2025/0062
Waldzustandsbericht 2024 für den Stadtwald Darmstadt (WZB 2024)
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2025/0062
6898 Zeichen
Magistratsvorlage
Eingang Magistrats -
geschäftsstelle:
26.02.2025
an den Magistrat
zur Kenntnis
zur Beschlussfassung
Beteiligt vor
Magistratsbeschlussfassung:
Dezernat III an die Stadtverordne tenversammlung
OBW zur Befassung
zur Kenntnis
zur Beschlussfassung
zur abschließenden Beschluss -
fassung Fachausschuss
Amt: Grünflächenamt
OBW bei abschl.
Beschlussfassung Magistrat
Behandlung in
öffentl. Sitzung
Ja
Nein
Verteiler:
Ja
Nein
Vorlage-Nr. 2025/0062
Magistratsbeschluss -Nr.
Internetfähig
Produkt-Nr.: 555010
Kostenstelle: 067-030-1100 Investitionsnummer:
Kostenträger: 555011 Sachkonto: diverse Sachkonten
Betreff: Waldzustandsbericht 2024 für den Stadtwald Darmstadt (WZB 2024)
Vorlage vom: 19.02.2025
Beschlussvorschlag :
Der Waldzustandsbericht 2024 wird zur Kenntnis genommen.
Anlagen: Waldzustandsbericht 2024 (Anlage wird nur digital zur Verfügung gestellt)
Datenschutzrelevante Anlage:
Folgekosten: Ja Nein
- 2 -
Zusätzlich für alle Vorlagen aus dem Bereich des Hochbaus anzugeben:
Klimarelevanz des Vorhabens:
Auswirkungen auf Stadtklima: ja nein
Auswirkungen auf THG -Emissionen: gering1) mittel/groß 2)
Beteiligung Amt f. Klimaschutz & Klimaanpassung: ja nein
Zusätzlich bei Beschlüssen zur Baufreigabe:
Wurden Optimierungspotentiale ausgeschöpft? ja nein
Falls nein, Kompensationsmaßnahmen festgelegt? ja nein
1) bis 10 Tonnen Kohlendioxid-Äquivalente (CO2e) pro Jahr, 2) über 10 Tonnen CO2e pro Jahr.
Beschluss des Magistrats vom
- 3 -
Begründung zur Magistratsvorlage vom 19.02.2025
Hitze und Trockenheit, hervorgerufen durch die Folgen des Klimawandels, setzen unserem
Stadtwald deutlich zu. Als Teilergebnis des Runden Tisches Wald, dessen Einrichtung durch
Magistrat und Stadtverordnetenversammlung im Sommer 2019 beschlossen wurde und des -
sen Abschlussbericht der Magistrat am 13.01.2021 und die Stadtverordnetenve rsammlung
am 27.05.2021 zugestimmt haben, soll für den Stadtwald Darmstadt jährlich ein Waldzu -
standsbericht erstellt werden. Darin soll der Waldzustand erfasst und dauerhaft dokumen -
tiert werden. Diese Erhebung des Waldzustands gehört zur grundlegenden An alyse des Zu-
stands unseres West - und Ostwaldes und liefert differenzierte, kleinräumige Erkenntnisse,
welche im weiteren Prozess ermöglichen sollen, die richtigen Maßnahmen zum Schutz des
Ökosystems Wald abzuleiten und umzusetzen.
In Anlehnung an die Wa ldzustandserhebungen auf Bundes - und Länderebene wurde in Zu -
sammenarbeit mit der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt in Göttingen vor eini -
gen Jahren ein Stichprobendesign für den Waldzustandsbericht der Wissenschaftsstadt
Darmstadt erarbeitet. Zwischen Mitte Juli und Mitte August wurde schon zum fünften Mal
eine dezidierte, engmaschige Erhebung des Waldzustands im Stadtwald Darmstadt durchge -
führt. Das dichte Aufnahmeraster (250 m x 250 m) garantiert eine hohe Auflösung der Er -
gebnisse und berüc ksichtigt etwa die standörtlich unterschiedlichen Gebiete des West - und
Ostwaldes.
Die Ergebnisse des Jahres 2024 zeigen, dass der Darmstädter Stadtwald weiterhin stark
unter den Auswirkungen des Klimawandels leidet. Von den 2.368 untersuchten Bäumen sind
große Teile deutlich geschädigt oder abgestorben. Eine gewisse Hoffnung macht jedoch die
Zunahme des Anteils schwach geschädigter und gesunder Bäume sowie der Rückgang deut -
lich geschädigter Bäume. Besonders im Westwald, der aufgrund seiner Bodenbeschaffe nheit
stark unter Trockenheit leidet, entstehen an einigen Standorten neue Bestände aus jungen,
hoffentlich besser angepassten Bäumen.
Im Ostwald, der von einer besseren Wasserversorgung profitiert, zeigen die Daten im Ver -
gleich zu den Vorjahren eine lei chte Verbesserung hinsichtlich Kronenzustand und Blattver -
lust. Die Witterungsbedingungen im Jahr 2024 scheinen hier einen Beitrag zur Stabilisierung
des Waldes geleistet zu haben. Nach einem feuchten Winter führten der regenreiche Mai und
die überdurchsch nittlichen Niederschläge in den Sommermonaten zu einer spürbaren Entlas -
tung für die Bäume. Eine Entwarnung bedeutet dies allerdings nicht. Hierfür wären längere
Zeiträume mit positiver Feuchtebilanz notwendig.
Im Vergleich zur Landeserhebung der hessisch en Wälder zeigen die Ergebnisse der Waldzu -
standserhebung im Stadtwald Darmstadt einen erhöhten Schädigungsgrad. Während der
landesweite Durchschnitt des Nadel -/Blattverlusts im hessischen Waldzustandsbericht 2024
mit 28 % angegeben wird, liegt das Verlust prozent im Stadtwald um mehr als 10 Prozent -
punkte darüber (39,2 %). Gleichfalls sind der Anteil stärkerer Kronenschäden sowie die Mor -
talitätsrate im Darmstädter Stadtwald erheblich höher. Verglichen mit der Sondererhebung
in der Rhein-Main-Ebene nähern s ich die Kennzahlen des Waldzustandes an, so dass sich nur
geringe Unterschiede zum Schädigungsgrad des Darmstädter Stadtwaldes ergeben. In
Darmstadt ist also eine für den südhessischen Oberrheingraben typische Situation gegeben.
Für eine erfolgreiche Waldverjüngung sind angepasste Wildbestände eine wichtige Vorausset -
zung. Die aktuellen Erhebungen zeigen einen unterschiedlich starken Einfluss des Wildver -
- 4 -
bisses auf einzelne Waldgebiete sowie auf einzelne Baumarten. So konnte gezeigt werden ,
dass derzeit sowohl im West - als auch im Ostwald Areale mit erhöhtem Wildverbiss auftreten
und dass dabei in großer Anzahl die Baumart Hainbuche betroffen ist.
Auch wenn die Baumschäden in Teilen des Stadtwaldes derzeit gravierend sind, bieten sie
auch eine Chance für die biologische Vielfalt. Zerfallsphasen gehören zu einem natürlichen
Ablauf der Waldentwicklung. Absterbende Bäume, stehendes Totholz oder umstürzende
Stämme stellen für viele Tier - und Pflanzenarten – darunter oft seltene, vom Aussterben be-
drohte Arten – einen wichtigen Lebensraum dar. Zudem trägt ein erhöhter Totholzanteil am
Boden zu einem verbesserten Wasserhaushalt und langfristig zu einem verbesserten Boden -
zustand der Wälder bei.
Die Waldzustandserhebung 2024 dokumentiert die aktue llen Waldschäden und beschreibt
die zeitliche und räumliche Entwicklung der Wälder im Stadtwald Darmstadt. Infolge der ak -
tuell dynamischen Veränderung ist ein detailliertes, kontinuierliches Monitoring der Wälder
durch die jährlichen Waldzustandsberichte von großer Bedeutung, um daraus mögliche Maß -
nahmen zur langfristigen Walderhaltung ableiten zu können. Die Waldzustandserhebung
kann dabei neben der reinen Dokumentation gleichzeitig auch zur Bewertung und Anpassung
eingeleiteter Maßnahmen genutzt werden. Sie liefert damit einen wichtigen Beitrag zur Ent -
wicklung widerstandsfähiger und klimaangepasster Wälder.
Dezernat III
Michael Kolmer
Stadtrat
anlage 3
6971 Zeichen
- 2 -
Magistratsvorlage
Eingang Magistrats -
geschäftsstelle:
26.02.2025
an den Magistrat
zur Kenntnis
zur Beschlussfassung
Beteiligt vor
Magistratsbeschlussfassung:
Dezernat III an die Stadtverordne tenversammlung
OBW zur Befassung
zur Kenntnis
zur Beschlussfassung
zur abschließenden Beschluss -
fassung Fachausschuss
Amt: Grünflächenamt
OBW bei abschl.
Beschlussfassung Magistrat
Behandlung in
öffentl. Sitzung
Ja
Nein
Verteiler:
III 67
Stvv
Ja
Nein
Vorlage-Nr. 2025/0062
Magistratsbeschluss -Nr.
87
Internetfähig
Produkt-Nr.: 555010
Kostenstelle: 067-030-1100 Investitionsnummer:
Kostenträger: 555011 Sachkonto: diverse Sachkonten
Betreff: Waldzustandsbericht 2024 für den Stadtwald Darmstadt (WZB 2024)
Vorlage vom: 19.02.2025
Beschlussvorschlag :
Der Waldzustandsbericht 2024 wird zur Kenntnis genommen.
Anlagen: Waldzustandsbericht 2024 (Anlage wird nur digital zur Verfügung gestellt)
Datenschutzrelevante Anlage:
Folgekosten: Ja Nein
- 3 -
Zusätzlich für alle Vorlagen aus dem Bereich des Hochbaus anzugeben:
Klimarelevanz des Vorhabens:
Auswirkungen auf Stadtklima: ja nein
Auswirkungen auf THG -Emissionen: gering1) mittel/groß 2)
Beteiligung Amt f. Klimaschutz & Klimaanpassung: ja nein
Zusätzlich bei Beschlüssen zur Baufreigabe:
Wurden Optimierungspotentiale ausgeschöpft? ja nein
Falls nein, Kompensationsmaßnahmen festgelegt? ja nein
1) bis 10 Tonnen Kohlendioxid-Äquivalente (CO2e) pro Jahr, 2) über 10 Tonnen CO2e pro Jahr.
Beschluss des Magistrats vom 05.03.2025
Der Magistrat nimmt die Vorlage zur Kenntnis.
- 4 -
Begründung zur Magistratsvorlage vom 19.02.2025
Hitze und Trockenheit, hervorgerufen durch die Folgen des Klimawandels, setzen unserem
Stadtwald deutlich zu. Als Teilergebnis des Runden Tisches Wald, dessen Einrichtung durch
Magistrat und Stadtverordnetenversammlung im Sommer 2019 beschlossen wurde und des -
sen Abschlussbericht der Magistrat am 13.01.2021 und die Stadtverordnetenversammlung
am 27.05.2021 zugestimmt haben, soll für den Stadtwald Da rmstadt jährlich ein Waldzu -
standsbericht erstellt werden. Darin soll der Waldzustand erfasst und dauerhaft dokumen -
tiert werden. Diese Erhebung des Waldzustands gehört zur grundlegenden Analyse des Zu -
stands unseres West - und Ostwaldes und liefert differe nzierte, kleinräumige Erkenntnisse,
welche im weiteren Prozess ermöglichen sollen, die richtigen Maßnahmen zum Schutz des
Ökosystems Wald abzuleiten und umzusetzen.
In Anlehnung an die Waldzustandserhebungen auf Bundes - und Länderebene wurde in Zu -
sammenarbeit mit der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt in Göttingen vor eini -
gen Jahren ein Stichprobendesign für den Waldzustandsbericht der Wissenschaftsstadt
Darmstadt erarbeitet. Zwischen Mitte Juli und Mitte August wurde schon zum fünften Mal
eine dezidierte, engmaschige Erhebung des Waldzustands im Stadtwald Darmstadt durchge -
führt. Das dichte Aufnahmeraster (250 m x 250 m) garantiert eine hohe Auflösung der Er -
gebnisse und berücksichtigt etwa die standörtlich unterschiedlichen Gebiete des West - und
Ostwaldes.
Die Ergebnisse des Jahres 2024 zeigen, dass der Darmstädter Stadtwald weiterhin stark
unter den Auswirkungen des Klimawandels leidet. Von den 2.368 untersuchten Bäumen sind
große Teile deutlich geschädigt oder abgestorben. Eine gewisse Hof fnung macht jedoch die
Zunahme des Anteils schwach geschädigter und gesunder Bäume sowie der Rückgang deut -
lich geschädigter Bäume. Besonders im Westwald, der aufgrund seiner Bodenbeschaffenheit
stark unter Trockenheit leidet, entstehen an einigen Standort en neue Bestände aus jungen,
hoffentlich besser angepassten Bäumen.
