2021/0183
Protokoll 28. Sitzung Gestaltungsbeirat
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2021/0183
3527 Zeichen
Magistratsvorlage
Eingang Magistrats -
geschäftsstelle:
19.07.2021
an den Magistrat
zur Kenntnis
zur Beschlussfassung
Beteiligt vor
Magistratsbeschlussfassung:
Dezernat III an die Stadtverordnetenversammlung
OBW zur Befassung
zur Kenntnis
zur Beschlussfassung
zur abschließenden Beschluss -
fassung Fachausschuss
Amt: Stadtplanungsamt
OBW bei abschl. B e-
schlussfassung Magistrat
Behandlung in
öffentl. Sitzung
Ja
Nein
Verteiler:
Ja
Nein
Vorlage-Nr. 2021/0183
Magistratsbeschluss -Nr.
Internetfähig
Produkt-Nr.:
Kostenstelle: Investitionsnummer:
Kostenträger: Sachkonto:
Betreff: Protokoll 28. Sitzung Gestaltungsbeirat
Vorlage vom: 29.06.2021
Beschlussvorschlag :
Das Protokoll der 28. Sitzung des Gestaltungsbeirates der Wissenschaftsstadt Darmstadt wird
zur Kenntnis genommen.
Anlagen: Protokoll 28. Sitzung
Datenschutzrelevante Anlage:
Folgekosten: Ja Nein
- 2 -
Beschluss des Magistrats vom
- 3 -
Begründung zur Magistratsvorlage vom 29.06.2021
Im Dezember 2011 hat der Magistrat bzw. die Stadtverordnetenversammlung die Einrichtung
eines Gestaltungsbeirates beschlossen (Vorl. -Nr. 2011/ 0491). Mit der MV Nr. 2019/ 0076
vom 28.02.2019 wurde die Neubesetzung des Gestaltungsbeirates von der Stadtverordn e-
tenversammlung bestimmt.
Die 28. Sitzung des Gestaltungsbeirats fand am 28.05.2021 wieder als digitale Sitzung statt.
Hierzu war für den öffentlichen Teil für interessierte Bürgerinnen und Bürger eine Anmeldung
erforderlich; diese war eigentlich nur bis zum 27.05.2021 möglich; Anmeldungen am
28.05.2021 bis kurz vor Beginn der Sitzung sind ebenfalls noch berücksichtigt worden. Die
Sitzung wurde über das Tool „WebEx“ durchgeführt. Die Zugangsdaten und Zugangslinks
wurden an die Mitglieder des Gestaltungsbeirates, die eingeladenen Bauherr*innen bzw. A r-
chitekt*innen sowie an die Bürger *innen in der Woche der Sitzung des Gestaltungsbeirates
per Mail versendet.
An der digitalen Sitzung nahmen die Mitglieder des Beirates, Vertreterinnen und Vertreter
der politischen Parteien, Vertreterinnen und Vertreter der Verwaltung sowie die Geschäft s-
stelle teil.
Im öffentlichen Teil waren interessierte Bü rger*innen sowie Vertreter*innen der Presse digital
anwesend; ebenso waren Interessengruppen und Verbände eingeladen.
Zu Beginn des öffentlichen Teils der Sitzung begrüßte die damalige Planungsdezernentin
Frau Dr. Barbara Boczek und die Vorsitzende des G estaltungsbeirates, Frau Prof. Christa
Reicher die Mitglieder des Gestaltungsbeirates sowie die Gäste im digitalen Plenum.
Im Anschluss wurden die Vorhaben der Tagesordnung Ergebnis Mehrfachbeauftragung Nac h-
verdichtung Heinestraße, Umbau Altes Maschinenha us der TU Darmstadt am Kantplatz und
Neubau Learning Center der Firma Merck an der Ecke Frankfurter Straße/ Carl -Schenk-Ring
durch die jeweiligen Architekt*innen bzw. der Bauherrschaft vorgestellt; es folgten Rückfr a-
gen und Verständnisfragen durch die Beir atsmitglieder sowie die zugeschalteten Gäste.
