1009/2023
Jahresbericht Auszugsmanagement für den Zeitraum 01.01.-31.12.2022
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Controlling AM 2022 1.-4. Quartal Ukraine
3590 Zeichen
Controlling AM 2022 Ukraine und Drittstaaten aus Ukraine 1. Quartal 2. Quartal 3. Quartal 4. Quartal Gesamt Allgemeines Infoveranstaltungen für Geflüchtete 3 3 Anzahl Teilnehmer*innen Infoveranstaltungen 40 40 Erstberatungen 70 17 87 Erfolgreiche eigene Akquise 6 1 7 Bearbeitete Wohnungsangebote Wohnungsangebote GAG 2 9 11 Wohnungsangebote GAG (OV) 0 Wohnungsangebote Aachener Siedlungsg. 1 1 Wohnungsangebote Ehrenfelder 0 Wohnungsangebote andere Wohnungsbaugesellschaften 3 2 5 Wohnungsangebote Privat 18 25 24 67 RI Flü 0 Wohnungsangebote Sonstige 3 3 Gesamtsumme 0 18 30 39 87 Bearbeitete Wohnungsangebote mit WBS 8 Begleitete Wohnungsbesichtigungen 24 17 37 78 Abgelehnte Angebote durch Vermieter*in 9 9 9 27 Abgelehnte Angebote durch Bewohner*in 5 5 9 19 Ablehnungsgründe Bewohner*in: Zu weit entfernt von Schule/ Arbeitsplatz 1 3 4 8 ÖPNV zu weit entfernt 1 1 2 4 Wohnung ist zu klein 1 2 3 Wohnung gefällt nicht 3 3 Möchte anderen Stadtteil 1 1 Sonstiges 0 Erfolgreich vermittelte Wohnungen Wohnungsangebote GAG 1 6 7 Wohnungsangebote GAG (OV) 0 Wohnungsangebote Aachener Siedlungsg. 0 Wohnungsangebote Ehrenfelder 1 1 Wohnungsangebote andere Wohnungsbaugesellschaften 2 2 4 Wohnungsangebote Privat 10 12 8 30 Rl Flü 0 Wohnungsangebote Sonstige 1 1 Gesamtsumme 10 15 18 43 Vermittelte Wohnungen mit WBS 1 7 8 Begleitete Mietvertragsunterzeichnung 9 13 13 35 Begleitete Wohnungsübergabe mit Protokoll 9 12 6 27 Schufa-Auskunft negativ 2 2 Stadtbezirk der vermittelten Wohnung Chorweiler 1 1 5 7 Ehrenfeld 2 2 4 8 Innenstadt 1 2 3 Kalk 1 1 1 3 Lindenthal 1 1 Mülheim 3 1 6 10 Nippes 2 2 Porz 1 1 Rodenkirchen 1 4 1 6 Andere Stadt / Gemeinde 2 2 Gesamtsumme 43 0 Beherbergungsbetrieb 1 5 10 16 nicht abgeschlossene Wohneinheit 1 3 4 abgeschlossene Wohneinheit 8 7 8 23 Gesamtsumme 43 Wohnungsangebote GAG 3 13 16 Wohnungsangebote GAG (OV) 0 Wohnungsangebote Aachener Siedlungsges. 0 Wohnungsangebote Ehrenfelder 3 3 Wohnungsangebote andere Wohnungsbaugesellschaft 6 5 11 Wohnungsangebote Privat 27 35 14 76 RI Flü 0 Wohnungsangebote Sonstige 5 5 Gesamtsumme 0 27 44 40 111 Vermittelte Personen mit WBS 3 16 19 Wohnungsangebote GAG 1 1 2 Wohnungsangebote GAG (OV) 0 Wohnungsangebote Aachener Siedlungsges. 0 Wohnungsangebote Ehrenfelder 0 Wohnungsangebote andere Wohnungsbaugesellschaft 0 Wohnungsangebote Privat 0 RI Flü 0 Wohnungsangebote Sonstige 0 Gesamtsumme 0 1 1 2 Vermittelte Personen mit WBS und Erwerbseinkommen 1 1 2 Haushaltsgröße der vermittelten Haushalte 1 Person 3 6 9 2 Personen 6 3 6 15 3 Personen 3 4 4 11 4 Personen 4 4 5 Personen 2 2 6 Personen 1 1 7 Personen 1 1 > 8 Personen 0 Gesamtsumme vermittelte Haushalte 43 Aufenthaltsstatus aller vermittelten Personen Aufenthaltserlaubnis 8 41 40 89 Aufenthaltsgestattung 0 Duldung 0 Fiktionsbescheinigung 13 3 16 Niederlassungserlaubnis 0 Sonstiges/ Asylbewerberleitungsgesetz 6 6 Gesamtsumme 111 Qualitätsstandard der bisherigen Unterbringung Erfolgreich vermittelte Personen insgesamt Erfolgreich vermittelte Personen mit Erwerbseinkommen Einkommenssituation des Haushaltsvorstandes Ausschließlich Erwerbseinkommen 1 1 Ausschließlich SGB II Bezug 5 14 15 34 Aufstockend mit SGB II Bezug 1 1 Ausschließlich SGB XII Bezug 5 1 6 Aufstockend mit SGB XII Bezug 1 1 Ausschließlich Leistungen nach dem AsylbLG 0 Herkunftsland der vermittelten Personen Afghanistan 2 2 Albanien 0 Angola 0 Armenien 0 Bosnien 0 Eritrea 0 Georgien 4 4 Ghana 0 Guinea 0 Irak 0 Iran 7 7 Kosovo 0 Mazedonien 0 Montenegro 0 Nigeria 5 5 Russland 2 2 Serbien 0 Syrien 0 Ukraine 25 32 31 88 Sonstige (Litauen, Marokko) 2 1 3 Gesamtsumme 111
Jahresbericht 2022
35161 Zeichen
Jahresbericht
Auszugsmanagement
2022
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung ................................ ................................ ................................ ...................... 1
2. Ausgangslage ................................ ................................ ................................ ............... 1
2.1 Lage auf dem Kölner Wohnungsmarkt ................................ ................................ ......... 1
2.2 Situation Geflüchteter in Köln ................................ ................................ ....................... 1
2.3 Ressourcenmanagement ................................ ................................ ............................. 2
3. Projektbeschreibung ................................ ................................ ................................ .... 3
3.1 Zielsetzungen der Förderung ................................ ................................ ....................... 3
3.2 Finanzierung und Dauer der Förderung ................................ ................................ ....... 3
3.3 Wirtschaftlichkeit ................................ ................................ ................................ .......... 4
3.4 Qualitätsmanagement ................................ ................................ ................................ .. 4
4. Handlungsfelder des Auszugsmanagements ................................ ............................. 5
4.1 Zusammenarbeit mit Klient*innen ................................ ................................ ................ 5
4.1.1 Beratung und Unterstützung bei der Wohnungssuche/ Clearing .......................................... 5
4.1.2 Umzugsbegleitung .................................................................................................................. 6
4.1.3 Nachbetreuung ....................................................................................................................... 7
4.2 Akquise und Öffentlichkeitsarbeit ................................ ................................ ................. 7
4.3 Vernetzung und Zusammenarbeit mit ehrenamtlich Engagierten ................................ . 8
5. Analyse und Auswertung ................................ ................................ ............................ 8
5.1 Controlling ................................ ................................ ................................ .................... 8
5.2 Wirkungen des Auszugsmanagements ................................ ................................ .......11
5.2.1 Hilfe und Unterstützung bei der Integration in die Stadtgesellschaft .................................. 11
5.2.2 Empowermenthaltung in der Arbeit des Auszugsmanagements ......................................... 12
5.2.3 Antidiskriminierung .............................................................................................................. 12
5.2.4 Nachhaltigkeit der Wohnungsvermittlung ........................................................................... 13
5 Fazit/ Ausblick ................................ ................................ ................................ .............13
Literaturverzeichnis ................................ ................................ ................................ ...........15
1
1. Einleitung
Der vorliegende Jahresbericht des Auszugsmanagements ist ein gemeinsamer Bericht der
drei Träger Caritasverband e.V., Deutsches Rotes Kreuz e.V., Kölner Flüchtlingsrat e.V. und
der städtischen Koordinationsstelle des Amtes für Wohnungswesen. Er bezieht sich auf den
Zeitraum vom 01.01.2022 bis zum 31.12.2022.
