2025/0311
Einführung der städtischen Geodatenstrategie
KI-Zusammenfassung
Klicken Sie, um eine KI-Zusammenfassung dieses Vorgangs zu erstellen.
KI-Analyse läuft...
vergangen
Was passiert gerade?
- 📄 Dokumente werden analysiert...
- 🤔 KI denkt nach (Reasoning-Modell)...
- ✍️ Zusammenfassung wird geschrieben...
- ⏳ Das dauert etwas länger bei komplexen Dokumenten...
Dieser Vorgang kann 1-3 Minuten dauern. Bitte lassen Sie die Seite geöffnet.
2025/0311
5505 Zeichen
Magistratsvorlage
Eingang Magistrats -
geschäftsstelle:
03.12.2025
an den Magistrat
zur Kenntnis
zur Beschlussfassung
Beteiligt vor
Magistratsbeschlussfassung:
Dezernat VI an die Stadtverordnetenversammlung
OBW zur Befassung
zur Kenntnis
zur Beschlussfassung
zur abschließenden Beschluss -
fassung Fachausschuss
Amt: Vermessungsamt
OBW bei abschl.
Beschlussfassung Magistrat
Behandlung in
öffentl. Sitzung
Ja
Nein
Verteiler:
Ja
Nein
Vorlage-Nr. 2025/0311
Magistratsbeschluss -Nr.
Internetfähig
Produkt-Nr.: 511070
Kostenstelle: 062-030-1000 Investitionsnummer: 21062-2032
Kostenträger: 5110-71 Sachkonto: 0241010
Betreff: Einführung der städtischen Geodatenstrategie
Vorlage vom: 18.11.2025
Beschlussvorschlag :
Die stadtweite Einführung der Geodatenstrategie der Wissenschaftsstadt Darmstadt einschließlich
ihrer regelmäßigen Fortschreibung wird beschlossen.
Anlagen: Geodatenstrategie (wird nur digital zur Verfügung gestellt)
Datenschutzrelevante Anlage:
Folgekosten: Ja Nein
- 2 -
Zusätzlich für alle Vorlagen aus dem Bereich des Hochbaus anzugeben:
Klimarelevanz des Vorhabens:
Auswirkungen auf Stadtklima: ja nein
Auswirkungen auf THG -Emissionen: gering1) mittel/groß 2)
Beteiligung Amt f. Klimaschutz & Klimaanpassung: ja nein
Zusätzlich bei Beschlüssen zur Baufreigabe:
Wurden Optimierungspotentiale ausgeschöpft? ja nein
Falls nein, Kompensationsmaßnahmen festgelegt? ja nein
1) bis 10 Tonnen Kohlendioxid-Äquivalente (CO2e) pro Jahr, 2) über 10 Tonnen CO2e pro Jahr.
Beschluss des Magistrats vom
- 3 -
Begründung zur Magistratsvorlage vom 18.11.2025
Für eine zukunftsorientierte Stadtentwicklung nehmen digitale und qualitativ hochwertige
Geodaten und Geoinformationen eine zunehmende strategische Bedeutung ein, um effektive
Entscheidungen für den städtischen Raum zu treffen. Dabei erfordern die fortschreitende
Digitalisierung unserer Gesellschaft und eine zunehmende Komplexität urbaner Prozesse
eine systematische, koordinierte und nachhaltige Nutzung von Geodaten.
In der Wissenschaftsstadt Darmstadt sind Geodaten elementare Bausteine zur
Dokumentation, Planung und Steuerung der städtischen Abläufe und Prozesse. Sie
beschreiben den historischen, aktuellen und zukünftigen Zustand der Stadt und bilden
dadurch die Grundlage für Analysen, Planungen und Entscheidungen. Sie sind ein
strategisches Fundament für nahezu alle kommunalen Aufgabenbereiche – von der
Stadtplanung über das Umwel t– und Verkehrsmanagement bis hin zur Daseinsvorsorge und
der Bürgerkommunikation. Sie werden für vielfältige Aufgabenstellungen in den
verschiedenen Arbeitsprozessen von Ämtern, Dienststellen und Eigenbetriebe benötigt und
helfen, erforderliche Entscheidu ngsprozesse (z.B. Bauleit –, Grünflächenplanung,
Reaktionsmanagement im Krisenfall) zu beschleunigen.
Für den generellen Umgang mit städtischen Geodaten fehlte jedoch bislang eine auf die
stadtspezifischen Randbedingungen abgestimmte Geodatenstrategie. Die se dient dazu, eine
allgemein gehaltene und in zeitlicher Hinsicht langfristige Vorgabe für das Management von
städtischen Geodaten zu liefern. Die Strategie soll daher als verbindlicher
Orientierungsrahmen dienen, um die städtische Geodateninfrastruktur z ukunftsfähig,
effizient und nutzerorientiert weiterzuentwickeln. Mit ihrer Erstellung, die innerhalb der AG
GDI-DA (Arbeitsgruppe Geodateninfrastruktur -Darmstadt) federführend von der
Koordinierungsstelle GDI -DA im Vermessungsamt umgesetzt wurde, ist eine regelmäßig
fortzuschreibende und einheitliche Arbeitsgrundlage für stadtentwicklungsrelevante und
geodatenbasierte Anwendungen geschaffen worden. Gleichzeitig bedeutet dies, dass die
Geodatenstrategie als Bestandteil einer übergreifenden Strategie der Wiss enschaftsstadt
Darmstadt einen Beitrag für die Etablierung datenstrategischer Leitlinien der
Kommunalentwicklung leistet.
Die von dieser Strategie zum Betrachtungsgegenstand erhobenen Geodaten sind
grundsätzlich städtische Daten mit einem direkten oder ei nem indirekten räumlichen Bezug
zu einem bestimmten Standort oder geografischen Gebiet. Sie werden durch die jeweiligen
zuständigen geodatenhaltenden Fachämter und Dienststellen der Stadt, erhoben und
aktualisiert.
Die Geodatenstrategie verfolgt das Ziel, kommunale Geoinformationen als zentralen digitalen
Rohstoff für eine zukunftsfähige Gesellschaft zu etablieren. Sie fördert die transparente
Bereitstellung und effiziente Nutzung von interoperablen und raumbezogenen Daten. Durch
offene Datenformate, moder ne IT-Infrastrukturen, klare rechtliche Rahmenbedingungen und
einheitliche Prozesse sollen Innovationen angestoßen, demokratische Teilhabe gestärkt und
nachhaltige Entwicklungen unterstützt werden. Die Strategie setzt auf Kooperation zwischen
der Stadtverw altung und ihren Partnern sowie auf die regionale Vernetzung, um
Herausforderungen wie Klimawandel, wachsende Mobilität und zunehmendes
Krisenmanagement datenbasiert zu bewältigen.
- 4 -
Mit einer stadtweit verbindlichen Geodatenstrategie wird die Einhaltung notwendiger
Datenstandards und die Erfüllung gesetzlicher Anforderungen gewährleistet. Damit begleitet
diese Strategie die Wissenschaftsstadt Darmstadt auf dem Weg zur datenorientierte n
Kommune.
Dezernat VI Dezernat V
Paul Georg Wandrey Holger Klötzner
Stadtrat Stadtrat
anlage 1
73650 Zeichen
Vermessungsamt Postfach 11 10 61 Abt. Stadtkartografie und GDI 64225 Darmstadt November 2025, Koordinierungsstelle GDI-DA, 62 Der Magistrat Geodatenstrategie 2025 für die Wissenschaftsstadt Darmstadt Geodatenstrategie 2025 für die Wissenschaftsstadt Darmstadt Inhaltsverzeichnis 1. Einleitung..................................................................................................................... 3 2. Ausgangssituation ........................................................................................................ 4 Rechtliche Rahmenbedingungen ............................................................................... 4 Begriffsdefinition Geodaten ....................................................................................... 5 2.2.1 Geodaten ........................................................................................................... 5 2.2.2 Offene Geodaten ................................................................................................ 5 2.2.3 Metadaten ......................................................................................................... 6 2.2.4 Standards / Normen.......................................................................................... 7 Die Geodaten der Wissenschaftsstadt Darmstadt ...................................................... 7 3. Vision und Auftrag ...................................................................................................... 10 4. Ziele .......................................................................................................................... 11 Zielkategorisierung ................................................................................................. 12 4.1.1 Basisziele ........................................................................................................ 12 4.1.2 Ziele aus kommunaler/städtischer Sicht (adressierte Ziele) ............................. 12 4.1.3 Besondere Ziele ............................................................................................... 13 Abgrenzung Nichtziele ............................................................................................ 14 5. Maßnahmen zur Zielerreichung .................................................................................. 14 Organisatorische Maßnahmen ................................................................................ 16 5.1.1 Rollenverständnis ............................................................................................ 16 5.1.2 Koordinierungsstelle GDI-DA ............................................................................ 17 Städtische Vereinbarungen und Regelungen ............................................................ 18 Aufbau neuer Prozessstrukturen ............................................................................. 19 Fachliche Maßnahmen ............................................................................................ 19 Technische Maßnahmen ......................................................................................... 20 6. Organisatorische Umsetzungen .................................................................................. 22 7. Ausblick ..................................................................................................................... 23 8. Glossar (Schlüsselwörter) ........................................................................................... 