V/0278/2010
Antrag der SPD-Fraktion, Fraktion Bündnis 90/Die Grünen/GAL, Fraktion DIE LINKE., Ratsgruppe UWG/ödp, Ratsherr Langenfeld an den Rat A-R/0021/2010: Münsterpass wieder neu einrichten
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Anlage 1
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Antrag an den Rat Nr. A-R/0021/2010 1 25.02.2010 Ratsantrag Münsterpass wieder neu einrichten Der Rat möge beschließen: 1. Es wird wieder ein Münster-Pass eingeführt. Der Münster- Pass kommt Erwachsenen, Kindern und Jugendlichen zu Gute, die • Leistungen gemäß SGB II (Arbeitslosengeld II oder Sozialgeld) oder • Leistungen zum Lebensunterhalt gem. SGB XII oder • Grundsicherungsleistungen bei dauernder Erwerbsminderung oder • Grundsicherungsleistungen im Alter oder • Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz oder • die in einem Alten- bzw. Pflegeheim oder in einer stationären Eingliederungseinrichtung wohnen und lediglich einen Barbetrag zur persönlichen Verfügung nach dem XII. Sozialgesetzbuch erhalten. 2. Der Leistungsumfang des Vergünstigungspasses umf asst • den öffentlichen Personennahverkehr, • die städtischen Kultureinrichtungen (u.a. Stadtthe ater, Stadtbücherei, Museen), • die städtischen Bildungsangebote (u.a. Volkshochschule, Musikschule), • die städtischen Sport- und Freizeitangebote (u.a. Bäder) und • den Allwetterzoo. 3. Alle o. g. städtischen sowie stadtnahen Einricht ungen und Anbieter erteilen eine mindestens 50%ige Ermäßigung für InhaberInnen des Münster-Passes. Die Vergünstigungen, die derzeit für Studierende z.B. im Stadttheater („Dienstag ist Studententag“) angeboten werden sollen auch für InhaberInnen des Münster-Passes zugänglich gemacht werden. 4. Die Vergünstigungen sollen dazu beitragen, die o .g. Personenkreise auch langfristig als neue BenutzerInnen- und KundInnenkreise für den ÖPNV sowie für Kultur-, Bildungs-, Freizeit- und Sporteinrichtungen zu gewinnen. 5. Der Münster-Pass wird an alle berechtigten Personen unentgeltlich ausgegeben. Damit möglichst viele berechtigte Personen erreicht werden und um den Verwaltungsaufwand gering zu halten, wird der Münster-Pass möglichst unaufgefordert und niedrigschwellig ausgegeben. 6. Die Verwaltung wird beauftragt, zeitnah ein ents prechendes Konzept für einen Münster-Pass zu entwickeln sowie dem Rat 2 und den zuständigen Fachausschüssen zur Entscheidung vorzulegen. Ziel ist die Einführung des Münsterpasses zum 01.09.2010. 7. Die Verwaltung wird beauftragt mit o beteiligten Verkehrsunternehmen, o anderen öffentlichen, freien und privaten Trägern, Vereinen und Anbietern - sozialer, kultureller und gesundheitlicher Angebote sowie von - Bildungsangeboten, - Sport- und Freizeitangeboten sowie - Kinder- und Jugendfreizeitangeboten über die Preisnachlässe, die dem Personenkreis des Münster-Passes gewährt werden können zu verhandeln. Hierbei wird auch geprüft, in wie weit für die Nutzung des Allwetterzoos zu vergünstigten Eintrittspreisen auch eine Gutscheinregelung über einzelne Besuche mit einbezogen werden kann. 8. Die Verwaltung bewirbt den Münster-Passes offensiv. Sie informiert umfassend über die Nutzungsmöglichkeiten und veröffentlicht eine Übersicht über kommunale und nichtkommunale Angebote und Einrichtungen, die mit dem Münster-Pass entsprechend genutzt werden können. Eine hohe Inanspruchnahme ist anzustreben. Ziel ist es, Ausgrenzung zu verhindern und Teilhabe zu ermöglichen. Deshalb ist auch ein möglichst barrierefreies Ausgabe- und Inanspruchnahmeverfahren zu entwickeln. 