2014/0220
Jobcenter Darmstadt, Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2014
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2014/0220
4615 Zeichen
Magistratsvorlage
Eingang Magistrats-
geschäftsstelle:
02.06.2014
an den Magistrat
zur Kenntnis
zur Beschlussfassung
Beteiligt vor
Magistratsbeschlussfassung:
Dezernat V an die Stadtverordnetenversammlung
OBW zur Befassung
zur Kenntnis
zur Beschlussfassung
zur abschließenden Beschluss-
fassung Fachausschuss
Amt: Dezernat V
Behandlung in
öffentl. Sitzung
Ja
Nein
OBW bei abschl.
Beschlussfassung Magistrat
Ja
Nein
Internetfähig
Verteiler:
Vorlage-Nr. 2014/0220
Magistratsbeschluss-Nr.
Produkt-Nr.: 315110
Kostenstelle: 050-000-0001/051-004-1000 Investitionsnummer:
Kostenträger: 3156-12 Sachkonto: 7288400/7288500
Betreff: Jobcenter Darmstadt, Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2014
Vorlage vom: 27.05.2014
Beschlussvorschlag :
Der Magistrat nimmt das Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2014 des Jobcenters
Darmstadt zur Kenntnis.
Anlagen: AMIP_2014
Datenschutzrelevante Anlage:
Folgekosten: Ja Nein
- 2 -
Beschluss des Magistrats vom
- 3 -
Begründung zur Magistratsvorlage vom 27.05.14
Die strategische Verknüpfung von Sozial-, Beschäftigungs-, Arbeitsmarkt- und
Wirtschaftspolitik wird in Darmstadt als geschäftspolitischer Schwerpunkt sowohl im Jobcenter
Darmstadt als auch im Rahmen der kommunalen Beschäftigungsförderung der
Wissenschaftsstadt Darmstadt politisch explizit ausgewiesen. Sie verfolgt fachübergreifend
folgende Ziele, welche auf den Grundsätzen Prävention, Partizipation und
Sozialraumorientierung basieren:
- Inklusion und Integration als sozialpolitische und sozialplanerische Strategie
- Armut bekämpfen – Existenz sichern
- Zielgruppen passgenau fördern
- Lokale und regionale Netzwerke stärken
- Lokalen (sozialen) Arbeitsmarkt/Ausbildungsmarkt sichern
Das Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2014 des Jobcenters Darmstadt wurde von der
Trägerversammlung des Jobcenters am 20.02.2014 beschlossen. Der Fachbeirat des
Jobcenters hat in seiner Sitzung am 04.04.2014 das vorliegende Programm erörtert.
Das Arbeitsmarkt– und Integrationsprogramm bildet die Grundlage der kommunalen
Beschäftigungs- und Arbeitsmarktpolitik in der Wissenschaftsstadt Darmstadt. Es
durchleuchtet die regionale Lage auf dem Arbeits- und Ausbildungsmarkt und stellt die
operativen Strategien, Instrumente und Maßnahmen zur Zielerreichung vor. Die enge
Abstimmung mit der kommunalen Ausbildungs- und Arbeitsmarktstrategie 2014 der
Wissenschaftsstadt Darmstadt spricht für einen guten Ansatz zur Erhöhung der Ausbildungs-
und Arbeitsmarktchancen der Leistungsberechtigten.
Mittel aus dem Ausbildungs- und Arbeitsmarktbudget, welche die Wissenschaftsstadt
Darmstadt vom bzw. über das Land Hessen erhält, ergänzen die Maßnahmen des Jobcenters.
Sie sorgen für eine intensivere Förderwirkung bzw. ermöglichen zusätzliche Förderungen,
insbesondere von besonders Benachteiligten am Arbeits- und Ausbildungsmarkt. Ohne diese
finanzielle Beteiligung könnten auf lokaler Ebene weniger Beiträge zur Bekämpfung von
Langzeitarbeitslosigkeit und Schaffung bzw. Erhalt von Beschäftigungschancen erbracht
werden. Die Chancen zur Teilhabe am Arbeitsleben in der sozialen Gemeinschaft können somit
für Langzeitarbeitslose und besonders Benachteiligte, wie Alleinerziehende, Ältere sowie
Menschen mit Behinderung erhöht werden.
- 4 -
Für das Haushaltsjahr 2014 steht dem Jobcenter Darmstadt voraussichtlich ein Gesamtbudget
von insgesamt 12,7 Mio. Euro zur Verfügung, davon 5,8 Mio. Euro für den Eingliederungstitel.
Insgesamt entspricht dies einem Anstieg der Mittelzuteilung um rd. 5,83 %.
Die Vermeidung der Langzeitarbeitslosigkeit ist eines der Hauptziele des Jobcenters Darmstadt
in 2014. Um dies zu erreichen, wird das Budget für die integrationsorientierten Instrumente
(Förderung der beruflichen Weiterbildung, Eingliederungszuschüsse, Maßnahmen der
Aktivierung und beruflichen Eingliederung – MabE) trotz Erhöhung des Umschichtungsbetrags
für den Verwaltungshaushalt beibehalten.
Arbeitsmarkt- und Beschäftigungspolitik kann nur dann erfolgreich sein, wenn verschiedene
Handlungsträger auf lokaler und regionaler Ebene zusammenwirken und im Idealfall ihre
Potenziale bündeln und aufeinander abstimmen. Das Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm
2014 des Jobcenters Darmstadt stellt diese Grundlage für eine solche Zusammenarbeit dar.
Zudem versteht es sich als Arbeitsmittel für die Beschäftigten des Jobcenters Darmstadt.
Darmstadt, 27.05.14
Dezernat V
Barbara Akdeniz
Stadträtin
Anlage
anlage 1
155699 Zeichen
AARRBBEEIITTSSMMAARRKKTT-- UUNNDD
IINNTTEEGGRRAATTIIOONNSSPPRROOGGRRAAMMMM
22001144
Herausgeber:
Jobcenter Darmstadt
Zentrum für Existenzsicherung und Beschäftigung
Groß-Gerauer-Weg 3
64295 Darmstadt Stand: 19.03.2014
Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2014
2
Inhaltsverzeichnis
EINLEITUNG ................................ ................................ ................................ ............................... 4
1. Arbeitsmarkt - Lokale Ausgangssituation ................................ ................................ ........... 6
2. Kundenstruktur und Profillagen im Jobcenter Darmstadt ................................ .................. 9
2.1 Kundenstruktur................................ ................................ ................................ ..................... 9
2.2 Kundensegmentierung ................................ ................................ ................................ ....... 10
3. Zielsystem des SGB II ................................ ................................ ................................ .......... 12
3.1 Was haben wir erreicht? - Rückblick 2013 - ................................ ................................ .... 15
3.2 Kennzahlen nach § 48 a SGB II ................................ ................................ ......................... 16
3.2.1 Verringerung der Hilfebedürftigkeit ................................ ................................ ........ 16
3.2.2 Verbesserung der Integration in Erwerbstätigkeit ................................ ................. 16
3.2.3 Vermeidung von langfristigem Leistungsbezug ................................ .................... 17
3.2.4 Kennzahlen und Angebotswerte 2014 ................................ ................................ .... 17
3.3 Prozess- und Qualitätsziele ................................ ................................ ............................... 19
3.4 Lokale Zielvereinbarung mit de r Wissenschaftsstadt Darmstadt ................................ . 21
4. Aktive Förderung durch das Jobcenter Darmstadt – Planung 2014 .............................. 22
4.1. Haushalt- und Finanzsituation 2014: Eingliederungs- und Verwaltungsbudget ........... 22
4.2 Budgetausstattung und Eintrittsplanung 2014................................ ................................ . 23
5. Geschäftspolitische Schwerpunkte ................................ ................................ ................... 24
5.1 Kundinnen und Kunden ohne Abschluss zu Fachkräften ausbilden ............................. 25
5.1.1 Jobs für best!agers ................................ ................................ ................................ .. 25
5.1.2 Förderung von Schwerbehinderten ................................ ................................ ....... 28
5.2. Langzeitbezieherinnen und -bezieher aktivieren und Integrationschancen erhöhen ... 29
5.2.1 Beschäftigungsorientiertes Fallmanagement (bFM) ................................ ............ 31
5.2.2 Beratungskonzeption SGB II (BeKo) ................................ ................................ ...... 32
5.2.3 Arbeitsgelegenheiten ................................ ................................ ............................... 32
5.3 Marktchancen bei Arbeitgebern erschließen und Integrationen realisieren –
Unser gemeinsamer Arbeitgeberservice (gAGS) ................................ ................................ ... 32
5.4 Beschäftigungschancen für Alleinerziehende nutzen ................................ ................... 33
5.5 Jugendliche in den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt integrieren –
Unsere Jugendberufsagentur ................................ ................................ ................................ .. 34
5.6 Handlungsschwerpunkt „Erstausbildung für junge Erwachsene“ ................................ . 36
5.7 Rechtmäßigkeit und Qualität der operativen Umsetzung sicherstellen ......................... 36
5.7.1 Rechtmäßigkeit der Leistungsgewährung sicherstellen ................................ ....... 36
5.7.1.1 Teilhabecard ................................ ................................ ................................ ............ 36
5.7.1.2 Pilotierung Allegro ................................ ................................ ................................ ... 37
5.7.2 Konzept Datenqualität/Datenqualitätsmanagement (DQM) ................................ ... 38
5.7.3 Internes Kontrollsystem (IKS) ................................ ................................ ................. 38
Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2014
3
5.8 Kommunale Arbeitsmarkt - und Ausbildungsstrategie 2014 der Wissenschaftsstadt
Darmstadt ................................ ................................ ................................ ................................ . 39
5.8.1 Kofinanzierung des lokalen Ausbildungs - und Arbeitsmarktprogramm 2014 .. 42
5.9 Lokale Aktivitäten ................................ ................................ ................................ ............... 43
5.9.1 Unser Bewerbungscenter „dabei“................................ ................................ ........... 43
5.9.3 Kooperation Airportagentur ................................ ................................ ..................... 44
5.9.4 Aktionstag Einstellungssache ! Jobs für Eltern ................................ .................... 45
5.9.5 Kooperationsvereinbarung zur Zusammenarbeit mit dem städtischen
Sozialdienst des Jugendamtes der Wissenschaftsstadt Darmstadt ............................. 46
5.9.6 Übergabemanagement SGB II/SGB III ................................ ................................ .... 46
5.9.7 AMViS – Arbeitsmarktintegration von Müttern und Vätern im SGB II ................... 46
5.9.8 Patenmodell ................................ ................................ ................................ ............. 47
5.9.9 Interkulturelle Angebote des Jobcenters ................................ ................................ 47
5.9.9.1 Interkulturelle Schulung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ................................ .. 47
5.9.9.2 Pilotprojekt: „Einsatz von interkulturellen Vermittlungskräften (IkuV) im Jobcenter
Darmstadt“ ................................ ................................ ................................ .......................... 48
6. Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt ................................ ........................ 50
Anlage Bildungs- und Maßnahmenplanung ................................ ................................ ........... 51
Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2014
4
EINLEITUNG
Auch im Jahre 2013 hat das Jobcenter Darmstadt die erfolgreiche lokale Zusammenarbeit der
Wissenschaftsstadt Darmstadt und der Agentur für Arbeit Darmstadt in der „gemeinsamen Ein-
richtung“ Jobcenter Darmstadt fortgesetzt.
Mit der Fortschreibung des Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramms des Jobcenters Darmstadt
werden alle Strategien und Maßnahmen dokumentiert. Diese stellen sicher, dass lokal der ge-
setzliche Auftrag, die vereinbarten Ziele und die geschäftspolitischen Schwerpunkte zur Verbes-
serung der Integration in Erwerbstätigkeit, zur Vermeidung von langfristigem Leistungsbezug, zur
Verringerung der Hilfebedürftigkeit und zur eigenständigen Existenzsicherung umgesetzt werden.
Die Umsetzung dieser Ziele setzen eine intensive Beratung und Betreuung der durchschnittlich
rund 6330 Bedarfsgemeinschaften und ca. 8.592 erwerbsfähigen Leistungsberechtigten voraus.
Dies stellt sowohl die Integrationsfachkräfte der Vermittlung wie auch die Sachbearbeitung der
Existenzsicherung (Leistungsabteilung) täglich vor neue Herausforderungen.
Daher wird im Jobcenter Darmstadt im kommenden Jahr der Schwerpunkt auf die Aus- und Wei-
terbildung der Beschäftigten vor Ort gelegt. Hierbei sei insbesondere die Durchführung des Bera-
tungskonzeptes SGB II (BeKo SGB II) für die Integrationsfachkräfte erwähnt.
Rund 3423 der erwerbsfähigen Leistungsberechtigten (eLb) besitzen eine ausländische Staats-
angehörigkeit. Noch höher ist die Zahl der Menschen, die zwar einen deutschen Pass, jedoch
auch über einen Migrationshintergrund verfügen. Gerade die notwendige Sensibilität für Men-
schen mit einem anderen kulturellen Hintergrund und Kenntnisse darüber, sind wichtige Voraus-
setzungen für den Beratungsalltag. Aus diesem Grunde heraus nehmen die Beschäftigten an
einer, von der Wissenschaftsstadt Darmstadt initiierten Schulung zur interkulturellen Kompetenz
teil.
Das Jobcenter Darmstadt möchte außerdem die Vermittlung in nachhaltige, dauerhafte Beschäf-
tigungsverhältnisse erhöhen. Daher beteiligt sich das Jobcenter in Kooperation mit der Bunde-
sagentur für Arbeit am Projekt INA -Integration Nachhalten-.
Das Jobcenter Darmstadt wurde von der Bundesagentur für Arbeit zum Pilotpartner für die Ein-
führung der neuen Software ALLEGRO im Bereich Existenzsicherung (Nachfolge des Leistungs-
programmes A2 LL) ernannt. Der Einführungsbetrieb startet voraussichtlich im April 2014.
BeKo SGB II, ALLEGRO - Pilotierung, Schulung Interkulturelle Kompetenz und INA sind vier
Stichworte, die für viele weitere Maßnahmen und Projekte stehen und aufzeigen, dass die Be-
schäftigten des Jobcenter Darmstadt ständig engagiert an der Fort- und Weiterentwicklung des
Jobcenters Darmstadt, als moderne Dienstleistungsbehörde arbeiten.
Weitere Projekte und Maßnahmen werden im vorliegenden Arbeitsmarkt- und Integrationspro-
gramm aufgezeigt. Dabei stehen, wie in den Vorjahren auch die Zielgruppen Alleinerziehende,
ältere Arbeitssuchende, Jugendliche, Migrantinnen und Migranten sowie Menschen mit Schwer-
behinderung im besonderen Fokus.
Arbeitsmarktpolitik wird nicht alleine vom Schreibtisch aus gestaltet und umgesetzt, sondern geht
nur in enger Abstimmung und in Kooperation mit allen beteiligten Akteuren. Daher ist auch wei-
terhin eine aktive, intensive Netzwerkarbeit notwendig.
Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2014
5
Das vorliegende Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm dient in der Außenwirkung auch dazu
arbeitsmarktpolitische Angebote verschiedener Träger und Institutionen sinnvoll und abgestimmt
miteinander zu verbinden. Es wurde von den Fach- und Führungskräften des Jobcenters Darm-
stadt aufgestellt und wird zunächst zwischen den Trägern der gemeinsamen Einrichtung beraten
und abgestimmt. Danach erfolgt beim kommunalen Träger die entsprechende Beratung in den
kommunalpolitischen Gremien. Das Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm wird dann den un-
terschiedlichen lokalen Akteuren, welche arbeitsmarktpolitische Zielsetzungen verfolgen, bekannt
gegeben.
Impulse und Anregungen sind ausdrücklich erwünscht und werden spätestens in der nächsten
Planungsperiode berücksichtigt.
Das Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm ist ein flexibles Programm, das die Möglichkeit bie-
tet im Jahresverlauf im Sinne der Leistungsberechtigten auf geänderte Anforderungen adäquat
zu reagieren.
Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2014
6
1. Arbeitsmarkt - Lokale Ausgangssituation
Der Arbeitsmarkt
Führende Wirtschaftsinstitute prognostizieren für 2014 einen leichten Anstieg der sozialversiche-
rungspflichtig Beschäftigten und eine moderate Zunahme der Zahl der Erwerbstätigen. Allerdings
wird sich dieser Anstieg nicht spürbar auf den Bestand der erwerbsfähigen Leistungsberechtigten
(eLb) auswirken.
Im Vergleich von 2012 zu 2011 hat sich die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten
im Bezirk der Agentur für Arbeit Darmstadt um 1,2 % erhöht. Gleichzeitig nahm die Zahl der neu
begonnenen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Jahr 2012 um 2,8 % ab. Daraus las-
sen sich eine geringe Dynamik des Marktes und ein zurückhaltendes Einstellungsverhalten der
Arbeitgeber ablesen. Für 2014 werden im Agenturbezirk Darmstadt ca. 58.000 neubegründete
sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse als Ersatzbedarf für Verrentungen und
Fluktuationen erwartet. Allerdings wird auf Grund der Spezifika des SGB II - Klientel nur ein ge-
ringer Teil der eLb von dieser Situation profitieren können.
Die IHK Südhessen kommt ebenfalls zu dieser Einschätzung. Demnach hat sich die Konjunktur
im Laufe des Jahres 2013 nach schwachem Start jetzt im Herbst stabilisiert. Die Erwartungen für
die kommenden Monate sind leicht gestiegen. Jedes fünfte Unternehmen erwartet bessere Ge-
schäfte. Dennoch sind die Unternehmen mit Investitionen eher zurückhaltend, während doch 74
% der Unternehmen ihre Beschäftigtenzahl zumindest halten und nur 12 % sich von Mitarbeite-
rinnen und Mitarbeiter trennen wollen. Insgesamt bleiben Neueinstellungen dabei in überschau-
barem Umfang.
Die Wissenschaftsstadt Darmstadt als Teil des prosperierenden Rhein-Main-Wirtschaftsraums
verfügt über eine gute Infrastruktur und verzeichnet einen positiven Bevölkerungszuwachs. Als
Gradmesser können hierfür die Pendlerquoten herangezogen werden. Die Einpendlerquote liegt
mit 69,6% deutlich über der Auspendlerquote (46%).
Darmstadt gewinnt zunehmend an Attraktivität als Zuzugsregion, allerdings auch bei SGB II-
Klientel. Beleg hierfür sind statistische Auswertungen sowie der Regionale Arbeitsmarktmonitor.
Der Ausbildungsmarkt
Der demografische Wandel greift erst ab 2015/2016. Dies führt seit Jahren dazu, dass die Zahl
der Bewerberinnen und Bewerber auf dem Ausbildungsmarkt abnimmt. Nachdem im Sommer
2014 der letzte doppelte Abi-Jahrgang auf den Ausbildungsmarkt drängt, wird die Zahl der
Schulabgängerinnen und -abgänger kontinuierlich sinken. Gleichzeitig streben immer weniger
Schulabgängerinnen bzw. Schulabgänger nach der allgemeinbildenden Schule eine duale Aus-
bildung an. Vielmehr ist eine hohe Neigung zur Aufnahme eines Studiums bzw. der Besuch von
weiterführenden Schulen zu beobachten.
Das Ausbildungsplatzangebot wird sich in 2014 weiterhin auf hohem Niveau bewegen. Die Aus-
bildungsneigung der Betriebe wird als gleichbleibend bewertet, ohne jedoch vom bisherigen An-
forderungsprofil abzuweichen. Dieses Verhalten wird sich im Rückgang der Zahl der abgeschlos-
senen Ausbildungsverträge bemerkbar machen.
Daher ist in der Umsetzung der Ausbildungsoffensive gemeinsam mit den Kammern darauf hin-
zuwirken, sich auch vermeintlich leistungsgeminderten Jugendlichen zu öffnen, um so ein zusätz-
liches Bewerberpotential zu erschließen.
Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2014
7
Branchen- und Unternehmensstruktur
Darmstadts Branchenstruktur wird geprägt von Technologie + Innovation: Neben Luftfahrt-, Welt-
raum- und Satellitentechnik sind Bio-, Kosmetik und Pharmatechnologie, Mechatronik und be-
sonders die Informationstechnologie von zentraler Bedeutung für den Wirtschafts- und Wissen-
schaftsstandort Darmstadt. Viele Softwareunternehmen sind in und um Darmstadt ansässig; die
Branchenstruktur ist von vielen kleinen und mittleren Unternehmen und von international bekann-
ten Marktführern geprägt: Die Software AG, das zweitgrößte Softwarehaus Deutschlands, hat
hier ihren Stammsitz. SAP ist über das SAP Research CEC in Darmstadt eingebunden.
Außerdem weist die Stadt gleich fünf wichtige Forschungs- und Ausbildungsinstitutionen im IT-
Sektor auf: die Technische Universität Darmstadt, die Hochschule Darmstadt, die Fraunhofer-
Institute für Sichere Informationstechnologie (SIT) und Graphische Datenverarbeitung (IGD) und
das LOEWE- Center for Advanced Security Research Darmstadt (Cased).
Diese Unternehmen suchen hauptsächlich hochqualifizierte Fachkräfte, zum großen Teil mit
Hochschulstudium und wissenschaftlicher, technologischer Spezialisierung. Einstiegsmöglichkei-
ten für SGB II-Kunden sind in diesen Sektoren kaum gegeben.
Nennenswerte Investitionen in Form von neu geschaffenen Arbeitsplätzen zeichnen sich für 2014
im Agenturbezirk Darmstadt nicht ab, ebenso wenig ein größerer Arbeitsplatzabbau.
