V/0367/2025
Münster Experience- Tourismus- und Kongressstrategie für die Stadt Münster
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tourismus_kongress_strategie_muenster_2025_auszug
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5. Strategiebild | Die Tourismus- und Kongress-Strategie der Stadt Münster wurde in einem partizipativen Prozess in Workshops mit Akteur:innen des touristischen Ökosystems inklusive des Tagungssektors unter der Leitung von Münster Marketing erarbeitet. An den Beginn unserer Workshops stellten wir die strategischen Leitlinien — diese bilden gewissermaßen das Fundament für künftige touristische Entwicklungen, für Schlüsselprojekte und Maßnahmen. An ihnen wollen wir uns orientieren, um auch in Zukunft als Destination wettbewerbsfähig und als städtischer Lebensraum attraktiv zu bleiben. Strategiebild Mission Handlungsprinzipien/Werte Strategische Ziele Vision Die Vision beschreibt, wohin wir Tourismus/MICE in Münster entwickeln wollen, welche Form von Tourismus/MICE wir anstreben und was wir dem Gast anbieten können/wollen. " _Wirleisten mit einem verantwortungsvollen Städte- und MICE-Tourismus einen wertvollen Beitrag zum Wohle aller. " Wir achten auf die „Alltags-Resilienz“ unserer Stadt, denn nur aus dieser Stärke und unserem Wertegerüst heraus können wir auch morgen touristisch erfolgreich sein und unsere Gastfreundschaft wie auch unsere touristischen Angebote empathisch und zukunftsorientiert weiterentwickeln. Als touristische Destination sind wir nur so gut wie es uns als Stadt für die Münsteraner:innen gut geht. "= Die touristische Weiterentwicklung der Stadt erfolgt immer auch aus der Sicht zukünftiger Generationen und mit deren aktiver Beteiligung. Ökologische wie soziale Nachhaltigkeit sind uns dabei eine Selbstverständlichkeit und Grundlage auch künftigen Wohlstands. 1“ " Wir setzen qualitatives Wachstum vor quantitatives. Dabei entwickeln wir das „Münster-Gefüh stetig weiter. Wir wollen kein lebendes Museum werden. = Wir haben als Oberzentrum eine Verantwortung für den gesamten Lebens,- Arbeits- und Wirtschaftsraum im Münsterland. Mission Die Mission beschreibt, was wir tun müssen, um die Vision umzusetzen. = Wir nehmen die Impulse aus der sich ständig erneuernden Stadtgesellschaft auf und binden dabei insbesondere auch die jungen Generationen aktiv mit ein. " Wir sorgen für (immer neue) Inspirationen, um Gäste (Einheimische wie Touristen) zu überraschen. Dabei öffnen wir Räume wo möglich und schützen Räume wo nötig (z.B. Prinzipalmarkt). = Wir adressieren unsere Angebote und Produkte in besonderer Weise an jene Zielgruppen, die mit unseren strategischen Zielen kompatibel sind und die möglichst positive Effekte auf das touristische und gesamtstädtische Ökosystem haben. " Wir sehen Tourismus/MICE als Teil des städtischen Ökosystems. Wir gehen bei Fragen der touristischen Entwicklung näher ran an die Bürger:innen und deren Selbstverständnis. Wir diskutieren relevante touristische Themen auf Augenhöhe mit der Stadtgesellschaft im Bewusstsein, dass die Bewohner:innen die Anwälte der Stadt sind. " Voraussetzung für eine nachhaltig erfolgreiche Entwicklung der Tourismus- und MICE-Destination Münster ist eine smarte Vernetzung mit unseren Partnern vor Ort sowie mit Münsterland e.V., mit Tourismus NRW und weiteren Kooperationspartnern wie Historic Highlights of Germany, Deutsche Zentrale für Tourismus und German Convention Bureau. Handlungsprinzipien Die Handlungsprinzipien beschreiben unsere Werte-Haltung, aus der heraus wir unsere touristische Zukunft gestalten. " Wir agieren auf Augenhöhe mit Bürger:innen, Partner:innen und Gästen und stets mit Blick auf das Wohl der kommenden Generationen. = Wir handeln smart (digitale Tools, Services und Systeme), damit wollen wir höchstmögliche Zugänglichkeit und Convenience für unsere Gäste und Besucher:innen gewährleisten. Wir entwickeln auch touristisch die Smart City stetig weiter gemeinsam mit unseren Partner:innen. = Wir gehen achtsam mit all unseren Ressourcen um, basierend auf den Münsteraner Werten. = Aus der Historie heraus entwickeln wir unsere Kultur der Gastlichkeit stetig reflektierend weiter (Gäste, Einheimische, Mitarbeitende) und agieren dabei zugleich aber immer auch vorausschauend. Zukunft braucht bekanntlich Herkunft. = Wir kuratieren durch Regeln (Prinzip starke Regeln, gute Ausnahmen). Strategische Ziele Die „Strategischen Ziele“ beschreiben unsere übergeordneten Ziele, die wir in Tourismus/MICE erreichen wollen. "= Eine Stadt in Balance erfordert einen „Tourismus in Balance“. In der nachhaltigen Transformation von Tourismus/MICE in der Stadt fungiert Münster Marketing als Impulsgeber, Drehscheibe und aktivierender Netzwerk-Hub für seine touristischen und städtischen Partner:innen. Mit unserer ganzheitlichen Tourismus- und MICE-Strategie stärken wir die Tourismusakzeptanz unter den Münsteraner:innen. " Wir sehen die Stadt als ein Netz von lebendigen Quartieren mit je eigener Identität. Diese städtischen Mikrowelten (Nachbarschaften, Austausch von Einwohner:innen und Gästen) wollen wir auch touristisch stärker in den Blick nehmen und ebenso inspirierend wie verantwortungsvoll in Wert setzen. Hierzu nehmen wir insbesondere auch die Next Generation (als Zielgruppe wie auch als Co-Akteure) stärker in den Blick und wollen Nachbarschaften/Quartiere auch für junge Gäste spannend erlebbar machen. = Wir freuen uns auf alle Gäste. Wir schätzen die außergewöhnliche ökonomische Bedeutung unserer Tagesgäste insbesondere für Einzelhandel und Gastronomie. Im Sinn eines (sozial wie ökologisch) ausgewogenen Städtetourismus liegt bei uns künftig ein starker Fokus auf mehrtägigen Übernachtungsgästen. = Wir wollen die Aufenthaltsdauer unserer touristischen wie MICE-Gäste verlängern. Mit Stay- Longer-Angeboten (Tourismus wie MICE) erhöhen wir die Wertschöpfung vor Ort, sorgen für eine höhere Auslastung der Betriebe und tragen damit zur Sicherung ganzjähriger Arbeitsplätze bei. Zugleich minimieren wir damit den ökologischen Fußabdruck. " Eine klimafreundliche An-/Abreise bzw. eine ebensolche Mobilität vor Ort spielen eine zentrale Rolle bei der Nachhaltigkeitsentwicklung (und damit der Wettbewerbsfähigkeit) einer Städte- Destination. Wir forcieren daher künftig gemeinsam mit unseren Partner:innen klimagerechte Anreisen (Bahn vor Auto-Anreise) bzw. klimagerechte Mobilität (ÖPNV, Rad) vor Ort. " Mit hybriden Formaten wie Bleisure (Business & Leisure) und Workation (Arbeit & Freizeit) greifen wir zentrale Trends des Städte- und MICE-Tourismus auf und verbinden dabei Ferien- und Alltagswelten, Gäste und Einheimische. Diese und andere Entwicklungen erfordern eine verstärkte Zusammenarbeit mit unseren touristischen Partner:innen, z.B. in der Entwicklung einer wettbewerbsfähigen Coworking-Landschaft. " Wir aktivieren und heben auch für Tourismus/MICE das Wissen aus der Stadtgesellschaft und integrieren insbesondere die Next Generation in die Weiterentwicklung der Städte- und MICE- Destination. Dazu entwickeln wir auch neue Formate von Wissenstransfers (Zukunfts-Labs etc.). Wir brauchen mehr Experimente für eine ungewisse Zukunft. 6. Übergeordnete Handlungsfelder | Die künftige Wettbewerbsfähigkeit einer Destination beruht auf der ganzheitlichen Ausgestaltung der gesamten Customer Journey durch "= Nachhaltigkeit Nach- " Digitalisierung haltigkeit " Qualität. Diese drei Themen sind Querschnittsthemen und müssen alle touristischen Bereiche und Maßnahmen entlang der Kundenreise durchdringen. Im Fokus der Bemühungen um den Gast muss . un A . Wettbewerbs- dessen Erlebnisqualität stehen. Erlebnisse sollten die fähigkeit Erwartungshaltung der Gäste übertreffen, einfach und auf Abruf zugänglich sein sowie eine positive Auswirkung auf die Stadt haben. Nur wenn wir obige drei Themenfelder strategisch konsequent vorantreiben (und miteinander vernetzen), machen wir Münster als Tourismus- und MICE-Destination zukunftsfähig und resilient. Dies erreichen wir nur in Kollaboration und mit der Schwarmintelligenz unserer Netzwerk-Partner:innen sowie mit vorausschauenden Prozessen, bei denen wir immer wieder die Zukunft vorwegnehmen, um sie mitgestalten zu können. 6.1. Nachhaltigkeit Angeschoben von Treibern wie der Klimaerwärmung mit ihrem erhöhten Anpassungsdruck, dem Green Deal der EU, den 17 Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen u.a. werden Wirtschaft wie Standorte sukzessive nachhaltig umgebaut. Auch Tourismus und MICE-Wirtschaft sind inmitten einer grünen Transformation - Nachhaltigkeit wird zu einem Basis- und Resilienzfaktor. Auch wenn es seitens der Gäste noch oft eine Lücke zwischen ihrem Nachhaltigkeits-Anspruch und Handeln gibt und die Zahlungsbereitschaft für (teurere) nachhaltige Produkte und Services (noch) relativ gering bleibt, so ist Nachhaltigkeit ein unabdingbarer Erfolgsfaktor für Unternehmen wie Destinationen - sowohl ökologisch wie sozial. Kaum eine Destination, die keine Nachhaltigkeitsstrategie hat oder keine Nachhaltigkeitsbeauftragten. Den nachhaltigen Wandel in der Wirtschaft treibt vor allem die Next Generation voran - als Kunden wie als Mitarbeitende: Stärkster Treiber für nachhaltiges Handeln in Unternehmen ist nicht so sehr der Gesetzgeber (z.B. EU- Regulatorien), es sind vielmehr zukünftige Arbeitnehmer:innen (72,6%) und die junge Generation generell (69%).5 Der Städte- und MICE-Tourismus steht -— hinsichtlich seiner Tragfähigkeit und Ressourcenlast — besonders stark unter Handlungsdruck. Da Tourismus öffentliche Räume und öffentliche Güter nutzt 3 Quelle: Bertelsmann Stiftung (2024): Sustainability Transformation Monitor 2024 Digitali- sierung bzw. monetarisiert, ist eine Ausrichtung am Gemeinwohl systemlogisch. Ein