0825/2026
Medizinische Versorgung wohnungsloser Menschen in Köln - Jahresbericht 2025
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Mitteilung Ausschuss
1988 Zeichen
Dezernat, Dienststelle V/53 Vorlagen-Nummer 13.04.2026 0825/2026 Mitteilung öffentlicher Teil Gremium Datum Ausschuss Soziales, Gesundheit, Seniorinnen und Senioren 23.04.2026 Medizinische Versorgung wohnungsloser Menschen in Köln - Jahresbericht 2025 Der Mobile Medizinische Dienst (MMD) versorgt seit über 30 Jahren die wohnungslo- sen und drogenabhängigen Menschen in Köln. Behandlungen erfolgen niederschwel- lig, vor Ort, in verlässlicher Kooperation mit den verschiedenen Hilfeträgern. Kosten- träger sind neben der Stadt Köln die Kassenärztliche Vereinigung und die Gesetzli- chen Krankenversicherungen. Es besteht eine kassenärztliche Ermächtigung. 2025 wurde der MMD erstmals von mehr als 1.600 verschiedenen Patient*innen auf- gesucht. Die Zahl der Behandlungen lag bei nahezu 10.000, damit höher als in allen seit 1993 vorausgegangenen Jahren. Diese Entwicklung ist komplementär zur deutschlandweit hohen Zahl wohnungsloser und verarmender Menschen. Der MMD hat 2025 versucht, sein grundversorgendes Angebot noch passgenauer zu gestalten, dazu unter Anderem Sprechstunden für Frauen eingeführt (bei SKF und der Drogenhilfe), regelmäßig die Winterhilfe (SKM) aufgesucht und das sog. medical streetwork, in gemeinsamen Gängen mit dem Streetwork der Wohnungslosenhilfe und des Aufsuchenden Sucht Clearings (ASC), intensiviert. Weiterhin wurde eine wöchent- liche psychiatrische Terminsprechstunde eingeführt. Überregional erfolgt ein Engagement bei der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungs- losenhilfe (BAGW), das darauf abzielt die prekäre gesundheitliche Versorgung woh- nungsloser Menschen zu verbessern und die lokalen Behandlungsangebote auszu- bauen und weiter zu professionalisieren. Das Umsetzungsmodell in Köln (und NRW) gilt hier als beispielhaft. Die medizinischen Bedarfe und Nachfragen nach Behandlungsangeboten für woh- nungs- bzw. obdachlose sowie drogenabhängige Menschen bleiben auch in 2026 un- verändert hoch. Gez. Dr. Rau
Jahresbericht MMD 2025
25876 Zeichen
Mobiler Medizinischer Dienst
Medizinische Grundversorgung
wohnungsloser und drogenabhängiger
Menschen in Köln
Jahresbericht 2025
Stadt Köln - Gesundheitsamt - Mobiler Medizinischer Dienst ………….
2
2
Einleitung
Menschen, die wohnungslos und insbesondere obdachlos leben, leiden unter einer
erheblich erhöhten Krankheitslast. Sowohl körperliche als auch psychiatrische Er-
krankungen (inkl. Suchtkrankheiten) treten um ein Vielfaches häufiger als in der
sog. Wohnbevölkerung auf; die Lebenserwartung ist erheblich verkürzt. Darüber
hinaus ist ihnen der Zugang zum sog. Regelsystem der medizinischen Versorgung
oft verschlossen oder zumindest erschwert.
In den letzten Jahren war deutschlandweit eine weitere Zunahme der Zahl woh-
nungsloser Menschen zu verzeichnen.1
Auch die Zahl der wohnungslos erfassten Menschen in Köln war anhaltend hoch. Zum
Stichtag 31.06.2024 waren in der Stadt Köln 9355 Menschen kommunal und ord-
nungsrechtlich untergebracht, die Zahl wohnungsloser Menschen insgesamt wurde
mit 10.230 beziffert.2
Auch die Zahl der Menschen, die illegale Drogen konsumieren steigt zuletzt zuneh-
mend, die Konsumgewohnheiten haben sich verändert 3. Der Gebrauch von Crack
und Alkohol prägt die sogenannte offene Drogenszene. Die Zahl der Drogentoten
steigt bereits seit 2020 deutschlandweit wieder an4.