Gleichwohl sind in diesem Jahr u. a. in den Branchen Logistik und Einzelhandel mehrere Ankün-
digungen von Massenentlassungen gemäß § 17 Kündigungsschutzgesetz - KSchG - zu ver-
zeichnen.
Arbeitslosigkeit nach Rechtskreisen
Im Monatsvergleich 11.2012/11.2013 kam es im Bereich der Wissenschaftsstadt Darmstadt im
Rechtskreis SGB III zu einer Zunahme der Arbeitslosigkeit um 189 Personen (Bestand 1. 180
Arbeitslose). Im Rechtskreis SGB II war ein Zuwachs um 287 Personen zu verzeichnen (B e-
stand 3.783 Arbeitslose).
Das Jobcenter Darmstadt betreute in den letzten 12 Monaten zwischen 6.010 und 6.500 B e-
darfsgemeinschaften. Die Anzahl der erwerbsfähigen Leistungsberechtigten (eLb) schwankte in
diesem Zeitraum zwischen 8.103 und 8.754 Personen.
Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2014
8
Die Quote der Arbeitslosigkeit lag in den letzten 12 Monaten zwischen 4,6 % und 5,3 %. Hierbei
ist festzustellen, dass sich die geschlechtsspezifischen Quoten fast parallel auf ähnlichem Niveau
entwickelt haben.
Die bundesweite Entwicklung, dass die Anzahl der Langzeitarbeitslosen und dauerhaft von Hilfe
Abhängigen nur langsam sinkt, kann auch in Darmstadt festgestellt werden.
Die Integration in Ausbildung oder Beschäftigung ist bei vielen erwerbsfähigen Leistungsberec h-
tigten zeitnah nur schwer möglich.
4,6% 4,6% 4,8% 5,0% 5,1% 5,3% 5,0% 5,0% 5,0% 5,1% 5,0% 4,9% 4,9%
4,4% 4,2% 4,4% 4,7% 4,9% 5,0% 4,8% 4,8% 4,8% 5,0% 4,9% 4,8% 4,8%
0,0%
1,0%
2,0%
3,0%
4,0%
5,0%
6,0%
Nov. 12 Dez. 12 Jan. 13 Feb. 13 Mrz. 13 Apr. 13 Mai. 13 Jun. 13 Jul. 13 Aug. 13 Sep. 13 Okt. 13 Nov. 13
Alo Quoten
AloQ alle
Alo Quote weiblich
Alo Quote männlich
Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2014
9
2. Kundenstruktur und Profillagen im Jobcenter Darmstadt
Voraussetzung für eine Einschätzung der Kundinnen und Kunden und einer passgenauen Maß-
nahmeplanung ist eine Strukturierung der Kundengruppen in Bezug auf eine spez. Typisierung
der Arbeitslosigkeit sowie nach Profil- bzw. Problemlagen.
2.1 Kundenstruktur
Die nachfolgende Grafik bietet einen Überblick über die Kundenstruktur im Jobcenter Darmstadt.
Personen in BG
Personen unter 25
neL
eLb 15 - u25
eLb 25 - u50
eLb 50 - u65
Personen 25 - 64
eLb
eLb ohne EK
abh. Erwerbst. mit EK kleiner/gleich 450 €
eLb mit EK Selbständig
abh. Erwerbst. mit EK über 450 €
alo Leistungsberechtigte
eLb Ausländer
alleinerz. Leistungsberechtigte
eLb Parallelbezug
BGs
5.721
Veränderung ggü VJ: + 5,5 %
Personen im Alter unter 25 Jahren
7.315
Veränderung ggü VJ: + 6,0 %
Personen im Alter von 25 bis 64
Jahren
8.679
Veränderung ggü VJ: + 6,5 %
erwerbsfähige Leistungsberechtigte
(eLb)
1.910
Veränderung ggü VJ: + 2,9 %
eLb im Alter von 50 bis unter 65
Jahren
6.042
Veränderung ggü VJ: + 6,6 %
eLb ohne Einkommen aus
Erwerbstätigkeit
1.140
Veränderung ggü VJ: + 8,5 %
abhängig Erwerbst. mit Einkommen
kleiner/gleich 450 €
1.685
Veränderung ggü VJ: + 7,4 %
eLb im Alter von 15 bis unter 25
Jahren
5.084
Veränderung ggü VJ: + 7,7 %
eLb im Alter von 25 bis unter 50
Jahren
4.357
Veränderung ggü VJ: + 4,3 %
nicht erwerbsfähige
Leistungsberechtigte (neLb)
185
Veränderung ggü VJ: + 14,2 %
eLb mit Einkommen aus
Selbständigkeit
13.036
Veränderung ggü VJ: + 5,8 %
Anzahl der Personen in
Bedarfsgemeinschaften
3.583
Veränderung ggü VJ: + 8,4 %
eLb mit ausländischer
Staatsangehörigkeit
1.310
Veränderung ggü VJ: + 4,1 %
alleinerziehende
Leistungsberechtigte
1.312
Veränderung ggü VJ: + 3,7 %
abhängig Erwerbstätige mit
Einkommen über 450 €
226
Veränderung ggü VJ: + 17,7 %
eLb mit Parallelbezug von
Arbeitslosengeld I
3.778
Veränderung ggü VJ: + 8,9 %
arbeitslose Leistungsberechtigte
Vergleich 08.2012 / 08.2013
Quellen: Arbeitsmarkt in Zahlen
Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2014
10
Mit Datenstand 08/2013 waren 6.375 Bedarfsgemeinschaften mit 13.036 Personen im Jobcenter
Darmstadt gemeldet.
Von den 13.036 Personen in Bedarfsgemeinschaften sind 5.721 Personen unter 25 Jahren und
7.315 Personen sind zwischen 25 und 64 Jahren. Dies ist ein Anteil von 56,11%.
Von den 13.036 Personen der Bedarfsgemeinschaften waren 8.679 erwerbsfähige Leistungsbe-
rechtigte (4.543 Frauen und 4.136 Männer) und 4.357 Personen nicht erwerbsfähige Leistungs-
berechtigte.
Von den 8.679 erwerbsfähigen Leistungsberechtigten konnten insgesamt 2.637 ein Einkommen
aus Erwerbstätigkeit erzielen. Dies entspricht einem Prozentsatz von 30,38.
Ein Einkommen aus abhängiger Erwerbstätigkeit konnten insgesamt 2.452 Personen (28,25 %)
erzielen. Lediglich 185 (2,13 %) eLb erwirtschafteten Einkommen aus einer Selbständigkeit. Von
den 8.779 eLb waren 6.042 Personen ohne Einkommen aus Erwerbstätigkeit, was einem Anteil
von 69,61 % entspricht.
Die 8.679 erwerbsfähigen Leistungsberechtigten (eLb) wiesen folgende Altersstruktur auf:
- 1.685 eLb im Alter von 15 bis 24 Jahre
- 5.084 eLb im Alter von 25 bis 50 Jahre
und
- 1.910 eLb im Alter von 50 bis unter 65 Jahre
Insgesamt 3.583 eLb hatten eine ausländische Staatsangehörigkeit (41,28%), 1.310 waren al-
leinerziehend (15,09 %) und 226 eLb bezogen parallel Arbeitslosengeld I nach dem SGB III, was
einem Prozentsatz von 2,60 entspricht.
2.2 Kundensegmentierung
Das System der Profillagen hat das zuvor eingesetzte Betreuungsstufenkonzept abgelöst. Es
ermöglicht eine feinere Strukturierung der Kundengruppierung und erlaubt eine passgenaue Ein-
schätzung der Kundinnen und Kunden im SGB II nach ihren individuellen Potenzialen und Hand-
lungsbedarfen. Sechs Profillagen werden dabei in je drei integrationsnahe Profillagen und drei
komplexe Profillagen unterteilt.
System der Profillagen
Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2014
11
Profillagen
KomplexIntegrationsnah
Unterstützungs-Stabilisierungs -Entwicklungs-profilFörderprofilAktivierungsprofilMarktprofil
Integrationsfern Stabilisierungsbedarf (IG)Förderbedarf (IK)Integrationsnah (IN)
bisherige Betreuungsstufen
Im Jobcenter Darmstadt befinden sich lediglich 959 (11,6 %) der erwerbsfähigen Leistungsb e-
rechtigten aktuell in Profillagen, die eine schnelle Integration in den Arbeitsmarkt erwarten lassen.
Demgegenüber stehen 3.799 (45,95 %) Kundinnen und Kunden, die mit erheblichen Vermit t-
lungshemmnissen bzw. komplexen Profillagen registriert sind.
Kundenanteile nach Profillagen im Jobcenter Darmstadt (Stand November 2013)
6071
828
1883
867
1049 86
1395
2027
3508
Kunden nach Profillagen
MP Marktprofil
AP Aktivierungsprofil
FP Förderprofil
EP Entwicklungsprofil
SP Stabilisierungsprofil
UP Unterstützungsprofil
N noch nicht festgelegt
I Integriert, aber hilfebedürftig
sonstige
0,7%
0,9%
10,0%
22,8%
10,5%
12,7% 1,0%
16,9%
24,5%
42,4%
Kundenanteile nach Profillagen
MP Marktprofil
AP Aktivierungsprofil
FP Förderprofil
EP Entwicklungsprofil
SP Stabilisierungsprofil
UP Unterstützungsprofil
N noch nicht festgelegt
I Integriert, aber hilfebedürftig
sonstige
Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2014
12
3. Zielsystem des SGB II
Die Grundsicherung für Arbeitssuchende dient nicht nur der einheitlichen Sicherstellung des Le-
bensunterhaltes in finanzieller Hinsicht. Mit der Einführung dieses Gesetzes zum 01.01.2005
wurden umfassende Hilfen geschaffen, um Menschen unmittelbar in den Arbeitsprozess zurück-
zuführen. Dabei sollen deren individuelle Fertigkeiten und Fähigkeiten gestärkt werden, so dass
zukunftsperspektivisch ein Leben unabhängig von der Grundsicherung geführt werden kann.
Dieses Ziel soll einerseits durch staatliche Unterstützung erreicht werden, die darauf ausgerichtet
ist, die Eigeninitiative und die Eigenverantwortung zu stärken. Im SGB II sind daher eine Vielzahl
von Eingliederungsinstrumenten manifestiert, die die Kundin bzw. den Kunden individuell fördern,
aber auch fordern sollen.
Im Jahr 2012 wurde erstmals das durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS),
Länder, Bundesagentur für Arbeit (BA) und kommunale Spitzenverbände (komSpV) entwickelte
Verfahren zur Zielplanung und -nachhaltung, sowohl in den gemeinsamen Einrichtungen, als
auch in den zugelassenen kommunalen Trägern umgesetzt. Einzelheiten dieses Zielsteuerungs-
systems wurden 2011 im „Gemeinsamen Grundlagenpapier“ beschrieben.
Mit der Absicht einer Systemverbesserung wird dieses „Gemeinsame Grundlagenpapier“ regel-
mäßig einer gemeinsamen Überprüfung unterzogen und ggf. unter Berücksichtigung gewonnener
Erfahrungen weiterentwickelt. Im Zuge der jährlichen Erarbeitung des Planungsdokuments erge-
ben sich aus dieser Überprüfung für 2014 folgende Veränderungen bzw. Weiterentwicklungen:
Die Zielplanung für die Ziele 2 (Verbesserung der Integration in Erwerbstätigkeit) und 3 (Vermei-
dung von langfristigem Leistungsbezug) erfolgt erstmalig in einem dezentralen Prozess, d.h. die
Vorgabe von Referenzwerten durch die vorgesetzten Behörden entfällt. Vielmehr entwickeln die
Jobcenter auf der Grundlage ihrer fachlichen Einschätzungen Zielwertvorschläge für die Integra-
tionsquote und den Bestand an Langzeitleistungsbeziehern. Mit dieser dezentralen Planung geht
gleichsam ein hohes Maß an Planungsverantwortung auf die handelnden Akteure vor Ort über.
Sie soll zu realistischeren, aber auch ambitionierten Zielwerten führen, bei gleichzeitig höherer
Akzeptanz des Planungsprozesses insgesamt.
Für das Ziel 1 (Verringerung der Hilfebedürftigkeit) verbleibt es auch im Jahr 2014 bei einem qua-
litativen Monitoring. Damit ist dieser Indikator nicht Gegenstand der Planung, es werden keine
Zielwerte vereinbart.
Ebenfalls nicht beplant, aber in die Zielnachhaltung einbezogen, bleiben weiterhin die Qualitäts-
kennzahlen. Diese bilden die Ergebnis- und Prozessqualität in den gemeinsamen Einrichtungen
ab.
Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2014
13
Aus dem „Index aus Kundenzufriedenheit“ ergibt sich die Wahrnehmung der BA aus der Per-
spektive der Kundinnen und Kunden. Hierfür wird im Jahr 2014 je Halbjahr eine Kundenbefra-
gung durchgeführt, deren Ergebnisse in Schulnoten den „Index aus Kundenzufriedenheit“ abbil-
den.
Der „Index aus Prozessqualität“ bildet die Prozesse in der gemeinsamen Einrichtung ab und um-
fasst als Teilgrößen die „Bearbeitungsdauer“, „Erstberatung Ü25“, „Erstberatung U25“ sowie „An-
gebot U25“ als operative Mindeststandards sowie „Eingliederungsvereinbarungen im Bestand“
als fachlicher Standard. Diese fließen zu je 20% in den Index ein.
Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2014
14
Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2014
15
3.1 Was haben wir erreicht? - Rückblick 2013 -
Wie schon in den vergangenen Jahren so war auch für 2013 das folgende Zielsystem maßg e-
bend:
Ziel Zielindikator
Verringerung der Hilfebedürftigkeit Summe passive Leistungen 1
Verbesserung der Integration in Er-
werbstätigkeit Integrationsquote 2
Langzeitbezug vermeiden
Anzahl der Langzeitleistungsbezieher
(LZB) 3
Die bisher vorliegenden Ergebnisse und Zahlen für das Jobcenters Darmstadt sehen im
November 2013 wie folgt aus:
Ziel Zielerreichung 2013
Ist 11.2013
Zielerreichung 2013
Soll 11.2013
Verringerung der Hilfebedürftigkeit
25.116 Mio. Euro
23.982 Mio. Euro 4
Verbesserung der Integration in Erwerbst ä-
tigkeit (Integrationsquote)
21,6 % = 1.845
21,6 % = 1.842 4
Langzeitbezug vermeiden
In 2013 soll der Bestand
5088 nicht übersteigen
5.325 4
Im Zeitraum 01.01.2013 bis 15.11.2013 wurden bisher insgesamt 1.845 erwerbsfähige Hilfsb e-
dürftige in Erwerbstätigkeit integriert. Dies entspricht einer Integrationsquote von 21,6% . Eine
Zielerreichung in diesem Bereich erscheint zum gegenwärtigen Zeitpunkt durchaus realistisch.
Die zu Jahresbeginn bestehende sehr hohe Zielverfehlung (-17,3%) konnte im Jahresverlauf ste-
tig abgebaut werden. Im Monat September konnte die Zielvorgabe erstmals erreicht werden.
Gleichwohl muss festgestellt werden, dass der Personenkreis des SGB II selbst von positiven
Entwicklungen am Arbeitsmarkt kaum partizipieren kann. Gerade aber in Zeiten in denen die
Zahlen der Arbeitslosen und der erwerbsfähigen Leistungsberechtigen stagnieren oder leicht
steigen, muss betont werden, dass aufgrund einer Vielzahl von Hemmnissen, wie z.B. schlechte
Schul- und/oder Berufsausbildung, eine Entlassung von Personen aus dem Leistungsbezug des
SGB II sehr schwierig ist.
1 Die Summe passiver Leistungen ist definiert als die Summe der Leistungen zur Sicherung des Lebensunterhaltes (ohne kommunale
Leistungen nach § 7 Abs. 1 Ziffer 2 SGB II sowie Beiträge zur Sozialversicherung).
2 Die Integrationsquote gibt das Verhältnis der innerhalb des betrachteten Berichtsmonats in Erwerbstätigkeit oder Ausbildung i nte-
grierten erwerbsfähigen Leistungsberechtigten (eLb) zum Bestand aller eLb des Vormonats in Prozent an.
3 Als LZB gelten eLb, die in den vergangenen 24 Monaten mindestens 21 Monate gem. § 9 SGB II hilfebedürftig waren und zum
Messzeitpunkt bestandsrelevant sind.
4 Quelle: Controllingdaten der BA, Geschäftsergebnisse SGB II 11.2013; Kreisreport November 2013; vorläufiger Stand 11/2013;
revidierte Daten stehen erst mit einer Wartezeit von 3 Monaten zur Verfügung; Prognose
Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2014
16
3.2 Kennzahlen nach § 48 a SGB II
Bereits mit Beginn des Jahres 2012 wurde ein Wandel in der Betrachtung der Vergleichswerte
und Zielsysteme in Bezug auf die übrigen Jobcenter vollzogen. Neue Kennzahlen gem. § 48 a
SGB II werden seit diesem Zeitpunkt zum Leistungsvergleich ausgewertet und zur Zielnachhal-
tung herangezogen.
Grundlage der Betrachtung sind nicht mehr, wie vor 2012, die Kundinnen und Kunden im Kun-
denkontakt, sondern alle erwerbsfähigen Leistungsbezieher (eLb). Integrierte und nichtaktivierba-
re Kundinnen und Kunden werden mit in die Betrachtung gezogen.
Die Hauptziele für 2014 sind wir folgt formuliert:
1. Verringerung der Hilfebedürftigkeit
2. Verbesserung der Integration in Erwerbstätigkeit
3. Vermeidung von langfristigem Leistungsbezug
3.2.1 Verringerung der Hilfebedürftigkeit
Schwerpunkt der Detailanalyse ist die Summe der Leistungen zum Lebensunterhalt (LLU) im
betrachteten Berichtsmonat. D. h. für alle bestandsrelevanten Bedarfsgemeinschaften (BG) wer-
den die Leistungen zum Lebensunterhalt des Kalendermonats aufsummiert, für den diese bewil-
ligt sind. Die zeitliche Zuweisung zu Berichtsmonaten erfolgt auf Basis des Anspruchsmonats und
nicht des Zahlmonats. Ferner werden Vorjahreswerte, Jahresfortschrittswerte und die entspre-
chenden absoluten und prozentualen Veränderungen dargestellt.
3.2.2 Verbesserung der Integration in Erwerbstätigkeit
Die Integrationsquote beschreibt das Verhältnis der Anzahl Integrationen im Betrachtungszeit-
raum zum durchschnittlichen Bestand an erwerbsfähigen Leistungsberechtigten (eLb) in Prozent.
Sie ist der Zielindikator zum Ziel 2 „Verbesserung der Integration in Erwerbstätigkeit“, der den
Umfang an Integrationen von eLb widerspiegelt. Der Fokus der Eingliederungsbemühungen liegt
dabei vor allem auf der langfristigen Überwindung der Hilfebedürftigkeit.
Schwerpunkt der Detailanalyse ist die Integrationsquote im Jahresfortschrittswert, die sich wie
folgt berechnet: Summe der Integrationen von erwerbsfähigen Leistungsberechtigten seit Beginn
des Berichtsjahres dividiert durch den durchschnittlichen Bestand aller eLb der Vormonate multi-
pliziert mit 100.
Die Summe der Anzahl Integrationen von Berichtsmonat Januar bis einschließlich des betrachte-
ten Berichtsmonats stellt das Ergebnis im Zähler dar.
Der durchschnittliche Bestand an eLb im Nenner ergibt sich mittels Addition der Bestände der
entsprechenden Vormonate geteilt durch deren Anzahl. Dabei werden alle eLb betrachtet, die am
jeweiligen Messzeitpunkt Mitglied einer Bedarfsgemeinschaft sind.
Eine Integration liegt vor, wenn eine bzw. ein eLb eine sozialversicherungspflichtige Beschäfti-
gung am ersten Arbeitsmarkt, eine voll qualifizierende berufliche Ausbildung oder eine selbstän-
dige Erwerbstätigkeit aufnimmt. Es gilt das Personenkonzept, d. h. pro Berichtsmonat wird je eLb
maximal eine Integration berücksichtigt.
Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2014
17
3.2.3 Vermeidung von langfristigem Leistungsbezug
Für den Bestand an Langzeitleistungsbeziehern ist der Referenzwert ebenfalls als Veränderungs-
rate definiert und bildet die angestrebte Entwicklung des jahresdurchschnittlichen Bestands an
Langzeitleistungsbeziehern für das Jahr 2014 gegenüber dem Jahr 2013 ab.
Für die Auswertung zur Vermeidung von langfristigem Bezug wird die Zahl der Langzeitleis-
tungsbezieherinnen und -bezieher aus dem Fachverfahren A2LL herangezogen. Der Leistungs-
anspruch wird in Monatswerten gemessen, das heißt: Am Stichtag des ausgewählten Berichts-
monats werden aus allen erwerbsfähigen Leistungsberechtigten (eLb) in bestandsrelevanten
Bedarfsgemeinschaften diejenigen im Langzeitleistungsbezug ermittelt.
Eine Person muss also am Stichtag
im SGB II-Bestand und
erwerbsfähig sein,
mindestens das 17. Lebensjahr vollendet haben und eine
Verweildauer im SGB II von mindestens 21 Monaten (definiert mit 638 Kalendertagen) in
den letzten 24 Monaten (definiert mit 730 Kalendertagen) aufweisen.
