebiete auf, für die eine Entwicklung in den nächsten Jahren ge-
plant ist. Die Flächen des Baulandprogramms (BLP) unterscheiden sich somit von anderen generellen
Flächenpotenzialen basierend auf FNP, Regionalplan, Stadtentwicklungskonzepten und dem Wohn-
siedlungsflächenkonzept 2030 dahingehend, dass sie liegenschaftlich gesichert sind (im Sinne der An-
forderungen gemäß SoBo Münster, d. h. liegenschaftlicher Erwerb von mind estens 50 Prozent eines
Baugebiets im Außenbereich bzw. liegenschaftliche Verfügbarkeit und grundsätzliche Bereitschaft zur
Umsetzung der wohnungspolitischen Zielsetzungen durch den Vorhabenträger) und die Flächen plane-
risch grundsätzlich geeignet sind und dass K.O.-Kriterien für eine Entwicklung (u. a. landwirtschaftliche
Geruchsimmissionen, fehlende Erschließungsmöglichkeiten etc.) bereits grob geprüft wurden. Ferner
wurde durch die Aufnahme in das Baulandprogramm eine Entwicklungsabsicht der Stadt bis 20 30 be-
kundet. Daher kann von einer erhöhten Realisierungswahrscheinlichkeit ausgegangen werden.
Sofern gemischte Bauflächen (Mischgebiete, Urbane Gebiete, Kerngebiete) geplant und entwickelt wer-
den, werden die jeweiligen Wohnanteile ebenfalls im Baulandpro gramm berücksichtigt. Dies betrifft
(neben den hier nicht betrachteten Baugebieten 519 -02 Gievenbeck – Neues Urbanes Stadtquartier
Steinfurter Straße und 812-03 Gremmendorf – Neues Urbanes Stadtquartier Kanalkante Südost, s. u.)
derzeit aber nur drei Baugebiete (Gievenbeck – Neues Urbanes Stadtquartier Busso-Peus-Straße sowie
Mitte – Klosterareal Pluggendorf und Mitte - Neuhafen), weitere neue Baugebiete, die sich – neben
gewerblichen oder anderen Nutzungen – auch zum Wohnen eignen, sind derzeit und perspek tivisch
nicht in der Entwicklung, da sich entsprechende (i. d. R. zentraler gelegene) Flächen nicht im Eigentum
90 Stadt Münster 2019: Planungswerkstatt 2030. Dokumentation des Prozesses zur Erarbeitung des Wohnsiedlungsflächenkon-
zepts 2030, S.14
Wohnungsbedarfsprognose | Stadt Münster
97
der Stadt Münster befinden und auch keine weiteren derartigen von der Stadt befürworteten Anträge
privater Wohnungsbauunternehmen vorliegen.
Enthalten sind im Baulandprogramm auch die Größenordnung (Anzahl der geplanten Wohneinheiten)
und das ungefähre Jahr der geplanten Baureife. Daher werden – bis auf die folgenden Ausnahmen –
alle Baugebiete des BLP 2022 in dem vorliegenden Gutachten als Wohnbaupotenzial mit erhöhter Re-
alisierungswahrscheinlichkeit gezählt. Die folgenden drei Baugebiete werden jedoch aufgrund ihrer
Besonderheiten nicht berücksichtigt, obgleich sie im Baulandprogramm (noch) enthalten sind:
▪ 519-02 Gievenbeck - Neues Urbanes Stadtquartier Steinfurter Straße mit geplanten 2.000
Wohneinheiten (Fläche der in Prüfung befindlichen städtebaulichen Entwicklungsmaßnahme)
▪ 812-03 Gremmendorf - Neues Urbanes Stadtquartier Kanalkante Südost mit geplanten 2 .000
Wohneinheiten (Fläche der in Prüfung befindlichen städtebaulichen Entwicklungsmaßnahme)
– gem. Ratsbeschluss vom 22.03.2023 ist nunmehr aufgrund der Kombination mit gewerbli-
chen Nutzungen von einer Zielgröße von 1.300 Wohneinheiten auszugehen
▪ 714-04 Mauritz Ost - westl. Mondstraße/südl. Hans -Bredow-Weg (WDR) mit anvisierten 120
Wohneinheiten (Diese Fläche wurde vom Eigentümer in der Entwicklung zwischenzeitlich zu-
rückgestellt)
Für die übrigen 38 Baugebiete des Baulandprogramms 2022 ist im Baulandprogra mm die zu erwar-
tende Anzahl an Wohnungen aufgeführt. Je nach Gebietsart und Fortschritt der Baulandentwicklung
wird diese folgendermaßen ermittelt:
▪ Bei Baugebieten auf Außenbereichsflächen, die noch ganz am Anfang der Planung stehen, wird
die Anzahl der möglichen Wohnungen auf Basis von durchschnittlichen Dichtewerten aus der
Erfahrung bzw. den politischen Zielvorgaben (vgl. Wohnsiedlungsflächenkonzept 2030) ande-
rer Baugebietsentwicklungen ermittelt. Es wird bei diesen i. d. R. eher äußeren Lagen davon
ausgegangen, dass etwa zwei Drittel des Bruttobaulandes als Nettobauland zur Verfügung ste-
hen und dort etwa 55 - 65 Wohnungen je Hektar errichtet werden können. Die genaue Lage und
Situation entscheiden darüber, ob dabei eher der untere oder der obere Wert da bei herange-
zogen werden kann.
