1342/2021
Ergebnisse einer Befragung zu den Auswirkungen der Corona-Pandemie auf LSBTIQ-Jugendliche
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Mitteilung Ausschuss
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Die Oberbürgermeisterin Dezernat, Dienststelle OB/16/161/3 Vorlagen-Nummer 15.04.2021 1342/2021 Mitteilung öffentlicher Teil Gremium Datum Stadtarbeitsgemeinschaft Lesben, Schwule und Transgender 21.04.2021 Stadtarbeitsgemeinschaft Behindertenpolitik 23.04.2021 Jugendhilfeausschuss 27.04.2021 Ausschuss für die Gleichstellung von Frauen und Männern 28.05.2021 Ausschuss Soziales und Senioren 27.05.2021 Integrationsrat 01.06.2021 Ausschuss Schule und Weiterbildung 07.06.2021 Ergebnisse einer Befragung zu den Auswirkungen der Corona-Pandemie auf LSBTIQ- Jugendliche Unter dem Titel „Ein Viertel der LSBTIQ*-Jugendlichen hat Suizidgedanken aufgrund von Corona“ wurden Mitte April 2021 die Ergebnisse einer aktuellen Umfrage des Kölner Jugendzentrums anyway veröffentlicht. 296 Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 14 bis 27 Jahren, die sich selber als lesbisch, schwul, bisexuell, trans- oder intergeschlechtlich sowie queer (LSBTIQ) definieren, nah- men daran teil. Die Ergebnisse zeigen die besonderen psychischen Belastungen und Schwierigkeiten der befragten Personen auf, die durch die Einschränkungen der Corona-Pandemie hervorgerufen werden (wie das Wegfallen von Begegnungs-, Schutz- und Freiräumen durch die Schließung von Schulen und Ju- gendzentren und die damit verbundene Fokussierung auf Kernfamilie und Elternhaus): Mehr als zwei Drittel der befragten Personen gaben an, unter depressiven Verstimmungen zu leiden. Ein Viertel der befragten LSBTIQ-Jugendlichen und jungen Erwachsenen hat mit suizidalen Gedanken zu kämpfen. Jede*r Zehnte gab an: „Ich traue mich aktuell nicht, mich zu outen, weil ich immer Zuhause sein muss.” Als Reaktion auf diese Ergebnisse hat das Jugendzentrum anyway sein Angebot ausgeweitet. Neben den bestehenden kostenfreien Beratungsmöglichkeiten gibt es ab sofort auch eine „LSBTIQ*- Empowerment-Gruppe“, die sich vorerst virtuell trifft und in der u.a. auch Techniken zum Abbau von Stress und depressiven Gedanken erlernt werden können. Anlage Umfrageergebnisse des anyway e.V.: „Ein Viertel der LSBTIQ*-Jugendlichen hat Suizidge- danken aufgrund von Corona“ 2 Gez. Reker Gez. Reker
Anlage Umfrageergebnisse des anyway e.V. ''Ein Viertel der LSBTIQ-Jugendlichen hat Suizidgedanken aufgrund von Corona''
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Ein Viertel der LSBTIQ*-Jugendlichen hat Suizidgedanken aufgrund von Corona 66.9 Prozent der anyway-Besucher:innen leiden an depressiver Verstimmung, Ungeoutete und trans* Jugendliche besonders betroffen. Köln, 17.04.2021 – LSBTIQ*-Jugendliche sind durch die Corona-Pandemie und den damit verbundenen Einschränkungen stark belastet. Dies ergab eine Befragung des Jugendzentrums anyway unter 296 lesbischen, schwulen, bi, trans*, inter und queeren Jugendlichen und jungen Erwachsenen von 14 bis 27 Jahren. Demnach gibt über die Hälfte der Jugendlichen an, dass sie stark (31%) oder sehr stark (21%) emotional belastet sind. Der Grad der Belastung steigt, je vulnerabler eine Person ist. Personen unter 18 Jahren, Personen die