3.2.4 Kennzahlen und Angebotswerte 2014
Angepasst an den neuen Zielplanungsprozess, der ein dezentrales bottom-up-Planungsverfahren
vorsieht, hat das Jobcenter Darmstadt für die Zielindikator en der Ziele „Verbesserung der I n-
tegration in Erwerbstätigkeit“ und „Vermeidung von langfristigem Leistungsbezug“ Zielwerte era r-
beitet und als Angebot abgegeben. Die Angebotswerte legen fest in welchem Umfang sich die
Integrationen im kommenden Jahr nach o ben und der Bestand an Langzeitleistungsbezieheri n-
nen und -beziehern (LZB) nach unten entwickeln sollen.
Für das Jobcenter Darmstadt ergibt sich in 2014 folgende Problematik:
Die Einführung der Beratungskonzeption (BeKo) SGB II führt zu einer Mehrbelas tung der Mita r-
beiterinnen und Mitarbeiter im kommenden Jahr. Dieser Umstand wird durch die Qualifizierungen
zum zertifizierten Fallmanager/in verstärkt. In einer ähnlichen Situation befinden sich auch die
Beschäftigten im Bereich Existenzsicherung durch di e Schulungen und den Einführungsbetrieb
ALLEGRO.
Diese Faktoren (insbesondere die Personalentzüge für die Schulungs - und Lernsequenzen und
die Umsetzung im Echtbetrieb) müssen bei der Planung 2014 berücksichtigt werden.
Die Implementierung von BeKo SGB II wird erst gegen Ende des Jahres abgeschlossen sein. Die
erwartete Wirkung in Form einer verbesserten Beratungsqualität nach einheitlichen Standards
sowie daraus resultierende Synergieeffekte werden noch nicht in 2014 vollumfänglich zum Tr a-
gen kommen und gelten daher für die Zielerreichung als Risiko.
Für 2014 stehen dem Risiko die optimierten Arbeitsabläufe, die Kontinuität in der Führungseb e-
ne, ein bewährtes, sich stetig weiterentwickelndes Maßnahmeportfolio sowie die geplante Ne u-
ausrichtung der Zusammenarbeit im gemeinsamen Arbeitgeberservice als Chance gegenüber.
Diese Faktoren gilt es bei der Planung 2014 mit zu berücksichtigen. Nach gewissenhafter Abw ä-
gung der genannten Risikofaktoren mit den daraus aber resultierenden Chancen für 2014 kommt
das JC Darmstadt zu folgenden Zielwertangeboten:
Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2014
18
Verbesserung der Integration in Erwerbstätigkeit
Vermeidung von langfristigem Leistungsbezug
Die Schwerfälligkeit des Ziels „Vermeidung von langfristigem Leistungsbezug“ macht das unten
stehende Schaubild deutlich. Die Veränderungen innerhalb eines Jahres sind von sehr geringer
Ausprägung. Auch hier verfolgt das Jobcenter Darmstadt eine realistische Zielwertvorgabe und
strebt für Dezember 2014 die Reduzierung des prognostizierten Jahresendwer tes 2013 um 43
Personen auf 5.300 Personen im Langzeitbezug (LZB) im Jahresdurchschnittswert ( JDW) an.
Dies stellt eine Verringerung des Bestandes an Langzeitleistungsbezieher innen und -bezieher
um 0,8 % dar.
Das Jobcenter Darmstadt hat zwischenzeitlich im Rahmen des Planungsprozesses 2014 die o.a.
Angebotswerte für die die beiden Zielgrößen abgegeben. Ob diese im Rahmen des Planungs-
prozesses des Bundes akzeptiert werden, stand zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Entwurfes
des Arbeitsmarkt- und Integrationsprogrammes noch nicht fest.
2011 2012
IST
November
2013 Ziel 2013
Prognose
2013
Prognose
2014
eLb JDW 8.964 8.063 8.559 8.168 8.527 8.500
Integrationen 2.404 1.857 1.845 1.881 2.040 2.040
Integrationsquote 26,80% 23,00% 21,60% 23,00% 23,90% 24,00%
Angebotswerte 6,4 1,6 1,6 0,42
Jan Feb Mrz Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
2010 5791 5781 5753 5735 5719 5705 5689 5671 5656 5642 5627 5608
2011 5406 5426 5419 5412 5403 5394 5383 5376 5362 5347 5333 5317
2012 5173 5179 5168 5157 5154 5154 5156 5157 5154 5152 5152 5154
2013 5241 5256 5274 5284 5294 5301 5308 5316 5322 5327 5325
4800
5000
5200
5400
5600
5800
6000
Achsentitel
Bestand LZB JDW
Jahr 2012
Prognose
2013
Prognose
2014
LZB 5149 5343 5343
Zielwert 5149 5093 5300
Zielabweichung 0,0% 4,5% -0,8%
Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2014
19
3.3 Prozess- und Qualitätsziele
Zur Unterstützung und Ergänzung des Steuerungssystems werden neben den Kennzahlen nach
§ 48a SGB II weitere steuerungsrelevante Kennzahlen für die Zielnachhaltung genutzt.
Auch im Jahr 2013 wurden die operativen Mindeststandards nachgehalten. Diese sind:
a) Index aus Prozessqualität
b) Index aus Kundenzufriedenheit
Im Index aus Prozessqualität werden die Erfüllungsquoten verschiedener Arbeitsabläufe g e-
messen, um so einen schnellen Überblick über die Qualität der Arbeitsprozesse zu geben.
Hierzu gehören (Gewichtung):
die Durchführung der Erstberatung (15%)
die Durchführung der Erstberatung U25 (15%)
das Angebot U25 (15%)
die Eingliederungsvereinbarungen im Bestand (25%)
die Bearbeitungsdauer (30%)
Der hier abgebildeten Grafik kann nochmals die Zusammenstellung und Gewichtung der zum
Index aus Prozessqualität gehörigen Dimensionen entnommen werden.
Ist in Tagen 7,68 Ist erfüllt in % (Typ)
Soll-Ist Index in % 120,0
Teilergebnis 24,0
Ist erfüllt in % 83,2 Ist erfüllt in % (Typ)
Ist erfüllt in % (Typ)
l Ist erfüllt in % (Dtl.)
Daten für Indexberechnung
102,9
Soll-Ist Index in %
20,6Teilergebnis
Ist erfüllt in % 82,4 4/15 74,0
Ist erfüllt in % (MW) 100,0 75,7
MDS - Angebot U25 JFW
Soll: 80,0 % | Gew ichtung: 20 % Rang
Teilergebnis 20,8 Ist-Ist VJ in % (Dtl.) -0,7 Teilergebnis 20,6
Daten für Indexberechnung Ist-Ist VJ in % -4,5 Daten für Indexberechnung
Soll-Ist Index in % 104,0 Ist-Ist VJ in % (Typ 0,3 Soll-Ist Index in % 102,9
100,0 l Ist erfüllt in % (Dtl.) 75,7
14/15
Ist erfüllt in % (MW) 82,3 l Ist erfüllt in % (Dtl.) 86,6 Ist erfüllt in % (MW)
12/15 Ist erfüllt in % (Typ) 88,5 Ist erfüllt in % 82,3 6/15 75,2
Soll: 80,0 % | Gew ichtung: 20 % Rang Rang Soll: 80,0 % | Gew ichtung: 20 % Rang
QS - Eingliederungsvereinbarung im Bestand JDW MDS - Erstberatung U25 JFW
Ist-Ist VJ in % (Typ -7,0 Soll-Ist Index in % 114,4
Ist-Ist VJ in % (Dtl.) 5,3 Teilergebnis 22,9
94,7 l Ist erfüllt in % (Dtl.) 81,2
Daten für Indexberechnung Ist-Ist VJ in % -7,0 6/15 Daten für Indexberechnung
Soll-Ist in % -45,1 l Ist in Tagen (Dtl.) 7,38 Ist erfüllt in % (MW)
12/15 Ist in Tagen (Typ) 6,78 Ist erfüllt in % 91,5 2/15 79,0
Soll: 14,0 Tage | Gew ichtung: 20 % Rang Rang Soll: 80,0 % | Gew ichtung: 20 % Rang
2,9
Ist-Ist VJ in % (Dtl.)
3,2
MDS - Bearbeitungsdauer gJFW MDS - Erstberatung JFW
5/15
Ist-Ist VJ in %
-2,1 12/15
Ist-Ist VJ in % (Typ)
Ist 108,8 Ist (Typ) 103,2
Ist (Dtl.) 103,8Soll-Ist in % 8,8 l
Rang Rang
Berichtsmonat Oktober 2013
QS - Index aus Prozessqualität JFW
Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2014
20
Im Jahresverlauf konnte das Jobcenter Darmstadt hier sehr gute Ergebnisse erzielen und auch
im Vergleich mit anderen Jobcentern bestehen. So wurde im offiziellen Ranking innerhalb des
SGB II Vergleichstyps (Typ IV) im August 2013 Platz 6 von 15 erreicht.
Ein weiterer Aspekt von Qualität ist die Bewertung der Dienstleistungen durch die Kundinnen und
Kunden. Diese werden im Index aus Kundenzufriedenheit gemessen.
Schwerpunkt dieser Detailanalyse ist die Auswertung der zentral durch das Zentrum für Kunden-
und Mitarbeiterbefragungen (ZKM) durchgeführten Untersuchungen. Hierzu werden standardi-
sierte Befragungen in unterschiedlicher Form (schriftlich, mündlich - telefonisch- oder auch onli-
ne) durchgeführt.
Die Themenfelder sich in folgende Blöcke zusammengefasst, die mit einer unterschiedlichen
Gewichtung in das Ergebnis einfließen:
Beratung und Vermittlung (25%)
Geldleistungen (25%)
Mitarbeiter (30%)
Rahmenbedingungen (20%)
Der Fragebogen des ZKM umfasst insgesamt 45 Einzelfragen, wird jedoch nur halbjährlich aus-
gewertet. Das Ergebnis wird in Schulnoten dargestellt. Im ersten Halbjahr 2013 konnte das Job-
center Darmstadt die Note 2,54 erreichen.
Auch hier die entsprechende grafische Darstellung:
GJW
I. 2013
2,54
2,48
2,49
GJW
Gew ichtung: 25%
Halbjahr
Ist in Noten
Ist in Noten (Typ)
Ist in Noten (Dtl.)
GJW
Gew ichtung: 30%
Halbjahr
Ist in Noten
Ist in Noten (Typ)
Ist in Noten (Dtl.)
2,57 2,51 Ist in Noten (Typ) 2,19
2,56 2,53 Ist in Noten (Dtl.) 2,24
2,56 2,56 Ist in Noten 2,24
AG - Mitarbeiter AG - Rahmenbedingungen
GJW
Gew ichtung: 20%
II. 2012 I. 2013 Halbjahr II. 2012
2,65 2,62 Ist in Noten (Dtl.) 2,62
2,71 2,69 Ist in Noten 2,66
2,63 2,61 Ist in Noten (Typ) 2,61
II. 2012 I. 2013 Halbjahr II. 2012
AG - Beratung/Vermittlung AG - Geldleistungen
GJW
Gew ichtung: 25%
Ist in Noten 2,56
Ist in Noten (Typ) 2,52
Ist in Noten (Dtl.) 2,54
Kundenzufriedenheit
41512 JC Darmstadt, Wissenschaftsstadt (SGB II Typ 4 (15), AA Darmstadt, RD Hessen)
Berichtsmonat Oktober 2013
QS - Index aus Kundenzufriedenheit
Halbjahr II. 2012
Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2014
21
3.4 Lokale Zielvereinbarung mit der Wissenschaftsstadt Darmstadt
Im August 2012 wurde eine lokale Zielvereinbarung mit dem Jugendamt der Wissenschaftsstadt
Darmstadt abgeschlossen.
Ziele waren:
1. Senkung der Jugendarbeitslosigkeit bis Dezember 2013 auf 280 junge Menschen
2. Erhöhung der Einmündungsquote in schulische Weiterbildung sowie schulische und
betriebliche Ausbildung auf 75 %
3. Gemeinsame Planung und Durchführung von Maßnahmen zur Verbesserung der Ausbil-
dungsreife und Verselbständigung sowie gemeinsame Maßnahmen zur Herstellung der
Vermittlungsfähigkeit
Zielerreichung:
1. Senkung der Jugendarbeitslosigkeit auf 280 Jugendliche bis Dezember 2013
wird möglicherweise knapp verfehlt. Im November 2013 sind leider
noch 314 junge Menschen unter 25 Jahren arbeitslos gemeldet
2. Erhöhung der Einmündungsquote auf 75 % bis September 2013
wurde mit 77,75 % übertroffen
Bezüglich der gemeinsamen Planung und Durchführung von Maßnahmen zur Verbesserung der
Ausbildungsreife stehen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Jobcenters Darmstadt mit den
Kolleginnen und Kollegen der Wissenschaftsstadt Darmstadt in ständigem und regelmäßigem
Kontakt. Alle eingereichten Maßnahmenkonzepte werden gemeinsam geprüft und bewertet. So-
fern diese der Berufsvorbereitung dienen und arbeitsmarktpolitisch als sinnvoll erachtet werden,
kann bei entsprechend vorhandenen Haushaltsmitteln eine Kofinanzierung durch das Jobcenter
vereinbart werden.
Näheres hierzu siehe unter Punkt 5.8.1.
Zielvereinbarungen zwischen dem Jobcenter Darmstadt und der Wissenschaftsstadt Darmstadt
für 2014 wurden bisher noch nicht abgeschlossen.
Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2014
22
4. Aktive Förderung durch das Jobcenter Darmstadt – Planung
2014
Die arbeitsmarktpolitische Jahresplanung des Jobcenters Darmstadt ist mit den vorhandenen
Finanzmitteln in Bezug auf die vereinbarten lokalen und allgemeinen Zielsetzungen abzustim-
men. Das Jobcenter Darmstadt ist hierbei bestrebt die vorhandenen Finanzressourcen so effi-
zient einzusetzen, dass die Zielsetzungen maximal erreicht werden.
Die Planung stellt sich demnach wie folgt für das Jahr 2014 dar:
4.1. Haushalt- und Finanzsituation 2014: Eingliederungs- und Verwaltungsbudget
Für das Haushaltsjahr 2014 steht dem Jobcenter Darmstadt voraussichtlich ein Gesamtbudget
von insgesamt 12,7 Mio. Euro zur Verfügung (Stand November 2013). Das entspricht einem An-
stieg der Mittelzuteilung um rd. 5,83 % (Zuteilung 2013: 12,0 Mio. Euro).
Dieses Gesamtbudget teilt sich wie folgt auf:
Voraussichtliche Mittelzuteilung nach der Eingliederungsmittelverordnung in Mio. EURO:
Jahr Eingliederungstitel Verwaltungshaushalt
2013 5,3 6,7
2014 5,8 6,9
Im Rahmen der Planung der Verwaltungskosten für das Haushaltsjahr 2014 hat sich herausge-
stellt, dass der tatsächlich notwendige Betrag für das Verwaltungsbudget 8,7 Mio. Euro umfasst.
Es müssen deshalb rd. 1,77 Mio. Euro aus dem Eingliederungsbudget in das Verwaltungsbudget
umgeschichtet werden (2013: rd. 1,5 Mio. Euro).
Für das Neugeschäft im Eingliederungsbudget verbleibt nach Abzug des Umschichtungsbetra-
ges, der nicht verausgabten Bindungen aus 2013 und den Vorbindungen ein Gesamtbetrag von
2,5 Mio. Euro.
Eingliederungsmittel 2014 (in EURO)
Voraussichtliche Ausgabemittelzuteilung insgesamt 5.821.896
geplante Umschichtungen zum Verwaltungshaushalt -1.770.500
Saldo Forderungseinzug (Durchschnittswert) +2.223
zur Verfügung stehende Ausgabemittel 2014* 4.053.619
Vorbindungen aus Vorjahren fällig 2014 1.535.724
zur Verfügung stehende Ausgabemittel für Neugeschäft 2.517.895
Geplante Ausgaben für 2014 in Euro (Neugeschäft) 2.517.895
Geplante Ausgaben für 20 14 in % (Neugeschäft) 100
*In den zu Verfügung stehenden Ausgabemitteln sind keine „nicht verausgabten Bindungen“ aus 2013 berücksichtigt,
die erfahrungsgemäß bei ca. 6.000,00 € liegen. Der endgültige Betrag kann erst nach Abschluss des Haushaltsjahres
2013 beziffert werden.
Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2014
23
Aufgrund des Haushaltrechts werden in die Planung alle Verpflichtungen aufgenommen. Hieraus
ergeben sich im Laufe eines Jahres Freirechnungen (z.B. aufgrund von Einsparungen im Einkauf
oder durch Abbrüche/Fluktuationen bei der Maßnahmebesetzung). Die Bewirtschaftung der zur
Verfügung stehenden Haushaltsmittel unter den Gesichtspunkten der Bundeshaushaltsordnung
obliegt dem Beauftragten für den Haushalt (BfdH). Nach einer für April 2014 geplanten Revision
werden der Geschäftsführung ggf. Planungskorrekturen für den Eingliederungstitel vorgeschl a-
gen.
4.2 Budgetausstattung und Eintrittsplanung 2014
Die Vermeidung der Langzeitarbeitslosigkeit ist eines der Hauptziele des Jobcenter Darmstadt in
2014. Um dies zu erreichen, wird das Budget für die integrationsorientierten Instrumente (Förde-
rung der beruflichen Weiterbildung, Eingliederungszuschüsse, Maßnahmen der Aktivierung und
beruflichen Eingliederung – MabE) trotz Erhöhung des Umschichtungsbetrags für den Verwal-
tungshaushalt beibehalten (Planungswert 2014 = 56,3 % - Planungswert 2013 = 56,6 %). Die
Budgetansätze für die Arbeitsangelegenheiten (11,4 %) und der Förderung aus dem Vermitt-
lungsbudget (3 %) wurden den Erfahrungswerten aus 2013 angepasst. Der Budgetanstieg bei
den sonstigen Förderleistungen (5,4 % gegenüber 1,8 % in 2013) ist begründet durch den ver-
stärkten Einsatz von Wechselprämien und Probebeschäftigungen.
Ein Gesamtüberblick kann der folgenden Aufstellung entnommen werden:
Bei der vorstehenden Tabelle ist zu beachten, dass für 2013 Ist-Werte zugrunde gelegt wurden.
Hinter den 5 Instrumenten mit den größten Anteilen an den Gesamtausgaben steht folgende Ein-
trittsplanung:
2013
Altgeschäft
(Vorbindungen) Neugeschäft Ausgaben
Anteil an
Ausgaben
in %
Ausgaben
Stand
Dezember
2013
Planung EgT Gesamt (Beträge in EURO) 1.535.724 2.517.895 4.053.619 100 4.178.101
Förderung der beruflichen Weiterbildung (FbW) 146.773 485.496 632.269 15,6 809.562
Aktivierung und berufliche Eingliederung (MAbE) 572.044 657.885 1.229.929 30,3 1.090.289
Arbeitsgelegenheit (AGH) Mehraufwandvariante 48.657 411.840 460.497 11,4 418.454
Berufsausbildung in außerbetriebl. Einrichtungen (BaE) 500.893 50.400 551.293 13,6 636.697
Eingliederungszuschüsse (EGZ) 86.267 334.250 420.517 10,4 482.508
Förderung aus dem Vermittlungbudget (VB) 0 121.000 121.000 3,0 141.333
Reha Ermessens- und Pflichtleistungen 71.731 160.109 231.840 5,7 235.237
Förderung Arbeitsverhältnisse (FAV) 36.090 50.400 86.490 2,1 82.407
Befristeter Beschäftigungszuschuss (BEZ) 0 0 0 0,0 0
Einstiegsgeld (ESG) 0 14.440 14.440 0,4 13.821
Einstiegsqualifizierung (EQ) 30.170 37.375 67.545 1,7 48.359
Begleitende Hilfen Selbstständigkeit 0 17.500 17.500 0,4 12.486
Sonstige Förderleistungen 43.099 177.200 220.299 5,4 206.948
2014
Eingliederungsleistungen: Budgetausstattung nach Instrumenten
Eintritte
Anteil an
Gesamteintritten
in %
Ist-Eintritte
(Stand:
Dezember)
Anteil an
Gesamteintritten
in %
Gesamt 1.380 100 1.748 100
Förderung der beruflichen Weiterbildung (FbW) 189 13,7 199 11,4
Aktivierung und berufliche Eingliederung (MAbE) 694 50,3 939 53,7
Arbeitsgelegenheit (AGH) Mehraufwandvariante 350 25,3 481 27,5
Berufsausbildung in außerbetriebl. Einrichtungen (BaE) 18 1,3 35 2,0
Eingliederungszuschüsse (EGZ) 129 9,4 94 5,4
2014 2013
Eintritte: Die 5 großen EGT Instrumente
Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2014
24
5. Geschäftspolitische Schwerpunkte
Die Aufgaben und Ziele der Grundsicherung für Arbeitsuchende hat der Gesetzgeber im § 1 SGB
II beschrieben. Danach soll die Grundsicherung für Arbeitsuchende es den Leistungsberechtigten
ermöglichen, ein Leben zu führen, das der Würde des Menschen entspricht. Aufgabe ist es, die
Eigenverantwortung von erwerbsfähigen Leistungsberechtigten (eLb) und Personen, die mit
ihnen in einer Bedarfsgemeinschaft (BG) leben, zu stärken und dazu beitragen, dass sie ihren
Lebensunterhalt unabhängig von der Grundsicherung aus eigenen Mitteln und Kräften bestreiten
können.
Das Jobcenter soll erwerbsfähige Leistungsberechtigte bei der Aufnahme oder Beibehaltung e i-
ner Erwerbstätigkeit unterstützen und den Lebensunterhalt sichern, soweit sie ihn nicht auf ande-
re Weise bestreiten können.
