2019/0137
Sanierung Platanenhain
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2019/0137
12167 Zeichen
Magistratsvorlage
Eingang Magistrats -
geschäftsstelle:
07.05.2019
an den Magistrat
zur Kenntnis
zur Beschlussfassung
Beteiligt vor
Magistratsbeschlussfassung:
Dezernat III an die Stadtverordnetenversammlung
OBW zur Befassung
zur Kenntnis
zur Beschlussfassung
zur abschließenden Beschluss -
fassung Fachausschuss
Dezernat I
Dezernat IV
Dezernat V
Amt: Grünflächenamt
OBW bei abschl. B e-
schlussfassung Magistrat
Behandlung in
öffentl. Sitzung
Ja
Nein
Verteiler:
Ja
Nein
Vorlage-Nr. 2019/0137
Magistratsbeschluss -Nr.
Internetfähig
Produkt-Nr.: 551050
Kostenstelle: 067-010-1100 Investitionsnummer: 18067-4106
Kostenträger: 5510-51 Sachkonto: 0953010
Betreff: Sanierung Platanenhain
Vorlage vom: 25.04.2019
Beschlussvorschlag :
1. Der Magistrat nimmt das Gutachten zur baumfachlichen und bodenkundlichen Untersuchung
des Platanenhains auf der Mathildenhöhe vom November 2018 und die artenschutzrech tliche
Beurteilung des Baumbestandes vom Januar 2019 zur Kenntnis.
2. Der Magistrat stimmt zu, den weiteren Planungen zur Sanierung des Platanenhains die
Option 3 mit geschlossenen Belüftungs - und Wurzelgräben abschnittsweise über 4 Jahre
zu Grunde zu legen.
3. Der Magistrat stimmt der Fällung und dem Ersatz von voraussichtlich 40 Platanen im
Rahmen der Sanierungsmaßnahmen zu. Sollte sich der Vitalitätszustand weiterer Bäume
verschlechtern, können diese ebenfalls entnommen und ersetzt werden.
4. Für das Sanierungsprojekt Pla tanenhain ist eine öffentliche Bürgerinformationsv eranstaltung
durchzuführen.
- 2 -
Anlagen: Baumfachliche und bodenkundliche Untersuchung vom November 2018
Artenschutzrechtliche Bewertung Platanenhain vom Januar 2019
Plan Artenschutzrechtliche Bewertung Baumbestand
Datenschutzrelevante Anlage:
Folgekosten: Ja Nein
Beschluss des Magistrats vom
- 3 -
Begründung zur Magistratsvorlage vom 25. April 2019
Ausgangslage :
Der Platanenhain wurde bereits um 1830 innerhalb eines Landschaftsgartens angelegt und ist
als prägendes Stilelement bis heute erhalten geblieben, während der ursprüngliche Land-
schaftspark in weiten Teilen überbaut und überformt wurde. Heute besteht der Platanenhain
zu ca. 40% aus Bäumen, die zwischen 1892 und 1944 gepflanzt wurden und zu 60% aus
Bäumen, die seit 1974 nachgepflanzt worden sind, so dass sich schon durch das unterschied-
liche Baumalter der Bäume ein heterogenes Erscheinungsbild des Platanenhains ergibt. Dieser
optische Eindruck hat sich nachweislich seit den 50er Jahren verschlechtert. Inzwischen we i-
sen die mittleren Platanenreihen Vitalitätsverluste auf, die weiter fortschreiten. Einige Plat a-
nen mussten mittlerweile ersetzt werden, wobei auch die Neupflanzungen vielfach eine nur
unterdurchschnittliche Konstitution aufweisen.
Im Rahmen der Erstellung des Parkpflegewerkes Mathildenhöhe, das im Auftrag des Grünflä-
chenamtes vom Büro für Landschaftsarchitektur Ehrig aus Bielefeld erstellt wird, wurde auf die
problematische Situation der massiven und durch Rammkernsondierungen bestätigten Bode n-
verdichtung im Platanenhain und die negativen Auswirkungen auf die Vitalität der Bäume hin-
gewiesen und eine umfassende Sanierung des Baumbestandes durch Entnahme der Exemplare
im mittleren Bereich, Austausch des Bodensubstrates und Neuaufpflanzung der Platanen em p-
fohlen.
Zur Absicherung des Erstbefundes wurde zum einen ein baumfachliches und bodenkundliches
Gutachten an das Sachverständigenbüro für urbane Vegetation Dr. Streckenbach aus Bochum
in Zusammenarbeit mit der Sachverständigen für Baumstandorte Frau Dr. Weltecke aus Bad
Arolsen und zum anderen eine artenschutzrechtliche Bewertung zum Baumbestand und den
Sanierungsmaßnahmen an das Büro naturplan aus Darmstadt beauftragt.
Ergebnisse der Gutachten:
Das baum- und bodenfachliche Gutachten kommt zu folgenden Ergebnissen:
Neben einer visuellen Untersuchung und der Zustandserfassung der Bäume wurde u. a. an
sechs ausgewählten Bäumen eine bodenkundliche Profilaufnahme gemacht, die Lagerung s-
dichte in zwei Tiefenstufen und die Luft- und Wasserleitfähigkeit des Oberbodens gemessen
und das in Darmstadt verwendete Baumpflanzsubstrat im Labor überprüft.
Die Untersuchung der Platanen hat ergeben, dass sich 78 der insgesamt 178 vorhandenen
Bäume, also etwa 44 %, in einem guten bis sehr guten Zustand befinden und einen hohen Er-
haltungswert besitzen.
Weitere 60 Platanen, also etwa 34 %, befinden sich in einem noch zufriedenstellenden Zu-
stand. Diese Bäume sind mittel- bis langfristig, das heißt voraussichtlich mindestens noch 10
Jahre lebens- und erhaltungsfähig. Aufgrund größerer Schäden muss bei diesen Bäumen aller-
dings mit einem höheren Pflegeaufwand gerechnet werden.
- 4 -
Insgesamt 40 Platanen, also etwa 22 %, davon viele jüngere Bäume, zeigen umfangreichere
Schäden und sind voraussichtlich nur noch kurz- bis mittelfristig über einen Zeitraum von ma-
ximal 5 - 10 Jahren lebens- und erhaltungsfähig.
Den Schädigungsgraden nach zu urteilen, werden somit innerhalb der kommenden 10 Jahre
bis zu 40 Platanen ersetzt werden müssen.
Der Standort des Platanenhains ist in jeglicher Hinsicht ein Extremstandort. In großen Teilen
besteht der Platz aus dem sogenannten Bessunger Kies, einem sandig-kiesigen Substrat, wel-
ches besonders in den oberen 30 cm extrem verdichtet ist. Dadurch dringt kaum Luft und
Wasser in den Boden und nur sehr wenig Wasser kann aufgrund der groben Bodenart und des
hohen Skelettanteils gespeichert werden.
Aus der Historie des Platanenhains ergeben sich keine Hinweise darauf, dass zurückliegende
Eingriffe ursächlich für die nun erschwerten Wachstumsbedingungen der Bäume sind. Es ist
jedoch anzunehmen, dass die Belastung der Fläche durch Befahren mit unterschiedlichen
Fahrzeugen und bei zurückliegenden Großveranstaltungen mit höchster Wahrscheinlichkeit
das Maß des noch Tolerierbaren überschritten haben dürfte.
Ebenso tragen die durchweg hohen Besucherinnen- und Besucherzahlen des Platanenhains
ganz sicher nicht zu einer Verbesserung der Bedingungen für die Bäume bei. Dennoch - so das
Gutachten - ist es unwahrscheinlich, dass diese intensive Nutzung allein ein erfolgreiches An-
wachsen der Bäume verhindert, zumal die Fläche auch in früherer Zeit intensiv begangen wo r-
den sein dürfte und zahlreiche Bäume trotzdem ihre Reife- und Alterungsphase erreicht haben.
Dies spricht dafür, dass die grundsätzlichen Eigenschaften des Bodens am Standort im Z u-
sammenspiel mit den klimatischen Veränderungen unserer Zeit die dort frisch gepflanzten
Jungbäume mittlerweile über das Limit dessen treiben, was eine Platane an einem solchen
Standort noch ertragen kann.
Die geringe Vitalität der Platanen ist eine Folge mehrerer Faktoren wie des Mangels an durc h-
wurzelbarem Raum, der massiven Bodendurchlüftungsstörungen, des Trockenstresses und
des Nährstoffmangels.
Geringe Unterschiede in der Substratzusammensetzung und im Verdichtungsgrad ermöglichen
es den vitaleren Platanen aufgrund ihrer geringen Ansprüche mit dem Standort zurecht zu
kommen, wobei insbesondere die Randbäume mit einer besseren Vitalität von einer zumindest
partiell weniger ausgeprägten Verdichtung und zumindest im östlichen Teil in geringen Maßen
zusätzlich erschlossenen Wurzelräumen profitieren.
Im Rahmen des Gutachtens wurden 5 Sanierungsmöglichkeiten geprüft:
- Die Sanierung durch Belüftungslöcher im vorhandenen Bestand (Option 1)
- Die Sanierung durch Belüftungs- bzw. Wurzelgräben als offene Variante (Option 2) und
als geschlossenen Variante (Option 3) im vorhandenen Bestand
- Die Sanierung durch flächigen Bodenaustausch einschließlich Austausch der vier mit t-
leren Platanenreihen mit 78 Bäumen (Option 4)
- Bodenlockerungsmaßnahmen mit Druckluftlanzen (Option 5)
- 5 -
Empfohlen wird seitens der Gutachter die Sanierung des Platanenhains mit geschlossenen
Belüftungs- bzw. Wurzelgräben (Option 3), die kreuzförmig verlaufend auf der gesamten Fläche
zu installieren sind. Die etwa 1m tiefen und 40 – 60 cm breiten Gräben sollen mit einem gro-
ben wasserspeichernden Substrat angefüllt und mit einer wassergebundenen Decke mit Trag -
und Deckschicht abgeschlossen werden, so dass ein einheitliches Erscheinungsbild der Ober-
fläche bestehen bleibt.
Die Gräben werden zur Schonung des Wurzelraumes der Bäume in Abschnitten über insgesamt
4 Jahre umgesetzt und bereichsweise werden die bereits festgestellten mindestens 40 Bäume
oder gegebenenfalls weitere Exemplare nach jeweils aktueller Überprüfung und Beurteilung mit
eingeschränkter Vitalität bzw. Schädigungen entnommen und durch Neupflanzungen ersetzt.
Zur dauerhaften Belüftung der Gräben sind Belüftungsrohre in Abständen von etwa 2,50 m
zueinander anzuordnen, die regelmäßig zu reinigen sind, um eine stete Luftdurchlässigkeit zu
gewährleisten.
Weiterhin ist ein Bewässerungssystem mit mobilen Standregnern zu installieren. Feuch tefühler
auf dem Platz verteilt sollen zur Beurteilung des Bewässerungsbedarfs und zur Steuerung der
Bewässerungsgänge vorgesehen werden.
Das Baumsubstrat erfüllt die gestellten Voraussetzungen und soll mit Mykorrhizen und daue r-
haften Huminstoffen angereichert werden zur Versorgung der Bäume. Weitere Düngeempfeh-
lungen sind von noch durchzuführenden Blattanalysen im Hochsommer abhängig.
Die Befahrbarkeit des Platzes bleibt eingeschränkt, um weitere oder erneute Verdichtungen zu
minimieren. Eine vorsichtige ganzflächige Befahrung ist auf unbedingt notwendige Fahreinsät-
ze im Rahmen der gärtnerischen Unterhaltung zu beschränken. Auch künftig sollten keine we i-
teren Großveranstaltungen auf dem Platz stattfinden, da diese eine deutliche Mehrbelastung
des Platanenhains bedeuten.
Die artenschutzrechtliche Beurteilung kommt zu folgenden Ergebnissen:
Hinsichtlich der Fledermäuse konnte keine relevante Nutzung festgestellt werden. Die Habita t-
funktionen des Platanenhains beschränken sich auf weit verbreitete Höhlenbrüter wie einzelne
Stare und Meisen. Insgesamt wurden 60 Bäume mit Höhlen kartiert.
Da mit der abschnittsweisen Sanierung ausreichende, mit Höhlen versehene Bäume, stehen
bleiben, werden durch die notwendigen Fällungen nur einzelne Bäume mit Höhlen entnommen,
so dass dadurch keine artenschutzrechtlich relevanten Belange betroffen sind.
Selbstverständlich sind die Ausschlussfristen für Fällarbeiten zwischen Anfang Februar und
Ende Oktober zu beachten oder Höhlenbäume auf einen Besatz mit Tieren zu untersuchen. Ein
grundsätzlicher Ausgleich ist nicht erforderlich, Nistkästen können unterstützend wirken.
- 6 -
Weiteres Vorgehen:
In der Folge wird auf der Grundlage der Option 3 nach Beschlussfassung durch die Stadtve r-
ordnetenversammlung vom Grünflächenamt eine Sanierungsplanung erstellt, die auf der
Grundlage der Gutachten die weiteren Maßnahmen in Form einer Ausführungsplanung konkre -
tisiert, so dass die notwendigen Maßnahmen ausgeschrieben und umgesetzt werden können.
Im Juni 2019 wird in einer öffentlichen Veranstaltung die Darmstädter Bürgerschaft über die
Ergebnisse der Gutachten und die geplanten Sanierungsmaßnahmen informiert.
Außerdem erfolgt die Sanierung des Platanenhains in enger Abstimmung mit der Denkmalpfle-
ge, dem Institut Mathildenhöhe und dem Advisory Board für die Mathildenhöhe, die im weite-
ren Verfahren eingebunden werden.
Die erforderlichen Haushaltsmittel für die Planung, Ausschreibung und Umsetzung der Sani e-
rungsmaßnahmen sowie die Durchführung der erforderlichen Öffentlichkeitsveranstaltung sind
im städtischen Haushalt mit Raten in Höhe von 450.000,00 Euro für 2019 und in Höhe von
450.000,00 Euro für 2020 unter der Kostenstelle 067-010-1100, Investitionsnummer 18067-
4106 etatisiert.
Darmstadt, 25.04.2019
Dezernat I Dezernat III
i. V.
Jochen Partsch Barbara Akdeniz
Oberbürgermeister Stadträtin
Dezernat IV Dezernat V
André Schellenberg Barbara Akdeniz
Stadtkämmerer Stadträtin
anlage 2
43178 Zeichen
Artenschutzrechtliche Bewertung
Platanenhain
auf der
Mathildenhöhe, Darmstadt
Auftraggeber: Wissenschaftsstadt Darmstadt
Grünflächenamt
Bessunger Straße 125
64225 Darmstadt
Auftragnehmer: naturplan
An der Eschollmühle 30
64297 Darmstadt
Tel. 0 61 51/99 79 89, Fax 0 61 51/27 38 50
info@naturplan.net
www.naturplan-darmstadt.de
Bearbeiter: Philipp Herrmann
Dr. Karsten Böger
Stand: 18.01.2019
naturplan Artenschutzrechtliche Bewertung: Platanenhain auf der Mathildenhöhe
S e i t e | 1
Inhalt
1 Anlass und Aufgabenstellung................................ ................................ .........................3
2 Rechtlicher Hintergrund ................................ ................................ ................................ ..3
3 Untersuchungsgebiet ................................ ................................ ................................ ......5
4 Methodik ................................ ................................ ................................ ...........................6
4.1 Baumhöhlen ................................ ................................ ................................ ....................6
4.2 Vögel ................................ ................................ ................................ ............................... 6
4.3 Fledermäuse ................................ ................................ ................................ ...................7
5 Ergebnisse und Bewertung ................................ ................................ .............................7
5.1 Baumhöhlen ................................ ................................ ................................ ....................7
5.2 Vögel ................................ ................................ ................................ ............................. 11
5.3 Fledermäuse ................................ ................................ ................................ ................. 18
6 Schlussfolgerungen ................................ ................................ ................................ ...... 21
7 Quellen ................................ ................................ ................................ ........................... 22
naturplan Artenschutzrechtliche Bewertung: Platanenhain auf der Mathildenhöhe
S e i t e | 2
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: Erfassungstermine mit Wetterdaten und Expositionszeiten. ................................ .. 6
Tabelle 2: Am 11.04.2018 identifizierte Baumhöhlen im Platanenhain. ................................ .. 8
Tabelle 3: Im Rahmen der Erfassungen im Jahr 2018 festgestellte Vogelarten. ...................13
Tabelle 4: Im Rahmen der Erfassungen 2018 festgestellte Fledermausarten. ......................18
Anhang
Anhang 1: Fotodokumentation
Karte 1: Fauna – Bestand und Erfassung
naturplan Artenschutzrechtliche Bewertung: Platanenhain auf der Mathildenhöhe
S e i t e | 3
1 Anlass und Aufgabenstellung
Der Baumbestand im Platanenhain auf der Mathildenhöhe in Darmstadt, der Teil des
denkmalgeschützten Gesamtensembles der Mathildenhöhe ist, befindet sich großflächig in
einem schlechten Zustand. Im Zuge der Erstellung eines Parkpflegewerkes wurde deutlich,
dass eine hochgradige Verdichtung des Bodens vorliegt, die die Sauerstoff -, Wasser- und
Nährstoffversorgung der Platanen stark beeinträchtigt. Die Stadt untersucht daher aktuell
welche Möglichkeiten bestehen, den Platanenhain zu erhalten. Hierbei stehen au ch
umfassende Baumrodungen zur Diskussion.
Um naturschutzfachliche Belange – und hier insbesondere das besondere Artenschutzrecht
– in die Maßnahmenfindung einfließen zu lassen, wurde das Büro NATURPLAN beauftragt den
Platanenhain eingehender auf das Vorkommen von Tieren zu untersuchen.
Die Ergebnisse dieser Untersuchungen werden im Folgenden vorgelegt.
2 Rechtlicher Hintergrund
Bei dem geplanten Vorhaben ist der besondere Artenschutz des BNatSchG zu
berücksichtigen. Insbesondere ist zu prüfen, ob für relevante geschützte Arten die
Verbotstatbestände des §44 (1) erfüllt sind.
Nachfolgend sind die Verbotstatbestände des § 44 (1) des Bundesnaturschutzgesetzes (vom
29. 07. 2009, zuletzt geändert am 15.09.2017) aufgeführt:
§ 44 (1) Nr. 1
Es ist verboten, wild lebenden Tieren der besonders geschützten Arten
nachzustellen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder ihre
Entwicklungsformen aus der Natur zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören.
§ 44 (1) Nr. 2
Es ist verboten, wild lebende Tiere der stren g geschützten Arten und der
europäischen Vogelarten während der Fortpflanzungs -, Aufzucht -, Mauser -,
Überwinterungs- und Wanderungszeiten erheblich zu stören; eine erhebliche Störung
liegt vor, wenn sich durch die Störung der Erhaltungszustand der lokalen Population
einer Art verschlechtert.
§ 44 (1) Nr. 3
Es ist verboten, Fortpflanzungs - oder Ruhestätten der wild lebenden Tiere der
besonders geschützten Arten aus der Natur zu entnehmen, zu beschädigen oder zu
zerstören.
§ 44 (1) Nr. 4
Es ist verboten, wi ld lebende Pflanzen der besonders geschützten Arten oder ihre
Entwicklungsformen aus der Natur zu entnehmen, sie oder ihre Standorte zu
beschädigen oder zu zerstören.
naturplan Artenschutzrechtliche Bewertung: Platanenhain auf der Mathildenhöhe
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Zu den besonders geschützten Arten zählen gemäß § 7 BNatSchG
Arten des Anhangs EU-Artenschutzverordnung 338/97
Arten des Anhangs IV der FFH-Richtlinie
europäische Vogelarten im Sinne des Art. 1 der Vogelschutzrichtlinie
Arten der Anlage 1 der Bundesartenschutzverordnung (BArtSchV)
Arten, die in einer Rechtsverordnung nach § 54 (1) BNatSchG aufgeführt sind1
Zu den streng geschützten Arten zählen gemäß § 7 BNatSchG
Arten des Anhangs A der EU-Artenschutzverordnung 338/97
Arten des Anhangs IV der FFH-Richtlinie
Arten der Anlage 1 der BArtSchV mit einem Kreuz in Spalte 3
Um diese Verbotstatbestände zu vermeiden, können neben Vermeidungsmaßnahmen auch
vorgezogene Ausgleichsmaßnahmen – sogenannte CEF-Maßnahmen (Measures to ensure
the „continued ecological functionality“) – festgesetzt werden.
Das Störungsverbot nach § 44 (1) Nr. 2 BNatSchG wird populationsbezogen betrachtet, da
der Verbotstatbestand nur dann eintritt, wenn sich die Störung auf den aktuellen
Erhaltungszustand der lokalen Population einer Art erheblich auswirkt.
Darüber hinaus gelten die Zugriffsverbote gemäß § 44 (5) BNatSchG nur für die
europarechtlich geschützten Arten des Anhangs IV der FFH -Richtlinie, die europäischen
Vogelarten sowie für Arten, die in einer Rechtsverordnung nach § 54 (1) Nr. 2 aufgeführt
sind1. Somit sind Arten, die ausschließlich auf nationaler Ebene besonders oder streng
geschützt sind, nicht Bestandteil des artenschutzrechtlichen Fachbeitrages. Diese werden im
Rahmen der Eingriffsregelung berücksichtigt.
Ergibt die artenschutzrechtliche Prüfung, dass Verbotstatbestände nach § 44 (1) BNatSchG
erfüllt werden, kann bei Erfüllung der Voraussetzungen des § 45 (7) BNatSchG eine
Ausnahmegenehmigung erteilt werden. Voraussetzungen für eine Erteilung sind:
zwingende Gründe überwiegenden öffentlichen Interesses (einschließlich solcher
sozialer oder wirtschaftlicher Art),
fehlende zumutbare Alternativen,
keine Verschlechterung des Erhaltungszustands der Populationen.
1 Eine Prüfung der Verbotstatbestände für weitere Arten gemäß § 44 (5) Satz 3 BNatSchG, die
in ihrem Bestand gefährdet sind und für die die Bundesrepublik Deutschland in hohem Maße
verantwortlich ist, steht aus, da die entsprechende Rechtsverordnung nach § 54 Absatz 1 Nummer 2
BNatSchG noch nicht erlassen wurde.
naturplan Artenschutzrechtliche Bewertung: Platanenhain auf der Mathildenhöhe
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Um den letztgenannten Punkt zu vermeiden, können im Einzelfall Maßnahmen zur Wahrung
bzw. Verbesserung des Erhaltungszustandes der betroffenen Population – sogenannte FCS-
Maßnahmen (Measures to ensure a favourable conservation status) – festgelegt werden.
Ein Verstoß gegen artenschutzrechtliche Regelungen kann zu einem haftungsrechtlich
relevanten Umweltschaden gemäß Umweltschadensgesetz bzw. § 19 BNatSchG führen.
3 Untersuchungsgebiet
Der hier untersuchte Platanenhain gehört zum Gesamtensemble der Darmstädter
Mathildenhöhe östlich der Innenstadt. Diese befindet sich im Umfeld dichter Bebauung,
wobei die Gesamtanlage selbst sowie die angrenzenden W ohnviertel recht stark durchgrünt
sind. Die Umgebung ist durch Villenbebauung mit großen Gartengrundstücken, die einen
relativ alten Baumbestand aufweisen, geprägt. Dieser „grüne“ Stadtteil setzt sich als
Grünzug in östlicher Richtung über die Rosenhöhe un d das Oberfeld bis zum Darmstädter
Ostwald fort.
Im Landschaftsplan der Stadt Darmstadt ( WISSENSCHAFTSSTADT DARMSTADT 2004) ist das
durchgrünte Viertel klimatisch als wichtiges Gebiet eingestuft (hoher Baumbestand innerhalb
des Siedlungsbereichs). Es liegt zudem randlich an einer Frischluftschneise, die entlang des
aufgeführten Grünzuges verläuft.
Die Mathildenhöhe stellt eine parkartige Anlage dar, die durch verschiedenen Bauwerke,
großflächig geschotterte Bereiche sowie intensiv gepflegte Grünflächen mit zahlreichen
Zierpflanzenartenarten geprägt ist.
Der Platanenhain selbst befindet sich auf einem künstlichen Plateau. Dieses ist weitgehend
durch eine Mauer sowie eine Umzäunung begrenzt. Auf einer Fläche von ca. 130 mal 40 m
befinden sich in Reihen gepflan zt ca. 180 Einzelbäume (ausschließlich Platanen Platanus x
acerifolia). Diese werden regelmäßig durch Formschnitte gepflegt. Sie weisen entsprechend
eine relativ geringe Höhe von wenigen Metern (ca. 4 bis 7 m) auf. Die gesamte Fläche
unterhalb des Hains ist vegetationsfrei und wird intensiv als Freizeitgelände genutzt.
Die Anlage des Hains erfolgte um das Jahr 1830. Der heutige Baumbestand weist jedoch
deutliche Altersunterschiede auf. Die älteren Bäume befinden sich vorwiegend am Rand
sowie im westlichen A bschnitt. Das Zentrum besteht zu großen Teilen aus jüngeren
Nachpflanzungen, die zum Teil erst wenige Jahre alt sind. Die Stammdurchmesser (ca. 10
bis über 60 cm) und Kronenausbreitung (1 bis 8 m Durchmesser) variiert entsprechend. An
Altbäumen wurden teilweise starke Rückschnitte in Form von Kappungen durchgeführt.
Neben dem Platanenbestand findet sich im Hain kaum Begrünung. Lediglich der nördliche
Zaun, der den Hain begrenzt, ist zum Teil großflächig mit Efeu berankt.
Insbesondere die Bäume im Zentrum be finden sich in einem schlechten Zustand, der auf
eine starke Bodenverdichtung zurückgeführt wird. Die Bäume sind hier kaum in der Lage
Sauerstoff, Wasser und Nährstoffe aus dem Boden zu erhalten. Trotz bodenverbessernder
Maßnahmen im Jahr 2013 hat sich der Zustand nicht merklich verändert.
naturplan Artenschutzrechtliche Bewertung: Platanenhain auf der Mathildenhöhe
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4 Methodik
Auf dem Gelände des Platanenhains sowie dessen näheren Umfeld erfolgte zwischen Ende
März und Mitte September 2018 eine systematische Erfassung von Vögeln und
Fledermäusen. Zudem wurde der gesamte Höhlenbestand i n den Platanen erfasst, da diese
Fortpflanzungs- und Ruhestätten für diese beiden Artengruppen darstellen können.
Die jeweiligen Erfassungstermine sind in der folgenden Tabelle aufgeführt.
Tabelle 1: Erfassungstermine mit Wetterdaten und Expositionszeiten.
Datum Art der Erfassung
27.03.2018 Vögel
11.04.2018 Baumhöhlenkartierung
18.04.2018 Vögel
07.05.2018 Vögel
28.05.2018 Fledermäuse
12.06.2018 Vögel
26.06.2018 Fledermäuse
18.07.2018 Fledermäuse
13.09.2018 Fledermäuse
4.1 Baumhöhlen
Jeder Baum des Platanenhains wurde mit Hilfe eines Fernglases von mehreren Seiten auf
Höhlen oder Spalten abgesucht. Hierbei festgestellte Höhlen wurden gemeinsam mit der
jeweiligen Nummer des Baumkatasters festgehalten und in Bezug auf ihre Eignung als
Bruthöhle für Vögel oder Quartierstandort für Fledermäuse bewertet.
4.2 Vögel
Um die Nutzung dieses Gebietes als Brutgebiet, Nahrungshabitat oder als Rastgebiet
heimischer Vogelarten zu ermitteln, erfolgten insgesamt 4 Begehungen zwischen Ende März
und Mitte Ju ni 2018. Die Termine wurden entsprechend der Vorgaben zum Monitoring
häufiger Brutvögel des DACHVERBANDS DEUTSCHER AVIFAUNISTEN gewählt.
Die E rfassung erfolgte jeweils in den frühen Morgenstunden unmittelbar nach
Sonnenaufgang. Dies ist der Zeitpunkt der höchsten Gesangsaktivität von revierhaltenden
Vögeln. Die Termine wurden an möglichst trockene, windstille Tage gelegt.
Es wurde die Avifauna des gesamten Untersuchungsgebiet s durch Verhörung und
Sichtbeobachtung im Rahmen einer Revierkartierung (gemäß SÜDBECK et al. 2005) erfasst.
Der Status der jeweiligen Art wurde in Brutvogel (BV) sowie Nahrungsgast (NG) bzw.
Durchzügler (DZ) oder ohne Gebietsbezug überfliegend (ÜF) festge legt. Hierfür wurden die
naturplan Artenschutzrechtliche Bewertung: Platanenhain auf der Mathildenhöhe
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Beobachtungshäufigkeit und –zeitpunkt, das Verhalten sowie mögliche Direktbeobachtungen
von Jungvögeln oder Nestern herangezogen.
4.3 Fledermäuse
Zur Erfassung der Fledermausfauna erfolgten 4 Begehungen zwischen Ende Mai und Mitte
September. Die Begehungen erfolgten gemeinsam mit der Erfassung benachbarter Flächen
im Rahmen eines anderen Projektes. So war es möglich den Platanenhain je
Erfassungsabend zu zwei Zeitpunkten aufzusuchen. Hierbei wurde der Hain sowie dessen
näheres Umfeld mö glichst flächendeckend mit einem Echtzeitdetektor („Batlogger“, Firma
Elekon) abgelaufen. Die Expositionszeit im Bereich des Platanenhains lag jeweils insgesamt
bei ca. einer halben Stunde.
Der Echtzeitdetektor ermöglicht eine durchgehende Erfassung von Fl edermäusen und so
auch eine Abschätzung der Häufigkeit des Auftretens einzelner Arten. Die Aufnahmen
wurden später mit Hilfe der Software „BatExplorer“ (Firma Elekon) mit dem Ziel der
Artbestimmung analysiert. Durch Sichtbeobachtung der Fledermäuse, die in sbesondere in
der Dämmerung möglich waren, wurden weitere Informationen zu Verhalten und Anzahl der
detektierten Tiere gewonnen.
Eine Bestimmung der tatsächlichen Individuenanzahl ist kaum möglich. Daher wird
ausschließlich die Anzahl der Kontakte rufender Fledermausmäuse mit dem Detektor
angegeben. Zu berücksichtigen ist hierbei, dass viele Kontakte auch auf wenigen Individuen
beruhen können.
5 Ergebnisse und Bewertung
5.1 Baumhöhlen
Es wurden 178 Platanen untersucht, davon konnten in 60 Exemplaren mindestens eine
Höhle festgestellt werden, die potentiell als Fortpflanzungs - oder Ruhestätte für Vög el oder
Fledermäuse geeignet wäre (siehe Tabelle 2). Dies ergi bt einen außerordentlich hohen
Höhlenbaumanteil von einem Drittel. Unter diesen fanden sich16 Bäume mit 2 oder in einem
Fall sogar 3 geeignete Aushöhlungen. Der gesamte festgestellte geeignete Höhlenbestand
beläuft sich somit auf 77. In der Regel handelt e s sich hierbei um Ausfaulungen
unterschiedlicher Größe, zu denen Platanen , die als Kopfbäume erzogen werden, generell
neigen. Durch Vögel selbst angelegte Höhlen konnten kaum gefunden werden.
Viele Großhöhlen waren nach oben hin ausgefault, sodass sie ein mögliches Quartier für
Fledermäuse darstellen.
Weitere 20 Bäume wiesen ebenfalls Höhlen auf, die jedoch allesamt nicht vor
Witterungseinflüssen geschützt waren (große Öffnung nach oben) und somit nicht als Nest -
oder Quartierstandort taugen.
naturplan Artenschutzrechtliche Bewertung: Platanenhain auf der Mathildenhöhe
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Entsprechend der Verteilung von Alt- und Jungbäumen auf dem Gelände finden sich die
Höhlenbäume vorwiegend im Westen sowie in den südlichen Reihen (siehe Karte 1 ).
Augenscheinlich sind dies häufig verhältnismäßig vitaler wirkende Bäume.
Vereinzelt konnten Scheuerspuren an den Höhleneingängen vorgefunden werden (an 5
Höhlen), die auf eine aktuelle oder relativ kurz zurückliegende Nutzung hinweisen. Einmalig
schaute Nistmaterial aus einer Höhle hinaus. Im Zuge der später erfolgten Vogelkartierungen
konnte eine Nutzung von Staren in zwei Höhlen nachgewiesen werden (Katasternr. 56 und
121).
Tabelle 2: Am 11.04.2018 identifizierte Baumhöhlen im Platanenhain.