Bereits seit 1993 bietet der Mobile Medizinische Dienst (MMD) des Gesundheitsam-
tes in Köln eine medizinische Grundversorgung für diesen Personenkreis an. Die In-
anspruchnahme ist unentgeltlich, d.h. nicht an eine Krankenversicherung gebunden,
und erfolgt auf Wunsch auch anonym.
Medizinische Behandlungen durch den MMD erfolgen mit einem Konzept aufsu-
chender Arbeit, im direkten Lebensumfeld, „vor Ort“. Die Sprechstunden finden da-
her in Behandlungsräumen, die die Einrichtungen der Wohnungslosen- und Drogen-
hilfe im Stadtgebiet für den MMD vorhalten, statt. Dieses trägerübergreifende Kon-
zept mit Nutzung gewachsener Strukturen und sich ergänzender Angebote und
Kompetenzen hat sich seit Jahren gut bewährt.
Behandlungsangebote für von Wohnungslosigkeit und insbesondere von Obdachlo-
sigkeit betroffener Menschen müssen Kriterien sog. Niederschwelligkeit erfüllen.
Wichtig sind dabei eine einfache und zuverlässige Erreichbarkeit der Versorgungs-
angebote und die Anpassung an die besonderen Anforderungen der Patient*innen.
1 Vgl. „Mehr als eine Million wohnungslose Menschen in Deutschland“, Pressemitteilung der Bundes-
arbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe vom 17.11.2025
2 Vgl. Integrierte Wohnungsnotfall-Berichterstattung 2024 in Nordrhein-Westfalen, MAGS NRW.
3 Vgl. REITOX-Jahresbericht für Deutschland 2025
4 https://www.dhs.de/suechte/illegale-drogen/zahlen-daten-fakten/
3
3
Dies betrifft u.a. die erhöhten Zeitaufwände, etwa zur Sicherstellung der mitgeführ-
ten Habe, zum Aus- und Anziehen verschiedener Bekleidungsschichten, die Anpas-
sung an hygienische Besonderheiten, die Unabhängigkeit von Versicherungsschutz
oder einem entsprechenden Nachweis. Das Vorhalten von Ruheplätzen, Duschmög-
lichkeiten, Kleiderkammern und Essensangeboten ist auch für die medizinische
Grundversorgung essenziell. Psychiatrische Komorbiditäten und mitlaufende
Suchterkrankungen müssen mitbedacht und berücksichtigt werden.
Besonders wichtig in der Gestaltung der Behandlung ist eine verlässliche personale
Kontinuität. Medizinische Hilfe durch den MMD beruht eben auch auf einem tragfä-
higen und vertrauensvollen Kontakt, der oft erst nach einer langen Anbahnung in
der Lebenswirklichkeit der Betroffenen möglich ist. In den letzten 20 Jahren wurden
auf diese Weise jährlich stets zwischen 1200 und 1500 verschiedene Menschen er-
reicht. In 2025 ist die Zahl der behandelten Patienten erstmals auf deutlich über
1600 gestiegen. Insgesamt erfolgt annährend 10.000 Behandlungskontakte.
Der MMD ist ärztlich geführt, die Kolleg*innen haben sich ergänzende Facharztqua-
lifikationen und Weiterbildungen (Allgemeinmedizin, Innere Medizin, Psychiatrie,
Suchtmedizinische Grundversorgung). Die Krankenpfleger*innen im Team haben
Qualifikationen in Intensivpflege, als Wundexpertinnen und in sozialer Psychiatrie.
Sozialarbeiterische Leistungen werden durch die Träger, bei denen der MMD „zu
Gast“ ist, zur Verfügung gestellt. Der Mobile Medizinische Dienst verfügt über eine
kassenärztliche Ermächtigung.
Der MMD war auch 2025 Projektpartner des unter der Federführung der Abteilung
Gesundheitshilfen im Gesundheitsamt konzipierten sog. Anonymen Krankenscheins
(AKS). Auch mit anderen Fachabteilungen des Gesundheitsamtes besteht eine enge
Kooperation, dies gilt insbesondere für die Substitutionsambulanz, die Tbc -Bera-
tungsstelle, den Fachdienst STI, das hiesige Labor.
Um die medizinische Versorgung wohnungs- und obdachloser Frauen zu verbessern
konnten wir im Laufe des Jahres 2025 im Café Victoria (Drogenhilfe Köln) als auch im
Café Auszeit (SKF) Sprechstunden für Frauen etablieren.