25 Geodatenstrategie 2025 für die Wissenschaftsstadt Darmstadt Seite 3 1. Einleitung Für eine moderne und zukunftsorientierte Stadtentwicklung nehmen digitale qualitativ hochwertige Geodaten und Geoinformationen eine zunehmende strategische Bedeutung ein, um nachhaltige und wirtschaftliche Entscheidungen für den städtischen Raum zu treffen. Sie sind mehr als reine Basis- und Fachdaten. Durch die intelligente Verknüpfung mit Sachinformationen werden sie „smarter“ und sind Bestandteil neuer Entwicklungen und Veredelungen. Wesentliche Themen wie demografischer Wandel, gesellschaftlicher Zusammenhalt, Wohnen, Energieversorgung, nachhaltige Mobilität, Natur- und Umweltschutz und Öffentlichkeits- beteiligung werden hierbei im Zusammenhang betrachtet und für sie integrierte Strategien entwickelt. In jüngster Zeit ist die Nachfrage nach digitalen 3D-Geodaten innerhalb der Stadtverwaltung kontinuierlich gewachsen. Planungsergebnisse lassen sich heute häufig durch virtuelle 3D- Modelle anschaulicher und nachvollziehbarer darstellen, als durch traditionelle und analoge Lagepläne oder physische Tischmodelle. Dies trägt maßgeblich dazu bei, kommunalpolitische Zielsetzungen der Öffentlichkeit verständlich zu vermitteln. Die digitalen Modelle sind jederzeit über das Internet zugänglich und ermöglichen somit eine transparente Darstellung für alle Bürgerinnen und Bürger. Obige Themen benötigen qualifizierte und vernetzte raumbezogene Daten sowie Analysen als Grundlage zur Vorbereitung kommunaler Entscheidungen. Hierfür müssen die erforderlichen Kompetenzen bei den städtischen Beschäftigten weiterentwickelt, die vorhandenen IT- Infrastrukturen in den Fachämtern ausgebaut und eine qualitativ hochwertige Datenbasis geschaffen werden. Mit der seit 2007 in Kraft getretenen europäischen Richtlinie INSPIRE ist ein wichtiger Grundstein zur Schaffung einer einheitlichen Geodateninfrastruktur in der Europäischen Gemeinschaft gelegt worden. Mit dem Zugriff auf länderübergreifende Daten sollen die Transparenz bei politischen Entscheidungen und die Sicherheit bei Planungen erhöht sowie das Katastrophenmanagement und Umweltschutzmaßnahmen auf europäischer Ebene besser koordiniert werden. Durch den Aufbau einer einheitlichen Geodateninfrastruktur Darmstadt (GDI-DA) werden die entscheidenden Strukturen für den standardisierten Datenaustausch zwischen verschiedenen Interessengruppen, den Stakeholdern aus Stadtverwaltung, Wirtschaft und Wissenschaft gelegt. Die dann verwaltungsübergreifend eingeführte GDI-DA wird die Stadtentwicklung langfristig positiv beeinflussen und die Wissenschaftsstadt Darmstadt dabei unterstützen, sich auf dem Weg zur erfolgreichen „Smart City“ weiter zu entwickeln. Für die erste Aufbaustufe der GDI-DA werden zunächst ausschließlich offene Geodaten betrachtet. Diese sind zur Veröffentlichung unter festgelegten Lizenz- und Nutzungsbedingungen vorgesehen. Die Erarbeitung der vorliegenden Geodatenstrategie basiert auf einem Projektauftrag1. Sie folgte dabei einem etablierten Ansatz auch unter Berücksichtigung von best practices anderer Kommunen. Nach der Beschreibung der Ausgangssituation im folgenden Abschnitt wird eine strategische Vision für die Zukunft der Stadt vorgestellt. Anschließend werden eine Aufstellung, 1 Projektauftrag zur Einrichtung der AG GDI-DA, Projektziel u.a. eine einheitliche Datenstrategie für die GDI-DA und somit für alle Geodaten der Wissenschaftsstadt Darmstadt zu erarbeiten. Geodatenstrategie 2025 für die Wissenschaftsstadt Darmstadt Seite 4 Kategorisierung und Beschreibung strategischer Ziele vorgenommen. In einem weiteren Schritt werden Maßnahmen definiert, mit denen die strategischen Ziele zu erreichen sind. Alle genannten Teilschritte sind dabei als Bestandteil eines kontinuierlichen und sich in festen Zyklen wiederholenden Prozesses zu verstehen, denn die Strategie endet nicht mit dem Beschluss ihrer Umsetzung. Damit wird die Strategie in einem bestimmten Umfang auch zu einem dynamischen Dokument, das einer regelmäßigen Fortschreibung bedarf. Mit ihrer Erstellung wird eine einheitliche Arbeitsgrundlage für stadtentwicklungsrelevante und geodatenbasierte Anwendungen geschaffen. Gleichzeitig bedeutet dies, dass die Geodatenstrategie als Bestandteil einer übergreifenden Strategie der Wissenschaftsstadt Darmstadt einen Beitrag für die Etablierung datenstrategischer Leitlinien der Kommunal- entwicklung leistet. Eine orientierungsgebende Empfehlung erfolgte durch die Berücksichtigung der durch den Bund erstellten NGIS 2.0 von der GDI-DE 2. 2. Ausgangssituation In der Wissenschaftsstadt Darmstadt sind Geodaten und Geoinformationen elementare Bausteine zur Dokumentation, Planung und Steuerung der städtischen Abläufe und Prozesse. Sie beschreiben den historischen, aktuellen und zukünftigen Zustand der Stadt und bilden dadurch die Grundlage für Analysen, Planungen und Entscheidungen sowie für interne und externe Auskünfte. Ihre Verfügbarkeit wird auch als Bestandteil der Daseinsfürsorge verstanden. Rechtliche Rahmenbedingungen Grundsätzlich besteht und bleibt die Datenhoheit bei den jeweiligen datenhaltenden Stellen, den Fachämtern, Verwaltungsstellen sowie Eigenbetrieben der Wissenschaftsstadt Darmstadt. Zu den im Kontext der Verwendung von Geodaten wichtigsten rechtlichen Rahmenbedingungen zählen nachstehende gesetzliche Bestimmungen, Regelungen sowie Richtlinien: INSPIRE (Infrastructure für Spatial Information in Europe) - Aufbau einer europäischen einheitlichen Geodateninfrastruktur (GDI) zum Zwecke einer gemeinschaftlichen Umweltpolitik - Regelt den Zugang zu Geodaten - Betrifft Daten aus 34 Themenfeldern, die über ein Geoportal auf open source Basis interoperabel und verlustfrei zur Verfügung zu stellen sind Durchführungsbestimmungen und Umsetzungsanleitungen zur INSPIRE Richtlinie Bundesgesetz: Geodatenzugangsgesetz (GeoZG), Datenschutz nach DSGVO § 12a Gesetz zur Förderung der elektronischen Verwaltung, E-Government-Gesetz – EgovG, (umgangssprachlich Open Data-Gesetz) Hessisches Gesetz: Hessisches Vermessungs- und Geoinformationsgesetz (HVGG) 2 NGIS 2.0 -Nationale Geoinformationsstrategie Version 2.0, Stand 05/2024, GDI-DE Geodateninfrastruktur Deutschland Geodatenstrategie 2025 für die Wissenschaftsstadt Darmstadt Seite 5 Normen und technische Standards (z.B. OGC, ISO, XPlanGML…) Richtlinien zu Metadaten, Geodatendiensten, HVD High Value Data, Open Data Gesonderte Bedingungen zu besonders schützenswerten Daten Begriffsdefinition Geodaten 2.2.1 Geodaten Die von dieser Strategie zum Betrachtungsgegenstand erhobenen Geodaten sind grundsätzlich städtische Daten mit einem direkten oder einem indirekten räumlichen Bezug zu einem bestimmten Standort oder geografischen Gebiet . Geodaten können im Kontext von Datenschutz und Sicherheit in offene und schützenwerte, d.h. personenbezogene und die kritische Infrastruktur betreffende Geodaten unterschieden werden. Zum Zeitpunkt der Strategieerarbeitung werden ausschließlich offene Geodaten betrachtet. Diese stellen wiederum eine Teilmenge der bei den datenhaltenden Stellen, den Fachämtern der Wissenschaftsstadt Darmstadt, vorhandenen städtischen Datenmenge dar. Zu den kategorisierbaren Geodaten zählen sowohl zwei- und dreidimensionale Daten (2D, 3D), als auch Sensor- oder Echtzeitdaten mit räumlichem Bezug. Dies unterstreicht die Vielfältigkeit städtischer Geodaten in zudem unterschiedlichsten vorliegenden Datenformaten (u.a. shape, tab, dwg) oder -kategorien (Vektor- oder Rasterdaten) bei stark differierenden Datenqualitäten. 2.2.2 Offene Geodaten Als offene Geodaten werden in dieser Strategie Daten bezeichnet, die sich grundsätzlich auf geografische Daten beziehen, die frei verfügbar sind und von jedermann verwendet, analysiert und weiterverbreitet werden können. Sie sind damit Teilmenge der offenen Daten. Offene Daten sind umfassend in der Open-Data-Strategie der Wissenschaftsstadt Darmstadt3 beschrieben. Die nachstehenden Erläuterungen innerhalb dieses Kapitels sind dieser entnommen. Bislang existiert keine einheitliche Definition des Begriffs Open Data. Es besteht jedoch weitgehend Einigkeit über die Grundsätze offener Daten. International anerkannt ist die Definition der Open Knowledge Foundation: „Offene Daten sind Daten, die von jedermann frei verwendet, nachgenutzt und verbreitet werden können – maximal eingeschränkt durch Pflichten zur Quellennennung und dem Prinzip des „share-alike”4 5. Open Data beschreibt also ein Prinzip bzw. eine Kultur der Öffnung von Daten und des Zugangs zu Wissen. Die Art der Weiterverwendung ist dabei nicht beschränkt und kann von bloßer Information und Auswertung bis hin zu wirtschaftlicher Nutzung reichen. Davon ausgenommen sind persönliche Daten 6 oder Daten, die dem Datenschutz unterliegen. Offene Daten sind demnach Daten, die keinen Personenbezug aufweisen bzw. anonymisiert sind 3 Open-Data-Strategie der Wissenschaftsstadt Darmstadt vom 25.02.2021 4 „Share-alike“ heißt: Weitergabe unter gleichen Bedingungen: Daten dürfen nur unter unveränderten urheberrechtlichen Nutzungsmöglichkeiten geteilt werden. 5 Open Knowledge Foundation Deutschland, https://okfn.de/themen/open_data/ 6 Open Knowledge Foundation Deutschland, https://okfn.de/themen/open_data/ Geodatenstrategie 2025 für die Wissenschaftsstadt Darmstadt Seite 6 und deren Verarbeitung und Veröffentlichung nicht unter die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) fällt. Open Data können z.B. aus der Wissenschaft, der Wirtschaft oder auch von Privatpersonen stammen. Sind Datensätze der öffentlichen Hand (Politik, Verwaltung) gemeint, so spricht man von „Open Government Data“. Für Open Government Data hat sich eine Definition etabliert, nach der offene Verwaltungsdaten jene Datenbestände des öffentlichen Sektors sind, die von Staat und Verwaltung im Interesse der Allgemeinheit ohne jedwede Einschränkung zur freien Nutzung, zur Weiterverbreitung und zur freien Weiterverwendung frei zugänglich gemacht werden. 7 Für offene Daten und auch damit auch offene Geodaten der Wissenschaftsstadt Darmstadt gilt, dass sie möglichst einfach von vielen Nutzenden weiterverwendet (Mehrfachnutzung) werden können. 