2024/0213
Kommunale Wärmeplanung der Wissenschaftsstadt Darmstadt
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2024/0213
7884 Zeichen
Magistratsvorlage
Eingang Magistrats -
geschäftsstelle:
09.07.2024
an den Magistrat
zur Kenntnis
zur Beschlussfassung
Beteiligt vor
Magistratsbeschlussfassung:
Dezernat an die Stadtverordnetenversammlung
OBW zur Befassung
zur Kenntnis
zur Beschlussfassung
zur abschließenden Beschluss -
fassung Fachausschuss
Dezernat III
Dezernat IV
Dezernat VI
Amt: Dezernat I
OBW bei abschl.
Beschlussfassung Magistrat
Behandlung in
öffentl. Sitzung
Ja
Nein
Verteiler:
Ja
Nein
Vorlage-Nr. 2024/0213
Magistratsbeschluss -Nr.
Internetfähig
Produkt-Nr.:
Kostenstelle: Investitionsnummer:
Kostenträger: Sachkonto:
Betreff: Kommunale Wärmeplanung der Wissenschaftsstadt Darmstadt
Vorlage vom: 04.07.2024
Beschlussvorschlag :
1. Der Errichtung eines Entscheiderkreises aus Vertretungen der entega AG und der
Wissenschaftsstadt Darmstadt zur Steuerung und Koordination der Umsetzung der Entega -
Wärmestrategie sowie der an der Erstellung der Wärmeplanung der Wissenschaftsstadt
Darmstadt beteiligten Ämter und beauftragten Dienstleister wird zugestimmt. Mi tglieder des
Entscheiderkreises sind der Oberbürgermeister, der Klimaschutzdezernent, der
Tiefbaudezernent und die Vorstandsvorsitzende der entega AG.
2. Der Ausbau der Fernwärme im „Polygon Martinsviertel" zur Umsetzung eines Pilotprojektes
der Entega-Wärmestrategie wird begrüßt und im Rahmen einer gemeinsamen Kommunikation
unterstützt.
Anlagen: Übersicht Entega -Wärmestrategie
Übersichtskarte Polygon Martinsviertel
- 2 -
Datenschutzrelevante Anlage:
Folgekosten: Ja Nein
Zusätzlich für alle Vorlagen aus dem Bereich des Hochbaus anzugeben:
Klimarelevanz des Vorhabens:
Auswirkungen auf Stadtklima: ja nein
Auswirkungen auf THG -Emissionen: gering1) mittel/groß 2)
Beteiligung Amt f. Klimaschutz & Klimaanpassung: ja nein
Zusätzlich bei Beschlüssen zur Baufreigabe:
Wurden Optimierungspotentiale ausgeschöpft? ja nein
Falls nein, Kompensationsmaßnahmen festgelegt? ja nein
1) bis 10 Tonnen Kohlendioxid-Äquivalente (CO2e) pro Jahr, 2) über 10 Tonnen CO2e pro Jahr.
Beschluss des Magistrats vom
- 3 -
Begründung zur Magistratsvorlage vom 04.07.2024:
Kommunale Wärmeplanung
Nach dem Gesetz für die Wärmeplanung und zur Dekarbonisierung der Wärmenetze (WPG)
vom 20. Dezember 2023, welches zum 01.01.2024 in Kraft getreten und noch durch
Rechtsverordnung in Landesrecht zu überführen ist, sind die Länder verpflichtet
sicherzustellen, dass durch die jeweils kraft Gesetzes zust ändigen Kommunen eine
Kommunale Wärmeplanung erstellen. Eine Kommunale Wärmeplanung (KWP) ist u.a. für alle
bestehenden Gemeindegebiete, in denen zum 01.Januar 2024 mehr als 100.000
Einwohnerinnen und Einwohnern gemeldet sind, bis spätestens 30. Juni 2026, zu erstellen.
Die Wissenschaftsstadt Darmstadt hat bereits im Juni 2023 auf Grundlage des Hessischen
Energiegesetzes (HEG) ein Konsortium von Dienstleistern mit der Erstellung einer
kommunalen Wärmeplanung beauftragt. In § 6 des nun bundesweit gültigen
Wärmeplanungsgesetzes (WPG) ist die Kommune planungsverantwortliche Stelle für die
Erstellung eines Wärmeplans nach Maßgabe der weiteren Bestimmungen.
Bei der Bearbeitung der KWP ist neben dem Dienstleisterkonsortium unter anderem auch der
Entega-Konzern als Energieversorgungsunternehmen (EVU) entsprechend der Regelungen im
WPG einbezogen. Ergänzend zu der gesetzlich geregelten Bereitstellung von Basisdaten zum
integrierten Abgleich im Rahmen der Bestands - und Potenzialanalysephase der KWP hat die
Entega in den vergangenen Jahren ihre Wärmestrategie kontinuierlich weiterentwickelt, so
dass bereits vorliegende Ergebnisse in die KWP einfließen sollen.