Im darauf folgenden nicht -öffentlichen Sitzungsteil wurden die Projekte mit den jeweiligen
Bauherr*innen und den Architekt*innen intensiv diskutiert und besprochen.
Der Stellungnahmen des Beirates zu den Proj ekten sind im anliegenden Protokoll ersichtlich.
Das Protokoll wird im Internet veröffentlicht.
Dezernat III
Michael Kolmer
Stadtrat
anlage 1
18149 Zeichen
P R O T O K O L L
GESTALTUNGSBEIRAT DER STADT DARMSTADT
1
Sitzungstag: 28.05.2021
Beginn: 11.00 Uhr
Ende: 16.30 Uhr
Ort: digital
Teilnehmende:
Mitglieder des Prof. Christa Reicher (Vors.)
Gestaltungsbeirates Prof. Martina Baum
Dipl. Ing. Rebekka Junge
Prof. Thomas Knerer
Prof. Alexander Reichel
Verwaltung Dr. Barbara Boczek, Dezernentin
Andrea Milosic, stellv. Amtsleiterin Bauaufsichtsamt
Anke Bosch, Amtsleiterin Grünflächenamt
Ingrid Pilz, Grünflächenamt
Olaf Köhler, Amtsleiter Denkmalpflege
Hava Bingert, Stadtplanungsamt
Andrea Haas, Stadtplanungsamt
Stefanie Michels, Geschäftsführung Gestaltungsbeirat
Politik Oliver Stienen, Bündnis 90/ Die Grünen
Roland Desch, Alexander Schleith, CDU
Barbara Beckmann, Uffbasse
Gudrun Deutschler, Uwiga
Entsch. Martina Hübscher-Paul, Die Linke
Projekte
Ergebnis Mehrfach- Nachverdichtung Heinestraße, MRJM Mijaa Raummanufak-
beauftragung tur Architekten, Darmstadt, Vonovia, Bochum
Umbau Altes Maschinenhaus TU Darmstadt Kantplatz; EGGER Kolb
Freie Architekten, Stuttgart, TU Darmstadt, Darmstadt
Neubau Learning Center Frankfurter Straße/ Carl-Schenck Ring
Hirschmüllerschmidt Architekten GmbH, Darmstadt, Merck
KGaA, Darmstadt
P R O T O K O L L
GESTALTUNGSBEIRAT DER STADT DARMSTADT
2
Am 28.05.2021 findet die 3. digitale Sitzung des Gestaltungsbeirates Darmstadt statt.
Hierzu war für den öffentlichen Teil für interessierte Bürgerinnen und Bürger eine An-
meldung erforderlich; die Anmeldung war eigentlich nur bis zum 27.05.2021 möglich;
Anmeldungen am 28.05.2021 bis kurz vor Beginn der Sitzung sind ebenfalls noch be-
rücksichtigt worden. Die Sitzung wird über das Tool „WebEx“ durchgeführt. Die Zu-
gangsdaten und Zugangslinks sind an die Bürgerinnen und Bürger in der Woche der
Sitzung des Gestaltungsbeirates per E-Mail versendet worden.
Nicht-öffentlicher Teil (11.00 Uhr – 12.30 Uhr)
Aufgrund der digitalen Durchführung des Gestaltungsbeirates können keine Ortsbe-
sichtigungen durchgeführt werden. Dem Gestaltungsbeirat sind im Vorfeld in Form von
Lageplan und Fotos Informationen zum Umfeld zur Verfügung gestellt worden. Auch
die Projektpräsentationen konnten dem Beirat vorab zur Verfügung gestellt werden.
Im nicht-öffentlichen Teil erfolgt die Erläuterung zur Situation im Bestand, den Ansatz
des Entwurfs sowie die stadträumliche Einbindung des jeweiligen Standortes durch die
zuständigen Sachbearbeiterinnen Frau Michels, Frau Haas und Frau Bingert.