2.2.3 Metadaten Unter Metadaten werden einfach gesagt Daten zu den Daten oder zusätzliche datenbeschreibende Informationen zu Geodaten verstanden. Dies können beispielsweise die verwendete Mess- oder Erhebungsmethode (Aufnahmeverfahren), der Erfassungsanlass, Aufnahmezeitpunkt und Lokalität, Datenqualität, Abgaben zu Lizenz- Nutzungsbedingungen und viele weitere Informationen sein. Sie erschließen den Informationsgehalt zu Geodaten, klassifizieren diese und beinhalten Angaben, die zum Nachweis und Zugriff auf die vorhandenen Datenbestände erforderlich sind. 8. Erfasst in einem durchsuchbaren Geodatenkatalog wird die ergebnisorientierte Suche nach Geodaten (Herkunft, Titel, Schlüsselwörter), das heißt deren Auffindbarkeit gewährleistet. Metadaten beinhalten gewissermaßen strukturierte und standardisierte „Hintergrund- informationen“, welche die vielfältigen Merkmale von Datenbeständen beschreiben und dadurch den inhaltlichen Kontext (Kontextualisierungsfunktion) herstellen (Beschreibungs- und Erklärungsfunktion). Durch diese den Datensatz ergänzenden Angaben (z.B. Titel, Name der veröffentlichen Stelle / Datenquelle, Veröffentlichungsdatum) können Daten schnell gefunden und richtig eingeordnet werden. Darüber hinaus ermöglichen Metadaten durch ihre standardisierte Struktur, Geodatenbestände leichter miteinander zu verknüpfen und in komplexe Informationssysteme zu integrieren. Somit fördern sie die Interoperabilität und erleichtern die effiziente, ergebnisorientierte Suche über durchsuchbare Metadatenkataloge. Dies gewährleistet eine schnelle und gezielte Auffindbarkeit relevanter Geodaten für die Nutzenden9. 7 Vgl. Christian P. Geiger, Jörn von Lucke im 2010 publizierten Text „Open Government Data - Frei verfügbare Daten des öffentlichen Sektors“. 8 Vgl. de Lange, Geoinformatik in Theorie und Praxis, 2020 9 https://www.bmz.de/resource/blob/216820/kernthemenstrategie-frieden-und-gesellschaftlicher-zusammenhalt.pdf Geodatenstrategie 2025 für die Wissenschaftsstadt Darmstadt Seite 7 2.2.4 Standards / Normen Grundsätzlich erfordert die Digitalisierung ein Mindestmaß an Standardisierung, prozessorientierten Grundlagen und interoperable technische Infrastrukturen. Dabei sollen nach Möglichkeit offene Standards und Software auf der Basis von Open Source verwendet werden. Die Verwendung von offenen Standards und von Open Source Produkten verhindert Abhängigkeiten und führt zu mehr technologischer Souveränität. Software mit offenem Quellcode kann von allen eingesehen werden, wird dadurch sicherer und kann kontinuierlich zum besten Nutzen der Stadt weiterentwickelt werden. Abhängigkeiten von einzelnen Unternehmen werden dadurch vermieden. Die Kollaboration und der Austausch zwischen dem Bereich der kommunalen Verwaltung und der Stadtgesellschaft wird gefördert. Demnach müssen veröffentlichte Geodaten so zugänglich und lesbar sein, dass die Anschaffung von bestimmter, kostenpflichtiger Software entfällt und somit auch keine damit verbundenen Lizenzkosten entstehen. Zu den Standards gehört die Verwendung OGC-konformer Services und Standards (OGC: Open Geospatial Consortium), die Interoperabilität durch standardisierte Webservices herstellen. Zu diesen Services gehören die CSW – Catalog Services (Suchdienste), WMS – Web Map Service und WMTS – Web Map Tile Service (Darstellungs-/Visualisierungsdienste), WFS – Web Feature Services und WCS – Web Coverage Services (beides Downloaddienste). Aus dem Bereich Normung ist die DIN ISO 19115 zu nennen. Sie definiert einen international gültigen Standard zur Beschreibung geographischer Informationen und zugehöriger Dienstleistungen. Mit dieser Norm soll es ermöglicht werden, Geodaten anhand von Metadaten so zu beschreiben, dass damit ihre Eignung für bestimmte Anwendungszwecke beurteilt oder auch sinnvolle Präsentations- und Verarbeitungsmethoden abgeleitet werden können. Das Schema der ISO 19115 beinhaltet u.a. Informationen über den Inhalt, räumlich-zeitliche Bezüge, Datenqualität, Datenzugangsmöglichkeit oder Nutzungsrechte 10. Darüber hinaus sind die durch das technische Komitee Nr. 211 der ISO (ISO/TC 211) herausgegebenen Ergebnisse der Bearbeitung von Normenserien zu Geodaten-Standards von Bedeutung. Die Geodaten der Wissenschaftsstadt Darmstadt Die Geodaten der Wissenschaftsstadt Darmstadt werden für vielfältige Aufgabenstellungen in den verschiedenen Arbeitsprozessen der Ämter, Dienststellen und Eigenbetriebe benötigt und helfen der Stadt, erforderliche Entscheidungsprozesse (z.B. Bauleit-, Grünflächenplanung, Reaktionsmanagement im Krisenfall) zu beschleunigen. Sie werden durch die jeweiligen zuständigen Fachämter, die geodatenhaltenden Stellen der Wissenschaftsstadt Darmstadt, erhoben und aktualisiert. Die Datenerhebung und Speicherung erfolgt über verschiedene Fachanwendungen und auf verteilte Datenbanken. Zu räumlichen Datenanalysen, wie z.B. das Erstellen von thematischen Karten stehen unterschiedliche Geoinformationssysteme (GIS) zur Nutzung bereit. 10 https://de.wikipedia.org/wiki/ISO_19115 Geodatenstrategie 2025 für die Wissenschaftsstadt Darmstadt Seite 8 Diese heterogene Systemlandschaft führt dazu, dass die Geodaten und Geoinformationen unterschiedliche Datenformate aufweisen, teilweise redundant geführt werden und zum überwiegenden Teil nicht vernetzt sind. Dadurch ist der Datenaustausch stark eingeschränkt. Bislang existieren mehrere voneinander getrennte zentrale städtische Systeme, die raumbezogene Daten zusammen mit ihren Sachdaten visualisieren: das geografische Auskunftssystem (GMSC11) im Intranet der Stadtverwaltung und der Stadtatlas im Internet sowie ein Viewer für 3D-Geodaten. Darüber hinaus werden in der Stadtverwaltung zahlreiche historisch gewachsene und dezentral verteilte Anwendungssysteme auf Basis der Softwarelösung MapInfo genutzt. Ein direkter Zugriff auf die Originaldatensätze der Fachämter war bisher nicht vorgesehen, was zu ineffizienter und sogar dreifachen Datenhaltung führt. Aber auch in mittelbarer Zukunft werden nicht alle Daten der Fachämter vollständig über Dienste direkt eingebunden sein. Für einen Übergangszeitraum wird es doppelte Datenhaltungen (bei Fachämtern und GDI) geben. In der Langfristbetrachtung wird die generelle Abschaffung von Datenredundanzen angestrebt. In der folgenden Abbildung wird die gegenwärtige stark heterogene Ausprägung auf der die Geodaten verarbeitenden kommunalen Anwendungsseite hinsichtlich der verwendeten Fachsysteme, vorliegenden Datenformate und der realen Datenhaltungspraxis verdeutlicht. Abb. 1 Ist-Situation der Geodaten-Anwendungs-Ebene in der Stadtverwaltung Quelle: eigene Darstellung Zukünftig soll durch die Etablierung der GDI-DA die Bereitstellung und der Austausch harmonisierter und interoperabler Geodaten gefördert werden. Tägliche Arbeitsprozesse in den Fachämtern werden hierdurch unterstützt und besser vernetzt. Zentrale Aspekte wie Datenkooperation, -souveränität, -kompetenz und -zuständigkeit müssen dabei berücksichtigt werden. Zusätzlich gewinnt der Einsatz dreidimensionaler Geodaten in der Stadtverwaltung kontinuierlich an Bedeutung. Die technischen Möglichkeiten zur Erfassung, Verarbeitung und Visualisierung von 3D-Geodaten entwickeln sich stetig weiter und finden insbesondere in kommunalen 11 GMSC: GeoMediaSmartClient, Hexagon (2003) Geodatenstrategie 2025 für die Wissenschaftsstadt Darmstadt Seite 9 Verwaltungen verstärkt Anwendung. Insbesondere durch die Integration von Datenstrukturen, wie sie z.B. im Building Information Modeling (BIM) 12 verwendet werden, lassen sich raumbezogene Informationen nicht nur räumlich darstellen, sondern auch inhaltlich intelligent verknüpfen und nutzen. Diese fortschrittlichen 3D-Geodaten eröffnen vielseitige Chancen, etwa in der digitalen Stadtplanung, der Infrastrukturverwaltung, der kollaborativen Projektabwicklung oder bei Beteiligungsprozessen durch anschauliche Visualisierungen, die Bürgerinnen und Bürger aktiv einbinden. Durch diese Entwicklung kann das kommunale Handeln effizienter und transparenter gestaltet werden und die Interaktion zwischen Verwaltung und Bürgerschaft auf eine neue, partizipative Ebene gehoben werden. Ein Beispiel hierfür ist die Visualisierung neuer Bauvorhaben als interaktive 3D-Modelle 13, die online zugänglich gemacht werden, um Bürgerbeteiligung und Akzeptanz zu fördern. Ein zukunftsweisendes Konzept für die Stadtverwaltung ist auch die Weiterentwicklung des vorhandenen 3D-Stadtmodells in Richtung eines Urbanen Digitalen Geobasiszwillings (UDZ) mit der Möglichkeit, weitere fachspezifische Urbane Zwillinge anzuschließen. Ein UDZ ist ein virtuelles, semantisch angereichertes Abbild der realen Stadt, das unterschiedliche städtische Prozesse und Infrastrukturen digital vernetzt darstellt. Er basiert auf standardisierten Modell- und Datenstrukturen, wie sie in der DIN SPEC 91607 14 beschrieben sind. Für den generellen Umgang mit städtischen Geodaten fehlte jedoch bislang eine auf die stadtspezifischen Randbedingungen der Wissenschaftsstadt Darmstadt abgestimmte Geodatenstrategie. Diese dient dazu, eine allgemein gehaltene und in zeitlicher Hinsicht langfristig ausgelegte Vorgabe für vorgesehene Aktivitäten im Zusammenhang mit der Verarbeitung städtischer Geodaten zu liefern. Ihre Aufstellung wurde als Auftrag an die Projektgruppe AG GDI-DA formuliert. Auch in Darmstadt wurde erkannt, dass Daten generell als wesentliche Schlüsselressource und zunehmend auch als immaterielles Wirtschaftsgut verstanden werden 15 können. Es gibt eine generelle Verständigung darüber, diese Daten deshalb entsprechend zu behandeln und durch geeignete Formen ihrer Zurverfügungstellung grundsätzlich nutzbar zu machen, damit sie einen größtmöglichen Effekt hinsichtlich gesetzter Ziele einer Organisation generieren. Allgemein betrachtet werden von einem derartigen Ansatz sowohl Wirtschaftsunternehmen angesprochen, die vorrangig mehrheitlich offensive 16 Strategieansätze befolgen, als auch 12 BIM ist eine digitale Methode zur modellbasierten Planung, Ausführung und Bewirtschaftung von Bauwerken, bei der geometrische und semantische Daten in einem gemeinsamen Modell integriert werden. 