Wärmestrategie der E ntega
Die Wärmestrategie des E ntega-Konzerns für Darmstadt berücksichtigt die wesentlichen,
zum Teil konkurrierenden Einflussfaktoren wie z.B. technische Umsetzbarkeit
unterschiedlicher Erzeugertechnologien sowie Optimierungsoptionen der bestehenden
Netzinfrastruktur, klimapolitische Ziele, Preisniveau für die Endkunden, Kosten bzw.
Wirtschaftlichkeit sowie zeitlicher Verlauf des Transformationsprozesses. Die Wärmestrategie
des Entega Konzerns (Anlage 1) umfasst einen Fernwärmeausbau sowie eine Bewertung der
Auswirkungen einer Elektrifizierung der Wärmeversorgung auf das öffentliche Stromnetz.
Wesentliche Zielsetzung der Entega-Wärmestrategie ist, dass jedem Bürger eine sichere,
bezahlbare und umweltfreundliche Wärmeversorgung ermöglicht werden soll.
Bei der Erstellung der Wärmestrategie orientiert sich die Entega an den aktuelle n
bundespolitischen Förderbedingungen, insbesondere der Bundesförderung für effiziente
Wärmenetze (BEW). Dies ermöglicht unter anderem, die zentralen Fördermittel sehr effizient
einzusetzen und die dadurch möglichen Effekte zur Senkung der Investitionskosten
zielgerichtet und kostenreduzierend an die Endkunden weiterzugeben. Die Entega-
Wärmestrategie wird in der gesamtstädtischen kommunalen Wärmeplanung
berücksichtigt.
Einrichtung des Entscheiderkreises
Zu dieser Koordination und Verzahnung der Wärmestrategie des Entega-Konzerns mit den
Maßnahmen der Wissenschaftsstadt Darmstadt im Rahmen der Erarbeitung und Umsetzung
der kommunalen Wärmeplanung soll ein Entscheiderkreis eingerichtet werden. Diesem
Gremium – in dem die notwendigen Entscheidungen im Rahmen der Erstellung der
- 4 -
Wärmeplanung getroffen werden - sollen der Oberbürgermeister, der Klimaschutzdezernent,
der Tiefbaudezernent, sowie d ie Vorstandsvorsitzende der entega AG angehören. Für den Fall
der Verhinderung von der Vorstandsvorsitzenden der entega AG wird diese Person durch ein
anderes Mitglied des Vorstands der entega AG vertreten. Themenbezogen können Mitarbeiter
des Entega-Konzerns sowie der Fachverwaltung der Wissenschaftsstadt Darmstadt
beigezogen werden.
Pilotprojekt: Fernwärme-Ausbau im „Polygon Martinsviertel"
In einem Pilotprojekt „Polygon Martinsviertel" wird der Fernwärmeausbau gegenwärtig
erprobt. Die Erschließung von 11 für den Ausbau geeigneten Häuserblocks ist als Pilotprojekt
im 2. Quartal in 2023 in Angriff genommen worden. Ziel ist die Entwicklung und Optimierung
der Genehmigungs- und Umsetzungsprozesse. Das Gebiet „Polygon Martinsviertel" (siehe
Anlage 2) erstreckt sich im Martinsviertel auf eine Fläche südlich des Rhönrings und
beinhaltet:
Barkhausstraße 1 bis 71(ungerade Nummern) und 2 bis 72 (gerade Nummern),
Liebfrauenstraße mit den Hausnummern 4 bis 64 (gerade Nummern) sowie den
Hausnummern 5 bis 67 (ungerade Nummern),
Friedrich-Ebert-Platz 8 und 9, Robert -Schneider-Straße 54 bis 76 (gerade Nummern) und 61
bis 79 (ungerade Nummern) und 49,
Mollerstraße 17 bis 45 (ungerade Nummern) und 28 bis 44 (gerade Nummern),
Schuknechtstraße 43 bis 63 (ungerade Nummern) und 42 bis 60 (gerade Nummern),
Eckhardtstraße 23 bis 35 (ungerade Nummern) und 16 bis 36 (ger ade Nummern), Arheilger
Straße 67 bis 83 (ungerade Nummern) und 78 bis 94 (gerade Nummern),
Pankratiusstraße 61 bis 71 (ungerade Nummern) und 62 bis 70 (gerade Nummern)
sowie Heinheimer Straße 90 bis 100 (gerade Nummern
Der Fernwärmeausbau im „Polygon Martinsviertel“ in Form eines frühzeitigen Pilotprojektes
als erster Umsetzungsschritt der Wärmewende wird begrüßt sowie inhaltlich und
kommunikativ begleitet. Zur weiteren Unterstützung wird eine gemeinsame Ansprache der
Hauseigentümerinnen und Hauseigent ümern durch die entega AG und die Wissenschaftsstadt
Darmstadt vorgeschlagen.