Katasternr. Höhlen-
anzahl
Höhlengröße
Spuren Vogel-Art
Höhle 1 Höhle 2 Höhle 3
004 1 mittel
007 1 mittel
019 1 mittel
025 1 groß
036 2 groß groß
039 1 groß
052 1 groß
054 2 mittel
056 1 groß
Brutnachweis
Star 2018
060 1 groß
061 1 mittel
062 1 groß
064 2 klein klein
065 1 mittel
066 2 mittel groß Scheuerspuren Star
068 1 groß
071 1 mittel
072 1 klein
077 3 mittel mittel Scheuerspuren Star
079 1 groß
088 1 klein Scheuerspuren Meise
092 1 mittel
099 1 groß
naturplan Artenschutzrechtliche Bewertung: Platanenhain auf der Mathildenhöhe
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Katasternr. Höhlen-
anzahl
Höhlengröße
Spuren Vogel-Art
Höhle 1 Höhle 2 Höhle 3
100 1 groß
101 1 groß
104 2 mittel mittel
106 1 mittel
107 1 groß
108 1 mittel
111 1 mittel
112 2 mittel groß
116 1 groß
120 1 mittel
121 1 klein
Brutnachweis
Star 2018
122 1 mittel
123 2 klein klein
124 1 groß
125 1 groß
126 1 groß
128 1 groß
130 2 mittel Scheuerspuren Star
131 2 groß mittel
134 1 groß
138 1 groß
139 1 mittel Scheuerspuren Star
140 1 groß
141 1 klein
143 2 klein
145 2 mittel groß
148 1 groß
149 1 mittel
150 1 groß
152 1 groß
153 2 groß mittel
154 2 groß mittel
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Katasternr. Höhlen-
anzahl
Höhlengröße
Spuren Vogel-Art
Höhle 1 Höhle 2 Höhle 3
160 2 mittel Nistmaterial
163 2 klein groß
167 1 groß
168 1 groß
175 1 klein
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5.2 Vögel
5.2.1 Ergebnisse
Bei den vier Begehungen zwischen April und Juni konnten 13 Vogelarten (s. Tabelle 3 auf S.
12) im Platanenhain festgestellt werden . Dabei wurden bei den Begehungen im März und
April nur sehr wenig e Vogelindividuen überhaupt beobachtet. Zu diesem Zeitpunkt sind die
Platanen noch nicht belaubt und der gesamte Hain bietet kaum Sichtschutz und keine
Deckung, wenn man von den größeren Höhlen in den Platanen mal absieht.
Von den 13 beobachteten Vogelarten sind nur drei Arten als Brutvögel anzusprechen, für die
entweder ein Brut nachweis erbracht werden konnte oder für die ein begründeter
Brutverdacht besteht: alle drei Brutvogel-Arten sind Höhlenbrüter, deren Populationen sich in
Hessen in einem guten Erhaltungszustand befinden, nämlich Star ( Sturnus vulgaris) sowie
Kohl- (Parus major) und Blaumeise (Parus caeruleus).
Für zwei weitere Arten (Girlitz und Stieglitz), die erst ab Mai beobachtet wurden, ist eine Brut
zwar nicht wahrscheinlich, aber auch nicht auszuschließen. Es handelt sich um
Gehölzfreibrüter, die im Platanenhain erst beobachtet wurden, als die Bäume belaubt waren.
Erst ab diesem Zeitpunkt gibt es Bereich e innerhalb der Platanenkronen, die den Vögeln
Deckung bieten können.
Die übrigen beobachteten Arten (s. Tabelle 3) sind weit verbreitete Vogelarten, die
charakteristisch sind für Avizönosen des Siedlungsraumes und die vergleichsweise
unempfindlich gegenüber den dort üblichen Störungen sind. Sie brüten meist in der näheren
Umgebung und suchen das Gebiet zur Nahrungssuche regelmäßig auf.
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Tabelle 3: Im Rahmen der Erfassungen im Jahr 2018 festgestellte Vogelarten.
RLH = Rote Liste Brutvögel Hessens (HGON & VSW 2014); G: Gefährdung anzunehmen, V: Vorwarnliste, 3: gefährdet, 2: stark gefährdet , 1: vom Aussterben bedroht, 0:
verschollen/ ausgestorben, D: keine ausreichende Datengrundlage vorhanden, R: Art mit geographischer Restriktion
RLD = Rote Liste der Brutvögel Deutschlands ( GRÜNEBERG et al. 2015). Abkürzungen entsprechend Rote Liste Hessen. Die Ergänzung mit B weist darauf hin, dass es sich um die
Rote Liste der Brutvögel Deutschlands handelt und nicht um die Rote Liste der Zugvögel.
VSRL = EU-Vogelschutzrichtlinie; I: Art des Anhangs I; Z: Gefährdete Zugvogelart nach Art. 4.2 (gemäß TAMM und VSW 2004)
EHZ = Erhaltungszustand gem. VSW (2014): Zum Erhaltungszustand der Brutvogelarten in Hessen; rot = ungünstig -schlecht, gelb = ungünstig-unzureichend, grün = günstig, nicht
ausgefüllt = nicht bewertet
Status = BV: Brutvogel (Brutnachweis oder begründeter Brutverdacht) , (BV) = Brut nicht auszuschließen, revieranzeigendes Verhalten nur im späteren Frühjahr, NG:
Nahrungsgast,
Deutscher Name wissenschaftl. Name RLH RLD VSRL EHZ
Hessen Status Revier-
anzahl Bemerkung
Amsel Turdus merula * * - NG -
Blaumeise Parus caeruleus * * - BV ?
Buchfink Fringilla coelebs * * - NG -
Elster Pica pica * * - NG -
Girlitz Serinus serinus * * - NG
Grünfink Carduelis choris * * - (BV) ? hfg. vor allem Mai/Juni; event. Zweitbrut
Haussperling Passer domesticus V V - NG -
Kohlmeise Paurs major * * - BV 1 - 2
Mönchsgrasmücke Sylvia atricapilla * * - NG -
Rabenkrähe Corvus corone * * - NG -
Ringeltaube Columba palumbus * * - NG -
Star Sturnus vulgaris * 3 - BV 2
Stieglitz Carduelis carduelis V * - (BV) ? ab Mai; Brut nicht auszuschließen
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5.2.2 Bewertung
Der Platanenhain weist nur eine geringe Zahl an Brutvogelarten und eine geringe Zahl an
brütenden Individuen auf. Das hängt natürlich mit seiner einheitlichen Ausgestaltung und des
Fehlens von jeglic hem Unterwuchs zusammen sowie mit der starken Frequentierung von
Besuchern. Trotz der großen Zahl an Baumhöhlen, die für Meisen und Stare grundsätzlich
als Bruthöhle geeignet sind, ist die Zahl der tatsächlich besetzten Höhlen gering. Der Star,
der gerne i n lockeren Kolonien brütet, konnte 2018 nur mit zwei Brutpaaren beobachtet
werden.
Gefährdete Vogelarten der hessischen Roten Liste kommen im Platanenhain nicht vor ,
weder als Brutvögel noch als Nahrungsgäste aus der Umgebung. Allerdings ist der Star mit
der letzten Neuauflage in die bundesdeutsche Rote Liste (Kategorie 3, gefährdet ;
GRÜNEBERG et al 2015) mit aufgenommen worden. Starke regionale Rückgänge haben dazu
geführt. Im Darmstädter Raum sind die Bestände nach eigenen Beobachtungen noch recht
stabil, im Darmstädter Herrengarten wurden zum Beispiel auf 12 ha bis zu 65 Brutpaare
gezählt (HGON 2010); auch für Gesamthessen wird der Star nach der letzten Bewertung der
Vogelschutzwarte von 2014 als Art in einem guten Erhaltungszustand bewertet (VSW 2014).
Dagegen sind der Stieglitz (Carduelis carduelis) und der Haussperling ( Passer domesticus)
in Hessen nach der dreistufigen Ampelbewertung der Vogelschutzwarte sogenannte gelbe
Arten, deren Erhaltungszustand in Hessen als ungünstig-unzureichend gilt (VSW 2014). Das
gleich gilt für den Girlitz ( Serinus serinus ). Für diese Arten sind hessenweite
Bestandsrückgänge zu verzeichnen. Der Haussperling wird zudem hessen- wie bundesweit
auf der Vorwarnliste (Vorstufe zur Roten Liste) geführt.
Im Platanenhain profitiert der Haussperling (Passer domesticus) als Nahrungsgast von dem
ausgelagerten Cafebetrieb des Cafes „Unter den Platanen“ im Nordosten des Platanenhains,
der während des Betriebs durch herunterfallende Speisereste für einen reichlich gedeckten
Tisch der Spatzen sorgt. Der Grund für die Aufnahme des Haussperlings in die Vorwarnliste
sind vor allem starke Rückgänge in vielen Siedlungsbereichen, die sich durch den
Strukturwandel vornehmlich ländlicher Siedlungsräume ergeben haben (Verstädterung,
Strukturarmut von Gärten, Rückgang der Tierhaltung bzw. Konzentrierung der Tierhaltung
auf wenige Betriebe, Gebäudesanierungen usw.).
Der Platanenhain hat aufgrund der hohen Zahl an Fäulnishöhlen in den älteren Platanen
eine Bedeutung als Fortpflanzungshabitat für häufige Höhlenbrüter des Siedlungsbereiches,
insbesondere für den Star und für Meisen. Die Eignung wird aber eingeschränkt durch die
hohe Zahl von Besuchern, die auch mit Störungen verbunden ist, da die Höhleneingänge in
den niedrigen Bäumen oft sehr niedrig liegen. Hinzu kommt, dass die spät austreibenden, als
Kopfbäume erzogenen Platanen bis Mai keinerlei Deckung bieten und auch danach die
Deckung durch das Laub nur ein geringes Maß erreich t. Deswegen ist der Hain auch für
Gehölzfreibrüter frühestens ab Anfang-Mitte Mai mäßig attraktiv und auch das nur für Arten,
die die Störungen im Umfeld in stärkerem Maße tolerieren, wie zum Beispiel der Grünling,
der ab Mai sehr zahlreich festgestellt wurde.
naturplan Artenschutzrechtliche Bewertung: Platanenhain auf der Mathildenhöhe
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Für den Stieglitz und den Girlitz bietet der Hain kein besonders geeignetes Brut habitat und
als Nahrungsraum erfüllt der Hain aufgrund fehlender Krautvegetation und fehlender
Stauden und sonstiger geeigneter Nahrungspflanzen auch nicht die Ansprüche dieser Arten.
5.2.3 Planungsrelevante Arten
Im Folgenden werden die Bewertungen für die fe stgestellten Arten, die im Hinblick auf den
Artenschutz nach §44 BNatSchG vertieft zu beurteilen sind, artbezogen zusammengefasst.
Haussperling (Passer domesticus) (Vorwarnliste Hessen/Deutschland – in Hessen
Erhaltungszustand: ungünstig-unzureichend)
Der Haussperling ist als Nahrungsgast regelmäßig vor allem rund um den Cafebetrieb zu
beobachten, wo er von den Speiseresten der Gäste profitiert. In der direkt angrenzenden
schmalen Hecke halten sich die Vögel gerne vorübergehend auf. Eine Rodung und
Neupflanzung von Platanen hat auf diese Art keine Auswirkungen.
Girlitz (Serinus serinus) (Erhaltungszustand in Hessen: ungünstig-unzureichend)
Der Girlitz wurde nur im Juni im Hain beobachtet. Weder besonders geeignete Habitate für
die Nestanlage noch besond ere Nahrungshabitate sind auf der Fläche vorhanden. Die
Beobachtung des Girlitzes wird als zufälliger Besuch zur Nahrungssuche aufgefasst. Eine
Rodung und Neupflanzung von Platanen hat auf diese Art keine Auswirkungen.
Stieglitz (Carduelis carduelis) (Erhaltungszustand in Hessen: ungünstig-unzureichend)
Für den Stieglitz, von dem ein Paar im Platanenhain im April und Mai beobachtet wurde, ist
eine Brut nicht auszuschließen. Allerdings sind die Habitatbedingungen im Platanenhain
nicht günstig für die Ar t. Eine ausreichende Deckung ist wenn überhaupt nu r in wenigen
Bäumen ab Mitte Mai gegeben. Geeignete Nahrungsbereiche sind innerhalb des
Platanenhains nicht vorhanden, da keinerlei Stauden und sonstige krautige Pflanzen
vorkommen, die dem Stieglitz als be vorzugte Nahrungsquelle dienen. Eine Rodung und
Neupflanzung von Platanen hat daher auf diese Art keine Auswirkungen.
Für Arten, die sich in Hessen in einem guten Erhaltungszustand befinden, ist keine vertiefte
Untersuchung erforderlich, da im allgemeinen davon ausgegangen wird, dass für diese Arten
alleine Maßnahmen, die eine Tötung von Individuen vermeiden, ausreichen, um die
Verbotstatbestände auszuschließen. Dies ließe sich im Fall einer Erneuerung von Teilen der
Platanenpflanzung durch eine zeitliche Beschränkung der Baumentnahmen auf die Zeit
außerhalb der Brutperiode erreichen.
Trotzdem soll auf den Star noch besonders eingegangen werden, da diese Vogelart auf der
bundesdeutschen Roten Liste steht und die Höhlen nachweislich als Bruthöhlen nutzen.
naturplan Artenschutzrechtliche Bewertung: Platanenhain auf der Mathildenhöhe
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Star (Sturnus vulgaris) Rote Liste Deutschland: 3 (gefährdet)
Der Star nutzt die Fäulnishöhlen der Platanen als Bruthöhlen. 2018 konnten zwei besetzte
Höhlen festgestellt werden. Die winterliche Bruthöhlenuntersuchung bestätigte eine Nutzung.
Es ist aufg rund de s guten Erhaltungszusta nds der Starenpopulation in Darmstadt nicht
davon auszugehen, dass durch den Austausch eines Teils der Platanen ein
Verbotstatbestand ausgelöst wird. Da der Platanenhain aber trotzdem für die
Starenpopulation im Osten der Stad t geeignete Bruthabitate mit viele n Bruthöhlen bereit
stellt, wird vorgeschlagen, bei einer Entnahme von Platanen darauf zu achten, dass über den
gesamten Bereich, der jetzt Höhlenbäume enthält, einzelne Platanen mit geeigneten
Fäulnishöhlen erhalten bleiben. Diese könnten - falls notwendig - in späteren Zeitabschnitten
ausgetauscht werden.
naturplan Artenschutzrechtliche Bewertung: Platanenhain auf der Mathildenhöhe
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5.3 Fledermäuse
5.3.1 Ergebnisse
Im Platanenhain sowie dessen näherem Umfeld wurde vorwiegend die Zwergfledermaus
nachgewiesen (insgesamt 18 Kontakte , 9 Kontakte / h ). Darüber hinaus trat vereinzelt die
Mückenfledermaus (1 Kontakte) auf. Einzelne Aufnahmen konnten nicht sicher einer Art
zugeordnet werden: 2 Kontakte entweder Zwerg - oder Mückenfledermaus sowie 1 Kontakt
entweder Breitflügelfledermaus oder Kleiner Abendsegler. Bei letzterem handelte es sich
jedoch um ein überfliegendes Tier südlich des Platanenhains.
In keinem Fall wurden Jagdsequenzen aufgezeichnet. Es handelte sich immer um
Orientierungslaute oder Transferrufe überfliegender Tiere. Häufig waren die Rufe sehr leis e,
da sich die Tiere in größerer Höhe befanden. Nur sehr vereinzelt hielten sich Einzeltiere über
einen längeren Zeitraum von einigen Minuten im Platanenhain auf.
Durchschnittlich wurden 1 0,5 Kontakte pro Stunde registriert. Beschränkt man die
Betrachtung ausschließlich auf den Platanenhain und klammert das Umfeld aus beläuft sich
die Häufigkeit der Kontakte auf 7 pro Stunde , von denen 6 auf die Zwergfledermaus
entfallen.
Die Anzahl der Kontakte lag bei den Begehungen im Juli und September mit 7 bzw. 9
deutlich höher als im Mai und Juni mit nur 2 bzw. 3 Kontakten.
Potentielle Quartierstandorte finden sich aufgrund der sehr hohen Baumhöhlendichte (siehe
Kapitel 5.2) in außerordentlich hoher Zahl . Im Umfeld des Platanenhains ist davon
auszugehen, dass insbeson dere in der älteren Bebauung Quartiermöglichkeiten an
Gebäuden bestehen.
Tabelle 4: Im Rahmen der Erfassungen 2018 festgestellte Fledermausarten.
RLDA = Rote Liste Landkreis Darmstadt und Stadt Darmstadt ( DIEHL 2010); G: Gefährdu ng anzunehmen, V:
Vorwarnliste, 3: gefährdet, 2: stark gefährdet, 1: vom Aussterben bedroht, 0: verschollen/ ausgestorben, D: keine
ausreichende Datengrundlage vorhanden, R: Art mit geographischer Restriktion
RLH = Rote Liste Hessen (KOCK UND KUGELSCHAFTER 1996); Rote Liste Kategorien entsprechend Rote Liste
Darmstadt
RLD = Rote Liste Deutschland (MEINIG et al. 2009); Rote Liste Kategorien entsprechend Rote Liste Darmstadt
FFH = Anhang der FFH-Richtlinie, in der die Art gelistet ist
EHZ Hessen = Erhaltungszustand gem. HESSEN-FORST FENA (2014): grün = günstig, gelb = ungünstig bis
unzureichend, rot = ungünstig bis schlecht, nicht ausgefüllt = nicht bewertet
Status = NG: Nahrungsgast, FQ: mögliches Fortpflanzungsquartier, EQ: mögliches Einzelquartier
Deutscher Name wissenschaftl. Name RLDA RLH RLD FFH EHZ
Hessen Status
„Nyctaloid“*
Eptesicus serotinus 3 2 G IV NG, EQ
Nyctalus leisleri 3 2 G IV NG, (EQ, FQ)
Mückenfledermaus Pipistrellus pygmaeus 3 D IV - NG, EQ, FQ
Zwergfledermaus Pipistrellus pipistrellus V 3 * IV NG, TF; EQ
* die zugehörige Rufaufzeichnung ließ keine eindeutige Unterscheidung zwischen den beiden aufgeführten Arten
zu
naturplan Artenschutzrechtliche Bewertung: Platanenhain auf der Mathildenhöhe
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5.3.2 Bewertung
Einzige regelmäßig auftretende Art ist die Zwergfledermaus, die den Platanenhain scheinbar
aber auch weitestg ehend nur überfliegt. A lle anderen Arten wurden lediglich einmalig
festgestellt. Eine relevante Nutzung kann hier für die Breitflügelfledermaus oder den Kleinen
Abendsegler weitgehend ausgeschlossen werden . Die Mückenfledermaus tritt in
benachbarten Bereichen der Stadt Darmstadt recht zahlreich auf, sodass auch hier
gegebenenfalls öfter Vertreter dieser Art vorkommen können.
Auch wenn es immer wieder zu Kontakten kam, stellt d er Platanenhain kein relevantes
Jagdhabitat dar . Dies wird auch dadurch deutlich, dass keine einzige Aufnahme einer
Fangsequenz gelang und sich nur Einzeltiere für einen längeren Zeitraum von wenigen
Minuten innerhalb des Hains aufhielten . Der Baumbestand stellt nahezu die gesamte
Begrünung des Hains dar, sodass hier ausschließlich Insekten als Beutetiere leben können.
Zudem herrscht in den Sommermonaten auch nach Einbruch der Dunkelheit eine rege
Freizeitnutzung des Geländes, die entsprechende Störungen nach sich zieht.
Trotz der sehr hohen Baumhöhlendichte ist nur mit einzelnen Quartieren im Hain zu rechnen.
Ein Ausflug konnte nicht beobachtet werden. Zudem bevorzugt d ie Zwergfledermaus als
häufigste Art des Gebietes Gebäudequartiere und besiedelt verhältnismäßig selten
Baumhöhlen. Die M ückenfledermaus findet sich hingegen regelmäßig in Baumquartieren ,
trat jedoch im Areal des Platanenhains nur sehr vereinzelt auf.
Einzelquartiere sind jedoch das ganze Jahr über denkbar . Hierbei können auch
Wochenstubenquartiere der Mückenfledermaus nicht vollständig ausgeschlossen werden.
Zusammenfassend ist dem Platanenhain für die Darmstädter Fledermauspopulationen keine
besondere Bedeutung beizumessen.
5.3.3 Planungsrelevante Arten
Da alle heimischen Fledermausarten im Anhang IV der FFH -Richtlinie gelistet s ind, ist der
besondere Artenschutz für diese in jedem Fall zu berücksichtigen.
Da Breitflügelfledermaus oder der Kleine Abendsegler nur einmal zufällig auf einem
Transferflug südlich des Platanenhains angetroffen wurden, wird von keiner relevanten
Nutzung des Gebietes ausgegangen.
Zwergfledermaus (Pipistrellus pipistrellus)
Die häufigste Fledermausart Deutschlands und auch Südhessens wurde zwar regelmäßig in
geringer Dichte im Bereich des Platanenhains festgestellt, jedoch gab es keine Hinweise auf
eine relevante Nutzung in Form von Jagdflügen oder Quartieren. Einzelne Zwischenquartiere
von Einzeltieren sind jedoch nicht auszuschließen.
Eine Rodung und Neupflanzung von Platanen würde einen Verlust von Einzelnen möglichen
Zwischenquartieren bedeuten. Dieses ließe sich durch den Erhalt von einem Anteil von
Altbäumen oder notfalls durch das Anbringen von Fledermauskästen vermeiden. Da die
Nutzung im Verhältnis zur Höhlendichte als sehr gering einzustufen ist, wäre der Verlust von
naturplan Artenschutzrechtliche Bewertung: Platanenhain auf der Mathildenhöhe
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mehreren Höhlenbäumen dennoch nicht artenschutzrechtlich relevant (sofern die betroffenen
Höhlen zum Zeitpunkt der Rodung nicht besetzt sind).
Mückenfledermaus (Pipistrellus pygmaeus)
Die Mückenfledermaus ist in Südhessen und im Darmstädter Raum stetig und relativ
individuenstark vertreten. Auch von ihr sind maximal einzelne Quartiere in den Höhlen der
Platanen anzunehmen, wobei auch Wochenstuben nicht vollständig auszuschließen sind.
Anhand der Beobachtungen sind diese jedoch als sehr unwahrscheinlich einzustufen.
Eine Rodung und Neupflanzungen ist hier genauso zu bewerten, wie bei der
Zwergfledermaus.
naturplan Artenschutzrechtliche Bewertung: Platanenhain auf der Mathildenhöhe
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6 Schlussfolgerungen
Zusammenfassend kommt dem Platanenhain eine untergeordnete Bedeutung für die lokalen
Populationen heimischer Vögel und Fledermäuse im Stadtgebiet zu.
Hinsichtlich der Vögel ist die Deckungsarmut und das Fehlen von niedriger Boden - und
Strauchvegetation sowie die starke Nutzung der Fläche ausschlaggebend für die geringe
Nutzung als Nahrungs - und Bruthabitat. Bei viermaliger Begehung konnten drei Vo gelarten
beobachtet werden, deren Erhaltungszustand in Hessen als nicht günstig , sondern
ungünstig- unzureichend eingeschätzt wird. Für diese drei Arten (Haussperling, Girlitz und
Stieglitz besitzt der Platanenhain entweder keine nennenswerte Habi tatfunktion (Girlitz un d
Stieglitz) oder eine Habitatfunktion, die von einem Austausch von Platanen nicht
beeinträchtigt wird (Haussperling). Verbotstatbestände im Sinne des Artenschutzes nach §44
BNatSchG sind daher hinsichtlich der Vögel nicht zu befürchten.
Dagegen hat der P latanenhain aber für in Darmstadt weit verbreitete Höhlenbrüter eine Ha -
bitatfunktion, da die häufigen Fäulnishöhlen in den Platanen trotz der Freizeitnutzung und
geringen Deckung vom Star und von Meisen genutzt werden. Daher wäre unabhängig von
Artenschutzrecht zu empfehlen, bei einer Sanierung des Hains einzelne Platanen mit geeig -
neten Fäulnishöhlen - gleichmäßig über den Hain verteilt - stehen zu lassen und dann nach
und nach auszutauschen,
Hinsichtlich der Fledermäuse konnte keine relevante Nutzung fe stgestellt werden, wobei
einzelne Zwischenquartiere in dem sehr reichen Höhlenbestand nicht gän zlich auszuschlie-
ßen sind. Die h öhlenreichen Bäume finden sich hierbei vorwiegend in Bereichen des Plata -
nenhains, der im Verhältnis noch relativ vital erscheint.
Sanierungsmaßnahmen des Platanenhains – auch umfangreiche Rodungen – betreffen so-
mit vereinzelte Fortpflanzungs- und Ruhestätten von Vögeln und Fledermäusen. Dies jedoch
nicht in einem populationsrelevanten Umfang.
Sollten Rodungen vorgenommen werden, sind diese außerhalb der Ausschlussfristen des
BNatSchG im Zeitraum zwischen Anfang Oktober und Ende Februar durch zuführen. Außer-
halb dieses Zeitraumes wären betroffene Höhlenbäume auf einen Besatz von Tieren zu
überprüfen, um eine Tötung zu vermeiden.
Je nach Umfang möglicher Rodungen und je nach betroffenen Baumexemplaren, kann ein
Ausgleich der verlorengegangenen Höhlen erforderlich werden. Dies wäre in Form von Nist -
bzw. Fledermauskästen umzusetzen. Bei lediglich einzelnen betroffenen Höhlenbäumen,
kann aufgrund der sehr geringen Nutzungsdichte durch Vögel und Fledermäuse auf einen
Ausgleich verzichtet werden.
Empfehlenswert ist auf jeden Fall eine Erhaltung v on älteren höhlenreichen Bäumen, da die
Entstehung vergleichbarer Strukturen nach einer Neupf lanzung Jahrzehnte in Anspruch
nehmen würde.
Artenschutzrechtliche Verstöße (gemäß § 44 (1) BNatSchG) ließen sich durch oben grob
skizzierte Maßnahmen vollständig vermeiden.
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7 Quellen
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WISSENSCHAFTSSTADT DARMSTADT (2004): Landschaftsplan Darmstadt. Kurzfassung.
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Gesetze, Verordnungen, Rechtsprechungen:
BArtSchV (Bundesartenschutzverordnung):Verordnung zum Schutz wild lebender Tier - und
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2005, 258 (896)), Berlin. die zuletzt durch Artikel 10 des Gesetzes vom 21. Januar 2013
(BGBl. I S. 95) geändert worden ist
BNatSchG (Bundesnaturschutzgesetz): Bundesnaturschutzgesetz vom 29. Juli 2009 (BGBl. I
S. 2542), das zuletzt dur ch Artikel 1 des Gesetzes vom 15. September 2017 (BGBl. I S.
3434) geändert worden ist, Bonn.
EU-Artenschutzverordnung: Verordnung (EG) Nr. 338/97 des Rates über den Schutz von
Exemplaren wildlebender Tier- und Pflanzenarten durch Überwachun g des Handels vom
5. Dez. 1996, zuletzt geändert am 6. Juli 1999.
FFH-Richtlinie (Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie): Der Rat der Europäischen Gemeinschaften:
Richtlinie 92/43/EWG des Rates vom 21. Mai 1992 zur Erhaltung der natürlichen
Lebensräume sowie der wildlebenden Tiere und Pflanzen. Amtsblatt der Europäischen
Gemeinschaften, Ausgabe in deutscher Sprache, 35(L206): 7 –50, Luxemburg, 22. Juli
1992. (In Deutschland seit 6. Juni 1994 in Kraft).
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VS-Richtlinie ( Vogelschutzrichtlinie): Richtlinie des Rates über die Erhaltung der
wildlebenden Vogelarten (79/409/EWG) in der Fassung 97/49/EG vom 13. 8. 1997.
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Darmstadt, 18.Januar 2019
naturplan
An der Eschollmühle 30, 64297 Darmstadt,
Tel. 0 61 51/99 79 89, Fax 0 61 51/27 38 50
e-mail: info@naturplan.de
(M.Sc. Landschaftsökologe Philipp Herrmann)
(Dr. Karsten Böger)
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Anhang 1 – Fotodokumentation
Foto 1: Blick Richtung Hochzeitsturm. Foto: P. Herrmann, 11.04.2018.
Foto 2: Beispiel für eine Höhle, die von Staren genutzt wird. Foto: P. Herrmann, 11.04.2018.
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Foto 3: Ausgefaulte Spalte - mögliches Fledermausquartier. Foto: P. Herrmann, 11.04.2018.
Foto 4: Beispiel einer Großhöhle. Foto: P. Herrmann, 11.04.2018.
anlage 1
167871 Zeichen
SACHVERSTÄNDIGENBÜRO
FÜR URBANE VEGETATION
Gutachten zur eingehenden Untersuchung
des Platanenhain auf der Mathildenhöhe
in der Stadt Darmstadt
Projekt Nr. 218 0406
SACHVERSTÄNDIGENBÜRO FÜR URBANE VEGETATION
Dipl.-Biol, Dr. Markus Streckenbach Büro: +49 (0)234 79463299 Mobil: +49 (0)176 22666559 USt-IdNr.: DE 287 696 989
Dirschauer Straße 15-44789Bochum Fax: +49(0)234 95199028 E-Mail: info@urbanevegetation,de Web: urbanevegetation.de
Auftraggeber
Grünflächenamt der Stadt Darmstadt
Bessunger Straße 125
64225 Darmstadt
Beauftragte
Sachverständigenbüro für urbane Vegetation
Dipl.-Biol. Dr. Markus Streckenbach
Dirschauer Straße 15
44789 Bochum
Auftrag
Sachverständigenbüro Boden & Baum
Dipl.-Ing. (Fh) Dr. Katharina Weltecke
Werlsbreite 9
34454 Bad Arolsen
Eingehende baumfachliche und bodenkundliche Untersuchungen
Objekt: Platanenhain auf der Mathildenhöhe
in der Stadt Darnstadt
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Gebrauch des Auftraggebers bestimmt. Eine Weitergabe an dritte Stellen ist zulässig, jedoch nur in
vollständiger Form, d.h. ohne die Entnahme von Textpassagen oder Tabellen bzw. Abbildungen. Für
dieses Dokument gelten die gesetzlichen Bestimmungen des Urheberrechts. Eine Vervielfältigung
und Verbreitung dieser Arbeit in jeglicher Form, von Textteilen davon oder Tabellen bzw. Abbildungen
hieraus, bedürfen des schriftlichen Einverständnisses der Verfasser.
SACHVERSTÄNDIGENBÜRO FÜR URBANE VEGETATION
Projekt-Nr. 218 0406
Seite 2 von 181
Inhaltsverzeichnis
Seite
1 Anlass und Zweck 7
2 Grundlagen 9
2.1 Ortsbesichtigungen und zur Verfügung gestellte Unterlagen... . 222.222 2.20. 9
2.2 Grundlagen der Optimierung von Baumstandorten ... 222 sn eeneenennn 11
2.3 Allgemeines zur Verkehrssicherungspflicht bei Bäumen . . .. 2:22 rene rer 12
2.4 Allgemeine Charakteristika von Platanus x acerifolia L.(Ahornblättrige Platane) .... 13
2.5 Charakteristik des Bessunger Kies (Granodiorit) ... 2.222222 seen 14
2.6 Bodenkundliche Grundlagen ..... 2... 22cm ne en nn 14
2.7 Fachbegriffe und Messparameter .... 2.2.2 cu een ernennen 15
2.7.1 Adventivwurzeln. 2.2 une 15
2.7.2 CO,-Konzentration.... 2.2220 ocnennee een rennen nee 15
2.73 DichtedesBodens.... 2... 2 cc rennen 15
2.7.3.1 Bodenschadverdichtung . 2... 222 22mm nennen 15
2.73.2 Effektivelagerungsdichte. . 2.22.2222 scanner seen 16
2.7.33 Proctordichte (DPr).. 2.2222 um een ernennen 16
2.7.3.4 Trockenrohdichte, Lagerungsdichte . . 2.2.22 22er nern 16
2.7.35 Verdichtungsgrad . . x: 4 so a awezauanen nu 0 mw nn ar ie 16
2.74 Eindringwiderstand ......... Ei BEER EUER DI Da 16
2.7.5 Anfiltrationsrate. .. 2222222 oeeeee rennen nennen 17
2.76 Kationenaustauscherkapazität (KAK) . 2.22 u c more 17
2.7.7 Luftleitfähigkeit (= pneumatischeLeitfähigkeit=PL-Wert) . 2.2.2222... 18
2.78 Luftkapazität .. 2 2 2202er een 19
2.7.9 pH-Wert .. vu nun nam mn we Res REN EM E Mrmielrnn a Te 19
2.7.10 Rammsondierung . 2... 2.2.2 n sense 19
2.7.11 Wasserspeicherkapazität ..... 2220 ce een een 20
2.7.11.1 Maximale Wasserkapazität ... 2 222m eeeeree nenn 20
2.7.11.2 Nutzbare Wasserspeicherkapazität (nWSK) . . 2... 222200000. 20
2.7.12 Gesättigte Wasserleitfähigkeit (k-Wert) . . 2... u cms eeeenen nen 20
3 Vorbemerkung 21
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Projekt-Nr. 218 0406 Seite 3 von 181
4 Durchgeführte Untersuchungen / Methodik 22
4.1 Begutachtung der oberirdischen Baumteile . .... 2.2222 cnn een 22
4.1.1 Inaugenscheinnahme vom Boden aus .. nn cum e een 22
4.1.2 Beurteilung der Vitalität... 2200 c non 23
4.1.3 Einschätzung der Erhaltenswürdigkeit und- fähigkeit ...: Hs 220. 24
4.14 Datenerhebung und-auswertung . . . . 2m nme seen nen 24
4.2 Begutachtung der Wurzelräume . . 2.2... zu nn nn 27
4.2.1 Untersuchungsdesign . .. 2.2.20 o cur 27
4.2.2 Feldbodenkundliche Profilansprache . .... 2.22 een 28
42.3 Luftleitfähigkeit . 2222 oc con o nenn 30
424 Infiltrationsrate . 2.220 oo 31
4.2.5 Trockenrohdichte und Verdichtungsgrad . . 2 22222 n nun 31
4.2.6 CO,-Konzentration. . 2.222222 nern 33
4.2.7. Rammsondierung ... 22 cum rennen 33
4.2.8 Entnahme und Analyse von Bodenproben . 22... 2 ns usa 34
5 Feststellungen vor Ort 35
5.1 Standortbedingungen der Bäume . ... nn mon en ernennen 35
5.2 Visuelle Untersuchung und Zustandserfassung derBäume .. 2222222220. 37
5.3 Auswurzelungsverhalten der Bäume . . 22.20 on o onen 42
5.4 Feldbodenkundliche Ansprache desBodens ...... u 22 sense 44
5.4.1 Allgemeine Feststellungen ... 2.2222 con neeeeeereeer nee 44
542 Baum63 „uuuunnunen we en 44
543 Baumdß nuuoocau on a he 48
344 BaumlOl...: 2 oo on een 50
545 Bauml108... 2.200 52
5.4.6 Baum 168 #5 @ u a 0r0uenesanun nn m nn nn ne REN 54
547 Baum 176 4.5 5 5 aaa Un a 6 a dh SH San ER RFEHE 56
5.5 Luftleitfähigkeit . 22cm ocuee een 57
56 Infiltrationsrate . 1 x muzsnmere u mn wur nn En En EN EEE RE dr 57
5.7 CO,-Konzentration wre nn an Bas an a rn ee ER 58
5.8 Rammsondierung. 222 nun rer ereen 58
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Projekt-Nr. 218 0406 Seite 4 von 181
6 Laboranalytische Befunde
6.1 Trockenrohdichte und Verdichtungsgrad . .... HH Her.
6.2 Nährstoffanalyse 2.2222 onen rennen
7 Analyse des Baumsubstrates Gelsenrot
8 Beurteilung
8.1
8.2
8.3
Erhaltungswert der Bäume... 222: con n nennen
8.1.1 BäumemithohemErhaltungswert . . 2... .uuuc cn
8.1.2 Bäume mit eingeschränktem Erhaltungswert ........
8.13 Bäume mit niedrigem Erhaltungswert .. . 2.2222...
Beurteilung des Standortes .. 2.22 2u comes
82.1 Altbestand .... 2.2 2ucmeneeer nennen
8.2.2 Neupflanzungen . 2... 22m come
Ausblick .auauu nu m ww ee en
9 Sanierungsmöglichkeiten
9.1
9.2
9.3
9.4
9.5
96
9.7
9.8
9.9
Zielsetzung u. . 5 0 0 wem u a RS RER ern a
Neu-und Ersatzpflanzungen .. 22:2 222m
9.2.1 Pflanzware 2 n onen een
Option 1:Belüftungslöcher . .. 2.2222 c nennen
Option 2: Offene Belüftungs- bzw. Wurzelgräben ...........