ausgewogener Tourismus ist auch in Münster ein erklärtes strategisches Ziel. Besonders hier, in der nachhaltigen Fahrradstadt. Denn Nachhaltigkeit ist tief im Werte-Set der Bürger:innen verankert, die Stadt steht für einen gesunden, bewussten und nachhaltigen Lebensstil: 1995 startete die Stadt mit dem Beirat für kommunale Entwicklungszusammenarbeit, bereits 2001/2002 legte man den ersten Nachhaltigkeitsbericht vor, 2019 wurde Münster mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis ausgezeichnet. Bezugsrahmen der städtischen Nachhaltigkeitsstrategie ist die UN-Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung mit ihren 17 Nachhaltigkeitszielen (SDGs). Bis 2030 wird seitens der Stadt die Klimaneutralität angestrebt. Auch das Münster umgebende Münsterland steht mit seinen Markenkernwerten „naturverbunden“ und „gemeinschaftlich“ für ökologische und soziale Nachhaltigkeit. "Münster gemeinsam enkeltauglich gestalten" (Nachhaltigkeitsstrategie 2030 der Stadt Münster) Wir von Münster Marketing verpflichten uns zu einer verantwortungsvollen Tourismus-Entwicklung und bekennen uns zum Prinzip der „Destination Stewardship“: Touristische Organisationen haben die Aufgabe, Nachhaltigkeit im eigenen Ökosystem anzustoßen bzw. diese gemeinsam mit den Partner:innen verantwortungsvoll weiterzuentwickeln. Zielsetzung sollte sein, die positiven Effekte des „Nachhaltigkeit im Tourismus verlangt ja auch eine Tourismus zu maximieren und die negativen zu Messbarkeit. Das Messen des touristischen Erfolgs nur an | Minimieren. Dazu müssen messbare Ziele definiert Übernachtungszahlen ist zu eindimensional. Wir müssen | und ein Monitoringsystem aufgesetzt werden, um verschiedene Effekte des Tourismus erfassen, vor allem die Fortschritte der Transformation den CO2-Fussabdruck u.a. und diese mit anderen . 2 FIRE . D dokumentieren zu können. Destinationen vergleichen. Dabei ist neben der ökologischen Nachhaltigkeit (etwa im MICE-Bereich mit Green Meetings) ebenso die soziale Nachhaltigkeit ein besonderes Anliegen. Diversität und Inklusion werden in Münster großgeschrieben. So wurden die Münster Information und die Tourist Information im Historischen Rathaus mit dem Label „Reisen für alle“ zertifiziert (touristische Angebote, Unterkünfte, Verkehrsmittel, Webseite von Münster Marketing sind ebenso barrierefrei wie z.B. Stadtführungen). Dr. Andre Wolf, Leiter der Stabsstelle Smart City Schlüsselziele & Maßnahmen & Ziel: CO2-Reduktion entlang der Customer Journey, bei Leisure-Gästen ebenso wie bei Tagungen und Events usf. Maßnahmen " Andocken an Klimaziele der Stadt Münster, in deren Fokus die CO2-Reduktion steht (https://klimadashboard.ms) "= Monitoring & Dashboard: Anteil der CO2-freien Mobilität vor Ort (Rad, ÖPNV) bzw. Anteil der CO2-freien Mobilität (An-/Abreise) an der Gesamtmobilität der Besucher:innen " Anreize klimafreundlicher Angebote und Mobilität, z.B. Willkommen! Ticket Münster, Initiierung von Nachhaltigkeits-Projekten, siehe unsere Schlüsselprojekte (Kapitel 11) wie u.a. #10.000 Schritte, Cool Münster sowie Abhaltung klimagerechter Meetings und Veranstaltungen und Etablierung klimaunabhängiger Festivalgelände (USP) " Sensibilisierung in unserem Partnersystem (Wissenstransfer, Hilfestellung bei Audits und Zertifizierungen etc.) = Messen der definierten Erfolgskriterien & Ziel: Stärkung der Tourismusakzeptanz und „Alltags-Resilienz“ Maßnahmen = Aktives Einbinden der Münsteraner:innen in die Mitgestaltung der touristischen Entwicklung, insbesondere der Next Generation als Zukunftsgeneration " Einbindung von Menschen mit Behinderung zur ständigen Weiterentwicklung der Customer Journey = Botschafter-Souvenirs aus regionaler Produktion " _ Ermöglichen von Perspektivwechsel, Stärkung der Wertschätzung der Bürger:innen als Gastgeber der Stadt wie z.B. „Zu Gast in der eigenen Stadt“ (Einbindung, Blicke hinter die Kulissen etc.) & Ziel: Transparente Kommunikation mit Fokus auf unsere nachhaltigen Aktivitäten Maßnahmen " Kontinuierliche und transparente Nachhaltigkeitskommunikation, um Bewusstsein zu stärken und Anreize zu schaffen - bei den Systempartner:innen ebenso wie den (potenziellen) Gästen = Dashboard von Münster Marketing als transparenter Leistungsnachweis =" Reels der Customer Journey, Angebote etc. Partner:innen: Stabstelle Klima der Stadt Münster, Systempartner:innen, Haus der Nachhaltigkeit, Fair Trade Town 6.2. Digitalisierung Digitalisierung ist ebenso ein Querschnittsthema wie Nachhaltigkeit und betrifft alle Kontaktpunkte entlang der Customer Journey. Die Pandemie hat smarte Tools und (kontaktlose) Services weiter vorangetrieben, von Kl-gestützten Chatbots über Service-Roboter in Gastronomie/Hotellerie bis hin zur bargeldlosen Bezahlung. Buchungsplattformen sind ohnehin seit vielen Jahren unverzichtbar, automatisierter Self-Check-In setzt sich vielfach durch. Remote Work und flüssige Arbeit/Freizeit- Modelle bringen neue Formate wie Bleisure hervor, die Freizeit- und Geschäftsreisen verändern. Generative KI-Modelle wie ChatGPT u.a. sind bereits heute aus dem touristischen Alltag (in z.B. Angebotsgestaltung, Marketing, Kommunikation u.a.) nicht mehr wegzudenken. Im Tagungsbereich werden Meeting-/Event-Apps ebenso eingesetzt wie digitale Zwillinge?® zur individuellen Ausrichtung von Events sowie KI zwecks Besucher-Tracking und -Steuerung, Stimmungsanalyse und Echtzeit- Insights für rasche Adaptierungen vor Ort. Immersive Technologien (Augmented bzw. Mixed Reality) verändern Ausstellungs- und Eventformate - die Welt wird zunehmend hybride, die Formate flüssiger. Münster Marketing hat beispielsweise seine EXPLORE MÜNSTER App mit Mixed Reality angereichert - Besucher:innen können auf diese Weise virtuell durch die Stadt navigieren und spannende Eindrücke genießen. „Das Datenportal Münsterland ist das Herzstück unserer digitalen Transformation. Auf Grundlage des Datenportals können Inhalte zum Marketing gemeinsam genutzt werden. Da findet man alles auf einmal: ÖPNV, Sehenswürdigkeiten, Freizeit- Angebote, Locations. Dienstleister, Leistungsträger und Kommunen können die 26 Digitale Zwillinge sind virtuelle Darstellungen eines physischen Objekts Eine digitale 365 Grad- Ausgestaltung der Reise des Kunden erfordert smarte Geschäftsprozesse und vor allem einen offenen Austausch von Daten (Open Data). Nur mit offenem Datenmanagement können Informationen Daten in eigene Online-Angebote einbinden, sie können auch gleich neue Services entwickeln. Touristische Daten aus Münster und dem Münsterland werden über Schnittstellen aus dem Datenportal zudem weiteren Partnern zur Verfügung gestellt - z.B. Tourismus NRW.“ Michael Kösters, Münsterland e.V., Generalbevollmächtigter Bereichsleitung Tourismus zielgruppengerecht ausgespielt, Reiseverhalten und Buchungsentscheidungen antizipiert sowie Besucherströme mittels Kl vorausschauend gesteuert werden. Wir von Münster Marketing bewegen uns mit unseren digitalen Aktivitäten in bewährten Partner- Systemen, um Sichtbarkeit und Reichweite der Destination signifikant zu erhöhen: " Bespielung der Open Data-Portale mit Münsterland e.V., Tourismus NRW, Deutsche Zentrale für Tourismus " Teilnahme am Open Data MICE-Projekt des German Convention Bureau Tourismus und MICE profitieren auch von der Smart City-Strategie der Stadt Münster, die den Alltag der Menschen „lebenswerter, klimafreundlicher, gesünder, mobiler, sozialer, sicherer und resilienter“?” machen will und bereits einige Vorzeigeprojekte im städtischen Raum aufweist, die auch touristisch relevant sind: o Digitales Rad-Parksystem am Hauptbahnhof (2.000 Fahrräder). Über eine App werden Stellplätze gescannt und gebucht. o Leezenflow (grüne-Welle-Assistent für Radfahrende): Vor der Ampel wird den Radfahrenden über die digitale Anzeigetafel angezeigt, wie lange die Grün- oder Rotphase noch andauert. So können die Radfahrenden ihre Fahrtgeschwindigkeit entsprechend anpassen, der Verkehrsfluss wird noch geschmeidiger. Schlüsselziele & Maßnahmen & Ziel: Systematische Digitalisierung der Customer Journey und der relevanten POI’s Maßnahmen "= Besucherlenkung / Besucher-Tracking mit Kl zur Optimierung der Besucherströme = Einsatz von Kl im MICE-Bereich: Echtzeit-Zusammenfassungen von Sessions, Feedback- und Stimmungsanalysen = Einsatz von Digitalen Zwillingen bei Konzeption von Tagungen und Veranstaltungen & Ziel: Kontinuierlicher Ausbau des offenen Datenmanagements (Open Data) Maßnahmen = Kontinuierliche Bespielung der Open Data-Plattformen mit unseren Kooperationspartnern wie Münsterland e.V., Tourismus NRW, German Convention Bureau = Wissenstransfer und Bewusstseinsbildung bei unseren touristischen Partner:innen vor Ort 27 Quelle: Stadt Münster (2021), Smart City-Strategie der Stadt Münster = Enge Verbindung zur Stabsstelle Smart City der Stadt Münster zur Initiierung touristisch relevanter digitaler Projekte & Ziel: Individualisierung der touristischen Angebote und Services mittels Kl Maßnahmen " Vernetzung und Aufbereitung der Daten zur Ausspielung durch Kl 6.3. Qualität Die Qualität der touristischen Angebote und Dienstleistungen ist Basisfaktor einer erfolgreichen Destinationsentwicklung: ihre Erfüllung trägt nicht zur Zufriedenheit bei, aber die Nichterfüllung sehr wohl zur Unzufriedenheit. Nur herausragende Leistungen hingegen stärken Image und Kundenbindung, sie sorgen für Begeisterung bei Kunden (und damit für Weiterempfehlung bzw. Besuchswiederholung). Destinationen sind Netzwerke mit oft sehr unterschiedlichen Partner:innen - entspricht eine Teilleistung in der Dienstleistungskette nicht den Erwartungen der Gäste, so kann darunter der Ruf der gesamten Destination leiden. Sicherung und Weiterentwicklung von stringenter Qualität entlang der Customer Journey gehören somit zu den Kernaufgaben der DMO. Diese Qualität gilt es stetig auszubauen und an den Bedürfnissen und Wünschen der Zielgruppen auszurichten. „Nachhaltiger Städtetourismus ist für mich qualitätsvoller Tourismus, der nichttrivialisierte Angebote und Dienstleistungen zur Verfügung stellt. Das wäre z.B. der Konsum von Manufakturen anstatt Starbucks. Nachhaltiger Städtetourismus entsteht für mich dann, wenn wir den qualitativ | strategischen Leitlinien (Kapitel hohen Anspruch, den wir an die Stadt legen, auch touristisch erlebbar machen. | 5) - auf Wertigkeit und Qualität Weg vom Konsumieren billiger Highlights hin zu einer stärkeren Tuchfühlung mit der Stadt, mit ihrem Alltagsleben. Touristen sollen teilhaben an der Qualität der Stadt und ihre unterschiedlichen Facetten erleben.