9. Die Stadt Münster fordert das Land auf, sich an einer Mitfinanzierung an einem entsprechenden Sozialticket zu beteiligen. 10. Darüber hinaus wird geprüft, inwieweit perspekt ivisch schrittweise weitere Personengruppen in den Geltungsbereich des Münster-Passes mit aufgenommen werden können. Hierzu gehören Personen, • die Wohngeld nach dem Wohngeldgesetz (WoGG) bezieh en, • deren laufendes monatliches Einkommen max. 10 % üb er den Bedarfssätzen des SGB II bzw. SGB XII liegt und die keine Leistungen nach Ziffer 1.1. bis 1.3. erhalten (sog. Personenkreis der Geringverdiener), • deren Einkommen unterhalb der Pfändungsfreigrenze liegt. 11. Der Münster-Pass soll hinsichtlich seiner Umsetzung, seiner Reichweite und Auswirkungen sowie seiner Weiterentwicklungsmöglichkeiten wissenschaftlich begleitet und evaluiert werden (z.B. durch die Vergabe von Diplomarbeiten). Hierzu nimmt die Verwaltung Kontakt zu den münsterschen Hochschulen auf. Begründung: I. Soziokulturelle Teilhabe und Mobilität auch für Menschen mit geringen Einkünften bezahlbar machen Für die Teilhabe an der Gesellschaft ist Mobilität eine unverzichtbare Voraussetzung. Dies betrifft sowohl soziale Kontakte, die Versorgung mit Einzelhandels- und Gesundheitsdienstleistungen aber auch die Anforderungen des Arbeitsmarktes setzen heute Flexibilität und Mobilität auch über weitere Entfernungen voraus. Der OPNV erfüllt im Sinne der Daseinsvorsorge diese Mobilitätsansprüche und dies auch umweltverträglich und klimaschonend. Allerdings können sich die Personen, die auf SGB II und Sozialhilfe nach SGB XII angewiesen sind, sowie Geringverdienende die Fahrkarten wie auch die Teilnahme an Kultur- und Freizeiteinrichtungen nicht leisten. 3 Im Regelsatz des SGB II und des SGB XII sind die Kosten für die Inanspruchnahme von Verkehrsdienstleistungen mit monatlich 14,36 € für einen alleinlebenden Erwachsenen enthalten. Dieser Ansatz reicht bei weitem nicht, um die regelmäßige Nutzung des ÖPNV in Münster zu gewährleisten. Aus sozialpolitischen Gründen ist eine Teilnahme der Personengruppen, die auf Leistungen nach dem SGB II, dem SGB XII und dem Asylbewerberleistungsgesetz am öffentlichen Leben ausgesprochen wünschenswert. Gerade die sozialräumliche Konzentration und Einengung der Erfahrungsräume führt dazu, dass Ausgrenzung zementiert wird, statt dass ihr begegnet wird. Ziel eines Münster-Passes ist es, eine Teilhabe zu ermöglichen und darüber eine Ausgrenzung vieler Menschen zu verhindern. Das Angebot eines Münster-Passes sichert für die BezieherInnen von Leistungen nach dem Sozialgesetzbuch eine angemessene Mobilität und ermöglicht eine Teilhabe an Kultur- und Freizeitveranstaltungen. Gegen Vorlage des Münster-Passes sollen an den entsprechenden Stellen die jeweiligen Tickets zu den entsprechend ermäßigten Preisen erhältlich sein. II. Der alte Münster-Pass 1998 bis 2001 In den vergangenen 25 Jahren sind mehr als 20 Anträge zum Thema Münster-Pass, - Card oder Sozialpass im dem Rat eingebracht worden. Mit der Mehrheit von Rot-Grün wurde schließlich 1998 der Münster-Pass eingeführt. Der mit Ratsbeschluss zum 01.06.1998 eingeführte Münster-Pass eröffnete seinen Inhaberinnen und Inhabern Vergünstigungen bei der Nutzung des ÖPNV sowie bei Besuchen der Volkshochschule, der Städtischen Bühnen, der