Kölner Statistische Nachrichten 4/2018 Erwerbstätigkeit und wirtschaftliche Lage der Kölner Bevölkerung - Ergebnisse der "Leben in Köln"-Umfrage 2016
Mitteilung Ausschuss 3058/2018 vom 17.09.2018
Stand: Am 06.12.2018 im Ausschuss für Soziales, Seniorinnen und Senioren beraten. Ergebnis: Kenntnis genommen.
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Die Oberbürgermeisterin Dezernat, Dienststelle VI/15/153 153/1 Vorlagen-Nummer 17.09.2018 3058/2018 Mitteilung öffentlicher Teil Gremium Datum Stadtentwicklungsausschuss 20.09.2018 Ausschuss Soziales und Senioren 06.11.2018 Wirtschaftsausschuss 06.11.2018 Kölner Statistische Nachrichten 4/2018 Erwerbstätigkeit und wirtschaftliche Lage der Kölner Bevölkerung - Ergebnisse der "Leben in Köln"-Umfrage 2016 Das Amt für Stadtentwicklung und Statistik der Stadt Köln legt den dritten Themenbericht zu den Er- gebnissen der „Leben in Köln“- Umfrage vor. Ziel der Themenberichte ist es, die Antworten der Bür- gerinnen und Bürger auf eine Vielzahl von Fragen zu den unterschiedlichsten Themen in knapper, leicht zu lesender Form zu präsentieren und in einen thematischen Zusammenhang zu stellen. Der nun vorliegende Bericht befasst sich im ersten Teil mit der Erwerbstätigkeit der Kölner Bevölke- rung und weist u.a. Zahlen zu den Kölner sozialversicherungspflichtig Erwerbstätigen aus und gibt Hinweise auf das Ausmaß atypischer Beschäftigung bei der Kölner Erwerbstätigenbevölkerung. So zeigt der Bericht u.a., dass auch in Köln vor allem Frauen, junge Erwerbstätige und ausländische Beschäftigte in atypischen Beschäftigungsverhältnissen angestellt sind. Er zeigt auch, dass der Ein- stieg in das Berufsleben oftmals über befristete Arbeitsverhältnisse erfolgt: 50 Prozent der jungen Erwerbstätigen unter 25 Jahren sind befristet eingestellt. Diese Altersgruppe hat zudem ein deutlich höheres Risiko, nicht sozialversicherungspflichtig beschäftigt zu sein. Der zweite Berichtsteil beschäftigt sich mit der wirtschaftlichen Lage der Kölner Bevölkerung und be- richtet über die Einkommensverhältnisse und damit zusammenhängend über die Armutsgefährdung einzelner Bevölkerungsgruppen in Köln. Er zeigt, dass knapp ein Viertel der Kölner Bevölkerung (23%) über ein monatliches Pro-Kopf-Nettoeinkommen von weniger als 1.066 Euro (weniger als 60% des Einkommensmedians) verfügt und damit – gemessen an den Kölner Einkommensverhältnissen – als armutsgefährdet gilt. Junge Menschen sowie Menschen mit Migrationshintergrund haben ein be- sonders hohes Risiko, in Armut zu geraten. Ein Viertel (24%) der Kölner Haushalte mit Kindern unter 18 Jahren sind von Armut bedroht. Am stärksten betroffen sind Haushalte von Alleinerziehenden (40%). Rechnet man die Anteile der Kinder unter 18 Jahren in den von Armut betroffenen Haushalten auf die insgesamt knapp 168.000 Kinder in den Kölner Familien hoch, so leben in Köln insgesamt rund 46.000 armutsgefährdete Kinder und Ju- gendliche. „Arm trotz Arbeit“ – dies trifft laut der „Leben in Köln“-Umfrage auf 16 Prozent der erwerbstätigen Menschen zu. Atypisch Beschäftigte haben ein mehr doppelt so hohes Risiko (21%), in Armut zu ge- raten, als Beschäftigte in einem Normalarbeitsverhältnis: Aber auch von ihnen ist etwa jede und jeder Zehnte (13%) von Armut bedroht. Ein Fünftel der Kölner Bevölkerung kommt mit dem verfügbaren Haushaltseinkommen kaum bis gar nicht aus: Bei 17 Prozent reicht das Haushaltseinkommen nur aus, wenn sie auf Dinge verzichten und 2 vier Prozent sagen, dass das Geld nicht ausreicht. Dem entspricht, dass 17 Prozent meinen, dass das ihnen im Alter zur Verfügung stehende Geld voraussichtlich nicht ausreichen wird. Ein Viertel (24%) der Befragten gab an, keine Rücklagen fürs Alter bilden zu können. Es liegen bereits zwei Themenberichte veröffentlicht vor, die sich mit der Zufriedenheit mit Köln und dem Wohnumfeld sowie der Aktiven Bürgerschaft beschäftigen. Der vierte Themenbericht „Wohnen in Köln“ sowie weitere Einzelberichte sind in der Vorbereitung. Anlage Themenbericht 3 „Erwerbstätigkeit und wirtschaftliche Lage der Kölner Bevölkerung“ Gez. Greitemann -
Anlage 1_Leben_in_Köln_Umfrage_2016_Themenbericht_3_Erwerbsbeteiligung
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Kölner Statistische Nachrichten Kölner Statistische Nachrichten 4/2018 Erwerbstätigkeit und wirtschaftliche Lage der Kölner Bevölkerung Ergebnisse der „Leben in Köln“-Umfrage 2016 Kölner Statistische Nachrichten – 4/2018 Erwerbstätigkeit und wirtschaftliche Lage der Kölner Bevölkerung – Ergebnisse der „Leben in Köln“- Umfrage 2016 2 Inhalt 1. Einleitung 3 2. Ergebnisse der „Leben in Köln“-Umfrage 4 2.1 Erwerbstätigkeit der Kölner Bevölkerung 4 Atypische Beschäftigungsverhältnisse 6 Formen atypischer Beschäftigung 9 Befristung 9 Nicht-sozialversicherungspflichtige Beschäftigung 10 Geringfügige Teilzeitbeschäftigung 11 2.2 Wirtschaftliche Lage der Kölner Bevölkerung 15 Bewertung der eigenen wirtschaftlichen Lage 15 Monatliches Haushalteinkommen 17 Armutsgefährdung 18 Rücklagen für das Alter 22 3. Zusammenfassung und Ausblick 26 „Leben in Köln“-Umfrage 2016 – Methodik 27 Kölner Statistische Nachrichten – 4/2018 Erwerbstätigkeit und wirtschaftliche Lage der Kölner Bevölkerung – Ergebnisse der „Leben in Köln“- Umfrage 2016 3 1. Einleitung In den vergangenen zehn Jahren haben die sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplät- ze in Köln um rund 110.000 zugenommen: von 443.500 auf 553.400 Arbeitsplätze. Dies entspricht einem Zuwachs von etwa 25 Prozent. Gleichzeitig hat der Arbeits- markt einen Wandel erfahren: Sogenannte „Normal-Arbeitsverhältnisse“ – also unbe- fristete, Vollzeit-Beschäftigungsverhältnisse – werden weniger, Teilzeit-Tätigkeit, Befristung, Mini-Jobs, fehlende Sozialversicherungspflicht nehmen zu. Dies bedeutet, dass eine Arbeitsstelle immer weniger mit einer ausreichenden materiellen Absiche- rung gleichzusetzen ist, die den Lebensunterhalt und Rücklagen für das Alter gewähr- leistet. Der vorliegende Bericht beschäftigt sich mit der Erwerbstätigkeit der Kölner Bevölke- rung und deren wirtschaftlichen Lage. Er ist einer von vier Themenberichten, die überblicksartig über ausgewählte Fragestellungen aus der „Leben in Köln“-Umfrage 2016 berichten. In dieser repräsentativen Umfrage wurde eine Vielzahl von Fragen zu verschiedenen Themenbereichen städtischen Lebens gestellt (zur Methodik der Um- frage siehe Seite 27). Mit ihren Antworten auf diese Fragen stellen die Kölnerinnen und Kölner Politik und Verwaltung eine Vielzahl planungsrelevanter Informationen über ihre Lebensverhältnisse und Einstellungen bereit. Die Themenberichte zu den Ergebnissen der „Leben in Köln“-Umfrage geben einen Überblick über die Antworten der Befragten und ermöglichen es, thematische Zu- sammenhänge