2. Ausgangslage
2.1 Lage auf dem Kölner Wohnungsmarkt
Mit mehr als einer Million Einwohner*innen zählt Köln nach Berlin, Hamburg und München zu
den größten Städten Deutschlands und ist aufgrund seiner Bedeutung für Wirtschaft, For-
schung, Bildung und Kultur zugleich begehrter Wohnort. Immer mehr Menschen möchten in
Köln wohnen.
Doch es gibt zu wenig bezahlbaren Wohnraum . Mehr als 50% der Kölne r Bürger*innen sind
aufgrund ihrer Einkommenssituation berechtigt einen Wohnberechtigungsschein zu beantra-
gen und daher auf bezahlbaren Wohnraum angewiesen.
Das Amt für Wohnungswesen der Stadt Köln stellt die Versorgung von Personengruppen mit
besonderen Bedarfen sicher. Hierzu gehören auch die Bereitstellung und Verwaltung von Un-
terkünften für Geflüchtete und für von Obdachlosigkeit bedrohte Menschen.
2.2 Situation Geflüchteter in Köln
Ziel der Unterbringungsstrategie der Verwaltung ist es, die Geflüchteten aus der ordnungsbe-
hördlichen Unterbringung in den freien Wohnungsmarkt zu vermitteln. Aufgrund der ange-
spannten Wohnungsmarktlage in Köln ist die Konkurrenz um öffentlich geförderten Wohnraum
groß. Besonders für Familien mit zwei und mehr Kindern, die größere Wohnungen mit eher
kleinteiliger Raumaufteilung benötigen, ist das Angebot nicht ausreichend. Zu den benachtei-
ligten Personengruppen zählen auch Geflüchtete.
Zum 31.12.2022 waren 10.839 Geflüchtete in Kölner Flüchtlingsunterkünften untergebracht ,
davon 3.874 Ukrainer*innen, die nach Ausbruch des Krieges am 24.02.2022 in Unterbrin-
gungsunterkünften der Stadt Köln aufgenommen wurden.
Die Unterbringung so vieler Menschen wurde im Jahr 2022 zu einer enorm großen Herausfor-
derung aller Beteiligten.
2
2.3 Ressourcenmanagement
Der Rat der Stadt Köln hat am 04.02.2021 beschlossen, die Quote der Unterbringung Geflüch-
teter in abgeschlossenen Wohneinheiten mit eigener Küche und eigenem Sanitärbereich suk-
zessive jährlich um 5% zu steigern. Dieser Beschluss erforderte eine Anpassung der Ressour-
cenplanung für die Unterkünfte für Geflüchtete durch das Amt für Wohnungswesen.
Das Ressourcenmanagement wurde entwickelt, um deutliche Schwankungen in der Anzahl
geflüchteter Menschen bei der Unterbringung berücksichtigen zu können sowie die Qualität
der Unterkünfte – gerade hinsichtlich der notwendigen Privatsphäre – für die geflüchteten Men-
schen stetig zu verbessern.
Zur Erhaltung der Qualitätsstandards für die Unterbringung Geflüchteter ist vorgesehen, kos-
tenintensive Standorte, Standorte mit maroder Bausubstanz und solche mit geringen Quali-
tätsstandards schrittweise zu schließen. Dabei stehen u.a. die Standorte im Fokus, die über
Gemeinschaftsküchen bzw. -sanitäreinrichtungen verfügen.
Mit Stand 31.12.2021 waren 83,75% der in städtischen Ressourcen (ohne die Notaufnahme
Herkulesstraße und ohne Beherbergungsbetriebe) versorgten Geflüchteten in Unterkünften
untergebracht, deren Wohneinheiten abgeschlossen sind und die sowohl über eigene
Sanitäranlagen als auch über eigene Küchen verfügen.
Durch den Ausbruch des Krieges in der Ukraine und der damit verbundenen massiven
Fluchtbewegung war es im Jahr 2022 nicht möglich, das durch den Ratsbeschluss vorgege-
bene Ziel zu erreichen. Über Monate hinweg wurden zahlreiche Geflüchtete aus der Ukraine
untergebracht, so dass ad hoc Beherbergungsbetriebe und zunehmend auch Objekte ohne
abgeschlossene Wohneinheiten hinzugemietet werden mussten, ohne dass der angestrebte
Standard gehalten oder sogar gesteigert werden konnte. Mit der Belegung vieler Unterbrin-
gungseinrichtungen mit größtenteils nicht abgeschlossenen Wohneinheiten und Gemein-
schaftssanitärräumen hat sich die Quote der in abgeschlossenen Wohneinheiten unterge-
brachten Geflüchteten wieder verschlechtert.
Zum 31.12.2022 waren daher nur noch 70,94 % der in städtischen Ressourcen (ohne die
Notaufnahme Herkulesstraße und ohne Beherbergungsbetriebe) versorgten Geflüchteten in
Unterkünften untergebracht, deren Wohneinheiten abgeschlossen sind und die sowohl über
eigene Sanitäranlagen als auch über eigene Küchen verfügen.
Trotzdem konnte in der absoluten Zahl der in abgeschlossenen Wohneinheiten unterge-
brachten Geflüchteten eine Steigerung von 4.359 (31.12.2021) auf 5.319 (31.12.2022) Per-
sonen erreicht werden.
