V/0771/2012/1
Antrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen/GAL an den Rat Nr. A-R/0036/2012 "Auskunft aus dem Melderegister auf das absolute Mindestmaß reduzieren!"
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Ergänzungsvorlage Beschluss
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V/0771/2012/1 DER OBERBÜRGERMEISTER Amt für Bürgerangelegenheiten Betrifft Antrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen/GAL an den Rat Nr. A-R/0036/2012 "Auskunft aus dem Melderegister auf das absolute Mindestmaß reduzieren!" Beratungsfolge 12.12.2012 Hauptausschuss Entscheidung Beschlussvorschlag: I. Sachentscheidung: 1. Der Hauptausschuss nimmt die in der erweiterten Begründung dargestellten rechtlichen und verwaltungspraktischen Erwägungen zur Kenntnis. 2. Der Ratsantrag Nr. A-R/0036/2012 wird nicht aufgegriffen und ist damit erledigt. Begründung: Ergänzend zur Begrün dung der Vorlage in der ursprünglichen Fassung wird Folgendes ausg e- führt: Die mit dem Antrag A -R/0036/2012 verfolgte Reduzierung von Melderegisterauskün ften auf das „unbedingt erforderliche Maß“ durch Bildung von Fallgruppen, bei denen eine Ermessensred uzie- rung auf Null gegeben ist, ist aus rechtlichen wie praktischen Gründen nicht u msetzbar, weshalb die Verwaltung vorschlägt, diesen Antrag nicht umzusetzen. Im Folgenden werden zunächst einige grundsätzliche rechtliche Hinweise gegeben (Punkte 1 bis 3), um dann auf Einzelpunkte des politi- schen Antrages einzugehen (Punkte 4 bis 7). Vorlagen-Nr.: V/0771/2012/1. Erg. Auskunft erteilt: Herr Schlenker Ruf: 492 33 03 E-Mail: Schlenker@stadt-muenster.de Datum: 27.11.2012 Öffentliche Beschlussvorlage - 2 - V/0771/2012/1 Das Melderegister ist de jure kein öffentliches Register, sondern lediglich ein behördeninte rnes Register, welches dem innerdienstlichen Gebrauch der Meldebehörden dient und da s Informat i- onsbedürfnis anderer Behörden befriedigen soll. Tatsächlich hat das Melderegister jedoch seit langem die Funktion eines öffentlichen Registers erlangt. Die Vorschriften über die Melderegiste r- auskunft tragen insofern auch dem Informationsbedürfni s des privaten Bereichs Rechnung. Hinter den Vo rschriften steht der Gedanke, dass in unserer Gesellschaft sich niemand ohne triftigen Grund seiner Umwelt entziehen kann und darf. Vielmehr muss jede/r Mitbürger/in erreichbar ble i- ben und es hi nnehmen, dass a ndere Mitbürger notfalls staatliche Hilfe in Anspruch nehmen, um mit ihm/ihr in Kontakt zu treten. Die in der Melderegisterauskunft liegende Beeinträchtigung des informationellen Selbstbestimmungsrechts liegt deshalb im Rahmen der verfassungsrechtlichen Grenzen (Medert/Süßmuth, Melderecht des Bundes und der Länder, Teil I, § 21 MRRG, Rn. 5). Die Melderegisterauskünfte, auf die sich der Antrag A -R/0036/2012 bezieht, sind für das Land Nordrhein-Westfalen in den §§ 34 und 35 des Meldegesetzes NRW (MG NRW) geregelt. 1. Einfache Melderegisterauskunft (gem. § 34 Abs. 1 MG NRW): Für eine Melderegisterauskunft an Private ist es nach § 34 MG NRW erforderlich, dass der Anfr a- gende eine „bestimmte Person“ benennt. Daraus wird abgeleitet, dass der Bürger oder die priv at- rechtliche Vereinigung die Person, auf die sich die Melderegisteranfrage bezieht, individualisierbar benennt. Durch dieses tatbestandliche Erfordernis der „Individualisierbarkeit“ wird durch das Me l- degesetz ausgeschlossen, dass unbestimmte Anfragen an di e Meldebehörde herangetragen we r- den. Es werden damit zwar keine Massenauskünfte verhindert, sofern jede betroffene Person n a- mentlich benannt wird und die Meldeanfrage damit entsprechend individualisiert erfolgt. Es werden dadurch aber Rasterabfragen, bspw. bezogen auf Straßenzüge oder Stadteile, verhindert. Die Melderegisterauskunft bezieht sich sodann auf den Namen und die Anschrift der e rfragten Person. Sofern diese Voraussetzung erfüllt ist, besteht in der Regel nach der Konzeption des Gesetzg e- bers kein Grund für eine Versagung der einfachen Melderegisterauskunft, sofern keine Verwech s- lungsgefahr besteht, eine Auskunftssperre gem. § 34 Abs. 6 MG NRW eingetragen ist, ein Aus- kunftsverbot nach § 34 Abs. 7 MG NRW oder eine Übermittlungssperre besteht. Denn das Melde- gesetz macht die einfache Melderegisterauskunft nicht von einem näher zu bestimmenden Au s- kunftsinteresse abhängig. Ein berechtigtes Interesse an einer Auskunft wird lediglich in § 34 Abs. 2 MG NRW für eine „erweiterte Melderegisterauskunft“ verlangt . Widerspruchsmöglichkeiten des Betroffenen gegen eine einfache Melderegi sterauskunft bestehen nach der dem Meldegesetz nicht. Von der einfachen Melderegisterauskunft machen in der Praxis weit überwiegend Gläubiger von zivilrechtlichen Forderungen, wie bs pw. Privatpersonen, Banken, Versicherungen und Factoring - Gesellschaften Gebrauch. Es stellen aber auch Private einen Antrag auf Auskunftserteilung, die Adressen bestimmter Personen für Klassentreffen, Jubiläen oder ähnliche Anlässe benötigen. Die Rechtsgrundlage für die Weitergabe von Daten an Adressbuchverlage ist § 35 Abs. 4 -6 MG NRW. An Adressbuchverlage darf eine Auskunft nach der gesetzlichen Konzeption nur dann erteilt werden, wenn der Betroffene vorab schriftlich eingewilligt hat. Liegt diese Einw illigung nicht vor, darf die Auskunft nicht erteilt werden. Da eine Auskunft nach § 34 MG NRW an gewerbsmäßige Adressvermittler, die die Daten daue r- haft speichern wollen, nicht durch das Gesetz ausgeschlossen ist, hat das Innenministerium NRW mit den Sch reiben vom 04.07.2012 und 24.07.2012 (AZ: 13 -38.04.06) das Ermessen der Meld e- behörden durch eine Verwaltungsanweisung eingeschränkt. Danach sind Melderegisterauskünfte an gewerbsmäßige Adressvermittler nur zulässig, wenn die anfragenden Firmen eine Erkläru ng abgegeben haben, dass die Daten nur an einen Auftraggeber weitergegeben werden und nicht länger als 30 Tage sowohl bei der anfragenden Firma als auch bei deren Auftraggeber gespeichert werden. 