Weiterhin haben wir das sog. Medical Streetwork gemeinsam mit dem Streetwork
der OASE e.V. und dem Aufsuchenden Sucht Clearing (ASC) intensiviert.
Die medizinische Versorgung von Patient*innen bei der Winterhilfe (SKM) haben
wir 2025 verstetigt. Hier besteht eine besonders eklatante Häufung von Patient*in-
nen mit schweren chronischen Erkrankungen, Komorbiditäten (insbesondere mit
Sucht- und Psychoseerkrankungen) und einem fehlenden Zugang zur medizinischen
Regelversorgung (obwohl in vielen Fällen ein Versicherungsschutz besteht).
Wir bedanken uns auch hier für die gute Zusammenarbeit mit den Trägern.
4
4
Inhalt
Einleitung S. 3
2025 – Zahlen und Fakten
1. Patient*innen (Zahl, Geschlecht, Erstkontakte) S. 5
2. Altersstruktur S. 6
3. Nationalitäten S. 7
4. Kostenträger / Versicherungsstatus S. 8
5. Sprechstundenangebot S. 9
6. Behandlungskontakte S. 11
7. Konsultationsgründe S. 12
8. Impfungen S. 13
9. Überweisung und Vermittlung S. 14
10. Anonymer Krankenschein S. 15
11. Krankenwohnungen S. 15
12. Kommunikation, Vernetzung und Kooperation S. 16
13. Administrative Tätigkeiten S. 16
14. Logistik S. 16
5
5
2025 – Zahlen und Fakten
1. Patient*innen (Zahl, Geschlecht, Erstkontakte)
Im Jahr 2025 wurden in Köln durch den Mobilen Medizinischen Dienst (MMD) 1681
verschiedene Menschen behandelt, davon 1337 (79,5%) Männer und 338 (20,1%)
Frauen. In vier Fällen war das Geschlecht der Patient*innen ungeklärt, zwei Pati-
ent*innen gaben an, diversen Geschlechtes zu sein.
Der Anteil der Frauen ist im Vergleich zum Vorjahr leicht gestiegen (2024: 17,3%)
bleibt aber niedriger als zu erwarten. Der Anteil entspricht der Verteilung unter auf
der Straße lebenden Menschen, was aber nicht auf alle unsere Patient*innen zu-
trifft5. Möglicherweise ist ein Teil der wohnungslosen Frauen noch eher bereit, das
Regelsystem medizinischer Hilfen zu nutzen. Um Frauen ein passgenaueres Ange-
bot zu machen, haben wir im Laufe des Jahres 2025 Sprechstundenangebote für
Frauen im Café Auszeit (SKF) und im Frauencafé der Drogenhilfe etabliert (vgl. 6.).
Die Zahl der Erstkontakte lag bei 679 (40,4%). Im Umkehrschluss bedeutet dies,
dass uns 59,6% der Patient*innen mindestens seit dem Vorjahr bekannt waren.
Viele von ihnen werden tatsächlich schon über viele Jahre vom MMD behandelt.
5 BAGW, Statistikbericht Zu Lebenslagen wohnungsloser und von Wohnungslosigkeit bedrohter Menschen in
Deutschland – Lebenslagenbericht – Berichtsjahr 2023, S.6: Rund zwei Drittel der Klient*innen (70,2 %) ist männ-
lich, ein Drittel (29,8 %) ist weiblich. … Unter der Gruppe der akut wohnungslosen Klient*innen ist der Anteil
männlicher Klienten etwas höher (73,4 %) und bei denen, die ohne Unterkunft auf der Straße leben am höchsten
(82,1 %). Männer sind weitaus stärker von akuter Wohnungslosigkeit betroffen als Frauen. 79,9 % der männlichen
Klienten im DzW sind akut wohnungslos, bei den weiblichen Klientinnen sind es 62,9 %. Frauen sind hingegen
häufiger als Männer unmittelbar von Wohnungslosigkeit bedroht (12,7 % ggü.7,8 %). … Diese Verteilungen lassen
vermuten, dass Frauen im drohenden Wohnungsnotfall früher Beratungsstellen aufsuchen bzw. häufiger andere
Unterstützungsangebote und nachsorgende Hilfen in Anspruch nehmen
542 586 565 541 493 473 448 450
550 508 572 520 536 580
488 552 521 495 503 566 624
515 552 525
679
1354
1427136913861321128812471224
13341298134912981333
1405
1327
14001393136113891376
1527
139814541406
1681
0
200
400
600
800
1000
1200
1400
1600
1800
Patienten gesamt / Erstkontakte 2001-2025
6
6
2. Altersstruktur
Bei der Altersstruktur ergab sich im Jahr 2025 eine Spannweite von 17 bis 92 Jahren,
dabei waren die Frauen im Mittel 46 Jahre, die Männer 46,8 Jahre alt.