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3. Projektbeschreibung
3.1 Zielsetzungen der Förderung
Das Auszugsmanagement besteht seit 2011 und zielt darauf ab, Geflüchtete, die in einer
städtischen Einrichtung ordnungsbehördlich untergebracht und beraten werden, zu einer ei-
genverantwortlichen und selbstständigen Lebensführung zu motivieren und sie in den regulä-
ren Wohnungsmarkt zu vermitteln. Die Vermittlungsarbeit unterstützt die Umsetzung des
Ressourcenmanagements der Stadt Köln und leistet einen Beitrag dazu, kostenintensive
Standorte und Einrichtungen mit niedrigem Qualitätsstandard abzubauen.
3.2 Finanzierung und Dauer der Förderung
Mit Ratsbeschluss vom 14.11.2017 wurde das Auszugsmanagement als unbefristete Aufgabe
mit insgesamt drei Vollzeitstellen (je Träger eine Vollzeitstelle) eingerichtet. Vier weitere Voll-
zeitstellen wurden jeweils für zwei weitere Jahre befristet bewilligt.
Der Rat der Stadt Köln hat am 14.12.2021 eine Verlängerung der Finanzierung der vier weite-
ren befristeten Stellen im Rahmen des Auszugsmanagement bis zum 31.12.2023 beschlos-
sen.
Insgesamt wird das Projekt „Auszugsmanagement“ mit sieben Stellen von der Stadt Köln mit
einem Gesamtvolumen von 511.000 € p.a. gefördert. Die Kosten je Vollzeitstelle und Jahr
belaufen sich auf 73.000 € für Personal- und Sachkosten.
Am 05.05.2022 hat der Rat der Stadt Köln die Stärkung des Auszugsmanagements mit der
Finanzierung einer weiteren auf ein Jahr befristeten Vollzeitstelle für den Zeitraum vom
01.06.2022 bis zum 31.05.2022 sowie der Bereitstellung von zusätzlichen Mitteln für die
Sprachmittlung und Ausstattung der neuen Stelle bei den mit dem Auszugsmanagement be-
auftragten Trägerorganisationen bewilligt.
Nach Beginn des russischen Angriffskrieges in der Ukraine wurde für geflüchtete Ukrai-
ner*innen eine Vielzahl von Wohnungen angeboten und die Mitarbeitenden im Auszugsma-
nagement damit vor ein Ressourcenproblem gestellt. Ausgehend von den bisherigen Woh-
nungsvermittlungen für Geflüchtete aus den Vorjahren, bestand die Gefahr, dass die Mitar-
beitenden hier vorrangig für die Vermittlung von Ukrainer*innen eingesetzt werden. Dies
hätte zu einer Benachteiligung der anderen Geflüchteten geführt, die ebenfalls auf die Unter-
stützung des Auszugsmanagements angewiesen sind und seit Jahren auf eine Vermittlung in
Wohnraum warten. Damit die bereits vorliegenden und noch eingehenden Wohnungsange-
bote für aus der Ukraine geflüchteten Menschen schnell und adäquat genutzt werden konn-
ten, wurde eine temporäre – auf ein Jahr befristete Aufstockung des Auszugsmanagements
um eine finanzierte Stelle einschließlich der erforderlichen Aufwendungen für Sprachmittlung
4
und Sachkosten beschlossen. Nur so konnte die zeitnahe Prüfung der zahlreich eingehen-
den Wohnungsangebote, das Clearing und die Beratung der aus der Ukraine geflohenen
Menschen mit dem Ziel einer erfolgreichen Wohnungsvermittlung durch das Auszugsma-
nagement sichergestellt werden.
Die Kosten dieser zusätzlichen Stelle belaufen sich auf 60.000 € pro Jahr, zuzüglich der Auf-
wendungen für Sprachmittlung in Höhe von 3.000 € und Sachkosten in Höhe von 3.000 €.
3.3 Wirtschaftlichkeit
Durch die Vermittlung der Geflüchteten in den regulären Wohnraum können Unterbringungs-
kosten in Wohnheimen und Beherbergungsbetrieben eingespart werden. Demgegenüber ste-
hen die durch die Vermittlung in privaten Wohnraum anfallenden Mietkosten sowie die zu-
schussfähigen Personalkosten des Projektes.
In 2022 konnten insgesamt 284 Personen in 103 Wohnungen vermittelt werden, davon 111
Ukrainer*innen in 43 Wohnungen.
Abzüglich der Aufwendungen für die angemieteten Wohnungen konnten 273.032,72 € an kom-
munalen Kosten für die Unterbringung in Wohnheimen und gewerblichen Unterkünften einge-
spart werden.
Den kommunalen Einsparungen sind die Personalaufwendungen für das Auszu gsmanage-
ment in Höhe von insgesamt 544.000 € gegenüberzustellen. Der Zuschussbedarf belief sich
auf 270.967,28 €.
Neben der Wirtschaftlichkeit des Projektes sind vor allem die erzielten Erfolge durch die sozi-
ale Integration der Geflüchteten sowie dadurch freiwerdender Ressourcen in den städtischen
Unterbringungseinrichtungen in den Vordergrund zu stellen.
3.4 Qualitätsmanagement
Das Qualitätsmanagement des Auszugsmanagement s erfolgte im Berichtszeitraum haupt-
sächlich basierend auf der statistischen und inhaltlich-pädagogischen Evaluation.
Das Controlling und die Einzelfallstatistik stellen die Arbeit des Auszugsmanagements in Zah-
len dar. Die Austauschtreffen zwischen Trägern und der Koordinationsstelle des Amtes für
Wohnungswesen sorgen für die Steuerung und die Umsetzung von einheitlichen Arbeitsab-
läufen.
Im Jahresbericht wird der Inhalt der Arbeit beschrieben, evaluiert und der Öffentlichkeit vorge-
stellt.
Im Mai 2022 fand ein gemeinsamer Workshop von Trägern und dem Amt für Wohnungswe-
sen zur Gestaltung der weiteren Entwicklung des Auszugsmanagements statt. Als ein Ergeb-
5
nis wurde ein gemeinsamer Leitfaden zur Neuausrichtung des Auszugsmanagements erar-
beitet. Ziel dieses Leitfadens ist, durch eine gesteigerte Transparenz der Prozesse, eindeu-
tige Rollenzuweisungen, definierte Aufgabenstellungen und einen hohen Grad an Verbind-
lichkeit mit festgelegten Verantwortlichkeiten, die Wirksamkeit und damit auch den Erfolg des
Auszugsmanagements zu steigern. Die Parameter des Leitfadens wurden in die Leistungs-
vereinbarungen zwischen der Stadt Köln und den Trägern integriert. Der Workshop diente
auch dem Ziel, die Akquise und Öffentlichkeitarbeit für das Auszugsmanagement zu verstär-
ken. Hierzu wird auf Kapitel 4.2. Akquise und Öffentlichkeitsarbeit verwiesen.