Öffentlicher Teil (13.00 Uhr – ca. 14.45 Uhr) :
Diskussion der Projekte im nicht-öffentlichen Teil (15.00 Uhr – 16.30 Uhr)
Die Begrüßung der Teilnehmer*innen und der Besucher*innen des Gestaltungsbeirates
sowie der Presse erfolgt durch Dr. Barbara Boczek, Stadträtin sowie die Vorsitzende
des Gestaltungsbeirates Prof. Christa Reicher.
Daran anschließend werden die Projekte der Tagesordnung durch die jeweiligen Archi-
tekt*innen bzw. der Bauherrschaft/ Investor vorgestellt. Rückfragen und Verständnis-
fragen durch die Teilnehmer*innen, das Publikum und die Presse werden beantwortet.
Die Fragen werden teilweise mündlich oder per Chat gestellt. Zeitweilig sind der Sit-
zung insgesamt 50 Personen zugeschaltet.
Eine intensive Diskussion mit den Architekt*innen und den Bauherrschaften/ Investo-
ren erfolgt im Anschluss im Rahmen des nicht-öffentlichen Teils der Sitzung.
Als weitere Termine für die nachfolgenden Sitzungen des Gestaltungsbeirats im Jahr
2021/22 sind festgelegt worden: (Freitags, Zeitfenster jw. ca. 10.00 – 17.00 Uhr)
10.09.2021 26.11.2021 18.02.2022 20.05.2022
Endgültige Zeiten können der Einladung zur Sitzung entnommen werden bzw. werden
unter http://gestaltungsbeirat.darmstadt.de veröffentlicht.
………………………………………………………….
gez. S. Michels, Geschäftsstelle Gestaltungsbeirat Darmstadt
Stadtplanungsamt, Darmstadt, 22.06.2021
………………………………………………………….
gez. Prof. Christa Reicher
Vorsitz Gestaltungsbeirat, Aachen, 22.06.2021
Anlage: Empfehlungen des Gestaltungsbeirates
Stadtplanungsamt Darmstadt
Gemeinsame Empfehlung
Projekt
Ergebnis Mehrfachbeauftragung Nachverdich-
tung Heinestraße
Gestaltungsbeirat
Darmstadt
28. Sitzung – 28.05.2021
Gemeinsame Empfehlung des Gestaltungsbeirats Darmstadt 28.05.2021
Stadtplanungsamt Darmstadt
Entwurfsverfasser
MRJM Mijaa Raummanufaktur Architekten, Darmstadt
Bauherr
Vonovia, Bochum
Beschreibung
Die sogenannte Postsiedlung an der Heinestraße in Darmstadt wird durch eine hete-
rogene Bebauung überwiegend aus den 1950er und 1960er Jahren geprägt. Entlang
der Heinestraße stehen sich 5-6 geschossige Zeilenbauten in gefächerter Anordnung
und eine Doppelhauszeile unmittelbar gegenüber.
Seitens des Eigentümers, der VONOVIA, besteht die Absicht, die Zeilenbausiedlung
durch Neubauten in den Gebäudezwischenräumen nachzuverdichten.
Im Herbst 2019 wurde zu einem frühen Zeitpunkt ein Nachverdichtungskonzept in
verschiedenen Varianten im Beirat vorgestellt (siehe auch Protokoll 24. Sitzung vom
08.11.2019). Die durch den Beirat angeregte Weiterentwicklung erfolgte anschließend
durch Vonovia und diente als Grundlage für eine Mehrfachbeauftragung, die im Som-
mer 2020 juriert wurde. Die Jury empfahl, MRJM Mijaa Raummanufaktur Architekten
mit der weiteren Planung zu beauftragen.
Die nun vorgestellte Planung stellt einen Überarbeitungsstand dar.