städtischen Bäder und des Allwetterzoos. Auch viele freie Träger haben ein entsprechend vergünstigtes Angebot unterbreitet. Der berechtigte Personenkreis umfasste alle MünsteranerInnen ab vollendetem 3. Lebensjahr, die auf laufende Hilfe zum Lebensunterhalt nach dem damals geltenden Bundessozialhilfegesetz (BSHG) oder auf Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz (AsylbLG) angewiesen waren. Das Sozialamt hat den unentgeltlichen und ein halbes Jahr gültigen Münster-Pass jeweils zum 1. Januar und zum 1.Juli eines Jahres an alle Berechtigten (jeweils etwa 14.000 Personen) versandt. Der Münster-Pass konnte in seiner Geltungszeit auf eine hohe Akzeptanz sowohl auf Seiten der Nutzergruppen als auch bei den Anbietern kultureller und sonstiger öffentlicher Angebote verweisen Mit dem Münster-Pass wurden viele Menschen erreicht, die sich die entsprechenden Angebote sonst nicht hätten leisten können. Der Münster-Pass wurde durch die damalige CDU-Mehrheit zum 01.01.2002 zugunsten des Familienpasses (Münster-Card) eingestellt. Dieser hat im Unterschied zum Münster-Pass als Zielgruppe Familien unabhängig vom Einkommen als Zielgruppe vorgesehen. Zudem musste der Familienpass zunächst kostenpflichtig erworben werden. Die Vergünstigungen bei der Nutzung des örtlichen Linienbusverkehrs betrugen zudem nur noch 25%. Aufgrund dieses gegenüber dem Münster-Pass wesentlich unattraktiveren Angebotes hat der Familienpass (MünsterCard) nur eine sehr geringe Nutzung erfahren. Die MünsterCard wurde in der Haushaltsberatung 2006 aufgrund der geringen Inanspruchnahme nach fünf Jahren abgeschafft. Damit hatte sich gezeigt, dass die Kritik an der Abschaffung des Münsterpasses berechtigt war. Die einzige Gruppe, die die MünsterCard in nennenswertem Umfang nachfragt hatte, war die Nutzergruppe des ehemaligen Münsterpasses, die trotz Zahlung von jährlich 25 € gleichwohl auf diese Möglichkeit angewiesen war, um den ÖPNV in Münster regelmäßig zu nutzen. 4 Durch den Wegfall von Münster-Pass und MünsterCard wurde der Gruppe der bisherigen Nutzer der Vergünstigungen, insbesondere die Nutzung des ÖPNV sehr eingeschränkt. Auch die Nutzung von Kultur-, Freizeit- und Bildungsangeboten der Stadt Münster oder städtischer Gesellschaften wurde durch den Wegfall des Münster-Passes und gleichzeitige z.T. massive Gebührensteigerungen erschwert. Nachfragen zur Nutzung städtischer Angebote z.B. bei der VHS oder der Musikschule zeigen, dass der obengenannte Kundenkreis die Angebote dieser Einrichtungen nur in ausgesprochen geringfügigem Maße nutzt; bei der VHS nutzten so z.B. gerade einmal 239 Personen von 23.046 Teilnehmenden das städtische Angebot (2008). Dies ist u.a. aus der Diskrepanz zwischen den seit Jahren massiv gestiegenen Gebühren und den diesen Haushalten zur Verfügung stehenden monatlichen Einkommen zu erklären. Der mit Abstand nachfrageträchtigste Vorteil des vormaligen Münster-Passes war die ermäßigte 9-Uhr-Karte. Ebenso betraf das Gros der Ausgaben die Ausgleichszahlungen an die Verkehrsbetriebe im Umfang des Preisnachlasses für dieses Angebot. Nachdem die Ermäßigung von zunächst 50 % mit Wirkung ab 01.07.2000 auf 25 % reduziert wurde ging die Nachfrage nach ermäßigten 9 Uhr- Karten deutlich zurück(von 2.260 Personen rd. 1.500) Für den Münster-Pass wurden zuletzt rd. 320.000 € aufgewendet (2000). Die Kosten für den neuen Münster-Pass müssten entsprechend neu berechnet werden. III. Anforderungen an den neuen Münster-Pass Der Münster-Pass soll Personen eine Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft ermöglichen, für die aufgrund ihres geringen Einkommens eine Teilnahme bisher nicht möglich war. Hierzu gehört die Teilnahme am ÖPNV sowie an Kultur, Bildungs-, Freizeit- und Sporteinrichtungen. 