4. Handlungsfelder des Auszugsmanagements
4.1 Zusammenarbeit mit Klient*innen
Die Arbeit mit den Klient*innen teilt sich in drei Phasen auf: Dem Clearing, zusammen mit
der Unterstützung bei der Wohnungssuche, der Umzugsbegleitung und der Nachbetreuung.
Alle Phasen sind gemäß des Empowerment-Ansatzes so gestaltet, dass die Klient*innen ent-
sprechend ihrer Ressourcen durch das Auszugsmanagement begleitet werden und zur Errei-
chung der Selbstwirksamkeit möglichst viele Schritte selbstständig abwickeln.
4.1.1 Beratung und Unterstützung bei der Wohnungssuche/ Clearing
Im Clearing wird ein Erstgespräch geführt, bei dem die Situation der Klient*innen abgefragt
wird.
Dabei stehen folgende Themen im Fokus:
finanzielle, aufenthaltsrechtliche und gesundheitliche Situation
Antrag auf einen Wohnberechtigungsschein
Flexibilität und Mobilität in Bezug auf die Wohnungssuche
mögliche Vermittlungshemmnisse
Beantragung einer Schufa-Auskunft
Darüber hinaus erhalten die Klient*innen Informationen über den Kölner Immobilienmarkt,
über den Ablauf einer Wohnungsvermittlung und darüber, was es bei einem Wohnungswech-
sel zu beachten gilt.
Nachdem die Beratungsleistung bedingt durch Corona innerhalb der letzten zwei Jahre fast
ausschließlich digital erfolgen musste, stellte sich im Jahr 2022 in den meisten Bereichen
langsam wieder Normalität ein. Die Beratungsgespräche zwischen den Klient*innen und Trä-
gern fanden nach und nach wieder persönlich statt und auch Begleitungen zu Wohnungsbe-
sichtigungen waren wieder möglich.
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Kontakte zu Behörden bestanden im Jahr 2022 aufgrund der Corona-Regelungen jedoch
zum Großteil weiterhin in digitaler Form. Hierbei benötigten viele Klient*innen noch Unterstüt-
zung durch das Auszugsmanagement.
Die Beratung bei der Wohnungssuche ist ein Hauptbestandteil der Arbeit des Auszugsmana-
gements. Diese erfolgt sowohl durch Einzelberatungen als auch durch Schulungen, die
durch die Mitarbeiter*innen durchgeführt werden. So fanden im Sinne des Empowerment-
Ansatzes vermehrt Workshops zum Thema Wohnungssuche statt. In diesen geben die Sozi-
alarbeiter*innen den Menschen eine erste Orientierung bei der Wohnungssuche und erläu-
tern die grundlegenden Abläufe.
Die Mitarbeitenden, die sich mit der Vermittlung Geflüchteter aus der Ukraine befassten,
führten im Jahr 2022 überdurchschnittlich viele Erstberatungsgespräche und Schulungen in
Unterbringungseinrichtungen für Ukrainer*innen durch.
Während der Corona-Pandemie zeigte sich zudem ein wachsender Bedarf, Geflüchtete
durch digitale Angebote zu unterstützen. Daher ist für das Jahr 2023 die Erstellung eines Tu-
torials als Hilfsmittel für die Wohnungssuche geplant, wodurch die Geflüchteten bei der
selbstständigen Wohnungssuche unterstützt werden.
4.1.2 Umzugsbegleitung
In der zweiten Phase, der Umzugsbegleitung, werden die Klient*innen bei der Erledigung der
formellen Aufgaben (Kautionsantrag, Beantragung der Mietkosten, Erläuterung des Mietver-
trages, Wohnungsübergabe, Beantragung der Erstausstattung, Stromanmeldung etc.) unter-
stützt und je nach Bedarf begleitet.
Einen wesentlichen Teil der Arbeit mit den Klient*innen stellen Antragstellung und Bearbei-
tung von Formularen dar, angefangen mit dem Einreichen des Mietangebotes beim jeweils
zuständigen Sozialleistungsträger bis hin zur Antragstellung auf Kaution oder Erstausstat-
tung. Dies stellt für viele Klient*innen eine Herausforderung dar und bedarf oft der Unterstüt-
zung seitens des Auszugsmanagements.
Ebenso sind die Beratung und die Begleitung während der Mietvertragsunterzeichnung von
großer Bedeutung. Es werden Rechte und Pflichten von Mieter*innen und Vermieter*innen,
die Hausordnung und der Umgang mit dem Mietobjekt, wie zum Beispiel das richtige Heizen,
Lüften und Energiesparen, besprochen. Ebenso werden Nebenkostenvorauszahlungen und
mögliche Nachzahlungen aufgeschlüsselt und erklärt. Anträge in Verbindung mit dem Leis-
tungsbezug wie z.B. Kinder- und Elterngeld oder Unterhaltsvorschuss werden, wenn diese
für die Vermittlung und Finanzierung der Wohnung relevant sind, ebenfalls bearbeitet. Um
einen möglichst reibungslosen Informationsfluss zu garantieren, werden an dieser Stelle
häufig Dolmetscher*innen hinzugezogen.
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Eine besondere und zeitintensive Herausforderung stellt die Vermittlung von Menschen mit
Behinderungen in geeigneten Wohnraum dar. Der Kölner Wohnungsmarkt bietet derzeit nur
wenig Angebote an bezahlbaren barrierefreien oder behindertengerechten Wohnungen. In
zwei Fällen konnten im Berichtsjahr Vermieter*innen dazu motiviert werden, spezielle Um-
baumaßnahmen durchzuführen, um ein barrierefreies Wohnen zu ermöglichen.
4.1.3 Nachbetreuung
In der Phase der Nachbetreuung stehen die Mitarbeiter*innen des Auszugsmanagements
noch weitere drei Monate nach dem Umzug zur Verfügung, um eine Orientierung und In-
tegration im neuen Stadtteil zu erleichtern.
Die Klient*innen werden zu den Themen Ummeldung und Privathaftpflichtversicherung, der
Stromanmeldung und dem Antrag auf die Rundfunkgebührenbefreiung beraten und unter-
stützt.
Die Mitarbeitenden des Auszugsmanagements verfügen über ein breites Netzwerk an Bera-
tungsangeboten und vermitteln bei spezifischen Problemen auch unmittelbar an entspre-
chende Fachberatungsstellen.
4.2 Akquise und Öffentlichkeitsarbeit
Aufgrund des angespannten Wohnungsmarktes im Bereich der bezahlbaren und angemes-
senen Wohnungen ist beabsichtigt, dass sich das Auszugsmanagement zukünftig noch stär-
ker auf die Wohnraumakquise ausrichtet.
Zu diesem Thema fand im Mai 2022 ein Workshop statt, mit der Zielsetzung, Akquise und
Öffentlichkeitsarbeit auszubauen und zu verstärken. Als Ergebnis des Workshops wurde
eine Arbeitsgruppe gegründet, die sechsmal im Jahr zusammenkommt.
