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A-N/0021/2018

Nahversorgungskonzept für Sprakel

Antrag an die BV Nord 05.11.2018

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Nächste Beratung: Bezirksvertretung Münster-Nord, Sitzung am 13.11.2018, TOP 7.6

A-N-0021-2018_Nahversorgungskonzept_Antwort61_20190618

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A-N-0021-2018- Nahversorgungskonzept für Sprakel

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61.21.0010 / Herr Hopp 29.05.2019
= Tel. 492 - 6117 / & Fax: 492 - 7732

El Email: Hopp@stadt-muenster.de

Bezirksvertretung Münster-Nord
zur Sitzung am 18.06.2019

über 33 — Bezirksverwaltung Münster-Nord

über Dez. Ill, Herrn Stadtbaurat Denstorff

Antrag Ifd. Nr. A-N/0021/2018 der CDU - BV Nord in der Bezirksvertretung Münster
Nord „Nahversorgungskonzept für Sprakel“, Antrag der CDU-Fraktion vom
05.11.2018

Mit dem o. g. Antrag (siehe Anlage) wurde die Verwaltung beauftragt, zusammen mit der Wirt-
schaftsförderung Münster (WFM) ein Nahversorgungskonzept für den Stadtteil Sprakel zu erstel-
len.

Mit einer Zwischenmitteilung (Schreiben vom 14.12.2018) hatte das Stadtplanungsamt die BV-
Nord in ihrer Sitzung am 22.01.2019 darüber informiert, die Entwicklungsoptionen für die Nahver-
sorgung im Stadtteil Sprakel auf der Grundlage des im März 2018 vom Rat der Stadt Münster be-
schlossenen Einzelhandels- und Zentrenkonzepts Münster prüfen zu wollen und die Prüfergebnis-
se im 2. Quartal 2019 vorzulegen.

Entwicklungsoptionen für die Nahversorgung im Stadtteil Sprakel

Für die Bewertung der Entwicklungsoptionen der Nahversorgung in Sprakel sind folgende Parame-
ter und Themen von Bedeutung:

1. Konzeptionelle (Einzelhandels- und Zentrenkonzept Münster) und städtebaurechtliche Rah-
menbedingungen für die Einzelhandelsentwicklung (Landesentwicklungsplan NRW - Ziele und
Grundsätze für den großflächigen Einzelhandel, Baugesetzbuch/BauGB, Baunutzungsverord-
nung/BauNVO)

2. Allgemeine Entwicklungstendenzen im nahversorgungsrelevanten Einzelhandel

3. Analyse und Bewertung der versorgungsstrukturellen und städtebaulich-funktionalen Ange-
botssituation des Einzelhandels in Sprakel inkl. Einzugsbereich

4. Analyse der bestehenden und zukünftigen Nachfragesituation inkl. perspektivischer Einwohne-
rentwicklung j j

5. Zusammenfassung und Empfehlungen für die Entwicklung der Nahversorgung in Sprakel

1. Konzeptionelle und städtebaurechtliche Rahmenvorgaben für die Einzelhandelsentwick-
lung in Sprakel

Das Einzelhandels- und Zentrenkonzept Münster (Fortschreibung gem. Ratsbeschluss im März
2018) definiert, orientiert an übergeordneten räumlichen Entwicklungszielen auf der Grundlage des
geltenden Städtebaurechts, die gesamtstädtische Zentrenstruktur. Wesentlicher Bestandteil des
Zentrenkonzepts ist die räumliche und funktionale Festlegung der Zentren in der Ausprägung als
sogenannte zentrale Versorgungsbereiche, die im Sinne des Baugesetzbuches und der Baunut-
zungsverordnung ein städtebaurechtliches Schutzgut darstellen. Diese Bereiche sind aus städte-
baulichen Gründen vor schädlichen Auswirkungen zu schützen. Dies ist z. B. dann der Fall, wenn
durch Einzelhandelsplanungen bzw. -ansiedlungen außerhalb eines zentralen Versorgungsberei-
ches in erheblichem Umfang Kaufkraft abgezogen wird und es in der Folge zu Geschäftsschlie-
Rungen kommt, die die Funktionsfähigkeit des gesamten Versorgungsbereiches gefährden.

Für den Stadtteil Sprakel weist das Einzelhandels- und Zentrenkonzept einen zentralen Versor-
gungsbereich mit der Funktion als Nahversorgungszentrum (Sprakel C_2) im Bereich der Sprake-
ler Straße aus (vom Standort Edeka im Norden bis zum Böckmannplatz im Süden). Aufgabe die-
ses zentralen Versorgungsbereiches ist die wohnortnahe Versorgung der Bevölkerung Sprakels
mit Angeboten des täglichen Bedarfs. Hierzu gehören mindestens ein marktgerechter Lebensmit-
telmarkt (Supermarkt oder Discounter), ergänzende Betriebe des Lebensmittelhandwerks (z. B.
Bäcker) sowie weitere i. d. R. kleinflächige Einzelhandelsangebote mit Waren des kurzfristigen
Bedarfs (z. B. Apotheke, Blumen, Zeitungen/Zeitschriften) und ggf. des mittel- und langfristigen
Bedarfs (z. B. Textil). Idealerweise komplettiert werden diese Einzelhandelsangebote durch zentr-
energänzende Funktionen wie: ladenähnliche Handwerks- und Dienstleistungsangebote (z. B. Fri-
sör), Gastronomiebetriebe, Post- und Finanzdienstleistungen sowie medizinische Angebote (Ärz-
te).

Die Einordnung von Sprakel innerhalb des Zentren- und Standortsystems sowie die räumliche Ab-
grenzung des zentralen Versorgungsbereiches von Sprakel sind den nachfolgenden Karten zu
entnehmen.

Einzelhandels- und Ne t Münster (Ausschnitt)

| Zentren- und Standortsystem

Fe City/Innenstadt

3] Stadtbereichszentrum
El] Stadtteilzentrum

Er] Nahversorgungszentrum
E] Nahversorgungslage

[5 Sonderstandort/

Fachmarktzentrum

Einzelhandels- und Zentrenkonzept Münster, Seite 85 (Zentraler Versorgungsbereich Sprakel)

% Sprakel
ı DJcy/innenstsdt
UI sudiwereichizenvum
3 DJ sudhteiteentnm
, I nsmersorgurgszentun

Kut Nawersorgurgslage |
Sordentandort
IM-Einzeihandel eb ACO m! N
® Sonstiger Enreihandel
© Zantronergänzende Funktion A
o 100

Blaze u HRid- Sulek AirgpprerTEE
Quelle: Radt Münster, Einzelnandelsvollerhebung 12/2014. Ergänzt und aktualisiert durch Stadt + Handel 10-12/2015. Kartengrundliage: Stadt Münster.

