2372/2024
"Modernes Frischezentrum bzw. Food Hub", hier: Nutzungskonzept
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Anlage 1: Nutzungskonzept Modernes Frischezenrum bzw. Food Hub (Abschlussbericht) zur Vorlage 2372-2024
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Nutzungskonzept für ein modernes Frischezentrum bzw. Food Hub - Ernährungscampus Köln Abschlussbericht - Langfassung 30. Juli 2024 AGENDA 1. Auftrag & Methodik 3 2. Executive Summary 8 3. Markt- und Bedarfsanalyse 18 3.1 Situation 18 3.1.1 Ausgangslage in Köln 19 3.1.2 Benchmarking und Food Trends 23 3.1.3 Fazit & Bewertung 31 3.2 Fokus Regionale Erzeugung 32 3.2.1 Absatzplattform Frischzentren 33 3.2.2 Food Hubs – Best Practices 35 3.2.3 Fazit & Bewertung 38 3.3 Potenziale moderner Frischzentren 39 3.3.1 Sortimente und Lieferketten 40 3.3.2 Zielgruppen 47 3.3.3 Beiträge zur Ernährungswende und Resilienz 48 3.3.4 Märkte – Orte der Ernährungsbildung 52 3.3.5 Referenzprojekte und Best Practices 68 3.3.6 Aufbauorganisation 83 3.3.7 Fazit & Bewertung 94 2 4. Nutzungskonzept 95 4.1 Erkenntnisbasis 95 4.1.1 Erkenntnisse aus der Markt- und Bedarfsanalyse 96 4.1.2 Erkenntnisse aus dem Expert*innen-Workshop 97 4.1.3 Zusammenführung der Erkenntnisse 108 4.2 Betreibermodell eines modernen 109 Frischezentrums und Food Hubs 4.3 Flächenkonzept des Frischezentrums Köln 111 4.4 Wirtschaftlichkeitsbetrachtung 123 5. Handlungsempfehlungen 130 1. AUFTRAG & METHODIK 4 1. Auftrag und Methodik Die Verlagerung des Großmarktes Köln beschäftigt seit vielen Jahren Politik, Verwaltung und Händlerschaft. Vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Dynamiken der jüngsten Vergangenheit, verbunden mit den wachsenden Herausforderungen an eine nachhaltige Ernährungsstrategie mit regionaler Prägung wurden wir mit Beschluss des Stadtrates vom 15. Juni 2023 von der Stadt Köln damit beauftragt, ein Nutzungskonzept für ein modernes Frischezentrum für die Metropolregion Köln zu erarbeiten. Das Grundstück nördlich der Toyota-Allee in Köln-Marsdorf bildete hierbei exemplarisch die Planungsgrundlage. Entlang der beauftragten Leistungsbausteine haben wir uns bei der Markt- und Bedarfsanalyse unter (3.) zunächst mit den Ergebnissen zurückliegender Arbeiten befasst, erste Vergleiche angestellt sowie aktuelle Trends aufgezeigt (3.1). Unter 3.2 beleuchten wir die Anforderungen und Potenziale der Einbindung regionaler Erzeugerbetriebe in die Entwicklung eines modernen Frischzentrums, unter Betrachtung und Bewertung von Referenzprojekten. Dass moderne Frischezentren nicht nur Handels- und Veredelungsplattformen von regionalen Erzeugnissen sind, sondern durch vielfältige Sortimentsstrukturen sowie großmarktaffine und zivilgesellschaftliche Angebote überzeugen müssen und sollten, um wettbewerbsfähig zu bleiben, behandeln wir unter 2.3, ebenfalls durch entsprechende nationale und internationale Best Practices unterlegt. Die jeweiligen Analyseergebnisse haben wir einer Bewertung unterzogen. Für die Erarbeitung der Nutzungskonzeption (4.) bilden zunächst die zusammenfassenden Ergebnisse aus der Markt- und Bedarfsanalyse die Grundlage (4.1.1), die mit der Durchführung eines Expert:innen Workshops eine Nachjustierung und Ergänzung erfuhren (4.1.2). 5 1. Auftrag und Methodik Darauf aufbauend haben wir ein mögliches Betreiberformat für ein modernes Frischezentrum entwickelt (4.2), die inhaltlichen und infrastrukturellen Anforderungen in ein modulares Flächenkonzept übersetzt (4.3) und abschließend eine erste Wirtschaftlichkeitsbetrachtung angestellt (4.4). Nicht zuletzt haben wir aus den Arbeitsergebnissen entsprechende Handlungsempfehlungen zur Realisierung des Frischezentrums Köln abgeleitet unter angemessener Berücksichtigung der aktuellen Entwicklungen (5.). In der nachfolgenden Executive Summary (2.) wird ein zusammenfassender Überblick über die Arbeitsergebnisse gegeben. Dem Auftrag entsprechend, haben wir die Leistungen zum ‚Nutzungskonzept für ein modernes Frischezentrum bzw. Food Hub‘ erbracht. Unsere Arbeiten sind mit diesem Bericht – Langfassung - beschrieben, den wir Ihnen hiermit in der finalen Fassung vorlegen. Eine Kurzfassung, die Executive Summary dieser Langfassung, erhalten Sie gesondert. Wir haben unsere Arbeiten am 1. März 2024 begonnen und bis zum 19. Juli 2024 durchgeführt. Infolgedessen berücksichtigt unser Bericht keine Ereignisse und Sach- verhalte, die nach diesem Datum eingetreten sind. Da jeder Teil dieses Dokuments unterschiedliche Aspekte der von uns durchgeführten Arbeiten behandelt, sollte für ein umfassendes Verständnis unserer Feststellungen und Empfehlungen das gesamte Dokument gelesen werden. Dieser Bericht wurde im Auftrag der Stadt Köln ausschließlich zu dem Zweck erstellt, diese bei dem o. g. Projekt zu unterstützen. Er ist für keine anderen Zwecke bestimmt. Das Dokument darf, außer aufgrund zwingender gesetzlicher Vorschriften, Dritten - mit Ausnahme der weiteren am Projekt beteiligten professionellen Berater - nur mit vorheriger schriftlicher Zustimmung der Belius GmbH zur Verfügung gestellt werden, sofern diese anerkennen, dass wir ihnen gegenüber im Hinblick auf die Inhalte dieses Dokuments keinerlei Verantwortung oder Haftung übernehmen. Wir bedanken uns für die angenehme Zusammenarbeit und das entgegengebrachte Vertrauen. 6 1. Auftrag und Methodik Projektstruktur Ratsbeschluss 15.06.2023 „Die Verwaltung wird beauftragt ein Konzept für einen wirtschaftlich tragfähigen sog. Food Hub (Verteilzentrum mit einem Schwerpunkt auf regionale Lebensmittel und gesunde Ernährung) zu erstellen.“ Stakeholder: IHK, Marktakteure (Händlerschaft, IG Großmarkt, Erzeuger, StartUps), Ernährungsrat, Politik, Wissenschaft, weitere Projektgruppe: IX/3: Projektleitung sowie Steuerung Nutzungskonzept KBW: Projektmitarbeit Dezernatsübergreifende Arbeitsgruppe: fachlich involvierte Fachämter (Marktverwaltung, Liegenschaften, Ernährung, Stadtplanung) Lenkungskreis: IX, Herr Haack, VIII, Herr Wolfgramm, KBW, Herr Dr. Janssen (KBW) IX/3, Frau Scherhag-Godlinski Auftragnehmer: Belius GmbH Erarbeitung Nutzungskonzept „Modernes Frischezentrum bzw. Food Hub“ Wirtschaftsausschuss Mitteilung, 16.11. Wirtschaftsausschuss Mitteilung, 18.04. Modernes Frischezentrum / Food Hub Zeitschiene Nutzungskonzept Workshop 26.04.24 Hearing 10.06.24 Fachgespräch 03.06.24 Projektgruppensitzungen laufend Speed- Workshop 19.04. 2. EXECUTIVE SUMMARY 9 2. Executive Summary Nationale und internationale Beispiele zeigen, dass moderne Frischezentren bzw. Food Hubs Handels- und Lebensmittelproduktionsstandort gleichermaßen sind. In den Metropolregionen Deutschlands und Europas sind sie ein zentraler Marktplatz für den Handel mit regionalen Erzeugnissen. Beispiele u. a. aus Hamburg, Berlin, Lissabon, London und Barcelona zeigen ihre Bedeutung und Potenziale bei der Ernährungsbildung. Moderne Frischzentren verstehen sich zunehmend auch als moderne Entwicklungs- und Innovationsplattform für Ernährung, wie das Konzept „Food Cluster Hamburg“ und Beispiele aus London und Mailand zeigen. Diese Aspekte gilt es mitzudenken bei der Neukonzeption des Frischezentrums bzw. Food Hubs Köln. Und nicht zuletzt zeigt diese Studie auf, dass es Organisationsstrukturen braucht, die im Wettbewerb mit Frischeprodukten bestehen, sich weiterentwickeln können, mit einem Höchstmaß an privatwirtschaftlicher Teilhabe, ohne dass die kommunale Steuerung stadtentwicklungspolitisch verloren geht. Dies kann bspw. über die Bereitstellung eines Grundstückes erfolgen (bspw. Erbpacht). 10 2. Executive Summary Anders formuliert: • Moderne Frischezentren bzw. Food Hubs können ein wichtiger Baustein in der urbanen Versorgungslandschaft zur Bündelung großer Bedarfe an Frischeprodukten auch aus dem regionalen Umfeld sein. • Für viele kleinst- und mittelständische Betriebe der Ernährungswirtschaft sind sie das Zentrum ihres unternehmerischen Handelns • Als Vollsortimenter bündeln sie Angebot und Nachfrage und reduzieren damit negative externe Effekte in der Ernährungslogistik. • Als Vollsortimenter sind sie Orte der Vielfalt. Der Stärkung regionaler Produkte, deren Veredelung und Vertrieb kommt hierbei eine besondere Rolle zu • Vor allem internationale Beispiele zeigen ihre Bedeutung in der Ernährungsbildung und in diesem Kontext die Notwendigkeit der hoheitlichen Teilhabe zur Förderung zivilgesellschaftlicher Ziele • Sie sind Standorte für Innovationen in der Ernährungswirtschaft 11 2. Executive Summary Nutzungskonzept Obst & Gemüse ✔ Fleisch & Wurstwaren ✔ Fisch & Meeresfrüchte ✔ Spezialitäten & Feinkost ✔ Milchprodukte ✔ Brot und Backwaren ✔ Convenience ✔ Lebensmittelmanufakturen ✔ Cash & Carry ✔ Start Ups & Food Labs ✔ Forschung und Entwicklung ✔ Ernährungsbildung ✔ Food Hub ✔ Temporäre Endverbrauchermärkte ✔ Veranstaltungen ✔ Für das neue Frischzentrum bzw. den neuen Food Hub in Köln bedeutet das, sich nicht mehr nur als reinen Logistikstandort zu verstehen, sondern als einen Vollversorger mit der Stärkung regionaler Produkte, gesunder Ernährung, etc. und ein Bildungs- und Innovationszentrum der Ernährungswirtschaft. 12 2. Executive Summary Nutzungskonzept Das neue Frischzentrum bzw. der neuen Food Hub in Köln hat das Potenzial, zum ersten Ernährungscampus in Deutschland werden zu können. 13 2. Executive Summary Nutzungskonzept Seine modularen Ausbaustufen, angefangen mit den Modulen „Frischezentrum Klassik“ und „Food Hub“ geben genügend Flexibilität für eine marktgerechte Weiterentwicklung entlang des Themas Ernährung Stufe 1 (Initialisierung) Stufe 3 (Konsolidierung)Stufe 2 (Innovation) • Es entsteht das zweigeschossige Frischezentrum „Klassik“ als Vollsortimenter • Food Hub als Plattform für regionale Produkte • Platz für Veranstaltungen und saisonale, temporäre Märkte • Das Frischezentrum wird zu einem Innovations-, Gründungs- und Bildungslabor der Ernährung • Es entsteht der Ernährungscampus als eigenständige Experimentier-und Kommunikationsplattform • Die Entwicklung ermöglicht die Ansiedlung weitere Betriebe der Ernährungswirtschaft und schafft Raum für marktfähige Innovationen 14 2. Executive Summary Betreibermodell Die zukünftige Betriebsform sollte von einem Höchstmaß an privater Verantwortung geprägt sein. Das heißt konkret, dass die Nutzer:innen des neuen Frischezentrums das für die Errichtung und den Betrieb notwendige Eigenkapital erbringen müssen. Sie übernehmen damit unmittelbar Verantwortung. Dem Betriebsformat der Genossenschaft kommt hierbei eine besondere Bedeutung zu. Sie stärkt die Mitgliederinteressen, ohne dass das Kapital zur alles entscheidenden Stellschraube wird. In die weiterführenden Überlegungen sollte die Inte- gration eines eigenkapitalfördernden strategischen Investors der Ernährungswirtschaft mit angedacht werden, der auf Augenhöhe mit den Nutzer:innen ebenfalls wirtschaftliche Verantwortung übernehmen würde. Frischezentren werden ob ihrer Größe stadtentwicklungspolitisch relevant bleiben, flankiert von der wachsenden gesell- schaftlichen Bedeutung der Ernährungspolitik. Aus diesem Grunde sollte die Stadt Köln ihren Einfluss auf das neue Frischzentrum erhalten. Als Eigentümerin der Grundstücke in Marsdorf stehen bestmögliche Steuerungsinstrumente zur Verfügung (z.B. über Erbpacht), die ggf. als eigenkapitalstärkende Werte in die Betreibergesellschaft eingebracht werden könnten. Und nicht zuletzt ist je nach Ausprägung des Themas „Food Hub“ eine angemessene zivilgesellschaftliche Beteiligung denkbar. Das Frischzentrum bzw. der Food Hub könnte sich auf diese Weise zu einem breit getragenen Format entwickeln. Frischezentrum/ Food Hub Köln Unternehmer:innengenossenschaft Zivilgesellschaft Frischezentrum Stadt Köln Eigenkapital Errichtung und Betrieb Grundstück Land Nordrhein Westfalen Fördermittel Nutzer:innen Eigenkapital Investor:innen Eigenkapital 15 2. Executive Summary Wirtschaftlichkeit Bei zweigeschossiger Bauweise ließe sich auf dem nördlichen Teil des Grundstücks an der Toyota-Allee eine Nutzfläche von rund 49.000 m2 erreichen. Nach erster und grober Schätzung wäre mit einem Investitionsvolumen von rund 140 Mio. € zu rechnen. Bei einer 20%igen Eigenkapitalquote wären rund 28,0 Mio. € einzubringen, was ca. 570 € je m2 Nutzfläche entspricht. Darüber hinaus wären durch die Nutzer:innen Investitionen für die Mietereinbauten zu erbringen. Bei den in dieser Studie angestellten Betrachtungen ergäbe sich im Mittel eine Nettokaltmiete in Höhe von rund 19 € je m2. Sie bewegt sich damit im üblichen Rahmen realisierter und aktuell geplanter Neubau- vorhaben im Hinblick auf die Spezialimmobilie Frischezentrum, bspw. Frankfurt, München und Berlin. Betreibergesellschaft Frischezentrum Köln Haftungskapital: 27,7 Mio. € (20%) Fremdkapital: 110,6 Mio. € (80%) Gesamtkapital: 138,3 Mio. € Nutzer:innen Mietkorridor 17,10€ - 18,90€ - 20,60€ Eigenkapital Nutzer:innen Investor:innen 27,4 Mio. € (570 €/ qm Nutzfläche) 16 2. Executive Summary Handlungsempfehlungen Aus den Arbeitsergebnissen werden folgende Handlungsempfehlungen abgeleitet: → Die eindeutige Identifizierung des Projektgrundstückes als Basis für die Aufnahme konkreter Planungen → Die Referenzflächen in Marsdorf bieten aufgrund ihrer Lage und ihres Zuschnitts gute Bedingungen zur Planung und Umsetzung eines Frischezentrums bzw. Food Hubs. Demnach sollte zügig Baurecht geschaffen werden. → Zudem könnte eine unmittelbare Umsetzung der Angebotsplanung den Planungs- und Umsetzungsprozess beschleunigen. → Damit verbunden und im Schulterschluss mit Vertreter:innen der Händlerschaft und des Ernährungsrates sollte die Stadtverwaltung umgehend eine entscheidungsvorbereitende Projekt- und Planungskommission schaffen. → Ermittlung der tatsächlichen Flächenbedarfe der heutigen Bestandsmieter und Durchführung einer Marktrecherche mit Blick auf die Sortimentserweiterung. → Angesichts der derzeit zum 31.12.2025 endenden Nutzungsverhältnisse auf dem bestehenden Großmarkt sollte dieses Gremium schnellstmöglich ein verbindliches und tragfähiges Übergangsszenario erarbeiten und verbindlich verabreden. → Das Übergangsszenario sollte mit der Planung und dem Bau des Frischezentrums sinnhaft und effizient verzahnt werden. → Mit Blick auf die Etablierung eines Food Hubs sollte die Planung im Sinne eines innovativen Verbundprojektes erfolgen (Parkstadt Süd <-> Frischezentrum Köln <-> Einzelhandelsmarkthalle). Die derzeitige Großmarkthalle könnte als Bindeglied zum neuen modernen Frischezentrum bzw. Food Hub mitgedacht werden (Vermarktung regionaler Produkte, Markt, Ernährungsbildung, etc.). 17 2. Executive Summary Handlungsempfehlungen → Aktivierung und Stabilisierung des Planungsprozesses durch Werkstätten von Dezember 2024 bis Juni 2025 Vergabe Projektbegleitung und Zuschlag (Verfahrensdauer zu berücksichtigen) 1. Werkstatt - Projektinitialisierung Entwicklung der Projekt- und Entscheidungsstruktur, der Road Map, des Terminplans, Festlegung von Meilensteinen; 2. Werkstatt - Betreiberschaft Entwicklung eines tragfähigen Betreiber- und Investorenmodells unter Einbindung von potenziellen Projektpartner:innen 3. Werkstatt - Übergangsszenario Erarbeitung eines verbindlichen Übergangsszenarios 4. Werkstatt - Konkretisierung Narrativ und Nutzung Vertiefung/ Konkretisierung des Narrativs für das neue Frischzentrum Köln und des Nutzungskonzeptes entlang des erhobenen Flächenbedarfs 5. Werkstatt -Projektentwicklung Konkretisierung der Projektplanung (Infrastruktur, Logistik, Architektur) in Zusammenarbeit mit einem externen Planungsbüro 6. Werkstatt -Geschäftsplanung Erarbeitung der Geschäftsplanung entlang der Projektplanung und der Nutzungskonzeption Dezember 24 bis Juni 25 3. MARKT- UND BEDARFSANALYSE 3.1 SITUATION Planung Köln – Marsdorf (2013) In Zusammenarbeit mit der Händlerschaft Empfehlung eines Frischzentrums mit Vollsortiment Mit Blick auf den komplizierten Grundstückszuschnitt südlich der Toyota- Allee wurde die Kamm-Variante als Vorzugskonzept gemeinschaftlich erarbeitet • Rund 67.000 qm BGF • Flächenzuordnung − 53% Obst und Gemüse/ Lager − 30% Fisch, Fleisch, Convenience, MoPro und Spezialitäten − 7% Erzeuger- und Bioprodukte − 10% Dienstleistungen Quelle: Studie DU Diedrichs Projektmanagement 19 3.1 Situation 3.1.1 Ausgangslage in Köln Planung Köln – Marsdorf (2021) Masterplanung für das Grundstück südlich der Toyota-Allee unter Beteiligung der Händlerschaft Auf der Grundlage mehrerer Studien und diverser Zusammenkünfte entstand eine von allen Beteiligten akzeptierte Masterplanung: • Funktionsbereiche: Markthalle, Lager/Logistik und Verwaltung • Nutzfläche: ca. 50.000 qm • Großzügige Planung von Stell- plätzen für Kunden und den Anlieferungsverkehr • Keine genaueren Angaben zur Sortiments-/ Angebotsstruktur 20 Quelle: Architektei GmbH, Köln 3.1 Situation 3.1.1 Ausgangslage in Köln KammH FZ Frankfurt Arena Planung Köln- Marsdorf (2021/22) Vor dem Hintergrund der Verlagerung des Frischezentrum gemäß Ratsbeschluss vom 15.12.2021 auf das nördliche Grundstück an der Toyota-Allee wurden vier Varianten zur Vorbereitung eines Workshops mit den Händler:innen des Großmarktes erarbeitet*),… 21 *) Teilnehmende: Herr Montaner Reinhardt, Herr Prof. Dr. Müller-Wiedenhorn, Herr Rieke (Händlerschaft), Frau Thurow, Frau Kötterheinrich (Stadtplanungsamt), Herr Möller-Wimberg (Marktverwaltung), Herr Foidl (Belius GmbH), Herr Willhausen (Willhausen Consulting) 3.1 Situation 3.1.1 Ausgangslage in Köln … die am 02.02.2022 analysiert, diskutiert und weiterentwickelt wurden 22 Vorschlag Belius/WC: Zweigeschossiges H Flächen BGF EG: 60.000 qm BGF OG: 10.000 qm 70.000 qm Bedarf 68.000 qm 3.1 Situation 3.1.1 Ausgangslage in Köln • Es gibt mehr Bewerber:innen als Platz • Die Fläche ist zu klein • Keine Erweiterungsmöglichkeiten • Keine Entwicklungspotenziale für neu Sortimente, Erzeugerbetriebe, Bioprodukte, Start Ups, Innovationen, Dienstleistungen • Folge: Es bräuchte ein Auswahlverfahren Großmärkte entwickeln sich seit ca. 10-20 Jahren tendenziell zu Vollsortimentern, insbesondere in den Metropolregionen, um mit einem attraktiven Sortimentsmix auf Marktveränderungen besser reagieren zu können 23 3.1 Situation 3.1.2 Benchmarking und Food Trends Quelle: Website- und Broschüren-Informationen der Großmärkte, eigene Recherche GRUNDSÄTZLICHES Erreichbarkeit/ City-Nähe + + Hygiene/ Sauberkeit o + Effizientes Wertstoff- und Energiemanagement o + Image/ Erscheinungsbild/ Marketing o + SORTIMENT Breites Sortiment (Vollsortiment, Hardware) o + One-Stop-Shopping o + Regionale Produkte/ Spezialitäten - + Internationale Produkte/ Spezialitäten + + Händlervielfalt o + Lebensmittelmanufakturen - + VERTRIEBSSYMBIOSEN Maximierung Clustereffekt o + Erschließung neuer Kundenpotenziale o + Großmarkt Köln FZ/Food Hub In seiner heutigen Struktur ist der Kölner Großmarkt nicht wettbewerbsfähig. Er entspricht nicht den zukünftigen Anforderungen an ein modernes Frischezentrum. 