trans* sind oder Unsicherheiten in ihrer geschlechtlichen Identität haben sowie ungeoutete und nur teilweise geoutete Jugendliche sind besonders betroffen. „Die Pandemie verstärkt Probleme dort, wo sie ohnehin schon groß sind. Dass merken wir auch bei LSBTIQ*-Jugendlichen, die ohnehin in unserer Gesellschaft unter hohem Druck stehen und deren Minderheitenstress sich nun verstärkt. Das hat auch Folgen für ihre körperliche und psychische Gesundheit”, sagt Jürgen Piger, Geschäftsführung des anyway e.V. 7 Prozent der unter 18-Jährigen unternehmen Suizidversuch Die Reaktionen auf die emotionale Belastung sind unterschiedlich. Mehr als zwei Drittel der Befragten leiden unter einer depressiven Verstimmung (66,9%), Angstzuständen (36,1%) und selbstverletzendem Verhalten (17,9%). Ein Viertel (25%) der LSBTIQ*-Jugendlichen und jungen Erwachsenen hat sogar mit suizidalen Gedanken zu kämpfen. Bei den unter 18-Jährigen sind es sogar fast 39,4% der Befragten. Entsprechend hoch ist bei ihnen auch die Neigung zum Suizid. 7 Prozent der unter 18-Jährigen haben versucht, sich während der Pandemie das Leben zu nehmen. Ebenfalls haben die Einschränkungen des täglichen Lebens, die Schließung von Schulen und Jugendzentren sowie die Kontaktbeschränkungen zu anderen LSBTIQ*-Gleichaltrigen Einfluss auf das Coming-out. Mehr als Fünftel der Jugendliche (22%) gibt an, dass sich Corona und die damit verbundenen Maßnahmen auf ihren Coming-out-Prozess auswirken. Die Folgen reichen von Einschränkungen und Verzögerungen im Coming-out-Prozess bis dahin, sich nicht zu outen. 11,8 Prozent der Befragten gaben an: “Ich traue mich aktuell nicht, mich zu outen, weil ich immer Zuhause sein muss.” Weiterhin belastet die Jugendlichen, die Auswirkungen auf ihr Coming-out spüren, dass sie die eigene sexuelle Orientierung wegen fehlender Date- und Feiermöglichkeiten nicht ausprobieren (69,4%) oder generell keine anderen LSBTIQ*-Peers treffen (68,5%) können. Trans* Jugendliche leiden vor allem darunter, dass ihnen durch die Schließung der offenen Jugendarbeit Räume fehlen, in denen sie ihre geschlechtliche Identität ausprobieren können (38,9%). Oft sind LSBTIQ*-Treffs der Ort, an denen trans* Jugendliche ihre ersten Gehversuche in ihrer eigentlichen geschlechtlichen Identität machen, in der sie auch von der Gesellschaft akzeptiert werden wollen. Ebenfalls wurden die Befragten darum gebeten, in eigenen Worten dazu Auskunft zu geben, was sie besonders belastet. Die Antworten reichen vom Gefühl des Abgehängtseins und der Isolation bis hin zum Verstecken und der Sehnsucht nach Orten, um andere Jugendliche in gleicher Lebenssituation zu treffen (Rechtschreibung unverändert): “Am meisten belastet mich, dass ich mich nicht mit Personen treffen kann, bei denen ich geoutet bin. D.h, ich habe die gleiche Situation wie vor meinem Outing bei meinen Freunden.” “Ich fühle mich eingekesselt, ich kann Zuhause nicht ich selbst sein und bin daher sehr eingeschränkt. Ich merke, wie sehr ich darunter psychisch leide, weil ich mich nciht gänzlich entfalten kann.” “Dass ich zu Hause leben muss und vom Jugendamt gefühlt kein Verständnis für meine Situation bekomme. Außerdem, dass einige Trans* Personen in meinem Umfeld trotz allem mit ihrer Transition beginnen können und ich mich aufgrund