Im Ostwald, der von einer besseren Wasserversorgung profitiert, zeigen die Daten im Ver -
gleich zu den Vorjahren eine leichte Verbesserung hinsichtlich Kronenzustand und Blattver -
lust. Die Witterungsbedingungen im Jahr 2024 scheinen hier einen Beitrag zur Stabilisierung
des Waldes geleistet zu haben. Nach einem feuchten Winter führten der regenreiche Mai und
die überdurchschnittlichen Niederschläge in den Sommermonaten zu einer spürbaren En tlas-
tung für die Bäume. Eine Entwarnung bedeutet dies allerdings nicht. Hierfür wären längere
Zeiträume mit positiver Feuchtebilanz notwendig.
Im Vergleich zur Landeserhebung der hessischen Wälder zeigen die Ergebnisse der Waldzu -
standserhebung im Stadtw ald Darmstadt einen erhöhten Schädigungsgrad. Während der
landesweite Durchschnitt des Nadel -/Blattverlusts im hessischen Waldzustandsbericht 2024
mit 28 % angegeben wird, liegt das Verlustprozent im Stadtwald um mehr als 10 Prozent -
punkte darüber (39,2 %) . Gleichfalls sind der Anteil stärkerer Kronenschäden sowie die Mor -
talitätsrate im Darmstädter Stadtwald erheblich höher. Verglichen mit der Sondererhebung
in der Rhein-Main-Ebene nähern sich die Kennzahlen des Waldzustandes an, so dass sich nur
geringe Unterschiede zum Schädigungsgrad des Darmstädter Stadtwaldes ergeben. In
Darmstadt ist also eine für den südhessischen Oberrheingraben typische Situation gegeben.
Für eine erfolgreiche Waldverjüngung sind angepasste Wildbestände eine wichtige Vorausset-
zung. Die aktuellen Erhebungen zeigen einen unterschiedlich starken Einfluss des Wildver -
bisses auf einzelne Waldgebiete sowie auf einzelne Baumarten. So konnte gezeigt werden,
dass derzeit sowohl im West - als auch im Ostwald Areale mit erhöhtem Wildverbiss auftreten
und dass dabei in großer Anzahl die Baumart Hainbuche betroffen ist.
Auch wenn die Baumschäden in Teilen des Stadtwaldes derzeit gravierend sind, bieten sie
auch eine Chance für die biologische Vielfalt. Zerfallsphasen gehören zu ein em natürlichen
Ablauf der Waldentwicklung. Absterbende Bäume, stehendes Totholz oder umstürzende
Stämme stellen für viele Tier - und Pflanzenarten – darunter oft seltene, vom Aussterben be -
drohte Arten – einen wichtigen Lebensraum dar. Zudem trägt ein erhöh ter Totholzanteil am
Boden zu einem verbesserten Wasserhaushalt und langfristig zu einem verbesserten Boden -
zustand der Wälder bei.
Die Waldzustandserhebung 2024 dokumentiert die aktuellen Waldschäden und beschreibt
die zeitliche und räumliche Entwicklung der Wälder im Stadtwald Darmstadt. Infolge der ak -
tuell dynamischen Veränderung ist ein detailliertes, kontinuierliches Monitoring der Wälder
durch die jährlichen Waldzustandsberichte von großer Bedeutung, um daraus mögliche Maß -
nahmen zur langfristigen W alderhaltung ableiten zu können. Die Waldzustandserhebung kann
dabei neben der reinen Dokumentation gleichzeitig auch zur Bewertung und Anpassung
eingeleiteter Maßnahmen genutzt werden. Sie liefert damit einen wichtigen Beitrag zur Ent -
wicklung widerstands fähiger und klimaangepasster Wälder.
Dezernat III
Michael Kolmer
Stadtrat
anlage 2
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Im Auftrag der: Bearbeitung: Wissenschaftsstadt Stadt Stefan Meining Der Magistrat Büro für Umweltüberwachung Grünflächenamt www.stefanmeining.de Waldzustandsbericht 2024 für den Stadtwald Darmstadt Inhaltsverzeichnis 1 Methodik .......................................................................................................................................... 3 Durchführung 2024 ....................................................................................................................................... 6 Auswertung ................................................................................................................................................... 8 2 Ergebnisse ......................................................................................................................................... 9 Stadtwald Darmstadt ............................................................................................................................................... 9 Nadel-/Blattverlust .................................................................................................................................................. 9 Vergilbung ............................................................................................................................................................. 12 Schad stufen ........................................................................................................................................................... 12 Stehend tote Bäume und Mortalitätsrate ............................................................................................................. 13 Einordnung der Ergebnisse .................................................................................................................................... 15 Fruktifikation ......................................................................................................................................................... 15 Buche ..................................................................................................................................................................... 16 Kiefer ..................................................................................................................................................................... 16 Eiche ...................................................................................................................................................................... 17 Sonstige Laubbäume ............................................................................................................................................. 18 Sonstige Nadelbäume ............................................................................................................................................ 18 Westwald ..................................................................................................................................................... 19 Ostwald........................................................................................................................................................ 21 3 Witterung ........................................................................................................................................22 Das Jahr 2023 .............................................................................................................................................. 23 Das Jahr 2024 .............................................................................................................................................. 23 Witterungstrend .......................................................................................................................................... 23 4 Bestandes- und Verbisserhebung ..................................................................................................... 25 Bestandeserhebung..................................................................................................................................... 25 Verbisserhebung ....................................................................................................................................... ..27 5 Wi ssenschaftliche Begleitforschung im Stadtwald Darmstadt ........................................................... 29 Kontrolle und Erweiterung der Basisarbeiten ............................................................................................. 29 Faunistische Untersuchungen ..................................................................................................................... 30 Ergebnisse 2024 .......................................................................................................................................... 31 Ausblick ....................................................................................................................................................... 33 6 Fazit ................................................................................................................................................ 34 7 Glossar ............................................................................................................................................ 36 8 Literatur- und Fotoverzeichnis ......................................................................................................... 37 Anlagen.................................................................................................................................................. 38 Stadtwald Darmstadt – Waldzustandsbericht 2023 Stadtwald Darmstadt – Waldzustandsbericht 202 3 Stadtwald Darmstadt – Waldzustandsbericht 2024 1 Methodik Die Waldzustandserhebung ist ein etabliertes Ve r- fahren des Forstlichen Umweltmonitorings, welches auf der visuellen Beurteilung des Kronenzustands von Bäumen basiert. Der Kronenzustand fungiert dabei als intuitiver und nachvollziehbarer Indikator für die Vitalität der Bäume. Durch die jährlich wi e- derholte Durchführung der Erhebung wird der akt u- elle Zustand der Wälder dokumentiert und zeitliche sowie räumliche Veränderungen dargelegt. Auf Basis dieser Daten können gezielte Schutzmaßnahmen für die Wälder entwickelt und deren Wirksamkeit r e- gelmäßig überprüft werden. An jedem Stichprobenpunkt der Waldzustandserh e- bung im Stadtwald Darmstadt werden acht Bäume des herrschenden Bestandes nach einem standard i- sierten Verfahren ausgewählt, dauerhaft markiert und jährlich auf ihren Kronenzustand untersucht (Abb. 1). Zudem werden an den Stichprobenpunkten im Stadtwald Darmstadt jeweils in einem Probekreis mit einem Radius von zwei Metern der Wildverbiss und mit einem Radius von zehn Metern die Besta n- des- und Verjüngungssituation erfasst. Für jeden Probebaum der Waldzustandserhebung wird der Kronenzustand anhand des Nadel- bzw. Blattverlusts visuell in Fünf-Prozentstufen eing e- schätzt, wobei 0 % eine vollständig belaubte Bau m- krone und 100 % eine vollständig abgestorbene Baumkrone darstellen ( Abb. 4). Zusätzlich wird die Vergilbung der Bäume erfasst, die als prozentualer Anteil der eindeutig gelb verfärbten Nadeln oder Blätter definiert wird. Der Nadel- bzw. Blattverlust sowie die Vergilbung werden anschließend mite i- nander zu Schadstufen verrechnet (Tab. 1). Darüber hinaus erfolgt an jedem Baum eine detai l- lierte Schadensbeurteilung, bei der alle sichtbaren Symptome an Nadeln, Blättern, Ästen und de m Stamm dokumentiert werden. Dies umfasst insb e- sondere Schäden durch Insektenbefall, Witterung s- einflüsse wie Trockenheit oder Frost sowie Mängel in der Nährstoffversorgung der Bäume. Sollte ein Baum aus der Stichprobe ausscheiden, beispielswe i- se aufgrund von Sturmwurf oder biotischen Fakt o- ren, wird er durch benachbarte Bäume ersetzt. St e- hend tote Bäume verbleiben jedoch in der Stichpr o- be, solange sie noch Feinreisig in der Oberkrone aufweisen. Die Erhebung des Gesundheitszustands der Wälder im Stadtwald Darmstadt wird gemäß dem bundesweit abgestimmten Leitfaden zur Wal d- zustandserhebung (WELLBROCK ET AL ., 2018) durchge- führt. 