2. Allgemeine Entwicklungstendenzen im nahversorgungsrelevanten Einzelhandel

Seit vielen Jahren befindet sich der Einzelhandel in einem tiefgreifenden Strukturwandel, der grob
durch folgende, sich verändernde Rahmenbedingungen beschrieben werden kann: Betriebsfor-
menwandel i. V. mit dem Konzentrationsprozess im großflächigen Einzelhandel, Verkaufsflächen-
expansion (derzeit jedoch mit abnehmender Tendenz), zahlenmäßige Abnahme insbesondere der
kleineren, oft inhabergeführten Einzelhandelsbetriebe, Veränderung des Verbraucherverhaltens,
insbesondere i. V. mit der Dynamik des wachsenden Online-Handels zu Lasten des stationären
Handels (Ladengeschäfte). Diese Entwicklungstendenzen betreffen insbesondere auch den nah-
versorgungsrelevanten Einzelhandel (Schwerpunkt: Lebensmittel und Drogeriewa-
ren/Körperpflegeprodukte).

Ein wesentlicher Faktor in der Nahversorgungsentwicklung ist durch die betriebswirtschaftlich be-
dingten Maßstabssprünge der durchschnittlichen Betriebsgrößen und einer damit verbundenen
abnehmenden Anzahl von Betrieben und Standorten bedingt. So liegt die mindestoptimale Ver-
kaufsfläche für Lebensmittelvollsortimenter (z. B. Edeka oder Rewe) bei rd. 1.500 m?, bei Lebens-
mitteldiscountern (z. B. Aldi und Lidl) bei rd. 1.000 m?. Damit steigen auch die angestrebten und
betriebswirtschaftlich notwendigen Einzugsbereiche dieser Betriebe (i. d. R. mindestens 5.000 bis
6.000 Einwohner). Die konkrete Verkaufsflächendimensionierung ist allerdings auch stark stand-
ortabhängig. In dicht bebauten Innenstadtgebieten oder in kleineren Stadtteilen sind, in Abhängig-
keit vom Einwohnereinzugsbereich und Wettbewerbsumfeld, durchaus auch Verkaufsflächen un-
terhalb der v. g. Werte marktfähig. Hier ist dann i. d. R. aber nur ein einzelner Lebensmittelmarkt
absatzwirtschaftlich tragfähig. Ein Beispiel hierfür ist der bestehende Edeka-Markt in Sprakel oder
auch der. Gelmer-Markt in Gelmer. Die Existenzfähigkeit dieser Strukturen ist jedoch stark abhän-

4

gig von der Unterstützung der lokalen Bevölkerung in ihrer Funktion als Verbraucher. Tendenziell
sind aber die angestrebten und betriebswirtschaftlich notwendigen Einzugsgebiete der klassischen
Lebensmittelmärkte (Vollsortimenter und Discounter) größer geworden, was neben dem Wettbe-
werbsdruck unter den Betreiberfiimen auch zu einer deutlichen Präferenz von PKW-orientierten
Standorten an wichtigen Verkehrsachsen geführt hat. Ein grundsätzliches städtebauliches Problem
besteht allgemein zudem darin, dass diese großflächigen Märkte inklusive der benötigten Neben-
und Stellplatzflächen in den gewachsenen Zentren und integrierten Lagen in der Regel immer
schwerer zu integrieren sind. In Münster konnte allerdings auf der Grundlage einer konsequenten
Steuerung der Einzelhandelsentwicklung ein weitgehend dichtes Netz von Nahversorgungsstan-
dorten in den zentralen Versorgungsbereichen und in städtebaulich integrierten Lagen gesichert
und weiterentwickelt werden.

Neben den großflächigen Betriebsformen im Lebensmitteleinzelhandel existieren zudem Kleinflä-
chenkonzepte. Betriebsformate der großen Anbieter sind z. B. Rewe To Go mit einer starken Con-
venience-Orientierung (vorgefertigte Lebensmittel) für frequenzstarke Lagen (Innenstadt oder auch
in Kombination mit Tankstellenshops) oder Edeka nah&gut für den ländlichen Raum oder unter-
versorgte Siedlungsgebiete in Städten (z. B. in Gremmendorf), die auf kleinen Verkaufsflächen
operieren (i. d. R. deutlich weniger als 300 m?). Zudem ergänzen in städtischen Lagen Geschäfte
mit ausländischen Lebensmitteln (z. B. asiatische Lebensmittel) oder in Einzelfällen privat betrie-
bene, mit starkem individuellem Engagement geführte, kleine Lebensmittelgeschäfte das Stand-
‚ortnetz (z. B. Gelmer-Markt in Gelmer).

Auch im Bereich der Drogeriefachmärkte hat sich, u. a. als Folge der Schlecker-Insolvenz im Jahr
2012, ein signifikanter Konzentrationsprozess vollzogen. Im Zuge dieser Insolvenz sind in Münster
42 Filialen (Schlecker und Ihr Platz) geschlossen worden, die als kleinflächige Nahversorger (ledig-
lich rd. 190 m? durchschnittliche Verkaufsfläche) in vielen Stadtteilen und Wohnquartieren fungier-
ten. Durch diese Entwicklung hat sich das bis dahin weitgehend flächendeckende Netz der Droge-
riemärkte stark ausgedünnt und wird aktuell durch deutlich weniger Standorte der beiden Anbieter
dm und Rossmann dominiert. Diese haben allerdings eine im Vergleich zu Schlecker signifikant
größere Verkaufsfläche (mindestens rd. 500 m?) und sind schwerpunktmäßig aufgrund des benö-
tigten unmittelbaren Einzugsbereiches von rd. 8.000 bis 10.000 Einwohnern vornehmlich in fre-
quenzstarken Lagen in der Innenstadt oder den großen Stadtteilen vertreten. Die Versorgung mit
einem Grundsortiment von Drogeriewaren (insbesondere Körperpflegeprodukte) in den Wohnquar-
tieren und kleinen Stadteilen (z. B. Nienberge, Sprakel, Amelsbüren) wird als Randsortimentsan-
gebot in den Lebensmittelmärkten und Discountern sichergestellt.

Dem Online-Handel im Lebensmittelsektor kommt bisher noch keine große Bedeutung zu. Bun-
desweit liegt der Anteil des Umsatzvolumens derzeit bei lediglich rd. 1 %. Im Vergleich dazu liegt
der Umsatzanteil der sog. Nonfood-Artikel, mit steigender Tendenz, bei rd. 14 % (branchenbezo-
gen, z.B. Technikartikel, Bekleidung/Schuhe deutlich darüber).

Im Ergebnis lässt sich aus den allgemeinen Entwicklungstendenzen des nahversorgungsrelevan-
ten Einzelhandels für Sprakel die Schlussfolgerung ableiten, dass die zusätzliche Ansiedlung groß-
flächiger Betriebe des nahversorgungsrelevanten Einzelhandels aufgrund der peripheren Lage des.
Stadtteils und des begrenzten Einwohnerpotenzials im Einzugsbereich (siehe Punkt 4) eher un-
wahrscheinlich ist. Dies zeigte sich bereits auch bei den nicht erfolgreichen Bemühungen zur Ent-
wicklung- und Vermarktung des Bereiches Böckmannplatz vor rd. 10 Jahren. Seinerzeit gelang es
nicht, einen Investor bzw. Betreiber für das geforderte Bebauungskonzept, das als Schwerpunkt-
nutzung ein mögliches großflächiges Ladenlokal beinhaltete, zu aquirieren.