13 Allerdings ist ein 3D-Stadtmodell nicht gleichbedeutend mit einem Urbanen Digitalen Zwilling. Es ist vielmehr ein Geodatenprodukt, das aus thematischen Geodatensätzen (Gebäude, Oberflächen, Topografie usw.) bestehen kann und stellt demnach eine Basis für verschiedene Zwecke wie z.B. Visualisierungen, Analysen oder Simulationen dar. (Jörg Lüthy, Der urbane digitale Zwilling der Stadt Zürich – Mehrwert für Gesellschaft und Verwaltung, avn / 132 (2025) 3 14 Die DIN SPEC 91607 erweitert das Prinzip der BIM-Methode auf den urbanen Maßstab und legt Rahmenbedingungen und Standards für UDZ in städtischen Umgebungen fest. Diese Norm dient dabei als Orientierung für die Entwicklung interoperabler digitaler Zwillinge im urbanen Raum. Im Zuge der Einführung einer modularen Plattformarchitektur gewinnt der digitale Zwilling zunehmend an Bedeutung, da er wichtige kommunale Prozesse und Systeme in einem umfassenden, miteinander verbundenen Modell zusammenführt. Dadurch werden Planung, Analyse und Steuerung städtischer Aufgaben verbessert. 15 Vgl. Gluchowski, Datenmanagement und Datenanalyse, 2024 16 So können Daten auch als wertvolle Ressource betrachtet werden, durch die sich ein Mehrwert generieren lässt, wobei unternehmerische Ziele wie z.B. die Steigerung der Profitabilität, eine verbesserte Wettbewerbsposition etc. verfolgt werden. Geodatenstrategie 2025 für die Wissenschaftsstadt Darmstadt Seite 10 kommunale Gebietskörperschaften, in denen wesentlich defensivere 17 strategische Ansätze präferiert werden. Der grundlegende Unterschied im „Geschäftsmodell“ der Organisation determiniert auch die Ausrichtung der Geodatenstrategie der Wissenschaftsstadt Darmstadt. Sie bietet die Chance, auf Basis einer Art datendemokratischen Informationsangebotes den Bedürfnissen von Stadtgesellschaft und -politik in Zukunft besser gerecht zu werden und ohne dabei deren Datenautonomie und -integrität aufzugeben. Mit anderen Worten lässt sich auch deutlich sagen: „Wenn man kein Modell hat, wie man diese Dateninfrastruktur verwaltet und was man damit tun kann, dann gibt man den vielleicht größten kollektiven Schatz einer Gesellschaft des Digitalzeitalters in die Hände von Privaten […]. Die Stadt verliert so langsam ihr Knowhow und ihre Fähigkeit, eine Gesellschaft in ihrem Sinne – und nicht im Sinne der Tech-Firmen – zu steuern und zu gestalten“18. 3. Vision und Auftrag Unter den gegebenen fachlichen, technischen und finanziellen Voraussetzungen ist zu bestimmen, was mit der Strategie zukünftig erreicht werden soll. Hierzu dient die Postulierung einer Vision für den Umgang mit den städtischen Geodaten. Damit soll eine langfristige und ambitionierte, aber erreichbare Vorstellung über die zukünftige Datensituation hergestellt werden. Die Wissenschaftsstadt Darmstadt gewährleistet mit einer stadtweit verbindlichen Geodatenstrategie die Einhaltung notwendiger Datenstandards und die Erfüllung gesetzlicher Anforderungen bei der Bereitstellung von qualitativ hochwertigen und zuverlässigen Geoinformationen. Diese Strategie unterstützt die städtische Verwaltung und Wirtschaft bei der Bereitstellung interoperabler Geoinformationen und Geodaten. Auf der Grundlage eines besseren Verständnisses für komplexe Zusammenhänge dient dies dazu, datenbasierte Entscheidungen zu treffen und somit die gesellschaftlichen Herausforderungen wie den Klimawandel, die Energiewende oder den demografischen Wandel durch gezielte Planung und Umsetzung von Maßnahmen anzugehen. Damit begleitet diese Strategie in zentraler Verantwortung die Verwaltungseinrichtungen, Ämter und Eigenbetriebe der Stadtwirtschaft auf dem Weg zur datenorientierten Kommune. Mit dem wachsenden Verantwortungsbewusstsein für ihre digitalen Geoinformationen, den klaren und einheitlichen Regelungen und Prozessen, der Verwendung offener Datenstandards und dem Einsatz einer modernen Geodateninfrastruktur sollen Innovationen angestoßen, demokratische Teilhabe gestärkt und nachhaltige Entwicklungen unterstützt werden. Die Anwendung der Strategie führt zu einer stärkeren Kooperation und Vernetzung zwischen der städtischen Verwaltung und ihren Partnern. 17 Vermeidung von Datenrisiken, Konzentration auf Daten-Themen wie z.B. Integrität, Standardisierung, Konsistenz, Sicherheit etc. Beide Ansätze schließen sich jedoch nicht gegenseitig aus, sondern es ist in der Praxis eher so, dass ein für die jeweilige Organisation geeigneter und vor allem ausgewogener Strategieansatz (zwischen defensiv und offensiv) gewählt wird. 18 Zitat: Francesca Bria, ChiefDigitalTechnology+Innovation Officer, Barcelona Geodatenstrategie 2025 für die Wissenschaftsstadt Darmstadt Seite 11 Hochqualifizierte Geodaten der Stadt können nun von den zuständigen Fachstellen optimal bereitgestellt, mehrfach genutzt und über die Geodateninfrastruktur zentral und schnell zugänglich gemacht werden. Durch ihre Interoperabilität 19 wird gewährleistet, dass sie einfach und standardisiert in verschiedenen Anwendungen oder Szenarien (Simulationen) wie z.B. im Urbanen Digitalen Zwilling eingebunden und genutzt werden. Sie leisten somit einen Beitrag auf dem Weg zu besseren Entscheidungen bei der Bewältigung der skizzierten gesellschaftlichen Herausforderungen. In Anlehnung an die Nationale Geoinformationsstrategie (NGIS 2.0) wird deshalb in diesem Zusammenhang auch davon gesprochen, dass Geoinformationen als wesentlicher digitaler Rohstoff einer digitalen Gesellschaft zu betrachten sind. Sie sollen als Grundlage für strategisches Planen, Entscheiden und Handeln in allen Lebensbereichen dienen. Zusammengefasst: Geodaten und Geoinformationen werden mittels standardisierter Geodatendienste und Netzdienste interoperabel zugänglich und mehrfach verfügbar gemacht. Sie sind somit nutzbringend und nachhaltig verwendbar. 4. Ziele Datenstrategien folgen mit ihrer Aufstellung regelmäßig zentralen Aspekten oder datenstrategischen Leitlinien der Kommunalentwicklung, entlang derer sich in einem weiteren Schritt die zu verfolgenden Ziele kategorisieren lassen. Zentrale Aspekte20 der Geodatenstrategie sind zum Beispiel: die Einhaltung von Festlegungen zur Datenzuständigkeit zentrale / dezentrale Strukturen, zentrales Rollenmodell die Förderung von Datenkooperation klare Strukturen der Zusammenarbeit, Schnittstellen intern: zur Kommune / -extern: zu verschiedenen Akteuren die Ermöglichung von Datenkompetenz Schulungen Personal, Organisations- und Führungskultur, Bildung einer zentralen datenkompetenten Stelle zum internen Wissensaufbau die Herstellung / Gewährleistung von Datensouveränität Standards, Schnittstellen, Datennutzungsrechte 19 Vgl. de Lange, Geoinformatik in Theorie und Praxis, 2020 Interoperabilität umschreibt die Fähigkeit, auf verteilte Datenressourcen zuzugreifen und die Daten nutzen zu können, die in unterschiedlichen Softwaresystemen erzeugt werden, in verschiedenen Datenformaten vorliegen und die unterschiedlich modelliert sein können. Interoperabilität ist Datenaustausch und Datennutzen über Systemgrenzen. 20 Vgl. Datenstrategien in Kommunen, Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung, BBSR Geodatenstrategie 2025 für die Wissenschaftsstadt Darmstadt Seite 12 Die Ziele der Geodatenstrategie der Wissenschaftsstadt Darmstadt orientieren sich einerseits an den vorgenannten Aspekten, jedoch auch an Zielen der unterschiedlichen Stakeholder 21 im städtischen Umfeld. Aus einer Erfahrungsanalyse22 von mehreren mit Darmstadt vergleichbaren Kommunen (sog. best practices) resultiert ein breites Spektrum von möglichen Zielen. Die verschiedenen Stakeholder verfolgen naturgemäß jeweils eigene Zielperspektiven. Insgesamt bietet sich die Ableitung geeigneter Zielkategorien an, durch die die Berücksichtigung mehrerer Zielperspektiven deutlicher wird. Zielkategorisierung Aus den vorgenannten Leitlinien ist ein breites Spektrum an denkbaren Zielen ableitbar. Um den Fokus jedoch auf einen erreichbaren Zielkatalog und damit auf die kommunale Anwendbarkeit zu legen, bietet sich die Bildung von Zielkategorien an. Als Zielkategorien für eine Geodatenstrategie der Stadt haben sich kommunale Ziele, das heißt Ziele aus städtischer Sicht sowie Basis- oder Kernziele einer Geodatenstrategie herauskristallisiert. Darüber hinaus gibt es besondere Ziele, die es ebenfalls zu verfolgen gilt. 4.1.1 Basisziele Unter Basis- oder Kernzielen sind Ziele zusammengefasst, die einen allgemeinen Charakter haben. Mit ihnen wird beschrieben was mit der Geodatenstrategie grundsätzlich erreicht werden soll. Für die Wissenschaftsstadt Darmstadt wurden die folgenden Basisziele erarbeitet: Interoperabilität, Standardisierung, Transparenz Effizienzsteigerungen durch Mehrfachnutzung der Geodaten (Synergien, Netzwerkeffekte, Redundanzvermeidung, Bewältigung exponentiellen Datenaufkommens) Innovationsförderung Sicherstellung von Datenqualität und -aktualität unter Einhaltung definierter Standards und rechtlicher Rahmenbedingungen Erhöhung der Datenkompetenz 4.1.2 Ziele aus kommunaler/städtischer Sicht (adressierte Ziele) Neben den Basiszielen wurden kommunale Ziele definiert. Diese Ziele sprechen die Vorstellungen der kommunalen und lokalen Stakeholder an. Zu ihnen gehören die Darmstädter Bürgerinnen und Bürger, die städtische Wirtschaft (Kommunale Unternehmen, lokale IT- Dienstleister) und Verwaltung, die lokale Wissenschaft und Forschung und allgemein die Stadt- 21 Zivilgesellschaft (Bürger, Interessengruppen, Vereine, Verbände), Forschung und Wissenschaft, Verwaltung (Ämter, V.