zwischen den Themen darzustellen. Ein erster Themenbericht behan- delte die „Zufriedenheit mit Köln und dem Wohnumfeld“. Der zweite Bericht beschäf- tigte sich schwerpunktmäßig mit der „aktiven Bürgerschaft“. Der vierte Bericht be- fasst sich mit dem „Wohnen in Köln“. Die Themenberichte sind der Auftakt zu einer Serie weiterer Berichte, die das Amt für Stadtentwicklung und Statistik veröffentli- chen wird. Kölner Statistische Nachrichten – 4/2018 Erwerbstätigkeit und wirtschaftliche Lage der Kölner Bevölkerung – Ergebnisse der „Leben in Köln“- Umfrage 2016 4 2. Ergebnisse der „Leben in Köln“-Umfrage Erwerbstätigkeit, atypische Beschäftigung, finanzielles Auskommen, Armutsgefähr- dung, Vorsorge für das Alter – planungsrelevante Informationen über die wirtschaftli- chen Lebensverhältnisse der Kölner Bevölkerung können weitgehend nur aus Umfra- gen gewonnen werden. Die Befragten, die an der „Leben in Köln“-Umfrage teilge- nommen haben, haben zudem Fragen zur ihrer Erwerbstätigkeit beantwortet. Damit ermöglichen sie Politik und Verwaltung auch einen Blick auf ihre Erwerbsver- hältnisse. Dies ermöglicht Aussagen dazu, wie viele Kölnerinnen und Kölner in soge- nannten atypischen Beschäftigungsverhältnissen arbeiten – und damit aufgrund von Teilzeitarbeit, Befristung oder fehlender Sozialversicherungspflicht stärker armutsge- fährdet sind als Menschen, die in einem Normalarbeitsverhältnis angestellt sind. Die Befragten haben auch freiwillig Auskunft darüber gegeben, wie viel Geld ihr Haus- halt monatlich zur Verfügung hat und wie sie damit zurechtkommen. Dies ermöglicht wertvolle Einblicke in die wirtschaftliche Lage der Kölner Bevölkerung insgesamt aber auch einzelner Personengruppen oder Haushaltstypen. Wer in Köln von Armut bedroht ist, ist eine wichtige Information: Anders als die SGB II- Quoten, die letztendlich nur etwas über den Anteil bekämpfter Armut aussagen, ge- ben die mit Hilfe der Auskünfte der Befragten berechneten Armutsgefährdungsquo- ten einen realeren Blick auf die soziale Lage in Köln – denn nicht jeder armutsgefähr- dete bezieht staatliche Transferleistungen. 2.1 Erwerbstätigkeit der Kölner Bevölkerung Sieben von zehn Kölnerinnen und Kölner ab 18 Jahren sind erwerbstätig Zum Zeitpunkt der Umfrage Ende 2016 waren 67 Prozent der Erwachsenenbevölke- rung bis 80 Jahre erwerbstätig.1 Bezogen auf die insgesamt rund 856.000 erwachse- nen Kölnerinnen und Kölner entspricht dies einer Zahl von etwa 575.000 Erwerbstäti- gen (siehe hierzu auch Grafik 3 auf Seite 8). Anteilsmäßig gingen mehr Männer (69%) als Frauen (66%) einer Erwerbstätigkeit nach. Deutsche haben mit 69 Prozent eine deutlich höhere Erwerbsquote als Nicht- Deutsche (59%). 1 Diese Quote ergibt sich aus der Zahl der Erwerbstätigen bezogen auf die Be völkerung im Alter von 18 bis 80 Jahren und umfasst auch Erwerbsformen, die über die sozialversich e- rungspflichtige Beschäftigung hin ausgehen (g eringfügig Beschäftigte, Selbstständige/ - mithelfende Familienangehörige sowie Beamte/Richter). Kölner Statistische Nachrichten – 4/2018 Erwerbstätigkeit und wirtschaftliche Lage der Kölner Bevölkerung – Ergebnisse der „Leben in Köln“- Umfrage 2016 5 Mehr Männer als Frauen selbstständig oder freiberuflich tätig Während etwas weniger Männer (78%) als Frauen (82%) einer abhängigen, und somit in der Regel sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung (als Angestellte/r oder (Fach-)Arbeiter/in) nachgingen, sind Männer (15%) häufiger selbstständig bezie- hungsweise freiberuflich tätig als Frauen (10%) – dies vor allem in klassischen Hand- werksberufen. Tabelle 1 Erwerbstätigenstruktur nach Geschlecht und Migrationshintergrund (in % der Erwerbstätigen) Zudem gingen mehr Nicht-Deutsche (86%) einer sozialversicherungspflichtigen Be- schäftigung nach als Deutsche mit Migrationshintergrund (83%) oder Deutsche ohne Migrationshintergrund (78%).2 Bei Letzteren ist der Anteil verbeamteter Beschäftigter mit neun Prozent deutlich überdurchschnittlich – ein Hinweis darauf, dass Beschäftig- te mit Migrationshintergrund im öffentlichen Dienst nach wie vor unterrepräsentiert sind. Der Anteil sozialversicherungspflichtig Beschäftigter ist bei den jüngeren Altersgrup- pen höher und nimmt mit zunehmendem Alter ab. Während von den 18- bis 44- Jährigen zwischen 80 und 87 Prozent einer sozialversicherungspflichtigen Beschäfti- gung nachgingen – Angestellte und (Fach-)Arbeiter und -Arbeiterinnen zusammenge- rechnet –, galt dies für deutlich weniger als 80 Prozent der Erwerbstätigen ab 45 Jah- ren (siehe Grafik 1). Umgekehrt steigt der Anteil Selbstständiger und mithelfender Familienangehöriger mit zunehmendem Alter an: Lediglich knapp sieben Prozent der unter 35-Jährigen waren zum Befragungszeitpunkt 2016 als mithelfende Familienangehörige tätig – von den 60- bis 65-Jährigen war noch etwa ein Fünftel in dieser Form erwerbstätig (19%). 2 Einen Migrationshintergrund zu haben heißt, entweder selbst zugewandert (1. Generation) oder in Deutschland geboren zu sein und mindestens einen Elternteil zu haben, der zug e- wandert ist (2. Generation). Dieses Merkmal wird vom Amt für Stadtentwicklung und Sta- tistik seit 2005 für Köln berechnet. Männer Frauen Deutsche ohne MH Deutsche mit MH Nicht- Deutsche Angestellte 70 64 77 71 67 64 (Fach-)Arbeiter/innen 10 14 5 7 12 22 Selbstständige/mithelfende Familienangehörige 12 15 10 13 12 11 Beamte/Richter 8 7 8 9 5 3 Erwerbstätige insgesamt 100 100 100 100 100 100 Quelle: Stadt Köln - Amt für Stadtentwicklung und Statistik; „Leben in Köln“-Umfrage 2016 Ins- gesamt Geschlecht Migrationshintergrund (MH) Struktur der Erwerbstätigen Kölner Statistische Nachrichten – 4/2018 Erwerbstätigkeit und wirtschaftliche Lage der Kölner Bevölkerung – Ergebnisse der „Leben in Köln“- Umfrage 2016 6 Grafik 1 Erwerbstätigenstruktur nach Altersgruppen (in % der Erwerbstätigengruppen) Atypische Beschäftigungsverhältnisse Seit mehreren Jahren verändern sich die Beschäftigungsformen: Sogenannte „Nor- malarbeitsverhältnisse“ werden immer weniger, Arbeitsverhältnisse, die nicht dieser Definition entsprechen – sogenannte „atypische“ Beschäftigungsverhältnisse –, ge- winnen zunehmend an Bedeutung (zur hier verwendeten Definition siehe nachfol- genden Kasten). Gründe hierfür sind einerseits im wirtschaftlichen Strukturwandel hin zur Dienstleis- tungsgesellschaft zu suchen wie auch in einer Deregulierung des Arbeitsmarktes mit der Ausweitung von Leiharbeit und geringfügiger Beschäftigung. Andererseits lässt auch die steigende Vielfalt von Lebensläufen und -entwürfen, von Familienmodellen und Erwerbsbiographien die Nachfrage nach flexibleren Beschäftigungsverhältnisse steigen. Das Normalarbeitsverhältnis bietet zwar ein Höchstmaß an sozialer Sicher- heit für die Beschäftigten, tritt aber oftmals zugunsten einer flexibleren Arbeitszeitge- staltung zunehmend in den Hintergrund. 