Insbesondere sind die Leistungen der Grundsicherung darauf auszurichten, dass
durch eine Erwerbstätigkeit Hilfebedürftigkeit vermieden oder beseitigt, die Dauer der Hilfe-
bedürftigkeit verkürzt oder der Umfang der Hilfebedürftigkeit verringert wird
die Erwerbsfähigkeit einer leistungsberechtigten Person erhalten, verbessert oder wieder
hergestellt wird
geschlechtsspezifischen Nachteilen von erwerbsfähigen Leistungsberechtigten entgegenge-
wirkt wird
die familienspezifischen Lebensverhältnisse von erwerbsfähigen Leistungsberechtigten, die
Kinder erziehen oder pflegebedürftige Angehörige betreuen, berücksichtigt werden
die behindertenspezifischen Nachteile überwunden werden
Anreize zur Aufnahme und Ausübung einer Erwerbstätigkeit geschaffen und aufrechterhalten
werden.
Neben dem in §1 SGB II definierte n gesetzliche Auftrag der Grundsicherung sind die in § 48b
SGB II definierten Steuerungsziele der Grundsicherung für Arbeitsuchende
- Verringerung der Hilfebedürftigkeit
- Verbesserung der Integration in Erwerbstätigkeit
- Vermeidung von langfristigem Leistungsbezug
sowie die Qualitätskennzahlen im Bereich Prozessqualität und Kundenzufriedenheitsindex
Grundlagen des Arbeitsmarktprogramms.
Die geschäftspolitischen Schwerpunkte und Handlungsfelder für 2014 lauten wie folgt:
1. Fachkräftepotential erschließen
2. Langjährige Bestandskunden aktivieren
3. Marktchancen Arbeitgeber erschließen
4. Beschäftigungschancen für Alleinerziehende erschließen
5. Jugendliche in den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt integrieren
6. Rechtmäßigkeit und Qualität der operativen Umsetzung sicherstellen
Das Arbeitsmarktprogramm des Jobcenters Darmstadt orientiert sich an den oben beschriebenen
Zielen und geschäftspolitischen Handlungsfeldern. Die Integration der erwerbsfähigen Leistungs-
berechtigten in den ersten Arbeitsmarkt ist auch 2014 das primäre Ziel des Jobcenters Darm-
stadt.
Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2014
25
Für 2014 sind im Jobcenter Darmstadt folgende Handlungsschwerpunkte gesetzt:
Steigerung der ungeförderten Integrationen von marktnahen Kundinnen und Kunden
durch eine enge Kundenkontaktdichte und durch Intensivierung der Zusammenarbeit im
gemeinsamen Arbeitgeberservice mit der Agentur für Arbeit
Schnellere Einbindung von Neukundinnen und Neukunden in die Vermittlungs- und Integ-
rationsarbeit durch die Weiterführung der seit April 2013 eingerichteten „Jobakademie“
Fortführung der Ausbildungsoffensive inklusive der „Bundesweiten Initiative zur Erstaus-
bildung junger Erwachsener“
Fortführung bzw. Weiterentwicklung von Projekten für Zielgruppen des Arbeitsmarktes
(u.a. Alleinerziehende, Jugendliche, 50+ Programm)
Aktivierung und Reduzierung von Langzeitbestandskundinnen und -kunden
Aktivierung von Bewerberpotenzialen zur Gewinnung von Fachkräften für die Bereiche
Erziehung und Pflege
Intensivierung und Ausbau der Zusammenarbeit mit den lokalen Partnern des Arbeits-
marktes
Zur Umsetzung dieser Handlungsschwerpunkte sind spezifische Maßnahmeangebote konzipiert
worden. Diese werden in 2014 im Jobcenter Darmstadt für Kundinnen und Kunden mit multiplen
Vermittlungshemmnissen zur Verfügung stehen.
5.1 Kundinnen und Kunden ohne Abschluss zu Fachkräften ausbilden
Die Entwicklung des deutschen Arbeitsmarktes im Hinblick auf den künftigen Fachkräftebedarf,
insbesondere in den Teilbereichen Erziehung und Pflege, ist weiterhin in der aktuellen Diskussi-
on. Die hierzu existierenden Szenarien und Schätzungen weisen eine gravierende Gemeinsam-
keit auf:
Das Angebot an Arbeitskräften geht demographisch zurück, während gleichzeitig der Bedarf an
gut qualifizierten Arbeitskräften steigen wird.
Bei wachsenden Qualifikationsanforderungen und geringer Nachfrage im Bereich einfacher Tä-
tigkeiten bleiben diejenigen Personen zurück, die keine ausreichende Qualifikation besitzen. Die-
se Entwicklungen stellen gerade für das SGB II eine große Herausforderung dar.
5.1.1 Jobs für best!agers
Der demografische Wandel führt zu einer erheblichen Verringerung des Potenzials an Erwerbs-
personen, welches zudem deutlich älter wird. Diese Entwicklung macht sich auch auf dem Ar-
beitsmarkt bemerkbar. 2020 wird über ein Drittel des Erwerbspotenzials über 50 Jahre alt sein.
Die Situationen und Chancen für ältere Beschäftigte haben sich in den letzten Jahren zwar be-
reits verbessert, sind aber nach wie vor mit unterschiedlichen individuellen, betrieblichen und
gesellschaftlichen Problemen verbunden.
Umso mehr behält diese Personengruppe 50plus weiterhin einen großen Stellenwert im gesell-
schaftlichen Kontext. Die Aufgabe für Betriebe, Sozialpartner und nicht zuletzt Politik besteht da-
rin, die Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass auch eine älter werdende Arbeitsgesellschaft
ein Höchstmaß an Produktivität und Innovationsfähigkeit erreichen kann und gleichzeitig zur Sta-
bilität des sozialen Sicherheitssystems beiträgt.
Die generelle und auch längere Einbindung älterer Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer am Er-
werbsleben ist volkswirtschaftlich geboten und betriebswirtschaftlich sinnvoll. Für die Einzelnen
ist die Teilhabe am Erwerbsleben eine Chance, Wissen und Erfahrung einzubringen und gleich
Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2014
26
falls am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben. Betriebe profitieren direkt von den vielfältigen Fä-
higkeiten, Kompetenzen und Erfahrungswissen.
Unter diesem Hintergrund setzt das Projekt des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales
(BMAS) „Perspektive 50plus“ als zentrales Ziel weiterhin die Verbesserung der Beschäftigungs-
chancen älterer Langzeitarbeitsloser sowie deren Aktivierung und Vermittlung in sozialversiche-
rungspflichtige Beschäftigung.
Der Handlungsansatz der Projektumsetzung bleibt offen; je nach den regionalen Gegebenheiten
und innovativen Engagement besteht die Möglichkeit, den älteren Langzeitarbeitslosen individu-
elle Leistungen und Unterstützungsangebote zu unterbreiten, um deren (Re)Integration in den
Arbeitsmarkt zu ermöglichen. Auch für 2014 bleibt die mit dem BMAS vereinbarte Zielgröße bei
250 Integrationen.
Von den insgesamt gemeldeten langzeitarbeitslosen 50plus-Kundinnen und Kunden sind mehr
als die Hälfte über 55 Jahre alt und in komplexen Profillagen.Hierbei ist eine stetige Verhärtung in
der Struktur der Zielgruppe und der dadurch zunehmend geringeren Wirksamkeit der bisherigen
Arbeitsmarktpolitik festzustellen.
Der Anteil der vermittelbaren Langzeitarbeitslosen mit einer Arbeitslosigkeitsdauer von mehr als
4 Jahren steigt kontinuierlich an. Besondere Probleme auf dem ersten. Arbeitsmarkt haben die
Arbeitsuchenden, die neben der Dauer der Arbeitslosigkeit und dem Arbeitsmarktrisiko „Alter“, als
einen sehr eigenständigen Effekt, in Kombination weitere vermittlungshemmende Merkmale auf-
weisen, wie z.B. geringe Qualifizierung, fehlende Berufserfahrung, Sprachdefizite und gesund-
heitliche Beeinträchtigungen.
Die Integration der älteren Langzeitarbeitslosen in den ersten Arbeitsmarkt ist neben einer eng-
maschigen Betreuung ohne unterstützende Maßnahme nicht möglich.
Von dieser Ausgangslage ist festzustellen, dass das bisher noch teilweise traditionell einsetzbare
arbeitsmarktpolitische Instrumentarium, wie Beschäftigungs- und Qualifizierungsmaßnahmen,
das gemessen an der Wiedereingliederung in den ersten Arbeitsmarkt, für diese Personengruppe
immer weniger wirksam ist.
Ziel ist es deshalb, mittels neuer instrumenteller und institutioneller Fördermöglichkeiten die Wi e-
dereingliederungschancen von langzeitarbeitslosen 50plus-Kundinnen und Kunden wieder anz u-
heben. Im Sinne einer ganzheitlichen Orientierung ist bei dieser Zielgruppe in Kombination zu
Beschäftigungs- und Qualifizierungsmaßnahmen zunehmend auch der Aspekt der Sozialbetre u-
ung zur Stabilisierung der Persönlichkeit mit dem Ziel der Verbesserung der Vermittlungschancen
unabdingbar.
Erschwerend erweist sich zudem die geringe Veränderungsbereitschaft der älteren Langzeitar-
beitslosen. Zwar kann von einer Bereitschaft zu Veränderungen im Tätigkeits- und Anforde-
rungsprofil noch ausgegangen werden, so ist die Zielgruppe in der Regel aber nicht zur Neuori-
entierung oder zu sehr lernintensiven Maßnahmen bereit.
Der Ansatz muss mehr vom Menschen, seinen Stärken und Fähigkeiten ausgerichtet werden,
hierbei ist zunächst die Motivation zu schaffen, danach sind die Arbeitsmarktkompetenzen zu
verbessern und die berufsfachlichen Kenntnisse anzupassen oder zu vermitteln.
Sehr effektiv zeigt sich die ganzheitliche und individuelle Betreuung der Zielgruppe im eigenstän-
dig dafür eingerichteten Team „best!agers“. Ein geeigneter Betreuungsschlüssel erlaubt den
Fallmanagerinnen und Fallmanagern einen engen Kontakt innerhalb eines klaren Zeitraums zu
allen Kundinnen und Kunden; eine Grundvoraussetzung um gerade bei diesen älteren Menschen
Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2014
27
einen Zugang zu deren spezifischen Lebensumständen zu finden und eine sinnvolle, auf Beseiti-
gung von Vermittlungshemmnissen ausgerichtete Integrationsarbeit zu leisten.
Auch 2014 bedarf es einer ständigen Entwicklung von verschiedenen und neuen Eingliede-
rungsmethoden um die Eigenständigkeit der Kundinnen und Kunden zu erhalten bzw. herzustel-
len, sowie der Aktivierung der Selbsthilfe zu fördern, bezeichnend für das Tätigkeitsfeld der Fall-
managerinnen und Fallmanager im Projektteam.
Viele der älteren Langzeitarbeitslosen 50plus werden als arbeitsfähig geführt, obwohl diese gera-
de mal noch drei Stunden täglich zur Aufnahme einer Tätigkeit in der Lage sind. Diesen Kundin-
nen und Kunden mit dieser geringen Mindestanforderung, die nur sehr bedingt in der Lage sind
selbst Weiterbildungsmaßnahmen anzunehmen, bietet der Arbeitsmarkt keine Chancen im erfor-
derlichen Umfang.
Um hier zu einer realistischen Einschätzung der Zielgruppe zu gelangen und gleichfalls eine ziel-
führende Integrationsstrategie festzulegen nehmen Kundinnen und Kunden an einem Integrati-
onsassessment, als Chancenprognose, teil.
Hier wird durch eine arbeitsmedizinische Abklärung eine Aussage zur körperlichen-funktionellen
Leistungsfähigkeit, durch eine arbeitspsychologische Diagnose eine Prognose zur Entwicklung
einer realistischen und tragfähigen beruflichen Perspektive festgelegt und durch eine fachprakti-
sche Abklärung den Arbeitsalltag in verschiedenen Tätigkeitsfeldern erfahrbar gemacht und da-
bei die arbeitsmarktrelevante Eignung, die Motivation sowie das Ausdauerverhalten abgeklärt.
Oftmals bietet sich nur über eine geringfügige Beschäftigung ein Wechsel in ein sozialversiche-
rungspflichtiges Beschäftigungsverhältnis. Aus diesen Gegebenheiten heraus werden vom Pro-
jektteam in starkem Umfang gleichfalls geringfügige Beschäftigungsmöglichkeiten als Zugang
zum ersten. Arbeitsmarkt forciert.
Um den Menschen mit größeren Vermittlungshemmnissen eine Chance auf dem regulären Ar-
beitsmarkt zu schaffen, müssen diese auch unabdingbar mit der „realen Welt“ konfrontiert wer-
den, indem es gilt Kompetenzen und Fähigkeiten direkt im Betrieb oder Unternehmen abzuklä-
ren. Mit dem speziell auf diese Zielsetzung ausgerichteten Maßnahmekonzept: Kompetenzer-
fassung im Arbeitsprozess sollen kooperative Betriebe gefunden werden, die bereit sind Kun-
dinnen und Kunden im Echtbetrieb unterzubringen, um eine umfassende Einschätzung der Fä-
higkeiten, Stärken und Kompetenzen zu treffen, sowie über weitere Qualifizierungs- und Förder-
bedarfe Weichen zu stellen.
Im Rahmen einer Begleitenden Bewerbung werden Kundinnen und Kunden im Rahmen eines
Coachings nach Qualifikation und Berufserfahrung selektiert und für eine begleitende Vorsprache
im Unternehmen vorbereitet. Hierbei sollen den Bewerberinnen und Bewerbern realistische
Chancen aufgezeigt werden, sie sollen motiviert und ihr Engagement soll geweckt werden. Der
Träger liefert parallel zum Bewerbercoaching, durch Telefonakquise vakante Arbeitsplätze.
Im Rahmen des Projektes „Perspektive 50plus“ wird weiterhin verstärkt ein besonderer Augen-
merk auf die Personengruppe der schwer vermittelbaren gerichtet „Impuls 50plus“. Hier werden
auch in 2014 mit den von Seiten des BMAS zur Verfügung gestellten gesonderten Projektmittel
innovative Integrationsansätze erprobt.
Es zeigt sich, dass die Teilnehmenden des Impulsprojekts tendenziell eher länger als 5 Jahre
arbeitslos waren, keine oder kaum verwertbare berufliche Kenntnisse mitbringen oder deutliche
Einschränkungen bzgl. der Leistungsfähigkeit aufweisen. Diese zeigen sich sowohl im Bereich
der körperlichen, wie auch insbesondere der psychischen Beeinträchtigungen der Gesundheit.
Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2014
28
Eine besondere Problematik stellen hierbei die psychischen Probleme der Kundinnen und Kun-
den dar, wobei es sich um Depressionen, Angststörungen, Suchterkrankungen aber auch um
Persönlichkeitsstörungen handelt. Neben aussagefähigen Einschätzungen durch die Fachdienste
stellen hierbei Akzeptanz und Reflexionsfähigkeit der Kundinnen und Kunden eine zusätzliche
Schwierigkeit dar. Generell leben diese Menschen sozial isoliert, was extreme Auswirkungen auf
Selbstbewusstsein und soziale Kompetenzen nimmt.
Unter der Einbindung eines breiten Netzwerkes an Trägern, Beratungsstellen und Instrumenten
erweist sich auch bei dieser Zielgruppe eine engmaschige intensive Betreuung als zielführend.
Zudem zeigt sich der Ansatz einer geeigneten Maßnahme, die sowohl den Bedürfnissen der Be-
werberinnen und Bewerber als auch deren Voraussetzungen gerecht werden sollte.
Eine Kombination aus verschiedenen Modulen von Bewerbungstraining, Qualifizierungsmodulen
(EDV für Anfänger, Fortgeschrittene, Word/ Excel, Englisch -Anfänger und Fortgeschrittene- oder
Deutsch für Migranteninnen und Migranten und verschiedenen Angeboten, wie Rhetorik, Gehirn-
jogging, Exkursionen etc.) wird zusammengestellt.
Bei den Teilnehmerinnen und Teilnehmern soll die Möglichkeit des Auswählens von Wahlmodu-
len das Gefühl der Mitbestimmung und Entscheidungsfähigkeit stärken.
Wie bereits in den vorangegangenen Jahren festgestellt wurde, stellt die Problematik gesundheit-
liche Einschränkungen, physischer und psychischer, eine wichtige Komponente der relevanten
Vermittlungshemmnissen bei fast allen Kundinnen und Kunden dar. Auch 2014 wird dem
Schwerpunktthema Gesundheit große Bedeutung beigemessen. Fortlaufend wird Gesund-
heitssport und Aquatraining den Teilnehmerinnen und Teilnehmern zur freiwilligen Inanspruch-
nahme angeboten. Zudem bleibt der Chorworkshop erhalten, der neben einer gesundheitsför-
dernden Wirkung die Teilnehmenden im Hinblick auf geistige, moralische und emotionale Ent-
wicklung fördert, einen kulturellen Austausch liefert und den Beteiligten eine aktive Teilnahme am
gesellschaftlichen Leben ermöglicht.
Im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit soll 2014 das Projekt und der Kontext weiterhin den Arbeit-
gebern und Netzwerkpartnern vorgestellt werden. Arbeitgeber sollen zudem verstärkt, unter dem
Appell der „sozialen und gesellschaftlichen Verantwortung“ sensibilisiert werden, Beschäfti-
gungschancen, auch einfache und niederschwellige, zur Verfügung zu stellen und durch die
best!agers zu besetzten. Auch die Anregung den Bedarf der Fachkräftevakanzen aus den zwei-
ten Reihen der Belegschaft zu qualifizieren und somit einen best!agers in den Betrieb aufzuneh-
men soll in den Unternehmen ein Umdenken bewirken.
5.1.2 Förderung von Schwerbehinderten
Die Zahl der schwerbehinderten Menschen steigt infolge der demografischen Alterung.
Mit Erhöhung des Renteneintrittsalters wird die Zahl von Menschen mit Schwerbehinderung in
den kommenden Jahren vermutlich weiter zunehmen.
Schwerbehinderte sind überwiegend ältere Menschen bei denen zumeist eine im Lebenslauf er-
worbene Krankheit die Ursache einer Schwerbehinderung wie Funktionseinschränkungen der
Wirbelsäule, Herz-Kreislauferkrankungen und Schädigungen der Organe. Bedenklich ist die epi-
demiologische Zunahme derer mit psychischen Erkrankungen.
Im Jobcenter Darmstadt sind derzeit 336 schwerbehinderte Menschen gemeldet, davon sind 139
Kundinnen und Kunden über 50 Jahre alt.
Die Arbeitsmarktsituation von Schwerbehinderten 50plus-Kundinnen und Kunden ist besonders
schwierig. Schwerbehinderten Arbeitslosen gelingt es seltener als nicht schwerbehinderten, eine
Beschäftigung am ersten Arbeitsmarkt aufzunehmen.
Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2014
29
Die festgefahrenen Einstellungen ändern sich, wenn auch nur langsam. Die Barrieren in den
Köpfen der Arbeitgeber und Unternehmer erschweren es den Menschen mit Behinderung
oftmals Fuß zu fassen. Hier bedarf es, einerseits der Aufklärung der Unternehmen, dass Men-
schen mit Handicap vielfach besonders motiviert und engagiert sind. Gleichzeitig gilt es festzu-
stellen, ob die gesetzlich vorgegebene Beschäftigungsquote erfüllt ist.
Die meisten Entscheider reagieren skeptisch, geht es um die Einstellung von Schwerbehinderten.
Zurückhaltung begründet sich in den Fragen, ob die notwendigen Rahmenbedingungen eingehal-
ten und der gegebenenfalls technische und finanzielle Aufwand für einen behinderungsgerechten
Arbeitsplatz erbracht werden kann. Hier herrscht oft eine falsche Vorstellung, da oftmals Behin-
derungen keine einschränkende Relevanz im Hinblick auf die Arbeits- und Leistungsfähigkeit
darstellt.
Mit zunehmender Betriebsgröße steigt auch die Bereitschaft, Menschen mit Behinderung einzu-
stellen. Angesichts zunehmender Fachkräfteengpässe in immer mehr Branchen wäre eine Rek-
rutierung von Menschen mit Handicap in den Blick zu nehmen.
Es gilt als gravierende Herausforderung, die Arbeitsmarktteilhabe von Schwerbehinderten zu
bewältigen.
Mit der „Initiative Inklusion“ und den hierzu erlassenen Richtlinien sowie der hierzu ergangenen
Kooperationsabsprache für die Umsetzung in Hessen, besteht die Möglichkeit für ältere schwer-
behinderte Menschen, die das 50. Lebensjahr vollendet haben, mittels Integrationsprämie auf
neue Arbeitsplätze zu integrieren.
Ausgehend von der individuellen Problemlage der bzw. des Einzelnen ist jeweils eine individuelle
Integrationsstrategie festzulegen, d.h. erforderliche Qualifizierungserfordernisse und Kenntniser-
werb direkt in einem ausgewählten Betrieb „marktnah“ zu erwerben; idealerweise in Betrieben,
die die Besetzung ihrer Pflichtplätze nicht erfüllt haben.
Eine für alle Schwerbehinderte gemeinsam eingerichtete Maßnahme erweist sich nicht als ziel-
führend. Einer eher auf die Belange der Zielgruppe abgestimmte Maßnahme soll hier zur Einglie-
derung schwerbehinderter Menschen eingerichtet werden, die ausgehend von einer Potenzial-
analyse und Aktivierungsphase durch ein intensives Bewerbungscoaching eine dauerhafte In-
tegration ermöglicht. Zudem wird für die Teilnehmenden der Zielgruppe auch das Gesamtmaß-
nahmeangebot zugänglich sein, sofern sich hierdurch Integrationschancen herbeiführen lassen.