1. Geltungsbereich Der Münster-Pass soll die Nutzung des öffentlichen Personennahverkehrs zu einem deutlich ermäßigten Preis anbieten und durch entsprechende Vergünstigungen die Nutzung von Kultur-, Freizeit- und Bildungsangeboten einkommensarmen Haushalte bezahlbar machen und damit eine Teilnahme an diesen Angeboten ermöglichen. Insbesondere Kindern und Jugendlichen soll der Zugang zu Freizeitangeboten, Sportvereinen, Musikschulen und anderen außerschulischen Lern- und Förderangeboten ermöglicht werden. Damit soll der Münster-Pass auch dazu beitragen, die Förderung der Bildungs- und Entwicklungschancen von Kindern und Jugendlichen aus einkommensarmen Familien zu verbessern. 2. Personenkreise Der Kreis der Berechtigten sollte sich zunächst an dem des vormaligen Münster- Passes orientieren, d.h. den neuen Münsterpass sollen alle Personen erhalten, die • Leistungen nach dem SGB II, • existenzsichernde Leistungen nach dem SGB XII: - Leistungen zum Lebensunterhalt gem. SGB XII, - Grundsicherung im Alter oder - Grundsicherungsleistungen bei dauernder Erwerbsminderung) oder • Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz od er • die in einem Alten- bzw. Pflegeheim oder in einer stationären Eingliederungseinrichtung wohnen und lediglich einen Barbetrag zur persönlichen Verfügung nach dem XII. Sozialgesetzbuch erhalten. 5 3. Weitere mögliche Personengruppen für den Münster-Pass – die Wohngeld nach dem Wohngeldgesetz (WoGG) bezie hen; – der Personenkreis der Geringverdienenden: Personen deren laufendes monatliches Einkommen max. 10 % über den Bedarfssätzen des SGB II bzw. SGB XII liegt und die keine Leistungen nach Ziffer 1.1. bis 1.3. erhalten; – Personen unterhalb der Pfändungsfreigrenze. Nach Auskunft der Verwaltung liegen für diesen Personenkreis keine Prozessdaten vor, deren Sätze eine Grundgesamtheit von Personen mit Einkommen unterhalb der Pfändungsfreigrenzen abbilden. Diese werden demnach bisher von keiner Stelle erhoben. Die Ermittlung oder Schätzung dieses Berechtigtenkreises anhand dieses Merkmals ist deshalb derzeit nicht ohne weiteres möglich. Hier müssten jeweils Einzelprüfungen (des Einkommens, ggf. ausgenommen Sozialleistungsberechtigte) durchgeführt werden, um die Zugangsberechtigung zum Münster-Pass feststellen zu können. IV. Finanzielle Auswirkungen Aufgrund der Erfahrungen mit der Inanspruchnahme des ehemaligen Münster-Passes kann beim der Nutzung des ÖPNVs zunächst von 15 bis 20 % und perspektivisch von 25 % der Leistungsberechtigten ausgegangen werden. Hinweis: den Münster-Pass hatten im Jahr 2000 rd. 16,1% der Berechtigten für den Erwerb eines vergünstigten Bustickets (Monatskarte) genutzt. Ausgleichszahlungen an Stadtwerke In welcher Höhe die Stadtwerke und auch die anderen Leistungsanbieter Ausgleichszahlungen für die sogenannten vergünstigungsbedingten Mindereinnahmen erhalten, muss im weiteren Verfahren errechnet werden. Dabei sollte aber zur Kenntnis genommen werden, dass mittlerweile in mehreren Kommunen, in denen es entsprechende Mobilitätspässe für Personenkreise mit geringen