Option 3: Bedeckte Belüftungs- bzw. Wurzelgräben .........
Option 4: Flächiger Bodenaustausch . .... 2.2220 nen
Option 5:Druckluftlanzen .... 2.222 2cuennee rennen
Bewässerungskonzept . .: 2m mc onen nn
981 Zielsetzung... 22cm essen ernennen
9.8.2 Zusatzbewässerung durch mobile Regner ..........
9.83 Bewässerungssteuerung mit Feuchte-Sensoren
Düngung und Bodenhilfsstoffe . ... 2... 22cm en
99.1 Mykorrhiza . 2.22. c nme eeer ernennen
9.9.2 Huminstoffe . 2.2.22 orereener nern
9.9.3 Kunstdünger . 2... 2.20 come eeer ern n
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Projekt-Nr. 218 0406
Seite 5 von 181
9.10 Kostenrahmen der Sanierungsmöglichkeiten ........srr rs rennen
9.10.17 Option 1:Belüftungslöcher .......:. 2 unsern ee rennen
9.10.2 Option 2: Bedeckte Belüftungs- bzw. Wurzelgräben . .. Herr re.
9.10.3 Option 3: Offene Belüftungs- bzw. Wurzelgräben ... 2... cn... nu.
9.10.4 Option 4: Flächiger Bodenaustausch „ee eeeeeeeneennne
9.11 Erfolgsaussichten und Risikoeinschätzung . ... 2... 2reeneeereeeennn
9.12 Erschließung des Platzes ...... 22. nee reee een nn nn
10 Handlungsempfehlungen
10.1 SanierungdesPlatanenhain......:. 2:22 eeemeeeeeene en nenn
10.2 Nutzungund Pflegeder Anlage... .. 2... zer eee rennen rennen
10.3 Bewässerungskonzept . .. 2... uses eeeeeee ernennen nn nn
11 Zusammenfassung
12 Ergänzende Literaturhinweise
88
88
89
89
90
93
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Projekt-Nr. 2180406 -
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1 Anlass und Zweck
Im Osten der Stadt Darmstadt befindet sich die Mathildenhöhe, auf deren Gelände im 19. Jahrhundert
ein Landschaftspark angelegt wurde. Ein zentrales Element der Anlage war der noch immer vorhande-
ne, etwa 5.000 m? große Platanenhain, bei dem es sich um eine aktuell mit 178 Platanen bestandene
und für die Öffentlichkeit zugängliche Fläche handelt (vgl. Abb. 1). Diese gehört heute zum Ensemble
der Darmstädter Künstlerkolonie auf der Mathildenhöhe und steht unter Denkmalschutz.
Das Gelände ist im Norden und Westen von einer Stützmauer umgeben und kann über insgesamt drei
Zugänge betreten werden, wobei zwei Zugänge grundsätzlich auch die Einfahrt von KFZ auf die mit
einer mit einer wassergebundenen Wegedecke versehene Fläche ermöglichen.
Die hier angesprochenen Platanen wurden in einem Raster von etwa 5x5 m in acht Längsreihen ge-
pflanzt und weisen unterschiedliche Entwicklungsstufen und Erhaltungszustände auf. Dabei zeigt
sich die Tendenz, dass die randständigen älteren Exemplare generell einen gesünderen Eindruck als
die Bäume im zentralen Teil der Anlage hinterlassen. Hinzukommend erschweren die Bedingungen
den Nachpflanzungen zusehends das Erreichen der Reifephase, was den für die Bäume Verantwortli-
chen den Anlass dazu gab, den Platanenhain eingehend baumfachlich und bodenkundlich mit Blick
auf dessen Zukunftsfähigkeit untersuchen zu lassen.
Vor diesem Hintergrund wurden Frau Dr. Weltecke vom Sachverständigenbüro Boden & Baum und
Herr Dr. Markus Streckenbach vom Sachverständigenbüro für urbane Vegetation damit beauftragt,
zunächst den Zustand der Bäume sowie die Eigenschaften des Bodens am Standort zu erfassen und
ausgehend hiervon die Entwicklungsmöglichkeiten des Gehölzbestandes zu bewerten. Darüber hin-
aus wirft eine geplante Überarbeitung des Geländes die Frage danach auf, ob der vorhandene Baum-
bestand des Platanenhain in die Neugestaltüng einbezogen werden kann und welche Möglichkeiten
für einen möglichst langfristigen Erhalt der Bäume bestehen.
Das vorliegende Dokument dient somit dem Zweck, den aktuellen Zustand der Platanen und die Ei-
genschaften des Bodens an ihrem Standort festzustellen, die voraussichtliche Entwicklung der Bäume
unter den aktuellen Bedingungen einzuschätzen und auf der Grundlage der Untersuchungsergebnis-
se die Perspektiven eines langfristigen Baumerhalts aufzuzeigen.
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Projekt-Nr. 218 0406 Seite 7 von 181
Abb. 1. Panoramaaufnahmen aus dem Inneren des Platanenhain. Auf der oberen (linken) Abbildung ist der
Zugang im Süden zu erkennen. Auf der unteren (rechten) Abbildung ist der Blick nach Norden gerichtet.
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2 Grundlagen
2.1 Ortsbesichtigungen und zur Verfügung gestellte Unterlagen
Eine Vorbesichtigung des Platanenhain in Darmstadt hat am 7. August 2018 stattgefunden. Zu diesem
Termin waren Frau Fath, Frau Pilz, Herr Groos, Herr Hofmann, Herr Schneiker und Herr Uhrig von der
Stadt Darmstadt sowie die beauftragten Gutachter, Frau Dr. Katharina Weltecke vom Sachverständi-
genbüro Boden und Baum in Bad Arolsen und Herr Dr. Markus Streckenbach vom Sachverständigen-
büro für urbane Vegetation in Bochum anwesend.
Zu diesem Termin wurde die Ausgangslage erörtert und es folgte eine erste lnaugenscheinnahme der
Anlage. Anschließend erfolgte am 22. und 23. August 2018 eine baumfachliche Begutachtung des Pla-
tanenhain durch Dr. Markus Streckenbach. Eine bodenkundliche Begutachtung des Areals wurde er-
gänzend dazu im Zeitraum vom 10.-12. September 2018 durch Dr. Katharina Weltecke durchgeführt.
Zur Bearbeitung des Gutachtens wurden die folgenden Unterlagen zur Verfügung gestellt:
- Einen Auszug aus dem Vorentwurf eines Parkpflegewerks der Mathildenhöhe (L-A-E Landschafts-
architektur Ehrig in Bielefeld, 5. 58-64),
- ein Bericht zur Untersuchung des Untergrundes im Bereich des Platanenhain (Ingenieurgesell-
schaft für Baudienstleistungen in Bochum, 75.),
. eine Auflistung der Exemplare des Platanenhain, an denen 2015 ein Massaria-Befall festgestellt
wurde (Eiko Leitsch Baumpflege e.K. in Nauheim, 2 5.),
. eine Auflistung der Grunddaten aller Bäume des Platanenhain als Excel-Tabelle,
. eine Auflistung der Platanen an denen 2012 Frostrisse festgestellt wurden (Excel-Tabelle) mit einer
Fotodokumentation (65.),
- eine grafische Darstellung des Bestandes mit markierten Bäumen, die regelmäßig Bewässert wer-
den (1 5.), sowie ein Lageplan der Bäume des Platanenhain im Maßstab 1:500 (vgl. Abb. 2) und
- weitere Planunterlagen zu den in der Fläche vorhandenen Leitungsnetzen.
Weiterführende Auskünfte zum Vegetationsbestand und der Nutzung des Platanenhain erhielten die
Gutachter fernmündlich und fernschriftlich, sowie persönlich vor Ort von Frau Doris Fath und Herrn
Axel Groos vom Grünflächenamt der Stadt Darmstadt.
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Abb. 2. Lageplan der Bäume des Platanenhain auf der Mathildenhöhe in der Stadt Darmstadt. Die reihenwei-
se durchgehende Nummerierung der Bäume, beginnend mit dem am nördlichsten stehenden Exemplar Nr. 1,
wurde für das vorliegende Gutachten übernommen.
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2.2 Grundlagen der Optimierung von Baumstandorten
Die hohe Variabilität von überregionalen und lokalen Gegebenheiten, unter denen Baumpflanzun-
gen realisiert werden, erschwert die Etablierung allgemein gültiger Vorgehensweisen zur Optimie-
rung von Baumstandorten. Grundsätzlich gilt jedoch, dass Sanierungsmaßnahmen mit zunehmender
Standzeit des betreffenden Gehölzes immer weniger baumschonend umgesetzt werden können und
sich damit einhergehend ein zumeist erhöhter technischer wie auch finanzieller Aufwand ergibt.
Gleich der hohen Variabilität von Baumstandorten sind auch die Anlässe, die zu deren nachträglicher
Optimierung führen, höchst unterschiedlich. Zudem ergeben sich aus den stets sehr individuellen
Randbedingungen, insbesondere im innerstädtischen Raum, oftmals Einschränkungen bei der Aus-
wahl von geeigneten vegetationstechnischen Maßnahmen zur Standortoptimierung.
Ziel sollte dabei jedoch stets die Mobilisierung der Bodenaktivität im potenziellen Wurzelraum bzw.
die Anpassung der Bodeneigenschaften an die Erfordernisse des betreffenden Baumes sein. Eine Re-
vitalisierung kann dabei mit Fokus auf die biologischen, chemischen und/oder physikalischen Bo-
denkennwerte durchgeführt werden. Das nachstehende Schema zeigt die aus Sicht eines Baumes
wichtigsten Bodeneigenschaften und weitere damit einhergehende Parameter in ihrer untrennbaren
Verbindung miteinander:
Bodenfeuchtigkeit
PH-Wert
Aufnahme
von Nährelementen
Verwertung
Bodendichte Yo" Nährelementen Bodenluft
Bäume bevorzugen generell lockere, leicht durchwurzelbare Böden (mit geringer Bodendichte), die
gut durchlüftet sind (mit viel Bodenluft) und die einen ausgeglichenen Wasserhaushalt aufweisen
(mit moderater Bodenfeuchtigkeit). Die Optimierung eines Baumstandortes, die eine Förderung des
Wurzelwachstums mit den sich daraus ergebenden positiven Effekten für die oberirdischen Baumteile
zum Ziel hat, sollte diese Bodeneigenschaften daher im Sinne eines langfristigen Erhalts des betref-
fenden Baumes möglichst dauerhaft aufwerten.
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Projekt-Nr. 218. 0406 Seite 11 von 181
2.3 Allgemeines zur Verkehrssicherungspflicht bei Bäumen
Die Notwendigkeit zur Wahrnehmung der Verkehrssicherungspflicht für Bäume besteht für alle Baum-
eigentümer deren Bäume dort stehen, wo Personen verkehren. Im Zuge der Baumkontrolle werden
Defektsymptome und Schäden an einem Baum erkannt bzw. aufgedeckt und schließlich bewertet, so
dass im Ergebnis eine Beurteilung der Verkehrssicherheit ausgesprochen wird.'
Diese besteht, wenn die Stand- und Bruchsicherheit des Baumes gegeben ist und dieser daher insge-
samt keine absehbare Gefahr darstellt. Die Standsicherheit eines Baumes wird im Wesentlichen durch
eine funktionierende Verankerung von intakten Stark- und Grobwurzeln am Standort gewährleistet.
Die Bruchsicherheit eines Baumes umschreibt dagegen das Vermögen der verholzten oberirdischen
Baumteile (Stamm und Krone) einem Bruch bei Einwirken von Lasten zu widerstehen.? Im Zuge der
Baumkontrolle erfolgt darüber hinaus eine Beurteilung der Vitalität, die unter anderem Auskunft über
das Regenerationsvermögen des Baumes gibt.
Diefachlich qualifizierte naugenscheinnahme muss bei vorliegenden Auffälligkeiten, die aufeine ein-
geschränkte Stand- und/oder Bruchsicherheit hinweisen, sich jedoch visuell nicht abschließend be-
werten lassen, durch eine eingehende Untersuchung des Baumes ergänzt werden.
Unter dem Einsatz geeigneter Methoden wird hierbei das Ausmaß und der Einfluss von Auffälligkeiten
mit Blick auf die Verkehrssicherheit des Baumes festgestellt. Unabhängig vom Umfang der Schritte,
welche zur Beurteilung der Verkehrssicherheit eines Baumes durchgeführt werden, ist eine mangel-
hafte Verkehrssicherheit stets durch geeignete baumpflegerische Maßnahmen wiederherzustellen
oder der Baum zu entnehmen (Fällung).
Die Festlegung der erforderlichen Maßnahmen erfolgt auch in Abhängigkeit vom Gesundheitszu-
stand des Baumes und umfasst ausgewählte Verfahrensweisen gemäß der ZTV-Baumpflege.?
" FLL- FORSCHUNGSGESELLSCHAFT LANDSCHAFTSENTWICKLUNG LANDSCHAFTSBAU E. V. (Hrsg.) (2010): Richtlinien für Re-
gelkontrolien zur Überprüfung der Verkehrssicherheit von Bäumen. Bonn, 53 S.
2 FLL- FORSCHUNGSGESELLSCHAFT LANDSCHAFTSENTWICKLUNG LANDSCHAFTSBAU E.V. (Hrsg.) (2017): Zusätzliche Tech-
nische Vertragsbedingungen und Richtlinien für Baumpflege. Bonn, 82 S.
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2.4 Allgemeine Charakteristika von Platanus x acerifolia ı. (Ahornblättrige Platane)
Die Ahornblättrige Platane gehört zu den raschwüchsigen Gehölzen und kann Wuchshöhen bis 30 m
erreichen. Die Baumart gilt mit Blick auf die Bodenbedingungen am Standort als sehr anpassungs-
fähig, bevorzugt nach Möglichkeit jedoch tiefgründige, genügend feuchte und durchlässige Substra-
te und bildet dann ein typisches Herzwurzelsystem mit dicht verzweigten, tief (bis 2m und darüber
hinaus) liegenden Hauptwurzeln aus.’
Die Arteignet sich aufgrund ihrer Toleranz gegenüber Luftschadstoffen und der Akzeptanz von trocken-
warmen Standortbedingungen hervorragend zur Anpflanzung im urbanen Raum. Sie kann unter die-
sen Bedingungen Lebensalter von etwa 250-300 Jahren erreichen. Das Holz der Platane besitzt eine
hohe Bruchfestigkeit und dem Baum wird ein effektives Abschottungsverhalten zugeschrieben.
Seit einigen Jahren leidet die Ahornblättrige Platane vermehrt unter dem Befall mit dem pilzlichen
Erreger Splanchnonema platani, welcher die so genannte „Massaria-Krankheit“ verursacht. Das Krank-
heitsbild befallener Bäume äußert sich in einem rasch fortschreitenden Holzabbau in Ästen, die auch
bei stärkeren Durchmessern innerhalb weniger Monate nach einer Infektion ihre Bruchsicherheit ein-
büßen. Darüber hinaus treten an Exemplaren dieser Art regelmäßig Schadsymptome im Bereich der
Krone auf, die hinsichtlich der Bruchsicherheit des Baumes jedoch weniger kritisch einzustufen sind.
Hierzu zählen beispielsweise der Befall mit dem Blattbräunepilz Apiognomonia veneta, der auch nach
dem Blattfall durch entstehende Rindennekrosen an den Trieben ersichtlich bleibt. Häufig treten an
Wunden Infektionen mit dem Zottigen Schillerporling (Inonotus hispidus) auf. Dieser Pilz verursacht
dort eine Weißfäule, zuweilen auch eine Moderfäule, und ist zudem in der Lage das Kambium zu pa-
rasitieren, wodurch sich die Bruchsicherheit betroffener Bäume allerdings drastisch reduzieren kann.
Im Bereich der Stammbasis besteht bei der Ahornblättrigen Platane die Möglichkeit einer Infekti-
on mit weiteren Fäuleerregern, wie den Lackporlingen (Ganoderma spp.) oder dem Brandkrustenpilz
(Kretzschmaria deusta Hoff. Fr. PR. Martin). Zudem kommt die Platane, wie die allermeisten Laubbaumar-
ten, auch als Wirt für die Pilze der Gattung Armillaria spp. (Hallimasch) in Frage?
® WARDA, H.-D, (2002): Das große Buch der Garten- und Landschaftsgehölze, Bruns GmbH, Bad Zwischenahn, 935 S.
* LICHTENAUER, A.; KOWOL, A.; DUJESIEFKEN, D. (2008): Pilze bei der Baumkontrolle: Erkennen wichtiger Arten an Straßen-
und Parkbäumen. 3. durchgesehene Auflage, Haymarket Media, Braunschweig, 64 5.
5 SCHWARZE, F.; ENGELS, J.; MATTHECK, C. (2011): Holz zersetzende Pilze in Bäumen. Strategien der Holzzersetzung. In KO-
NOLD, W. (Hrsg.)}: Rombach Wissenschaften, Reihe Ökologie. Band 5, 245 S.
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Projekt-Nr. 218 0406
Seite 13 von 181
2.5 Charakteristik des Bessunger Kies (Granodiorit)
Der Bessunger Kies ist ein Granodiorit, der aus den Kiesgruben im südlich gelegenen Stadtteil Darm-
stadt Bessungen stammt. Zum Teil wird in den Kiesgruben noch Kies gefördert. Stillgelegte Kiesgru-
ben bilden heute das Naturschutzgebiet Bessunger Kiesgrube.
Granodiorit ist ein grobkörniges, mit dem Granit eng verwandtes, magmatisches Gestein meist weiß-
grauer bis grauer Farbe. Mit seinen höheren Eisen- und Magnesiumgehalten bildet der Granodiorit
das Mittelglied zwischen dem Granit und dem Diorit, daher auch der Name des Gesteines. Wegen sei-
ner hohen Widerstandsfähigkeit eignet es sich gut als Beschichtungsmaterial für Straßenoberflächen.
Umgangssprachlich wird der Begriff Granodiorit kaum verwendet, da einem Laien die Unterschei-
dung zwischen Granit und Granodiorit im Allgemeinen unbekannt ist. Deshalb werden Granodiorite
oft als Granit bezeichnet und kommen mit dieser Bezeichnung in den Handel. In den technischen
Eigenschaften besteht kaum ein Unterschied zu den Graniten und Dioriten.
2.6 Bodenkundliche Grundlagen
Ein optimaler Standort liefert einem Baum Luft, Wasser, Nährstoffe und die Möglichkeit zur Veranke-
rung. Die Nährstoffversorgung eines Baumes hängt in erster Linie von der chemische Zusammenset-
zung der Bodenfestsubstanz, der Körnung (Bodenart), dem Anteil an organischer Substanz und dem
pH-Wert im Boden ab. Für die Versorgung der Wurzeln mit Wasser und Luft ist die Körnung und die
räumliche Anordnung der festen Bodenbestandteile, also die Bodenstruktur, von ausschlaggebender
Bedeutung. Sie bestimmen maßgeblich die Porengrößenverteilung und die Porenkontinuität, von de-
nen die Wasser- und Sauerstoffverfügbarkeit für Wurzeln abhängt.
Bei einer übermäßigen Nutzung des Bodens, z.B. durch Befahrung, kommt es zu einer Verdichtung
und Verformung des Boden, wodurch das Porenvolumen und die Kontinuität der Poren zerstört wer-
den. In der Folge kann nicht mehr genügend Wasser in den Boden gelangen und der Austausch der
Bodenluft ist unterbunden. Das heißt, den Wurzeln mangelt es an Sauerstoff und Kohlenstoffdioxid
reichert sich im Boden an.
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Projekt-Nr. 218 0406 Seite 14 von 181
Die Konsequenz für den Baum ist ein reduziertes Wurzelsystem, wodurch die Krone nicht mehr ausrei-
chend mit Wasser und Nährstoffen versorgt wird. Es konnte nachgewiesen werden, dass durch Boden-
verdichtung das Wachstum und die Vitalität des gesamten Baumes beeinträchtigt wird (ASLANBOGA
1976, HETSCH et al. 1990, GAERTIG 2001, UHL 2008, GAERTIG et al. 2010, WELTECKE & GAERTIG 2012, GAERTIG
und SCHÖNFELD 2015).
2.7 Fachbegriffe und Messparameter
2.7.1 Adventivwurzeln
Adventivwurzeln sind sekundär gebildete, häufig oberflächlich sichtbare Wurzeln, die z.B. aufgrund
von Wurzelverlusten, Überfüllung des Wurzelbereiches oder Bodenverdichtung entstehen.
2.7.2 CO,-Konzentration
Die CO,-Konzentration in der Bodenluft nimmt mit abnehmender Gasdurchlässigkeit des Bodens zu,
obwohl gleichzeitig die Atmungsaktivität (CO,-Produktion) im Boden nachlässt. Das heißt, erhöhte
CO,-Konzentrationen in der Bodenluft können Bodenverdichtung anzeigen (Qi et al. 1994; SCHACK-
KIRSCHNER 1994; GAERTIG 2001; GAERTIG et al. 2002). Typische CO,-Konzentrationen in gut strukturierten
Oberböden bewegen sich zwischen 0,3% und 0,6 %. CO,-Konzentrationen im Oberboden über 1%
weisen auf eine unzureichende Bodenbelüftung für Baumwurzeln hin (SCHACK-KIRCHNER & HILDEBRAND
1998; GAERTIG et al. 2002).
2.7.3 Dichte des Bodens
2.7.3.1 Bodenschadverdichtung
Im Allgemeinen wird darunter eine technogene Reduzierung des Porenraumes verstanden, die zur
Folge hat, dass die Produktions-, Regelungs- und Lebensraumfunktionen des Bodens zeitweilig oder
dauerhaft beeinträchtigt werden (Dis e.V. 2016, LFU-Brandenburg 2014, LANUV-NRW 2017). Für Bäu-
me bedeutet das eine Verschlechterung der Luft- und Wasserversorgung der Wurzeln. Feinwurzeln
sterben ab und in Folge kann die Versorgung der Krone nicht mehr ausreichend gewährleistet wer-
den.
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Bodenschadverdichtung setzt somit einen devitalisierenden Kreislauf in Gang, der zum Absterben
ganzer Kronenteile oder des Baumes selbst führen kann (WELTECKE 2012). Die Folge ist unter anderem
eine Gefährdung der Verkehrssicherheit.
2.7.3.2 Effektive Lagerungsdichte
Die effektive Lagerungsdichte (eff. LD) ist ein empirisch ermittelter Wert für die Bewertung der Dicht-
lagerung. Er wird aus der Trockenrohdichte und dem Tonanteil ermittelt und berücksichtigt, dass bei
gleicher Trockenrohdichte tonige Bodenarten schwerer zu durchwurzeln sind als sandige.
2.7.3.3 Proctordichte (DPr)
Die Proctordichte ist die höchste erreichbare Dichte eines Bodens, die sich in einem genormten Ver-
such (Proctorversuch nach DIN 18127) bei optimalem Wassergehalt einstellt. Sie ist allerdings nicht
grundsätzlich die höchste Dichte, die ein Boden einnehmen kann (wie oft fälschlicherweise ange-
nommen).
2.7.3.4 Trockenrohdichte, Lagerungsdichte
Die Trockenrohdichte oder auch Lagerungsdichte genannt, ist der Quotient aus der trockenen Boden-
masse (Trocknung bei 105 °C) und ihrem Volumen in natürlicher Lagerung [g cm”, kg dm].
2.7.3.5 Verdichtungsgrad
Der Verdichtungsgrad (DPr) setzt die aktuelle Lagerungsdichte ins Verhältnis zur Proctordichte. Für
Bäume in offenen, nicht überbauten Pflanzgruben sollte der Verdichtungsgrad 87.% DPr nicht über-
steigen und bei überbauten Pflanzgruben einen Wert von 95 % Dpr nicht überschreiten (FLL 2010).
2.7.4 Eindringwiderstand
Der Eindringwiderstand des Bodens ist eine empirische Kenngröße, die als integrierende Summen-
größe von der Bodenart, Dichte, Auflast, Bodenfeuchte, Scherfestigkeit, Humusgehalt, Grobbodenan-
teil sowie der Verteilung von Wurzeln, Wurzelröhren und Tiergängen abhängt (DIN 19662:201 2-07).
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Projekt-Nr. 218 0406 Seite 16 von 181
Durch die Messung des Bodenwiderstandes können Bodenschichten unterschiedlicher Festigkeitiden-
tifiziert werden. Wenn an den Messpunkten immer die gleichen äußeren Verhältnisse vorliegen, vor
allem die gleiche Bodenfeuchtigkeit, können Rückschlüsse auf bodenphysikalische Inhomogenitäten
wie z.B. Verdichtungszonen oder Substratwechsel, auf anthropogene Einwirkungen (z.B. Bodenbear-
beitung) und auf die Tragfähigkeit von Böden gezogen werden.
Die Werte der Bodenwiderstandsmessung dürfen nicht als absolute Werte interpretiert werden, son-
dern nur als Vergleichswerte, da sie von vielen Faktoren abhängen. Somit ist eine Grenzwertdiskussion
nicht sinnvoll (HARTGE und HORN 1992).
2.7.5 Infiltrationsrate
Die Infiltrationsrate beschreibt, welches Wasservolumen ein Boden je Zeitspanne aufnehmen kann.
Die Infıltrationsrate ist eine Funktion der Regenintensität, der Beschaffenheit der Bodenoberfläche
(Verschlämmung, Verkrustung), der Wasserdurchlässigkeit sowie des Wassergehaltes des Bodens. Im
Verlauf eines Niederschlages ist die Infiltrationsrate zunächst konstant und nimmt bei einsetzender
Bodenwassersättigung exponentiell bis zu einem Gleichgewichtswert ab. Dieser entspricht der ge-
sättigten Wasserleitfähigkeit des Bodens (k,-Wert, vgl. Kap. 2.7.12).
2.7.6 Kationenaustauscherkapazität (KAK)
Die meisten Nährelemente im Boden haben eine positive Ladung, sind also Kationen. Die Kationen
werden durch elektrostatische Kräfte lose an negativ geladene Bodenteilchen wie Huminstoffe, Ton-
partikel und im geringeren Maße an Schluff gebunden. Das heißt, sie werden an die Oberflächen ad-
sorbiert und können nicht ausgewaschen werden.
Auf diese Weise sind die Nährelemente mittelfristig pflanzenverfügbar. Durch den sogenannten Katio-
nenaustausch gelangen die Nährelemente in die wässrige Lösung. Dabei werden die Kationen gegen
Wasserstoffionen getauscht und können aus der wässrigen Lösung von den Pflanzen aufgenommen
werden. Je mehr organische Substanz im Boden ist und je feiner die Bodenart (Körnung) ist, des-
to höher ist die Kationenaustauscherkapazität, das heißt, desto mehr Austauscherplätze und damit
Nährstoffe stehen den Pflanzen zur Verfügung.
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Projekt-Nr. 218 0406 Seite 17 von 181
2.7.7 Luftleitfähigkeit (= pneumatische Leitfähigkeit = PL-Wert)
Die Luftdurchlässigkeit oder Luftleitfähigkeit bestimmt den Austausch von Luft zwischen Boden und
Atmosphäre. Das heißt, er ist Ausdruck dafür, wie gut Sauerstoff in den Boden gelangen kann und
Kohlendioxid (CO,) an die Atmosphäre abgegeben wird.
Der Gasaustausch zwischen Boden und Atmosphäre kann nur in den luftgefüllten Poren stattfinden.
Somit ist die Luftleitfähigkeit von der Anzahl, Größe und Kontinuität der luftgefüllten Poren abhängig.
Beeinflusst werden die luftgefüllten Poren von der Bodenart, der Dichte und dem Wassergehalt im Bo-
den. Verdichtung, Verschlämmung und Feuchtigkeit reduzieren die Luftleitfähigkeit. Die Luftdurch-
lässigkeit wird in einer Längeneinheit je Zeit angegeben, z.B. cm/s oder cm/d (Din 19682-9, 2011).
Der PL-Wert ist die pneumatische Leitfähigkeit eines Porensystems bei Durchströmung mit Luft. Ana-
log zur hydraulischen Leitfähigkeit kf wird der PL-Wert als Proportionalitätsfaktor zwischen der Fließ-
geschwindigkeit der Luft in dem Porensystem und dem Druckgradienten über der Fließstrecke defi-
niert. Das entsprechende Messsystem besteht aus einer Messkammer, die eine bestimmte Strömungs-
form im untersuchten Bodenvolumen realisiert, und einem Messgerät, das die Messgrößen für Fließ-
geschwindigkeit und Druckgradient ermittelt.
Analog zur Ermittlung der hydraulischen Leitfähigkeit kann auch der PL-Wert mit Hilfe des Darcy Ge-
setzes (Gleichung 1) ermittelt werden (Din 19682-9, 2011). Hierfür wird die Darcy-Gleichung für eine
homogene Strömung umgeformt. Analog zu Gleichung (1) wird in Gleichung (2) der PL-Wert anstatt
der hydraulischen Leitfähigkeit verwendet:
Ah
Gleichung!: vek, Er
v: Fließgeschwindigkeit des Wassers [cm/s]
kr: hydraulische Leitfähigkeit [cm/s]
I: Fließlänge [cm]
A hw: Druckdifferenz über der Länge I in cm WS [cm]
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Projekt-Nr. 218 0406 Seite 18 von 181
Gleichung2: vw, =PL —
vı: Fließgeschwindigkeit der Luft [cm/s]
PL: PL-Wert [cm/s]
I: Fließlänge, bzw. Länge der Messkammer [cm]
A hw: Druckdifferenz über der Länge I in cm WS [cm]
Bislang gibt es für die Luftleitfähigkeit keine Standardanalytik und damit auch keine festen Grenzwer-
te. In der Praxis werden häufige Vergleichsmessungen und die Erfassung zusätzlicher Bodenparame-
ter benötigt, um die gewonnenen Messwerte richtig einzuordnen (UGT 2018).
2.7.8 Luftkapazität
Die Luftkapazität ist das bei definierten Bedingungen mit Luft gefüllte Porenvolumen. Bei Baumsub-
straten soll die Luftkapazität 10 Vol-% bei maximaler Wasserkapazität bzw. 15 Vol-% bei einer Saug-
spannung von 60 hPa (pF 1,8) nicht unterschreiten (FLL 2010).