Im Jahr 2022 fanden seit der Gründung der Arbeitsgruppe im August zwei Treffen statt.
Die AG Akquise hat sich zum Ziel gesetzt, Kooperationsvereinbarungen mit neuen Wohn-
baugesellschaften einzugehen und bereits bestehende auszubauen und zu etablieren. Zu-
dem sollen noch mehr private Vermieter*innen für Vermittlungen gewonnen werden. Seit
dem ersten Treffen der AG im August 2022 wurde mit der Bestandsaufnahme der bisherigen
Kooperationen begonnen, neue Zielgruppen festgelegt und untereinander verteilt. Neben pri-
vaten Vermieter*innen wurden Immobilienvermittlungen, Wohnungsgesellschaften, Genos-
senschaften, Vereine (z.B. Sport und Karneval) und Kirchengemeinden als Zielgruppen defi-
niert. Die gemeinsame Planung und Erfassung der Kontaktaufnahmen durch die Träger und
die städtische Koordinationsstelle in einer Datenbank dient der Übersichtlichkeit und Effi-
8
zienzsteigerung. Die Kontaktaufnahmen werden gezielt gesteuert und das Ergebnis protokol-
liert. Durch die Zuweisung fester Verantwortlichkeiten werden Doppelungen vermieden und
dauerhafte Kooperationen mit konstanten Ansprechpartner*innen ermöglicht.
Zur Bewerbung des Projekts wurde eine Mappe erstellt, die den Mehrwert und das Alleinstel-
lungsmerkmal des Projektes für Vermietende vermittelt. Darin enthalten sind allgemeine In-
formationen zum Auszugsmanagement, ein Best Practice Beispiel zur Veranschaulichung für
Vermietende sowie die Kontaktdaten der Träger des Auszugsmanagements und der städti-
schen Koordinationsstelle.
In Bezug auf die Öffentlichkeitsarbeit wurden für das Jahr 2023 die folgenden Maßnahmen
beschlossen: Vorstellung des Auszugsmanagements in Tageszeitungen, Mitgliederzeitschrif-
ten der Zielgruppe (z.B. Haus und Grund), Newslettern, Pfarrbriefen, Sozialen Medien (z.B.
Facebook) sowie über Flyer und Aushänge (z.B. in Kirchengemeinden, Supermärkten).
4.3 Vernetzung und Zusammenarbeit mit ehrenamtlich Engagierten
Die Vernetzung und Zusammenarbeit mit ehrenamtlich Engagierten ist ein wichtiger Faktor
der Arbeit des Auszugsmanagements. Im Berichtszeitraum fanden insgesamt fünf Treffen
mit dem AK Politik und anderen Akteur*innen der Flüchtlingsarbeit statt.
Themenschwerpunkte im Jahresverlauf waren unter anderem Unterstützungsangebote und
Wohnungsvermittlungen für ukrainische Geflüchtete, mögliche Hilfen für „vorübergehende“
Gastgebende und Unterkunftsangebote sowie eine verbesserte und beschleunigte Zusam-
menarbeit mit den im Wohnungsvermittlungsprozess involvierten Institutionen. Auch die
Möglichkeit der Übernahme von Transportkostenzuschüssen für Umzüge über das Forum
für Willkommenskultur ist als Ergebnis und Erfolg dieser Abstimmungsrunden zu werten.
5. Analyse und Auswertung
5.1 Controlling
Im Jahr 2018 hat die städtische Koordinationsstelle ein Controlling implementiert. Ziel des
Controllings ist, für das Auszugsmanagement sinnvolle und aussagefähige Kennzahlen zu
entwickeln, um langfristig Aussagen über die Wirkungsweise des Auszugsmanagement täti-
gen zu können.
Vierteljährlich erfolgt ein Datenabgleich zwi schen den Trägern und der städtischen Koordi-
nationsstelle, um die Datenqualität zu sichern und Inkonsistenzen zu vermeiden. Diese Aus-
wertung ist inzwischen etabliert und wird laufend fortgeschrieben.
9
5.1.1 Vermittlungszahlen
Im Folgenden wird die Entwicklung der Vermittlungszahlen seit der Einführung des Control-
lings im Jahr 2018 aufgezeigt sowie ein Ausblick auf das Jahr 2023 gegeben.
Entwicklung der Vermittlungszahlen 2018-2022
Jahr Personenanzahl Anzahl Wohnungen
2018 426 144
2019 371 132
2020 407 130
2021 334 110
2022 284 (davon 111 Ukrainer*in-
nen)
103 (davon 43 an Ukrai-
ner*innen)
Vermittlungszahlen 2022
Im Jahr 2022 wurden 284 Personen erfolgreich in 103 Wohnungen vermittelt.
Herkunft vermittelte
Wohnungen
2021 2022
GAG 45
(41%)
29
(28%)
Privat 40
(36%)
57
(55%)
Andere (z.B. Woh-
nungsbaugesell-
schaften, Kirche,
Ehrenamt)
25
(23%)
17
(17%)
28%
55%
17%
Erfolgreich vermittelte
Wohnungen
(01.01.2022-31.12.2022)
GAG Privat Andere
10
Folgende Haushaltsgrößen wurden vermittelt:
Die vermittelten Wohnungen teilen sich wie folgt auf die Stadtteile auf:
Die Anzahl der vermittelten Wohnungen war im Jahr 2022 erneut rückläufig. Ein wesentlicher
Grund hierfür ist der nach wie vor stark angespannte Wohnungsmarkt in Köln.
Auffällig ist, dass sich der Anteil der privaten Angebote deutlich auf jetzt 55% der gesamten
Wohnungsvermittlungen erhöht hat. Nach Ausbruch des Krieges in der Ukraine wandten sich
viele private Vermieter*innen an das Auszugsmanagement und unterstützten somit zahlreiche
Haushaltsgröße Anzahl %
1 Person 24 23%
2 Personen 33 32%
3 Personen 21 20%
4 Personen 7 7%
5 Personen 9 9%
6 Personen 5 5%
7 Personen 4 4%
Stadtteile Anzahl %
Außerhalb Kölns 3 3%
Chorweiler 17 17%
Ehrenfeld 16 16%
Innenstadt 2 2%
Kalk 9 9%
Lindenthal 7 7%
Mülheim 18 17%
Nippes 7 7%
Porz 13 12%
Rodenkirchen 11 10%
Abbildung 1Haushaltsgröße
23%
32%
20%
7%
9%
5% 4%
0
5
10
15
20
25
30
35
Haushaltsgrößen
1 Person
2 Personen
3 Personen
4 Personen
5 Personen
6 Personen
7 Personen
3%
17%
16%
2%
9%
7%
17%
7%
12%
10%
0
2
4
6
8
10
12
14
16
18
Außerhalb
Kölns
Chorweiler
Ehrenfeld
Innenstadt
Kalk
Lindenthal
Mülheim
Nippes
Porz
Rodenkirchen
11
Familien beim Umzug in eine eigene Wohnung. Da viele private Vermieter*innen ausschließ-
lich an Geflüchtete aus der Ukraine vermieten wollten, war der A nteil der vermittelten Woh-
nungen an diese Gruppe im Vergleich zu Geflüchteten aus anderen Herkunftsländern hoch.
