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Waldzustandsbericht 2021 für den Stadtwald Darmstadt (WZB 2021)
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Im Auftrag der: Wissenschaftsstadt Stadt Der Magistrat Grünflächenamt Waldzustandsbericht 202 1 für den Stadtwald Darmstadt Inhaltsverzeichnis 1 Methodik ....................................................................................................................... 3 Durchführung 2021 ...................................................................................................................................... 6 2 Ergebnisse ..................................................................................................................... 8 Stadtwald Darmstadt.................................................................................................................................... 8 Nadel-/Blattverlust ............................................................................................................................................... 8 Vergilbung .......................................................................................................................................................... 11 Schadstufen ........................................................................................................................................................ 11 Stehend tote Bäume und Mortalitätsrate .......................................................................................................... 12 Fruktifikation ...................................................................................................................................................... 13 Buche .................................................................................................................................................................. 13 Kiefer .................................................................................................................................................................. 14 Eiche ................................................................................................................................................................... 15 Sonstige Laubbäume .......................................................................................................................................... 15 Sonstige Nadelbäume ........................................................................................................................................ 16 Westwald .................................................................................................................................................... 16 Ostwald ....................................................................................................................................................... 19 3 Witterung .................................................................................................................... 21 Das Jahr 2020 ............................................................................................................................................. 21 Das Jahr 2021 ............................................................................................................................................. 21 Witterungstrend ......................................................................................................................................... 22 4 Bestandes- und Verbisserhebung ................................................................................. 23 Bestandeserhebung .................................................................................................................................... 23 Verbisserhebung......................................................................................................................................... 26 5 Fazit ............................................................................................................................. 29 6 Glossar ........................................................................................................................ 31 7 Literaturverzeichnis ..................................................................................................... 32 Bearbeitung: Stefan Meining Büro für Umweltüberwachung Im Sauergarten 84 79112 Freiburg www.stefanmeining.de Dezember 2021 3 Stadtwald Darmstadt – Waldzustandsbericht 202 1 1 Methodik Der Zustand des Waldes ist in den vergangenen Jahren in Folge dramatisch gestiegener Waldschäden wieder ver - stärkt in den öffentlichen Fokus geraten. Die Auswi rkun- gen des fortschreitenden Klimawandels sind in den W äl- dern überdeutlich abzulesen. Die jährliche Waldzu- standserhebung untersucht Waldschäden nach einem systematischen Verfahren, wodurch der aktuelle Zu- stand des Waldes beschrieben sowie aktuelle Trends der Waldentwicklung abgeleitet werden können. Mit Hilfe der erhobenen Daten können Anpassungsstrategien der Waldnutzung entwickelt und eingeleitete Maßnahmen regelmäßig überprüft werden. Abb. 1: Stichprobenpunkte der Waldzustandserhebung in Stadtwald Darmstadt getrennt nach Westwald: orange und Ostwald: blau (Kartenhintergrund: OpenStreetMap). 4 Stadtwald Darms tadt – Waldzustandsbericht 202 1 Bundesweit wird die Waldzustandserhebung seit dem Jahr 1984 durchgeführt. In Hessen findet die Waldzu - standserhebung jährlich auf dem weitmaschigen 8x8 km- Netz statt, um repräsentative Ergebnisse über den Vitali- tätszustand der Wälder auf Landesebene zu erhalten. Zudem wird in der stark belasteten Rhein-Main-Ebene der Waldzustand auf dem etwas dichteren 4x4 km-Netz erhoben. Beide Erhebungen können zum Vergleich der Ergebnisse im Stadtwald Darmstadt herangezogen wer- den, da die Aufnahmen zum Waldzustand nach gleichem Verfahren und in enger Abstimmung mit der NW-FVA stattfinden. Der Waldzustand im Stadtwald Darmstadt wird auf ei- nem Raster mit einem Abstand von 250x250 Metern durchgeführt. Dadurch ist eine ausreichende Genauig - keit der Ergebnisse für die standörtlich und klimat isch sehr unterschiedlichen Waldgebiete des West- und Os t- waldes sichergestellt (Abb. 1). An jedem Stichprobe n- punkt werden acht Bäume des herrschenden Bestandes (Kraft´sche Klasse 1 bis 3) dauerhaft markiert und jähr- lich auf den Gesundheitszustand untersucht (Abb. 2) . Wenn Bäume aus der Stichprobe ausfallen, z. B. durc h Sturmwurf oder biotischen Gründen, werden sie durch nächststehende Nachbarbäume ersetzt. Die Auswahl der Bäume sowie der gesamte Verfahrensablauf werden gemäß dem bundesweit abgestimmten Leitfaden zur Waldzustandserhebung durchgeführt (W ELLBROCK ET AL . 2018). Die erste Waldzustandserhebung im Stadtwald Darmstadt fand im Jahr 2020 statt und soll künftig jähr- lich wiederholt werden, um die Entwicklung des Ge- sundheitszustandes zu dokumentieren und aufzuzeigen. Die Waldzustandserhebung untersucht den Kronenzu- stand der Waldbäume. Als Hauptkriterium dient dabei der Nadel-/Blattverlust (mNBV) sowie die Vergilbung der Bäume (Abb. 3). Beide Parameter werden in 5-Prozent - stufen erhoben und anschließend zu Schadstufen ver- rechnet (Tab. 1). Zusätzlich werden im Rahmen einer ausführlichen Differentialdiagnose für jeden Baum a lle weiteren vitalitätsmindernden Schadsymptome aufge- nommen. Hierunter fallen insbesondere Schäden durch Insekten, Witterungsereignisse wie Trockenheit oder Frost sowie sichtbare Schäden durch mangelnde Nähr- stoffversorgung der Bäume. Die langjährigen Untersuchungen der Waldzustandser- hebung in Deutschland belegen den großen Einfluss d es Baumalters auf den Kronenzustand der Wälder. Wäh- rend junge Bäume bis etwa 60 Jahre meist eine dicht ere und vitalere Krone aufweisen, zeigen sich bei Bäume n über 60 Jahren in der Regel häufiger Schadsymptome und dementsprechend lichtere Baumkronen. Die Ergeb- nisse der Waldzustandserhebung werden daher sowohl zusammen als auch getrennt nach diesen beiden Alter s- stufen dargestellt. 