2019/0108
Broschüre 'Sanierung Martinsviertel - Chronik einer Erneuerung'
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anlage 1
74962 Zeichen
Sanierung Martinsviertel
Chronik einer Erneuerung
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Grußwort
Oberbürgermeister Jochen Partsch
Stadträtin Dr. Barbara Boczek
Einleitung
Geschichte des Martinsviertels
Ausgangslage
Situation vor der Sanierung
Die Auseinandersetzung um die Osttangente
Bürgerbeteiligung
Die vier Säulen der Sanierung
Modernisierung der Häuser
Neugestaltung von Straßen und Plätzen
Blockinnenräume
Neuordnung der Blockinnenräume
Private Gemeinschaftsanlagen
Soziale Einrichtungen/Infrastruktur
Finanzierung und Mittelverwendung
Schlussbemerkung
Jochen Krehbiehl, Leiter des Stadtplanungsamtes
Anhang: Fußnoten/Quellennachweise
Inhalt
1
1.
2.
3.
3.1.
3.2.
4.
5.
5.1.
5.2.
5.3.
5.3.1.
5.3.2.
5.4.
6.
3
6
9
13
17
17
21
25
31
34
41
48
48
51
54
62
65
72
3
Pankratiusstraße 11, heute Kita Hedwig Dohm Haus
Mit der Fertigstellung des Kinder- und Ju-
gendzentrums in der Pankratiusstraße fin-
det die städtebauliche Sanierung des Mar -
tinsviertels ihren Abschluss. Damit gehen
mehr als 47 Jahre der systematischen Er -
neuerung und Förderung eines Quartiers zu
Ende, das zu Beginn dieses Prozesses vor
großen sozialen Herausforderungen stand
und noch dazu von weitreichenden Abriss-
plänen bedroht war.
Viele Häuser waren stark renovierungsbedürf-
tig, hatten kaum eigene Bäder oder eine
Warmwasserversorgung aus der Leitung.
Zugebaute Innenhöfe, schwere Verkehrsbe-
lastungen, starke Lärmbelästigungen durch
Industrie- und Handwerksbetriebe und feh-
lende soziale Infrastruktureinrichtungen
machten eine grundlegende Sanierung und
städtebauliche Modernisierung des Viertels
unausweichlich.
In den Jahrzehnten zuvor hatten Politik und
Verwaltung Darmstadts für große Teile der
durch den Krieg zerstörten Stadt das Konzept
der Flächensanierung verfolgt, durch das
schnell moderner Wohnraum geschaffen und
ein Stadtviertel in sehr effektiver und zügiger
Weise grundlegend neu gestaltet werden
konnte. Hinzu trat das Ziel, aus alten, engen
und verwinkelten Quartieren moderne und
autogerechte Viertel machen zu können.
Gegen die Absicht, dieses Konzept auch
auf das Martinsviertel anzuwenden, wuchs
schnell starker Widerstand von Menschen,
die den besonderen Charme und die außer -
ordentlichen Potentiale des Martinsviertels
erkannten. Durch ein sehr viel langfristiger
angelegtes städtebauliches Modernisierungs-
konzept der erhaltenden Stadtsanierung im
Bestand wollten sie den historischen Gebäu-
debestand erhalten, das Viertel behutsam
modernisieren und städtebaulich zu einem
Grußwort Oberbürgermeister Jochen Partsch
Grußwort
Robert-Schneider-StraßeArheilger Straße 75
menschengerechten Stadtviertel entwickeln.
Soziale und bürgerschaftliche Ziele sollten
im Vordergrund stehen, niemand aus finan-
ziellen Gründen wegziehen müssen.
Es ist ein großes Glück für unsere Stadt,
dass sich dieses langfristige und behutsame
Sanierungskonzept letztlich durchgesetzt
hat. Nach und nach wurden Häuser innen
und außen grundsaniert, weite Teile des
Viertels begrünt und mit vielen kleinen und
großen Maßnahmen ein sehr ansprechendes
Wohnumfeld geschaffen. Maßnahmen der
Verkehrsberuhigung wurden durchgeführt,
Wohn- und Spielstraßen eingerichtet, Innen-
höfe ausgeräumt und in grüne Oasen und
Gemeinschaftsräume verwandelt. Betriebe
wurden verlagert und etliche soziale In-
frastruktureinrichtungen geschaffen.
Heute können wir sagen, dass die Geschichte
der Sanierung des Martinsviertels eine große
Erfolgsgeschichte ist und dass sie ein Mus-
terbeispiel für gute, moderne und bürgerna-
he Stadtplanung und Stadtentwicklung ist.
Heute wissen wir, dass es richtig war, diesen
langsamen, behutsamen und schwierigeren
Weg zu gehen. Das wirklich außerordentlich
gelungene Ergebnis des Sanierungsprozess-
es spricht für sich.
In vielen Bereichen hat die städtebauliche
Sanierung des Martinsviertels neue Maß-
stäbe gesetzt. Das gilt für die fundierten
stadtplanerischen und stadtgestalterischen
Prinzipien, Maßnahmen und Konzepte. Das
gilt aber vor allem auch für den ungewöhn-
lich hohen Grad der Bürgerbeteiligung im ge-
samten Sanierungsprozess.
Die Bewohnerschaft wurde in allen wichtigen
Entscheidungsprozessen nicht nur gehört,
sondern aktiv mit einbezogen. Die Menschen
konnten stets mitreden, mitplanen, mit-
gestalten und sich selbst aktiv an der Um-
setzung beteiligen. Eine umfassende Kultur
des Dialogs entwickelte sich, weite Teile der
Bevölkerung erfuhren einen Aktivierungs-
prozess, in dem sich die Gemeinschaft im
Martinsviertel neu bildete, selbst stärkte
und fortentwickelte.
Die städtebauliche Sanierung des Martins-
viertels ist deshalb Vorbild für die umfas-
senden Beteiligungsprozesse, die Darmstadt
heute in vielen Bereichen prägen. Die Sanie-
rung des Martinsviertels hat unsere ganze
Stadt vorangebracht. Politik und Verwaltung,
aber auch die Bürgerschaft selbst haben
sehr Wichtiges und Grundlegendes über die
Formen und Wege einer demokratischen, so-
zialen, umwelt- und klimagerechten, sowie
nachhaltigen Stadtentwicklung gelernt.
Das Martinsviertel hat sich in den vergang-
enen fast fünf Jahrzehnten zu einem der at-
traktivsten, beliebtesten und lebendigsten
Viertel unserer Stadt entwickelt. Dafür
möchte ich allen, die an dieser großen Er -
folgsgeschichte unserer Stadt beteiligt
waren, sehr herzlich danken.
Dazu gehören alle Bürgerinnen und Bürg-
er, die sich oft stark engagiert, mitgeredet
und mitgemacht haben. Dazu gehören die
beteiligten Eigentümerinnen und Eigentümer,
die oft viel Geld, Arbeit und Engagement in
ihre Immobilien investiert haben. Dazu ge-
hören aber auch die beteiligten versierten
Stadtplanerinnen und Stadtplaner, die flexi-
blen Gewerbetreibenden und Gastronomen,
die professionellen Baufirmen, die mutigen
politischen Entscheidungsträger und Unter -
stützer, sowie die engagierten und motivier-
ten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der
städtischen Verwaltung.
Mit dem Ende des städtebaulichen Sanie-
rungsprozesses wird ein bedeutendes Ka-
pitel in der Geschichte des Martinsviertels
abgeschlossen. Die Entwicklung des Viertels
aber wird weitergehen. Es ist davon auszuge-
hen, dass unsere Stadt und damit der Bedarf
an zusätzlichem Wohnraum weiter wachsen
werden. Das wird auch Auswirkungen auf
das Martinsviertel haben.
Lassen Sie uns gemeinsam darauf achten,
dass die großen Errungenschaften und zen-
tralen Prinzipien der vergangenen fast fünf
Jahrzehnte der städtebaulichen Sanierung
des Martinsviertels auch für die Zukunft
bewahrt werden können. Damit das Martins-
viertel auch in Generationen noch ein so attrak-
tives, beliebtes, lebendiges und an den
Bedürfnissen seiner Bewohnerinnen und Be-
wohner orientiertes Stadtviertel bleibt.
Jochen Partsch
Oberbürgermeister
54
Grußwort
Die vorliegende Broschüre befasst sich mit
der in den 1970er Jahren begonnenen Sanie-
rung des Martinsviertels und seiner Entwick-
lung zu einem der beliebtesten Quartiere der
Wissenschaftsstadt Darmstadt.
In den 1960er Jahren galt Vielen das Mar -
tinsviertel als unattraktiv. Die Ausstattung
der Wohnungen entsprach meist nicht ein-
mal dem Standard des sozialen Wohnungs-
baus: Die Toiletten befanden sich in der
Regel im Treppenhaus, es gab kaum eigene
Bäder, Warmwasser aus der Leitung war
keine Selbstverständlichkeit. Geheizt wurde
überwiegend mit Kohle- oder Öleinzelöfen.
Lärmbelästigung durch Betriebe im Gebiet,
Verkehrsbelastungen, zugebaute Innenhöfe
und fehlende soziale Infrastruktureinrich-
tungen kennzeichneten weite Bereiche des
Quartiers. Zudem verfolgten wechselnde
Stadtregierungen seit den 1960er Jahren
den Bau einer Hauptverkehrsstraße – die
sogenannte Osttangente - quer durch das
Martinsviertel. Der Abriss vieler historischer
Häuser rund um diese Trasse gehörte mit
zur Planung. In den Jahren 1961 bis 1970
verließen viele Menschen das Quartier. Die
Einwohnerzahl schrumpfte um rund 3.500
Menschen auf nur noch rund 14.500: Es gab
dringenden Handlungsbedarf, wollte man
das Martinsviertel retten.
Zu Beginn der 1970er Jahre nutzte Darm-
stadt dann als eine der ersten Städte der
alten Bundesrepublik die Möglichkeiten des
neuen Städtebauförderungsgesetzes. Mit
dem Beschluss der Stadtverordnetenver -
sammlung am 25. Mai 1972 wurde das Mar-
tinsviertel zum Sanierungsgebiet erklärt. Die
Kommune wagte damit ein wahres Abenteu-
er, denn für ein solches Projekt gab es keine
Vorbilder. Ende der 1970er Jahre vollzog sich
ein Paradigmenwechsel in der Stadtplanung:
Man verabschiedete sich vom Credo der radi-
kalen Flächensanierung mit dem Abbruch
ganzer Straßenzüge und verfolgte Ziele der
erhaltenden Stadterneuerung im Bestand.
Heute mehr denn je aktuelle Themen wie „Kli-
maschutz und Klimaanpassung“ wurden un-
ter dem Ziel der “Schaffung gesunder Wohn-
und Arbeitsverhältnisse“ bereits in Anfängen
verfolgt und in Teilen umgesetzt. Das Erpro-
ben von Modellen der Bürgerbeteiligung und
die Umsetzung sozialer und bürgerschaftli-
cher Ziele traten ebenfalls in den Mittelpunkt
der Planung.
In der Folge wirkte die Bürgerschaft intensiv
an der Umsetzung der Sanierungsziele mit.
Der Verzicht der Stadt auf den Bau der Ost-
tangente im Jahr 1981 war entscheidend
beeinflusst durch eine Bürgerinitiative aus
dem Martinsviertel, die parlamentarische
Mehrheiten kippte.
Das Martinsviertel hat sich aufgrund der
Sanierung zu einem der attraktivsten Stadt-
teile der Wissenschaftsstadt Darmstadt
entwickelt. Mit Hilfe von Geldern aus dem
Förderprogramm Stadtsanierung wurden
Straßen und Plätze umgestaltet, Wohnge-
bäude dem allgemeinen Wohnungsstan-
dard angepasst, soziale Infrastrukturein-
richtungen errichtet, aus grauen Hinter -
höfen wurden grüne Oasen.
Rund 45 Millionen Euro an öffentlichen
Mitteln wurden in die Sanierung des Mar -
tins-viertels investiert. Hinzu kommen
die Aufwendungen all‘ der privaten Eigen-
tümerinnen und Eigentümer, die ihre Häuser
und Grundstücke auf eigene Kosten wieder
hergerichtet und modernisiert haben. Ohne
dieses Engagement wäre die Sanierung
weitaus weniger erfolgreich gewesen.
Ich möchte mich daher ganz besonders bei
diesen Bürgerinnen und Bürgern bedanken.
Danken möchte ich auch den vielen engagier-
ten Bewohnerinnen und Bewohnern des Vier-
tels, die sich immer wieder bei Bürgerver -
sammlungen, Hofgesprächen, in den vielen
Bürgerbeteiligungsverfahren, in Bürgerini-
tiativen und gemeinsam mit anderen Interes-
sensgruppen in den Sanierungsprozess kon-
struktiv eingebracht haben.