5

3. Analyse der bestehenden versorgungsstrukturellen und städtebaulich-funktionalen An-
gebotssituation des Einzelhandels in Sprakel inkl. Einzugsbereich

Derzeit gibt es in Sprakel sieben Einzelhandelsbetriebe (ohne KFZ-Einzelhandel) mit insgesamt rd.

1.300 m? Verkaufsfläche. Davon liegen fünf Geschäfte innerhalb der räumlichen Abgrenzung des

zentralen Versorgungsbereiches an der Sprakeler Straße. Ergänzt wird das Einzelhandelsangebot

durch mehrere öffentliche und private Dienstleistungsnutzungen, darunter Kita und Schule, Frisör,

Sparkasse und Volksbank, Gastronomie oder Postfiliale (siehe nachfolgende Karte).

a 7
Katengrundinge: ABK Land NRW (2010)
ZI

Zentren- und STADT I MUNSTER

Standortkonzept 03/2018 Einzelhandel 12/2018 Dienstleistungen
[L_Jeitynanenstadt © Lebensmittel>=400mevrr 1212017 sakslnigäm:
4 _ Zentrenkompatible
[L_]stadtbereichszentrum . Lem < en a VKF und Dienstleistungen
wohnungsn. Grundversorgung „ _ Post-Dienstleistungen | Einzelhandel 12/2018
[_1tedtteitzentrum . = a “ 9 In’Münster
® ter
=: Nahversorgungszentrum nicht Zenirenrelevan! Safer
| Nahversorgungslage Versorgungsbereich:

[| Sonderstandorte Spiel

Beaib.: 0ar20ı0
Si 210012

6

Der Edeka-Markt (rd. 800 m? Verkaufsfläche) innerhalb der Abgrenzungen des Nahversorgungs-
zentrums und der weiter nördlich gelegene Raiffeisenmarkt (rd. 500 m? Verkaufsfläche) stellen mit
Abstand die größten Verkaufsflächen innerhalb des Stadtteils. Alle weiteren Geschäfte sind mit
z. T. deutlich weniger als 50 m? kleinflächig. Vor dem Hintergrund der laufenden Betriebsformen-
entwicklung im Lebensmitteleinzelhandel ist für den Vollsortimentmarkt ein latenter Erweiterungs-
bedarf anzunehmen, um langfristig rentierlich und den Anforderungen der Kunden gerecht betrie-
ben werden zu können (vgl. Punkt 2).

Einzelhandelsbetrieb Straße Branche . Verkaufsfläche
Metzgerei Sparkeler Straße Nahrungs- und Genussmittel < 50 m?
Sn Reinigungs | sparkeler Straße Bau- und Gartenartikel < 50 m?
Bäckerei Sparkeler Straße Nahrungs- und Genussmittel < 50 m?
Edeka-Supermarkt Sparkeler Straße Nahrungs- und Genussmittel 700 - 800 m?
Apotheke Sparkeler Straße ‚Apotheke / Körperpflege < 50. m?
Raiffeisenmarkt Sparkeler Straße 500 - 600 m?
Fachgeschäft Bodenbeläge Dreilinden Bau- und Gartenartikel < 50 m?

7 Betriebe S ca. 1.300 m?

Das Nahversorgungsangebot wird durch den Edeka-Markt inklusive. der dort integrierten Bäckerei
und das südlich gelegene Fleischereifachgeschäft sowie durch -Randsortimentsangebote des Raif-
feisenmarktes abgedeckt. Mit gut 700 m? sortimentsrelevanter Verkaufsfläche im Bereich Nah-
rungs- und Genussmittel und einer Verkaufsfläche/VKF von rd. 0,22 m? je Einwohner/EW liegt die
quantitative Verkaufsflächenausstattung in Sprakel rechnerisch unterhalb des gesamtstädtischen
Durchschnitts von rd. 0,38 m? VKF/EW (vgl. Einzelhandels- und Zentrenkonzept Münster, Seite
120). Aufgrund der innerhalb des Stadtgebietes sehr unterschiedlichen siedlungs- und versor-
gungsstrukturellen Rahmenbedingungen kann allerdings nicht davon ausgegangen werden, dass
in allen Teilräumen und Stadtteilen der gesamtstädtische Ausstattungsdurchschnittswert erreicht
werden kann. Insbesondere in einigen Siedlungsrandlagen und kleinen Stadtteilen liegen die Aus-
stattungswerte z. T. deutlich unterhalb des Durchschnittswertes (z. B. Angelmodde mit 0,24 m?
VKF/EW oder Hiltrup-Ost mit 0,20 m? VKF/EW). Gleichwohl ist für Sprakel unter Status Quo-
Gesichtspunkten und auch in Anbetracht der perspektivischen Siedlungsflächen- und Einwohne-
rentwicklung (siehe Punkt 4) ein Weiterentwicklungsbedarf der Nahversorgung zu formulieren.
Dieser könnte primär durch eine Verkaufsflächenerweiterung des Edeka-Marktes und ggf. durch
die Ansiedlung weiterer Angebote im Zuge der absehbaren baulichen Entwicklung des Böckmann-
platzes gedeckt werden. Unter räumlichen Gesichtspunkten kann zudem derzeit von einer flä-
chendeckenden fußläufigen Erreichbarkeit der Nahversorgungsangebote ausgegangen werden, da
die bestehenden Siedlungsflächen innerhalb eines Radius von 700 m (planerisch anerkanntes
Maß für die fußläufige Erreichbarkeit) um das Nah-
versorgungszentrum liegen. Dienstleistungsbetriebe/-gruppen Anzahl
Banken, Finanzdienstleistungen, Versi-
Die das Einzelhandelsangebot ergänzenden Dienst- cherungen
leistungsnutzungen befinden sich mehrheitlich au-
ßerhalb des Nahversorgungszentrums und sind flä-
chig über den Stadtteil verteilt, wobei die Straße Drei
Linden mit mehreren Angeboten (Volksbank, Spar-
kasse, Fahrschule, Frisör) einen gewissen räumli-
chen Schwerpunkt darstellt. Für die Ausstattung mit Gastronomie, Restaurant Sg
Dienstleistungseinrichtungen nach Art und Anzahl Dienstleistungen.-/Reparaturhandwerk
bestehen zwar keine Kennziffern oder Vergleichswer- summe 23

Ärzte, Gesundheitswesen 4

Soziale, öffentliche, kirchliche Infrastruk-
tur

Anwaltskanzlei, Steuerberater, Notar 1

>

7

te, das Angebot in Sprakel kann aber vor dem Hintergrund der siedlungsräumlich peripheren Lage
und der vergleichsweise geringen Mantelbevölkerung des Stadtteils als angemessen eingeschätzt
werden. :

Innerhalb der städtebaulich kompakten Siedlungsstruktur Sprakels befindet sich das gewachsene
Nahversorgungszentrum am westlichen Rand an der Sprakeler Straße, die bis zur Fertigstellung
der Umgehungsstraße (B219) im Jahr 2002 als Ortsdurchfahrt fungierte. Von dieser Verkehrsfunk-
tion als Durchgangsstraße, mit der damals entsprechend hohen Frequentierung potenzieller „vor-
beifahrender Kunden“, profitierte auch der örtliche Einzelhandel. Heute wird Sprakel über die zent-
rale verkehrliche Anbindung an die B219 südlich des Stadtteils erschlossen. Sowohl die Sprakeler
Straße, als auch alle anderen Straßen, dienen der inneren Erschließung der Wohngebiete und
Siedlungsteile im Stadtteil.