0 - 10 % 11 - 25 % 26 - 60 % 61 - 100 % 0 - 10 % 0 0 1 2 11 - 25 % 1 1 2 2 26 - 60 % 2 2 3 3 61 - 99 % 3 3 3 3 100% 4 Schadstufe 0 Schadstufe 1 Schadstufe 2 Schadstufe 3 Schadstufe 4 mittelstark geschädigt deutlich geschädigt stark geschädigt abgestorben Kronen- verlichtung Vergilbung ungeschädigt schwach geschädigt Warnstufe Tab. 1: Herleitung der Schadstufen Abb. 2: Stichprobenpunkt der Waldzustandserhebung i m Stadtwald Darmstadt (Foto: S. Meining) 5 Stadtwald Darmstadt – Waldzustandsbericht 202 1 Abb. 3: Verschiedene Stadien der Kronenverlichtung jeweils von links nach rechts: Buche (oben): 0, 30 und 70 % Blattverlust. Kiefer (Mitte): 15, 40 und 75 % Nadelverlust. Eiche (unten): 5, 25 und 95 % Blattverlust (aus: A RBEITSGEMEINSCHAFT KRONENZUSTAND 2007) 6 Stadtwald Darms tadt – Waldzustandsbericht 202 1 Durchführung 2021 Die Waldzustandserhebung im Stadtwald Darmstadt wurde im Zeitraum vom 14. Juli bis 20. August 2021 durch Forstsachverständige mit langjähriger Erfahrung in der Waldzustandserhebung durchgeführt (Abb. 4). Im gesamten Stadtwald konnten 297 Stichprobenpunkte mit insgesamt 2.376 Bäumen untersucht werden (Tab. 2). Ein Stichprobenpunkt ruht dieses Jahr wegen Nic ht- Begehbarkeit der Fläche. Mit 32 % ist die Buche die häufigste Baumart, gefol gt von den sonstigen Laubbäumen (sLb, 27 %), Kiefer (21 %), Eiche (Stiel- und Traubeneiche 17 %) und de n sonstigen Nadelbaumarten (sNb, 3 %). Auf die Alters stu- fen „bis 60 Jahre“ entfallen 45 %, auf die Altersst ufe „über 60 Jahre“ 55 % aller Bäume. In der Altersklassenverteilung wird der vergleichsw eise geringe Anteil der jüngsten Altersklasse im Stadtwa ld ersichtlich (Abb. 5). Dagegen sind Bäume der Alters klas- se 21 bis 40 Jahre am häufigsten in der Stichprobe vertreten. Während die Altersklassen zwischen 41 un d 100 Jahren mit jeweils über 15 % relativ gleich ver teilt sind, geht der Anteil an Bäumen mit zunehmender Al- tersklasse merklich zurück. Im Westwald wurden dieses Jahr 164 Stichprobenpunk- te mit insgesamt 1.312 Bäumen im Rahmen der Waldzu- standserhebung untersucht (Tab. 2). Die häufigste Baumart mit 33 % ist hier die Kiefer, gefolgt von d en sonstigen Laubbäumen (28 %), der Buche (26 %) und d er Eiche (12 %). Die Altersstufe „bis 60 Jahre“ nimmt im Westwald einen Anteil von 43 % ein, gegenüber 57 % der Altersstufe „über 60 Jahre“. *: Bäume werden aufgrund der geringen Anzahl bei de r Aus- wertung der Ergebnisse den sNb zugerechnet. **: Baumartengruppe wird aufgrund der geringen Anza hl nicht einzeln ausgewertet Anzahl Prozent Anzahl Prozent Anzahl Prozent Aufnahmepunkte 297 - 164 - 133 - alle Baumarten 2.376 100% 1.312 55% 1.064 45% bis 60 Jahre 1.064 44% 562 43% 482 45% über 60 Jahre 1.312 56% 750 57% 582 55% Buche 772 32% 346 26% 426 40% Kiefer 492 21% 437 33% 55* 5% Eiche 408 17% 157 12% 251 24% sonstige Nadelbaumarten 60 3% 1** 0% 59 6% sonstige Laubbaumarten 644 27% 371 28% 273 26% Westwald Ostwald Gesamt Tab. 2: Anzahl untersuchter Stichprobenbäume bzw. Bäume Abb. 4: Aufnahmetrupp der Waldzustandserhebung bei der Baumansprache (Foto: S. Meining) 7 Stadtwald Darmstadt – Waldzustandsbericht 202 1 Im Ostwald konnten 133 Stichprobenpunkte mit insge- samt 1.064 Bäumen auf den Vitalitätszustand untersucht werden (Tab. 2). Mit großem Abstand ist hier die Bu che mit 40 % die häufigste Baumart. Dahinter folgen die sonstigen Laubbäume (26 %) und die Eiche (24 %). De ut- lich geringer vertreten sind die sonstigen Nadelbau mar- ten (6 %) und die Kiefer (5 %), die aufgrund der ge ringen Anzahl für den Ostwald gemeinsam ausgewertet wer- den. Die Waldzustandserhebung wurde dieses Jahr im Stadt - wald Darmstadt mit weiteren Aufnahmen zur Besandes- ansprache und zum Wildverbiss ergänzt. Hierzu wurde n an den vorhandenen Stichprobenpunkten unterschied- lich große Probekreise angelegt und baumartenspezif i- sche Erhebungen vorgenommen, um aktuelle Aussagen über das Verjüngungspotential und der Verbissbelastung der Waldbestände zu erhalten. Abb. 5: Anteil der Baumalter eingeteilt nach Altersklassen Abb. 6: Stark aufgelichteter Waldbestand im Darmstädter Westwald mit flächigem Unterwuchs mit Kermesbeere (Foto: S. Meining) 8 Stadtwald Darms tadt – Waldzustandsbericht 202 1 2 Ergebnisse Stadtwald Darmstadt Die Waldzustandsaufnahme 2021 bestätigt den anhal- tend schlechten Vitalitätszustand der Bäume im Stad t- wald Darmstadt. Die Auswirkungen der Dürrejahre 201 8 bis 2020 sind weiterhin deutlich im Wald sichtbar. Ne- ben zahlreichen stärker geschädigten Bäumen ist der Anteil an stehend abgestorbenen Bäumen nach wie vor sehr hoch (Abb. 8). Dabei zeigt sich vor allem im W est- wald ein besorgniserregender Schädigungsgrad der Wä l- der. Nadel-/Blattverlust Der Nadel-/Blattverlust liegt im Durchschnitt über alle Baumarten bei 37,6 % (Abb. 7) und somit in etwa auf dem gleichen Niveau wie im Vorjahr (2020: 37,9 %). Im Vergleich zur Landeserhebung der hessischen Wälder liegt das Schadniveau im Stadtwald Darmstadt um elf Prozentpunkte höher als der Landesdurchschnitt und über drei Prozentpunkte geringer als in der Sondere rhe- bung der Rhein-Main-Ebene (Tab. 3). Abb. 7: Mittlerer Nadel-/Blattverlust (Fehlerrahmen : 95% Konfidenzintervall) Abb. 8: Stark geschädigte bzw. abgestorbene Baumkronen (Foto: S. Meining) 9 Stadtwald Darmstadt – Waldzustandsbericht 202 1 Gegenüber dem Vorjahr zeigt sich vor allem für älte re Bäume (Altersstufe über 60 Jahre) eine Verschlech- terung im Kronenzustand. Der mittlere Nadel-/Blatt- verlust der älteren Bäume erhöht sich um 2,1 Prozen t- punkte auf 46,9 %. Dagegen ist aktuell bei den jüng eren Bäumen (Altersstufe bis 60 Jahre) aktuell im Durch- schnitt eine Verringerung des Verlustprozents um 6,0 Prozentpunkte auf 25,7 % zu verzeichnen. Im Ver - gleich hierzu kommen die landesweiten Ergebnisse de r Waldzustandserhebung auf eine mittlere Kronenverlic h- tung der älteren Bäume auf 31 % und der jüngeren Bäume auf 14 % (Tab. 3) Abbildung 10 zeigt die mittleren Nadel-/Blattverluste der einzelnen Stichprobenpunkte im Stadtwald Darmstadt. Stark geschädigte Waldbestände sind vor allem im Westwald zu finden. Besonders im südlichen Teil des Westwaldes ist der Anteil an Stichprobenpunkten mit hohen Nadel-/Blattverlusten über 40 % sehr hoch. An den meisten Aufnahmepunkten liegt die mittlere Kro- nenverlichtung hier zwischen 41 und 60 % bzw. zwischen 61 und 80 %. An fünf Stichprobenpunkten ist die Sch ädi- gung der Bäume derart hoch, dass mittlere Verlustwe rte zwischen 81 und 100 % erreicht werden. Dagegen ist im Ostwald der Schädigungsgrad der Wälder deutlich geringer. Der überwiegende Teil der aufge- nommen Stichprobenpunkte im Ostwald weisen einen mittleren Nadel-/Blattverlust unter 40 % auf, währe nd nur ein geringer Teil zwischen 41 und 60 % liegt. L edig- lich zwei Stichprobenpunkte zeigen im Ostwald eine mittlere Kronenverlichtung zwischen 61 und 80 %. St ich- probenpunkte mit einer mittleren Kronenverlichtung zwischen 81 und 100 % treten nicht auf. Stadtwald Darmstadt Hessen Gesamt Westwald Ostwald Gesamt Rhein-Main- Ebene Mittlerer Nadel- /Blattverlust (mNBV) 37,6 % 45,7 % 27,6 % 26 % 41 % mNBV bis 60 Jahre 25,7 % 31,7 % 18,7 % 14 % 27 % mNBV über 60 Jahre 46,9 % 56,2 % 34,9 % 31 % 42 % stärkere Schäden 20 % 29 % 9 % 8 % 22 % Mortalitätsrate 3,8 % 6,4 % 0,6 % 0,7 % 3,9 % Tab. 3: Anzahl untersuchter Stichprobenbäume bzw. Bäume (NW-FVA 2021a, NW-FVA 2021b) Abb. 9: Alteiche mit 20 % Blattverlust (Foto: S. Meining) 10 Stadtwald Darms tadt – Waldzustandsbericht 202 1 Die räumliche Verteilung der mittleren Nadel-/Blatt - verluste je Stichprobenpunkt zeigt für die beiden A lters- stufen „bis 60 Jahre“ und „über 60 Jahre“ ein unter - schiedliches Bild (Abb. 11). Während bei den jünger en Bäumen nur wenige Stichprobenpunkte mit höheren Nadel-/Blattverlusten zu erkennen sind, liegt der A nteil an stärker geschädigten Aufnahmepunkten bei den ält e- ren Bäumen sichtlich höher. Im Westwald ist der Ant eil an Aufnahmepunkten mit höheren Nadel-/Blattverlusten bei beiden Altersstufen gegenüber dem Ostwald deutlich erhöht. Abb. 10: Mittlerer Nadel-/Blattverlust der Stichprobenpunkte in Prozent 11 Stadtwald Darmstadt – Waldzustandsbericht 202 1 Vergilbung Eine Vergilbung der Nadeln und Blätter deutet in de r Regel auf eine Störung der Nährstoffversorgung hin. Insbesondere der Mangel an dem Nährelement Magne- sium führt bei Bäumen häufig zu einer typischen Gel b- verfärbung. Die Ergebnisse der Waldzustandserhebung zeigen, dass Vergilbungssymptome derzeit keine Roll e in der Bewertung des Vitalitätszustandes der Bäume im Stadtwald Darmstadt spielen. Im Vergleich zum Vorja hr verringert sich die Vergilbungsrate um zwei Prozent - punkte. Derzeit weisen lediglich 1 % aller aufgenom me- nen Bäume stärkere Vergilbungssymptome auf. Schadstufen Im Stadtwald Darmstadt gelten im Jahr 2021 insgesam t 19 % aller Bäume als ungeschädigt (Abb. 12). Gegenü ber dem Vorjahr erhöht sich dieser Anteil um vier Proze nt- punkte. Demgegenüber verringert sich der Anteil der schwach geschädigten Bäume leicht auf 26 % und der der mittelstark geschädigten Bäume auf 35 %. Währen d sich der Anteil der stark geschädigten Bäume ebenfa lls verringert, erhöht sich der Anteil der stehend abge stor- benen Bäume gegenüber