▪ Sofern diese Baugebiete ausnahmsweise eine zentralere Lage (innenstadtnahe Lage) aufwei-
sen, wird ein konkreter Dichtewert (GFZ) für die Planung angenommen, der – kombiniert mit
dem o. a. Brutto-Netto-Verhältnis – eine erreichbare Bruttogeschossfläche ergibt. Diese ermit-
telte Fläche wird dann in Wohnungen umgerechnet. Bezogen auf die hier betrachteten Flächen
trifft dies nur auf das Baugebiet 513 -07 Gievenbeck – Neues Urbanes Stadtquartier Busso -
Peus-Straße, hier wird gem. Ratsbeschluss mit einer GFZ von 1,6 gearbeitet. Diese beinhaltet
jedoch auch über das Wohnen hinausgehende Nutzungen (Wissenschaftliche Einrichtungen
und Institute, Dienstleistungen, Soziale Infrastruktur) (die ebenfalls davon betroffenen Bau-
gebiete 519 -02 Giev enbeck – Neues Urbanes Stadtquartier Steinfurter Straße und 812 -03
Gremmendorf – Neues Urbanes Stadtquartier Kanalkante Südost werden hier nicht weiter be-
trachtet, s. o.).
▪ Für Baugebiete, für die bereits ein vom zuständigen Gremium (Stadtrat, Planungsaussc huss)
beschlossener städtebaulicher Entwurf bzw. ein Bebauungsplan( -Entwurf) vorliegt, werden
die Wohnungen anhand dieser konkreten Planungen ermittelt (ebenfalls als Umrechnung über
die GFZ beim Geschosswohnungsbau sowie nach der Anzahl der vorgeschlagene n Baugrund-
stücke im individuellen Wohnungsbau für freistehende Einfamilien -, Doppel- und Reihenhäu-
ser).
Wohnungsbedarfsprognose | Stadt Münster
98
▪ Für eingeleitete vorhabenbezogene Planungen wird auf die konkreten Angaben des Vorhaben-
trägers zurückgegriffen.
Bei den Baugebieten, für die gemäß Baulandprogramm eine Baureifmachung bis 2030 geplant ist, wird
davon ausgegangen, dass diese auch bis 2038 Baufertigstellungen aufweisen. Im Detail wurde dabei
eine Einschätzung seitens der städtischen Verwaltung vorgenommen, wann in den jeweiligen Bauge-
bieten entsprechende Baufertigstellungen zu erwarten sind. Diese Einschätzung basiert auf den Er-
kenntnissen aus der Entwicklung von Baugebieten in der Vergangenheit, die über ein umfangreiches
Baulandmonitoring nachgehalten werden.