Die Standorte der Einzelhandels- und ergänzenden Dienstleistungsnutzungen im Stadtteil sowie
auch. innerhalb des Nahversorgungszentrums liegen weitgehend verstreut ohne unmittelbaren
räumlichen Bezug zueinander. Aufgrund der geringen Anzahl und der räumlichen Entfernung der
Einrichtungen zueinander ergibt sich keine, für die Nutzer bzw. Verbraucher wahrnehmbare ge-
schlossene „Lauflage“. Dennoch kommt der Ortsmitte von Sprakel trotz der geringen städtebauli-
chen Dichte und dem vergleichsweise schwachen Einzelhandels- und Dienstleistungsbesatz eine
zentrale Bedeutung für die Versorgung der Stadtteilbevölkerung zu. Diesbezüglich hat die Stand-
ortsicherung und -entwicklung des Edeka-Marktes als einzigem Magnetbetrieb mit entsprechender
Frequenzerzeugung, von der auch andere kleinteilige Einzelhandels- und Dienstleistungsangebote
profitieren können, ein sehr hohes Gewicht. Zudem ist der Edeka-Markt als Vollversorger für den
täglichen Bedarf über seine Einkaufs- bzw. Versorgungsfunktion hinaus auch ein wichtiger Treff-
punkt für Kommunikation und soziale Kontakte innerhalb des Stadtteils.

Vor diesem Hintergrund “ Erweiterungsoption Edeka-Markt (Ausschnitt städtebaulicher Ent-
wurde dem bestehen- wurf zum B-Plan Nr. 576)

den Edeka-Markt über wg wm ’ .".
das Einzelhandels- und ° standort Edeka / [ "
Zentrenkonzept mit der » mögliche Erweite- ;
räumlichen Abgrenzung rung
des zentralen Versor-
gungsbereiches im
rückwärtigen Bereich
eine Erweiterungsoption
von ca. 500 m? Brutto- |
fläche eingeräumt (vgl.
nebenstehende
Planskizze). Damit be- .
steht für den Betreiber
im Bedarfsfall die Mög-
lichkeit, das Ladenlokal
auf eine zukunftsfähige
Verkaufsflächengröße
von ca. 1.200 m? erwei-
tern zu können. Die po-
tenzielle Erweiterungs-
fläche wurde vorsorglich aus dem östliche anschließenden Neubaugebiet für den Wohnungsbau
(zwischen Sprakeler Straße und B219 bzw. Bahnstrecke), für das aktuell Bauleitplanung betrieben
wird, ausgespart (vgl. nebenstehende Planskizze). Aktivitäten für eine Markterweiterung werden

8

bereits, vor dem Hintergrund des anstehenden Generationenwechsels in der Marktführung, kon-
struktiv durch die Stadtverwaltung und die WWFM unterstützt.

Mit der bevorstehenden baulichen Entwicklung Bebauungskonzept Böckmannplatz
des südlich des Edeka-Marktes gelegenen (Stand 09/2018)
Böckmannplaztes, der als potenzieller Entwick- .
lungsstandort ebenfalls innerhalb der räumli-
chen Abgrenzungen des zentralen Versor-
gungsbereiches gemäß Einzelhandels- und
Zentrenkonzept liegt, bietet sich die Chance für
eine bauliche und funktionale Attraktivierung
des Nahversorgungszentrums. Hier sollen ne-
ben einer Tagespflege, einer Sozialstation und
Wohnungsangeboten im sozialen Bereich, im
südlich gelegenen Baukörper im Erdgeschoss
auch Zentren ergänzende Nutzungen angesie-
delt werden. Aktuell sind die Ansiedlung einer
Praxis und einer Bäckerei vorgesehen. Zulässig
sind aber grundsätzlich auch weitere Einzel-
handelsnutzungen. Zudem entsteht, umgeben
von den neuen Baukörpern, ein öffentlicher
Platz mit Verweilqualitäten.

(ai

8210 Sprakslr Sr

Die zu erwartende Bebauung des Böckmann-
platzes kann als wichtige Impulsentwicklung für
die Attraktivierung der zentralen Ortslage von
Sprakel gewertet werden. Dieser Standort und
der weiter nördlich gelegene Standort des Edeka-Markts (mit Erweiterungsoption) bilden in gewis-
sem Sinne die „Pole“ des Nahversorgungszentrums, zwischen denen sich perspektivisch eine
Verdichtung zentrenrelevanter Angebote und Funktionen ergeben kann. Durch die Realisierung
des neuen Baugebietes östlich der Sprakeler Straße rückt das Nahversorgungszentrum zudem in
eine zentralere, von Wohngebieten umschlossene Lage.

Im Ergebnis ist unter Berücksichtigung der gegebenen siedlungs- und versorgungsstrukturellen
sowie einwohner- bzw. kaufkraftbezogenen Rahmenbedingungen positiv zu bewerten, dass Spra-
kel über einen Lebensmittelmarkt mit baulichen Erweiterungsoptionen verfügt, der die Nahversor-
gung aktuell und auch perspektivisch sicherstellen kann. Eine Modernisierung und Erweiterung
dieses Marktes, ergänzt um die Ansiedlung weiterer kleinteiliger Einzelhandels- und Dienstleis-
tungsangebote innerhalb des festgelegten zentralen Versorgungsbereiches, stellt die grundsätzli-
che Perspektive für die Weiterentwicklung der Nahversorgung in Sprakel im Sinne eines Nahver-
sorgungskonzepts dar. Eine Raum- bzw. Standortalternative zu dem städtebaulich und funktional
festgelegten zentralen Versorgungsbereich für die Bündelung der Versorgungsangebote besteht,
auf der Grundlage des vom Rat im März 2018 beschlossenen Einzelhandels- und Zentrenkon-
zepts, auch unter Berücksichtigung der perspektivischen Wohnsiedlungs- und Einwohnerentwick-
lung (siehe Punkt 4), nicht.