Einkommen gibt, Faktoren herangezogen die in erster Linie darauf hindeuten, dass es durch die Vergünstigen gelungen ist neue Benutzer- und Kundengruppen zu gewinnen. Dabei wird davon ausgegangen, dass sich gerade die Personen mit geringen Einkünften, wie diejenigen die auf SGB II und Sozialhilfeleistungen angewiesen sind, zuvor keine regelmäßige Nutzung des ÖPNV leisten konnten und somit bisher auch keine regelmäßigen KundInnen des ÖPNV gewesen sind. Somit wird die Annahme zugrunde gelegt, dass nicht von Einnahmeausfällen gesprochen werden kann, die einen Ausgleich in voller Höhe zum Volltarif rechtfertigen würde. Vielmehr wird davon ausgegangen, dass es sich hierbei zu einem großen Teil um die Eröffnung neuer KundInnen-Gruppen für den ÖPNV handeln würde - ähnlich wie beim Job-Ticket, Semester-Ticket etc. Dies belegt u.a. eine Untersuchung aus Köln die von der Verkehrsgemeinschaft Rhein- Sieg, durchgeführt wurde. Sie kommt dabei zu dem Ergebnis, dass - bei deutlich reduzierten Ticketpreisen von den So zialPass-InhaberInnen erheblich mehr ÖPNV-Fahrten durchgeführt werden; - die Bereitschaft, Tickets zu erwerben gestiegen i st. ÖPNV-Fahrten, die in der Vergangenheit von einem Teil der KölnPass-Inhabern ohne gültiges Ticket durchgeführt wurden, erfolgen jetzt zu „regulären Bedingungen“. Aufgrund dieser Erkenntnisse wurde in Köln festgestellt, dass die vorab kalkulierten städtischen Erstattungsbeiträge zu hoch bemessen waren und geringere 6 Erstattungsbeträge angemessen sind. Die Erstattungsbeiträge an die Verkehrsgemeinschaft Rhein-Sieg wurden daraufhin in Köln um 42% abgesenkt. Für die Berechtigung einer entsprechenden Berechnungsweise sprechen auch die Zahlen aus Münster selbst. So konnte mit Einführung des Münster-Passes der KundInnenkreis für die Stadtwerke erweitert werden. Nach der Reduzierung der Ermäßigung von 50 auf 25% (durch den Wechsel vom Münster-Pass zur Münster- Card) wurde wieder ein deutlicher Rückgang beim Erwerb einer Monatskarte festgestellt (obwohl bei der Münster-Card auch Nutzergruppen mit höheren Einkünften vertreten gewesen sind). Fazit: Gerade der Personenkreis, der sich bislang eine Nutzung leisten konnte, soll mit dem Münster-Pass dauerhaft als neue BenutzerInnen- und KundInnen gewonnen werden. Dies führt auch zu zusätzlichen Einnahmen bei den Stadtwerken und den anderen teilnehmenden Einrichtungen und Leistungsanbietern. gez. H: Klas GAL-Fraktion gez. W. Heuer SPD-Fraktion gez. Köhn Fraktion Die Linke gez. G. Kersting Ratsgruppe UWG/ÖDP gez. M. Langenfeld Piraten
Beschlussvorlage
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V/0278/2010
DER OBERBÜRGERMEISTER
Sozialamt
Betrifft
Antrag der SPD-Fraktion, Fraktion Bündnis 90/Die Grünen/GAL, Fraktion DIE LINKE., Ratsgruppe
UWG/ödp, Ratsherr Langenfeld an den Rat A-R/0021/2010: Münsterpass wieder neu einrichten
Beratungsfolge
28.04.2010 Hauptausschuss Entscheidung
Beschlussvorschlag:
I. Sachentscheidung:
1. Die Verwaltung wird beauftragt, dem Rat bis zu den Sommerferien 2010 ein vorläufiges Pro-
grammkonzept für den Münster-Pass nach Maßgabe der im Antrag (Anlage) sowie in der Be-
gründung skizzierten Eckpunkte zur Beschlussfassung vorzulegen, um den Münster-Pass zum
01.09.2010 mit Vergünstigungen zunächst für den öffentlichen Personennahverkehr sowie für
weitere städtische Angebote einzuführen. Die Finanzierungskonsequenzen sind in dem Zu-
sammenhang darzustellen.
