1777/2017
Annahme einer Schenkung für das Museum Ludwig
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Beschlussvorlage Rat
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Die Oberbürgermeisterin Dezernat, Dienststelle VII/4511 Vorlagen-Nummer 1777/2017 Freigabedatum 12.06.2017 Beschlussvorlage zur Behandlung in öffentlicher Sitzung Betreff Annahme einer Schenkung für das Museum Ludwig hier: Schenkung eines Kunstwerkes der Künstlerin Avery Singer Beschlussorgan Rat Gremium Datum Beschluss: Der Rat der Stadt Köln nimmt die Schenkung eines Kunstwerkes der Künstlerin Avery Singer durch OUTSET Germany_Switzerland, Berlin mit großem Dank an. Ausschuss Kunst und Kultur 27.06.2017 Rat 11.07.2017 2 Haushaltsmäßige Auswirkungen Nein Begründung: Avery Singer Untitled, 2016 Acryl auf Leinwand 203 x 229 x 6 cm Unikat AS/M 16-20/U Wert: USD 45.000 Seit ihren ersten internationalen Ausstellungen 2013 gilt Avery Singer als junge Pionierin der Malerei, die vor allem für ein neuartiges Verfahren der Bildproduktion zwischen digital und analog, High Tech und Low Tech bekannt geworden ist. Repräsentativ für diesen Produktionsprozess steht beispiels- weise das Bild Anna Karina (2014), das seit einer Schenkung der Sammlung Oehmen an die Kunst- stiftung im Museum Ludwig 2016 als Dauerleihgabe zu unserem Bestand zählt. Mithilfe einer Model- lierungssoftware für Räume entwirft Singer viele ihrer Bilder zunächst am Computer und überträgt die kubistisch oder konstruktivistisch anmutenden figurativen Motive in einem aufwendigen Prozess mit Airbrushpistolen auf die vorher abgeklebte Leinwand. Während sie also bisher die formale Kompositi- on digital umsetzte, vollzog sie den Akt des Malens immer händisch. Im Ergebnis verraten mitunter nur geringfügige Unreinheiten auf der Leinwand, dass es sich nicht um einen rein technologischen Prozess wie einen Druck handelt. Trotz ihrer jungen Karriere wagte Singer anlässlich ihrer Ausstellung Sailor in der Wiener Secession (2016/17) und im Kölnischen Kunstverein (2017) bereits ein kühnes Experiment: Sie verzichtete auf das bisher angewandte Verfahren und arbeitete stattdessen mit dem programmierten Automatismus eines besonderen Airbrushprinter, einem seltenen in Japan produzierten Modells, das gemeinhin ausschließlich für Industrieproduktionen in Betrieb genommen wird. Dafür verbrachte Singer vier Wo- chen in einer Schweizer Werkstatt, die sie nach längerer Recherche für die Produktion gewinnen konnte. Der Komposition der Künstlerin zufolge musste der Drucker, das heißt der Bewegungsablauf der Airbrushspritze exakt programmiert sowie ihr Abstand zur Leinwand exakt eingestellt werden, um damit die Schärfe des Farbauftrags zu bestimmen. In diesem Prozess entstand eine neue Werkserie, darunter das Bild Untitled (2016). Es zeigt ein Zaunmotiv, wobei der minimalistisch in Schwarzweiß gehaltene Zaun von wenigen türkisfarbenen diagonalen Streifen unterbrochen wird, die als einziges Bildelement die Handschrift der Künstlerin ausweisen. Im Museum Ludwig mag einem diese Geste gar vertraut vorkommen, hatte doch Gerhard Richter jüngst in seinen „neuen Bildern“ (Ausstellung Museum Ludwig, 2017) ähnliche Striche mit der Spitze seines Pinsels durch seine Rakelbilder gezogen, um seine eigene Präsenz zu markieren, und noch dazu legte er dabei mitunter ein ähnliches Türkis unter etlichen Farbschichten frei. Unabhängig davon, dass Avery Singer eine große Verehrerin seines Werks ist, kann man nicht davon ausgehen, dass sie Richters „neue Bilder“ zum Zeitpunkt der Entstehung dieser Werke gesehen hatte. Umso erstaunlicher, dass in zwei ganz unterschiedlichen Spielarten der malerischen Perfektion eine ähnlich reduzierte, gar dilettantisch wirkende Geste einen Bruch darstellt, der erst die bildimmanente Span- nung herstellt. Die türkisenen Striche markieren ferner deutlich die Stadien des Druckprozesses und die durch ein- zelne Druckschichten produzierte Staffelung von Vorder- und Hintergrund. Auch hier zeigt sich wie bei früheren Arbeiten Singers das Spiel mit der Überlagerung von piktoralen Räumen und Sichtach- sen, Schärfe und Unschärfe, Licht und Schatten. Was hinzukommt ist die neue Rolle von leuchtender Farbe vor schwarzweißem Hintergrund, eine Entwicklung ihrer Arbeiten der letzten Jahre, die darin zumeist auf futuristische Technologien oder digitale Oberflächen wie Geräte verweisen. 3 Das Zaunmotiv rekurriert also auch selbstreflexiv auf die Grenzen ihres künstlerischen Schaffens, markiert Schwellen zwischen Vergangenheit und Fortschritt, Einschränkung und Durchlässigkeit, Mensch und Maschine. In mehrfacher Hinsicht fügt sich das Werk folgerichtig in die Sammlung des Museum Ludwig ein, weist es zum Beispiel deutliche Bezüge zur Minimalart – wie etwa Kenneth Nolands Shadow Line (1967) – auf, weckt jedoch auch Erinnerungen an Albert Oehlens Experimente mit Computer- Malprogrammen und Tintenstrahldruckern (Fleisch, 1995). Das Museum Ludwig begrüßt diese großartige Schenkung durch OUTSET Germany, die die Idee verfolgt, die Produktion von neuen Werken als Spende an öffentliche Institutionen oder Bildungspro- jekte zu unterstützen. Die Organisation arbeitet mit einem ständig wachsenden Netzwerk internatio- naler Kuratoren zusammen. OUTSET Germany_Switzerland erwirbt das Kunstwerk von der Galerie Kraupa-Zeidler, Berlin, zu einem Kaufpreis von 45.000 US $ (entspricht ca. 40.000 Euro nach dem aktuellen Wechselkurs zu- züglich 19% MwSt.). Mit der Annahme der Schenkung ist eine Spendenbescheinigung verbunden.
Beratungsverlauf (2)
Beschluss: ungeändert beschlossen
Zur SitzungDetails
- Aktenzeichen
- 1777/2017
- Typ
- Beschlussvorlage Rat bzw. Hauptausschuss
- Datum
- 12.06.2017
- Erstellt
- 03.08.2017 00:27