dem Vorjahr auf 9 %. Besonders auffallend ist der hohe Anteil an stärker ge- schädigten Bäumen im Stadtwald Darmstadt verglichen mit den landesweit erhobenen Ergebnissen der hessi- schen Waldzustandserhebung. Während im Stadtwald Darmstadt insgesamt 20 % der Bäume stark geschädigt bzw. abgestorben sind, liegt der Anteil im Landesdu rch- schnitt bei 8 % und in der Rhein-Main-Ebene bei 22 % (Tab. 3) Abb. 11: Mittlerer Nadel-/Blattverlust je Stichprob enpunkt getrennt nach jüngeren und älteren Bäumen. (Mindestanzahl vier Bäume der jeweiligen Altersstufe je Stichprobenpunkt) Bäume bis 60 Jahre Bäume über 60 Jahre 12 Stadtwald Darms tadt – Waldzustandsbericht 202 1 Bäume der Schadstufen 2 bis 4 (mittelstark geschädi gt, stark geschädigt und abgestorben) werden zur besser en und übersichtlicheren Darstellung der Ergebnisse zu r Gruppe der deutlich geschädigten Bäume zusammenge- fasst. Im Jahr 2021 gelten im Stadtwald Darmstadt 5 5 % der Bäume als deutlich geschädigt, gegenüber 58 % i m letzten Jahr. In der räumlichen Verteilung zeichnet sich erneut ein Schadensschwerpunkt im Westwald ab, je- doch lassen sich auch im Ostwald Bereiche mit stärk eren Schäden identifizieren. Vor allem im nördlichen Tei l des Ostwaldes entlang der Dieburger Straße sind oftmals über Dreiviertel aller Bäume je Stichprobenpunkt de ut- lich geschädigt. Demgegenüber ist im südlichen Teil des Ostwaldes auf der weit überwiegenden Mehrzahl der Stichprobenpunkte der Schädigungsgrad gering. Stehend tote Bäume und Mortalitätsrate Der Stadtwald Darmstadt ist seit Jahren geprägt von einem sehr hohen Anteil stehend toter Bäume. Insbe- sondere im Westwald sind viele Waldgebiete durch ei - nen sehr hohen Totholzanteil gekennzeichnet. Das Ab - sterben von Bäumen wurde in den vergangenen Jahren durch die Dürrephase 2018 bis 2020 noch verstärkt. Im gesamten Stadtwald sind aktuell 9 % aller Bäume ste - hend tot, wobei im Westwald der Anteil mit 14 % ge- genüber 4 % im Ostwald stark erhöht ist. Aus den Bäumen, die seit der letzten Erhebung stehe nd abgestorben sind, wird die jährliche Mortalitätsrat e be- rechnet. Entgegen dem gesamten stehenden Totholz beinhaltet die Mortalitätsrate also nur die jährlic h frisch abgestorbenen Bäume. Für das Jahr 2021 ergibt sich eine Mortalitätsrate für den Stadtwald Darmstadt vo n 3,8 % (Tab. 3). Damit entspricht sie in etwa dem Wert für die Rhein-Main-Ebene, liegt jedoch um ein Vielfache s über dem Landesdurchschnitt. Im Westwald ist die Mo r- talitätsrate mit 6,4 % wiederum stark erhöht, währe nd sie im Ostwald mit 0,6 % deutlich geringer ausfällt. Abb. 12: Verteilung der Schadstufen und Vergleich mit dem Jahr 2020 Abb. 13: Waldbestand mit sehr hohem Totholzanteil i m Darmstädter Westwald (Foto: S. Meining) 13 Stadtwald Darmstadt – Waldzustandsbericht 202 1 Fruktifikation Im Jahr 2021 haben deutlich weniger Bäume als im Vo r- jahr fruktifiziert. Ein stärkerer Fruchtbehang wurd e le- diglich bei den sonstigen Laubbäumen festgestellt. (Abb. 14). Über 40 % aller sonstigen Laubhölzer im blüh- fähigen Alter wiesen 2021 eine mittelstarke bis sta rke Fruktifikation auf. Besonders viele Bäume mit Fruch t- ständen wurden bei den Baumarten Hainbuche, Spät- blühender Traubenkirsche, Linde, Bergahorn und Erle beobachtet. Deutlich schwächer fruktifiziert haben die sonstigen Nadelbaumarten. Bei der Buche, Kiefer und Eiche wurden dieses Jahr dagegen kaum Bäume mit Fruchtbehang festgestellt. Eine starke Fruktifikation kann einen großen Einflu ss auf die Belaubungsdichte der Bäume haben. Die Ausbildun g vieler Fruchtstände beansprucht einen großen Teil d er zur Verfügung stehenden Energie- und Nährstoffvorrä te des Baumes. In Folge werden oftmals lichtere Baumkr o- nen mit deutlich kleineren Nadeln bzw. Blättern, ge rin- gerer Seitenverzweigung und kürzeren Jahrestrieben ausgebildet. Buche Der Kronenzustand der Buche hat sich gegenüber dem Vorjahr im Durchschnitt kaum verändert (Abb. 16). M it 41,4 % mittleren Blattverlust ist der Schädigungsgrad der Buchen weiterhin sehr hoch (2020: 42,3 %). Insgesam t gelten nahezu zwei Drittel aller Buchen (65 %) im S tadt- wald Darmstadt als deutlich geschädigt (Abb. 17). Die Buche hat extrem unter der sehr trockenen und h ei- ßen Witterung der vergangenen drei Jahre gelitten. Be- sonders auf den sandigen und schlecht wasserspei- chernden Standorten der Rheinebene sind oftmals mas - sive Schäden in den Buchenkronen zu erkennen. Zwar war der Witterungsverlauf während der Vegetationsze it Abb. 14: Anteil der mittelstark und stark fruktifiz ierenden Bäume nach Baumart bzw. Baumartengruppe Abb. 15: Buche mit abgestorbenen Starkästen in der Ober- krone (Foto: S. Meining) 14 Stadtwald Darms tadt – Waldzustandsbericht 202 1 2021 mit reichlich Regen und vergleichsweise kühlen Temperaturen für das Baumwachstum deutlich günsti- ger, jedoch sind die massiven Schäden der vergangen en Dürreperiode weiterhin weitläufig sichtbar. Die Erg eb- nisse der Waldzustandserhebung zeigen, dass über 40 % aller Buchen deutlich sichtbare Trockenäste in der Baumkrone aufweisen. Trockenäste, Astabbrüche und häufig nach intensiver Sonneneinstrahlung auftreten de Rindenschäden stellen Eintrittspforten für verschie dene pilzliche Erreger dar, die zu einer zusätzlichen Sc hwä- chung der Buchen führen können (Abb. 15). Neben einer akuten Gefährdung der Arbeits- und Verkehrssicherhe it im Wald, steigt dadurch auch die Gefahr durch sekun dä- re Schadinsekten, wie Buchenpracht oder Buchenbor- kenkäfer. Schadensmildernd auf den Kronenzustand wirkte sich dieses Jahr die geringe Fruktifikation der Buchen a us. Werden – wie beispielsweise im letzten Jahr – viele Bucheckern ausgebildet, bedeutet dies eine hohe phy - siologische Belastung für die Bäume, die sich oftma ls durch einen schlechten Kronenzustand bemerkbar macht. Kiefer Im Stadtwald Darmstadt ist die Kiefer die am stärks ten geschädigte Baumart. Gegenüber dem Vorjahr hat sich der mittlere Nadelverlust nochmals um 5,5 Prozentpunk- te auf nunmehr 49,1 % verschlechtert (Abb. 16). Ins ge- samt gelten 64 % aller Kiefern als deutlich geschäd igt (Abb. 17). Extrem hoch ist zudem der Anteil abgesto rbe- nen Kiefern, der sich in diesem Jahr nochmal deutli ch vergrößert hat. Mittlerweile sind knapp 29 % aller ste- henden Kiefern im Stadtwald tot. Die Kiefer ist den extremen Witterungsereignissen d er vergangenen Jahre nicht gewappnet. Lang anhaltende sommerliche Trockenphasen in Kombination mit einer deutlich verkürzten Winterruhe bedrohen diese Baumart auf den trockenen Standorten des Rheintals aktuell in ihrem Bestand (Abb. 18). Die massive Verbreitung de r Kiefernmistel führt in klimagestressten Beständen z u- sätzlich zu einer hohen Belastung, da sie dem Baum als halbschmarotzende Art dringend benötigtes Wasser un d darin gelöste Nährstoffe entzieht. Abb. 17: Anteil deutlich geschädigter Bäume im Stad twald Darmstadt (orange: mittelstark geschädigt, rot: sta rk geschä- digt, grau: abgestorben) Abb. 16: Mittlerer Nadel-/Blattverlust nach Baumart en bzw. Baumartengruppen (Fehlerrahmen: 95% Konfidenzintervall) Abb. 18: Kiefer mit hohem Anteil an Trockenreisig i n der Krone (Foto: S. Meining) 15 Stadtwald Darmstadt – Waldzustandsbericht 202 1 Begünstigt durch die warme Witterung ist in den ver - gangenen Jahren zudem die Belastung durch das Dip- lodia-Triebsterben in Kiefernbeständen stark angest ie- gen. Der pilzliche Erreger befällt junge Kieferntri ebe und bringt diese zum Absterben. Derart geschwächte Kief ern stellen schlussendlich für verschiedene Schadinsekt en, wie Waldgärtner oder Blauer Kiefernprachtkäfer leic ht zu besiedelnde Brutbäume dar. Eiche Der mittlere Blattverlust der Eichen hat sich gegen über dem Vorjahr um 1,7 Prozentpunkt auf 32,3 % leicht v er- schlechtert (Abb. 16). Damit weist die Eiche einen sicht- bar besseren Kronenzustand auf als die Baumarten Bu - che oder Kiefer. Insgesamt gelten 57 % der Eichen a ls deutlich geschädigt, wobei der Anteil der stark ges chä- digten und abgestorbenen Bäume gegenüber allen an- deren Baumarten vergleichsweise klein ist (Abb. 17). Die Dürreperiode 2018 bis 2020 hat auch bei der Eic he zu einer hohen Belastung geführt, deren Auswirkunge n immer noch in einem erhöhten Totastanteil in den Baumkronen zu erkennen sind. Jedoch fruktifizierte die Eiche im Vergleich zum Vorjahr deutlich weniger und es wurden auch etwas weniger Fraßschäden durch blatt- fressende Raupen festgestellt. Dagegen stieg der Befall durch Eichenmehltau stark an. An etwa jeder zweiten Eiche wurde Eichenmehltaubefa ll nachgewiesen. Der Pilz befällt junge Eichenblätter und überzieht diese mit einem weißen