2. Automatisierte einfache Melderegisterauskunft (gem. § 34 Abs. 1a MG NRW): - 3 - V/0771/2012/1 § 34 Abs. 1a MG NRW ermöglicht die einfache Melderegisterauskunft auf automatisiert verarbeite- ten Datenträgern durch Datenübertragung oder im Wege des automatisierten Abrufs über das I n- ternet. Voraussetzung dafür ist, dass der Antrag in der am tlich vorgeschriebenen Form erstellt wird, der Antragsteller den Betroffenen mit Vor- und Familiennamen sowie mindestens zwei weite- ren gespeicherten Daten bezeichnet hat und die Identität des Betroffenen durch einen automat i- sierten Abgleich der im A ntrag angegebenen mit den im Melderegister gespeicherten Daten des Betroffenen eindeutig festgestellt worden ist. Auch hier wird kein Nachweis eines bestimmten Int e- resses für die Auskunftserteilung vom Meldegesetz als Tatbestandsvoraussetzung gefordert. D as Meldegesetz sieht für die automatisierte Auskunft über das Internet im Unterschied zu der einf a- chen Melderegisterauskunft nach § 34 Abs. 1 MG NRW gem. § 34 Abs. 1b S. 3 MG NRW ein W i- derspruchsrecht vor. Der Bürger kann demnach seine Interessen durch die Erklärung des Wide r- spruches gegen eine automatisierte Auskunft über das Internet wahren. 3. Melderegisterauskunft in besonderen Fällen (gem. § 35 Abs. 1 MG NRW): Die Erteilung von Melderegisterauskünften an politische Parteien zum Zwecke der Wahlwe rbung ist für die Meldebehörde in § 35 Abs. 1 MG NRW geregelt. Die Entscheidung über das „Ob“ der Auskunftserteilung liegt hier ebenfalls im Ermessen der Meldebehörde. Auch die Parteien haben folglich lediglich einen Anspruch auf eine ermessensfehlerfreie Ent scheidung. Im Rahmen der E r- messensausübung sind alle Parteien gem. Art. 3 Abs. 1 des Grundgesetzes in Verbindung mit § 5 des Parteiengesetzes gleich zu behandeln. Auch in Bezug auf die Melderegisterauskunft an polit i- sche Parteien steht jedem Bürger nach der Konzeption des Landesgesetzgebers gem. § 35 Abs. 6 S. 1 MG NRW ein Widerspruchsrecht in Bezug auf die Datenweitergabe zu. Auf das Wide r- spruchsrecht ist der Bürger bei der Anmeldung hinzuweisen, so dass jeder Bürger von diesem Widerspruchsrecht Kenntnis erlangt. Auch hier kann der Bürger seine Interessen folglich durch die Erklärung des Widerspruches wahren. 4. Einschränkung der Auskunftserteilung durch Bildung von sachgrundbezogenen Fallgruppen: Die Verwaltung rät davon ab, durch die im Antrag A -R/0036/2012 geforderte Bildung von Fallgrup- pen die Auskunftserteilung zu reduzieren. Dieser Antrag ist aus praktischen Gründen nicht u m- setzbar und unterliegt rechtlichen Bedenken. Um den Antrag umsetzen zu können, müssten z u- nächst Fallgruppen gebildet werden, die nur a nhand der Interessen der Auskunftsersuchenden gebildet werden können. Sodann müsste in der Praxis jedes Auskunftsersuchen zunächst von der Angabe eines Sachgrundes oder eines Au skunftsinteresses abhängig gemacht werden und das angegebene Interesse in die gefundenen Fallgruppen einsortiert werden. Dieses Vorgehen unte r- liegt rechtlichen Bedenken: Weder im Falle der einfachen Melderegiste rauskunft nach § 34 Abs. 1 MG NRW noch im Falle der automatisierten Melderegisterauskünfte wird auf der Tatbestandseb e- ne der Norm die Angabe eines Sachgrundes gefordert, um eine Melderegisterauskunft zu erhalten. Der Antrag beinhaltet folglich den Wunsch, die Antragsteller im Rahmen der auf Rechtsfolgenseite stattfindenden Ermessensausübung auf die Mitteilung eines Sachg rundes zu verpflichten, der auf Tatbestandsebene nicht vom Gesetz gefordert wird. Hätte der Gesetzgeber nur im Falle des Vo r- liegens besonderer Gründe eine Melderegisterauskunft möglich machen wollen, hätte er dies – wie im Falle des § 34 Abs. 2 MG NRW – als Tatbestandsmerkmal kodifizieren mü ssen. Dies hat er aber nicht getan, so dass die Einführung eines Sachgrundes im Rahmen der Ermessensau sübung das Risiko eines Ermessensfehlers und damit das Risiko rechtswidrigen Handelns beinhaltet. - 4 - V/0771/2012/1 Das Überprüfen des Sachgrundes würde neben den rechtlichen Bedenken zudem zu einem pe r- sonellen Mehrbedarf führen, der in der derzeitigen Haushaltssituation nicht vertreten werden sollte. Hinsichtlich der automatisierten Auskünfte stellt sich ein weiteres praktisches Problem: Der G e- setzgeber hat eine automatisierte Form der Datenübermittlung zugelassen, die zu einer automat i- sierten Auskunft führt, ohne dass es der Angabe eines Sachgrundes und folglich auch keiner Überprüfung des Sachgrundes nach der Konzeption des Gesetzgebers bedarf. In diesem automa- tisierten Verfahren ist es faktisch nicht möglich, eine Auskunft nur noch in bestimmten Fallgruppen zu erteilen, da systemseitig sodann eine Sachgrundprüfung stattfinden müsste, die eine automat i- sierte Auskunftserteilung, wie sie v om Gesetz vorgesehen ist, unmöglich macht. Hinsichtlich der automatisierten Auskunft über das Internet bedarf es auch