“ Wir von Münster Marketing fokussieren uns- im Sinn unserer sowohl auf Produkt-/Service- Ebene wie auch in den Stadt- Erlebnissen. Dieses strategische Robin Denstorff, Stadtbaurat Münster Ziel kann nur in einem ständigen Dialog, in Wissens- und Methodentransfers und in co-kreativen Prozessen mit den Leistungsträger:innen erreicht werden. " Produkt-Qualität In den (in Kapitel 9) definierten sechs Profilthemen stellen wir den Anspruch auf Qualitätsführerschaft. Mit den dabei ins Schaufenster gestellten Angeboten sorgen wir gemeinsam mit unseren Systempartner:innen und Allianzen für wertige Kundenerlebnisse (Guest Experiences), die den Ruf Münsters als attraktives Städte- und MICE-Ziel weiter festigen und für die Zukunft absichern. " Erlebnis-Qualität Reisen ist Sammeln von künftigen Erinnerungen. Damit sich Erlebnisse möglichst nachhaltig bei unseren Besucher:innen verfestigen, denken wir Erlebnisse und Erfahrungen im Kontext der Reise des Kunden und der dabei in Anspruch genommenen Räume und Orte. Produktentwicklung, Experience Design und Narrative verschränken sich. Räume prägen Interaktions- und Erlebnismuster der Besucher:innen. Von großer Bedeutung für den „Erlebnisraum Stadt“ sind die In-Wert-Setzung und Bespielung Dritter Orte und dabei entstehende Möglichkeiten zur offenen Nutzung bzw. flüssigen Interaktion. Dabei ist besonders achtsam mit jenen Räumen umzugehen, in denen sich Erlebnis- und Lebensraum überschneiden, also Besucher- und Alltagswelten. Mögliche Nutzungskonflikte gilt es zu antizipieren bzw. ihnen mit Maßnahmen entgegenzuwirken (z.B. mit Nachtbürgermeister-Aktivitäten u.a.). Wertige Stadterlebnisse können nur in entsprechenden Resonanz-Räumen entstehen. Hier ist zum einen auf hohe Aufenthaltsqualität zu achten - Münster ist ohnehin eine Stadt mit einer hohen Gestaltungsqualität (z.B. Prinzipalmarkt, Domplatz mit „Domplatz-Oase“ und neuem Stadt- Mobiliar). Zum anderen müssen Besucherströme (temporär, saisonal etc.) über attraktive Narrative gelenkt und smart über städtische Räume verteilt werden. „Münster ist eine der wenigen Städte in NRW, bei der man den Overtourism anschauen muss. Da ist die digitale Besucherlenkung ein wichtiges Instrument, um die Menschen vorausschauend mit Kl durch die Stadt zu navigieren und ihnen Alternativen anzubieten“ (Dr. Heike Döll-König, Geschäftsführerin NRW Tourismus). Ein Stadtraum ist dann in Balance, wenn Besucher sich auf unterschiedliche Points of Interest und andere Orte verteilen und wenn sich die Frequenzen über unterschiedliche Zeiträume erstrecken (vgl. Schlüsselprojekte Kapitel 11). Diese Strategie deckt sich auch mit der Zielsetzung „Vielfalt der Stadtteile“ des integrierten Stadtentwicklungskonzepts (ISEK 2030) der Stadt Münster.?® Schlüsselziele & Maßnahmen & Ziel: Kontinuierliche Weiterentwicklung der Qualität entlang der Customer Journey Maßnahmen "= Messung von Gästezufriedenheit, Weiterempfehlungsrate und Quote der Wiederholungsbesucher:innen " Sensibilisierung und Unterstützung der Leistungsträger:innen für/bei deren Qualitätssteigerung (Zertifizierungen, Wissens-Management, Dialogforen u.a.) " Benchmarking mit vergleichbaren Städten (z.B. Historic Highlights of Germany) = Beherbergungs-Analyse zur weiteren Steuerung der touristischen Entwicklung = Mögliche Nutzungskonflikte vorausschauend entschärfen (z.B. über Nachtbürgermeister u.a.). & Ziel: Entwicklung profilorientierter und profilschärfender Angebote, siehe Schlüsselprojekte und Profilthemen Maßnahmen =" Quartiers-Profile als Ausgangspunkt für systemische Angebotsentwicklung =" Kontinuierliche Stärkung der Partnersysteme = Erfolgs-Monitoring = Konsequente Ausrichtung der Angebote an definierten Zielgruppen 28 Stadt Münster (2021): Integriertes Stadtentwicklungskonzept („ISEK 2030“) & Ziel: Innovationskultur fördern Maßnahmen = Fokus auf nachhaltige und smarte Innovationen in der Destination = Entwicklung neuer, ungewöhnlicher Formate von Wissenstransfers (Zukunfts-Labs etc.) wie z.B. „Offene Hörsäle“
Münster Experience - Tourismus- und Kongress-Strategie für die Stadt Münster
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Münster Experience
Tourismus- und Kongress-Strategie für die
Stadt Münster
ZTB ZUKUNFTSBÜRO
Lorenz-Bayer-Platz 4/8
A-1170 Wien
T. +43 /1/48 02 877
www.ztb-zukunft.com
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3
Inhalt Seite
1. Einleitung 5
2. Die Stadt Münster als Städtereise- und MICE-Destination 6
2.1. Markt-Analyse Tourismus 6
2.2. Markt-Analyse MICE 7
2.3. Das touristische Ökosystem in Münster 8
2.4. Wirtschaftsfaktor Tourismus 10
3. Trends im Städte- und MICE-Tourismus 12
3.1. Städtetourismus in Transformation 12
3.2. Trends im Städte- und MICE-Tourismus 12
4. SWOT-Analyse 16
5. Strategiebild 19
6. Übergeordnete Handlungsfelder 22
6.1. Nachhaltigkeit 22
6.2. Digitalisierung 24
6.3. Qualität 26
7. Managementziele und kritische Erfolgsfaktoren 29
8. Next Generation 31
9. Profilfelder 33
10. Märkte und Zielgruppen 37
10.1. Märkte 37
10.2. Zielgruppen 38
11. Schlüsselprojekte 41
11.1. Schlüsselprojekte Tourismus 41
11.1.1. City & beyond 41
11.1.2. Stay longer 43
11.2. Schlüsselprojekt MICE 45
12. Organisation, Umsetzung und Finanzierung 48
12.1. Organisation 48
12.2. Umsetzung und Finanzierung 49
13. Glossar mit Erklärung der Fachbegriffe 52
14. Quellenverzeichnis 53
Beteiligte 54
4
5
1. Einleitung
Die Stadt Münster genießt einen hervorragenden Ruf als Stadt des Wissens, als führende Fahrradstadt
unter mittleren Großstädten und als eine der glücklichsten Städte Deutschlands1. Damit die Stadt – sie
lag 2023 mit rund 2 Millionen Übernachtungen p.a. an dritter Stelle der Städte in NRW – ihre
Zukunftsentwicklung resilient gestaltet, damit sie sich aber auch noch pointierter auf die touristische
Landkarte und auf die Tagungs-Agenda bringt, wurde vorliegende Tourismus- und Kongress-Strategie
beauftragt.
Das Strategiekonzept bildet den Rahmen für einen zukunftsorientierten, wertschöpfungsstarken und
zugleich verantwortungsvollen Städte - und Tagungs -Tourismus in Münster. Dieser soll mit
qualitativem Wachstum zum Gemeinwohl und zur Resilienz der Stadt beitragen und eine
Vorreiterrolle in der Transformation des Städtetourismus spielen.
Das Strategiekonzept beruht auf einem partizipativen Dialogprozess mit zahlreichen Akteur:innen des
touristischen Ökosystems, unter der Leitung des städtischen Eigenbetriebs Münster Marketing , mit
Akteur:innen der Stadtgesellschaft und vor allem auch der jungen Generationen. In Workshops und in
ergänzenden qualitativen Interviews floss deren Expertise mit ein. Dem Strategiepapier z ugrunde
liegen zudem konzeptionelle Vorarbeiten (touristisches Leitbild) und Ziel- und Leitbild MICE2 . Darüber
hinaus ist die Strategie inhaltlich verschränkt mit zentralen städtischen Strategien wie dem
„Integrierten Stadtentwicklungskonzept“ (ISEK Münst er 2030), sowie mit dem „Territorialen
Strategiekonzept Münsterland“ und der Landestourismusstrategie für Nordrhein-Westfalen.
1 Quelle: SKL-Glücksatlas 2024
2 Diese fanden 2021 mit Andreas Reiter, ZTB Zukunftsbüro bzw. 2022 mit dem Future Meeting Space des Fraunhofer IAOs und des German
Convention Bureaus statt
6
2. Die Stadt Münster als Städtereise- und MICE-Destination
2.1. Markt-Analyse Tourismus
Münster hat als Städtereise- und MICE3-Destination eine über die Jahre hinweg positive Entwicklung
genommen. Die Ankünfte nahmen im 10 Jahres -Vergleich zwischen 2013 und 2023 überwiegend zu
(mit Ausnahme der Pandemiejahre und der dadurch bedingten touristischen Einbrüche). Die
Übernachtungszahl stieg nach der Pandemie rasant an und kratzte 2023 mit 1.925.349
Übernachtungen an der 2 Millionen-Grenze.
Abbildung 14
Auch wenn die Zahl der Beherbergungsbetriebe im 10 Jahres -Zeitraum nur minimal wuchs (von 83
Betrieben in 2013 auf 85 Betriebe in 2023) - die Zahl der gewerblichen Übernachtungen konnte in
diesem Zeitraum dennoch deutlich gesteigert werden.
Auch bei den Hotelbetten zeigte sich in diesem Zeitraum eine Steigerung der (angebotenen) Betten,
von 3.279 (2013) auf 4.492 (2023). Da die Zahl der Hotelbetriebe (38) jedoch gleichblieb, spiegelt diese
Entwicklung eine Vergrößerung der Betriebsstruktur bzw. das Entstehen neuer großer
Beherbergungsbetriebe vor allem in Bahnhofsnähe, wo 2022/23 fünf neue Hotels mit insgesamt 740
Zimmern entstanden sind.
Größere Betriebe bedeutet ein höherer Grad an Professionalisierung und Wettbewerbsfähigkeit und
damit einhergehend auch ein Zuwachs an Qualität . Mit insgesamt neun Hotels im 4 Sterne -Bereich
(davon sind sechs Hotels 4 Sterne superior) präsentiert sich die Hotellandschaft der Stadt deutlich
attraktiver als noch vor einigen Jahren. Eine steigende durchschnittliche Betriebsgröße ist übrigens ein
genereller Trend, auch in NRW: in allen Regionen des Bundeslandes stieg die Betriebsgröße 2023, die
landesweite Durchschnittsgröße betrug zuletzt 85,2 Betten je Betrieb (+8,2 Betten)5.