Myzel bis diese im späteren Verlauf absterben bzw. abfallen (Abb. 19). Die Schädigung durch Eichenmehltau beschränkt sich alle r- dings weitgehend auf das aktuelle Jahr, nachhaltige Be- einträchtigungen sind daher nicht zu erwarten. Sonstige Laubbäume Der Kronenzustand der sonstigen Laubaumarten hat sich gegenüber dem Vorjahr deutlich verbessert. Der mittlere Blattverlust verringert sich um 5,1 Prozentpunkte a uf 28,2 % (Abb. 16). Insgesamt gelten 36 % aller sonst igen Laubbäume als deutlich geschädigt (Abb. 17). Die sonstigen Laubbäume setzen sich aus vielen ver- schiedenen Baumarten zusammen. Am häufigsten kommt hierbei der Bergahorn vor, gefolgt von der Sp ät- blühenden Traubenkirsche und der Roteiche. Dahinter folgen mit kleineren Anteilen Hainbuche, Linde, Bir ke, Roterle sowie zahlreiche weitere Baumarten. Der günstige Witterungsverlauf im Jahr 2021 mit aus rei- chend Regen während der Vegetationszeit hat den son s- tigen Laubbaumarten offensichtlich sehr gut getan, deren Baumkronen sich trotz stärkerer Fruktifikati on dieses Jahr erkennbar regenerieren konnten. Auffall end erholt haben sich hierbei vor allem die Baumarten Linde, Spätblühender Traubenkirsche, Roterle und Birke. Da ge- gen bleibt der Kronenzustand des Bergahorns in etwa auf dem Niveau des Vorjahres, während bei der Roteiche – ähnlich wie bei den anderen Eichenarten – dieses Jahr eine leichte Verschlechterung des Kronenzustandes z u verzeichnen ist. Abb. 19: Eichenjungpflanze, deren Blätter mit weiße m Myzel des Eichenmehltaus überzogen sind (Foto: S. Meining) 16 Stadtwald Darms tadt – Waldzustandsbericht 202 1 Sonstige Nadelbäume Der mittlere Nadelverlust der sonstigen Nadelbaumarten beträgt aktuell 30,7 % und damit 4,3 Prozentpunkte we- niger als noch im Vorjahr (Abb. 16). Aufgrund der g erin- gen Anzahl der sonstigen Nadelbäume, die sich im ak tu- ellen Jahr auf 60 Bäume verringert hat, ergibt sich ein vergleichsweise großer Fehlerrahmen, der eine detai l- lierte Bewertung der Ergebnisse erschwert. Insgesam t sind 38 % aller sonstigen Nadelbäume deutlich gesch ä- digt (Abb. 17). Über 13 % entfallen dabei auf abges tor- bene Bäume, die nahezu ausnahmslos auf den Befall von Fichten-Borkenkäfern zurückzuführen sind. Da innerhalb des letzten Jahres verhältnismäßig vie le Fichten aufgrund von Borkenkäferbefall aus der Stic h- probe ausgefallen sind, nimmt derzeit die Lärche de n höchsten Anteil der sonstigen Nadelbäume ein, gefol gt von Fichte und Douglasie sowie wenigen Weymuts- kiefern. Die durch Borkenkäfer an Fichte verursachte Schad- holzmenge war in den vergangenen Jahren aufgrund de r heißen und trockenen Witterung landesweit extrem hoch. Trotz der geringen Fichtenanteile im Stadtwal d Darmstadt kam es auch hier zu einer Ausbreitung der Borkenkäferarten Buchdrucker und Kupferstecher, die zahlreiche Fichten zum Absterben brachten. Im Jahr 2021 ging die Borkenkäferpopulation aufgrund der kü h- len Frühjahrs- und oftmals nassen Sommerwitterung zwar zurück, jedoch wird der mittlere Nadelverlust der Baumartengruppe weiterhin stark von dem hohen Antei l an abgestorbenen Fichten durch Borkenkäfer beein- flusst, die zum Teil noch in den Wäldern als stehen d tote Bäume zu finden sind (Abb. 20). Abb. 20: Stehend abgestorbene Fichten nach Borkenkäferbefall im Ostwald (Foto: S. Meining) 17 Stadtwald Darmstadt – Waldzustandsbericht 202 1 Westwald Die Waldschäden im Westwald sind gravierend hoch. Der mittlere Nadel-/Blattverlust der Bäume beträgt 45,7 % und liegt damit gegenüber dem Vorjahr um wei - tere 2,0 Prozentpunkte höher (Abb. 21). Während die Bäume der Altersstufe bis 60 Jahre eine Verringerun g der mittleren Kronenverlichtung auf 31,7 % aufweise n, erhöht sich der Wert für die Altersgruppe über 60 J ahre auf 56,2 %. Besonders dramatisch ist der hohe Totholzanteil im Westwald, der im Vergleich zum letzten Jahr nochmal s deutlich angewachsen ist. Derzeit sind 14 % aller a ufge- nommenen Bäume der Waldzustandserhebung im Westwald stehend tot; fünf Prozentpunkte mehr als noch im Vorjahr (Abb. 22). Besorgniserregend hoch m it insgesamt 15 % ist zudem der Anteil der stark geschädig- ten Bäume. Den Hauptanteil nehmen mit 37 % die mit- telstark geschädigten Bäume ein. Als schwach geschädigt sind 21 % und als ungeschädigt lediglich 13 % der Bäume Abb. 21: Mittlerer Nadel-/Blattverlust nach Altersg ruppen – Westwald (Fehlerrahmen: 95% Konfidenzintervall) Abb. 22: Verteilung der Schadstufen – Westwald (die Werte in den Klammern geben die Veränderung zum Vorjahr an) Abb. 23: Mittlerer Nadel-/Blattverlust der Hauptbau marten bzw. Baumartengruppen – Westwald Abb. 24: Anteil deutlich geschädigter Bäume – Westw ald (orange: mittelstark geschädigt, rot: stark geschäd igt, grau: abgestorben) Abb. 25: Kiefer mit beginnender Verbraunung der Nad eln (Foto: S. Meining) 18 Stadtwald Darms tadt – Waldzustandsbericht 202 1 im Westwald einzustufen. Damit gelten etwa zwei Drittel aller Bäume (66 %) des Westwaldes als deutlich gesc hä- digt (Schadstufe 2 bis 4). Die Buche bleibt die Baumart mit der höchsten Krone n- verlichtung im Westwald (Abb. 23). Im Vergleich zum Vorjahr erhöht sich der mittlere Blattverlust der B uchen nochmals auf nunmehr 59,0 %. Insgesamt gelten nun bereits 91 % aller Buchen als deutlich geschädigt (Abb. 24). Etwa die Hälfte davon ist den stark gesc hädig- ten Bäumen zuzuordnen. Der mittlere Nadelverlust de r Kiefern erhöht sich ebenfalls und liegt im aktuelle n Jahr bei 50,9 %. Als deutlich geschädigt sind 64 % aller Kie- fern eingestuft. Dabei ist der Anteil an abgestorbe nen Kiefern im Westwald mit über 30 % extrem hoch. Ein Anstieg der Baumschäden ist auch bei der Eiche zu v er- zeichnen, deren mittlerer Blattverlust sich auf 40, 2 % erhöht. Insgesamt sind 72 % der Eichen deutlich ges chä- digt, jedoch ist der Anteil an stark geschädigten b zw. abgestorbenen Eichen im Vergleich zu allen anderen Baumarten am geringsten. Eine Verbesserung im Kro- nenzustand ist dieses Jahr ausschließlich bei den s onsti- gen Laubbäumen im Westwald zu erkennen. Der mitt- lere Blattverlust verringert sich auf 29,2 %. Insge samt sind 42 % aller sonstigen Laubbäume deutlich geschä - digt. Die klimatischen Belastungen in der Rheinebene mit langanhaltender sommerlicher Trockenheit und großer Hitze führten in den letzten Jahren verstärkt zu gr avie- renden Waldschäden im Darmstädter Westwald (Abb. 26). Auf den zumeist nähstoffarmen und wenig wasserspeichernden Böden zeigen vor allem Buchen und Kiefern einen sehr hohen Schädigungsgrad und eine erhöhte Disposition für sekundäre pilzliche und tie rische Schädlinge. Die Kiefer leidet zudem unter einer sic h zu- nehmend verkürzten Winterruhe und einem starkem Mistelbefall (Abb. 25). Abb. 26: Typisches Waldbild im Darmstädter Westwald mit vielen stark geschädigten Bäumen (Foto: S. Meining) 19 Stadtwald Darmstadt – Waldzustandsbericht 202 1 Ostwald Im Gegensatz zum Westwald sind die Wälder des Ost- waldes deutlich weniger geschädigt. Im Durchschnitt über alle Baumarten liegt hier der mittlere Nadel-/ Blatt- verlust bei 27,6 % (Abb. 27). Dies stellt im Vergle ich zum Vorjahr eine Verringerung um 3,1 Prozentpunkte dar. Sowohl jüngere als auch ältere Bäume zeigen dieses Jahr eine Verbesserung des Kronenzustandes. Die mittlere Kronenverlichtung der jüngeren Bäume verbessert sic h dieses Jahr auf 18,7 %, die der älteren Bäume auf 34,9 %. Erfreulich ist die deutliche Zunahme der ungeschädi gten Bäume im Ostwald (Abb. 28). Ihr Anteil erhöht sich ge- genüber der Voraufnahme um 5 Prozentpunkte auf 26 %. Demgegenüber ist bei allen anderen Schadstufe n dieses Jahr eine leichte Verringerung festzustellen. Wäh- rend der Anteil der schwach geschädigten und der mi t- telstark geschädigten Bäume mit 32 bzw. 33 % relati v groß ist, ist der Anteil der stark geschädigten bzw . abge- storbenen Bäume mit 5 bzw. 4 % vergleichsweise klein. Abb. 27: Mittlerer Nadel-/Blattverlust nach Altersg ruppen – Ostwald (Fehlerrahmen: 95% Konfidenzintervall) Abb. 29: Mittlerer Nadel-/Blattverlust der Hauptbau marten bzw. Baumartengruppen – Ostwald Abb. 28: Verteilung der Schadstufen – Ostwald Abb. 30: Anteil deutlich geschädigter Bäume – Ostwa ld (orange: mittelstark geschädigt, rot: stark geschäd igt, grau: abgestorben) Abb. 31: Gut belaubter Bergahorn (Foto: S. Meining) 20 Stadtwald Darms tadt – Waldzustandsbericht 202 1 Der Kronenzustand der Buchen hat sich nach den hohe n Belastungen der Dürreperiode 2018 bis 2020 in diese m Jahr im Ostwald deutlich erholt. Eine geringe Frukt ifika- tion und ausreichender Niederschlag während der Veg e- tationszeit führten zu einer Verringerung des mittl eren Blattverlusts auf 27,1 % (Abb. 29). Insgesamt gelten 45 % aller Buchen als deutlich geschädigt (Abb. 30, Abb. 32). Demgegenüber erhöht sich der mittlere Blattverlust der Eichen leicht auf 27,3 %. Neben einer stärkeren Fru cht- ausbildung verhindert insbesondere der Befall von Eichenmehltau eine Regeneration der Baumkronen. Als deutlich geschädigt werden dieses Jahr 48 % aller E ichen eingestuft. Der Kronenzustand der sonstigen Nadelbaumarten, bei denen im Ostwald aufgrund der geringen Anzahl auch die Kiefer hinzugezählt wird, bleibt mit 31,8 % geg en- über der Voraufnahme nahezu unverändert. 