deswegen keiner Einführung von Fal l- gruppen zur Reduzierung der Auskünfte, da jedem Bürger nach § 34 Abs. 1b S. 3 MG NRW ein Widerspruchsrecht zusteht, durch dessen Ausübung der Bürger seine Interessen schützen kann. Die Interessen der Bürger sind auch im Falle der Auskunftserteilung an Adressbuchverlage hinre i- chend geschützt, da diese nur nach einer vorherigen Zustimmung des Betroffenen z ur Datenwei- tergabe die Melderegisterauskunft erhalten dürfen. Hinsichtlich der Melderegisterauskunft an g e- werbliche Adressvermittler wird auf die Verwaltung sanweisungen des Innenministeriums vom 04.07. bzw. 24.07.2008 verwiesen, wonach die Antragsteller nu r unter besonderen Voraussetzun- gen die Melderegisterauskünfte erteilt erhalten. Diese ministeriellen Vorgaben werden auch von der Stadt Münster eingehalten. 5. Keine Auskunftserteilung an Parteien: Die Verwaltung rät unter drei Gesichtspunkten davon ab, entsprechend der Forderung in Antrag A- R/0036/2012 Parteien nach einer für die Zukunft zu ändernden Verwaltungspraxis keine Auskünfte mehr zu erteilen. Zunächst bestehen auch hier rechtliche Bedenken gegen den Vorschlag. Hier ist die Ziffer 15.3.1 der Ver waltungsvorschriften zur Durchführung des Meldegesetzes NRW (VV MG NW) zu beachten, mit der das Innenministerium NRW von seinem Weisungsrecht Gebrauch g e- macht hat. Dort heißt es: „Da der Gesetzgeber in § 35 Abs. 1 und 2 Melderegisterauskünfte im Zusammenh ang u.a. mit Wahlen und Abstimmungen unter datenschutzrechtlichen Maßgaben grundsätzlich z u- gelassen hat, dürfen derartige Auskünfte nicht allgemein aus Datenschutzgründen, sondern nur aus überwiegenden anderen Gründen abgelehnt werden (z.B. arbeitsmäßige Ü berlas- tung der Meldebehörde, Störungen der Datenverarbeitungsanlage, Vorrang andere Aufg a- ben).“ Das Innenministerium hat durch die Verwaltungsvorschrift ermessenslenkend die Versagung der Auskunft allein aus Datenschutzgründen ausgeschlossen. Ferner hat d as Innenministerium e r- messenslenkend Fälle der „überwiegenden anderen Gründe“ konkretisiert, die alle in der Betrieb s- sphäre des Amtes zu verorten sind. Ferner bedarf es der erwähnten geänderten Verwaltungspraxis aus Sicht der Verwaltung auch in diesem Fall nicht, weil jedem Bürger nach dem Meldegesetz bereits ein Mittel zur Verfügung steht, um Auskünfte an politische Parteien nach § 35 Abs. 1 MG NRW zu verhindern: Jedem Bü rger steht nach der Konzeption des Landesgesetzgebers gem. § 35 Abs. 6 S. 1 MG NRW ein Wider- spruchsrecht in Bezug auf die Datenweitergabe zu. Auf das Widerspruchsrecht ist der Bürger bei der Anmeldung hinzuweisen, so dass jeder Bürger von diesem Widerspruchsrecht Kenntnis e r- langt. Des Weiteren spricht gegen ein Aufgreifen des Vorschla gs der Grundgedanke des § 1 des Parte i- engesetzes. Danach sind die Parteien notwendiger Bestandteil der freiheitlich demokratischen Grundordnung. Sie haben verfassungsrechtlich und einfachgesetzlich den öffentlichen Au ftrag, an der Bildung des politischen W illens des Volkes auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens mitz u- - 5 - V/0771/2012/1 wirken. Nach Auffassung der Verwaltung würde eine zukünftige Verwaltungspraxis, Pa rteien keine Melderegisterauskünfte mehr zu erteilen, diese Zweckerreichung jedenfalls erschweren. 6. Statistik über die erteilte Auskunftserteilung: Aus den soeben dargelegten Gründen rät die Verwaltung davon ab, eine Statistik über die erteilten Auskünfte und den dargelegten Sachgrund zu führen, da dies praktisch nicht umsetzbar ist. Wie gezeigt ist weder im Falle der einfachen Melderegisterauskünfte nach § 34 Abs. 1 MG NRW noch im Falle der automatisierten Melderegisterauskünfte ein Nachhalten des Sachgrundes möglich, da ein Sachgrund keine Tatbestandsvoraussetzung für die Auskunftserteilung ist. Wie bereit s ausge- führt, unterliegt eine Verpflichtung der Antragsteller durch die Verwaltung zur Angabe eines Sac h- grundes im Rahmen der Ermessensausübung rechtlichen Bedenken. Ferner würde das Führen einer Statistik zu einem personellen Mehrbedarf führen, der in der derzeitigen Haushaltssituation nicht vertreten werden sollte. 7. Eigene Gebührensatzung: Die Kommune hat auf Basis des § 2 Abs. 3 des Gebührengesetzes NRW die rechtliche Möglichkeit zur individuellen Festsetzung der Verwaltungsgebühr durch Erlass einer eigenen Gebührensa t- zung. Die Meldebehörde ist bei der Erhebung der Verwaltungsgebühren bislang von der Anwe n- dung der einschlägigen Tarifstelle 5 der Verwaltungsgebührenordnung ausgegangen. Die zu erh e- bende Gebühr beträgt hier für eine einfache Melderegiste rauskunft (gem. Tarifstelle 5.1.1) 7,00 € und für eine elektronische Melderegisterauskunft (gem. Tarifstelle 5.1.2) 4,00 €. Diese Praxis ist nach telefonischer Nachfrage im Innenministerium NRW nach dortigem Kenntnisstand landesweit üblich. Dort ist keine Kommune in Nordrhein -Westfalen bekannt, die von der Möglichkeit der a b- weichenden Gebührenfestsetzung in diesem Bereich Gebrauch gemacht hat. Problematisch dürfte in diesem Zusammenhang jedoch die interkommunale Darstellung einer durch eigene Gebü hren- satzung individuell höher festgesetzten Verwaltungsgebühr sein. Dies in sbesondere deshalb, da es bei anderen Kommunen, insbesondere bei denen, die das gleiche Fachve rfahren der Fa. HSH einsetzen, zu unterschiedlichen Gebühren für gleiche Leistungen kommen würde. Dies kann auch in möglichen Rechtsstreiten angesichts des Rechtscharakters von Verwaltungsgebü hren zu Prob- lemen führen. Aus Sicht der Verwaltung wäre eine abweichende Festsetzung der Gebühren für die Erteilung von Melderegisterauskünften aus vorgenannte G ründen nicht sinnvoll Und schlägt daher vor, auf eine abweichende Festsetzung der Gebühren für die Erteilung von Meldeauskün ften zu verzichten. Die Ratsfraktion Bündnis 90/Die Grünen/GAL hatte der Verwaltung zur Originalvorlage einen u m- fangreichen Fragenkatalog mit der Bitte um Beantwortung vorgelegt. Der Fragenkatalog und auch das Antwortschreiben der Verwaltung sind dieser Vorlage als Anlage zur Kenntnis beigefügt. I. V. Heuer Stadtrat Anlagen: Anlage 1 Anfrage der Ratsfraktion Bündnis 90/Die Grünen/GAL vom 15.10.2012 - 6 - V/0771/2012/1 Anlage 2 Antwortschreiben der Verwaltung vom 03.12.2012