So wurden von 57 privaten Wohnungsvermittlungen 30 Wohnungen an Ukrainer*innen vermit-
telt.
Bei der GAG hingegen reduzierten sich die Wohnungsangebote um 13 %. Ein Grund hierfür
war der Wegfall der Vermittlungen in Wohnungen nach RL Flü (Richtlinie zur Förderung von
Wohnraum für Flüchtlinge) seit Ende 2021.
Dennoch ist die GAG mit einem Anteil von 28% an den vermittelten Wohnungen weiterhin eine
sehr wichtige Kooperationspartnerin des Auszugsmanagements.
Bei der Größe der vermittelten Haushalte hatten insbesondere Singlehaushalte und kleinere
Familien (bis zu drei Personen) Chancen auf eine Vermittlung. Für größere Haushalte (ab vier
Personen) war es weitaus schwieriger, geeigneten Wohnraum auf dem freien Wohnungsmarkt
zu finden. Dennoch wurden dem Auszugsmanagement im Jahr 2022 einige Einfamilienhäuser
für große Familien von privaten Vermieter*innen angeboten, so dass die Vermittlung szahlen
für Großfamilien im Vergleich zu 2021 gestiegen sind.
Angesichts des stark angespannten Wohnungsmarktes in Köln ist das Auszugs management
nach wie vor ein erfolgreiches Projekt, um Geflüchteten eine eigene Wohnung als wesentli-
chen Schritt zur Integration zu verschaffen.
5.2 Wirkungen des Auszugsmanagements
Die eigene Wohnung ist ein Ort des Wohlfühlens, der Privatsphäre und des Rückzugs, der
eine zurückgewonnene „Normalität“ schafft und damit die Grundlage für eine stabile Lebens-
führung bildet. Geflüchtete Menschen können ihren Tagesablauf wieder selbstständig regeln
und ihr Leben selbstbestimmt und eigenverantwortlich gestalten.
5.2.1 Hilfe und Unterstützung bei der Integration in die Stadtgesell-
schaft
Das Kennenlernen der neuen Nachbarschaft und die Anbindung an die lokalen sozialen,
wirtschaftlichen und kulturellen Institutionen fördern die soziale Integration und erleichtern
ein „Ankommen“ der Geflüchteten im neuen Stadtteil. Die Unterbringung der Geflüchteten in
den unterschiedlichen Stadtteilen wirkt zudem einer sozialräumlichen Segregation entgegen.
Durch Austausch und Kommunikation mit den Stadtteilbewohner*innen können Vorbehalte
und Berührungsängste auf beiden Seiten abgebaut werden. Die Geflüchteten können sich
eigenständig in der neuen Umgebung zurechtzufinden und eigene Netzwerke aufbauen. Die
12
verbesserte Wohnsituation ermöglicht es den Menschen, sich ein eigenständiges Leben in
Deutschland aufzubauen. In der eigenen Wohnung finden sie die nötige Ruhe, sich auf ihre
Sprachkurse, Schule, Ausbildung und die Arbeitssuche zu konzentrieren.
5.2.2 Empowermenthaltung in der Arbeit des Auszugsmanagements
Die Beratung im Auszugsmanagement findet, wie oben bereits erwähnt, mit einer empowern-
den Grundhaltung statt. Dabei geht es um die (Re -)Aktivierung von Ressourcen, in Situatio-
nen, in denen sich die Menschen zunächst noch orientieren müssen. Sie werden sich durch
die Beratung ihrer eigenen Fäh igkeiten wieder bewusst, finden zu ihren Kräften und Stärken
zurück und können dadurch die Situation wieder selbst steuern. Es handelt sich dabei um
Prozesse der „Wiederherstellung von Selbstbestimmung über die Umstände des eigenen Le-
bens“1 Dieser Rückgriff auf das eigene positive Kapital macht den Klient*innen Mut und führt
zu positiven Selbstwirksamkeitserfahrungen. Die Reaktivierung der Ressourcen, oftmals nach
einer Zeit vieler Herausforderungen, ist wichtig für die psychische und physische Gesundheit.
Dabei wird mit den Menschen entsprechend der individuellen Erfahrung und Lebenssituation
gearbeitet. Die Aktivierung der persönlichen Potenziale kann auf verschiedenen Ebenen wir-
ken, z.B. zur Erhaltung der Lebens - und Funktionsfähigkeit (operating), zur Problembewälti-
gung (coping), zur Gestaltung der eigenen Lebenssituation (creating) oder zur Entwicklung der
Persönlichkeit (developing).2 Es wird dabei zwischen zwei Arten von Ressourcen unterschie-
den: den personellen Ressourcen, als biografisch entstandene und persönlichkeitsgebunden
Überzeugungen, Wertehaltungen, Bewältigungsstile und Handlungskompetenzen und den
Umweltressourcen, in Form von Beziehungen/Netzwerken sowie strukturellen Ressourcen,
wie Teilhabe, Arbeitsmarktintegration und Wohnen. In der Praxis erfolgt die Aktivierung z.B. in
Einzelgesprächen und in den Workshops.
5.2.3 Antidiskriminierung
„Der Wohnungsmarkt ist einer der Lebensbereiche, in dem Menschen mit (familiärer) Einwan-
derungsgeschichte am häufigsten aufgrund ihrer (zugeschriebenen) ethnischen Herkunft oder
Religionszugehörigkeit diskriminiert werden“3 Wie der aktuelle Bericht der Bundesregierung
konstatiert, lässt sich rassistische Diskriminierung auf dem Wohnungsmarkt an verschiedenen
Stellen beobachten. Durch den Auftrag des Auszugsmanagements wirken die Träger hierbei
bereits strukturell in ihrem Ra hmen als eine Art Korrektiv. Dies geschieht dadurch, dass die
1 Herriger, Norbert, Empowerment in der Sozialen Arbeit, S. 20 nach Lawrence 2016; McLaughlin
2016
2 Herriger, Norbert, Empowerment in der Sozialen Arbeit, S.93; nach Petzold 1997
3 13. Bericht der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration 2023
13
Auszugsmanager*innen durch Prüfung der Wohnobjekte sowie die Begleitung des Vermitt-
lungsprozesses diskriminierende Parameter (z.B.: zu hohe Miete für zu schlechte Wohnquali-
tät, Vorbeuge vor Ausbeutung durch Vermieter*innen) ausschließen. Darüber hinaus werden
in der operativen Arbeit Vermieter*innen bei der Kontaktaufnahme durch die Auszugsmana-
ger*innen dahingehend sensibilisiert, keine Einschränkung hinsichtlich der ethnischen Her-
kunft potenzieller neuer Mieter*innen vorzunehmen. Im Jahr 2022 hatte die Mehrheit der Pri-
vatvermieter*innen eine konkrete Vorstellung hinsichtlich der ethnischen Herkunft und wollten
ausschließlich an Ukrainer*innen vermieten. Hier wurde zunächst durch die städtische Ko or-
dination bei der Aufnahme der Wohnungsangebote sensibilisiert. Wenn dies nicht zum Erfolg
führte, setzten im zweiten Schritt hier die Auszugsmanager*innen erneut an. Dabei wurde ver-
sucht, die Vermieter*innen davon zu überzeugen, die Vorgaben hinsichtlich der ethnischen
Herkunft zu überdenken und zurückzunehmen. Das Auszugsmanagement wirkt also antiras-
sistisch in die Stadtgesellschaft hinein. Neben dieser Wirkung ist es, basierend auf den Erfah-
rungen der Auszugsmanager*innen, und unter Berücksichtigung der bisher mangelnden sys-
tematischen Erforschung rassistischer Diskriminierung auf dem Wohnungsmarkt4 ratsam, das
Auszugsmanagement auch als ein Instrument zur Identifizierung hierfür zu nutzen.