2. Der Umfang eventueller Ausgleichszahlungen an Anbieter, die Inhaberinnen und Inhabern des
Münster-Passes eine Vergünstigung einräumen, soll nicht allein an der Differenz zwischen re-
gulärem und ermäßigtem Preis pro Stück bemessen werden, sondern ggf. auch Umsatzzu-
nahmen aufgrund der Vergünstigung Rechnung tragen.
3. Mit diesen Maßgaben wird der Antrag an den Ausschuss für Soziales, Gesundheit und Arbeits-
förderung verwiesen.
II. Kosten/Folgekosten
Es wird zur Kenntnis genommen, dass durch den o. g. Beschlussvorschlag unmittelbar keine Kos-
ten und keine Folgekosten entstehen. Erforderliche Mittelbedarfe und Finanzierung werden im
Rahmen des Programmkonzepts dargestellt.
Begründung:
1. Beschlusslage
Der mit Ratsbeschluss vom 25.03.1998 (Vorlage Nr. 1147/97) zum 01.06.1998 eingeführte
Münster-Pass eröffnete seinen Inhaberinnen und Inhabern Vergünstigungen bei der Nut-
Vorlagen-Nr.:
V/0278/2010
Auskunft erteilt:
Herr Treutler
Ruf:
492 50 26
E-Mail:
Treutler@stadt-muenster.de
Datum:
01.04.2010
Öffentliche Beschlussvorlage
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V/0278/2010
zung des ÖPNV sowie bei Besuchen der Volkshochschule, der Städtischen Bühnen, der
städtischen Bäder und des Allwetterzoos. De r berechtigte Personenkreis umfasste alle
Münsteranerinnen und Münsteraner ab vollendetem 3. Lebensjahr, die auf laufende Hilfe
zum Lebensunterhalt nach dem damals geltenden Bundessozialhilfegesetz (BSHG) oder
auf Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz (AsylbLG) angewiesen waren. Das
Sozialamt hat den unentgeltlichen und ein halbes Jahr gültigen Münster-Pass jeweils zum
01.01. und zum 01.07. an alle Berechtigten (jeweils etwa 14.000 Personen) versandt.
Aufgrund der Beschlüsse des Haupt- und Finanzausschusses vom 20.06.2001 (Vorlage Nr.
681/2001) sowie des Rates vom 19.12.2001 (Vorlage 1249/2001) wurde der Münster-Pass
zum 01.01.2002 zugunsten des Familienpasses (MünsterCard) eingestellt. Die Münster-
Card berechtigte Familien mit Kindern aller Einkommensgruppen, ferner Einzelpersonen
und Paare mit Anspruch auf Leistungen der Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsmin-
derung, Vorteile in den Bereichen Verkehr, Freizeit, Sport, Touristik, Bildung, Kultur und
Bürgerservice in Anspruch zu nehmen. Die MünsterCard war zum regulären Preis von 50 €
pro Jahr und Haushalt erhältlich; 25 € hatten Familien mit Anspruch auf Hilfe zum Lebens-
unterhalt nach dem SGB XII, auf Leistungen der Grundsicherung für Arbeitsuchende oder
auf Leistungen nach dem AsylbLG, ferner Einzelpersonen und Paare mit Anspruch auf
Leistungen der Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung zu zahlen. Mit Ratsbe-
schluss vom 05.04.2006 (Vorlage V/0060/2006: Spar- und Konsolidierungsprogramm 2006
– 2009; hier: Maßnahmen im Budget des Sozialamts) wurde der Verkauf der MünsterCard
mit Wirkung ab 01.05.2006 eingestellt; Inhaberinnen und Inhaber gültiger MünsterCards
konnten die Vergünstigungen noch bis Ende April 2007 in Anspruch nehmen.