Im Rahmen der Aufklärung wurde bereits 2013 begonnen allen in Frage kommenden Unterneh-
men einen Informationsflyer zuzuschicken.
5.2. Langzeitbezieherinnen und -bezieher aktivieren und Integrationschancen er-
höhen
Kundinnen und Kunden mit einer Verweildauer im SGB II von mindestens 21 Monaten innerhalb
der letzten 24 Monate gelten als Langzeitbezieherin bzw. Langzeitbezieher. Demnach waren im
Jobcenter Darmstadt im Berichtsmonat Oktober 2013 64,4 % der erwerbsfähigen Leistungsbe-
rechtigten im Langzeitleistungsbezug. Dies entspricht einer absoluten Anzahl von 5324.
Erfahrungsgemäß finden Leistungsbezieherinnen und -bezieher mit einer marktnahen Qualifika-
tion und einer geringeren Dauer der Arbeitslosigkeit schneller in den ersten. Arbeitsmarkt zurück.
Hingegen haben Menschen mit multiplen und komplexen Problemlagen ein hohes Risiko des
Langzeitleistungsbezuges.
Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2014
30
Bei näherer Betrachtung weisen die SGB II - Langzeitleistungsbezieherinnen und Leistungsbe-
zieher bestimmte sozialstrukturelle Merkmale auf:
Sie sind vielfach seit langem ohne bzw. ohne dauerhafte berufliche Tätigkeit
Je länger die Arbeitslosigkeit andauert, desto stärker zeigt sich der Verlust wichtiger per-
sönlicher und fachlicher Kompetenzen. Gleichzeitig sinken die Chancen auf eine Integra-
tion in den ersten Arbeitsmarkt
Fehlende Berufsausbildung, hinter der häufig noch weitere soziale und individuelle Defizi-
te stehen
Je älter, desto höher das Risiko von Langzeitleistungsbezug
Gesundheitliche Einschränkungen
Oft ist die bereits ausgeübte sozialversicherungspflichtige Beschäftigung selbst nicht be-
darfsdeckend und diese Personen beziehen auch während der Beschäftigung ergänzend
Arbeitslosengeld II
Fehlende Motivation
Alleinerziehend und/oder Probleme bei der Kinderbetreuung
Fehlende bzw. schlechte Deutschkenntnisse
Migrationshintergrund in Kombination mit einzelnen oder mehreren der zuvor aufgeführten
Merkmalen erhöht das Risiko des Langzeitleistungsbezuges deutlich.
Je länger die Leistungsberechtigten arbeitslos sind bzw. ergänzend SGB II Leistungen zu der
ausgeübten Beschäftigung erhalten, desto schwieriger ist es, sie für die gemeinsame Integrati-
onsarbeit zu motivieren. Die verunsicherte Chanceneinschätzung steigt mit zunehmendem Alter
der Leistungsberechtigten. Zur Verbesserung der Integrationschancen profitieren Leistungsbe-
rechtigte mit komplexen Problemlagen von besonders intensiven Beratungsgesprächen und
einem engen Kontakt zur betreuenden Integrationsfachkraft, aber auch von bedarfsgerechten
und individuell ausgerichteten Gruppenberatungen und Maßnahmen.
Bei den im Jobcenter Darmstadt im Jahr 2013 durchgeführten Gruppeninformationen wurden
folgende Themen vorgestellt und besprochen:
Situation und Folgen von Langzeitarbeitslosigkeit
Wie kann das Jobcenter unterstützen
o Vorstellung unterschiedlicher Maßnahmen
o Förderung der beruflichen Weiterbildung
o Kompass (Arbeitslosentreff der Stadt Darmstadt)
o Bewerbungsunterlagen erstellen Bewerbungscenter DABEI
Personaldienstleister und ihre Chancen
Beschäftigungsmöglichkeiten am Airport Frankfurt
Wo gibt es weitere Informationen auf freie Stellen
Als Anreiz zur Aufnahme einer sozialversicherungspflichtigen Tätigkeit kann unter bestimmten
Voraussetzungen Einstiegsgeld gewährt werden. Die Arbeitgeber können bei Einstellung von
gering qualifizierten Leistungsberechtigten mit weiteren Unterstützungsbedarfen einen Eingliede-
rungszuschuss erhalten. Neben den Instrumenten mit einer direkten Integrationswirkung in den
ersten Arbeitsmarkt ist es möglich, Instrumente mit dem Ziel einzusetzen, die Beschäftigungsfä-
higkeit der Arbeitssuchenden zu verbessern, sie an den Arbeitsmarkt heranzuführen und damit
längerfristig deren Chancen auf eine dauerhafte berufliche Integration zu erhöhen. Auch sozialin-
Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2014
31
tegrative Leistungen der Kommune stehen zur Verfügung. Leistungsberechtigte mit Handlungs-
bedarfen im Bereich „Erwerb bzw. Verbesserung der Deutschkenntnisse“ haben die Möglichkeit
an einem vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge durchgeführten allgemeinsprachlichen
Integrationskurs teilzunehmen.
Im Jahr 2013 hat das Jobcenter Darmstadt mit allen zur Verfügung stehenden arbeitsmarktpoliti-
schen Instrumenten die Beendigung des Langzeitleistungsbezugs bei den erwerbsfähigen Lang-
zeitleistungsbezieherinnen und -beziehern unterstützt. Der Abbau von Langzeitleistungsbezug
bleibt auch im Jahr 2014 eine Herausforderung für die Integrationsarbeit im Jobcenter Darmstadt.
Er geht bei dieser Personengruppe einher mit einem immer höheren und individuellen Aktivie-
rungsbedarf.
Vor diesem Hintergrund ergeben sich folgende Handlungsansätze:
Intensive Analyse der Bewerberstruktur
Individuelle Beratung
Gezielte Nutzung niedrigschwelliger Ansätze
bewerberorientierte Akquise von Stellenangeboten für Personen mit einer geringen Quali-
fikation
Ausbau der assistierten Vermittlung unter Einbeziehung des gemeinsamen Arbeitgeber-
services
Nutzung ggf. Ausbau der vorhandenen Aktivierungsangebote für Alleinerziehende
Teilerfolge sichern; z.B. auch durch Aufnahme einer geringfügigen Beschäftigung
Unterjährige Erfolgsbeobachtung und ggf. Anpassung der Strategie zur Reduzierung des
Bestandes von Langzeitleistungsbezieherinnen und Langzeitleistungsbezieher
Vermeidung des Eintritts von Langzeitleistungsbezug durch rechtzeitigen Einsatz der zur
Verfügung stehenden Instrumente
5.2.1 Beschäftigungsorientiertes Fallmanagement (bFM)
Das beschäftigungsorientierte Fallmanagement betreut Leistungsberechtigte, die aufgrund
von Brüchen in ihrem Lebenslauf, sowie multiplen Vermittlungshemmnisse aktuell keine direkte
Chance auf dem regulären Arbeitsmarkt haben. Dabei handelt es sich um Leistungsberechtigte
die aufgrund ihrer Erwerbsbiographie durchaus integrierbar sind, sofern es gelingt die hemmen-
den Probleme zu beseitigen oder zumindest zu regulieren. Derzeit erfüllen ca. 600 Personen die
formale Voraussetzung für die Übernahme in das beschäftigungsorientierte Fallmanagement. Die
Profillagen der SGB II Kundinnen und Kunden sind häufig sehr komplex und erschweren eine
sofortige berufliche Integration, zudem fehlt bei vielen Leistungsberechtigten die positive Progno-
se in Bezug auf den Arbeitsmarkt (Alter, Krankheit). Bei einer hohen und weiterhin zunehmenden
Anzahl von erwerbsfähigen Hilfeberechtigten, die bereits mehr als 21 Monate Leistungen bezie-
hen, ist daher eine intensive und individuelle Betreuung im beschäftigungsorientierten Fallma-
nagement notwendig um Beschäftigungsfähigkeit herzustellen.
Eine intensive Betreuung durch erfahrene Fallmanagerinnen und Fallmanager unter Einbezie-
hung der am Markt agierenden Netzwerkpartner ist daher ein wichtiger Baustein um besonders
langjährige Bestandskundinnen und Bestandskunden zu aktivieren
Das beschäftigungsorientierten Fallmanagement soll in 2014 intensiv genutzt werden um Leis-
tungsberechtigte mit positiver Prognose und komplexen Profillagen eine wichtige Unterstützungs-
leistung und Begleitung auf dem Weg zurück in den Arbeitsmarkt anzubieten. Insbesondere für
das Erzielen von Integrationen bzw. von Integrationsfortschritten in diesen komplexen Profillagen
mit mehreren Handlungsbedarfen ist die Nutzung dieser Ressource notwendig.
Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2014
32
Die im Jahr 2013 erstellte Arbeitshilfe für die praktische Unterstützung der Kolleginnen und Kol-
legen zur Umsetzung des Fachkonzepts wird hierbei durch alle Fallmanagerinnen und Fallmana-
gern genutzt.
Die Ausbildung zu zertifizierten Fallmanagerinnen und Fallmanager wird weiter durch das Job-
center gefördert, um eine höhere Beratungs- und Methodenkompetenz zu erreichen.
5.2.2 Beratungskonzeption SGB II (BeKo)
Die Vielfalt und die Komplexität der Lebenslagen erwerbsfähiger Leistungsberechtigter im
Rechtskreis SGB II stellt für die Fach- und Führungskräfte der Jobcenter eine besondere Heraus-
forderung dar. Mit der Beratungskonzeption SGB II wird ein weiterer fachlicher Baustein zum
systematischen Aufbau von Beratungskompetenz und zur Professionalisierung der Integrations-
arbeit zur Verfügung gestellt. Diese Kompetenzerweiterung trägt dazu bei, die Integrations- und
Teilhabeleistung für die Arbeit mit (langzeit-) arbeitslosen Menschen nachhaltig zu verbessern.
Diese Beratungskonzeption wird im Frühjahr 2014 allen Integrationsfachkräften des Jobcenters
durch Präsenzschulungen vermittelt. Die Umsetzung erfolgt im täglichen Kundenkontakt durch
begleitende Trainerinnen bzw. Trainer.
5.2.3 Arbeitsgelegenheiten
Eine Arbeitsgelegenheit (AGH) ist eine Eingliederungsmaßnahme für die Leistungsberechtigten
im SGB II. Im Rahmen einer AGH werden von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern zusätzli-
che, im öffentlichen Interesse liegende und wettbewerbsneutrale Arbeiten verrichtet. Die Finan-
zierung erfolgt durch die Zahlung einer Maßnahmekostenpauschale durch das Jobcenter an den
durchführenden Träger und die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erhalten eine Mehraufwands-
entschädigung und die Erstattung der Fahrkosten.
Im Mai 2013 wurden im Rahmen der Prüfung der Internen Revision unter anderem die „AGH-
Maßnahmen“ und die „Zuweisungen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer in AGH“ überprüft.
Das Ergebnis wurde dem Jobcenter zur Verfügung gestellt und die Auffälligkeiten müssen zu-
künftig vom Jobcenter berücksichtigt werden. Im Rahmen der Antragsstellung für das Jahr 2014
wurden die durchführenden Träger rechtzeitig zur Antragsstellung aufgefordert und wurden eben-
falls auf die bestehenden Auffälligkeiten hingewiesen. Nach Eingang der Anträge wird hier eine
erneute Überprüfung durch das Jobcenter stattfinden, erst dann kann eine Bewilligung erfolgen.
Die Zuweisungskriterien wurden mit den Fallmanagerinnen und Fallmanagern nochmals themati-
siert und die Betreuungskriterien während der Zuweisungsdauer wurden ebenfalls modifiziert und
an die Prüfungsergebnisse angepasst.
5.3 Marktchancen bei Arbeitgebern erschließen und Integrationen realisieren –
Unser gemeinsamer Arbeitgeberservice (gAGS)
Das Jobcenter Darmstadt betreibt seit 2009 in Zusammenarbeit mit der Agentur für Arbeit einen
gemeinsamen Arbeitgeberservice (gAGS).
Hier werden Arbeitgeber mit allen Dienstleistungen und Auskünften zum Arbeitskräfte- und
Förderangebot aus den Rechtskreisen SGB II und SGB III gleichermaßen bedient sowie für un-
sere Kundinnen und Kunden ein umfangreiches Angebot an freien Arbeitsstellen vorgehalten.
Ziel des gemeinsamen Arbeitgeberservice ist eine passgenaue, nachhaltige Vermittlung der
Kundinnen und Kunden aus dem Jobcenter und ein gutes Dienstleistungsangebot für die Arbeit-
geber der Region bereitzuhalten.
Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2014
33
Hierfür werden die von den Unternehmen gemeldeten Stellenangebote bearbeitet und nach fest-
gelegten Qualitätsstandards Vermittlungsvorschläge erstellt.
Die vier Kolleginnen und Kollegen des Jobcenters, die im gAGS arbeiten, sind einmal wöchent-
lich im Jobcenter präsent, um Vermittlungsgespräche mit eingeladenen arbeitsmarktnahen Leis-
tungsberechtigten zu führen und geeignete Stellenangebote zu unterbreiten. Gemeinsame Aktivi-
täten, wie z. B. Stellenbörsen, Betriebsbesuche oder Auswahlverfahren für Arbeitgeber runden
das Angebot ab.
Anfang des Jahres 2014 wurden die vereinbarten Regelungen zu den Arbeitsprozessen und
Schnittstellen auf dem Prüfstand gestellt, um die gute Arbeit des gemeinsamen Arbeitgeberser-
vice weiter zu optimieren. Es erfolgte eine Weiterentwicklung der gemeinsamen Zusammenarbeit
mit der Vereinbarung folgender Punkte:
Wir generieren gemeinsam einen Stellenpool.
Wir arbeiten gemeinsam an der Vermittlung dieser Stellen.
Wir arbeiten gemeinsam rechtsübergreifend an unseren Zielen.
Es besteht die Absicht bis spätestens Ende des ersten Quartals 2014 mit den Personalverant-
wortlichen der Wissenschaftsstadt Darmstadt, sowie den Personalverantwortlichen der stadtna-
hen Betriebe/Einrichtungen eine Vereinbarung zu treffen, wonach alle dort zu besetzenden Stel-
len, dem gAGS gemeldet werden.
5.4 Beschäftigungschancen für Alleinerziehende nutzen
Alleinerziehende haben ein besonders hohes Risiko dauerhaft im SGB II-Leistungsbezug zu blei-
ben. Obwohl sie häufig gut qualifiziert und motiviert sind, haben sie nach Analysen des Instituts
für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung von allen Bedarfsgemeinschaften die längste Verweildau-
er im Leistungsbezug.
Im Jobcenter Darmstadt sind mit Stand 09/2013 6.317 Bedarfsgemeinschaften mit 8.592 er-
werbsfähigen Leistungsberechtigten gemeldet. 1.303 davon gehören dem Personenkreis der
Alleinerziehenden an (1.247 Frauen, 56 Männer).
Wie schon in den vergangenen Jahren, wird auch 2014 der Gruppe der Alleinerziehenden im
Jobcenter Darmstadt besondere Aufmerksamkeit gewidmet. Nach wie vor sind unterschiedliche
Handlungsbedarfe notwendig, um diesen Personenkreis bei der Eingliederung in den ersten Ar-
beitsmarkt zu unterstützen.
Aus dem Projekt DANA (Darmstädter Netzwerk Alleinerziehende) heraus, wurde die Darmstädter
Initiative für Alleinerziehende - DAIA von BAFF Frauenkooperation 2013 als Regelinstrument
(Aktivierungs- und Vermittlungsgutscheine) in die Praxis überführt. Auch im kommenden Jahr
erhalten alleinerziehende Eltern über dieses Angebot Unterstützung bei der Entwicklung indivi-
dueller beruflicher Perspektiven.
Weitere Hilfen zur beruflichen Orientierung erhalten Alleinerziehende in Form einer Maßnahme,
die innerhalb verschiedener Berufsfelder, Kenntnisse vermittelt.
Flankierend besteht für Migrantinnen und Migranten die Möglichkeit ein Sprachtraining zu integ-
rieren. Als Querschnittsthema über die gesamte Zeitspanne hinweg, wird der „Vereinbarkeit von
Familie und Beruf“ Rechnung getragen. Ein ganzheitliches sozialpädagogisches Betreuungs- und
Beratungsangebot steht den Müttern und Vätern bei Bedarf zur Verfügung. Um der Verbesserung
der Mobilität und Flexibilität Rechnung zu tragen und neuen Schwung in das Leben der Teil-
nehmenden zu bringen, ist das Erlernen des Fahrradfahrens inklusive „Erwerb des Fahrradfüh-
rerscheins“ während der Maßnahme möglich. Innerhalb der Schulferien wird vom Träger ein Kin-
derbetreuungsangebot vorgehalten.
Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2014
34
Um Alleinerziehende nachhaltig in existenzsichernde Beschäftigungsverhältnisse zu integrieren,
sind zusätzlich unterschiedliche Qualifizierungsangebote notwendig. Die Bildungszielplanung des
Jobcenters Darmstadt berücksichtigt in verschiedenen Berufssparten - Erziehung, Pflege, kauf-
männische Berufe, Hauswirtschaft, Gastronomie - sowohl Teilzeit- wie auch Vollzeitangebote.
Diese werden über Bildungsgutscheine zugänglich sein. Ebenfalls über dieses Instrument wird
der Erwerb des Hauptschulabschlusses in Verbindung mit berufspraktischer Kenntnisvermittlung
gefördert.
Mit Unterstützung des Arbeitgeber Service der Bundesagentur, wird das Jobcenter Darmstadt
gezielt auf Arbeitgeber wie auf Kammern und Arbeitgeberverbände zugehen um diese zu sensibi-
lisieren, zu beraten und ggf. entsprechende Arbeitsmarktinstrumente anzubieten.
In diesem Zusammenhang wurde über die Beauftragten für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt
(BCA) der Agentur für Arbeit Darmstadt und des Jobcenters Darmstadt im September 2013 ein
Arbeitgeberfrühstück zum Thema Teilzeitausbildung in der Agentur für Arbeit in Darmstadt aus-
gerichtet. Wichtige Informationen zum Thema wurden den Anwesenden übermittelt. Am Ende der
Veranstaltung stellten zwei Arbeitgeber jeweils einen Ausbildungsplatz in Teilzeit Verfügung. Die-
ser Event bildete den Auftakt einer Veranstaltungsreihe des Netzwerkes “Chancengleichheit
Südhessen“ (bestehend aus den BCAs der Agentur für Arbeit Darmstadt, des Jobcenters Darm-
stadt und der Kommunalen Jobcenter sowie den Leiterinnen der Büros Chancengleichheit/ Frau-
enbüro: Darmstadt, Landkreis Darmstadt-Dieburg, Kreis Bergstraße, Kreis Groß-Gerau, Oden-
waldkreis). Diese Reihe wird im Jahr 2014 fortgesetzt werden.
Die Zielgruppe wird über innovative Angebote durch Gruppeninformationsveranstaltungen von
der BCA des Jobcenter Darmstadt informiert und aufgeklärt. So wird auch die frühzeitige Aktivie-
rung von Alleinerziehenden mit Kindern unter drei Jahren im Jahr 2014 in dieser Form umge-
setzt werden.
Selbstverständlich wird die Arbeit innerhalb der verschiedenen Netzwerke im Jahr 2014 vertieft
und ausgebaut. In diesem Kontext wird eine Kooperationsvereinbarung zwischen dem Mehrge-
nerationenhaus, der Agentur für Arbeit Darmstadt, der Wissenschaftsstadt Darmstadt und dem
Jobcenter Darmstadt geschlossen werden. Es wird ein regelmäßiger Gesprächskreis für Alleiner-
ziehende im Mehrgenerationenhaus stattfinden. In Form eines offenen Dialoges (kein Vortrags-
charakter) wird jeweils eine Mitarbeiterin der hierfür vorgesehenen Fachstellen, Müttern und Vä-
tern als Gesprächspartnerin zur Verfügung stehen.
In Form der o.g. Aktionsfelder wird das Jobcenter Darmstadt seinen Beitrag dazu leisten die Le-
bensbereiche Alleinerziehender nachhaltig zu verbessern.
5.5 Jugendliche in den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt integrieren –
Unsere Jugendberufsagentur
Der Zielgruppe der unter 25 Jahre alten Jugendlichen gilt weiterhin besondere Aufmerksamkeit.
Etwa zwei Drittel der beim Jobcenter Darmstadt gemeldeten Jugendlichen sind durch ihre Eltern
Mitglied einer Bedarfsgemeinschaft. Ein Drittel der gemeldeten Jugendlichen bilden allein, mit
Partnerin bzw. Partner oder Familie eine eigene Bedarfsgemeinschaft.
Jugendliche bedürfen beim Übergang von der Schule zur Ausbildung und bis zur Eingliederung in
Arbeit einer besonderen Begleitung und Betreuung. Ein großer Anteil der gemeldeten Jugendli-
chen ist durch Sprachdefizite, psychische und in der Person liegende Probleme, hervorgerufen
durch Misserfolge im schulischen Bildungssystem oder familiäre Probleme, besonders benachtei-
ligt.
Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2014
35
Das Jobcenter Darmstadt hat durch die enge Zusammenarbeit in einer Bürogemeinschaft der
drei Institutionen Jobcenter Darmstadt, Berufsberatung der Agentur für Arbeit Darmstadt und
Jugendberufshilfe (Kompetenzagentur) der Wissenschaftsstadt Darmstadt in der Jugendberufs-
agentur folgende Ziele für die Jugendlichen der Stadt Darmstadt erreicht:
Optimierung und Verzahnung von Geschäftsprozessen
Berufsberatung , Ausbildungs- und Arbeitsvermittlung gehen Hand in Hand
Steigerung der Einmündung in den Ausbildungsmarkt
gemeinsames Konzept zum Abbau der Jugendarbeitslosigkeit
(Aktivierungsstrategie)
Hilfen für besonders benachteiligte Jugendliche
Ausbau der Elternarbeit
Spezielle Hilfen und Betreuung für junge Alleinerziehende
Die gute Vernetzung von Hilfsangeboten aus den Rechtskreisen SGB II, SGB III und SGB VIII,
die Zusammenarbeit und Fachkompetenz bei Betreuung und Beratung der Jugendlichen durch
die Beschäftigten bringen folgende Vorteile:
Vermittlung und Beratung für junge Erwachsene aus der Wissenschaftsstadt
Darmstadt trägerunabhängig in einem Haus (kurze Wege)
Vermeidung von Doppelstrukturen unter Beibehaltung der jeweiligen gesetzlichen
Aufträge
Bewerbungstraining im „DABEI“ (eigenes Bewerbungscenter Jobcenter)
Gemeinsame Strategie zwischen Berufsberatung und Jobcenter zur Verbesserung
der Einmündungsquote
Informationsveranstaltungen zur Berufsorientierung für Eltern aus allen Rechtskrei-
sen
gemeinsam geplante und durchgeführte Fachveranstaltungen
gemeinsam geleitete Arbeitskreise zur besseren Vernetzung in der Region
Darauf achten wir besonders:
Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen sollen durch die Intensivierung der Beratungs- und
Vermittlungsprozesse und Erhöhung sowie passgenaue Einsteuerung in Aus-, Fort- und Weiter-
bildungsmaßnahmen auf das Berufsleben vorbereitet und dauerhaft integriert werden.
Durch die hohe Kompetenz der Fallmanagerinnen und Fallmanager im Beratungsprozess und die
gute Vernetzung im Rahmen der Jugendberufsagentur ist es uns möglich und sehr wichtig, die
benachteiligten Jugendlichen und jungen Erwachsenen zu stabilisieren. Nach Herstellung der
Ausbildungsreife erfolgt dann die Integration in den für den jeweiligen Jugendlichen nach Nei-
gung und Fähigkeit passenden Ausbildungsberuf.
„Gute Bildung und Ausbildung sind Grundvoraussetzungen, denn nur mit ausreichend Fachwis-
sen und praktischen Erfahrungen haben Jugendliche eine realistische Chance“.
Durch die erreichten Ziele und die gute Zusammenarbeit ist die Jugendberufsagentur Darmstadt
weit über die Grenzen der Region hinaus als ein Leuchtturm Projekt für andere Jobcenter be-
kannt geworden und hatte auch im Jahr 2013 wieder Gäste aus anderen Städten zu Besuch.
Die für das Jahr 2013 abgeschlossene Zielvereinbarung zur Zusammenarbeit und Zielerreichung
mit dem Jugendamt der Stadt Darmstadt beinhaltete folgende Ziele:
1. Senkung der Jugendarbeitslosigkeit bis Dezember 2013 auf 280 Personen
Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2014
36
2. Steigerung der Einmündungsquote in weiterführende Schulausbildung und betriebliche Aus-
bildung auf 75 % Ende Berichtsjahr (20.09.2013)
3. gemeinsame Planung und Durchführung von Maßnahmen zur Verbesserung der Ausbil-
dungsreife und Verselbständigung sowie gemeinsame Maßnahmen zur Herstellung der Ver-
mittlungsfähigkeit
Bislang konnte im Jahr 2013 für insgesamt 415 Jugendliche bzw. junge Erwachsene eine Ar-
beits- beziehungsweise Ausbildungsaufnahme realisiert werden.
Im Lauf des Berichtsjahres wurden im Jobcenter Darmstadt 236 Jugendliche in betriebliche und
schulische Ausbildung integriert. Für weitere knapp 200 Jugendliche konnte eine andere An-
schlussperspektive gefunden werden. Damit konnte das 2. Ziel knapp erreicht werden.
Für das Jahr 2014 wollen wir trotz schrumpfendem Personalkörpers und hoher Bindung des Per-
sonals durch Schulungsmaßnahmen unsere gute Arbeit für die Jugendlichen fortsetzen, um die
vorgegebenen Ziele zu erreichen.
5.6 Handlungsschwerpunkt „Erstausbildung für junge Erwachsene“
Die bundesweite Initiative „Erstausbildung junger Erwachsener“ verfolgt das Ziel, vorhandene
Fachkräftepotenziale in der Altersgruppe der 25 bis 35-Jährigen in den Rechtskreisen SGB II und
SGB III zu mobilisieren und mit abschlussorientierter Qualifizierung wieder in den Arbeitsmarkt zu
integrieren. Das Jobcenter Darmstadt hat das Handlungsfeld aufgegriffen und möchte einen Bei-
trag zur Deckung des Fachkräftebedarfs sowie zur Unterstützung einer dauerhaft existenzsi-
chernden Beschäftigung leisten.
Das Jobcenter Darmstadt hat im Jahr 2013 arbeitslose Kundinnen und Kunden zwischen 25 und
35 Jahren zu Informationsveranstaltungen eingeladen und hier die Initiative sowie Qualifizie-
rungsangebote und finanzielle Förderungsmöglichkeiten erläutert. So konnten insgesamt 23
Kundinnen und Kunden gewonnen werden, die im Jahr 2013 mit einer durch das Jobcenter
Darmstadt geförderte abschlussorientierte Qualifizierung begonnen haben.
Diese Initiative soll auch im Jahr 2014 im Jobcenter Darmstadt fortgesetzt werden.Im Jahr 2014
sind insgesamt 70 Bildungsgutscheine für geringqualifizierte junge Menschen zum Erwerb eines
Berufsabschlusses vorgesehen.
5.7 Rechtmäßigkeit und Qualität der operativen Umsetzung sicherstellen
Die Erbringung einer rechtmäßigen, wirtschaftlichen und kundenfreundlichen Dienstleistung, die
sich an den Zielen des Sozialgesetzbuchs II ausrichtet, ist auch in 2014 primäres Ziel des Job-
centers Darmstadt.
Folgende Arbeitsschwerpunkte haben wir uns für das Jahr 2014 gesetzt:
5.7.1 Rechtmäßigkeit der Leistungsgewährung sicherstellen
Neben der erfolgreichen Integration der Leistungsberechtigten ist die Existenzsicherung ein sehr
wesentlicher Bereich des SGB II. Die Leistungsgewährung muss sich dabei zum einen an den
Bedürfnissen der Leistungsberechtigten orientieren, aber auch unter Hinblick auf die Entwicklung
der Summe passiver Leistungen erfolgen.
5.7.1.1 Teilhabecard
Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2014
37
Gemeinsam mit dem Bündnis für Soziale Gerechtigkeit hat die Wissenschaftsstadt Darmstadt
eine „Teilhabecard“ erarbeitet und stellt diese nach Umsetzung des Magistratsbeschlusses seit
01.07.2013 Bezieherinnen und Bezieher von laufenden Leistungen nach dem SGB II, SGB XII
und Asylbewerberleistungsgesetz zur Verfügung.
Die Teilhabekarte hat zwei Funktionen. Zum einen können Inhaberinnen und Inhaber der Karte
Preisermäßigungen bei verschiedenen Anbietern erhalten, zum anderen ermöglicht die Karte die
Gewährung von Leistungen nach dem Bildungs- und Teilhabepaket für berechtigte Kinder und
Jugendliche.
Die „Teilhabecard“ bündelt unterschiedliche, bereits bestehende und neue Vergünstigungen im
sozialen und kulturellen Bereich. Sie erleichtert die Teilnahme an diesen Angeboten und schafft
so neue Partizipationsmöglichkeiten am kulturellen und sozialen Leben in Darmstadt. Neben den
Vergünstigungen, die durch die Wissenschaftsstadt und ihren Eigenbetrieben selbst angeboten
werden, beteiligen sich verschiedene Kooperationspartner mit unterschiedlichen Angeboten.
Auch im Jobcenter Darmstadt wird die „Teilhabecard“ ausgestellt. Leistungsberechtigte SGB II-
Bezieherinnen und -bezieher erhalten diese auf Nachfrage ausgestellt und können damit mindes-
tens ein Kalenderjahr die Vergünstigungen in Anspruch nehmen. Für das darauffolgende Jahr,
kann die Karte verlängert werden, sobald die Leistungen für mindestens einen Monat des Folge-
jahres weiterbewilligt wurden.
Auch die tatsächliche Nutzung der Karte ist unkompliziert, da sie als Vorlegekarte konzipiert ist
und zusammen mit einem Ausweisdokument als Berechtigung für die Vergünstigung ausreicht.
Kinder und Jugendliche, die Leistungen zur Bildung und Teilhabe erhalten, können die „Teilhabe-
card“ als eigenes Bildungskonto nutzen. Die webunterstützte Karte ermöglicht diesen, zugelas-
sene Leistungsangebote eigenständig zu buchen, wodurch die Selbstbestimmung der Leistungs-
berechtigten gefördert wird. Zudem kann über das Bildungskonto jederzeit nachvollzogen wer-
den, welche Leistungen in welcher Höhe bewilligt und bereits in Anspruch genommen wurden.
Mit Einführung der Karte wurde auch dem Wunsch der Leistungsanbieter Rechnung getragen
den bürokratischen Aufwand zu minimieren, da diese jederzeit einsehen können, welche Gutha-
ben bei ihnen eingelöst wurden und welche Bewilligungszeiträume für die Leistungsgewährung
zugrunde liegen.
Weiterhin werden deren Angebote nach Genehmigung durch das Amt für Soziales und Präventi-
on Darmstadt direkt im Internet präsentiert, so dass den Leistungsberechtigten hier eine optimale
Übersicht hinsichtlich aller aktuellen Angebote im Bereich Bildung und Teilhabe möglich ist.
5.7.1.2 Pilotierung Allegro
ALLEGRO heißt „Alg II Leistungsverfahren Grundsicherung online“ – dieses neue zentrale IT-
Verfahren wird 2014 das bisherige Softwareprogramm A2LL ablösen.
Die Einführung von ALLEGRO ist ein wichtiger Schritt, um die Leistungsgewährung im SGB II
zukunftssicher aufzustellen. Das IT-Verfahren ALLEGRO zur Durchführung der Leistungsgewäh-
rung im SGB II erfüllt die Voraussetzungen des § 50 Abs. 3 SGB II und wird daher flächen-
deckend in den gemeinsamen Einrichtungen eingeführt.
Dabei werden u. a. folgende fachliche und verbindliche Ziele verfolgt:
• hohe Anwenderfreundlichkeit,
• stabile Performance,
Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2014
38
• deutliche Reduzierung der Kosten für Betrieb, Instandhaltung und Weiterentwicklung
gegenüber A2LL,
• zeitnahe Reaktion auf Gesetzesänderungen oder andere Anforderungen.
Mit dem geplanten Einführungsszenario soll ein qualitativ hochwertiges Produkt erfolgreich in den
gemeinsamen Einrichtungen eingeführt werden.
Der Einführungsprozess von ALLEGRO wird durch die Bundesagentur für Arbeit (BA) gestaltet.
Die BA verantwortet dabei die Überführung der technischen Plattform, d. h. die Implementierung
von ALLEGRO und die Abschaltung von A2LL innerhalb vorgegebener und mit dem Bundesmi-
nisterium für Arbeit und Soziales (BMAS) abgestimmter Meilensteine sowie die inhaltliche und
fachliche Korrektheit des IT-Verfahrens. Das Einführungsszenario von ALLEGRO wurde so
gewählt, dass für den Einführungsprozess in den gemeinsamen Einrichtungen ein größtmöglicher
Gestaltungsspielraum verbleibt.
Dem Jobcenter Darmstadt fällt bei der Einführung von ALLEGRO eine bedeutende Schlüsselrolle
zu. So hat das Jobcenter Darmstadt sich erfolgreich als Pilotpartner beworben.
Die Einführung von ALLEGRO führt zu einer Mehrbelastung der Beschäftigten im Bereich der
Existenzsicherung. Nach einer Modellrechnung kann der Einführungsprozess in 2014 eine zu-
sätzliche Belastung von bis zu 4 Vollzeitäquivalent-Planstellen nach sich ziehen. Das Jobcenter
hat sich bisher dafür ausgesprochen ohne zusätzliches Personal den Einführungsprozess zu
gestalten, obgleich diverse Jobcenter zusätzliche Planstellen bei den Trägern der gemeinsamen
Einrichtung eingefordert haben.
5.7.2 Konzept Datenqualität/Datenqualitätsmanagement (DQM)
Das Datenqualitätsmanagement (DQM) für den Rechtskreis SGB II wurde auf den Erfahrungen
der eingeführten DQM - Organisation des SGB III unter Berücksichtigung der Besonderheiten
eingerichtet.
Ziel des DQM ist ein ganzheitlicher, systematischer und beständiger Ansatz zur Verbesserung
und Erhaltung der Datenqualität.
Qualitativ hochwertige Erfassung, Pflege und Auswertung der Datensätze bilden eine entschei-
dende Ausgangslage für die erfolgreiche Arbeit in allen Fachbereichen. Das DQM initiiert, kom-
muniziert und überwacht die Maßnahmen zur Verbesserung bzw. Erhaltung der Datenqualität
und ist unabhängig von regionalen oder operativen Interessen. DQM beurteilt und beeinflusst die
sachliche Qualität, nicht die fachliche Aufgabenerledigung im engeren Sinne. Letztere ist und
bleibt Aufgabe von Fachaufsicht und Interner Revision.
Das Jobcenter Darmstadt hat hierzu eine Mitarbeiterin benannt die verantwortlich für das Daten-
qualitätsmanagement ist (V-DQM). V-DQM haben die Möglichkeit anhand von verschiedenen
Auswertungen Risiko –und Fehlerlisten den einzelnen Teams zur Verfügung zu stellen. Hierbei
müssen Datensätze überprüft und abgearbeitet werden, so dass die Qualität in den IT Fachver-
fahren verbessert wird.
Weiterhin richten sich die V-DQM nach dem Maßnahmenkatalog. Der Maßnahmenkatalog be-
schreibt zentrale und dezentrale Aktivitäten sowie mögliche Suchläufe in den IT-Verfahren.
5.7.3 Internes Kontrollsystem (IKS)
Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2014
39
Die Erbringung einer rechtmäßigen, wirtschaftlichen und wirksamen sowie möglichst kunden-
freundlichen Dienstleistung, die sich an den Aufgaben und Zielen des SGB II ausrichtet, ist unser
primäres Ziel. Neben übergeordneten Zielen wie die Einhaltung von Gesetzen und Vorschriften
oder der ordnungsgemäßen Verwendung der Bundesmittel sind hier auch die definierten Ziele
sowie die Qualitätsstandards zu benennen. Ein funktionsfähiges internes Kontrollsystem schafft
zum einen hohe Transparenz über die Leistungserbringung vor Ort und ist zum anderen
elementarer Faktor zur Systematisierung qualitätsbezogener Aktivitäten, von der Analyse bis zur
Umsetzung und Nachhaltung. Darüber hinaus dient es als Führungsinstrument, welches dazu
beiträgt operative Ergebnisse zu verbessern und geschäftspolitische Ziele zu erreichen.
Der Erfolg eines internen Kontrollsystems wird ebenso wie die Zufriedenheit der Kundinnen und
Kunden regelmäßig beobachtet. Insoweit stellen interne Kontrollsysteme einen Beitrag für eine
hohe Qualität der Leistungserbringung gegenüber den Kundinnen und Kunden dar. Die Funkti-
onsfähigkeit von internen Kontrollsystemen setzt voraus, dass die handelnden Mitarbeiterinnen
und Mitarbeiter die für ihre Aufgabenerledigung erforderlichen Informationen zeitnah erhalten.
Darüber hinaus sind Regelungen zu den Verantwortungsbereichen und Schnittstellen zu treffen.
Diese schaffen eine hohe Transparenz über die eigene Aufgabenerledigung und ermöglichen es
interne Abläufe zu systematisieren und zu straffen mit dem Ergebnis, dass der Erfolg der eigenen
Arbeit klarer erkennbar wird.
Mit der Einführung eines internen Kontrollsystems wird die rechtmäßige, wirtschaftliche und wirk-
same Aufgabenerledigung sichergestellt. Bei hohen Fehlerquoten sind Maßnahmen zur Vermin-
derung vorgesehen, die Bestandteil der Qualitätssicherung darstellen.
Das Jobcenter Darmstadt hat hierzu im Jahr 2013 eine entsprechende Dienstanweisung auch in
Bezug auf eine dezentrale Fachaufsicht für seine beiden Bereiche, Existenzsicherung und Markt
& Integration erlassen.
5.8 Kommunale Arbeitsmarkt - und Ausbildungsstrategie 201 4 der Wissen-
schaftsstadt Darmstadt
Eine erfolgreiche Arbeitsmarktpolitik ist entscheidend davon abhängig, dass die regionalen Ak-
teure des Arbeitsmarktes in eine gemeinsame Strategie eingebunden werden. Dafür wird über
das Hessische Sozialministerium (HSM) das Ausbildungs- und Arbeitsmarktbudget der Wissen-
schaftsstadt Darmstadt zur Verfügung gestellt.
In Zusammenarbeit mit der Wissenschaftsstadt Darmstadt übernimmt das Jobcenter für einzelne
Maßnahmen, die im Rahmen des Ausbildungs- und Arbeitsmarktbudgets durchgeführt werden
Kofinanzierungen. Die Wissenschaftsstadt Darmstadt und das Jobcenter stehen hierzu stets in
einem regen Austausch und vereinbaren gemeinsam, für welche Maßnahme welche Förderung
von Seiten des Jobcenters möglich und realisierbar ist.
Im Rahmen des Arbeitsmarktbudgets ist es z.B. möglich auch weiterhin Arbeitsgelegenheiten mit
sozialpädagogischer Betreuung anzubieten, da die Kosten für die sozialpädagogische Betreuung
über das Arbeitsmarktbudget finanziert werden können. Diese Kostenübernahme ist aufgrund der
gesetzlichen Vorgaben für das Jobcenter nicht mehr möglich. Somit ist aber weiterhin sicherge-
stellt, dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in einer Arbeitsgelegenheit weiterhin intensiv
betreut und beraten werden.
Auch im Rahmen des Ausbildungsbudgets werden neue Wege eröffnet und in Kombination der
Mittel aus dem Ausbildungsbudget und der Finanzmittel des Jobcenters lassen sich Maßnahmen
realisieren, die alleine über die finanziellen Mittel eines Trägers nicht möglich wären. So kann
beispielsweise in einer Maßnahme der Erwerb des Hauptschulabschlusses angeboten werden,
Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2014
40
da diese Kosten über das Ausbildungsbudget finanziert werden. Eine Kostenübernahme durch
das Jobcenter wäre auch hier aufgrund gesetzlicher Vorgaben nicht realisierbar. Für die Maß-
nahmen aus dem Ausbildungsbudget haben die Stadt und das Jobcenter vereinbart, vorwiegend
Maßnahmen zur Förderung der Ausbildungsreife und Verselbständigung der jungen Menschen
zu bezuschussen.
Bezüglich der gemeinsamen Planung und Durchführung von Maßnahmen zur Verbesserung der
Ausbildungsreife steht die Teamleitung U25 im Rahmen der gemeinsamen Arbeit der Kooperati-
on mit der Kollegin der Jugendberufshilfe in der Jugendberufsagentur in ständigen regelmäßigen
Kontakt. Alle eingereichten Maßnahme-Konzepte werden gemeinsam geprüft und bewertet.
Wenn diese der Berufsvorbereitung dienen und arbeitsmarktpolitisch sinnvoll sind, wird eine Ko-
finanzierung durch das Jobcenter geprüft und entsprechend den vorhandenen Haushaltsmitteln
entschieden.
Bei der Durchführung dieser Maßnahmen gibt es im Team je eine Patin bzw. Paten, um die Be-
setzung und Auslastung sicherzustellen. Diese bzw. dieser eröffnet zusammen mit dem Träger
die jeweilige Maßnahme. Während der Dauer der Maßnahme ist die Patin bzw. der Pate mindes-
tens einmal monatlich vor Ort um eine kontinuierliche gemeinsame Betreuung, Steuerung und
Nachhaltung zu gewährleisten.
A. Ausgangslage
Die Bevölkerung der Wissenschaftsstadt Darmstadt wächst seit einigen Jahren stetig und die
Bevölkerungsprognose weist mittelfristig weitere Zunahmen in allen Altersgruppen aus. Die
Beschäftigungsquote hingegen ist auf 49 % (Stand 31.12.2011) gesunken und liegt somit unter
dem Bundesdurchschnitt von 52,1 %5. Die Beschäftigungsquote gibt den Anteil der
sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten in der Altersklasse der 15 - 65-Jährigen an der
gleichaltrigen Bevölkerung wieder.
Betrachtet man die Entwicklung der ausländischen Bevölkerung nach relevanten Altersgruppen,
so ist 2012 im Vergleich zum Vorjahr die Altersgruppe der 15 bis unter 25-Jährigen um 0,5 Pro-
zent-Punkte gestiegen. Bei der Alterskohorte der 25 bis unter 35-Jährigen ist der Anteil der Aus-
länderinnen und Ausländer - nach wie vor - am höchsten.