0 - 10 % 11 - 25 % 26 - 60 % 61 - 100 % 0 - 10 % 0 0 1 2 11 - 25 % 1 1 2 2 26 - 60 % 2 2 3 3 61 - 99 % 3 3 3 3 100% 4 Schadstufe 0 Schadstufe 1 Schadstufe 2 Schadstufe 3 Schadstufe 4 mittelstark geschädigt deutlich geschädigtstark geschädigt abgestorben Kronen- verlichtung Vergilbung ungeschädigt schwach geschädigt Warnstufe Tab. 1: Herleitung der Schadstufen. Abb. 1: Schematischer Aufbau eines Stichprobenpunkts der Waldzustandserhebung im Stadtwald Darmstadt. A: Probekreis der Verbisserhebung mit 2m Radius, B: Probekreis der Bestandeserhebung mit 10m Radius. 8 2 1 7 6 4 3 A B 1 8 bis Probebäume der Waldzustandserhebung Schematischer Aufbau eines Stichprobenpunktes der Waldzu- standserhebung 5 4 Stadtwald Darmstadt – Waldzustandsbericht 2024 Abb. 2: Verschiedene Stadien der Kronenverlichtung jeweils von links nach rechts: Buche (oben):0, 30 und 70 % Blattverlust. Kiefer (Mitte): 15, 40 und 75 % Nadelverlust. Eiche (unten): 5, 25 und 95 % Blattverlust (aus: ARBEITSGEMEINSCHAFT KRONENZU- STAND, 2007). Stadtwald Darmstadt – Waldzustandsbericht 2023 Stadtwald Darmstadt – Waldzustandsbericht 202 5 Stadtwald Darmstadt – Waldzustandsbericht 2024 In Hessen erfolgt die landesweite Waldzustandse r- hebung jährlich auf einem Raster von 8x8 km, um eine repräsentative Datengrundlage für den Waldzu- stand auf Landesebene zu gewährleisten. In der stärker belasteten Rhein -Main-Ebene wird das Ra s- ter auf 4x4 km 2 verdichtet, um eine höhere Date n- auflösung zu erzielen und spezifischere Informati o- nen zu erhalten. Im Stadtwald Darmstadt wird die Erhebung seit 2020 auf ein em dichteren Raster von 250x250 m2 durchgeführt (Abb. 3). Diese hohe räum- liche Auflösung ermöglicht eine differenzierte B e- wertung des Waldes, insbesondere vor dem Hinte r- grund der heterogenen Standortsbedingungen im West- und Ostwald. Da die Erhebung nach einem standardisierten Verfahren durchgeführt wird, ist ein Vergleich der Ergebnisse mit den landesweiten E r- Abb. 3: Stichprobenpunkte der Waldzustandserhebung i m Stadtwald Darmstadt getrennt nach Westwald (orange) und Ostwald (blau) (Kartenhintergrund: OpenStreetMap). Darmstadt 6 Stadtwald Darmstadt – Waldzustandsbericht 2024 hebungen sowie mit den Erhebungen in der Rhein- Main-Ebene, die von der Nordwestdeutschen Ve r- suchsanstalt (NW-FVA) durchgeführt werden, mö g- lich. Das Baumalter stellt einen bedeutenden Einflussfa k- tor auf den Kronenzustand der Bäume dar. Jüngere Bäume weisen in der Regel eine dichtere und vital e- re Krone auf, während bei älteren Bäumen vermehrt Schadsymptome auftreten und die Kronen tendenz i- ell lichter erscheinen. Langfristige Untersuchungen der Waldzustandserhebung in Deutschland haben gezeigt, dass die Kronenverlichtung bis zu einem Baumalter von etwa 60 Jahren signifikant ansteigt. Ab diesem Alter steigt die Kronenverlichtung jedoch nur noch in geringem Maße an. Aus diesem Grund werden die Ergebnisse der Waldzustandserhebung differenziert nach den Altersgruppen „bis 60 Jahre“ und „über 60 Jahre“ dargestellt. Durchführung 2024 Die diesjährige Waldzustandserhebung im Stadtwald Darmstadt erfolgte in den Monaten Juli und August durch forstliche Sachverständige mit langjähriger E r- fahrung in der Waldzustandserhebung. Insgesamt wurden im gesamten Stadtwald in diesem Jahr 296 Stichprobenpunkte mit 2.368 Bäumen untersucht. Zwei Stichprobenpunkte im Westwald konnten di e- ses Jahr wegen Unbegehbarkeit bzw. akuter Bruc h- gefahr umstürzender Bäume von den Aufnahm e- trupps nicht aufgenommen werden. Die Buche ist mit 34 % die häufigste Baumart auf dem Stichprobenraster der Waldzustandserhebung, gefolgt von den sonstigen Laubbäumen (31 %). D a- hinter folgen Eiche (18 %), Kiefer (16 %) und sonstige Nadelbaumarten (2 %) (Tab. 2). Während sich die sonstigen Laubbäume aus einer Vielzahl verschie- Abb. 4: Erhebung des Brusthöhendurchmessers (BHD) an einem Probebaum der Waldzustandserhebung. Stadtwald Darmstadt – Waldzustandsbericht 2023 Stadtwald Darmstadt – Waldzustandsbericht 202 7 Stadtwald Darmstadt – Waldzustandsbericht 2024 dener Baumarten zusammensetzt, in der die Spä t- blühende Traubenkirsche, der Bergahorn und die Roteiche die höchsten Anteile innerhalb dieser Baumartengruppe einnehmen, setzt sich die Gruppe der sonstigen Nadelbäumen im Wesentlichen aus Lärchen, Douglasien und Fichten zusammen (vgl. An- lage). Von den 1.304 Bäumen, die dieses Jahr allein im Westwald aufgenommen wurden, gehören die mei s- ten zu der Gruppe der sonstigen Laubbäume, zu der auch die Spätblühende Traubenkirsche gehört. D a- hinter folgen Buche, Kiefer und Eiche. Im Ostwald waren dagegen von den 1.064 Bäumen am häufig s- ten Buchen, sonstige Laubbäume und Eichen in der Stichprobe vertreten. Seit Beginn der jährlichen Waldzustandserhebung im Jahr 2020 hat sich die Baumar tenzusammensetzung vor allem im Westwald deutlich verändert. Der Ki e- fernanteil ist seit wenigen Jahren im Westwald stark rückläufig, während die Buche und vor allen Dingen die Spätblühende Traubenkirsche ihren Anteil au s- bauen konnten (Abb. 5, oben). In diesem Jahr ist die Buche im Westwald die häufigste Baumart, während die Spätblühende Traubenkirsche erstmals die gle i- che Anzahl wie die Eiche erreicht. Im Ostwald ist die Baumartenzusammensetzung seit 2020 mit klarer Abfolge von Buche, Eiche und Kiefer dagegen wei t- gehend konstant (Abb. 5, unten). Bezogen auf den gesamten Stadtwald entfallen 46 % aller Bäume auf die Altersstufe „bis 60 Jahre“ und 54 % auf die Altersstufe „über 60 Jahre“. Während im Westwald aufgrund der hohen Ausfallraten in den letzten Jahren der Anteil älterer Bäume abnimmt, ist die Altersverteilung im Ostwald vergleichsweise stabil. Tab. 2: Anzahl untersuchter Stichprobenbäume Anzahl Prozent Anzahl Prozent Anzahl Prozent Aufnahmepunkte 296 100% 163 55% 133 45% alle Bäume 2.368 100% 1.304 55% 1.064 45% bis 60 Jahre 1.100 46% 617 47% 483 45% über 60 Jahre 1.268 54% 687 53% 581 55% Buche 796 34% 365 28% 431 41% Kiefer 371 16% 319 24% 52 5% Eiche 416 18% 159 12% 257 24% sonstige Nadelbaumarten 59 2% 2 0% 57 5% sonstige Laubbaumarten 726 31% 459 35% 267 25% Westwald OstwaldGesamt Abb. 5: Entwicklung der Baumartenanzahl in der Stic h- probe der Waldzustandserhebung von 2020 bis 2024 g e- trennt nach Westwald (oben) und Ostwald (unten) 0 100 200 300 400 500 2020 2021 2022 2023 2024 Anzahl Bäume Buche Eiche Kiefer 0 100 200 300 400 500 2020 2021 2022 2023 2024 Anzahl Bäume Buche Kiefer Eiche Sp. Traubenkirsche 8 Stadtwald Darmstadt – Waldzustandsbericht 2024 Auswertung Die Daten der Waldzustandserhebung werden s o- wohl für den gesamten Stadtwald als auch für die Teilgebiete West- und Ostwald separat ausgewertet. Im Westwald können aufgrund der spezifischen Baumartenzusammensetzung die Baumarten Kiefer, Buche, Eiche sowie die sonstigen Laubbaumarten einzeln dargestellt werden. Im Ostwald hingegen sind die Baumarten Buche, Eiche, die sonstigen N a- delbaumarten und die sonstigen Laubbaumarten einzeln auswertbar. Hierbei werden die im Ostwald selten vorkommenden Kiefern der Gruppe der son s- tigen Nadelbaumarten zugeordnet. Der Vertrauensbereich des mittleren Nadel-/Blatt- verlusts wird durch die Anzahl der Stichprobenbä u- me und die Streuung der Einzelwerte bestimmt. Das daraus berechnete Konfidenzintervall gibt einen B e- reich an, in dem der wahre Wert mit einer Wah r- scheinlichkeit von 95 % zu erwarten ist (Tab. 3). Ein größerer Wert des Konfidenzintervalls deutet auf e i- ne größere Unsicherheit bei den Aussagen über den Vitalitätszustand der Waldbäume hin. Für den g e- samten Stadtwald Darmstadt beträgt der Vertrau- ensbereich des mittleren Nadel-/Blattverlusts in di e- sem Jahr ± 1,1 Prozentpunkte. Im Gegensatz dazu zeigt sich bei den sonstigen Nadelbaumarten, b e- dingt durch die geringe Anzahl an Stichprobenbä u- men, eine deutlich größere Streuung um den Mi t- telwert (± 7 Prozentpunkte). Tab. 3: 95 %-Konfidenzintervalle für die Kronen verlich- tung der Baumartengruppen nach Regionen im Stadtwald Darmstadt Abb. 6: Spätblühende Traubenkirsche. Region Baumart Anzahl 95%-Konfidenz- intervall (+/-) Gesamt 2368 1.1 Bu 796 1.9 Ei 416 1.9 Kie 371 3.2 s ons t. Laubbäume 726 1.8 s ons t. Nadelbäume 59 7.0 West 1304 1.6 Kiefer 319 3.6 Eiche 159 3.5 Buche 365 2.4 s ons t. Laubbäume 459 2.5 Ost 1064 1.3 Eiche 257 2.1 Buche 431 2.3 s ons t. Laubbäume 267 2.5 s ons t. Nadelbäume 109 4.4 Stadtwald Darmstadt – Waldzustandsbericht 2023 Stadtwald Darmstadt – Waldzustandsbericht 202 9 Stadtwald Darmstadt – Waldzustandsbericht 2024 2 Ergebnisse Stadtwald Darmstadt Nach deutlichen Vitalitätseinbußen der Bäume i n- nerhalb der letzten Jahre infolge klimatischer Ex - tremwetterlagen mit langanhaltenden Dürre - und Hitzeperioden konnte sich der Kronenzustand der Waldbäume in den letzten beiden Jahren durch eine gute Wasserversorgung leicht erholen. In diesem Jahr zeigen v or allem viele Eichenkronen eine stark verbesserte Belaubung. Trotzdem ist der Schädi- gungsgrad der Wälder, insbesondere des in der Rheinebene gelegenen Westwaldes, mit einer hohen Absterberate und einem hohem Anteil stark gesch ä- digter Bäume weiterhin hoch. Nadel-/Blattverlust Der Kronenzustand der Bäume hat sich in diesem Jahr erholt. Die gute Wasserversorgung der Wälder im Jahr 2024 mit z ahlreichen und langanhaltenden Niederschlägen hat dafür gesorgt, dass sich die Waldvegetation gut entwickeln konnte und weniger akute Schäden auftraten, wenngleich der Schäd i- gungsgrad der Wälder im Darmstädter Stadtwald nach wie vor deutlich sichtbar ist. Der mittlere Nadel -/Blattverlust aller Bäume verri n- gert sich dieses Jahr um 2,0 Prozentpunkte auf 39,2 Prozent (Abb. 8). Trotz der aktuellen Erholung bleibt die Kronenverlichtung damit aber weiterhin über dem Wert des Jahres 2021. Sowohl bei den jüngeren als auch bei den älteren Bäumen ist eine Verring e- rung der Kronenschäden zu erkennen. Dabei zeigen Abb. 7: Blick in Eichenkronen (Links: Eiche mit Trockenästen in der Oberkrone. Rechts: vitale, dichte Baumkrone). 10 Stadtwald Darmstadt – Waldzustandsbericht 2024 jüngere Bäume eine bessere Regenerationsfähigkeit: Die mittlere Kronenverlichtung der Bäume „bis 60 Jahre“ verringert sich wie bereits im letzten Jahr deutlich stärker und liegt nun bei 28,7 %, während die Kronenverlichtung der Altersgruppe „über 60 Jahre“ mit derzeit 48,3 % im Vergleich zu den beiden Vorjahren nur gering zurückgegangen ist. Regionale Schwerpunkte mit erhöhten Waldschäden lassen sich vor allem im südlichen Westwald lokal i- sieren (Abb. 10). Hier überwiegt der Anteil an Stic h- probenpunkten mit einer mittleren Kronenverlic h- tung über 40 % deutlich. An einigen Standorten ist der Schädigungsgrad der Bäume so stark fortg e- schritten, dass vor allem stark geschädigte oder b e- reits abgestorbene Bäume in der Baumschicht zu finden sind. Im nördlichen Westwald sowie im g e- samten Ostwald ist der Zustand der Wälder hing e- gen besser. Hier stellen Stichprobenpunkte mit h ö- heren Kronenschäden eine Ausnahme dar und die Mehrheit weist eine Kronenverlichtung von bis zu 40 % auf. Im Ostwald sind erhöhte Nadel-/Blatt- verluste vor allem im nördlichen Teil zu beobachten, während die Schäden im südlichen Abschnitt etwas geringer ausfallen. Abb. 8: Entwicklung der mittleren Kronenverlichtung aller Bäume im Stadtwald sowie der Altersgruppen „bis 60 Jahre“ und „über 60 Jahre“. Abb. 9: Junge, vitale Buchenkrone. Stadtwald Darmstadt – Waldzustandsbericht 2023 Stadtwald Darmstadt – Waldzustandsbericht 202 11 Stadtwald Darmstadt – Waldzustandsbericht 2024 Abb. 10: Mittlere Kronenverlichtung der Stichprobenpunkte alle Altersstufen in Prozent (Kartenhintergrund: OpenStreet- Map). 