Zwei männliche Personen waren jünger als 18 Jahre alt, Besucher der B.O.J.E, Be-
handlungsanlass waren hier akute Verletzungen des Gesichtsschädels.
242 Patient*innen waren älter als 60 Jahre, davon 50 über 70 Jahre ( alle männlich)
und 10 sogar über 80 Jahre alt . Der älteste, 92jährige, Patient wurde in der Sprech-
stunde im Johanneshaus (Annostr.) gegen Lungenentzündungen (Pneumokokken)
geimpft.
Über die vergangenen Jahre ist absolut wie prozentual eine Entwicklung zu einer grö-
ßeren Zahl älterer Patient*innen nachweisbar. Dies korreliert mit der zunehmenden
Altersarmut in Deutschland.6
6 https://de.statista.com/themen/11967/altersarmut/
0
100
200
300
400
500
k.A <18 18-27 28-40 41-50 51-60 61-70 71-80 über 80
Verteilung der Altersgruppen 2025 (w/m/ges.)
[n= 1681]
w m ges.
0
50
100
150
200
250
300
2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 2024 2025
Patient*innen älter als 60
absolut pro 1000
7
7
3. Nationalitäten
Von den 2025 durch den MMD behandelten Patient*innen war ca. die Hälfte (820
bzw. 48,8%) deutscher Nationalität.
Wohnungslose EU-Bürgerinnen und -Bürger aus den östlichen Ländern Europas,
von den baltischen Staaten über Polen bis zu den Staaten des Balkans und Südost-
europas, machen mit Beginn der EU-Freizügigkeit ca. 20-25 % der durch den MMD
behandelten Patient*innen aus. Anteilmäßig war die Zahl der aus Osteuropa stam-
mender Patient*innen im Jahr 2024 (25,9%) am größten; absolut gesehen war sie
es mit 420 Patient*innen im Jahr 2025.
Menschen aus Osteuropa machen in Metropolregionen wie Köln bis zu 50% der Ob-
dachlosen aus und sind in besonders prekärer gesundheitlicher Verfassung. In der
Regel haben sie keinen Krankenversicherungsschutz und damit auch keinen Zugang
zum Regelsystem der medizinischen Versorgung.
Menschen aus Osteuropa erhalten in Köln insbesondere bei den Humanitären Hil-
fen in der Vorgebirgsstr. ein Sprechstundenangebot. Das Angebot dort ist barriere-
frei und wird durch Sprachmittler unterstützt.
48,80%
24,69%
5,60%
7,10%
7,40%
Nationalitäten 2025, n=1681
Deutsch EU Europa, nicht EU Sonstige Länder keine Angabe
2,00%4,30%
13,00%
17,70%
21,70%21,50%22,10%22,60%
19,80%21,40%
24,30%
21,50%
24,70%23,60%25,90%25,00%
0,00%
5,00%
10,00%
15,00%
20,00%
25,00%
30,00%
2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 2024 2025
Anteil osteuropäischer Pat.
8
8
4. Kostenträger / Versicherungsstatus
Die relative Verteilung des Zuganges zu Krankenversicherungsträgern hat sich bei
unseren Patient*innen im Vgl. zum Vorjahr kaum verändert. Etwa die Hälfte der Pa-
tient*innen des MMD hat keinen oder keinen gesicherten Krankenversicherungs-
schutz. Bei versicherten aber wohnungslosen Patient*innen besteht häufig das
Problem, dass keine Versicherungskarte vorhanden ist, so dass auch bei Ihnen eine
Barriere in das Regelsystem der medizinischen Versorgung besteht. Dies gilt insbe-
sondere im Hinblick auf die elektronische Patientenverwaltung, Rezeptausstellung
und künftig auch die elektronische Patientenakten. Weiterhin ist die Zuzahlung zur
Rezeptgebühr für die durchgängig von Armut betroffenen Patient*innen eine er-
hebliche Barriere beim Zugang zur Arzneimittelversorgung.