75 81 72 65 55 70 13 6 8 12 11 10 5 7 8 8 7 12 7 6 12 15 27 8 18 - 24 Jahre 25 - 34 Jahre 35 - 44 Jahre 45 - 59 Jahre 60 - 80 Jahre Insgesamt Angestellte (Fach-)Arbeiter/innen Selbstständige, mithelfende Familienangehörige Beamt/innen, Richter/innen Quelle: Stadt Köln - Amt für Stadtentwicklung und Statistik; „Leben in Köln“-Umfrage 2016 Kölner Statistische Nachrichten – 4/2018 Erwerbstätigkeit und wirtschaftliche Lage der Kölner Bevölkerung – Ergebnisse der „Leben in Köln“- Umfrage 2016 7 Rund ein Fünftel der Kölner Erwerbstätigen ist atypisch beschäftigt In Köln arbeiten knapp 70 Prozent der Erwerbstätigen in einem Normalarbeitsverhält- nis. Jede/r zehnte Erwerbstätige (12%) ist selbstständig tätig oder als mithelfender Angehöriger. 19 Prozent arbeiten hingegen in einem atypischen Beschäftigungsver- hältnis (siehe Grafik 2). Hochgerechnet auf die rund 575.000 in Köln lebenden Erwerbstätigen ergibt dies eine Zahl von rund 109.000 atypisch Beschäftigten (siehe Grafik 3). Grafik 2 Art des Arbeitsverhältnisses (in % der Erwerbstätigen) 69 12 19 Normalarbeits- verhältnis Selbstständige* atypisches Beschäftigungs- verhältnis Quelle: Stadt Köln - Amt für Stadtentwicklung und Statistik; „Leben in Köln“-Umfrage 2016 * inkl. mithelfende Angehörige Normalarbeitsverhältnis versus atypische Beschäftigung Ein Beschäftigungsverhältnis gilt hier als „Normalarbeitsverhältnis“, wenn es folgende Kriterien erfüllt: • dauerhafte Vollzeitbeschäftigung • unbefristetes Beschäftigungsverhältnis • regelmäßige (monatliche) existenzsichernde Tätigkeitsvergütung. Hiermit verbunden ist die vollständige Integration in die sozialen Sicherungssys- teme (so vor allem Arbeitslosen-, Kranken-und Rentenversicherung). Methodisch davon abgrenzen lassen sich die als „atypisch“ benannten Beschäfti- gungsverhältnisse, die in einem oder mehreren Punkten von einem „Normalar- beitsverhältnis“ abweichen. Dies sind Beschäftigungsverhältnisse in Form von • Teilzeitarbeit bis zu 20 Wochenstunden, • nicht sozialversicherungspflichtige Beschäftigung, • befristeter Beschäftigung. Kölner Statistische Nachrichten – 4/2018 Erwerbstätigkeit und wirtschaftliche Lage der Kölner Bevölkerung – Ergebnisse der „Leben in Köln“- Umfrage 2016 8 Grafik 3 Erwerbstätige insgesamt und atypisch Beschäftigte in der Kölner Erwachsene n- bevölkerung (Hochrechnung) Frauen, junge sowie ausländische Erwerbstätige sind überdurchschnittlich häufig atypisch beschäftigt Frauen (22%) und junge Erwerbstätige – vor allem jene unter 25 Jahren (31%) – befin- den sich besonders häufig in atypischen Beschäftigungsverhältnissen. Auch Deutsche mit Migrationshintergrund (23%) sind überdurchschnittlich häufig in atypischen Be- schäftigungsverhältnissen zu finden. Grafik 4 Anteile atypisch Beschäftigter in verschiedenen Bevölkerungsgruppen (in % der Erwerbstätigengruppen) * 18- bis 80-Jährige ** eigene Hochrechnung auf Basis der "Leben in Köln"-Umfrage 2016 856.000 Erwachsenenbevölkerung* 575.000 Erwerbstätige** 109.000 atypisch Beschäftigte** 19 15 22 31 26 19 14 14 18 23 18 insgesamt Männer Frauen 18 - 24 Jahre 25 - 34 Jahre 35 - 44 Jahre 45 - 59 Jahre 60 - 80 Jahre Deutsche ohne Migrationshintergrund Deutsche mit Migrationshintergrund Nicht-Deutsche Quelle: Stadt Köln - Amt für Stadtentwicklung und Statistik; „Leben in Köln“-Umfrage 2016 Kölner Statistische Nachrichten – 4/2018 Erwerbstätigkeit und wirtschaftliche Lage der Kölner Bevölkerung – Ergebnisse der „Leben in Köln“- Umfrage 2016 9 Formen atypischer Beschäftigung Befristung Einstieg in das Berufsleben erfolgt über befristete Arbeitsverhältnisse Bei einer Befristung endet ein Arbeitsvertrag zu einem festgelegten Zeitpunkt, ohne dass die üblichen Kündigungsschutzregelungen gelten. Knapp ein Fünftel (17%) der abhängig Beschäftigten in Köln sind befristet eingestellt. Zwischen Männern und Frauen gibt es hier nur geringfügige Unterschiede (siehe Grafik 5). Bei den Frauen ist der Anteil befristet Beschäftigter bei den 18- bis 24-Jährigen mit 23 Prozent besonders hoch, aber auch 17 Prozent der Männer dieser jüngsten Alters- gruppe sind von Befristung betroffen. Bereits in der folgenden Altersgruppe liegt der Anteil mit jeweils 11 Prozent deutlich darunter – ein Indiz dafür, dass der Einstieg in das Berufsleben mehrheitlich über befristete Arbeitsverhältnisse erfolgt. Grafik 5 Befristet Beschäftigte nach Geschlecht und Alter (in % der Erwerbstätigengrup- pen) Befristung im Bildungsbereich besonders häufig Jede/r vierte Beschäftigte (25%) im Bereich „Erziehung und Unterricht“ ist hat ein be- fristetes Beschäftigungsverhältnis. Damit liegt dieser Bereich deutlich über dem Durchschnitt von 17 Prozent befristeter Beschäftigungsverhältnisse. Aber auch im „Gesundheits- und Sozialwesen“ sind etwa ein Fünftel (19%) der Beschäftigten befris- tet angestellt. 17 17 16 11 12 14 27 23 19 11 11 12 12 befristet Beschäftigte insgesamt 18 - 24 Jahre Männer insgesamt 25 - 34 Jahre 35 - 44 Jahre 45 - 59 Jahre 60 - 80 Jahre 18 - 24 Jahre Frauen insgesamt 25 - 34 Jahre 35 - 44 Jahre 45 - 59 Jahre 60 - 80 Jahre Quelle: Stadt Köln - Amt für Stadtentwicklung und Statistik; „Leben in Köln“-Umfrage 2016 Männer Frauen Kölner Statistische Nachrichten – 4/2018 Erwerbstätigkeit und wirtschaftliche Lage der Kölner Bevölkerung – Ergebnisse der „Leben in Köln“- Umfrage 2016 10 Grafik 6 Befristet Beschäftigte in ausgewählten Branchen (in % der Erwerbstätigen- gruppen) Nicht-sozialversicherungspflichtige Beschäftigung Fehlende Sozialversicherung vor allem bei jüngeren Erwerbstätigen Vier von zehn abhängig Erwerbstätigen (Angestellte oder (Fach)Arbeiter/- Arbeiterinnen) gehen in Köln einer nicht sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nach. Männer und Frauen unterscheiden sich hier nur wenig. Die Ausnahme bilden junge Erwerbstätige unter 25 Jahren: Vor allem junge Frauen (14%) starten über nicht-sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse in das Arbeitsleben. Dennoch ist auch bei den jungen Männern dieser Anteil mit acht Prozent überdurchschnittlich hoch. Erwerbstätige mit Migrationshintergrund haben ein deutlich höheres Risiko, nicht sozialversicherungspflichtig angestellt zu sein. Der Anteil ist bei Erwerbstätigen aus- ländischer Nationalität mit acht Prozent überdurchschnittlich hoch. 25 19 17 17 16 14 14 7 5 Erziehung und Unterricht Gesundheits- und Sozialwesen befristet Beschäftigte insgesamt Information und Kommunikation (Medien/IT) Handel Gaststätten und Hotelgewerbe Verkehr und Lagerei (Logistik) Banken, Sparkassen Versicherungen Quelle: Stadt Köln - Amt für Stadtentwicklung und Statistik; „Leben in Köln“-Umfrage 2016 Kölner Statistische Nachrichten – 4/2018 