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1584/2023

Projekt „Überprüfung der Kölner Straßennamen auf Zusammenhänge mit Kolonialismus oder Nationalsozialismus“

Mitteilung BV 25.05.2023

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Nächste Beratung: Bezirksvertretung 6 (Chorweiler), Sitzung am 31.08.2023, TOP 10.2.7

Mitteilung BV

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Anlage 1 Gutachten Robert Koch

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Mitteilung BV

1861 Zeichen

Dezernat, Dienststelle  
VIII/23/235/1 
 
Vorlagen-Nummer 
 1584/2023 
Mitteilung 
öffentlicher Teil 
Gremium Datum 
Bezirksvertretung 3 (Lindenthal) 28.08.2023 
Bezirksvertretung 6 (Chorweiler) 31.08.2023 
 
Projekt „Überprüfung der Kölner Straßennamen auf Zusammenhänge mit 
Kolonialismus oder Nationalsozialismus„ 
Hier:  Handlungsempfehlung für die Robert-Koch-Straße in Köln-Lindenthal  
 und für die Robert-Koch-Straße in Köln-Pesch 
Wie in der Mitteilung mit der Vorlagennummer 0862/2023 berichtet wurde, hat der Verwal-
tungsvorstand 2021 das Projekt „Umgang mit dem (post)kolonialen Erbe Kölns“ im Amt für 
Integration und Vielfalt initiiert. In einem Teilprojekt „Straßennamen“ wurde eine Untersuchung 
aller Kölner Straßennamen mit kolonialem und nationalsozialistischem Hintergrund veranlasst. 
Mögliche Ergebnisse der Prüfungen für eine Handlungsempfehlung an die jeweiligen Bezirks-
vertretungen können sein:  
- Keine Veranlassung notwendig 
- Straßenumbenennung  
- Mit Erläuterungstafeln oder QR-Codes über den/die Namensgeber*in informieren 
 
In ihrem Gutachten zu Robert Koch kommt Frau Prof. Dr. Bechhaus-Gerst, Mitglied im Histori-
schen Beirat, zu dem Entschluss, dass der Name „teilweise belastet und ein Abwägungspro-
zess notwendig ist“. Dem stimmen auch alle anderen Gremiumteilnehmer*innen zu. Das Gut-
achten von Prof. Dr. Bechhaus-Gerst ist als Anlage beigefügt. 
 
Der Historische Beirat schlägt den betroffenen Bezirksvertretungen vor, die weitere Vorge-
hensweise abzuwägen.  
Das Robert-Koch-Institut, Bundesinstitut im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für 
Gesundheit, hat auf seiner Homepage ein Kapitel dem Leben und Wirken Robert Kochs in der 
Kolonialzeit gewidmet: https://www.rki.de/DE/Content/Institut/Geschichte/Robert_Koch.html  
 
Anlage: 
Anlage 1: Gutachten Robert Koch von Prof. Dr. Marianne Bechhaus-Gerst

Anlage 1 Gutachten Robert Koch

10232 Zeichen

1 
 
Gutachten Robert-Koch-Straße 
Prof. Dr. Marianne Bechhaus-Gerst 
 
Benannt nach Heinrich Hermann Robert Koch 
Geboren: * 11. Dezember 1843 in Clausthal  
Gestorben: † 27. Mai 1910 in Baden-Baden 
 
Köln hat zwei nach Robert Koch benannte Straßen. In Köln-Lindenthal erfolgte die Benennung 
noch zu Lebzeiten Kochs am 23.12.1908. Am 2.9.1968 wurde in Köln-Pesch eine weitere 
Straße nach dem Mediziner benannt.  
 
Die Mensa Robert-Koch-Straße der Universität Köln wurde auf Initiative von Studierenden im 
Jahr 2021 in Mensa Lindenthal umbenannt. 
 