Nicht in die se Übernachtungs-Statistiken eingerechnet sind die Übernachtungen von Verwandten,
Bekannten oder Freunden in Privathaushalten („ Sofatourismus“), die 2023 ein sehr beachtliches
3 MICE: dieser Begriff steht für „Meetings, Incentives, Conventions, Exhibitions“ und beschreibt jenen Geschäftstourismus, der die
Organisation und Durchführung von Tagungen, Ausstellungen und Events umfasst
4 Quelle: Stadt Münster –Stadtplanungsamt, Statistikdienststelle (2024): Jahres-Statistik Gastgewerbe 2023
5 Quelle: Tourismus NRW e.V. (2024): Tourismusbarometer NRW, Datenbarometer 2024
7
Übernachtungsvolumen von ca. 2,38 Millionen Übernachtungen generierten.6 Damit entfällt mehr als
jede zweite Übernachtung auf dieses Segment.
Touristik- & Dauercamping sowie Reisemobiltourismus generierten im Jahr 2023 immerhin 3,44% der
insgesamten Übernachtungen in Münster (gewerbliche Übernachtungen sowie Übernachtungen von
Verwandten, Bekannten oder Freunden in Privathaushalten).7
Die Aufenthaltsdauer in den Münsteraner Beherbergungsbetrieben
ist im 10 Jahres -Vergleich signifikant gestiegen - von 2,1 Tagen
(2013) auf 2,6 Tage (2023). Diese Steigerung belegt u.a. auch eine
zunehmende Attraktivität der Reise - und Tagungs -Destination
Münster. Ein Spezifikum Münsters dabei ist die hohe Anzahl an
Erholungs-, Ferien - und Schulungsheimen (in 2023 waren 3. 231
Betten im Angebot), welche die Aufenthaltsdauer signifikant von 4,1 Tagen (2013) auf 9,3 Tage (2023)
steigern konnten und zuletzt 729.091 Übernachtungen (2023) generierten - dieser starke Anstieg
dürfte auch einem „Na chholbedarf“ an Schulungen und Weiterbildungen post Corona zu verdanken
sein. Weiterbildungen, Schulungen und Seminare sind ein wichtiger wirtschaftlicher Faktor der
Bildungsstadt Münster.
Der Auslastungsgrad der Betten in den Beherbergungsbetrieben der S tadt ist ebenfalls im Vergleich
zu 2013 gestiegen und betrug zuletzt 51,6% (im Vergleich dazu betrug die Bettenauslastung in der
Hotellerie 45,2% in 2023.8
Die Zahl der ausländischen Ankünfte und Übernachtungen in Münster steigt im 10 Jahres -Zeitraum
signifikant, wenngleich die Entwicklung vor der Pandemie durchwachsen und keineswegs linear war.
Besonders gestiegen ist die Zahl der
ausländischen Übernachtungen, wenn man das
vorpandemische Niveau mit aktuellen Zahlen
vergleicht – von 125.396 Übernachtunge n
(2019) auf 175.357 Übernachtungen in 2023.
Die meisten Ankünfte generell verzeichnete
die Stadt in den Monaten September und
Oktober, die geringsten in den Monaten
Januar und Februar – diese
auslastungsschwachen Monate gilt es verstärkt
für Tagesbesuche bzw. für das Tagungsgeschäft
zu aktivieren.
Abbildung 29
2.2. Markt-Analyse MICE
Der Tagungsbereich hat Tradition in dieser Stadt – und das seit 1648. Das Erbe des Westfälischen
Friedens hat Münster als Ort des Dialogs und des Austausches auf die Landkarte gesetzt. Ein
respektvoller Umgang miteinander und eine Weltoffenheit formten hier eine besondere
Willkommenskultur – die wiederum die Basis für Tagungen und Meetings von heute ist.
6 Quelle: dwif (2024): Wirtschaftsfaktor Tourismus für die Stadt Münster 2023
7 Quelle: dwif (2024)
8 Alle hier vorliegenden Zahlen sind entnommen aus: Stadt Münster (2024)
9 Quelle: Stadt Münster / IT.NRW
Besonderheiten in der Beherbergungs-
landschaft von Münster
•Hohe Anzahl an Erholungs-, Ferien-
und Schulungsheimen
•Starker Anteil des "Sofatourismus"
8
Diese Begabungen verschränken sich mit dem Wissenschafts-Standort und dessen
zukunftsrelevanten Forschungsfeldern (wie z.B. Batterietechnologie, Medizin und Public Health). Mit
Business und Science Events kann die Tagungswirtschaft somit auch künftig eine starke Hebelwirkung
auf die zukunftsfitte Weiterentwicklung des Wirtschaftsstandorts Münster ausüben.
Nach den pandemisch bedingten Krisenjahren ist das MICE -Segment in M ünster wieder auf gutem
Weg. 2023 zählte man 10.815 reine Präsenzveranstaltungen – das ist (bereinigt von Ver änderungen
im Angebotsmarkt) ein Ergebnis von -11,1% im Vergleich zum Ergebnis von 2015 (dieses lag in Bezug
auf das Veranstaltungsvolumen über dem Wert von 2019 dem letzten normalen Jahr vor der Corona-
Pandemie), mit diesem Ergebnis liegt M ünster besser als der deutsche Mittelwert. In 2023 stieg der
Umsatz im Vergleich zu 2022 um +44,8% (im Vergleich: +24,4% in Deutschland).
Auch die Entwicklung der Teilnehmer:innen bei Präsenzveranstaltungen ist besser als der deutsche
Mittelwert im Vergleichszeitraum: mit 1,26 Mio Teilnehmer:innen (2023) gab es im Vergleich zu 2015
eine Abnahme um -7,1% - bereinigt würde dies um 2,3 Prozentpunkte unter dem Ergebnis von 2015
liegen.
56,2% der Veranstaltungen in 2023 sind Kongresse, Tagungen und Seminare, gefolgt von Festivitäten
(12,5%) und lokalen Veranstaltungen (9,7%). Wissenschaftliche Veranstaltungen nehmen mit einem
Anteil von 11,2% (nach Unternehmen und Verbänden) den dritten Platz unter den Veranstalter-Arten
ein – damit liegt die Wissensstadt Münster deutlich über dem bundesdeutschen Durchschnitt (6,7%).
Eine Besonderheit der Angebotsstruktur in M ünster ist die Dominanz der Eventlocations – diese
machen 60% der (insgesamt 58) Veranstaltungsstätten aus. Die Aufenthaltsdauer liegt – Event-
bedingt - mit 1,4 Tagen leicht unter der bundesweiten (1,5 Tage).
Abbildung 310
Kleinere Meetings überwiegen: die Veranstaltungen mit 20 -50 bzw. mit 51 -100 Teilnehmer:innen
decken 74,1% des Volumens ab. Zudem
ist der Quellmarkt vor allem regional
– rund 70% der Veranstalter kommen
aus der eigenen Region. Der Anteil
ausländischer Teilnehmer:innen bei
den Veranstaltungen ist geringer als
im bundesdeutschen V ergleich (4,6%
im Vergleich zu 6,2%). Betrachtet man
die reinen Businessevents, so kommt
10 Quelle für alle Zahlenangaben in diesem Kapitel: EITW (2024): Meeting- & EventBarometer Münster 2023/2024
4
19
35
Zahl der Veranstaltungsorte in Münster
Veranstaltungsszentren
Tagungshotels
Eventlocations
•Über die Hälfte der Veranstaltungen
(56,2%) sind Kongresse, Tagungen
und Seminare
•Kleinere Meetings mit bis zu 100
Teilnehmer:innen dominieren
•Aufenthaltsdauer: 1,4 Tage
•Eventlocations überwiegen
•Internationalisierungsgrad von
Business Events: 6,8%
Key Learnings
9
man auf 6,8% ausländische Gäste (vor allem NL, Schweiz, Belgien), damit liegt M ünster unter dem
bundesweiten Durchschnitt (9,1%).
Die traditionsreiche Tagungs-Destination Münster liegt im Wettbewerb der kleineren Großstädte auf
Platz 5 der beliebtesten „Hidden Champions“ (hinter Heidelberg, Bonn, Freiburg und Kassel)11 und hat
ein starkes Potenzial, wenn sie sich mutig und in sektorübergreifenden Netzwerken an die Zukunf t
macht. Dazu braucht es aber auch neue junge Formate und - wie das MICE -Schlüsselprojekt (siehe
Kapitel 11) belegen soll - auch eine radikal neue Herangehensweise der Akteur:innen. Die Tagung von
morgen sieht schließlich anders aus die Tagung von heute.
2.3. Das touristische Ökosystem in Münster
Tourismus, Leisure wie Business (Freizeit - wie Geschäftstourismus) ist ein integraler Baustein des
städtischen Ökosystems. Er wirkt in unzählige Bereiche des wirtschaftlichen, kulturellen und sozialen
Lebens der S tadt hinein und ist mit diesem eng verwoben. Besucher:innen (ob Tages - oder
Übernachtungsgäste, ob Münsteraner:innen in ihrer Freizeit oder Geschäftsreisende bei einer Tagung)
lösen zahlreiche ökonomische und sozio-kulturelle Effekte auf Standort und Stadtgesellschaft aus und
leisten einen hohen Beitrag zu deren Wohlstand und Lebensqualität.
Damit dies auch in Zukunft so bleibt, ist eine ganzheitliche Betrachtungs- und Herangehensweise
unerlässlich und daraus resultierend auch eine verantwortungsvolle Haltung von Münster Marketing
gegenüber den nachfolgenden Generationen. Es gilt, die eigene Wettbewerbsfähigkeit im Kontext der
vorhandenen Ressourcen und der Tragfähigkeit des städtischen Ökosystems in die Zukunft zu
entwickeln.
Abbildung 4: goldmarie design / eigene Darstellung
11 EITW (2024)
10
In die Entwicklung der Tourismus- und Kongress -Strategie haben wir von Münster Marketing
Vertreter:innen dieses facettenreichen Ökosystems vor Ort aktiv mit eingebunden, ebenso wie unsere
Kooperationspartner Münsterland e.V., NRW Tourismus und German Convention Bureau.
ocations dominieren (60% der Veranstaltungsorte) 1%)llem aus NL, Schweiz, Belgien.
2.4. Wirtschaftsfaktor Tourismus
Die Tourismus- und MICE -Branche ist ein wichtiger Wirtschafts - und Lebensqualitätsfaktor in
Münster, sie löst zahlreiche direkte und indirekte Effekte auf die Stadt und ihre Bewohner:innen, auf
Unternehmen und ihre Beschäftigten aus.
Das touristische Ökosystem trägt entscheide nd dazu bei, dass weiche Standortfaktoren stetig
weiterentwickelt werden und somit das Image der Stadt stärken. Die hohe Lebens - und
Erlebnisqualität Münsters verdank t sich auch dem außergewöhnlichen Portfolio an Einzelhandel,
Gastronomie, Kultur, Veranstaltungen und sonstigen Freizeit-Betrieben u.a.