9

4. Analyse der bestehenden und zukünftigen Nachfragesituation inkl. perspektivischer
Einwohnerentwicklung (für den Bereich Nahrungs- und Genussmittel) mit Bezug auf die
Entwicklungsoptionen des Einzelhandels

Zum 31.12.2018 wohnten im statistischen Bezirk 68 Sprakel 3.464 Einwohner. Davon lebten in der
unmittelbaren, bebauten Ortslage Sprakels (Stadtzelle 68-1, Stand 31.12.2017) 2.790 Einwohner.
Die übrigen Einwohner entfallen auf den großräumigen Außenbereich.

Die letzte kleinräumige Bevölkerungsprognose der Stadt Münster (vgl. Vorlage V/0979/2016, Fort-
schreibung der Kleinräumigen Bevölkerungsprognose (KBP) für den Zeitraum 2015 - 2025) weist
für Sprakel eine perspektivische Einwohnerentwicklung von bis zu 5.478 Einwohnern bis zum Jahr
2025 aus. Orientiert am aktuellen Einwohnerstand zum 31.12.2018 entspricht dies einem Plus von’
2.014 Einwohnern oder rd. 58 %. Diese mögliche Einwohnerentwicklung ist im engen Zusammen-
hang mit der perspektivischen

Wohnsiedlungsflächen- und . Bevölkerungszahl im Stadteil Sprakel (statistischer Bezirk 68) =

Baulandentwicklung zu sehen. Einzugsgebiet für den Einzelhandel in Sprakel

Im derzeit gültigen Bauland- -
2018 (31.12.2018) 2025 (KBP absolut) Diff. zu 2018

programm (vgl. Vorlage
V/0207/2018, Fortschreibung absolut in %
des Baulandprogramms 2018 — 3.464 5.478 2.014 58

2025) sind mehrere Flächen,

sowohl am östlichen als auch westlichen Ortsrand von Sprakel, für die Baulandaktivierung enthal-
ten. Weitere Baulandflächen könnten perspektivisch hinzukommen. Der aktuelle Sachstand in Be-
zug auf die zeitliche Entwicklung dieser im Baulandprogramm bereits verzeichneten Gebiete wird
bei der in Vorbereitung befindlichen Fortschreibung der kleinräumigen Bevölkerungsprognose be-
rücksichtigt. Hier hat es Veränderungen gegenüber den Annahmen aus der KBP 2016 gegeben,
die dazu führen, dass der dort angegebene Zielwert von fast 5.500 Einwohnern nicht bereits 2025,
sondern voraussichtlich erst später erreicht werden wird. Grundsätzlich gilt, dass nur wenn es im
Prognosezeitraum faktisch zu einer Bebauung und Besiedlung dieser Baulandflächen kommt, auch
die kalkulierte Einwohnerentwicklung mittel- bis langfristig eintreffen kann. Für die Zukunft ist somit
im Zeitablauf von einer deutlichen Einwohner- und Kaufkraftzunahme auszugehen.

Aus dem Einwohnerpotenzial im Stadtteil, der gleichzeitig der maßgebliche Einzugsbereich für die
Nahversorgungsangebote Sprakels ist, leitet sich auch das potenzielle Kaufkraft- und Nachfrage-
potenzial ab. Streuumsätze von außerhalb dieses Einzugsbereiches sind zwar möglich, dürften
aber insbesondere aufgrund der verkehrlichen Anbindung (keine Durchgangsstraße, keine nen-
nenswerte Abschöpfung von „Pendlerkaufkraft‘), gering sein und werden daher bei den weiteren
Berechnungen nicht berücksichtigt. Grundsätzlich ist aufgrund der siedlungsräumlich abgesetzten
Lage des Stadtteils und des differenzierten Konsumverhaltens .der Verbraucher (Vorlieben für be-
stimmte Anbieter, z. B. Edeka oder Rewe / Aldi oder Lidl, Einkäufe außerhalb des Stadtteils, z. B.
auf dem Weg zur Arbeit bzw. nach Hause) davon auszugehen, dass nur ein gewisser Anteil des
Kaufkraftpotenzials vor Ort gebunden werden kann. Selbst bei einem optimalen Einzelhandelsan-
gebot im Lebensmittelbereich ist es in den Außenstadtteilen Münster realistisch, dass dort i. d. R.
max. eine Kaufkraftbindung von ca. 75 % erreicht werden kann (vgl. hierzu auch: Monitoringbericht
zur Einzelhandelsentwicklung in Münster 2010, Beiträge zur Stadtforschung Stadtentwicklung
Stadtplanung 1/2011).

Nach eigenen, überschlägigen Berechnungen ist derzeit für den Bereich Nahrungs- und Genuss-
mittel von einem sortimentsspezifischen Kaufkraftpotenzial in Sprakel in Höhe von rd. 8,7 Mio. Eu-
ro (gem. GfK GeoMarketing, Kaufkraftdaten für Münster 2018) auszugehen. Dieses könnte max.,
wie oben ausgeführt, zu 75 % bzw. rd. 6,5 Mio. Euro durch lokale Angebote gebunden werden.
Das allgemeine Ausgabeverhalten der Verbraucher in Deutschland im Lebensmittelsektor teilt sich
zudem folgendermaßen auf: 80 % des Ausgabevolumens entfallen auf Einkäufe in Lebensmittel-

10

märkten, jeweils zur Hälfte auf die Angebotsformen der Lebensmiittelvollsortimenter (z. B. Edeka
oder Rewe) und der Lebensmitteldiscounter (z. B. Aldi oder Lidl). Rd. 20 % der Verbrauchsausga-
ben entfallen i. d. R. auf das Lebensmittelhandwerk und sonstige Einzelhandelsangebote. Insofern
ließe sich für Sprakel modellhaft ein zu bindendes Kaufkraftpotenzial von rd. 5,2 Mio. Euro (ent-
spricht 75 % der Kaufkraft für Nahrungs- und Genussmittel) für Lebensmittelmärkte und dieses
wiederum zur Hälfte (je 2,6 Mio. Euro) auf die Angebotsformen Vollsortimenter und Discounter
ableiten.

Potenziell zu bindende Kaufkraft im Sortiment Nahrungs- und Genussmittel
im Einzugsgebiet Sprakel (statistischer Bezirk 68), insgesamt 8,7 rd. Mio. Euro,
davon 75 %= rd. 6,5 Mio. Euro p. a.