32 % der Bäume dieser Gruppe gelten als deutlich geschädigt, wobei nach wie vor ein großer Anteil davon auf abge - storbene Fichten nach Borkenkäferbefall zurückzuführen ist. Ähnlich wie bei der Buche ist auch bei den son stigen Laubbäumen dieses Jahr im Ostwald eine Erholung des Kronenzustandes festzustellen. Der mittlere Blattve rlust verringert sich auf 26,9 %. Damit gelten 29 % aller sons- tigen Laubbäume im Ostwald als deutlich geschädigt. Abb. 32: Buchen mit viel Trockenreisig in der Oberkrone (Foto: S. Meining) 21 Stadtwald Darmstadt – Waldzustandsbericht 202 1 3 Witterung Nach den überwiegend heißen und sehr trockenen Jah- ren 2018 bis 2020, die zu einer starken Belastung d er Wälder führten, sorgte die überwiegend kühle und ni e- derschlagsreiche Witterung während der Vegetations- phase im Jahr 2021 für eine leichte Entspannung. Das Jahr 2020 Nach den Dürrejahren 2018 und 2019 war auch das Jah r 2020 überwiegend zu warm und deutlich zu trocken. I n der Vegetationsperiode von April bis September lage n die Niederschlagsmengen erheblich unter dem langjäh - rigen Mittel. Besonders die Monate April und Juli 2 020 waren dabei mit weniger als einem Drittel der üblic hen monatlichen Regenmenge erheblich zu trocken (Abb. 33). Im August lag zudem die mittlere Lufttem pe- ratur mit über 21° C insgesamt 2,4° C über dem lang jäh- rigen Mittel. Nachdem auch im November 2020 ein er- hebliches Niederschlagsdefizit zu verzeichnen war, wur- den zumindest im Dezember überdurchschnittliche Nie - derschlagsmengen registriert. Das Jahr 2021 Das Jahr 2021 startete nass. Mit knapp 80 mm wurden im Januar im Vergleich zum langjährigen Mittel deut lich höhere Niederschlagsmengen erreicht. Im Februar lag en die Niederschlagsmengen zwar leicht unter dem Abb. 33: Temperatur- und Niederschlagsverteilung de r Station Darmstadt (Quelle: DWD 2021) im Vergleich zum Mittel der Jahre 2004 bis 2021. Temperatur in Grad Celsius, Niederschlag in mm 0 20 40 60 80 100 120 0 20 40 60 80 100 120 Jan Feb Mrz Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez Jan Feb Mrz Apr MaiJun Jul Aug Sep Okt Niederschlagssumme Mittel 2004-2021 2021 2020 0 5 10 15 20 25 0 5 10 15 20 25 Jan Feb Mrz Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez Jan Feb Mrz Apr MaiJun Jul Aug Sep Okt Monatsmitteltemperatur Mittel 2004-2021 2021 2020 22 Stadtwald Darms tadt – Waldzustandsbericht 202 1 Referenzwert, jedoch konnte sich aufgrund der relat iv nassen Wintermonate der Wasserspeicher der Waldbö- den insgesamt wieder etwas auffüllen. Nach dem vergleichsweise nassen Winter startete das Frühjahr 2021 wiederum sehr trocken. Im März und April wurde jeweils etwa nur die Hälfte der üblichen Nied er- schlagsmenge registriert. Während im März noch durc h- schnittliche Temperaturen erreicht wurden, waren de r April und auch der Mai deutlich zu kalt. Die kühlen Tem- peraturen führten zudem zu einem spürbar verspätete n Vegetationsbeginn. Glücklicherweise wurde dieser im Mai von überdurchschnittlich hohen Regenmengen be- gleitet, so dass die Bäume zum Zeitpunkt des Austri ebes gut mit Wasser versorgt wurden. Die gute Wasserversorgung der Bäume setzte sich auc h in den Folgemonaten fort. Die Niederschlagsmenge blieb im Juni und Juli weiterhin über dem langjährigen Mi ttel. Damit waren die Monate Juni und Juli 2021 die regen - reichsten Sommermonate der letzten Jahre. Durch die vielen Regenfälle und das insgesamt unbeständige We t- ter blieb der Sommer relativ kühl. Lediglich im Jun i wur- de eine überdurchschnittliche Monatsmitteltemperatu r registriert. Im Juli und August blieben die Tempera turen dagegen unterhalb des langjährigen Mittels. Laut Hessischem Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) hat sich die Grundwassersituat i- on landesweit im Vergleich zum letzten Jahr leicht ver- bessert, dennoch ist noch keine nachhaltige Trendum - kehr feststellbar. So sind die aus den trockenen Vo rjah- ren resultierenden Defizite im Grundwasser noch nic ht vollständig ausgeglichen. Für eine nachhaltige Erho lung wären weitere ergiebige Niederschläge über einen lä n- geren Zeitraum notwendig (H LNUG 2021a). Witterungstrend Die Witterungsdaten zeigen für die Vegetationszeit (April bis September) einen deutlichen Trend steigender Te m- peraturen und abnehmender Niederschläge. In Abbil- dung 34 sind die mittlere Jahrestemperatur und die Nie- derschlagssumme der Wetterstation „Darmstadt Rosen- höhe“ für die Vegetationszeit seit 2005 dargestellt . Im Temperaturverlauf zeigt sich ein ansteigender Trend innerhalb der letzten 16 Jahre um knapp ein Grad Ce lsi- us. Deutlich zu erkennen ist das extrem heiße Jahr 2018 und die merklich kühleren Temperaturen während der Vegetationszeit 2021. In der Niederschlagssumme zeigt sich für den gleich en Zeitraum ein abnehmender Trend um ca. 150 mm. Die Trockenjahre 2015 und 2018 stechen hierbei deutlich hervor. Dagegen war die Vegetationszeit des Jahres 2021 erheblich niederschlagsreicher. Eine Verringerung der Niederschläge während der Veg e- tationszeit mit gleichzeitiger Erhöhung der Tempera tur sorgt in den Wäldern für eine enorme Belastung. Nic ht zuletzt hat die Hitze- und Dürrephase der Jahre 201 8 bis 2020 aufgezeigt wie vulnerabel die Wälder gegenüber Trockenstress sind. Eine weitere Zunahme von sommer - licher Trockenheit und Hitze wird zugleich von den aktu- ellen Klimamodellen für die nächsten Jahre prognost i- ziert (H LNUG 2021b). 15 16 17 18 19 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 mittlere Temperatur (°C) 100 200 300 400 500 600 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 Niederschlagssumme (mm) Abb. 34: Verlauf der mittleren Temperatur und der N ieder- schlagssumme der Wetterstation Darmstadt in der Veg etati- onszeit (April bis September) in den Jahren 2005 bi s 2021. Die gestrichelte Linie stellt jeweils den linearen Trend dar (Quelle: DWD 2021) 23 Stadtwald Darmstadt – Waldzustandsbericht 202 1 4 Bestandes- und Verbisserhebung Zusätzlich zur reinen Erhebung des Vitalitätszustan des der Baumkronen wurde dieses Jahr im Stadtwald Darm- stadt an den Punkten der Waldzustandserhebung eine Bestandes- und Wildverbissaufnahme durchgeführt, um insbesondere den Waldaufbau und das Verjüngungspo- tential des Waldes näher zu untersuchen. Hierzu wurden in einem Probekreis mit dem Radius vo n zehn Metern für jede Baumart getrennt nach Hauptbe- stand, Zwischenstand und Verjüngung (>60 cm) der De - ckungsgrad, die Baumhöhe sowie eine mittlere Durch- messerklasse eingeschätzt. Der Deckungsgrad beschreibt dabei die vom Baumbestand überdeckte Fläche in Pro- zent, wobei ein hoher Prozentsatz einen gedrängten und ein niedriger Prozentsatz einen lückigen Baumbestan d beschreibt. In einer zweiten Probekreisaufnahme mit einem Radiu s von zwei Metern erfolgte die Wildverbissansprache v on Jungpflanzen mit einer Höhe zwischen 20 und 100 cm. Hierbei wurde zwischen Verbiss an der Terminalknosp e und Verbiss im oberen Drittel mit und ohne Schädigu ng des Terminaltriebs unterschieden. Zur Beurteilung d er Verbissintensität wurden die Ergebnisse anschließend zu Klassen zusammengefasst. Bestandeserhebung In vielen Waldbeständen im Darmstädter Stadtwald lö st sich die ursprüngliche Baumstruktur in den vergange nen Jahren zunehmend auf. Oftmals fallen Altbäume aus dem Bestandesgefüge aus, wodurch die oberste Bestan - desschicht nur noch einen lockeren Schirm bildet. D ie Bestandesaufnahmen zeigen, dass der Deckungsgrad des Hauptbestandes bei 20 % der aufgenommenen Punkte Abb. 36: Deckungsgrad des Haupt- und Zwischenbestandes für den Gesamtwald (links) sowie West- und Ostwald (rechts) 0 10 20 30 40 50 1-25 26-50 51-75 >75 Stichprobenpunkte in % Deckungsgrad Haupt- und Zwischenstand 0 10 20 30 40 50 1-25 26-50 51-75 >75 Stichprobenpunkte in % Deckungsgrad Haupt- und Zwischenstand West Ost 0 10 20 30 40 50 0-25 26-50 51-75 76-100 Stichprobenpunkte in % Deckungsgrad Hauptbestand 0 10 20 30 40 50 1-25 26-50 51-75 >75 Stichprobenpunkte in % Deckungsgrad Hauptbestand West Ost Abb. 35 : Deckungsgrad des Hauptbesta ndes für den Gesamtwald (links) sowie West - und Ostwald (rechts) 24 Stadtwald Darms tadt – Waldzustandsbericht 202 1 bei 0 bis 25 % und bei 40 % der Punkte bei 26 bis 5 0 % liegt (Abb. 35, links). Deutlich geschlossenere Wal dbe- stände mit einem Deckungsgrad von 51 bis 75 % sind auf knapp 30 % vorhanden, während noch dichtere Bestän- de lediglich auf knapp 13 % der Aufnahmepunkte vor- kommen. Die Bestandesaufnahmen belegen den hohen Anteil an deutlich lückigeren Waldbeständen im Westwald (Abb. 35, rechts). Die Waldbestände mit geringen De - ckungsgraden kommen im Westwald deutlich häufiger vor, dagegen sind die Deckungsgrade im Ostwald oft- mals höher. Bezieht man den Zwischenstand in die Bestandesauf- nahme mit ein, so zeigt sich, dass sich der Anteil an sehr lückigen und gering überschirmten Beständen erhebli ch reduziert (Abb. 36, links). In diesen Beständen kon nten entstandene Lücken des Hauptbestandes mittlerweile zum Teil durch nachwachsende Bäume geschlossen werden. Es wird aber auch deutlich, dass auf über 3 0 % aller Aufnahmepunkte der Deckungsgrad von Haupt- und Zwischenstand mit 26 bis 50 % weiterhin gering ist. Bezogen auf die Waldgebiete wird wiederum der hohe Anteil an schlecht überschirmten Waldbeständen im Westwald erkennbar (Abb. 36, rechts). Die schlecht überschirmten Waldbestände (Deckungs- grad des Haupt- und Zwischenbestandes ≤ 50 %) neh- men im Westwald einen Anteil von 39,3 % und im Ost- wald einen Anteil von 26,5 % ein (Abb. 37, oben). I n Ab- bildung 37 unten ist für diese schlecht überschirmt en Flächen die Verjüngungssituation dargestellt. Auf d en meisten Flächen, die aufgrund ausreichender Lichtve r- hältnisse potentiell für eine Verjüngung geeignet w ären, hat sich bisher nur wenig Verjüngung eingestellt. I m Westwald weisen etwa 15 % der schlecht überschirmte n Waldstandorte keine und knapp 50 % nur wenig gesi- cherter Waldverjüngung auf. Im Ostwald ist der Anteil an Stichprobenpunkten ohne Verjüngung mit 40 % sogar noch höher. Ein mittelstarkes Vorkommen von Waldver - jüngung ist auf diesen potentiellen Verjüngungsfläc hen im Westwald nur auf knapp 30 % und im Ostwald nur auf unter 10 % der Stichprobenpunkte zu finden. Viel od er 39,3 60,7 Westwald <=50% >50% 26,5 73,5 Ostwald <=50% >50% Abb. 37: Deckungsgrad des Haupt- und Zwischenstand ge- trennt nach West- und Ostwald (oben) und deren Ver- jüngungsituation auf den schlecht Überschirmten Flä chen mit Deckungsgrad <50% (unten) 0 20 40 60 80 100 keine wenig mittel viel sehr viel Verjüngung West Ost Deckungsgrad < 50%: Abb. 38: Lückiger Bestand mit einem Deckungsgrad <5 0 % und einer spärlichen Verjüngung. Hier Anpflanzung mit H ilfe von Wuchshüllen (Foto: A. Flender) 25 Stadtwald Darmstadt – Waldzustandsbericht 202 1 sehr viel Verjüngung ist nur auf den wenigsten Fläc hen festzustellen (Abb. 41). Während im Westwald mit großem Abstand am häufigs- ten die Spätblühende Traubenkirsche in der Verjüngu ng vorkommt, ist im Ostwald mit über 65 % die Buche di e häufigste Baumart in der Verjüngung (Abb. 40). Vor allem in den lichten Wäldern des Westwaldes ist eine zunehmende Ausbreitung gebietsfremder, invasiver Arten festzustellen, die gegenüber heimischen Arten mit einer sehr hohen Konkurrenzkraft auftreten. Zu nenn en sind hier insbesondere die Spätblühende Traubenkir- sche, der Götterbaum (Abb. 39), die Robinie sowie d ie Kermesbeere. Letztere bildet oftmals eine derart di chte Bestockung, dass eine Verjüngung mit heimischen Baumarten für längere Zeit nicht mehr möglich ist ( Abb. 6, S. 7). Abb. 39: Verjüngung von Spätblühender Traubenkirsch e und Götterbaum unter absterbenden Buchen (links). Einzelner Götter- baum als Baumholz mit charakteristischen Blütenständen Abb. 40: Anteil der am häufigsten vorkommenden Baum ar- ten der gesicherten Verjüngung an den Punkten der W ZE getrennt nach Regionen (von links nach rechts: Spätblühende Traubenkirsche, Buche, Bergahorn, Linde, Hainbuche) 26 Stadtwald Darms tadt – Waldzustandsbericht 202 1 Abb. 41: Verschiedene Verjüngungssituationen an den Aufnahmepunkten der Waldzustandserhebung: A: Buche nverjüngungske- gel in einer Kronenlücke, B: flächiges Aufkommen vo n Eichen, C: flächiges Aufkommen von Ilex, D: in Wu chshüllen gepflanzte Nussbäume in Konkurrenz zu Spätblühende Traubenkirs che, E: aufwendiger Verbiss- und Fegeschutz, F: kei ne Verjüngung trotz geeigneter Lichtverhältnisse (Fotos: S. Meining) A F E D C B 27 Stadtwald Darmstadt – Waldzustandsbericht 202 1 Verbisserhebung An insgesamt 178 der 296 Stichprobenpunkte im Stadt - wald Darmstadt wurden Jungpflanzen mit einer Höhe von 20 bis 100 cm im Probekreis festgestellt. Die E rhe- bung der Verbisssituation zeigt an, dass im Durchsc hnitt 37 % der vorhandenen Jungpflanzen von Wild verbisse n sind (Abb. 42). Im Westwald ist der Anteil an verbissenen Jungpflanzen insgesamt mit 48 % etwas höher als im Ostwald mit 30 %. Der Wildverbiss ist im Wesentlich en auf das vorhandene Rehwild und im geringeren Umfang auf Feld- bzw. Waldhasen zurückzuführen (Abb. 44). Unter starkem Verbissdruck leidet die Hainbuche. Üb er 80 % der jungen Hainbuchen sind im Stadtwald verbis - sen (Abb. 43). Mit knapp der Hälfte verbissener Pfl anzen folgen die Spätblühende Traubenkirsche und der Berg - ahorn. Weniger Verbiss wurde an den Baumarten Buche (29 %) und Eiche (18 %) festgestellt. In diese Bere chnung wurden nur Baumarten einbezogen, die mit einer Min- destanzahl von 50 Jungpflanzen in der Stichprobe auftra- ten. Der prozentuale Anteil an verbissenen Jungpflanzen je Stichprobenpunkt ist in Abbildung 45 dargestellt. A n 119 Stichprobenpunkten wurden keine und an 72 Punk- ten lediglich weniger als vier Jungpflanzen mit ent spre- chender Höhe aufgefunden. Diese Punkte sind als wei ße bzw. graue Kreise in der Karte markiert und werden so- mit nicht in die Verteilung der Verbissschäden einb ezo- gen. An den restlichen 106 Stichprobenpunkten konnt en in den Probekreisen mit 2 m Radius zwischen vier bi s 100 Jungpflanzen gezählt werden. Entsprechend ihres Verbissprozents sind diese Punkte in der Karte farb lich dargestellt. Sowohl weite Teile des südlichen Westwaldes aber au ch größere zusammenhängende Gebiete im Ostwald wei- sen keine oder nur eine geringe Anzahl an Jungpflan zen auf. Im Ostwald ist dies an den meisten Punkten aug en- Abb. 42: Prozentualer Anteil an Verbissschäden der vorhan- denen Verjüngung 0 20 40 60 80 100 Gesamt West Ost Anteil der Bäume in % unverbissen verbissen Abb. 43: Prozentualer Anteil der Baumarten mit Verb iss- schäden (nur BA mit N >=50) Abb. 44: Verbissener Terminaltrieb einer Buche (Fot o: S. Meining 28 Stadtwald Darms tadt – Waldzustandsbericht 202 1 scheinlich auf eine relativ geschlossene Bestandess truk- tur zurückzuführen, die wenig Licht auf den Boden l ässt, so dass sich nur wenige Jungpflanzen ansiedeln könn en. Im deutlich aufgelichteten Westwald ist die geringe An- zahl an Jungpflanzen offensichtlich durch unwirtlic he klimatische Bedingungen der vergangenen Jahre sowie die insbesondere im südlichen Teil mitunter hohen M ai- käferpopulation im Boden begründet. Stichprobenpunkte mit hoher Verbissrate finden sich sowohl im West- als auch im Ostwald mit hoher Varia ti- onsbreite. Sie wechseln sich je nach Bestandesstruk tur und Verweildauer des Wildes stark mit weniger verbi s- senen Standorten ab, dabei lassen sich Zonen mit ve r- mehrter Verbisssituation kaum eindeutig abgrenzen. Insgesamt weisen 41 % der Stichprobenpunkte keinen bzw. nur geringen Verbiss (0 bis 20 %) auf. Starker bis sehr starker Verbiss (61 bis 100 % der Jungpflanzen ) ist auf 35 % der Stichprobenpunkte festzustellen. Abb. 45: Prozentualer Anteil an verbissenen Jungpfl anzen (21 bis 100 cm) je Stichprobenpunkte (es wur- den nur Punkte mit >= 4 Jungpflanzen ausgewertet) (Kartenhintergrund: OpenStreetMap) 29 Stadtwald Darmstadt – Waldzustandsbericht 202 1 5 Fazit Der Schädigungsgrad der Wälder im Stadtwald Darm- stadt ist sehr hoch. In den vergangenen Jahren bzw. Jahrzehnten hat die Zunahme an extrem trockener und heißer Witterung während den Vegetationszeiten deut - liche Spuren im Wald hinterlassen. Das Waldbild ist vielerorts geprägt von einem sehr hohen Anteil abge - storbener Bäume und stark geschädigter Baumkronen. Besonders auf den trockenen und nährstoffarmen Böden des Westwaldes sind die Schäden vielerorts graviere nd. Trotz des vergleichsweise kühlen und nassen Jahres 2021 hat sich die mittlere Kronenverlichtung der Bä ume im Durchschnitt im Vergleich zum letzten Jahr kaum verändert und liegt mit 37,6 % weiterhin auf sehr hohem Schadniveau. Der Anteil an