Mein Dank geht auch an die zahlreichen Mitar-
beiterinnen und Mitarbeiter der Verwaltung,
die die positive Entwicklung des Martinsvier-
tels während der Sanierung über vier Jahr-
zehnte hinweg mit viel Engagement begleitet
haben. Sie haben dabei ein neues Rollenver -
ständnis entwickelt: Sie verstehen sich als
Partner der Bürgerinnen und Bürger und se-
hen ihre Aufgabe im Finden eines Interessens
ausgleichs zwischen unterschiedlichen Ak-
teuren. Alle haben dabei von und miteinander
gelernt – das gilt für die Bürgerschaft ebenso
wie für den Bereich der Politik und der Ver -
waltung. Von dieser Experimentierfreude, dem
Mut, der Hartnäckigkeit und der Wertschät-
zung der Geschichte des Martinsviertels hat
am Ende ganz Darmstadt profitiert.
Dr. Barbara Boczek
Stadträtin
76
Grußwort Stadträtin Dr. Barbara Boczek
Grußwort
Das Martinsviertel gehört zu den ältesten
Vierteln der Wissenschaftsstadt Darmstadt
und grenzt nordöstlich an die Darmstäd-
ter Innenstadt. Im Zweiten Weltkrieg wurde
es von den Bomben, die ringsum große
Teile Darmstadts zerstörten, weitgehend
verschont. So konnte das Martinsviertel
seine bauliche charakteristische Mischung
aus gründerzeitlicher Pracht, dörflichem
Charme und der sachlichen Architektur der
1920er Jahre bewahren. In den 1960er Jah-
ren wurde deutlich, dass das Martinsvier -
tel in seiner Wohnqualität den Ansprüchen
der Zeit nicht mehr entsprach. Aufgrund
der Missstände in den Wohngebäuden und
deren Umfeld beschloss die Darmstäd-
ter Stadtverordnetenversammlung am 25.
Mai 1972, das Martinsviertel zum Sanie-
rungsgebiet zu erklären. Mit seiner Fläche
von 65 Hektar wurde das Martinsviertel
damit zu einem der größten Sanierungsge-
biete innerhalb der alten Bundesrepublik
Deutschland erklärt. Die rund 14.500 im
Stadtteil lebenden Menschen waren in den
folgenden Jahren mittel- oder unmittelbar
von den Sanierungsmaßnahmen betroffen.
1. Einleitung
9
Martinsviertel Abgrenzung Sanierungsgebiet
Einleitung
Grundlage für das damalige Engagement war
die Überzeugung, dass die Sanierung des
Viertels nur dann gelingen kann, wenn die
Bewohnerinnen und Bewohner mit einbezo-
gen werden. Zudem war es wichtig, dass alle
Beteiligten bereit waren, mitzuwirken. Diese
Haltung steht heute bei allen städtebaulichen
Fragestellungen in der Wissenschaftsstadt
Darmstadt im Vordergrund.
Im Jahr 2015 feierte das Martinsviertel
seinen 425. Geburtstag. Der endgültige
Schlussstrich unter die mit Erfolg abge-
schlossene Sanierung wurde mit der Aufhe-
bung der Sanierungssatzung im Juni 2016
sowie mit der Fertigstellung des Kinder-
und Jugendzentrums in 2019 gezogen.
1110
Die Idee, die die Verantwortlichen im
Rathaus ursprünglich mit dieser Sanierung
verfolgten, war die Schaffung eines moder-
nen Wohngebiets, das vor allem autogerecht
sein sollte. Am Ende war diese Vorstellung
gescheitert: Zu groß war der Protest der
Wohnbevölkerung gegen den geplanten Bau
einer mehrspurigen „Osttangente“ mitten
durch das historisch gewachsene Viertel.
Die Debatte um Aussehen und Zukunft des
Martinsviertels veränderte mehrfach die
politische Landschaft der Stadt und wirkt
im Rückblick auch wie ein Laboratorium,
in dem Stadtplanung, Sozialpolitik, Bürger -
wille und die neuen Konzepte der Bürger -
beteiligung aufeinander traffen. In Darm-
stadt wurden die verschiedenen Formen der
Bürgerbeteiligung erstmals im Martinsvier -
tel erprobt. Was damals eine Pionierleistung
war, ist heute eine Selbstverständlichkeit
bei städtebaulichen Planungen.
Riegerplatz 2015Oben: Gardistenstraße 2015; unten: Arheilger Straße 2015 Lauteschlägerstraße 2015
Einleitung
grube bestand und ließ hier eine Vorstadt-
anlage errichten. 1590 begann der Bau der
ersten acht Häuser entlang der heutigen
oberen Alexanderstraße und der Magda-
lenenstraße. Ludwig V . (1596-1626) führte
den Bau bis zum heutigen Kantplatz weiter
und ließ die gesamte Anlage mit einer Mauer
umgeben. 1606/07 ordnete Ludwig im Win-
kel der Vorstadtanlage die Einrichtung einer
Fläche für das Ballspiel der Hofgesellschaft
an, den Ballonplatz. Ludwig VI. (1661-1678)
eröffnete 1672 zwischen Ballonplatz und
Schloss einen neuen Straßenzug, den Birn-
garten, die heutige untere Alexanderstraße,
und ließ sie 1674/75 mit einer einfachen
Mauer umgeben, die am Schlossgraben an
die mittelalterliche Stadtmauer anschloss.
Charakteristisch für diese beiden Quartiere,
Die Geschichte des Martinsviertels reicht bis
in das späte 16. Jahrhundert zurück. Um
Platz für den Ausbau des Residenzschlosses
zu schaffen, verlegte Landgraf Georg I. (1567-
1596) die Wirtschaftsgebäude der Hofhal-
tung vor das Arheilger Tor im Norden. Dieses
Tor stand auf dem heutigen freien Platz un-
mittelbar östlich des Darmstadtiums; ein
Stück des an das Tor anschließenden Stadt-
mauerbogens ist heute noch vorhanden. Vor
dem Tor ließ Georg I. 1582 und 1583 einen
großen Wirtschaftsbau mit Mühle, Marstall,
Zehntscheuer, Schlachthaus und Hofmeierei
errichten. Außerdem sollte neuer Wohnraum
für neu hinzu gezogene Handwerker und für
Hofbeamte geschaffen werden. Daher kaufte
Georg I. östlich des Schlosses ein Gelände,
das aus Gärten, Weingärten und einer Kies-
2. Geschichte des Martinsviertels
13
Arheilger Straße 45Ruthsstraße / Ecke Loeffelstraße
Heinheimer Straße 13 & 15 Heinheimer Straße / Ecke Kaupstraße
Stadtansicht Hillscher Prospekt von 1775
Geschichte des Martinsviertels
1514
die „Alte Vorstadt“ und die „Vorstadt im Birn-
garten“, sind die stattlichen Häuser mit ba-
rocken Schweifgiebeln.
In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts
entwickelte sich vor dem Sporertor (Kant-
platz), umrahmt von einigen verstreut lie-
genden Gärten und Gartenhäusern, eine
kleine Wohnsiedlung mit der zentralen „Pan-
cratiengasse“, die der Siedlung den Namen
Pankratiusvorstadt gab. Hier ließen sich
Landwirte, Handwerker und Soldaten der
großen Darmstädter Garnison nieder. Der
in der Arheilger Straße für alle Darmstäd-
ter Bauern gehaltene Zuchteber trug dem
Viertel später den Namen „Watzeverdel“ ein.
Bis 1850 hatte sich das künftige Martins-
viertel zu einer geschlossenen, aber noch
wenig verdichteten Siedlung entwickelt, die
sich von der Schlossgartenstraße östlich
bis zur Dieburger Straße zog. In der zweiten
Hälfte des 19. Jahrhunderts sollte sich dies
nachhaltig ändern. Dazu trug vor allem
der enorme Bevölkerungszustrom im Zuge
der Industrialisierung bei. Um dem schnell
wachsenden Wohnungsbedarf gerecht zu
werden, ergänzten die städtischen Planer
die gewachsenen Straßenzüge ab etwa 1870
mit einem regelmäßig angelegten Straßen-
raster, an dem die Bebauung allmählich
weiter voranschritt, meist mit zwei- bis drei-
geschossigen Wohnhäusern.
Nach 1890 entstand in wenigen Jahren das
„Rhönringviertel“, der Bereich zwischen der
alten Pankratiusvorstadt und der Odenwald-
bahn, bebaut in großer Geschwindigkeit mit
meist viergeschossigen gründerzeitlichen
Miethäusern in geschlossener Blockbau-
weise. Mit dem raschen Wachsen des Mar -
tinsviertels ging auch die Ausweitung der
Infrastruktur einher. Neben Geschäften der
täglichen Versorgung entstanden Schulen,
Krankenhäuser, Kirchen und das Altenheim
in der Emilstraße.
Weiterer bedeutender Meilenstein in der Ge-
schichte des Martinsviertels: die Gründung
der Universität. Im Jahr 1877 hatte Großher-
zog Ludwig IV . die polytechnische Schule in
den Rang einer Universität erhoben und ihr
den Titel Technische Hochschule zu Darm-
stadt verliehen. Nach wie vor befinden sich
die zentralen Einrichtungen der heutigen
Technischen Universität zwischen Martins-
viertel und Innenstadt. 1891 entstand die
Hochschulstraße, an deren beiden Seiten
mächtige Institutsgebäude stehen; diese
kleine Stichstraße stellte die erste direkte
Verkehrsanbindung zwischen Martinsviertel
und Innenstadt dar.
Den Zweiten Weltkrieg, dem die Darmstädter
Altstadt fast vollständig zum Opfer fiel, hat
das Martinsviertel vergleichsweise glimpflich
überstanden. Schwere Schäden trugen die
technische Hochschule und der Bereich um
die Heinheimer, Pankratius- und Kranich-
steiner Straße sowie die Martinskirche und
die Sankt-Elisabeth-Kirche davon. Allerdings
blieb, im Gegensatz zur zentralen Innenstadt,
ein Großteil der historischen Bausubstanz er-
halten. Doch sollte das Viertel in den 1960er
Jahren an Attraktivität verlieren. Die Häuser
begannen zu verfallen, viele Bewohnerinnen
und Bewohner zogen fort. Um diesen Trend
aufzuhalten, wurde das gesamte Martinsvier-
tel als Sanierungsgebiet festgelegt.
Arheilger Straße 59, Hinterhof
Magdalenenstraße
Schreinerei Petri
Geschichte des Martinsviertels
1960 wurde für Darmstadt ein neuer Flächen-
nutzungsplan beschlossen. Man ging davon
aus, dass die Stadtbevölkerung in den näch-
sten Jahren von 135.000 auf 150.000 Men-
schen anwachsen würde. Um dieser Entwick-
lung gerecht zu werden, sah die Planung
mehrere Neubausiedlungen und großflächige
Gewerbegebiete im Nordwesten der Stadt vor.
Wichtigstes Element war jedoch der Ausbau
des Straßennetzes. In diesem Kontext gab es
Planungen zum Bau der Osttangente, einer
neuen mehrspurigen Hauptverkehrsstraße
durch das Martinsviertel, verbunden mit
dem Neubau moderner Wohnanlagen an der
Trasse in einem begrünten Umfeld. Zur Um-
setzung dieses Vorhabens war der Abriss der
alten Bausubstanz unumgänglich.
3. Ausgangslage
17
Rund um den Kantplatz 1961
3.1. Situation vor der Sanierung
Ausgangslage – Situation vor der Sanierung
Zwischen 1961 und 1970 nahm die Be-
völkerung im Martinsviertel dramatisch ab.
3500 Menschen verließen das Quartier, die
Einwohnerzahl sank von rund 18.000 auf
14.500. Der Grund: Viele alte Häuser boten
nicht den Wohnkomfort, der in modernen
Gebäuden mittlerweile als Standard galt.
Statt mit einer Zentralheizung waren sie mit
Kohle- oder Öleinzelöfen ausgestattet, oft
gab es weder Bad noch Toilette und fließend
warmes Wasser. Die Leitungen waren über
1918
Haus in der Kaupstraße, Zustand vor Sanierung
Putz verlegt; das WC befand sich meist auf
einem Zwischenpodest im Treppenhaus.
Vor allem aber fehlte es an Freiflächen und
Spielplätzen für Kinder. Aus den Gewerbe-
und Handwerksbetrieben in den Innen- und
Hinterhöfen drang an jedem Werktag der
Lärm von Maschinen und Geräten nach
draußen, was eine große Belastung für die
ganze Nachbarschaft bedeutete. Die vielen
Plätze im Martinsviertel wurden überwieg-
end zum Abstellen von PKW benutzt.