Ss J

rd. 20 % i rd. 80 %
durch Lebensmittelhandwerk / durch Lebensmittelmärkte
sonstiger Einzelhandel rd. 5,2 Mio. Euro
(z. B. Hofverkauf, Randsortiment JL
Raiffeisenmarkt) JL
rd. 1,3 Mio. Euro p. a. 50 % 50%
Lebensmittelvollsortimenter Lebensmitteldiscounter
rd. 2,6 Mio. Euro p. a. rd. 2,6 Mio. Euro

Aufgrund der gegebenen Rahmenbedingungen in Sprakel, die gekennzeichnet sind durch das
zentrale („alternativlose‘) Angebot des Edeka-Marktes und die großen Entfernungen zu den
nächstgelegenen Einkaufsstandorten (z. B. in Kinderhaus oder Greven), wird für die nachfolgen-
den Berechnungen davon ausgegangen, dass der Vollsortimentmarkt etwas höhere betriebsfor-
mentypische Ausgabenanteile (mehr als‘50 %) an sich binden kann. Demnach erscheint es realis-
tisch, dass die derzeitigen Angebote in diesem Warensegment Nahrungs- und Genussmittel (Ede-
ka, Bäckerei, Fleischerei, Randsortiment Raiffeisenmarkt) rechnerisch, auf der Grundlage bran-
chenüblicher Raum- bzw. Umsatzleistungen (vgl. Struktur- und Marktdaten des Einzelhandels
2017, www.stmwi.bayern.de), mit rd. 3,0 bis 3,5 Mio. Euro bzw. 46 bis 54 % gut die Hälfte des
Kaufkraftpotenzials im Bereich Nah-

rungs- und Genussmittel binden. Umsatz-Kaufkraft-Relation im Sortiment

Magnet in diesem Segment ist der Nahrungs- und Genussmittel

Edeka-Markt mit seinem Lebensmit-
telvollsortimentangebot. Es verbleibt
ein theoretisch bindungsfähiges
Kaufkraftpotenzial von rd. 3 Mio. Eu-
ro, das derzeit vermutlich an Ein-
kaufsstandorte außerhalb von Spra-
kel abfließt.

Derzeitiger Umsatz Bindungsfähige Umsatz-Kaufkraft-
Kaufkraft Relation

3 bis 3,5 Mio. Euro 6,5 Mio. Euro 46 bis 54 %

Unter Status Quo Rahmenbedingungen (Einwohner und Kaufkraft) und in Anbetracht der Entwick-
lungstendenzen des nahversorgungsrelevanten Einzelhandels (vgl. Punk 2) kann hieraus aller-
dings kein Bedarf bzw. keine absatzwirtschaftlich tragfähige Grundlage für die Ansiedlung eines
weiteren wettbewerbsfähigen Lebensmittelmarktes abgeleitet werden. Dies gilt insbesondere vor
dem Hintergrund, dass eine Betriebsformenergänzung zu dem bereits vorhandenen Angebot des
zu sichernden und zu entwickelnden Vollsortimentmarktes am besten durch einen Discountmarkt
erfolgen sollte. Dieser müsste, um rentabel betrieben werden zu können, bei einer angenommenen
marktwirtschaftlichen Größe von rd. 1.000 m? Verkaufsfläche, betreiberabhängig einen Umsatz von
mindestens 4 bis 5 Mio. Euro erwirtschaften. Darüber hinaus ist zu berücksichtigen, dass das

11

Kaufkraftpotenzial (rd. 3 Mio. Euro) aufgrund des Ausgabeverhaltens der Verbraucher nicht voll,
sondern nur zu rd. 80 % (2,4 Mio. Euro) als Entwicklungspotenzial für eine Lebensmittelmarktan-
siedlung zur Verfügung stünde. In Sprakel besteht somit derzeit, sowohl absatzwirtschaftlich, als
auch hinsichtlich der städtebaulichen Verträglichkeit. (Sicherung und Entwicklung des vorhandenen
Lebensmittelmarktes im zentralen Versorgungsbereich), keine Grundlage für die Ansiedlung eines
weiteren großflächigen Lebensmittelmarktes.

Diese Einschätzung ändert sich auch unter Einbeziehung der perspektivischen Wohnbauflächen-
und Einwohnerentwicklung nicht. Durch die über auf viele Jahre verteilte mögliche Einwohnerent-
wicklung kann die Einwohnerzahl in Sprakel um rd. 2.000 Einwohner ansteigen. Dies entspräche,
unter Zugrundelegung der aktuel-

len sortimentsspezifischen Kauf- Bindungsfähige Kaufkraft im Sortiment Nahrungs- und
kraft (ohne Berücksichtigung evtl. Genussmittel in Sprakel
Kaufkraftsteigerungen oder auch -

verluste), einem Kaufkraftzuwachs Kaufkraft 2018 Kaufkraft 2025 (Schätzung*)
von rd. 5 Mio. Euro, der zu rd. 75 ae davon bin- & \ davon bin-
% (rd. 3,8 Mio. Euro) bindungsfä- 1 ei dungsfähig a dungsfähig
hig wäre. Davon wiederum wären 09 % 75% na 75%

rd. 80 % (rd. 3 Mio. Euro) als
Kaufkraft- bzw. Umsatzpotenzial

für einen weiteren Lebensmittel- * auf der Grundlage der GFK-Kaufkraft 2018
markt anzusetzen.

8,7 Mio. Euro 6,5 Mio. Euro 13,7 Mio. Euro 10,3 Mio. Euro

Auch unter Berücksichtigung dieses möglichen, zuwachsenden Kaufkraftpotenzials besteht nach
derzeitiger Einschätzung aufgrund der absatzwirtschaftlich notwendigen Einwohner-/ Kaufkraftein-
zugsbereiche (vgl. Punkt 2, mind. rd. 5.000 bis 6.000 Einwohner) kein Ansiedlungspotenzial für
einen zusätzlichen, modernen und marktfähigen Lebensmittelmarkt in Sprakel. Für potenzielle
Marktbetreiber, so die Erfahrung der Verwaltung und Wirtschaftsförderung, wäre eine Ansiedlung
in Sprakel nur erwägenswert, wenn sie einen Standort unmittelbar an der Auffahrt zur B 219 ein-
nehmen könnten, um zusätzliche „Pendlerkaufkraft‘ abschöpfen zu können. Dies ist aber unter den
gegebenen Rahmenbedingungen weder konzeptionell gewünscht, noch städtebaurechtlich um-
setzbar. Zielsetzung ist es vielmehr, die für die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit notwendige und
über das Einzelhandels- und Zentrenkonzept bereits planerisch berücksichtigte Erweiterungsoption
des Vollsortimentmarktes innerhalb des zentralen Versorgungsbereiches zu fördern und dadurch
die Attraktivität und Kaufkraftbindung des Marktes in Sprakel zu erhöhen. Die Ansiedlung eines
weiteren Lebensmittelmarktes würde dieses Entwicklungsziel und damit die Funktionsfähigkeit des
zentralen Versorgungsbereiches gefährden.

Grundsätzlich ist zudem davon auszugehen, dass die Ansiedlung eines Drogeriefachmarktes mit
Blick auf die Standortanforderungen der maßgeblichen Betreiber dieser Angebotsform in Münster,
dm und Rossmann, ebenso unrealistisch ist (vgl. Punkt 2). Das erforderliche Umsatzvolumen eines
marktfähigen Drogeriefachmarktes mit rd. 500 m? Verkaufsfläche (rd. 2,8 Mio. Euro) würde selbst
das perspektivische Kaufkraftvolumen (inklusive Einwohnerentwicklung bis 2025 gem. KBP) über-
steigen.