-Stellen), Politik (Politische Entscheidungsträger, Gremien), Wirtschaft (Privatwirtschaft, kommunale Wirtschaft einschließlich Eigenbetriebe der Stadt), Wissenschaft (Innovationstransfer) 22 Mittelzentren Soest, Bergisch Gladbach, Freiburg, aber auch Oberzentren Frankfurt, Stuttgart Geodatenstrategie 2025 für die Wissenschaftsstadt Darmstadt Seite 13 gesellschaft, wozu auch lokale Vereine und Verbände oder die Lokalpolitik gehören. Die Ziele können daher auch als adressierte Ziele angesehen werden. Ziele aus kommunaler Sicht sind: Die Förderung der Attraktivität und Wettbewerbsfähigkeit des Standortes, was sich in attraktiven Standortfaktoren, verbesserten Positionen bei periodischen Rankings widerspiegelt und u.a. durch die Anwendung eines Data Driven Government 23 erreicht werden kann, die Herstellung von datenbasierten Grundlagen für Nachhaltigkeit, Umweltschutz, Widerstandsfähigkeit (Krisensicherheit, Resilienz), die Sicherung der Zukunftsfähigkeit (Stadtverwaltung der Zukunft), die Bewältigung des Strukturwandels, die Etablierung eines städtischen Datenökosystems, die Förderung von Teilhabe (Partizipation) 4.1.3 Besondere Ziele Zu den besonderen Zielen, die mit der Geodatenstrategie verfolgt werden sollen, zählen die Gewährleistung eines hohen Maßes an Datensicherheit und Datenschutz im Sinne eines Qualitätsmerkmals. Ein weiteres wesentliches strategisches Ziel ist die Förderung einer gelebten Datensouveränität. Dabei geht es vor allem um die Schaffung eines Verantwortungsbewusstseins für die zu veröffentlichenden Geodaten. Denn ein selbstbestimmtes Handeln und Entscheiden im Umgang mit Daten geht über eine offene Bereitstellung von städtischen Verwaltungsdaten hinaus. Folgende Überlegungen sind für das strategische Ziel Datensouveränität relevant: Summe aller Fähigkeiten und Möglichkeiten von Individuen und Institutionen, ihre Rolle(n) in der digitalen Welt selbstständig, selbstbestimmt und sicher ausüben zu können, in die Betrachtung einbeziehen (kennen, pflegen, aktiv managen), Berücksichtigung verschiedener Ebenen: Bürger / Verwaltung / Stadtwirtschaft, Schaffung vertraglicher Regelungen zur rechtlichen und wirtschaftlichen Verfügungsgewalt über kommunale Daten, stärkt Kommunen als Nutzer / Bereitsteller / Auftraggeber (definierte Standards, einheitliche Nutzungsbedingungen, Schnittstellen), Berücksichtigung, dass eine respektierte Datenhoheit die Handlungsfähigkeit und die Daseinsfürsorge der Kommune stärkt (Standortfaktor, kommunale Datenkompetenz), Gewährleistung eines barrierefreien Zugangs (einfacher und effizienter Datenzugang) zum Angebot durch Standards, Schaffung vernetzter Datenquellen und die Dienste basierte Sichtbarmachung (Transparenz, Metadaten) ihrer Nutzung. 23 Data Driven Government (DDG): datenbasierte Verwaltung, das Fällen von Verwaltungs- oder Regierungs- entscheidungen auf Grundlage von Datenanalysen. Voraussetzung hierfür ist ein funktionierendes Datenmanagement. Geodatenstrategie 2025 für die Wissenschaftsstadt Darmstadt Seite 14 Abgrenzung Nichtziele Im Gegensatz zu denen in 4.1. genannten Zielen sollen die nachstehend aufgeführten Punkte mit der Geodatenstrategie ausdrücklich nicht verfolgt werden: Aufbau von Datensilos (mehrfache Datenhaltung) interne / externe Datenmonopolisierung (Abgrenzung zu bisheriger kommerzieller Praxis, zentrale Erfassung und Pflege der Geodaten bei einer einzelnen Stelle) weitere Überwachung, Ausübung von Kontrolle Erhöhung der Komplexität Verfolgung nur kurzfristig wirksamen Lösungen Einführung der Technologie um ihrer selbst Willen Begehung von strategischen Irrtümern: eine einzige Strategie löst alle Probleme 5. Maßnahmen zur Zielerreichung Zur Erreichung der vorgenannten strategischen Ziele werden anwendbare Maßnahmen benötigt, deren Wirksamkeit anhand von definierten Kriterien sichergestellt werden soll. Bezogen auf eine Langfristbetrachtung bedeutet dies, dass die Summe aller aus den gesetzten Zielen abzuleitenden Maßnahmen im Idealfall für messbare Ergebnisse wie in der nachfolgenden Aufzählung sorgen. Anwendungsergebnisse abgeleiteter Maßnahmen 24 fördern die kommunalen Digitalisierungs- bestrebungen bei der Verwendung von Geodaten, denn es werden E-Government-Prozesse unterstützt, entsteht ein Mehrwert durch einen einfachen und zentralen Zugang zu den Geodaten, werden kommunale Entscheidungen auf Basis aktueller Informationsgrundlagen getroffen, liegen harmonisierte Geodatenbestände vor, werden Geodaten über einen Katalog auffindbar und transparent, können Geodaten mehrfach genutzt werden, wird ein Qualitätsmanagement der vorhandenen Geodaten möglich. Um die aus den Zielkategorien abgeleiteten Einzelziele für die Stadt nutzbringend umzusetzen, ist die Herstellung einer in technischer und fachlicher Hinsicht geeigneten (einheitlichen) 24 best practice am Beispiel der Stadt Frankfurt am Main Geodatenstrategie 2025 für die Wissenschaftsstadt Darmstadt Seite 15 Geodateninfrastruktur Darmstadt 25 (GDI-DA) als Grundvoraussetzung im Sinne einer strategischen Anforderung vorgesehen. Die GDI-DA dient der effizienten Bereitstellung interoperabler städtischer Geodaten der geodatenhaltenden Stellen (Fachämter) mittels Geodatendiensten einschließlich der zu- gehörigen Metadaten auf einem kontinuierlich verfügbaren Geoportal 26. Die grundsätzlich notwendigen Komponenten und Rahmenbedingungen einer GDI sind in der folgenden Abbildung dargestellt: Abb. 2 Komponenten und Rahmenbedingungen einer Geodateninfrastruktur Quelle: Architektur der GDI-DE, Ziele und Grundlagen, Arbeitskreis Architektur GDI-DE, 2024, Vers. 4.01, www.gdi-de.org Als Antwort auf diese strategische Anforderung werden im Kontext des Aufbaus der Geodateninfrastruktur organisatorische, fachliche und technische Maßnahmen zur Anwendung gebracht. Damit verbunden sind der Aufbau von neuen Prozessstrukturen sowie die Inkraftsetzung zusätzlicher städtischer Vereinbarungen und Regelungen. Die auf die jeweiligen Kategorien verteilten Maßnahmen sind im Maßnahmenkatalog zusammengefasst. 25 Mit der Magistratsvorlage (Vorlage-Nr. 2021/0175) vom 16.06.2021 hat der Magistrat dem Aufbau einer einheitlichen Geodateninfrastruktur Darmstadt zugestimmt. 26 Dieses Portal wird in einer externen Cloud betrieben und gehostet. Geodatenstrategie 2025 für die Wissenschaftsstadt Darmstadt Seite 16 Abb. 3 Übersicht von Maßnahmen (Maßnahmenkatalog) Quelle: eigene Darstellung Organisatorische Maßnahmen Einen grundlegenden Schwerpunkt einzuleitender Maßnahmen zur Zielerreichung bilden Maßnahmen mit organisatorischem Charakter. Basis hierfür ist die Einhaltung eines bestimmten Rollenverständnisses unter den beteiligten Organisationseinheiten. Eine damit in engem Zusammenhang stehende Maßnahme stellt die Einrichtung der Koordinierungsstelle GDI-DA dar. 5.1.1 Rollenverständnis Unter der Berücksichtigung der in der Stadtverwaltung bereits vorhandenen Strukturen ist die Schaffung, Förderung und Einhaltung eines einheitlichen Rollenverständnisses, einem Agreement über die Art und Weise der Zusammenarbeit beim Aufbau sowie der späteren Nutzung der GDI essentiell. Zu den hauptsächlich von diesem Rollenverständnis erfassten derzeitigen Organisationseinheiten zählen das Vermessungsamt (62), Lenkungsgremium GDI-DA, Koordinierungsstelle GDI-DA, das Amt für IT (18), Lenkungsgremium GDI-DA, die geodatenhaltenden Stellen (Fachämter/Verwaltungsstellen/Eigenbetriebe), jeweilige Geodaten-Koordinatoren, das Amt für Interne Dienste (10), Organisationsabteilung, die städtischen Beauftragten für Open Data sowie für Datenschutz. Zur Bewältigung des Aufbaus der GDI-DA wurde Geodatenstrategie 2025 für die Wissenschaftsstadt Darmstadt Seite 17 ein Lenkungsgremium GDI-DA zur Führung und Steuerung der Koordinierungsstelle und als zentrale Ansprechpartner, die Koordinierungsstelle GDI-DA selbst sowie die AG GDI-DA als ämterübergreifende und projektbegleitende Arbeitsgemeinschaft, die zugleich eine integrierende Funktion innerhalb der Stadtverwaltung einnimmt geschaffen, um den Aufbau der Geodateninfrastruktur zu gewährleisten. Die nachstehende Abbildung verdeutlicht diesen Zusammenhang und bezieht zusätzlich die zukünftigen internen und externen Nutzer der GDI-DA mit ein. Abb. 4 Rollenverständnis Quelle: eigene Darstellung 5.1.2 Koordinierungsstelle GDI-DA Die Koordinierungsstelle GDI-DA im Vermessungsamt ist federführend für die Geodateninfrastruktur in der Wissenschaftsstadt Darmstadt zuständig und direkt dem Lenkungsgremium GDI-DA unterstellt. Dessen Vorsitz bilden die jeweiligen Amtsleitungen des Vermessungsamtes und des Amtes für IT. Die Koordinierungsstelle GDI-DA koordiniert alle Prozesse und Verfahren, die mit der Bereitstellung interoperabler Geodaten verbunden sind. In Geodatenstrategie 2025 für die Wissenschaftsstadt Darmstadt Seite 18 diesem Zusammenhang berät sie fachlich und koordinierend alle Fachämter, Verwaltungsstellen und Eigenbetriebe zu Fragen hinsichtlich der Bereitstellung von interoperablen Geodaten. Zusammenfassend werden zu den Maßnahmen organisatorischer Art die Einrichtung der Koordinierungsstelle GDI-DA (KST GDI-DA im Vermessungsamt) sowie einem zugehörigen Lenkungsgremium GDI-DA unter der Führung durch das Vermessungs- amt und dem Amt für IT, die Implementierung der AG GDI-DA unter Beteiligung der KST GDI-DA, Vertretern vom Amt für IT, Organisationsabteilung, den Beauftragten für Open Data sowie Datenschutz, Fachämtern, Personalrat sowie die Schaffung von Koordinatoren für die GDI-DA bei den geodatenhaltenden Stellen (zentrale Ansprechpartner in den jeweiligen Fachämtern) unter Wahrung eines vereinbarten Rollenverständnisses gezählt. Städtische Vereinbarungen und Regelungen Neben der einzuführenden Geodatenstrategie selbst müssen alle mit ihr in Zusammenhang