Texaco-Tankstelle, Rhönring Ecke Robert-Schneider-Straße
Ruthsstraße
Ausgangslage – Situation vor der Sanierung
3.2. Die Auseinandersetzung um die Osttangente
2120
Es musste also dringend gehandelt werden,
damit der Wegzug der Wohnbevölkerung
sowie der weitere Verfall der Altbauten auf-
gehalten werden konnten. Als Lösung für
diese Probleme hatte die Stadtplanung seit
Anfang der 1960er Jahre an einem Bebau-
ungsplanentwurf gearbeitet, der im zen-
tralen Bereich eine umfassende Flächen-
sanierung vorsah. Ein weiteres Kernstück
war der Bau einer weitgehend kreuzungs-
freien Verkehrstrasse mit einer mehrspu-
rigen Fahrbahn und Straßenbahngleisen
mitten durch das Viertel. Diese Straße soll-
te die Pendlerströme aus den südöstlich
von Darmstadt gelegenen Ortschaften auf
ihrem Weg in die Industriegebiete im Nord-
westen der Stadt aufnehmen. Um die City
zu entlasten, wurde eine Tangente östlich
der Innenstadt geplant, die die Nieder-Ram-
städter-Straße über die Teichhausstraße
und die Pützerstraße durch das Martins-
viertel weiter nach Norden führen sollte.
Doch würde diese so genannte Osttan-
gente das Viertel in zwei Hälften teilen, die
kaum noch miteinander verbunden wären.
Konsequent begann die Stadt, Häuser auf-
zukaufen. Um Platz für die geplante Tras-
senführung zu schaffen, sollten in deren
Umfeld zahlreiche Gebäude abgerissen und
Straßen neu geordnet werden. Außerdem
waren mehrstöckige Neubauten entlang der
Osttangente vorgesehen.
Ansicht der Arheilger Straße mit im Norden ausgebauter Osttangente, 1979
Straßenquerschnitt der geplanten Osttangente
Cover der Stardtteil Zeitung Martinsviertel, Mai 1972
Ausgangslage – Die Auseinandersetzung um die Osttangente
Von Anfang an regte sich im Martinsviertel
Widerstand gegen dieses Vorhaben. In den
folgenden Jahren wurde zwar der Bebauungs-
plan mehrfach geändert, und auch für die
Osttangente gab es unterschiedliche Entwür-
fe, an der grundsätzlichen Idee einer Schnell-
straße mitten durch das Viertel hielten die
Verantwortlichen in Politik und Verwaltung
weiterhin fest. So veröffentlichte die Stadt
1980 eine Broschüre, in der die Osttangente,
mittlerweile in „Arheilger Allee“ umbenannt
und deutlich verschlankt, als „Grüne Achse
der Vernunft“ bezeichnet wurde. Doch auch
dieser Vorschlag konnte die Bürgerinnen
und Bürger nicht überzeugen. 1976 hatte
sich eine Bürgerinitiative gegen den Bau
der Schnellstraße gebildet, aus der ein Jahr
später die „Wählergemeinschaft Darmstadt“
(WGD) hervorgehen sollte. Dieser gelang es
auf Anhieb und nur zwei Monate nach ihrer
Gründung, bei der Kommunalwahl im Mai
1977 acht Prozent der Stimmen für sich zu
gewinnen und in die Stadtverordnetenver -
sammlung einzuziehen. Innerhalb des Mar -
tinsviertels hatten sogar 18,2 Prozent der
Wahlberechtigten für die WGD gestimmt.
1981 reichten die Stimmanteile von SPD und
Wählergemeinschaft bei der Kommunalwahl
2322
für einen Machtwechsel im Stadtparlament.
Die bisherige CDU/FDP-Regierung wurde
abgelöst und durch eine Koalition aus Wäh-
lergemeinschaft und Sozialdemokraten er -
setzt. Diese beschloss als eine ihrer ersten
„Amtshandlungen“, neue Wohnhäuser im
Sozialen Wohnungsbau an der Ecke Heinhei-
mer Straße/Dieburger Straße bauen zu las-
sen – dort sollte ursprünglich ein Teilstück
der Osttangente verlaufen (siehe Foto S 32).
Der Plan einer Schnellstraße mitten durchs
Martinsviertel war damit faktisch vom Tisch.
Arheilger Straße 2015
Cover Schallplatte – Osttangenten Blues... (1978)
Rückseite Cover Schallplatte (Ausschnitt)
Ausgangslage – Die Auseinandersetzung um die Osttangente
Von Anfang an hatte das bei der Sanierung
federführende Stadtplanungsamt großen
Wert darauf gelegt, die Bewohnerinnen und
Bewohner des Martinsviertels über alle ge-
planten Sanierungsmaßnahmen zu infor-
mieren und möglichst auch in alle wichtigen
Entscheidungsprozesse miteinzubeziehen.
Damit nahm die Wissenschaftsstadt Darm-
stadt – neben Berlin – bei der Entwicklung
neuer Formen der demokratischen Teil-
habe eine Vorreiterrolle ein. Was im Mar -
tinsviertel erprobt und praktiziert wurde,
ist heute Standard bei allen Planungsver -
fahren. Damals aber betrat man Neuland.
4. Bürgerbeteiligung
251
Einweihung Petri-Block Gemeinschaftsanlage 1980
Bürgerbeteiligung
Einweihung Skulpturen Kantplatz 2007
der das Anliegen einer bestimmten Gruppe
– meist das der sozial Benachteiligten – ge-
genüber der Obrigkeit vertritt. Die Anwalts-
planer für das Martinsviertel waren bei der
Kommunalverwaltung angestellt, aber ihr
gegenüber nicht weisungsgebunden. Ihre
Aufgabe im Martinsviertel sollte es sein,
dessen Bewohnerschaft die städtischen
Sanierungspläne in ihren Grundzügen zu er -
läutern. Vor allem aber sollten sie zwischen
der Verwaltung und den Bürgern als Mittler
auftreten, um einen „Ausgleich zwischen
Gruppen- und Allgemeininteressen zu fin-
den“, wie es damals in einer Presseerklärung
der Stadtregierung hieß. Die Anwaltsplaner
bezogen damals mitten im Martinsviertel ein
2726
Besondere Bedeutung haben in diesem
Zusammenhang die beiden so genannten
„Anwaltsplaner“, die 1974 vom Magistrat der
Stadt im Martinsviertel und schon vorher im
Jahre 1972 im neuen Stadtteil Kranichstein
eingesetzt wurden. Ursprünglich stammt die
Idee der „Advokaten“ aus der Bürgerrechts-
bewegung der USA der 1960er Jahre. Ausge-
hend von der Überlegung, dass der Prozess
der Meinungsbildung in einer Demokratie
genauso der Suche nach Wahrheit verpfli-
chtet ist wie eine Gerichtsverhandlung, sollen
möglichst unterschiedliche Stimmen und An-
sichten gehört werden, bevor man zu einem
Urteilsschluss gelangt. Dem „Advokaten“
kommt dabei die Rolle eines Verteidigers zu,
eigenes Büro und richteten eine Sprechstunde
für alle interessierten Bürgerinnen und Bürg-
er ein. Gleichzeitig suchten sie das Gespräch
mit Vertretern der ortsansässigen Vereine und
politischen Organisationen. Dabei konnten sie
beobachten, dass die geplante Osttangente die
Menschen am stärksten beschäftigte. Deshalb
luden die Anwaltsplaner 1976 zu einer Bürger -
versammlung zu diesem Thema ein, in deren
Folge sich die Gegner der Osttangente zu einer
Bürgerinitiative zusammen schlossen.
Petri-Block Gemeinschaftsanlage 1979
Faltblatt “Rundgang MartinsvierteJuni 2005Petri-Block Gemeinschaftsanlage Einweihung 1980
Bürgerbeteiligung
Mit einer intensiven Informationspolitik der
Stadtregierung wurde die Bürgerschaft am
Prozess der Sanierung beteiligt. Im Laufe
der Zeit wurden mehr als 70 verschiedene
Faltblätter und Broschüren gedruckt und
im Quartier verteilt, die die vielfältigen
Themen rund um die Sanierung aufgrif-
fen und erläuterten. Darunter fand sich:
Allgemeines zur Sanierung, Rahmenpla-
nung, Planungsvorschläge für Bebauungs-
plan-Entwürfe, Planungsvorschläge für
Block-Neuordnungen, Verkehrskonzepte,
Neugestaltung von Straßen und Plätzen,
Neugestaltung von Grünflächen und die
Errichtung von Spielplätzen.
Außerdem wurden die Bürgerinnen und
Bürger immer wieder zu Informations- und
Diskussionsveranstaltungen eingeladen.
Ihre Meinung war in jedem Fall gefragt:
Persönlich adressierte Schreiben sollten
jeden dazu ermutigen, sich zu äußern und
alternative Vorschläge zu unterbreiten. In
vielen Häusern entstanden Arbeitsgruppen,
die eigene Konzepte für die Neugestaltung
ihres Wohnumfelds entwickelten. Auch die
Kinder wurden miteinbezogen. So ließ man
sie nicht nur bei der Planung neuer Spiel-
plätze mitreden: Man ermutigte sie außer -
dem dazu, eigene Ideen und Entwürfe ein-
zubringen und sich bei deren Umsetzung
selbst handwerklich zu betätigen.
Diese intensive Beteiligungspraxis wurde bis
zum Abschluss der Sanierung umgesetzt und
über die vielen Jahre hinweg von der Stadt-
politik unterstützt.
Deutliches Symbol für Bürgernähe: Die San-
ierungsabteilung des Stadtplanungsamtes
bezog mitten im Martinsviertel im Achteck-
haus in der Mauerstraße von 1990 - 1998
ihr Quartier. Damit waren sie für die Bewoh-
nerinnen und Bewohner vor Ort präsent und
ansprechbar: „Wir berieten bis ins Wohn-
zimmer und ins Leben hinein“, beschreibt
einer der Planer das enge, vertrauensvolle
Verhältnis, das sich allmählich zwischen den
städtischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeit-
ern und der Bevölkerung entwickelte.
Planungsentwurf Spielplatz an der Müllerstraße
Achteckhaus,
Workshop Spielplatz Müllerstraße 2010
Faltblätter und Broschüren
2928
Bürgerbeteiligung
Während fast 20 Jahre lang an der Idee der
Osttangente festgehalten wurde, zeichnete
sich im Laufe der Zeit bei anderen Vorha-
ben und Zielen der Sanierung ein deutlicher
Wandel ab. Die Stadtplanerinnen und Stadt-
planer sahen die so genannte „Flächen-
sanierung“, also den Abriss alter Häuser
5. Die vier Säulen der Sanierung
311
und die Neuordnung ganzer Straßenblöcke,
nicht mehr als Lösung an. Vielmehr hatte
während der 1970er Jahre ein Umdenken
stattgefunden. Historische Bausubstanz galt
nunmehr als erhaltenswert. Das neue Leit-
bild der Sanierung hieß „erhaltende Erneu-
erung“ statt „Kahlschlag“.
Begrünung im Marinsviertel Begrünung im MarinsviertelGardistenstraße
Die vier Säulen der Sanierung
Das im Jahr 1971 neu verabschiedete Städ-
tebauförderungsgesetz schrieb unter an-
derem die Aufstellung eines Sozialplans für
die Sanierung vor. Diese Bestimmung findet
sich auch heute noch im Baugesetzbuch. Im
Falle des Martinsviertels enthielt dieser So-
zialplan, der im Herbst 1972 verabschiedet
wurde, unter anderem folgende Punkte:
1. Niemand soll während der Hausmoder-
nisierungen gegen seinen Willen sein ange-
stammtes Wohnviertel verlassen müssen.
Daher müssen ausreichend Ersatzwohnun-
gen zur Verfügung gestellt werden.
2. Um die Mieten auf einem maßvollen
Niveau halten zu können, soll der Bau von
neuen Wohnungen möglichst mit öffentli-
chen Geldern gefördert werden und die
Stadt ein Belegungsrecht ausüben und eine
Mietpreisgrenze festlegen können.
Der damalige Darmstädter Oberbürger -
meister, Heinz Winfried Sabais, richtete
eine ihm direkt unterstellte Arbeitsgruppe
ein, die die Einhaltung der im Sozialplan
beschlossenen Punkte überwachen sollte.
Diese Arbeitsgruppe setzte durch, dass die
Stadt keine Aufgaben an externe Sanierungs-
träger übertrug, sondern selbst für die Sa-
nierung Regie und Verantwortung über -
nahm. Das umfangreiche Vorhaben wurde
als Querschnittsaufgabe verstanden, bei der
interdisziplinär alle beteiligten Ämter ge-
meinsam an einem Strang zogen.
Im April 1975 wurden die wesentlichen Ziele
des Sanierungsvorhabens in einem Rah-
menplan formuliert. In dessen erster Fas-
sung war noch die Osttangente enthalten.
Der anhaltende Widerstand der Bevölkerung
und die veränderten Machtverhältnisse im
Stadtparlament sorgten jedoch dafür, dass
man dieses Vorhaben fallen ließ. Stattdes-
sen wurde 1981 ein neues Verkehrskonzept
in den Rahmenplan aufgenommen, das
Vorschläge zur Verkehrsberuhigung von
Wohnstraßen und zur Schaffung zusätzlicher
Parkplätze enthielt.