von Trans*-/Homophoben Eltern immer noch nicht outen konnte.” “Es belastet mich, nicht ins Anyway gehen zu können und sich mit Freunden zu treffen. Mir fehlt die Fritz Kola, die gute Stimmung und Atmosphäre des Anyway. Mir fehlt der persönliche Kontakt und der Safe Space, den ich im Anyway habe.” “Mich belastet es sehr, dass ich meine Identität nicht richtig ausleben kann, da ich nur Zuhause bin. Zudem habe ich eine soziale Phobie, der Lockdown verschlimmert diese” Als Reaktion auf diese Ergebnisse bietet das anyway ab sofort eine LSBTIQ*-Empowerment-Gruppe an. In virtuellen Treffen können sich die Jugendlichen über ihre seelischen Belastungen austauschen, über ihre Probleme reden und Techniken für den Alltag lernen, um sich aus Tiefs herauszuziehen oder akuten psychischen Stress abzubauen. Darüber hinaus bietet das anyway als Jugendberatungsstelle anonyme und kostenlose Beratung am Telefon, Videochat oder als persönliches Gespräch (z.B. als gemeinsamer Spaziergang) für LSBTIQ*-Jugendliche und junge Erwachsene an. Anfragen für die Beratung oder für die Empowerment-Gruppe können unter beratung@anyway-koeln.de gestellt werden. STUDIENDATEN Teilnehmer:innen: 312 Personen im anyway-Alter (bis einschl. 27 Jahren): 296 Personen unter 18 Jahren: 71 Durchschnittsalter: 20,29 Jahre 2% 17% 30% 31% 20% Wie sehr belasten dich die Corona-Pandemie und ihre Folgen emotional? Gar nicht Ein wenig Mittelmäßig Stark Sehr stark 0% 15% 27% 30% 28% Personen U18: Wie sehr belasten dich die Corona-Pandemie und ihre Folgen emotional? Gar nicht Ein wenig Mittelmäßig Stark Sehr stark 28,5 19 38,9 19,4 28,9 26,7 0 5 10 15 20 25 30 35 40 45 Starke emotionale Belastung Sehr starke emotionale Belastung Emotionale Belastung nach Grad des Coming-outs Geoutet Teilweise geoutet Ungeoutet 66,9 36,1 25,3 25 17,9 17,2 9,5 2,7 67,6 46,5 25,3 39,4 36,6 21,1 11,3 7 0 10 20 30 40 50 60 70 80 Welche der folgenden Erscheinungen sind bei dir durch Corona und die damit verbundenen Einschränkungen aufgetaucht? (Mehrfachnennung möglich) Alle Personen U18 22% 64% 14% Wirken sich die Corona-Pandemie und die damit verbundenen Maßnahmen auf deinen Coming-out-Prozess aus? Ja Nein Weiß nicht 1,9 6,5 9,3 32,4 35,2 38,9 68,5 69,4 0 10 20 30 40 50 60 70 80 Ich stimme keiner Aussage zu. Ich kann keine LSBTIQ*-Serien schauen, Bücher lesen, mit Freund:innen chatten/telefonieren. Sonstiges Ich traue mich aktuell nicht, mich zu outen, weil ich immer Zuhause sein muss. Ich habe nur noch wenig Kontakt zu den Menschen, die mich in meinem Coming-out unterstützt haben. Mir fehlen Räume, in denen ich meine geschlechtliche Identität äußerlich ausprobieren kann. Ich habe keine Möglichkeit, andere LSBTIQ* zu treffen. Ich kann meine sexuelle Orientierung nicht ausprobieren, da ich nicht daten/feiern gehen kann. Welcher/n Aussage/n würdest du zustimmen? (Mehrfachnennung möglich, 108 Personen, die Auswirkungen ihr Coming -out spüren oder sich darüber nicht sicher sind)
Beratungsverlauf (7)
Beschluss: Kenntnis genommen
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Zur SitzungBeschluss: Kenntnis genommen
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Zur SitzungDetails
- Aktenzeichen
- 1342/2021
- Typ
- Mitteilung Ausschuss
- Datum
- 05.05.2021
- Erstellt
- 09.04.2021 13:10