stehenden bereits festgelegten und noch zu treffenden städtischen Regelungen und Vereinbarungen im Maßnahmenkatalog berücksichtigt werden. In der kommunalen Praxis sind dies Hausmitteilungen, Rundverfügungen, Dienstanweisungen, aber auch beispielsweise Handreichungen für die jeweiligen geodatenhaltenden Stellen. Hierzu ist eine begleitende Kommunikation erforderlich, um die Akzeptanz durchzuführender Maßnahmen innerhalb der städtischen Verwaltung zu unterstützen. Für die Förderung der Kommunikation mit internen und externen Netzwerkpartnern sind ebenfalls regelnde und einheitliche Vorkehrungen wie z.B. Leitfäden oder Anwendungsvereinbarungen durch die Koordinierungsstelle GDI-DA zu treffen. Um die Akzeptanz in der Öffentlichkeit weiter zu stärken und Informationen zielgerichtet bereitzustellen, sind auch marketingbezogene Maßnahmen zu entwickeln, beispielsweise der Aufbau eines abgestimmten Internetauftritts oder einer themenspezifischen Landingpage. Zu den städtischen Regelungen zählen insbesondere die Geodatenstrategie, Hausmitteilungen, Rundverfügungen und Dienstanweisungen, Handreichungen, Kommunikation / Netzwerk / Kooperation intern/extern. Für den Fall einzugehender Datenkooperationen mit Dritten sind klare Strukturen der Zusammenarbeit durch standardisierte Kooperationsverträge (Data- Sharing Agreements) sowie Schnittstellen zu weiteren Kommunen und zu externen Akteuren Geodatenstrategie 2025 für die Wissenschaftsstadt Darmstadt Seite 19 zu definieren. Die Zusammenarbeit mit bestehenden kommunalen Dienstleistern kann die Gestaltung von Datenkooperationen erleichtern. Aufbau neuer Prozessstrukturen Um die GDI-DA innerhalb der kommunalen Prozessstrukturen zu integrieren, sind völlig neue prozessorientierte Workflows aufzustellen und zu etablieren Der Aufbau der GDI-DA ist deshalb mit der stadtweiten Etablierung einer Reihe neuer und nachstehend beispielhaft aufgeführter Prozesse fachlicher und technischer Art verbunden. Fachliche Prozesse Bereitstellung interoperabler Geodaten über die GDI-DA, Technisches und administratives Monitoring (qualitatives/quantitatives Nutzencontrolling), Langzeitspeicherung von Geoinformationen, Erfassung von hochwertigen Geodaten (Vorgaben für die geodatenhaltenden Stellen), Qualitätssicherung hochwertiger Geodaten (Einhaltung bestimmter Qualitätsstandards). Technische Prozesse Dienste-Erstellung, Metadatenerfassung, Datenbankerstellung- und Aktualisierung, Zugang zu den Geodaten, Rollenmanagement (rollenbasiertes Berechtigungskonzept), Störungsmanagement. Parallel zum Aufbau neuer Prozessstrukturen ist zu prüfen, ob bisherige technisch/ organisatorische Strukturen oder Verfahren redundant sind und möglichst frühzeitig ersetzt werden können. Grundsätzlich ist sicher zu stellen, dass alle Implementierungen hinsichtlich der Bereitstellung von interoperablen Geodaten die Vorgaben der GDI-DA einhalten müssen. Fachliche Maßnahmen Bei den Maßnahmen fachlicher Art sind die nachstehenden Aspekte relevant: Festlegung von einheitlichen Bedingungen (Lizenzen und Nutzungsbedingungen) für städtische Geodaten, Regeln und Standards für die Erfassung interoperabler Geodaten (Formate, Metadaten, Bereitstellung standardisierter Geodatendienste), Monitoring und Berichterstattung, Geodatenstrategie 2025 für die Wissenschaftsstadt Darmstadt Seite 20 Sensibilisierung und Aufbau von Wissen (Training, Kompetenzaufbau), Gewährleistung der Einhaltung gesetzlicher Vorgaben (Datenschutz 27, INSPIRE, HVD 28 DVO), Erstellung von Leitfäden und Handreichungen sowie Dokumentationen, Bedarfsweiser Aufbau von standardisierten Schnittstellen und Verlinkungen zu vorhandenen Portalen der Stadt29 (z.B. zum städtischen Open Data Portal), Förderung von Strukturen, die ein wirksames Datenmanagement gewährleisten: Das bedeutet, interoperable Geodaten sind auf transparentem Wege in hoher Geodatenqualität bereitzustellen. Der Zugang und die Auffindbarkeit zu diesen Daten und ihre Erreichbarkeit müssen barrierefrei und offen sein. Die Beschreibung der Geodatenqualität erfordert die Formulierung von objektiven und prüfbaren Kriterien. Angewendet bedeutet dies die Definition eines Qualitätslevels für ein aufzubauendes Geodaten-Qualitätsmanagement mit prüfbaren Kriterien. Demnach können die zehn wichtigsten Datenqualitätselemente durch die nachstehenden Punkte abgebildet werden: - Zugänglichkeit, - Aktualität, - Vollständigkeit (redundanzfrei), - Thematische Genauigkeit, - Datenstrukturelle Eignung, - Interpretationssicherheit, - Logische Konsistenz, - Relevanz, - Geometrische Genauigkeit, - einfache Nutzungsbedingungen (einfaches Preismodell/kostenfrei). Ein nach diesen Kriterien effizient arbeitendes Datenmanagement ist in der Lage, den Herausforderungen eines erwartbaren exponentiellen Datenaufkommens, kürzer werdenden Datenlebenszyklen sowie steigenden Anforderungen aufgrund gesetzlicher Vorgaben gerecht zu werden. Technische Maßnahmen Zu diesen Maßnahmen werden die technischen Teilmaßnahmen des Aufbaus und der Implementierung der GDI-DA sowie die auf Open Source-Technologie basierende Bereitstellung geeigneter IT-Lösungen gezählt. Hinzu kommen Maßnahmen, die in den Bereichen Datenhaltung, -speicherung und -harmonisierung wirksam werden. Nicht zuletzt zählen zu den 27 Angestrebt werden zudem neue Lösungsfindungen im Datenschutz: z.B. eine zukünftige Kombinierbarkeit Thematischer Karten mit Katasterdaten unter Ausschluss der Personenbeziehbarkeit. Es gilt dabei einheitliche Auslegungen für bestimmte Anwendungsfälle zu definieren, um die Belange des Datenschutzes als auch die des öffentlichen Interesses bestmöglich zu berücksichtigen. 28 High Value Datasets – hochwertige Datensätze, Bereitstellung und Organisation gemäß HVD DVO 29 z.B. Datenplattform Digitalstadt Darmstadt, Open Data Portal Geodatenstrategie 2025 für die Wissenschaftsstadt Darmstadt Seite 21 technischen Maßnahmen auch die Erstellung von technischen Dokumentationen und die Automatisierung von Workflows. Aufbau und Implementierung der GDI-DA Geoportal (Zugang zu den Geodaten), Geodatenkatalog (Metadatenkatalog), Geoserver (Bereitstellung standardisierter Geodatendienste), Datenbank. Bereitstellung geeigneter IT-Lösungen möglichst auf Basis von Open Source zur Geodatenerfassung, -aufbereitung und -transformation, zur Realisierung von GIS-Anwendungen, für 3D-Geodaten, für digitale Zwillinge (z.B. BIM und UDZ). Aufsetzen strategiekonformer Systeme zur Datenhaltung und -speicherung, Datenharmonisierungstools. Betrieb der GDI-DA als Cloud Lösung BSI (Bundesamt für die Sicherheit in der Informationstechnik) und DGSVO konformes externes Hosting Erstellung von technischen Dokumentationen Systemarchitektur Automatisierung von Workflows Metadaten, Aktualisierung, Speicherung, Sicherung. Geodatenstrategie 2025 für die Wissenschaftsstadt Darmstadt Seite 22 6. Organisatorische Umsetzungen Nachdem die erarbeitete Strategie in den zuständigen Gremien vorgestellt und bestätigt wurde, ist eine Verankerung und Verabschiedung der Strategie im Sinne einer Projektabnahme vorgesehen. Damit kann die Geodatenstrategie auch formell durch den Magistrat der Wissenschaftsstadt Darmstadt in Kraft gesetzt werden. Für die zeitliche Gültigkeit der Strategie wird in einem ersten Schritt eine Laufzeit von 4 Jahren empfohlen. Nachdem die Inkraftsetzung der Strategie erfolgt ist, wird ein Prozess der regelmäßigen Strategiefortschreibung im Sinne eines kontinuierlichen Verbesserungs- managements angestoßen. Die erste geplante Revision und Fortschreibung der Strategie ist im Jahr 2029 vorgesehen. Für die stadtweite Einführung und Umsetzung der Geodatenstrategie wird eine organisationssensible Herangehensweise empfohlen. Grundsätzlich gilt dabei für alle Beteiligten die Einhaltung der Einnahme von definierten Rollen (siehe 5.1.1. Rollenverständnis). Die Kommunikation in kontinuierlichen Abstimmungsprozessen zwischen den Rollenträgern ist eine Voraussetzung für den Implementierungserfolg. Mindestens kurz- bis mittelfristig wird in diesem Kontext eine geeignete stadtweite Aufklärungsarbeit zu leisten sein. Begleitet werden muss diese durch die konsequente Hervorhebung des Nutzwertes einer erfolgreich umgesetzten Geodatenstrategie30. Ein wesentlicher Aspekt bei der Anwendung aller mit der Geodatenstrategie einhergehenden Digital-Themen ist die Vermittlung von Fachwissen im Umgang mit Geoinformationen innerhalb der städtischen Verwaltung. Im Mittelpunkt steht dabei die Förderung und Generierung des hierfür notwendigen Know-hows und der digitalen Kompetenzentwicklung bei den Anwendern. Für den notwendigen Wissensaufbau und die Erarbeitung einer hinreichenden Datenkompetenz (z.B. durch Fortbildungen / Schulungen, Unterstützung durch ein aufzubauendes städtisches Wiki GDI-DA und weitere zielgerichtete Maßnahmen 31) sind für die zu unterstützenden Ämter bedarfsorientierte Angebote zu erstellen. Dies alles dient dem Ziel, die Transparenz und Akzeptanz seitens der Fachämter zu fördern. Durch die Benennung von GDI-Koordinatoren bei den jeweiligen geodatenhaltenden Stellen besteht für die Fachämter zudem die Möglichkeit, eigene Kompetenz aufzubauen, zu bündeln sowie zielgerichtet mit der Koordinierungsstelle GDI-DA Kontakt aufzunehmen. Darüber hinaus können sie bei Bedarf in der AG GDI-DA mitwirken bzw. zur Erörterung fachlicher Fragen eingeladen werden. Über die AG GDI-DA als Medium für den fallbezogenen und regelmäßigen fachlichen Austausch und Kommunikation besteht für sie das Angebot Feedback zu geben und für sie relevante Themen zu platzieren. Die Koordinierungsstelle GDI-DA ist ihrerseits durch kontinuierliche Netzwerkarbeit und aktive Mitgliedschaften32 bestrebt, dafür zu sorgen, dass neben der Bereitstellung einer auf Internet- Technologie basierenden GDI-DA der Transfer von Fachwissen zwischen den städtischen Verwaltungsebenen gefördert und vereinfacht wird. 30 z.B. mit Synergieeffekten verbundene Einsparung von Kosten durch die Kombination von Datenautonomie bei den geodatenhaltenden Stellen und einer zentralen GDI-DA für alle Querschnittsaufgaben 31 Die Bereitstellung von Bildungsangeboten für die städtische Verwaltung verfolgt das Ziel der Schaffung einer „Daten“- kompetenten Verwaltung und Zivilgesellschaft und fördert gleichzeitig die urbane Datenökonomie. 