5.2.4 Nachhaltigkeit der Wohnungsvermittlung
Ziel der Arbeit im Auszugsmanagement ist es, die Nachhaltigkeit einer Wohnungsvermittlung.
sicherzustellen. Dies wird erreicht, indem die Geflüchteten grundsätzlich in unbefristete Miet-
verträge vermittelt werden und die Auszugsmanager*innen nach Einzug noch für weitere drei
Monate bei Fragen zur Verfügung stehen. Auf diese Weise kann Konflikten entgegengewirkt
und Missverständnissen vorgebeugt werden.
Private Vermieter*innen und kooperierende Wohnungsgeber*innen (z.B. GAG, Die Ehrenfel-
der, Aachener Siedlungs- und Wohnungsgesellschaft) profitieren von der Arbeit des Auszugs-
managements. Sie haben feste und verlässliche Ansprechpartner*innen und keinen Aufwand
bei der Suche nach Mieter*innen.
Aufgrund der guten Zusammenarbeit und Unterstützung durch das Auszugsmanagement im
Mietprozess können jedes Jahr sowohl neue private Vermieter*innen als auch Wohnungsbau-
gesellschaften für eine langfristige Kooperation gewonnen werden.
5 Fazit/ Ausblick
Die Ankunft tausender geflüchteter Ukrainer*innen aufgrund des Ausbruchs des Krieges am
24. Februar 2022 löste bei der Kölner Bevölkerung eine große Welle der Hilfsbereitschaft
4 13. Bericht der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration 2023, S.
38
14
aus. Viele Vermieter*innen wandten sich an das Auszugsmanagement, um Wohnraum für
Geflüchtete aus der Ukraine zur Verfügung zu stellen oder Beratung bezüglich der Aufnahme
Geflüchteter in privaten Wohnraum in Anspruch zu nehmen. Die Schaffung einer zusätzli-
chen Stelle im Auszugsmanagement im Juni 2022, speziell zur Unterstützung Geflüchteter
aus der Ukraine, ermöglichte die Vermittlung zahlreicher Ukrainer*innen in privaten Wohn-
raum.
Insgesamt lässt sich festhalten, dass sich das Auszugsmanagement auch im Jahr 2022 als
integrationsförderndes Mittel der Stadt Köln in der Arbeit mit Geflüchteten bewährt hat. Das
Auszugsmanagement ist als Beratungsstelle ein best-practice Beispiel für die gelungene Un-
terstützung von geflüchteten Menschen bei der Vermittlung in den regulären Wohnungs-
markt. Das Auszugsmanagement leistet einen nachhaltigen Beitrag, die Lebens- und Wohn-
situation der Geflüchteten zu verbessern, sozialem Ungleichgewicht entgegenzuwirken und
die Integration schutzbedürftiger Menschen zu fördern.
Das Thema Akquise wird in 2023 forciert. Weitere Wohnungsgesellschaften und -genossen-
schaften, Kirchengemeinden sowie Karnevals- und Sportvereine werden kontaktiert, um per-
spektivisch Kooperationspartnerschaften mit Vermieter*innen zu schließen.
Das Auszugsmanagement wird sich auch 2023 für eine Sensibilisierung der Öffentlichkeit
einsetzen.
15
Literaturverzeichnis
Lawrence, J: A working definition of empowerment. National Empowerment Center Massa-
chusetts. Boston 2016.
McLaughlin, K.: Empowerment. A critique. London/New York 2016.
Petzold, H.: Das Ressourcenkonzept in der sozial-interventiven Praxelogie und Systembera-
tung. In: Integrative Therapie 4/1997. S 435-471.
13. Bericht der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und In-
tegration : Rassismus in Deutschland : Ausgangslage, Handlungsfelder, Maßnahmen*.