Für die Erneuerung des Martinsviertels wur -
den „vier Säulen der Sanierung“ formuliert:
1. Modernisierung der Häuser
2. Neugestaltung von Straßen und Plätzen
3. Schaffung von gemeinsamen Innenhöfen
4. Ausbau der Sozialen Infrastruktur
Zusätzlich wurde darauf geachtet, die Nah-
versorgung im Viertel zu sichern, indem für
neue Lebensmittelgeschäfte Genehmigun-
gen erteilt und dafür Sorge getragen wurde,
bestehende Standorte zu erhalten.
Dieburger Straße 6-8, Neubau Dieburger Straße 6-8, vor dem Neubau
3332
Liebfrauenstraße 47 vor der Sanierung Liebfrauenstraße 47 nach der Sanierung
Die vier Säulen der Sanierung
Situation sollte es sich jetzt als Vorteil er -
weisen, dass die Stadt als Vorbereitung auf
den Bau der Osttangente selbst Häuser rund
um die geplante Trasse aufgekauft hatte. So
befanden sich von den insgesamt 91 Gebäu-
den, die zwischen 1977 und 2015 im Martins-
viertel modernisiert wurden, 56 Häuser mit
273 Wohneinheiten in kommunalem Besitz.
In diesen Fällen konnte man auf Mittel aus
der Städtebauförderung und aus dem So-
Bei der Sanierung der vielen Altbauten im
Martinsviertel sahen sich die Planerinnen
und Planer vor eine schwierige Aufgabe ge-
stellt: Sie sollten die zum Teil maroden und
einfachst ausgestatteten Häuser auf einen
modernen und zeitgemäßen Standard brin-
gen. Gleichzeitig durften die Mieten aber
nicht wesentlich steigen, um zu verhindern,
dass die angestammte Wohnbevölkerung
aus dem Viertel verdrängt würde. In dieser
5.1. Modernisierung der Häuser
3534
zialen Wohnungsbau zurückgreifen, um die
Modernisierung zu finanzieren. So wurde es
möglich, die Mieten niedrig zu halten.
Privaten Hausbesitzern wurden steuerliche
Abschreibungsmöglichkeiten aufgezeigt und
Zuschüsse aus dem Etat der Städtebauförder-
ung bewilligt. Allerdings war daran die Bedin-
gung geknüpft, dass für die Wohnungen eine
Mietpreisbindung galt und die Stadt das Be-
legungsrecht erhielt. Viele Eigentümer schaff-
ten die Modernisierung aber auch, ohne Städ-
tebaufördermittel in Anspruch zu nehmen.
Zusätzlich zu den sanierten Gebäuden
wurden 50 Neubauten errichtet, einige mit
Mitteln des Sozialen Wohnungsbaus, um
das Angebot an bezahlbarem Wohnraum
zu vergrößern.
Arheilger Straße Ecke Barkhausstraße
Urkunden für gute Leistungen in der Stadtsanierung
Die vier Säulen der Sanierung – Modernisierung der Häuser
Was sollte mit den Hausbewohnern gesche-
hen, während ihre Wohnungen saniert wurden?
Anfänglich hatte man geglaubt, sie könnten in
dieser Zeit alle zu Hause wohnen bleiben, aber
die Beeinträchtigungen durch Staub, Lärm,
abgestelltes Wasser und gekappte Stromleitun-
gen erwiesen sich mitunter doch als zu groß,
als dass es möglich gewesen wäre, einen nor-
malen Alltag fortzusetzen. In vielen Fällen wur-
den den Mietern daher während der Kernbauzeit
Ersatzwohnungen angeboten. Hier war es von
großem Vorteil, dass bereits sanierte Wohnun-
gen in städtischen Häusern im Martinsviertel
zur Verfügung standen, deren Miete im Rah-
men des sozialen Wohnungsbaus bezuschusst
wurde. Um die schwierigen Auftaktgespräche
möglichst in angenehmer Atmosphäre führen
zu können, kamen die Modernisierungsber-
ater zum ersten Kennenlernen am liebsten zu
den Mietern nach Hause. Unter den Mitarbei-
tern im Stadtplanungsamt erinnert man sich
noch lebhaft an die vielen Abende, die man bei
Tee und Gebäck ausführlich die Umzugspläne
mit den Betroffenen besprach. Einmal platzte
ein Berater bei seinem Hausbesuch mitten in
eine Familienfeier hinein. In der Küche waren
die Gastgeber gerade damit beschäftigt, eine
Schweinehälfte zu zerlegen. Spontan lud man
ihn ein, dazubleiben und mitzuessen und
zu feiern.
Insbesondere ältere Bewohnerinnen und Bewoh-
ner mussten zunächst grundsätzlich davon über-
zeugt werden, dass eine Modernisierung ihrer
Wohnung durchaus sinnvoll war: „Stellen Sie
sich vor, Sie drehen an einem Knopf und es wird
warm! Und Sie brauchen nie mehr Briketts aus
dem Keller zu holen!“ Aber es gab auch andere
3736
Probleme: So erschien für eine alleinlebende
Frau der Umzug in eine kleinere Übergangswoh-
nung nicht möglich zu sein, weil dort das Ehe-
bett nicht ins Schlafzimmer gepasst hätte. Die
städtischen Berater fanden eine Lösung: Das
Bett wurde von einer Schreinerei fachgerecht
zersägt. Die vorerst nicht mehr benötigte zweite
Hälfte wurde im Keller eingelagert.
Insgesamt sind sich alle städtischen Mitarbei-
ter bis heute einig: Die Geduld und Flexibilität
der Martinsviertler waren beeindruckend. Wer
nicht umzog, hatte mit einigen Widrigkeiten zu
kämpfen. Kurzzeitig mussten Fenster mit Plas-
tikfolie abgedichtet oder Zimmer mit Kerzen
beleuchtet werden, wenn der Strom abgestellt
werden musste. Mitunter, sofern kein Aus-
weichquartier vor Ort gefunden werden konnte,
schickte man die Bewohner auch kurzfristig
in den Urlaub. Eine Familie zog zum Beispiel
kurzzeitig in eine Unterkunft im benachbarten
Odenwald und nutzte so das Ausweichquartier
für die geplanten Ferien. Die Sache hatte
nur einen Haken: Das Hotel dort gestattete
keine Hunde. Wohin also mit dem Vierbeiner
während dieser Zeit? Auch dieses Problem
wurde gelöst: Der Hund zog vorübergehend zu
einem der Stadtplaner. Man erzählt sich, beide
seien ganz prima miteinander ausgekommen.
Diese positiven Geschichten trugen dazu bei,
dass sich das Klima zwischen Bürgerschaft und
Stadtplanung verbesserte. Wo anfänglich Miss-
trauen und Ablehnung vorherrschten, wuchs
das Vertrauen. Am Ende verstanden sich beide
Seiten als Partner, die gemeinsam das Beste
für sich und das Martinsviertel schaffen wollten.
Haus und Hof in der Gardistenstraße vor der Sanierung Haus und Hof in der Gardistenstraße nach der Sanierung
Haus in der Magdalenenstraße nach der Sanierung 2015
Haus in der Magdalenenstraße vor der Sanierung
Es ging nicht immer alles nach Plan ....
Die vier Säulen der Sanierung – Modernisierung der Häuser
3938
Gutenbergstraße / Ecke Heinheimer Straße vor der Sanierung
Oben und unten: Auch auf Details wurde bei der Sanierung wertgelegt
Gutenbergstraße / Ecke Heinheimer Straße nach der Sanierung
Die vier Säulen der Sanierung – Modernisierung der Häuser
Ein wichtiger Schritt bestand daher zunächst
in der Verkehrsberuhigung. So wurden an
vielen Stellen Tempo-30-Zonen eingerichtet
und Fahrbahnbreiten verringert, damit der
Verkehr sich verlangsamen musste. Außer -
dem ließen die Stadtplaner im Martinsviertel
an einigen Kreuzungen Betonröhren aufstel-
len, die die Autofahrer dazu zwangen, beim
Abbiegen Gas wegzunehmen. Diese „Behin-
derung“ stellte für viele Bürgerinnen und
Bürger ein Ärgernis dar, und daran änderten
auch die hübschen Blumen nichts, mit denen
die Stadt die Röhren bepflanzen ließ. Heute
sind die Betonröhren weitestgehend aus dem
Straßenbild verschwunden, nur vereinzelt be-
finden sich noch einige Exemplare im Viertel.
In den 1970er Jahren wuchs das Verkehrs-
aufkommen in allen bundesdeutschen Städ-
ten immer mehr an, so auch in Darmstadt.
Im Martinsviertel mit seinen vielen kleinen
Straßen bedeutete der massive Pkw-Verkehr
eine echte Gefahr für den Fuß- und Rad-
verkehr; hinzu kam die Belästigung der An-
wohnerschaft durch Abgase und Lärm. Oft
wurden die Autos „wild geparkt“, wo immer
sich eine Freifläche anbot. Die Folge: Der
öffentliche Raum verödete und büßte seine
Attraktivität als Ort der Begegnung und Platz
zum Verweilen ein.
5.2. Neugestaltung von Straßen und Plätzen
4140
Mollerplatz vor dem Umbau Mollerplatz nach dem Umbau
Getestet wurden zusätzlich auffällige Fahr -
bahnmarkierungen, die den Autoverkehr
dazu auffordern sollte, die Geschwindig-
keit zu drosseln. Um die Sicherheit für den
Fußverkehr zu erhöhen, wurden einige neue
Fußwege innerhalb der Wohnblocks ange-
legt. Benannt wurden vier dieser Wege nach
Figuren aus Ernst-Elias Niebergalls „Datter -
ich“: Benglerweg, Bennelbächerweg, Dat-
terichweg, Spirwesweg; hinzu kommt eine
Fuß- und Radwegeverbindung zwischen
Pankratiusstraße und Ruthsstraße. Damit
entstanden abseits der Straßen und des
Durchgangsverkehrs bequeme, fußläufige
Verbindungen durch das Viertel.
Zur Schaffung von Stellplätzen wurden mit
Städtebaufördermitteln so genannte „Park-
paletten“ gebaut – zweigeschossige Parkhäu-
ser mit einer Kombination von anmietbaren
Dauerstellplätzen und öffentlichen Park-
möglichkeiten. Diese entstanden unter an-
derem in der Heinheimer Straße 37, in der
Taunusstraße 24 und in der Vogelsberg-
straße 36. In der Heinheimer Straße 12-16
wurde eine private Tiefgarage errichtet, die
wegen der Förderung durch Städtebauförder-
mittel tagsüber teilweise auch öffentlich ge-
nutzt werden kann.
Kantplatz vor der Sanierung – Autos wurden einfach abgestellt
Die vier Säulen der Sanierung – Neugestaltung von Straßen und Plätzen
Schlossgartenplatz 2015
Schlossgartenplatz vor der Sanierung, Blick von oben
Schlossgartenplatz vor der Sanierung
4342
Dass das Martinsviertel heute als leben-
diges Innenstadtquartier gilt, hat viel mit
seinen Plätzen zu tun. Sobald es das Wetter
zulässt, sind sie von Menschen bevölkert, die
zusammensitzen oder sich einfach ausruhen
und ihr Gesicht in die Sonne halten. Bei der
Umgestaltung wurde darauf geachtet, dass
Raum für nicht kommerzielle Nutzungen er -
halten blieb. Vor der Sanierung wurden diese
Plätze vor allem als praktische Abstellfläche
zum Parken angesehen, wie der Blick von
oben auf den Schlossgartenplatz beweist.
Dieser Platz wurde als erster neu gestaltet:
Mit nur wenigen Mitteln gelang es, eine tote
Fläche in einen beliebten Treffpunkt für Jung
und Alt zu verwandeln. So wurde die Straße
am Ostrand des Platzes aufgehoben und
ein Fußweg mit Bänken angelegt. Der Brun-
nen lädt Kinder zu fröhlichen Wasserspielen
ein. Durch eine verbesserte Verkehrsführung
konnte außerdem die Freifläche vergrößert
werden. Hier lässt es sich herrlich im Schat-
ten alter Platanen ausruhen.
Die vier Säulen der Sanierung – Neugestaltung von Straßen und Plätzen
4544
Der Taunusplatz verbindet den westlichen
und östlichen Teil des Martinsviertels mitein-
ander. Mit einer Begrünung und Bänken
konnte dieser Ort an der Kranichsteiner
Straße zu einer kleinen, von Gründerzeit-
fassaden umstandenen Oase verwandelt
werden, in der die Menschen des Viertels
gerne verweilen. Auch die Gäste der dort an-
sässigen Gastronomie zieht es im Sommer
oft nach draußen auf den Platz.