Das Konzept sieht eine Ergänzung mit fünfeckigen, viergeschossigen Gebäuden vor,
die so zwischen den Zeilen positioniert sind, dass abwechselnd gemeinsame Erschlie-
ßungszonen und ruhige grüne Freiflächen entstehen. Die neuen Gebäude prägen ein
„Gesicht“ zur Heinestraße und wenden sich durch ihre Form und Lage von den Süd-
fassaden der Bestandsgebäude ab, so dass weniger direkte Sichtbeziehungen zwi-
schen den Wohnungen entstehen.
Der Baumbestand im Osten kann überwiegend erhalten werden.
Die für den Bestand erforderlichen Feuerwehrerschließungen werden gleichzeitig für
die Neubauten genutzt. Für Räder sind Abstellflächen in Eingangsnähe sowie über-
dachte Anlagen jeweils im Osten der Eingangszonen vorgesehen. Die erforderlichen
Spielflächen werden im östlichen Bereich angeboten.
Die notwendigen Stellplätze werden in einer Tiefgarage im Norden und einem Park-
deck im Süden vorgesehen; einige Stellplätze werden entlang der Heinestraße verblei-
ben. An dieser Stelle ist auch ein Unterflurmüllsystem vorgesehen.
Derzeit erfolgen weitere Untersuchungen zum Baumbestand. Im Wesentlichen können
die durch die Neubauten entfallenden Bäume auf dem Grundstück ersetzt werden.
Empfehlung
Begrüßt wird das bisherige Verfahren, welches das Konzept frühzeitig zur Diskussion
stellte und durch die Mehrfachbeauftragung bereits eine hohe Qualität erreicht hat.
Gemeinsame Empfehlung des Gestaltungsbeirats Darmstadt 28.05.2021
Stadtplanungsamt Darmstadt
Die Gebäude fügen sich räumlich und funktional gut in die Zwischenräume ein. Auch
der Übergang zur westlichen Bebauung der Heinestraße gelingt mit der Höhenent-
wicklung.
Die gemeinsamen Erschließungszonen werden hinsichtlich Orientierung und Adress-
bildung sehr positiv gesehen. Klar gegliederte Freiräume entstehen, welche die nach-
barschaftlichen Beziehungen stärken und so die Akzeptanz der Nachverdichtung för-
dern.
Die Ausgestaltung des östlichen Bereichs mit Spielflächen, Versickerungsflächen und
(Rad-) Pavillons ist bereits differenziert entwickelt und soll sich weiter sensibel in den
Baumbestand integrieren.
Das vorgesehene Gründach sollte weiter verfolgt, auch die Verwendung einer Fassa-
denbegrünung sollte geprüft werden.
Die Anordnung der Stellplätze im Norden und Süden, wodurch zusätzliche Verkehre
im mittleren Bereich der Heinestraße vermieden werden, soll ebenfalls weiterverfolgt
werden. Die Stellplatzreihe an der Heinestraße sollte jedoch mit deutlich mehr Bäu-
men überstellt werden.
Zusammenfassung und weiteres Vorgehen
Die bisherige Planung verspricht eine qualitativ hochwertige Nachverdichtung, ein
Best Practise-Beispiel für diese Aufgabe zu werden.
Bei der Realisierung ist die hohe Planungsqualität zu halten.
Die weitere Einbindung der Bestandsmieter*innen und Anwohner*innen, der sorgfälti-
ge Umgang mit dem Baumbestand, die qualitätsvolle Durcharbeitung des Freiraums
sowie die Entwicklung einer nachhaltigen Bauweise der Gebäude mit einer hohen
Energieeffizienz werden erwartet, damit die weitere Umsetzung überzeugen kann.
Eine Wiedervorstellung dieses Standes des Projektes ist nicht erforderlich, es wird
jedoch begrüßt, wenn die vertieften Planungen erneut im Beirat vorgestellt werden.