stehend abgestorbenen Bäumen hat sich mit 9 % im Vergleich zum Vorjahr we i- ter erhöht. Der Vergleich mit den landesweiten Erhebungen weist den Stadtwald Darmstadt als ein besonders stark ge- schädigtes Waldgebiet in Hessen aus. Neben dem mittle- ren Nadel-/Blattverlust sind der Anteil der stärker ge- schädigten Bäume sowie die Mortalitätsrate im Stadt - wald Darmstadt um ein Vielfaches höher als im Lande s- durchschnitt. Im Vergleich der besonders stark gesc hä- digten Waldgebiete zeigt der Westwald gegenüber der stark belasteten Rhein-Main-Ebene ebenfalls einen deut- lich höheren Schädigungsgrad auf. Sowohl der Anteil an Totholz als auch an stärker geschädigten Bäumen ist im Westwald deutlich erhöht. Zusätzlich zu den klimatischen Belastungen führen v er- schiedene Schaderreger zu einer zunehmenden Schwä- chung der Wälder. Dabei wird die Ausbreitung vieler Pathogene in den letzten Jahren durch den fortschre i- tenden Klimawandel begünstigt. In den Kiefernwälder n ist so z. B eine starke Parasitierung durch die Mis tel zu beobachten, die den Bäumen während der Vegetations- zeit dringend benötigtes Wasser entzieht. Eine land es- weite Massenverbreitung verschiedener Borkenkäferar - ten wurde in Folge der Dürrephase 2018 bis 2020 festge- stellt, die auch im Stadtwald Darmstadt zu Stehendb efall an Fichten führte. Zudem führen verschiedene blattf res- sende Raupen wärmeliebender Schmetterlingsarten an Eichen und sonstigen Laubbäumen regelmäßig zu akuten Blattverlusten. In dem über weite Strecken feuchten Jahr 2021 stieg zudem der Befall durch Eichenmehltau sta rk an, der für eine akute Schwächung der Eichen in die sem Jahr sorgte. Viele Bestände im Stadtwald Darmstadt sind durch de n hohen Schädigungsgrad stark aufgelichtet. Insbesond ere im Westwald ist der Anteil an Waldflächen mit einem Deckungsgrad unter 50 % des Haupt- und Zwischenstan - des sehr hoch. Sowohl im West- als auch im Ostwald haben sich jedoch auf diesen zur Verjüngung prädest i- nierten Flächen bisher nur wenige Jungpflanzen ange - siedelt. Dies kann zum einen auf die extrem trocken e und heiße Witterung der vergangenen Jahre zurückge- führt werden, anderseits gefährdet in weiten Teilen des Westwaldes die immer wiederkehrende hohe Population von Maikäferengerlingen eine zunehmende Verjüngung der Bestände. Zur Sicherstellung einer Waldverjüngung sind zudem angepasste Wildbestände von großer Bedeutung. Die integrierte Erhebung zur Verbisssituation zeigt, da ss etwa ein Drittel der vorhandenen Bäume mit einer Hö he zwischen 20 und 100 cm an den Punkten der Waldzu- standserhebung verbissen sind. Dabei wird die Hainb u- che mit Abstand am häufigsten geschädigt, während b ei Buche und Eiche der Verbiss deutlich geringer ist. Durch die Erhebung können zudem Areale im Stadtwald Darm- stadt identifiziert werden, auf denen unabhängig vo m Verbiss eine schlechte Verjüngungssituation vorherrscht. In den vergangenen Jahren wurden im Stadtwald Darm- stadt wilddicht umzäunte Flächen, sogenannte Weiser - zäune, eingerichtet. Ein Vergleich des Bewuchses in ner- halb und außerhalb der eingezäunten Flächen kann zu - sätzlich eine konkrete und standortsbezogene Beurte i- lung des Wildeinflusses auf die Waldverjüngung ermö g- lichen. Gleichzeitig bietet die Erhebung auf den Pu nkten der Waldzustandserhebung eine gute Basis um zukünft i- ge Entwicklungen darzustellen und zielgerichtete Er - folgskontrollen durchzuführen. Die Waldverjüngung spielt bei der Stabilisierung de r Wälder hinsichtlich klimatischer Veränderungen eine entscheidende Rolle. Der Umbau von nicht standortsg e- rechten Waldbeständen in klimaresiliente Mischwälde r mit hohem Laubholzanteil steht dabei im besonderen Fokus, um die Widerstandskraft der Wälder gegenüber extremen Witterungseinflüssen zu stärken. Eine besondere Herausforderung stellt dabei die Bau m- artenwahl für die Entwicklung möglichst klimastabil er Wälder dar. Im Hinblick auf die Risikostreuung und Wi- derstandsfähigkeit sollten die Wälder von morgen au s artenreichen Laub-Mischbeständen aufgebaut sein, möglichst aus standortsgerechter Naturverjüngung. F ür 30 Stadtwald Darms tadt – Waldzustandsbericht 202 1 Neuanpflanzungen eignen sich vor allem einheimische Baumarten (wie z. B. Eiche, Linde, Elsbeere oder Sp it- zahorn), die bereits an trockenere Standorte angepa sst sind. Daneben können auch bereits eingeführte fremd - ländische Baumarten, wie z. B. die Rot- bzw. die Fl aum- eiche, die Douglasie oder die Schwarzkiefer in stab ilen Mischbeständen einen Beitrag zum klimagerechten Um- bau der Wälder leisten. Die zunehmende Ausbreitung invasiver Arten, wie der Spätblühenden Traubenkirsche, der Robinie, dem Göt- terbaum oder der Kermesbeere gefährden jedoch auf einigen Standorten im Stadtwald Darmstadt zwischen- zeitlich die natürliche Sukzession der Wälder. Durc h die große Konkurrenzkraft in Vermehrung und Wachstum werden heimische Baumarten oftmals zurückgedrängt und können sich nicht mehr entsprechend ausbreiten. Zugleich wird eine notwendige Waldverjüngung ge- bietsweise durch eine hohe Maikäferengerlingendicht e und örtlich auftretenden Wildverbiss erschwert. Nur wenn es gelingt, die Wälder mit Hilfe einer zielger ichte- ten Waldverjüngung zu klimastabilen Mischwäldern zu entwickeln, können die zahlreichen Funktionen des W al- des (Nutz-, Schutz- und Erholungsfunktion) dauerhaf t aufrechterhalten werden. 31 Stadtwald Darmstadt – Waldzustandsbericht 202 1 6 Glossar Abiotisch : ohne Beteiligung von Lebewesen. Biotisch : mit Beteiligung von Lebewesen. Brusthöhendurchmesser: Durchmesser eines stehenden Baumes in der Brusthöhe von 1,30m. Deutlich geschädigte Bäume: Nach der Definition der Waldzustandserhebung gelten alle Bäume mit einem Nadel-/Blattverlust größer als 25% als deutlich ges chä- digt (Zusammenfassung der Schadstufe 2 bis 4). Deckungsgrad: Anteil der Bestandesfläche, die durch Baumkronen überdeckt ist. Disposition: Anfälligkeit/Empfänglichkeit eines Baumes für bestimmte Krankheiten bzw. Schädlinge. Fruktifikation: Fruchtbildung einer Pflanze / eines Bau- mes. Invasive Arten: Tier- und Pflanzenarten, die mit ihrer Ausbreitung Lebensräume, Arten oder Ökosysteme be- einträchtigen und der ökologische Vielfalt schaden. Kraft´sche Klasse: Einteilung der Bäume in Baumklassen nach ihrer soziologischen Stellung innerhalb eines Be- standes nach G. Kraft. Kraft´sche Klassen 1 bis 5: vor- herrschen, herrschend, gering mitherrschend, be- herrscht und ganz unterständig. Konfidenzintervall: statistisch berechneter Vertrauens- oder Erwartungsbereich innerhalb der die Werte mit einer definierten Wahrscheinlichkeit liegen. Oft wi rd der 95%-Vertrauensbereich angegeben. Nadel-/Blattverlust: eingeschätzter Verlust der Benade- lung bzw. der Belaubung. Der Nadel-/Blattverlust wi rd in 5-Prozentstufen am Einzelbaum geschätzt und zum mit t- leren Nadel-/Blattverlust (mNBV) verrechnet. Resilienz: Widerstandsfähigkeit gegenüber Belastungen. Schadstufen : Zusammenfassung der Nadel-/Blattverlust- stufe und der Vergilbungsstufe. Schadstufe 0 = unge - schädigt, 1= schwach geschädigt, 2=mittelstark gesc hä- digt, 3= stark geschädigt, 4= abgestorben. Sukzession : zeitliche Abfolge der an einem Standort aufeinanderfolgenden Pflanzengesellschaften. Verjüngung: Nachwuchs von Bäumen (natürliche Ver- jüngung, Saat oder Pflanzung). Vitalität: „Lebenskraft“, Gesundheit, gutes Wachstum, Widerstandskraft gegenüber Stressfaktoren. Weiserzaun : Kontrollzaun, der eine begrenzte Fläche wilddicht umschließt und so eine Beurteilung des Wi ld- einflusses im Vergleich zur nicht umzäunten Fläche er- möglicht. 32 Stadtwald Darms tadt – Waldzustandsbericht 202 1 7 Literaturverzeichnis Arbeitsgemeinschaft Kronenzustand (2007): Waldbäume – Bilderserien zur Einschätzung von Kronenverlicht ungen bei Waldbäumen. BMVEL (Hrsg.), 130 S. HLNUG (2021a): https://www.hlnug.de/news/im-blickpunkt-bilanz-des-hydrologischen-sommerhalbjahres (Stand: 24.11.2021) HLNUG (2021b): https://www.hlnug.de/themen/klimawandel-und-anpassung/klima-und-klimawandel/klimapro- jektion-hessen (Stand: 24.11.2021) NW-FVA (2021a): Waldzustandsbericht 2021. Hessische s Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtscha ft und Verbraucherschutz (Hrsg.), 39 S. NW-FVA (2021b): schriftliche Auskunft der NW-FVA. 18.11.2021 Wellbrock, N., Eickenscheidt, N., Hilbrig, L., Dühnelt, P-E., Holzhausen, M., Bauer, A., Dammann, I., Strich, S., Engels, F., Wauer, A. (2018): Leitfaden und Dokumentation zur W aldzustandserhebung in Deutschland. Braunschweig: J ohann Heinrich von Thünen-Institut, 97 S., Thünen Working. Paper 84, DOI:10.3220/WP1513589598000.