Von den Patient*innen, die im Jahr 2025 in den Sprechstunden medizinisch ver-
sorgt wurden, hatten 837 (49,8%) Ansprüche gegenüber einer gesetzlichen Kran-
kenversicherung, 10 Patient*innen waren im Basistarif einer privaten Krankenversi-
cherung versichert. 9 Patient*innen gaben an, über das örtliche Sozialamt versi-
chert zu sein. 583 (34,7%) verfügten über keinen Krankenversicherungsschutz.
Bei 242 Patient*innen erhielten wir keine Angabe (173) oder war der Versiche-
rungsstatus ungeklärt (69). Gerade in letzteren Fällen ist die Zusammenarbeit mit
der Clearingstelle Migration und Gesundheit (Projektpartnerschaft des Gesund-
heitsamtes, des Diakonischen Werkes Köln und Region sowie des Caritasverbandes
für die Stadt Köln e.V.) essenziell. Wir bedanken uns sehr für die Unterstützung der
dortigen Kolleg*innen.
0,6
49,8
0,5
34,7
10,3
4,1
Versicherungsschutz bzw. Kostenträger 2025 (%) [n=1681]
PKV GKV Sozialamt keine k.Angabe ungeklärt
9
9
5. Sprechstundenangebot
Die medizinischen Sprechstunden werden ganz überwiegend in festen Räumlichkei-
ten, d.h. in verschiedenen Kontakt- und Beratungsstellen, Anlaufstellen etc. für un-
terschiedliche Zielgruppen angeboten, darunter zwei Drogenkonsumräume und
eine Einrichtung im Bereich der mann-männlichen Sexarbeit (Looks e.V.). 2025 wur-
den drei Angebote, darunter eine Einrichtung für Jugendliche und junge Erwach-
sene (B.O.J.E), mit dem Behandlungsbus aufgesucht. Die Sprechstunden finden mit
großer Regelmäßigkeit zu festen Zeiten und an festen Orten statt.7
Ausgestattet sind die Behandlungsräume wie kleine Ambulanzen inkl. apparativer
Diagnostik durch EKG- und Ultraschallgeräte. Über das Gesundheitsamt können zu-
dem Labor- und Röntgenuntersuchungen (Thorax) abgewickelt werden.
Mittels eines Förderaufrufes des MAGS konnte 2025 unter anderem ein zusätzli-
ches hochwertiges Ultraschallgerät angeschafft werden, das die humanitäre medizi-
nische Versorgung in der Vorgebirgsstr. weiter verbessert.
Aufgrund einer personalen Konsolidierung konnten wir das Behandlungsangebot
wieder ausbauen, an einigen Stellen intensivieren, andere Angebote neu einrichten:
• In 2025 neu eingeführt haben wir Sprechstunden für Frauen, verortet im
Café Auszeit (SKF) und im Frauencafé der Drogenhilfe.
• Die Kontaktstelle des SKM, Rochus, für wohnungslose Menschen in K-Ehren-
feld, haben wir ab September neuerlich an 2 Wochentagen besucht.
• Die Sprechstunden im Johanneshaus (Annostr.), bei der Humanitären Hilfe
in der Vorgebirgsstr., im Drogenkonsumraum am Neumarkt sowie in der
Kontakt- und Beratungsstelle für Drogenabhängige (SKM) am Hbf. haben wir
ausbauen können.
• Die medizinische Versorgung von Patient*innen bei der Winterhilfe haben
wir verstetigt. Hier besteht eine besonders eklatante Häufung von Pati-
ent*innen mit schweren chron. Erkrankungen, Komorbiditäten (insbeson-
dere mit Sucht- und Psychoseerkrankungen) und einem fehlenden Zugang
zur medizinischen Regelversorgung (obwohl in vielen Fällen ein Versiche-
rungsschutz besteht).
• Weiterhin wurde in 2025 das medical streetwork in Zusammenarbeit mit
insbesondere der OASE e.V. und dem ASC durch wöchentliche gemeinsame
Gänge intensiviert.
7 https://www.stadt-koeln.de/mediaasset/content/pdf53/sprechstunde_mobiler_medizinischer_dienst.pdf
10
10
Sprechstundenangebot und Träger 12/2025
Beratungsbus B.O.J.E.