Der ursprüngliche Ballonplatz wurde 1606
als Ballspielplatz für die Angehörigen des
Hofes angelegt, aber im Zuge der Univer -
sitätserweiterung bebaut. Der heutige Bal-
lonplatz an der Alexanderstraße wird an zwei
Seiten von Häuserzeilen begrenzt, in deren
Grundgeschoss sich Arkaden mit Geschäften
befinden. Ehemals befand sich auf diesem
Areal eine Tankstelle.
Ballonplatz vor der Sanierung
Der Riegerplatz wurde viele Jahre als reiner
Parkplatz genutzt. Doch hat er sich im Zuge
der Sanierung zu einem beliebten und viel -
seitig genutzten urbanen Treffpunkt entwi-
ckelt, was vor allem der Initiative „Lebendiger
Riegerplatz“ e.V . zu verdanken ist. Zunächst
war sich die Anwohnerschaft uneins, was mit
diesem Platz geschehen soll: Die einen wol-
lten die Parkplätze erhalten, während sich
die anderen einen Freiraum zur kreativen
Nutzung wünschten. Am Ende konnte ein
oben: Riergerplatz vor der Sanierung; unten: Riegerplatz 2015
Kompromiss gefunden werden: So wurde ein
Drittel der Parkierungsfläche in ein offenes
Areal umgewandelt. Hier finden immer wie-
der Veranstaltungen statt, wie Bauernmärkte,
Flohmärkte und verschiedene Feste. Im Som-
mer lockt das Open-air-Kino, im September
die Martins-Kerb und an jedem sonnigen Tag
die Tische und Stühle der Cafés und Restau-
rants. 2015 hat sich der Verein „Wohnzimmer
Riegerplatz“ gegründet, der das Engagement
der früheren Initiative fortsetzt.
Taunusplatz vor der Sanierung
Ballonplatz 2015 Taunusplatz 2015
Die vier Säulen der Sanierung – Neugestaltung von Straßen und Plätzen
Der kleine Platz zwischen Kaupstraße, Lich-
tenbergstraße und Liebfrauenstraße hat keine
offizielle Bezeichnung. Er wird im Martins-
viertel umgangssprachlich „Lichtenberg-
platz“ genannt. Bei seiner Neugestaltung
wurde nicht nur seine gesamte Fläche,
sondern auch die Lichtenberg- und Kaup-
straße zum verkehrsberuhigten Bereich er-
klärt. Seitdem lässt es sich ungestört unter
dem Blätterdach der vier großen Platanen
verweilen. Die Trafo-Station bleibt zwar für
die Versorgung des Viertels unentbehrlich.
Aber man entschloss sich dazu, das alte
4746
Gebäude abzureißen und durch ein klei-
neres zu ersetzen. Es wurde leicht versetzt
an anderer Stelle errichtet. Die neue Sta-
tion ist mit einer Stahlkonstruktion verklei-
det und wurde an ihrer einen Seite durch
einen Pavillon mit Sitzbänken ergänzt. Auch
hier waren die Anwohnerinnen und Anwoh-
ner am Entwurfsprozess beteiligt und ent-
schieden über die Farbgebung und andere
Details. Das Besondere daran: Die Fassade
der Trafo-Station ist mit großformatigen Zi-
taten von Georg Christoph Lichtenberg be-
schriftet, die abends hinterleuchtet sind.
Wo früher wahllos Autos abgestellt wur -
den, findet sich heute auf dem Moller -
platz eine großzügige Freifläche zwischen
Robert-Schneider-Straße, Mollerstraße und
Barkhausstraße. Hier kann man sich unter
dem grünen Dach der Bäume niederlassen
und entspannen. Dominiert wird dieser Platz
von einer unnahbaren Schönheit: Die „Große
Schreitende im Abendkleid“, eine Bronz-
eskulptur und Auftragsarbeit des Bildhauers
Richard Heß, die unvermittelt zwischen den
Baumstämmen hervorzutreten scheint und
zum Wahrzeichen dieses Orts geworden ist.
Der Kantplatz ist einer der bekanntesten
und beliebtesten Plätze des Martinsvier -
tels. An diesem zentralen Platz zwischen
Innenstadt und Martinsviertel treffen fünf
Straßen sowie die Alte Vorstadt, die Pank-
ratiusvorstadt und die Technische Univer -
sität aufeinander, während im Hintergrund
die alten Bäume des Herrngartens auf-
ragen. Hervorstechend sind das sanier-
te Maschinenhaus in der Magdalenenstraße
und die historischen Bauten der Technische
Universität Darmstadt entlang der Hochschul-
straße aus der Wende zum 20. Jahrhundert.
Lange Jahre war ein großer Teil des Kant-
platzes eine unbefestigte Parkplatzfläche. Im
Rahmen der Sanierung wurde der Platz als
Scharnier zwischen Universität, Herrngar -
ten und Martinsviertel neu gestaltet und im
Jahr 2004 eingeweiht. Künstlerisch gestaltete
Sitzmöbel mit Skulpturen zum Thema Kant
sowie weitere Sitzmöglichkeiten bieten hier
eine besondere Aufenthaltsqualität.
Lichtenbergplatz 2015
Oben: Kantplatz vor der Sanierung
unten: Kantplatz 2015
Oben: Mollerplatz vor der Sanierung
unten: Mollerplatz 2015
Die vier Säulen der Sanierung – Neugestaltung von Straßen und Plätzen
Um das Sanierungsziel „Mehr Licht, Luft und
Sonne“ verwirklichen zu können, mussten die
Innenhöfe der Wohnblöcke im Martinsviertel
neugestaltet werden. Kleinere Fabrikhallen,
Schuppen, Garagen oder vereinzelte Wohn -
häuser hatten im Laufe der Jahrzehnte diese
Innenflächen in verbaute, stickige und un-
freundliche Areale verwandelt. Der Neuord-
5.3. Blockinnenräume
5.3.1. Neuordnung der Blockinnenräume
48
nung dieser Räume ging meist ein längeres
und aufwändiges Planungsverfahren voraus,
an dem sich die Blockbewohnerinnen und -be-
wohner beteiligten. Für rund dreiviertel der
Blöcke wurden eigene Bebauungspläne erar -
beitet, die vom Stadtparlament verbindlich
beschlossen wurden.
49
Historische Fotos vom Lichtenberg Block mit den alten Schuppen, Garagen und vereinzelten Wohnhäusern vor der NeuordnungLichtenbergblock nach der Neuordnung
Die vier Säulen der Sanierung – Neuordnung der Blockinnenräume
5.3.2. Private Gemeinschaftsanlagen
Wer heute durch die Straßen des Martins-
viertels geht, wird immer wieder überrascht
durch Einblicke in blühende Gärten mit
schattenspendenden Bäumen und Lauben,
dichtbepflanzten Beeten, lauschigen Plätzen,
Sandkisten, Schaukeln und Rutschen. Diese
Oasen geben dem Viertel sein ganz beson-
deres Gepräge: 14 Gemeinschaftsanlagen, die
im Zuge der Sanierung eingerichtet wurden.
Darunter versteht man Flächen, die durch
die Zusammenlegung von Teilen mehrer-
er Innenhöfe innerhalb eines Häuserblocks
entstanden sind und von den Bewohnerinnen
und Bewohnern gemeinsam als Freibereich
genutzt werden können.
Was auf den ersten Blick als einleuchtende
Lösung erscheint, um mitten in einem dicht-
bebauten Quartier mehr Grün und Platz zu
schaffen, erwies sich jedoch zunächst als
schwer umsetzbar. So mussten in kompli-
zierten Umlegungsverfahren die Eigentums-
verhältnisse und die Grundstücksaufteilung
neu geordnet werden. Auch hier sollten alle
Beteiligten, Eigentümerinnen und Eigentü-
mer sowie die Anwohnerschaft von Anfang
an intensiv in die Planungen einbezogen
werden. Diese Planungen führten zu vielen
Diskussionen, weil verschiedene Vorstellun-
gen zur Gestaltung der neuen Freiflächen
einander entgegen standen. Letztendlich
konnte man sich einigen und die privaten
Gemeinschaftsanlagen wurden mit öffent-
lichen Fördermitteln unter der Regie des
Grünflächenamtes ausgebaut.
Der Petri-Block vor der Sanierung:
ein zugebauter Blockinnenraum Der Petri-Block: Neuordnungskonzept mit
Grün- Spielflächen als Gemeinschaftsanlage
50 51
Die vier Säulen der Sanierung – Private Gemeinschaftsanlagen
Heute erinnert nichts mehr an die anfäng-
lichen Auseinandersetzungen. Kaum noch
vorstellbar ist, dass dort, wo sich jetzt Ra-
senflächen, Beete, Grillplätze oder Spiel-
geräte befinden, ehemals Werkstätten oder
Fabrikhallen standen, in denen täglich
schwer gearbeitet wurde. Die so genannten
„störenden Betriebe“ mit ihren Lärm- und
Schadstoffemissionen trugen nicht uner -
heblich dazu bei, dass viele Bewohnerin-
nen und Bewohner das Viertel verließen
und in die Darmstädter Peripherie zogen.
Insgesamt 31 Betriebe wurden im Verlauf
der Sanierung verlagert oder haben aus be-
trieblichen Gründen einen neuen Standort
bezogen. Darunter befanden sich mehrere
Autowerkstätten, Tankstellen, ein Galva-
nisierungsbetrieb, eine namhafte Aufzugs-
firma und ein Metallverarbeitungsbetrieb.
Geblieben sind ihre Namen in den Bezeich-
nungen der Bebauungspläne: So trägt der
Bäko-Block, zwischen der Kranichsteiner
Straße, der Heinheimer Straße, der Müller -
straße und der Lichtenberstraße bis heute
im Bebauungsplan den Namen des Fach-
großhandels für Bäcker und Konditoren, der
hier einst seine Niederlassung hatte. Es han-
delt sich hier um den ersten Block, dessen In-
nenbereich 1976 auf einer Teilfläche in eine
Gemeinschaftsanlage umgewandelt wurde.
Der Petri-Block zwischen Kaupstraße, Pank-
ratiusstraße, Liebfrauenstraße und Heinhei-
mer Straße ist nach der Schreinerei Petri
benannt, die sich früher auf diesem Areal
befand. Nach deren Wegzug wurden mehrere
Gebäude abgerissen. Heute findet sich hier
eine schöne Grünanlage mit einer großen
parkähnlichen Freifläche, vielen Büschen und
Bäumen und einem Spielplatz für Kinder.
Links: Bäko-Block nach der Neuordnung; rechts: Bäko-Block Abriss der Gebäude (hinter Kranichsteiner Straße 10-12)
Der Magdalenenblock, benannt nach der
gleichnamigen Straße, liegt in unmittelbarer
Nachbarschaft zur Technischen Universität
Darmstadt. Die historischen Schweifgiebel-
häuser in der Magdalenenstraße mussten
zum Teil nach dem 2. Weltkrieg rekonstru-
iert werden. Der Blockinnenraum hat im
Zuge der Sanierung einige Veränderungen
erfahren. Durch die Verlagerung eines Stahl-
baubetriebes konnte der Innenbereich neu
geordnet und gestaltet werden. Die Wissen-
schaftsstadt Darmstadt hat hier in Abstim-
mung mit den Interessen der Bewohnerschaft
und der Eigentümer bis 2008 vier private Ge-
meinschaftsanlagen errichtet.
Magdalenenblock nach der Sanierung
Magdalenenblock vor der Sanierung
52 53
Die vier Säulen der Sanierung – Private Gemeinschaftsanlagen
Das denkmalgeschützte Gebäude mit dem
charakteristischen überwölbenden Brücken-
bau über die Ploenniesstraße, in dem sich
heute noch eine Turnhalle befindet, stammt
aus dem Anfang des 20. Jahrhunderts. Im
Krieg nur geringfügig beschädigt, war die
Kyritzschule nach 1945 die erste in Darm-
stadt, die den Unterrichtsbetrieb wieder
aufnahm. Heute finden sich in den Räumen
ein Frauenkulturzentrum, zwei Kinderhorte,
eine Zweigstelle der Alice-Eleonoren-Berufs-
schule und eine zusätzliche Nutzung durch
die Goetheschule (Grundschule). Zukünftig
soll das Gebäude wieder seiner ursprungli-
chen Funktion als Grundschule dienen.
Zu Beginn der Sanierung herrschte im Mar -
tinsviertel ein Mangel an Spielplätzen und
Freiflächen für Kinder. Doch ist es in einem
so dichtbebauten Quartier schwer, Flächen
für neue Spielplätze ausfindig zu machen.
Es entstand daher die Idee, zwei Schulhöfe
neu zu gestalten und nachmittags für alle
Kinder und Jugendlichen aus der Nachbar -
schaft zu öffnen. Dies betraf zum einen die
Schillerschule in der Müllerstraße und die
Kyritzschule in der Emilstraße.