12 Stadtwald Darmstadt – Waldzustandsbericht 2024 Die räumliche Verteilung der mittleren Nadel-/Blatt- verluste zeigt signifikante Unterschiede zwischen den beiden Altersgruppen bis 60 Jahren und über 60 Jahren (Abb. 11). Bei den jüngeren Bäumen dominie- ren Stichprobenpunkte mit geringeren Kronensch ä- den, während bei den älteren Bäumen ein höherer Anteil an Punkten mit stärker ausgeprägten Schäden festgestellt wird. Für beide Altersgruppen lässt sich ein klarer Schadensschwerpunkt im Westwald identi- fizieren. Vergilbung Die Ergebnisse der Waldzustandserhebung zeigen, dass eine klassische Vergilbung der Baumkronen der- derzeit keine Rolle für den Vitalitätszustand der Bäume im Stadtwald Darmstadt spielt. Lediglich ei n- zelne Bäume weisen dieses Jahr eine typische Gel b- verfärbung der Nadeln oder Blätter auf, die auf e i- nen akuten Nährstoffmangel zurückzuführen ist. Dagegen ist dieses Jahr ein deutlicher Anstieg von sonstigen Verfärbungen zu beobachten. Hierunter fallen in erster Linie bräunliche oder rötliche Verfä r- bungen der Blattorgane, die häufig durch pilzliche Erreger ausgelöst werden. Gerade in dem feuchten Jahr 2024 ist vor allem an der Kiefer ein deutlicher Anstieg des Diplodia-Triebsterbens zu beobachten, das vor allem an bereits vorgeschädigten Kiefern auftritt und zu einer Verbraunung der Triebe führen kann. Schadstufen Im Stadtwald Darmstadt sind derzeit 13 % der Bä u- me als ungeschädigt (Schadstufe 0) eingestuft, was eine Steigerung um einen Prozentpunkt im Vergleich zum Vorjahr darstellt (Abb. 12). Der Anteil der schwach geschädigten Bäume (Schadstufe 1) hat d a- gegen deutlich stärker zugenommen und steigt um fünf Prozentpunkte auf 28 %. Im Gegensatz dazu verringert sich der Anteil der mittelstark geschädi g- ten Bäume (Schadstufe 2) um fünf Prozentpunkte auf aktuell 38 %. Der Anteil der stark geschädigten Bäume (Schadstufe 3) sinkt um einen Prozentpunkt, bleibt jedoch mit 14 % nach wie vor auf einem h o- hen Niveau. Der Anteil der abgestorbenen Bäume (Schadstufe 4) ist im Vergleich zu den letzten beiden Jahren unverändert bei 7 %. Bäume bis 60 Jahre Bäume über 60 Jahre Abb. 11: Mittlere Kronenverlichtung je Stichprobenpunkt getrennt nach jüngeren und älteren Bäumen. Je Stichprobenpunkt mindestens vier Bäume der Altersstufe bis 60 Jahre bzw. über 60 Jahre (Kartenhintergrund: OpenStreetMap). Stadtwald Darmstadt – Waldzustandsbericht 2023 Stadtwald Darmstadt – Waldzustandsbericht 202 13 Stadtwald Darmstadt – Waldzustandsbericht 2024 Zur besseren Übersicht werden die Bäume der Schadstufen 2 bis 4 unter dem Begriff „deutlich geschädigte Bäume“ zusammengefasst. Derzeit sind demnach 59 % der Bäume im Stadtwald als deut lich geschädigt eingestuft, was einen Rückgang von sechs Prozentpunkten im Vergleich zur letztjährigen Wal d- zustandserhebung darstellt. Seit dem Jahr 2020 wurde der bisher höchste Sch ä- digungsgrad der Waldzustandserhebung im Jahr 2022 festgestellt. Seither ist eine leichte Erholung zu erkennen, die sich vor allem in einem Anst ieg der weniger stark geschädigten Bäume bemerkbar macht. Dagegen bleibt der Anteil der stärker g e- schädigten und abgestorbenen Bäume über die Zei t- reihe weitgehend stabil, was neben der weiterhin hohen Mortalität auch durch den bewussten Ve r- zicht an forstli cher Holznutzung im Stadtwald b e- gründet ist. Stehend tote Bäume und Mortalitätsrate Der Anteil der stehenden toten Bäume im Stadtwald Darmstadt liegt mit 6,7 % nach wie vor auf einem sehr hohen Niveau ( Abb. 13). Besonders auffällig ist das Vorherrschen a bgestorbener Kiefern und B u- chen, die das Waldbild oftmals prägen. Im Westwald ist der Anteil an stehenden toten Bäumen mit 9,0 % besonders ausgeprägt, während im Ostwald der A n- teil mit 3,8 % deutlich geringer ausfällt. Im Westwald ist nach dem starken Anst ieg im Jahr 2021 ein leichter Rückgang stehend abgestorbener Bäume zu verzeichnen. Dies bedeutet, dass jährlich wieder mehr tote Bäume aus der Stichprobe herau s- 0 5 10 15 2020 2021 2022 2023 2024 Stehend tote Bäume in % Gesamt West Ost Abb. 13: Zeitliche Entwicklung des stehenden Totholzes von 2020 bis 2024 im Vergleich zwischen gesamtem Stadtwald, Westwald und Ostwald. Abb. 12: Entwicklung der Schadstufenverteilung der Jahre 2020 bis 2024 im Stadtwald Darmstadt. 14 Stadtwald Darmstadt – Waldzustandsbericht 2024 fallen (z.B. durch Sturmwurf oder Zusammenbruch) als neu absterben. Allerdings ist der Rückgang in den beiden letzten Jahren auch im Westwald sehr gering. Dagegen bleibt im Ostwald der Anteil an stehend t o- ten Bäumen in den letzten Jahren weitgehend stabil. Die Mortalitätsrate beschreibt den Prozentsatz der Bäume, die seit der letzten Erhebung abgestorben sind. Im Gegensatz zum gesamten Totholz umfasst sie ausschließlich die neu abgestorbenen Bäume. Für den gesamten Stadtwald beträgt die Mortalitätsrate im Jahr 2024 insgesamt 2,2 %, was einen Rückgang von 0,4 Prozentpunkten im Vergleich zum Vorjahr darstellt ( Abb. 15). Im Westwald bleibt die Mortal i- tätsrate mit 3,4 % weiterhin hoch, zeigt jedoch auch hier einen leichten Rückgang. Im Ostwald sinkt di e Rate auf einen vergleichsweise niedrigen Wert von 0,8 %. Abb. 15: Mortalitätsrate im Jahr 202 4 im Vergleich zw i- schen gesamtem Stadtwald, Westwald und Ostwald. 2,2 3,4 0,8 0 1 2 3 4 Gesamt West Ost Anteil der Bäume in % Abb. 14: Stehend abgestorbene Kiefern. Stadtwald Darmstadt – Waldzustandsbericht 2023 Stadtwald Darmstadt – Waldzustandsbericht 202 15 Stadtwald Darmstadt – Waldzustandsbericht 2024 Einordnung der Ergebnisse Die Waldzustandserhebung im Stadtwald Darmstadt zeigt einen deutlich höheren Schädigungsgrad als die landesweite Erhebung des hessischen Waldbestands (Tab. 4). Während der Nadel -/Blattverlust im Hess i- schen Waldzustandsbericht 2024 landesweit im Durchschnitt bei 28 % liegt, beträgt dieser im Stad t- wald Darmstadt 39,2 %. Auch der Ante il stärkerer Kronenschäden sowie die Mortalitätsrate sind im Stadtwald Darmstadt deutlich ausgeprägter. Im Ve r- gleich zur Sondererhe bung der Rhein -Main-Ebene gleichen sich die Kennzahlen des Waldzustands e t- was an, sodass nur geringere Unterschiede zum Schädigungsgrad im Darmstädter Stadtwald best e- hen. Im Westwald sind die Baumschäden jedoch so gravierend, dass alle Kennzahlen des Waldzustands die Werte der Rhein-Main-Ebene übertreffen. Fruktifikation In diesem Jahr ist für die meisten Baumarten wieder eine stärkere Fruktifikation zu beobachten. Vor a l- lem die sonstigen Nadelbäume und die Eichen ha t- ten dieses Jahr einen starken Fruchtbehang (Abb. 17). Währe nd knapp 80 % der sonstigen N a- delbäume Zapfen aufwiesen, wurden bei über 50 % aller aufgenommenen Eichen Fruchtbehang festg e- stellt, bei vielen sogar in starker Intensität (Abb. 16). Dabei wird die Fruktifikationsintensität der Eiche während dem Zeitraum der Waldzustandserhebung aufgrund der noch nicht vollends ausgereiften Früch- te oftmals unterschätzt. Eine hohe Fruktifikation wurde auch bei den sonstigen Laubaumarten und den Buchen beobachtet. Dagegen fruktifizierte die Kiefer in diesem Jahr weit weniger. Eine ausgeprägte Fruktifikation stellt für die Bäume eine erhebliche physiologische Belastung dar, da große Mengen an Nährstoffen und Energie in die Fruchtausbildung investiert werden müssen. Beso n- ders für Baumarten mit hohem Fruchtgew icht, wie Eiche und Buche, ist dies eine Herausforderung. In Tab. 4: Kennzahlen der Waldzustandserhebung im Vergleich. Mittlerer Nadel -/Blattverlust(NBV), Anteil stärkerer Schäden und Mortalitätsrate im) Stadtwald Darmstadt (Gesamt, West - und Ostwald) gegenüber Hessen (Gesamt und Rhein-Main-Ebene)(NW-FVA 2024a, NWFVA 2024b). Gesamt Westwald Ostwald Rhein-Main- Ebene Hessen gesamt mNBV 39.2% 43.9% 33.5% 43% 28% mNBV bis 60 Jahre 28.7% 31.5% 25.1% 29% 16% mNBV über 60 Jahre 48.3% 55.0% 40.5% 45% 32% stärkere Schäden 21% 28% 10% 25% 9% Mortalitätsrate 2.2% 3.4% 0.8% 3.2% 1.0% HessenStadtwald Darmstadt 0 20 40 60 80 100 Buche Kiefer Eiche sNb sLb gering mittel stark Abb. 16: Fruktifizierende Eiche. 16 Stadtwald Darmstadt – Waldzustandsbericht 2024 Jahren mit besonders starker Fruktifikation (Mas t- jahre) kommt es daher häufig zu einer Verringerung des vegetativen Wachstums, was sich oft direkt im Kronenzustand zeigt. So werden zum Beispiel w eni- ger und kleinere Blätter gebildet und/oder die Se i- tenverzweigung fällt geringer aus. Buche Der Kronenzustand der Buche hat sich gegenüber dem Vorjahr leicht um 1,7 Prozentpunkte verbessert (Abb. 20). Mit einer mittleren Kronenverlichtung von 49,6 % ist sie aber weiterhin die Baumart mit dem höchsten Schädigungsgrad. Dies wird auch in dem sehr hohen Anteil an deutlich geschädigten Buchen ersichtlich, bei dem insbesondere viele Buchen als stark geschädigt eingestuft werden (Abb. 21). Der Vitalitätszustand der Buche wurde in den letzten Jahren massiv durch die ablaufende Klimaveränd e- rung beeinflusst. Langanhaltende sommerliche Dü r- rephasen und extreme Hitze führten bei vielen B u- chen im Stadtwald Darmstadt zu einer außerg e- wöhnlichen Belastung. Während die Oberkrone of t- mals abtrocknet, bleiben im unteren Stammbereich der Buchen häufig noch Äste mit grünen Blättern vorhanden, so dass die Bäume noch lange Zeit stark geschädigt im Bestand verbleiben (Abb. 18) Zwar sorgten zahlreiche Niederschläge in diesem Jahr für gute Wuchsbedingungen der Bäume, jedoch sind die Schäden in den Buchenkronen weiterhin noch vorhanden und sichtbar. Zudem führte ein stärkerer Befall des Buchenspringrüsslers zu einem Blattfraß an der Buche, der sich negativ auf die Kr o- nenverlichtung auswirkte. Gleichzeitig sorgte eine erhöhte Fruktifikation in diesem Jahr zu lichteren Baumkronen der betroffenen Buchen. Kiefer Nachdem sich der Nadelverlust der Kiefern im let z- ten Jahr durch den Wegfall zahlreicher abgestorb e- ner Bäume im Durchschnitt deutlich verbessert hat, zeigt sich in diesem Jahr nur eine leichte Verring e- rung des Verlustprozents. Im Vergleich zum Vorjahr sinkt der mittlere Nadelverlust der Kiefern um 1,0 Prozentpunkte auf derzeit 40,9 % ( Abb. 20). Insg e- samt gelten über 60 % aller Kiefern im Stadtwald Darmstadt als deutlich geschädigt, wobei allein 18 % stehend abgestorben sind – so viele wie bei keiner anderen Baumart (Abb. 21). Abb. 17: Anteil der mittelstark und stark fruktifizierenden Bäume nach Baumart bzw. Baumartengruppe. 