(Auf Achse / Behandlungsbus)
2x wöchentlich
Café Auszeit
(Sozialdienst kath. Frauen, Mauritiussteinweg)
1x wöchentlich
Café Victoria
(Drogenhilfe Köln)
5x wöchentlich
Drogenkonsumraum Neumarkt
(Gesundheitsamt)
5x wöchentlich
Frauencafé im Café Victoria
(Drogenhilfe Köln)
1x wöchentlich
Humanitäre Hilfen
(Sozialdienst kath. Männer, Vorgebirgsstr.)
3x wöchentlich
Kontakt- und Beratungsstelle für männliche Sexarbeiter
(Looks e.V.)
1x wöchentlich
Kontakt- und Beratungsstelle für Drogenabhängige
(Vision e.V. / Behandlungsbus)
2x wöchentlich
Kontakt- und Beratungsstelle für Drogenabhängige
(Sozialdienst kath. Männer, Hauptbahnhof)
4x wöchentlich
Kontakt- und Beratungsstelle für Wohnungslose
(Sozialdienst kath. Männer, Hauptbahnhof)
5x wöchentlich
Kontakt- und Beratungsstelle für Wohnungslose, Rochus
(Sozialdienst kath. Männer, Ehrenfeld)
2x wöchentlich
Krankenwohnung Kosmidion
(Spiritaner-Stiftung)
5x wöchentlich
Krankenwohnung Salierring
(Diakonie)
2x wöchentlich
Straßensprechstunde am Appellhofplatz
(mit Gesundheit für Wohnungslose e.V. / Behandlungsbus)
2x wöchentlich
Winterhilfe
(Sozialdienst kath. Männer, Ostmerheimer Str., Behandlungsbus)
2x wöchentlich
Wohnheim / Notschlafstelle in der Annostraße
(Johannesbund)
4x wöchentlich
11
11
6. Behandlungskontakte
2025 kam es bei den 1681 Patient*innen kam es zu einem Höchstwert von 9956 Be-
handlungskontakten.
Entsprechend ergab sich eine durchschnittliche Zahl von 830 Kontakten pro Monat
und 6 (5,9) Kontakten pro Patient*in.
Der Zeitaufwand pro Behandlungskontakt ist bei unseren Patient*innen generell
hoch. In den meisten Fällen leiden die Patient*innen unter chronischen Erkrankun-
gen, die im Kontext der prekären sozialen Situation und individuellen Lebensgestal-
tung betrachtet und behandelt werden müssen . Oftmals bestehen Sprachbarrieren
aber auch mitlaufende psychische Störungen, die die Kommunikation und Behand-
lungsabläufe erschweren.
Auch die Versorgung von oft großflächigen und superinfizierten chronischen Wun-
den, z.B. nach injektionsbedingten Infektionen oder Abszessen , ist sehr langwierig,
zeitaufwändig und materialintensiv.
0
2000
4000
6000
8000
10000
12000
Behandlungskontakte 2000-2025
12
12
7. Konsultationsgründe
Betrachtet man die Konsultationsgründe in den Sprechstunden des Mobilen Medizi-
nischen Dienstes nach den Hauptgruppen der „Internationalen statistischen Klassifi-
kation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme“ (ICD-10-GM), so do-
minieren
• Chirurgische Krankheitsbilder, darunter chronische Wunden und Ulceratio-
nen, akute Verletzungen durch Unfälle und körperliche Auseinandersetzun-
gen
• internistische Erkrankungen, zB Infektionserkrankungen der Atemwege aber
zunehmend auch chronische Krankheitsbilder (z.B. Herz-Kreislauf-Erkran-
kungen, chron. Atemwegserkrankungen, onkologische Krankheitsbilder,
Stoffwechselkrankheiten)
• Erkrankungen der Haut, etwa bakterielle Infektionen der Haut, Ekzeme, Pa-
rasitosen (bes. Befall mit Kopf- u./o. Kleiderläusen, Skabies)
• Psychiatrische Erkrankungen; bei dem überwiegenden Anteil der psychiatri-
schen Erkrankungen (ca. 2/3) handelt es sich um Abhängigkeitserkrankun-
gen, weiterhin um (oftmals unbehandelte) chronisch-produktive Psychosen,
die Kombination aus substanzbezogener Störung und Psychose sowie um
Persönlichkeitsstörungen.
In 14 Fällen war die Sofortbehandlung vital bedrohlicher akuter Notfälle (insbes.