In der vom Rat der Stadt v erabschiedeten Beschlussvorlage zum Baulandprogramm sind aber auch
neun weitere Wohnbaupotenziale aufgeführt, deren Entwicklung erst für spätere Jahre (nach 2030)
anvisiert wird. Deren konkrete Entwicklung hat der Rat allerdings explizit noch nicht beschlo ssen. Für
sechs dieser Flächen muss daher nach aktuellem Kenntnisstand und den derzeitigen Rahmenbedingun-
gen davon ausgegangen werden, dass dort die Baureife und die darauffolgenden Baufertigstellungen
erst später in den Jahren nach 2038 oder gar nicht erreicht werden kann: Zwei der letztgenannten Flä-
chen (Sprakel – östlich Bahn und Albachten – Steinbrede) sind derzeit im Flächennutzungsplan als
gewerbliche Bauflächen dargestellt, sodass hier eher von einer anderen Nutzung auszugehen ist, drei
der Flächen (Sentrup – Südlich Schmeddingstraße, Kinderhaus – Südlich Moorhock und Gremmendorf
– Westlich Frankenweg) stellen einen Eingriff in die Grünordnung dar, sodass es unklar ist, ob diese
überhaupt entwickelt werden und zuletzt gibt es ein Baugebiet (Roxel – Südlich Tilbecker Straße
Teil 1), welches nur im Zusammenhang mit einer benachbarten Fläche entwickelt werden kann, hier
gibt es jedoch noch liegenschaftliche Probleme. Diese sechs Flächen mit einem Gesamtpotenzial von
rd. 680 Wohneinheiten werden daher in der Bilanzierung der Wohnbaupotenziale in diesem Gutachten
nicht berücksichtigt, weil – analog zu den weiteren Potenzialen basierend auf FNP, Regionalplan,
Stadtentwicklungskonzepten und Wohnsiedlungsflächenkonzept 2030, s. u. – jedenfalls nicht beide
Kriterien (grundsätzliche liegenschaftliche Verfügbarkeit und grundsätzlich keine unüberwindbaren
planerischen Hindernisse) kumulativ erfüllt sind.
Im Ergebnis zeigt sich, dass für den Großteil der Baugebiete des Baulandprogramms sowohl die Bau-
reife als auch entsprechende Baufertigstellungen bis 2038 mit erhöhter Wahrscheinlichkeit angenom-
men werden können. Dabei muss berücksichtigt werden, dass, auch wenn die Stadt die Baugebiete bis
zur Baureife entwickelt und anschließend vermarktet, nicht alle Grundstücke a uch direkt bebaut wer-
den. Teilweise ergeben sich Verzögerungen bei der Vermarktung und Bebauung, teilweise halten die
(Vor-)Eigentümer bewusst einen Teil der Grundstücke für eine spätere Vermarktung oder Bebauung
zurück. Aus den genannten Gründen kann somi t nicht angenommen werden, dass diese im BLP 2022
geplanten Wohneinheiten auch in vollen Umfang bis 2038 erreicht werden können. In einer optimisti-
schen Schätzung wird jedoch davon ausgegangen, dass die anvisierten Wohneinheiten bis 2038 zu 90
Prozent errichtet werden können. Eine Entwicklung der Potenziale im vollen Umfang scheint aus unter-
schiedlichen Gründen nicht realistisch, dazu zählen u. a. die derzeit erkennbaren Verschiebungen bei
den Baufertigstellungen, das Zurückstellen von Bauvorhaben durch Inv estoren, welches sich zusam-
men bereits jetzt in einem Bauüberhang (d. h. genehmigte, aber noch nicht fertiggestellte Wohnungen)
und einem auch bundesweit zu geringen Fertigstellungsniveau zeigt. Diese Prozesse zeigen sich auch
in Münster und werden Auswirkungen auf die geplanten Fertigstellungen in den Baugebieten des Bau-
landprogramms haben und dort höchstwahrscheinlich zu Verzögerungen führen. Ein anderer Aspekt
sind auch mögliche Änderungen bei den geplanten Baugebieten bspw. hinsichtlich des Umfangs der
geplanten Wohneinheiten. So können beispielsweise großzügigere Grünflächen und größere Wohnun-
gen zu einer geringeren Bedarfsdeckung führen.
Der Ansatz von 90 Prozent wurde eher hoch gewählt, um die Bedarfsdeckung möglichst auf der sicheren
Seite darzuste llen. Ein niedrigerer Ansatz im Rahmen der Wertermittlung wegen höherem Realisie-
rungsrisiko (§ 42 ImmoWertV) ist damit nicht ausgeschlossen.
Wohnungsbedarfsprognose | Stadt Münster
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Tabelle 9: Einbezogene Flächen des Baulandprogramms
Quelle: InWIS 2023, Datenbasis: Stadt Münster
Potenziale basierend auf FNP, Regionalplan, Stadtteilentwicklungskonzepten und Planungs-
werkstatt 2018
Die Stadt Münster verfügt laut des derzeitigen Flächennutzungsplans (FNP), des Regionalplans, meh-
rerer Stadtteilentwicklungskonzepte sowie der 2018 durchgeführten Planungswerkstatt (abgeschlos-
sen durch das Wohnsiedlungsflächenkonzept 2030) auch über weitere, planerische Wohnbauflächen-
potenziale.
Bei diesen Wohnbauflächenpotenzialen handelt es sich um Flächen, die zwar grundsätz lich positiv auf
ihre Eignung für eine Wohnbauentwicklung vorgeprüft wurden (im Rahmen der Aufnahme in den jewei-
ligen o. a. Plan bzw. das Konzept). Die liegenschaftliche Sicherung (im Sinne der Anforderungen gem.