0 20 40 60 80 100 Buche Kiefer Eiche sNb sLb gering mittel stark Abb. 18: Stark geschädigte Buchen mit abgetrockneter Oberkrone. Stadtwald Darmstadt – Waldzustandsbericht 2023 Stadtwald Darmstadt – Waldzustandsbericht 202 17 Stadtwald Darmstadt – Waldzustandsbericht 2024 Im Stadtwald Darmstadt ist die Kiefer insbesondere im Westwald auf den sandigen Standorten weit ve r- breitet. Dort sieht sie sich jedoch seit mehreren Ja h- ren verstärkten Belastungen durch die klimatischen Bedingungen ausgesetzt. Besonders in heißen und trockenen Sommern leidet die Kiefer unter Wasse r- mangel, was ihre Abwehrkräfte gegen Krankheiten und Schädlinge schwächt. Zudem trägt der hohe B e- fall mit Kiefernmistel an diesen Standorten zur we i- teren Schwächung der Bäume bei, da sie den Kiefern Wasser und Nährstoffe entzieht. An ins gesamt 40 % aller Kiefern der Waldzustandserhebung wurde Mi s- telbefall festgestellt. Geschwächte Kiefern sind häufig anfällig gegenüber Krankheiten wie dem Diplodia-Triebsterben, welches dieses Jahr verstärkt an Kiefern im Stadtwald festg e- stellt wurde (Abb. 19). Der pilzliche Erreger Diplodia pini infiziert die Triebspitzen und jungen Zweige der Bäume, was zu einer Verfärbung und dem Absterben der betroffenen Pflanzenteile führt. Charakteristisc h für diese Krankheit sind braune bis schwarze Nadeln an den infizie rten Trieben, die oft in Büscheln z u- sammenfallen. Bei einer stärkeren Schädigung kann die Krankheit zum Absterben der Kiefern führen. Eiche Der Kronenzustand der Eichen hat sich dieses Jahr deutlich erholt. Der mittlere Blattverlust verringert sich gegen über dem Vorjahr um 3,0 Prozentpunkte auf 33,0 % (Abb. 20). Der Anteil der deutlich gesch ä- digten Eichen liegt bei 57 %, wobei überwiegend mittelstark geschädigte Eichen vorkommen und der Anteil an stark geschädigten bzw. abgestorbenen Bäumen im Vergleich z u allen anderen Baumarten sehr gering ist (Abb. 21). Neben einer guten Wasserversorgung der Wälder profitierten die Eichen in diesem Jahr vor allem von einem geringen Fraß durch Schmetterlingsraupen. Lediglich bei sechs Prozent aller Eichen wurde Blat t- fraß durch die sogenannte Eichenfraßgesellschaft Abb. 21: Anteil deutlich geschädigter Bäume im Stadtwald Darmstadt (orange: mittelstark geschädigt, rot: stark g e- schädigt, grau: abgestorben). Abb. 20: Entwicklung der mittleren Kronenverlichtung nach Baumarten bzw. Baumartengruppen. Abb. 19: Verbraunte Triebspitze einer Kiefer verursacht durch Diplodia-Triebsterben. 18 Stadtwald Darmstadt – Waldzustandsbericht 2024 festgestellt. Außerdem war der Befall durch Eiche n- mehltau in diesem Jahr deutlich geringer, was ebe n- falls zur Verbesserung der Vitalität der Eichen be i- trug. Trotz einer außergewöhnlich starken Fruktifika- tion konnte sich der Kronenzustand der Eichen somit insgesamt erholen. Sonstige Laubbäume Die Gruppe der sonstigen Laubbäume setzt sich aus vielen verschiedenen Baumarten zusammen. Die häufigste Baumart ist mittlerweile die Spätblühende Traubenkirsche gefolgt von Bergahorn und Roteiche. Dahinter folgen mit kleineren Anteilen Hainbuche, Linde, Schwarzerle und Birke sowie zahlreiche weite- re Baumarten (Abb. 22). Der Kronenzustand dieser Baumartengruppe hat sich dieses Jahr insgesamt verbessert. Der mittlere Blat t- verlust verringerte sich um 2,2 Prozentpunkte auf 31,0 % ( Abb. 20). Knapp über 40 % der sonstigen Laubbäume gelten als deutlich geschädigt, wobei der Anteil an stark geschädigten Bäumen vergleichswe i- se hoch ist (Abb. 21). Höhere Kronenverlichtungen wurden dieses Jahr vor allem an Bergahorn und Linde festgestellt, die in die- sem Jahr eine starke Fruktifikation aufwiesen. Z u- dem ist der Vitalitätszustand der Hainbuche weiter angespannt. Dagegen zeigt sich der Kronenzustand der Spätblühenden Traubenkirsche – auch aufgrund ihres meist jüngeren Baumalters – häufig als sehr v i- tal. Sonstige Nadelbäume Im Gegensatz zu den sonstigen Laubbaumarten sind in der Gruppe der sonstigen Nadelbaumarten nur wenigen Baumarten vertreten. Die Lärche ist dabei mit Abstand die häufigste Baumart, gefolgt von Douglasie und Fichte sowie wenigen Weymouths- bzw. Schwarzkiefern (Abb. 22). Insgesamt hat sich der Kronenzustand der sonstigen Nadelbäume in diesem Jahr verbessert. Die mittlere Abb. 22: Birke (links) und Douglasie (rechts). Stadtwald Darmstadt – Waldzustandsbericht 2023 Stadtwald Darmstadt – Waldzustandsbericht 202 19 Stadtwald Darmstadt – Waldzustandsbericht 2024 Kronenverlichtung verringert sich um 2,0 Prozen t- punkte auf 32,7 % (Abb. 20). Dabei sind knapp die Hälfte der Bäume als deutlich geschädigt eingestuft (Abb. 21). Auffällig ist der vergleichsweise hohe A n- teil an abgestorbenen Bäumen, die im Wesentlichen von geschädigten Fichten nach Borkenkäferbefall r e- sultieren. Westwald Die Waldschäden im Westwald sind nach wie vor äußerst hoch. Das Waldbild wird seit Jahren von einer hohen Absterberate, starken Kronenschäden und stark aufgerissenen Beständen geprägt. In diesem Jahr beträgt die durchschnittliche Kronen - verlichtung der Bäume im Westwald 43,9 %, was im Vergleich zur Erhebung des Vorjahres einen Rück - gang von 2,1 Prozentpunkten bedeutet ( Abb. 24). Während sich der Kronenzustand der jüngeren Bäume in diesem Jahr deutlich verbessert hat, bleibt der Zustand der älteren Bäume dagegen auf einem konstant hohen Schadensniveau. Der Anteil der ungeschädigten Bäume ist im Westwald in diesem Jahr auf 14 % und der der schwach geschädigten auf 24 % angestiegen (Abb. 25). Dagegen geht der Anteil der mittelstark geschädigten Bäume auf 34 % zurück. Ebensfalls verringert hat sich der Anteil der stark geschädigten (19 %) und der stehend abgestorbenen Bäume (9 %). Der Schädigungsgrad der Buche ist mit 65,1 % mitt- lerer Kronenverlichtung im Westwald besonders hoch ( Abb. 26). Auf den trocken -heißen Standorten der Rheinebene reagiert die Buche seit Jahren mit deutlichen Vitalitätsverlusten, die sich in einem schlechten Kronenzustand mit vielen Trockenästen in der Oberkrone äußert. Über 90 % aller Buchen sind als deutlich geschädigt eingestuft, wobei der Anteil an stark geschädigten Bäumen dabei außero r- dentlich hoch ist (Abb. 27). Der mittlere Nadelverlust der Kiefer ble ibt mit 41,5 % dieses Jahr nahezu u n- verändert. Knapp 60 % aller Kiefern sind deutlich ge- schädigt. Im Gegensatz zur Buche stirbt die Kiefer bei hoher Belastung häufig innerhalb kurzer Zeit ab, so dass der Anteil an abgestorbenen Kiefer besonders hoch ist. D ie mittlere Kronenverlichtung der Eiche (37,1 %) und der sonstigen Laubbäume (31,1 %) ver- ringert sich dieses Jahr besonders stark. Während bei den Eichen über 60 % als deutlich geschädigt eingestuft werden, liegt der Anteil bei den sonstigen Laubbäumen bei knapp 40 %. Abb. 23: Die aufgelichteten Wälder des Westwaldes werden häufig durch invasive Arten wie hier dem Gö t- terbaum besiedelt. 20 Stadtwald Darmstadt – Waldzustandsbericht 2024 Abb. 28: Drohnenaufnahme stark geschädigter und teilweise abgestorbener Buchen im Westwald. Abb. 27: Anteil deutlich geschädigter Bäume – Westwald (orange: mittelstark geschädigt, rot: stark geschädigt, grau: abgestorben). Abb. 25: Verteilung der Schadstufen – Westwald (Werte in der Klammer geben die Veränderung zum Vorjahr an). Abb. 24: Entwicklung der mittleren Kronenverlichtung nach Altersgruppen – Westwald. Abb. 26: Entwicklung der mittleren Kronenverlichtung der Hauptbaumarten bzw. Baumartengruppen – Westwald. Stadtwald Darmstadt – Waldzustandsbericht 2023 Stadtwald Darmstadt – Waldzustandsbericht 202 21 Stadtwald Darmstadt – Waldzustandsbericht 2024 Ostwald Im Gegensatz zum Westwald ist die Belastung der Bäume im Osten des Darmstädter Stadtwaldes aufgrund der günstigeren Standortbedingungen deutlich geringer, obwohl auch hier in den letzten Jahren klimabedingte Waldschäden festgestellt wurden. Nachdem sich der Kronenzustand der Bäume im Ostwald im letzten Jahr noch verschlechtert hat, ist dieses Jahr eine Verbesserung festzustellen. Der mittlere Nadel -/Blattverlust verringert sich um 1,9 Prozentpunkte auf 33,5 % (Abb. 29), bleibt aber weitherin über den Werten der Jahre 2020 und 2021. Im Ostwald ist der Anteil der ungesc hädigten Bäume mit 13 % und der Anteil der schwach geschädigten Bäume mit 32 % vergleichsweise groß ( Abb. 30). Beide Schadstufen können dieses Jahr eine Zunahme verzeichnen. Dagegen nehmen die mittelstark geschädigten Bäume auf 45 % und die stark geschädigten Bäume auf 6 % ab. Der Anteil der abgestorbenen Bäume bleibt im Ostwald mit 4 % gegenüber dem Vorjahr konstant. Der mittlere Blattverlust der Buchen verringert sich dieses Jahr leicht auf 36,5 % (Abb. 31). Insgesamt gelten 60 % der Buchen im Ostwald als deutlich g e- schädigt. Der Anteil an stark geschädigten Buchen ist dabei mit 11 % vergleichsweise hoch (Abb. 32). Im Gegensatz dazu sind bei der Eiche nahezu keine Bäume dieser Schadstufe zu finden, dennoch sind über 50 % der Eichen deutlich geschädigt. Der mit t- lere Blattverlust der Eichen verringert sich dieses Jahr leicht auf 30,5 %. Ebenfalls leicht verringert hat sich die mittlere Kronenverlichtung der sonstigen Nadelbäume (35,0 %) und der sonstigen Laubbäume (31,0). Der Anteil d eutlich geschädigter Bäume liegt dabei leicht über bzw. unter 50 %, wobei bei den Nadelbäumen der Anteil der abgestorbenen Bäume und bei den Laubbäumen der Anteil der stark g e- schädigten Bäume erhöht ist. Abb. 30: Verteilung der Schadstufen – Ostwald (Werte in der Klammer geben die Veränderung zum Vorjahr an). Abb. 32: Anteil deutlich geschädigter Bäume – Ostwald (orange: mittelstark geschädigt, rot: stark geschädigt, grau: abgestorben). Abb. 29: Entwicklung der mittleren Kronenverlichtung nach Altersgruppen – Ostwald. Abb. 31: Entwicklung der mittleren Kronenverlichtung der Hauptbaumarten bzw. Baumartengruppen – Ostwald. 22 Stadtwald Darmstadt – Waldzustandsbericht 2024 3 Witterung Die Witterung spielt eine zentrale Rolle für die Waldvitalität, da sie die Wachstumsbedingungen der Bäume maßgeblich beeinflusst. Anhaltende Hitz e- wellen und Trockenstress beeinträchtigen die Wa s- seraufnahme der Bäume, was deren physiologische Funktionen einschränkt und die Widerstandsfähi g- keit gegenüber Umweltstressoren verringert. Aber auch extreme Niederschläge und Überschwemmu n- gen stellen eine Bedrohung für die Stabilität der Wälder dar, da sie Erosion des Waldbodens begün s- tigen und die Standfestigkeit der Bäume gefährden. Darüber hinaus führt eine zunehmende Häufigkeit von Spätfrösten in Verbindung mit einem früheren Vegetationsbeginn zu Schäden an den frisch ausg e- triebenen Knospen. Häufigere Trockenphasen und Hitzewellen erhöhen außerdem das Risiko von Waldbränden. Diese klimatischen Belastungen fü h- ren zu einer wachsenden Anfälligkeit der Wälder, was zu einer Veränderung der Artenzusammense t- zung führt und langfristig die ökologischen Funkti o- nen der Waldökosysteme gefährdet. Zur Interpretation der Witterung für die Region Darmstadt werden die jeweiligen Monatswerte der Lufttemperatur und des Niederschlags der Wette r- station „Darmstadt Rosenhöhe“ herangezogen und Abb. 33: Temperatur - und Niederschlagsverteilung der Station Darmstadt (Quelle: DWD 202 4) im Vergleich zum Mittel der Jahre 2004 bis 2024. Temperatur in Grad Celsius, Niederschlag in mm. 0 5 10 15 20 25 0 5 10 15 20 25 Jan Feb Mrz Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez Jan Feb Mrz Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Monatsmitteltemperatur Mittel 2004-2024 20242023 0 40 80 120 160 200 0 40 