(2023). In https://www.bundestag.de/ (Drucksache 20/5670). Deutscher Bundestag. Abgeru-
fen am 9. März 2023, von https://dserver.bundestag.de/btd/20/056/2005670.pdf
Mitteilung Ausschuss
1620 Zeichen
Dezernat, Dienststelle V/562/2 Vorlagen-Nummer 29.03.2023 1009/2023 Mitteilung öffentlicher Teil Gremium Datum Integrationsrat 18.04.2023 Ausschuss für Soziales, Seniorinnen und Senioren 20.04.2023 Runder Tisch für Flüchtlingsfragen 21.04.2023 Unterausschuss Wohnen 14.08.2023 Jahresbericht Auszugsmanagement für den Zeitraum 01.01.-31.12.2022 Seit Oktober 2011 besteht das von der Stadt finanzierte Projekt „Auszugsmanagement“, wel- ches Geflüchtete in eigenen Wohnraum vermittelt. Das Amt für Wohnungswesen hat die Trä- ger Caritasverband, Deutsches Rotes Kreuz und Kölner Flüchtlingsrat mit der Durchführung beauftragt. Mit dem Ratsbeschluss vom 14.11.2017 ist das Auszugsmanagement als unbefristete Aufga- be mit insgesamt drei Vollzeitstellen verstetigt worden. Vier weitere Vollzeitstellen sind befris- tet bis zum 31.12.2023. Darüber hinaus hat der Rat der Stadt Köln am 05.05.2022 die Finan- zierung einer weiteren Vollzeitstelle sowie der Bereitstellung zusätzlicher Mittel für Personal- und Sachkosten für den Zeitraum vom 01.06.2022 bis zum 31.05.2023 zur Unterstützung uk- rainischer Geflüchteter beschlossen. Der Jahresbericht des Auszugsmanagements für das Jahr 2022 wird zur Kenntnis gegeben. Unter Berücksichtigung der prekären Lage am Wohnungsmarkt in Köln ist das Auszugsma- nagement nach wie vor ein wichtiger Baustein, Geflüchtete in die Stadtgesellschaft zu integ- rieren. Gez. Dr. Rau Anlage 1 - Jahresbericht Auszugsmanagement Anlage 2 - Controlling Auszugsmanagement 1.- 4. Quartal 2022 Anlage 3 - Controlling Auszugsmanagement 1.- 4. Quartal Ukrainestelle
Controlling AM 2022 1.-4. Quartal
3829 Zeichen
Controlling AM 2022 1. Quartal 2. Quartal 3. Quartal 4. Quartal Gesamt Allgemeines Infoveranstaltungen für Geflüchtete 2 5 9 16 Anzahl Teilnehmer*innen Infoveranstaltungen 27 29 66 122 Erstberatungen 19 51 19 13 102 Erfolgreiche eigene Akquise 1 4 5 Bearbeitete Wohnungsangebote Wohnungsangebote GAG 8 3 16 11 38 Wohnungsangebote GAG (OV) 1 7 8 Wohnungsangebote Aachener Siedlungsg. 1 1 Wohnungsangebote Ehrenfelder 0 Wohnungsangebote andere Wohnungsbaugesellschaften 2 2 3 6 13 Wohnungsangebote Privat 26 53 25 26 130 RI Flü 2 1 3 Wohnungsangebote Sonstige 2 3 5 Gesamtsumme 42 66 44 46 198 Bearbeitete Wohnungsangebote mit WBS 8 8 11 11 38 Begleitete Wohnungsbesichtigungen 23 41 25 25 114 Abgelehnte Angebote durch Vermieter*in 16 29 26 22 93 Abgelehnte Angebote durch Bewohner*in 4 18 7 3 32 Ablehnungsgründe Bewohner*in: Zu weit entfernt von Schule/ Arbeitsplatz 1 6 3 2 12 ÖPNV zu weit entfernt 1 1 Wohnung ist zu klein 3 3 1 7 Wohnung gefällt nicht 2 2 4 Möchte anderen Stadtteil 1 4 5 Sonstiges 2 1 3 Erfolgreich vermittelte Wohnungen Wohnungsangebote GAG 6 2 2 7 17 Wohnungsangebote GAG (OV) 2 2 Wohnungsangebote Aachener Siedlungsg. 0 Wohnungsangebote Ehrenfelder 0 Wohnungsangebote andere Wohnungsbaugesellschaften 2 1 3 2 8 Wohnungsangebote Privat 5 9 5 8 27 Rl Flü 2 1 3 Wohnungsangebote Sonstige 1 1 1 3 Gesamtsumme 16 15 11 18 60 Vermittelte Wohnungen mit WBS 6 6 5 7 24 Begleitete Mietvertragsunterzeichnung 12 15 10 16 53 Begleitete Wohnungsübergabe mit Protokoll 12 15 9 13 49 Schufa-Auskunft negativ 9 3 9 21 Stadtbezirk der vermittelten Wohnung Chorweiler 4 3 7 Ehrenfeld 2 1 1 4 8 Innenstadt 1 1 2 Kalk 2 2 2 2 8 Lindenthal 2 2 2 6 Mülheim 2 1 4 2 9 Nippes 1 1 2 Porz 2 2 3 5 12 Rodenkirchen 1 3 1 5 Andere Stadt / Gemeinde 1 1 Gesamtsumme 60 Beherbergungsbetrieb 3 1 1 3 8 nicht abgeschlossene Wohneinheit 3 6 2 1 12 abgeschlossene Wohneinheit 10 8 8 14 40 Gesamtsumme 60 Wohnungsangebote GAG 21 4 4 14 43 Wohnungsangebote GAG (OV) 2 2 Wohnungsangebote Aachener Siedlungsges. 0 Wohnungsangebote Ehrenfelder 0 Wohnungsangebote andere Wohnungsbaugesellschaft 1 2 12 8 23 Wohnungsangebote Privat 19 19 25 28 91 RI Flü 6 1 7 Wohnungsangebote Sonstige 6 1 7 Gesamtsumme 53 28 42 50 173 Vermittelte Personen mit WBS 21 9 16 14 60 Wohnungsangebote GAG 1 2 3 Wohnungsangebote GAG (OV) 2 2 Wohnungsangebote Aachener Siedlungsges. 0 Wohnungsangebote Ehrenfelder 0 Wohnungsangebote andere Wohnungsbaugesellschaft 1 2 3 Wohnungsangebote Privat 4 2 6 RI Flü 0 Wohnungsangebote Sonstige 1 1 0 Gesamtsumme 2 6 5 14 Vermittelte Personen mit WBS und Erwerbseinkommen 1 2 2 5 Haushaltsgröße der vermittelten Haushalte 1 Person 2 8 2 3 15 2 Personen 4 3 3 8 18 3 Personen 4 3 3 10 4 Personen 2 1 3 5 Personen 2 1 1 3 7 6 Personen 1 3 4 7 Personen 1 1 1 3 > 8 Personen 0 Gesamtsumme vermittelte Haushalte 60 Aufenthaltsstatus aller vermittelten Personen Aufenthaltserlaubnis 40 21 28 27 116 Aufenthaltsgestattung 4 5 9 Duldung 8 3 14 16 41 Fiktionsbescheinigung 1 1 Niederlassungserlaubnis 0 Sonstiges/ Asylbewerberleitungsgesetz 5 1 6 Gesamtsumme 173 Qualitätsstandard der bisherigen Unterbringung Erfolgreich vermittelte Personen insgesamt Erfolgreich vermittelte Personen mit Erwerbseinkommen Einkommenssituation des Haushaltsvorstandes Ausschließlich Erwerbseinkommen 2 2 1 5 Ausschließlich SGB II Bezug 11 9 4 7 31 Aufstockend mit SGB II Bezug 2 1 1 5 9 Ausschließlich SGB XII Bezug 3 1 4 Aufstockend mit SGB XII Bezug 0 Ausschließlich Leistungen nach dem AsylbLG 3 4 4 11 Herkunftsland der vermittelten Personen Afghanistan 7 11 18 Albanien 7 2 6 2 17 Angola 7 7 Armenien 0 Bosnien 2 2 Eritrea 2 5 7 Georgien 2 2 Ghana 3 3 Guinea 2 4 6 Irak 7 15 22 Iran 3 3 Kosovo 8 8 Mazedonien 2 2 Montenegro 0 Nigeria 2 3 6 11 Russland 2 3 5 10 Serbien 4 2 6 Syrien 5 11 2 3 21 Ukraine 0 Sonstige 9 3 14 2 28 Gesamtsumme 173
Beratungsverlauf (4)
Beschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungBeschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungBeschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungBeschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungDetails
- Aktenzeichen
- 1009/2023
- Typ
- Mitteilung Ausschuss
- Datum
- 17.04.2023
- Erstellt
- 21.03.2023 11:14