1025/2020
Annahme einer Schenkung des Kunstwerkes Untitled, 2017 von Wade Guyton für das Museum Ludwig
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Beschlussvorlage Rat
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Die Oberbürgermeisterin Dezernat, Dienststelle VII/4511 Vorlagen-Nummer 1025/2020 Freigabedatum 16.04.2020 Beschlussvorlage zur Behandlung in öffentlicher Sitzung Betreff Annahme einer Schenkung des Kunstwerkes Untitled, 2017 von Wade Guyton für das Museum Ludwig Beschlussorgan Rat Gremium Datum Hinweis: Kann die Beschlussvorlage am 14. Mai 2020 nicht im Rat behandelt werden, wird der Beratungsgang entsprechend angepasst. Beschluss: Der Rat der Stadt Köln nimmt die Schenkung des Kunstwerkes Untitled,2017 von Wade Guyton an das Museum Ludwig durch den Künstler mit großem Dank an. Ausschuss Kunst und Kultur 28.04.2020 Rat 14.05.2020 2 Haushaltsmäßige Auswirkungen Nein Auswirkungen auf den Klimaschutz Nein Ja, positiv (Erläuterung siehe Begründung) Ja, negativ (Erläuterung siehe Begründung) Begründung: Wade Guyton *1972 in Hammond (IN, USA), lebt in New York (NY, USA) Untitled, 2017 Epson UltraChrome K3-Tintenstrahldruck auf Leinen 5 Paneele, je 325 x 275 cm 2.500.000 US $ Wade Guyton wurde Anfang der 2000er Jahre mit abstrakten Bildern bekannt, die er mit Hilfe eines Tintenstrahldruckers auf grundierte Leinwand produzierte. Mit diesem Verfahren hatte er einen Weg aufgezeigt, die tradierte Gattung der Malerei neu zu erfinden. Bis heute lotet Guyton auf diese Weise die Frage aus, worin die Essenz der Malerei bestehen könnte. Die frühen monochromen Werke, von denen das Museum Ludwig bereits 2010 unter dem Direktor Kasper König und 2016 unter dem Direk- tor Yilmaz Dziewior zwei unbetitelte Arbeiten erwarb (Ohne Titel, 2007, ML 10266 und Ohne Titel, 2008, ML 10345), sind wesentlich durch die technischen Möglichkeiten und Grenzen des Tinten- strahldruckers bestimmt. Die Werke sind in der Mitte durch einen weißen Spalt in zwei monochrome Flächen unterteilt. Schmale horizontale Streifen und Schlieren in dem schwarzen und blauen Bild weisen auf die Störungen im Produktionsprozess hin. Auch wenn die Herstellung für jede Arbeit iden- tisch ist, bringt doch der Prozess immer ein neues individuelles Werk hervor. Die Frage, auf welche Weise ein/e Künstler*in den Arbeitsprozess aus der Hand geben und an ein technisches Gerät dele- gieren kann, stellte sich bereits Laszlo Moholy-Nagy, als er 1922 über Telefon ein Gemälde in Auftrag gab. Andy Warhol wiederum revolutionierte in den 1960er Jahren die Malerei mit seiner Siebdruck- technik auf Leinwand. Er druckte einzelne Motive vielfach und widersprach so der Erwartung, es gebe Originalität und das Kunstwerk als Original. Guyton wiederum schafft mithilfe der Technik des Tinten- strahldruckers bis heute ein komplexes konzeptuelles und malerisches Werk. In einer großen Retro- spektive hat das Museum Ludwig dieses beeindruckende Oeuvre, zu dem auch skulpturale Arbeiten und Zeichnungen gehören, im Winter 2019/20 vorgestellt. Wade Guyton, der sich mit dem Museum Ludwig seit seiner Ausstellung im DC-Saal 2010 eng ver- bunden fühlt, möchte nun dem Haus ein zentrales fünfteiliges Werk schenken. Es ist im Rahmen der Projektreihe Schultze Projects 2017 entstanden. Der Name der Reihe bezieht sich auf Bernard Schultze und seine Ehefrau Ursula (Schultze-Bluhm), deren Nachlass das Museum Ludwig verwaltet und zu deren Gedenken alle zwei Jahre ein/e Künstler*in eingeladen wird, ein Werk für die Stirnwand im Treppenhaus anzufertigen. Der Herausforderung, an dieser prominenten Stelle ein auf die Archi- tektur bezogenes Werk zu schaffen, begegnete Guyton mit dem Wechsel hin zum fotografischen Ab- bild. So finden sich als Motive die Werbeaufnahme eines iPhones, der Blick aus dem Atelierfenster auf der Bowery sowie eine stark vergrößerte rote Bitmap, die ein abstraktes weißes Bild mit rot- grauen Rand zeigt. Da der Tintenstrahldrucker nur eine Hälfte der Leinwand bedrucken kann, er- scheint die insgesamt 13 Meter und 75 Zentimeter breite Wandarbeit in 10 Felder eingeteilt. Nach dem Werbefoto als Auftakt folgen von links nach rechts die abstrakten und figurativen Elemente in einem unregelmäßigen Wechsel. Dadurch wird die Aufmerksamkeit vom Gesamteindruck weg und auf die einzelnen Motive hingelenkt. Besonders die spektakulären Bauten fallen in den Blick – das One World Trade Center, das nach seiner Adresse benannte Apartmenthochhaus 56 Leonard Street 3 von dem Architekturbüro Herzog & de Meuron sowie das Long Lines Building, ein fensterloser Bau von 1974 der Firma AT&T, die laut Wikileaks eng mit dem NSA zusammenarbeitet. Sie bestimmen die Silhouette der Stadtlandschaft. Auf mehreren Ebenen finden sich selbstreflexive Momente: Die Werbung für das iPhone verweist auf das Medium, mit dem die Stadtlandschaft aufgenommen wurde; das Zoom in die Bitmap bezieht sich auf das digitale Grundmaterial des Gemäldes; die gedoppelten Tafelbilder geben den Hinweis auf den Tintenstrahldrucker; und schließlich kann der Blick aus dem Atelierfenster auf das Fenster als Metapher für die Malerei und als Verweis auf den Produktionsort des Künstlers, bei dem letztlich alle Fäden zusammenlaufen, gelesen werden. Mit der Schenkung dieses monumentalen Werkes wird das Museum Ludwig ein bedeutendes und repräsentatives Konvolut eines Künstlers besitzen, dessen Oeuvre in zentraler Nachfolge der US- amerikanischen Kunst von abstrakten malerischen Positionen über Pop Art bis zur Picture Generation steht und der mit seiner Übersetzung dieser Vorläufer in eine Kunst des 21. Jahrhunderts überzeugt. Das Werk hat ausweislich eines externen Gutachtens einen Wert von 2.500.000 US $ (abgerundet 2.310.985 Euro). Mit der Annahme des Werkes ist keine Fertigung einer Spendenbescheinigung verbunden.
Beratungsverlauf (2)
Beschluss: ungeändert empfohlen
Zur SitzungDetails
- Aktenzeichen
- 1025/2020
- Typ
- Beschlussvorlage Rat bzw. Hauptausschuss
- Datum
- 16.04.2020
- Erstellt
- 02.04.2020 12:45