Seit 2005 hatten mehrere Initiativen zur Wiedereinführung eines Münster-Passes mit glei-
chem oder angepasstem Konzept keinen Erfolg, insbesondere mit Blick auf hierfür erforder-
liche Finanzmittel, die im städtischen Haushalt bis zum Haushaltsjahr 2009 nicht vorgese-
hen waren. Zuletzt hatte der Hauptausschuss am 27.08.2008 davon abgesehen, einen
Münster- bzw. Vergünstigungspass aufzulegen (Vorlage V/0283/2008 mit weiteren Einzel-
heiten zur damaligen Antrags- und Beschlusslage).
Im Rahmen der Haushaltsplanberatungen 2010 hat der Ausschuss für Soziales, Gesund-
heit und Arbeitsförderung am 24.02.2010 auf Antrag der Fraktionen von SPD, Bündnis
90/Die Grünen/GAL und DIE LINKE. mehrheitlich empfohlen, die in Zeile 15 (Transferauf-
wendungen) der Produktgruppe 0503 (Sicherung besonderer sozialer Bedarfe) ausgewie-
senen Beträge um 175.000 € in 2010 sowie um 800.000 € in den Folgejahren aufzusto-
cken, um sie für die Finanzierung des Münster-Passes einzusetzen. Der Rat ist dieser
Empfehlung im Zuge der Verabschiedung der Haushaltssatzung 2010 gefolgt.
2. Inhalt des Antrags
2.1 Berechtigtenkreis und Zugang
Der Antrag empfiehlt, den Münster-Pass in einem ersten Schritt allen in Münster wohnen-
den Personen zugänglich zu machen, die
Leistungen nach dem SGB II,
Hilfe zum Lebensunterhalt nach dem 3. Kapitel SGB XII,
Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung nach dem 4. Kapitel SGB XII oder
Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz
erhalten. Den Münster-Pass sollen auch die erhalten, die in einer Einrichtung wohnen und
auf Leistungen zum Lebensunterhalt angewiesen sind. Angesprochen werden damit ge-
genwärtig knapp 23.000 Berechtigte:
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Leistungen nach dem SGB II1 SGB XII (Kap. 3, 4)2 AsylbLG3 insgesamt
Personen 19.045 3.016 596 22.657
Allen Berechtigten soll der Münster-Pass unentgeltlich und, soweit möglich, unaufgefordert
ausgegeben werden. Unter ihnen soll die Stadt Münster für die Inanspruchnahme der mit
dem Münster-Pass verbundenen Vergünstigungen aktiv werben. Über die genannten
Gruppen hinaus soll die Verwaltung perspektivisch Möglichkeiten ausloten und ggf. realisie-
ren, den Berechtigtenkreis um weitere Personengruppen mit geringem Einkommen zu er-
weitern.
2.2 Vergünstigungsgegenstände
Der Pass soll seinen Inhaberinnen und Inhabern Vergünstigungen von jeweils wenigstens
50 % in folgenden Angebotsbereichen einräumen:
öffentlicher Personennahverkehr,
städtische Kultureinrichtungen wie Stadttheater, Stadtbücherei, Museen,
städtische Bildungsangebote wie Volkshochschule, Musikschule,
städtischen Sport- und Freizeitangebote (u. a. Bäder) und
Allwetterzoo.
Der Antrag regt an, mit den Anbietern dieser und weiterer Leistungen und Dienste Preis-
nachlässe auszuhandeln. Einbezogen werden sollen auch freigemeinnützige und gewerbli-
che Anbieter.
Der Antrag erwartet, dass die Vergünstigungen auch Nachfragezunahmen erzeugen kön-
nen; vor dem Hintergrund dieser Annahme soll sich daher, soweit Anbieter Ausgleichszah-
lungen für eingeräumte Preisvorteile erwarten, deren Umfang nicht allein an der Differenz
zwischen regulärem und ermäßigtem Preis pro Stück bemessen, sondern ggf. auch Um-
satzzuwächsen aufgrund der Vergünstigung Rechnung tragen.