Dezernat I Dezernat III Dezernat IV Dezernat VI
Hanno Benz Michael Kolmer André Schellenberg Paul Georg Wandrey
Oberbürgermeister Stadtrat Stadtkämmerer Stadtrat
anlage 2
51 Zeichen
Anlage 2 – Übersichtskarte „Polygon Martinsviertel“
anlage 5
140 Zeichen
Punkt 17: Kommunale Wärmeplanung der Wissenschaftsstadt Darmstadt (V-Nr. 2014/0213) Der Vorlage wird zugestimmt. Gegenstimmen: AfD
anlage 3
299 Zeichen
Punkt 16: Kommunale Wärmeplanung der Wissenschaftsstadt Darmstadt (V-Nr. 2024/0213) Der Ausschuss für Klimaschutz, Nachhaltigkeit, Umwelt und Stadtplanung empfiehlt der Stadtverordnetenversammlung, der Vorlage zuzustimmen. Stimmenthaltung: AfD -Fraktion, Die Linke.-Fraktion, SPD-Fraktion
anlage 1
5748 Zeichen
Anlage 1: Übersicht ENTEGA-Wärmestrategie Die ENTEGA hat für Darmstadt eine Wärmestrategie entwickelt, welche die Wissenschaftsstadt Darmstadt bei der Erstellung der Kommunalen Wärmeplanung berücksichtigen will. Diese umfasst einen Fernwärmeausbau sowie eine Bewertung der Auswirkungen einer Elektrifizierung der Wärmeversorgung auf das öffentliche Stromnetz. Zielsetzung der ENTEGA-Wärmestrategie ist, dass jedem Bürger eine sichere , bezahlbare und umweltfreundliche Wärmeversorgung ermöglicht werden soll. Die zukünftige Wärmeversorgung in Darmstadt soll hauptsächlich auf Fernwärme sowie dezentralen Lösungen, die mit hoher Wahrscheinlichkeit auf einer Elektrifizierung basieren, aufbauen. Fernwärme Ein zentraler Bestandteil der ENTEGA-Wärmestrategie ist der Ausbau der Fernwärme in Darmstadt. Der Ausbau der Fernwärme bietet Versorgungs- und Planungssicherheit, Platzersparnis, Sauberkeit und Kostenersparnis für die Kunden und ist gleichzeitig eine wirtschaftliche Möglichkeit zur Erreichung der Wärmewende in Darmstadt, da bestehende Wärmenetze genutzt und ausgebaut werden können. Der Ausbau der Fernwärme ist insbesondere in dicht besiedelten Gebieten kosteneffizient. Weiterhin ist die Dekarbonisierung der Fernwärme steuerbar und erneuerbare Energien können effizient eingebunden werden. So kann beispielsweise die vorhandene unvermeidbare Abwärme aus dem Müllheizkraftwerk in Darmstadt optimal genutzt werden. Die potenziellen Fernwärme-Eignungsgebiete wurden durch die ENTEGA mithilfe einer ausführlichen Analyse ermittelt. Grundlage hierfür sind die aktuellen sowie prognostizierten zukünftigen Wärmebedarfsdichten. Hierbei wurde eine hohe Wärmebedarfsdichte unter anderem in der Mollerstadt, dem Johannes- und dem Martinsviertel festgestellt. Der Fernwärmeanteil in Darmstadt beträgt heute etwa 18 %. Weite Teile der Umgebung der Bestandsnetze sind aufgrund vorhandener hoher Wärmedichten grundsätzlich sehr gut für den weiteren Ausbau der Fernwärme geeignet. Für die Dekarbonisierung der Fernwärme wurden alle verfügbaren Technologien detailliert untersucht und Potenzialanalysen mit Unterstützung von externen Dienstleistern durchgeführt. Ergebnis dieser Analyse ist, dass das Müllheizkraftwerk (im Folgenden: MHKW) mit Abstand das größte Potenzial an „unvermeidbarer Abwärme" darstellt. Die Abwärme aus dem MHKW gilt als unvermeidbare Abwärme gemäß § 1 des Wärmeplanungsgesetzes und ist als Wärmequelle s omit den erneuerbaren Energien gleichgestellt. Zur Umsetzung der ENTEGA-Wärmestrategie soll die Wärmeauskopplung des MHKW optimiert werden, um das Potenzial bestmöglich für die Fernwärme auszuschöpfen . Der Umbau der MHKW-Wärmeauskopplung soll voraussichtlich ab Mitte 2027 beginnen. Wärmepumpen Ergänzend zum Ausbau der Wärmeauskopplung