(Quelle: Amt für Wirtschaft und Stadtentwicklung, Wissenschaftsstadt Darmstadt)
Die Arbeitslosenquote bezogen auf alle zivilen Erwerbspersonen im Bezirk der Arbeitsagentur
Darmstadt lag bei 5,4 %, davon 11,3% Ausländerinnen und Ausländer. Im Vorjahr waren es noch
5,0 %, davon 11,5% Ausländerinnen und Ausländer. Die Jugendarbeitslosenquote der 15 bis
unter 25-Jährigen lag bei 5,2 % und ist im Vergleich zum Vorjahr um 0,1 Prozent-Punkt gestie-
gen6. Im Jahr 2012 wurden insgesamt 5.964 Ausbildungsverträge neu abgeschlossen und damit
132 weniger als im Vorjahr7. Trotz Steigerung der Anzahl der Jugendlichen und jungen Erwach-
senen sinkt lokal das Ausbildungsplatzangebot. So ist 2012 der Bestand an Ausbildungsstellen
5 Vgl. Statistik der Bundesagentur für Arbeit; Zahlen, Daten, Fakten: Strukturdaten und -indikatoren; Agentur für Arbeit Nürnberg 2012
6 Vgl. Arbeits- und Ausbildungsmarkt, Presse Info 043/2013, Stand 31.07.2013
7 Vgl. Bundesinstitut für Berufsbildung, Erhebung zum 30.09.2012
Bevölkerung 2011 nach ausgewählten Altersgruppen
Altersgruppe Insgesamt
dar. Auslän-
der/innen
in Jahre absolut in %
15 bis unter 25 19.121 3.553 18,6
25 bis unter 35 24.904 6.540 26,3
35 bis unter 50 31.958 6.427 20,1
50 bis unter 65 26.203 3.559 13,6
Gesamtbevölkerung 147.930 23.844 16,1
Bevölkerung 2012 nach ausgewählten Altersgruppen
Altersgruppe Insgesamt
dar. Auslän-
der/innen
in Jahre absolut in %
15 bis unter 25 19.769 3.783 19,1
25 bis unter 35 25.806 6.808 26,4
35 bis unter 50 31.805 6.641 20,9
50 bis unter 65 26.706 3.660 13,7
Gesamtbevölkerung 150.155 24.757 16,5
Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2014
41
im Vergleich zum Vorjahr um 3,2 %, die der außerbetrieblichen Ausbildungsstellen sogar um
20,1%8 gesunken.
B. Zieldefinition
Die wirtschaftliche Entwicklung und die Situation am Arbeitsmarkt beeinflussen unmittelbar die
Erwerbschancen und damit die Einkommensverhältnisse der Bevölkerung. Sie sind zentrale
Rahmenbedingungen für die Wohlstandsentwicklung und die Lebenslagen der Bevölkerung in
unserer Stadt.
Zur Erhöhung der Chancengerechtigkeit sind zielgruppenspezifische Angebote für sozial benach-
teiligte Menschen auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt von zentraler Bedeutung. Durch ziel-
gruppenspezifische beschäftigungspolitische Maßnahmen sollen die Chancen zur Teilhabe am
Arbeitsleben in der sozialen Gemeinschaft für Langzeitarbeitslose und besonders benachteiligte
Gruppen, wie beispielsweise Alleinerziehende, Menschen mit Behinderung oder Ältere, verbes-
sert werden. Im Bereich Übergang Schule und Beruf sind zudem benachteiligte Jugendliche und
junge Erwachsene im Alter von 15 - 27 Jahren zu fördern, mit dem Ziel, dass sie eine Ausbildung
beginnen bzw. einen fehlenden Schulabschluss nachholen. Bei den betroffenen Menschen über
27 Jahren stehen vor allem die Integration in Erwerbstätigkeit bzw. der Erhalt und die Verbesse-
rung der Beschäftigungsfähigkeit im Vordergrund. Insgesamt sollen die Unterstützungsleistungen
zur Erhöhung der Beschäftigungsquote (von 49 % auf 52 %) führen. Außerdem wird eine Steige-
rung der Einmündungsquote der Schulabgänger/innen in weiterführende Schulausbildung oder
betriebliche Ausbildung (von 70 % auf 75 %) angestrebt.
Die strategische Verknüpfung von Sozial-, Beschäftigungs-, Arbeitsmarkt- und Wirtschaftspolitik
ist weiterhin in Darmstadt ein geschäftspolitischer Schwerpunkt und wird sowohl in der kommu-
nalen Beschäftigungsförderung der Wissenschaftsstadt Darmstadt als auch im Jobcenter explizit
ausgewiesen. Diese Strategie ist ebenfalls Bestandteil der kommunalen Jugendhilfe und der In-
tegrations- und Gleichstellungspolitik, basierend auf drei Prinzipien: Prävention, Partizipation
und Sozialraumorientierung.
C. Handlungsschwerpunkte
1. Inklusion und Integration als sozialpolitische und sozialplanerische Strategie
Stärkung von Teilhabe und Verteilungsgerechtigkeit durch sozialpolitische Intervention insbe-
sondere mit nachfolgenden Konzepten bzw. Projekten:
- Flächendeckende sozialraumorientierte Schulsozialarbeit
- Gleichstellungspolitik als Querschnittsthema in Schule, Ausbildung, Beruf – Maßnah-
men zum Berufswahlverhalten von Mädchen und Jungen, Stärkung von familiengerech-
ten Arbeitsbedingungen für Frauen und Männer
- Projektgruppe: Stärkung der Teilhabe von Menschen mit Behinderung in der Wissen-
schaftsstadt Darmstadt, Schwerpunkt Bildung und Arbeitsmarkt
- Stärkung der Ausbildungs- und Arbeitschancen für Jugendliche insbesondere mit Migra-
tionshintergrund
- Einsatz von interkulturellen Vermittlungskräften im Jobcenter in Zusammenarbeit mit
dem Interkulturellen Büro der Wissenschaftsstadt Darmstadt
Bearbeitung sozialpolitischer Ziele auf der Grundlage kommunaler Sozialberichterstattung vor
allem durch Erstellung von
- sozialraumorientierten Analysen mit integrierten Handlungskonzepten
- sozialraumorientierten Beteiligungskonzepten für Bürgerinnen und Bürger
8 Vgl. Bundesinstitut für Berufsbildung, Datenreport zum Berufsbildungsbericht 2013, Stand 13.05.2013
Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2014
42
2. Armut bekämpfen – Existenz sichern
Finanzielle Unterstützungsleistungen durch kommunale Zuschüsse für kinderreiche Familien,
erhöhte Bewilligungen für Erstausstattungen für Säuglinge, erhöhte Angemessenheitsgren-
zen bei den Kosten der Unterkunft für Alleinerziehende, alleinerziehende Schwangere sowie
Schwangere, Seniorencard für ältere Menschen mit geringem Einkommen usw.
Einführung einer Teilhabecard für Leistungsberechtigte von Sozialleistungen zur Inanspruch-
nahme von sozialen und kulturellen Vergünstigungen, sowie Bildungs- und Teilhabeleistun-
gen
Unterstützungsleistungen durch ausgebautes soziales Beratungs- und Dienstleistungs-
netzwerk
Umsetzung der Rahmenkonzeption Gemeinwesenarbeit als Strategie gegen Armut und so-
ziale Ausgrenzung
3. Zielgruppen passgenau fördern
Zielgruppenspezifische Ausbildungs- und Arbeitsmarktförderung sowie abgestimmte Hilfe- und
Unterstützungsleistungen für besondere Personengruppen insbesondere wie folgt:
Maßnahmen zur Arbeitsmarktintegration von Alleinerziehenden
Maßnahmen zur Integration in den Arbeitsmarkt für Frauen mit Migrationshintergrund
Maßnahmen für gering qualifizierte Frauen und Männer
Maßnahmen zur beruflichen Integration älterer Arbeitsloser
Maßnahmen zur Integration in den Arbeitsmarkt für Menschen mit Behinderung
Maßnahmen zur Verbesserung der Ausbildungsreife benachteiligter Jugendlicher
Maßnahmen zum Erwerb eines Schulabschlusses benachteiligter Jugendlicher
Maßnahmen zum Abbau von funktionalem Analphabetismus
Hilfen für obdachlose erwerbsfähige Menschen mit Hilfebedarf nach § 67 SGB XII
Sucht- und Drogenhilfe zur Integration suchtkranker Menschen
5.8.1 Kofinanzierung des lokalen Ausbildungs- und Arbeitsmarktprogramm 201 4
Auch im Jahr 2014 werden aufgrund der Zusammenarbeit mit der Wissenschaftsstadt Darmstadt
bei der kommunalen Arbeitsmarkt- und Ausbildungsstrategie eine Vielzahl von Maßnahmen ab-
gestimmt und in die Maßnahmenplanung 2014 integriert.
Auf der Grundlage der kommunalen Arbeitsmarkt - und Ausbildungsstrategie hat das Jobcenter
Darmstadt mit den zuständigen städtischen Dienststellen nachstehende Maßnahmen abg e-
stimmt und in die Maßnahmenplanung 201 4 integriert:
Arbeitsmarktprogramm
Projekt Plätze
Computer für Alle 6
Schulküche Kranichstein 10
Café Nimmersatt 10
Bistro Porta Emilia 10
Qualifizierung und Begleitu ng Gesundheit und Soziales 10
Einkaufsservice 10
Wohnumfeldverbesserung 4
Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2014
43
Insgesamt beträgt die Ko -Finanzierung aus dem Eingliederungsetat des Jobcenters ca.
112.000 Euro.
Auch im Jahr 2014 werden aufgrund der Zusammenarbeit mit der Stadt bei der kommunalen Ar-
beitsmarkt- und Ausbildungsstrategie eine Vielzahl von Maßnahmen abgestimmt und in die Maß-
nahmenplanung 2014 integriert.
Vorbehaltlich der endgültigen Zustimmung des Landes sind folgende Projekte geplant:
Ausbildungsprogramm 2014
Projekt Plätze
Alleinerziehende in Ausbildung 3
Chance 2.0 5
Integrative Ausbildung Industriemechaniker/in 2
Maßnahme Medienkompetenz 3
Werkhof „street“ 2
Bei Erstellung des Arbeits- und Integrationsprogrammes standen die konkreten Beträge für die
Ko-Finanzierung noch nicht fest.
Die geschätzten Beträge lauten:
- Alleinerziehende in Ausbildung = 10.500,- Euro jährlich
- Chance 2.0 = 55.000,- Euro jährlich
- Integrative Ausbildung Industriemechanikerin bzw. Industriemechaniker = 108.780,- Euro für
die gesamte Dauer der Ausbildung (3 Jahre)
- für die Maßnahme Medienkompetenz = 30.000,- Euro und Werkhof „street“ = 7.800,- Euro
(ab Herbst 2014, vorbehaltlich der Bewilligung der Finanzmittel durch den Bund)
5.9 Lokale Aktivitäten
Neben den klassischen Instrumenten der aktiven Arbeitsförderung verfügt das Jobcenter Darm-
stadt über rein lokale Aktivitäten, die die Maßnahmenpalette für die Leistungsberechtigten erwei-
tert.
5.9.1 Unser Bewerbungscenter „dabei“
Seit fast zwei Jahren hat das Jobcenter Darmstadt ein eigenes Bewerbungscenter. Das „dabei“
wurde am 02.04.2012 eröffnet und wird seitdem rege von den Leistungsberechtigten des SGB II
und SGB III in Anspruch genommen.
Vor Ort wird das „dabei“ von fünf Beschäftigten des Jobcenters betreut und das SGB III ist durch
eine personelle Unterstützung des Arbeitgeberservices (AGS) vor Ort. Eine Mitarbeiterin bzw. ein
Mitarbeiter des Arbeitgeberservice (AGS) steht den Besucherinnen und Besuchern des „dabei“
jeden Tag vormittags zur Beratung zur Verfügung.
Das eigene Bewerbungscenter eröffnet den Kundinnen und Kunden die Möglichkeit jederzeit im
Rahmen der Öffnungszeiten die Bewerber-PCs zu nutzen. Diese PCs haben einen freien Inter-
netzugang und können somit unter anderem zur Stellenakquise, für Onlinebewerbungen und zur
Einholung von Informationen in Bezug auf das Bewerbungsverfahren in Anspruch genommen
werden. Die Kundinnen und Kunden können ohne Voranmeldung vorbeikommen und müssen
lediglich gegebenenfalls mit einer kurzen Wartezeit rechnen, wenn alle Computer belegt sein
sollten. Im Bewerbungscenter können vollständige Bewerbungsunterlagen mit allen dazu gehöri-
Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2014
44
gen Unterlagen erstellt werden. Es ist ein Scanner, zum Einscannen von Zeugnissen und Nach-
weisen vorhanden, sowie eine Kamera zur Erstellung von Bewerbungsfotos. Die Kundinnen und
Kunden erhalten die benötigten Bewerbungsmappen und können auch die Möglichkeit des neut-
ralen Versands nutzen.
Durchschnittlich suchen etwa 390 Kundinnen und Kunden monatlich das Bewerbungscenter „da-
bei“ auf. Hierunter fallen zum einen die Kundinnen und Kunden, die den freien Zugang nutzen
und die Kundinnen und Kunden, die bei den Fallmanagerinnen und Fallmanagern terminiert sind.
5.9.2 Jobakademie
Im März 2013 hat die Jobakademie des JC Darmstadt gestartet. Der Bildungsträger TERTIA
setzt diese Maßnahme in den Räumlichkeiten des Bewerbungscenters „dabei“ um.
Von Seiten des Trägers sind drei Jobcoaches vor Ort, die in enger Zusammenarbeit mit den drei
Fallmanagerinnen und Fallmanagern (derzeit nur zwei) des JC Darmstadt stehen. Diese enge
Zusammenarbeit zeigt sich durch einen regelmäßigen Austausch und eine enge Absprache in
Bezug auf die Teilnehmenden der Jobakademie.
Die Teilnehmenden der Jobakademie sind überwiegend die Neukundinnen und Neukunden, die
einen Antrag auf Arbeitslosengeld II im Jobcenter Darmstadt stellen. Über die vermittlerische
Erstberatung werden die potenziellen Teilnehmerinnen und Teilnehmer bei den Fallmanagerin-
nen und Fallmanager der Jobakademie terminiert. Durch diese erfolgt dann die Zuweisung in die
Jobakademie. Sind die Neukundinnen und Neukunden zugewiesen, durchlaufen sie die Maß-
nahme 36 Netto-Tage. Dies bedeutet, dass Fehlzeiten durch beispielsweise Krankheit nachge-
holt werden und somit jede Teilnehmerin und jeder Teilnehmer bei einem regulären Maßnahme-
durchlauf 36 Tage in der Maßnahme teilgenommen hat.
Circa die Hälfte aller Teilnehmerinnen und Teilnehmer durchläuft nicht die reguläre Maßnahme-
dauer, da es bereits vorher zu Abbrüchen kommt. Die Hälfte dieser Abbrüche erfolgt, weil die
Teilnehmerinnen und Teilnehmer eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung aufnehmen
und somit erfolgreich die Maßnahme verlassen bzw. beenden
5.9.3 Kooperation Airportagentur
Der Airport Rhein-Main ist einer der wichtigsten Wirtschaftsstandorte in Hessen. Am Flughafen
Frankfurt sind mehr als 75.000 Menschen bei knapp 500 Arbeitgebern beschäftigt. Mit seinen
weiterhin wachsenden Beschäftigungsmöglichkeiten und konstant hohem Personalbedarf auf
allen Qualifikationsstufen bietet der Flughafen ein großes Stellenpotenzial für arbeits- und ausbil-
dungssuchende Menschen an. Zur erfolgreichen Erschließung dieses Stellenmarktes haben im
Mai 2013 die umliegenden Agenturen für Arbeit und gemeinsamen Einrichtungen, hierbei auch
das Jobcenter Darmstadt, eine Kooperationsvereinbarung zur Zusammenarbeit mit der unmittel-
bar am Flughafen liegenden Airport-Agentur abgeschlossen. Anhand des durch die Airport-
Agentur kommunizierten Personalbedarfs und der aktuell gemeldeten Stellenangebote prüfen die
Agenturen und Jobcenter ihr entsprechendes zur Verfügung stehendes Bewerberpotenzial. Ins-
besondere in den Bereichen Luftsicherheit, Gepäck-, Frachtabfertigung, Reinigung, Hotel und
Gaststätten bestehen gute Einstellungsmöglichkeiten. Allerdings ist der Airport Rhein-Main ein
spezifischer und in sich geschlossener Arbeitsmarkt. Unabhängig von der Stellenart gelten für die
Bewerberinnen und Bewerber bestimmte allgemeine Einstellungsvoraussetzungen, wie bei-
spielsweise Zuverlässigkeitsüberprüfung nach § 7 Luftsicherheitsgesetz (LuftSiG), Bereitschaft
zur Schicht- und Wochenendarbeit, gute Deutschkenntnisse und bei zahlreichen Stellenangebo-
ten gute physische und psychische Belastbarkeit. Bei einigen Beschäftigungsangeboten müssen
Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2014
45
die Bewerberinnen und Bewerber neben einer erfolgreichen Bewerbung auch eine für die Aus-
übung der Tätigkeit notwendige Schulung erfolgreich absolvieren.
Die Integrationskräfte des Jobcenter Darmstadt nutzen die Beschäftigungschancen am Flughafen
Frankfurt in ihrer täglichen Integrationsarbeit. Sie informieren die erwerbsfähigen Leistungsbe-
rechtigten in den Beratungsgesprächen über die Beschäftigungsmöglichkeiten und klären gleich-
zeitig die erforderlichen Zugangskriterien und Voraussetzungen ab. Jeden ersten Montag im Mo-
nat haben interessierte erwerbsfähige Leistungsberechtigte die Möglichkeit, freiwillig an einer
Informationsveranstaltung „Arbeiten am Airport“ teilzunehmen und einen Überblick über den Ar-
beitsort Airport, die verschiedenen Einsatzbereiche sowie die geforderten Anforderungen zu
bekommen. Diejenigen Leistungsberechtigen, die detaillierte Informationen bzw. eine persönliche
Beratung zur Abklärung des individuellen Bewerberprofils wünschen, bekommen im Anschluss
an die Veranstaltung einen Beratungstermin bei der zuständigen Integrationsfachkraft im Jobcen-
ter oder direkt bei einer Integrationsfachkraft der Airport-Agentur in den Räumlichkeiten der
Agentur für Arbeit in Darmstadt.
5.9.4 Aktionstag Einstellungssache ! Jobs für Eltern
„Mit dem Tag ihrer Einschulung eröffnen sich nach den Sommerferien für 100.000 Kinder aus der
Grundsicherung neue Chancen. Auch für deren Eltern sollen sich neue Chancen eröffnen!“ Unter
dieses Motto stellte Heinrich Alt (Vorstand Grundsicherung der Bundesagentur für Arbeit) den
bundesweiten Aktionstag am 03.09. 2013:
„Einstellungssache! Jobs für Eltern“.
Innerhalb Darmstadts wurden 145 Eltern von schulpflichtigen Kindern eingeladen. 73 Personen
nahmen die Einladung wahr und fanden am 03.09.2013 ihren Weg in den Sitzungssaal der Agen-
tur für Arbeit, der für diese Veranstaltung vom Jobcenter Darmstadt angemietet wurde.
Arbeitgeber aus unterschiedlichen Branchen, der gemeinsame Arbeitgeberservice der Bunde-
sagentur für Arbeit und des Jobcenters, eine Mitarbeiterin der Airport-Agentur wie eine Mitarbei-
terin der Mini-Job-Zentrale, erwarteten die Eltern und hielten verschiedene Angebote zum (Wie-
der)Einstieg nach der Familienphase bereit.
Input zum zentralen Thema „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“ erhielten die Besucherinnen
und Besucher zu Beginn der Veranstaltung in Form eines 30 minütigen Vortrages, von den Be-
auftragten für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt. Informiert wurde unter anderem, über die
Schulkinderbetreuung in Darmstadt, das Bildungs- und Teilhabepaket und über Unterstützungs-
angebote des Jobcenters.
In Form von persönlichen Gesprächen nahmen im Anschluss an den Vortrag, viele der Kundin-
nen und Kunden, Kontakt zu den anwesenden Akteurinnen und Akteuren des Arbeitsmarktes auf.
So wurden über 50 Gespräche mit Arbeitgebern geführt. Auch die Minijobzentrale erfreute sich
reger Frequentierung.
Viele der Besucherinnen und Besucher wurden bei der Airport-Agentur vorstellig. „Einige von
Ihnen waren sehr interessiert. Wir befinden uns derzeit noch im Vermittlungsprozess“, berichte
Petra Koppe, die anwesende Vermittlungsfachkraft, als Resümee im Anschluss an die Veranstal-
tung.
Dass zum Thema „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“ Beratungs- und Informationsbedarf be-
steht und auch angenommen wird, bestätigten die Beauftragten für Chancengleichheit am Ar-
beitsmarkt Agnes Metz und Elke Jokisch. Bis zum Ende der dreistündigen Veranstaltung besuch-
ten interessierte Eltern deren Informationsstand um Beratungsbedarf in Einzelgesprächen zu
vertiefen und sich mit entsprechendem Informationsmaterial auszustatten.
Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2014
46
5.9.5 Kooperationsvereinbarung zur Zusammenarbeit mit dem städtischen Sozialdienst
des Jugendamtes der Wissenschaftsstadt Darmstadt
Die Kooperationsvereinbarung mit dem städtischen Sozialdienst wurde unter Beteiligung aller
Gremien neu abgefasst und verabschiedet und regelt nunmehr das Verfahren bei Einschaltung
des jeweilig anderen Trägers. Außerdem wurden die Informationsweitergabe bei Verdacht auf
Kindeswohlgefährdung sowie die gegenseitige Kommunikation geregelt.