5.4. Soziale Einrichtungen / Infrastruktur
Die vier Säulen der Sanierung – Private Gemeinschaftsanlagen
Kyritzschule
Im August 2011 konnte die aufwändige und
phantasievolle Neugestaltung des Schulhofs
der Kyritzschule abgeschlossen werden. So
ist das gesamte Areal in zwei Bereiche ge-
gliedert: In dem einen finden sich mehrere
Spielgeräte, die zum Klettern, Turnen und
zum spielerischen Umgang mit Wasser und
Sand einladen. Der andere Teil lädt mit sei-
ner großen Freifläche eher zum Laufen und
Ballspielen ein. Unter den Bäumen wurden
zudem Sitzgelegenheiten eingerichtet. Das
gesamte Gelände ist öffentlich zugänglich
und kann von allen Kindern und Heranwach-
senden aus dem Quartier als Treffpunkt und
Spielstätte genutzt werden.
Das Eckgrundstück zwischen Müllerstraße
und Lichtenbergstraße, auf dem nie ein
Haus stand und sich zuletzt nur noch einige
baufällige Garagen befanden, bot sich ideal
als Areal für einen Kinderspielplatz an, zu-
mal die Lichtenbergstraße bereits für Autos
gesperrt war. Das Besondere in diesem Fall:
Die Kinder aus der Nachbarschaft konnten
an der Planung des künftigen Spielplatzes
mitwirken. In mehreren Workshops entstand
so das Thema: „Auf dem Meeresgrund“ als
Leitidee für die Gestaltung. Auch bei der
praktischen Umsetzung durften die Kinder
mitmachen und selbst ihren neuen Spiel-
platz mit aufbauen.
Spielplatz auf dem Außengelände der Kyritzschule 2015
Spielplatz Müller-/Lichtenbergstraße 2015
54 55
Die vier Säulen der Sanierung – Soziale Einrichtungen/Infrastruktur
für die Jugend des Martinsviertels geeignet
zu sein. Schon lange hatte man nach einem
Ort gesucht, an dem sich Kinder und Ju-
gendliche richtig austoben konnten. Hier, in
diesem scheinbar funktionslos gewordenen
Gebäude, hatten sie diesen Ort gefunden –
ein Beispiel dafür, dass es durchaus sinn-
volle Alternativen zum Abriss geben kann.
Als Träger für die Baas-Halle konnte die
Martin-Luther-Gemeinde gewonnen werden,
die dieses offene Kinder- und Jugendhaus
bis heute in Eigenregie betreibt.
Ein Gebäudekomplex im so genannten
„Baas-Block“ zwischen Wenckstraße, Pank-
ratiusstraße, Heinheimer Straße und Kaup-
straße hatte ehemals die gleichnamige Auf-
zugsfirma Baas beherbergt. Der Betrieb
hatte seine Produktionsstätte aber bereits
1975 in die Otto-Röhm-Straße im Darm-
städter Pallaswiesenviertel verlagert. In der
Folge standen große Teile der Gebäude leer,
darunter auch eine ehemalige Werkhalle.
Diese schien in den Augen der Planerinnen
und Planer sowie der beteiligten Öffentli-
chkeit ideal als Spiel- und Bewegungsraum
Kindertagesstätte im Bäko-Block
Baas-Block von oben 2016
Baasblock vor der Sanierung
56 57
Die vier Säulen der Sanierung – Soziale Einrichtungen/Infrastruktur
In der Neubebauung am Kopernikusplatz
befand sich anfangs ein Supermarkt. Als
diese Nutzung aufgegeben wurde, entstand
die unkonventionelle Idee, den ehemaligen
Supermarkt zum Bürgertreff “Heiner-Lehr-
Zentrum” umzuwandeln. Der Name die-
ser Einrichtung erinnert an den 1988 ver -
storbenen Oberbrandmeister Heiner Lehr,
einen gebürtigen Martinsviertler, der sich
für das Zusammengehörigkeitsgefühl der
Bewohnerinnen und Bewohner im Sanie-
rungsgebiet und für das Wohl älterer und
sozial schwächerer Bürger engagiert hatte
und dafür 1983 mit dem Bundesverdienst-
kreuz ausgezeichnet worden war. Wegen
bauakustischer Mängel musste das Zen-
trum allerdings einige Jahre später wie-
der schließen. Seit 2011 hat die Arbeiter -
wohlfahrt Darmstadt an diesem Ort eine
Interkulturelle Begegnungsstätte einge-
richtet, um neue Wege in der Betreuung
und Integration von älteren Migrantinnen
und Migranten zu beschreiten.
Als gelungenes Beispiel für die Schaffung
neuer sozialer Orte kann auch der Fried-
rich-Ebert-Platz zwischen Beckstraße,
Schuknechtstraße, Liebfrauenstraße und
Eckhardtstraße gelten, mittlerweile ein gut
besuchter Treffpunkt für junge wie auch
ältere Menschen aus dem ganzen Vier-
tel. So wurde auf dem Platz ein diago-
nal verlaufender Weg angelegt, an dessen
Rändern sich verschiedene Spielzonen
gruppieren. Es gibt einen Kinderspiel-
platz, einen Fußballplatz und einen Bas-
ketballplatz. Außerdem bleibt genug Platz
zum Boule-Spiel, so dass Interessen und
Neigungen von Kindern und Erwachsenen
gleichermaßen angesprochen sind.
Kopernikusplatz vor der Neubebauung
Friedrich-Ebert-Platz 2015
58 59
Kopernikusplatz 2015
Die vier Säulen der Sanierung – Soziale Einrichtungen/Infrastruktur
Der Neubau in seiner Gliederung ganz auf
seine künftige Funktion abgestimmt. In ei-
nem Teil des Erdgeschosses befindet sich
die Schülerbetreuung. Dieses Angebot rich-
tet sich an die Kinder der Schillerschule,
einer Grundschule mit 380 Schülerinnen
und Schülern in der Nachbarschaft, die
den steigenden Bedarf an Nachmittagsbe-
treuung aus eigener Kraft nicht länger be-
wältigen kann. Auf einer Fläche von 500
m2 können die Sechs- bis Zehnjährigen hier
zunächst gemeinsam zu Mittag essen und
anschließend in einzelnen Gruppen ihre
Hausaufgaben erledigen. Darüber hinaus
Grundstück des Kinder-und Jugendzentrums vor dem Bau
Das letzte große Projekt innerhalb der
Sanierung des Martinsviertels ist das neue
Kinder- und Jugendzentrum in der Pankra-
tiusstraße 14-18. Für den Neubau wurden
rund 5,1 Millionen Euro an Städtebauförder -
mitteln zur Hauptfinanzierung verwendet.
Das Grundstück, auf dem das Zentrum
steht, wurde ebenfalls mit Sanierungsför -
dermitteln erworben und befindet sich im
Besitz der Wissenschaftsstadt Darmstadt.
Bis zum Jahr 2013 war an gleicher Stelle
in den Räumen einer ehemaligen Druckerei
ein Jugendzentrum.
ist für sie ein eigener Freizeitbereich zum
Basteln und Spielen eingerichtet. Das Ju-
gendzentrum ist im Parterre des Westteils
untergebracht, wo der Einrichtung eine
Fläche von insgesamt 400 Quadratmetern
zur Verfügung steht.
Im Obergeschoss wurde ein begrünter Innen-
hof mit Spielflächen geschaffen – als son-
nendurchfluteter geschützter Freiraum. Die
Kita ist ebenfalls im Obergeschoss unterge-
bracht; von jedem ihrer Räume gibt es einen
direkten Zugang zum Innenhof. Auf einer
Fläche von insgesamt 1100 Quadratmetern
können 20 Kinder unter drei Jahren und 60
Kinder über drei Jahren in sieben altersge-
recht organisierten Gruppen gemeinsam
spielen, toben, lachen und lernen. Das Ganze
soll das Angebot des städtischen Kindergar -
tens im Hedwig-Dohm-Haus ergänzen.
Groß und Klein unter einem Dach vereint –
vor allem für Familien mit mehreren Kindern
eine ideale Lösung.
Kinder-und Jugendzentrum 2019
60 61
Die vier Säulen der Sanierung – Soziale Einrichtungen/Infrastruktur
zahlreiche Grundstücke im Bereich der ge-
planten Trasse der Osttangente.
Der zweitgrößte Anteil, ca. 11 Millionen
Euro (ca. 24 Prozent), wurde für die Erneu-
erung oder Neuanlage von Straßen, Wegen,
Plätzen und Parkplätzen sowie die Schaffung
von Spielplätzen verwendet. An dritter Stelle
folgte die Förderung für Gebäudemoder-
nisierungen, die mit fast 6,9 Millionen Euro
(ca. 15 %) ebenfalls einen hohen Stellenwert
einnahm. Das Kinder- und Jugendzentrum
in der Pankratiusstraße 14-18 steht an vier -
ter Stelle mit eingesetzten Fördermitteln in
Höhe von ca. 5,1 Millionen Euro (rund 11%).
Rund 45 Millionen Euro wurden in die städ-
tebauliche Sanierung des Martinsviertels in-
vestiert, davon stammen 25,3 Millionen aus
Fördermitteln des Bundes, des Landes Hes-
sen und der Wissenschaftsstadt Darmstadt.
Die restlichen Mittel setzen sich aus den bei
einem solchen Verfahren üblichen Einnah-
men zusammen.
Etwa ein Drittel der eingesetzten Gelder,
fast 15,6 Millionen Euro (rund 34 Pro-
zent), floss wiederum in den Erwerb von
Grundstücken. Insbesondere in den An-
fangsjahren der Sanierung kaufte die Stadt
6. Finanzierung und Mittelverwendung
Vorbereitende Untersuchung en
Bodenordnung & sonst. Kosten
Weitere Vorbereitung
Grunderwerb
Umzug von Bewohnern & Betriebenende Untersuchun gen
Gemeinbedarfs- & Folgeeinrichtungen
Beseitigung baulicher Anla gen
Erschließung
Modernisierung
Neubau
Andere Kosten24,2%
8,1%
0,5%
0,6%
34,4%
3,6%
1,0%
0,7%
0,3%
15,2%
11,2%
Ausgaben der Sanierung
Quelle: ProjektStadt
Die im Martinsviertel investierten rund 25,3
Millionen Euro an öffentlichen Fördermitteln
wurden zur Finanzierung der in den vorange-
henden Kapiteln beschriebenen Maßnahmen
verwendet. Davon setzten allein der Bund und
das Land Hessen etwa 18,2 Millionen Euro
ein. Weitere 7,1 Millionen Euro brachte die
Wissenschaftsstadt Darmstadt als Komple-
mentärmittel für die Sanierung auf. Darüber
hinaus stellte die Stadt eigene Grundstücke
zur Verfügung, z. B. für die Schaffung neuer
öffentlicher Grünflächen oder als Standorte
für soziale Treffpunkte und Parkdecks.
Neben den Fördermitteln kamen sogenannte
Einnahmen des Verfahrens zum Einsatz,
die sich aus Erlösen aus dem Verkauf von
Grundstücken, Einnahmen aus der Vermie-
tung von Gebäuden oder Ausgleichsbeträ-
gen zusammensetzen. Insgesamt betrugen
diese Einnahmen beachtliche 21 Millionen
Euro, das entspricht fast der Hälfte, nämlich
45 Prozent des Gesamtvolumens. Dies stellt
im Vergleich zu anderen Sanierungsgebieten
eine bemerkenswerte hohe Summe dar.
Eigenmittel Stadt Dar mstadt
Verkäufe von Grundstücken
Finanzhilfen des Bundes
Finanzhilfen des Landes
Ausgleichsbeträge
Sonstige Einnahmen
Überschüsse aus Hausbewi rtschaftung
20,6%
18,3%
16,0%
8,0%
2,8%
32,8%
Finanzierung der Sanierung
1,4%
6362
Quelle: ProjektStadt
Finanzierung und Mittelverwendung
1
Das Martinsviertel ist heute eines der be-
liebtesten Wohnquartiere Darmstadts. Mit
der vorsichtigen Sanierung im Bestand und
dem Verzicht auf die Osttangente zu Beginn
der 1980er Jahre wurde Entscheidendes für
das citynahe Quartier umgesetzt: Die moder-
nisierten historischen Gebäude verbinden
den Charme der Gründerzeit mit modernem
Wohnkomfort. Viel wurde für den alltäglichen
Klimaschutz schon im Zusammenhang mit
der Sanierung getan: So viel Grün mitten in
der City einer deutschen Großstadt ist nur
selten anzutreffen. Dank der Entsiegelung
von Innenhöfen und der Schaffung privater
Gemeinschaftsanlagen im Innern zahlreicher
Blöcke bieten sich den Menschen mit-
ten im dichtbebauten Innenstadtquartier
grüne Rückzugsgebiete. Ein klug geplantes
Wegesystem macht es möglich, alle wichti-
gen Geschäfte und öffentlichen Einrichtungen
auch bequem zu Fuß oder mit dem Fahrrad
zu erreichen, die Anbindung des Martinsvier-
tels an die Gesamtstadt ist mit mehreren
ÖPNV-Angeboten gut geregelt. Das Viertel ist
lebendig, bunt und phantasiereich, seine Be-
wohnerinnen und Bewohner sorgen mit viel
Eigeninitiative dafür, dass sich daran nichts
Schlussbemerkung
65
Gemeinschaftsanlage Martinsviertel
Jochen Krehbiehl
Leiter des Stadtplanungsamtes
Schlussbemerkung
die Herausforderungen, die sich aus Themen
wie Mobilität und Klimaschutz für die Zukun-
ftsfähigkeit einer Stadt ergeben.