Hauptvorlage V/0771/2012 mit Anlage
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DER OBERBÜRGERMEISTER Amt für Bürgerangelegenheiten Vorlagen-Nr.: V/0771/2012 Öffentliche Beschlussvorlage Auskunft erteilt: Herr Schlenker Ruf: V/0771/2012 Betrifft Antrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen/GAL an den Rat Nr. A-R/0036/2012 "Auskunft aus dem Melderegister auf das absolute Mindestmaß reduzieren!" Beratungsfolge 07.11.2012 Hauptausschuss Entscheidung Beschlussvorschlag: I. Sachentscheidung: Der Ratsantrag Nr. A-R/0036/2012 wird nicht aufgegriffen und ist damit erledigt. Begründung: Mit dem als Anlage beigefügten Ratsantrag wird gefordert, dass die Stadt Münster Auskünfte aus dem Melderegister auf das absolute Mindestmaß reduziert und Auskünfte nur noch erteilt werden, wenn Dritte nach Ausübung des Ermessens einen Anspruch hierauf haben. Auskünfte zur Adress- pflege bei Auskunfteien sollen künftig ebenso wenig erteilt werden, wie Auskünfte an Parteien zur Wahlwerbung. Gleichzeitig soll seitens der Verwaltung ein Katalog von Fallgruppen erstellt werden, in denen von einem solchen Anspruch auf Auskunftserteilung ausgegangen wird. Über die erteilten Melderegisterauskünfte, die geltend gemachten Gründe und die erzielten Ein- nahmen soll zudem eine Statistik geführt werden. Zur Kompensierung des erhöhten Bearbeitungsaufwandes sollen die zu erhebenden Verwaltungs- gebühren neu festgelegt werden. Dazu wird seitens der Verwaltung ausgeführt, dass eine Umsetzung aus rechtlichen Gründen nicht möglich ist: Die Erteilung von Melderegisterauskünften erfolgt auf Basis des § 34 des Meldegesetzes für das Land Nordrhein-Westfalen (MG NRW). Die sich aus dem MG NRW ergebenen Aufgaben nimmt die Meldebehörde der Stadt Münster als Pflichtaufgabe zur Erfüllung nach Weisung wahr. Hierbei handelt es sich um einfache Geschäfte der laufenden Verwaltung, die gem. § 41 III der Gemeinde- ordnung NRW kraft Gesetzes als auf den Bürgermeister übertragen gelten. 492 33 03 E-Mail: Schlenker@stadt-muenster.de Datum: 17.10.2012 - 2 - V/0771/2012 Pflichtaufgaben zur Erfüllung nach Weisung werden sowohl hinsichtlich des Ob als auch des Wie der Aufgabenerfüllung durch den Gesetzgeber geregelt. Der Ratsantrag stellt richtigerweise fest, dass die Erteilung von Melderegisterauskünften im Er- messen der Meldebehörde liegt. Bei den durch die Meldebehörde erteilten Melderegisterauskünften handelt es sich regelmäßig um Einzelauskünfte zu jeweils einer bestimmten namentlich bekannten Person. In diesem Zusam- menhang besteht zwar auch die Möglichkeit Anfragen zu einer Vielzahl von Einzelpersonen zu stellen, aber auch hier müssen diese dem Anfragenden sämtlich namentlich bekannt sein, was eine kommerzielle Nutzung, welcher Art auch immer, wirksam verhindert. Die Beauskunftungen erfolgen grundsätzlich erst nach pflichtgemäßer Ausübung des Ermessens. Es ist jedoch in der Regel davon auszugehen, dass das Ermessen der Meldebehörde hier soweit reduziert ist, dass auf die Erteilung der Melderegisterauskunft ein Anspruch besteht. Zur Verdeutli- chung sei darauf hingewiesen, dass die weitaus überwiegende Anzahl der Melderegisterauskünfte an private Dritte zur Schuldnerermittlung bei bestehenden Forderungen erteilt wird. Auskünfte zu Personengruppen, beispielsweise zu kommerziellen Werbezwecken, an private Dritte werden nicht erteilt. Eine, wie jetzt beantragt, durch Bildung von Fallgruppen erfolgende Einschränkung des der Mel- debehörde zustehenden Ermessens wäre daher unzweckmäßig, wenn nicht sogar ermessensfeh- lerhaft. Die Erteilung von Melderegisterauskünften an politische Parteien zum Zwecke der Wahlwerbung ist für die Meldebehörde gem. § 35 I MG NRW rechtlich geregelt. Hier hat jede/r BürgerIn jedoch die Möglichkeit, auf das hierzu bestehende Widerspruchsrecht zurück zu greifen, um so einer Aus- kunftserteilung wirksam entgegen zu wirken. Die Einführung einer Statistik über die erteilten Auskünfte, die geltend gemachten Gründe und die erzielten Einnahmen wäre angesichts der nur in et wa schätzbaren Zahl von mehr als 1 Millionen Auskünfte pro Jahr in Summe an Behörden, z.B. zur Verfolgung von Straftaten und Ordnungswid- rigkeiten, zur Klärung von Versicherungskonten und zur Anschriftenermittlung durch gesetzliche Krankenversicherungen etc. und Privatpersonen, z.B. zur Durchsetzung von Forderungen nur mit unvertretbar hohem Aufwand umsetzbar und hätte überdi es auch keinen nutzbaren Effekt, da die Meldebehörde in der Art und dem Umfang der Auskunftserteilungen durch die bestehenden ge- setzlichen Regelungen festgelegt ist. Eine Neufestlegung der Verwaltungsgebühr für die