Als Fazit bleibt festzuhalten, dass die Entwicklungsoptionen für den nahversorgungsrelevanten
Einzelhandel grundsätzlich für die Stärkung und Entwicklung des Angebotes innerhalb des zentra-
len Versorgungsbereiches genutzt werden sollten. Hierzu kann die potenzielle Erweiterung des
bestehenden Lebensmittelmarktes auf eine zukunftsfähige Verkaufsflächengröße und die Ansied-
lung weiteren kleinteiligen Einzelhandels im Bereich Böckmannplatz einen maßgeblichen Beitrag
leisten (vgl. Einzelhandels- und Zentrenkonzept Münster, Fortschreibung 2018, Seite 120).

12

5. Zusammenfassung und Empfehlungen für die Entwicklung der Nahversorgung in Spra-
 kel

Gemäß des vom ‚Rat der Stadt Münster beschlossenen Einzelhandels- und Zentrenkonzepts ist
Sprakel mit der Festlegung des zentralen Versorgungsbereiches an der Sprakeler Straße die
Funktion eines Nahversorgungszentrums zugewiesen worden. Die Versorgungsfunktion dieses
Bereiches, der auf der Grundlage städtebaurechtlicher Vorgaben schützenswert ist, soll gesichert
und wenn möglich weiterentwickelt werden.

Derzeit ist Sprakel im gesamtstädtischen Vergleich unterdurchschnittlich mit Verkaufsflächen der
Nahversorgung ausgestattet. Gleichwohl ist vor dem Hintergrund der geringen Einwohnerstärke
des Stadtteils mit Bezug zu den betriebswirtschaftlich notwendigen Einwohnereinzugsbereichen
moderner Lebensmittelmärkte das Vorhandensein des bestehenden Lebensmittelmarktes (Edeka)
positiv zu bewerten. Unter Status Quo Rahmenbedingungen und insbesondere mit Blick auf die
perspektivische Einwohner- und damit auch Kaufkraftentwicklung bestehen begründete Entwick-
lungspotenziale für den nahversorgungsrelevanten Einzelhandel in Sprakel. Geeignete Rahmen-
bedingungen für die Ansiedlung eines weiteren großflächigen Lebensmittelmarktes, vorzugsweise
eines Lebensmitteldiscounters zur Ergänzung des Betriebstypenmixes, bestehen allerdings nach
derzeitiger Bewertung auch perspektivisch nicht.

Das Entwicklungspotenzial für die Nahversorgung sollte zur Stärkung und Attraktivierung des Nah-
versorgungszentrums an der Sprakeler Straße genutzt werden. Maßgebliche Beiträge hierzu kön-
nen die Bebauung des Böckmannplatzes mit der Ansiedlung kleinteiliger, zentrenergänzender
Nutzungen sowie die mögliche Erweiterung und Modernisierung des Edeka-Marktes leisten. Beide

Planausschnitt Nahversorgungszentrum mit schraffiertem' Bereich für poten-
zielle Angebotsergänzungen

13

Maßnahmen werden aktiv und konstruktiv von der Verwaltung und der Wirtschaftsförderung be-
gleitet. Die perspektivische Einwohner- und Kaufkraftentwicklung bietet zudem die Chance, dass
sich auch weitere kleinteilige Einzelhandels- und Dienstleistungsnutzungen ansiedeln könnten.
Das bestehende Nutzungs- und Funktionsgefüge i. V. mit den v. g. Entwicklungsstandorten (Edeka
und Böckmannplatz) legt es städtebaulich und strukturell nahe, einen räumlichen Schwerpunkt für
entsprechende mögliche Entwicklungen zwischen diesen beiden Polen „entlang der Sprakeler
Straße“, inklusivedes Eingangsbereiches der Straße Drei Linden, zu begründen.

Faktisch könnte dies z. B. durch Umnutzung von Wohnhäusern (Erdgeschosslagen) realisiert wer-
den. Die planungsrechtliche Ausweisung von Allgemeinen Wohngebieten beidseits der Sprakeler
Straße (Ausnahme Bereich Böckmannplatz, der geltende Bebauungsplan setzt hier ein Mischge-
biet fest) ließe die Ansiedlung von Läden, die der Gebietsversorgung dienen, vom Grundsatz her
zu.

Die nachfolgende Abbildung zeigt eine idealtypische (nicht abschließende) Ausstattung eines
Stadtteilzentrums in Münster mit privaten und öffentlichen Versorgungs- und Infrastrukturangebo-
ten. Unter den Überschriften „Einzelhandel“ und „Dienstleistungen“ sind mögliche Geschäfte bzw.
Nutzungen aufgelistet. Wichtige Kernversorgungsangebote (z. B. Supermarkt) befinden sich inner-
halb des gestrichelten Kreises, ergänzende Nutzungen (Feinkostgeschäft) außerhalb des Kreises.
Komplettiert werden diese Einzelhandels- und Dienstleistungsnutzungen durch Infrastrukturange-
bote bzw. -einrichtungen, die unterhalb des gestrichelten Kreises aufgeführt sind (z. B. ÖV-
Haltepunkt (Bus/Bahn)). Je größer bzw. einwohnerstärker ein Stadtteil ist, desto höher sind die
Zentralität und damit auch die Wahrscheinlichkeit, dass viele der aufgeführten Angebote und Nut-
zungen vorhanden sind.

In grüner Schrift sind die Angebote aufgeführt, über die Sprakel derzeit bereits verfügt. Einzelhan-
delssortimente bestimmter, in Sprakel nicht vorhandener Fachgeschäftstypen (z. B. Getränke-
markt, Drogerie-
markt), werden zu-
mindest als Randsor-
timent (z. B. im Ede- „arten,

. .n

ka-Markt) angeboten. . S

Idealtypische Ausstattung eine Stadtteilzentrums

” N
Ein öffentlicher Platz Einzelhandel Diehstleistungen
und eine Senioren- X ie
wohnlage (orange . er I ® Bäckerei + Bank/Sparkasse x + Facharzt

R » Feinkost ı » Metzgerei » Post-/Agentur \  * Versicherung
Schrift), werden als » Getränkemarkt + Supermarkt + Allgemeinarzt \ + Bürgerbüro
wichtige Ausstat- + Buchhandel fi + Discounter + Restaurant/Caf& n * Kirchliche Einrichtung
tungsmerkmale eines » Bekleidung ! + Drogeriemarkt + Reinigung I + Soziale Einrichtung
Stadtteils in Kürze mit * Schuhe \ » Apotheke + Toto/Lotto n « Bücherei
der Bebauung des +» Akustik/Optik _\ «+ Tabak/Zeitschriften « Frisör j; + Fahrschule
Böckmannplaztes N + Blumen +» Reisebüro „K
hinzukommen. Diese EEE {

2

Übersicht macht noch u De
einmal deutlich, dass MPN. Es
Sprakel, in Anbetracht Öffentlicher Platz _ __-- " — Wochenmarkt
der derzeit geringen Kadergiten ÖV-Haltepunkt

Einwohnerstärke,
durchaus über ein
angemessenes Ver-
sorgungsangebot

Seni hnanlage Grünanlage/Erholungsbereich
Grundschule

14

verfügt. Vor dem Hintergrund der Wachstumsperspektiven Sprakels sind weitere Entwicklungen
bzw. Ansiedlungen denkbar, die aus den, in grauer Schrift dargestellten, möglichen Versorgungs-
angeboten bestehen könnten.