Der Mediziner und Mikrobiologe Robert Koch gilt als Begründer der modernen Bakteriologie, 
der klinischen Infektiologie und der so genannten „Tropenmedizin“. 1905 wurde ihm für seine 
Leistungen der Nobelpreis für Medizin verliehen.
1  
Bekannt wurde er vor allem als Entdecker eines Bakteriums als Erreger der Tuberkulose, einer 
im 19. Jahrhundert weit verbreiteten Krankheit. 1883 beschrieb er darüber hinaus den Cholera-
Erreger, den er wegen seiner Form als „Kommabazillu s“ bezeichnete. Er isolierte Bacillus 
anthracis, der den Milzbrand hervorruft.  
Koch scheiterte jedoch bei dem Versuch, ein Medikam ent oder einen Impfstoff gegen die 
Tuberkulose zu entwickeln. Wie Christoph Gradmann i n seiner Habilitationsschrift zu Robert 
Koch zeigt, täuschte der Mediziner Patient*innen un d Kollegen willentlich über die 
vermeintliche Wirksamkeit des Tuberkulin genannten Medikaments.  Patent*innen starben 
oder litten unter schweren Nebenwirkungen. Koch kon nte den Nachweis, welcher Bestandteil 
für die angebliche Wirkung des Mittels verantwortlich sein sollte, nicht erbringen. 
2  
 
                                                 
1 Kochs Lebenskauf siehe Anon.: https://www.rki.de/DE/Content/Institut/Geschichte/Robert_Koch_ 
Lebenslauf.html   [17.02.2023]; https://www.rki.de/DE/Content/Institut/Geschichte/robert_koch_node.html  
[17.02.2023]; Grüntzig, Johannes W. & Mehlhorn, Hei nz: Robert Koch. Seuchenjäger und Nobelpreisträger,   
Heidelberg 2010. 
2 Gradmann, Christoph: Krankheit im Labor. Robert Ko ch und die medizinische Bakteriologie. Göttingen 20 05, 
S. 134-162.

2 
 
Ab 1883 unternahm Koch zahlreiche Reisen in britisc he, niederländische und deutsche 
Kolonialgebiete, um dort verschiedene Tropenkrankheiten zu erforschen. In den 1880er Jahren 
war ein regelrechter Wettkampf unter europäischen W issenschaftlern entbrannt, die erste 
Impfung oder das erste Medikament gegen eine der me ist endemischen und häufig tödlich 
verlaufenden Tropenkrankheiten zu entwickeln. Die K olonien erschienen den meisten 
Forschern als „Laboratorien der Moderne“, in denen man auch am Menschen uneingeschränkt 
forschen und experimentieren konnte.  
Koch reiste 1883–1884 nach Ägypten und Indien (Erforschung der Cholera), 1896–1897 nach  
Südafrika (Erforschung der Rinderpest), 1897 nach Indien (Erforschung der Pest), 1897–1898 
nach Ostafrika (Erforschung von Pest, Malaria, Texasfieber und Schlafkrankheit),   1899–1900 
nach Batavia (Niederländisch-Indien) und Neu-Guinea  (Erforschung der Malaria, Reise auf 
Anregung der Deutschen Kolonialgesellschaft im Auftrag des Auswärtigen Amts), 1903–1904 
nach Britisch-Südafrika (Erforschung des Küstenfiebers) und schließlich 1904-1905 und 1906-
1907 nach Ostafrika  (Forschung an Tsetse-Fliegen u nd Trypanosomen und Erforschung der 
Schlafkrankheit).
3  
 
Die Medizin spielte bei der Kolonialisierung Afrika s eine wichtige Rolle. Die Bekämpfung 
sogenannter Tropenkrankheiten war allen europäischen Kolonialmächten ein Anliegen, ging es 
doch nicht zuletzt um den Erhalt afrikanischer Arbeitskraft. Deshalb wollte Koch u.a.  ein Mittel 
gegen die in Teilen Afrikas endemische menschliche Schlafkrankheit finden und reiste zu 
diesem Zweck im Auftrag der deutschen Kolonialverwa ltung nach Ostafrika. 
4 Koch 
experimentierte mit verschiedenen Arsenpräparaten, wobei er sich schließlich auf das Mittel 
Atoxyl konzentrierte. Da Versuche mit Atoxyl am Men schen in Deutschland verboten waren, 
wich Koch – wie auch zahlreiche Kollegen in der deu tschen, britischen und französischen 
Tropenmedizin – auf die Kolonien aus, um dort Mensc henversuche ohne Einwilligung der 
einheimischen Probanden vorzunehmen. Da es in Ostaf rika auf deutschem Gebiet nur wenige 
Fälle gab, verlegte er seine Studien 1905 auf die S ese-Inseln im Viktoria-See auf britisches 
Kolonialgebiet. Dort waren innerhalb weniger Jahre 20.000 Menschen – zwei Drittel der 
Inselbevölkerung – an der Schlafkrankheit gestorben. 
                                                 