Erteilung von Melderegisterauskünften ist durch die Kommune nicht möglich, da die hierfür zu erhebenden Gebühren in der Gebührenordnung des Landes Nordrhein-Westfalen festgelegt sind. Aus vorgenannten Gründen ist eine Umsetzung des Antrages rechtlich nicht möglich. I. V. gez. Heuer Stadtrat Anlage: Ratsantrag Nr. A-R/0036/2012 Antrag an den Rat Nr. A-R/0036/2012 Der Rat der Stadt Münster möge beschließen 1. Die Erteilung von Meldeauskünften wird künftig v on der Stadt Münster auf das unbedingt erforderliche Maß beschränkt. Ein Anspruch Dritter auf Auskunft aus dem Melderegister besteht nach dem Gesetz grds. nicht, die Erteilung einer Auskunft steht im Ermessen der Stadt. Künftig wird eine Auskunft nur noch erteilt, wenn Dritte einen Anspruch auf Erteilung der Auskunft haben, wenn also jede andere Entscheidung als die Erteilung der Auskunft ermessensfehlerhaft ist. Das ist etwa dann der Fall, wenn die Auskunft zu einer Rechtsverfolgung in einem konkreten Einzelfall benötigt wird. Auskünfte zur Adresspflege bei Auskunfteien werden künftig ebenso wenig erteilt wie Auskünfte an Parteien zur Wahlwerbung. 2. Die Verwaltung erstellt einen Katalog von Fallgr uppen, in denen von einem solchen Anspruch auf Auskunftserteilung ausgegangen wird. 3. Künftig wird eine Statistik über die erteilten A uskünfte, die geltend gemachten Gründe und die erzielten Einnahmen geführt. 4. Aufgrund des erhöhten Bearbeitungsaufwandes, der künftig eine genaue Prüfung der für die Auskunft geltend gemachten Gründe umfasst, werden die dafür erhobenen Verwaltungsgebühren neu festgelegt, um eine kostendeckende Auskunftserteilung zu gewährleisten. Begründung: Die Erteilung von Meldeauskünften steht im Ermessen der Stadt. So heißt es im Kommentar zum Meldegesetz von Waldhausen: " Allen in § 34 geregelten Auskunftsfällen ist gemeinsam, dass es nur um Auskunftsersuchen Dritter geht (der betroffene selbst hat gemäß § 9 ein unbeschränktes Auskunftsrecht, soweit nicht der Ausnahmefall des § 9 Abs. 2 gegeben ist) und dass auf die Auskunft kein Rechtsanspruch bestehht. Die Erteilung der Auskunft steht im Ermessen der Meldebehörde...Wenn durch die Formulierung "darf Auskunft" erteilen auch deutlich wird, dass kein Rechtsanspruch auf Auskunftserteilung besteht, so ist aber der Gleichheitssatz...doch zu beachten. Außerdem ist zu beachten, dass dem Bürger meistens nur die Meldebehörde als zuverlässige Auskunftsquelle zur Verfügung steht." Das Meldegesetz ermächtigt die Stadt, Auskünfte unter bestimmten Voraussetzungen zu erteilen, sie verpflichtet die Stadt jedoch nicht dazu. Angesichts des hohen Ranges des Allgemeinen Persönlichkeitsrechts übt die Stadt ihr Ermessen künftig so aus, dass eine Auskunft nur dann erteilt wird, wenn jede andere Entscheidung ermessensfehlerhaft wäre. gez. Hery Klas und Fraktion Bündnis 90/Die Grünen/GAL Ratsfraktion Münster Windthorststr. 7 48143 Münster Fon: 0251 / 8 99 58 10 Fax: 0251 / 8 99 58 15 ratsfraktion@ gruene-muenster.de www.gruene-muenster.de Antrag „Auskunft aus dem Melderegister auf das absolute Mindestmaß reduzieren!“ 05.09.2012
Anlage 2
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Postanschrift: Stadt Münster • Amt 33 • 48127 Münster
Beschlussvorlage V/0771/2012 (Melderegisterauskunft)
Fragenkatalog der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen/GAL vom 15.10.2012
Sehr geehrter Herr Klas,
bezugnehmend auf Ihr o.g. Schreiben, mit dem Sie einen umfangreichen Fragenkatalog an die Verwaltung
zur Praxis der Auskunftserteilung aus dem Melderegister gerichtet haben, geben ich Ihnen nachfolgend die
Antworten zur Kenntnis. Parallel dazu ist eine E1 zur Vorlage V/0771/2012 auf dem Postweg an die
Mitglieder des Hauptausschusses, mit der weitere vertiefte Informationen zur Praxis der Melderegister-
auskunft gegeben werden. In der Hauptsache bleibt die Verwaltung bei ihrer Einschätzung zum
Antragsanliegen.
Auf einen Punkt will ich jedoch gesondert hinweisen: In der Ursprungsvorlage an den Hauptausschuss war
von Seiten der Verwaltung dargelegt worden, dass die Verwaltungsgebühren für die Erteilung von
Melderegisterauskünften durch die Kommune nicht verändert werden können. Diese Aussage hat sich in
der Überprüfung als nicht zutreffend heraus gestellt (siehe Antwort zu den Fragen 11-14). Diesen Fehler
bitte ich zu entschuldigen.
Und hier die Antworten zu Ihrem Fragenkatalog:
Fragen 1 und 2:
Die Verwaltung geht davon aus, dass hier § 41 Abs. 3 der Gemeindeordnung NRW (GO NRW)
angesprochen ist. Die sich aus dem Meldegesetz NRW (MeldG) ergebenden Aufgaben nimmt die
Meldebehörde der Stadt Münster als Pflichtaufgabe zur Erfüllung nach Weisung im übertragenen
Wirkungskreis wahr. Hierbei handelt es sich um Geschäfte der laufenden Verwaltung, die gem. § 41 Abs. 3
GO NRW kraft Gesetzes als auf den Bürgermeister übertragen gelten, soweit nicht der Rat sich, einer
Bezirksvertretung oder einem Ausschuss für einen bestimmten Kreis von Geschäften oder für einen
Einzelfall die Entscheidung vorbehält. Von diesem Rückholrecht wurde bislang kein Gebrauch gemacht.
Die Verwaltung weist an dieser Stelle darauf hin, dass die Ausübung des Rückholrechts in Bezug auf
Aufgaben, die der Gemeinde zur Erfüllung nach Weisung übertragen wurden, aufgrund der bestehenden
Bindungen durch Weisungen des Innenministeriums NRW in Form von Verwaltungsvorschriften
praktischen Bedenken unterliegt (dazu: Rehn/Cronauge/von Lennep/Knirsch, GO NRW, S. 10 zu § 41).