2.3 Finanzielle Auswirkungen
Über die erforderlichen Mittelbedarfe lassen sich erst auf der Basis der konkreten Produkte,
deren Inanspruchnahme vergünstigt werden soll, präzise Aussagen treffen. Der ausgaben-
trächtigste Posten des ehemaligen Münster-Passes betraf Transferzahlungen an die Ver-
kehrsbetriebe im Zusammenhang mit Vergüns tigungen einzelner Tarifangebote im ÖPNV
(9 Uhr-Karte, FUN-Karte); welche konkreten ÖPNV-Angebote im Rahmen des neuen
Münster-Passes ermäßigt bereitgestellt werden können, ist insbesondere abhängig von
den Vertriebsmöglichkeiten, der (möglichst einfachen) Zugänglichkeit des Angebots für die
Berechtigten sowie dem Dispositionsrahmen im Hinblick auf Ausgleichszahlungen bei einer
Vergünstigung von mindestens 50 % und gegebenem Budget. In die Überlegungen wird die
Verwaltung auch Konzepte und Erfahrungen anderer Kommunen (z. B. Stadt Köln, Kreis
Unna) einbeziehen Die konkreten Angebotsvergünstigungen im ÖPNV und in den anderen
1 Bundesagentur für Arbeit: Report für Kreise und kreisfreie Städte Münster, Stadt (05515), Dezember
2009 (Zeitreihe [2]), Berichtsmonat Dezember 2009 (Leistungsdaten sind vorläufig);
http://www.pub.arbeitsagentur.de/hst/services/statistik/200912/iiia6/kreisreport/he_kr_05515.xls, ge-
sehen am 06.04.2010
2 Nur Leistungen außerhalb von Einrichtungen in Zuständigkeit der Stadt Münster, Quelle: Sozialamt,
Stand: 31.12.2009; dazu kommen 295 Personen, die Ende 2009 Leistungen zum Lebensunterhalt in
Einrichtungen erhalten haben. Weitere 95 Pe rsonen waren am 31.12.2009 auf Hilfe zum Lebensun-
terhalt außerhalb, weitere 71 Personen auf Leistungen zum Lebensunterhalt in Einrichtungen jeweils
in Zuständigkeit des überörtlichen Trägers angewiesen.
3 Quelle: Sozialamt, Stand: 31.12.2009
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Angebotsbereichen wird das Programmkonzept vorstellen, das auch über die dazu erwarte-
ten Mittelbedarfe Auskunft geben wird.
3. Verfahrensempfehlung
Die Verwaltung hat bereits erste Verhandlungen aufgenommen, um mögliche Vergünsti-
gungen für den angesprochenen Berechtigtenkreis und damit verbundene Konditionen zu
sondieren. Über die konkreten Vergünstigungen, die der Münster-Pass jedenfalls zum
01.09.2010 eröffnen wird, die damit einhergehenden Mittelbedarfe und den Vertrieb des
Passes wird eine gesonderte Vorlage (Programmkonzept) informieren, die die Verwaltung
dem Rat vor den Sommerferien 2010 präsentieren wird. Auch die weiteren Vorschläge des
Antrags (Aufforderung des Landes zur Mitfinanzierung eines Sozialtickets, wissenschaftli-
che Begleitung des Programms) werden in diesem Rahmen erörtert.
In Vertretung
gez.
Paal
Stadtrat
Anlage: Antrag der SPD-Fraktion, Fraktion Bündnuis 90/Die Grünen/GAL, Fraktion DIE LIN-
KE., Ratsgruppe UWG/ödp, Ratsherr Langenfeld an den Rat A-R/0021/2010
Beratungsverlauf (1)
Beschluss: mehrheitlich geändert beschlossen
Zur SitzungDetails
- Vorlagen-Nr.
- V/0278/2010
- Typ
- Vorlagen
- Datum
- 06.04.2010
- Erstellt
- 06.10.2020 14:37