80 120 160 200 Jan Feb Mrz Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez Jan Feb Mrz Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Niederschlagssumme Mittel 2004-2024 20242023 Stadtwald Darmstadt – Waldzustandsbericht 2023 Stadtwald Darmstadt – Waldzustandsbericht 202 23 Stadtwald Darmstadt – Waldzustandsbericht 2024 mit dem langjährig en Mittelwert von 2004 bis 2024 dieser Station verglichen (Abb. 33). Das Jahr 2023 Wie bereits das Jahr 2022 war auch das Jahr 2023 mit durchschnittlich 10,7 °C wiederholt das wärmste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen 1881 in Hessen (DWD 2024). Schon zu Beginn des Jahres herrschten sehr milde Wintertemperaturen vor, die sich auch weitgehend im Frühjahr fortsetzten. Dabei war der März 2023 ausgesprochen nass. Von Mitte Mai bis etwa Mitte Juli se tzte sich dann eine sehr trockene und meist warme Witterung durch. Ein b e- ginnender Trockenstress der Waldbäume wurde ab der zweiten Julihälfte mit dem Einsetzen starker Niederschläge abrupt beendet. Im August wurde an der Wetterstation Darmstadt weit über das Doppel- te der üblichen Regenmenge gemessen. Nachdem es im September wieder deutlich trockener wurde, w a- ren die Monate Oktober bis Dezember 2023 wieder deutlich zu nass und zu mild. Das Jahr 2024 Auch in den ersten Monaten des Jahres 2024 setzte sich d ie nasse und überwiegend sehr milde Witt e- rung weiter fort. Der Februar war dabei mit einer Monatsmitteltemperatur von 7,7 °C an der Wette r- station Darmstadt besonders mild und mit knapp 100 mm Niederschlag auch besonders nass. Insg e- samt war es der fünfte Mo nat hintereinander mit überdurchschnittlichen Niederschlagsmengen, wo - durch sich die Bodenwasserspeicher gut befüllen konnten. Nachdem der März etwas zu trocken au s- fiel, stiegen die Niederschläge im weiteren Frühjahr bei meist warmen Temperaturen wieder an . Ein Käl- teeinbruch Ende April führte bei weitfortgeschritt e- ner Vegetationsentwicklung aufgrund der hohen Lufttemperaturen der Vormonate örtlich zu Spä t- frostschäden an frisch ausgetriebenen Bäumen (Abb. 34). Während der Mai mit viel Regen zu mild ausfiel, blieben im Juni die Temperatur sowie der Niederschlag in Darmstadt leicht unter dem langjä h- rigen Mittel. Starkregenereignisse führten im Juli und August wieder zu mehr Niederschlag, wobei im August sehr hohe Temperaturen vorherrschten. Deutlich zu nass und überdurchschnittlich warm war es schließlich auch im September und Oktober 2024. Witterungstrend Die Witterungsdaten der Wetterstation „Darmstadt Rosenhöhe“ zeigen für die Vegetationsperiode von April bis September im Zeitraum 2005 bis 2024 einen langfristigen Anstieg der Temperaturen sowie einen Rückgang der Niederschläge (Abb. 35). Die Tempera- turentwicklung weist im betrachteten Zeitraum e i- nen Anstieg von etwa einem Grad Celsius auf. B e- sonders hohe Temperaturen traten in den Vegetat i- onszeiten der Jahre 2018 und 2022 auf, während in den Jahren 2010 und 2021 deutlich kühlere Temp e- raturen gemessen wurden. Die Temperaturen wä h- rend der Vegetationszeit 2024 liegen in etwa auf der Trendlinie der Mittelwerte und gehören mit den Jah- ren 2018, 2022 und 2023 zu den vier höchsten Wer- ten der Zeitreihe seit 2005. Abb. 34: Spätfrostschaden an einer jungen Buche. 24 Stadtwald Darmstadt – Waldzustandsbericht 2024 Bei den Niederschlägen zeigt sich im gleichen Zei t- raum ein gegensätzlicher Trend: Die Niederschlag s- mengen in der Vegetationszeit sind von 2005 bis 2024 um ca. 100 mm gesunken. Das Jahr 2010 ve r- zeichnete die höchsten Niederschläge, während die geringsten Niederschläge in den Jahren 2015 und 2018 gemessen wurden. Das Jahr 2024 war auße r- gewöhnlich nass. Die Niederschläge der diesjährigen Vegetationszeit gehören mit den Jahren 2006, 2007 und 2010 zu den vier höchsten Werten der Zeitreihe seit 2005. Abb. 35: Verlauf der mittleren Temperatur und der Niede r- schlagssumme der Wetterstation Darmstadt in der Veget a- tionszeit (April bis September) in den Jahren 2005 bis 202 4. Die gestrichelte Linie stellt jewe ils den linearen Trend dar (Quelle: DWD 2024). 15 16 17 18 19 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 2024 mittlere Temperatur (°C) 100 200 300 400 500 600 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 2024 Niederschlagssumme (mm) Stadtwald Darmstadt – Waldzustandsbericht 2023 Stadtwald Darmstadt – Waldzustandsbericht 202 25 Stadtwald Darmstadt – Waldzustandsbericht 2024 4 Bestandes- und Verbisserhebung An den Aufnahmepunkten der Waldzustandserh e- bung wird neben der Vitalitätsansprache der Bäume auch eine Erhebung der Bestandes - bzw. Verjü n- gungssituation durchgeführt sowie der Wildverbiss jünger Waldbäume erhoben. Ausgehend von den Mittelpunkten der Waldz u- standserhebung werden hierfür konzentrische Pr o- bekreise angelegt. Die Bestandeserhebung erfolgt in einem Radius von zehn Metern. Dabei werden für jede Baumart der Überschirmungsgrad in Bezug auf den Hauptbestand, den Zwischenbestand und der Verjüngung (größer als 60 cm) ermittelt. Zudem werden für jede Bestande sstufe die Baumhöhe s o- wie eine durchschnittliche Durchmesserklasse b e- stimmt. Für die Erhebung des Wildverbiss wird an den Pun k- ten der Waldzustandserhebung ein Radius von zwei Metern angelegt. Betrachtet werden alle Bäume zwischen einer Höhe von 8 bis 20 cm sowie zwischen 21 bis 100 cm, wobei zwischen Verbiss der Terminal- knospe und Verbiss im oberen Drittel mit und ohne Schädigung des Terminaltriebs unterschieden wird. Bestandeserhebung Die Struktur des Waldes hat sich innerhalb der let z- ten Jahre in vielen Teilen des Stadtwaldes massiv verändert. Ehemals geschlossene, schattenspende n- de, ältere Waldbestände lösen sich infolge der Klimabelastung zunehmend auf. Insbesondere im klimasensitiven Westwald führt die hohe Absterb e- rate älterer Bäume zu stark au fgerissenen und lic h- ten Waldbeständen, wodurch eine höhere Belastung des Restbestandes durch starke Sonneneinstrahlung und höhere Temperaturschwankungen entsteht. Im Westwald besteht der Hauptbestand vielerorts aus älteren Kiefern und Buchen, die häufig u nter Klimastress leiden und teilweise absterben. In ein i- gen Waldbeständen ist darunter eine Zwische n- schicht (Nebenbestand) von halbhohen, schattent o- leranten Baumarten wie Buche oder Hainbuche s o- wie zunehmend der Spätblühenden Traubenkirsche etabliert. Jedoch ist durch eine hohe Mortalität von Kiefern und Buchen mittlerweile an vielen Stichpr o- benpunkten der Überschirmungsgrad dieser beiden Bestandesschichten stark abgesenkt. An 39 % aller Aufnahmepunkte im Westwald findet sich nur noch ein lückiger Bestand v on hohen bzw. höheren Bä u- men mit einer Überschirmung der Bodenfläche von maximal 50 % (Abb. 36). Im Ostwald sind die Wal d- bestände dagegen wesentlich geschlossener. Hier weisen lediglich 17 % aller Aufnahmepunkte eine l ü- ckige Bestandesüberschirmung auf. In Abbildung 37 ist für die lückig überschirmten Au f- nahmepunkte die Verjüngungssituation im West - und Ostwald dargestellt. Auf den meisten Stando r- ten, die aufgrund ausreichender Lichtverhältnisse 0 10 20 30 40 50 60 70 80 90 100 wenig mittel viel sehr viel Stichprobenpunkte in % gesicherte Verjüngung West (N=63) Ost (N=22) Abb. 37: Vorkommen von gesicherter Verjüngung (>60 cm) an Punkten mit lückigem Überschirmungsgrad des Haupt - und Zwischenstandes getrennt nach West - und Ostwald. Abb. 36: Überschirmungsgrad des Haupt - und Zwische n- standes unterteilt in licht (bis 50 %) und geschlossen (über 50 %) an allen Stichprobenpunkten der Waldz u- standserhebung getrennt nach West- und Ostwald. 39 17 61 83 0 10 20 30 40 50 60 70 80 90 100 Westwald Ostwald Stichprobenpunkte in % lückig geschlossen 26 Stadtwald Darmstadt – Waldzustandsbericht 2024 potentiell für eine Verjüngung geeignet wären, konnte sich bisher keine bzw. nur wenig gesicherte Waldverjüngung einstellen. Im Westwald weisen über 70 % der lückigen Flächen keine oder nur wenig Waldverjüngung auf. Im Ostwald ist der Anteil sogar noch höher, wobei allerding insgesamt im Ostwald nur wenige Stichprobenpunkte einen geringen Übe r- schirmungsgrad aufweisen. An vergleichsweisen w e- nigen Aufnahmepunkten mit lückigen Haupt- bzw. Zwischenbestand konnte eine höhere Anzahl an ju n- gen Bäumen über 60 cm festgestellt werden. Die Waldverjüngung im Westwald wird mit großem Abstand durch eine zunehmende Ausbreitung der Spätblühenden Traubenkirsche bestimmt ( Abb. 38). An zwei Drittel der Aufnahmepunkte kommen Jun g- pflanzen dieser Baumart vor, wenn auch häufig noch vereinzelnd (Abb. 39, links). Dagegen sind junge B u- chen, Bergahörner, Linden und Kiefern an deutlich weniger Stichprobenpunkten auffindbar. Im Ostwald ist die Buche die häufigste Baumart in der Verjü n- gung. Dahinter folgen Hainbuche, Bergahorn, Tra u- benkirsche und Linde ( Abb. 39, rechts). Die im Hauptbestand häufig weitverbreitete Eiche, die u n- ter anderen als wichtige Baumart im Klimawandel angesehen wird, kommt dagegen in der betracht e- ten Baumhöhe zwischen 0,6 und 2,0 Meter weder im West- noch im Ostwald an den Stichprobenpunkten der Waldzustandserhebung in höherer Anzahl vor. Abb. 38: Dichte Verjüngung mit Spätblühender Traube n- kirsche unter einem lückigen Kiefern-Hauptbestand. 0 10 20 30 40 50 60 70 TrKir Bu BAh Li Kie Stichprobenpunkte in % 2021 2022 2023 2024 0 10 20 30 40 50 60 70 Bu BAh HBu TrKir Li Stichprobenpunkte in % 2021 2022 2023 2024 Abb. 39: Anteil der Stichprobenpunkte mit Verjüngung (>60 cm) der Hauptbaumarten bzw. Baumartengruppen jeweils für Westwald (links) und Ostwald (rechts) Westwald Ostwald Stadtwald Darmstadt – Waldzustandsbericht 2023 Stadtwald Darmstadt – Waldzustandsbericht 202 27 Stadtwald Darmstadt – Waldzustandsbericht 2024 Verbisserhebung Die Verbisserhebung an den Stichprobenpunkten der Waldzustandserhebung zeigt, dass Wildverbiss einen bedeutenden Einfluss auf die Waldverjüngung hat. An 45 % der Bäume mit einer Höhe von 20 bis 100 cm wurde Wildverbiss festgestellt ( Abb. 41). An den kleineren Bäumen von 8 bis 20 cm ist der Ve r- biss mit 18 % geringer. Der Verbiss ist im Wesentl i- chen auf vorhandenes Rehwild und im geringeren Umfang auf Feld- bzw. Waldhasen zurückzuführen. In den deckungsreichen Wäldern des Westwaldes mit viel Busch - und Krautschicht ist der Verbiss am höchsten. Hier weisen über die Hälfte der höheren Bäume bis 100 cm und ein Fünft el der niedrigeren Bäume bis 20 cm Verbissspuren auf. Dagegen ist der Wilddruck im Ostwald mit 40 % bei den höheren und 16 % bei den niedrigeren Bäumen insgesamt etwas geringer. Die Hainbuche ist die Baumart, die am stärksten von Wild verbissen wird. Der Anteil an durch Verbiss g e- schädigten Hainbuchen ist sowohl bei den Bäu men bis 20 cm (57 %) als auch bei denen bis 100 cm (96 %) am höchsten (Abb. 42). Auch bei den Baumar- ten Spätblühende Traubenkirsche, Bergahorn, Buche und Eiche wurde ein stärkerer Verbiss festgestellt. Auch beim Spitzahorn wurde Wildverbis s registriert, allerdings kommt er als Jungpflanze im Stadtwald mit nennenswerten Anteilen bisher n ur mit einer Höhe von bis zu 20 cm vor. Abb. 41: Anteil der Bäum e mit Verbiss im Gesamtwald, West- bzw. Ostwald getrennt nach den Höhenstufen 8 bis 20 cm und 21 bis 100 cm. 18 20 16 45 52 40 0 10 20 30 40 50 Gesamt West Ost Anteil der Bäume in % 8 bis 20cm 21 bis 100cm Abb. 42: Anteil der Bäume mit Verbiss für die häufigsten vorkommenden Baumarten getrennt nach den Baumhö- hen 8 bis 20 cm und 21 bis 100 cm. Nur Baumarten mit mindestens 50 Jungpflanzen in der Stichprobe. 