DER
OBERBÜRGERMEISTER
AMT FÜR
BÜRGERANGELEGENHEITEN
Stadthaus 1, Klemensstraße
10
Auskunft erteilt:
Herr Schlenker
Zimmer: 188
Telefon: 0251/492 - 33 03
Telefax: 0251/492 - 77 22
E-Mail:
Schlenker@stadt-muenster.de
Sprechzeiten:
Mo - Do 08.00 - 18.00 Uhr
Fr + Sa 08.00 - 12.00 Uhr
Sie können Informationen auch im Internet abrufen: http://www.muenster.de/stadt/buergeramt
Konten der Stadtkasse Zentrale Verbindungen
Sparkasse Münsterland Ost Kto.-Nr. 752 (BLZ 400 501 50) IBAN: DE10400501500000000752, BIC/SWIFT: WELAD ED1MST Hauptvermittlung (0251) 492-0
Commerzbank Münster Kto.-Nr. 393 210 000 (BLZ 400 4 00 28) Deutsche Bank Münster Kto.-Nr. 0470 005 (BLZ 400 700 80) Telefax (0251) 492-7700
Postbank Dortmund Kto.-Nr. 21 1 36 461 (BLZ 440 100 46) Deutsche Bundesbank Kto.-Nr. 4000 1700 (BLZ 44 0 000 00) Stadtverwaltung@stadt-muenster.de
SEB Kto.-Nr. 1 010 305 100 (BLZ 400 101 11) Volksba nk Münster eG Kto.-Nr. 4 200 800 (BLZ 401 600 50) w ww.muenster.de/stadt
Bankhaus Lampe Münster Kto.-Nr. 306 002 (BLZ 480 20 1 51) WestLB AG Kto.-Nr. 61 226 (BLZ 300 500 00)
Datum und Zeichen Ihres Schreibens: Mein Zeichen (B itte angeben): Münster, 03.12.2012
33 10 0001
Ratsfraktion
Bündnis 90/Die Grünen/GAL
Herrn Hery Klas
Windthorststr. 7
48143 Münster
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...
Fragen 3 und 4:
Der Verwaltung ist die erwähnte Kommentierung bekannt. Es wurde von der Verwaltung nicht in Abrede
gestellt, dass sich der Rat im Rahmen von Vorüberlegungen mit Sachverhalten beschäftigen kann, die er
noch nicht an sich gezogen hat.
Frage 5:
Pflichtaufgaben zur Erfüllung nach Weisung werden durch den Gesetzgeber in den Gesetzen und den dazu
erlassenen Verwaltungsvorschriften geregelt und ausgestaltet. So ist z. B. im Meldegesetz NRW geregelt,
welche Daten gespeichert und welche Daten im Rahmen von Auskunftserteilungen bzw.
Datenübermittlungen weitergegeben werden dürfen. Insoweit räumt das Meldegesetz den Meldebehörden
ein Entschließungsermessen ein. Hinsichtlich dieses Ermessens wurden keine einschränkenden Vorgaben
durch die Kommunalaufsichtsbehörden gemacht. Zu beachten sind jedoch die insoweit bindenden
Verwaltungsvorschriften des Innenministeriums NRW zum Meldegesetz NRW, die jedenfalls in
Teilbereichen die Ermessensausübung der Behörde vorbestimmen.
Frage 6:
Es mag sein, dass der Ratsantrag dahingehend zu verstehen ist, dass in dem seitens der Verwaltung
beispielhaft geschilderten Fall ebenfalls eine Auskunftserteilung vorgesehen sein soll.
Frage 7:
Das Auskunftsersuchen von Privaten zur Schuldnerermittlung stellt einen Fall dar, den man als „Fallgruppe“
bezeichnen könnte. Da die Auskunftsersuchenden nach der derzeit gültigen Rechtslage nicht dazu
verpflichtet sind, bei einfachen Melderegisterauskünften einen Sachgrund für das Auskunftsersuchen
anzugeben, sieht die Verwaltung es jedenfalls als problematisch an, nunmehr im Rahmen der
Ermessensausübung die tatbestandlich nicht geforderte Angabe eines Sachgrundes auf
Rechtsfolgenebene verpflichtend einzuführen.
Frage 8:
Die Erteilung von Melderegisterauskünften an politische Parteien zum Zwecke der Wahlwerbung ist für die
Meldebehörde in § 35 Abs. 1 MG NRW geregelt. Die Entscheidung über das „Ob“ der Auskunftserteilung
liegt hier ebenfalls im Ermessen der Meldebehörde. Die Parteien haben folglich lediglich einen Anspruch
auf eine ermessensfehlerfreie Entscheidung. Im Rahmen der Ermessensausübung sind alle Parteien gem.
Art. 3 Abs. 1 des Grundgesetzes in Verbindung mit § 5 des Parteiengesetzes gleich zu behandeln.
Die Verwaltung rät allerdings unter drei Gesichtspunkten davon ab, Parteien nach einer für die Zukunft zu
ändernden Verwaltungspraxis keine Auskünfte mehr zu erteilen.
Zunächst ist die Ziffer 15.3.1 der Verwaltungsvorschriften zur Durchführung des Meldegesetzes NRW (VV
MG NW) zu beachten, mit der das Innenministerium von seinem Weisungsrecht Gebrauch gemacht hat.
Dort heißt es:
„Da der Gesetzgeber in § 35 Abs. 1 und 2 Melderegisterauskünfte im Zusammenhang u.a. mit
Wahlen und Abstimmungen unter datenschutzrechtlichen Maßgaben grundsätzlich zugelassen hat,
dürfen derartige Auskünfte nicht allgemein aus Datenschutzgründen, sondern nur aus
überwiegenden anderen Gründen abgelehnt werden (z.B. arbeitsmäßige Überlastung der
Meldebehörde, Störungen der Datenverarbeitungsanlage, Vorrang andere Aufgaben).“
Das Innenministerium hat durch die Verwaltungsvorschrift ermessenslenkend die Versagung der Auskunft
allein aus Datenschutzgründen ausgeschlossen. Ferner hat das Innenministerium ermessenslenkend Fälle
der „überwiegenden anderen Gründe“ konkretisiert, die alle in der Betriebssphäre des Amtes zu verorten
sind.
Ferner bedarf es der erwähnten geänderten Verwaltungspraxis aus Sicht der Verwaltung nicht, weil jedem
Bürger nach dem Meldegesetz bereits ein Mittel zur Verfügung steht, um Auskünfte an politische Parteien
nach § 35 Abs. 1 MG NRW zu verhindern: Jedem Bürger steht nach der Konzeption des
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Landesgesetzgebers gem. § 35 Abs. 6 S. 1 MG NRW ein Widerspruchsrecht in Bezug auf die
Datenweitergabe zu. Auf das Widerspruchsrecht ist der Bürger bei der Anmeldung hinzuweisen, so dass
jeder Bürger von diesem Widerspruchsrecht Kenntnis erlangt.
Weitere Grundlage der Empfehlung ist § 1 des Parteiengesetzes. Danach sind die Parteien notwendiger
Bestandteil der freiheitlich demokratischen Grundordnung. Sie haben verfassungsrechtlich und
einfachgesetzlich den öffentlichen Auftrag, an der Bildung des politischen Willens des Volkes auf allen
Gebieten des öffentlichen Lebens mitzuwirken. Nach Auffassung der Verwaltung würde eine zukünftige
Verwaltungspraxis, Parteien keine Melderegisterauskünfte mehr zu erteilen, dies Zweckerreichung
jedenfalls erschweren.