Erwerbstätigkeit und wirtschaftliche Lage der Kölner Bevölkerung – Ergebnisse der „Leben in Köln“- Umfrage 2016 11 Grafik 7 Nicht-sozialversicherungspflichtig Beschäftigte nach Geschlecht und Alter (in % der abhängig Erwerbstätigengruppen) Geringfügige Teilzeitbeschäftigung Geringfügige Teilzeit bei Frauen dreimal so häufig wie bei Männern Es sind vor allem Frauen, die weniger als 20 Wochenstunden arbeiten. Während nur drei Prozent der Männer einer solchen geringfügigen Teilzeitbeschäftigung nachgeht, ist dieser Anteil bei Frauen mit zehn Prozent etwa dreimal so hoch (siehe Grafik 8). Während maximal sieben Prozent der Frauen unter 35 Jahren einer geringfügigen Teilzeitbeschäftigung nachgehen, schnellt dieser Anteil bei der Altersgruppe der 35- bis 44-Jährigen auf knapp das Doppelte an (um die 12%) an: Ein Indiz dafür, dass hier Teilzeit mit Familiengründung zusammenfällt. Dieser Anteil bleibt auch bei den höheren Altersgruppen unverändert und ist bei den 45- bis 60-jährigen Frauen mit 47 Prozent am höchsten. Die sich hier offenbarenden Erwerbsquoten von Frauen haben Konsequenzen für das Rentenniveau. 4 8 4 4 3 3 7 14 6 5 5 5 6 4 5 8 nicht-SVP-pflichtige Erwerbstätige* insgesamt 18 - 24 Jahre 25 - 34 Jahre Männer insgesamt 35 - 44 Jahre 45 - 59 Jahre 60 - 80 Jahre 18 - 24 Jahre 25 - 34 Jahre Frauen insgesamt 35 - 44 Jahre 45 - 59 Jahre 60 - 80 Jahre Deutsche Deutsche mit Migrationshintergrund Nicht-Deutsche Quelle: Stadt Köln - Amt für Stadtentwicklung und Statistik; „Leben in Köln“-Umfrage 2016 * Anteile an allen abhängig Erwerbstätigen Kölner Statistische Nachrichten – 4/2018 Erwerbstätigkeit und wirtschaftliche Lage der Kölner Bevölkerung – Ergebnisse der „Leben in Köln“- Umfrage 2016 12 Grafik 8 Geringfügig Teilzeitbeschäftigte mit weniger als 20 Wochenstunden nach Ge- schlecht und Alter (in % der Erwerbstätigengruppen) Geringfügige Teilzeit im Bildungs- sowie Gesundheits- und Sozialbereich über- durchschnittlich häufig Die höchsten Anteile geringfügig Teilzeitbeschäftigter finden sich in den Bereichen Erziehung und Unterricht (50%) sowie im Gesundheitswesen (40%). Auch die Beschäf- tigten im Gaststätten-/Hotelgewerbe sowie im Handel sind überdurchschnittlich häu- fig in Teilzeit tätig. Grafik 9 Geringfügig Teilzeitbeschäftigte mit weniger als 20 Wochenstunden in ausge- wählten Branchen (in % der Erwerbstätigen) 7 3 6 2 3 2 7 6 7 10 12 11 12 geringfügig Teilzeitbeschäftigte* insgesamt 18 - 24 Jahre 25 - 34 Jahre 35 - 44 Jahre Männer insgesamt 45 - 59 Jahre 60 - 80 Jahre 18 - 24 Jahre 25 - 34 Jahre Frauen insgesamt 35 - 44 Jahre 45 - 59 Jahre 60 - 80 Jahre Quelle: Stadt Köln - Amt für Stadtentwicklung und Statistik; „Leben in Köln“-Umfrage 2016 Männer Frauen * weniger als 20 Wochenstunden 50 40 31 31 25 23 20 18 12 Erziehung und Unterricht Gesundheits- und Sozialwesen Gaststätten- und Hotelgewerbe Handel Gesamt Banken, Sparkassen Versicherungen Information und Kommunikation (Medien/IT) Verkehr und Lagerei (Logistik) Quelle: Stadt Köln - Amt für Stadtentwicklung und Statistik; „Leben in Köln“-Umfrage 2016 Kölner Statistische Nachrichten – 4/2018 Erwerbstätigkeit und wirtschaftliche Lage der Kölner Bevölkerung – Ergebnisse der „Leben in Köln“- Umfrage 2016 13 Frauen arbeiten fast fünfmal häufiger in Teilzeit als Männer Teilzeitbeschäftigung ist mehrheitlich ein Frauenphänomen. Während nur acht Pro- zent der Männer einer Teilzeittätigkeit von maximal 30 Wochenstunden nachgehen, tut dies mit einem Anteil von 28 Prozent mehr als ein Viertel aller erwerbstätigen Frauen. Grafik 10 Arbeitsstunden pro Woche nach Geschlecht (in % der Erwerbstätigengruppen) Mit einer Teilzeittätigkeit können bestimmte Lebenssituationen überbrückt werden. Viele üben eine Arbeitszeitreduzierung auf weniger als 30 Wochenstunden aus, um beispielsweise eine Doppelbelastung durch Kinderziehung oder die Pflege Angehöri- ger abzufedern. Manchen tun diese vielleicht auch nur mit Blick auf die eigene Le- bensgestaltung (Stichwort: „Work-Life-Balance“). Wie sehr es gerade die Frauen sind, die auf dieses Arbeitszeitmodell zurückgreifen, um vor allem eine Doppelbelastung abzufedern, verdeutlicht Grafik 11. So arbeitet knapp die Hälfte (46%) der erwerbstätigen Frauen mit einem oder mehreren minder- jährigen Kindern im Haushalt in einem Teilzeitarbeitsverhältnis. Bei den erwerbstäti- gen Familienvätern tun dies gerade einmal sechs Prozent. Auch bei aktuellen Pflegenotwendigkeiten sind es vorwiegend die Frauen, die ihre Arbeitszeit auf unter 30 Stunden reduzieren (33%). Bei den Männern mit Pflegeaufga- ben liegt dieser Anteil bei zehn Prozent. 6 3 10 7 3 10 5 2 8 8 4 12 30 34 27 40 49 31 4 5 2 alle Erwerbstätige Männer Frauen weniger als 20 Stunden 20 bis unter 25 Stunden 25 bis unter 30 Stunden 30 bis unter 35 Stunden 35 bis unter 40 Stunden 40 bis unter 50 Stunden 50 Stunden und mehr Quelle: Stadt Köln - Amt für Stadtentwicklung und Statistik; „Leben in Köln“-Umfrage 2016 Kölner Statistische Nachrichten – 4/2018 Erwerbstätigkeit und wirtschaftliche Lage der Kölner Bevölkerung – Ergebnisse der „Leben in Köln“- Umfrage 2016 14 Grafik 11 Teilzeittätigkeit von weniger als 30 Wochenstunden (in % der Erwerbstätigen- gruppen) 46 33 28 18 10 8 6 Frauen mit Kindern bis 17 Jahre im Haushalt Frauen, die Pflegetätigkeit ausüben Frauen insgesamt Teilzeitbeschäftigte* insgesamt Männer, die Pflegetätigkeit ausüben Männer insgesamt Männer mit Kindern bis 17 Jahre im Haushalt Quelle: Stadt Köln - Amt für Stadtentwicklung und Statistik; „Leben in Köln“-Umfrage 2016 * weniger als 30 Wochenstunden Kölner Statistische Nachrichten – 4/2018 Erwerbstätigkeit und wirtschaftliche Lage der Kölner Bevölkerung – Ergebnisse der „Leben in Köln“- Umfrage 2016 15 2.2 Wirtschaftliche Lage der Kölner Bevölkerung Bewertung der eigenen wirtschaftlichen Lage 60 Prozent der befragten Kölnerinnen und Kölner beurteilen ihre aktuelle wirt- schaftliche Lage positiv Sechs von zehn Befragten (61%) bewerten ihre aktuelle wirtschaftliche Lage als „gut“ (49%) oder sogar „sehr gut“ (12%). Etwa jede/r Zehnte (11%) bezeichnet sie hingegen als „schlecht“ oder „sehr schlecht“. Gefragt danach, wie man die eigene wirtschaftliche Lage in einem Jahr einschätzen würde, meinen knapp zwei Drittel der Befragten (62%), dass sich für sie nichts ändern wird, dass ihre wirtschaftliche Lage unverändert bleiben wird. Dass es ihnen in einem Jahr hingegen besser gehen wird als heute, meint knapp ein Viertel (24%) und an eine Verschlechterung glauben insgesamt 14 Prozent. Grafik 12 Eigene wirtschaftliche Lage aktuell und in einem Jahr (in % der Befragten ) Die Befragten gehen mehrheitlich davon aus, dass ihre wirtschaftliche Situation sich zumindest in naher Zukunft nicht ändern wird. Von einer derart stabil bleibenden La- ge