57 13 20 12 14 6 36 96 35 41 58 24 10 0 20 40 60 80 100 HBu Bu BAh TrKir Ei REi SAh Anteil der Bäume in % 8 bis 20cm 21 bis 100cm Abb. 40: Flächig unverbissene Eichenverjüngung. 28 Stadtwald Darmstadt – Waldzustandsbericht 2024 In der räumlichen Verteilung zeigt sich in diesem Jahr insbesondere in Teilbereichen des südlichen Westwaldes eine Häufung von Stichprobenpunkten mit höheren Wildverbissschäden ( Abb. 43). Aber auch in anderen Bereichen des West- und Ostwaldes sind einzelne Plots mit starken Verbissschäden zu erkennen. Insgesamt 14 % aller Aufnahmepunkte gehören dieser Kategorie an. Keine oder nur geringe Wildverbissschäden wurden an 23 % der Aufnahm e- punkte festgestellt. An 44 % der Punkte konnte keine Auswertung durchgeführt werden, da dort weniger als vier Bäume mit einer Höhe von 8 bis 100 cm auf- zufinden waren. 23% 19% 14% 44% Abb. 43: Verbissschäden aller Bäume von 8 bis 100 cm Oberhöhe je Stichprobenpunkt in den Stufen gering, mittel und stark. Keine Angabe: es waren keine bzw. weniger als vier Jungpflanzen am Stichprobenpunkt vorhanden (Ka r- tenhintergrund: OpenStreetMap). Stadtwald Darmstadt – Waldzustandsbericht 2023 Stadtwald Darmstadt – Waldzustandsbericht 202 29 Stadtwald Darmstadt – Waldzustandsbericht 2024 5 Wissenschaftliche Begleitforschung im Stadtwald Darmstadt (von Dr. Katja Wehner, Technische Universität Darmstadt) Seit dem Jahr 2023 werden von der der TU Dar m- stadt auf den Stichprobenpunkten der Waldzustan d- serhebung umfangreiche Begleitstudien durchg e- führt. Nach dem Einrichten von spezifischen 30 x 30 m2 Untersuchungsplots wurden darauf alle Bäume markiert und vermessen sowie Messsonden für Bodentemperatur und Feuchtigkeit ausgebracht. Auf den jeweiligen Flächen wurde das Totholz - Volumen bestimmt und verschiedene faunistische Untersuchungen durchgeführt. Daran anknüpfend wurden 2024 weitere Parameter untersucht, um den langfristigen Zusammenhang zwischen Waldentwick- lung und der Insekten - und Bodenfauna weiter zu beleuchten. Kontrolle und Erweiterung der Basisarbeiten Im März 2024 wurden die Untersuchungsflächen z u- nächst auf ihre Vollständigkeit u nd ihren Zustand überprüft und gegebenenfalls ausgebessert. Die D a- tenlogger wurden mit kleinen Drahtkäfigen gesichert und die Eckpfosten zusätzlich mit im Boden eingelas- senen Markierungen versehen ( Abb. 44). Für eine repräsentative Auswahl an Bäumen wurden die Baumhöhen bestimmt und auf allen Untersuchung s- flächen wurden 20 x 20 m2 große Teilflächen eta b- liert, auf denen im Sommer eine Vegetationsau f- nahme des Unterwuchses stattfand. Für eine langfristige Beobachtungsstudie des Abbaus von Totholz unterschiedli cher Baumarten in Abhä n- gigkeit von Umweltfaktoren (z. B. Temperatur, Feuchtigkeit, Kronenauflichtung) wurden Bau m- stämme mit einem Mindestdurchmesser von 20 cm und einer Länge von etwa 1 m auf ausgewählten U n- tersuchungsplots im Westwald (mit den Haup t- baumarten Buche (3x), Eiche (3x), Kiefer (3x) und Spätblühende Traubenkirsche (3x); Abb. 45) verteilt. Es handelt sich dabei um frisches Holz von Rotbuche (Fagus sylvatica) und Hainbuche ( Carpinus betulus), das von den zuständigen Revierleitern zur Verfügung gestellt wurde. Die Totholzstücke sind markiert und werden in den kommenden Jahren auf ihre Zerse t- zung und ihre Besiedlung mit Organismen unte r- sucht. Abb. 44: Die schwarzen Punkte zeigen die 70 Untersuchungsflächen für die wissenschaftliche Begleitforschung durch die TU Darmstadt im Jahr 2024. Das Bild oben rechts zeigt den gesicherten Datenlogger und unten rechts sieht man die zusätzliche Markierung der Eckpunkte (Kartenhintergrund: OpenStreetMap). 30 Stadtwald Darmstadt – Waldzustandsbericht 2024 Im Mai 2024 konnten vier von der HEAG und Count & Care Entega AG zur Verfügung gestellte Wettersta- tionen im Stadtwald Darmstadt installiert werden. Mit Hilfe der Revierförster wurden in allen vier Waldbereichen möglichst offene Standorte ausg e- wählt, damit eine Messung von Sonneneinstrahlung und Niederschlag gewährleistet werden kann (Abb. 46). Die aktuellen Daten der Wetterstationen sind über die „Darmstadt -im-Herzen-App“ einse h- bar. Faunistische Untersuchungen Im Jahr 2024 wurden in zahlreiche studentische A b- schlussarbeiten verschiedene Tiergruppen und we i- tere Plot-Parameter erhoben: Im Mai und Septe m- ber wurden auf allen Untersuchungsplots je drei B o- denproben entnommen und im Labor mittels Hitze die Mesofauna – z. B. Raubmilben, Hornmilben, Springschwänze – extrahiert. Im Juni wurden K e- scherfänge auf den Untersuchungsflächen und ve r- gleichend entlang der angrenzenden Wege durchg e- führt. Ebenfalls im Juni und nochmal im September bis Oktober wurden Zecken auf den Untersuchung s- flächen gesammelt, indem mit einem weißen Baumwolltuch die Bodenvegetation abgestreift wu r- de. Während im Juni hauptsächlich junge Tiere g e- funden wurden, waren die Tiere im Herbst eher e r- wachsen. Alle Tiere werden in Ethanol für eventuelle Folgeuntersuchungen, z. B. Krankheitslast mit FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis) aufbewahrt. Im September/Oktober kamen Fledermaus-Detektoren zum Einsatz, die der TU Darmstadt vom NABU Se e- heim-Jugendheim und NABU Darmstadt für einen ersten Testlauf zur Verfügung gestellt wurden. Der sechswöchige Wald-Kurs für Masterstudierende hat im Juni/Juli weitere Grundparameter der Unte r- suchungsflächen erhoben und faunistische Studien durchgeführt. Für alle Flächen konnte so der pH- Wert und das Bodenprofil gemessen und der Anteil des offenen Kronendaches ermittelt werden. Zum ersten Mal wurde die Regenwurm-Dichte auf den Untersuchungsflächen mittels einer Austreibung durch Elektrostimulation erfasst. Abb. 45: Frische Totholzstücke von Rotbuche (rechts) und Hainbuche (link s) auf ausgewählten Untersuchung s- flächen im Westwald. Abb. 46: Aufgebaute Wetterstation im nördlichen Westwald. Es werden die Parameter Lufttemperatur, Luftfeuchtigkeit und Niederschlag dokumentiert. Stadtwald Darmstadt – Waldzustandsbericht 2023 Stadtwald Darmstadt – Waldzustandsbericht 202 31 Stadtwald Darmstadt – Waldzustandsbericht 2024 Über einen Zeitraum von zwei Wochen wurden Dungkäfer mittels Bodenfallen gefangen. Parallel d a- zu konnten verschiedene Prozesse gemessen wer- den: der Dung -Abbau, der Abtransport von Sonne n- blumenkernen und die Prädation an Knetraupen. Um den Dungabbau zu bestimmen, wurde eine definie r- te Menge an eingefrorenem Kuhdung (Hofgut Obe r- feld) auf den Flächen ausgelegt (Abb. 47, links) und nach zwei Tage wieder eingesammelt, getrocknet und gegengewogen. Die Menge an abgebauten Dung kann dadurch berechnet und mit dem Vorkommen der Dungk äfer in Verbi ndung g ebracht werden. Für den Samenabtransport, der durch Inse kten, Schn e- cken, kleine Wirbeltiere oder Vögel entstehen kann, wurden Kunststoffplatten mit 25 Vertiefungen und je einem Sonnenblumenkern ausgelegt ( Abb. 47, Mitte) und die Zahl der nach 48 Stunden noch vo r- handenen Samen dokumentiert. Das Ausbringen von Knetraupen dient der Dokumen- tation von verschiedenen Bissspuren, die durch I n- sekten, Schnecken, kleine Vögel oder Wirbeltiere entstehen können ( Abb. 47, rechts). Auf jedem U n- tersuchungsplot wurden zehn Knetraupen am Wald- boden ausgebracht und nach 48 Stunden wieder eingesammelt. Ergebnisse 2024 Die Klima-Daten der Wald-Wetterstationen von 2024 zeigen, dass der Darmstädter Westwald seine Funk- tion als klimatische Pufferzone für das Stadtgebiet schlechter erfüllen kann als der Ostwald. In den M o- naten Juni bis Oktober liegen sowohl die maximalen als auch die mittleren Temperaturen in den beiden Bereichen des Westwaldes um einige Grade über denen des Ostwaldes ( Abb. 48, links und rechts oben). Zusätzlich zeigen sich im Westwald größere Temperaturschwankungen, die zu minimalen Te m- peraturen führen, die unter denen im Ostwald liegen (Abb. 48, rechts unten). Die im Juni/Juli ausgelegten Dung-Portionen wurden im Ostwald stärker abg e- baut als im Westwald. Passend dazu wurden im Ostwald mehr Dungkäfer-Individuen gefangen als im Westwald (Abb. 49). Besonders häufige Arten waren Aphodius sticticus (2176 Individuen), Anoplotrupes stercorosus (Waldmistkäfer, 972 Individuen) und Onthophagus coenobita (Mönchs-Kotkäfer, 438 Indi- viduen). Auch die anderen Prozesse wie der Same n- abtransport und der Fraß an den Knetraupen waren im Ostwald stärker ausgeprägt. Während im Ostwald nur auf einer Untersuchungsfläche noch Samen üb- rig waren, waren im Westwald in 24 % der Fälle noch Abb. 47: Erhebung verschiedener Prozesse wie Dungabbau (links), Samenabtransport (Mitte) und Raupen -Prädation (rechts). 32 Stadtwald Darmstadt – Waldzustandsbericht 2024 Abb. 48: Maximale ( links), mittlere ( rechts oben ) und minimale Temperaturen ( rechts unten) in den vier Regionen des Darmstädter Stadtwaldes von Juni bis Oktober. Abb. 49: Die beiden linken Diagramme sind sogenannte Violinplots, die die Verteilung der Dichte von Dungkäfern (oben) und den Prozentsatz des Dungabbaus (unten) im Westwald und Ostwald zeigen. Im Westwald ist die Dichte der Dungkäfer relativ gering und weist eine f lachere Form auf, was auf eine gleichmäßig niedrige Anzahl von Dungkäfern hinweist. Im Ostwald hingegen ist die Dichte der Dungkäfer deutlich höher und die Verteilung zeigt eine „gestreckte“ Form nach oben, was auf eine größere Variabilität und einige sehr hohe Werte hinweist. Der Dungabbau im Westwald ist moderat und zeigt eine breite Verteilung, die sowohl niedrigere als auch höhere Abbauwerte einschließt. Im Ostwald ist der Dungabbau in s- gesamt höher, mit einer eher gleichmäßigen Verteilung auf einem hohe n Niveau, was darauf hindeutet, dass der Dung dort fast immer zu einem größeren Teil abgebaut wird. Das Streudiagramm (rechts) zeigt, dass ein Zusammenhang zw i- schen der Dichte der Dungkäfer und dem Dungabbau besteht: Je mehr Dungkäfer vorhanden sind, desto mehr Dung wird abgebaut. Stadtwald Darmstadt – Waldzustandsbericht 2023 Stadtwald Darmstadt – Waldzustandsbericht 202 33 Stadtwald Darmstadt – Waldzustandsbericht 2024 Samen zu finden. Die Anzahl der Bissspuren an den ausgebrachten Knetraupen war im Ostwald doppelt so hoch wie im Westwald ( Abb. 50). In jeder Region war der Anteil der Schnecken -Spuren am höchsten (etwa 52 %), gefolgt von kleinen Wirbeltieren (21 %) und Vögeln (20 %). Überraschend gering war der An- teil an Arthropoden-Bissspuren. Auf den beprobten Stadtwaldflächen wurden im Sommer 2024 insgesamt 565 Regenwurm-Individuen aus neun verschiedenen Arten gefunden. Am hä u- figsten waren Lumbricus rubellus (Roter Waldregen- wurm) und Dendrobaena octaedra (Stubbenwurm). Auch bei dieser Tie rgruppe waren die Dichten im Ostwald größer als im Westwald ( Abb. 51). Die stärksten Einflussfaktoren für die Verteilung waren der Ton -Gehalt des Bodens und die Boden - Feuchtigkeit (positive Auswirkung auf die Rege n- wurm-Dichten) sowie