Der Städte- und Tagungstourismus
stärkt den Standort Münster ökonomisch, er generiert eine beachtliche Wertschöpfung: der
Bruttoumsatz beträgt 1,166 Milliarden Euro, das Steueraufkommen allein aus Mehrwert- und
Einkommenssteuer rund 108 Millionen Euro12
schafft ortsgebundene Arbeitsplätze - 16.740 Personen beziehen in Münster ein
Primäreinkommen aus dem Tourismus (im Durchschnitt 31.424 Euro pro Jahr)
übt eine Hebelwirkung auf den Wirtschaftsstandort aus - Leitmessen, Tagungen und Events
verstärken die Reputation Münsters als Wissenschafts-Stadt
festigt das Image der Stadt generell und erhöht deren Sichtbarkeit
leistet über Steuereinnahmen einen wichtigen Beitrag zur Finanzierung der öffentlichen
Haushalte, er löst Investitionen in städtische Infrastrukturen, Einrichtungen und
Dienstleistungen aus, die wiederum die Lebensqualität auch der Einheimischen verbessern.
Zudem wird die Auslastung von städtischen Freizeit- und Kultureinrichtungen erhöht.
Die rund 2 Millionen Übernachtungen in den Münsteraner Beherbergungsbetrieben generieren einen
Bruttoumsatz von rund 273 Millionen Euro , davon entfallen 64% aufs Gastgewerbe und 21,5% auf
den Einzelhandel.
Vom gesamten aus dem Tourismus generierten Bruttoumsatz von 1,166 Milliarden Euro profitieren
insbesondere der Einzelhandel, das Gastgewerbe sowie die Dienstleistungen:
12 Die in diesem Kapitel genannten Zahlen zum Wirtschaftsfaktor Tourismus stammen aus: dwif (2024)
„Münster hat eine besondere Lage außerhalb der Metropolräume in NRW. Es
ist ein Solitär in einer landschaftlich sehr reizvollen, prosperierenden Region
mit hoher baugeschichtlicher Substanz. Münster ist so ein Sehnsuchtsort…
Eine pulsierende Studentenstadt, in der Kultur eine große Rolle spielt, die
Fahrradstadt. Letztlich ist die Stadt eine Bühne. Nicht zufällig hat man hier mit
den Skulptur Projekten den öffentlichen Raum zu bespielen begonnen und
kuratiert diesen mit großer Achtsamkeit.“
Dr. Heike Döll-König, Geschäftsführerin NRW Tourismus
11
Abbildung 5: goldmarie design, Quelle: dwif (2024)
Der Tagestourismus erbringt einen Bruttoumsatz von ca. 802 Millionen Euro.
Im touristischen Aufkommen Münsters spielt der Tagestourismus mit 21
Millionen Tagesreisen eine ganz besondere Rolle – er macht immerhin 68,8%
des touristischen Gesamtumsatzes von 1 ,166 Milliarden Euro aus. Die
Tagesgäste kommen überwiegend aus dem Ruhrgebiet, aus dem Norden
Deutschlands sowie aus den Niederlanden. Die durchschnittlichen Tagesausgaben betragen 38,20
Euro.
Der Tagestourismus löst starke wirtschaftliche Effekte in der Stadt aus , insbesondere auf den
Einzelhandel und die Gastronomie. Tagesgäste (inkl. VFR 13) generierten einen Bruttoumsatz in 2023
von rund 893 Millionen Euro, davon entfallen 48,2% auf den Einzelhandel und 31,4 % aufs
Gastgewerbe.
13 VFR: Abkürzung für Verwandten-, Bekanntenbesucher:innen (Visits of Friends and Relatives)
Herausragende
Bedeutung des
Tagestourismus
12
3. Trends im Städte- und MICE-Tourismus
Städtereisen sind seit Jahren der touristische Wachstumsmotor in Europa, nur kurz unterbrochen
durch die Pandemie. Acht von zehn Befragten aus dem DACH -Raum (Deutschland, Österreich und
Schweiz) haben in den letzten drei Jahren eine Städtereise unternommen, wobei insbesondere die
progressiven urbanen Leitmilieus besonders affin für Städtereisen sind. 14 Besonders in Deutschland,
Europas Hauptziel für Städte- und Kulturreisen, spielt der Städtetourismus eine zentrale Rolle.
Vor diesem vielversprechenden Hintergrund ist auch die strategische Weiterentwicklung Münsters als
Städtereise- und Tagungs-Destination zu sehen. Münster mit seinem historischen Ambiente, mit seiner
inspirierenden Kultur- und Kunstlandschaft und seinem jungen Leben trifft genau das Werte -Set von
Stadtreisenden: Laut Motiv -Erhebungen tragen „ historic buildings “ und „ vibrant cities “
überdurchschnittlich zur touristischen Wertschätzung von Städtereisen bei.15
3.1. Städtetourismus in Transformation
Auch wenn vielfältige Inspirationen auf dichtem Raum - das kuratierte Staunen – nach wie vor das
zentrale Leistungsversprechen touristischer Städte ausmachen, so ändern sich dennoch die
Rahmenbedingungen im Städtetourismus.
Das touristische Betriebssystem wird gerade runderneuert: vor dem Hintergrund einer smarten und
nachhaltigen Transformation von Gesellschaft und Wirtschaft verändert sich zum einen das Motive -
Set der Besucher (allen voran der Leitmilieus und der Next Generation). Aber auch das Management
von Destinationen ist im Wandel: Klimakrise und negative Begleiterscheinungen des Städtetourismus
(etwa Overtourism) zwingen zu Resilienz-Strategien. Zukunftsfähige Organisationen tragen diesem
disruptiven Umfeld – vorausschauend - Rechnung.
Die zentrale strategische Frage für einen verantwortungsvollen Städtetourismus lautet: was macht das
gute Leben für alle aus, für Bewohner:innen wie für Gäste, für Unternehmer:innen wie für
Mitarbeiter:innen? Wie sieht ein ausgewogener Tourismus aus? Welchen Beitrag kann das
touristische Ökosystem zum städtischen Gemeinwohl beitragen? Diese Fragen sind nur ganzheitlich zu
lösen, unter Federführung der städtischen Tourismusorganisation.
3.2. Trends im Städte- und MICE-Tourismus
Mit ihren kulturellen und historischen Attraktionen, mit ihrem
pulsierenden Lifestyle und ihren lebendigen Quartieren sin d
Städte ein Versprechen für intensives Erleben .
Inspiration und Perspektivenwechsel (z.B. Eintauchen in das
urbane Flair einer Stadt) sind die zentralen Besuchsmotive von
Städtetouristen. Nirgendwo lassen sich in so kurzer Zeit so
intensive Erfahrungen machen wie beim Besuch von Städten:
14 ETI – Europäisches Tourismus Institut, PROJECT M, St. Elmo‘s Tourism (2023): Städtereisenstudie 2023/24
15 European Travel Commission (2023): Monitoring Sentiment / Intra European Travel Commission
Booster für Lebens-Intensität
Inspiration & neue Perspektiven
Wissenstransfer
(Tagungen und Kongresse)
Socio Pleasure (geselliges Miteinander)
13
maximum experiences in minimum time . Dies gilt gleichermaßen für den Freizeit- wie für den
Geschäftstourismus.
Das Schöne und Bedeutungsvolle
Reisen ist Sammeln von Erinnerungen. Die Top 3-Besuchsmotive von Städten spiegeln denn auch eine
entsprechende Bandbreite: Besichtigung von
Sehenswürdigkeiten, kulinarischer Genuss und das Erleben
der jeweiligen Stadtkultur.16
Städte sind Resonanzräume, die kulturelle und soziale
Energie bündeln. Attraktive Städte -Destinationen
versprechen bedeutungsvolle Orte: Je mehr im Alltag die
„Nicht-Orte“ dominieren, die keine „Identität stiften, keine
gemeinsame Erinnerung erzeugen“ (Marc Augé), desto mehr
entwickeln Reisende eine Sehnsucht nach Tiefe, nach dem
Schönen, nach Struktur un d Harmonie. Daher rührt auch die Faszination von Sehenswürdigkeiten,
altehrwürdigen Orten und historischem Ambiente – von dieser Sehnsucht profitiert auch ein Historic
Highlight wie Münster.
Transformatives Reisen
Gleichzeitig aber drängen neue Besuchermotive an die Oberfläche. Diese Narrative gehen in der Regel
von progressiven urbanen Leitmilieus aus, die vom passiven Konsum weg streben - hin zu aktiven
Erfahrungen, die einen verändern und mit Bedeutung aufladen sollen. Das zentrale
Leistungsversprechen für diese Zielgruppen lautet: Inspiration sowie Gewinn neuer Perspektiven und
Erfahrungen.
Das Neue ist immer ein „ästhetisches Ereignis“ (Andreas Reckwitz), und diesem Neuen ist der Gast auf
der Spur, ob auf dem Feld moderner Architektur, in Kunst und Kultur, ob auf einem Festival oder bei
einem Food Tasting. Die dabei gesammelten Erfahrungen sollen die Gäste – im besten Fall - ein Stück
weit in der eigenen „Weltaneignung“ und Transformation unterstützen. Es ist kein Widerspruch, dass
diese Reise-Erlebnisse durch KI passgenau auf jeweilige Vorlieben und aktuelle Stimmung der Besucher
abgestimmt und ausgespielt werden.
Life Seeing statt Sight Seeing
Das Sammeln von Social Media tauglichen Superlativen weicht der Suche nach alltäglichen
Besonderheiten und Begegnungen. Der Alltag der Stadtbewohner:innen selbst wird zur Destination,
kleinteilige Nachbarschaften rücken ins Visier, authentische Mikro-Welten.
Der neue städtetouristische Wettbewerb dreht sich um hyperlokale Erfahrungen – die Belohnung für
Besucher:innen entsteht im Entdecken lokaler Besonderheiten und in der Interaktion mit
Gastgeber:innen und Einheimischen. Derlei Attraktionspunkte sind z.B. Märkte und Markthallen, an
diesen Dritten Orten lässt sich die Suche nach Alltags -„Trüffeln“ mit dem Eintauchen in lokale Kultur
und Gemeinschaften verknüpfen. Keine Kuratierung soll diese Alltags-Expeditionen stören – diese
leben schließlich vom Zauber des Moments und des Zufalls.
16 Quelle: ETI – Europäisches Tourismus Institut et al. (2023)
Abbildung 6
77
47
47
Sehenswürdigkeiten
Kulinarischer Genuss
Urbanes Flair/Stadtkultur
Top 3 Besuchermotive Städtereisen
(in Prozent)
14
Bleisure Travel (business + leisure)
Die Arbeitswelt wird flüssiger, Arbeit und Freizeit überlappen sich ebenso wie Arbeits- und Freizeitort.
(Wissensbasierte) Arbeit erfolgt zunehmend ortsunabhängig und multilokal. Digitale Nomaden,
Wissensarbeiter und Remote Worker sind eine international umworbene Zielgruppe, die das Image
einer (Städte-)Destination stark beeinflussen kann – so sollen z.B. in Lissabon 19.000 digitale Nomaden
leben17; diese machen die Stadt zu einem Hub für Start-ups, einer Drehscheibe für bedeutende Tech-
Events, und sorgen für immer neue Lifestyle- und Gastronomie-Formate. Allerdings – treiben sie auch
die Wohnungskosten für die Einheimischen in die Höhe.