24 3.1 Situation 3.1.2 Benchmarking und Food Trends INFRASTRUKTUR Multifunktionale Halle/n (Handel, Logistik, Services) - + Rampenplätze/ Andockstationen - + Kundenparkplätze o + Verkehrsführung und -monitoring/ Sicherheit o + nachhaltige Markt- und Infrastruktur (Zertifizierung) o + zukunftsweisendes Mobilitätskonzept - + ERNÄHRUNGSKOMPETENZ Start Ups Food (Reallabor Großmarkt) - o Kompetenzzentrum gesunde Ernährung - + Märkte, Events (B2B, B2C) - + Verkauf an Endverbraucher:innen - o Einbindung in die Stadtgesellschaft - + 25 Großmarkt Köln FZ/Food Hub 3.1 Situation 3.1.2 Benchmarking und Food Trends In seiner heutigen Struktur ist der Kölner Großmarkt nicht wettbewerbsfähig. Er entspricht nicht den zukünftigen Anforderungen an ein modernes Frischezentrum. Geschäftsmodell Plattform Großmarkt äußerst robust • Kritische Infrastruktur | Grenzen der Oligopole im Einzelhandel • zahlreiche Wettbewerbsvorteile: zentrale Standorte | große Flexibilität, Fachkompetenz und Lieferantenbeziehungen der Marktfirmen | ständige Anpassungsfähigkeit an sich ändernde Rahmenbedingungen | freie Beschaffungs- und Absatzstrukturen | Plattform für Erzeuger | Clustereffekt | KMU | Serviceeinrichtungen • Chancen zB: Regionalität, Nachhaltigkeit, Ernährungspolitik, Authentizität • Risiken zB: Konsumverhalten, Wettbewerb/Konzentration, Nachfolge, Personal, Energie, Kosten, Klima Perspektiven der einzelnen Standorte unterschiedlich • Stärken und Schwächen abhängig von: GM-Generation* | Sanierungs- /Modernisierungsstand | Managementanspruch | Einfluss Wettbewerb | Stadtverwaltung, Politik… 3.1 Situation 3.1.2 Benchmarking und Food Trends 26 wettbewerbsfähig, ständige Modernisierung zukünftige Neuentwicklung / Transformation existenzbedroht* vgl. Spachmann, M. / Willhausen, F. (2022): „Entwicklung und Situation der deutschen Großmärkte“; in: Cernigliario, P./Frei, A./Sibani, M. (Hrsg.): „I Mercati Agroalimentari MAA 4.0“, Bozen 2022 Die Großmärkte sind in den vergangenen Jahrzehnten zu Versorgungsspezialisten geworden. Sie schließen die Versorgungslücke zu den Großformen des Lebensmittelgroß- und Einzelhandels. 27 3.1 Situation 3.1.2 Benchmarking und Food Trends Quelle: GFI Deutsche Frischemärkte e.V.; VITAMIN G Factbook - warum Großmärkte unsere Lebensqualität erhöhen, 4. Auflage, Berlin 2024 Quelle: GFI Deutsche Frischemärkte e.V.; VITAMIN G Factbook - warum Großmärkte unsere Lebensqualität erhöhen, 4. Auflage, Berlin 2024 Mit rund 8,0 Mrd. € Umsatz leisten sie eine signifikanten Beitrag in der Wertschöpfungskette des Handels mit frischen Lebensmitteln 28 3.1 Situation 3.1.2 Benchmarking und Food Trends 29 Quelle: Food Report 2024, Hanni Rützler, © Zukunftsinstitut 3.1 Situation 3.1.2 Benchmarking und Food Trends Entwicklungen für Lebensmittel: Produzentinnen, Handel und Gastronomie • Komplexe Zusammenhänge, Parallelen und wechselseitige Beeinflussungen • Food Trend Map bündelt nach thematischen Clustern • Foodtrends als Chance für die Großmärkte verstehen Die überdurchschnittliche Kaufkraft der Metropolregion Köln begünstigt die Ernährungstrends und befördert die Tragfähigkeit eines modernen Frischezentrums 30 3.1 Situation 3.1.2 Benchmarking und Food Trends • Mit Blick auf die Standortfaktoren erfolgreicher deutschsprachiger Frischezentren - insbes. Hamburg, Hannover, Bremen, Duisburg, Essen, Mannheim, Berlin, Leipzig, Nürnberg, Frankfurt, Mannheim, Stuttgart, München (in der Tranformation) und Zürich - zeigt sich, dass der Großmarkt Köln in seiner heutigen Ausprägung nicht wettbewerbsfähig ist. • Umfangreiche Untersuchungen in den Vorjahren haben bereits die Notwendigkeit eines neuen und modernen Frischezentrums aufgezeigt. • Die Erweiterung des Kernsortiments Obst und Gemüse wird als zwingend notwendig erachtet, um im stark umkämpften Wettbewerb mit frischen Lebensmitteln bestehen und auf Marktveränderungen zukunftsorientiert reagieren zu können. • Insbesondere mit Blick auf die Food Trends sollte die regionalen Erzeugerbetriebe in das neue Frischezentrum zu einem wichtigen Nutzungsbaustein werden. • Die Verlagerung des Frischezentrum auf das nördliche Grundstück in Köln-Marsdorf erhöht mit Blick auf die bisherigen Untersuchungen die Spannungen zwischen notwendigem und möglichem Flächenbedarf für einen Vollsortimenter. • Die Ernährungstrends deuten auf Entwicklungsperspektiven hin, die über die reine Versorgungsfunktion der Großmärkte hinausgehen können. Moderne Frischezentren haben das Potenzial, zu multifunktionalen Standorten der Ernährungswirtschaft zu werden. 31 3.1 Situation 3.1.3 Fazit und Bewertung 3. MARKT- UND BEDARFSANALYSE 3.2 FOKUS REGIONALE ERZEUGUNG Ebene 1: Verkaufsplattform Die Ware geht an Großhandel, Einzelhandel und Gastronomie und sichert die notwen- dige Angebotsbreite der Abnehmer. Dank der Sortimentsvielfalt und des breiten Marktgeschehens bietet der Großmarkt die Funktion eines Preisbarometers für alle am Handel beteiligten Firmen. Regionale Produkte erzielen dabei erfahrungsgemäß höhere Erlöse als importierte Ware. Ebene 2: Kooperation Großmärkte fördern durch Kooperationen, Initiativen und Marketingaktionen im ungebundenen Einzelhandel die Attraktivität von Wochenmärkten. Diese sind neben den Bauernmärkten der wichtigste Absatzkanal für selbstvermarktende Erzeuger aus einer Region. Ebene 3: Information Drittens nutzen die Großmärkte ihre zentrale Position in der Wertschöpfungskette für frische Lebensmittel. Sie sind zentrale Informations- und Know-how-Schnittstellen zu Erzeugern, Großhändlern und Einzelhändlern sowie zu den Verbänden der Marktpartner. Die Zusammenführung aller Beteiligten zu gemeinsamen Aktivitäten unter Beteiligung von Großmärkten ist zielführend. Großmärkte/ Frischzentren fördern die Vermarktung regionaler Produkte 33 3.2 Fokus regionale Erzeugung 3.2.1 Absatzplattform Frischezentren Auf vielen Großmärkten/Frischzentren sind regionale Erzeugnisse ein fester Sortimentsbestandteil 34 3.2 Fokus regionale Erzeugung 3.2.1 Absatzplattform Frischezentren Stuttgart München Zürich Hannover Hamburg • Es gibt nicht die eine Definition für einen Food Hub: Sie bedarf konkreter Bedarfe und örtlicher Bezüge • Gemeinsame Werte in Bezug auf Erhaltung, Nachhaltigkeit, Zugang der Bürger:innen zu gesunden Lebensmitteln und Unterstützung lokaler Landwirte • Ziel: Stärkung und Ausbau regionaler Wertschöpfungsketten durch neue Vertriebsmöglichkeiten, um kleinen und mittleren Produzenten Zugang zu größeren oder zusätzlichen Märkten zu verschaffen • Aufgabenspektrum: Pooling/Aggregation, Aufkauf/Zwischenhandel, Lagerung, Transport, Vermarktung, Stellung Produktionsstrukturen (bspw. Großküchen), Marketing und Vertrieb, Identitätsbildung, Ausbildung/ Aufklärung (bspw. Programme wie Farm to School, Community Education) • Arten: F2C | F2B | Hybrid • Herausforderungen von Food Hubs: Geeignetes Betreibermodell | Sichere Finanzierung | Handhabung von Angebot und Nachfrageschwankungen | kritische Menge an Akteuren (Erzeuger:innen und Kund:innen) | Organisa-tion und Personal | Balance zwischen einer positiven Wirtschaftlichkeit und dem Ziel, die sozialen Aspekte zu fördern Food Hubs: Ein neuer Baustein moderner Frischzentren zur Vermarktung regionaler Produkte 35 3.2 Fokus regionale Erzeugung 3.2.2 Food Hubs – Best Practices Quellen: eigene Recherchen, u.a. Alina Weltle (2022): Ein Food Hub für Frankfurt? Eine Studie aus Sicht der Außer-Haus-Verpflegung anhand von Best-Practice Beispielen aus den USA und Kanada; Masterarbeit Hochschule Fulda, https://www.hs-fulda.de/forschen/forschungseinrichtungen/wissenschaftliche-zentren- und-forschungsverbuende/holm/forschen/logregio-regionale-produkte-fuer-die-stadt-1/chancen-und-herausforderungen-regionaler-food-supply-chains-1-1 Prof. Armin Wieck, Freiburg • 110 Betriebe aus den 7 italienischen Regionen - Emilia - Romagna, Sizilien, Kalabrien, Apulien, Latium, Venetien, Lombardei gewährleisten konstante Qualität, Lebensmittelsicherheit, lokale Kultur und Rückverfolgbarkeit mit einer direkten Beziehung zum Markt • Standort: CAAB-Großmarkt • Vermarktung über 2 B2B- Plattformen: Kettenhandel, traditioneller Handel • B2C E-/Commerce-Plattform/ Liefer- service: Localtoyou - Ernte, Verpackung und Auslieferung am selben Tag • Eigene Marken für die Produkte Food Hub auf Großmärkten – Agribologna-Consorzio, Bologna 36 3.2 Fokus regionale Erzeugung 3.2.2 Food Hubs – Best Practices Food Hub – Märkte in Barcelona „Green Trade“ 37 3.2 Fokus regionale Erzeugung 3.2.2 Food Hubs – Best Practices • Green Comerce • Ein Gemeinschaftsprogramm vom Barcelona Municipal Institute of Markets (IMMB), dem Kommissar für Sozial- und Solidarwirtschaft und Ernährungspolitik des Stadtrats von Barcelona und der Federation of Municipal Markets of Barcelona (FEMM) • Öffentliche Förderung regionaler Erzeugerprodukte über die Märkte in Barcelona • Zielstellung • Allen Einwohnern den einfachen Zugang zu nachhaltigen Lebensmitteln zu erleichtern, bei Schaffung eines Mehrwertes für die städtischen Märkte • Beitrag zur Reduzierung des CO2-Fußabdrucks und zur Bekämpfung des Klimanotstands • Diese Initiative startete 2021 als Pilotprojekt auf sechs städtischen Märkten (Concepció, Llibertat, Sarrià, Ninot, Sants und Horta) und wurde inzwischen auf alle Lebensmittelmärkte der Stadt ausgeweitet; 619 von 1.105 teilnahmeberechtigten Betriebe sind gelistet. • Produktschwerpunkte: Fleisch, Fisch, Obst- und Gemüse • Mit der Neukonzeption des Frischzentrums Köln sollten regionale Produkte eine Stärkung erfahren • Die Kombination Frischezentrum und Food Hub ist in Deutschland noch nicht etabliert • Die Integration von Food Hubs in das Nutzungskonzept des neuen Frischezentrums würde die Marktteilnehmenden enger zusammenführen: Es entsteht wieder mehr Nähe zu zentralen Fragen der Ernährung • Betreibermodell und Businessplanung sind Schlüsselfaktoren von Food Hubs. Der Food Hub Köln käme einem Start Up gleich, das im Erfolgsfall hochskaliert werden könnte • Über den Warenverkehr hinausgehende Kontexte könnten mitgedacht werden,, bspw. “House of Foods”, staatliche und private Programme/ Initiativen, Netzwerke (z.B Regionalbewegung) • Frischezentrum Köln: Ständiges Forum, Show- und Shopping-Room für regionale Lebensmittel • Die Best Practices zeigen, dass gezieltes Marketing zur Stärkung des Bewusstseins und des Absatzes beiträgt 38 3.2 Fokus regionale Erzeugung 3.2.3 Fazit & Bewertung Impressionen: Newcomers Area, INTERNORGA Hamburg 3. MARKT- UND BEDARFSANALYSE 3.3 POTENZIALE MODERNER FRISCHEZENTREN Moderne Frischezentren entwickeln sich zu kompetenten Vollsortimentern mit einem breiten großmarktaffinen Dienstleistungsangebot 40 3.3 Potenziale moderner Frischezentren 3.3.1 Sortimente und Lieferketten Lebensmittel • Obst, Gemüse, Südfrüchte • Fisch & Meeresfrüchte • Geflügel, Wild & Eier • Fleisch & Wurstwaren • Molkereiprodukte • Backwaren • Getränke • Feinkost/Spezialitäten • Ethno-Food • Convenience / Fresh-Cut • Trockenwaren • Sonstige Lebensmittel Non-Food • Blumen & Pflanzen • Verpackungen • Hardware, z.B. Bedarfsartikel und Technik (bspw. für Fleischereien, Gastronomen) Dienstleistungen • Wertstoffmanagement (Entsorgung, Recycling) • Gebäude-/Flächendienste (Reinigung, Winterdienst) • Pfandkistenstation (Sammlung, Reinigung, Tausch) • Servicebetriebe für Flurförderzeuge • Labore für Lebensmittelanalysen • Gaststätten/Kioske • Dienst-/Geschäftsstellen von Ämtern und Verbänden • Handelsagenturen • Selbstversorgungsgrad − Obst: 23% − Gemüse 36% • Klimatisch bedingt bestehen lediglich überschaubare Verbesserungspotenziale. • Zudem wirken Flächenkonkurrenzen in der Landwirtschaft veränderungshemmend. • Deutschland ist in diesen Produktbereichen überwiegend von Importen insbesondere aus dem südeuropäischen Raum abhängig. Bei Obst und Gemüse ist Deutschland überwiegend auf importierte Produkte angewiesen 41 3.3 Potenziale moderner Frischezentren 3.3.1 Sortimente und Lieferketten Großmärkte sind insbesondere in die Distribution von Frische- produkten eingebunden und stellen in diesem Rahmen den Markt- platz für Erzeuger und Großhandel auf der einen Seite und Lebens- mittelfachhandel, Erzeuger und Gastronomie/ Großverbraucher auf der anderen Seite dar. Darüber hinaus werden auch weitere Kunden wie andere Großhändler oder Kitas/Schulen vom Großhandel bedient. Quelle: IfH Köln, Großmarkt Düsseldorf - Struktur und Enwicklungspotenziale 42 Bedeutung der Großmärkte in der Distributionskette von Obst & Gemüse 3.3 Potenziale moderner Frischezentren 3.3.1 Sortimente und Lieferketten 43 3.3 Potenziale moderner Frischezentren 3.3.1 Sortimente und Lieferketten Bedeutung der Großmärkte in der Distributionskette von Obst & Gemüse 2015 (Quelle: IfH Köln, GFI Deutsche Frischemärkte e.V.) • Auf den Großmärkten wurde in 2015 Obst und Gemüse im Wert von 7,6 Mrd. € umgeschlagen. • Insgesamt realisierten der Fachgroßhandel einen Umsatz von 23,3 Mrd. €. • Daraus errechnet sich ein Einschaltungsgrad der Großmärkte in die Distributionskette von Obst und Gemüse von 32,6%. D.h. etwas mehr als ein Drittel des Obst und Gemüses in Deutschland wurden über die Großmärkte vermarktet. Update 2024 (Quelle: GFI Deutsche Frischemärkte e.V.) • Aktuell liegt der Umschlag der Großmärkte bei rd. 8,0 Mrd. €. • Unter Berücksichtigung des gerade in der Corona-Pandemie verstärkten Handels der Marktfirmen mit dem LEH und des kontinuierlich gestiegenen Auslieferungsgeschäfts wird der Einschaltungsgrad höher geschätzt. Stärken ● Wichtige Plattform für die Frischedistribution in den größeren Städten, mit verkehrsgünstiger Lage ● Einziger zentraler Warenumschlagplatz für Erzeuger, Großhandel, Importeure, Einzelhändler und Gastronomen. ● Stabile Umsatzentwicklung der Marktbetreiber durch auf Marktfirmen und Kunden ausgerichtete Infrastruktur. ● Hohe Distributionsbedeutung in der Kernwaren-gruppe Obst und Gemüse ● Zunehmende Bedeutung als Vollsortimenter ● Spezialist Frischezentrum: hohe Beschaffungsbedeutung für den kleinbetrieblichen Lebensmittelfach-handel, Markthändler und die gehobene Gastronomie. ● Hauptkaufmotive: Qualität und Frische der Produkte ● Direkter Kundenkontakt und Fachberatung schafft stabile Kundenbindung ● Moderne, kontinuierlich entwickelte Standorte führen zu stabilen Zukunftsperspektiven ● Stabiler mengenmäßiger und wertmäßiger Umschlag. Schwächen ● Abnehmende Bedeutung der relevanten Kundengruppen in der Endverbraucherdistribution ● Konzentration auf der Einzelhandelsebene, daher stagnierende bis rückläufige Kundenzahl in den relevanten Segmenten, insbesondere beim institutionellen Markthandel, aber auch beim Fachhandel ● Zunehmende Konzentration auf der Einzelhandelsebene führt zu wachsender Beschaffung über die Großeinkaufsstufen der Filialsysteme im LEH ● Vernachlässigte GM-Standorte (Köln, Düsseldorf, Bielefeld, z.T. Karlsruhe) und deren Erscheinungsbild führen zu Unsicherheit bei den ansässigen Händlern. ● Aufgaben von Handelsbetrieben aufgrund veränderter Wettbewerbssituation, hohe Kosten (Energie), Bürokratie, Personalmangel 44Quelle: Ergänzt in Anlehnung an IfH Köln, Großmarkt Düsseldorf - Struktur und Enwicklungspotenziale 3.3 Potenziale moderner Frischezentren 3.3.1 Sortimente und Lieferketten Chancen ● Krisenstabile Nachfrage der Kunden an Frischprodukten sichert Bestehen. ● Für die typischen Kundengruppen, den Markthandel und kleinbetrieblichen Fachhandel, sind Großmärkte in ihrer Angebotsvielfalt und hochwertigen Frischeprofilierung in Abhängigkeit des täglich wechselnden Marktangebotes konkurrenzlos. ● Die typischen Kundengruppen stehen für ca. 55% der Umsätze, die übrigen 45% werden durch Großhandel, Kitas/Schulen und andere realisiert. ● Nachhaltigkeitsbewusstsein der Verbraucher bietet Umsatz-chancen für die Großmärkte, denn die zunehmende Affinität der Verbraucher vor allem zu regionalen Produkten kann die Position der Großmärkte als „regionalen Umschlagplatz“ stärken. ● Zunehmende Zahl der selbständigen Supermärkte als Kundengruppe, die auch zunehmend regionale Produkte anbieten. Risiken ● Zunehmende Marktbedeutung der Großbetriebsformen des LEH, die auch für regionale Produkte ihre eigenen Vertriebsorganisationen haben, damit Risiko der Verdrängung durch den Wettbewerb. ● Weiter zunehmende Verlagerung der Konsumausgaben der Verbraucher von Grün Indoor zu Outdoor. 