Unsere Geschichte beginnt in den 1960er
Jahren mit einer Krise des Martinsviertels:
Das innenstadtnahe Quartier mit seiner
Mischung aus Gründerzeitbauten, dörflicher
Orientierung und Gebäuden aus den zwan-
ziger Jahren stand sozial auf der Kippe. Die
Wohnqualität war zumeist niedrig, in den
Hinterhöfen gab es zahlreiche Gewerbebe-
triebe, Freiflächen und Spielplätze fehlten,
das Viertel erstickte im wachsenden Verkehr.
Das Quartier war insgesamt geprägt durch
einen massiven Modernisierungsstau - mit
ausgelöst durch Planungen, die den Bau
einer Hauptverkehrsstraße mitten durch das
Quartier vorsahen, flankiert von Neubauten
im Stil der Nachkriegsarchitektur. Um dies
umzusetzen, war es nötig, alte Gebäude rund
um die geplante Trasse in großem Stil ab-
zureißen. Konsequent begann die Stadt, dort
Häuser aufzukaufen.
Historischesfoto vom Faselstall in der Arheilger Straße
ändert. Es gibt zahlreiche Möglichkeiten,
sich auf dem Wochenmarkt am Riegerplatz,
in Spezialitätengeschäften oder in einem der
klassischen Supermärkte mit allen Dingen
des täglichen Bedarfs zu versorgen, das An-
gebot an Kneipen, Cafés und Restaurants ist
vielfältig und international. Den Bewohnerin-
nen und Bewohnern wird ein insgesamt in-
taktes Wohnumfeld geboten – eine Tatsache,
die nur wenige „angesagte“ Großstadtquar -
tiere im Bundesgebiet für sich in Anspruch
nehmen können.
Der Weg dahin hat über vierzig Jahre ge-
dauert. An der Geschichte der Sanierung des
Martinsviertels lässt sich ablesen, wie Stadt-
planung tatsächlich im Sinne der Bürgerin-
nen und Bürger agieren kann, um lebens-
werte urbane Quartiere gemeinsam mit ihnen
zu entwickeln und zu gestalten. In diesem
Prozess trifft in und für Darmstadt erstmals
vieles zusammen, was für gelingende Stadt-
planung und Stadtentwicklung konstitutiv
ist: Orientierung am Dialog mit der Bürger -
schaft, Nachhaltigkeit auch im Umgang mit
der Struktur des Quartiers und der Blick auf
Faselstall in der Arheilger Straße
Aus heutiger Sicht wirkt dieser Planungsan-
satz befremdlich, in den 1950er und 1960er
Jahren war dies das Credo zur Lösung der
massiven Verkehrs- und Wohnprobleme:
Man versuchte, den wachsenden Individual-
verkehr durch Neuordnung und Ausbau des
innerstädtischen Straßennetzes zu kanali-
sieren und zu steuern. Im Wohnungsbau ging
es den Planern darum, alte Quartiere durch
Neubaugebiete zu ersetzen, die den Men-
schen schnell moderne Wohnstandards in ei-
nem gut gestalteten Umfeld bieten konnten.
Diese Überlegungen lagen auch dem Be-
schluss des Darmstädter Stadtparlaments im
Jahr 1972 zugrunde, das Martinsviertel auf
der Grundlage des neuen Städtebauförder -
ungsgesetzes zum Sanierungsgebiet zu er-
klären – plakativ gesagt: Die Idee, die die Pla-
nerinnen und Planer ursprünglich mit ihren
Konzepten verfolgten, war die Schaffung
eines autogerechten modernen Wohngebiets.
Gegen diese Pläne regte sich im Martinsvier-
tel früh Widerstand. Vor allem die geplante
Trasse stand in der Kritik, aber auch mit dem
Abriss historischer Gebäude war man nicht
einverstanden. Der Bürgerprotest hatte dann
Schlossgartenplatz nach der SanierungSaniertes Haus in der Gardistenstraße
in den 1970er Jahren auch politische Kon-
sequenzen: 1976 bildete sich eine Bürgerini-
tiative gegen den Bau der Schnellstraße, aus
der ein Jahr später die „Wählergemeinschaft
Darmstadt“ (WGD) hervorgehen sollte. Dieser
gelang, bei der Kommunalwahl 1977 acht
Prozent der Stimmen für sich zu gewinnen
und in die Stadtverordnetenversammlung
einzuziehen. Innerhalb des Martinsviertels
66 67
Schlussbemerkung
hatten sogar 18,2 Prozent der Wahlberech-
tigten für die WGD gestimmt. 1981 kam
es dann zum Regierungswechsel, die neue
Stadtregierung sorgte rasch für das faktische
Ende der Osttangente und machte den Weg
frei für neue Konzepte der Stadtgestaltung.
Damit wurde politisch vollzogen, was stadt-
planerisch inzwischen angedacht und vor -
bereitet war.
Im April 1976 wurden die wesentlichen Ziele
des Sanierungsvorhabens im Martinsviertel
in einem Rahmenplan ausformuliert, einer
der zentralen Punkte war ein differenzierter
Sozialplan: Niemand sollte das Quartier
aus monetären Gründen verlassen müssen.
Dabei erwies es sich jetzt als Vorteil, dass
die Stadt als Vorbereitung auf den Bau der
Osttangente selbst Häuser rund um die ge-
plante Trasse aufgekauft hatte und nun die
Modernisierung mit Geldern aus der Städte-
bauförderung und dem Sozialen Wohnungs-
bau finanzieren konnte. Die Stadtplanerin-
nen und Stadtplaner verabschiedeten sich
auch in Darmstadt zum Ende der 1970er
Jahre vom Konzept der Flächensanierung
zugunsten der Bewahrung historischer Bau-
substanz, die Idee der autogerechten Stadt
löste sich auf. In einem zweiten Schritt wurde
1981 ein neues Verkehrskonzept in den Rah-
menplan aufgenommen, das Vorschläge zur
Verkehrsberuhigung, zur Einrichtung von
Wohn- und Spielstraßen sowie zur Schaffung
zusätzlicher Parkplätze enthielt: Im Kern
handelt es sich dabei um die Umsetzung der
ersten Ergebnisse der Diskussionen rund um
die Frage, wie Klimaschutz und Mobilität in
der Stadt neu definiert werden können.
Parkdeck Heinheimer Straße
Spielplatz Müllerstraße
Lichtenbergstraße
Federführend bei der Sanierung des Martins-
viertels war das Stadtplanungsamt. Dort
legte man während des gesamten Prozesses
großen Wert darauf, umfassend zu informie-
ren und die Bewohnerinnen und Bewohner
des Viertels in allen wichtigen Entscheidungs-
prozessen nicht nur zu hören, sondern auch
mit einzubeziehen. Dokumentiert sind mehr
als 70 Drucksachen, die an die Bürgerschaft im
Quartier kostenlos verteilt wurden. Zu Recht
war man der Meinung, dass regelmäßige und
gesicherte Information die Grundlage für die
Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger sei.
Faltblätter und Broschüren waren detailliert
und nahmen immer Konkretes aus der un-
mittelbaren Nachbarschaft auf: Planungs-
vorschläge für Bebauungsplanentwürfe und
für Blockneuordnungen, Verkehrskonzepte,
Neugestaltung von Straßen, Plätzen und
Grünflächen. Damit hatte man Erfolg: Im
68 69
Schlussbemerkung
Martinsviertel engagierten sich zahlreiche
Bürger für die Gestaltung ihres Wohnum-
feldes. Es war jetzt wichtig, dass man mit-
bestimmen konnte, wie der Spielplatz vor
der Haustür oder die neuen Grünflächen
zwischen den Häusern aussehen sollten.
Man konnte mitreden, mitgestalten und
sich an der konkreten Umsetzung eigener
Vorschläge beteiligen. Dabei handelt es sich
um einen Aktivierungsprozess, wie er auch
in den aktuellen Projekten der „Sozialen
Stadt“, des Förderprogramms „Stadtumbau“
oder im „Masterplan DA2030+“ erfolgreich
umgesetzt wird. Das Interesse daran, mit der
Bürgerschaft im Dialog zu bleiben und sie in
die Prozesse von Planung und Gestaltung zu
integrieren, war und ist hoch. Die Parallelität
zu aktuellen Methoden der Bürgerbeteiligung
ist erkennbar: Es etablierte sich im Martins-
viertel eine umfassende Kultur des Dialogs –
und die reichte vom kleinen Hofgespräch bis
zur großen Bürgerversammlung.
Die Debatte um Charakter und Zukunft des
Martinsviertels veränderte mehrfach die
politische Landschaft der Stadt und wirkt
im Rückblick wie ein Laboratorium, in dem
nachhaltige Stadtplanung, praktische Ideen
zum Klimaschutz, die neuen Konzepte der
Bürgerbeteiligung und die ersten Lösungs-
ansätze zu den großen Zukunftsfragen der
urbanen Mobilität aufeinander treffen. Der
Abschied der Stadt- und Verkehrsplanung
von der Flächensanierung und der Idee der
Hedwig-Dohm-Haus – Pankratiusstraße
autogerechten Stadt, die Hinwendung zu
neuen Konzepten und Lösungen war unter -
stützt durch eine aktive Bürgerschaft, die
ihr Recht auf Mitreden und Mitgestalten in
Anspruch nahm. Die Geschichte der Sanie-
rung des Martinsviertels ist damit auch
eine, die von neuen Sichtweisen, vom Lernen
und dem Beschreiten unbekannter Wege er -
zählt. Dass diese Erzählung ein gutes Ende
hat, macht nicht nur den Stadtplanern Mut,
an den Lösungen unserer neuen Aufgaben
zu arbeiten.
Die heute praktizierte Beteiligungskultur in
Darmstadt hat ihren Ausgangspunkt auch
im Martinsviertel, in den dort gemachten Er -
fahrungen und dem gemeinwohlorientieren
Integrative Kita Liebfrauenblock
Engagement der Bürgerinnen und Bürger. Ihr
Einsatz für die zahlreichen Gemeinbedarfs-
und Gemeinschaftsanlagen im Quartier hat
das Martinsviertel zu dem gemacht, was es
heute ist: ein guter Ort zum Zusammenle-
ben, wo hoffentlich auch in der Zukunft das
Interesse am urbanen Miteinander im Mit-
telpunkt steht.