gehen noch am ehesten diejenigen aus, die ihre aktuelle wirtschaftliche Lage aktu- ell positiv beurteilen. Zwei Drittel (69%) sind der Meinung, dass dies auch in einem Jahr noch so sein wird (siehe Grafik 13). Ähnlich verhält es sich bei denjenigen, die ihre aktuelle Lage ambivalent („teils-teils“) bewerten: Hier meint jeweils immer noch mehr als die Hälfte, dass dies auch in einem Jahr noch so sein wird. Bei beiden Gruppen schauen zudem mit Werten zwischen 21 und 29 Prozent positiver in die nahe Zukunft als diejenigen, die sich selbst aktuell eine schlechte wirtschaftliche Lage bescheinigen. Diese gehen stärker als die anderen davon aus, dass sich ihre Lage in einem Jahr geändert haben wird: Während nur ein Drittel sich in einem Jahr in der- selben Situation sieht, schauen die anderen zwei Drittel zu ähnlichen Anteilen entwe- 12 49 29 8 3 4 20 62 11 3 sehr gut gut teils- teils schlecht sehr schlecht wesentlich besser besser unverändert etwas schlechter wesentlich schlechter Quelle: Stadt Köln - Amt für Stadtentwicklung und Statistik; „Leben in Köln“-Umfrage 2016 Bewertung der eigenen aktuellen wirtschaftlichen Lage Einschätzung der eigenen wirtschaftlichen Lage in einem Jahr Kölner Statistische Nachrichten – 4/2018 Erwerbstätigkeit und wirtschaftliche Lage der Kölner Bevölkerung – Ergebnisse der „Leben in Köln“- Umfrage 2016 16 der positiv in die nahe Zukunft (34%) oder sehen sich sogar in einer noch schlechteren Lage als heute (29%). Grafik 13 Einschätzung der eigenen wirtschaftlichen Lage in einem Jahr (in % der Befragten) Befragte mit Migrationshintergrund beurteilen ihre eigene wirtschaftliche Situation nicht so gut wie diejenigen ohne Migrationshintergrund: Zusammengerechnet knapp die Hälfte (47%) von ihnen bewertet die eigene wirtschaftliche Lage positiv (also „sehr gut“ oder gut“). Von den Personen ohne Migrationshintergrund sind es hingegen zwei Drittel (65%), die ihre wirtschaftliche Lage positiv einschätzen (siehe Grafik 14). Grafik 14 Bewertung der eigenen wirtschaftlichen Lage nach Bevölkerungsgruppen (in % der Befragtengruppen) 21 29 34 69 55 37 10 16 29 (sehr) gut teils-teils (sehr) schlecht Meine aktuelle wirtschaftliche Lage ist... (wesentlich) besser sein gleich bleiben (wesentlich) schlechter sein Quelle: Stadt Köln - Amt für Stadtentwicklung und Statistik; „Leben in Köln“-Umfrage 2016 Meine wirtschaftliche Lage wird in einem Jahr... 7 9 14 14 11 8 10 13 11 13 12 39 44 45 49 57 36 42 52 48 49 49 40 33 29 27 25 38 34 26 31 27 29 11 10 9 7 5 12 9 6 8 8 8 3 3 3 3 2 5 4 2 3 3 3 60 - 80 Jahre 45 - 59 Jahre 35 - 44 Jahre 25 - 34 Jahre 18 - 24 Jahre Nicht-Deutsche Deutsche mit Migrationshintergrund Deutsche ohne Migrationshintergrund Frauen Männer Insgesamt sehr gut gut teils-teils schlecht sehr schlecht Quelle: Stadt Köln - Amt für Stadtentwicklung und Statistik; „Leben in Köln“-Umfrage 2016 Kölner Statistische Nachrichten – 4/2018 Erwerbstätigkeit und wirtschaftliche Lage der Kölner Bevölkerung – Ergebnisse der „Leben in Köln“- Umfrage 2016 17 Wie nicht anders zu erwarten, beurteilten die Erwerbstätigen ihre derzeitige wirt- schaftliche Situation am positivsten: Knapp zwei Drittel (63%) teilen eine positive Ein- schätzung, während nur acht Prozent ihre momentane wirtschaftliche Lage mit 'schlecht' bzw. 'sehr schlecht' beurteilen. Zwischen elf und 17 Prozent der Kölnerinnen und Kölner beurteilen ihre wirtschaftli- che Lage als „schlecht“ oder sogar „sehr schlecht“ – Ältere mehr als Jüngere, Men- schen mit Migrationshintergrund ebenfalls mehr als Deutsche ohne Migrationshinter- grund. Monatliches Haushalteinkommen Deutliche Unterschiede beim Haushaltseinkommen Ein Kölner Haushalt hat im Durchschnitt – nach Abzug aller Steuern und Sozialabga- ben – 2 700 Euro pro Monat zur Verfügung. Die Höhe ist nicht bei allen Haushalten gleich. Haushalte mit Kindern haben im Durchschnitt 3 600 Euro zur Verfügung, der durchschnittliche Alleinerziehenden-Haushalt verfügt über nur 1 900 Euro pro Monat. Das höchste Haushaltsnettoeinkommen findet sich bei Menschen im mittleren Alter (siehe Grafik 15). Mit einem durchschnittlichen Einkommen von über 3 000 Euro ver- fügen sie über mehr finanzielle Mittel als jüngere Menschen oder Menschen, die sich im Ruhestand befinden oder kurz davor stehen. Deutsche ohne Migrationshinter- grund haben im Durchschnitt 2 900 Euro zur Verfügung, Deutsche mit Migrationshin- tergrund 2 500 Euro und Befragte ausländischer Nationalität 2 100 Euro. Grafik 15 Monatliches Haushaltsnettoeinkommen nach Person und Haushaltstyp (in Euro) 2.700 1.800 2.600 3.200 3.100 2.400 2.900 2.500 2.100 3.400 3.600 1.900 alle Befragte 18 - 24 Jahre 25 - 34 Jahre 35 - 44 Jahre 45 - 59 Jahre 60 - 80 Jahre Deutsche ohne Migrationshintergrund Deutsche mit Migrationshintergrund Nicht-Deutsche 1-Personen-Haushalt Haushalt mit Kindern unter 18 Jahren Alleinerziehendenhaushalt Quelle: Stadt Köln - Amt für Stadtentwicklung und Statistik; „Leben in Köln“-Umfrage 2016 befragte Person... befragter Haushalt... Kölner Statistische Nachrichten – 4/2018 Erwerbstätigkeit und wirtschaftliche Lage der Kölner Bevölkerung – Ergebnisse der „Leben in Köln“- Umfrage 2016 18 Armutsgefährdung Armutsgefährdung – Definition und Berechnung Armutsgefährdet ist nach der hier zugrunde gelegten europaweit verwendeten OECD-Definition, wer ein „verfügbares Einkommen von weniger als 60 Prozent des Einkommensmedians hat“ (= Armutsrisikoschwelle). Als Einkommen gilt hier nicht das reine Erwerbseinkommen, sondern die Summe aller Einkünfte des Haushaltes, die nach Abzug von Steuern und Sozialabgaben übrig bleiben. Zur Berechnung der Armutsgefährdung wird das bedarfsgewichtete Pro-Kopf- Einkommen (Nettoäquivalenzeinkommen) herangezogen: Hierbei wird berück- sichtigt, dass Mehrpersonenhaushalte im Gegensatz zu Einpersonenhaushalten durch gemeinsames Wirtschaften Einspareffekte erzielen. Um Haushalte unter- schiedlicher Größe miteinander vergleichen zu können, also zum Beispiel eine kinderreiche Familie mit einem Alleinstehenden, wird das Haushaltsnettoein- kommen nicht einfach durch die Zahl der Haushaltsmitglieder geteilt, sondern durch einen geringeren Wert. Zugrunde gelegt wird bei der vorliegenden Berech- nung die neue OECD-Skala, die höhere Kostenersparnisse in Mehrpersonenhaus- halten unterstellt – wobei bei Kindern im Alter von unter 14 Jahren ein geringerer Bedarf angenommen wird als bei Erwachsenen. Daher werden für die weiteren Haushaltsmitglieder niedrigere Faktoren ange- setzt (0,5 für weitere Personen im Alter von 14 und mehr Jahren und 0,3 für wei- tere Personen im Alter von unter 14 Jahren). Um die höheren Lebenshaltungskosten in einer Großstadt wie Köln mit einzube- ziehen, wurde zur Ermittlung der Armutsgefährdung nicht der Medianwert des Bundes (969 Euro (Destatis)) oder des Landes NRW (946 Euro (it.nrw)) zugrunde gelegt, sondern der für Köln ermittelte Median: Dieser lag zum Befragungszeit- punkt 2016 bei 1 780 Euro und damit deutlich höher. Demnach gilt in Köln als armutsgefährdet, wer ein monatliches, äquivalenzgewichtetes Pro-Kopf- Nettoeinkommen von weniger als 60 Prozent dieser 1 780 Euro hat. Der Schwel- lenwert zur Armutsgefährdung liegt demnach in Köln bei 1 066 Euro. *Median: Zentralwert in der Statistik. Hier unterteilt er die Bevölkerung – sortiert nach ihren Einkommensverhältnissen – in zwei gleichgroße Gruppen: 50 Prozent liegen oberhalb des Medians, 50 Prozent darunter. Kölner Statistische Nachrichten – 4/2018 Erwerbstätigkeit und wirtschaftliche Lage der Kölner Bevölkerung – Ergebnisse der „Leben in Köln“- Umfrage 2016 19 Knapp ein Viertel der Kölner Bevölkerung ist armutsgefährdet Knapp drei Viertel (71%) der Kölner Bevölkerung gehören – gemessen an ihren Ein- kommensverhältnissen – zur Mittelschicht. Sechs Prozent haben mehr als 200 Prozent des Kölner Einkommensmedians zur Verfügung und können somit als reich bezeich- net werden. Knapp ein Viertel (23%) der Kölnerinnen und Kölner verfügen hingegen über ein mo- natliches Pro-Kopf-Nettoeinkommen von weniger als 1 066 Euro (weniger als 60% des Einkommensmedians) und gelten damit – gemessen an den Kölner Einkommensver- hältnissen – als armutsgefährdet (siehe Grafik 16). Grafik 16 Armutsgefährdung in der Kölner Bevölkerung – Hochrechnung Junge Menschen sowie Menschen mit Migrationshintergrund haben ein besonders hohes Risiko, in Armut zu geraten Menschen ausländischer Nationalität verfügen mehr als doppelt so häufig wie der Durschnitt über ein monatliches Haushaltsnettoeinkommen unterhalb der Armuts- grenze (45%). Bei den Jüngeren unter 25 Jahre liegt jede/r Zweite mit dem monatlichen Pro-Kopf- Nettoeinkommen unterhalb der Armutsgefährdungsgrenze (siehe Grafik 17). 23 41 30 6 Quelle: Stadt Köln - Amt für Stadtentwicklung und Statistik; „Leben in Köln“-Umfrage 2016 Armuts(gefährdung) (weniger als 60 % des Einkommensmedians) rund 202.000 Menschen Einkommensmedian für Köln = 1.751 Euro (pro Kopf, äquivalenzgewichtet) Reichtum (mehr als 200 % des Einkommensmedians) rund 53.000 Menschen untere Mittelschicht (60 bis 120 % des Einkommensmedians) rund 353.000 Menschen obere Mittelschicht (120 bis 200 % des Einkommensmedians) rund 260.000 Menschen Kölner Statistische Nachrichten – 4/2018 Erwerbstätigkeit und wirtschaftliche Lage der Kölner Bevölkerung – Ergebnisse der „Leben in Köln“- Umfrage 2016 20 Grafik 17 A nteile armutsgefährdeter Kölnerinnen und Kölner (in % der Befragtengruppen) Kinder in Großfamilien und Alleinerziehenden-Haushalten haben ein deutlich hö- heres Armutsrisiko 24 Prozent der Kölner Haushalte mit Kindern unter 18 Jahren sind von Armut bedroht. Mit anderen Worten: Ein Viertel der Kölner Familienhaushalte verfügt über ein Pro- Kopf-Einkommen, das unterhalb des für Köln geltenden Schwellenwertes von 1 066 Euro monatlich liegt (siehe hierzu Wissenskasten auf Seite 18). Am stärksten von Armut gefährdet sind Haushalte von Alleinerziehenden: Vier von zehn Alleinerziehenden-Haushalte (40%) in Köln sind armutsgefährdet. Hier steigt das Armutsrisiko mit der Zahl der Kinder: Während jeder dritte Haushalt (34%) eines al- leinerziehenden Elternteils mit einem Kind von Armut bedroht ist, trifft dieser Um- stand auf knapp 60 Prozent der Haushalte von Alleinerziehenden mit zwei oder mehr Kindern zu. Dies ist nicht zuletzt durch die geringeren zeitlichen Arbeitsmöglichkeiten Alleiner- ziehender zu erklären, die mit jedem zusätzlichen Kind, das es zu betreuen gilt, einge- schränkter sind. Ob Männer oder Frauen alleinerziehend sind, macht einen wesentli- chen Unterschied: Von den alleinerziehenden Frauen sind 42 Prozent armutsgefähr- det, bei den alleinerziehenden Männern sind hingegen nur drei von zehn armutsge- fährdet (31%). Von den übrigen Haushalten mit Kindern – in der Regel Paarhaushalte – ist etwa ein Fünftel (19%) von Armut bedroht: Haushalte mit einem oder zwei Kindern haben in Köln ein etwas geringeres Armutsrisiko (18%) als Haushalte mit drei oder mehr Kin- dern (38%). 23 23 24 17 30 45 50 24 20 19 22 Insgesamt Männer Frauen Deutsche ohne Migrationshintergrund Deutsche mit Migrationshintergrund Nicht-Deutsche 18 - 24 Jahre 25 - 34 Jahre 35 - 44 Jahre 45 - 59 Jahre 60 - 80 Jahre Quelle: Stadt Köln - Amt für Stadtentwicklung und Statistik; „Leben in Köln“-Umfrage 2016 Kölner Statistische Nachrichten – 4/2018 Erwerbstätigkeit und wirtschaftliche Lage der Kölner Bevölkerung – Ergebnisse der „Leben in Köln“- Umfrage 2016 21 Grafik 18 Armutsgefährdung Kölner Familienhaushalte (in % der Haushalt stypen) Rund 46.000 Kinder und Jugendliche von Armut bedroht Rechnet man die Anteile der Kinder unter 18 Jahren in den von Armut betroffenen Haushalten auf die insgesamt knapp 168.000 Kinder in den Kölner Familien hoch, so leben in Köln insgesamt rund 46.000 armutsgefährdete Kinder und Jugendliche. Jede/r sechste Erwerbstätige von Armut bedroht „Arm trotz Arbeit“ – dies trifft laut der „Leben in Köln“-Umfrage auf 16 Prozent der erwerbstätigen Menschen zu. (Fach)Arbeiterinnen und -arbeiter haben von allen Be- schäftigten das höchste Risiko, trotz Erwerbstätigkeit in Armut zu geraten: Knapp ein Drittel von ihnen befindet sich mit dem zur Verfügung stehenden Haushaltseinkom- men unterhalb der Armutsgefährdungsgrenze. Beamte haben hingegen das geringste Armutsrisiko (siehe Grafik 19). Sieben von zehn Arbeitslosen sind armutsgefährdet Arbeitslose/arbeitssuchende Menschen haben das höchste Armutsrisiko: 71 Prozent der befragten Kölnerinnen und Kölner, die angaben, zur Zeit arbeitslos beziehungs- weise arbeitssuchend zu sein, sind von Armut gefährdet. Atypische Beschäftigung birgt ein hohes Risiko für Armutsgefährdung Unterbrochene Erwerbsbiographien, Reduzierung der Arbeitszeit, Zunahme von Be- schäftigungen im Niedriglohnsektor (also Minijobs oder Leiharbeit) – all diese Phäno- mene sind mehr oder weniger mit finanziellen Risiken verbunden. Beschäftigte im Niedriglohnsektor oder mit oftmals erzwungener Teilzeittätigkeit (beispielsweise im Rahmen der Kindererziehung oder der Betreuung pflegebedürftiger Angehöriger) haben ein deutlich erhöhtes Armutsrisiko. Mittel- bis langfristig mindert atypische Beschäftigung zudem die Rentenerwartung: Dauert die atypische Beschäftigung an, droht Altersarmut. 