45Quelle: tw. in Anlehnung an IfH Köln, Großmarkt Düsseldorf - Struktur und Enwicklungspotenziale 3.3 Potenziale moderner Frischezentren 3.3.1 Sortimente und Lieferketten 46 Weiterentwicklung des Geschäftsmodells Großmarkt in der 4. Generation* 3.3 Potenziale moderner Frischezentren 3.3.1 Sortimente und Lieferketten * vgl. auch Willhausen, F. (2022): „Innovative Perspektiven für die deutschen Großmärkte“; in: Cernigliario, P./Frei, A./Sibani, M. (Hrsg.): „I Mercati Agroalimentari MAA 4.0“, Bozen 2022 • Start Ups im Bereich Lebensmittel und Ernährung • Damit verbundene Kooperationspotenziale mit den klassischen Marktteilnehmern der Frischezentren • Wissenschaft und Forschung • Lebensmitteltechnologie und -produktion • Kleinteilige Lebensmittelmanufakturen (Spezialisten • Aus- und Fortbildung (bspw. Food Labs) • Talentschmiede Frischezentrum • Schaufenster für die Zivilgesellschaft: Regionalität und Ernährung Potenzielle Zielgruppen moderner Frischezentren Food Campus Berlin 47 3.3 Potenziale moderner Frischezentren 3.3.2 Zielgruppen Im Sinne einer nationalen Ernährungsstrategie Plattform für: • Gesundheitsförderliche und nachhaltige Ernährungsumgebung schaffen • Ressourcen- und klimaschonende Ansätze fördern • Ernährungskompetenz – gesunde und nachhaltige Ernährungsmuster fördern Im Sinne einer kommunalen Ernährungswende Plattform für: • Handel, Erzeugung, Lebensmittelhandwerk und Logistik • Ausbildung in der Branche • Kompetenzzentrum Aufklärung und Information Großmärkte und Wochenmärkte sind zentrale Systemplayer 48 3.3 Potenziale moderner Frischezentren 3.3.3 Beiträge zur Ernährungswende und Resilienz Eine erste Bewertung zeigt, dass das Frischezentrum Köln zentrale Aspekte der Ernährungswende flankieren und stärken kann 49 3.3 Potenziale moderner Frischezentren 3.3.3 Beiträge zur Ernährungswende und Resilienz Quelle: Ernährungsrat für Köln und Umgebung / Stadt Köln, Umwelt- und Verbraucherschutzamt: Impulse für die kommunale Ernährungswende - Eine Ernährungsstrategie für Köln und Umgebung – ZUSAMMENFASSUNG, 2019 50 3.3 Potenziale moderner Frischezentren 3.3.3 Beiträge zur Ernährungswende und Resilienz Quelle: United Nations Ergebnisse internationaler Arbeiten: Frischezentren sind bedeutsam für eine widerstandsfähige Versorgung und eine regionale Ernährungssouveränität 51 3.3 Potenziale moderner Frischezentren 3.3.3 Beiträge zur Ernährungswende und Resilienz Stärkung der europäischen Frischezentren durch EU-Resolution 2022/2183(INI) “Gewährleistung der Ernährungssicherheit und der langfristige Widerstandsfähigkeit der EU-Landwirtschaft" EU-Parlament • sieht die Marktfirmen als kritische Einrichtungen an, deren Widerstandsfähigkeit gestärkt werden muss, da sie wesentliche Dienstleistungen erbringen • ordnet Großhandelsmärkte als Unternehmen von öffentlichem Interesse ein, die für große regionale und interregionale Gebiete eine Dienstleistung erbringen, die für die Versorgung der Endverbraucher mit frischen und verderblichen Agrar- und Fischereierzeugnissen und die entsprechende Verteilung unter Sicherung der Qualität und Einhaltung der Gesundheitsnormen unerlässlich ist • weist darauf hin, dass die Großhandelsmärkte während der COVID-19-Pandemie bereits ihre Widerstandsfähigkeit und ihre entscheidende Rolle bei der Sicherstellung der Kontinuität der Lebensmittelversorgung und -verteilung unter Beweis gestellt haben Forderungen • die strategische Bedeutung der logistischen Zentren stärker anzuerkennen, da sie ein integraler und komplementärer Bestandteil der landwirtschaftlichen Primärproduktion sind, ohne den Landwirte, Logistik- und Vertriebsunternehmen nicht in der Lage wären, eine konstante Versorgung zur Deckung des Bedarfs der Verbraucher zu gewährleisten • wichtig, in die Infrastruktur für nachhaltigere Transport- und Lagereinrichtungen für frische landwirtschaftliche Erzeugnisse zu investieren, um die Lebensmittelverschwendung und die Umweltauswirkungen des Sektors zu verringern, wobei der lokalen Produktion und der Null-Kilometer- Produktion stets Vorrang eingeräumt wird Quellen: https://www.europarl.europa.eu/doceo/document/TA-9-2023-0238_DE.html; https://www.europarl.europa.eu/doceo/document/A-9-2023-0185_DE.html Quelle: Fruchthandel Magazin, Heft 26/27, 30.06.2023 | freshplaza 30.06.2023 Ernährung • Ernährung ist eines der Handlungsfelder, das maßgeblich zur Transformation zu einer nachhaltigeren Zukunft beitragen kann. • Neben den gesellschaftlichen Rahmenbedingungen sind es die essenden und konsumierenden Menschen selbst, die zur Erreichung der UN-Nachhaltigkeitsziele beitragen können. • Um den laufenden Transformationsprozess mitgestalten zu können, ist Ernährungsbildung unverzichtbar. • Daraus leiten sich Handlungsempfehlungen für Fachkräfte, Bildungssystem und Politik ab. Ernährungsbildung …. • bedeutet die Befähigung von Menschen, die eigene Ernährung politisch mündig, sozial verantwortlich und demokratisch teilhabend unter komplexen gesellschaftlichen Bedingungen zu entwickeln und zu gestalten • ist immer auch Esskulturbildung, beinhaltet ästhetisch-kulturelle sowie kulinarische Bildungselemente und trägt zur Entwicklung der Kultur des Zusammenlebens bei • hat als Zieldimension die gesundheitsfördernde und nachhaltigere Gestaltung der Ernährung, verbunden mit entsprechenden Konsumkompetenzen. 52 Quelle: Bartsch S, Büning-Fesel M, Johannsen U, Kastrup J, Lührmann P, Oepping A, Rademacher C; Members of the Expert Group “Nutrition Education” of the German Nutrition Society: Nutrition education in the context of sustainable development. Recommendations for professionals, the education system and policymakers. Ernahrungs Umschau 2024; 71(1): 2–9. 3.3 Potenziale moderner Frischezentren 3.3.4 Märkte – Orte der Ernährungsbildung Bedeutung 53 3.3 Potenziale moderner Frischezentren 3.3.4 Märkte – Orte der Ernährungsbildung Bedeutung Plattform und Partner • In vielen europäischen – insbesondere südländischen - Ländern übernehmen Großmärkte, Wochenmärkte/ Bauernmärkte und traditionelle Markthallen gesamtgesellschaftliche Verantwortung für Ernährungsbildung. • Ihre Kompetenzen - Know-how der gesamten Wertschöpfungskette - Warenvielfalt und –qualität - Leidenschaft der Akteure - Markt als sozialer und kultureller Treffpunkt machen die Märkte seit jeher zu authentischen Plattformen und Partner der Ernährungsbildung. • Die Integration des Auftrags „Ernährungsbildung“ in ein modernes Kölner Frischezentrum wäre eine große Chance für eine nachhaltiger Kölner Zukunft. • Ernährungsbildung über Märkte liefert konkrete Beiträge zur Umsetzung der nationalen Ernährungsstrategie und der kommunalen Ernährungswende • Best Practices von Märkten aus Deutschland und Europa liefern Ideen, Impulse, Informationen und Inspirationen 54 Best Practices Deutschland 3.3 Potenziale moderner Frischezentren 3.3.4 Märkte – Orte der Ernährungsbildung Frischezentrum Essen BiF Bildungsstätte im Frischezentrum: Berufskolleg Fleischerhandwerk (Aus- und Fortbildung) Großmärkte Frankfurt, Hamburg, München „Frische-Seminar“ Bildungsplattform DFHV Deutscher Fruchthandelsverband berufsbegleitende Weiterbildungen für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der gesamten Lieferkette Obst und Gemüse 55 3.3 Potenziale moderner Frischezentren 3.3.4 Märkte – Orte der Ernährungsbildung Best Practices Deutschland Der KIMBAexpress Ein alter Eisenbahnwaggon der Deutschen Bahn, umgebaut zu einer Lehrküche Mit Unterstützung des Großhandelsunter- nehmens Keuthmann wird auf dem Berliner Großmarkt im KIMBAexpress gemeinsam mit Schüler:innen gekocht. Zusätzlich zur Lehrküche gibt es ein kleines Labor, in dem Experimente rund um Lebensmittel gemacht werden. Außerdem befindet sich vor dem KIMBAexpress Kräuterbeete, in denen die Kinder und Jugendlichen Petersilie, Kresse, Schnittlauch und Co. pflegen und später ernten. KIMBAexpress ist eine Bildungsinitiative der Berliner Tafel. 56 3.3 Potenziale moderner Frischezentren 3.3.4 Märkte – Orte der Ernährungsbildung Best Practices Deutschland Großmarkt Hamburg Deutsches Zusatzstoffmuseum Zusatzstoffe gehören ins Museum! Was ist eigentlich alles in unserem Essen enthalten? Das Zusatzstoffmuseum klärt auf, hier dreht sich alles um künstliche Zusätze, dessen Funktionen, Herstellung und Risiken und Nebenwirkungen. In der Ausstellung des Museums für Zusatzstoffe lernen Sie die verschiedenen Varianten an Zusatz- stoffen und deren Funktionen genauer kennen. Außerdem erfahren sie welche alltäglichen Produkte eigentlich Zusatzstoffe enthalten und wieso. Außerdem finden Sie hier auch das ein oder andere außergewöhnliche Supermarktregal, statt den fertigen Lebensmittelprodukten sind dort die Zusatzstoffe der jeweiligen Produkte einsortiert. Ein weiteres Highlight ist die Kasse der Zusatzstoffe, durch Scannen der verschiedenen Lebensmittelbarcodes können Sie auf spielerische Art mehr über die verschiedenen Inhaltstoffe erfahren. 57 3.3 Potenziale moderner Frischezentren 3.3.4 Märkte – Orte der Ernährungsbildung Best Practices Deutschland Großmärkte Nürnberg, Hamburg Nächtliche / frühmorgendliche Führungen aller Altersgruppen hinter die Kulissen der Märkte Handel, spannende Informationen und die außergewöhnliche Produktvielfalt erleben 58 3.3 Potenziale moderner Frischezentren 3.3.4 Märkte – Orte der Ernährungsbildung Best Practices Deutschland Leipziger Märkte Kids Marktstand für Vorschulkinder | Kinder sind heute Markthändler “Erlebnislernen draußen” bietet den Kindern eine spannende Möglichkeit, aktiv zu werden und Verantwortung zu übernehmen. Sie lernen nicht nur den Wert von Geld und gesunder Ernährung, sondern erfahren auch, wie sie als Teil der Gesellschaft einen Beitrag leisten können. Durch praktisches Lernen und echte Interaktion mit Kunden entwickeln die Kinder wertvolle Fähigkeiten und können stolz auf ihre Leistungen sein. Vicki Felthaus, Leipzigs Bürgermeisterin für Jugend, Schule und Demokratie bestätigt den pädagogischen Ansatz: „Frühkindliche Bildung braucht solche realitätsnahen Anknüpfungspunkte an die Lebenswelt – auch außerhalb unserer Kindertageseinrichtungen”. 59 3.3 Potenziale moderner Frischezentren 3.3.4 Märkte – Orte der Ernährungsbildung Best Practices Deutschland Kölner Wochenmärkte Bauernmarkt im Zoo „Mer koche met Pänz" ist die erfolgreiche Mitmachaktion der SK Stiftung Kultur, die auf vielen Wochenmärkten unterwegs ist. Immer mit vielen Kindern, immer in Verarbeitung von regionalem Obst und Gemüse, immer mit viel Freude am Teilen der gemeinsam gekochten Speisen. 60 3.3 Potenziale moderner Frischezentren 3.3.4 Märkte – Orte der Ernährungsbildung Best Practices Deutschland Berlin – Markthalle Neun, Wochenmarkt Nach dem Konzept „Anders-Essen“ und „Anders- Einkaufen“ in der Stadt holt die Halle Handel und Herstellung von Lebensmitteln aus der Anonymität heraus und zurück ins urbane Umfeld. In Kochkursen in der „Lernküche“ können Kinder und Jugendliche den bewussten Umgang mit Lebensmitteln erproben, Wissen und Fertigkeiten erwerben. Die Halle bietet Raum für Initiativen aus der Anwohnerschaft und ist eine Plattform für Projekte, die sich kritisch mit den Themen Ernährung, Stadt, Landwirtschaft, Biodiversität und Umwelt auseinandersetzen. Die Halle will nicht zuletzt Impulse geben für das „Wie“ der Lebensmittelversorgung der Stadt und die gesellschaftlich notwendige Debatte über ein zukunftsfähiges und global gerechtes Ernährungssystem. 61 3.3 Potenziale moderner Frischezentren 3.3.4 Märkte – Orte der Ernährungsbildung Best Practices Deutschland Hamburg – Hobenköök Restaurant und Markthalle Die Hobenköök ist der kulinarische Ort im Hamburger Oberhafen. In einem einzigartigen Zusammenspiel aus Restaurant, Markthalle und Catering werden hier regionale, saisonale und bio- zertifizierte Lebensmittel angeboten. Die Halle macht die Region kulinarisch erlebbar. Das Konzept ist europaweit einzigartig. „Wir wollen die richtigen Werte hinterlassen. Wie sagt man so schön: Das Denken bestimmt das Handeln. Deswegen investieren wir viel in Bildungsarbeit bei Kindern und Jugendlichen. Bei unserer „Schnippeldisco“ zeigen wir gemeinsam mit der Stiftung Kinderjahre, wie viel Spaß man beim Kochen mit unseren heimischen und vielfältigen Gemüsesorten haben kann. Wissenswertes und Spannendes wird bei unseren beliebten Markt- Touren und unseren Slow Food Stammtischen und Regionalwert AG Events vermittelt Und auf die Ohren gibt’s unseren nachhaltigen Podcast „Hobenschnack“ mit uns und unseren Produzenten.“ 62 3.3 Potenziale moderner Frischezentren 3.3.4 Märkte – Orte der Ernährungsbildung Best Practices Europa Lissabon Alvalade Markthalle und Wochenmarkt The market becomes a classroom! 'Vamos Todos ao Mercado‘ ist ein Programm zur Ernährungserziehung, das vom Stadtrat von Lissabon gefördert wird, um gesunde Ernährungsgewohnheiten zu fördern und die städtischen Märkte zu beleben. Jeden Tag haben die Kinder auf dem Alvalade Norte Markt die Möglichkeit, die Lebensmittelstände zu besuchen und mehr über die Vielfalt an Obst, Gemüse, Fisch und Fleisch kennenzulernen und zu erfahren, welche Lebensmittel zu einem Teil einer gesunden Ernährung sein sollten. Sie werden auch zu Verkäufern und Kunden auf einem speziell für sie konzipierten Markt. 63 3.3 Potenziale moderner Frischezentren 3.3.4 Märkte – Orte der Ernährungsbildung Barcelona Mercat del Ninot Das gastronomische Klassenzimmer des Marktes | | „Im Mercat del Ninot fördern wir gerne hochwertige Marktküche mit den besten frischen Produkten. Aus diesem Grund haben wir ein gastronomisches Klassenzimmer eingerichtet, in dem wir Kochworkshops für jeden Geschmack, Vorträge und andere Veranstaltungen für Erwachsene und Kinder durchführen.“ Best Practices Europa 64 3.3 Potenziale moderner Frischezentren 3.3.4 Märkte – Orte der Ernährungsbildung Best Practices Europa Barcelona Großmarkt MERCABARNA Aufklärungskampagnen für Kinder, um ihnen gesunde Essgewohnheiten zu vermitteln und das Bewusstsein für Blumen und Pflanzen zu stärken Sommercampus für Kinder aus Familien mit begrenzten Ressourcen Kampagne „Grow Up With Fish“ mit interaktivem Fischzentrum 65 3.3 Potenziale moderner Frischezentren 3.3.4 Märkte – Orte der Ernährungsbildung Best Practices Europa London Borough Market „MARKET EXPLORERS GARDEN - fun and educational hub for primary school children to discover more about food you’ll find at the Market” Osterferien: Angebot einer Reihe pädagogischer Aktivitäten, die Kinder zum Nachdenken über die Lebensmittel anregen sollen, die sie essen. Eigener Raum mit 3 unterhaltsame Stationen für Kinder im Grundschulalter: Greifboxen, Pflanztopf zum Mitnehmen, Kunsthandwerk für Dekoration des Pflanztopfs 66 3.3 Potenziale moderner Frischezentren 3.3.4 Märkte – Orte der Ernährungsbildung Best Practices Europa London Borough Market „MARKET EXPLORERS - fun and educational hub for primary school children to discover more about food you’ll find at the Market” TASTY TUESDAYS – Reise in die Kunst des Essen „Als gemeinnützige Stiftung, die zum Wohle unserer Gemeinschaft tätig ist, glauben wir, dass die Market Explorers Tasty Tuesdays jungen Menschen das Selbstvertrauen geben, ihr eigenes Essen zuzubereiten, und wir einen Raum bieten, in dem sie darüber diskutieren können, wie wichtig es ist, woher unsere Lebensmittel kommen und wie man damit Spaß haben kann! • Workshops für Kinder im Alter von 7 bis 12 Jahren während der Sommerferien • pädagogische Reihe von Koch- und Kunstworkshops für junge, aufstrebende Feinschmecker, die unter der Anleitung einiger der berühmten Händler des Marktes die Leidenschaft für das Kochen wecken sollen. • Vermittlung kulinarischer Fertigkeiten und Förderung der Kreativität in der Küche • Butterschule, Wettbewerb zum Verzieren von Lebkuchen und ein Workshop zur Herstellung von Nudeln, Tonmodellbau-Workshop für kleines Morph-Meisterwerk • Gebühr wird an die führende britische Wohltätigkeitsorganisation für junge Rollstuhlfahrer, Whizz-Kidz, gespendet 67 3.3 Potenziale moderner Frischezentren 3.3.4 Märkte – Orte der Ernährungsbildung Best Practices Europa Barcelona Markets Model Bildungsmaßnahmen und Sensibilisierung „Unsere Märkte sind auch Orte, an denen zahlreiche Solidaritäts- und Sensibilisierungsinitiativen stattfinden. Unsere Händler tragen dazu bei, diese Realitäten zu verbreiten und ein Netz des sozialen Austauschs in der Nachbarschaft zu schaffen.“ Vorschläge zur gesunden Ernährung und zur Entdeckung des Angebots und der Werte der Märkte für unterschiedliche Altersgruppen Programm "Let's eat healthy, let's eat from the market" für Kindergärten, Grundschulen und weiterführende Schulen. Lernprojekte „Märkte an der Haustür“ und „Eat the world“ für Schüler der Sekundarstufe und der Oberstufe. Nachhaltigere Marktprojekte förderm die Einbeziehung nachhaltiger Gewohnheiten in Bezug auf den Lebensmittelkonsum bei Grundschülern. 68 Food Hub Großmarkt Bremen Food Campus Berlin 3.3 Potenziale moderner Frischezentren 3.3.5 Referenzprojekte und Best Practices In Halle 3 auf dem Großmarkt Bremen soll in absehbarer Zeit ein Food Hub für die regionale Gründerszene und für Start-ups im Bereich Lebensmittel und Ernährung entstehen. Die dazuge- hörigen Pläne werden momentan verhandelt. Die Stadtverwaltung steht dieser Zukunftsperspektive besonders positiv gegenüber. Die Synergieeffekte zwischen regionalen Start-ups und den klassischen Großmarktfirmen werden als sehr förderlich für die Entwicklung des Großmarktes gesehen. (www.freshplaza.de) Ein einzigartiges Zentrum für Zukunftsthemen der Ernäh- rungswirtschaft. Auf rund 40.000 qm Nutzfläche entsteht ein Ort, an dem Wissenschaft, Lebensmitteltechnologie und -produktion, Kochkunst, Landwirtschaft und Nahrungsmittel- handwerk, Food- und Tech-Begeisterung zusammenkommen. Hier arbeiten Talente Hand in Hand an Konzepten für die Menschen von heute und die Welt von morgen. Ein Schaufenster für die Welt der zukünftigen Ernährung. (www.artprojekt.de) Quelle: Behörde für Wirtschaft und Innovationen (BWI); Studie zum Aufbau eines Clusters Ernährungswirtschaft (2022) 69 3.3 Potenziale moderner Frischezentren 3.3.5 Referenzprojekte und Best Practices Food Cluster Hamburg 70 3.3 Potenziale moderner Frischezentren 3.3.5 Referenzprojekte und Best Practices Food Cluster Hamburg Quelle: Behörde für Wirtschaft und Innovationen (BWI); Studie zum Aufbau eines Clusters Ernährungswirtschaft (2022) 71 Berlin | Beusselmarkt eG | Konzept Food Area 3.3 Potenziale moderner Frischezentren 3.3.5 Referenzprojekte und Best Practices Großmarkthalle mit allen Sortimenten und Marktfirmen sowie einem Erzeugermarkt | Moderne Infrastruktur mit zentraler (Auslieferungs-)Logistik | Produktionshallen für urbane Agrarflächen: Vertical Farming, pflanzenbasierte Molkerei- und Produkt-alternativen | Zentrum für Wissenschaft, Forschung und Entwicklung sowie Aus und Weiterbildung im Lebensmittel- und Agrarsektor. 