2.7.9 pH-Wert
Der pH-Wert ist, in einfachen Worten ausgedrückt, ein Ausdruck des Säure- und Basengrads. Das „H“
steht dabei für Wasserstoff und das „p“ steht für „negativer Logarithmus“. Die Abkürzung „pH“ be-
zeichnet somit den negativen Logarithmus der Wasserstoffionenkonzentration in einer Lösung. Das
bedeutet, bei einer Abnahme des pH-Wertes um 1, z.B. von 7 auf 6, steigt die Wasserstoffionenkon-
zentration um das 10-Fache. Eine Lösung mit pH 5 ist also 100mal saurer als eine Lösung mit pH 7.
2.7.10 Rammsondierung
Rammsondierungen messen den Eindringwiderstand des Bodens (vgl. Kap. 2.7.4). In Schritten von
10 cm wird die Anzahl der Schläge aufgenommen, die benötigt werden, um eine Sondierstange 10cm
tief in den Boden zu treiben.
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Projekt-Nr. 218 0406 Seite 19 von 181
2.7.11 Wasserspeicherkapazität
2.7.11.1 Maximale Wasserkapazität
Die maximale Wasserkapazität entspricht dem Porenvolumen, das noch mit Wasser gefüllt ist, nach-
dem die Bodenproben 24 Stunden mit Wasser überstaut wurden und zwei Stunden abtropfen konn-
ten (FLL 2010). Baumsubstrate sollen im eingebauten und verdichteten Zustand eine maximale Was-
serkapazität von mindestens 25 Vol-% besitzen.
2.7.11.2 Nutzbare Wasserspeicherkapazität (nWSK)
Das Wasser, welches für die Bäume tatsächlich nutzbar ist, wird nutzbare Wasserspeicherkapazität (=
nutzbare Feldkapazität) genannt. Dieses Wasser wird in den engen Grobporen und den Mittelporen
gespeichert (Äquivalentdurchmesser 0,2-50 um). Ohne Grundwasseranschluss entscheidet die nutz-
bare Wasserspeicherkapazität mit darüber, wie lange einem Baum ohne weiteren Niederschlag Was-
ser zur Verfügung steht.
2.7.12 Gesättigte Wasserleitfähigkeit (k,-Wert)
Die gesättigte Wasserleitfähigkeit (hydraulische Leitfähigkeit) kennzeichnet, wie schnell Wasser durch
einen Boden im wassergesättigten Zustand fließt. Mathematisch-physikalisch kann die Wasserleitfä-
higkeit durch die Darcy-Gleichung ausgedrückt werden. Das Darcy-Gesetz besagt, dass die Wasser-
menge (Durchflussrate in m’/s), die eine Querschnittsfläche eines porösen Mediums (z.B. Boden) la-
minar durchströmt, direkt proportional zum hydraulischen Gradienten ist.
Die Wasserleitfähigkeit wird durch die Porengrößenverteilung und die Kontinuität der Bodenporen
bestimmt. Der k-Wert nimmt proportional mit dem Quadrat des Porenradius zu. Sandige Böden, mit
ihrem hohen Anteil an großen Bodenporen besitzen größere k,-Werte als bindigere Böden.
Die FLL (2010) empfiehlt für Baumpflanzungen einen Wasserdurchlässigkeitswert (k,-Wert) größer als
5,0 *10°% m/s (entspricht > 5,0 * 10% cm/s bzw. 0,3 mm/min).
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Projekt-Nr. 218 0406 Seite 20 von 181
3 Vorbemerkung
Die Feststellungen im vorliegenden Gutachten stellen keine umfassende Zustandsbeschreibung der
im Umfeld der Gehölzpflanzungen befindlichen Flächen dar. Sie beschränken sich auf
- die Ergebnisse der an den Bäumen und ihren Standorten visuell durchgeführten Begutachtungen,
- die während der Wurzelraumöffnungen vor Ort durchgeführten Bodenansprachen,
- die durch Rammsondierungen erhaltenen Ergebnisse und
» die laboranalytischen Befunde der Untersuchung von Bodenproben.
Zu den in der Folge dargestellten Sanierungsmaßnahmen ist anzumerken, dass diese grundsätzlich
von Fachfirmen ausgeführt und baumfachlich begleitet werden sollten.
Es ist zudem nicht ausgeschlossen, dass andere, in diesem Gutachten nicht angesprochene Maßnah-
men in gleicher Weise baumschonend durchgeführt werden können. Es ist darüber hinaus möglich,
dass im Rahmen der geplanten Sanierung zusätzliche bzw. weitere Mängel oder Schäden der Gehöl-
ze bzw. konstruktive Besonderheiten der Bausubstanz festgestellt werden, welche zu entfernen sind
bzw. bei der Sanierung berücksichtigt werden müssen.
Um die Sanierungskosten ermitteln zu können ist es zudem notwendig, dass im Zuge einer weiteren
Überprüfung und Planung der Umfang und die Ausführung der notwendigen Maßnahmen im Detail
definiert oder aber zumindest verbindliche Angebote von Fachfirmen eingeholt werden. Solche ge-
nauen Festlegungen stellen Planungsleistungen dar und sind nicht Gegenstand dieses Gutachtens.
SACHVERSTÄNDIGENBÜRO FÜR URBANE VEGETATION
Projekt-Nr. 218 0406 Seite 21 von 181
4 Durchgeführte Untersuchungen / Methodik
4.1 Begutachtung der oberirdischen Baumteile
4.1.1 Inaugenscheinnahme vom Boden aus
Zu den Terminen der Ortsbegehungen wurden die Gehölze einer Baumbegutachtung, die eine fach-
lich qualifizierte Inaugenscheinnahme zur Verkehrssicherheit darstellt, unterzogen.“ ? Hierbei ließen
sich sämtliche oberirdischen Teile der Bäume vollumfänglich betrachten. Die Stammbasen, insbeson-
dere die Bereiche zwischen den Wurzelanläufen, wurden zur Untersuchung auf Pilzfruchtkörper oder
andere Auffälligkeiten von aufliegendem Laub und Substrat befreit.
Da die visuelle Kontrolle ohne den Einsatz von weiteren Hilfsmitteln auskommt, lassen sich auf diese
Weise zwar Schadsymptome feststellen, jedoch keine darüber hinausgehenden Erkenntnisse, wie z.B.
über den Zustand des Holzkörpers, erlangen. Daher wurden die unteren Stammbereiche mittels eines
Schonhammers einer Klangprobe unterzogen. Dem durch das Schlagen mit einem Gummihammer
erzeugten Ton lassen sich Hinweise auf größere im Holzkörper vorhandene Defekte und deren gro-
be Ausdehnung entnehmen. Bei vorliegenden Höhlungen und verfaulten Bereichen ergibt sich ein
tieferer Klang als in jenen Bereichen, in denen der Holzkörper intakt ist.
Auffällige Bereiche wurden bei Bedarf mit Hilfe einer Hippe untersucht, um die Ausdehnung womög-
lich vorhandener Defekte einschätzen zu können. Ebenso wurde mit oberirdisch in Erscheinung tre-
tenden Starkwurzeln verfahren. Zusätzlich wurden die bodennahen und erdbewährten Baumteile,
d.h. Wurzelanläufe und ersichtliche Starkwurzeln sondiert, um hierüber Kenntnis hinsichtlich Fäule
befallener oder bereits abgestorbener Partien zu erlangen.
Vorerst abschließend wurden die Bäume, insbesondere die in der Krone vorhandenen Schnittstellen,
Vermorschungen und Einfaulungen, nach Möglichkeit mit Hilfe einer Leiter in Augenschein genom-
men. Hierbei wurde ein besonderes Augenmerk auf den Umfang von in diesen Bereichen vorhande-
nen Defekten und den sich hieraus ergebenden Beeinträchtigungen für die Verkehrssicherheit gelegt.
© BAUMGARTEN, H.; DOOBE, G.; DUJESIEFKEN, D.; JASKULA, P; KOWOL, T.; WOHLERS, A. (2009): Kommunale Baumkontrolle
zur Verkehrssicherheit. Der Leitfaden für den Baumkontrolleur auf der Basis der Hamburger Baumkontrolle. 2. durchgese-
hene Auflage, Haymarket Media, Braunschweig, 128 S.
7 FLL- FORSCHUNGSGESELLSCHAFT LANDSCHAFTSENTWICKLUNG LANDSCHAFTSBAU E.V. (Hrsg.) (2010): Richtlinien für Re-
gelkontrollen zur Überprüfung der Verkehrssicherheit von Bäumen. Bonn; FLL, 53 S.
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Projekt-Nr. 218 0406 Seite 22 von 18]
4.1.2 Beurteilung der Vitalität
Die Vitalität eines Baumes ist Ausdruck seines Gesundheitszustandes. In Abhängigkeit der art- bzw.
sorteneigenen Veranlagung ist hierbei vor allem das Wachstum und die Struktur der Krone, d.h. ihre
Verzweigungsintensität und der Belaubungszustand, in die Bewertung einzuschließen.® Wiederkeh-
rende Schnittmaßnahmen oder extreme Wetterlagen können sich jedoch erschwerend auf die Beur-
teilung des Baumzustandes anhand seiner Vitalität auswirken.
Beispielhaft seien hier ältere und schwer sturmgeschädigte Bäume genannt, die mit ihren oft zahl-
reichen Neuaustrieben mitunter eine vollständige Sekundärkrone formen können, Sie weisen ihrer
Langtrieb-Kurztrieb-Differenzierung nach die höchste Vitalitätsstufe auf („0“), die ansonsten vor al-
lem bei jungen Bäumen in ihrer sogenannten Explorationsphase auftreten.
Dasselbe gilt grundsätzlich auch für regelmäßig geschnittene Bäume, wie die hier betrachteten Pla-
tanen, die als Kopfbäume in Form gehalten werden, weswegen diesem Umstand bei der Vitalitätsan-
sprache Beachtung geschenkt werden muss.’ Ebenso kann eine geringe Belaubungsintensität genau-
so mit einem Fraß- oder Trockenschaden in einem Zusammenhang stehen wie mit einer abnehmen-
den Vitalität. Aufgrund der Komplexität des Themas sollte die Vitalitätsansprache nicht als alleiniges
Kriterium zur Zustandsbeschreibung eines Baumes herangezogen werden.
Die Vitalität eines Baumes gibt zudem weder einen Aufschluss über dessen Bruchsicherheit, noch
ergeben sich hieraus Hinweise, die eine Beurteilung der Standsicherheit erlauben. Die Befähigung
eines Baumes auf schädigende Umwelteinflüsse, Verwundungen oder Prozesse des Holzabbaus zu
reagieren, hängt unter der Voraussetzung von ansonsten günstigen Umgebungsbedingungen (z.B.
hinsichtlich der Wasserversorgung) jedoch ganz wesentlich von seiner Vitalität ab.
Sie ist daher ein unerlässliches Kriterium zur Einschätzung der Regenerationsfähigkeit eines Baumes
und beispielsweise dazu geeignet, den Erfolg einer angestrebten vegetationstechnischen Maßnahme
bereits im Vorfeld abzuwägen. Ebenso verhält es sich mit den Einflüssen von (geplanten) Bautätigkei-
ten im Baumumfeld, auf die ein vitaler Baum besser reagieren kann als ein weniger vitales Gehölz.
® ROLOFF, A. (2001): Baumkronen - Verständnis u, praktische Bedeutung eines komplexen Naturphänomens. Ulmer, 1645.
? ROLOFF, A. (2018): Vitalitätsbeurteilung von Bäumen. Aktueller Stand und Weiterentwicklung. Haymarket Media, Braun-
schweig, 205 5.
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Projekt-Nr. 218 0406 Seite 23 von 181
4.1.3 Einschätzung der Erhaltenswürdigkeit und- fähigkeit
Die Einschätzung der Erhaltenswürdigkeit eines Baumes berücksichtigt vor allem die Bedeutung des
Gehölzes für das Grundstück auf dem es steht. Hierzu gehören unter anderem historische Gesichts-
punkte (z.B. bei Naturdenkmalen), aber auch klimarelevante Aspekte, wie sie sich beispielsweise aus
einer kühlend wirkenden Beschattung eines Gebäudes durch belaubte Baumkronen ergeben können.
Auf der Basis der Begutachtungsergebnisse, und unter Berücksichtigung der Vitalität eines Baumes,
wird dessen voraussichtliche Erhaltensfähigkeit eingeschätzt. Aufgrund der Vielzahl von beeinflussen-
den biotischen und abiotischen Faktoren kann es sich dabei naturgemäß lediglich um eine Prognose
handeln. Diese kann sich zudem nur auf das aktuelle Erscheinungsbild beziehen.
Demnach gibt die Erhaltensfähigkeit eines Baumes Auskunft darüber, wie lange dieser auch unter
Berücksichtigung der Verkehrssicherheit voraussichtlich erhalten bleiben kann:
« Eine kurzfristige Erhaltensfähigkeit zieht mit hoher Wahrscheinlichkeit die notwendige Entnahme
eines Baumes innerhalb der nächsten drei bis fünf Jahre nach sich.
« Eine mittelfristige Erhaltensfähigkeit bedeutet neben der Möglichkeit einen Baum durch pflegeri-
sche Maßnahmen wieder in einen verkehrssicheren Zustand versetzen zu können, dass an diesem
umfangreichere Schäden vorliegen, die gegen einen längerfristigen Erhalt sprechen.
- Eine längerfristige Erhaltensfähigkeit stellt schließlich den Erhalt eines Baumes für mehrere Jahr-
zehnte in Aussicht.
Dies jedoch nur unter dem Vorbehalt, dass weitere Beeinträchtigungen für den betreffenden Baum
durch aktuell nicht absehbare Ereignisse ausbleiben.
4.1.4 Datenerhebung und -auswertung
Während der visuellen Untersuchungen wurden Auffälligkeiten der Bäume aufgenommen, die bereits
erkennbar Einfluss auf deren Entwicklung ausüben oder diese zukünftig beeinflussen können. Hierzu
gehören beispielsweise Kappungsstellen und Astungswunden nach Größe und Anzahl, Fäulen oder
Stammschäden sowie das Vorhandensein von Spechthöhlen.
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Projekt-Nr. 218 0406 Seite 24 von 181
Desweiteren wurden standortspezifische Parameter erhoben, sofern diese mit Blick auf die zukünftige
Entwicklung der Gehölze, aber auch hinsichtlich möglicher Sanierungen in Baumnähe, von Relevanz
sein können. Hierzu gehören beispielsweise Schrägstände der Bäume, deren soziale Stellung sowie
die Nähe der Stammaußenkanten zu Bauwerken oder der Zustand des Umfeldes in Baumnähe, d.h.
des potenziellen Wurzelraumes, nach Merkmalen der Oberfläche.
Darüber hinaus wurden die Schädigungsgrade der Bäume erfasst, die Entwicklungsmöglichkeiten
und Erhaltensfähigkeiten eingestuft, weitere individuelle Auffälligkeiten aufgenommen und die je-
weilige Konstitution sowie die Verkehrssicherheit beurteilt. Aus den erhobenen Daten entstand eine
Matrix, mit deren Hilfe der Vegetationsbestand einzelbaumweise bewertet und eingeordnet wurde.
Bei der Auswertung der erhobenen Daten wurde zunächst das Ausmaß des jeweiligen Schadens bzw.
der jeweiligen Schäden und Auffälligkeiten beurteilt und mit einem Farbschema klassifiziert:
- grün = kein oder geringfügiger Schaden
» gelb = deutlicher Schaden
- rot = umfassender Schaden
Nachfolgend wurde das Schadenspotenzial, d.h. der zukünftig zu erwartende Einfluss des Schadens
auf den Baum bzw. jener der festgestellten Auffälligkeiten beurteilt und dieses ebenfalls wie zuvor
klassifiziert:
- grün = kein oder niedriges Schadenspotenzial
. gelb = erhöhtes Schadenspotenzial
- rot = ausgeprägtes Schadenspotenzial
Dieses zweistufige Verfahren erlaubte eine abschließende Einteilung der Bäume in insgesamt fünf
Kategorien. Dem Farbschema folgend, ergaben sich dabei die nachstehenden Kombinationen mit
den dazugehörigen Bewertungen:
"° Die Auflistung aller erhobenen Daten ist dem Gutachten in digitaler Form beigefügt.
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Projekt-Nr. 218 0406
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& Kennzeichnung grün / grün - entspricht einem Baum der Kategorie 0
Bäume ohne Schäden oder Auffälligkeiten des Standortes, die entsprechend ohne Einschränkun-
gen erhaltensfähig sind. Ihr Erhalt ist mit einem nur geringen Pflegeaufwand verbunden.
() Kennzeichnung grün / gelb - entspricht einem Baum der Kategorie 1
Bäume mit geringfügigen Schäden oder Auffälligkeiten des Standortes, die deren weitere Entwick-
lung sehr wahrscheinlich nicht beeinträchtigen werden, und die damit über einen Zeitraum von
mehr als 10 Jahren erhaltensfähig sind. Ihr Erhalt ist mit einem durchschnittlichen Pflegeaufwand
verbunden.
© Kennzeichnung gelb / gelb - entspricht einem Baum der Kategorie 2
Bäume mit Schäden oder Auffälligkeiten des Standortes, die deren weitere Entwicklung beein-
trächtigen können, die jedoch potenziell über einen Zeitraum von etwa 10 Jahren (oder darüber
hinaus) erhaltensfähig sind. Ihr Erhalt ist mit einem womöglich erhöhten Pflegeaufwand verbun-
den.
(6) Kennzeichnung gelb / rot - entspricht einem Baum der Kategorie 3
Bäume mit umfangreicheren Schäden oder Auffälligkeiten des Standortes, die deren weitere Ent-
wicklung sehr wahrscheinlich beeinträchtigen werden, und die damit über einen begrenzten Zeit-
raum von etwa 5 bis 10 Jahren erhaltensfähig sind. Ihr möglicher Erhalt ist mit einem erhöhten
Pflegeaufwand verbunden.
© Kennzeichnung rot / rot - entspricht einem Baum der Kategorie 4
Bäume mit ausgeprägten Schäden oder Auffälligkeiten des Standortes, die deren Erhaltensfähig-
keit auf einen Zeitraum bis zu etwa 5 Jahren begrenzen. Ihr Erhalt ist, wenn überhaupt möglich,
mit einem hohen Pflegeaufwand verbunden.
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Projekt-Nr. 218 0406 Seite 26 von 181
4.2 Begutachtung der Wurzelräume
4.2.1 Untersuchungsdesign
Bei der Anlage des Platanenhain wurde eine ehemalige Kuppe eingeebnet, wobei es zu einem Bo-
denabtrag im Osten und einem Bodenauftrag im Westen des Geländes kam. Daher wurde der Plata-
nenhain für die bodenkundlichen Untersuchungen in drei Segmente (Ost, Mitte und West) unterteilt
und jeweils zwei Baumstandorte innerhalb dieser Segmente zur näheren Betrachtung ausgewählt.
Die bodenkundlichen Untersuchungen sollten u.a. Aufschluss darüber geben, inwieweit die Stand-
ortsbedingungen durch den Bodenauftrag und -abtrag beeinflusst worden sind.
Aus jedem Segment wurde jeweils ein repräsentativer Baum vom vitaleren Ende und einer vom we-
niger vitalen Ende gewählt (vgl. Abb. 3). Weiterhin war für die Wahl der Untersuchungsbäume aus-
schlaggebend, dass
. ein Saugbagger von außen mit dem Schlauch gut an die Probepunkte herankommt,
- die Probepunkte nicht im Bereich von Leitungen (Stromleitungen) liegen und
» die Bäume aller Wahrscheinlichkeit nach aus dem ursprünglichen Kollektiv stammten oder zumin-
dest nicht in jüngerer Zeit nachgepflanzt worden sind,
An jedem dieser Bäume wurde jeweils ein Untersuchungspunkt in 1,50 m Entfernung vom Stammfuß
in Richtung Norden, Süden und Westen festgesetzt. Dort wurde dann die Luftleitfähigkeit, die Was-
serleitfähigkeit und die Lagerungsdichte gemessen. Pro Baum wurde jeweils eine Rammsondierung
in 1,50 m Entfernung, in Richtung Westen und leicht versetzt zum Probepunkt, durchgeführt.
Weiterhin wurde versuchsweise an zwei Bäumen zwischen den Probepunkten die CO,-Konzentration
gemessen. Nach den Versuchen wurde die Messung der CO,-Konzentration jedoch eingestellt (vgl.
Kap 5.7).
Für die feldoodenkundliche Ansprache wurde pro Baum ein Bodenprofil in 1,50 m Entfernung vom
Stammfuß in Richtung Norden hergestellt. Dabei wurde eine Profiltiefe von 1,50 m angestrebt. In zwei
Tiefenstufen (0-30 cm und 50-80 cm) wurde eine Mischprobe für die Laboranalysen entnommen. In
50 cm Tiefe wurde zusätzlich eine Messung der Lagerungsdichte durchgeführt.
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Projekt-Nr. 218 0406 Seite 27 von 181
Neben den sechs Untersuchungsbäumen wurde das Substrat von zwei Neupflanzungen untersucht.
Dabei wurden zwei Jungbäume gewählt, die mit dem Darmstädter Baumsubstrat Gelsenrot gepflanzt
worden sind und aus praktischen Gründen in der Nähe der anderen Untersuchungsstandorte standen.
Pro Baum wurden drei gleichmäßig um den Stamm herum verteilte Probepunkte in 50 cm Entfernung
vom Stammfuß festgelegt. An den Probepunkten wurde in zwei Tiefenstufen die Lagerungsdichte
gemessen sowie Mischproben für die Laboranalysen entnommen.
Abb. 3. Lage der Untersuchungspunkte. Rot: ältere Bäume; blau: Neupflanzungen.
4.2.2 Feldbodenkundliche Profilansprache
Die Anlage der Bodenprofile erfolgte mit einem Saugbagger des Mobilen Saugbagger Dienst (MSD,
Niedernhausen). Damit dieser nicht im Wurzelbereich der Platanen rangieren musste, wurde mit ei-
ner Schlauchverlängerung gearbeitet (vgl. Abb.4). Da der Boden sehr fest war, musste er mit einem
Pressluftspaten gelockert werden (vgl. Abb. 5), wobei der Erhalt angetroffener Wurzeln angestrebt
wurde. Die Profile der Schürfe wurden mit Jutesäcken abgehangen, diese durchdringend bewässert
und anschließend mit einer durchsichtigen Folie zum Schutz vor Verdunstung versehen.
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Projekt-Nr. 218 0406 Seite 28 von 181
Abb. 4. Saugbagger mit Verlängerungsschlauch. Abb. 5. Auflockern des Bodens mit einem Pressluft-
spaten. ö
Die feldbodenkundliche Profilansprache erfolgte gemäß der Bodenkundlichen Kartieranleitung (Ad-
hoc-AG Boden, 2005). Dabei wurden, sofern möglich, bis in 1,50 m Tiefe folgende Parameter an sechs
Profilen aufgenommen:
- Ausgangsmaterial: Entnommen aus der Geologischen Übersichtskarte von Hessen (GÜK 300) (HL-
NUG - Hessisches Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie, 2007).
- Horizonttiefe, Bodenfarbe nach MunseLL und Bodenart (Körnung).
- Humusgehalt; Schätzung auf Grundlage der angesprochenen Bodenart und Farbe.
« Skelettanteil; Bestimmung durch Sieben und Wägen im Labor.
« effektive Lagerungsdichte und Trockenraumdichte.
» Gefügeform und Durchwurzelung.
« Kalkanteil; Schätzung aufgrund der Reaktion mit 10 prozentiger Salzsäure.
pH-Wert; Messung im Labor nach DIN EN 15933:2012. Eine Suspension des Bodens wurde im Vo-
lumenverhältnis 1:5 mit Calciumchlorid (CaCl;) (0,01 mol/l) hergestellt. Die Proben wurden unter
mehrfachen Schütteln eine Stunde lang stehen gelassen. Die Messung erfolgte mit dem pH-Meter
pH 3000 der STEP Systems GmbH, Nürnberg.
» Sonstige Beobachtungen wie z.B. redoximorphe Merkmale.
Auf Grundlage dieser Aufnahmen wurde der Nährstoff-, Wasser- und Lufthaushalt bewertet.
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Projekt-Nr. 218 0406 Seite 29 von 181
4.2.3 Luftleitfähigkeit
Die Luftleitfähigkeit wurde mit dem Luftleitfähigkeitsmessgerät PL-300 der Umwelt-Geräte-Technung
GmbH (UGT, Müncheberg) gemessen. Dabei wurde eine Oberflächenmesskammer verwendet, um ei-
ne Störung des Porensystems vollständig zu vermeiden. Die Messkammer wurde auf den Boden in der
Mitte einer Kunststoffblende platziert, ohne in den Boden gedrückt zu werden. Die Fläche zwischen
Blende und Messkammer wurde dann mit einer Lehmpaste luftdicht verschlossen (vgl. Abb. 6). Im
Messbetrieb wurde anschließend Luft aus der Messglocke angesaugt. Dies ermöglichte eine optima-
le Abdichtung der Messkammer (vgl. Abb. 7).
Zur Bestimmung der pneumatischen Leitfähigkeit (PL-Wert) wird mit Hilfe einer Pumpe im Messgerät
ein Volumenstrom erzeugt. Luft wird aus dem Boden angesaugt und strömt durch die angeschlos-
sene Messkammer über eine Saugleitung durch eine kalibrierte Messdrossel und wird anschließend
wieder nach außen gefördert. Aufgrund des Widerstandes in der Messdrossel kommt es zu einem
Druckabfall (Druckgradient). Mittels Druckabfall und Drosselkonstante wird die Höhe des Volumen-
stromes bestimmt. Die Drosselkonstante, als Proportionalitätsfaktor zwischen Druckänderung und
Volumenstrom, wurde werksseitig bestimmt und im Gerät eingespeichert.
Ein weiterer Drucksensor misst den in der Messkammer vorherrschenden Mässdruck. Der geringe
Kammerdruck sichert eine laminare Strömung und vermeidet bei feuchten Böden eine merkliche Än-
derung des Wassergehaltes im untersuchten Bodenvolumen. Das PL-300 gibt unter Verwendung der
gemessenen Werte auf Basis der Gleichung 2 (vgl. Kap. 2.7.7) den PL-Wert aus.
Abb. 6. Luftleitfähigkeitsmessgerät PL-300 mit Ober- Abb. 7. Messprinzip des PL-300 (Schema).
flächenmesskammer.
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Projekt-Nr. 218 0406 Seite 30 von 181
4.2.4 Infiltrationsrate
Die Infiltrationsrate wurde mit dem Doppelring-Infiltrometer in Anlehnung an die DIN 19682-6 (DIN,
2015) gemessen. Die Messung erfolgte nach dem instationären Verfahren, das heißt, mit absinken-
dem Wasserspiegel.
Für die Messung wurden zwei verschieden große Metallzylinder mit bekannten Durchmessern kon-
zentrisch auf den Boden gestellt. Der große Zylinder wurde außen herum mit einer Lehmpaste so
abgeschlossen, dass kein Wasser aus dem Zylinder austreten konnte. Beide Ringe wurden dann über
einen Gartenschlauch gleichmäßig ca. 10 cm mit Wasser gefüllt (vgl. Abb. 8).
Die Messung fand im Innenring statt. Der Außenring
diente dazu ein seitliches Abfließen des Wassers im
Boden zu verhindern. Die Infiltrationsrate ist generell
anfänglich groß, verringert sich jedoch kontinuierlich
mit zunehmender Sättigung. Die Messung wurde da-
her erstim gesättigten Zustand des Bodens vorgenom-
men, nachdem die Infiltrationsrate einen nahezu kon-
Abb. 8. Doppelringinfiltrometer mit Zollstock
zum Ablesen der Wasserstandshöhe im Innen- stanten Wert erreicht hatte.
ring. Außenring mit Lehmpaste abgedichtet.
Mit Hilfe eines im Innenring befestigten Zollstocks wurde der Wasserstand zu Beginn und am Ende
der Messung aufgenommen. Die Zeit, die zwischen dem Ablesen des Anfangswasserstandes und des
Endwasserstandes verging, wurde mit einer Stoppuhr gemessen. Die Infiltrationsrate, die im gesättig-
ten Zustand des Boden der gesättigten Wasserleitfähigkeit (k,) entspricht, wurde durch Division der
Höhenänderung des Wasserspiegels mit der Infiltrationszeit kalkuliert.
4.2.5 Trockenrohdichte und Verdichtungsgrad
Die Trockenrohdichte (= Lagerungsdichte) wurde an jedem Untersuchungsbaum in zwei Tiefenstufen
gemessen:
- 1)0-15cm und
- 2)50-65cm.
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Projekt-Nr. 218. 0406 Seite 31 von 181
In der ersten Tiefenstufe wurden drei Messungen pro Baum gemäß des beschriebenen Probendesigns
durchgeführt, in der zweiten Tiefenstufe eine Messung pro Baum. Die Lagerungsdichte wurde mit
dem Ballon-Verfahren gemäß DIN 18125 - 2 aufgenommen. Für die Probenentnahme wurde auf die
eben abgeglichene Oberfläche eine Grundplatte mit kreisrunder Aussparung gelegt. Innerhalb des
Ringes wurden wenige Zentimeter Boden ausgehoben und loser Boden sauber entfernt.
Anschließend wurde das Probeloch mit dem Ballon des Bodendensitometers, der eine Flüssigkeit ent-
hält, ausgefüllt. Die Anfangshöhe der Flüssigkeit im Messgerät wurde an einem Kolben abgelesen.
Danach wurde die eigentliche Bodenprobe entnommen, der Ballon wieder in das Loch eingelassen
bis er es komplett ausfüllt und der Flüssigkeitsstand am Kolben erneut abgelesen (vgl. Abb. 9, 10).
Durch Subtraktion der beiden aufgenommen Werte und Multiplikation mit der Kolbenfläche wurde
das Volumen der entnommenen Bodenprobe in seiner natürlichen Lagerung berechnet.
Abb. 9. Bodendensitometer zur Messung der Tro- Abb. 10. Kreisrunde Grundplatte mit Probenloch.
ckenrohdichte im Ballonverfahren.
Die Bodenprobe wurde im Labor bei 105 °C bis zur Gewichtskonstanz getrocknet und das Gewicht
der trockenen Bodensubstanz bestimmt. Das Volumen der Bodenprobe wurde in situ mit Hilfe eines
Bodendensitometers ermittelt. Die Trockenrohdichte wurde berechnet, indem das Gewicht der Tro-
ckensubstanz [g] durch das Volumen der Bodenprobe [cm?] in natürlicher Lagerung dividiert wird.
Zur Berechnung des Verdichtungsgrads im Oberboden wurde der Mittelwert der drei pro Baum ge-
messenen Lagerungsdichten gebildet und dieser in Relation zur im Labor ermittelten Proctordichte
gesetzt. In zweiten Tiefenstufe wurde die gemessene Lagerungsdichte direkt in Relation zur Proctor-
dichte gesetzt.
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Projekt-Nr. 218 0406 Seite 32 von 181
4.2.6 CO,-Konzentration
Die CO,-Konzentration wurde in einer Tiefe von 5cm ermittelt. Die Messung erfolgte mit einem an
der Hochschule für Angewandte Wissenschaft und Kunst (HAWK) in Göttingen entwickelten CO,-
Messgerät (FOERSTER et al. 2012). Für die Messung wurde eine Bodensonde 5 cm tief in den Boden
gesteckt. Da der Boden sehr fest war, wurde mit einem Nagel ein Loch vorgestanzt und dieses luft-
dicht mit einer Lehmpaste verschlossen. Da durch das Vorbohren Außenluft in den Boden gelangte
wurde die Messung erst durchgeführt, nachdem sich wieder ein Gleichgewicht im Bodenlufthaushalt
eingestellt hat, also nach ca. 15 Minuten.
Die Bodensonde war über einen dünnen Schlauch mit einer kleinen Membranpumpe verbunden,
die ca. 30 ml Bodenluft in eine Messkammer saugte. Dort wurde die CO,-Konzentration mit einem
Infrarot-Sensor (NDIR) des Unternehmens Sense Air mit Sitz in Delsbo (Schweden) kontinuierlich ge-
messen, die erzielten Werte an einem angeschlossenen PC dargestellt und elektronisch gespeichert.
4.2.7 Rammsondierung
Die Rammsondierung wurde in Anlehnung an DIN EN
ISO 22476-2 durch die Immo Herbst GmbH durchge-
führt. Es wurde eine pneumatisch betriebene leich-
te Rammsonde mit einem Fallgewicht von 10kg und
einer Rammspitze von 5cm? verwendet (DPL 10 /
HMP SON-P Nr. 0022, HMP Magdeburger Prüfgeräte-
bau GmbH, vgl. Abb. 11). Angestrebt wurde eine Son-
dierung bis in 1,50 m Tiefe.
Abb. 11. Pneumatische Rammsonde.
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4.2.8 Entnahme und Analyse von Bodenproben
Für die Laboranalysen wurde in jedem Bodenprofil jeweils eine Mischprobe aus 0-30 cm Tiefe und
aus 50-80 cm Tiefe entnommen. Die Proben hatten jeweils ein Volumen von ca. 151. Die physikali-
schen und chemischen Untersuchungen der Proben wurden im Labor Dr. Meyer-Spasche in Bohlsen
durchgeführt.