Jochen Krehbiehl
Leiter des Stadtplanungsamtes
7170
Schlussbemerkung
„40 Jahre Martinsviertel – Die Geschichte
der Sanierung eines Stadtteils“, Hermann
Stumme im Auftrag Wissenschaftsstadt
Darmstadt
“425 Jahre Martinsviertel”, Bezirksverein
Martinsviertel e. V . in Kooperation mit der
Wissenschaftsstadt Darmstadt und der Tech-
nische Universität Darmstadt
„Sanierungsplanung Martinsviertel“, Metro-
plan GmbH Heidelberg im Auftrag des Magis-
trats der Stadt Darmstadt, Darmstadt 1972
„Rahmenplan Martinsviertel“, Stadtplanungs-
amt Darmstadt, Darmstadt 1975
„Arheilger Allee – Grüne Achse der Vernunft“,
Magistrat der Stadt Darmstadt, Darmstadt
1980
„Frankfurter Allgemeine Zeitung“, darin:
„Kein Mieter wurde aus dem Stadtteil vertrie-
ben“, von Rainer Hein, in der Ausgabe vom
11.08.2015
Literatur
Anhang
Abbildungsnachweis Bearbeitung
Text: ProjektStadt, Barbara Goldberg
Wissenschaftsstadt Darmstadt
Grafik: Anke Kluß
Mai 2019
Wissenschaftsstadt Darmstadt
Stadtplanungsamt:
S. 2, S. 3, S. 8, S. 12, S. 13, S. 14, S. 15,
S. 18, S. 19, S. 20, S. 21, S. 22, S. 24, S. 26,
S. 27, S. 28, S. 29, S. 32, S. 33, S. 35, S. 36,
S. 38, S. 39, S. 40, S. 41, S. 42, S. 43, S. 44,
S. 45, S. 48, S. 49, S. 50, S. 51, S. 52, S. 54,
S. 56, S. 57, S. 58, S. 59, S. 60, S. 61, S. 66,
S. 71, Einbandklappe
Wissenschaftsstadt Darmstadt
Vermessungsamt:
S. 48, S. 57, Umschlag und Rücken
NH Projektstadt:
S.62, S.63
Anke Kluß:
S. 10, S. 11, S. 23, S. 30, S. 31, S. 34, S. 44,
S. 45, S. 46, S. 47, S. 55, S. 57, S. 58, S.59,
S. 64, S. 66, S. 67, S. 68, S. 69, S. 70
W. Hochrein:
S. 37, S. 53
H. Henkler:
Luftbild 1961, S. 16
72
Anhang
Wissenschaftsstadt Darmstadt
Stadtplanungsamt
Bessunger Straße 125 | Gebäude D
64295 Darmstadt
Telefon (0 61 51) 13-2092
Telefax (0 61 51) 13-2088
E-Mail stadtplanungsamt@darmstadt.de
Internet www.darmstadt.de
Herausgeberin | Kontakt
Baas-Halle
Pankratiusstraße
Heinheimer Straße
Riegerplatz
Liebfrauenstraße
Lichtenbergstraße
Martinskirche
W
e
n
c
k
s
t
r
a
ß
e
M
ü
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r
s
t
r
a
ß
e
K
a
u
p
s
t
r
a
ß
e
2019/0108
3592 Zeichen
Magistratsvorlage
Eingang Magistrats -
geschäftsstelle:
25.04.2019
an den Magistrat
zur Kenntnis
zur Beschlussfassung
Beteiligt vor
Magistratsbeschlussfassung:
Dezernat III an die Stadtverordne tenversammlung
OBW zur Befassung
zur Kenntnis
zur Beschlussfassung
zur abschließenden Beschluss -
fassung Fachausschuss
Amt: Stadtplanungsamt
OBW bei abschl.
Beschlussfassung Magistrat
Behandlung in
öffentl. Sitzung
Ja
Nein
Verteiler:
Ja
Nein
Vorlage-Nr. 2019/0108
Magistratsbeschluss -Nr.
Internetfähig
Produkt-Nr.:
Kostenstelle: Investitionsnummer:
Kostenträger: Sachkonto:
Betreff: Broschüre "Sanierung Martinsviertel - Chronik einer Erneuerung"
Vorlage vom: 10.04.2019
Beschlussvorschlag :
Der Magistrat und die Stadtverordnetenversammlung nehmen die Broschüre „Sanierung
Martinsviertel – Chronik einer Erneuerung“ sowie die in der Begründung enthaltene
Vorgehensweise zur Verteilung zur Kenntnis.
Anlagen: Broschüre: „Sanierung Martinsviertel – Chronik einer Erneuerung“
Datenschutzrelevante Anlage:
Folgekosten: Ja Nein
- 2 -
Beschluss des Magistrats vom
- 3 -
Begründung zur Magistratsvorlage vom 10.04.2019
Mit der Broschüre „Sanierung Martinsviertel – Chronik einer Erneuerung“ wird die
erfolgreiche städtebauliche Gesamtmaßnahme für die Öffentlichkeit in Wort und Bild
dokumentiert.
Die Broschüre wird kostenfrei zur Verfügung gestellt. Die Erstellungskosten wurden über
restliche Sanierungsfördermittel finanziert.
Sie wird im Stadtfoyer sowie im Info -Center der Wissenschaftsstadt Darmstadt am
Luisenplatz ausgelegt.
Im Martinsviertel selbst soll der Bezirksverein Exemplare zur Weiterverteilung erhalten.
Soweit die jeweilige Eig entümerschaft bzw. die Betreiberinnen und Betreiber ihr
Einverständnis erklären, sollen Exemplare in den einschlägigen Buchhandlungen, in
Geschäften sowie in den im Martinsviertel ansässigen Kirchengemeinden ausgelegt werden.
Folgende Gremien, Verwaltungs einheiten und Institutionen erhalten ebenfalls Exemplare:
Die Mitglieder des Magistrats und der Stadtverordnetenversammlung, die dort vertretenen
Fraktionen, das Hessische Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und
Verbraucherschutz, die Wi -Bank, das Stadtarchiv, die Deutsche Bibliothek, die Hessische
Landes- und Hochschulbibliothek, das Haus der Literatur, die Staatsbibliothek Stiftung
Preußischer Kulturbesitz, die Bibliothek des Deutschen Städtetages, das Deutsche Institut
für Urbanistik sow ie das „Darmstadt Haus“ in Plock (Polen).
Exemplare erhalten u. a. auch das Straßenverkehrs - und Tiefbauamt, das Grünflächenamt,
das Vermessungsamt, Immobilienmanagement Darmstadt, Umweltamt sowie die
Bürgerbeauftragte.
Darüber hinaus kann die Broschüre a uch auf individuellen Wunsch ausgegeben werden.
Am 11.05.2019 ist Tag der Städtebauförderung. In diesem Kontext sowie vor dem
Hintergrund, dass das Kinder - und Jugendzentrum als letzte Städtebaufördermaßnahme
einen geeigneten Schlusspunkt setzt, wird das Stadtplanungsamt dort eine kleine
Ausstellung und Rundgänge durch das Martinsviertel anbieten. Zu diesem Anlass wird die
Broschüre erstmals vorgestellt und ausgegeben. Die Verteilung an andere Stellen findet dann
im Nachgang statt. Die Veröffentlichung im Internet als pdf -Dokument erfolgt ebenfalls nach
dem Tag der Städtebauförderung.
Darmstadt, 10.04.2019
61.1.2 kr-kl
Dezernat III
I. V.
Jochen Partsch
Oberbürgermeister
anlage 2
578 Zeichen
Sanierung Martinsviertel
Chronik einer Erneuerung
Wissenschaftsstadt Darmstadt
Stadtplanungsamt
Bessunger Straße 125 | Gebäude D
64295 Darmstadt
Telefon (0 61 51) 13-2092
Telefax (0 61 51) 13-2088
E-Mail stadtplanungsamt@darmstadt.de
Internet www.darmstadt.de
Herausgeberin | Kontakt
Baas-Halle
Pankratiusstraße
Heinheimer Straße
Riegerplatz
Liebfrauenstraße
Lichtenbergstraße
K
a
u
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s
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r
a
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Martinskirche
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a
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M
ü
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l
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s
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r
a
ß
e
Bearbeitung
Text: ProjektStadt, Barbara Goldberg
Wissenschaftsstadt Darmstadt
Grafik: Anke Kluß
Mai 2019
Anhang
anlage 3
3659 Zeichen
- 2 -
Magistratsvorlage
Eingang Magistrats-
geschäftsstelle:
25.04.2019
an den Magistrat
zur Kenntnis
zur Beschlussfassung
Beteiligt vor
Magistratsbeschlussfassung:
Dezernat III an die Stadtverordnetenversammlung
OBW zur Befassung
zur Kenntnis
zur Beschlussfassung
zur abschließenden Beschluss-
fassung Fachausschuss
Amt: Stadtplanungsamt
OBW bei abschl.
Beschlussfassung Magistrat
Behandlung in
öffentl. Sitzung
Ja
Nein
Verteiler:
III 61
Stvv
Ja
Nein
Vorlage-Nr. 2019/0108
Magistratsbeschluss-Nr.
171
Internetfähig
Produkt-Nr.:
Kostenstelle: Investitionsnummer:
Kostenträger: Sachkonto:
Betreff: Broschüre "Sanierung Martinsviertel - Chronik einer Erneuerung"
Vorlage vom: 10.04.2019
Beschlussvorschlag:
Der Magistrat und die Stadtverordnetenversammlung nehmen die Broschüre „Sanierung
Martinsviertel – Chronik einer Erneuerung“ sowie die in der Begründung enthaltene
Vorgehensweise zur Verteilung zur Kenntnis.
Anlagen: Broschüre: „Sanierung Martinsviertel – Chronik einer Erneuerung“
Datenschutzrelevante Anlage:
Folgekosten: Ja Nein
- 3 -
Beschluss des Magistrats vom 08.05.2019
Der Magistrat nimmt die Vorlage zur Kenntnis.
- 4 -
Begründung zur Magistratsvorlage vom 10.04.2019
Mit der Broschüre „Sanierung Martinsviertel – Chronik einer Erneuerung“ wird die
erfolgreiche städtebauliche Gesamtmaßnahme für die Öffentlichkeit in Wort und Bild
dokumentiert.
Die Broschüre wird kostenfrei zur Verfügung gestellt. Die Erstellungskosten wurden über
restliche Sanierungsfördermittel finanziert.
Sie wird im Stadtfoyer sowie im Info -Center der Wissenschaftsstadt Darmstadt am
Luisenplatz ausgelegt.
Im Martinsviertel selbst soll der Bez irksverein Exemplare zur Weiterverteilung erhalten.
Soweit die jeweilige Eigentümerschaft bzw. die Betreiberinnen und Betreiber ihr
Einverständnis erklären, sollen Exemplare in den einschlägigen Buchhandlungen, in
Geschäften sowie in den im Martinsviertel ansässigen Kirchengemeinden ausgelegt werden.
Folgende Gremien, Verwaltungseinheiten und Institutionen erhalten ebenfalls Exemplare:
Die Mitglieder des Magistrats und der Stadtverordnetenversammlung, die dort vertretenen
Fraktionen, das Hessische Ministe rium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und
Verbraucherschutz, die Wi-Bank, das Stadtarchiv, die Deutsche Bibliothek, die Hessische
Landes- und Hochschulbibliothek, das Haus der Literatur, die Staatsbibliothek Stiftung
Preußischer Kulturbesitz, die Bi bliothek des Deutschen Städtetages, das Deutsche Institut
für Urbanistik sowie das „Darmstadt Haus“ in Plock (Polen).
Exemplare erhalten u. a. auch das Straßenverkehrs - und Tiefbauamt, das Grünflächenamt,
das Vermessungsamt, Immobilienmanagement Darmstadt , Umweltamt sowie die
Bürgerbeauftragte.
Darüber hinaus kann die Broschüre auch auf individuellen Wunsch ausgegeben werden.
Am 11.05.2019 ist Tag der Städtebauförderung. In diesem Kontext sowie vor dem
Hintergrund, dass das Kinder- und Jugendzentrum als letzte Städtebaufördermaßnahme
einen geeigneten Schlusspunkt setzt, wird das Stadtplanungsamt dort eine kleine
Ausstellung und Rundgänge durch das Martinsviertel anbieten. Zu diesem Anlass wird die
Broschüre erstmals vorgestellt und ausgegeben. Die Verteilu ng an andere Stellen findet dann
im Nachgang statt. Die Veröffentlichung im Internet als pdf -Dokument erfolgt ebenfalls nach
dem Tag der Städtebauförderung.
Darmstadt, 10.04.2019
61.1.2 kr-kl
Dezernat III
I. V.
Jochen Partsch
Oberbürgermeister
anlage 5
179 Zeichen
Punkt 29: Broschüre "Sanierung Martinsviertel - Chronik einer Erneuerung" - Kenntnisnahme - (V-Nr. 2019/0108) Die Stadtverordnetenversammlung nimmt die Vorlage zur Kenntnis.
anlage 4
160 Zeichen
Punkt 4: Broschüre "Sanierung Martinsviertel - Chronik einer Erneuerung" (V-Nr. 2019/0108) - Kenntnisnahme - Der Ausschuss nimmt von der Vorlage Kenntnis.
Beratungsverlauf (4)
Orte (39)
- Lichtenbergstraße 2015
- Pankratiusstraße 11
- Gardistenstraße 2015
- Arheilger Straße 2015
- Lauteschlägerstraße 2015
- Alexanderstraße
- Ruthsstraße
- Heinheimer Straße 37
- Schloßgartenstraße
- Dieburger Straße 6
- Emilstraße
- Hochschulstraße
- Magdalenenstraße
- Kaupstraße
- Teichhausstraße
- Pützerstraße
- Arheilger Allee
- Mauerstraße
- Müllerstraße 2010
- Liebfrauenstraße 47
- Gutenbergstraße
- Taunusstraße 24
- Robert-Schneider-Straße
- Mollerstraße
- Barkhausstraße
- Kranichsteiner Straße 10
- Ploenniesstraße
- Otto-Röhm-Straße
- Beckstraße
- Eckhardtstraße
- Luisenplatz
- Kantplatz 1961
- Ballonplatz 2015
- Schlossgraben
- Rhönring
- Benglerweg
- Spirwesweg
- Schloßgartenplatz 2015
- Bessunger Straße 125
Ortsbezüge werden automatisch aus den Dokumenten ermittelt und können unvollständig sein.
Details
- Vorlagen-Nr.
- 2019/0108
- Typ
- Magistratsvorlage
- Datum
- 10.04.2019
- Erstellt
- 29.09.2026 00:00