3 https://www.rki.de/DE/Content/Institut/Geschichte/Robert_Koch_Lebenslauf.html  [17.02.2023]. 
4 Zu den Versuchen in Ostafrika und deren Folgen sie he: Eckart, Wolfgang U.: Medizin und 
Kolonialimperialismus, Deutschland 1884-1945, Pader born 1997, S. 340-349; Bauche, Manuela: Robert Koch , 
die Schlafkrankheit und Menschenexperimente im kolo nialen Ostafrika, https://www.freiburg-
postkolonial.de/Seiten/robertkoch.htm 17.02.2023 ]; Kochs komplette Schriften (Briefe, Berichte, Auf sätze) zur 
Schlafkrankheit finden sich auf dem Server des RKI unter https://edoc.rki.de/

3 
 
 
Dass Atoxyl in hoher Dosierung giftig ist, war Koch  bekannt. Kurzfristig besserten sich die 
Symptome unter der Therapie, längerfristig gelang es jedoch nicht, die Parasiten aus dem Blut 
zu beseitigen. Weil er auf einen Erfolg hoffte, steigerte Koch die verabreichten Dosen bis zu 1 
Gramm, die in Abständen von sieben bis zehn Tagen g espritzt wurden. Die Behandlung war 
sehr schmerzhaft und rief Schwindelgefühle, Übelkeit und Koliken hervor. Schließlich kam es 
zu irreversiblen Erblindungen und zu Todesfällen, u nd Koch sah sich gezwungen, die Dosen 
wieder zu senken. Zahlreiche Patient*innen – die vo n den deutschen Ärzten auf britischem 
Kolonialgebiet nicht zwangsinterniert werden konnten – flohen vor der Behandlung. 
 
Um pro Tag rund 1000 Patienten untersuchen zu könne n, isolierte Koch vermeintlich Kranke 
in sogenannten Konzentrationslagern – einer Ansamml ung von Strohhütten und einfachen 
Zelten, die bei Sturm umgeweht wurden. Es fehlte an  allem: Decken, sauberem Wasser, zu 
essen gab es oft nur Mehl und Salz. Wie viele Menschen allein wegen dieser Zustände starben, 
ist unbekannt. 
 
In seinen Empfehlungen zum Umgang mit an Schlafkran kheit Erkrankten erwog Koch, die 
ganze Bevölkerung verseuchter Bezirke umzusiedeln. „[D]ie infizierten Individuen würden 
dann, da die Sterblichkeit ohne Behandlung eine abs olute sei, ausnahmslos zugrunde gehen, 
damit werde dann die Seuche erlöschen. Die Gesunden könne man nach einer gewissen Zeit – 
bis die Fliegen ihre Infektionsfähigkeit verloren h ätten – wieder an ihren ursprünglichen 
Wohnsitz zurücklassen.“ 
5  Er verwarf diese Maßnahme dann aber als unpraktikabel. Er schlug 
vor, in diesen Gegenden die Wälder abzuholzen, um d en Überträger der Krankheit, die 
Tsetsefliege, zu bekämpfen. Weiter empfahl er, in v erseuchten Orten Reihenuntersuchungen 
vorzunehmen, die Infizierten „herauszugreifen“ und in „Konzentrationslagern“ zu versammeln. 
„Da in den Konzentrationslagern eine genaue Beobachtung während längerer Zeit möglich sei, 
könne man hier am besten den empfehlenswerten Modus  der Atoxylbehandlung ausfindig 
machen und beispielsweise auch eine etappenmäßige T herapie erproben“. 6 Obwohl Atoxyl 
unwirksam und hochtoxisch war, hielt Koch an diesem Mittel fest. 
 