An den Proben der sechs Altbäume wurde die Proctordichte, der Gehalt an Haupt- und Spurenele-
mente sowie der pH-Wert bestimmt. An den zwei Neupflanzungen wurde das Darmstädter Baumsub-
strat Gelsenrot gemäß der FLL-Richtlinien für Baumpflanzungen, Teil 2 (2010) überprüft. Dafür wurden
folgende Parameter untersucht:
« Korngrößenverteilung (Sieblinie)
- gesättigte Wasserleitfähigkeit (k,)
» Wasserkapazität
- Luftkapazität
» pH-Wert
« Organische Substanz
. Salzgehalt
- pflanzenverfügbare Nährstoffe (CAT-Extrakt)
« Proctordichte
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5 Feststellungen vor Ort
5.1 Standortbedingungen der Bäume
Die Bäume des Platanenhain sind im Verbund miteinander vergesellschaftet und es sind nur wenige
junge Bäume vorhanden, die innerhalb der Gruppe (noch) solitär stehen. Die Abstände der Platanen
untereinander sind einheitlich und werden vor allem in den äußeren Bereichen mit Kronenschlüssen
überbrückt. Es handelt sich um eine artenreine und durchgehend reguläre Pflanzung, d.h. innerhalb
des Platanenhain finden sich keine spontanen Aufwüchse anderer Baumarten.
Sämtliche Bäume stehen innerhalb einer mit einer wassergebundenen Wegedecke versehenen Fläche
mit unterschiedlichen Entfernungen zu vorbeiführenden Bauwerken. Das Areal besitzt keine erhebli-
chen Gefälle oder Neigungen und nur die im westlichen Teil vorhandene Stützmauer weisen den Hain
in diesem Bereich als Plateau aus. Mit wenigen Ausnahmen, im Bereich der dort installierten Skulptu-
ren, sind die gesamten Wurzelräume der Bäume auf der Fläche begehbar (vgl. Abb. 12-14).
Abb. 12. Der Platanenhain vom Hochzeitsturm aus gesehen, Blick in Richtung Westen.
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Projekt-Nr. 218 0406 Seite 35 von 181
Abb. 14. Die den westlichen Teil des Platanenhain umgebende Stützmauer, Blick Richtung Osten.
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5.2 Visuelle Untersuchung und Zustandserfassung der Bäume
Der Vegetationsbestand des Platanenhain präsentierte sich hinsichtlich der Erhaltungszustände so-
wie mit Blick auf die an den einzelnen Bäumen vorhandenen Schäden und Auffälligkeiten vielgestal-
tig. Von den insgesamt 178 untersuchten Bäumen wiesen
- 78 Exemplare keine oder geringfügige Schäden oder Auffälligkeiten,
85 Exemplare deutliche Schäden oder Auffälligkeiten und
- 15 Exemplare umfassende Schäden oder Auffälligkeiten auf.
Dabei sind an insgesamt 42 Bäumen verkehrssicherheitsrelevante Auffälligkeiten festgestellt worden
{in der Hauptsache Vermorschungen, Einfaulungen und Spechthöhlen), deren Ausmaß und damit ihr
Einfluss auf die Verkehrssicherheit nicht abschließend beurteilt werden konnte.
An vielen Exemplaren waren z. T. großräumig eingefaulte Astungswunden im Bereich der Stammköp-
fe vorhanden oder die Reste ehemals vorhandener Terminalen waren bis in die Stammköpfe hinein
vermorscht. Derartige Entwicklungen sind bei alten Kopfbäumen in aller Regel auf eine Unterbre-
chung der unabdingbaren jährlichen Schnittintervalle zurückzuführen. Die zahlreich vorhandenen
Spechthöhlen in den Kronen der Bäume spiegeln das Ausmaß vorhandener Einfaulungen wieder.
Aufgegebene Zweige und die Ausbildung von Totholz im Feinastbereich (2 bis 3 cm), Vermorschun-
gen von Astoberseiten und -unterseiten, das Vorhandensein von Frostrissen und Wurzelschäden (durch
Trittbelastung) verdeutlichen die Vielfalt der unterschiedlichen Schäden und Auffälligkeiten, die in
verschiedenen Ausprägungen vorhanden waren. Der Einfluss dieser Mängel auf die weitere Entwick-
lung der Bäume wurde gesondert bewertet. Dabei ergab sich, dass das Schadenspotenzial
- bei 26 Exemplaren nicht vorhanden oder niedrig,
» bei 112 Exemplaren erhöht und
» bei 40 Exemplaren ausgeprägt war.
Bei drei Bäumen ergab sich die unmittelbare Notwendigkeit für eingehende Untersuchungen der Stu-
fe It (mit speziellen Geräten und Verfahren). Für alle weiteren Gehölze waren die Ergebnisse der visu-
ellen Untersuchungen als Grundlage für eine abschließende Bewertung jedoch ausreichend.
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Anhand der Untersuchungsergebnisse konnten die Bäume wie folgt eingestuft werden:
- 26 Exemplare sind der Kategorie 0,
. 52 Exemplare der Kategorie 1,
- 60 Exemplare der Kategorie 2,
- 25 Exemplare der Kategorie 3 und
- 15 Exemplare der Kategorie 4 zuzuordnen.
Die zahlenmäßig größere Gruppe mit den Bäumen der Kategorie 2 ist zugleich die am wenigsten dif-
ferenzierteste. Die Zuordnung eines Baumes in diese Kategorie ist keinesfalls gleichbedeutend damit,
dass sich das betreffende Exemplar zukünftig in Richtung der Kategorie 3 oder 4 entwickeln wird.
Zu vielfältig sind die individuellen Schäden und Schadenspotenziale, als dass zum gegebenen Zeit-
punkt eine eindeutige Tendenz absehbar ist (vgl. Abb. 15-21). Daher sind die. Gehölze der Kategorie 2
mehrheitlich als Beobachtungsbäume aufzufassen, bei denen die kommenden Jahre über eine Aus-
weitung oder eine erfolgreiche Kompensation der Schäden bzw. über eine Verstärkung der bestehen-
den Auffälligkeiten oder eine Anpassung daran entscheiden werden.
Abb. 15. Beispiel eines deutlichen Schadens (eingefaulter Ausbruch) bei Baum Nr. 017.
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Abb. 17. Beispiel eines deutlichen Schadens (durch Tritt verletzte Wurzeln) bei Baum Nr. 061.
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Abb. 19. Beispiel deutlicher Schäden (Eingefaulte Astungswunde und Totholzausbildung) bei Baum Nr. 111.
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Abb. 21. Beispiel eines deutlichen Schadens (Vermorschte und eingefaulte Astungswunde) bei Baum Nr. 177.
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5.3 Auswurzelungsverhalten der Bäume
In den an acht Standorten hergestellten Bodenaufschlüssen wurden in unterschiedlichen Ausmaßen
Wurzeln angetroffen. Deutliche Unterschiede waren zwischen den Standorten der älteren Bäume und
jenen mit den jüngeren Nachpflanzungen (Nr. 93 und 147) zu erkennen, deren Wurzelräume mit ei-
nem modernen Baumsubstrat befüllt waren und die regelmäßig bewässert wurden.
Bei diesen jungen Bäumen zeigten sich reguläre, jedoch auf die oberen Bodenschichten (bis etwa
-40 cm) konzentrierte Wurzelgeflechte. Die freigelegten Wurzelstränge wiesen einen durchgehend
hohen Verzweigungsgrad und Feinwurzelbesatz auf (vgl. Abb. 22, 23). Die stärkeren Wurzeln waren
flexibel und unauffällig im Aufbau sowie in der Textur ihrer Borke.
Abb. 22. Freigelegte Wurzeln bei Baum Nr. 93. Abb. 23. Freigelegte Wurzeln bei'Baum Nr. 147.
Demgegenüber standen die in den Aufschlüssen an den älteren Bäumen ersichtlichen Wurzelbilder.
Ein nennenswerter Verzweigungsgrad und Feinwurzelbesatz war, wenn überhaupt, an den nahe der
Oberfläche in der Grenzschicht zwischen der Auflage (wassergebundene Wegedecke) und dem an-
stehenden Boden ausgebildeten Wurzelsträngen vorhanden (vgl. Abb. 24, 25).
In den darauffolgenden Bodenschichten, bis etwa 1 m Tiefe, wurden nur vereinzelt Wurzeln und diese
mit Durchmessern bis maximal etwa 2 cm angetroffen (vgl. Abb. 26, 27). Mit darüber hinausgehender
Tiefe kamen stellenweise weitere Wurzeln zum Vorschein (vgl. Abb. 28), diese jedoch in aller Regel
ebenfalls unverzweigt und vor allem hinsichtlich ihrer Unflexibilität und mit Blick auf ihre verdickten
Abschlussgewebe auffällig (vgl. Abb. 29).
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Abb. 24. Feinwurzelgeflechte nahe der Oberfläche Abb. 25. Feinwurzelgeflechte nahe der Oberfläche
bei Baum Nr. 108. bei Baum Nr. 168.
Abb, 26. Aufschluss des Wurzelraumes bei Baum Abb, 27. Aufschluss des Wurzelraumes bei Baum
Nr. 168 bis etwa I m Tiefe, Nr. 108 bis etwa 1m Tiefe.
Abb. 28. Aufschluss des Wurzelraumes bei Baum Abb. 29. Aus einer Tiefe von etwa 1,5 m geborgene
Nr. 101 bis etwa 1,5 m Tiefe. Schwachwurzel des Baumes Nr. 101 mit verdickten
Abschlussgeweben.
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5.4 Feldbodenkundliche Ansprache des Bodens
5.4.1 Allgemeine Feststellungen
Die Platzfläche besteht aus einer wassergebundenen Decke, die größtenteils aus Bessunger Kies ge-
baut wurde. Da es sich - in geologischen Zeiträumen betrachtet - um eine sehr junge Auftragsfläche
handelt, haben keine oder nur minimale Bodenbildungsprozesse stattgefunden. Es ist kein Aufwuchs
und - abgesehen von ein paar wenigen Blättern, die noch nicht entfernt wurden - keine organische
Auflage vorhanden. Entsprechend handelt es sich auf der Fläche nicht um Boden im eigentlichen Sin-
ne, sondern um Substrate. Eine Horizontierung des Bodens ist also nicht auf bodenbildende Prozesse
zurückzuführen, sondern lediglich auf unterschiedliche aufgebrachte Substrate und/oder Auftrags-
zeitpunkte.
Im Folgenden wird das Bodenprofil des Baumes 63 im Detail besprochen. Bei den weiteren Bäumen
wird lediglich auf Besonderheiten und Abweichungen hingewiesen um Dopplungen zu vermeiden.
5.4.2 Baum 63
Das Bodenprofil an Baum 63 zeigte fünf Horizonte. Bis in 1m Tiefe befanden sich vier Schichten Bes-
sunger Kies (vgl. Abb. 30-32). Die angetroffenen Bodenarten (= Körnung) waren ein schwach lehmi-
ger Sand (SI2) oder ein schwach schluffiger Sand (Su2) mit keinem bis sehr geringen Humusanteil. Das
Substrat hatte mit 44 - 65 % einen hohen Skelettanteil (Korndurchmesser > 2 mm).
Dies äußerte sich im dritten Horizont unter anderem an sogenannten Redoximorphiemerkmalen.
Dies ist eine mehr oder weniger kontrastreiche Scheckung des Bodens, die gekennzeichnet ist durch
Bleichzonen, Rostflecken und schwarzen Mangankonkretionen. Diese Merkmale treten bei sauerstoff-
armen Verhältnissen auf, wie sie z.B. bei Verdichtung oder Stauwasser entstehen. Die Lagerungsdich-
te ist als sehr hoch einzustufen.
Das Gefüge konnte im ersten Horizont als plattig und in den darunter liegenden Horizonten als Kitt-
/Einzelkorngefüge angesprochen werden. Die Durchwurzelung war insgesamt sehr gering. Wie so
häufig in geschichteten Böden befanden sich die Wurzeln in oberflächennahen Grenzbereichen, hier
insbesondere zwischen dem zweiten und dritten Horizont, also in 10. cm Tiefe.
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Projekt-Nr. 218 0406 Seite 44 von 181
Abb. 30: Bodenprofil an Baum Nr. 63 in ganzer Tiefe. Abb. 31. Die ersten drei Horizonte (0-50 cm Tiefe) an
Die angetroffenen Wurzeln sind gelb markiert. Baum Nr. 63 mit gelb markierten Wurzeln.
Abb. 32. Vierter Horizont (50-100 cm Tiefe) an Baum Abb. 33. Unterster Horizont (100-150 cm Tiefe) an
Nr. 63. Baum Nr. 63, bestehend aus Sand.
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Der pH-Wert lag zwischen 5,5 und 6,9 und damit in einem für Bäume optimalen Silikatpufferbereich.
Unterhalb von 1m Tiefe wurde ein kalkhaltiger Sand aufgetragen. Dieser war schwach humos mit
einem sehr geringen Skelettanteil und einer mittleren Lagerungsdichte, Das Gefüge war ein Einzel-
korngefüge. Einige wenige Wurzeln befanden sich in diesem sandigen Horizont. Der hohe Kalkgehalt
verursacht einen relativ hohen pH-Wert von 7,6 (vgl. Abb. 33),
Ein besonderer Fund an diesem Profil war das Loch einer Rammkernsondierung von November 2016
(TERBRACH und URBAN 2016). Nach der Entnahme des Bohrkerns wurde das Loch mit Baumsubstrat
gefüllt. Innerhalb von zwei Jahren wurde dieser Bereich intensiv durchwurzelt. Dahingegen kamen im
Substrat in unmittelbarer Nähe des Bohrloches keine weiteren Wurzeln zum Vorschein (vgl. Abb. 34).
In Bezug auf den Lufthaushalt kann festgehalten wer-
den, dass der Bodengasaustausch durch die hohe La-
gerungsdichte sehr stark eingeschränkt ist. Der ho-
he Skelettanteil, die grobe Körnung und die hohe La-
gerungsdichte führen insgesamt zu einem sehr ge-
ringen nutzbaren Wasserspeicher, Die Stickstoffversor-
gung ist auf dem Standort aufgrund des geringen An-
teils an organischen Materials und der fehlenden Hu-
Abb. 34. Intensiv durchwurzeltes Bohrloch einer Musauflage als schwach einzustufen.
Rammkernsondierung bei Baum Nr. 63 von No-
vember 2016. Die Versorgung mit Kalium, Calcium und Magnesium
ist mäßig. Der Bessunger Kies (Granodiorit) als Aus-
gangsmaterial gilt zwar grundsätzlich als relativ nährstoffreich und der pH-Wert liegt in Bezug auf die
Nährstoffverfügbarkeit im optimalen Bereich. Für eine gute Nährstoffversorgungfehltes allerdings an
Feinboden und organischer Substanz. Durch die grobe Körnung ist die Kationenaustauscherkapazität
sehr gering. Das heißt, es stehen nur wenige Austauscherplätze zur Verfügung, an denen Nährstof-
fe angelagert und an die Bodenlösung abgegeben werden können. Je feiner die Körnung ist, desto
mehr solcher Austauscherplätze gibt es und desto besser ist im Regelfall die Nährstoffversorgung (vgl.
Kap. 2.7.6).
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Tabelle 1. Ergebnisse der bodenkundlichen Profilaufnahme an Baum Nr. 63
(gemäß der Bodenkundlichen Kartieranleitung (Ad-hoc-AG Boden, 2005))
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ProJekt-Nr. 218 0406
Selte 47 von 181
5.4.3 Baum 88
Der Baum 88 steht am östlichen Ende des Platzes, also in einem Bereich, wo im Zuge der Einebnung
des Platzes Boden abgetragen wurde. Entsprechend ließen sich am Baum 88 nur drei Horizonte aus-
machen. Ab40 cm Tiefe bestand der Boden in erster Linie aus Gesteinsbrocken, deren Zwischenräume
verhältnismäßig gut durchwurzelt waren. Hier wurde auf der Fläche das größte Wurzelvorkommen
gefunden. Bei diesem Horizont handelt es sich aller Wahrscheinlichkeit nach um das natürlich anste-
hende Grundgestein, den Bessunger Kies.
Über dem Ausgangsgestein wurde Bessunger
Kies in mehreren Lagen eingebaut, erkenntlich
an einer deutlichen Bänderung des Profils, Die
aufgetragenden Schichten waren wie bei Profil
63 extrem dicht und weitestgehend wurzelfrei,
Lediglich in 3 cm Tiefe befindet sich ein 2-3 mm
starkes Wurzelband zwischen zwei Horizonten.
Auffällig war eine leichte Bläschenbildung bei
dem Salzsäuretest im ersten Horizont, was aufei-
nen gewissen Kalkanteil hindeutet. Dies äußer-
te sich auch an einem schwach alkalischen pH-
Wert von 7,4. Die darunter liegenden Horizon-
Abb. 35. Bodenprofil an Baum Nr. 88 mit gelb markier-
te weisen keinen Kalk auf und haben einen ent-
ten Wurzeln.
sprechend niedrigeren pH-Wert von 6,4 bzw. 6,3.
In Bezug auf den Bodengasaustausch und die Nährstoffversorgung ist der Standort des Baumes 88
mit dem des Baumes 63 vergleichbar. Aufgrund des hoch anstehenden Grundgesteines ist allerdings
die Wasserversorgung noch eingeschränkter als an Baum 63.
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Projekt-Nr. 218 0406 Seite 48 von 181
Tabelle 2. Ergebnisse der bodenkundlichen Profilaufnahme an Baum Nr. 88
{gemäß der Bodenkundlichen Kartieranleitung (Ad-hoc-AG Boden, 2005))
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5.4.4 Baum 101
Das Bodenprofil an Baum 101 wies vier Horizonte auf (vgl. Abb. 36). Der dritte Horizont (40-100 cm)
durchbricht die Aufschichtungen von Bessunger Kies durch eine Schicht nahezu skelettfreien reinen
Sand (vgl. Abb. 37). In Bezug auf Dichtlagerung und Humosität unterscheidet sich dieser sandige Ho-
rizont nicht von den übrigen Horizonten aus Bessunger Kies. Einige wenige Schwachwurzeln durch-
zogen den Sand. In 90cm Tiefe befand sich eine Lage Packsteine (vgl. Abb. 38, 39). Unterhalb dieser
Packsteine war der Boden verhältnismäßig gut durchwurzelt.
Abb. 36. Bodenprofil an Baum Nr. 101. Abb. 37. Sandiger Horizont zwischen 40 und 90cm
mit wenigen Schwachwurzeln.
Abb. 38. Packsteinschicht in 90 cm Tiefe. Darunter ist Abb. 39. Aus 90 cm Tiefe geborgene Packsteine.
der Boden verhältnismäßig gut durchwurzelt.
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Tabelle 3, Ergebnisse der bodenkundlichen Profilaufnahme an Baum Nr. 101
(gemäß der Bodenkundlichen Kartieranleitung (Ad-hoc-AG Boden, 2005))
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5.4.5 Baum 108
Das Bodenprofil an Baum 108 wies insgesamt vier Horizonte auf (vgl. Abb. 40-41). Zwischen dem ers-
ten und zweiten Horizont befand sich einer dünner Wurzelfilz. Der zweite Horizont (5-50 cm Tiefe)
besaß mehr Wurzeln als sonst üblich, auch wenn die Durchwurzelung trotzdem nur als schwach ein-
zustufen war. Zwischen 50 und 90cm befand sich eine wurzelfreier Horizont. Unterhalb von 90cm
beginnt ein relativ skelettarmer, schwach schluffiger Sandhorizont mit mittlerer Lagerungsdichte, der
wieder verhältnismäßig gut durchwurzelt war.
Abb. 41. Sandiger Horizont zwischen 40 und 90cm Abb. 42. Schicht Packsteine in 90 cm Tiefe. Darunter
mit wenigen Schwachwurzeln. ist der Boden verhältnismäßig gut durchwurzelt.
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Tabelle 4. Ergebnisse der bodenkundlichen Profilaufnahme an Baum Nr. 108
(gemäß der Bodenkundlichen Kartieranleitung (Ad-hoc-AG Boden, 2005))
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Seite 53 von 181
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5.4.6 Baum 168
Das Bodenprofil an Baum 168 wies fünf Horizonte auf, wobei der dritte Horizont (20-32 cm) ledig-
lich aus einer Schicht Packsteinen besteht (vgl. Abb. 43). Diese Lage Packsteine befand sich auch an
Baum 101 in 90 cm Tiefe. Es ist anzunehmen, dass der Platz in dem Bereich dieser Bäume früher durch
die Packsteine befestigt war. Der erste (0-5 cm) und der fünfte Horizont (58-150 cm) hatten auf den
Salzsäuretest reagiert, das heißt, es wurde ein kalkhaltiges Material eingetragen. Ansonsten ähnelte
das Substrat im fünften Horizont in Struktur und Farbe dem Bessunger Kies, welcher allerdings keinen
Kalk enthält.
Abb. 43. Horizont eins bis vier an Baum Nr. 168. Abb. 44. Horizont vier (32-58 cm) und fünf (58-150)
an Baum 168.
Aufgrund der hohen Dichte und des hohen Steingehaltes des Horizontes stand zu vermuten, dass es
sich hierbei um das Ausgangsgestein Granodiorit handelt. Dieses Gestein enthält im angewitterten
Zustand allerdings keinen Kalk. Somit handelt es sich hierbei um aufgetragenes Material. Der vierte
Horizont (32-58 cm) bestand wieder aus dem üblichen hochverdichteten Bessunger Kies.
Auffällig war, dass sich lediglich im ersten Horizont (0-5 cm) und in der Packsteinschicht Wurzeln be-
fanden. Alle anderen Horizonte waren wurzelfrei. Daher ist der Standort an dieser Stelle als flach- bis
mittelgründig anzusprechen.
SACHVERSTÄNDIGENBÜRO FÜR URBANE VEGETATION
Projekt-Nr. 218 0406 Seite 54 von 181
Tabelle 5. Ergebnisse der bodenkundlichen Profilaufnahme an Baum Nr. 168
(gemäß der Bodenkundlichen Kartieranleitung (Ad-hoc-AG Boden, 2005))
(1989) yemoge 7, "Bumyouutejsio4 Hy Jap ur Bunionieyspopueis yy Yoeu Bunzeyag,, Bungaig.. AEIEIqIE4-1BSUnW.
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SACHVERSTÄNDIGENBÜRO FÜR URBANE VEGETATION
Projekt-Nr. 218 0406
Seite 55 von 181
5.4.7 Baum 176
Das Profil an Baum 176 konnte nur bis zu einer Tiefe von 70 cm ausgehoben werden. Ab 40 cm Tiefe
begann das anstehende Grundgestein (Cv) (vgl. Abb. 45).
Wurzeln wurden lediglich in einem dünnen Filz in 8 cm Tiefe zwischen dem ersten und zweiten Hori-
zont gefunden und einige wenige Wurzeln in Rissen des Grundgesteins. Es wurde versucht, den Wur-
zelfilz zwischen den ersten beiden Horizonten zur Ansicht freizulegen, was allerdings nur unzurei-
chend gelang (vgl. Abb. 46).
Abb. 45. Bodenprofil an Baum 176. Vor dem Profil
ist auf einer kleinen Fläche der Wurzelfilz zwischen
dem ersten und zweiten Horizont freigelegt.
Abb. 46. Aus ca. 50 cm Tiefe geborgenes Grundge-
stein.
SACHVERSTÄNDIGENBÜRO FÜR URBANE VEGETATION
Projekt-Nr. 218 0406 Seite 56 von 181
5,5 Luftleitfähigkeit
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Baumnummer
Abb. 47. Luftleitfähigkeit (PL-Wert) jeweils an drei Pro-
bepunkten pro Baum.
Die Luftleitfähigkeit weist an dem überwiegen-
den Teil der Probepunkte niedrige bis sehr nied-
rige Werte auf. Lediglich die Messung Richtung
Süden an Baum 63 und alle drei Messungen an
Baum 168 weisen leicht erhöhte Werte auf.
Die Messungen haben an einem sehr trockenen
Boden stattgefunden. Empfohlen wird, die Mes-
sungen bei Feldkapazität (pF 1,8; Die Wasserka-
pazität, die der Boden zwei Tage nach Regen ge-
gen die Schwerkraft speichert) durchzuführen. Es ist davon auszugehen, dass die Luftleitfähigkeit bei
Feldkapazität noch deutlich niedriger ist.
5,6 Infiltrationsrate
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83 88 101 108 188 178
Baumnummer
Abb. 48. Infiltrationsrate [mm/min] an den Untersu-
chungsbäumen. Die Linien zeigen gängige Grenzwerte
für die Wasserdurchlässigkeit an.
Der Median der Infiltrationsrate liegt bei 0,09
mm/min. Damit bewegen sich die Werte am
unteren Bereich der Durchlässigkeit nach DIN
18130-1. Bei fünf Messpunkten ist der Boden
nach DIN 18130-1 als schwach durchlässig ein-
zustufen. BISCHHOFF (1996) empfiehlt eine Versi-
ckerungsrate von mindestens 0,17 mm/min.
Dieser Wert wird lediglich an drei Messpunkten
erreicht bzw. überschritten. Für Baumsubstrate
wird sogar eine Durchlässigkeit von 0,3mm/min
gefordert (FLL 2010), ein Wert der lediglich an Baum 168, wo auch die Luftleitfähigkeit erhöht war,
erreicht wird.
SACHVERSTÄNDIGENBÜRO FÜR URBANE VEGETATION
Projekt-Nr. 218 0406
Seite 57 von 181
Dabei ist zu bedenken, dass die Infiltrationsrate methodenbedingt überschätzt wird. Dadurch, dass
bei der Messung eine Wassersäule von 5 bis 10 cm auf dem Boden steht, versickert bei dem Versuch
mehr Wasser als es bei einem normalen Regen der Fall ist.
Somit bleibt festzuhalten, dass lediglich in den äußersten Randbereichen des Platzes stellenweise von
einer ausreichenden Wasserinfiltration auszugehen ist. Der größte Teil des Platzes ist jedoch für Wasser
kaum durchlässig.
5.7 CO,-Konzentration
Die CO,-Konzentration wurde probehalber an sechs Punkten gemessen. Die Probemessungen erga-
ben eine mittlere CO,-Konzentration von 0,23%. Damit liegt die CO,-Konzentration unterhalb des Wer-
tes 0,4% gut durchlüfteter Waldbestände (GAERTIG 2001). Dies ist damit zu erklären, dass sich in dem
Substrat des Platzes kaum Bodenleben befindet, welches als CO,-Quelle dienen kann. Daher ist die
CO,-Konzentration trotz hoher Verdichtung sehr gering. Die CO,-Konzentration kann nur dann sinn-
voll als Parameter zur Beurteilung von Bodenverdichtung eingesetzt werden, wenn (anders als hier)
ein annähernd natürlicher Kohlenstoffkreislauf herrscht, wie es z.B. in Wäldern oder grünen Parkflä-
chen der Fall ist (WELTECKE und GAERTIG 2012).
5.8 Rammsondierung
Gemnittelt zeigen dieRammsondierungen außer an den Referenzbäumen 168 und 176 eine starke Ver-
dichtung der oberen 20 bis 30 cm an. Ab ca. 60 cm ist der Eindringwiderstand dann bei den meisten
Sondierungen deutlich geringer als im Oberboden bis in unterschiedlicher Tiefe wieder eine dichte
Schicht auftritt. Hierbei könnte es sich um das Ausgangsgestein handeln. Im einzelnen sind die Bo-
denwiderstandsmessungen wie folgt zu interpretieren:
+ Die rote Bodenwiderstandskurve des Baumes 63 bestätigt weitestgehend das Bodenprofil. So ist
eine Abnahme des Bodenwiderstandes ab ca. 90 cm zu verzeichnen. Dies ist ungefähr die Höhenla-
ge, wo am Bodenprofil ein relativ lockerer sandiger Horizont aufgenommen wurde. Offensichtlich
geht diese Sandschicht bis zu einer Tiefe von 190 cm. Danach steht wieder ein festeres Substrat
oder auch ggf. das Ausgangsmaterial an.
SACHVERSTÄNDIGENBÜRO FÜR URBANE VEGETATION
Projekt-Nr. 218 0406 Seite 58 von 181
- An Baum 88 musste die Rammsondierung in 40 cm Tiefe aufgrund der dort vorhandenen Gesteins-
brocken abgebrochen werden.
- An Baum 176 wurde die Rammsondierung bei erreichen des Grundgesteins in 70cm Tiefe abge-
brochen.
- Die gelbe Kurve des Baumes 101 gibt ebenfalls relativ genau das Bodenprofil wieder, wo sich ein
sandiger Horizont zwischen 40 und 100 cm befindet. Dieser hat deutlich geringere Widerstands-
werte als das übliche sandig-kiesige Substrat.
. Die grüne Kurve des Baumes 108 hat hingegen keine Übereinstimmung mit dem Bodenprofil. Zwi-
schen 40 und 110 cm scheint hier ein relativ lockeres Substrat eingebaut worden zu sein. Das Bo-
denprofil zeigt im Gegensatz dazu in diesem Bereich das übliche stark verdichtete sandig-kiesige
Substrat.
- Die Kurve des Baumes 168 spiegelt die Packsteinlage in 20 bis 30 cm Tiefe wieder, wobei die Ramm-
sonde dort offensichtlich eine Lücke gefunden hat. Unterhalb dieser Schicht sind die Boden-Wider-
standswerte relativ gering, was sich nicht mit den Erfahrungen der Profilerhebung und auch nicht
mit der Durchwurzelung des Profils deckt.
Insgesamt bleibt festzuhalten, dass die Ramm-
Er sondierungen zum Teil das Bild, das sich durch
81
_e| die Profilgrabungen ergeben hat, bestätigen. Bei
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3g8|
ee einem Teil der Rammsondierungen hingegen
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8. 2 Bamas stimmen die Bodenwiderstands-Messungen nicht
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2 m Bam 106
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FR w Bam, mit den Profilaufnahmen überein. Daraus lässt
oa 02 2 0 © m
Anzahl der Schläge pro 10. cm sich schließen, dass kleinräumig unterschiedli-
Abb. 49. Ergebnisse der Rammsondierungen. Die Lin- che Substrate aufgetragen und/oder diese un-
en zeigen pro Baum die benötigte Anzahl der Schläge m u j
terschiedlich verdichtet worden sind.
an, um die Sonde in 10-Zentimeter-Schritten in den Bo-
den zu treiben.
SACHVERSTÄNDIGENBÜRO FÜR URBANE VEGETATION
Projekt-Nr. 218 0406 Seite 59 von 181
6 Laboranalytische Befunde
6.1 Trockenrohdichte und Verdichtungsgrad
Der Median der Trockenrohdichte im Oberboden liegt bei 2,0 g/cm? und ist damit äußerst hoch (vgl.
Abb. 50). Zum Vergleich: eine Trockenrohdichte von über 1,4 g/cm? gilt als limitierender Faktor für das
Wurzelwachstum von Fichten (HILDEBRAND 1986). Lediglich ein Wert von Baum 168 weist eine (auffäl-
lig) geringe Lagerungsdichte auf.
Die Lagerungsdichten in der zweiten Tiefenstufe (50-65 cm) sind zwar in den meisten Fällen noch als
hoch oder sehr hoch einzustufen, aber sie liegen im Mittel deutlich unter den Werten des Oberbodens.
Die sehr hohen Werte der zweiten Tiefenstufe am Baum 88 und Baum 176 sind darauf zurückzuführen,
dass sich dort ein überdurchschnittlich hoher Skelettanteil mit ganzen Gesteinsbrocken befand, bzw.
an Baum 176 das Grundgestein anstand (vgl. Kap. 5.4.3 und 5.4.7).
Der Median des Verdichtungsgrades des Oberbodens liegt bei 100,0% DPr und damit deutlich über
dem Wert von 95% DPr, der für überbaute Pflanzgruben empfohlen wird (FLL 2010). Aus bautechni-
scher Sicht ist allerdings das Ziel von 97% DPr erreicht.
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Lagerungscichte (giem’]
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Veracmungsgrad [%]
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Abb. 50. Lagerungsdichte in g/cm? an den Unter- Abb. 51. Verdichtungsgrad [%] an den Untersu-
suchungsbäumen in zwei Tiefenstufen. Die grauen chungsbäumen in zwei Tiefenstufen. Die grauen Li-
Linien zeigen die Bewertungsstufen nach der Bo- nien zeigen den maximalen Verdichtungsgrad offe-
denkundlichen Kartieranleitung (Ad-hoc-AG Boden, ner und überbauter Pflanzgruben gemäß der „Emp-
2005). fehlungen für Baumpflanzungen, Teil 2“ (FLL 2010)
SACHVERSTÄNDIGENBÜRO FÜR URBANE VEGETATION
Projekt-Nr. 218 0406 Seite 60 von 181
Lediglich der Verdichtungsgrad an Baum 168 entspricht dem Verdichtungsgrad für offene, nicht über-
baute Pflanzgruben. In der zweiten Tiefenstufe ist der Verdichtungsgrad an den meisten Messpunkten
deutlich niedriger. Dies kann ein Hinweis darauf sein, dass die hohe Verdichtung nicht beim Bau des
Platzes erfolgt ist, sondern nachträglich durch eine Fehlnutzung des Platzes entstanden ist.
Der insgesamt sehr hohe Verdichtungsgrad spiegelt das Bild wieder, dass sich beim erstellen der
Schürfe ergeben hat. Das Substrat war so dicht, dass es nur mit einem Pressluftspaten gelockert wer-
den konnte (vgl. Abb. 5, 5.29).