Frage 9:
Die Meldebehörde ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht in der Lage, konkrete Angaben zu den genauen
Zahlen der erteilten Melderegisterauskünfte aufgeschlüsselt nach Behörden und privaten Dritten zu liefern.
Dies deshalb nicht, da nicht alle erteilten Melderegisterauskünfte systemtechnisch nachgehalten werden
können, wie bspw. die Auskünfte zwischen Behörden.
Das in der Vorlage genannte Gesamtvolumen bezieht sich auf sämtliche Melderegisterauskünfte, sowohl
auf die aktiv durch die Meldebehörde erteilten wie auf die automatisierten Auskünfte.
Frage 10:
Das Meldegesetz NRW regelt das „Wie“ der Auskunftserteilung in Bezug auf Art und Umfang der
mitzuteilenden Daten, ohne der Meldebehörde ein grundsätzliches Auswahlermessen einzuräumen. Das
Meldegesetz NRW räumt der Meldebehörde allerdings ein Entschließungsermessen in Bezug auf das „Ob“
der Auskunftserteilung ein. Darin ist kein Widerspruch zu sehen.
Frage 11- 14:
Die Meldebehörde ist bei der Erhebung der Verwaltungsgebühren bislang von der Anwendung der
einschlägigen Tarifstelle 5 der Verwaltungsgebührenordnung ausgegangen. Diese Praxis ist nach
telefonischer Auskunft des Innenministeriums NRW nach dortigem Kenntnisstand landesweit üblich. Dort
ist keine Kommune in Nordrhein-Westfalen bekannt, die von der Möglichkeit der abweichenden
Gebührenfestsetzung in diesem Bereich Gebrauch gemacht hat.
Die entsprechenden genannten Vorschriften der § 2 Abs. 3 des Gebührengesetzes NRW und der
Allgemeinen Verwaltungsgebührenordnung sind bekannt. Die rechtliche Möglichkeit einer eigenen
Gebührensatzung wird entgegen der Ursprungsvorlage ebenso gesehen.
Problematisch dürfte in diesem Zusammenhang jedoch die interkommunale Darstellung einer durch eigene
Gebührensatzung individuell höher festgesetzten Verwaltungsgebühr sein. Dies insbesondere deshalb, da
es bei anderen Kommunen, insbesondere bei denen, die das gleiche Fachverfahren der Fa. HSH
einsetzen, zu unterschiedlichen Gebühren für gleiche Leistungen kommen würde.
Abschließend weise ich darauf hin, dass der Fragenkatalog Ihrer Fraktion sowie dieses Antwortschreiben
auch den anderen Fraktionen, der Gruppe sowie dem Einzelvertreter im Rat zur Verfügung gestellt werden
wird.
Mit freundlichen Grüßen
In Vertretung
Wolfgang Heuer
Stadtrat
Anlage 1
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Anlage 1 Ratsfraktion Bündnis 90/Die Grünen/GAL • Windthorststr. 7 • 48143 Münster An den Oberbürgermeister der Stadt Münster Herrn Markus Lewe Stadthaus 1 Windthorststr. 7 48143 Münster Bündnis 90/Die Grünen/GAL Ratsfraktion Münster per Mail: lewe@stadt-muenster.de Fon: 0251 /8 99 58 10 Fax: 0251 /8 99 58 15 ratsfraktion @gruene-muenster.de www.gruene-muenster.de 15. Oktober 2012 Hery Klas Fraktionssprecher Beschlussvoriage V/0771/2012 zu unserem Antrag "Auskunft aus klas@ dem Melderegister auf das absolute Mindestmaß reduzieren!" gruene Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Lewe, in der Begründung o.g. Vorlage führt die Verwaltung aus, eine Umsetzung unseres Antrags sei aus rechtlichen Gründen nicht möglich. Vor einer Beschlussfassung bitte ich um Beantwortung nachfolgender Fragen. Sollte eine Beantwortung bis zur morgigen Sitzung nicht leistbar sein, bitten wir um das Schieben der Vorlage in die nächste Kette. Die Verwaltung führt in der Begründung aus: "Die Erteilung von Melderegisterauskünften erfolgt auf Basis des § 34 des Meldegesetzes für das Land Nordrhein-Westfalen (MG NRW). Die sich aus dem MG NRW ergebenen Aufgaben nimmt die Meldebehörde der Stadt Münster als Pflichtaufgabe zur Erfüllung nach Weisung wahr. Hierbei handelt es sich um einfache Geschäfte der laufenden Verwaltung, die gem. §41 III der Gemeindeordnung NRW kraft Gesetzes als auf den Bürgermeister übertragen gelten." Frage 1: Ist § 43 Abs. 3 GO korrekt wiedergegeben, in dem es heißt: "Geschäfte der laufenden Verwaltung gelten im Namen des Rates als auf den Bürgermeister übertragen, soweit nicht der Rat sich, einer Bezirksvertretung oder einem Ausschuß für einen bestimmten Kreis von Geschäften oder für einen Einzelfall die Entscheidung vorbehält." Frage 2: Ist es folglich richtig, dass sich der Rat die Entscheidung über Geschäfte der laufenden Verwaltung im Einzelfall, im Unterschied zur Kreisordnung, vorbehalten kann? Frage 3 Ist der Verwaltung die Kommentierung von Wansleben bekannt, in der es dazu heißt: "Während bei einer Zuständigkeitsverteilung prinzipiell eine 1 Einmischung des unzuständigen Organs in die Tätigkeiten des zuständigen Organs ausgeschlossen ist, ist diese Regelung in der Gemeindeordnung nicht geeignet, die Beschäftigung des Rates mit Angelegenheiten der laufenden Verwaltung zu unterbinden, soweit derartige Beschäftigungen sich als "Vorüberlegungen zu eventuell zu beschließenden Vorbehalten" deklarieren lassen. GO, § 41 Nr. 4.1 Frage 4 Teilt die Verwaltung unsere Auffassung, dass es mit diesem Antrag genau darum geht: Um die Vorbereitung einer Entscheidung? In der Ausführung der Verwaltung heißt es: "Pflichtaufgaben zur Erfüllung nach Weisung werden sowohl hinsichtlich des Ob als auch des Wie der Aufgabenerfüllung durch den Gesetzgeber geregelt." Frage 5: Teilt die Verwaltung unsere Einschätzung, dass das aber nicht bedeutet, dass der Gesetzgeber derartige Regelungen getroffen hat? Verhält es sich also so, dass die Frage, wie