Mit der Dezentralisierung der Arbeitsplätze wächst die Bedeutung kollaborativer Dritter Orte ,
hybrider touristischer Angebote ( Workation, Bleisure Travel)18 und neuer Beherbergungsstrukturen
bzw. -formate (Co-Living-Konzepte, Retreats etc.). Diese Trends verändern etwa Geschäftsreisen und
bieten neue Chancen für z.B. MICE-Destinationen: 36% der Reisenden weltweit planen Workation, bei
der Generation Z sind es 40%, 60% der Veranstaltungsplaner:innen in Europa planen die Verlängerung
einer Geschäftsreise (Bleisure).19 Generell verlängern 42% der Geschäftsreisenden ihre Geschäftsreise
mit einem Freizeitaufenthalt.20
Diese weltweite Entwicklung schlägt sich auch i n einer Verlängerung der Geschäftsreisen in
Deutschland nieder: so konnte die durchschnittliche Dauer einer Geschäftsreise von 2,5 Tagen (2019)
auf 3,1 Tage (2023) erhöht werden. 21 Viele Unternehmen nutzen Bleisure -Reisen als Incentive und
Motivations-Instrument, für die Destination verlängert sich die Wertschöpfungskette und es
vermindert sich der ökologische Fußabdruck (Stay Longer). In vielen Destinationen ist dieses Potenzial
bisher aber noch nicht ausgeschöpft.
Hybride Meeting-Formate
Die Veranstaltung slandschaft ist inmitten einer doppelten Transformation : smart und green.
Digitalisierung und Nachhaltigkeit sind miteinander verschränkt. Eine MICE -Destination, die ihren
eigenen CO2-Fußabdruck nicht drastisch reduziert und „Netto -Null“-Veranstaltungen forciert, ist in
Zukunft kaum wettbewerbsfähig – Firmenkunden fragen künftig überwiegend nur noch grün
zertifizierte Veranstaltungsorte und Hotels an. Mehr als die Hälfte der MICE -Anbieterbetriebe in
Deutschland verfügte 2023 über ein Nachhaltigkeitsmanagementsystem, in Münster sind es 48 % der
Betriebe.22
Der strategische Einsatz von smarten Tools wie digitale Zwillinge, Metaverse (z.B. virtuelle Site
Inspections) oder KI (etwa zur Besuchersteuerung) treibt die Nachhaltigkeit voran, verändert aber auch
das Veranstaltungsmanagement und die Kundenreise. Business Events sind stark von einer
zunehmenden Virtualisierung getrieben (z.B. Mixed Reality, Metaverse und künftig auch
Hologramme). Diese Trends haben eine teils signifikante Auswirkung auf den Tagungsmarkt (Meeting
und Showrooms etc. im Metaverse u.a.), sie generieren neue Formate (etwa immersive Events, die
multisensorische Inspiration bieten), sie verbinden z.B. Gamification und Science.
17 Quelle: „Reiche Ausländer verdrängen Einheimische in Lissabon“, FAZ vom 31.3.2023
18 Workation beschreibt die Kombination aus Arbeit (Work) und Urlaub (Vacation). Bleisure beschreibt die Kombination von
Geschäftsreisen (Business) und Freizeitaktivitäten (Leisure)
19 Quelle: SiteMinder (2022): The Changing Traveller Report 2022
20 Quelle: GBTA (2023): 2023 GBTA Business Travel Index Outlook – Annual Global Report and Forecast published by the Global Business
Travel Association in collaboration with Visa. Portrait of European Meeting & Convention Travel June
21 Quelle: Air Plus International; DRV (2023): Chefsache Business Travel 2023
22 Quelle: EITW (2024)
15
Die Hybridisierung verändert den Veranstaltungsmarkt und Veranstaltungsorte signifikant:
Hybride Formate (physisch/virtuell, Business/Leisure, Indoor/Outdoor, Stadt/Natur,
Gehirn/Körper/Seele)
Verknüpfung von Meeting/Event/Kunst/Festival - immer öfter haben Business Events einen
Festival-Charakter, vor allem im Start-up-Bereich
Soziale Erlebnisse (Gemeinschaft, Matching, Networking) und das Emotions-Design werden
zu Leistungsfaktoren, sie rücken immer stärker in den Vordergrund von Business Events
Die Digitalisierung bringt Dritte Orte als soziale Resonanz orte a uf die T agungslandkarte –
abgeschlossene Räume wie Kongresshäuser müssen sich nach außen bzw. in die Stadt hinein
öffnen.
16
4. SWOT-Analyse
In einer SWOT -Analyse23 identifizieren wir die Stärken und Schwächen der Tourismus - und MICE -
Destination Münster und erhe ben mögliche Chancen und Risiken, die sich in einem Umfeld voller
Veränderungen ergeben können.
Stärken
Lage: Gunstlage in bzw. inmitten von bevölkerungsstarken Ballungsräumen (5,1 Mio im Ruhrgebiet,
18,2 Mio in NRW insgesamt sowie nördliche Bundesländer) und Nähe zum wichtigsten
ausländischen Quellmarkt, den Niederlanden.
Ausgewiesen hohe Lebensqualität in der Stadt und im umgebenden Münsterland („Das gute
Leben“), Platz 6 im Glücksindex deutscher Städte (SKL-Glücksatlas 2024).
Historic Highlight & „Stadt in Balance“: hohe ästhetische, baukulturelle und stadträumliche Qualität
der Innenstadt, grüne Stadt (vielfältige Naturräume inmitten der Stadt) mit ausgeprägtem
Nachhaltigkeitsprofil.
Fahrradstadt: Über 400.000 Fahrräder („Leeze n“) auf ca. 3 20.000 Einwoh ner, Platz 1 in der
Kategorie der Städte mit über 200.000 Einwohnenden (ADFC-Klimatest 2023); sehr gut ausgebaute
Fahrradinfrastruktur (Promenade und Radstationen) sowie (auch touristische) Top -Services wie
Knotenpunktkarte, Rad-App fürs Münsterland (100 Schlösser-Route etc.).
MICE: Traditionsreiche Tagungsstadt (seit 1648, Westfälischer Friede) mit ausgeprägter Dialog- und
Willkommenskultur.
Stadt der kurzen Wege mit attraktiven Point of Interests in Shopping, Kultur, Gastronomie und
Nachtleben (Hafen) u.a.
Hohe mediale Bekanntheit als „Krimistadt“ („Tatort“, mit über 10 Mi llionen Zuschauern die
erfolgreichste "Tatort"-Produktion der ARD, „Wilsberg“).
Breites Beherbergungs -Portfolio in allen Kategorien (bis auf 5 Sterne -Hotel), Budget -Hotels,
Campingplatz in der Stadt (DCC-Europapreis des Deutschen Camping Clubs).
Junge und pulsierende Studentenstadt ( über 60.000 Stud ierende, elf Hochschulen): reizvoller
Kontrast zu historischem Altstadt-Ambiente.
Starke soziale und zivilgesellschaftliche Qualitäten: hohe Diversität, kulturelle Vielfalt (160
Nationen) und Toleranz („Friedensstadt“), starke Bürgerschafts-Kultur (Beteiligung, Ehrenamt usf.)
Ausgeprägte Kollaborations-Kultur (Allianz für Wissenschaft, Kongressinitiative Münster, Allianz für
Klimaschutz u.a.).
Schwächen
Erreichbarkeit
o Abseits der Hauptachsen (Autobahn wie Bahn)
Bahnanbindung für (internationale) Gäste vom Flughäfen DUS: akzeptable
Schnellverbindungen von 1 Stunde 19, durchschnittliche Fahrtzeit beträgt 1
Stunde 38. Vom Flughafen Frankfurt am Main gibt es eine Schnellverbindung
von 2 Stunden 36, aber sonst meist deutlich längere Fahrtzeiten (über vier
Stunden, mit Umstieg).
23 Stärken-Schwächen-Chancen-Risiken-Analyse
17
o Regionaler Airport FMO: innerhalb Deutschlands mit zwei Verbindungen (Frankfurt am
Main, München).
Kein städtisches Fahrr adverleihsystem, das einen flächendeckenden Zugang von
Besucher:innen ermöglicht – ein touristisches Manko in der Fahrradstadt.
Starke Konzentration auf Innenstadt führt zu temporären Besucher -Hochfrequenzen (z.B. an
Samstagen) und gefährdet zeitweise die „Stadt in Balance“.
Ausbaufähiges touristisches Image im Vergleich zu Wettbewerberstädten wie Freiburg oder
Wiesbaden - die Stadt -Marke Wissenschaft und Lebensart (für den Tagungsmarkt sehr
passend) müsste für die Tourismusdestination Münster speziell adap tiert/zugespitzt und in
attraktive Lifestyle-Narrative (Story Telling) übersetzt werden.
Geringe Zahl nachhaltig zertifizierter Betriebe – so sind nur 11% der MICE -Betriebe im
gesamten Bereich der Lieferkette strategisch nachhaltig aufgestellt (gegenüber 1 6%
deutschlandweit).24
Nur gering ausgeprägtes Profil/Story Telling der Genusskultur der Stadt (Kulinarik ist aber ein
sehr wichtiges Besuchermotiv von Städtereisenden!).
Chancen
Megatrend Städtetourismus ( das touristische Wachstumssegment in Europa), kün ftig
insbesondere auch der Aufstieg der 2nd und 3rd Cities mit klarem Profil.
Off the beaten -track-Destination, vor allem für urbane Leitmilieus auf der Suche nach
besonderen Erlebnissen („Distinktion“) interessant.
Münster entwickelt sich durch niedrigs chwellige Formate, Budget -Unterkünfte und
Events/Festivals (Science, Musik etc.) zu einem begehrten Spot für die Next Generation.
Touristische In-Wert-Setzung von Quartieren und Points of Interest abseits der Altstadt.
Großer touristischer Quellmarkt vor der Haustür, für den Münster ein attraktives Tagesziel ist.
Wachsende Bedeutung nachhaltiger Städte -Destinationen - erdgebundenes Reisen (Bahn!)
setzt sich immer stärker durch, nachhaltiges Image wird zunehmend zu Entscheidungsfaktor
bei Destinationswahl.
Starkes Wissenschaftsprofil und Fokussierung auf Spitzenbereiche bringt Münster vermehrt
auf die internationale Tagungs-Landkarte.
Image der jungen Stadt stärkt Resilienz und Zukunftsfitness, laufend entstehen – unter
Mitgestaltung der Next Generation – neue attraktive Angebote und Formate im Freizeit- und
Tourismusbereich.
Verstärkte Internationalisierung (mit Kooperationspartnern wie Historic Highlights of Germany
und Deutsche Zentrale für Tourismus) erweitert die touristischen Quellmärkte ( =Risiko-
Diversifikation).
Risiken
Weiterhin steigende Besucherfrequenzen und temporärer Übertourismus in Innenstadt –
Tourismusakzeptanz der Münsteraner:innen schlägt um.
Die Innenstadt wird zum Lebenden Museum („Heile Welt“ -Projektion für Tages touristen
insbesondere aus Umland/NRW).
Hohe Wohnungskosten in der Stadt sind vor allem für junge Mitarbeitende und Familien
(Servicepersonal etc.) künftig kaum mehr zu stemmen – Standort verliert an Attraktivität als
Arbeitgeber.