:6.2 Nährstoffanalyse
Das Ergebnis der Nährstoffanalyse bestätigt weitestgehend die Einschätzung aus der bodenkundli-
chen Profilansprache. Die Nährstoffanalysen ergeben durchgängig eine geringe bis sehr geringe Aus-
stattung mit Stickstoff, Phosphor und Kalium sowie mit den Mikronährstoffen Kupfer und Bohr. Aber
auch die übrigen Nährstoffe Magnesium, Mangan, Eisen, Zink und Sulfat befinden sich gemäß der
Angaben des Labors eher am unteren Bereich der Versorgung (s. Anhang ab $. 124).
Der pH-Wert befindet sich im überwiegenden Teil im Optimum. Lediglich an Baum 168 wurden auf-
grund des hohen Kalkanteils PH-Werte über 7 gemessen, die zu einer Festsetzung bestimmter Nähr-
stoffe wie z.B. Phosphor, Eisen und Mangan führen können, sodass diese Nährelemente nicht mehr
pflanzenverfügbar sind.
Auffällig ist die hohe Natriumsalzbelastung am Baum 88. Da Natriumionen im Boden relativ leicht
ausgespült werden, ist hier von einem anthropogenen Eintrag auszugehen.
Die vom Labor Dr. Meyer-Spasche verwendeten Bewertungsstufen der Nährstoffgehalte im Boden
wurden abgeleitet aus der land- und gartenbaulichen Bewertungspraxis der landwirtschaftlichen Un-
tersuchungs- und Forschungsanstalten (LUFA). Als Anpassung für Bäume diente die Bodenbewertung
der Nährstoffversorgung für Baumschulen. Die Bewertungsstufen sind somit als ein Schätzrahmen zu
verstehen, der relativ hoch angesetzt sein dürfte, da Baumschulen einen Produktionszweck verfolgen,
der bei Stadtbäumen nicht gegeben ist.
SACHVERSTÄNDIGENBÜRO FÜR URBANE VEGETATION
Projekt-Nr. 218 0406 Seite 61 von 181
Weiterhin wird bei den Bodenanalysen nicht berücksichtigt, dass ein erheblicher Anteil der Stickstoff-
versorgung aus der atmosphärischen Deposition gedeckt wird. Da dieser Anteil nicht quantifizierbar
ist und weil nicht bekannt ist, wie der Mykorrhizierungsgrad ist und wie gut die Bäume die Nährstoffe
tatsächlich erschließen, ist eine Blattanalyse für die Beurteilung des Ernährungszustandes von Bäu-
men empfehlenswert.
So haben Untersuchungen im Rahmen des Projektes „Stadtgrün 2021“ gezeigt, dass die Blattspiegel-
werte keine Unterversorgung der Bäume mit Nährstoffen angezeigt haben, obwohl die Bodenana-
Iysen sehr geringe Nährstoffkonzentrationen im Substrat ergeben haben (KLEMISCH 2017). Die Blatt-
analyse bietet gegenüber der Bodenanalyse außerdem den Vorteil, dass hier deutlich bessere und
baumartenspezifische Bewertungsrahmen vorliegen.
Dass die Platanen zum Teil tatsächlich unter einem Nährstoffmangel leiden, zeigen ihre hellen chlo-
rotischen Blätter. In der Draufsicht des Platanenhain ist erkennbar, dass besonders die inneren Pla-
tanenreihen Chlorosen aufgrund von Nährstoffmangel aufweisen (vgl. Abb. 12, 5.12). Die Blätter der
äußeren Platanen sind deutlich dunkelgrüner.
Da die Nährstoffanalysen keine eindeutigen Unterschiede zwischen den Bäumen im Innenbereich
des Platzes und den Randbäumen (Baum 168 und 178) aufweisen, ist davon auszugehen, dass diese
Bäume Nährstoffquellen außerhalb des Platzes erschlossen haben, bzw. die Nährstoffe besser mobi-
lisieren können. Eine Blattanalyse könnte Aufschluss darüber geben, welche Bäume einer gezielten
Düngung bedürfen bzw. dabei helfen, eine Fehldüngung vermeiden.
7 Analyse des Baumsubstrates Gelsenrot
Das Darmstädter Baumsubstrat erfüllt bei allen vier Proben die Kriterien der FLL für nicht überbaubare
Pflanzsubstrate (FLL 2010). Porenvolumina, Wasserspeicherkapazität und verbleibende Luftporen sind
hoch. Die Wasserdurchlässigkeiten liegen im Richtwertbereich. Auch die Sieblinien bewegen sich im
Sollbereich und weisen keine Unstetigkeiten auf. Die Verdichtungsgrade bewegen sich im Oberboden
um die empfohlenen 85% DPr und in 50 cm Tiefe mit 65% DPr deutlich darunter. Das heißt, der Einbau
ist fachgerecht entsprechend der „Empfehlungen für Baumpflanzungen“ (FLL 2010) erfolgt.
SACHVERSTÄNDIGENBÜRO FÜR URBANE VEGETATION
Projekt-Nr. 218 0406 Seite 62 von 181
Die Gesamtnährstoffversorgung ist gering. Besonders die Versorgung mit den Hauptnährelementen
Stickstoff, Phosphor und Kalium ist nach der Einschätzung des Labors Dr. Meyer-Spasche im Mangel-
bereich. Diese Einschätzung ist wie in Kapitel 6.2 erläutert vorsichtig zu bewerten. Die Bodenuntersu-
chungen geben einen Hinweis auf einen Nährstoffmangel, der allerdings anhand von Blattanalysen
verifiziert werden sollte.
Das Baumsubstrat 147 hat im Unterboden einen erhöhten Gesamtsalzgehalt, der auch den FLL-Richt-
. wert überschreitet. Diese Erhöhung ist jedoch nicht kritisch, weil sie auf eine Sulfaterhöhung (Gips,
Ca,50,) zurückgeht, wie die Mikronährstoffanalyse zeigt. Ein hoher Gipsgehalt ist infolge der geringen
Löslichkeit von Gips nicht toxisch.
Tabelle 7. Vergleichende Darstellung der Analyseergebnisse der Bodenproben.
Blau: Werte entsprechen den Vorgaben der FLL, orange: Werte liegen knapp ober-/ oder unterhalb der FLL-
Vorgaben, rot: stärkere Abweichungen von den FLL-Empfehlungen, schwarz: keine FLL-Vorgaben vorhanden.
Baum 93 Baum 147 FLL
0-30cm 50-80 cm 0-30cm 50-80cm
Gesamtporenvolumen [Vol.-%] 48,5 55,2 59,5 60 _
Max. Wasserkapazität [Vol.-%] 39,8 43,4 48,7 48,9 >25
Feldkapazität (pF 1,8) [Vol.-%] 32,2 35,6 42,8 43,4 Fr
Luftkapazität bei pF 1,8 [Vol.-%] 16,3 19,6 16,7 16,6 >15
Wasserdurchlässigkeit k+ [Imm/min] 0,75 2,57 1,31 1,29 >03
pH-Wert 7,29 7,18 7,34 7,2 5,0-5,8
Organische Substanz [Masse-%] 19 1,6 1,8 1,8 1-2
Salzgehalt [mg/100g] 32 27 36 470 < 100
Verdichtungsgrad [% DPr] 82,92 65,16 85,23 63,87 85%
Kornfraktion [%] >2 mm 34,1 34,3 44,3 34,1 _
Kornfraktion [%] d = 0,063-2,0 mm 50,2 48,6 44,7 55,2 >30
Kornfraktion (abschlämmbar) [%] d < 0,063 mm 15,6 17,1 10,9 10,8 5-15
SACHVERSTÄNDIGENBÜRO FÜR URBANE VEGETATION
Projekt-Nr. 218 0406 Seite 63 von 181
8 Beurteilung
8.1 Erhaltungswert der Bäume
8.1.1 Bäume mit hohem Erhaltungswert
Die Ergebnisse der Untersuchung zeigen, dass sich insgesamt 78 Bäume des Platanenhain in einem
sehr guten oder guten Zustand befinden. Dies sind die Bäume der Kategorien 0 und 1. Die an ihnen
teilweise vorhandenen Schäden bleiben voraussichtlich ohne Einfluss auf ihre weitere Entwicklung,
so dass sich für diese Bäume ein entsprechend geringer bis durchschnittlicher Pflegeaufwand ergibt.
Unter Ausschluss von noch nicht absehbaren Beeinträchtigungen erscheinen die untersuchten Bäu-
me dieser Kategorien noch über einen längeren Zeitraum, d.h. mehrere Jahrzehnte, lebens- und er-
haltensfähig. Obwohl die Gehölze durch Formschnitte in ihren Wuchsleistungen massiv gehemmt
werden, so erfüllen sie dennoch wichtige mikroklimatische und ökologische Funktionen, Die Erhal-
tenswürdigkeit dieser Bäume ist somit, insbesondere vor dem Hintergrund ihres guten Erhaltungszu-
standes, vollständig gegeben. Der ebenfalls guten Konstitution dieser Exemplare stehen zudem keine
Vorschäden entgegen, welche ihre Erhaltensfähigkeit einschränken.
Somit ergab sich aus der Begutachtung bei insgesamt 78 Bäumen das Bild eines hohen Erhaltungs-
wertes, der sich aus guten Erhaltungszuständen, einer uneingeschränkten Erhaltenswürdigkeit und
einer langfristigen Erhaltensfähigkeit zusammensetzt.
8.1.2 Bäume mit eingeschränktem Erhaltungswert
Die Ergebnisse der Untersuchung zeigen zudem, dass sich insgesamt 60 weitere Bäume des Plata-
nenhain in einem noch zufriedenstellenden Zustand befinden. Dies sind die Bäume der Kategorie 2.
Die an ihnen vorhandenen Schäden haben das Potenzial dazu ihre weitere Entwicklung negativ zu
beeinflussen, so dass sich für diese Bäume ein womöglich erhöhter Pflegeaufwand ergibt.
Unter Ausschluss von noch nicht absehbaren Beeinträchtigungen erscheinen die untersuchten Bäu-
me dieser Kategorie noch mittel- bis langfristig, d. h. bis zu 10 Jahren oder darüber hinaus, lebens- und
erhaltensfähig. Obwohl auch diese Gehölze durch Formschnitte in ihren Wuchsleistungen massiv ge-
hemmt werden, so erfüllen sie dennoch wichtige mikroklimatische und ökologische Funktionen.
SACHVERSTÄNDIGENBÜRO FÜR URBANE VEGETATION
Projekt-Nr. 218 0406 Seite 64 von 181
Die Erhaltenswürdigkeit dieser Bäume ist somit, insbesondere vor dem Hintergrund ihres beeinträch-
tigten Erhaltungszustandes, mit Einschränkungen gegeben. Hinzukommend stehen der zumeist im-
mer noch guten Konstitution dieser Exemplare im Einzelfall bereits deutliche Vorschäden entgegen,
welche ihre Erhaltensfähigkeit herabsetzen.
Somit ergab sich aus der Begutachtung bei insgesamt 60 Bäumen das Bild eines eingeschränkten
Erhaltungswertes, der sich aus noch zufriedenstellenden Erhaltungszuständen, einer geminderten
Erhaltenswürdigkeit und einer im Einzelfall bereits geschmälerten Erhaltensfähigkeit zusammensetzt.
8.1.3 Bäume mit niedrigem Erhaltungswert
Die Ergebnisse der Untersuchung zeigen darüber hinaus, dass sich zusätzlich insgesamt 40 Bäume
des Platanenhain in einem mit deutlichen Mängeln behafteten Zustand befinden. Dies sind die Bäu-
me der Kategorien 3 und 4. Es ist bereits absehbar, dass die an ihnen vorhandenen Schäden oder
Auffälligkeiten ihre weitere Entwicklung negativ beeinflussen werden, so dass sich für diese Bäume
(sofern diese noch erhalten bleiben können) ein erhöhter Pflegeaufwand ergibt.
Unter Ausschluss von noch nicht absehbaren Beeinträchtigungen erscheinen die untersuchten Bäu-
me dieser Kategorien nur noch kurz- bis mittelfristig, d.h. bis zu etwa 5-10 Jahren oder darunter,
lebens- und erhaltensfähig. In diesen Kategorien finden sich viele jüngere Exemplare in ihrer Jugend-
oder Reifephase. Auch sie werden durch Formschnitte in ihren Wuchsleistungen massiv gehemmt,
erfüllen im Einzelfall jedoch noch wichtige mikroklimatische und ökologische Funktionen.
Die Erhaltenswürdigkeit dieser Bäume ist somit, insbesondere vor dem Hintergrund ihres mitunter
schlechten Erhaltungszustandes, nur noch bedingt gegeben. Die zumeist schlechte Konstitution die-
ser Exemplare geht z. T.mit umfangreichen Vorschäden einher, welche ihre Erhaltensfähigkeit begren-
zen. Somit ergab sich aus der Begutachtung bei insgesamt 40 Bäumen das Bild eines niedrigen Erhal-
tungswertes, der sich aus kaum bis nicht mehr ausreichenden Erhaltungszuständen, einer reduzierten
Erhaltenswürdigkeit und einer bereits begrenzten Erhaltensfähigkeit zusammensetzt.
In der nachstehenden Übersicht sind die an den Bäumen des Platanenhain ermittelten Zustände gra-
fisch dargestellt. Eine Erläuterung der Klassifikation ist in Kapitel 4.1.4 gegeben (S. 24 ff.).
SACHVERSTÄNDIGENBÜRO FÜR URBANE VEGETATION
Projekt-Nr. 218. 0406 Seite 65 von 181
N
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N.
j
10
H-
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nl.
ri
Abb. 52. Übersichtsplan des Platanenhain mit nach Kategorien zugeordneten Bäumen. Grüne Markierungen '
stehen für Bäume der Kategorie 0, grün-gelbe Markierungen für Bäume der Kategorie 1, gelbe Markierungen für
Bäume der Kategorie 2, gelb-rote Markierungen für Bäume der Kategorie 3 und rote Markierungen für Bäume
der Kategorie 4. Zur Erläuterung der Klassifikation siehe Kapitel 4.1.4 (5. 24 ff.).
SACHVERSTÄNDIGENBÜRO FÜR URBANE VEGETATION
Projekt-Nr. 218 0406 Seite 66 von 181
8.2 Beurteilung des Standortes
8.2.1 Altbestand
Der Standort des Platanenhain ist in jeglicher Hinsicht ein Extremstandort. In großen Teilen besteht
der Platz aus dem sogenannten Bessunger Kies, ein sandig-kiesiges Substrat, welches besonders in
den oberen 30 cm extrem verdichtet ist. Dadurch dringt kaum Luft und Wasser in den Boden und nur
sehr wenig Wasser kann aufgrund der groben Bodenart und des hohen Skelettanteils gespeichert
werden.
Weiterhin ist die Gesamtnährstoffausstattung aufgrund des geringen Anteils organischer Substanz
und dem geringen Anteil an Feinboden niedrig. Das grobe, feinkornarme Substrat besitzt nur wenige
zur Verfügung stehende Austauscherplätze. Außerdem wurde dem Boden über Jahrzehnte durch die
Beseitigung der Streu und dem Schnitt der Bäume Nährstoffe entzogen. Der Boden ist dadurch weiter
an Nährstoffen verarmt. Hinzu kommt, dass durch die geringe Wasserversorgung der Wurzeln nur
wenige Nährstoffe aufgenommen werden können.
Insgesamt ist der Boden auffallend gering durchwurzelt. In weiten Teilen ist das Substrat so stark ver-
dichtet, dass ein Eindringen der Wurzeln bereits rein mechanisch stark gehemmt ist. So befinden sich
lediglich in den Grenzbereichen zwischen zwei Auftragsschichten (im Regelfall zwischen dem ersten
und zweiten Horizont in ca. 5 bis 10cm Tiefe) Wurzeln, wo diese das Regenwasser abgreifen. Wei-
terhin haben die Wurzeln regelmäßig dort Nischen erschlossen, wo Zwischenräume oder eine etwas
lockerere Sandschicht ein Eindringen ermöglichte.
Es bleibt die Frage, wie die Platanen mit einem so geringen Wurzelvolumen zurecht kommen. Eine
Erklärung ist, dass wesentliche Wurzelvorkommen sich auf Bereiche erstrecken, die bei den sechs Pro-
filgrabungen nicht berührt wurden, wie z.B. die an den Platz angrenzenden Flächen. Eine weitere Er-
klärung ist, dass die Platanen nur ein geringes Wurzelvolumen benötigen, um die durch Schnitt klein
gehaltenen Kronen zu versorgen.
Die Gründe für die geringe Vitalität von knapp einem Viertel der Platanen ist bei der geringen Durch-
wurzelbarkeit des Bodens und den damit verbundenen massiven Bodenbelüftungsstörungen, dem
Trockenstress und dem Nährstoffmangel ihrer Standorte zu suchen.
SACHVERSTÄNDIGENBÜRO FÜR URBANE VEGETATION
Projekt-Nr. 218 0406 . Seite 67 von 181
Die Platane ist in ihrer genügsamen Art eine der wenigen Baumarten, die mit solch extremen Be-
dingungen zurecht kommen kann. Immerhin befinden sich 43% der Platanen in einem sehr guten
oder guten Zustand (vgl. Kap. 5.2, S.37). Jedoch können an so aihem Grenzstandort durch geringe
Unterschiede in den Gegebenheiten die Grenze dessen, was die Platane überhaupt noch zu ertragen
vermag, leicht überschritten werden.
Auch wenn es sich über weite Teile des Platzes scheinbar um ein einheitliches Substrat handelt, wur-
den partiell andere Substrate eingetragen. So wurden sandige Horizonte mit geringem Skelettan-
teil ausfindig gemacht, Substrate mit oder ohne Kalkanteil und steinige Schichten natürlichen oder
anthropogenen Ursprungs. Weiterhin scheint in den äußeren Randbereichen der Verdichtungsgrad
partiell geringer zu sein als auf dem Rest der Fläche. Solche kleinräumigen Unterschiede können aus-
schlaggebend dafür sein, dass eine Platane an dem Standort noch zurecht kommt und eine andere
Platane direkt daneben abgängig ist.
Auffällig ist die vergleichsweise hohe Vitalität der Randbäume. Die Bodenprofile selbst geben keinen
Aufschluss darüber, warum die meisten Randbäume deutlich vitaler sind als die Bäume im inneren
Bereich. Die Wasserleitfähigkeit, Luftleitfähigkeit, Lagerungsdichte und auch die Rammsondierungen
an den Bäumen 168 und 176 zeigen jedoch, dass im Randbereich die Verdichtung zumindest parti-
ell weniger stark.ist (vgl. Kap. 5.5 (S.57), Kap. 5.6 (5.57), Kap. 5.8 (5.58), Kap. 6.1 (S.60)). Zudem sollte
der Platz nicht isoliert betrachtet werden. Zumindest im östlichen Teil des Platzes haben die Platanen
die Möglichkeit, in angrenzende Bereiche einzuwachsen und ihren Wurzelraum dadurch zu erwei-
tern. Aufgrund der Vitalität der Randbäume steht zu vermuten, dass sie dort einen geeigneten Boden
erschlossen haben.
8.2.2 Neupflanzungen
Die Analysen des Baumsubstrates Gelsenrot zeigen in Bezug auf den Wasser- und Lufthaushalt durch-
weg eine gute Qualität des Substrates. Ebenso erfolgte der Einbau fachgerecht, das heißt, es hat kei-
ne Überverdichtung des Substrates stattgefunden. Die Bodenanalysen geben einen Hinweis auf eine
geringe Verfügbarkeit der Hauptnährelemente Stickstoff, Phosphor und Kalium. Dies ist anhand von
Blattanalysen zu verifizieren.
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Projekt-Nr. 218 0406 Seite 68 von 181
Die Schürfe zeigen, dass das Baumsubstrat von den Baumwurzeln gut angenommen wurde (vgl. Kap.
5.3, 5.42). Somit ist die Ursache für das Kümmern der Neupflanzungen in erster Linie in der Wasser-
versorgung sowie eventuell auch in der Nährstoffversorgung zu suchen. Im Sommer 2018 hätten bei
der aktuellen Wetterlage schätzungsweise zwei Mal im Monat rund 100 | pro Baum gewässert werden
müssen.
Bei älteren Pflanzungen, bei denen die Bäume ihre Pflanzgrube vollständig durchwurzelt haben, liegt
das stagnierende Wachstum an der schlechten Qualität des umgebenden Substrates (vgl. Kap. 8.2.1).
Für weitere Jungbäume, die in andere Substrate gepflanzt worden sind und eine geringe Vitalität auf-
weisen, muss die Frage nach den Ursachen aktuell unbeantwortet bleiben.
8.3 Ausblick
Bereits ohne den Rückgriff auf die Ergebnisse der bodenkundlichen Untersuchungen ist an den Bäu-
men deutlich erkennbar, dass ihnen die Bedingungen innerhalb der Anlage kaum zuträglich, biswei-
len sogar abträglich sind. Die Altersstruktur und die Erhaltungszustände des Bestandes offenbaren,
dass die ältesten dort vorhandenen Exemplare ihre Alterungsphase erreichen konnten bzw. dies noch
können, wohingegen die jüngeren Exemplare teilweise nicht einmal mehr ihre Reifephase erleben.
Aus der Historie des Platanenhain ergeben sich keine Hinweise darauf, dass zurückliegende Eingriffe
ursächlich für die nun erschwerten Wachstumsbedingungen der Bäume sind. Es ist jedoch anzuneh-
men, dass die Belastung der Fläche bei zurückliegenden Großveranstaltungen mit höchster Wahr-
scheinlichkeit das Maß des noch tolerierbaren überschritten haben dürfte. Ebenso tragen die durch-
weg hohen Besucherzahlen des Platanenhain ganz sicher nicht zu einer Verbesserung der Bedingun-
gen für die Bäume bei.
Dennoch ist es unwahrscheinlich, dass diese intensive Nutzung allein ein erfolgreiches Anwachsen
der Bäume verhindert, zumal die Fläche auch in früherer Zeit intensiv begangen worden sein dürf-
te und zahlreiche Bäume trotzdem ihre Reife- und Alterungsphase erreicht haben. Auch dies spricht
dafür, dass die grundsätzlichen Eigenschaften des Bodens am Standort im Zusammenspiel mit den
klimatischen Veränderungen unserer Zeit die dort frisch gepflanzten Jungbäume mittlerweile über
das Limit dessen treiben, was die Platane an einem solchen Standort noch ertragen kann.
SACHVERSTÄNDIGENBÜRO FÜR URBANE VEGETATION
Projekt-Nr. 218 0406 Seite 69 von 181
Sofern dieser Entwicklung nicht mit geeigneten (Sanierungs-)Maßnahmen entgegengesteuert wird,
ist das Voranschreiten einer Abwärtsspirale der Devitalisierung äußerst wahrscheinlich.
Im Untersuchungszeitraum war ein enormer Befallsdruck aller Platanen mit dem Blattbräunepilz Apio-
gnomonia veneta (Sacc. & Speg.) HÖHN festzustellen. Vor allem die Blätter der Oberkronen, an den jun-
gen Austrieben dieses Jahres, waren mit einem dichten Pilzmycel überzogen und insbesondere die
jüngsten Blätter beinahe durchgehend deformiert.
Wenngleich dieser Blattbräunepilz das Überleben einer Platane nicht unmittelbar gefährdet, so ist
sein massenhaftes Auftreten im Bestand ein weiterer Zeuge für den in Teilen lebensbedrohlichen Was-
serstress der Bäume. Ein zunehmender Wassermangel führt auch bei dieser ansonsten sehr robusten
Art zu einer erhöhten Anfälligkeit gegenüber schädigenden Einflüssen, wie dem Befall mit Schwä-
cheparasiten. Dies ist auch vor dem Hintergrund der ebenfalls im Bestand nachgewiesenen Massaria-
Krankheit kritisch zu bewerten.
Der pilzliche Schaderreger Apiognomonia veneta ist in der Anlage praktisch allgegenwärtig. Er verur-
sacht Rindennekrosen, die von den Blattstielen auf junge Zweige und von dort auf Äste übergreifen.
Insbesondere bei Kopfbäumen, denen wiederkehrend die in den Jahrestrieben eingelagerten Reser-
ven genommen werden, können diese Wunden kaum erfolgreich überwallt (geschlossen) werden.
Hinzukommend kann dieser Pilzbefall zu einem Absterben der Knospen führen, dessen Ursache eben-
falls Rindennekrosen in der Nähe zu den Knospen sind, und damit die Ausbildung regulärer Neuaus-
triebe nachhaltig verhindern.
Dies verdeutlicht die Notwendigkeit dafür, die Standortbedingungen der Bäume zu ihrem weiteren
Erhalt zu verbessern und zeichnet ein erstes Bild von der Zukunft der Anlage ohne standortverbes-
sernde Eingriffe. Es ist äußerst unwahrscheinlich, dass Nachpflanzungen auf der Fläche unter den ge-
gebenen Bedingungen jemals wieder Bestand haben werden. Nachweislich vermögen es auch aus-
reichend gute Pflanzsubstrate und zusätzliche Bewässerungsgänge nicht diese Tendenz umzukehren.
Daher erscheint eine Aufarbeitung der Fläche unausweichlich, wobei sich diese vordringlich dem in-
neren Bereich mit den dort vielfach abzusehenden Neupflanzungen widmen sollte.
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Projekt-Nr. 218 0406 Seite 70 von 181
9 Sanierungsmöglichkeiten
9.1 Zielsetzung
Bei einem Kronendurchmesser von 5 m beträgt das mindestens benötigte durchwurzelbare Bodenvo-
lumen pro Platane schätzungsweise 6 m? (KoPINGA 1991). Wie viel Bodenvolumen pro Baum tatsäch-
lich durchwurzelt ist, lässt sich anhand der punktuellen Schürfe nicht feststellen. Die mangelnde Vi-
talität der Bäume zeigt allerdings, dass das Wurzelvolumen bei vielen Bäumen offensichtlich nicht
ausreicht um diese ausreichend zu versorgen. Ziel der Sanierungsmaßnahmen muss es somit sein,
dauerhaft gut durchwurzelbaren Raum zu schaffen. Generell ist der Bodengasaustausch zu fördern,
der Trockenstress zu beheben und die Nährstoffsituation nach Bedarf zu entspannen.
Im Folgenden werden verschiedene Möglichkeiten der Sanierung des Platanenhain vorgestellt. Ein
Vorschlag setzt den partiellen Austausch der Platanen voraus, weitere Optionen beinhalten den Er-
halt der Bäume. Eine denkmalpflegerische Vorgabe ist die Gestaltung des Platzes mit einer Kiesdecke.
Weiterhin sollte ein oberflächennahes Wachstum der Wurzeln verhindert werden, um eine zukünftige
Stolpergefahr zu vermeiden und der Platz sollte für Pflegearbeiten befahrbar bleiben.
9.2 Neu-und Ersatzpflanzungen
Die fachliche Begutachtung der Bäume auf dem Platanenhain hat u.a. ergeben, dass etwa
- 78% aller Bäume einen sehr guten bis durchschnittlichen Erhaltungszustand
aufweisen (138 Exemplare). Ihre Erhaltensfähigkeit ist derzeit nicht begrenzt.
. 14% aller Bäume einen unterdurchschnittlichen bis mangelhaften Erhaltungszustand
aufweisen (25 Exemplare). Ihre Erhaltensfähigkeit ist auf etwa fünf bis zehn Jahre begrenzt.
- 8% aller Bäume so stark geschädigt sind, dass ihre notwendige Entnahme innerhalb
der kommenden drei bis fünf Jahre anzunehmen ist (15 Exemplare).
Den Schädigungsgraden nach zu urteilen, werden somit innerhalb der kommenden 10 Jahre bis zu
40 Platanen ersetzt werden müssen. Dabei ist zu beachten, dass diese Einschätzung vordergründig
nach baumbiologischen sowie nach baumfachlichen und nicht nach denkmalpflegerischen oder na-
turschutzfachlichen Aspekten erfolgt.
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Projekt-Nr. 218 0406 Seite 71 von 181
Hierauf ist deshalb hinzuweisen, da der Erhalt von Bäumen insbesondere in denkmalgeschützten An-
lagen oftmals auch dann noch angestrebt wird, wenn ein vergleichbarer Baum an anderer Stelle be-
reits entnommen worden wäre.
So ist es bei den hier in Frage stehenden Bäumen, zumindest jenen der Kategorie 3 (rot-gelbe Markie-
rungen) durchaus denkbar, diese grundsätzlich so lange baumpflegerisch zu begleiten und in einem
verkehrssicheren Zustand zu halten, bis sie nicht wieder austreiben und endgültig niedergehen. Dies
kann sich im Einzelfall auch über einen Zeitraum von mehr als zehn Jahren hinziehen. Dem gegenüber
steht ein dann jedoch womöglich getrübtes Erscheinungsbild der Anlage durch Baumruinen, was bei
einer Entscheidung über den Erhalt oder die Entnahme eines Baumes abzuwägen wäre.
Unabhängig davon werden in den kommenden Jahren regelmäßig Bäume auf der Fläche entnommen
werden müssen und neue Bäume nachgepflanzt. Dabei ist es enorm wichtig Ausgangsbedingungen
zu schaffen, die den jungen Bäumen zukünftig eine gesunde Entwicklung ermöglichen. Bereits vor
dem Hintergrund der zu erwartenden klimatischen Veränderungen, muss vor allem eine ausreichen-
de Wasserversorgung gewährleistet sein.
Im Idealfall durchströmen die eingetragenen Wassermengen den Boden am Standort und leiten die
Wurzeln damit in die Tiefe, so dass sich ein Baum bereits nach der Zeit der Fertigstellungs- und Ent-
wicklungspflege weitestgehend unabhängig von zusätzlichen Wassergaben selbst versorgen kann.
Vor diesem Hintergrund ist eindringlich darauf hinzuweisen, dass die fachlichen Hinweise bezüglich
der Anzahl der Bewässerungsgänge in den ersten drei Jahren nach der Pflanzung (und darüber hin-
aus) mit den „Empfehlungen für Baumpflanzungen, Teil 1“ der FL bereits 2015 den immer länger
werdenden Trockenperioden angepasst wurden.
Danach sind für die ersten fünf Jahre nach der Pflanzung, in Abhängigkeit der Baumart und der Be-
dingungen des Standortes, bis zu 16 Bewässerungsgänge ä 1001 vorgesehen. Ein wesentliches Un-
terschreiten dieser Vorgaben ist bei Neupflanzungen ebenso zu verhindern, wie jene aus Teil 2 der
zuvor genannten Empfehlungen (FLL 2010), nach denen u.a. 12 m? als Mindestmaß für die Größe des
dauerhaft gut durchwurzelbaren Bodenvolumens eines Baumes zählen. Die Eigenheiten der hier be-
trachteten Fläche begründen zunächst einmal keine Abweichungen von diesen Standards.
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Projekt-Nr. 218 0406 Seite 72 von 181
9.2.1 Pflanzware
In Abhängigkeit der absehbaren Menge an neuen Platanen sollte ein Anzuchtvertrag mit einer Baum-
schule abgeschlossen werden. Die dort in einem eigens hergestellten Quartier herangezogenen Bäu-
me werden bereits in der Baumschule auf den Kopfschnitt vorbereitet und können von dort sukzessive
auf den Platanenhain verpflanzt werden.
Es ist zudem unabdingbar, dass die Pflanzware von hoher Qualität ist. Entsprechend sollte die belie-
fernde Baumschule mit Bedacht ausgewählt werden. Sehr gute Erfahrungen liegen mit der Baum-
schule Bruns in Bad Zwischenahn vor, die nach Auskunft von Herrn Volker Rahenbrock auch für den
Platanenhain ausreichende Kapazitäten zur Verfügung stellen könnte. Die Baumschule weist darauf
hin, dass (generell) zwischen der Einrichtung eines Quartiers und der Lieferung der ersten Bäume ein
Zeitraum von etwa zwei bis drei Jahren liegen wird und betont ausdrücklich die Wichtigkeit von fach-
gerechten Pflege- und Schutzmaßnahmen der jungen Bäume nach ihrer Pflanzung.
9.3 Option 1: Belüftungslöcher
Die Messung der Lagerungsdichte in 50cm Tiefe und die Messung des Bodenwiderstandes mittels
Rammsondierung haben ergeben, dass ab ca. 50 bis 60 cm die Dichte des Bodens abnimmt. Durch
die Installation von Belüftungslöchern ist es möglich, die stark verdichteten oberen Bodenschichten
zu durchbrechen und Wasser und Luft in die lockereren Bereiche darunter zu lenken. Dadurch gewin-
nen diese an Attraktivität für Wurzeln, so dass der durchwurzelbare Raum der Bäume erweitert wird.
Zudem werden die Wurzeln durch diese Maßnahme in die Tiefe geführt.
Wenn die Löcher mit einem Baumsubstrat gefüllt werden, das in seinen Eigenschaften weitestgehend
konform mit den Vorgaben der FLL-„Empfehlungen für Baumpflanzungen“ ist, wird durch das Volu-
men der Belüftungslöcher das durchwurzelbare Bodenvolumen unmittelbar erweitert. Weiterhin wird
aufgrund des hohen Wasserspeichervermögen des neuen Substrats die Wasserspeicherkapazität er-
höht, so dass den Bäumen in trockenen Phasen mehr Wasser zur Verfügung steht.