das Ermessen ausgeübt werden soll, vom Gesetzgeber in dem Gesetz gerade nicht geregelt wird? Teilt sie unsere Meinung, dass er die Entscheidung über Meldeauskünfte folglich in das Ermessen der Stadt stellt? Liegen der Verwaltung Erkenntnise darüber vor, dass die Aufsichtsbehörde von der Möglichkeit Gebrauch gemacht hat, eine bestimmte Ausübung des Ermessens der Stadt vorzugeben? In der Verwaltungsbegründung heißt es: "Es ist jedoch in der Regel davon auszugehen, dass das Ermessen der Meldebehörde hier soweit reduziert ist, dass auf die Erteilung der Melderegisterauskunft ein Anspruch besteht. Zur Verdeutlichung sei darauf hingewiesen, dass die weitaus überwiegende Anzahl der Melderegisterauskünfte an private Dritte zur Schuldnerermittlung bei bestehenden Forderungen erteilt wird." Frage 6: Sieht unser Antrag in diesen Fällen nicht auch die Auskunftserteilung - etwa wenn eine titulierte Forderung nachgewiesen ist oder eine Forderung tituliert werden soll und die Adresse nicht anders ermittelt werden kann - vor? In der Verwaltungsvorlage heißt es: "Eine, wie jetzt beantragt, durch Bildung von Fallgruppen erfolgende Einschränkung des der Meldebehörde zustehenden Ermessens wäre daher unzweckmäßig, wenn nicht sogar ermessensfehlerhaft." Frage 7: Hat die Verwaltung übersehen, dass im Beispiel in Frage 6 doch gerade erfolgreich eine Fallgruppe gebildet wurde? Verwaltung: "Die Erteilung von Melderegisterauskünften an politische Parteien zum Zwecke der Wahlwerbung ist für die Meldebehörde gem. § 35 I MG NRW rechtlich geregelt. Hier hat jede/r Bürgerin jedoch die Möglichkeit, auf das hierzu bestehende Widerspruchsrecht zurück zu greifen, um so einer Auskunftserteilung wirksam entgegen zu wirken." Frage 8: Teilt die Verwaltung unsere Auffassung, dass auch diese Möglichkeit der Auskunftserteilung im Ermessen der Stadt steht? 2 Teilt die Verwaltung unsere Auffassung, dass Parteien nur einen Anspruch auf Gleichbehandlung haben? Bedeutet das dann nicht für den Fall, dass die Stadt grundsätzlich solche Auskünfte nicht erteilt, dass Parteien dann eben KEINEN Anspruch haben? Verwaltung: "Die Einführung einer Statistik über die erteilten Auskünfte, die geltend gemachten Gründe und die erzielten Einnahmen wäre angesichts der nur in etwa schätzbaren Zahl von mehr als 1 Millionen Auskünfte pro Jahr in Summe an Behörden, z.B. zur Verfolgung von Straftaten und Ordnungswidrigkeiten, zur Klärung von Versicherungskonten und zur Anschriftenermittlung durch gesetzliche Krankenversicherungen etc. und Privatpersonen, z.B. zur Durchsetzung von Forderungen nur mit unvertretbar hohem Aufwand umsetzbar..." Frage 9: Kann die Verwaltung diese oberflächliche Behauptung konkretisieren? Verwaltung: "...und hätte überdies auch keinen nutzbaren Effekt, da die Meldebehörde in der Art und dem Umfang der Auskunftserteilungen durch die bestehenden gesetzlichen Regelungen festgelegt ist." Frage 10: Widerspricht sich die Verwaltung hier nicht selbst, denn es gibt ja ganz offensichtlich ein Ermessen? Verwaltung: "Eine Neufestlegung der Verwaltungsgebühr für die Erteilung von Melderegisterauskünften ist durch die Kommune nicht möglich, da die hierfür zu erhebenden Gebühren in der Gebührenordnung des Landes Nordrhein-Westfalen festgelegt sind." Frage 11: Ist der Verwaltung § 2 Abs. 3 Gebührengesetz NRW bekannt, der dazu bestimmt: "(3) Die Gemeinden und Gemeindeverbände können in ihrem Aufgabenbereich für Amtshandlungen, die in Gebührenordnungen im Sinne des Absatzes 2 erfasst sind, eigene Gebührenordnungen (Satzungen) mit abweichenden Gebührensätzen erlassen." https://recht.nrw.de/lmi/owa/br bes text?anw nr=2&qld nr=2&ugl nr=201 1 &bes id=4649&aufgehoben=N&menu=1 &sg=#det197838 Frage 12: Ist der Verwaltung die Gebührenordnung NRW bekannt, die dazu bestimmt, dass für einzelne Handlungen keine eigenen Satzungen erlassen werden dürfen: §1 (1) Für die im anliegenden Allgemeinen Gebührentarif genannten Amtshandlungen werden die dort genannten Kosten erhoben. Der Allgemeine Gebührentarif bildet einen Teil dieser Verordnung (Anlage). (2) Die für die Gemeinden und Gemeindeverbände in § 2 Abs. 3 GebG NRW enthaltene Ermächtigung, für die in dieser Gebührenordnung erfassten Amtshandlungen eigene Gebührenordnungen (Satzungen) mit abweichenden Gebührensätzen zu erlassen, gilt nicht 3 1. für die Tarifstellen 10.3.1 bis 10.3.3, 10.4.1 bis 10.4.12, 10.5.1.9.1, 10.5.1.10, 10.5.1.11.1, 10.5.1.11.2, 10.5.1.11.3, 10.5.1.11.4, 10.5.1.15, 10.5.1.15.1, 10.5.1.15.2, 10.9.6.1, 10.11.1, 10.11.2, 10.14.11 bis 10.14.13, 10.15.1, 10.16.1, 10.16.2 und 10.17.1 bis 10.17.4, 2. für die Tarifstellen 15a.1 bis 15a.7.3, 3. für die Tarifstellen 15c.1 bis 15c.4, 4. für die Tarifstelle 20. Frage 13: Ist es korrekt, dass es bei der Meldeauskunft jedoch um die Tarifstelle 5. geht, also eine Tarifstelle, die gerade nicht von einer Änderung durch die Gemeinde ausgenommen ist. (Einzelheiten: https://recht.nrw.de/lmi/owa/br show anlage?p id=15102)? Frage 14: Ist also sehr wohl eine eigene Gebührensatzung möglich? Mit freundlichen Grüßen gez. Hery Klas 4
Beratungsverlauf (1)
Beschluss: einstimmig beschlossen
Zur SitzungOrte (2)
- Windthorststraße 7
- Klemensstraße 10
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Details
- Vorlagen-Nr.
- V/0771/2012/1
- Typ
- Vorlagen
- Datum
- 27.11.2012
- Erstellt
- 06.10.2020 14:37