SoBo Münster, d. h. liegenschaftlicher Erwerb von mindestens 50 Prozent eines Baugebiets im Außen-
bereich bzw. liegenschaftliche Verfügbarkeit und grundsätzliche Bereitschaft zur Umsetzung der woh-
nungspolitischen Zielsetzungen durch den Vorhabenträger) und das Fehlen grundsätzlicher Planungs-
hindernisse sind jedoch anders als beim Baulandprogramm nicht Voraussetzung.
Die Stadt Münster hat daher alle diese Wohnbaupotenzial-Flächen – auch jene, die nicht in der Vorlage
zum BLP für spätere Jahre vorgemerkt sind – hinsichtlich der drei Kategorien (Liegenschaften, Planung,
Priorität – Einstufung jeweils als „positiv“, „neutral“ oder „negativ“) und eine mögliche Realisierung
von Wohnungen bis 2038 geprüft.
Zunächst wurde eine liegenschaftliche Erst-Einschätzung zu den einzelnen Flächen durchgeführt: Posi-
tiv gewertet wurden hier Flächen, die entweder der Stadt Münster gehören, von dieser bereits rechts-
verbindlich gesichert wurden oder bereits positive erste liegenschaftliche Gespräche mit den
Wohnungsbedarfsprognose | Stadt Münster
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jeweiligen Eigentümern stattgefunden haben. Nur Flächen, die hier z umindest eine „neutrale“ Einstu-
fung erhalten, kommen in die engere Auswahl.
Weiterhin wurde für alle Flächen eine Einschätzung zu den planerischen und planungsrechtlichen Rest-
riktionen durchgeführt: Positiv gewertet wurde hier, wenn derzeit keine für die Stadt erkennbaren pla-
nerischen Restriktionen bestehen und die Fläche auch derzeit bzw. perspektivisch nicht für andere
Nutzungen (bspw. Gemeinbedarf oder andere als Wohnnutzung) vorgesehen ist. Planungsrechtliche
Restriktionen bestehen oftmals in Form von landwirtschaftlichen Emissionen, ggf. auch in Bezug auf
den Artenschutz oder andere Belange.
Als Drittes wurde die zeitliche Priorität der Fläche hinsichtlich einer möglichen Entwicklung geprüft:
Positiv gewertet wurden hier insbesondere mittlere (ab ca. 5 ha) und größere (ab ca. 10 ha) potenzielle
Baugebiete. Nachteilig ist die Tatsache, dass eine Fläche aus siedlungsstrukturellen Gründen erst zu
einem späteren Zeitpunkt entwickelt werden kann, da zuvor andere Flächen in diesem Stadtteil entwi-
ckelt werden müssen oder die Tatsache, dass die vorhandene soziale Infrastruktur bei einer zeitnahen
Entwicklung überlastet würde.
Im Ergebnis wurden dann jene Flächen in diesem Gutachten mitaufgenommen, bei denen in mindestens
zwei der drei Kategorien eine positive Einstufung erwartet wird und bei denen die liegenschaftliche
Prüfung zumindest „neutral“ ist.
▪ Prüfungsstufe 1: Mindestens neutrale Grundstücksverfügbarkeit
▪ Prüfungsstufe 2: Einstufung hinsichtlich Grundstücksverfügbarkeit, Planungsrestriktionen, er-
höhte Priorität)
▪ Prüfungsstufe 3: Wertung mindestens zwei Kriterien positiv.
Für insgesamt vier Flächen konnte bei mindestens zwei Kategorien eine positive Einschätzung bei min-
destens neutraler liegenschaftlicher Verfügbarkeit abgegeben werden, sodass dort zumind est theore-
tisch bis 2038 sowohl eine Baureife als auch entsprechende Baufertigstellungen und Wohnungsbezüge
möglich sind. Für diese Flächen gilt, dass planerische und planungsrechtliche Restriktionen im o. a.
Sinne nach derzeitiger Kenntnis nicht vorliegen bzw. diese planerisch zu bewältigen sind. Dabei han-
delt es sich um folgende Flächen:
▪ Gelmer – Südlich Eckernheide: Diese Fläche wurde im Rahmen der Planungswerkstatt 2018
identifiziert und im Zuge des Wohnsiedlungsflächenkonzepts 2030 vom Rat als geeignet e
Wohnbaupotenzialfläche beschlossen. Darüber hinaus ist sie Teil des Stadtteilentwicklungs-
konzepts Handorf / Gelmer / Sudmühle / Mariendorf. Die Fläche ist bedeutend für die weitere
Ortsteilentwicklung in Gelmer, da damit der relativ kleine Stadtteil inkl . einer rudimentären
Nahversorgung gestärkt werden kann und mit einer weiteren Wohnbauentwicklung auch eine
Verlagerung der Grundschule erfolgen könnte.