Drogennotfälle) notwendig.
173
1866
70
2359
208
3168
252
546
721
89
136
0 500 1000 1500 2000 2500 3000 3500
Augen
Chirurgie
Gynäkologie
Haut
HNO
Innere Medizin
Neurologie
Orthopädie
Psychiatrie
Urologie
Zahnmedizin
Behandlungen nach Fachgebiet 2025 [n=9588]
13
13
8. Impfungen
Als wichtige präventivmedizinische Maßnahme werden Schutzimpfungen angebo-
ten. Im Jahr 2025 erfolgten insgesamt 137 Impfungen.
Wie in jedem Jahr, wurde im Herbst allen Patient*innen eine Grippeschutzimpfung
angeboten. Diese Impfung, die für die vulnerable Gruppe der Wohnungslosen u./o.
Drogenabhängigen durchweg indiziert ist wurde in allen Sprechstunden beworben
und 134 mal durchgeführt.
Bei ungenügendem oder unklarem Impfschutz nach Verletzungen erfolgten 15 Te-
tanus (Tdap)-Schutzimpfungen und 14 Impfungen gegen Pneumokokken.
8
2025 wurde insbesondere die Grippeschutzimpfung im Vergleich zu den „Vor-
Corona-Jahren“ deutlich seltener durchgeführt, da sich trotz intensiver Beratung
weniger Menschen dazu entschlossen haben. Hier scheint sich im Nachgang der
Corona-Pandemie auch in unserer Zielgruppe eine Impfskepsis entwickelt zu haben
8 Die hohe Zahl an Impfungen im Jahr 2021 resultiert aus Covid-19 Impfungen.
0
100
200
300
400
500
600
Impfungen
Impfungen pro Jahr
2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 2024 2025
14
14
9. Überweisung und Vermittlung
In 121 Fällen wurde eine haus- oder fachärztliche Weiter- oder Mitbehandlung in
Praxen niedergelassener Ärztinnen und Ärzte veranlasst. Unter den Überweisungen
zu Fachärzten erfolgte dies in 29 Fällen mit Hilfe des Anonymen Krankenscheines
(also außerhalb des med. Regelsystems).
197 Patient*innen wurden wegen somatischer Erkrankungen in Krankenhäuser ein-
gewiesen. Sechs Einweisungen erfolgten in die allgemeine Psychiatrie, 15 in die
qualifizierte Entzugsbehandlung.
Zudem erfolgte zur Einleitung einer neuen Substitutionsbehandlung in 14 Fällen
eine Vermittlung zu einer der Substitutionsambulanzen bzw. zu niedergelassenen
substituierenden Ärztinnen und Ärzten.
18 Patient*innen, bei denen der Verdacht auf eine sexuell übertragbare Krankheit
bestand, wurden an die STI-Ambulanz des Gesundheitsamtes überwiesen. Bei 72
Patient*innen ergaben sich aus der medizinischen Behandlung heraus Probleme,
die eine Sofortvermittlung zur Sozialberatung erforderlich machten.
In acht Fällen erfolgte eine Vermittlung zur zahnmedizinischen Regelversorgung. 46
Patient*innen wurden in die zahnärztliche Sprechstunde der Malteser Migranten
Medizin verwiesen.
Im Gesundheitsamt wurde immer dann eine weiterführende Diagnostik (Röntgen-
untersuchung der Lunge, STI-Ambulanz und Gynäkologie, EKG, Labor etc.) durchge-
führt, wenn die entsprechende Untersuchung zwar erforderlich, aber vor Ort nicht
ausführbar bzw. eine Vermittlung an niedergelassene Ärztinnen oder Ärzte nicht
möglich war (bspw. weil Unklarheit über einen Kostenträger bestand).
0 50 100 150 200 250
Entgiftung Alkohol
EntgiftungDrogen
Krankenhaus
Psychiatrie
Zahnarzt, Malter MM
Gesundheitsamt (STI, Tbc, Labor, Clearing)
Substitution
Facharzt
Hausarzt
Vermittlungen 2025 [n=544]
15
15
10. Anonymer Krankenschein (AKS) 9
Für die Vermittlung nicht krankenversicherter Patient*innen an Fachärzte oder in
elektive Krankenhausbehandlungen stand ab August 2025 erneut das Instrument
des Anonymen Krankenscheins zur Verfügung. Vom Mobilen Medizinischen Dienst
wurden 41 Anonyme Krankenscheine ausgestellt, davon 29 für ambulante fachärzt-
liche, 2 für stationäre Behandlungen und in 10 Fällen für Rezepte.