72 Zürich | Engrosmarkt | ‚Il tavolo‘ Food Festival 3.3 Potenziale moderner Frischezentren 3.3.5 Referenzprojekte und Best Practices Highlight: il-Mercato-Lunch und il-Mercato-Dinner an der 200 m langen Tafel inmitten des Großmarktes. Züricher Spitzenköche und Gastköche bereiten an verschiedenen Stationen Köstlichkeiten für die Besucher:innen zu – das Obst und Gemüse kommt direkt frisch aus den Ständen der Marktfirmen. 73 GROSSMARKT DER ZUKUNFT – VOM UMSCHLAGSPLATZ ZUM FOOD HUB: Handel, Logistik & Kompetenz für gesundes grünes Leben in der Stadt 3.3 Potenziale moderner Frischezentren 3.3.5 Referenzprojekte und Best Practices 1 1 Bologna 2 Brüssel 3 London 4 Birmingham 5|6 Paris 7 Hamburg 8 Berlin 9 Essen 74 GROSSMARKT DER ZUKUNFT – VOM UMSCHLAGSPLATZ ZUM FOOD HUB: Handel, Logistik & Kompetenz für gesundes grünes Leben in der Stadt 1 2 3 7 8 9 5 64 3.3 Potenziale moderner Frischezentren 3.3.5 Referenzprojekte und Best Practices 1 | 2 Frankfurt 3 Hannover 4 Bremen 75 GROSSMARKT DER ZUKUNFT – VOM UMSCHLAGSPLATZ ZUM FOOD HUB: Handel, Logistik & Kompetenz für gesundes grünes Leben in der Stadt 1 5 6 7 1 2 3 4 3.3 Potenziale moderner Frischezentren 3.3.5 Referenzprojekte und Best Practices 76 Barcelona – MERCABARNA: Der modernste Markt in Spanien 3.3 Potenziale moderner Frischezentren 3.3.5 Referenzprojekte und Best Practices Food Hub of the Mediterranean-Barcelona „Die unschlagbare Lage und die enorme Menge und Vielfalt der täglich transportierten Frischprodukte versetzen MERCABARNA in eine privilegierte Position, um sich als Lebensmittel-Hub von Mediterranean-Barcelona® zu etablieren, als großes mediterranes Zentrum für den Vertrieb frischer Lebensmittel auf internationaler Ebene, aber auch als Referenzraum in Sachen Verwaltung und Betrieb eines Lebensmittelbetriebs (Innovation, Schulung, Umwelt, etc.).“ 77 London – NEW COVENT GARDEN MARKET: Ein neuer Großmarkt mit neuer Vision am alten Standort In London entsteht das Food Quarter - das Zuhause von Lebensmitteln 3.3 Potenziale moderner Frischezentren 3.3.5 Referenzprojekte und Best Practices 78 London – NEW COVENT GARDEN MARKET: Ein neuer Großmarkt mit neuer Vision am alten Standort 3.3 Potenziale moderner Frischezentren 3.3.5 Referenzprojekte und Best Practices Die sechs Zutaten eines modernen Frischezentrums • Großmarkt • Gastronomie-Handel-Produktion • Wochenmarkt • Informationsaustausch • Events • Bildung 79 Mailand FOODY - Modernisierung bis 2025 3.3 Potenziale moderner Frischezentren 3.3.5 Referenzprojekte und Best Practices Foody Mercato Agroalimentare Milano – der erste Großhandelsmarkt in Italien und einer der wichtigsten Märkte in Europa – wird zu einem Agrar- und Lebensmittelzentrum, einem Anziehungspunkt für italienische und internationale Unternehmen und Fachleute in der Agrar- und Lebensmittelversorgungskette und einem Anlaufpunkt für Referenz für Tradition und die Exzellenz des „Made in Italy“ in der Welt. 80 Paris RUNGIS - Der größte Großmarkt der Welt 3.3 Potenziale moderner Frischezentren 3.3.5 Referenzprojekte und Best Practices Kein anderer Großmarkt ist so vernetzt mit der Stadtgesellschaft wie Rungis - hier lebt und zelebriert man gesunde Ernährung, Genuss und Kulinarik mit einer beeindruckenden Präsenz der Akteure Quelle: https://hansekitchen.de/ 81 Food Labs – Experimentier- und Entwicklungsplattformen Food Hanse Kitchen - Bremen 3.3 Potenziale moderner Frischezentren 3.3.5 Referenzprojekte und Best Practices Community Space für Konzepte, Produkte, Rezepturen, Tastings und Vernetzung 82 Food Labs – Experimentier- und Entwicklungsplattformen Food Foodlab Hamburg 3.3 Potenziale moderner Frischezentren 3.3.5 Referenzprojekte und Best Practices Community Space für Konzepte, Produkte, Rezepturen, Tastings und Vernetzung Frischezentren sind mehrheitlich in privatwirtschaftlichen Rechtsformen organisiert 83 3.3 Potenziale moderner Frischezentren 3.3.6 Aufbauorganisation • Privatwirtschaftliche Rechtsformen (GmbH, AG), überwiegend in öffentlicher Eigentümerschaft, sind die bevorzugten Organisationsformen bei den deutschen Großmärkten • Als Marktämter organisierte Großmärkte erweisen sich aufgrund ihrer heterogenen Entscheidungsstrukturen mit Blick auf die Wettbewerbsfähigkeit eher als nachteilig Düsseldorf Karlsruhe Köln Nürnberg Hamburg München Berlin Bremen Duisburg Mannheim Rostock Stuttgart Hannover Frankfurt Fruchthof Berlin Dortmund Leipzig Dresden Zürich Essen Bozen Beispielhaft an der Organisation des Marktamtes Düsseldorf zeigt sich, dass die unmittelbare Einbindung des Großmarktes in die politische Organisation der Stadtverwaltung einige Herausforderungen mit sich bringt • Die Bedürfnisse des Großmarktbetriebes und seiner Anforderungen an eine zukunftsweisende Ausrichtung müssen sich in den gesamtstädtischen und Aufgaben unterordnen • Oftmals können die fiskalischen Möglichkeiten den wirtschaftlichen Notwendigkeiten zum Betrieb eines modernen Großmarktes nicht gerecht werden • Die Zuständigkeiten für relevante Anforderungen an den Betrieb eines Großmarktes sind auf verschiedene Ressorts verteilt. Sie erhöhen den Abstimmungs- und Entscheidungsprozess enorm • Auf wettbewerbsbedingte Veränderungen oder zukunftsweisende Entwicklungsperspektiven kann nicht angemessen reagiert werden 84 3.3 Potenziale moderner Frischezentren 3.3.6 Aufbauorganisation 85 Die Zuständigkeitsbereiche der Dezernate der Stadt Köln deuten auf ähnliche Verhältnisse hin wie die detailliert untersuchte Organisationsstruktur zum Großmarkt Düsseldorf 3.3 Potenziale moderner Frischezentren 3.3.6 Aufbauorganisation • Beispielhaft an den Ablauforganisationen der Großmärkte Hamburg und Berlin zeigt sich die Flexibilität weitgehend eigenständiger Einheiten ohne das der organisatorische Zugriff auf die Großmärkte verloren geht • Die unmittelbare Zuordnung von betrieblich notwendigen Tätigkeitsfeldern unter einer Geschäftsführung erhöht die Wettbewerbsfähigkeit und ermöglicht schnellere Reaktionen und antizipative Maßnahmen auf Veränderungsprozesse und betriebliche Störungen • Die organisatorische und betriebswirtschaftliche Eigenständigkeit sorgt bei solider Geschäftsführung für eine erhöhte Finanzierungsfähigkeit • Aufsichtsgremien sichern die jederzeitige Kontrolle auf die Geschäftsentwicklung und die strategische Ausrichtung 86 3.3 Potenziale moderner Frischezentren 3.3.6 Aufbauorganisation 87 • Alleinstellungsmerkmal mit erhöhtem öffentlichen Interesse wie bspw. Daseinsvorsorge und Innovations- und Gründungsgeschehen „Ernährung einer Metropolregion“ • Immobilieneigentum und Fördermittel- zuständigkeit öffentlicher Körperschaf- ten können als Vehikel für eine Koope- ration auf politisch, kooperativer Ebene genutzt werden • Übergeordnete Interessen können auf diese Weise durch die öffentliche Eigentümerschaft frei von privaten Einflüssen umgesetzt und gesteuert werden • Hand-in-Hand-Koordination übergeordneter, strategischer Ziele Beispielhafte Betreiberformate auf landes- bzw. städtischer Ebene ohne private Beteiligung Public Ownership Public Partnership Stadt/ Kommune Städtische Gesellschaft Grundstücks einbringung Frischezentrum/ Food Hub Errichtung und Betrieb Eigenkapital, Fremdkapital, Fördermittel Bauherren- und Betreibergesellschaft Land Frischezentrum/ Food Hub Stadt/ Kommune oder Städtische Gesellschaft Eigenkapital Fördermittel Grundstück/ Eigenkapital Errichtung und Betrieb 50% 50% 3.3 Potenziale moderner Frischezentren 3.3.6 Aufbauorganisation 88 • Die Kooperation mit privaten Eigenkapitalgeber:innen sorgt für eine Risikoteilung bei der Umsetzung und dem Betrieb des Frischezentrums/ Food Hubs • Langjährige privatwirtschaftliche Kompetenz der Nutzer:innen sowie öffentliche Entwicklungsinteressen können sinnhaft miteinander verknüpft werden und das Vorhaben beschleunigen • Die Einbindung unterschiedlicher öffentlicher Zuständigkeiten/ Ebenen kann für eine projektoptimierte Steuerung der Förderkulisse sorgen (Win-Win-Win) • Abstimmungsbedarf nimmt zu, die öffentliche Einflusssphäre nimmt ab Public Private Partnership I Public Private Partnership II Bauherren- und Betreibergesellschaft Nutzer:innen Frischezentrum/ Food Hub Stadt/ Kommune oder Städtische Gesellschaft Eigenkapital Eigenkapital/ Fördermittel Errichtung und Betrieb 49% 51% Bauherren- und Betreibergesellschaft Nutzer:innen Frischzentrum/ Food Hub Stadt/ Kommune oder Städtische Gesellschaft Eigenkapital Errichtung und Betrieb 33,3% 33,3% Grundstück Land 33,3% Fördermittel 3.3 Potenziale moderner Frischezentren 3.3.6 Aufbauorganisation Beispielhafte Betreiberformate mit privater Beteiligung 89 Beispielhafte Betreiberformate mit hohem Partizipationsgrad • Bei einer breiten Teilhabe machen die Kölner:innen das Frischezentrum/ den Food Hub zu Ihrem Versorger; hierbei könnte sich ggf. eine Genossen- schaft anbieten • Die privaten Kapitalgeber:innen könnten hierbei im operativen Betrieb Leadership übernehmen. Die öffentliche Hand fungiert als Wächter und Ratgeber • Das Wesen der Genossenschaft wäre ein Teil der gesamten Programmatik; Wirkung nach Innen und nach Außen • Die Teilhabe vieler könnte einen wichtigen Beitrag zur inhaltlichen Weiterentwicklung des Vorhabens sein • Das Projektrisiko wird auf noch mehr Schultern verteilt • Verantwortung und Einfluss ebenfalls Public Private Partnership III Bauherren- und Betreibergesellschaft Zivilgesellschaft Frischezentrum/ Food Hub Stadt/ Kommune oder Städtische Gesellschaft Eigenkapital Errichtung und Betrieb Grundstück Land Fördermittel Nutzer:innen Eigenkapital 3.3 Potenziale moderner Frischezentren 3.3.6 Aufbauorganisation 90 Beispielhaftes Betreiberformat ohne städtische Beteiligung, aber mit hoheitlicher Wächterfunktion • Das Land oder die Stadt müssen nicht unmittelbar Gesellschafter der Betreibergesellschaft sein. Bspw. durch die Vergabe eines Erbbaurechtes bleibt die Stadt Köln Teil des Vorhabens. • Fördermaßnahmen können auch das Land zum Partner werden lassen. • Etablierung einer hoheitlichen Wächterfunktion → Über die vertraglichen Regelungen des Erbbaurechtes werden während der gesamten Nutzungsdauer verbindliche Leitplanken verankert. → Rahmenbedingungen von Fördermitteln bestimmen deren Verwendung. Private Company Bauherren- und Betreibergesellschaft Zivilgesellschaft Frischezentrum/ Food Hub Stadt/ Kommune Eigenkapital Errichtung und Betrieb Grundstück Land Fördermittel Nutzer:innen Eigenkapital Investor:innen Eigenkapital 3.3 Potenziale moderner Frischezentren 3.3.6 Aufbauorganisation 91 3.3 Potenziale moderner Frischezentren 3.3.6 Aufbauorganisation = Kapital, Einfluss, Risiko = Partizipation, Teilhabe, Verantwortung, Wettbewerbsfähigkeit 92 Organisationsformen ohne private Beteiligung ● Größtmögliche Einfluss der Kommune ● Eigenfinanzierungsfähigkeit als städtische Gesellschaft ● Einflussnahme der Kommunen auf das Geschäftsge- baren über die Gremien städtischer Gesellschaften ● Der Großmarkt als Stadtbaustein wird dem spekulativen Immobilienmarkt entzogen o Organisationsstrukturen können sich effizienzsteigernd an die Formate der Privatwirtschaft anlehnen − Gefahr der Fremdverwendung erwirtschafteter Cash Flows − Einfluss auf Strategie und Betrieb ohne vertiefte Marktkenntnisse − Organisiert als Marktamt unterliegt der Großmarkt dem Gesamtfinanzierungsrahmen des städtischen Haushaltes. Die Verantwortung und Entscheidungspro- zesse verteilen sich auf mehrere Dezernate − Für die Stadt Köln sind diese Varianten keine Optionen 3.3 Potenziale moderner Frischezentren 3.3.6 Aufbauorganisation Public Ownership Public Partnership Stadt/ Kommune Städtische Gesellschaft Grundstücks einbringung Frischezentrum/ Food Hub Errichtung und Betrieb Eigenkapital, Fremdkapital, Fördermittel Bauherren- und Betreibergesellschaft Land Frischezentrum/ Food Hub Stadt/ Kommune oder Städtische Gesellschaft Eigenkapital Fördermittel Grundstück/ Eigenkapital Errichtung und Betrieb 50% 50% 93 Organisationsformen mit privater Beteiligung ● Je geringer die Beteiligung am Unternehmen, desto geringer das wirtschaftliche Risiko der Kommune ● Professioneller operativer Betrieb entlang von wirtschaftlichen Kennziffern ● Je nach Beteiligungshöhe zunehmende, betriebsfördernde Eigenverantwortung durch die Nutzer:innen ● Die Teilhabe könnte auf eine vielfältige Nutzerschaft verteilt werden ● Aufgebaut und betrieben als Unternehmergenossenschaft stellt sich das Frischezentrum den Wettbewerbsbedingungen ohne das kapitalstarke Genoss:innen die Entwicklungsrichtung bestimmen (jedes Mitglied eine Stimme), verbunden mit einer hohen Flexibilität bei der Entwicklung der Mitgliederschaft o Der Einfluss der Kommunen vor allem auf die strategische Unternehmensentwicklung bleibt erhalten o Die Steuerung des Frischezentrums als Stadtbaustein könnte über zivilrechtliche Verträge gesichert werden (bspw. Erbbaurecht; städtebaulicher Vertrag) − Rein privatwirtschaftlich organisiert und ohne stadtpolitisch verankerte Rahmenbedingungen wird das Frischezentrum zu einem Spekulationsobjekt 3.3 Potenziale moderner Frischezentren 3.3.6 Aufbauorganisation Private Company Bauherren- und Betreibergesellschaft Zivilgesellschaft Frischezentrum/ Food Hub Stadt/ Kommune Eigenkapital Errichtung und Betrieb Grundstück Land Fördermittel Nutzer:innen Eigenkapital Investor:innen Eigenkapital Public Private Partnership III Bauherren- und Betreibergesellschaft Zivilgesellschaft Frischezentrum/ Food Hub Stadt/ Kommune oder Städtische Gesellschaft Eigenkapital Errichtung und Betrieb Grundstück Land Fördermittel Nutzer:innen Eigenkapital Public Private Partnership I Public Private Partnership II Bauherren- und Betreibergesellschaft Nutzer:innen Frischezentrum/ Food Hub Stadt/ Kommune oder Städtische Gesellschaft Eigenkapital Eigenkapital/ Fördermittel Errichtung und Betrieb 49% 51% Bauherren- und Betreibergesellschaft Nutzer:innen Frischzentrum/ Food Hub Stadt/ Kommune oder Städtische Gesellschaft Eigenkapital Errichtung und Betrieb 33,3% 33,3% Grundstück Land 33,3% Fördermittel Public Private Partnership I Public Private Partnership II Bauherren- und Betreibergesellschaft Nutzer:innen Frischezentrum/ Food Hub Stadt/ Kommune oder Städtische Gesellschaft Eigenkapital Eigenkapital/ Fördermittel Errichtung und Betrieb 49% 51% Bauherren- und Betreibergesellschaft Nutzer:innen Frischzentrum/ Food Hub Stadt/ Kommune oder Städtische Gesellschaft Eigenkapital Errichtung und Betrieb 33,3% 33,3% Grundstück Land 33,3% Fördermittel • Großmärkte/ Frischezentren sind relevante Marktteilnehmer • Sie sind Standorte der kleinst- und mittelständischen Unternehmen • Sie bündeln Angebot und Nachfrage und reduzieren damit negative externe Effekte (Lärm, Verkehr, Umweltbelastung). in der Ernährungslogistik. Die mittelständischen Strukturen und die Ernährungskompetenz auf den Großmärkten haben das Potenzial, beispielgebende Konzepte und Innovation im Lebensmittelsektor zu befördern, vielleicht sogar zu beschleunigen • Als Vollsortimenter stärken sie ihre Marktposition und sind damit widerstandsfähiger bei Veränderungen des Wettbewerbs sowie bei Marktverwerfungen • Beispiele aus Deutschland und Europa zeigen die bildungspolitische Relevanz moderner Frischezentren • Die Erweiterung der klassischen Angebote um ernährungsaffine Dienstleistungen und Geschäftsmodelle können das Format Frischzentrum weiter qualifizieren und zu einem starken Ort der zivilgesellschaftlichen Entwicklung machen • Die Einbindung eines modernen Frischezentrums bzw. Food Hubs in die Verwaltungsstrukturen ist nicht zielführend und sinnvoll. Moderne am Wettbewerb und ggf. der zivilgesellschaftliche Teilhabe ausgerichtete Organisations- und Eigentümerstrukturen machen Frischzentren zu flexiblen und widerstandsfähigen Marktteilnehmern der Ernährungswirtschaft • Mit der Ergänzung bspw. um Forschung und Entwicklung, Lebensmittelproduktion sowie einer sinnhaften direkten Einbindung der Endverbraucher werden aus moderne Frischezentren zukunftsweisende Ernährungszentren • Internationale Beispiele zeigen: Großmärkte sind stadtentwicklungspolitisch bedeutsam 94 3.3 Potenziale moderner Frischezentren 3.3.7 Fazit & Bewertung 4. NUTZUNGSKONZEPT 4.1 ERKENNTNISBASIS 96 4.1 Erkenntnisbasis 4.1.1 Erkenntnisse aus der Markt- und Bedarfsanalyse Folgendes haben wir mitgenommen aus der Welt der Frischezentren • Sie können ein wesentlicher Baustein in der urbanen Versorgungslandschaft sein insbesondere in den Metropolregionen zur Bündelung großer Bedarfe • Für viele kleinst- und mittelständische Betriebe der Ernährungswirtschaft sind sie das Zentrum ihres unternehme- rischen Handelns • Regionale Erzeugerbetriebe/ -gemeinschaften sind ein fester Bestandteil der Nutzungskonzepte • Als Vollsortimenter stärken sie ihre Marktposition und Widerstandsfähigkeit • Sie bündeln Angebot und Nachfrage und reduzieren damit negative externe Effekte in der Ernährungslogistik. • Ohne Frischezentren spürbar weniger Lebensmittelvielfalt im Vergleich zu den LEH-Oligopolen und Food-Services • Die Implementierung eines Food Hubs zur Stärkung regionaler Produkte und deren Veredelung ist eine Option für eine beispielgebende Weiterentwicklung in Deutschland • Vor allem internationale Beispiele zeigen ihre Bedeutung in der Ernährungsbildung • Die hoheitliche Einflussnahme befördert zivilgesellschaftliche und stadtentwicklungspolitische Ziele • Sie bieten Entwicklungsspielraum für Produktinnovationen in der Ernährungswirtschaft • Um möglichst repräsentative Ergebnisse für ein modernes Frischezentrum bzw. einen Food Hub erarbeiten zu können, wurde für den Workshop eine ausgewählte Teilnehmerschaft zusammengestellt, die sowohl dem regionalen Bezug gerecht wurde als auch nationale wie internationale Erfahrungen zum Thema mitbrachte. • Vertreter:innen des Stadtrates, der Stadtverwaltung, der Händlerschaft des Kölner Großmarktes, des Ernährungsrates sowie weitere ausgewählte Expert:innen der Foodbranche bildeten den Teilnehmendenkreis • Nach einer kurzen Einstimmung auf den Tag -Wie lautet 2030 die Schlagzeile im Kölner Stadtanzeiger?