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A-R/0027/2006

11-Punkte-Programm 'Münsteraner Brennpunktschulen'

Antrag an den Rat 15.08.2006

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Nächste Beratung: Rat, Sitzung am 23.08.2006, TOP 30.2

Originalantrag

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Originalantrag

6089 Zeichen

Fraktion Bündnis 90/Die Grünen/GAL                                                        Antrag Nr.: A-R/0027/2006 
im Rat der Stadt Münster 
 
 
1 
 
 
 
 
 
 
„Wer PISA nicht hören wollte, muss Rütli fühlen.“  (Friedrich 
Küppersbusch) 
 
 
„Brennpunktschulen“ sind Vorzeigeschulen. Dieser lapidare Satz gilt auch 
für Münster. Brennpunktschulen (BPS) leisten eine vorbildliche 
pädagogische Arbeit, die in den Schulprogrammen für die Öffentlichkeit 
erkennbar niedergelegt ist. Vielen Schulen gelingt es ausgezeichnet, die 
soziale und ethnische Heterogenität ihrer Schülerschaft als Reichtum zu 
verstehen und dieses Potential so erfolgreich in Wert zu setzen, dass die 
Schulen gezielt auch von deutschen Eltern nachgefragt werden. Die 
Heterogenität des Brennpunkts wird als herausragende und bereichernde 
Qualität der Schule wahrgenommen. 
 
Gleichzeitig nehmen die Münsteraner BPS das Primat der 
Gleichbehandlung von Schulen als systematische Benachteiligung wahr, 
die nicht hinnehmbar ist. Vielmehr haben die BPS Anspruch auf eine 
herausgehobene Aufmerksamkeit der Stadtgesellschaft, auf ihre 
„Ungleichbehandlung“, die sich notwendigerweise auch in 
haushaltsrelevanten Entscheidungen niederschlagen muss.  
 
Nach den Ereignissen in und um die Berliner Rütli-Schule war die 
Erleichterung in der Münsteraner Politik- und Presselandschaft darüber, 
dass hier zum Glück etwas Derartiges undenkbar sei, unüberhörbar. Diese 
„Entwarnung“ stieß hingegen in einigen Stadtteilen und den dortigen 
Schulen auf völliges Unverständnis. Auch im beschaulichen Münster gibt 
es Warnsignale, die gerade in schwierigen Haushaltszeiten gerne 
übersehen werden: 
 
• Einen diskriminierungsfreien von Chancengleichheit  geprägten 
Zugang zu Bildung gibt es auch in Münster nicht. 
• Haupt- und FörderschulabgängerInnen leiden unter i hrer 
Perspektivlosigkeit; bundesweit liegt die Arbeitslosenquote von 
Männern im erwerbsfähigen Alter ohne mittlere Reife inzwischen 
bei 26,2 %. 
• Schulleitungen und Kollegien nähern sich bedrohlic h dem Zustand 
der Resignation, das Burn-out-Syndrom wird zum 
Alltagsphänomen. 
Bündnis 90/Die Grünen/GAL  
Ratsfraktion Münster 
 
Bremer Str. 54 
48155 Münster 
 
Fon: 0251 / 8 99 58 10 
Fax: 0251 / 8 99 58 15 
gruene.ratsfraktion@muenster.de 
www.gruene -muenster.de 
Antrag  
 
„11-Punkte-Programm 'Münsteraner 
Brennpunktschulen'“
 
14.06.2006

2 
• Für Roma- und andere „Brennpunktkinder“ gibt es nu r die 
realistische Alternative Haupt- oder Sonder- /Förderschule. 
• Kinder und Jugendliche aus „bildungsfernen“ Schich ten verweigern 
den Schulbesuch. 
• Hemmschwellen zur Gewalttätigkeit sinken bedrohlic h. 
• Bandenbildung und Kleinkriminalität sind bereits e in 
Grundschulphänomen, Diebstähle nicht selten. 
• Kinder und Jugendliche kommen morgens ohne Frühstü ck zur 
Schule. 
• Das Elternengagement ist unterdurchschnittlich. 
 
In Münster gibt es zudem die Eigenart, das deutliche Benennen von 
Fehlentwicklungen in Stadtteilen und Schulen zu vermeiden. Der Begriff 
„Brennpunkt“ gehört inzwischen zum allgemeinen Sprachgebrauch, ist 
aber gleichzeitig verpönt. Wohnviertel, Stadtteile und Schulen fürchten 
Stigmatisierungen, letztere wegen des zu erwartenden Anmeldeschwunds. 
 