32 z.B. in der Implementierungspartnerschaft Masterportal sowie Austausch in der GDI Hessen, regional GDI Südhessen Geodatenstrategie 2025 für die Wissenschaftsstadt Darmstadt Seite 23 Für eine zukünftige und vor allem einheitliche Bereitstellung von Geodaten sind verwaltungsübergreifende Regelungen zu erarbeiten und zu etablieren 33. Demnach sind alle Ämter und Einrichtungen, die Geodaten erheben und nutzen, durch Vereinbarungen an Standards zu binden bzw. bereits bei der Erarbeitung der Standards und Vorgaben einzubinden. Das heißt in solchen Fällen, wie auch bei allen anderen mit Geodaten in Verbindung stehenden Neuprojekten ist die Koordinierungsstelle GDI-DA rechtzeitig anzusprechen und zu informieren. Nach dem für Ende des Jahres 2025 vorgesehenen Abschluss der fachlichen und technischen Implementierung der GDI-DA, wird diese zukünftig für den zentralen Zugang zu den interoperablen Geodaten der Stadt sorgen. 7. Ausblick Ausblick der Geodatenstrategie aus kommunaler Sicht Die Geodatenstrategie der Wissenschaftsstadt Darmstadt verfolgt das Ziel, kommunale Geoinformationen als zentralen digitalen Rohstoff für eine zukunftsfähige Gesellschaft zu etablieren. Sie fördert die transparente Bereitstellung und effiziente Nutzung raumbezogener Daten in Verwaltung, Wirtschaft und Wissenschaft. Durch offene Datenformate, moderne IT- Infrastrukturen, klare rechtliche Rahmenbedingungen und einheitliche Prozesse sollen Innovationen angestoßen, demokratische Teilhabe gestärkt und nachhaltige Entwicklungen unterstützt werden. Die Strategie setzt auf Kooperation zwischen den städtischen Fachämtern und ihren Partnern sowie auf die regionale Vernetzung, um Herausforderungen wie den Klimawandel, eine wachsende Mobilität und ein zunehmendes Krisenmanagement datenbasiert zu bewältigen. Mit Hilfe der Geodatenstrategie soll eine Verbesserung in folgenden Handlungsfeldern erzielt werden: Digitale Daseinsvorsorge stärken Hochqualifizierte Geodaten werden zur Grundlage für Planung, Steuerung und Entscheidungsfindung in Bereichen wie Infrastruktur, Mobilität, Umwelt und Bildung. Die Wissenschaftsstadt Darmstadt kann datenbasiert auf Herausforderungen wie Klimawandel, demografischen Wandel oder Energiewende effizienter reagieren. Effizienz und Transparenz in der Verwaltung Durch die Integration von Geodaten in Verwaltungsprozessen werden Abläufe optimiert und Entscheidungen nachvollziehbar. Bürgerinnen und Bürger erhalten über Geoportale und digitale Zwillinge direkten Zugang zu relevanten Informationen (z. B. Bebauungspläne, Baustellenübersicht). 33 Dies kann in einer mehrschichtigen Form aus Rundverfügung, Prozessablauf zur Aufnahme und zum Austausch interoperabler Geodaten einschließlich Erfassungsformularen zur Bereitstellung von Metadaten und erklärenden Handlungsempfehlungen erfolgen. Geodatenstrategie 2025 für die Wissenschaftsstadt Darmstadt Seite 24 Datensouveränität und Kompetenzaufbau Kommunen streben nach Kontrolle über ihre Daten durch klare Zuständigkeiten, Standards und Schnittstellen. Der Aufbau von Datenkompetenz in der Verwaltung wird zur Schlüsselaufgabe – etwa durch Schulungen und zentrale Datenmanagement-Einheiten. Interkommunale und externe Kooperationen Zusammenarbeit mit anderen Kommunen, Dienstleistern und Forschungseinrichtungen ermöglicht Synergien und nachhaltige Datenzugänge. Standardisierte Datenkooperationen (z. B. Data-Sharing Agreements) erleichtern die Integration externer Datenquellen. Bürgernähe und Partizipation Geodaten fördern die Bürgerbeteiligung durch visuelle Aufbereitung komplexer Themen (z. B. Stadtentwicklung, Verkehrsplanung). Digitale Werkzeuge wie interaktive Karten oder Apps stärken die Mitwirkung und das Vertrauen in kommunalen Entscheidungen. Zusammenfassend bedeutet dies: Unsere Kommune entwickelt sich zu einem aktiven Datenakteur. Die Geodatenstrategie bietet uns die Chance, unsere Rolle in der digitalen Transformation zu stärken, unsere Leistungen zu verbessern und die Lebensqualität in der Wissenschaftsstadt Darmstadt nachhaltig zu erhöhen. Bei einer konsequenten Umsetzung der vorliegenden Geodatenstrategie kann sich die Wissenschaftsstadt Darmstadt einen der vorderen Plätze in bundesweiten Wettbewerben sowie bei der Bewältigung der Zukunftsaufgabe Digitalisierung städtischer Verwaltungen sichern. Die integrierte Geodateninfrastruktur und die Vernetzung mit einem zukünftigen Urbanen Digitalen Zwilling unterstützen zukunftsweisende Projekte der Smart City Darmstadt, verbessern die Lebensqualität der Bürgerinnen und Bürger und fördern eine nachhaltige und vernetzte Stadtentwicklung. Geodatenstrategie 2025 für die Wissenschaftsstadt Darmstadt Seite 25 8. Glossar (Schlüsselwörter) Data Governance (Gluchowski, Datenmgt. u. -analyse, Springer, 2024) Auf Grundlage einer (Geo)Datenstrategie definiert sich Data Governance als Summe verbindlicher Vorgaben für die Aufbau- und Ablauforganisation beim grundsätzlichen Umgang mit (Geo)Daten. Dies drückt sich in Regeln, Prozessen sowie Verantwortlichkeiten und Zuständigkeiten aus. Geodaten (J. Klaus (Hrsg.), Geomatik, Springer, 2023) Geodaten bezeichnen alle Daten, die einen direkten oder indirekten räumlichen Bezug zu einem bestimmten Standort haben. Umgangssprachlich bedeutet Raumbezug eine eindeutige Lage von Objekten innerhalb eines Raumes. Sie bestehen aus Geobasisdaten und Geofachdaten. Beide Typen besitzen Metadaten, als beschreibende Informationen über die vorliegenden Geodaten. Während ein direkter Raumbezug üblicherweise über Koordinaten hergestellt wird, kann ein indirekter Bezug beispielsweise durch eine Adresse oder eine statistische Einheit gegeben sein. Die Bereitstellung und Speicherung von Geodaten sind zeitlich versioniert und dauerhaft sicherzustellen (GDI-DE). Offene (Geo)Daten / Open Data Offene Daten sind Daten, die von den Usern frei benutzt, weiterverwendet und geteilt werden können. Beschränkungen bestehen lediglich in der Verpflichtung der Nennung der/des Urhebers. Von international anerkannten Organisationen wurden Prinzipien und Empfehlungen entwickelt, die Regierungen und Verwaltungen dabei helfen sollen, ihre Datenbestände für die Allgemeinheit zu öffnen. Als Standard für Open Data gelten die 10 Prinzipien der Sunlight Foundation34. Diese Prinzipien stellen grobe Zielwerte dar und folgen den nachstehenden der Open-Data-Strategie der Wissenschaftsstadt Darmstadt entnommenen Grundsätzen: 1. Keine dem Datenschutz unterliegenden / keine personenbezogenen Daten Per Open-Data-Definition sind personenbezogene oder dem Datenschutz unterliegende Daten von einer Veröffentlichung auf den städtischen Portalen ausgeschlossen. 2. Vollständigkeit Die Datensätze sollen so vollständig wie möglich veröffentlicht werden – soweit dies die geltenden Bestimmungen zum Datenschutz zulassen. Die Daten sollen dabei möglichst im Rohformat (also unbearbeitet) – und wenn machbar, inklusive der Metadaten 35, die die Inhalte und Eigenschaften der Daten beschreiben, der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden. 3. Aktualität der Daten / zeitliche Nähe Die Datensätze sollen der Öffentlichkeit innerhalb eines angemessenen Zeitraums zugänglich gemacht werden. Wenn möglich, sollen sie möglichst zeitnah nach ihrer Erhebung oder Aktualisierung veröffentlicht werden. 4. Leichter Zugang 34 Die Sunlight Foundation hat 2010 zehn Prinzipien für die Offenheit behördlicher Daten definiert und 2014 fortgeschrieben: https://sunlightfoundation.com/policy/documents/ten-open-data-principles/ 35 Siehe Abschnitt 2.2.3 Metadaten Geodatenstrategie 2025 für die Wissenschaftsstadt Darmstadt Seite 26 Die Datensätze sollen ohne physische und technische Hürden barrierefrei zugänglich sein. 36 Programmierschnittstellen (APIs 37), eine einfache Suche und eine leichte Auffindbarkeit der Daten unterstützen die Zugänglichkeit. 5. Maschinenlesbare Datenformate Informationen sollen in etablierten Dateiformaten abgespeichert werden, die maschinenlesbar sind, d.h. von einem Rechner weiterverarbeitet werden können. Als maschinenlesbar gelten u. a. die folgenden Formate: .txt, .csv, .json, .xml, .rss. 6. Diskriminierungsfreiheit Jede Person soll zu jedem Zeitpunkt Zugriff auf die Daten haben, ohne sich dabei identifizieren / registrieren oder eine Rechtfertigung für ihr Handeln abgeben zu müssen. 7. Verwendung offener Standards Die veröffentlichten Daten müssen so zugänglich und lesbar sein, dass keine Anschaffung einer bestimmten Software erforderlich wird und keine damit verbundenen Lizenzkosten entstehen. 8. Offene Lizenzen Die Daten werden für die Allgemeinheit ohne Restriktionen oder Barrieren zugänglich gemacht. Es werden also keine Einschränkungen in der Verwendung, Weiterentwicklung oder Verbreitung der Daten auferlegt. Einzige Nutzungsbedingung ist lediglich die Pflicht zur Namensnennung: Die gewählte Datenlizenz „Deutschland Namensnennung 2.0“ erlaubt eine uneingeschränkte Nutzung der über die Open-Data-Plattform der Wissenschaftsstadt bereitgestellten Daten, sofern der Name des Datenbereitstellers in Form eines Quellenvermerks genannt wird. 9. Dauerhafte Verfügbarkeit Die online gestellten Informationen sollen über eine längere Zeit hinweg verfügbar sein. 10. Ohne Nutzungskosten / gebührenfrei Es werden keine Nutzungskosten für den Zugriff oder die Verwendung der Daten erhoben. 