Die Nutzung des AKS war in 2025 für unsere Patient*innen insofern erschwert, als
das erforderliche Clearing vorübergehend nicht mehr dezentral bei den Humanitä-
ren Hilfen in der Vorgebirgsstr. erfolgen konnte. Damit war die in vielen Fällen er-
forderliche Niederschwelligkeit nicht mehr ausreichend gegeben.
11. Krankenwohnungen
Ein besonders wichtiges Angebot für wohnungslose oder obdachlose Menschen, die
aktuell (insbes. bettlägerig) erkranken, aber keiner Krankenhausbehandlung bedür-
fen, sind die Krankenwohnungen, die sich in Trägerschaft der Diakonie (Salierring)
und der Spiritaner-Stiftung (Kosmidion, Victoriastraße) befinden.
In den Krankenwohnungen finden die Patient*innen für den Zeitraum ihrer akuten
Erkrankung Tisch und Bett, am Salierring auch sozialarbeiterische Betreuung. Der
MMD besucht die Krankenwohnungen täglich von Montags bis Freitags (Kosmidion)
bzw. zweimal wöchentlich (Diakonie).
In die Krankenwohnung Kosmidion für drogenabhängige Menschen wurden 2025
108 Patient*innen (31 weiblich und 77 männlich) aufgenommen und behandelt. Die
Verweildauer lag im Schnitt bei 16 Tagen.
In der Krankenwohnung für wohnungslose Menschen am Salierring erfolgten 410
Behandlungskontakte bei 25 Patient*innen (2 weiblich, 23 männlich). Die Pati-
ent*innen sind hier zunehmend multimorbid, es besteht oftmals ein Pflegebedarf.
Die hohe Gebrechlichkeit und die resultierende, erforderliche Vermittlung in An-
schlussunterbringungen führte zu der im Mittel 103 Tage langen Aufenthaltsdauer
in der Krankenwohnung.
9 Vgl. auch: https://www.stadt-koeln.de/artikel/72741/index.html
16
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In Stichworten:
12. Kommunikation, Vernetzung und Kooperation (in Stichworten)
• Wöchentliche dienstinterne Teamsitzungen
• Amtsinterne Regelkommunikation
• Fallsupervisionen durch einen externen Supervisor
• Regelkommunikation mit den Teams der Träger
• Teilnahme an unterschiedlichen fachlichen Arbeitskreisen und Planungsgruppen
(auf kommunaler und Landesebene)
• Kooperation mit ehrenamtlich tätigen Initiativen und Vereinen
• Kooperation mit anderen Einrichtungen des Gesundheitswesens in ambulanter
und stationärer Versorgung
• Vernetzung mit vergleichbaren Projekten und Initiativen in anderen Kommunen
• Mitgliedschaft und berufene Mitarbeit in der Bundesarbeitsgeme inschaft Woh-
nungslosenhilfe (BAG W)
• Betreuung von Praktika u. Famulaturen für Studierende der Medizin
• Teilnahme an regionalen und überregionalen Kongressen und Tagungen zu rele-
vanten Themen (gesundheitliche Folgen von Wohnungslosigkeit, Abhängigkeit
von legalen und illegalen Suchtmitteln, psychiatrische Versorgung von Menschen
in prekären Lebenslagen)
• Kommunikation mit Medien und interessierter Öffentlichkeit zur Konzeption der
Arbeit im Hilfesystem und im städtischen Umfeld
13. Administrative Tätigkeiten
• Digitale Behandlungsdokumentation
• Ausstellung von Bescheinigungen u. Attesten für Behörden, Versicherungen u.ä.
• Kurze medizinische Gutachten
14. Logistik
• Vorratshaltung von medizinischem Verbrauchsmaterial (Arzneimittel, Verbands-
stoffe u. ä.)
• Instrumentenpflege und -aufarbeitung
• Fahrzeuglogistik und Fahrzeugunterhaltung
Beratungsverlauf (1)
Beschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungDetails
- Aktenzeichen
- 0825/2026
- Typ
- Mitteilung Ausschuss
- Datum
- 13.04.2026
- Erstellt
- 19.03.2026 11:20