Votum
Rebekka Junge
Stadtplanungsamt Darmstadt
Gemeinsame Empfehlung
Projekt Altes Maschinenhaus der TU Darmstadt
Reaktivierung der restlichen Flächen der histo-
rischen Maschinenhalle als Ergänzung des dor-
tigen Hörsaalzentrums
Gestaltungsbeirat
Darmstadt
28. Sitzung – 28.05.2021
Gemeinsame Empfehlung des Gestaltungsbeirats Darmstadt 28.05.2021
Stadtplanungsamt Darmstadt
Entwurfsverfasser
Egger Kolb Architekten
A0 Landschaftsarchitekten
Bauherr
Technische Universität Darmstadt
Beschreibung
Das historische Maschinenhaus der Technischen Universität wurde 1901-1904 in der
Magdalenenstraße an der Ecke zum Kantplatz, zentral inmitten des Universitätsge-
ländes von Darmstadt errichtet.
Das Gebäude ist als Einzeldenkmal in der Denkmalschutzliste von Hessen eingetra-
gen, die benachbarten Gebäude- und Bebauungsstrukturen sind als Denkmalensemble
ebenfalls erfasst.
Bis 2001 behielt das Maschinenhaus seine Funktion; heute sind noch Teile des Ge-
bäudes als Verteilstation für Fernwärme, Elektro, EDV und Gebäudeleittechnik und
neu aufgebaut als Schalt- und Transformatorenanlage für die TU Darmstadt in Be-
trieb.
Zwei Drittel des Gebäudes wurden in den Jahren 2011 bis 2013 durch Egger Kolb Ar-
chitekten zu einem Seminar– und Hörsaalzentrum umgebaut und saniert. Ein dreige-
schossiges Foyer im Süden erschließt dabei von der Magdalenenstraße aus die Semi-
narräume im Erdgeschoß und den Hörsaal im Obergeschoss auf zwei Ebenen.
Um dem gestiegenen Bedarf an Räumlichkeiten gerecht zu werden, sollen jetzt vier
weitere Seminarräume, ein zweiter Hörsaal und ein kleiner Bürobereich im noch nicht
sanierten nördlichen Drittel zum Kantplatz hin entstehen.
Dabei soll in der bestehenden Rotunde auf der Nordseite ein weiterer barrierefreier
Eingang geschaffen werden.
Empfehlung
Die Weiterentwicklung der restlichen Flächen der historischen Maschinenhalle zu ei-
nem größeren Hörsaalzentrum wird durch den Gestaltungsbeirat begrüßt. Die bisher
erreichte Qualität der Sanierung zeigt mit der hier vorliegenden gelungenen Symbiose
von alt und neu dabei deutlich, welche Chancen in der Umnutzung bestehender Ge-
bäude liegen.
Mit der vorgesehenen Ergänzung von Seminarräumen, einem weiteren Hörsaal und
Garderoben gerät aber die innere, auf Gleichwertigkeit angelegte neue Erschließungs-
struktur in einen Zielkonflikt zu der eindeutig gerichteten Struktur und Ausrichtung
des bestehenden Gebäudes.
Daher sollte der neu geplante nördliche Zugang im Erdgeschoss, der erst durch ein
hochzulegendes Straßenniveau ermöglicht würde, überdacht werden.
Die vorhandene topografische Situation in der Magdalenenstraße hat eine starke Nei-
gung, auf die der historische Bestand folgerichtig mit einer Sockelausbildung reagier-
Gemeinsame Empfehlung des Gestaltungsbeirats Darmstadt 28.05.2021
Stadtplanungsamt Darmstadt
te. Die zum Kantplatz hin gerichtete Rotunde, die als einziges Bauteil noch als origina-
le Substanz vorhanden ist, wird durch die vorgesehene Anhebung des neuen Vorplat-
zes in ihrer originären Fassadengliederung gestört.