2022/0009
7289 Zeichen
Magistratsvorlage
Eingang Magistrats -
geschäftsstelle:
11.01.2022
an den Magistrat
zur Kenntnis
zur Beschlussfassung
Beteiligt vor
Magistratsbeschlussfassung:
Dezernat III an die Stadtverordnetenversammlung
OBW zur Befassung
zur Kenntnis
zur Beschlussfassung
zur abschließenden Beschluss -
fassung Fachausschuss
Dezernat IV
Amt: Grünflächenamt
OBW bei abschl. B e-
schlussfassung Magistrat
Behandlung in
öffentl. Sitzung
Ja
Nein
Verteiler:
Ja
Nein
Vorlage-Nr. 2022/0009
Magistratsbeschluss -Nr.
Internetfähig
Produkt-Nr.: 555010
Kostenstelle: 067-030-1100 Investitionsnummer:
Kostenträger: 555011 Sachkonto: div. Sachkonten
Betreff: Waldzustandsbericht 2021 für den Stadtwald Darmstadt (WZB 2021)
Vorlage vom: 23.12.2021
Beschlussvorschlag :
Der Waldzustandsbericht 2021 wird zur Kenntnis genommen.
Anlagen: Waldzustandsbericht Darmstadt 2021
Datenschutzrelevante Anlage:
Folgekosten: Ja Nein
- 2 -
Beschluss des Magistrats vom
- 3 -
Begründung zur Magistratsvorlage vom 23.12.2021
Hitze und Trockenheit, hervorgerufen durch die Folgen des Klimawandels setzen unserem
Stadtwald deutlich zu. Als Teilergebnis des Runden Tisches Wald, dessen Einrichtung durch
Magistrat und Stadtverordnetenversammlung im Sommer 2019 beschlossen wurde und de s-
sen Abschlussbericht der Magistrat am 13.01.2021 und die Stadtverordnetenversammlung
am 27.05.2021 zugestimmt haben, soll für den Stadtwald Darmstadt künftig jährlich ein
Waldzustandsbericht erstellt werden, in dem der Waldzustand erfasst und dokumentiert
wird. Diese Erhebung des Waldzustands gehört zur grundlegenden Analyse des Zustands
unseres West- und Ostwaldes und liefert differenzierte, kleinräumige Erkenntnisse, welche im
weiteren Prozess ermöglichen, die richtigen Maßnahmen zum Schutz des Ökosystems Wald
ableiten zu können.
In Zusammenarbeit mit der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt in Göttingen,
wurde ein Stichprobendesign für den Waldzustandsbericht erarbeitet und zwischen Mitte Juli
bis Mitte August 2021 zum zweiten Mal eine dezidierte engmaschige Erhebung des Waldz u-
stands im Stadtwald Darmstadt durchgeführt. Es wurde hierfür ein dichtes Aufnahme raster
(Raster 250 m x 250 m) gewählt, um eine hohe Auflösung der Ergebnisse getrennt nach den
standörtlich und klimatisch sehr unterschiedlichen Waldgebieten des West - und Ostwaldes zu
erzielen. Der Waldzustandsbericht 2021 für den Sta dtwald Darmstadt ist in der Anlage beig e-
fügt.
Die Ergebnisse sind erneut nicht überraschend und dennoch alarmierend. Insbesondere im
Westwald, der sich in der Rheinebene auf trockenen und substratarmen Standorten erstreckt,
ist der Wald in einem sehr kritischen Zustand. Die Schäden sind hier höher als im hessischen
Landesdurchschnitt – wenngleich auch der hessische Waldzustandsbericht mehr als besor g-
niserregend ist. Vornehmlich ursächlich für den akuten Schädigungsgrad der Wälder sind
nach dem vorliegenden Gutachten ganz offensichtlich klimatische Faktoren. Eine Zunahme
von sommerlichen Hitzeperioden und langanhaltende Dürrephasen führten in Kombination
mit milden Wintern und niederschlagsarmen Frühjahrsmonaten in den Jahren 2018 -2020 zu
einer deutlichen Belastung der Wälder. Sind im Ostwald noch insgesamt 58% der erfassten
Bäume ungeschädigt oder nur schwach geschädigt, fällt diese Bilanz für den Westwald mit
seinen sandigen Böden nach inzwischen drei klimawandelbedingt viel zu trocken und heißen
Sommern sehr viel dramatischer aus: nur 34% sind ungeschädigt oder nur schwach gesch ä-
digt, 37% mittelstark, 15% sind stark geschädigt und 14% zum Zeitpunkt der Erhebung b e-
reits abgestorben. Der Witterungsverlauf in der Vegetationszeit 2021 mit zu trockenem Frü h-
jahr und überdurchschnitt lichen Niederschlägen sowie durchschnittlichen Temperaturen in
den Sommermonaten haben für eine leichte Entspannung gesorgt.
Zusätzlich zur reinen Erhebung des Vitalitätsbestandes der Baumkronen wurde 2021 an a l-
len 297 Stichprobenpunkten der Waldzustandse rhebung eine Bestands - und Wildverbissau f-
nahme durchgeführt, um den Waldaufbau und das natürliche Vegetationspotenzial (Naturve r-
jüngung) zu untersuchen. Viele Bestände im Stadtwald Darmstadt sind durch den hohen
Schädigungsgrad stark aufgelichtet. Insbeson dere im Westwald ist der Anteil an Waldflächen
mit einem Deckungsgrad unter 50% des Haupt - und Zwischenstandes sehr hoch. Sowohl im
West- als auch im Ostwald haben sich jedoch auf diesen zur Verjüngung prädestinierten Fl ä-
chen bisher nur wenige Jungpflanzen angesiedelt. Dies kann zum einen auf die extrem tr o-
ckene und heiße Witterung der vergangenen Jahre zurückgeführt werden, anderseits gefäh r-
det in weiten Teilen des Westwaldes die immer wiederkehrende hohe Population von Maik ä-
ferengerlingen eine zunehmende Verjüngung der Bestände.
- 4 -
Vor allem in den lichten Wäldern des Westwaldes ist auch eine zunehmende Ausbreitung g e-
bietsfremder, invasiver Arten festzustellen, die gegenüber heimischen Arten mit einer sehr
hohen Konkurrenzkraft auftreten. Zu nennen sind hie r insbesondere die spätblühende Tra u-
benkirsche, der Götterbaum und die Robinie.
Sowohl weite Teile des südlichen Westwaldes , aber auch größere zusammenhängende Gebi e-
te im Ostwald weisen keine oder nur eine geringe Anzahl an Jungpflanzen auf. Im Ostwald i st
dies an den meisten Punkten augenscheinlich auf eine relativ geschlossene Bestandsstruktur
zurückzuführen, die wenig Licht auf den Boden lässt, so dass sich nur wenige Jungpflanzen
ansiedeln können. Im deutlich aufgelichteten Westwald ist die geringe An zahl an Jungpfla n-
zen offensichtlich durch unwirtliche klimatische Bedingungen der vergangenen Jahre sowie
die insbesondere im südlichen Teil mitunter hohe Maikäferpopulation im Boden begründet.
Zur Sicherstellung einer Waldverjüngung sind zudem angepasst e Wildbestände von großer
Bedeutung. Die integrierte Erhebung zur Verbisssituation zeigt, dass etwa ein Drittel der vo r-
handenen Bäume mit einer Höhe zwischen 20 und 100 cm an den Punkten der Waldzustan d-
serhebung verbissen sind. Dabei wird die Hainbuche mit Abstand am häufigsten geschädigt,
während bei Buche und Eiche der Verbiss deutlich geringer ist. Durch die Erhebung können
zudem Areale im Stadtwald Darmstadt identifiziert werden, auf denen unabhängig vom Ve r-
biss eine schlechte Verjüngungssituation vorhe rrscht.
Auch wenn die Baumschäden in Teilen des Stadtwaldes derzeit gravierend sind, bieten sie
auch eine Chance für die biologische Vielfalt. Zerfallsphasen und Kalamitäten gehören zu
einem natürlichen Ablauf der Waldentwicklung. Absterbende Bäume, steh endes Totholz oder
umstürzende Stämme , stellen für viele Tier - und Pflanzenarten – darunter oft seltene, vom
Aussterben bedrohte Arten – einen wichtigen Lebensraum dar. Zudem kann ein erhöhter To t-
holzanteil am Boden zu einem verbesserten Wasserhaushalt und langfristig zu einem verbe s-
serten Bodenzustand der Wälder beitragen. Diese Themen werden auch dezidiert im o.g.
Abschlussbericht des Runden Tisches Wald behandelt.
Dezernat III
Michael Kolmer
Stadtrat
Beratungsverlauf (1)
Orte (1)
- Dieburger Straße
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Details
- Vorlagen-Nr.
- 2022/0009
- Typ
- Magistratsvorlage
- Datum
- 23.12.2021
- Erstellt
- 29.09.2026 00:00