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Projekt-Nr. 218 0406 Seite 73 von 181
In Anlehnung an die Hinweise der RAS-LP 4 (FGsv 1999) wird empfohlen, jeweils acht Belüftungslöcher
mit einem Durchmesser von 40 cm in einem Abstand von 1,50 m zum Stammfuß um die Bäume herum
zu installieren (vgl. Abb. 53). Die Löcher sollten zudem in Anlehnung an die Vorgaben der „Empfeh-
lungen für Baumpflanzungen, Teil 2“ (FLL 2010) nach Möglichkeit eine Tiefe von 1,50 m erreichen. Bei
diesem Installationsdesign wird mittels der Belüftungslöcher ein Bodenvolumen von 1,5 m? pro Baum
unmittelbar saniert.
Abb. 53. Vorschlag für die Installation der Belüftungslöcher (blau).
Da die Platzfläche für Pflegearbeiten weiter befahrbar sein muss, sind die Löcher mit einem grob-
körnigen Substrat zu verfüllen, dass eine Überverdichtung ausschließt. Die gängigen Pflanzsubstrate
sind für den Einbau unter einer Tragschicht konzipiert und nicht zum direkten Befahren. Das heißt,
dass diese Substrate durch Befahrung über die empfohlenen 95% DPr verdichtet werden können.
Dadurch geht Luftporenvolumen verloren und es kommt zu einer Sackung des Materials. Daher ist
auf dem Platz für die Belüftungslöcher ein nicht überverdichtbares Korngemisch mit hoher Wasser-
speicherkapazität wie z.B: 16/32 mm aus Lava und Bims zu verwenden.
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Projekt-Nr. 218 0406 Seite 74 von 181
Hinzukommend ist dieses mit dauerhaft wirksamen Huminstoffen zur Erhöhung der Kationenaustau-
scherkapazität anzureichern (vgl. Kap. 9.9.2). Es ist darauf zu achten, dass alle weiteren Vorgaben der
FLL (2010) Berücksichtigung finden.
Die Installation der Belüftungslöcher kann mittels Kernbohrungen oder mit einem Saugbagger erfol-
gen. Aufgrund der hohen Dichtlagerung des Substrates muss dieses bei einem Saugbaggereinsatz
mit einem Pressluftspaten vorgelockert werden. Das heißt, dass die Möglichkeiten eines ausreichen-
den Wurzelschutzes im Bereich der herzustellenden Belüftunglöcher in beiden Fällen zwar begrenzt,
diese während der Arbeiten dennoch zu beachten sind.
Da bei den durchgeführten Schürfen nur sehr wenige Fein- und Schwachwurzeln, jedoch keine Grob-
und Starkwurzeln gefunden worden sind, erscheint der zu erwartende Schaden an den Wurzeln ver-
tretbar. Nichtsdestotrotz sollten die Bohrungen nacheinander in zwei bis drei aufeinander folgenden
Jahren durchgeführt werden, damit die Bäume die entstehenden Wurzelverluste ausgleichen können.
und nicht zusätzlich geschwächt werden.
Es ist anzuraten die Arbeiten bei feuchten Bodenverhältnissen, am besten im Frühjahr, durchzuführen.
Freigelegte Wurzeln sind soweit wie möglich gemäß den Vorgaben der ZTV-Baumpflege (FLL, 2017)
nachzubehandeln. Das heißt, dass sie sauber nachgeschnitten und mit einem Wundverschlussmittel
behandelt werden sowie vor Austrocknung zu schützen sind. Die Verletzung von Wurzeln oder ein
Verlust ist zu dokumentieren.
Da es sich um regelmäßig beschnittene Kopfplatanen handelt, wird ein Kronenausgleichsschnitt nicht
nötig sein, um eventuelle Wurzelverluste zu kompensieren. Um den fachgerechten Umgang mit den
Bäumen sicher zu stellen, sind die Arbeiten durch eine sachverständige Baumfachkraft zu begleiten.
9.4 Option 2: Offene Belüftungs- bzw. Wurzelgräben
Belüftungsgräben, auch Wurzelgräben genannt, beinhalten das gleiche Prinzip wie Belüftungslöcher:
Eine Erweiterung des durchwurzelbaren Raumes, die Erhöhung der Wasserspeicherkapazität und die
Belüftung der angrenzenden Bodenschichten. Die Maßnahme ist jedoch deutlich weniger stark lokal
begrenzt und bietet weitere Vorteile.
SACHVERSTÄNDIGENBÜRO FÜR URBANE VEGETATION ‘
Projekt-Nr. 218 0406 Seite 75 von 181
Es wird empfohlen, zwischen den Baumreihen jeweils einen Wurzelgraben mit einer Breite von 0,40 m
bis in eine Tiefe von 0,80 m zu installieren. Die Gräben verlaufen kreuzförmig zueinander (vgl. Abb. 54,
Skizze zur Veranschaulichung). Die tatsächliche Lage und Länge der Gräben ist an die Gegebenhei-
ten vor Ort, wie z.B. Elektroleitungen und Kunstwerke anzupassen und muss entsprechend geplant
werden.
Abb. 54. Vorschlag für die Anlage der Belüftungsgräben (blau).
Die Installation erfolgt unter größtmöglicher Schonung der Wurzeln mit einem Saugbagger (u. a. durch
Untersaugung von kreuzenden Wurzeln). Die Gräben werden mit einem grobkörnigen mit dauerhaf-
ten Huminstoffen angereichertem Baumsubstrat (16/32 mm Korngemisch ohne Nullkorn-Anteil mit
hoher Wasserspeicherkapazität, vorzugsweise auf Lava-Bims-Basis) gefüllt und auf 95% DPr verdich-
tet (vgl. Kap. 9.3). Bei diesem Installationsdesign wird mittels der Wurzelgräben ein Bodenvolumen
von etwa 3 m? pro Baum unmittelbar saniert.
Um die Folgen für die Bäume durch entstehende Wurzelverluste möglichst gering zu halten, sollten
die Arbeiten sukzessive in vier aufeinander folgenden Jahren durchgeführt werden.
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Projekt-Nr. 218 0406 Seite 76 von 181
Dabei wird im ersten Jahr ein Graben in jeder zweiten Reihe in Längsrichtung installiert, im zweiten
Jahr in jeder zweiten Reihe in Querrichtung und im dritten und vierten Jahr die Gräben in den jeweils
ausgesparten Reihen hergestellt. Für die Installation der Belüftungsgräben sind die in Kapitel 9.3 ge-
machten Vorgaben zu berücksichtigen.
9.5 Option 3: Bedeckte Belüftungs- bzw. Wurzelgräben
Die offenen Belüftungsgräben, wie sie in Option 2 vorgestellt wurden, werden sich optisch von der
wassergebundenen Decke abheben. Wenn dies aus denkmalpflegerischer Sicht nicht tolerierbar ist,
dann sollten die Gräben ca. 1,20 m tief ausgehoben werden und über dem eingebauten Pflanzsub-
strat der Einbau einer wassergebundenen Decke mit Trag- und Deckschicht, wie er im nachfolgenden
Kapitel 9.6 beschrieben ist, erfolgen. Die Gräben können in diesem Fall mit einem 0/32 mm Kornge-
misch gemäß der Empfehlungen für überbaubare Pflanzgruben der FLL (2010) verfüllt werden.
Da sich die Durchlässigkeitswerte einer wassergebundenen Decke mit der Zeit jener einer Asphaltde-
cke angleichen, müssen Belüftungseinrichtungen installiert werden, um das Eindringen von Wasser
und den Gasaustausch bereits mittel- und vor allem langfristig zu ermöglichen. Daher wird empfoh-
len entlang der Gräben etwa alle 2,50 m ein geschlitztes Belüftungsrohr gemäß den Vorgaben der FLL
(2010) einzusetzen, das die Belüftung des Baumsubstrates gewährleistet.
Aufgrund des Oberflächenabriebs der wassergebundenen De-
cke besteht ein Risiko dafür, dass die Belüftungsrohre nach und
nach ihre Funktionen einbüßen. Um dies zu vermeiden, können
einfache Edelstahlschwämme unter deren Endkappen gesetzt
werden, die als Schmutzsammler wirken und in regelmäßigen
Abständen (z.B. einmal jährlich) ausgetauscht werden. Alterna-
tiv lassen sich die Belüftungsrohre mit einem speziell hierfür er-
hältlichen Spiralbohrer (vgl. Abb. 55) oder einem Industriesau-
- In >
Abb. 55. Spiralbohrer zur Reini- Yer reinigen. Ohne diese Vorkehrungen und ihre regelmäßige
gung der Belüftungslöcher (Foto: Funktionsüberprüfung werden die Bestrebungen zur Aufwer-
Funke-Kunststoffe GmbH).
tung der Standorte ansonsten konterkariert.
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Projekt-Nr. 218 0406 Seite 77 von 181
9.6 Option 4: Flächiger Bodenaustausch
Diese Option zur Sanierung des Platanenhain setzt die Entnahme der vier mittleren Platanenreihen
voraus, so dass eine annähernd geschlossene, zweireihige Allee alter Platanen im Randbereich des
Platzes erhalten bliebe (vgl. Abb. 56). Nach der Entnahme der Bäume wird das Substrat bis 1,50 m
Tiefe ausgetauscht.
Abb. 56. Bereich (blau), in dem gemäß Option 3 ein kompletter Bodenaustausch stattfinden soll,
Das Auskoffern der Fläche erfolgt im Innenbereich mit einem Bagger, ab einer Distanz des vierfachen
Stammumfangs der Platanen mit einem Saugbagger. Wie nah an die stehenden Bäume die Fläche
ausgeschachtet werden kann, hängt vom tatsächlichen Wurzelverlauf der Bäume ab und muss vor
Ort durch eine begleitende Baumfachkraft entschieden werden.
Nach dem Auskoffern wird die Grube mit einem Baumsubstrat für überbaubare Pflanzgruben gemäß
FL (2010) bis zur geplanten Einbautiefe der Tragschicht aufgefüllt und auf 95% DPr (EV2 > 45 MN/m?)
verdichtet. Das Pflanzsubstrat (VulkaTree L 0/32 von VulkaTec oder vergleichbares Produkt) sollte mit
dauerhaft wirksamen Huminstoffen angereichert sein (vgl. Kap. 9.9.1).
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Projekt-Nr. 218 0406 Seite 78 von 181
Auf das Pflanzsubstrat ist eine 10cm dicke Packlage mit einem 16/32 mm Korngemisch aufzutragen.
Diese Packlage erleichtert den Transport von Luft unterhalb der wassergebundenen Decke.
Auf die Packlage wird ein Geotextil gelegt, welches ein Einschlämmen von Feinkorn aus dem Oberbau
in die Packlage verhindert. Auf das Geotextil kommt eine wassergebundene Wegedecke in 2- oder 3-
Schichtbauweise gemäß den Vorgaben der FLL (2007). Der Oberbau sollte möglichst grobkörnig sein,
um dauerhaft eine entsprechend hohe Wasser- und Luftdurchlässigkeit des Substrates zu gewährleis-
ten.
Der Bau und die Unterhaltungspflege der wassergebundenen Decke sollte gemäß der Empfehlungen
im „Fachbericht zu Planung, Bau und Instandhaltung von Wassergebundenen Wegen“ (FLL 2007) er-
folgen. Wie bereits zuvor beschrieben, müssen bei allen Arbeiten die Belange des Baumschutzes be-
rücksichtigt und zu deren Überwachung eine sachverständige Baumfachkraft eingesetzt werden.
Da wassergebundene Wegedecken trotz optimaler Bauweise und Pflege mit der Zeit ihre Durchlässig-
keit verlieren, sollte jeweils zwischen zwei Bäume und in die Mitte von vier Bäumen ein Belüftungsrohr
gemäß FLL (2010) gesetzt werden, um die dauerhaft ausreichende Belüftung des Baumsubstrates zu
gewährleisten (vgl. Kap. 9.5). Diese Einbauten sind wie in Kap. 9.5 beschrieben zu pflegen, um ihre
Funktionsfähigkeit dauerhaft zu gewährleisten.
In die so wieder hergestellte Platzfläche können nun entsprechend der „Empfehlungen für Baum-
pflanzungen“ der FLL (2010), „Pflanzgrubenbauweise 2“, neue Bäume gepflanzt werden (vgl. Kap. 9.2).
9.7 Option 5: Druckluftlanzen
2011 hat das Büro Leitsch eine Bodenlockerungsmaßnahme mit einer Terralift-Luftdruck- lanze in-
klusive Düngung mit Baumfutter® durchgeführt. Diese Maßnahmen haben nach Aussage des Grün-
flächenamtes der Stadt Darmstadt keine sichtbare Verbesserung gebracht. Der jetzige Zustand der
Bäume und die Ergebnisse der bodenkundlichen Untersuchungen bestätigen diesen Eindruck. Es ist
also davon auszugehen, dass eine weitere Sanierung mittels Druckluftlanzen zu keiner Verbesserung
der Situation führen wird. Daher wird diese Art der Sanierung hier nicht empfohlen.
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9.8 Bewässerungskonzept
9.8.1 Zielsetzung
Die geringe Wasserspeicherkapazität des Bodens und die angesichts des Klimawandels zu erwarten-
den häufiger werdenden Trockenperioden machen eine Bewässerung des Platanenhain unabding-
bar. Um auf Dauer Kosten zu sparen und den Platanen zur richtigen Zeit die richtige Menge Wasser
zur Verfügung zu stellen, ist ein fest installiertes Bewässerungssystem sinnvoll.
Das Bewässerungskonzept sollte eine flächige Bewässerung ermöglichen, ohne zusätzliche Eingriffe
in den Wurzelraum installiert werden können und langfristig funktionieren. Gängige unter Flur ver-
laufende Bewässerungssysteme kommen daher nicht in Frage, da sie einen zusätzlichen erheblichen
Eingriff in den Wurzelraum bedeuten und durch wachsende Wurzeln sowie Ablagerungen in den Lei-
tungen langfristig keine gleichmäßige Bewässerung gewährleistet werden können.
Lokale Wassergaben in Stammnähe z.B. manuell oder mit Hilfe von Bewässerungssäcken sind nicht
zielführend, da sich die Wurzeln weit in der Fläche verteilen. Lokal begrenzte Wassergaben könnten
zur Folge haben, dass sich die Wurzeln auf die bewässerten Bereiche konzentrieren, was auf Dauer
höhere Wassergaben wahrscheinlich macht. Unter Berücksichtigung dieser Vorgaben hat das Unter-
nehmen ARBOR revital ein Bewässerungskonzept erarbeitet, das im Folgenden vorgestellt wird.
9.8.2 Zusatzbewässerung durch mobile Regner
Der Erfahrung nach eignen sich einfache mobile Standregner, welche in Abhängigkeit zu ihrem Was-
serdurchlauf und der Aufnahmerate des Standortes für mehrere Stunden am gleichen Standort ver-
bleiben bis die Gehölze ausreichend versorgt sind, am besten für ergänzende Wässerungsgänge.
Die Wassermenge ist dabei nicht pro Baum zu kalkulieren, sondern mit Blick auf die Niederschlags-
menge in Liter/m?, Durch das einmalige Auslitern der Regner mit handelsüblichen Regenmessern (3
bis 5 Stück im Aktionsradius der Standregner) kann beispielsweise die Wassermenge pro Quadratme-
ter und Stunde festgehalten werden.
SACHVERSTÄNDIGENBÜRO FÜR URBANE VEGETATION
Projekt-Nr. 218 0406 Seite 80 von 181
Von regelmäßigen Bewässerungsaktionen mit pauschalen Wassermengen oder festterminierten Gieß-
zeitpunkten wird dringend abgeraten, da diese Herangehensweise nicht dem realen Bedarf der Ge-
hölze entsprechen kann. Ferner liefe man Gefahr, die in den letzten Jahrzehnten ausgebildete stand-
ortspezifische Trockentoleranz der etablieren Gehölze (induzierte Resistenz) durch zu häufige, ver-
gleichsweise kleine Gaben herabzusetzen und/oder eine oberflächennahe Wurzelentwicklung wei-
terhin zu begünstigen.
In Anbetracht der hoch verdichteten Standorte ist im schlimmsten Fall, bei falsch eingeschätztem Be-
darf, ebenfalls Staunässe und daraus resultierende Sauerstoffarmut im Wurzelraum mit den bekann-
ten negativen Folgen nicht auszuschließen. Für die bedarfsgerechte Versorgung der Platanen bzw.
zur Orientierung, wann und Wie viel gegossen werden sollte, können Feuchtesensoren einen signi-
fikanten Beitrag leisten. Mit deren Hilfe können negative Folgen durch einen falsch eingeschätzten
Bedarf vermieden und Gießwasser ressourcenschonend eingesetzt werden.
9.8.3 Bewässerungssteuerung mit Feuchte-Sensoren
Zur langjährigen Beurteilung des Bodenwasserhaushaltes, zur Steuerung von Gießgängen und zur
abschließenden Bewertung der baumumfeldverbessernden Maßnahmen sollten an verschiedenen
Punkten auf dem Gelände Bodenfeuchte-Sensoren (Tensiometer nach dem Prinzip der Gipsblockelek-
trode) dauerhaft installiert werden.
Die Installation der Sensoren sollte in drei unterschiedlichen Tiefen (vorzugsweise in den Tiefen 30,60,
80-90 cm) in definierten Abständen vom Baum erfolgen, um die Situation nach Wassereintrag durch
externe Gaben oder natürlichen Niederschlag richtig bewerten zu können.
Hierzu ist ein einzelner Sensoren-Wert nicht geeignet, dieser respektive häufig fehleranfällig, wes-
halb dringend mehrere Messpunkte (jeweils in drei Tiefen) auf dem Gelände einzurichten sind. Erst
durch die Bildung verlässlicher Mittelwerte aus den Einzelwerten von Sensoren in identischer Tiefe
(z.B. 30 cm) können sichere Gießempfehlungen abgeleitet werden. Anzuraten sind zehn Messpunkte
auf dem Gelände - davon fünf im direkten Baumumfeld, etwa 1,0 m vom Stamm entfernt und weitere
fünf Punkte exakt zwischen zwei Gehölzen (vgl. Abb. 57).
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Projekt-Nr. 218 0406 Seite 81 von 181
Im Zeitraum von März bis November sollte die
Bodenfeuchte einmal in der Woche durch das
Auslesen der Sensoren ermittelt werden. Ziel
der regelmäßigen Datenerfassung ist es, trocke-
ne Zeiträume im Jahresverlauf, die „Trockentä-
ler“, sicher zu identifizieren, um anschließend
gegensteuern zu können. Verallgemeinerungen
Abb. 57. Schematische Anordnung der Feuchtesenso- zu Gießzeitpunkten und -mengen sind schon al-
ren im Platanenhain der Mathildenhöhe in Darmstadt.
Aufnahme: 8. Oktober 2018, A. Borgmann gen. Brüser.
leine aufgrund der jährlich variierenden Nieder-
schlagsmenge und -verteilung kaum möglich.
Annäherungsweise dürften in „normalen Jahren“ zwei bis drei Bewässerungsgänge mit ca. 50 I/m?
nötig sein, um trockene Perioden zu überbrücken. Die Jahre 2017 (sehr viel Niederschlag in Nord-
deutschland) und 2018 (ohne nennenswerte Niederschläge in vielen Regionen Deutschlands) gelten
aus klimatischer Sicht jedoch schon jetzt als Ausnahmejahre.
9.9 Düngung und Bodenhilfsstoffe
9.9.1 Mykorrhiza
Es wird empfohlen, das bei der Sanierung neu eingebrachte Substrat mit Endo-Mykorrhiza für Laub-
bäume anzureichern. Mykorrhizen sind sehr verdichtungsempfindlich, daher ist am Platanenhain von
suboptimalen Mykorrhizierungsgraden auszugehen. Der Impfstoff sollte den Vorgaben der „Empfeh-
lungen für Baumpflanzungen“ der FLL (2010, 2015) entsprechen.
Die Aufwandmenge erfolgt nach Herstellerangaben. Für Endo-Mykorrhiza der GEFA Produkte Fabritz
GmbH werden beispielsweise je 10cm Stammdurchmesser 375 ml Impfstoff ausgebracht - bei den
Platanen mit ca. 40 cm Durchmesser sind dies beispielsweise 1500 ml pro Baum. Der Impfstoff sollte
gleichmäßig auf das ausgetauschte Substrat verteilt werden. Die Ausbringung kann mit einem Spaten
in den oberen 10 bis maximal 30 cm erfolgen. Da Mykorrhizen ausreichend Sauerstoff benötigen, ist
ein tieferes Einbringen nur dann sinnvoll, wenn diese Bereiche ausreichend durchlüftet sind.
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9.9.2 Huminstoffe
Um den über Jahrzehnte verlaufenden Nährstoffentzug zu kompensieren wird empfohlen, die einge-
brachten Baumsubstrate mit Dauerhuminstoffen anzureichern. Dafür eignet sich als rein organischer
Stoff Xylit (Weichbraunkohle). Er erhöht die Kationenaustauschkapazität und damit die Verfügbarkeit
von Nährstoffen. Die in der Weichbraunkohle enthaltenen Huminsäuren werden im Boden kaum noch
weiter zersetzt (niedrige bakterielle Abbaurate).
Daher wirkt Xylit über einen sehr langen Zeitraum und ermöglicht den Einsatz auch in tieferen Bo-
denschichten. Das kann unter Anderem dazu genutzt werden, Wurzeln in bestimmte Richtungen und
Tiefen zu leiten. Dies sollte vor allem bei der Option 2 der offenen Belüftungsgräben bedacht werden.
Die Aufwandmenge ist abhängig von der Substratzusammensetzung (dabei vor allem vom Humusge-
halt). Bei dem Produkt Perlhumus der GEFA Produkte Fabritz GmbH liegt sie zwischen 5 und 10 kg/m?.
Bei rein mineralischen Substraten kann sie auf 20 kg erhöht werden. Daneben existieren Substrate,
die bereits mit Dauerhuminstoffen angereichert sind.
9.9.3 Kunstdünger
Die Bodenuntersuchungen geben Hinweise auf einen Nährstoffmangel des Standortes. Dieser sollte
allerdings aus den in Kapitel 6.2, 5.61 genannten Gründen anhand von Blattanalysen verifiziert bzw.
konkretisiert werden. Es ist anzuraten, für eine konkrete Düngeempfehlung Blattanalysen innerhalb
der folgenden drei Gruppen durchführen zu lassen:
1) Vitalere Altbäume
2) Weniger vitale Altbäume
3) Jungbäume (Neupflanzungen)
Die Blattproben sind bevorzugt im Hochsommer aus der Lichtkrone zu entnehmen, wobei eine Misch-
probe von zwei Ästen pro Baum mit insgesamt ca. 60 Blättern gebildet wird. Um verlässliche Werte zu
erhalten, sollten mindestens drei Bäume pro Gruppe beprobt werden (= neun Proben).
SACHVERSTÄNDIGENBÜRO FÜR URBANE VEGETATION
Projekt-Nr. 218 0406 Seite 83 von 181
Grundsätzlich ist davon auszugehen, dass durch die weiteren Sanierungsmaßnahmen das Problem
der Nährstoffversorgung bereits mittelfristig behoben wird. Durch die zu erwartende Zunahme der
Durchwurzelungsintensität des Bodens, durch die Mykorrhizierung und die gesteigerte Wasserver-
sorgung wird sich zugleich die Nährstoffversorgung der Platanen verbessern. Von länger anhaltenden
Düngemaßnahmen ist daher nicht auszugehen.
9.10 Kostenrahmen der Sanierungsmöglichkeiten
Im Folgenden wird der Kostenrahmen der jeweiligen Sanierungsmöglichkeiten anhand von Kosten-
voranschlägen und Einheitspreisen eingeschätzt und tabellarisch dargestellt. Dabei handelt es sich
lediglich um eine grobe Kostenschätzung im Zuge der Vorplanung auf Grundlage von rudimentären
Planungsdaten, die einer Entscheidungsfindung dienen soll.
Tabelle 8. Kostenschätzung der vorgestellten Sanierungsmaßnahmen.
Option 1 Option 2 Option 3 Option 4
von bis von bis von bis von bis
Bodenaushub 320.400€ 340.336€ 65.790€ 144.500€ 98.685 € 216.750€ 116.935€ 116.935€
Entsorgung des
Aushubs 13.051 € 18.040 € {inkl.) 26.286€ (inkl) 39.441 € {inkl.) (inkl.)
Belüftungsrohre
mit gelochtem
Gussoberteil, Bo-
denverankerung
und Filterstrumpf
_ — 20.010€ 20.010€ 22.080 € 22.080€
Baumsubstrat
anliefern und
einbauen 2142€ 21.492€ 43.063 € 43.063 € 43.063 € 43.063€ 178800€ 178.800€
Substrat
wassergebundene
Decke 9.399€ 9399 € 23.828€ 23.828€
Verfüllen und Wie-
derherstellung
der Fläche 22.693 € 22.693€ 60.336€ 60.336 €
Baumfällung 11,760€ 11.760€ 11.760€ 11,760€ 11.760€ 11.760€ 22932€ 22.932€
Baumpflanzung 120.000€ 220.000€ 120.000€ 220.000€ 120.000€ 220,000€ 234.000€ 429.000€
Gesamt 486.703€ 611.628€ 240.613€ 445.609€ 325.610€ 583.116€ 658.9I11I€ 853.911€
Die Kostenschätzung erfolgte auf der Basis von Nettopreisen.
Auf die Gesamtsummen ist jeweils die Mehrwertsteuer in Höhe von 19% hinzuzurechnen.
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Projekt-Nr. 218 0406 Seite 84 von 181
Zusätzliche Preisschwankungen können sich beispielsweise durch den Rückgriff auf favorisierte Sub-
strate oder durch spezielle Konditionen (z.B. im Rahmen von Anzuchtverträgen mit Baumschulen)
ergeben, die zum aktuellen Zeitpunkt jedoch noch nicht erkennbar sind. Daher wird im Folgenden
die Bandbreite der aktuell absehbaren Kosten betrachtet und diese gegen den jeweils zu erwarten-
den Nutzen abgewägt.
9.10.1 Option 1: Belüftungslöcher
Zur Sanierung des Platanenhain mit Hilfe von Belüftungslöchern sind Ausgaben in Höhe von etwa
486.703 € bis 611.628 € einzuplanen. Die damit voraussichtlich entstehenden Kosten liegen über je-
nen der Optionen 2 und 3, wobei der zu erwartende Gewinn der Option 1 für die gesamte Anlage
jedoch geringer einzuschätzen ist als bei der Herstellung von Belüftungs- bzw. Wurzelgräben.
9.10.2 Option 2: Bedeckte Belüftungs- bzw. Wurzelgräben
Zur Sanierung des Platanenhain mit Hilfe von offenen Belüftungs- bzw. Wurzelgräben sind Ausgaben
in Höhe von etwa 240.613 € bis 445.609 € einzuplanen. Die damit voraussichtlich entstehenden Kos-
ten liegen wahrscheinlich unter jenen der Optionen 1,3 und 4, wobei der zu erwartende Gewinn der
Option 2 für die gesamte Anlage zumindest höher als jener der Option 1 einzuschätzen ist.
9.10.3 Option 3: Offene Belüftungs- bzw. Wurzelgräben
Zur Sanierung des Platanenhain mit Hilfe von offenen Belüftungs- bzw. Wurzelgräben sind Ausgaben
in Höhe von etwa 325.619 € bis 583,116 € einzuplanen. Die damit voraussichtlich entstehenden Kos-
ten liegen wahrscheinlich über jenen der Option 2, wobei der zu erwartende Gewinn der Option 3 für
die gesamte Anlage allerdings höher als jener der Option 2 einzuschätzen ist.
9.10.4 Option 4: Flächiger Bodenaustausch
Zur Sanierung des Platanenhain mit Hilfe eines flächigen Bodenaustauschs sind Ausgaben in Höhe
von etwa 658.911 € bis 853.911 €einzuplanen. Die damit voraussichtlich entstehenden Kosten liegen
in jedem Fall deutlich über jenen der anderen Optionen, wobei der zu erwartende Gewinn der Option
4 für die gesamte Anlage jedoch nicht zugleich auch am höchsten einzuschätzen ist.
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Projekt-Nr. 218 0406 Seite 85 von 181
9.11 Erfolgsaussichten und Risikoeinschätzung
Die folgende tabellarische Gegenüberstellung der aufgezeigten Optionen 1-4 kann darüber hinaus
hilfreich dabei sein, wenn einzelne Positionen der Sanierungsvorschläge unabhängig von der Hand-
lungsempfehlung der Gutachter (S. 88) bei der Entscheidungsfindung zur Diskussion stehen und ge-
geneinander abgewägt werden sollen.
Tabelle 9. Gegenüberstellung der Erfolgsaussichten der vorgestellten Sanierungsmaßnahmen und Einschät-
zung ihrer zu erwartenden Auswirkungen (inkl. Kosteneinschätzung).
Option 1
Option 2
Zusätzlich durch-
wurzelbarer Raum
Wurzelverluste
Baumverluste
Erscheinungsbild
der Platzfläche
Erscheinungsbild
des Bestandes
Zusätzlicher
Pflegeaufwand
Längerfristige
Wirkung
Oberflächennahe
Wurzeln
erwartete Kosten
(ger. Mittelwert)
268m?
(1,5 m? pro Baum)
541m?
(3m? pro Baum)
gering bis mittel
durch lokale Verluste,
nicht zu verhindern
gering bis mittel
durch flächiges Arbeiten,
gut zu verhindern
Option 3 Option 4
541m? 3.160 m?
(3m? pro Baum)
gering bis mittel gering bei
durch flächiges Arbeiten, Bestandsbäumen,
gut zu verhindern
gut zu verhindern
nicht zu erwarten
nicht zu erwarten
nicht zu erwarten
76 Bäume
Belüftungslöcher
zumindest anfänglich
oberflächlich sichtbar
Gräben bleiben sichtbar
Keine Veränderung
Keine Veränderung
Wie bisher; höhere
Vitalität der Bäume in
etwa zwei bis drei Jahren
zu erwarten
Wie bisher; höhere
Vitalität der Bäume in
etwa zwei bis drei Jahren
zu erwarten
Wie bisher; höhere
Vitalität der Bäume in
etwa zwei bis drei Jahren
zu erwarten
Zweistufig vitaler
Bestand zu erwarten mit
umsäumenden
Altbäumen und jungen
Bäumen in der Mitte
nicht vorhanden nicht vorhanden Belüftungsrohre Belüftungsrohre
säubern säubern
Die Belüftungslöcher Die Belüftungsgräben Langfristige effektive Langfristige effektive
werden sich mit derZeit werden sich mit derZeit Wirksamkeit, setzt Wirksamkeit, setzt
mit Feinmaterial vonder mit Feinmaterialvonder jedoch die regelmäßige jedoch die regelmäßige
umgebenden wasser- umgebenden wasser- Kontrolle und Pflege der Kontrolle und Pflege der
gebundenen gebundenen Wege- Belüftungseinrichtun- Belüftungseinrichtun-
decke zusetzen, gen voraus. gen voraus.
Wegedecke zusetzen,
wodurch sich die
Durchlässigkeit
langfristig reduziert.
wodurch sich die Durch-
lässigkeit langfristig
reduziert, wenn auch in
geringerem Maße als bei
den Belüftungslöchern.
nicht zu erwarten
Entlang der
Gräben möglich.
nicht zu erwarten
nicht zu erwarten
549.000 €
343.000€
Die Kostenschätzung erfolgte auf der Basis von Nettopreisen.
454.500€
Auf die Gesamtsummen ist jeweils die Mehrwertsteuer in Höhe von 19% hinzuzurechnen.
756.500€
Die Kostenangaben enthalten keine Baunebenkosten, die im Zuge einer noch zu erstellenden Sanie-
rungsplanung erst näher eingegrenzt werden können.
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9.12 Erschließung des Platzes
Der hohe Verdichtungsgrad des Platzes schließt aus, dass dieser durch Befahrung noch höher verdich-
tet wird. Zum Vergleich: Unter heutigen Gesichtspunkten werden wassergebundene Wegedecken,
die von PKWs befahren werden sollen, auf 97% DPr verdichtet. Der Verdichtungsgrad auf der Fläche
liegt mit 100% DPr bereits über diesem Wert.
Eine Auflockerung des Substrates durch natürliche Mechanismen wie Regenwürmer oder Frostspren-
gung ist aufgrund des hohen Besucheraufkommens und die für Bodenorganismen lebensfeindlichen
Umstände nicht zu erwarten. Bei den Belüftungslöchern oder Belüftungsgräben ist ebenfalls keine
schädliche Bodenverdichtung durch Befahrung zu erwarten, wenn bei der Herstellung ein möglichst
grobkörniges Substrat (16/32 mm, ohne Feinanteil) verwendet wird.
Eine vorsichtige ganzflächige Befahrung des Platzes ist somit grundsätzlich möglich und ein festes
Wegenetz daher nicht notwendig. Lediglich die Bereiche hinter den äußeren Platanenreihen sollten
nicht befahren werden (sofern möglich), da hier teilweise geringere Verdichtungsgrade herrschen.
Hinzukommend sollten keine weiteren Großveranstaltungen auf dem Platz stattfinden, da diese eine
deutliche Mehrbelastung des Platanenhain bedeuten. Beim Einsatz von Fahrzeugen und Maschinen
ist gemäß den Vorgaben der FLL zu wassergebundenen Wegen (2007) folgendes zu beachten:
- Die Fahrzeuge sollten mit möglichst breiten Niederdruckreifen ausgestattet sein.