Der Entfall des Sockels würde die bauzeitlichen Proportionen stark verändern. Ein
Eingangsniveau in der Sockelzone, auf Höhe des jetzigen UG dagegen birgt möglich-
erweise die Chance, mit einem zwei-bis dreigeschossigen Foyer, unter Herausnahme
der Zwischendecke, die Erschließungsidee der Südseite zu wiederholen und im Ein-
gangsbereich dabei funktional angemessen auch die dort situierten Garderoben und
WC-Anlagen einzubinden.
Gleichzeitig könnte der Freiraum zum bestehenden Stadtraum hin ohne aufwendige
Terrassenanlagen oder „Restgrün“ angemessen erweitert und neu definiert werden.
Der neue Vorplatz kann damit auf den Kantplatz reagieren, ohne ihn zu dominieren.
Der Freiraum sollte hier eine gestalterische Einheit bilden, um so eine großzügige Ein-
gangslösung zu ermöglichen.
Zusammenfassung und weiteres Vorgehen
Der Gestaltungsbeirat würdigt ausdrücklich die sorgfältige Auseinandersetzung, Wei-
terentwicklung und Nutzung des historischen Bestandes. Er bittet aber aufgrund der
exponierten Lage des Gebäudes die neue Eingangssituation dahingehend zu überprü-
fen wie der Zugang über das Sockelgeschoß geführt werden könnte.
Somit könnte auf die Aufschüttung des Vorplatzes verzichtet werden und eine direkte
Verbindung von innen und außen entstehen.
Zudem ist die stark differenzierte Gestaltung des Freiraums zu überprüfen, damit eine
stärkere Einheit zwischen Kantplatz und Vorplatz geschaffen werden und die bis heute
als einzige aller Fassaden authentisch erhaltene Nordseite freigestellt zur Geltung
kommen kann.
Der Beirat freut sich auf die Weiterentwicklung des Projektes und möchte diese gerne
im Rahmen einer nächsten Vorstellung beraten.
Votum
Alexander Reichel
Stadtplanungsamt Darmstadt
Gemeinsame Empfehlung
Projekt
Neubau MERCK Learning Center, Frankfurter
Straße 120
Gestaltungsbeirat
Darmstadt
28. Sitzung – 28.05.2021
Gemeinsame Empfehlung des Gestaltungsbeirats Darmstadt 28.05.2021
Stadtplanungsamt Darmstadt
Entwurfsverfasser
Hirschmüllerschmidt Architektur GmbH, Darmstadt
Freianlagen: Planungsteam Désor (plan°D)
Bauherr
MERCK KGaA, Darmstadt
Beschreibung
Das Projekt umfasst den Neubau eines Schulungsgebäudes an der Ecke zwischen
Carl-Schenk Ring und Frankfurter Straße in Darmstadt. Zum Projekt gehören auch
eine umfassende Freianlagenplanung und eine städtebauliche Konzeption, die zwei
weitere Baufelder umfasst.
Konzeptionell sind 3 freistehende Gebäude mit großzügiger Durchgrünung der Ge-
bäudezwischenräume vorgesehen.
Ein Servicegebäude, das überwiegend der Unterbringung von Müll dient, sowie ein
Unterstand für Fahrräder ergänzen die städtebauliche Konzeption. Stellflächen für
PKWs und Fahrräder mit Zufahrt von der Frankfurter Straße und Ausfahrt in den Carl-
Schenk-Ring sind ebenfalls auf dem Gelände geplant. Ein zentraler Platz zwischen
Baufeld 1 und Baufeld 2 soll für zusätzliche Aufenthaltsqualität im Außenbereich sor-
gen.
Der vorgestellte Neubau auf Baufeld 1 soll auf einem fast quadratischen Grundriss
entstehen und 6 Geschosse aufweisen. Das Haus wird von einem zentralen Kernbe-
reich mit vertikaler Erschließung durchzogen, an den die Funktionsbereiche wie etwa
Lernlabore, Seminarräume und Werkstätten angegliedert sind.