11. Richtigkeit der Daten Die Daten sollen in hochwertiger Qualität bzw. fehlerfrei erfasst und veröffentlicht werden. Schützenswerte Daten Dies sind Daten mit unterschiedlicher Schutzwürdigkeit (nach Schultze u. Franzke, 2017) Stufe 1 identifizierbare Attribute: Daten mit direktem Personenbezug durch identifizierbare Attribute, z.B. Name und Adresse Stufe 2 Quasi-identifizierbare Attribute: nicht direkt identifizierende Attribute, aber mit engem Personenbezug, z.B. Alter, Geschlecht Stufe 3 direkter oder indirekter Personenbezug: z.B. Anzahl Anrufe beim Callcenter-Agent 36 Beispiel für physische Hürden: Ersuchen um Daten z. B. durch Ausfüllen von Formularen, Beispiel für technische Hürden: Zugang zu Daten nur über ausgefüllte Eingabemasken oder Systeme, die browserorientierte Technologien erfordern (z. B. Flash, Javascript) 37 API = eine Schnittstelle, Abkürzung für „Application Programing Interface“: Eine API erlaubt es anderen Softwareanwendungen, gezielt und automatisiert maschinenlesbare Daten abzufragen. Geodatenstrategie 2025 für die Wissenschaftsstadt Darmstadt Seite 27 Stufe 4 ohne Personenbezug: z.B. Daten zur Auslastung der Büroflächen Stufe 1 und 2 repräsentierende Daten sind besonders schützenswert. Darüber hinaus gibt es weitere sensible Daten, mit mehr oder weniger negativen Folgen im Falle der Veröffentlichung z.B. Daten der kritischen Infrastruktur oder Patentdaten. Geobasisdaten (BMI (Hrsg.) 2020 Lexikon) Als Geobasisdaten werden grundlegende amtliche Geodaten bezeichnet, welche die Landschaft (Topographie), die Grundstücke und die Gebäude anwendungsneutral in einem einheitlichen geodätischen Bezugssystem beschreiben. Sie werden von der Vermessungsverwaltung erhoben und bereitgestellt und dienen als Grundlage für Geofachdaten. Geofachdaten (BMI (Hrsg.) 2020a Lexikon) Geofachdaten repräsentieren die in den jeweiligen Fachdisziplinen erhobenen Daten mit fachlichem Hintergrund. Versehen mit dem Zusatz „Geo“ wird deutlich, dass diese Daten eine Raumbezug besitzen. Geodateninfrastruktur (Architektur der GDI-DE, Ziele und Grdl., Arbeitskreis Architektur GDI-DE, 2024, Vers. 4.01, www.gdi-de.org) Eine grundlegende Definition des Begriffs „Geodateninfrastruktur" findet sich in dem 2009 erlassenen und 2021 zuletzt geänderten Geodatenzugangsgesetz des Bundes (GeoZG, 2021): „Geodateninfrastruktur ist eine Infrastruktur bestehend aus Geodaten, Metadaten und Geodatendiensten, Netzdiensten und -technologien, Vereinbarungen über gemeinsame Nutzung, über Zugang und Verwendung sowie Koordinierungs- und Überwachungsmechanismen, - prozesse und -verfahren mit dem Ziel, Geodaten verschiedener Herkunft interoperabel verfügbar zu machen.“ Eine Geodateninfrastruktur besteht demnach im Kern aus Geodaten, Geodatendiensten, Metadaten sowie Netzen. Sie wird von einer Vielzahl an Akteuren entwickelt und betrieben. Dazu bedarf es ergänzender Rahmenbedingungen für die Zusammenarbeit: Rechtsnormen legen die notwendigen rechtsverbindlichen Grundlagen zur Bereitstellung von Geodaten und Geodatendiensten fest; Zugang und Nutzung der Geodaten und Geodatendienste werden durch Vereinbarungen zwischen Bereitstellern und Nutzern geregelt; Koordinierungs- und Überwachungsmechanismen gewährleisten die Funktionsfähigkeit der Geodateninfrastruktur; Normen, Standards und Spezifikationen definieren die Voraussetzungen für Interoperabilität von Geodaten, Metadaten und Geodatendiensten. Metadaten (Arbeitskreis Architektur der GDI-DE) Metadaten sind Informationen, die Geodaten oder Geodatendienste beschreiben und es ermöglichen, Geodaten und Geodatendienste zu ermitteln, in Verzeichnisse aufzunehmen und zu nutzen. Sie bestehen aus technischen (liefern formale Infos über Systemstrukturen und -prozesse, beschreiben welche Attribute es gibt, wie Tabellen aufgebaut sind, Datentypen, -volumen), Geodatenstrategie 2025 für die Wissenschaftsstadt Darmstadt Seite 28 fachlichen (Angaben zu Bedeutung, Definition, Einsatzzweck, Merkmalsbeschreibungen), und organisatorischen Metadaten (Rollen, Zuständigkeiten, Verantwortlichkeiten, Freigaben). Geodatendienste (Arbeitskreis Architektur der GDI-DE) Geodatendienste sind vernetzbare Anwendungen, welche Geodaten und Metadaten in strukturierter Form zugänglich machen. Dies sind im Einzelnen: Suchdienste, die es ermöglichen, auf der Grundlage des Inhalts entsprechender Metadaten nach Geodaten und Geodatendiensten zu suchen und den Inhalt der Metadaten anzuzeigen, Darstellungsdienste, die es zumindest ermöglichen, darstellbare Geodaten anzuzeigen, in ihnen zu navigieren, sie zu vergrößern oder zu verkleinern, zu verschieben, Daten zu überlagern sowie Informationen aus Legenden und sonstige relevante Inhalte von Metadaten anzuzeigen, Dienste, die das Herunterladen und wenn durchführbar, den direkten Zugriff auf Kopien von Geodaten ermöglichen (Downloaddienste), Transformationsdienste zur geodätischen Umwandlung von Geodaten. Geoportal (Arbeitskreis Architektur der GDI-DE) Geoportal ist eine elektronische Kommunikations-, Transaktions- und Interaktionsplattform, die über Geodatendienste und weitere Netzdienste den Zugang zu den Geodaten ermöglicht. Nutzer können im Geoportal mittels Recherche- und Visualisierungswerkzeugen städtische Geodaten suchen, visualisieren und verknüpfen. Bedarfsweise können die Geoinformationen auch über Downloaddienste heruntergeladen werden. Geodatenkatalog Im Geodatenkatalog werden die Metadaten zu den Geodaten zentral geführt und er ermöglicht das schnelle Auffinden der Daten und Dienste im Geoportal. Neben Angaben wie z.B. Titel, Kurzbeschreibung, Herkunft usw. werden auch Informationen zu den Zugangs- und Nutzungsbedingungen eingetragen. High Value Datasets (Hochwertige Datensätze, HVD) HVD sind ausgewählte Daten des öffentlichen Sektors, die die Europäische Kommission aufgrund ihres hohen sozioökonomischen Potenzials als besonders wertvoll für Gesellschaft, Umwelt und Wirtschaft einstuft. Die Bereitstellung solcher Daten soll beispielsweise als Grundlage für Forschung oder Softwareentwicklung Innovationen fördern, die Effizienz öffentlicher Dienstleistungen verbessern und die Transparenz gegenüber der Zivilgesellschaft erhöhen. Zu beachten ist die bereits bestehende Verpflichtung (EU-Richtlinie) behördlicherseits alle vorhandenen Datensätze aus der Liste der HVD ab Juni 2024 unter wiederverwendbaren Bedingungen verfügbar zu machen. Dies hat kostenlos, in maschinenlesbaren Formaten, usw. zu erfolgen (über Application Programing Interfaces und gegebenenfalls als Massendownload). Die Richtlinie über offene Daten enthält sechs Kategorien von HVD: Georaum, Erdbeobachtung und Umwelt, Meteorologie, Statistik, Unternehmen und Eigentümerschaft von Unternehmen sowie Mobilität. Die Liste hochwertiger Datensätze bezieht sich grundsätzlich nicht auf personenbezogene Daten. Geodatenstrategie 2025 für die Wissenschaftsstadt Darmstadt Seite 29 Integrität (Daten)Integrität, als in dieser Geodatenstrategie verwendeter Begriff bezeichnet die Sicherstellung der Korrektheit (Unversehrtheit) von Daten und der korrekten Funktionsweise von Systemen. Wenn der Begriff Integrität auf "Daten" angewendet wird, drückt er aus, dass die Daten vollständig und unverändert sind. In der Informationstechnik wird er in der Regel aber weiter gefasst und auf "Informationen" angewendet. Der Begriff "Information" wird dabei für "Daten" verwendet, denen je nach Zusammenhang bestimmte Attribute wie z. B. Autor oder Zeitpunkt der Erstellung zugeordnet werden können. Der Verlust der Integrität von Informationen kann daher bedeuten, dass diese unerlaubt verändert, Angaben zum Autor verfälscht oder Zeitangaben zur Erstellung manipuliert wurden. Das heißt, Daten sollen in ihrem Zustand seit der letzten berechtigten Modifikation korrekt und vollständig sein. Verfügbarkeit Verfügbarkeit von Dienstleistungen, Funktionen eines IT-Systems, IT-Anwendungen oder IT- Netzen oder auch von Informationen ist vorhanden, wenn diese von den Anwendern stets wie vorgesehen genutzt werden können. Vertraulichkeit Unter Vertraulichkeit wird der Schutz vor unbefugter Preisgabe von Informationen verstanden. Vertrauliche Daten und Informationen dürfen ausschließlich Befugten in der zulässigen Weise zugänglich sein. Interoperabilität Interoperabilität (als Schlüsselbegriff in dieser Geodatenstrategie) umschreibt die Fähigkeit, auf verteilte Datenressourcen zuzugreifen und die Daten nutzen zu können, die in unterschiedlichen Softwaresystemen erzeugt werden, in verschiedenen, das heißt vor allem proprietären Datenformaten vorliegen und die unterschiedlich modelliert sein können (de Lange, Geoinformatik in Th.+Praxis, Springer, 4. Aufl. 2020). Interoperabilität wird durch standardisierte Webservices hergestellt. Sie werden durch die OGC (Open Geospatial Consortium) definiert. Sie ist eine 1994 gegründete gemeinnützige Organisation, die sich zum Ziel gesetzt hat, die Entwicklung von raumbezogener Informationsverarbeitung und insbesondere Geodaten auf Basis allgemeingültiger Standards zum Zweck der Interoperabilität festzulegen. Zu den OpenGIS Web Services gehören die nachstehenden Dienste: CSW – Catalog Services, zur Suche auf Metadaten WMS – Web Map Service und WMTS – Web Map Tile Service, Darstellungsdienste, zur visuellen Darstellung von Geodaten als Karten WFS – Web Feature Service Downloaddienst zum Herunterladen von Feature-Daten WCS – Web Coverage Service, Downloaddienst zum Herunterladen von Coverage-Daten (d.h. raum-zeitliche Raster-, Punktwolken-, TIN- und Mesh-Daten)
Beratungsverlauf (4)
Details
- Vorlagen-Nr.
- 2025/0311
- Typ
- Magistratsvorlage
- Datum
- 18.11.2025
- Erstellt
- 29.09.2026 00:00