24 Quelle: EITW (2024)
18
Forcierter Wettbewerb vergleichbarer Städte -Destinationen sowohl im Leisure - wie auch im
MICE-Bereich.
Klimawandel (Hitze etc.) setzt Städte- und MICE-Destinationen unter massiven Anpassungs -
und Innovationsdruck.
Demografischer Wandel
o verstärkt Arbeitskräftemangel in touristischen Betrieben
o setzt Hochschulstandorte unter Druck, der Kampf um Wissens -Talente und Top -
Wissenschaftler wird härter
o wirkt sich bremsend auf Destinationen mit hohem Anteil an Tagestouristen wie
Münster aus (sinkende Zahl der kaufkräftigen Best Ager bringt sinkende
Wertschöpfung in Einzelhandel und Gastronomie mit sich).
19
5. Strategiebild
Die Tourismus- und Kongress-Strategie der Stadt Münster wurde in einem partizipativen Prozess in
Workshops mit Akteur:innen des touristischen Ökosystems inklusive des Tagungssektors unter d er
Leitung von Münster Marketing erarbeitet.
An den Beginn unserer Workshops stellten wir die strategischen Leitlinien – diese bilden
gewissermaßen das Fundament für künftige touristische Entwicklungen, für Schlüsselprojekte und
Maßnahmen. An ihnen wollen wir uns orientieren, um auch in Zukunft als Destination
wettbewerbsfähig und als städtischer Lebensraum attraktiv zu bleiben.
Strategiebild
Vision
Wir leisten mit einem verantwortungsvollen Städte- und MICE-Tourismus einen wertvollen Beitrag
zum Wohle aller.
Wir achten auf die „Alltags -Resilienz“ unserer Stadt, denn nur aus dieser Stärke und unserem
Wertegerüst heraus können wir auch morgen touristisch erfolgreich sein und unsere
Gastfreundschaft wie auch unsere touristischen Angebote em pathisch und zukunftsorientiert
weiterentwickeln. Als touristische Destination sind wir nur so gut wie es uns als Stadt für die
Münsteraner:innen gut geht.
Die touristische Weiterentwicklung der Stadt erfolgt immer auch aus der Sicht zukünftiger
Generationen und mit deren aktiver Beteiligung. Ökologische wie soziale Nachhaltigkeit sind uns
dabei eine Selbstverständlichkeit und Grundlage auch künftigen Wohlstands.
Vision
Mission
Handlungsprinzipien/Werte
Strategische Ziele
Die Vision beschreibt, wohin wir Tourismus/MICE in M ünster entwickeln wollen, welche
Form von Tourismus/MICE wir anstreben und was wir dem Gast anbieten können/wollen.
20
Wir setzen qualitatives Wachstum vor quantitatives. Dabei entwickeln wir das „Münster -Gefühl“
stetig weiter. Wir wollen kein lebendes Museum werden.
Wir haben als Oberzentrum eine Verantwortung für den gesamten Lebens, - Arbeits- und
Wirtschaftsraum im Münsterland.
Mission
Wir nehmen die Impulse aus der sich ständig erneuernden Stadtgesellschaft auf und binden dabei
insbesondere auch die jungen Generationen aktiv mit ein.
Wir sorgen f ür (immer neue) Inspirationen, um G äste (Einheimische wie Touristen) zu
überraschen. Dabei öffnen wir R äume wo m öglich und sch ützen R äume wo n ötig (z.B.
Prinzipalmarkt).
Wir adressieren unsere Angebote und Produkte in besonderer Weise an jene Zielgruppen, die mit
unseren strategischen Ziel en kompatibel sind und die möglichst positive Effekte auf das
touristische und gesamtstädtische Ökosystem haben.
Wir sehen Touris mus/MICE als Teil des st ädtischen Ökosystems. Wir gehen bei Fragen der
touristischen Entwicklung n äher ran an die B ürger:innen und deren Selbstverst ändnis. Wir
diskutieren relevante touristische Themen auf Augenh öhe mit der Stadtgesellschaft im
Bewusstsein, dass die Bewohner:innen die Anwälte der Stadt sind.
Voraussetzung für eine nachhaltig erfolgreiche Entwicklung der Tourismus- und MICE-Destination
Münster ist eine smarte Vernetzung mit unseren Partnern vor Ort sowie mit Münsterland e.V., mit
Tourismus NRW und weiteren Kooperationspartnern wie Historic Highlights of Germany, Deutsche
Zentrale für Tourismus und German Convention Bureau.
Handlungsprinzipien
Wir agieren auf Augenhöhe mit Bürger:innen, Partner:innen und Gästen und stets mit Blick auf das
Wohl der kommenden Generationen.
Wir handeln smart (digitale Tools, Services und Systeme), damit wollen wir h öchstmögliche
Zugänglichkeit und Convenience f ür unsere G äste und Besucher:innen gew ährleisten. Wir
entwickeln auch touristisch die Smart City stetig weiter gemeinsam mit unseren Partner:innen.
Wir gehen achtsam mit all unseren Ressourcen um, basierend auf den Münsteraner Werten.
Aus der Historie heraus entwickeln wir unsere Kultur der Gastlichkeit stetig reflektierend weiter
(Gäste, Einheimische, Mitarbeitende) und agieren dabei zugleich aber immer auch
vorausschauend. Zukunft braucht bekanntlich Herkunft.
Wir kuratieren durch Regeln (Prinzip starke Regeln, gute Ausnahmen).
Die Mission beschreibt, was wir tun müssen, um die Vision umzusetzen.
Die Handlungsprinzipien beschreiben unsere Werte-Haltung,
aus der heraus wir unsere touristische Zukunft gestalten.
21
Strategische Ziele
Eine Stadt in Balance erfordert einen „Tourismus in Balance“. In der nachhaltigen Transformation
von Tourismus/MICE in der Stadt fungiert Münster Marketing als Impulsgeber, Drehscheibe und
aktivierender Netzwerk-Hub für seine touristischen und städtischen Partner:innen. Mit unserer
ganzheitlichen Tourismus- und MICE -Strategie stärken wir die Tourismusakzeptanz unter den
Münsteraner:innen.
Wir sehen die Stadt als ein Netz von lebendigen Quartieren mit je eigener Identität. Diese
städtischen Mikrowelten (Nachbarschaften, Austausch von Einwohner:innen und Gästen) wollen
wir auch touristisch stärker in den Blick nehmen und ebenso inspirierend wie verantwortungsvoll
in Wert setzen. Hierzu nehmen wir insbesondere auch die Next Generation (als Zielgruppe wie
auch als Co -Akteure) stärker in den Blick und wollen Nachbarschaften/Quartiere auch für junge
Gäste spannend erlebbar machen.
Wir freuen uns auf alle G äste. Wir sch ätzen die au ßergewöhnliche ökonomische Bedeutung
unserer Tagesg äste insbesondere für Einzelhandel und Gastronomie. Im Sinn eines (sozial wie
ökologisch) ausgewogenen Städtetourismus liegt bei uns künftig ein starker Fokus auf mehrtägigen
Übernachtungsgästen.
Wir wollen die Aufenthaltsdauer unserer touristischen wie MICE -Gäste verlängern. Mit Stay-
Longer-Angeboten (Tourismus wie MICE) erhöhen wir die Wertschöpfung vor Ort, sorgen für eine
höhere Auslastung der Betriebe und tragen damit zur Sicherung ganzjähriger Arbeitsplätze bei.
Zugleich minimieren wir damit den ökologischen Fußabdruck.
Eine klimafreundliche An -/Abreise bzw. eine ebensolche Mobi lität vor Ort spielen eine zentrale
Rolle bei der Nachhaltigkeitsentwicklung (und damit der Wettbewerbsfähigkeit) einer Städte -
Destination. Wir forcieren daher künftig gemeinsam mit unseren Partner:innen klimagerechte
Anreisen (Bahn vor Auto-Anreise) bzw. klimagerechte Mobilität (ÖPNV, Rad) vor Ort.
Mit hybriden Formaten wie Bleisure (Business & Leisure) und Workation (Arbeit & Freizeit) greifen
wir zentrale Trends des Städte - und MICE -Tourismus auf und verbinden dabei Ferien - und
Alltagswelten, Gäste und Einheimische. Diese und andere Entwicklungen erfordern eine verstärkte
Zusammenarbeit mit unseren touristischen Partner:innen, z.B. in der Entwicklung einer
wettbewerbsfähigen Coworking-Landschaft.
Wir aktivieren und heben auch für Tourismus/MICE das Wissen aus der Stadtgesellschaft und
integrieren insbesondere die Next Generation in die Weiterentwicklung der Städte- und MICE-
Destination. Dazu entwickeln wir auch neue Formate von Wissenstransfers (Zukunfts -Labs etc.).
Wir brauchen mehr Experimente für eine ungewisse Zukunft.
Die „Strategischen Ziele“ beschreiben unsere übergeordneten Ziele,
die wir in Tourismus/MICE erreichen wollen.
22
6. Übergeordnete Handlungsfelder
Die künftige Wettbewerbsfähigkeit einer Destination beruht auf der ganzheitlichen Ausgestaltung der
gesamten Customer Journey durch
Nachhaltigkeit
Digitalisierung
Qualität.
Diese drei Themen sind Querschnittsthemen und müssen alle
touristischen Bereiche und Maßnahmen entlang der Kundenreise
durchdringen. Im Fokus der Bemühungen um den Gast muss
dessen Erlebnisqualität stehen. Erlebnisse sollten die
Erwartungshaltung der Gäste übertreffen , einfach und auf
Abruf zugänglich sein sowie eine positive Auswirkung auf die
Stadt haben.
Nur wenn wir obige drei Themenfelder strategisch konsequent
vorantreiben (und miteinander vernetzen), machen wir Münster
als Tourismus- und MICE-Destination zukunftsfähig und resilient. Dies erreichen wir
nur in Kollaboration und mit der Schwarmintelligenz unserer Netzwerk -Partner:innen sowie mit
vorausschauenden Prozessen, bei denen wir immer wieder die Zukunft vorwegnehmen, um sie
mitgestalten zu können.
6.1. Nachhaltigkeit
Angeschoben von Treibern wie der Klimaerwärmung mit ihrem erhöhten Anpassungsdruck, dem
Green Deal der EU, den 17 Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen u.a. werden Wirtschaft wie
Standorte sukzessive nachhaltig umgebaut. Auch Tourismus und MICE -Wirtschaft sind inmitten einer
grünen Transformation - Nachhaltigkeit wird zu einem Basis- und Resilienzfaktor.
