AN/0213/2022
EDELGARD-Anlaufstellen und Präventionsarbeit von sexualisierter Gewalt
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SPD Anfrage nach § 4
5608 Zeichen
An die Vorsitzende des Ausschusses
für die Gleichstellung von Frauen und Männern
Frau Teresa De Bellis -Olinger
An Frau Oberbürgermeisterin
Henriette Reker
SPD-Fraktion
im Rat der Stadt Köln
Rathaus, Spanischer Bau
50667 Köln
fon 0221. 221 259 50
fax 0221. 221 246 57
mail fraktion@koelnspd.de
web www.koelnspd.de
Eingang beim Amt der Oberbürgermeisterin: 25.01.2022
AN/0213/2022
Anfrage gem. § 4 der Geschäftsordnung des Rates
Gremium Datum der Sitzung
Ausschuss für die Gleichstellung von Frauen und Männern 31.01.2022
EDELGARD-Anlaufstellen und Präventionsarbeit von sexualisierter Gewalt
Sehr geehrte Frau Oberbürgermeisterin, sehr geehrte Frau Ausschussvorsitzende,
die Stimmung auf der Ausgehmeile Zülpicher Straße und im Kwartier Latäng gilt als zunehmend prob-
lematisch. Nicht erst, seit im vergangenen Sommer ein 18-Jähriger erstochen worden ist, fühlen sich
viele Menschen insbesondere an den Wochenenden im öffentlichen Raum unsicher. Im Kwartier
Latäng gibt es elf „EDELGARD schützt-Orte“, die für eine Beantwortung der Anfrage der SPD-Fraktion
„Kwartier Latäng – mündliche Anfrage von Monika Möller (SB) zur zugenommenen Gewaltbereit-
schaft“ nach einem Stimmungsbild angeschrieben worden sind. Von Interesse war dabei die Situation
für Frauen und Mädchen im Einzugsgebiet.
In der Antwort schildert eine ansässige Geschäftsführerin die Lage. Sie schreibt, dass bisher keine
Kenntnisse von körperlichen, tatsächlichen An- oder Übergriffen vorliegen, aber es sei eine Zunahme
an aggressiver Stimmung und auch sexuellen Belästigungen gegenüber den eigenen Mitarbeiterinnen
und weiblichen Gästen durch die Feierklientel festzustellen. Die von EDELGARD als Zufluchtsorte
ausgewiesenen Geschäfte und Einrichtungen berichteten, dass sie nicht vermehrt von Frauen oder
Mädchen aufgesucht würden. Dies könnte allerdings auch an dem Umstand liegen, dass das Angebot
nicht bekannt sei. So die Vermutung der befragten Geschäftsführerin. Insgesamt ist der Rücklauf
durch die Einrichtungen eher nicht zufriedenstellend: von elf Orten haben sich nur drei zurückgemel-
det.1
Das Polizeipräsidium meldete keine Zunahme an registrierten Straftaten im Bereich der sexualisier-
ten Gewalt im fraglichen Gebiet. Das muss, da es sich um eine Hellfeldstatistik handelt, jedoch nicht
heißen, dass es bei den tatsächlichen Tatausübungen keine Veränderung gegeben hat. Es könnte
genauso gut auf eine nach wie vor geringe Anzeigebereitschaft z. B. wegen der geringen Aussichten
auf Erfolg zurückzuführen sein, wie bundesweite Forschungen zum Thema immer wieder zeigen.
Im September hat EDELGARD zwei Videospots, einer gerichtet an potentiell Betroffene, der andere
an Unternehmer*innen, veröffentlicht. Diese haben gegenwärtig allerdings erst 560 Aufrufe auf der
Videoplattform YouTube erhalten. Dies könnte auch ein Zeichen dafür sein, dass das EDELGARD-
Angebot wenig bekannt ist.
1 https://ratsinformation.stadt -koeln.de/getfile.asp?id=847256&type=do
- 2 -
Zu Karneval 2020 startete die Kartenanwendung EDELGARD map unter map.edelgard.koeln. Mit der
Anwendung sollen akut von Belästigung oder Übergriffen Betroffene den schnellsten Weg zum
nächsten „EDELGARD schützt“-Ort finden. Hier wäre interessant zu erfahren, wie viele Aufrufe auf
die Seite erfolgen. Zudem zeigt ein Blick auf die Karte die ungleiche Verteilung von EDELGARD-Orten
in Köln. Insbesondere fehlen Anlaufstellen im Rechtsrheinischen.
Auf eine Anfrage der SPD-Fraktion vom 26.05.2021 zur Deckung des Bedarfs an Sexualpädagogik für
Jungen und junge Männer, insbesondere im Hinblick auf die Aufklärung über grenzüberschreitendes
Verhalten und dessen Prävention, antwortete die Verwaltung indes ernüchternd. Viele Träger richten
sich mit Angeboten, Projekten und Maßnahmen auch, aber nicht explizit an Jungen und junge Män-
ner. Einzig die dankenswerterweise für eine Anschlussfinanzierung seit 2022 ausgewählte Arbeit von
pro familia ist explizit im Interventionsfeld tätig. Eine vom Träger gewünschte Stellenaufstockung im
Bereich der sexualpädagogischen Jungenarbeit hat es dabei nicht gegeben. Dabei muss die Verwal-
tung selbst zugestehen, dass laut Gesundheitsamt die Kapazitätsgrenzen im Bereich der sexualpäda-
gogischen Arbeit mit männlichen Jugendlichen seit Jahren erreicht sind und entsprechende Anfragen
abgewiesen werden müssen. Die Pandemie habe zudem dazu geführt, dass die Zielgruppe männli-
cher Jugendlicher noch weniger erreicht werde. In diesem Kontext werde möglicherweise ein kom-
pensatorischer Nachholbedarf entstehen.2
Wir möchten daher von der Verwaltung wissen:
1. Wie viele Aufrufe erfährt die Edelgard-Map seit ihrem Start 2020 bis heute durchschnittlich im
Monat? Bitte nach Monaten aufschlüsseln.
2. Hält die Verwaltung ihre bisherigen Maßnahmen für ausreichend, um Edelgard besser bekannt zu
machen, und wenn nicht: Welche weiteren Werbemaßnahmen sind geplant?
3. Was unternimmt die Stadt, um insbesondere auch im Rechtsrheinischen mehr Anlaufstellen an-
bieten zu können?
4. Sind neue Schulungsmaßnahmen der Edelgard-Anlaufstellen geplant, wie sie von diesen ge-
wünscht sind, und wenn ja: wann?
5. Welche Projekte bzw. Präventivmaßnahmen werden von der Stadt Köln unterstützt oder geplant,
die sich präventiv an potentielle Täter (auch Erwachsene) wenden?
Mit freundlichen Grüßen
Gez. Mike Homann
SPD-Fraktionsgeschäftsführer
2 https://ratsinformation.s tadt-koeln.de/getfile.asp?id=836598&type=do
Beratungsverlauf (1)
Beschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungDetails
- Aktenzeichen
- AN/0213/2022
- Typ
- SPD Anfrage nach § 4
- Datum
- 26.01.2022
- Erstellt
- 25.01.2022 14:50