die Boden -Temperatur u nd der Sand -Gehalt (negative Auswirkung auf die R e- genwurm-Dichten). Ausblick Alle 2024 gesammel ten Tiere, wie z. B. Dungkäfer, Regenwürmer, Hornmilben und alle Tiere aus den Kescherfängen, müssen nun auf Artniveau bestimmt werden, was für gewöhnlich außerh alb der Fre i- landsaison erfolgt. Die Dichten und Diversitäten der einzelnen Tiergruppen können dann mit verschied e- nen Parametern statistisch in Zusammenhang g e- bracht werden. Für die bodenlebenden Hornmilben sowie Regenwürmer kommen Parameter wie pH - Wert, Bo dentyp und Laubstreudicke in Frage, die Fluginsekten können durch Temperatur, die Unte r- wuchsvegetation und die Kronendichte beeinflusst werden. Im kommenden Jahr werden essenzielle Parameter wie Totholzvolumen oder Baumdicken erneut erh o- ben, faunistische U ntersuchungen wiederholt und die ausgebrachten Totholz -Stücke erstmals beprobt. Außerdem startet im Februar 2025 auf drei Unters u- chungsflächen im südlichen Ostwald ein interdiszi p- linäres Forschungsprojekt der TU Darmstadt für eine ganzheitliche Betrachtung der Waldgesundheit mit Aspekten der Fernerkundung (Baumgesundheit), Bodenkunde (physikalische und chemische Bode n- prozesse) und Bodenfauna (Streuzersetzung). Abb. 50: Diese Abbildung zeigt einen Violinplot der A n- zahl an Bissspuren im Westwald und im Ostwald. Die Form repräsentiert die Verteilung der B issspuren in be i- den Waldgebieten. Insgesamt ist die Anzahl der Bisssp u- ren im Ostwald höher und gleichmäßiger verteilt als im Westwald, was auf Unterschiede in der Aktivität von Ti e- ren, die Bissspuren hinterlassen, zwischen den beiden Gebieten hinweisen könnte. Abb. 51: Links: Verteilung der Regenwurm -Individuen zwischen West - und Ostwald (als Violinplot dargestellt). Im Os t- wald wurden mehr Tiere gefunden als im Westwald. Rechts: Übersichtskarte über die Dichte -Verteilung der Regenwü r- mer im Darmstädter West- und Ostwald; je größer die roten Kreise desto mehr Individuen wurden gefangen. 34 Stadtwald Darmstadt – Waldzustandsbericht 2024 6 Fazit Der Darmstädter Stadtwald gehört zu den außergewöhnlich stark geschädigten Waldgebieten in Hessen. Seit Jahren führen die Folgen historischer Streunutzung der Böden, hohe Konzentrationen von Luftschadstoffen, lokale Grundwasserabsenkungen sowie vermehrt auftretende Dürre- und Hitzeperioden im Zuge des Klimawandels zu einer erheblichen Destabilisierung der Wälder. Besonders die extrem trockenen Jahre 2018 bis 2020 haben den Schädigungsgrad drastisch verschärft. Zusätzlich b e- lasten biotische Schäden, wie etwa der Maikäfer, verschiedene Schmetterlingsraupen oder starker Mistelbefall, die Wälder weiter. Die Waldzustandserhebung zeigt, dass die guten Wuchsbedingungen durch den feuchten Jahres- verlauf 2024 zu einer leichten Verbesserung des Kronenzustands der Bäume geführt haben. Dennoch bleibt der Schädigungsgrad im Stadtwald weiterhin auf einem hohen Niveau. Insbesondere im Westwald belegt die weiterhin sehr hohe Mortalitätsrate von 3,4 % das fortschreitende Absterben zahlreicher Altbäume. Nach dem Leitbild der Stadt Darmstadt soll der Stadtwald mit all seinen Ökosystemleistugen dauerhaft erhalten, verbessert und stabilisiert werden. Hierzu wird unter anderen seit dem Jahr 2020 keine Holznutzung mehr im Stadtwald durchgeführt, um so die Stabilität und die Naturnähe der Wälder zu fördern. Der höhere Totholzanteil in den Wäldern soll sich dabei positiv auf zahlreiche Pilz- und Insektenarten sowie holzbrütende Vögel und Fledermäuse auswirken. Zudem wird eine verbesserte Nährstoff- und Wasserversorgung der Böden durch viel tote organische Substanz in den Waldbeständen angestrebt. Um die Resilienz der Wälder gegenüber verschiedener Belastung en dauerhaft zu erhöhen, werden stabile und natürliche Waldgesellschaften aus baumartenreichen, laubholzgeprägten Misch- wäldern angestrebt. Als wichtige Baumart im Klima- wandel kommt hierbei der Eiche eine besondere Bedeutung zu. Daher sind die Ergebnisse der diesjährigen Waldzustandserhebung besonders erfreulich, zeigen sie doch die hohe Regener- ationsfähigkeit der Eichen, die unter günstigen Witterungsbedingungen durch Austrieb zahlreicher sekundärer Triebe häufig Schäden wieder ausgleichen können. Zudem bietet die diesjährige Eichenmast eine hervorragende Chance zur Eichenverjüngung. Eine natürliche Waldverjüngung ist ein wesentliches Merkmal intakter Waldökosysteme. Die Erhebungen zur Bestandes- und Verbisssitution zeigen, das in weiten Teilen des Stadtwaldes eine natürliche Verjüngung durch erhöhte Rehwilddichten erschwert wird. Durch den Wildverbiss wird die Baumartenvielfalt eingeschränkt und stark verbissene Baumarten wie Hainbuche, Eiche oder Elsbeere selektiv aussortiert. Zudem wird vor allem auf den Standorten des stark aufgelichteten Westwald eine natürliche Waldverjüng ung heimischer Baumarten oftmals durch eine starke Ausbreitung invasiver, nicht-heimischer Arten beeinträchtigt. Insbesondere die bereits weitverbreitete Spätblühende Traubenkirsche, die Kermesbeere oder der Japanische Knöterich treten dabei häufig als Konkurrenzflora zu heimischen Baumarten auf. Die Auswertungen der Begleitstudien der TU Darmstadt auf den Aufnahmepunkten der Waldzustandserhebung belegen auf vielfältige Weise die Unterschiede der Waldökosystemfunktionen zwischen West- und Ostwald. Dabei werden neben abiotischen Parametern wie Luft- und Boden- temperatur bzw. Feuchtigkeit zusätzlich umfassende faunistische Untersuchungen durchgeführt. Ziel ist es dabei, langfristige Beziehungen zwischen der Waldentwicklung und der Insekten- sowie Boden- fauna aufzuzeigen. So sind bereits heute signifikante Unterschiede in dem Vorkommen verschiedener Insektenarten, wie z. B. verschiedener Dungkäfer- und Regenwürmerarten, zwischen West- und Ostwald zu erkennen. Für eine dauerhafte Erhaltung des Stadtwaldes und der Sicherstellung seiner vielfältigen Ökosystem- leistungen ist ein regelmäßiges Monitoring des Stadtwald Darmstadt – Waldzustandsbericht 2023 Stadtwald Darmstadt – Waldzustandsbericht 202 35 Stadtwald Darmstadt – Waldzustandsbericht 2024 Waldzustandes von großer Bedeutung. Die verschiedenen Untersuchungen im Stadtwald Darmstadt liefern hierzu eine fundierte Datengrundlage, um die dynamische Entwicklung des Waldes zu erfassen, Strategien zur Steigerung der Widerstandsfähigkeit zu entwickeln und diese regelmäßig zu evaluieren. 36 Stadtwald Darmstadt – Waldzustandsbericht 2024 7 Glossar Abiotisch: ohne Beteiligung von Lebewesen. Biotisch: mit Beteiligung von Lebewesen. Brusthöhendurchmesser: Durchmesser eines st e- henden Baumes in der Brusthöhe von 1,30m. Deutlich geschädigte Bäume: Nach der Definition der Waldzustandserhebung gelten alle Bäume mit einem Nadel-/Blattverlust größer als 25% als deut- lich geschädigt (Zusammenfassung der Schadstufe 2 bis 4). Deckungsgrad: Anteil der Bestandesfläche, die durch Baumkronen überdeckt ist. Disposition: Anfälligkeit/Empfänglichkeit eines Ba u- mes für bestimmte Krankheiten bzw. Schädlinge. Fruktifikation: Fruchtbildung einer Pflanze/eines Baumes. Invasive Arten: Tier- und Pflanzenarten, die mit ihrer Ausbreitung Lebensräume, Arten oder Ökosysteme beeinträchtigen und der ökologischen Vielfalt sch a- den. Kraft´sche Klasse: Einteilung der Bäume in Bau m- klassen nach ihrer soziologischen Stellung innerhalb eines Bestandes nach G. Kraft. Kraft´sche Klassen 1 bis 5: vorherrschend, herrschend, gering mither r- schend, beherrscht und ganz unterständig. Konfidenzintervall: statistisch berechneter Vertra u- ens- oder Erwartungsbereich, innerhalb der die Wer- te mit einer definierten Wahrscheinlichkeit liegen. Oft wird der 95%-Vertrauensbereich angegeben. Mortalität: Absterberate der Bäume, die in einem Jahr (seit der letzten Erhebung) abgestorben sind. Nadel-/Blattverlust: eingeschätzter Verlust der B e- nadelung bzw. der Belaubung. Der Nadel-/Blatt- verlust wird in 5-Prozentstufen am Einzelbaum g e- schätzt und zum mittleren Nadel-/Blattverlust (mNBV) verrechnet. Resilienz: Widerstandsfähigkeit gegenüber Bela s- tungen. Schadstufen: Zusammenfassung der Nadel-/Blatt- verluststufe und der Vergilbungsstufe. Schadstufe 0 = ungeschädigt, 1 = schwach geschädigt, 2 = mi t- telstark geschädigt, 3 = stark geschädigt, 4 = abge- storben. Sukzession: zeitliche Abfolge der an einem Standort aufeinanderfolgenden Pflanzengesellschaften. Trockenreisig: dünne, abgestorbene, trockene Äste in der Baumkrone. Verjüngung: Nachwuchs von Bäumen (natürliche Verjüngung, Saat oder Pflanzung). Vitalität: „Lebenskraft“, Gesundheit, gutes Wach s- tum, Widerstandskraft gegenüber Stressfaktoren. Weiserzaun: Kontrollzaun, der eine begrenzte Fläche wilddicht umschließt und so eine Beurteilung des Wildeinflusses im Vergleich zu einer nicht umzäu n- ten Fläche ermöglicht. Stadtwald Darmstadt – Waldzustandsbericht 2023 Stadtwald Darmstadt – Waldzustandsbericht 202 37 Stadtwald Darmstadt – Waldzustandsbericht 2024 8 Literatur- und Fotoverzeichnis Literatur: Arbeitsgemeinschaft Kronenzustand (2007): Waldbäume – Bilderserien zur Einschätzung von Kronenverlichtungen bei Waldbäumen. BMVEL (Hrsg.), 130 S. DWD 2024: https://www.dwd.de/DE/presse/pressemitteilungen/DE/2023/20231229_deutschlandwetter_jahr 2023.pdf?__blob=publicationFile&v=4 (Stand 02.12.2024) NW-FVA (202 4a): Waldzustandsbericht 202 4. Hessisches Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (Hrsg.), 47 S. NW-FVA (2024b): schriftliche Auskunft der NW-FVA. 02.12.2024. Wellbrock, N., Eickenscheidt, N., Hilbrig, L., Dühnelt, P -E., Holzhausen, M., Bauer, A., Dammann, I., Strich, S., E n- gels, F., Wauer, A. (2018): Leitfaden und Dokume ntation zur Waldzustandserhebung in Deutschland. Brau n- schweig: Johann Heinrich von Thünen -Institut, 97 S., Thünen Working. Paper 84, DOI: 10.3220/ WP1513589598000. Fotos: Alle Fotos der Kapitel 1 bis 4 sowie das Titelbild stammen von: Stefan Meining (Büro für Umweltüberwachung) Alle Fotos des Kapitels 5 stammen von: Dr. Katja Wehner (Technische Universität Darmstadt) 38 Stadtwald Darmstadt – Waldzustandsbericht 2024 Anlagen Aufgenommene Bäume der Waldzustandserhebung 2024 nach Baumarten und Regionen (Prozentwerte gerundet). Baumart Anzahl Prozent Anzahl Prozent Anzahl Prozent Buche 796 33.61 365 28.0 431 40.5 Eiche 416 17.57 159 12.2 257 24.2 Kiefer 371 15.67 319 24.5 52 4.9 Spätblühende Traubenkirsche 159 6.71 159 12.2 Bergahorn 143 6.04 105 8.1 38 3.6 Roteiche 105 4.43 67 5.1 38 3.6 Hainbuche 64 2.70 9 0.7 55 5.2 Linde 62 2.62 45 3.5 17 1.6 Schwarzerle 52 2.20 1 0.1 51 4.8 Birke 42 1.77 4 0.3 38 3.6 Lärche 28 1.18 28 2.6 Spitzahorn 27 1.14 26 2.0 1 0.1 Robinie 17 0.72 17 1.3 Vogel-Kirsche 16 0.68 5 0.4 11 1.0 Douglasie 14 0.59 14 1.3 Fichte 13 0.55 13 1.2 Bergulme 10 0.42 8 0.6 2 0.2 Walnuss 6 0.25 6 0.5 Esche 6 0.25 6 0.6 Aspe/Zitterpappel 5 0.21 2 0.2 3 0.3 Götterbaum 4 0.17 4 0.3 Weymutskiefer 3 0.13 1 0.1 2 0.2 Pappel 2 0.08 1 0.1 1 0.1 Elsbeere 2 0.08 2 0.2 Schwarzkiefer 1 0.04 1 0.1 Schwarznuss 1 0.04 1 0.1 Edelkastanie 1 0.04 1 0.1 Rosskastanie 1 0.04 1 0.1 Vogelbeere 1 0.04 1 0.1 Gesamtwald OstwaldWestwald
Beratungsverlauf (2)
Details
- Vorlagen-Nr.
- 2025/0062
- Typ
- Magistratsvorlage
- Datum
- 19.02.2025
- Erstellt
- 29.09.2026 00:00