- und einen Kurz-Input zum Thema Frischzentrum wurden gemeinsam das zukünftige Narrativ und die Nutzungs-bausteine des Frischezentrums Köln bzw. Food Hubs entwickelt und priorisiert • Im Anschluss daran wurden gruppenweise nach dem Prinzip des World Café‘s die Themen „Infrastruktur und Logistik“, „Stadtbaustein Food Hub“ und „Betreiberkonzept“ an getrennten Tischen moderiert erarbeitet und vertieft. • Die Arbeitsergebnisse wurden abschließend gemeinsam diskutiert sowie die nächsten Schritte besprochen. Herangehensweise/ Methodik 97 4.1 Erkenntnisbasis 4.1.2 Erkenntnisse aus dem Expert:innen-Workshop • Köln als Handelsstadt – Vom alten Markt in die Zukunft (14) • Unternehmen brauchen eine Perspektive (14) • Bekenntnis zu Resilienz von wirtschaftlichen Abhängigkeiten (9) • Der Großmarkt vermittelt alle Lebensmittelarten an alle Menschen (8) • Es braucht Macher und Entscheider für Veränderung und Innovation – Köln will und macht (8) • Wertschätzungsnetzwerk Lebensmittel: Vielfalt Regionalität, Verarbeitung, Zirkularität (8) • Motor einer lebendigen Ernährungskultur (6) • Kölner Großmarkt ändert Ernährungsbewusstsein (5) • Wirtschaftlich, wirtschaftlich, wirtschaftlich (5) • Fortsetzen von Handelstradition in Köln (4) • Frischezentrum West – Frische, Vielfalt, Logistik (4) Narrativ – Welche Geschichte erzählen wir? 98 4.1 Erkenntnisbasis 4.1.2 Erkenntnisse aus dem Expert:innen-Workshop • Kompetenzzentrum Frische (17) • Frische und Vielfalt -> Kompetenz und breites Sortiment (15) • Synergien: Reifereien, Logistiker, Bearbeiter, Tafel, Ausbildung (10) • Großmarkt ohne Einzelhandel (10) • Chance für kleinere Strukturen (9) • Logistik für Handel im Zentrum (8) • Handel, Genuss, Event, Bildung (5) • Bauch des Westens (5) • Verteilerzentrum für vielfältige Produkte (4) • Vielfalt der Lebensmittel und Ernährung (4) • Standortgemeinschaft aus Händlern und affinen Unternehmen (4) Nutzungskonzept – Sortimente und Geschäftsfelder 99 4.1 Erkenntnisbasis 4.1.2 Erkenntnisse aus dem Expert:innen-Workshop Stadtbaustein Food Hub – Aussagen und Klassifizierungen 4.1 Erkenntnisbasis 4.1.2 Erkenntnisse aus dem Expert:innen-Workshop betrieblich sinnvoll • Ausbildungsbetriebe • Lebensmittel-Startups: Struktur des Frischezentrums nutzen; Attraktivitätssteigerung • Show-/ Verkaufsraum für regionale Produkte • FoodLabs, Lebensmittel-Forum • Gastronomie für Bürger*innen > authentischer Ort, Einnahmengenerierung • Events & Fachveranstaltungen > authentischer Ort, Einnahmengenerierung • Wochen- und Themenmärkte • stationärer Einzelhandel in Abhängigkeit vom Einzelhandelskonzept am Standort innovativ und zukunftsfähig • House of Food • Schulischer Lernort für Kinder und Jugendliche (Aufklärung über Ware und Wertschöpfungskette) • Lebensmittelhandwerk und -produktion, bspw. fleischverarbeitende Betriebe, Industrieküche, Fischverarbeitung • Farming, Fischzucht zwingend notwendig • Modernes Logistikkonzept, Lebensmittel-sicherheit/Hygiene • Akteure: Erzeuger, Großhandel/Import, C&C, Dienstleister, Marktgastronomie • Lokale Erzeuger mit eigenen Gebäudebereichen • Das Frischezentrum könnte Infrastruktur bieten für Integration eines Food Hub als Dienstleister für die Verarbeitung der Ware lokaler Erzeuger/- gemeinschaften 100 Stadtbaustein Food Hub – Weitere Erkenntnisse für das Nutzungskonzept 4.1 Erkenntnisbasis 4.1.2 Erkenntnisse aus dem Expert:innen-Workshop Weitere Erkenntnisse: • Die jetzige Großmarkthalle in Raderthal könnte ein „Satellit“ des neuen Frischezentrums / Food Hubs sein, als Brückenschlag von B2B und B2C (Synergien, Querfinanzierung des Frischezentrums) • Begriff, Strategie, Zielsetzung, Arten und Aufgabenspektrum eines Food Hubs werden unterschiedlich definiert und verstanden. Hier kristallisierte sich als Schwerpunkt der Bedarf an Strukturen zur Verarbeitung von Frische-produkten heraus. Ggf. bedarf es eines neuen Begriffs für das Gesamtkonstrukt. • Im Zusammenhang mit den Arbeitstischen „Infrastruktur und Logistik“ und „Betreiberkonzept“ wurde aufgrund des zeitlichen Drucks eine stufenweise Errichtung des neuen Frischezentrums / Food Hubs favorisiert: sofortiger Start mit Großhandel, in den nächsten Schritten dann die weiteren / neuen Nutzungsbereiche. • Die Berücksichtigung der unterschiedlichen Nutzungsbereiche wird vom zukünftigen Standort (citynah oder Stadtrand) und der verfügbaren Fläche abhängen. 101 Warentransporte • Anlieferung erfolgt hauptsächlich mit 40t LKW • Anlieferung über Schiene wäre wünschenswert, spielt derzeit aber keine Rolle • Der Warenausgang erfolgt überwiegend mit Fahrzeugen unter 7,5t ÖPNV • Für die Erreichbarkeit durch die Beschäftigten ist eine gute Anbindung notwendig Anforderungen an das Gebäude • Laderampen für 40t LKW • Gekühlte Ladebereiche • Separate Lademöglichkeiten für Fahrzeuge unter 7,5t • E-Ladestationen für Niederflurfahrzeuge und KfZ; keine Insellösungen je Mieter • Modularer Aufbau des/ der Gebäude/s, um Erweiterungen zu ermöglichen Infrastruktur und Logistik – Erkenntnisse fürs Flächenkonzept 4.1 Erkenntnisbasis 4.1.2 Erkenntnisse aus dem Expert:innen-Workshop 102 103 Grundstücksgröße und Mehrgeschossigkeit • Idealgröße: 15 ha, kleineres Grundstück denkbar, sofern Erweiterungsflächen vorhanden sind • Nutzung: 24/7 • Toyota-Allee Nord: Eingeschränkte Bebaubarkeit durch Autobahn. Erweiterung auf südliche Fläche könnte weitere Potenziale ermöglichen • Flächeneffiziente Mehrgeschossigkeit denkbar/ zwangsläufig notwendig bei kleinerem Grundstück; Höhere Baukosten/ Miete • Mehrgeschossigkeit erfordert Rampen für An- und Belieferung; Aufzüge nur für kleinere Mengen denkbar • Für schnell verderbliche Waren ist der vertikale Transport keine Option; zu aufwändig • Automatisierte Systeme wie bei einem Hochregallager produktbedingt keine Option Food Hub – Nutzungsmischung • Ergänzung des Frischezentrums durch einen Cash & Carry-Markt (ca. 5.000 qm) • Großlogistik von anderen Nutzungen (bspw. Markthalle, Food Campus) räumlich trennen • Gleiches gilt für B2C-Handel unter Berücksichtigung des Einzelhandelskonzeptes am Standort Infrastruktur und Logistik – Erkenntnisse fürs Flächenkonzept 4.1 Erkenntnisbasis 4.1.2 Erkenntnisse aus dem Expert:innen-Workshop 104 Aussagen zum Betreiberformat • Die Stadt Köln sollte Teil der Realisierung des neuen Frischezentrums sein (strategische und stadtent- wicklungspolitische Wächterfunktion). Nachfolgende Ansätze wurden diskutiert: → Die Einbringung des Grundstücks als Minderheitsgesellschafter → Abschluss eines leistbaren Erbbaurechtsvertrages → Die Stadt als Bauträgerin des Vorhabens Es braucht ein intelligentes Beteiligungs- und Betreiberformat, welches sowohl der hoheitlichen Aufgabe als auch der Professionalität des Marktes gerecht wird. Die Einbringung des Grundstücks bspw. über eine Erbbaurecht könnte in diesem Kontext der städtische Beitrag sein • Die Händlerschaft des heutigen Großmarktes möchte Verantwortung übernehmen und sich an der Finanzierung/ Umsetzung des Frischezentrum beteiligen. Sie sieht sich als operativ zuständig. Das Format „Marktamt“ scheidet wegen fehlender Wettbewerbsfähigkeit aus. • Die Genossenschaft erscheint aus heutiger Sicht die beste Lösung (Gemeinschaftsgedanke) • NRW sollte lediglich Fördermittelgeber sein und kein Gesellschafter (zunehmende Modellträgheit) 4.1 Erkenntnisbasis 4.1.2 Erkenntnisse aus dem Expert:innen-Workshop 105 Aussagen zum Betreiberformat Weitere Erkenntnisse: • Es braucht schnellstmögliche Planungssicherheit • In Sachen Umsiedlung sind Zwischenlösungen keine realistische Option; Es besteht Handlungsdruck angesichts auslaufender Verträge (31.12.2025) • Das neue Frischezentrum ist ein reines B2B-Konzept und sollte streng nach den Regeln der Wirtschaft geführt werden • Entlang der Vertiefung des Nutzungskonzeptes, der Grundstücksgröße, des Betreiberformates und der weiteren Planung sollte eine Businessplanung erstellt werden • Das neue Frischzentrum braucht starke Unternehmen -> Auswahlverfahren (Wer und nach welchen Kriterien?) • Bei der Baurechtschaffung sollten Forschung, Bildung und Food Hub mitgedacht werden • Einbindung der Schulen in die zukünftige Nutzung 4.1 Erkenntnisbasis 4.1.2 Erkenntnisse aus dem Expert:innen-Workshop 106 Zusammenfassung • Die Umsetzung eines modernen Frischezentrum/Food Hub für Köln wurde überwiegend als positive Entwicklung und eine Bereicherung für eine bessere Positionierung Kölns im Standortwettbewerb der Metropolen betrachtet. • Die Kernkompetenz eines modernen Frischezentrums sollte unverändert im Großhandel mit frischen Lebensmitteln bestehen. • Das bisherige Standardsortiment des Großmarktes Köln, überwiegend Obst & Gemüse, sollte um regionale Produkte in unterschiedlichen Verarbeitungsstufen ergänzt werden. • Regionale Erzeugnisse stehen im Wettbewerb zu identischen Produkten aus dem Ausland, vor allem im LEH-Oligopol. Als Partner können regionale Erzeugerbetriebe über die Frischezentren eine relevante Stärkung erfahren. • Das neue Frischezentrum Köln sollte ein Vollsortimenter im Frischebereich sein, ergänzt um kleinteilige Lebensmittelmanufakturen. • Weitere Nutzungsbausteine könnten sein: FoodLabs, Lebensmittel-Start-Ups, Lebensmittel-Forum, Events & Fachveranstaltungen, Wochenmarkt, Themenmärkte, Lernort Ernährung • Das exemplarisch betrachtete Grundstück an der Toyota-Allee Nord könnte je nach Nutzungsstruktur bei Zwei- geschossigkeit für den Betrieb eines modernen Frischzentrum ausreichend sein, wenngleich Potenzialflächen als notwendig erachtet werden. Die Mehrgeschossigkeit dürfte signifikante Auswirkungen auf die Baukosten und die Miethöhe haben. 4.1 Erkenntnisbasis 4.1.2 Erkenntnisse aus dem Expert:innen-Workshop 107 Zusammenfassung • Begriff, Strategie, Zielsetzung und Aufgabenspektrum eines Food Hubs in Verbindung mit dem neuen Frischezentrum Köln müssen klarer gefasst werden. Dennoch: Er könnte das Frischezentrum Köln sinnhaft werden • Die Großmarkthalle in Raderthal könnte als stärkendes Element in die Nutzungskonzeption eingebunden werden → Die Konzeption der Markthalle Köln untermauert die Notwendigkeit kleinteiliger Strukturen als Gegenmodell zum klassischen und großflächigen Einzelhandel → Erzeugerbetriebe des Frischezentrums haben eine festen Platz in der Markthalle → Der „FZ-Express“: Der sichtbare Logistiker zwischen Frischezentrum und Markthalle Köln → Koproduktive Veranstaltungen zu Ernährungsthemen (bspw. „Köln kocht“, „Radermarkt“, Raderschule“) • Die Ingangsetzung des neuen Frischezentrums sollte stufenweise erfolgen. • Es wird überwiegend gewünscht, dass sich die Stadt Köln als Partner der Großhandels-, Erzeuger- und Produktions- betriebe beim neuen Frischzentrum einbringen und das Vorhaben als eine stadtentwicklungspolitische Aufgabe verstehen sollte. Die Einbringung des Grundstücks bspw. über ein Erbbaurecht könnte in diesem Kontext der städtische Beitrag sein • Gemeinsam mit den Nutzer:innen sollte ein Betreibermodell entwickelt werden. Sie sollen wirtschaftlich und operativ Verantwortung übernehmen. • Es braucht schnellstmögliche Planungssicherheit für die Händlerschaft und ein klares politisches Bekenntnis zur Umsetzung des Frischzentrum/Food Hub Köln und den damit verbundenen Folgen für die vertragliche Situation auf dem heutigen Großmarkt 4.1 Erkenntnisbasis 4.1.2 Erkenntnisse aus dem Expert:innen-Workshop Zukunftsfähige Frischezentren sind mehr als reine Logistikstandorte. Sie sind Vollversorger, Innovations- zentren der Ernährungswirtschaft, lebendige Orte der Stadtgesellschaft und stadtentwicklungspolitisch relevant 108 4.1 Erkenntnisbasis 4.1.3 Zusammenführung der Erkenntnisse Obst & Gemüse ✔︎ Fleisch & Wurstwaren ✔︎ Fisch & Meeresfrüchte ✔ Spezialitäten & Feinkost ✔ Milchprodukte ✔ Brot und Backwaren ✔ Convenience ✔ Lebensmittelmanufakturen ✔ Cash & Carry ✔ Start Ups & Food Labs ✔ Forschung und Entwicklung ✔ Ernährungsbildung ✔ Food Hub ✔ Temporäre Endverbrauchermärkte ✔ Veranstaltungen ✔ 4. NUTZUNGSKONZEPT 4.2 BETREIBERMODELL EINES MODERNEN FRISCHEZENTRUMS UND FOOD HUBS • Die Nutzer:innen des neuen Frischezentrums sollten wirtschaftliche Verantwortung übernehmen • Ergänzend könnte ein strategischer Investor, der auf Augenhöhe mit den Nutzer:innen agiert, zur inhaltlichen und wirtschaftlichen Stärkung beitragen • Über die Bereitstellung des Grundstücks bliebe die Stadt Köln als hoheitliche Wächterin Teil des Vorhabens (bspw. Erbbaurecht, Grundstücks- einbringung) • Durch die Ansiedlung lebensmittelaffiner Gründer:innen könnten ggf. Fördermittel generiert werden • Nicht zuletzt wäre mit Blick auf die Etablierung eines Food Hubs auch die Beteiligung der Zivilgesellschaft denkbar Verbunden mit der städtebaulichen und ernährungskulturellen Relevanz sollten Städte und Kommunen in der Verantwortung bleiben bei der Entwicklung und dem Betrieb von Frischezentren. Die Unternehmer:innengenossenschaft als Betriebsformat befördert eine menschenzentrierte Entwicklung. 110 Frischezentrum/ Food Hub Köln Unternehmer:innengenossenschaft Zivilgesellschaft Frischezentrum Stadt Köln Eigenkapital Errichtung und Betrieb Grundstück Land Nordrhein Westfalen Fördermittel Nutzer:innen Eigenkapital Investor:innen Eigenkapital 4.2 Betreibermodell eines modernen Frischezentrums Vielfältige Teilhabe und Verantwortung 4. NUTZUNGSKONZEPT 4.3 FLÄCHENKONZEPT DES FRISCHEZENTRUMS KÖLN 112 Grundannahmen • Die Stadt Köln gehört zu den stark wachsenden Städten in Deutschland. Eine garantierte Versorgung mit hoch qualitativen Lebensmitteln ist eine wesentliche Aufgabe, resiliente Wertschöpfungsketten gilt es zu entwickeln. • Dabei kann ein modernes breit aufgestelltes Frischezentrum/Food Hub eine starke Rolle übernehmen. • Die Stadt Köln könnte ihre Verantwortung bei der Gestaltung und Entwicklung des Clusters Ernährung weiterhin stark wahrnehmen durch die Bereitstellung des Grundstücks. kurz- und mittelfristige Perspektive • Das neue Frischezentrum Köln sollte die heutigen Nutzungen zum Inhalt haben -> Obst & Gemüse • Regionale Erzeugnisse sollten zu einem relevanten Bestandteil des Frischezentrums werden • Im Sinne einer zentralen Versorgung sollten weitere Sortimente das Angebot erweitern (One-Stop-Shopping), ebf. großmarktaffine Dienstleistungen • Veranstaltungen rund um das Thema Ernährung und temporäre Märkte wären Highlights 4.3 Flächenkonzept des Frischezentrums Köln 113 mittel- bis langfristige Perspektive • Die Modernität eines Frischezentrum wird über das hinausgehen, was wir heute im engeren Sinne darunter verstehen • Die Gesamtkonzeption (Masterplanung) sollte daher deutlich visionärer ausfallen → Antworten geben rund um die Zukunft der Ernährung → Ernährung erlebbarer machen (Erlebniswelt Ernährung) → Gründungsgeschehen rund um die Ernährung ermöglichen - Reallabor Produktentwicklung → Wissenszentrum Ernährung und Versorgung inkl. Rechenzentrum → Kommunikationsplattform Ernährung und Versorgung → Neue Mobilität • Das Frischezentrum neuer Prägung hat das Potenzial, zur Keimzelle für ernährungsrelevante Zukunftsszenarien zu werden Zentrale Aspekte • Das Frischezentrum Köln sollte baulich und inhaltlich eine modulare Entwicklungsplattform –Ernährung- sein • Stufe 1: Konzept, Struktur und Angebot bilden die heutigen Wettbewerbsanforderungen ab • Stufe 2: Erste zukunftsweisende, innovative Angebote werden geschaffen • Stufe 3: Das Frischezentrum Köln entwickelt sich zum Ernährungscampus 4.3 Flächenkonzept des Frischezentrums Köln Erweiterungs- module Modul „Frischezentrum klassik“ Modul „Erlebniswelt Ernährung“ Modul „Frischezentrum Klassik“ Module „Gründungswesen“, Labs, Forschung,… Bei Erweiterung innere Verkehrsinfrastruktur Modul Food Hub 114 4.3 Flächenkonzept des Frischezentrums Köln Stufe 1 (Initialisierung) - Skalierbarkeit entlang der Bedarfe 115 4.3 Flächenkonzept des Frischezentrums Köln Stufe 1 (Initialisierung) - Logistik, Verkehrsführung und Erweiterungsmöglichkeiten 116 Logistik Kund:innen, Services P Stellplätze Potenzielle Infrastruktur ErweiterungspotenzialeP P 4.3 Flächenkonzept des Frischezentrums Köln • Es entsteht das Frischezentrum „Klassik“ • Es ist ein Vollsortimenter mit einem vielfältigen Angebot frischer Lebensmittel • Erzeugnisse aus der Region haben einen festen und relevanten Platz im Frische-zentrum • Rampenplätze entlang der Hallenaußenseite sorgen für schnelle Warenprozesse • Der Kundenparkplatz liegt im Zentrum und sorgt für kurze Wege • Im ersten Obergeschoss sind Gastronomie- services und großmarktaffine Dienstleister angesiedelt • Das Obergeschoss für Fahrzeuge bis 7,5t ausgelegt • Wirtschaftliche und gesellschaftliche Mehrwerte durch Nutzung der Kundenpark-fläche als Frische-Arena für Veranstaltungen und saisonale, temporäre Märkte Stufe 1 (Initialisierung) 117 4.3 Flächenkonzept des Frischezentrums Köln • Es entsteht die Erlebniswelt Ernährung → Auf das erste Obergeschoss entsteht ein Ort der Ernährungsbildung → Es entsteht der Bahnhof „Frischezentrum Köln“ → Die Bürger:innen der Region werden eingeladen, auf kurzem Wege Ernährung neu zu erleben → Angebote für Schulen sorgen für gezielte und spielerische Ernährungsbildung • Innovationslabor Ernährung → Auf dem ersten Obergeschoss entsteht der Er- nährungscampus als eigenständige Landschaft → Experimentier- und Kommunikationsplattform Ernährung → Entwicklungs- und Ausbildungsplattform • Das Frischezentrum wird zu einem Motor der Ernährungswirtschaft, der Ernährungswende, ermöglicht Kooperationen und themenbezogene Veranstaltungen Stufe 2 (Innovation) 118 4.3 Flächenkonzept des Frischezentrums Köln Stufe 2 (Ausbau, Erlebniswelt Ernährung) 119 MOOD 1 Ortomercato, Mailand www.systematica.net MOOD 3 www.frankensteinconsult.de MOOD 4 www.frankensteinconsult.de www.ramseier.ch www.ramseier.ch www.holcim.com www.3xn.com 4.3 Flächenkonzept des Frischezentrums Köln • Das Frischezentrum Köln ist zu einem beispielgebenden Standort für Ernährung geworden • Die Erweiterungspotenziale ermöglichen die Ansiedlung weitere Betriebe aus dem Bereich Lebensmittel • Die Toyota-Allee wird zu inneren Erschließungsachse des Frischezentrums • Die Stufe 3 des Entwicklungskonzeptes folgt der Flächennachfrage. Sie erzeugt wirtschaftliche Mehrwerte durch neue Anbieter, die das Sortiment sinnhaft ergänzen Stufe 3 (Konsolidierung) 120 4.3 Flächenkonzept des Frischezentrums Köln • Das Frischezentrum Köln hat sich zu einem Hotspot der Ernährungsbranche entwickelt • Hier wird Ernährung neu praktiziert → Handel und Produktion an einem Standort → Innovationslabor Ernährung → Von der Idee bis zur Praxistauglichkeit → Wirtschaft und Forschung arbeiten Hand in Hand → Wissensvermittlung und Kommunikations- plattform Ernährung • Frischezentrum Köln – Mehr als essen Ernährungscampus Köln 121 4.3 Flächenkonzept des Frischezentrums Köln 122 Bewertung der Flächen in Marsdorf Autobahn und Gewerbegebiet • Nutzungskonflikte sind gering, kaum Wohnen in der Nähe • Aktivität der Autobahn = Rhythmus des Großmarktes (24 h) • Synergien mit umliegenden Gewerbetreibenden möglich Autobahn - relevanter Baustein des Projektes • Anschlussmöglichkeiten nach Hamburg, Köln, NL und Süden • Direkter Anschluss zur Autobahn ohne Engstellen • Höhenunterschied der AB ermöglicht zusätzlichen Anschluss • Große Strahlkraft der Architektur an dieser Stelle möglich ÖPNV-Anschluss • Anschluss nach Köln ermöglicht gute Anbindung auch für erweitertes Frischezentrum bzw. Ernährungszentrum, sowohl für Mitarbeiter als auch für Besucher • Bahnhof und Taktung ist ausbaufähig • Synergie mit der Integration des Umlandes möglich Erweiterung • Vorhandene Straße wird Mittelerschließung A1 West-Ost Köln/NL A1 Nord-Süd Hamburg/Eifel bis Hbf Köln: ca. 40min. 4.3 Flächenkonzept des Frischezentrums Köln 4. NUTZUNGSKONZEPT 4.4 WIRTSCHAFTLICHKEITSBETRACHTUNG Annahmen • Betrachtet wird lediglich die Stufe 1 (Initialisierung), d. h. die Realisierung des Frischzentrums Köln inklusive des Moduls “Food Hub“ in zweigeschossiger Bauweise. • Es ist ein Vollsortimenter mit einem vielfältigen Angebot frischer Lebensmittel • Erzeugnisse aus der Region haben einen festen und relevanten Platz im Frischezentrum • Rampenplätze entlang der Hallenaußenseite sorgen für schnelle Warenprozesse • Der Kundenparkplatz liegt im Zentrum und sorgt für kurze Wege • Im ersten Obergeschoss sind Gastronomie- services und großmarktaffine Dienstleister angesiedelt • Das Obergeschoss für Fahrzeuge bis 7,5t ausgelegt 124 4.4 Wirtschaftlichkeitsbetrachtung Modul „Frischezentrum Klassik“ Modul Food Hub Modul „Frischezentrum Klassik“ Annahmen • Die Projektüberlegungen befinden sich noch in einem frühen Stadium ohne hinreichende Planungstiefe. Demnach können die Ergebnisse lediglich als erste, grobe Orientierung dienen, entlang untersuchter Projekte bspw. Frankfurt, Berlin oder München. Mit der Durchführung der Leistungsphasen 1-3 (Grundlagenermittlung, Vorplanung, Entwurfsplanung) können die Kostensicherheit und die Aussagefähigkeit der Wirtschaftlichkeitsbetrachtung erheblich gesteigert werden. • Unabhängig davon handelt es sich bei einem Frischezentrum regelmäßig um eine Spezialimmobilie, die mit Standard- logistikhallen nicht verglichen werden kann. • Kostenbeeinflussende Gutachten beispielsweise zum Zustand des Grund und Bodens liegen nicht vor. • Angesichts des Projektstandes konnten u. a. nachfolgende Faktoren nicht verlässlich eingeschätzt werden, wodurch weitere Kostensteigerung nicht ausgeschlossen werden können: − Bodenverhältnisse (Gründung) − Bodenkontaminationen − Ressourcenschonende Baumaterialien − ggf. zu leistende Entschädigung von Mieter:innen i. Z. m. der Beendigung der Nutzungsverhältnisse auf dem Großmarkt in Raderthal • Um die hier genannten ökonomischen Unwägbarkeiten ansatzweise abzubilden, wurden die Investitionskosten um einen Risikoaufschlag in Höhe von 15% erhöht. • Darüber hinaus werden Minder- und Mehrkostentwicklungen von +/- 10% betrachtet, um damit verbundene Mietkorridore aufzuzeigen. 125 4.4 Wirtschaftlichkeitsbetrachtung Annahmen • Es wird davon ausgegangen, dass eine modular nutzbare Hallenfläche mit Medienübergabepunkten bereitgestellt wird. U. a. Kälteanlagen, Kühlhäuser, hygienesensible Einrichtungen werden demnach als von den Mieter:innen zu finanzierende Einbauten behandelt (Leistungsgrenze). Sie sind somit nicht vermieterseitig zu erbringen und haben keinen Einfluss auf die Investitionskosten. • Mit Hinweis auf die stadtentwicklungspolitische Relevanz eines Großvorhabens dieser Art i.V.m. einer liquiditätsoptimierten Gestaltung der Geschäftsplanung wurde die Vergabe eines Erbbaurechtes bei der Wirtschaftlichkeitsbetrachtung gewählt. • Die Investitionskosten wurden auf Basis heutiger Preise ermittelt. Die kalkulatorisch Nettokaltmiete stellt somit ebenfalls die heutigen Gegebenheiten dar. • Kalkulationsansätze − Die Eigenkapitalquote beträgt 20% mit einer Verzinsung von 4% p.a. − Das Fremdkapital wird mit 5,5% p.a. verzinst und anfänglich mit 2% p.a. getilgt − Verwaltungskosten: 0,2% der Investitionskosten − Vermietungsquote: 97% − Erbbauzins: 4% p.a. − Inflationsrate: durchschnittlich 2,3 % − Fördermittel wurden nicht berücksichtigt 126 4.4 Wirtschaftlichkeitsbetrachtung 127 Bei rund 140 Mio. € Projektkosten (Erbbaurecht) ergibt sich eine Durchschnittsmiete von 18€ und ein Eigenkapital-Beitrag je Quadratmeter Nutzfläche in Höhe von 570 €. 4.4 Wirtschaftlichkeitsbetrachtung *) *) Bodenrichtwert: 190€/qm Betreibergesellschaft Frischezentrum Köln Haftungskapital: 27,7 Mio. € (20%) Fremdkapital: 110,6 Mio. € (80%) Gesamtkapital: 138,3 Mio. € Nutzer:innen Mietkorridor 17,10€ - 18,90€ - 20,60€ Eigenkapital Nutzer:innen Investor:innen 27,4 Mio. € (570 €/ qm Nutzfläche) 128 Der Betrieb des Frischezentrums Köln weist unter Zugrundelegung der genannten Prämissen langfristige Stabilität auf, bei vertretbaren Einstiegsmieten für einen branchenspezifischen Neubau. 4.4 Wirtschaftlichkeitsbetrachtung 129 Die Einbringung des Grundstücks durch die Stadt Köln würde zur Stärkung des Eigenkapital der Betreiber - gesellschaft beitragen, die Einstiegsmieten optimieren sowie die hoheitliche Teilhabe und Wächterfunktion sicherstellen, ohne ungeplante zusätzliche fiskalische Ausgaben zu erzeugen 4.4 Wirtschaftlichkeitsbetrachtung Betreibergesellschaft Frischezentrum Köln Haftungskapital: 46,0 Mio. € (29,6%) Fremdkapital: 109,5 Mio. € (70,4%) Gesamtkapital: 155,5 Mio. € Eigenkapitaleinbringung Nutzer:innen Investor:innen 27,4 Mio. € Grundstückseinbringung Stadt Köln 18,6 Mio. € 59,6% 40,4% Mietkorridor 15,80€ - 17,40€ - 19,10€ Nutzer:innenFremd- finanzierung 109,5 Mio. € 5. HANDLUNGSEMPFEHLUNGEN Vorbemerkungen Nicht selten werden gute Ideen und Konzepte von aktuellen Ereignissen überholt und damit in ein neues Licht gerückt. Am 27. Juni 2024 hat der Rat der Stadt Köln entschieden, die Nutzungsverträge über den 31. Dezember 2025 hinausgehend nicht zu verlängern. Und das im Wissen, dass eine inhaltliche Debatte erst auf der Grundlage dieses Nutzungskonzeptes, ziel- orientiert geführt und Lösungsmöglichkeiten gefunden werden können. Die Händlerschaft und andere an einer zukunftsfähigen Ernährungsstrategie Interessierte haben sich in die Erarbeitung des Nutzungskonzeptes motiviert und mit viel Engagement eingebracht. Der Beschluss des Stadtrates vom 15. Juni 2023 und die Einbindung der Stakeholder in die Erstellung des Nutzungskonzeptes ließ zielführende Lösungen erwarten. Im Rahmen des Expert:innen Hearing haben insbesondere die Vertreter:innen der kleinst- und mittelständischen Händlerschaft die negativen Auswirkungen deutlich zum Ausdruck gebracht, sollte es keine Alternativen zur Beendigung der Nutzungsverträge zum 31. Dezember 2025 geben. Die Ablehnung eines Antrages auf Verlängerung der Nutzungsverhältnisse durch den Stadtrat am 27. Juni 2024 dürfte die Befürchtungen der Händlerschaft bestätigt haben. Diese neuen Umstände bedürfen einer Beachtung bei der Erarbeitung des Nutzungskonzeptes, auf dessen Grundlagen eine Umsetzung geprüft und ins Auge gefasst werden soll. Insofern haben wir bei unseren Handlungsempfehlungen die aktuellen Entwicklungen angemessen berücksichtigt. 5. Handlungsempfehlungen 131 Planungssicherheit herstellen für einen verbindlichen Entwicklungsprozess 5. Handlungsempfehlungen 132 → Die eindeutige Identifizierung des Projektgrundstückes als Basis für die Aufnahme konkreter Planungen → Die Referenzflächen in Marsdorf bieten aufgrund ihrer Lage und ihres Zuschnitts gute Bedingungen zur Planung und Umsetzung eines Frischezentrums bzw. Food Hubs. Demnach sollte zügig Baurecht geschaffen werden. → Zudem könnte eine unmittelbare Umsetzung der Angebotsplanung den Planungs- und Umsetzungsprozess beschleunigen. → Damit verbunden und im Schulterschluss mit Vertreter:innen der Händlerschaft und des Ernährungsrates sollte die Stadtverwaltung umgehend eine entscheidungsvorbereitende Projekt- und Planungskommission schaffen. → Ermittlung der tatsächlichen Flächenbedarfe der heutigen Bestandsmieter und Durchführung einer Marktrecherche mit Blick auf die Sortimentserweiterung. → Angesichts der derzeit zum 31.12.2025 endenden Nutzungsverhältnisse auf dem bestehenden Großmarkt sollte dieses Gremium schnellstmöglich ein verbindliches und tragfähiges Übergangsszenario erarbeiten und verbindlich verabreden. → Das Übergangsszenario sollte mit der Planung und dem Bau des Frischezentrums sinnhaft und effizient verzahnt werden. → Mit Blick auf die Etablierung eines Food Hubs sollte die Planung im Sinne eines innovativen Verbundprojektes erfolgen (Parkstadt Süd <-> Frischezentrum Köln <-> Einzelhandelsmarkthalle). Die derzeitige Großmarkthalle könnte als Bindeglied zum neuen modernen Frischezentrum bzw. Food Hub mitgedacht werden (Vermarktung regionaler Produkte, Markt, Ernährungsbildung, etc.). Entwicklungsprozess in Gang setzen und Vertrauen schaffen → Eine zentrale Aufgabe ist die Konstituierung der Projekt- und Planungskommission. Sie sollte umgehend vorbereitet, vertrauensaufbauend angekündigt und schnellstmöglich arbeitsfähig werden. → Besetzung: Vertreter:innen der Stadtverwaltung, der Stadtplanung, der Händlerschaft und des Ernährungsrates → Im Rahmen der 1. Werkstatt Frischzentrum Köln (Zieltermin: Ende Oktober) sollten eine verbindliche Projekt- und Entscheidungsstruktur aufgebaut werden, die Projektplanung/ Road Map erarbeitet und verabredet werden, eine detaillierte Zeitplanung hergestellt werden und der Umgang mit Kapazitäten geklärt werden. → Der Prozess sollte von Beginn an durch eine externe Projektsteuerung flankiert werden. 5. Handlungsempfehlungen 133 Verstetigung des Entwicklungsprozesses (Aufgaben und Meilensteine) → Ermittlung des Flächenbedarfes − Grundlage der weiteren Planungen und Arbeit bildet der tatsächliche Flächenbedarf der Bestandsmieter:innen. Um einen höchstmöglichen Verbindlichkeitsgrad zu erreichen, sollten die Bestandsmieter:innen schriftliche Interessenbekundungen abgeben, aus denen sich kategorisiert die benötigten Nutzflächen ergeben und der tatsächliche Wille der Verantwortungsübernahme ablesen lassen. − Mit Blick auf die notwendige Sortimentserweiterung sollte eine Marktrecherche durchgeführt werden, um potenzielle Interessent:innen ausmachen zu können. In diesem Kontext sollten auch die Erzeugerbetriebe ermittelt werden, die als Nutzer:innen des zukünftigen Frischezentrums Köln in Frage kommen könnten. − Gemeinsam mit dem Ernährungsrat und weiteren Stakeholdern/ Akteur:innen sollte die Konzeption Food Hub Köln konkretisiert werden, um ggf. notwendige Flächenbedarfe in den weiteren Planungsprozess einbetten zu können. 5. Handlungsempfehlungen 134 Verstetigung des Entwicklungsprozesses (Aufgaben und Meilensteine) → Aktivierung des Planungsprozesses durch weitere Werkstätten. Je nach Ziel- und Aufgabenstellung sollte die Projekt- und Planungskommission durch externe Expert:innen/ Inputgeber:innen erweitert werden. − 2. Werkstatt - Betreiberschaft- (Zieltermin: Dezember 24): Entwicklung eines tragfähigen Betreiber- und Investorenmodells unter Einbindung von potenziellen Projektpartner:innen − 3. Werkstatt - Übergangsszenario- (Zieltermin: Februar 25): Erarbeitung eines verbindlichen Übergangsszenarios − 4. Werkstatt - Konkretisierung Narrativ und Nutzung- (Zieltermin: März 25): Vertiefung/ Konkretisierung des Narrativs für das neue Frischzentrum Köln und des Nutzungskonzeptes entlang des erhobenen Flächenbedarfs − 5. Werkstatt -Projektentwicklung- (Zieltermin: April 25): Konkretisierung der Projektplanung (Infrastruktur, Logistik, Architektur) in Zusammenarbeit mit einem externen Planungsbüro − 6. Werkstatt -Geschäftsplanung- (Zieltermin: Mai 25): Erarbeitung der Geschäftsplanung entlang der Projektplanung und der Nutzungskonzeption 5. Handlungsempfehlungen 135 2030 2030 (3 Jahre) 136 2024 5. Handlungsempfehlungen 2025 2026 2027 2028 2029 Baurechtschaffung (2 Jahre) LP 1 und 2 LP 3 LP 4 Entwurfsplanung Ausführungsplanung Genehmigungsplanung Baugenehmigung Bauausführung Stufe 1 (1,5 Jahre) Betrieb Ausblick Terminplanung (Best Case und Worst Case) • Etablierung Projekt- und Planungskommission • Erhebung des Flächenbedarfes • Projektwerkstätten (12/24 – 05/25) Ratsbeschluss am 01.10.24 137 © 2024 Belius GmbH und Projektpartner - All Rights Reserved
Anlage 6 Beantwortung Fragen von Volt Finanzausschuss 23.09.2024
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Im Vorfeld der Sitzung des Finanzausschusses am 23.09.2024 wurden die folgenden Nachfragen der Fraktion Volt zum Tagesordnungspunkt Ö 10.13 "Modernes Frischezentrum bzw. Food Hub, hier: Nutzungskonzept" (2372/2024) übermittelt: 1. Inwiefern sind die Folgekosten für die Stadt bereits absehbar? Ist der Kauf von Privatbesitz auf dem Gelände notwendig? 2. Ist die Berücksichtigung der Kund*innenperspektive im weiteren Planungsverlauf vorgesehen? 3. Ist bereits abzusehen, welche konkreten Stakeholder das Frischezentrum vorantreiben werden? 4. Das Konsortium äußerte Zuversicht, dass die Chancen, Investoren und Stakeholder zu gewinnen, mit einem Nutzungskonzept steigen. Teilen Sie diese Einschätzung? 5. Welche Hindernisse bestehen aus Sicht der Stadtverwaltung für die Realisierung des Nutzungskonzepts in Marsdorf? Gibt es einen alternativen Standort, der infrage kommt? 6. Welches Betreibermodell könnte für die Stadt das geringste Risiko darstellen? 7. Ab welchem Zeitpunkt wird bei den Workshops gezielt nach potenziellen Interessenten gesucht? 8. Können die Workshops mit geringerem finanziellen Aufwand durchgeführt werden? Antwort der Verwaltung: 1. Das Konzept sieht keine Beteiligung der Stadt an dem Betriebskonzept vor. Daher sind keine Folgekosten zu erwarten. Mögliche Grundstücksoptionen sollen nach dem Beschlussvorschlag geprüft und dabei eventuell notwendige einmalige „Ankaufskosten“ mit bewertet werden. Mit der Zustimmung zu dem Konzept ist keine Zustimmung zu einem Grundstück verbunden. 2. Die Kund*innenperspektive ist bereits in der Konzepterstellung betrachtet worden und wird – soweit möglich – auch in den weiteren Prozessschritten betrachtet. 3. Nein, das ist in dem vorgeschlagenen Verfahren zu klären. 4. Ein klar umrissener Businessplan mit möglichen Standortoptionen bietet Investitionssicherheit für Stakeholder. Von daher steigt die Wahrscheinlichkeit, eine kritische Masse an Partnern für das Projekt zu finden. Allerdings wird sich vermutlich die Sortimentsstruktur deutlich vom heutigen Angebot des Großmarkts verändern, weil für aktuelle Nutzer kein nahtloser Übergang in das neue Konzept möglich sein wird. 5. Diese Fragen soll der vorgeschlagene Prozess klären. 6. Das Betreibermodell sieht grundsätzlich keine Beteiligung der Stadt an den Betriebskosten vor. Der Gutachter schlägt vor, dass die Stadt sich über die Einbringung eines Grundstücks an der neu zu gründenden Entität beteiligt (z.B. über ein Erbbaurecht). Diese Option ist im weiteren Prozess zu diskutieren und daher auch noch nicht Bestandteil von Haushaltsüberlegungen . 7. Von Beginn an. 8. Die angegebenen Kosten sind als Maximalbetrag zu verstehen, um auch auf unvorhergesehene Ereignisse unbürokratisch reagieren zu können. Im Rahmen der Grundsätze zum sparsamen Umgang mit Haushaltsmitteln werden die Kosten so gering wie möglich gehalten.