Das folgende Handlungsprogramm soll weder stigmatisieren noch 
Klischees verfestigen, es soll vielmehr Wege weisen aus problematischen 
Entwicklungen, die sicher noch weit entfernt sind von Neuköllner 
Verhältnissen. Signale, die in diese Richtung deuten, gibt es allerdings 
auch hier. Gleichzeitig liegen in den Strukturvorschlägen auch 
Sparpotentiale, die, auch wenn sie nicht Anlass des Antrags sind, nicht zu 
unterschätzen sein werden. 
 
 
Der Rat möge beschließen:  
 
Allgemeine Korrekturmaßnahmen: 
 
1. Alle Brennpunktschulen werden ab sofort ausnahms los aus allen 
Sparprogrammen ausgenommen.  
 
Fortbildungen: 
 
2. Die BPS erhalten einen eigenen erhöhten Fortbild ungsetat für die 
Qualifizierung aller pädagogischen und nichtpädagogischen 
Professionen. 
 
Schulverwaltungen und Transporte: 
 
3. Verwaltungsarbeiten und Hausdienste werden quant itativ 
aufgewertet. 
4. Die Schülerbeförderung an den Förderschulen verb leibt ungekürzt 
auf dem bisherigen Niveau. 
 
Schulformbezogene Strukturvorschläge: 
 
5. Zunächst in den Grundschulen Berg Fidel, Kinderh aus-West und 
die Norbertschule, später in weiteren BPS wird die 
schulgebundene Sozialarbeit eine feste, dauerhafte Einrichtung. 
6. Die BPS werden bevorzugt in Ganztagsschulen umge wandelt.

3 
7. Politik und Verwaltung unternehmen besondere Ans trengungen zur 
Qualitätssicherung und –verbesserung der Offenen Ganztags. 
8. Die Verwaltung erarbeitet ein Handlungskonzept m it dem Ziel der 
Zusammenlegung von nahe beieinander liegenden Grundschulen 
unter einem einheitlichen pädagogischen Konzept. 
9. Die Verwaltung erarbeitet einen Verfahrensvorsch lag zur 
vollständigen Profanation der BPS. 
10. Die Verwaltung prüft die Möglichkeit zur Schließung geringzügiger 
Hauptschulen bzw. ihrer Zusammenführung mit Realschulen. 
 
Kooperation Jugendhilfe und Schule  
11. In stadtteilbezogenen Handlungsprogrammen muss der Förderung 
von Vernetzung und Kooperation zwischen den genannten Schulen 
und Einrichtungen der Kinder- und Jugendarbeit/-hilfe sowie 
weiteren relevanten Akteursgruppen eine besondere Bedeutung 
beigemessen werden. Eine kooperative Angebotserbringung 
erhöht Umfang und Qualität der Bildungs- und Freizeitangebote für 
Kinder und Jugendliche. Schule kann dann zu einem 
Kristallisationspunkt des Lebens im Stadtteil werden. Die 
Aktivitäten setzen genau dort an, wo sich Benachteiligung zuerst 
manifestiert: in den unterschiedlichen Bildungschancen 
unterschiedlicher sozialer Gruppen. Eine „offene Schule“ bietet 
mehr Chancengleichheit.  
 
 
 
gez. Manfred Kehr 
gez. Helga Bennink 
gez. Wilhelm Breitenbach 
gez. Christof Hoffmann 
gez. Hery Klas 
gez. Maria Klein-Schmeink 
gez. Jutta Möllers 
gez. Jörn Möltgen 
gez. Carsten Peters 
gez. Tim Rohleder 
gez. Ilse Schleef 
gez. Claudia Scholz 
gez. Dr. Rita Stein-Redent 
gez. Brigitte von Schoenebeck

Beratungsverlauf (1)

23.08.2006 Rat
TOP 30.2 Antrag Entscheidung

Beschluss: verwiesen

Zur Sitzung

Orte (1)

  • Bremer Straße 54

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Details

Vorlagen-Nr.
A-R/0027/2006
Typ
Antrag an den Rat
Datum
15.08.2006
Erstellt
06.10.2020 14:37