                                                 
5 Sitzung des Reichsgesundheitsrates am 16. November 1907. Mitteilungen über den Verlauf und die Ergebni sse 
der vom Reiche zur Erforschung der Schlafkrankheit nach Ostafrika entsandten Expedition, in: Robert Ko ch 
(1912): Gesammelte Werke. Bd. 2 (2), S. 930-40, hier S. 935. 
6 Ebd. S. 936.

4 
 
Nach der Abreise Kochs wurden drei Schlafkrankheits lager mit über 1.200 Patienten 
eingerichtet, in Togo und Kamerun wurden fünf Lager  errichtet. In den Lagern wurde mit 
verschiedenen chemischen Präparaten experimentiert.  Heilerfolge gab es keine. An den 
veröffentlichten Statistiken fällt die extrem hohe Zahl in der Kategorie „Abgang“ auf – die 
Patienten hatten sich durch Flucht entzogen. In die sen Lagern wurden auch noch weitere 
Präparate wie Arsenophenylglycin und Arsphenamin, d ie aus dem Labor von Paul Ehrlich 
geliefert wurden, erprobt. Hierbei kam es zu weiter en Todesfällen. Nach einer Publikation in 
der Deutschen Medizinischen Wochenschrift wurden solche Versuche vom Reichskolonialamt 
untersagt und nach 1911 wurden die meisten Lager un d Stationen in Deutsch-Ostafrika 
aufgelöst. 
 
Kochs Verdienste, seine wissenschaftlichen Leistung en, die Entdeckung und Bedeutung der 
Bakteriologie waren und sind ohne Zweifel groß. Das Robert Koch-Institut bezeichnet aber auf 
seiner Homepage Kochs Menschenversuche mit Atoxyl als das „wohl dunkelste Kapitel in der 
Karriere des Institutsgründers“. 
7  
 
Zusammenfassung gemäß Kriterienkatalog: 
 
1)  An Kochs Forschungen in den verschiedenen überseeis chen Kolonialgebieten lässt sich 
seine Unterstützung des europäischen Kolonialismus nicht zuletzt zum eigenen Nutzen 
bzw. zur Förderung seiner wissenschaftlichen Karriere ablesen. Eng verbunden waren bei 
seinen überseeischen Aktivitäten darüber hinaus ärz tliche, wissenschaftliche und 
ökonomische Interessen. 
2)  Seine Menschenversuche in Ostafrika, die meist ohne  Einwilligung der Probanden bzw. 
Aufklärung über die möglichen Folgen erfolgte, sowi e die unmenschlichen 
Lebensbedingungen in den Lagern müssen als Verbrechen im Kontext des Kolonialismus 
gewertet werden.  
3)  Die Menschenversuche zeugen darüber hinaus von eine m rassistischen Menschenbild, 
das ihn als im rassistischen Diskurs seiner Zeit fest verankerten kolonialen Täter ausweist. 
Die Interessen der einheimischen Bevölkerung spielten in seinen Plänen, z.B. für massive 
Umsiedelungen, keine Rolle 
                                                 
7 https://www.rki.de/DE/Content/Institut/Geschichte/robert_koch_node.html  [17.02.2023]

5 
 
8)  Mehrere seiner „Expeditionen“ wurden von offizieller Seite aus nicht zuletzt kolonial-
ökonomischen Interessen heraus finanziert.  
 
Kategorie: teilweise belastet/Abwägungsprozess notwendig 
 
 
(Februar 2023)

Beratungsverlauf (2)

28.08.2023 Bezirksvertretung 3 (Lindenthal)
TOP 11.3.2 Kenntnisnahme (Mitteilung) Entscheidung

Beschluss: Kenntnis genommen

Zur Sitzung
31.08.2023 Bezirksvertretung 6 (Chorweiler)
TOP 10.2.7 Kenntnisnahme (Mitteilung) Entscheidung

Beschluss: Kenntnis genommen

Zur Sitzung

Details

Aktenzeichen
1584/2023
Typ
Mitteilung BV
Datum
25.05.2023
Erstellt
11.05.2023 11:23