Entscheidend für die Entwicklung weiterer kleinflächiger Einzelhandels- oder auch Dienstleis-
tungsangebote in Sprakel ist jedoch allein das private Engagement auf Seiten von Eigentümern,
Investoren und möglichen Anbietern bzw. Betreibern. Die Stadtverwaltung und auch die Wirt-
schaftsförderung Münster können bei entsprechenden 'Entwicklungsinteressen, soweit 'möglich,
konstruktive Hilfestellungen anbieten.

Für die Existenzfähigkeit der Nahversorgung und auch sonstiger kleinflächiger Einzelhandelsan-
gebote, insbesondere in Stadtteilen mit geringer Einwohnerstärke wie im Fall Sprakel, ist es von
entscheidender Bedeutung, dass die lokale Bevölkerung dort auch einkauft. Dadurch kann erreicht
werden, dass weniger Kaufkraft an andere Standorte abfließt und die wirtschaftlich Tragfähigkeit
der dortigen Versorgungsangebote gewährleistet bzw. gestärkt wird. Insofern ist auch das Kon-
sumverhalten der Einwohner Sprakels mitentscheidend für die Entwicklung der Nahversorgungs-
angebote vor Ort.

Verwaltung und Wirtschaftsförderung werden die weitere Entwicklung der sich kontinuierlich und
immer schneller verändernden Betriebskonzepte des Einzelhandels genau beobachten. Sich hie-
raus evtl. ergebende neue Chancen für eine Verbesserung der Nahversorgungs- und Einkaufsan-
gebote in Sprakel können aktiv, z. B. durch gezielte Ansprache potenzieller Betreiber, aufgegriffen
werden. Sollte sich hieraus ein Bedarf. für planerische Maßnahmen zur Weiterentwicklung der
im Stadtteil ergeben, wäre dieser zum gegebenen Zeitpunkt erneut zu bewerten.

Anlage:
Antrag Ifd. Nr. A-N/0021/2018 der CDU - BV Nord in der Bezirksvertretung Münster Nord „Nahver-
sorgungskonzept für Sprakel“, Antrag der CDU-Fraktion vom 05.11.2018

A-N-0021-2018- Nahversorgungskonzept für Sprakel

1527 Zeichen

A-N/0021/2018 
 
Fraktion in der  
Bezirksvertretung Münster-Nord 
CDU-Kreisverband Münster e.V.                         CDU-Fraktion in der BV Nord 
Mauritzstraße 4-6 • 48143 Münster                                                                                                             Vorsitzender: Olaf Bloch 
Telefon (02 51) 4 18 42-0                                                                                                               Guerickeweg 25, 48159 Münster 
Telefax (02 51) 4 18 42-44                                                                                                                             Telefon (0251) 212183 
post@cdu-muenster.de • www.cdu-muenster.de                                                                                  olaf.bloch@drv-westfalen.de 
 
 
 
Münster, 3.11.2018 
A n t r a g : 
 
 
 
 
Nahversorgungskonzept für  Sprakel 
 
 
Die BV Nord möge beschließen: 
die Verwaltung wird gebeten, mit Unterstützung der Wirtschaftsförderung Münster ein 
Nahversorgungskonzept für den Stadtteil Sprakel zu erstellen. 
 
 
   
 Begründung: 
 
Sprakel wird perspektivisch auf 5.500 Einwohner wachsen. Hierfür ist die aktuell gegebene 
Ausstattung mit Nahversorgungseinrichtungen im Stadtteil bei weitem nicht ausreichend. 
Damit ein gesundes Wachstum des Stadtteils auch zu realisieren sein wird, ist die Erstellung 
eines Nahversorgungskonzeptes zwingend erforderlich. 
 
 
Weitere Begründung ggf. mündlich. 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 Bloch   Bölling  Rösmann  und Fraktion

A-N-0021-2018_Nahversorgungskonzept_61-ZwiBe_20181214

1208 Zeichen

Stadt Münster
‚Amt für Bürger- und Ratsservice

2.0. Dez. 2018

Scheck €

— — |
Stadt, Münster |
Dezkrnat II

61.21.0010 / Herr Hopp 14.12.2018
Z Tel.: 492 - 6117 / = Fax: 492 - 7732

= Email: Hopp@stadt-muenster.de

Bezirksvertretung Münster-Nord
zur Sitzung am 22.01.2019

Eing.

über 33 - Bezirksverwaltung Münster-Nord

über Dez. Ill, Herrn Stadtbaurat Denstorff

Antrag Ifd. Nr. A-N/0021/2018 der CDU - BV Nord in der Bezirksvertretung Münster
Nord „Nahversorgungskonzept für Sprakel“, Antrag der CDU-Fraktion vom
05.11.2018

Mit dem o. g. Antrag wurde die Verwaltung beauftragt, zusammen mit der Wirtschaftsförderung
Münster ein Nahversorgungskonzept für den Stadtteil Sprakel zu erstellen.

Zwischenmitteilung der Verwaltung

Das Amt für Stadtentwicklung, Stadtplanung, Verkehrsplanung wird, mit Unterstützung der Wirt-
schaftsförderung Münster GmbH, auf der Grundlage des im März 2018 vom Rat der Stadt Münster
beschlossenen Einzelhandels- und Zentrenkonzepts Münster die Entwicklungsoptionen für die
Nahversorgung im Stadtteil Sprakel prüfen. Ein Bericht über die Prüfergebnisse wird der Bezirks-
vertretung Nord in einer der nächsten Sitzungen, spätestens im 2. Quartal 2019, vorgelegt.

°. Ss bsen

Beratungsverlauf (1)

13.11.2018 Bezirksvertretung Münster-Nord
TOP 7.6 Antrag Entscheidung

Beschluss: einstimmig beschlossen

Zur Sitzung

Orte (7)

  • Mauritzstraße 4
  • Sprakeler Straße
  • Guerickeweg 25
  • Böckmannplatz
  • Umgehungsstraße
  • Dreilinden
  • Kinderhaus

Ortsbezüge werden automatisch aus den Dokumenten ermittelt und können unvollständig sein.

Details

Aktenzeichen
A-N/0021/2018
Typ
Antrag an die BV Nord
Datum
05.11.2018
Erstellt
06.10.2020 14:37