Alle Parteien haben sich darauf geeinigt, die Vereinbarung künftig bei Bedarf weiter zu entwickeln
und fortzuschreiben, damit notwendige Änderungen und Neuregelungen zeitnah Berücksichti-
gung finden.
5.9.6 Übergabemanagement SGB II/SGB III
Seit nunmehr 3 Jahren besteht das mit der Agentur für Arbeit Darmst adt abgestimmte Konzept
des „Übergabemanagements SGB III/SGB II“.
In der Phase des Rechtskreisübertritts aus dem SGB III in den Zuständigkeitsbereich des SGB II
kommt der durchgehenden Aktivierung und Betreuung der Kundinnen und Kunden eine hohe
Bedeutung zu. Insbesondere soll ein Rechtskreiswechsel bei den Kundinnen und Kunden nicht
zu einer Unterbrechung der Vermittlungs- und Integrationsbemühungen führen.
Das Konzept regelt detailliert das Verfahren beim Wechsel der Zuständigkeit in der Trägerschaft
durch Beantragung von Leistungen zur Sicherung des Lebensunterhaltes nach dem Sozialg e-
setzbuch II.
In den von der Agentur für Arbeit und Jobcenter gemeinsam durchgeführten Informationsveran-
staltungen werden etwa 3 Monate vor Ende des Leistungsbezugs von Arbeitslosengeld I Kundin-
nen und Kunden über die zur Verfügung stehenden Unterstützungsangebote der Agentur für Ar-
beit und die Angebote und Ziele des beschäftigungsorientierten Fallmanagements im SGB II Be-
reich unterrichtet.
Ca. 1-2 Monate vor Ende des Arbeitslosengeld I Bezugs führt die Arbeitsvermittlung der Agentur
für Arbeit zudem ein persönliches Abschlussgespräch mit den Kundinnen und Kunden und er-
stellt einen Übergabevermerk.
Mit dem Rechtskreisübertritt erfolgt das vermittlerische Erstgespräch zur Standortbestimmung bei
der Fallmanagerin bzw. dem Fallmanager, zu dessen Vorbereitung das Fallmanagement auf den
Übergabevermerk zurückgreift und die zuletzt vereinbarten Aktivitäten in den Integrationsprozess
im Jobcenter einbezieht. Sofern sich keine neuen bzw. geänderten Erkenntnisse ergeben, wird
der in der Agentur für Arbeit begonnene Integrationsprozess nahtlos fortgesetzt.
Die Erfahrung der letzten 3 Jahre hat gezeigt, dass durch ein qualitativ hochwertiges Übergabe-
management und eine effektive Zugangssteuerung von Neukundinnen und Neukunden frühzeitig
Integrationserfolge erzielt werden können und hohe Kosten durch einen längeren Bezug von Ar-
beitslosengeld II vermieden werden. Daher soll das Konzept auch in 2014 fortgeführt werden.
5.9.7 AMViS – Arbeitsmarktintegration von Müttern und Vätern im SGB II
Zusätzliche Beratung und Hilfe auf dem Weg ins Berufsleben erhalten Mütter und Väter innerhalb
des Projekts AMViS. Dieses wurde von der Wissenschaftsstadt Darmstadt und dem Landkreis
Darmstadt-Dieburg mit finanziellen Mitteln des Landes Hessen entwickelt.
Innerhalb Darmstadts ist die Service- und Beratungsstelle sefo femkom Bestandteil des Konzep-
tes und richtet sich an Mütter und Väter aus dem SGB II Bezug. Das Projekt ist zunächst bis En-
de 2014 angelegt.
Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2014
47
Für die o.g. Zielgruppe hält die Service- und Beratungsstelle in Darmstadt 15 Plätze vor und bie-
tet individuelle Unterstützung und Hilfe bei der Entwicklung von Berufs- und Lebensperspektiven.
Die Mitarbeiterinnen von sefo femkom beraten nach einem ganzheitlichen Ansatz und vermitteln
in Zusammenarbeit mit Fallmanagerinnen und Fallmanagern des Jobcenter Darmstadt die Kun-
dinnen und Kunden in Beschäftigung, Aus- und Weiterbildung, wie in Praktika. Außerdem bietet
die Beratungsstelle eine Nachbegleitung an die eine nachhaltige Integration in das Erwerbsleben
sicherstellen soll.
Für das Projekt wurde bereits in 2013 innerhalb des Sozialdezernats der Wissenschaftsstadt
Darmstadt eine Koordinatorin eingestellt, deren zentrale Aufgabe - unter anderem - darin besteht,
die Schnittstellenarbeit zwischen SGB II und SGB VIII zu verbessern, um spezifische Bedarfe
von Müttern und Vätern mit Sorgerechtsaufgaben bzw. Alleinerziehenden im SGB II professio-
nell, bedarfsorientiert und nachhaltig begegnen zu können.
5.9.8 Patenmodell
Seit Mitte Februar 2013 besteht zwischen dem Jobcenter Darmstadt und der Initiative „Arbeit
durch Management/Patenmodell“ des Diakonischen Werkes Berlin Brandenburg schlesische
Oberlausitz eine Kooperationsvereinbarung. Diese wird in Zusammenarbeit mit dem Diakoni-
schen Werk Darmstadt-Dieburg umgesetzt und im Jahr 2014 weiter fortgesetzt.
In der Initiative unterstützen ehrenamtlich aktive und ehemalige Führungskräfte arbeitssuchende
Menschen bei der beruflichen Integration. Durch die meist langjährige Führungs- und Personaler-
fahrung verfügen die Paten über Kontakte und Zugang zu verschiedenen Arbeitgebern. Durch die
Sachkompetenz sowie Berufs- und Lebenserfahrung helfen sie den Kundinnen und Kunden da-
bei, sich realistische Ziele zu stecken, unterstützen sie und geben wichtige Impulse auf dem Weg
in die Erwerbstätigkeit.
Nach wie vor basiert die Teilnahme am Patenmodell auf Freiwilligkeit. Der Impuls zur Kontakt-
aufnahme/Kooperation muss durch die Leistungsberechtigten selbst erfolgen.
5.9.9 Interkulturelle Angebote des Jobcenters
In Darmstadt haben fast 40 Prozent der erwerbsfähigen Leistungsberechtigte eine ausländische
Staatsangehörigkeit. Dazu kommen viele Menschen, die zwar einen deutschen Pass besitzen,
aber als Aussiedler oder Zuwanderer über einen anderen kulturellen Hintergrund verfügen. Dies
kann gelegentlich zu Missverständnissen und Konflikten zwischen Beschäftigten und Kundinnen
und Kunden führen. Die Beschäftigten des Jobcenters müssen sich daher der Herausforderung
Menschen mit einem anderen sprachlichen und kulturellen Hintergrund zu betreuen stellen. Er-
folgreiche Beratung baut generell auf eine gute Kommunikation auf und nur wer sich seinem Ge-
genüber verständlich machen kann, kann gut beraten oder eine Beratung annehmen.
Mit einer speziellen interkulturellen Schulung der Beschäftigten und dem „Projekt Ausfüllhilfe“
möchte das Jobcenter Darmstadt die Kommunikation mit den Migrantinnen und Migranten ver-
bessern.
5.9.9.1 Interkulturelle Schulung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
Einen Tag lang arbeiten die Beschäftigten des Jobcenter Darmstadt an der Verbesserung ihrer
interkulturellen Kompetenz.
Geschult werden alle Beschäftigten im Fallmanagement durch eine neue Beratungskonzeption
der Bundesagentur für Arbeit. Alle anderen Beschäftigten mit Kundenverkehr erhalten eine
Schulung des Interkulturellen Büros der Wissenschaftsstadt Darmstadt. Die Schulung vermittelt
Grundlagenwissen über die Entwicklung von Deutschland als Einwanderungsland, die bundes-
deutsche Integrationspolitik und bearbeitet jobcenterspezifische Ansätze und Methoden zur inter-
Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2014
48
kulturellen Öffnung. Dabei werden das Verständnis von interkulturellen Kompetenzen sowie die
integrationspolitischen Maßnahmen der Wissenschaftsstadt Darmstadt vorgestellt. Es erfolgen
Reflexionen und lösungsorientierte Bearbeitungen von schwierigen Situationen am Arbeitsplatz.
Inhaltlich geht es dabei unter anderem um die Fragen:
a. Welche professionellen Anforderungen stellt die Vielfalt in der Einwanderungsgesellschaft
an Fachkräfte im Bereich der Arbeitsmarktintegration?
b. Was verbirgt sich genau hinter dem Begriff „Migrationshintergrund“?
c. Was versteht man eigentlich unter „interkultureller Kompetenz“?
Außerdem erhalten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter praxisnahe und aktuelle Informationen,
hilfreiche Methoden und Anregungen dazu, wie sie herausfordernden Situationen im Kundenkon-
takt professionell begegnen können.
Diese erste Grundlagenschulung soll ein erster Schritt sein die interkulturelle Kompetenz und
Kommunikation der Beschäftigten zu stärken; gleichwohl wird die interkulturelle Öffnung des Job-
center Darmstadt in der Zukunft eine langfristige Aufgabe darstellen.
Der Magistrat der Wissenschaftsstadt Darmstadt als ein Träger des Jobcenters als gemeinsame
Einrichtung hat bereits mit Grundsatzbeschluss aus dem Jahre 2008 beschlossen, dass Maß-
nahmen zur Verbesserung der interkulturellen Kompetenz in den Verwaltungsstellen und Ämtern
durchgeführt werden.
5.9.9.2 Pilotprojekt: „Einsatz von interkulturellen Vermittlungskräften (IkuV) im Jobcenter Darm-
stadt“
In den letzten Jahren haben die Migrationsberatungsstellen und andere Beratungsstellen der
Wohlfahrtsverbände sowie Freie Träger im Rahmen des Arbeitskreises „Migration und Sozialar-
beit“ in Darmstadt und im Rahmen Ortsliga Darmstadt immer wieder auf die Schwierigkeit beim
Verstehen und Ausfüllen der ALG II Antragsformulare insbesondere durch Migrantinnen und Mig-
ranten hingewiesen.
Aufgrund des steigenden Beratungs- und Unterstützungsbedarfes können diese Einrichtungen
die große Zahl der Anfragen nicht mehr auffangen. Als Folge ist nicht mehr sichergestellt, dass
die ALG II Leistungsberechtigten Anträge fristgerecht ausfüllen und einreichen, was wiederum
dazu führt, dass die Existenzsicherung nicht mehr gewährleistet ist.
Hinzu kommt, dass Sachbearbeiterinnen und Sachbearbeiter im Jobcenter Darmstadt in Bezug
auf die Klientel der Migrantinnen bzw. Migranten oftmals aufgrund sprachlicher Schwierigkeiten
und komplexer migrationsbedingter Problemlagen im Rahmen der Beratung und der Unterstüt-
zung beim Ausfüllen der komplizierten Arbeitslosengeld II Antragsformulare zur Existenzsiche-
rung überfordert sind.
Für Fragen und Probleme, die beim Ausfüllen des Antrags auftreten, können Personen mit Migra-
tionshintergrund vor allem aus sprachlichen Gründen nicht beraten werden.
In Kooperation mit dem Amt für Interkulturelles und Internationales der Wissenschaftsstadt
Darmstadt, dem Deutschen Roten Kreuz Darmstadt-Stadt und dem Jobcenter Darmstadt wurde
ein gemeinsames Konzept entwickelt und fortgeschrieben.
Das Konzept sieht vor, dass Menschen mit Migrationshintergrund sprachliche Unterstützung
durch Interkulturelle Vermittlungskräfte beim Ausfüllen von ALG II Anträgen bekommen. Durch
sprachliche und kulturelle Kompetenz wird eine reibungslose Kommunikation gewährleistet. Das
Angebot ist beim Jobcenter Darmstadt, vorrangig im Bereich der Existenzsicherung, angesiedelt.
Die örtliche Anbindung des Projektes an das Jobcenter bietet mehrere Vorteile. Dadurch sind
kurze Wege für die Antragstellerinnen bzw. Antragsteller gewährleistet, was wiederum zur zeit-
Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2014
49
nahen Bearbeitung der Anträge führt. Durch die Interkulturelle Vermittlungskräfte können sich die
Leistungsberechtigten aktiver im Antragsprozess einbringen. Das Unterstützungsangebot ist kos-
tenlos und vertraulich.
Das Projekt verfolgt das Ziel Menschen mit Migrationshintergrund, die vor allem sprachliche Un-
terstützung beim Ausfüllen der ALG II Antragsformulare brauchen, durch Interkulturelle Vermitt-
lungskräfte zu unterstützen und begleiten.
Im Einzelnen sollen die Interkulturellen Vermittlungskräfte folgende Unterstützungsleistungen
erbringen:
Übersetzung und Unterstützung beim Ausfüllen von ALG II Anträgen
Information und Hinweis auf fehlende Unterlagen und Dokumente, die dem Antrag beige-
legt werden müssen
Überprüfung der notwendigen Unterlagen und Erläuterungen zu ALG II Antragsformularen
und Merkblättern
Bei Bedarf Vermittlung an die Migrationsberatungsstellen bzw. an andere Fachstellen
Besonders für die Zielgruppe der Migrantinnen und Migranten im ALG II Leistungsbezug, die im
erwerbsfähigen Alter, sozialmedizinisch erwerbsfähig und hilfebedürftig sind, sowie ihren ge-
wöhnlichen Aufenthalt, d.h. ihren Lebensmittelpunkt in Deutschland haben. ist dieses zusätzliche
Angebot gedacht.
Für die Unterstützungsleistungen sind zunächst folgende Sprachen vorgesehen: Türkisch, Ara-
bisch, Russisch, Englisch, Spanisch und Französisch.
Bei Bedarf können weitere Personen mit anderen Sprachkompetenzen hinzugezogen werden.
Für die Durchführung der o.g. Aufgabenbereiche sind fünf im sozialen Bereich erfahrene Fach-
kräfte im Einsatz.Die Fachkräfte sind Zuwandererinnen bzw. Zuwanderer mit entsprechender
beruflicher Grundqualifikation aus ihren Herkunftsländern. Die meisten besitzen in Deutschland
erworbene Weiterqualifizierungen im sozialen- und/oder gesundheitlichen Bereich und sind in der
Lage notwendige Informationen bedarfsgerecht und kultursensibel zu erklären und weiterzuge-
ben.
Aktuell stellt sich das Angebot wie folgt dar:
Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2014
50
6. Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt
Um die Gleichstellung von Frauen und Männern im Außenverhältnis besser gewährleisten zu
können, wurde für 2011 auch im SGB II, die Rolle der Beauftragten für Chancengleichheit am
Arbeitsmarkt (BCA) implementiert.
Als operative Impulsgeberin unterstützt sie die Fachkräfte ihres Jobcenters und hilft beim Auf -
und Ausbau von Netzwerken. Sie setzt sich dafür ein, die Beschäftigungsperspektiven für Ar-
beitssuchende mit familiären Verpflichtungen zu verbessern.
Die Trägerversammlung des Jobcenters Darmstadt bestellte am 14.01.2011 Frau Elke Jokisch
zur Beauftragten für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt.
Ihre Aufgabenfelder bestehen aus
der Beratung von Führungs- und Fachkräften sowie externen Partnern zur Förderung der
Chancengleichheit
der Mitwirkung bei der Aufstellung des Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramms des
Jobcenters Darmstadt
der Analyse und Bewertung von geschlechtsspezifischen Daten zum Ausbildungs- und
Arbeitsmarkt
der Planung, Entwicklung und Realisierung von Konzepten und Maßnahmen zur Förde-
rung der Chancengleichheit ( z.B. Projekte, Fortbildungen etc.)
der Planung und Durchführung von Gruppeninformationsveranstaltung zur Frühaktivie-
rung von Alleinerziehenden und Erziehenden
der Vertretung des Jobcenters Darmstadt in lokalen Netzwerken
Das Projekt ist zunächst bis zum 31.12.2014 befristet und wird mit 20.000 € aus dem Arbeits-
marktbudget des Landes Hessen finanziert.
Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2014
51
Ein wichtiger Schwerpunkt der Tätigkeit der BCA ist die Förderung von Alleinerziehenden. Hierfür
ist sie konzeptionell mit zuständig, übernimmt eine Koordinationsfunktion und arbeitet aktiv in
vorhandenen Gremien und Netzwerken mit. Darüber hinaus hat sie ein Informations- Beratungs-
und Vorschlagsrecht in Fragen, die Auswirkungen auf die Chancengleichheit von Frauen und
Männern haben.
Anlage Bildungs- und Maßnahmenplanung
Jobcenter Darmstadt – FbW Bildungszielplanung 2014
Bildungsziel
Qualifizierungsinhalte
Berufs-
ordnung
(BO) /
Kenn-
ziffer
(DKZ)
Anzahl
Bildungs-
gutscheine
Unterrichts-
form
Vollzeit /
Teilzeit /
berufsbe-
gleitend
max.
Dauer
Monate
mit Abschluss
Altenpfleger/in
lt. Rahmenlehrplan
82102-901
8
VZ
36
Altenpflegehelfer/in
lt. Rahmenlehrplan
82101-900
8
VZ
12
Erzieher/in
lt. Rahmenplan
83112-903
18
VZ oder TZ
24 bzw.36
Kaufmännische
Berufsabschlüsse
8
VZ oder TZ
Je nach
Bildungsziel
Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2014
52
betriebliche Ein-
zelumschulungen
5
VZ
24
Umschulungen im
Einzelfall
4
VZ oder TZ
24
Vorbereitungskurs für
Externenprüfung
3
X
Je nach
Bildungsziel
sonstige Bildungsziele (ohne Abschluss)
Erwerb Hauptschul-
abschluss mit be-
rufspraktischer
Qualifizierung
16
VZ oder TZ
12
Luftsicherheit-,
Luftfrachtqualifizie-
rungen
Individuell
25
VZ
Je nach
Bildungsziel
Qualifizierung im Si-
cherheitsgewerbe
inkl. Vorbereitung auf
Sachkundenprüfung
nach §34a GewO
Öffentliches Recht, Bürgerli-
ches Gesetzbuch BGB,
Straf- und Verfahrensrecht,
Umgang mit Menschen,
Umgang mit Verteidigungs-
waffen, Erste Hilfe, Vorberei-
tung zur Prüfung nach §34a
GewO.
Sachkundenprüfung bei IHK
53112-907
7
VZ
bis zu 6
Monate
Bildungsziel
Qualifizierungsinhalte
Berufs-
ordnung
(BO) /
Kenn-
ziffer
(DKZ)
Anzahl
Bildungs-
gutscheine
Unterrichts-
form
Vollzeit /
Teilzeit /
berufsbe-
gleitend
max.
Dauer
Monate
sonstige Bildungsziele (ohne Abschluss)
modulare Fortbildung
im Bereich Lagerlo-
gistik
EDV, Materialwirtschaft,
Lagerhaltung/Standort-
/Lagerplanung, Verpackun-
gen, Logistik + Beschaffung,
Versand, Lagerverwaltung,
Gabelstaplerausbildung inkl.
Fahrtraining
51311-118 5 VZ bis zu 3
Mon.
modulare Schweißer-
ausbildung
Individuell
24422-116
2
VZ
Je nach
Erforder-
nis
Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2014
53
Modulare Teilqualifi-
zierung „Fachkraft
Gastgewerbe“
Teilqualifizierung im Bereich
Küche / Gastronomie
29301-101
4
VZ oder TZ
Je nach
Modul
unter-
schiedlich
Fahrerausbildung
EU Kraftfahrer Klasse
C, CE
theoretische und praktische
Fahrerausbildung inklusive
Gefahrgut, Ladungssiche-
rung und Gabelstapler
52122-108
10
VZ
5
Fahrerausbildung
Güter- und Personen-
verkehr
theoretische und praktische
Fahrerausbildung mit be-
schleunigter Grundqualifizie-
rung C,CE, D und DE inklu-
sive Ladungssicherung
52122-108
8
VZ
4
Englisch für den
Beruf
Individuell
10
VZ oder TZ
Je nach
Bildungs-
ziel
modulare kaufmänni-
sche Weiterbildung
Finanzbuchhaltung, Perso-
nalwesen, EDV, SAP, Wirt-
schaftsenglisch -individuelle
Trainingspläne nach Bedarf
71402-101
16
VZ oder TZ
je nach
Modul bis
zu 6 Mon.
Bildungsziel
Qualifizierungsinhalte
Berufs-
ordnung
(BO) /
Kenn-
ziffer
(DKZ)
Anzahl
Bildungs-
gutscheine
Unterrichts-
form
Vollzeit /
Teilzeit /
berufsbe-
gleitend
max.
Dauer
Monate
sonstige Bildungsziele (ohne Abschluss)
Helfer/in in der Pflege
Vermittlung von Grundlagen
in der Pflege, der Lebens-
und Alltagsgestaltung
81301-107
2
VZ oder TZ
4 Mon.
Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2014
54
Alltagsbegleiter/in
dementer alter
Menschen
Betreuungskraft
Grundkenntnisse der Pflege
und Betreuung von Demenz-
kranken
2
VZ oder TZ
Je nach
Bildungs-
ziel
Fortbildungen im
Einzelfall
Individuell
13
VZ oder TZ
Je nach
Bildungs-
ziel
Berufspraktische
Weiterbildung mit
„Deutschkenntnisse
plus“
15
VZ oder TZ
6
Beratungsverlauf (4)
Orte (1)
- Groß-Gerauer Weg 3
Ortsbezüge werden automatisch aus den Dokumenten ermittelt und können unvollständig sein.
Details
- Vorlagen-Nr.
- 2014/0220
- Typ
- Magistratsvorlage
- Datum
- 27.05.2014
- Erstellt
- 29.09.2026 00:00