34 40 59 18 18 19 38 24 mit einem Kind Haushalte von Alleinerziehenden insgesamt mit zwei und mehr Kindern mit zwei Kindern mit einem Kind (Paar-)Haushalte insgesamt mit drei oder mehr Kindern alle Haushalte mit Kindern unter 18 Jahren Quelle: Stadt Köln - Amt für Stadtentwicklung und Statistik; „Leben in Köln“-Umfrage 2016 darunter Haushalte von Alleinerziehenden darunter (Paar-)Haushalte Kölner Statistische Nachrichten – 4/2018 Erwerbstätigkeit und wirtschaftliche Lage der Kölner Bevölkerung – Ergebnisse der „Leben in Köln“- Umfrage 2016 22 Atypisch Beschäftigte haben ein deutlich höheres Risiko (21%), in Armut zu geraten, als Beschäftigte in einem Normalarbeitsverhältnis: Von ihnen sind 13 Prozent von Armut bedroht. Grafik 19 Armutsgefährdung bei Erwerbstätigen (in % der Befragtengruppe) Rücklagen für das Alter Ein Fünftel der Kölner Bevölkerung kommt mit dem verfügbaren Haushaltsein- kommen nicht aus 39 Prozent der befragten Kölnerinnen und Kölner meinen derzeit, dass sie von ihrem Haushaltseinkommen sehr gut leben können, weitere 40 Prozent meinen, dass es ausreicht. Bei 17 Prozent reicht das Haushaltseinkommen nur aus, wenn sie auf Dinge verzichten und vier Prozent sagen, dass das Geld nicht ausreicht. Grafik 20 Auskommen mit dem Haushaltseinkommen (in % der Befragten) 16 13 21 71 27 25 28 13 30 4 14 Erwerbstätige insgesamt beschäftigt im Normalarbeitsverhältnis atypisch beschäftigt zur Zeit arbeitslos/-suchend geringfügig teilzeit beschäftigt* nicht SVP-pflichtig beschäftigt vertraglich befristet beschäftigt Angestellte/r (Fach)Arbeiter/in Beamter/Beamtin Selbstständige** Quelle: Stadt Köln - Amt für Stadtentwicklung und Statistik; „Leben in Köln“-Umfrage 2016 * weniger als 20 Wochenstunden ** inkl. mithelfende Angehörige 39 40 17 4 Ich kann/Wir können sehr gut davon leben Es reicht aus Es reicht nicht aus, ich bin/wir sind auf staatliche Unterstützungsleistungen angewiesen Quelle: Stadt Köln - Amt für Stadtentwicklung und Statistik; „Leben in Köln“-Umfrage 2016 Es reicht gerade, wenn ich/wir auf bestimmte Dinge verzichten Kölner Statistische Nachrichten – 4/2018 Erwerbstätigkeit und wirtschaftliche Lage der Kölner Bevölkerung – Ergebnisse der „Leben in Köln“- Umfrage 2016 23 Jede/r Sechste meint, mit der Altersrente nicht auskommen zu können Für einen großen Teil der Befragten scheint gewiss, dass sie diese vergleichsweise positive Einschätzung kaum oder gar nicht ins Alter mitnehmen werden. 17 Prozent aller Befragten gaben an, dass das ihnen im Alter zur Verfügung stehende Geld vo- raussichtlich nicht ausreichen wird und 41 Prozent meinen, dass es gerade einmal so reichen wird. Ein Viertel der Kölnerinnen und Kölner kann derzeit kein Geld für das Alter zurück- legen Knapp die Hälfte (45%) der Kölner Bevölkerung legt nach eigenen Angaben regelmä- ßig Geld für das Alter zurück, weitere 13 Prozent tun dies ab und zu. Ein Viertel (24%) gab an, keine Rücklagen bilden zu können. Für knapp ein Fünftel (18%) der Kölnerinnen und Kölner ist die Altersvorsorge derzeit kein Thema: Dies sind überdurchschnittlich häufig Jüngere im Alter bis 24 Jahre. Etwas mehr als die Hälfte der 35- bis 59-Jährigen legt regelmäßig Geld für das Alter zurück – Altersvorsorge wird demnach schwerpunktmäßig im mittleren Alter geleis- tet, also dann, wenn finanzielle Mittel – in der Regel durch eine Erwerbstätigkeit – in höherem Umfang zur Verfügung stehen (siehe Grafik 21). Grafik 21 Altersvorsorge nach Altersgruppen (in % der Befragten) So ist es auch nicht verwunderlich, dass zwei Drittel (68%) derjenigen, die derzeit mit ihrem Haushaltseinkommen nach eigenem Bekunden sehr gut zurechtkommen, re- gelmäßig Geld für das Alter ansparen können. Nur maximal ein Drittel (31%) derjenigen, bei denen das Haushaltseinkommen gerade so ausreicht, kann Geld zurücklegen. Von den Befragten, die auf staatliche Unterstüt- zung angewiesen sind, kann dies nur jede/r Zwölfte (zusammengerechnet 8%). 27 44 56 54 32 45 11 14 12 13 14 13 28 28 23 23 20 24 34 14 9 10 34 18 18 bis 24 Jahre 25 bis 34 Jahre 35 bis 44 Jahre 45 bis 59 Jahre 60 Jahre und älter Befragte insgesamt Ja, regel- mäßig Ja, ab und zu Nein, kann keine Rücklagen bilden Derzeit kein Thema für mich Quelle: Stadt Köln - Amt für Stadtentwicklung und Statistik; „Leben in Köln“-Umfrage 2016 Kölner Statistische Nachrichten – 4/2018 Erwerbstätigkeit und wirtschaftliche Lage der Kölner Bevölkerung – Ergebnisse der „Leben in Köln“- Umfrage 2016 24 Grafik 22 Rücklagen für das Alter unterschieden danach, ob das Einkommen ausreicht (in % der Befragten) Menschen, denen es aktuell finanziell gut geht, wird es vermutlich auch im Alter gut gehen In der Folge schaut ein Großteil der Befragten pessimistisch auf die finanziellen Ver- hältnisse im Alter. Je schlechter das derzeitige Haushaltseinkommen bewertet wird und je weniger man demnach beiseitelegen kann, desto pessimistischer schaut man auch in die Zukunft. Grafik 23 Einschätzung, ob das Geld im Alter ausreicht nach derzeitigen Haushaltsei n- kommen (in % der Befragten) 18 2 1 1 8 53 30 6 5 34 25 55 52 13 41 3 13 41 81 17 Kann sehr gut davon leben …reicht aus ...reicht gerade so ...reicht nicht Befragte insgesamt Werde sehr gut davon leben können ...wird vollkommen ausreichen ...wird gerade so reichen ... wird nicht ausreichen, werde wohl auf staatliche Unterstützung angewiesen sein Quelle: Stadt Köln - Amt für Stadtentwicklung und Statistik; „Leben in Köln“-Umfrage 2016 Mein derzeitiges Haushaltseinkommen... Das Geld, das mir voraussichtlich im Alter zur Verfügung stehen wird..., 68 39 17 5 7 20 14 3 4 23 55 70 21 18 14 22 Kann sehr gut davon leben …reicht aus ...reicht gerade so ...reicht nicht, bin auf staatliche Unterstützung angewiesen Ja, regelmäßig Ja, ab und zu Nein, kann keine Rücklagen bilden Derzeit kein Thema für mich Quelle: Stadt Köln - Amt für Stadtentwicklung und Statistik; „Leben in Köln“-Umfrage 2016 Mein derzeitiges Haushaltseinkommen... Rücklagen/Sparen für das Alter Kölner Statistische Nachrichten – 4/2018 Erwerbstätigkeit und wirtschaftliche Lage der Kölner Bevölkerung – Ergebnisse der „Leben in Köln“- Umfrage 2016 25 Bei etwa der Hälfte derjenigen, bei denen das aktuelle Haushaltseinkommen ausreicht oder gerade noch ausreicht (55% beziehungsweise 52%) wird sich nach derzeitiger Einschätzung auch im Alter nicht viel daran ändern: Das Geld wird ihrer Meinung nach gerade so reichen. Acht von zehn Befragte (81%), deren aktuelles Geld nicht ausreicht, befürchten, im Alter auf staatliche Unterstützung angewiesen zu sein. Befragte, die nach eigenen Angaben sehr gut von ihrem derzeitigen Haushaltsein- kommen leben können, also Geld für das Alter beiseitelegen können, sehen deutlich optimistischer in ihre Alterszukunft: Annähernd drei Viertel (71%) von ihnen meinen, dass die finanziellen Mittel, die ihnen im Alter voraussichtlich zur Verfügung stehen werden, vollkommen ausreichen oder sie sogar sehr gut davon werden leben können. Ein hohes Einkommen wird nicht zwingend im Alter angenommen: Lediglich 18 Pro- zent derjenigen, die aktuell sehr gut von ihrem derzeitigen