. Die Radlast darf maximal 2t, die Gesamtlast maximal 5 t betragen.
« Es darf nur in Schrittgeschwindigkeit gefahren werden, um eine Verschiebung des Deckmaterials
zu vermeiden.
- Bei Kurven sind möglichst große Radien zu wählen.
- Starkes Beschleunigen und abruptes Bremsen sind zu unterlassen.
. BeiFrostaufgang und Frost-Tauwechsel dürfen wassergebundene Wegedecken nicht befahren wer-
den.
- Vor Befahren der Fläche sind die Fahrzeuge auf Dichtigkeit (Öl-/Treibstoffverlust) zu überprüfen
und sie dürfen auf der Fläche weder betankt noch gewartet werden.
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10 Handlungsempfehlungen
10.1 Sanierung des Platanenhain
Unter Berücksichtigung sämtlicher Belange der Anlage und den Vorgaben der Stadt Darmstadt zur
Gestaltung der Fläche, empfehlen die Unterzeichner vor dem Hintergrund der vorliegenden Erkennt-
nisse die Umsetzung der zuvor aufgezeigten Option 3 (5. 77 ff.}. Eine Sanierung des Platanenhain mit
Wurzelgräben ist aus baumfachlicher und bodenkundlicher Sicht die am besten geeignetste Variante
zur dauerhaften Aufwertung dieses Standortes.
Das am Platanenhain anstehende Substrat weist durchgehend Eigenschaften auf, die den grundle-
genden Ansprüchen von Bäumen entgegenstehen. Hinzukommend verschärfen die klimatischen Be-
dingungen die Stresssituation der Bäume derart, dass sich Nachpflanzungen dort nicht mehr etablie-
ren. Die Bäume benötigen langfristig gut erschließbare Wurzelräume und Wasser um zu überleben.
Durch die Anlage von Wurzelgräben werden die widrigen Bodenverhältnisse in einem wesentlich grö-
ßeren Maßstab beseitigt, als bei der punktuellen Anlage von Belüftungslöchern (Option 1, 5.73 ff.).
Hinzukommend birgt die Einarbeitung von Gräben ein geringeres Risiko zur unnötigen Verletzung
und dem Verlust von Wurzeln, da hierbei eine Untersaugung von querenden Wurzeln möglich ist.
Der Austausch des Substrates in der Fläche in einem größeren Maßstab, wie als Option 4 dargestellt
(5. 78ff.), geht mit einem Verlust einer hohen Anzahl von Bäumen einher. Zwar besitzt diese groß-
flächige Entnahme den Charme eines „sauberen Neuanfangs“, sie ist aus gutachterlicher Sicht aber
keinesfalls notwendig um den dort vorhandenen und den kommenden Bäumen eine auch langfristig
sehr gute Perspektive zu bieten.
Eine erfolgreiche Umsetzung setzt jedoch nicht nur voraus, dass die Wurzelgräben fachgerecht und
baumschonend angelegt werden. Die größte Herausforderung ergibt sich durch den Abschluss der
Gräben mit einer wassergebundenen Wegedecke, da hierdurch die Anforderungen an die Instandhal-
tung der Fläche hoch sind. Da wassergebundene Wegedecken im Laufe der Zeit ihre Durchlässigkeit
verlieren, ist der Einbau von Belüftungsrohren aus gutachterlicher Sicht unabdingbar.
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Projekt-Nr. 2180406 Seite 88 von 181
Die anschließende Wartung und Pflege der Einbauten sowie eine bedarfsgerechte zusätzliche Gabe
von Wasser entscheiden daher ganz wesentlich über die langfristige Funktionsfähigkeit der Sanie-
rungsmaßnahme und damit über den Gewinn, den die Bäume daraus ziehen.
10.2 Nutzung und Pflege der Anlage
Hinsichtlich der zukünftigen Nutzung und Pflege der Anlage ist ganz allgemein darauf hinzuweisen,
dass diejenigen Flächen oder Teilbereiche, die nicht von Sanierungsmaßnahmen betroffen sind, in
ihren Eigenschaften für die Bäume, auch unter der aktuellen Nutzungsintensität und Beanspruchung
nur schwerlich weiter herabgesetzt werden können.
Der auf dem Platanenhain auszutauschende Boden besitzt, sofern dieser den Anforderungen an ein
Baumsubstrat für überbaubare Pflanzgruben gemäß den „Empfehlungen für Baumpflamzungen, Teil
2“ der FLL (2010) entspricht, nach dem Einbau eine ausreichend hohe Tragfähigkeit um begangen
oder befahren zu werden. Entsprechend ergeben sich auch in den sanierten Bereichen keine wesent-
lichen Einschränkungen hinsichtlich der zukünftigen Nutzung (vgl. 5.87) oder der Baumpflege.
Mit Blick auf die Pflege der Anlage ist der durch die Sanierung entstehende Mehraufwand zur Kon-
trolle und die regelmäßige Reinigung der Belüftungseinrichtungen jedoch noch einmal deutlich an-
zusprechen. Diese wiederkehrenden notwendigen Arbeiten tragen maßgeblich dazu bei, einen Funk-
tionsverlust der Wurzelgräben durch ein Versagen der Belüftungseinrichtungen aufgrund des zu er-
wartenden Eintrags von Material der wassergebundenen Wegedecke abzuwenden.
Auf einen Streumittelverzicht ist nachdrücklich hinzuweisen. Herkömmliche Auftausalze schädigen
Bäume nachhaltig und können die Eigenschaften von Böden und Substraten ruinieren, was sämtliche
Bemühungen zur Verbesserung der Standortsituation auf dem Platanenhain zunichte macht.
10.3 Bewässerungskonzept
Zur zukünftigen Bewässerung liegt eine Empfehlung für ein Bewässerungs-Management vor, das die
volle Zustimmung der Gutachter findet. Das vorgeschlagene Konzept stimmt auch mit der Einschät-
zung der Unterzeichner überein, dass ein unterirdisches System mehr Risiken birgt als das hierdurch
Vorteile zu erwarten wären.
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Ein oberirdisches System, so wie es hier befürwortet wird (vgl. Kap. 9.8, 5.80), trägt unter anderem
dazu beieinehoherFlexibilität zu wahren. Es ist wartungsarm und bietet neben der Flächenberegnung
beispielsweise auch eine alternative Beregnung der Kronen ohne großen Mehraufwand.
11 Zusammenfassung
Der Platanenhain ist ein bedeutsames Element der Mathildenhöhe in Darmstadt, einer Künstlersied-
lung aus dem 19. Jahrhundert. Viele der dort vorhandenen Kopf-Platanen stammen aus der Zeit der
Begründung in den 30er Jahren des 19. Jahrhunderts. Die sehr regelmäßigen Pflanzabstände von
5 x 5 Meter und das hohe Alter der Platanen machen den besonderen Flair des Platanenhain aus.
Weiterhin bereichern zahlreiche Kunstwerke von Bernhard Hoetger den Platz. Die Mathildenhöhe und
mit ihr der Platanenhain stehen unter Denkmalschutz und sind zur Auszeichnung als Weltkulturerbe
vorgeschlagen. Der Platananenhain wird viel besucht. Bis vor kurzem fanden regelmäßig auch größe-
re Veranstaltungen mit Verkaufsständen auf dem Platz statt.
Seit den 1950er Jahren werden besonders innerhalb der mittleren Platanenreihen Vitalitätsverluste
beobachtet. Einige Platanen mussten mittlerweile ersetzt werden, wobei auch die Neupflanzungen
vielfach eine nur unterdurchschnittliche Konstitution aufweisen. In diesem Gutachten soll der Umfang
der Vitalitätsverluste der Platanen aufgezeigt, deren Ursachen ergründet und Sanierungsmöglichkei-
ten zu deren Behebung dargestellt werden.
Zur Beantwortung der Fragen wurden eine visuelle Untersuchung und Zustandserfassung der Bäume
durchgeführt. Für die Beurteilung des Standortes wurde an sechs Bäumen eine bodenkundliche Pro-
filaufnahme gemacht, die Lagerungsdichte in zwei Tiefenstufen und die Luft- und Wasserleitfähigkeit
des Oberbodens gemessen. Weiterhin wurden Rammsondierungen durchgeführt und probehalber
die CO,-Konzentration in 5cm Tiefe gemessen.
An den Jungbäumen wurden jeweils zwei Substratproben aus zwei Tiefenstufen entnommen undmit
Blick auf die Anforderungen der „Empfehlungen für Baumpflanzungen, Teil 2“ an Pflanzsubstrate der
FıL (2010) im Labor untersucht.
SACHVERSTÄNDIGENBÜRO FÜR URBANE VEGETATION
Projekt-Nr. 218 0406 Seite 90 von 181
Die visuelle Untersuchung und Zustandserfassung der Platanen hat ergeben, dass sich 78 Bäume, also
etwa 44%, in einem guten bis sehr guten Zustand befinden und einen hohen Erhaltungswert besit-
zen. Weitere 60 Platanen (etwa 34%) befinden sich in einem noch zufriedenstellenden Zustand. Diese
Bäume sind mittel- bis langfristig, das heißt mindestens noch 10 Jahre lebens- und erhaltensfähig.
Aufgrund größerer Schäden muss bei diesen Bäumen allerdings mit einem höheren Pflegeaufwand
gerechnet werden.
Insgesamt 40 Platanen (etwa 22%), davon viele jüngere Bäume, zeigen umfangreichere Schäden und
sind voraussichtlich über einen Zeitraum von maximal etwa 10 Jahren erhaltensfähig. Ihr Erhalt ist,
wenn überhaupt möglich, mit einem hohen Pflegeaufwand verbunden.
Der Standort des Platanenhain besteht aus einer wassergebundenen Wegedecke aus dem sogenann-
ten Bessunger Kies, einem sandig-kiesigen Substrat, welches besonders in den oberen 30 cm extrem
verdichtet ist. Es dringt kaum Luft und Wasser in den Boden und nur sehr wenig Wasser kann aufgrund
der groben Bodenart und des hohen Skelettanteils gespeichert werden.
Weiterhin ist die Gesamtnährstoffausstattung wegen des geringen Anteils organischer Substanz und
dem ebenfalls geringen Anteil an Feinboden niedrig. Auffallend ist eine sehr geringe Durchwurze-
lung des Substrates, die der extrem hohen Verdichtung geschuldet ist. Somit ist die Ursache für die
geringe Vitalität der Platanen eine Folge des Mangels an durchwurzelbarem Raum und der massiven
Bodenbelüftungsstörungen, des Trockenstress und des Nährstoffmangels.
Geringe Unterschiede in der Substratzusammensetzung und im Verdichtungsgrad ermöglichen es
den vitaleren Platanen aufgrund ihrer geringen Ansprüche mit dem Standort zurechtzukommen. Das
insbesondere die Randbäume eine bessere Vitalität aufweisen liegt zum einen daran, dass im Randbe-
reich des Platzes die Verdichtung zumindest partiell weniger ausgeprägt ist und zum anderen daran,
dass diese Bäume zumindest im östlichen Teil Wurzelräume außerhalb des Platzes und evtl. in den
Gräben der Elektroleitungen erschließen konnten.
Die Ursache für die mangelnde Vitalität der Jungbäume ist weniger den Eigenschaften des in der Flä-
che anstehenden Substrates, sondern vermutlich einer unzureichenden Bewässerung und eventuell
der geringen Nährstoffausstattung des Pflanzsubstrates geschuldet.
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Das Darmstädter Pflanzsubstrat Gelsenrot liegt bei allen Parametern hingegen im guten Mittelbereich
der „Empfehlungen für Baumpflanzungen, Teil 2“ der FLL (2010) und ist gut durchwurzelt.
Bei den älteren Neupflanzungen, die nicht in das Susbtrat Gelsenrot gepflanzt worden sind, sind die
Eigenschaften des Pflanzsubstrates unbekannt. Einige Jungbäume dürften ihre recht klein bemesse-
ne Pflanzgrube allerdings mittlerweile komplett durchwurzelt haben und sind an die Grenze des kaum
durchwurzelbaren umliegenden Substrates gestoßen, wodurch ihre Vitalität eingeschränkt wird („Blu-
mentopfeffekt“).
In dem vorliegenden Gutachten werden vier Sanierungmöglichkeiten vorgestellt:
" Die Sanierung durch Belüftungslöcher im vorhandenen Bestand,
« die Sanierung durch Belüftungs- bzw. Wurzelgräben als offene und
als geschlossene Variante im vorhandenen Bestand sowie
« die Sanierung durch flächigen Bodenaustausch. Diese Option geht mit dem
Austausch der vier mittleren Platanenreihen einher (78 Bäume).
Auf Grundlage einer detaillierten Abwägung der Kosten und Nutzen wird empfohlen, kreuzförmig
verlaufende Belüftungsgräben auf der ganzen Fläche zu installieren. Die etwa 1 m tiefen Gräben soll-
ten mit einem groben, wasserspeichernden Substrat angefüllt und mit einer wassergebundenen De-
cke mit Trag- und Deckschicht gemäß den Vorgaben der FtL (2007) abgeschlossen werden.
Um die Belüftung der Gräben dauerhaft zu gewährleisten, sollten innerhalb dieser Belüftungsrohre
in Abständen von etwa 2,50 m zueinander installiert werden. Diese sind durch geeignete Verfahren
regelmäßig zu reinigen, um eine stetige Luftdurchlässigkeit zu gewährleisten. Das Baumsubstrat sollte
mit Mykorrhizen und dauerhaft wirksamen Huminstoffen angereichert werden.
Weiterhin sollte ein Bewässerungssystem mit mobilen Standregnern installiert werden. Zur Beurtei-
lung des Bewässerungsbedarfs, und zur Steuerung der Bewässerungsgänge, sollten Feuchtesenso-
ren auf der Platzfläche installiert werden. Für eine zielgenaue Düngung wird Empfohlen im nächsten
Hochsommer Blattanalysen durchzuführen, auf deren Basis eine Düngeempfehlung erfolgen kann.
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Die Art der Oberflächenbeschaffenheit erlaubt eine vorsichtige Befahrung auf ganzer Platzfläche un-
ter. Berücksichtigung einiger Vorsichtsmaßnahmen. Größere Veranstaltungen sollten auf dem Platz
allerdings nicht mehr stattfinden. Weiterhin ist der Eintrag von Streusalz zu unterbinden.
12 Ergänzende Literaturhinweise
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Beuth Verlag, Berlin und Wiley-VCH Verlag, Weinheim.
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(2000): Handbuch der Bodenuntersuchung. Beuth Verlag, Berlin und Wiley-VCH Verlag, Weinheim.
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Untersuchung - Felduntersuchungen - Teil 2: Rarhmsondierungen.
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chung. Beuth Verlag, Berlin und Wiley-VCH Verlag, Weinheim.
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Bodenuntersuchung, Beuth Verlag, Berlin und Wiley-VCH Verlag, Weinheim.
SACHVERSTÄNDIGENBÜRO FÜR URBANE VEGETATION
Projekt-Nr. 218 0406 Seite 93 von 181
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SACHVERSTÄNDIGENBÜRO FÜR URBANE VEGETATION
Projekt-Nr. 218 0406 Seite 94 von 181
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SACHVERSTÄNDIGENBÜRO FÜR URBANE VEGETATION
Projekt-Nr. 218. 0406 Seite 95 von 181
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Vheda dadl, AT
Dr. Markus Streckenbach Dr. Katharina Weltecke
SACHVERSTÄNDIGENBÜRO FÜR URBANE VEGETATION Sachverständigenbüro Boden & Baum
SACHVERSTÄNDIGENBÜRO FÜR URBANE VEGETATION
Projekt-Nr. 218 0406 Seite 96 von 181
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Punkt 10: Sanierung Platanenhain (V-Nr. 2019/0137) Stadtve. Dr. Blaum (FDP) beantragt getrennte Abstimmung zu den Punkten des Beschlussvorschlages. Stadtve. Metzger (SPD) stellt für ihre Fraktion den Antrag, das dem Beschlussvorschlag ein weiterer Punkt hinzugefügt wird: 5. Volksfeste und größere Veranstaltungen werden zum Schutz des Platanenhains nicht mehr stattfinden und Autoverkehr nur zu gartenpflegerischen Maßnahmen zugelassen. Der Antrag wird einstimmig angenommen. Dem Punkt 1 des Beschlussvorschlages wird zugestimmt. Stimmenthaltung: AfD Dem Punkt 2 des Beschlussvorschlages wird zugestimmt. Stimmenthaltung: AfD Dem Punkt 3 des Beschlussvorschlages wird zugestimmt. Stimmenthaltung: AfD und FDP Dem Punkt 4 des Beschlussvorschlages wird zugestimmt. Stimmenthaltung: 1 Stimme aus AfD Damit ist der Vorlage zugestimmt.
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- 2 -
Magistratsvorlage
Eingang Magistrats -
geschäftsstelle:
07.05.2019
an den Magistrat
zur Kenntnis
zur Beschlussfassung
Beteiligt vor
Magistratsbeschlussfassung:
Dezernat III an die Stadtverordnetenversammlung
OBW zur Befassung
zur Kenntnis
zur Beschlussfassung
zur abschließenden Beschluss -
fassung Fachausschuss
Dezernat I
Dezernat IV
Dezernat V
Amt: Grünflächenamt
OBW bei abschl.
Beschlussfassung Magistrat
Behandlung in
öffentl. Sitzung
Ja
Nein
Verteiler:
I 425
III 61 67
IV 20
V 56 Stvv
Ja
Nein
Vorlage-Nr. 2019/0137
Magistratsbeschluss -Nr.
191
Internetfähig
Produkt-Nr.: 551050
Kostenstelle: 067-010-1100 Investitionsnummer: 18067-4106
Kostenträger: 5510-51 Sachkonto: 0953010
Betreff: Sanierung Platanenhain
Vorlage vom: 25.04.2019
Beschlussvorschlag :
1. Der Magistrat nimmt das Gutachten zur baumfachlichen und bodenkundlichen Untersuchung
des Platanenhains auf der Mathildenhöhe vom November 2018 und die artenschutzrechtliche
Beurteilung des Baumbestandes vom Januar 2019 zur Kenntnis.
2. Der Magistrat stimmt zu, den weiteren Planungen zur Sanierung des Platanenhains die
Option 3 mit geschlossenen Belüftungs - und Wurzelgräben abschnittsweise über 4 Jahre
zu Grunde zu legen.
3. Der Magistrat stimmt der Fällung und dem Ersatz von voraussichtlich 40 Platanen im
Rahmen der Sanierungsmaßnahmen zu. Sollte sich der Vitalitätszust and weiterer Bäume
verschlechtern, können diese ebenfalls entnommen und ersetzt werden.
4. Für das Sanierungsprojekt Platanenhain ist eine öffentliche Bürgerinformationsveranstaltung
durchzuführen.
- 3 -
Anlagen: Baumfachliche und bodenkundliche Untersuchung vom November 2018
Artenschutzrechtliche Bewertung Platanenhain vom Januar 2019
Plan Artenschutzrechtliche Bewertung Baumbestand
Datenschutzrelevante Anlage:
Folgekosten: Ja Nein
Beschluss des Magistrats vom 15.05.2019
Der Vorlage wird zugestimmt.
- 4 -
Begründung zur Magistratsvorlage vom 25. April 2019
Ausgangslage :
Der Platanenhain wurde bereits um 1830 innerhalb eines Landschaftsgartens angelegt und ist
als prägendes Stilelement bis heute erhalten geblieben, während der ursprüngliche
Landschaftspark in weiten Teilen überbaut und überformt wurde. Heute besteht der
Platanenhain zu ca. 40% aus Bäumen, die zwischen 1892 und 1944 gepflanzt wurden und zu
60% aus Bäumen, die seit 1974 nachgepflanzt worden sind, so dass sich schon durch das
unterschiedliche Baumalter der Bäume ein heterogenes Erscheinungsbild des Platanenhains
ergibt. Dieser optische Eindruck hat sich nachweislich seit den 50er Jahren verschlechtert.
Inzwischen weisen die mittleren Platanenreihen Vitalitätsverluste auf, die weiter fortschreiten.
Einige Platanen mussten mittlerweile ersetzt werden, wobei auch die Neupflanzungen vielfach
eine nur unterdurchschnittliche Konstitution aufweisen.
Im Rahmen der Erstellung des Parkpflegewerkes Mathildenhöhe, das im Auftrag des
Grünflächenamtes vom Büro für Landschaftsarchitektur Ehrig aus Bielefeld erstellt wird, wurde
auf die problematische Situation der massiven und durch Rammkernsondierungen bestätigten
Bodenverdichtung im Platanenhain und die negativen Auswirkungen auf die Vitalität der
Bäume hingewiesen und eine umfassende Sanierung des Baumbestandes durch Entnahme der
Exemplare im mittleren Bereich, Austausch des Bodensubstrates und Neuaufpflanzung der
Platanen empfohlen.
Zur Absicherung des Erstbefundes wurde zum einen ein baumfachliches und bodenkundliches
Gutachten an das Sachverständigenbüro für urbane Vegetation Dr. Streckenbach aus Bochum
in Zusammenarbeit mit der Sachverständigen für Baumstandorte Frau Dr. Weltecke aus Bad
Arolsen und zum anderen eine artenschutzrechtliche Bewertung zum Baumbestand und den
Sanierungsmaßnahmen an das Büro naturplan aus Darmstadt beauftragt.
Ergebnisse der Gutachten:
Das baum- und bodenfachliche Gutachten kommt zu folgenden Ergebnissen:
Neben einer visuellen Untersuchung und der Zustandserfassung der Bäume wurde u. a. an
sechs ausgewählten Bäumen eine bodenkundliche Profilaufnahme gemacht, die
Lagerungsdichte in zwei Tiefenstufen und die Luft- und Wasserleitfähigkeit des Oberbodens
gemessen und das in Darmstadt verwendete Baumpflanzsubstrat im Labor überprüft.
Die Untersuchung der Platanen hat ergeben, dass sich 78 der insgesamt 178 vorhandenen
Bäume, also etwa 44 %, in einem guten bis sehr guten Zustand befinden und einen hohen
Erhaltungswert besitzen.
Weitere 60 Platanen, also etwa 34 %, befinden sich in einem noch zufriedenstellenden
Zustand. Diese Bäume sind mittel- bis langfristig, das heißt voraussichtlich mindestens noch
10 Jahre lebens- und erhaltungsfähig. Aufgrund größerer Schäden muss bei diesen Bäumen
allerdings mit einem höheren Pflegeaufwand gerechnet werden.
- 5 -
Insgesamt 40 Platanen, also etwa 22 %, davon viele jüngere Bäume, zeigen umfangreichere
Schäden und sind voraussichtlich nur noch kurz- bis mittelfristig über einen Zeitraum von
maximal 5 - 10 Jahren lebens- und erhaltungsfähig.
Den Schädigungsgraden nach zu urteilen, werden somit innerhalb der kommenden 10 Jahre
bis zu 40 Platanen ersetzt werden müssen.
Der Standort des Platanenhains ist in jeglicher Hinsicht ein Extremstandort. In gro ßen Teilen
besteht der Platz aus dem sogenannten Bessunger Kies, einem sandig-kiesigen Substrat,
welches besonders in den oberen 30 cm extrem verdichtet ist. Dadurch dringt kaum Luft und
Wasser in den Boden und nur sehr wenig Wasser kann aufgrund der groben Bodenart und des
hohen Skelettanteils gespeichert werden.
Aus der Historie des Platanenhains ergeben sich keine Hinweise darauf, dass zurückliegende
Eingriffe ursächlich für die nun erschwerten Wachstumsbedingungen der Bäume sind. Es ist
jedoch anzunehmen, dass die Belastung der Fläche durch Befahren mit unterschiedlichen
Fahrzeugen und bei zurückliegenden Großveranstaltungen mit höchster Wahrscheinlichkeit
das Maß des noch Tolerierbaren überschritten haben dürfte.
Ebenso tragen die durchweg hohen Besucherinnen- und Besucherzahlen des Platanenhains
ganz sicher nicht zu einer Verbesserung der Bedingungen für die Bäume bei. Dennoch - so das
Gutachten - ist es unwahrscheinlich, dass diese intensive Nutzung allein ein erfolgreiches
Anwachsen der Bäume verhindert, zumal die Fläche auch in früherer Zeit intensiv begangen
worden sein dürfte und zahlreiche Bäume trotzdem ihre Reife- und Alterungsphase erreicht
haben.
Dies spricht dafür, dass die grundsätzlichen Eigenschaften des Bodens am Standort im
Zusammenspiel mit den klimatischen Veränderungen unserer Zeit die dort frisch gepflanzten
Jungbäume mittlerweile über das Limit dessen treiben, was eine Platane an einem solchen
Standort noch ertragen kann.
Die geringe Vitalität der Platanen ist eine Folge mehrerer Faktoren wie des Mangels an
durchwurzelbarem Raum, der massiven Bodendurchlüftungsstörungen, des Trockenstresses
und des Nährstoffmangels.
Geringe Unterschiede in der Substratzusammensetzung und im Verdichtungsgrad ermöglichen
es den vitaleren Platanen aufgrund ihrer geringen Ansprüche mit dem Standort zurecht zu
kommen, wobei insbesondere die Randbäume mit einer besseren Vitalität von einer zumindest
partiell weniger ausgeprägten Verdichtung und zumindest im östlichen Teil in geringen Maßen
zusätzlich erschlossenen Wurzelräumen profitieren.
Im Rahmen des Gutachtens wurden 5 Sanierungsmöglichkeiten geprüft:
- Die Sanierung durch Belüftungslöcher im vorhandenen Bestand (Option 1)
- Die Sanierung durch Belüftungs- bzw. Wurzelgräben als offene Variante (Option 2) und
als geschlossenen Variante (Option 3) im vorhandenen Bestand
- Die Sanierung durch flächigen Bodenaustausch einschließlich Austausch der vier
mittleren Platanenreihen mit 78 Bäumen (Option 4)
- 6 -
- Bodenlockerungsmaßnahmen mit Druckluftlanzen (Option 5)
Empfohlen wird seitens der Gutachter die Sanierung des Platanenhains mit geschlossenen
Belüftungs- bzw. Wurzelgräben (Option 3), die kreuzförmig verlaufend auf der gesamten Fläche
zu installieren sind. Die etwa 1m tiefen und 40 – 60 cm breiten Gräben sollen mit einem
groben wasserspeichernden Substrat angefüllt und mit einer wassergebundenen Decke mit
Trag- und Deckschicht abgeschlossen werden, so dass ein einheitliches Erscheinungsbild der
Oberfläche bestehen bleibt.
Die Gräben werden zur Schonung des Wurzelraumes der Bäume in Abschnitten über insgesamt
4 Jahre umgesetzt und bereichsweise werden die bereits festgestellten mindestens 40 Bäume
oder gegebenenfalls weitere Exemplare nach jeweils aktueller Überprüfung und Beurteilung mit
eingeschränkter Vitalität bzw. Schädigungen entnommen und durch Neupflanzungen ersetzt.
Zur dauerhaften Belüftung der Gräben sind Belüftungsrohre in Abständen von etwa 2,50 m
zueinander anzuordnen, die regelmäßig zu reinigen sind, um eine stete Luftdurchlässigkeit zu
gewährleisten.
Weiterhin ist ein Bewässerungssystem mit mobilen Standregnern zu installieren. Feuch tefühler
auf dem Platz verteilt sollen zur Beurteilung des Bewässerungsbedarfs und zur Steuerung der
Bewässerungsgänge vorgesehen werden.
Das Baumsubstrat erfüllt die gestellten Voraussetzungen und soll mit Mykorrhizen und
dauerhaften Huminstoffen angereichert werden zur Versorgung der Bäume. Weitere
Düngeempfehlungen sind von noch durchzuführenden Blattanalysen im Hochsommer
abhängig.
Die Befahrbarkeit des Platzes bleibt eingeschränkt, um weitere oder erneute Verdichtungen zu
minimieren. Eine vorsichtige ganzflächige Befahrung ist auf unbedingt notwendige
Fahreinsätze im Rahmen der gärtnerischen Unterhaltung zu beschränken. Auch künftig sollten
keine weiteren Großveranstaltungen auf dem Platz stattfinden, da diese eine deutliche
Mehrbelastung des Platanenhains bedeuten.
Die artenschutzrechtliche Beurteilung kommt zu folgenden Ergebnissen:
Hinsichtlich der Fledermäuse konnte keine relevante Nutzung festgestellt werden. Die
Habitatfunktionen des Platanenhains beschränken sich auf weit verbreitete Höhlenbrüter wie
einzelne Stare und Meisen. Insgesamt wurden 60 Bäume mit Höhlen kartiert.
Da mit der abschnittsweisen Sanierung ausreichende, mit Höhlen versehene Bäume, stehen
bleiben, werden durch die notwendigen Fällungen nur einzelne Bäume mit Höhlen entnommen,
so dass dadurch keine artenschutzrechtlich relevanten Belange betroffen sind.
Selbstverständlich sind die Ausschlussfristen für Fällarbeiten zwischen Anfang Februar und
Ende Oktober zu beachten oder Höhlenbäume auf einen Besatz mit Tieren zu untersuchen. Ein
grundsätzlicher Ausgleich ist nicht erforderlich, Nistkästen können unterstützend wirken.
Weiteres Vorgehen:
In der Folge wird auf der Grundlage der Option 3 nach Beschlussfassung durch die
Stadtverordnetenversammlung vom Grünflächenamt eine Sanierungsplanung erstellt, die auf
der Grundlage der Gutachten die weiteren Maßnahmen in Form einer Ausführungsplanung
konkre-
tisiert, so dass die notwendigen Maßnahmen ausgeschrieben und umgesetzt werden können.
Im Juni 2019 wird in einer öffentlichen Veranstaltung die Darmstädter Bürgerschaft über die
Ergebnisse der Gutachten und die geplanten Sanierungsmaßnahmen informiert.
Außerdem erfolgt die Sanierung des Platanenhains in enger Abstimmung mit der
Denkmalpflege, dem Institut Mathildenhöhe und dem Advisory Board für die Mathildenhöhe,
die im weiteren Verfahren eingebunden werden.
Die erforderlichen Haushaltsmittel für die Planung, Ausschreibung und Umsetzung der
Sanierungsmaßnahmen sowie die Durchführung der erforderlichen Öffentlichkeitsveranstaltung
sind im städtischen Haushalt mit Raten in Höhe von 450.000,00 Euro für 2019 und in Höhe
von 450.000,00 Euro für 2020 unter der Kostenstelle 067-010-1100, Investitionsnummer
18067-4106 etatisiert.
Darmstadt, 25.04.2019
Dezernat I Dezernat III
i. V.
Jochen Partsch Barbara Akdeniz
Oberbürgermeister Stadträtin
Dezernat IV Dezernat V
André Schellenberg Barbara Akdeniz
Stadtkämmerer Stadträtin
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871 Zeichen
Punkt 4: Sanierung Platanenhain (V-Nr. 2019/0137) Stadtve. Dr. Blaum (FDP) beantragt getrennte Abstimmung. Weiterhin beantragt sie eine Bürgerinformation vor der nächsten Stavo hierzu. Stadträtin Akdeniz erläutert, dass dies für den 24. Juni 2019 vorgesehen sei. Der Antrag der FDP-Fraktion betr. Bürgerinformation wird abgelehnt. Gegen die Ablehnung: FDP-Fraktion Stimmenthaltungen: SPD-Fraktion Der Punkt 1. der Vorlage wird zur Kenntnis genommen. Der Ausschuss empfiehlt der Stadtverordnetenversammlung, dem Punkt 2. zuzustimmen. Stimmenthaltungen: Fraktionen UFFBASSE und Die Linke. Der Ausschuss empfiehlt der Stadtverordnetenversammlung, dem Punkt 3. zuzustimmen. Stimmenthaltungen: Fraktionen UFFBASSE, Die Linke. und FDP Einstimmig empfiehlt der Ausschuss der Stadtverordnetenversammlung, dem Punkt 4. zuzustimmen.
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657 Zeichen
Punkt 6: Sanierung Platanenhain (V-Nr. 2019/0137) Stadtve. Dr. Blaum (FDP-Fraktion) beantragt getrennte Abstimmung der Punkte 1. – 4. Der Ausschuss empfiehlt der Stadtverordnetenversammlung, von Punkt 1. der Vorlage Kenntnis zu nehmen. Der Ausschuss empfiehlt der Stadtverordnetenversammlung, dem Punkt 2. der Vorlage zuzustimmen. Stimmenthaltung: Fraktion UFFBASSE Der Ausschuss empfiehlt der Stadtverordnetenversammlung, dem Punkt 3. der Vorlage zuzustimmen. Stimmenthaltungen: Fraktionen UFFBASSE, Die Linke. Und FDP Einstimmig empfiehlt der Ausschuss der Stadtverordnetenversammlung, dem Punkt 4. der Vorlage zuzustimmen.
Beratungsverlauf (5)
Orte (2)
- Bessunger Straße 125
- An der Eschollmühle 30
Ortsbezüge werden automatisch aus den Dokumenten ermittelt und können unvollständig sein.
Details
- Vorlagen-Nr.
- 2019/0137
- Typ
- Magistratsvorlage
- Datum
- 15.04.2019
- Erstellt
- 29.09.2026 00:00