▪ Sentrup – im Bereich Fliednerstraße / Albert -Einsteinstraße: Hierbei handelt es sich um ein
FNP-Potenzialfläche (heutige Darstellung: SO), für die dargestellte SO-Nutzung wird die Fläche
nach heutiger Sicht nicht mehr benötigt. Aufgrund der zentralen, innerstädtischen Lage und
ihrer Größe stellt sie ein besonders Potenzial dar.
▪ Roxel - Östl. Pienersallee und südl. Meckelbach: Aufgrund der unmittelbaren Nähe zum Bahn-
haltepunkt Roxel weist die Fläche eine besondere Lagegunst auf und entspricht dem Leitbild
einer SPNV-bezogenen Siedlungsentwicklung.
Wohnungsbedarfsprognose | Stadt Münster
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▪ Nienberge - Häger Erweiterung : Im Rahmen des Stadtteilentwi cklungskonzeptes Nienberge
und Häger wurde als eine zu verfolgende Maßnahme festgehalten, den Ortsteil Häger weiter
auszubauen. Hierzu wird bereits eine Rahmenplanung erarbeitet. Hintergrund ist die Lage an
einem Schienenhaltepunkt, sodass auch diese Fläch e dem Leitbild einer SPNV -bezogenen
Siedlungsentwicklung entspricht. Aufgrund der Größe der geplanten Gesamtentwicklung und
der Erforderlichkeit, den Ortsteil in seiner Entwicklung nicht zu überfordern, wird angenom-
men, dass bis zum Jahr 2038 lediglich ein Teil der Flächen (ca. 40 %) realisiert werden.
Die ermittelten Wohnbauflächenpotenziale (Fläche in m²) wurden dann in Bebauungspotenziale (An-
zahl der Wohnungen) umgerechnet. Dazu hat die Stadt Münster eigene, gemeindespezifische Sied-
lungsdichten für unterschiedliche Lagen (Außenstadtteil, zentrale Stad tteillage, innenstadtnah, inner-
städtisch) herangezogen. Diese liegen zwischen 55 - 65 Wohnungen je Hektar Nettowohnbauland für
Flächen in den Außenstadtteilen und bis zu 100 - 150 Wohnungen je Hektar Nettowohnbauland für
innenstadtnahe (d. h. benachbart zum Hauptsiedlungskörper der Stadt Münster) Flächen. Diese Annah-
men korrespondieren mit den Annahmen, die für die Flächen des Baulandprogramms getroffen wurden.
Die Umrechnung von Bruttowohnbauland auf Nettowohnbauland erfolgt über einen Abschlag von einem
Drittel.
Dennoch ist die tatsächliche Verfügbarkeit und Entwicklung dieser Flächen bis 2038 mit gegenüber
den aus dem Baulandprogramm herangezogenen Flächen mit erhöhter Unsicherheit belastet. Es kann
somit nicht angenommen werden, dass bis zum Jahr 2038 alle theoretisch ermittelten Wohnbaupoten-
ziale fertiggestellt und bezugsfertig sind. Es wird angenommen, dass bis 2038 insgesamt 900
Wohneinheiten – 60 Prozent des theoretischen Potenzials – auf diesen Wohnbauflächenpotenzialen
realisiert werden können.
Wohnungsbedarfsprognose | Stadt Münster
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Beratungsverlauf (2)
Beschluss: zur Kenntnis genommen
Zur SitzungBeschluss: zur Kenntnis genommen
Zur SitzungOrte (15)
- Steinfurter Straße
- Mondstraße
- Einsteinstraße
- Pienersallee
- Albersloher Weg 33
- Busso-Peus-Straße
- Schmeddingstraße
- Tilbecker Straße
- Hans-Bredow-Weg
- Fliednerstraße
- Pluggendorf
- Steinbrede
- Kinderhaus
- Frankenweg
- Nieland
Ortsbezüge werden automatisch aus den Dokumenten ermittelt und können unvollständig sein.
Details
- Aktenzeichen
- V/0606/2023
- Typ
- Vorlagen
- Datum
- 31.10.2023
- Erstellt
- 10.10.2023 10:36