aus dem MHKW ist die Nutzung von unter anderem Wärmepumpen mit Luft, mit Abwasser sowie von Abwärme im Rahmen der ENTEGA- Wärmestrategie als Erzeuger für die Fernwärme vorgesehen. Wärmepumpen mit der Wärmequelle Luft kommen dabei als Erzeuger für mehrere Fernwärmenetze im Darmstädter Stadtgebiet infrage. Für Wärm epu mpen mit Abwasser als Wärmequelle gibt es in Da rms tadt mit dem Kuhnwaldt- Gelände und der S ta rkenbu rg-Kaserne sowie das Fernwärmesatzungsgebiet Eberstadt mögliche Anwendungsgebiete. Ei ne Machbarkeitsstudie für die Nutzung, einer Wärmepumpe mit Abwasser aus dem Ablauf des Zentralklärwerks wird von der ENTEGA erarbeitet. Die Nutzung von industrieller Abwärme als Quelle für Wärmepumpen ist maßgeblich abhängig von den Transformationsplänen der betroffenen Unternehmen und der daraus resultierenden Verfügbarkeit von Abwärme. Es ist davon auszugehen, dass aus Gründen der Effizienz die Potentiale vornehmlich von den Industrieunternehmen selbst genutzt werden und die Potentiale industrieller Abwärme somit zukünftig eher geringer werden. Weitere Erzeuger-Technologien Im Rahmen der Wärmestrategieerstellung wurden weitere Technologien untersucht und bewertet, zusammenfassend: - Geothermie-Großwärmepumpen sind stark abhängig von geologischer Beschaffenheit sowie Flächenverfügbarkeit und sehr kostenintensiv. - Aufgrund hoher Kosten ist Wasserstoff für Redundanz und Spitzenlast geeignet, weniger für Grundlast. - Solarthermie ist aufgrund der hohen Flächenbeanspruchung nur in Verbindung mit saisonalem Speicher und Wärmepumpe als ganzjähriger Wärmeerzeuger geeignet. Transformation Das MHKW ist zentraler Baustein des Fernwärmenetzes Darmstadt (Mitte). Der geplante Umbau der MHKW-Wärmeauskopplung ab Mitte 2027 führt zu einer deutlichen Steigerung der Leistung der Fernwärmeauskopplung von heute 17 MW th auf bis zu 57 MW th . Die ENTEGA AG erarbeitet im Zuge ihrer Wärmestrategie eine detaillierte Wirtschaftlichkeitsplanung der Fernwärmeausbaupfade. Die Analyse der Fernwärme- Eignungsgebiete für das gesamte Stadtgebiet wird in die Kommunale Wärmeplanung eingebracht. Der mögliche Anteil der Fernwärme an der Wärmeversorgung liegt bei bis zu 40 % des Wärmebedarfs in Darmstadt. Außerhalb der zukünftigen Fernwärmegebiete sichert die weitgehende Elektrifizierung die Umsetzung der Wärmewende. Für die Elektrifizierung besteht erheblicher Bedarf für Leitungsneubau und Leitungsverstärkung im Stromnetz. Die Sicherung der benötigten Flächen für die Energieinfrastruktur muss in enger Abstimmung mit der Stadt erfolgen. Nächste Schritte Auf Basis der Analysephasen werden derzeit Transformationspläne entsprechend der Vorgaben aus der Bundesförderung für effiziente Wärmenetze (BEW) erstellt. Zudem werden die Ergebnisse der ENTEGA-Wärmestrategie als eine der wesentlichen Eingangsgrößen bei der Erstellung der Kommunalen Wärmeplanung (KWP) einfließen.
anlage 4
213 Zeichen
Punkt 22: Kommunale Wärmeplanung der Wissenschaftsstadt Darmstadt (V-Nr. 2024/0213) Der Haupt- und Finanzausschuss empfiehlt der Stadtverordnetenversammlung, der Vorlage zuzustimmen. Stimmenthaltung: AfD
Beratungsverlauf (4)
Orte (8)
- Barkhausstraße 1
- Liebfrauenstraße
- Mollerstraße 17
- Schuknechtstraße 43
- Eckhardtstraße 23
- Heinheimer Straße 90
- Robert-Schneider-Straße 54
- Arheilger Straße 67
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Details
- Vorlagen-Nr.
- 2024/0213
- Typ
- Magistratsvorlage
- Datum
- 04.07.2024
- Erstellt
- 29.09.2026 00:00