Haushaltseinkommen le- ben können, glauben auch im Alter sehr gut von ihrem zu erwartenden Einkommen leben zu können. Kölner Statistische Nachrichten – 4/2018 Erwerbstätigkeit und wirtschaftliche Lage der Kölner Bevölkerung – Ergebnisse der „Leben in Köln“- Umfrage 2016 26 3. Zusammenfassung und Ausblick Auch wenn 80 Prozent der Kölnerinnen und Kölner zwischen 18 und 80 Jahren er- werbstätig sind und dies mehrheitlich sozialversicherungspflichtig, so arbeitet den- noch ein Fünftel der Erwerbstätigen in einem Beschäftigtenverhältnis, das tendenziell nicht ausreicht, um davon dauerhaft auskömmlich leben zu können. Das sogenannte "Normalarbeitsverhältnis" – Vollzeit, unbefristet sowie sozialversicherungspflichtig beschäftigt – ist in den letzten 20 Jahren zugunsten anderer Erwerbsformen zurück- gegangen. In Köln sind hochgerechnet rund 109.000 Kölner Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in irgendeiner Form atypisch beschäftig – überdurchschnittlich davon betroffen sind Frauen, junge Erwerbstätige sowie Menschen mit Migrationshinter- grund. Teilzeitarbeit stellt die häufigste, vor allem von Frauen ausgeübte Erwerbsform dar. Dies gilt vor allem für Frauen ab Anfang 30, einem Alter, in dem die Betreuung der Kinder oder die Betreuung der Pflegebedürftigen Eltern oftmals keine Vollarbeit zu- lassen. Befristung hingegen – wie auch fehlende Sozialversicherungspflicht – betrifft vor allem junge Menschen unter 25 Jahren, deren Berufseinstieg oftmals über atypi- sche Beschäftigungsverhältnisse erfolgt. Unabhängig davon, ob freiwillig gewählt oder nicht: Atypische Beschäftigungsver- hältnisse sind mit finanzieller Unsicherheit verbunden. Mit einem unter dem Strich geringeren Erwerbseinkommen bei einer atypischen Beschäftigung ist oftmals nicht nur die aktuelle finanzielle Ausstattung beschränkt, sie begrenzt auch die Möglichkeit, Geld für das Alter zurückzulegen. Insgesamt kann ein Viertel der Kölnerinnen und Köl- ner derzeit kein Geld für das Alter zurücklegen. Angesichts des Rentenniveaus rückt damit das Thema „zunehmende Altersarmut“ stärker in den Fokus: Jede/r sechste Befragte meint, dass er oder sie mit der Altersrente wohl nicht auskommen wird. Aber bereits jetzt kommt ein Fünftel der Kölner Bevölkerung mit dem verfügbaren Haus- haltseinkommen nicht aus. Ein Viertel der Kölner Bevölkerung lebt am Rande der Ar- mut, Minderjährige haben dabei ein höheres Armutsrisiko: In Köln sind dies hochge- rechnet rund 46.000 Kinder und Jugendliche. Die absehbare Zunahme der Kosten für soziale Leistungen – wie unter anderem die der Grundsicherung im Alter – stellt die Kommunen in Zukunft vor große finanzielle Probleme und zeigt Handlungsbedarfe auf. Diese Handlungsbedarfe soll der vom Rat beauftragte „Lebenslagenbericht“ aufzeigen, der von der Verwaltung derzeit erarbei- tet wird. Köln versucht, durch geeignete Maßnahmen verstärkt die Bildungsteilhabe und Steigerung der Erwerbsbeteiligung die Entstehung von Altersarmut zu bekämp- fen. Ihre Einflussnahme auf die mitten im Erwerbsleben Stehenden ist allerdings ge- ring. Nicht zuletzt mit dem Programm "Starke Veedel – Starkes Köln" entwickelt die Stadt Köln in elf Sozialräumen angepasste Angebote, die von präventiven Angeboten im sozialen Bereich und im Bildungsbereich, über die Stärkung der lokalen Wirtschaft, Aufwertungen im Wohnumfeld, Veränderungen im öffentlichen Raum bis hin zur Verbesserung der Umweltbedingungen reichen. Kölner Statistische Nachrichten – 4/2018 Erwerbstätigkeit und wirtschaftliche Lage der Kölner Bevölkerung – Ergebnisse der „Leben in Köln“- Umfrage 2016 27 „Leben in Köln“-Umfrage 2016 – Methodik Die Grundgesamtheit der Befragung sind deutsche und ausländische Personen zwischen 18 und 80 Jahren mit Haupt- oder Nebenwohnsitz in Köln. Diese Gruppe umfasste zum Befragungszeitraum rund 878 000 Personen. Für die „Leben in Köln“-Umfrage 2016 wurden aus dieser Personengruppe 64 000 Personen per Zufallsverfahren1 aus dem Kölner Melderegister ausgewählt – das entspricht ei- nem Anteil von 7,3 Prozent. Diese 64 000 Kölnerinnen und Kölner erhielten im Herbst 2016 ein Anschreiben der Oberbürgermeisterin Henriette Reker, gemeinsam mit einem 16-seitigen Fra- gebogen sowie einem Freiumschlag. Die Befragung wurde in zwei Befragungswellen durchgeführt: 1. Welle: 23.08. bis 30.09.2016 (48 013 Anschreiben) 2. Welle: 22.10. bis .18.11.2016 (16 015 Anschreiben) Grundgesamtheit (Wohnbevölkerung im Alter zwischen 18 und 80 Jahren) 878 000 ___________________________________________________________ 1. Welle 2. Welle Gesamt Brutto-Stichprobe 48 013 16 015 64 028 ___________________________________________________________ abzüglich „nicht Zustellbare“ (= verzogen, verstorben) 2 600 400 1 000 = bereinigte Brutto-Stichprobe 47 400 15 600 63 000 ___________________________________________________________ Netto-Stichprobe (Rücklauf absolut)10 937 3 316 14 352 Rücklaufquote (Rücklauf in %) 23,1% 21,3% 22,8% 1. Bei der Stichprobenziehung handelt es sich um eine geschichtete Zufallsaus- wahl: So wurden jene Stadtteile überproportional quotiert, in denen der Rück- lauf bei den vergangenen „Leben in Köln“-Umfragen besonders gering war und hier auch dieses Mal mit einer geringeren Beteiligung (= Rücklaufquote) zu rechnen war. Durch dieses Verfahren wurden zudem ausländische Personen bei der Stichprobenziehung überquotiert, da ihr Anteil in den Stadtteilen mit geringer Beteiligung überdurchschnittlich ist. Leichte Abweichungen zwischen der Befragtenstruktur und der Grundgesamt- heit hinsichtlich der Altersstruktur wurden durch Gewichtungen im Datensatz nachträglich ausgeglichen. Der Anteil der Bevölkerung mit Migrationshinter- grund ist – wie in annähernd allen freiwilligen Bevölkerungsumfragen – unter- durchschnittlich. 2. Die Zustellung über Info-Post der Post AG beinhaltet keine Rücksendung im Falle einer Nicht-Zustellbarkeit. Daher wurde die Zahl der neutralen Ausfälle auf Basis der Wanderungs- und Sterbezahlen aus der Bevölkerungsstatistik ge- schätzt. Amt für Stadtentwicklung und Statistik Amt für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit ISSN 2192 – 9726 © Nachdruck (auch auszugsweise) nur mit Quellenangabe 13/15/350/9.18 Amt für Stadtentwicklung und Statistik Willy-Brandt-Platz 2 50679 Köln Tel: 02 21 / 221-21882 Fax: 02 21 / 221-21900 oder 28493 E-Mail: statistik@stadt-koeln.de Internet: http://www.stadt-koeln.de/politik-und-verwaltung/statistik/
Beratungsverlauf
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15.11.2018
TOP 17.2, Kenntnisnahme (Mitteilung). Ergebnis: Kenntnis genommen -
06.12.2018 zuletzt
Ausschuss für Soziales, Seniorinnen und Senioren
TOP 12.2, Kenntnisnahme (Mitteilung). Ergebnis: Kenntnis genommen
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