Das Gebäude soll mit einer technisch sehr aufwendigen elementierten Fassade ausge-
stattet werden, die Elemente zur Unterbringung technischer Ausrüstung und zur
Energiegewinnung mit Elementen des Sonnenschutzes und den eigentlichen Fenstern
verbindet.
Das Erscheinungsbild der Fassade wird konzeptionell aus dem Bild von „Pixeln“ her-
geleitet, den Bestandteilen eines digital gespeicherten Bildes. So sollen Assoziationen
unter anderem zu „Vernetzung“ und „Demokratie“ hergestellt werden.
Die Fassade soll um das ganze Gebäude umlaufend im Wesentlichen identisch ausse-
hen.
Empfehlung
Der Gestaltungsbeirat diskutiert das Vorhaben ausführlich mit Bauherren und Archi-
tekten.
Wesentliche Diskussionspunkte sind hierbei die Lage des Gebäudes auf dem Gelände,
die städtebauliche Konzeption als solche und die Gestaltung der Fassade.
Hierbei wurde festgestellt, dass die Ausrichtung des Gebäudes an der Richtung der
Frankfurter Straße eher beliebig wirkt. Das städtebauliche Konzept wirkt unschlüssig.
Es wurde der Wunsch nach mehr Prägnanz im Städtebau - etwa durch einen anderen
Gemeinsame Empfehlung des Gestaltungsbeirats Darmstadt 28.05.2021
Stadtplanungsamt Darmstadt
Umgang mit der Positionierung unmittelbar an einer wichtigen Straßenecke - geäu-
ßert.
Ein in der Präsentation als „Development concept“ titulierter Übersichtsplan zeigt ein
auf den ersten Blick konsequenteres Konzept als auf dem endgültigen Lageplan zu
sehen ist. Die prominente Positionierung von Servicebau und Fahrradschuppen in den
Freianlagen an der Straße verstärken den ungünstigen Eindruck von der städtebauli-
chen Konstellation zusätzlich.
Die aufwendig gestalteten Außenanlagen tragen voraussichtlich nur wenig zur Orien-
tierung auf dem Grundstück bei. Die sehr bewegte Wegeführung kann keine städte-
bauliche Raumbildung ersetzen. Zusätzlich wurde um Prüfung gebeten, ob der Ver-
siegelungsanteil der Wegeflächen reduziert werden kann.
Die vorgesehene Pixelfassade erschwert zusätzlich die Orientierung, zumal es keine
Hinweise an der Fassade - etwa auf die Eingänge oder Nutzungen innerhalb des Hau-
ses - gibt.
Der Gestaltungsbeirat ist der Auffassung, dass das Gestaltungspotenzial der aufwen-
digen geplanten Fassade hier deutlich höher ist als dies momentan in den Ansichten
zum Ausdruck kommt.
Zusammenfassung und weiteres Vorgehen
An die architektonische Qualität eines Neubaus für ein derart bedeutendes Wirt-
schaftsunternehmen in Darmstadt werden hohe Erwartungen gestellt. Sowohl im Städ-
tebau, als auch in der Fassadengestaltung, aber auch in der Freianlagengestaltung
erkennt der Gestaltungsbeirat deutliches Verbesserungspotenzial.
Der Beirat bitte um eine erneute Diskussion nach einer entsprechenden Überarbei-
tung.
Votum
Thomas Knerer
Beratungsverlauf (1)
Orte (5)
- Heinestraße
- Magdalenenstraße
- Frankfurter Straße 120
- Kantplatz
- Carl-Schenck-Ring
Ortsbezüge werden automatisch aus den Dokumenten ermittelt und können unvollständig sein.
Details
- Vorlagen-Nr.
- 2021/0183
- Typ
- Magistratsvorlage
- Datum
- 29.06.2021
- Erstellt
- 29.09.2026 00:00