Beschlussvorlage Rat
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Dezernat, Dienststelle IX/IX/3 Vorlagen-Nummer 2372/2024 Freigabedatum 29.08.2024 Beschlussvorlage zur Behandlung in öffentlicher Sitzung Betreff "Modernes Frischezentrum bzw. Food Hub", hier: Nutzungskonzept Beschlussorgan Rat Gremium Datum Beschluss: Der Rat nimmt die in Anlage 1 dargestellten Ergebnisse sowie Handlungsempfehlungen des Nutzungskonzeptes „Modernes Frischezentrum bzw. Food Hub“ zur Kenntnis und beschließt: 1. Der Rat beauftragt die Verwaltung, für die konzeptionellen Überlegungen verschiedene Standortoptionen aufzuzeigen und dem Rat vorzustellen mit dem Ziel, Planungs- und Baurecht für die Erstellung eines modernen Frischezentrums bzw. Food Hubs zu schaffen. 2. Der Rat beauftragt die Verwaltung mit Unterstützung der Köln Business Wirtschaftsför- derungs- GmbH zu prüfen, ob sich ausreichend Händler*innen des Großmarktes in die Entwicklung eines neuen Modernen Frischezentrums bzw. Food Hubs einbringen wür- den bzw. weitere Projektpartner*innen gefunden werden können. Flankierend sind wei- tere Workshops geplant die dem Zweck dienen, eine geeignete Basis zu finden und eine bestmögliche Lösung zu erarbeiten. Dazu werden Mittel bis maximal 210.000 € netto (ca. 250.000 € brutto) bereitgestellt. Wirtschaftsausschuss 05.09.2024 Liegenschaftsausschuss 09.09.2024 Bezirksvertretung 2 (Rodenkirchen) 09.09.2024 Bezirksvertretung 3 (Lindenthal) 23.09.2024 Finanzausschuss 23.09.2024 Rat 01.10.2024 2 Haushaltsmäßige Auswirkungen Nein Ja, investiv Investitionsauszahlungen € Zuwendungen/Zuschüsse Nein Ja % Ja, ergebniswirksam Aufwendungen für die Maßnahme 250.000 € Zuwendungen/Zuschüsse Nein Ja % Jährliche Folgeaufwendungen (ergebniswirksam): ab Haushaltsjahr: a) Personalaufwendungen € b) Sachaufwendungen etc. € c) bilanzielle Abschreibungen € Jährliche Folgeerträge (ergebniswirksam): ab Haushaltsjahr: a) Erträge € b) Erträge aus der Auflösung Sonderposten € Einsparungen: ab Haushaltsjahr: a) Personalaufwendungen € b) Sachaufwendungen etc. € Beginn, Dauer Auswirkungen auf den Klimaschutz Nein Ja, positiv (Erläuterung siehe Begründung) Ja, negativ (Erläuterung siehe Begründung) Begründung: Der Rat hat unter Berücksichtigung der Anforderungen an ein zukunftsfähiges und wirtschaftli- ches Modell mit Blick auf die Realisierung eines sogenannten modernen Frischezentrums bzw. Food Hubs in seiner Sitzung vom 15.06.2023 (AN/1191/2023) wie folgt beschlossen: 1. Die Verwaltung wird beauftragt, eine dezernatsübergreifende Projektgruppe zu bilden, die unter Beteiligung relevanter Markt Akteur*innen bis Ende 2023 ein Konzept für ein modernes Frischezentrum bzw. Food Hub entwickelt. 2. Die aktuellen Großmarkthändler*innen werden durch die KölnBusiness Wirtschaftsförde- rungs- GmbH bei der Suche nach Interims-Ausweichmöglichkeiten oder Alternativen un- terstützt, sollte ein (nahtloser) Übergang in ein Frischezentrum nicht möglich sein. Dabei sollten aufgrund aktueller Markt- und gesellschaftspolitischer Entwicklungen fol- gende Aspekte im Vordergrund stehen: • Absatzförderung von regionalen und nachhaltigen Produkten 3 • Förderung von Erzeugerzusammenschlüssen • Ernährungsbildung und Gesundheit. Eine entsprechende Projektgruppe wurde unmittelbar eingerichtet, die Firma Belius GmbH nach erfolgtem Vergabeverfahren mit der Erstellung eines Nutzungskonzeptes beauftragt. Auf Grundlage des Beschlusses wurde ein inhaltliches Handlungskonzept für ein wirtschaftlich tragfähiges Zukunftsmodell erarbeitet. Das Modell sieht mögliche Funktionen, Zielgruppen und ein daraus resultierendes Flächen- und Betreiberkonzept für ein Ernährungszentrum bis hin zu einem Ernährungscampus vor. Dieses liegt nun vor und wird mit Anlage 1 den Gremien zur Kenntnis gegeben. Eine Kurzzusammenfassung ist unter Anlage 2 beigefügt. Vorschlag zur weiteren Vorgehensweise: a) Identifizierung eines Projektgrundstückes auf Kölner Stadtgebiet oder in der Region, z.B. in Marsdorf als Basis für die Aufnahme konkreter Planungen (Lageplan in Anlage 3) b) Fortführung der bestehenden Projektgruppe (Verwaltung und KölnBusiness Wirt- schaftsförderungs- GmbH), ggf. unter Einbeziehung weiterer Akteur*innen c) Marktrecherche, ob sich ausreichend Händler*innen des Großmarktes in die Entwick- lung eines neuen modernen Frischezentrums bzw. Food Hubs einbringen würden bzw. weitere Projektpartner*innen gefunden werden können. d) Unter Beachtung der zum 31.12.2025 endenden Nutzungsverhältnisse auf dem beste- henden Großmarkt und unter Berücksichtigung möglicher Realisierungszeiten sind die Belange der betroffenen Unternehmen in der Zwischenzeit zu beachten. e) Einleitung eines verbindlichen Planungsprozesses mit dem Ziel der Realisierung eines modernen Frischezentrums bzw. Food Hubs unter Anwendung von sogenannten Pla- nungswerkstätten. Hierunter versteht man Beteiligungsformate mit einem vorher fest- gelegtem Teilnehmendenkreis, der die Konkretisierung der Projektentwicklung erarbei- tet. Geplant sind folgende Planungswerkstätten: 1. Werkstatt - Projektinitialisierung Festlegung Zeit-Maßnahmenplanes und Definierung von Meilensteinen 2. Werkstatt - Betreiberschaft Entwicklung eines wirtschaftlich tragfähigen Betreiber- und Investorenmodells auf Grundlage der Empfehlung des Nutzungskonzeptes unter Einbindung von potenzi- ellen Projektpartner*innen 3. Werkstatt - Übergangsszenario Erarbeitung eines verbindlichen Übergangsszenarios 4. Werkstatt - Konkretisierung Narrativ und Nutzung Vertiefung/ Konkretisierung des Narrativs für das neue moderne Frischzentrum bzw. Food Hub Köln und des Nutzungskonzeptes entlang des erhobenen Flächen- bedarfs 5. Werkstatt -Projektentwicklung Konkretisierung der Projektplanung (Infrastruktur, Logistik, Architektur) in Zusam- menarbeit mit einem externen Planungsbüro 6. Werkstatt -Geschäftsplanung Erarbeitung einer Wirtschaftlichkeitsberechnung und Geschäftsplanung entlang der Projektplanung und der Nutzungskonzeption. Die Frage, ob bzw. unter welchen Voraussetzungen sich die Stadt an einem zukünftigen mo- dernen Frischezentrum bzw. Food Hub beteiligen wird, wäre frühestens in einem separaten Beschluss nach Abschluss des skizzierten Werkstattverfahrens zu klären. 4 Ausblick Terminplanung (Best Case und Worst Case) Für die Planungswerkstätten soll ein Vergabeverfahren durchgeführt werden. Der zu beauftra- gende Dienstleister soll den oben aufgezeigten Prozess fachlich und organisatorisch steuern. Finanzierung Die zur Finanzierung der Maßnahme erforderliche Aufwandsermächtigungen i.H.v. 250.000 € steht im Haushaltsplan 2023/2024 im Jahr 2024 im Teilergebnisplan der Stabsstelle Wirt- schaftsförderung in der Produktgruppe 1501 – Wirtschaft und Tourismus in der Teilplanzeile 15 – Transferaufwendungen zur Verfügung. Im Rahmen der Bewirtschaftung ist eine haushalt- neutrale Umschichtung der Aufwandsermächtigung in die Teilplanzeile 13 – Aufwendungen für Sach- und Dienstleistungen erforderlich. Begründung der Dringlichkeit Durch einen verzögerten Abschluss der verwaltungsinternen Abstimmungen und Umsetzung der jeweiligen Maßgaben konnte die Vorlage nicht früher fertiggestellt werden. Für die ge- plante Maßnahme stehen im Haushaltsplan entsprechende Mittel zur Verfügung. Es müssen ein Vergabeverfahren und Beauftragungen mit Vorlauf zum Jahreswechsel noch vorbereitet und abgeschlossen werden, um die Umsetzung im laufenden Haushaltsjahr zu gewährleisten. Daher ist dieser Beschluss zum jetzigen Zeitpunkt zwingend erforderlich. Gleichzeitig sind die derzeitigen Beschluss vorlagen zum Themenkomplex Großmarkt inhaltlich und zeitlich mit Blick auf den Gesamtzusammenhang gemeinsam einzubringen. Anlagen Anlage 1 Nutzungskonzept „Modernes Frischezentrum bzw. Food Hub“ (Abschlussbericht) Anlage 2 Executive Summary Nutzungskonzept „Modernes Frischezentrum bzw. Food Hub“ Anlage 3 Lageplan Köln-Marsdorf (Die Anlagen 1 und 2 können im Ratsinformationssystem eingesehen werden.)
Anlage 2: Nutzungskonzept Modernes Frischezenrum bzw. Food Hub Executive Summary zur Vorlage 2372/2024
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Nutzungskonzept für ein modernes Frischezentrum bzw. Food Hub-Ernährungscampus KölnAbschlussbericht –Executive Summary30. Juli 2024 2 Executive SummaryNationale und internationale Beispiele zeigen, dass moderne Frischezentren bzw. Food Hubs Handels- und Lebensmittel-produktionsstandort gleichermaßen sind. In den Metropolregionen Deutschlands und Europas sind sie ein zentraler Marktplatz für den Handel mit regionalen Erzeugnissen. Beispiele u. a. aus Hamburg, Berlin, Lissabon, London und Barcelona zeigen ihre Bedeutung und Potenziale bei der Ernährungsbildung. Moderne Frischzentren verstehen sich zunehmend auch als moderne Entwicklungs- und Innovationsplattform für Ernährung, wie das Konzept „Food Cluster Hamburg“ und Beispiele aus London und Mailand zeigen. Diese Aspekte gilt es mitzudenken bei der Neukonzeption des Frischezentrums bzw. Food Hubs Köln. Und nicht zuletzt zeigt diese Studie auf, dass es Organisationsstrukturen braucht, die im Wettbewerb mit Frischeprodukten bestehen, sich weiterentwickeln können, mit einem Höchstmaß an privatwirtschaftlicher Teilhabe, ohne dass die kommunale Steuerung stadtentwicklungspolitisch verloren geht. Dies kann bspw. über die Bereitstellung eines Grundstückes erfolgen (bspw. Erbpacht). 3 Executive SummaryAnders formuliert:•Moderne Frischezentren bzw. Food Hubs können ein wichtiger Baustein in der urbanen Versorgungslandschaft zur Bündelung großer Bedarfe an Frischeprodukten auch aus dem regionalen Umfeld sein.•Für viele kleinst- und mittelständische Betriebe der Ernährungswirtschaft sind sie das Zentrum ihres unternehmerischen Handelns•Als Vollsortimenter bündeln sie Angebot und Nachfrage und reduzieren damit negative externe Effekte in der Ernährungslogistik.•Als Vollsortimenter sind sie Orte der Vielfalt. Der Stärkung regionaler Produkte, deren Veredelung und Vertrieb kommt hierbei eine besondere Rolle zu•Vor allem internationale Beispiele zeigen ihre Bedeutung in der Ernährungsbildung und in diesem Kontext die Notwendigkeit der hoheitlichen Teilhabe zur Förderung zivilgesellschaftlicher Ziele•Sie sind Standorte für Innovationen in der Ernährungswirtschaft 4 Executive SummaryNutzungskonzept Obst & Gemüse ✔Fleisch & Wurstwaren ✔Fisch & Meeresfrüchte ✔Spezialitäten & Feinkost ✔Milchprodukte ✔Brot und Backwaren ✔Convenience ✔Lebensmittelmanufakturen ✔Cash & Carry ✔Start Ups & Food Labs ✔Forschung und Entwicklung ✔Ernährungsbildung ✔Food Hub ✔Temporäre Endverbrauchermärkte ✔Veranstaltungen ✔ Für das neue Frischzentrum bzw. den neuen Food Hub in Köln bedeutet das, sich nicht mehr nur als reinen Logistikstandort zu verstehen, sondern als einen Vollversorger mit der Stärkung regionaler Produkte, gesunder Ernährung, etc. und ein Bildungs- und Innovationszentrum der Ernährungswirtschaft 5 Executive SummaryNutzungskonzeptDas neue Frischzentrum bzw. der neuen Food Hub in Köln hat das Potenzial, zum ersten Ernährungscampus in Deutschland werden zu können. Erweiterungs-module Modul „Frischezentrum klassik“ Modul „Erlebniswelt Ernährung“ Modul „Frischezentrum Klassik“ Module „Gründungswesen“, Labs, Forschung,… Bei Erweiterung innere Verkehrsinfrastruktur ModulFood Hub 110 6 Executive SummaryNutzungskonzeptSeine modularen Ausbaustufen, angefangen mit den Modulen „Frischezentrum Klassik“ und „Food Hub“ geben genügend Flexibilität für eine marktgerechte Weiterentwicklung entlang des Themas Ernährung Stufe 1 (Initialisierung)Stufe 3 (Konsolidierung)Stufe 2 (Innovation) •Es entsteht das zweigeschossige Frischezentrum „Klassik“ als Vollsortimenter•Food Hub als Plattform für regionale Produkte•Platz für Veranstaltungen und saisonale, temporäre Märkte •Das Frischezentrum wird zu einem Innovations-, Gründungs- und Bildungslabor der Ernährung•Es entsteht der Ernährungscampus als eigenständige Experimentier-und Kommunikationsplattform •Die Entwicklung ermöglicht die Ansiedlung weitere Betriebe der Ernährungswirtschaft und schafft Raum für marktfähige Innovationen 7 Executive SummaryBetreibermodellDie zukünftige Betriebsform sollte von einem Höchstmaß an privater Verantwortung geprägt sein. Das heißt konkret, dass die Nutzer:innen des neuenFrischezentrums das für die Errichtung und den Betrieb notwendige Eigenkapital erbringen müssen.Sie übernehmen damit unmittelbar Verantwortung.Dem Betriebsformat der Genossenschaft kommthierbei eine besondere Bedeutung zu. Sie stärkt dieMitgliederinteressen, ohne dass das Kapital zur allesentscheidenden Stellschraube wird.In die weiterführenden Überlegungen sollte die Inte-gration eines eigenkapitalfördernden strategischenInvestors der Ernährungswirtschaft mit angedachtwerden, der auf Augenhöhe mit den Nutzer:innen ebenfalls wirtschaftliche Verantwortung übernehmen würde.Frischezentren werden ob ihrer Größe stadtentwicklungspolitisch relevant bleiben, flankiert von der wachsenden gesell-schaftlichen Bedeutung der Ernährungspolitik. Aus diesem Grunde sollte die Stadt Köln ihren Einfluss auf das neue Frischzentrum erhalten. Als Eigentümerin der Grundstücke in Marsdorf stehen bestmögliche Steuerungsinstrumente zur Verfügung (z.B. über Erbpacht), die ggf. als eigenkapitalstärkende Werte in die Betreibergesellschaft eingebracht werden könnten. Und nicht zuletzt ist je nach Ausprägung des Themas „Food Hub“ eine angemessene zivilgesellschaftliche Beteiligung denkbar. Das Frischzentrum bzw. der Food Hub könnte sich auf diese Weise zu einem breit getragenen Format entwickeln. Frischezentrum/ Food Hub Köln Unternehmer:innengenossenschaft Zivilgesellschaft Frischezentrum Stadt Köln Eigenkapital Errichtung und Betrieb Grundstück LandNordrheinWestfalen Fördermittel Nutzer:innen Eigenkapital Investor:innen Eigenkapital 8 Executive SummaryWirtschaftlichkeitBei zweigeschossiger Bauweise ließe sich auf dem nördlichen Teil des Grundstücks an der Toyota-Allee eine Nutzfläche von rund 49.000 m2 erreichen.Nach erster und grober Schätzung wäre mit einem Investitionsvolumen von rund 140 Mio. € zu rechnen.Bei einer 20%igen Eigenkapitalquote wären rund 28,0 Mio. € einzubringen, was ca. 570 € je m2 Nutzfläche entspricht. Darüber hinaus wären durch die Nutzer:innen Investitionen für die Mietereinbauten zu erbringen.Bei den in dieser Studie angestellten Betrachtungen ergäbe sich im Mittel eine Nettokaltmiete in Höhe von rund 19 € je m2. Sie bewegt sich damit im üblichen Rahmen realisierter und aktuell geplanter Neubau-vorhaben im Hinblick auf die Spezialimmobilie Frischezentrum, bspw. Frankfurt, München und Berlin. BetreibergesellschaftFrischezentrum KölnHaftungskapital: 27,7 Mio. € (20%)Fremdkapital: 110,6 Mio. €(80%)Gesamtkapital: 138,3 Mio. € Nutzer:innenMietkorridor17,10€ - 18,90€ - 20,60€ EigenkapitalNutzer:innenInvestor:innen27,4 Mio. €(570 €/ qm Nutzfläche) 9 Executive SummaryHandlungsempfehlungenAus den Arbeitsergebnissen werden folgende Handlungsempfehlungen abgeleitet:→Die eindeutige Identifizierung des Projektgrundstückes als Basis für die Aufnahme konkreter Planungen→Die Referenzflächen in Marsdorf bieten aufgrund ihrer Lage und ihres Zuschnitts gute Bedingungen zur Planung und Umsetzung eines Frischezentrums bzw. Food Hubs. Demnach sollte zügig Baurecht geschaffen werden.→Zudem könnte eine unmittelbare Umsetzung der Angebotsplanung den Planungs- und Umsetzungsprozess beschleunigen.→Damit verbunden und im Schulterschluss mit Vertreter:innen der Händlerschaft und des Ernährungsrates sollte die Stadtverwaltung umgehend eine entscheidungsvorbereitende Projekt- und Planungskommission schaffen.→Ermittlung der tatsächlichen Flächenbedarfe der heutigen Bestandsmieter und Durchführung einer Marktrecherche mit Blick auf die Sortimentserweiterung.→Angesichts der derzeit zum 31.12.2025 endenden Nutzungsverhältnisse auf dem bestehenden Großmarkt sollte dieses Gremium schnellstmöglich ein verbindliches und tragfähiges Übergangsszenario erarbeiten und verbindlich verabreden.→Das Übergangsszenario sollte mit der Planung und dem Bau des Frischezentrums sinnhaft und effizient verzahnt werden.→Mit Blick auf die Etablierung eines Food Hubs sollte die Planung im Sinne eines innovativen Verbundprojektes erfolgen (Parkstadt Süd <-> Frischezentrum Köln <-> Einzelhandelsmarkthalle). Die derzeitige Großmarkthalle könnte als Bindeglied zum neuen modernen Frischezentrum bzw. Food Hub mitgedacht werden (Vermarktung regionaler Produkte, Markt, Ernährungsbildung, etc.). 10 Executive SummaryHandlungsempfehlungen→Aktivierung und Stabilisierung des Planungsprozesses durch Werkstätten von Dezember 2024 bis Juni 2025Vergabe Projektbegleitung und Zuschlag (Verfahrensdauer zu berücksichtigen) 1. Werkstatt - ProjektinitialisierungEntwicklung der Projekt- und Entscheidungsstruktur, der Road Map, des Terminplans, Festlegung von Meilensteinen; 2. Werkstatt - BetreiberschaftEntwicklung eines tragfähigen Betreiber- und Investorenmodells unter Einbindung von potenziellen Projektpartner:innen3. Werkstatt - ÜbergangsszenarioErarbeitung eines verbindlichen Übergangsszenarios4. Werkstatt - Konkretisierung Narrativ und NutzungVertiefung/ Konkretisierung des Narrativs für das neue Frischzentrum Köln und des Nutzungskonzeptes entlang des erhobenen Flächenbedarfs5. Werkstatt -ProjektentwicklungKonkretisierung der Projektplanung (Infrastruktur, Logistik, Architektur) in Zusammenarbeit mit einem externen Planungsbüro6. Werkstatt -GeschäftsplanungErarbeitung der Geschäftsplanung entlang der Projektplanung und der NutzungskonzeptionDezember 24 bis Juni 25
Anlage 3: Lageplan Köln-Marsdorf zur Vorlage 2372/2024
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Anlage 3 Lageplan Köln-Marsdorf mit städtischem Besitz zur Vorlage 2372/2024
Anlage 5, Auszug BV 3 (Lindenthal)
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Geschäftsführung Bezirksvertretung 3 (Lindenthal) Herr Wagener Telefon: (0221) 221 93313 E-Mail: steffen.wagener1@stadt- koeln.de Datum: 24.09.2024 Auszug aus dem Beschlussprotokoll der Sitzung der Bezirksvertretung Lindenthal vom 23.09.2024 öffentlich 9.2.9 "Modernes Frischezentrum bzw. Food Hub", hier: Nutzungskonzept 2372/2024 geänderter Beschluss: Der Rat nimmt die in Anlage 1 dargestellten Ergebnisse sowie Handlungsempfehlun- gen des Nutzungskonzeptes „Modernes Frischezentrum bzw. Food Hub“ zur Kenntnis und beschließt: 1. Der Rat beauftragt die Verwaltung, für die konzeptionellen Überlegungen ver- schiedene Standortoptionen aufzuzeigen und dem Rat vorzustellen mit dem Ziel, Planungs- und Baurecht für die Erstellung eines modernen Frischezent- rums bzw. Food Hubs zu schaffen. 2. Der Rat beauftragt die Verwaltung mit Unterstützung der Köln Business Wirt- schaftsförderungs- GmbH zu prüfen, ob sich ausreichend Händler*innen des Großmarktes in die Entwicklung eines neuen Modernen Frischezentrums bzw. Food Hubs einbringen würden bzw. weitere Projektpartner*innen gefunden werden können. Flankierend sind weitere Workshops geplant die dem Zweck dienen, eine geeignete Basis zu finden und eine bestmögliche Lösung zu erar- beiten. Dazu werden Mittel bis maximal 210.000 € netto (ca. 250.000 € brutto) bereitgestellt. Die Bezirksvertretung Lindenthal begrüßt, dass für die konzeptionellen Über- legungen verschiedene Standortoptionen auch außerhalb des Stadtbezirkes 3 erarbeitet werden sollen und beschließt bezüglich eines möglichen Stand- orts Marsdorf die Konzeption eines Food Hubs nur auf die Fläche nördlich der Toyota Allee zu beziehen . (mündlich vorgetragener Änderungsantrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen) Abstimmungsergebnis: einstimmig beschlossen
Anlage 4: Wirtschaftsausschuss 05.09.2024 Präsentation "Nutzungskonzept Modernes Frischezentrum bzw. Food Hub"
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Modernes Frischezentrum bzw. Food Hub Nutzungskonzept und Handlungsempfehlung IX/3 Stabsstelle Wirtschaftsförderung IX/3 Stabsstelle Wirtschaftsförderung 2 Stakeholder Auftragnehmer Lenkungskreis Projektteams/DÜAG Marktakteure (Händlerschaft, IG Großmarkt Erzeuger:innen, StartUps) Ernährungsrat, Verbände, Politik, Wissenschaft Belius GmbH und Partner (Willhausen Consulting, Kreitz Architekten, fatkoehl Architekten) IX, Herr Haack VIII, Herr Wolfgramm KölnBusiness, Herr Janssen IX/3, Frau Scherhag- Godlinski IX/3: Projektleitung und Steuerung KölnBusiness:Projekt- mitarbeit DÜAG: Ämter/DS Dezernate VI, VIII und IX Auftrag│Projektstruktur IX/3 Stabsstelle Wirtschafts- förderung Ratsbeschluss vom 15.06.2023 AG Interi m (1) Die Verwaltung wird beauftragt, eine dezernatsübergreifende Projektgruppe zu bilden, die unter Beteiligung relevanter Markt Akteur*innen bis Ende 2023 ein Konzept für ein modernes Frischezentrum bzw. Food Hub entwickelt. Beteiligung Marktakteure 3IX/3 Stabsstelle Wirtschaftsförderung 04/2024 Einladung Experten-Workshop zum Nutzungskonzept (26.04.24) Einladung von KölnBusiness und Vorstellung verfügbarer städtischer Flächenangebote sowie des Immobilienportals Angebot der KölnBusiness zur Ansprache von Maklerhäusern 06 und 07/2024 Einladung Experten-Hearing (10.06.24), Vorstellung Workshop- Ergebnisse Einladung IX/3 (24.07.24), Sachstand Nutzungskonzept und weiteres Vorgehen 4IX/3 Stabsstelle Wirtschaftsförderung Unterstützung bei Grundstücks- oder Immobiliensuche Unterstützung bei Mietvertragsangelegenheiten Checklistenverteilung über IG Großmarkt Präsenzveranstaltung mit ca. 50 Händlern Prüfung geeigneter Grundstücke/Immobilien (AG Interim) Unterstützung Großmarkthändlerschaft 5 Wirtschaftsausschuss Mitteilung, 18.04.24 Wirtschaftsausschuss Mitteilung, 16.11.23 Auftrag und Projektverlauf IX/3 Stabsstelle Wirtschaftsförderung Auftrag IX/3 Zuschlag Belius GmbH 08/23 03/24 04/24 Workshops 19.04. Speed-WS 26.04. Experten-WS 03.06. Fachgespräch 10.06. Hearing Konzeptabnahme 24.07. Präsentation Anschl. Nachsteuerung 07/24 10/24 Ratsvorlage Auftrag und Projektverlauf Ausschreibungsphase Erarbeitungsphase Beschlussphase Wirtschaftsausschuss Beschlussvorlage, 5.09.24 Auftrag und Projektverlauf Nutzungskonzept für ein modernes Frischezentrum bzw. Food Hub - Ernährungscampus Köln Präsentation Wirtschaftsausschuss 5. September 2024 7 Grundsätzliches • Moderne Frischezentren bzw. Food Hubs sind Handels- und Lebensmittelproduktionsstandorte • Zentraler Marktplatz für regionale Erzeugnissen • Zunehmend Bildungs-, Entwicklungs- und Innovationsplattform für Ernährung • Mit zeitgemäßen Organisationsstrukturen können sie im Wettbewerb bestehen • Privatwirtschaftliche Investitionsbereitschaft und Teilhabe sind der Entwicklungsmotor • Eine kommunale und stadtentwicklungspolitische Steuerung und Wächterfunktion ebenfalls www.abendzeitung-muenchen.de 8 Grundsätzliches …anders formuliert: • Sie sind ein wichtiger Baustein in der urbanen Versorgungslandschaft • Sie sind das Zentrum der KMU der Ernährungswirtschaft • Sie bündeln als Vollsortimenter Angebot und Nachfrage • Sie sind Orte der Vielfalt • Sie stärken den Vertrieb regionaler Erzeugnisse • Sie sind bedeutsam in der Ernährungsbildung und - Innovation 9 Moderne Frischezentren – Best Practices 4 Bologna 5 Brüssel 6 London 7 Birmingham 8|9 Paris Moderne Großmärkte 4 5 6 8 97 1 Frankfurt 2 Hannover 3 Bremen 1 2 3 10 Moderne Frischezentren – Best Practices Food Hub auf Großmärkten Agribologna-Consorzio, Bologna Auf vielen Großmärkten/Frischzentren sind regionale Erzeugnisse ein fester Sortimentsbestandteil 11 Moderne Frischezentren – Best Practices GROSSMARKT DER ZUKUNFT – VOM UMSCHLAGSPLATZ ZUM FOOD HUB: Handel, Logistik & Kompetenz für gesundes grünes Leben in der Stadt 1 12 Moderne Frischezentren – Best Practices Großmarkt Bremen incl. Food Hub für die regionale Gründerszene Großmarkt Berlin Konzept Food Area 13 Moderne Frischezentren – Best Practices Märkte als Orte der Ernährungsbildung - Deutschland 14 Moderne Frischezentren – Best Practices Märkte als Orte der Ernährungsbildung - Europa 15 Nutzungskonzept Obst & Gemüse ✔ Fleisch & Wurstwaren ✔ Fisch & Meeresfrüchte ✔ Spezialitäten & Feinkost ✔ Milchprodukte ✔ Brot und Backwaren ✔ Convenience ✔ Lebensmittelmanufakturen ✔ Cash & Carry ✔ Start Ups & Food Labs ✔ Forschung und Entwicklung ✔ Ernährungsbildung ✔ Food Hub ✔ Temporäre Endverbrauchermärkte ✔ Veranstaltungen ✔ Für moderne Frischezentren bzw. Food Hubs bedeutet das, dass sich diese nicht mehr nur als reiner Logistikstandort verstehen, sondern zu einem Vollversorger mit der Stärkung regionaler Produkte, gesunder Ernährung, etc. und ein Bildungs- und Innovationszentrum der Ernährungswirtschaft weiterentwickeln. 16 Beispielhafte Best Practices – Ernährungs- und Agrarzentren, Food Quarters, Food Hubs London – New Covent Garden Market Food Quarter: ein neuer Großmarkt mit neuer Vision am alten Standort Barcelona - MERCABARNA Mediterranean Food Hub: Referenzraum Lebensmittel Mailand – FOODY 2025 Agrar- und Lebensmittelzentrum: Anlaufpunkt für Referenz für Tradition Nutzungskonzept 17 Ein modernes Frischzentrum bzw. Food Hub in Köln hat das Potenzial, ein Ernährungscampus zu werden. Nutzungskonzept 18 Seine modularen Ausbaustufen, angefangen mit den Modulen „Frischezentrum Klassik“ und „Food Hub“ geben genügend Flexibilität für eine marktgerechte Weiterentwicklung entlang des Themas Ernährung Stufe 1 (Initialisierung) Stufe 3 (Konsolidierung)Stufe 2 (Innovation) • Es entsteht das zweigeschossige Frischezentrum „Klassik“ als Vollsortimenter • Food Hub als Plattform für regionale Produkte • Platz für Veranstaltungen und saisonale, temporäre Märkte • Das Frischezentrum wird zu einem Innovations-, Gründungs- und Bildungslabor der Ernährung • Es entsteht der Ernährungscampus als eigenständige Experimentier-und Kommunikationsplattform • Die Entwicklung ermöglicht die Ansiedlung weitere Betriebe der Ernährungswirtschaft und schafft Raum für marktfähige Innovationen Nutzungskonzept Stufe 2 (Ausbau, Innovation, Erlebniswelt Ernährung) 19 MOOD 1 Ortomercato, Mailand www.systematica.net MOOD 3 www.frankensteinconsult.de MOOD 4 www.frankensteinconsult.de www.ramseier.ch www.ramseier.ch www.holcim.com www.3xn.com Nutzungskonzept 20 Wirtschaftlichkeit • 49.000 m2 Nutzfläche in zweigeschossiger Bauweise Toyota-Allee (Nord) • Investitionsvolumen: 140 Mio. € • Eigenkapitaleinlage der Nutzer:innen: 28,0 Mio. € (ca. 570 € je m2 Nutzfläche) • Finanzierung der Mietereinbauten durch die Nutzer:innen • Nettokaltmiete im Mittel: rund 19 € je m2 • Referenzen - Frischezentrum Frankfurt - Projektplanungen in München und Berlin Betreibergesellschaft Frischezentrum Köln Haftungskapital: 27,7 Mio. € (20%) Fremdkapital: 110,6 Mio. € (80%) Gesamtkapital: 138,3 Mio. € Nutzer:innen Mietkorridor 17,10€ - 18,90€ - 20,60€ Eigenkapital Nutzer:innen Investor:innen 27,4 Mio. € (570 €/ qm Nutzfläche) 21 Betreibermodell • Private Verantwortung (Betreiberschaft und Finanzierung) • Kommunale Wächterfunktion • Genossenschaft • Integration eines strategischen Investors • Ggf. zivilgesellschaftliche Beteiligung Frischezentrum/ Food Hub Köln Unternehmer:innengenossenschaft Zivilgesellschaft Frischezentrum Stadt Köln Eigenkapital Errichtung und Betrieb Grundstück Land Nordrhein Westfalen Fördermittel Nutzer:innen Eigenkapital Investor:innen Eigenkapital 22 Handlungsempfehlungen → Identifizierung des Projektgrundstückes als Basis für die Aufnahme konkreter Planungen → Referenzflächen in Marsdorf: Lage und Zuschnitt bieten gute Bedingungen zur Planung und Umsetzung eines Frischezentrums bzw. Food Hubs → Zügig Baurecht schaffen → Zügige Ingangsetzung des Planungs- und Umsetzungsprozesses → Schaffung einer entscheidungsvorbereitenden Projekt- und Planungskommission → Ermittlung der tatsächlichen Flächenbedarfe → Durchführung einer Marktrecherche in Sachen Sortimentserweiterung → Erarbeitung eines Übergangsszenarios idealerweise verzahnt mit der Planung und dem Bau des Frischezentrums → Synchronisierung der Planungen: Großmarkthalle Raderberg als Bindeglied zum Frischezentrum bzw. Food Hub (Vermarktung regionaler Produkte, Markt, Ernährungsbildung, etc) 2030 2030 (3 Jahre) 23 2024 Rahmenterminplan - langfristig 2025 2026 2027 2028 2029 Baurechtschaffung (2 Jahre) LP 1 bis 3 LP 4 Grundlagenermittlung, Entwurfsplanung Genehmigungsplanung Baugenehmigung Bauausführung Stufe 1 (1,5 Jahre) Betrieb • Etablierung Projekt- und Planungskommission • Erhebung des Flächenbedarfes • Projektwerkstätten (12/24 – 06/25) 24 → Aktivierung und Stabilisierung des Planungsprozesses durch Werkstätten von Dezember 2024 bis Juni 2025 2024 Jan Feb Mär Apr Mai Jun 1. Werkstatt Projektinitialisierung 2. Werkstatt - Betreiberschaft 3. Werkstatt – Übergangsszenario 4. Werkstatt – Konkretisierung Nutzung 5. Werkstatt – Projektentwicklung 6. Werkstatt – Geschäftsplanung Projekt- und Planungskommission Flächenbedarf Marktrecherche Rahmenterminplan - kurzfristig Nutzungskonzept für ein modernes Frischezentrum bzw. Food Hub - Ernährungscampus Köln Präsentation Wirtschaftsausschuss 5. September 2024
Beratungsverlauf (6)
Beschluss: ohne Votum in nachfolgende Gremien
Zur SitzungBeschluss: ohne Votum in nachfolgende Gremien
Zur SitzungBeschluss: ungeändert empfohlen
Zur SitzungBeschluss: ohne Votum in nachfolgende Gremien
Zur SitzungBeschluss: geändert beschlossen
Zur SitzungDetails
- Aktenzeichen
- 2372/2024
- Typ
- Beschlussvorlage Rat bzw. Hauptausschuss
- Datum
- 29.08.2024
- Erstellt
- 01.08.2024 11:40