Auch wenn es seitens der Gäste noch oft eine Lücke zwischen ihrem Nachhaltigkeits -Anspruch und
Handeln gib t und die Zahlungsbereitschaft für (te urere) nachhaltige Produkte und Services (noch)
relativ gering bleibt, so ist Nachhaltigkeit ein unabdingbarer Erfolgsfaktor für Unternehmen wie
Destinationen – sowohl ökologisch wie sozial. Kaum eine Destination, die keine
Nachhaltigkeitsstrategie hat oder keine Nachhaltigkeitsbeauftragten. Den nachhaltigen Wandel in der
Wirtschaft treibt vor allem die Next Generation voran – als Kunden wie als Mitarbeitende: Stärkster
Treiber für nachhaltiges Handeln in Unternehmen ist nicht so sehr der Gesetzgeber (z.B. EU-
Regulatorien), es sind vielmehr zukünftige Arbeitnehmer:innen (72,6%) und die junge Generation
generell (69%).25
Der Städte - und MICE -Tourismus steht – hinsichtlich seiner Tragfähigkeit und Ressourcenlast –
besonders stark unter Handlungsdruck. Da Tourismus öffentliche Räume und öffentliche Güter nutzt
25 Quelle: Bertelsmann Stiftung (2024): Sustainability Transformation Monitor 2024
Wettbewerbs-
fähigkeit
Nach-
haltigkeit
Digitali-
sierungQualität
23
bzw. monetarisiert, ist eine Ausrichtung am Gemeinwohl systemlogisch. Ein ausgewogener Tourismus
ist auch in Münster ein erklärtes strategisches Ziel. Besonders hier, in der nachhaltigen Fahrradstadt.
Denn Nachhaltigkeit ist tief im Werte-Set der Bürger:innen verankert, die Stadt steht für einen
gesunden, bewussten und nachhaltigen Lebensstil: 1995 startete die Stadt mit
dem Beirat für kommunale Entwicklungszusammenarbeit, bereits 2001/2002
legte man den ersten Nachhaltigkeitsbericht vor, 2019 wurde Münster mit
dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis ausgezeichnet. Bezugsrahmen der
städtischen Nachhaltigkeitsstrategie ist die UN-Agenda 2030 für nachhaltige
Entwicklung mit ihren 17 Nachhaltigkeitszielen (SDGs). Bis 2030 wird seitens
der Stadt die Klimaneutralität angestrebt. Auch das Münster umgebende
Münsterland steht mit seinen Markenkernwerten „ naturverbunden“ und
„gemeinschaftlich“ für ökologische und soziale Nachhaltigkeit.
Wir von Münster Marketing verpflichten uns zu einer verantwortungsvollen Tourismus -Entwicklung
und bekennen uns zum Prinzip der „Destination Stewardship“: Touristische Organisationen haben die
Aufgabe, Nachhaltigkeit im eigenen Ökosystem anzustoßen bzw. diese gemeinsam mit den
Partner:innen verantwortungsvoll weiterzuentwickeln. Zielsetzung sollte sein, die positiven Effekte des
Tourismus zu maximieren und die negativen zu
minimieren. Dazu müssen messbare Ziele definiert
und ein Monitoringsystem aufgesetzt werden, um
die Fortschritte der Transformation
dokumentieren zu können.
Dabei ist neben der ökologischen Nachhaltigkeit
(etwa im MICE -Bereich mit Green Meetings )
ebenso die soziale Nachhaltigkeit ein b esonderes Anliegen. Diversität und Inklusion werden in
Münster großgeschrieben. So wurden die Münster Information und die Tourist I nformation im
Historischen Rathaus mit dem Label „Reisen für alle“ zertifiziert (touristische Angebote, Unterkünfte,
Verkehrsmittel, Webseite von Münster Marketing sind ebenso barrierefrei wie z.B. Stadtführungen).
Schlüsselziele & Maßnahmen
🎯 Ziel: CO2-Reduktion entlang der Customer Journey, bei Leisure-Gästen ebenso wie bei Tagungen
und Events usf.
Maßnahmen
Andocken an Klimaziele der Stadt Münster, in deren Fokus die CO2-Reduktion steht
(https://klimadashboard.ms)
Monitoring & Dashboard: Anteil der CO2-freien Mobilität vor Ort (Rad, ÖPNV) bzw.
Anteil der CO2-freien Mobilität (An-/Abreise) an der Gesamtmobilität der
Besucher:innen
Anreize klimafreundlicher Angebote und Mobilität, z.B. Willkommen! Ticket Münster,
Initiierung von Nachhaltigkeits-Projekten, siehe unsere Schlüsselprojekte (Kapitel 11)
wie u.a. #10.000 Schritte, Cool Münster sowie Abhaltung klimagerechter Meetings
und Veranstaltungen und Etablierung klimaunabhängiger Festivalgelände (USP)
Sensibilisierung in unserem Partnersystem (Wissenstransfer, Hilfestellung bei Audits
und Zertifizierungen etc.)
Messen der definierten Erfolgskriterien
🎯 Ziel: Stärkung der Tourismusakzeptanz und „Alltags-Resilienz“
„Nachhaltigkeit im Tourismus verla ngt ja auch eine
Messbarkeit. Das Messen des touristischen Erfolgs nur an
Übernachtungszahlen ist zu eindimensional. Wir müssen
verschiedene Effekte des Tourismus erfassen, vor allem
den CO2 -Fussabdruck u.a. und diese mit anderen
Destinationen vergleichen.“
Dr. André Wolf, Leiter der Stabsstelle Smart City
24
Maßnahmen
Aktives Einbinden der Münsteraner:innen in die Mitgestaltung der touristischen
Entwicklung, insbesondere der Next Generation als Zukunftsgeneration
Einbindung von Menschen mit Behinderung zur ständigen Weiterentwicklung der
Customer Journey
Botschafter-Souvenirs aus regionaler Produktion
Ermöglichen von Perspektivwechsel, Stärkung der Wertschätzung der Bürger:innen als
Gastgeber der Stadt wie z.B. „Zu Gast in der eigenen Stadt“ (Einbindung, Blicke hinter
die Kulissen etc.)
🎯 Ziel: Transparente Kommunikation mit Fokus auf unsere nachhaltigen Aktivitäten
Maßnahmen
Kontinuierliche und transparente Nachhaltigkeitskommunikation, um Bewusstsein zu
stärken und Anreize zu schaffen - bei den Systempartner:innen ebenso wie den
(potenziellen) Gästen
Dashboard von Münster Marketing als transparenter Leistungsnachweis
Reels der Customer Journey, Angebote etc.
Partner:innen: Stabstelle Klima der Stadt Münster, Systempartner:innen, Haus der
Nachhaltigkeit, Fair Trade Town
6.2. Digitalisierung
Digitalisierung ist ebenso ein Querschnittsthema wie Nachhaltigkeit und betrifft alle Kontaktpunkte
entlang der Customer Journey . Die Pandemie hat smarte Tools und (kontaktlose) Services weiter
vorangetrieben, von KI -gestützten Chatbots ü ber Service-Roboter in Gastronomie /Hotellerie bis hin
zur bargeldlosen Bezahlung. Buchungsplattformen sind ohnehin seit vielen Jahren unverzichtbar,
automatisierter Self -Check-In setzt sich vielfach durch. Remote Work und flüssige Arbeit/Freizeit -
Modelle bringen neue Formate wie Bleisure hervor, die Freizeit- und Geschäftsreisen verändern.
Generative KI -Modelle wie ChatGPT u.a. sind bereits heute aus dem touristischen Alltag (in z.B.
Angebotsgestaltung, Marketing, Kommunikation u.a.) nicht mehr wegzudenken . Im Tagungsbereich
werden Meeting-/Event-Apps ebenso eingesetzt wie digitale Zwillinge26 zur individuellen Ausrichtung
von Events sowie KI zwecks Besucher-Tracking und -Steuerung, Stimmungsanalyse und Echtzeit -
Insights für rasche Adaptierungen vor Ort. Immersive Technologien (Augmented bzw. Mixed Reality)
verändern Ausstellungs- und Eventformate – die Welt wird zunehmend hybride, die Formate flüssiger.
Münster Marketing hat beispielsweise seine EXPLORE MÜNSTER App mit Mixed Reality
angereichert – Besucher:innen können auf diese Weise virtuell durch die Stadt navigieren
und spannende Eindrücke genießen.
26 Digitale Zwillinge sind virtuelle Darstellungen eines physischen Objekts
„Das Datenportal Münsterland ist das Herzstück unserer digitalen Transformation.
Auf Grundlage des Datenportals können Inhalte zum Marketing gemeinsam genutzt
werden. Da findet man alles auf einmal: ÖPNV, Sehenswürdigkeiten, Freizeit -
Angebote, Locations. Dienstleister, Leistungsträger und Kommunen können die
25
Eine digitale 365 Grad -
Ausgestaltung der Reise des Kunden
erfordert smarte Geschäftsprozesse
und vor allem einen offenen
Austausch von Daten ( Open Data ).
Nur mit offenem Datenmanagement
können Informationen
zielgruppengerecht ausgespielt, Reiseverhalten und Buch ungsentscheidungen antizipiert sowie
Besucherströme mittels KI vorausschauend gesteuert werden.
Wir von Münster Marketing beweg en uns mit unseren digitalen Aktivitäten in bewährten Partner -
Systemen, um Sichtbarkeit und Reichweite der Destination signifikant zu erhöhen:
Bespielung der Open Data-Portale mit Münsterland e.V., Tourismus NRW, Deutsche Zentrale
für Tourismus
Teilnahme am Open Data MICE-Projekt des German Convention Bureau
Tourismus und MICE profitieren auch von der Smart City-Strategie der Stadt Münster, die den
Alltag der Menschen „lebenswerter, klimafreundlicher, gesünder, mobiler, sozialer, sicherer
und resilienter“ 27 machen will und bereits einige Vorzeigeprojekte im städtischen Raum
aufweist, die auch touristisch relevant sind:
o Digitales Rad-Parksystem am Hauptbahnhof (2.000 Fahrräder). Über eine App werden
Stellplätze gescannt und gebucht.
o Leezenflow (grüne-Welle-Assistent für Radfahrende): Vor der Ampel wird den
Radfahrenden über die digitale Anzeigetafel angezeigt, wie lange die Grün - oder
Rotphase noch andauert. So können die Radfahrenden ihre Fahrtgeschwindigkeit
entsprechend anpassen, der Verkehrsfluss wird noch geschmeidiger.
Schlüsselziele & Maßnahmen
🎯 Ziel: Systematische Digitalisierung der Customer Journey und der relevanten POI’s
Maßnahmen
Besucherlenkung / Besucher-Tracking mit KI zur Optimierung der Besucherströme
Einsatz von KI im MICE-Bereich: Echtzeit-Zusammenfassungen von Sessions, Feedback-
und Stimmungsanalysen
Einsatz von Digitalen Zwillingen bei Konzeption von Tagungen und Veranstaltungen
🎯 Ziel: Kontinuierlicher Ausbau des offenen Datenmanagements (Open Data)
Maßnahmen
Kontinuierliche Bespielung der Open Data-Plattformen mit unseren
Kooperationspartnern wie Münsterland e.V., Tourismus NRW, German Convention
Bureau
Wissenstransfer und Bewusstseinsbildung bei unseren touristischen Partner:innen vor
Ort
27 Quelle: Stadt Münster (2021), Smart City-Strategie der Stadt Münster
Daten in eigene Online-Angebote einbinden, sie können auch gleich neue Services
entwickeln. Touristische Daten aus Münster und dem Münsterland werden über
Schnittstellen aus dem Datenportal zudem weitere n Partnern zur Verfügung
gestellt - z.B. Tourismus NRW.“
Michael Kösters, Münsterland e.V., Generalbevollmächtigter Bereichsleitung
Tourismus
26
Enge Verbindung zur Stabsstelle Smart City der Stadt Münster zur Initiierung
touristisch relevanter digitaler Projekte
🎯 Ziel: Individualisierung der touristischen Angebote und Services mittels KI
Maßnahmen
Vernetzung und Aufbereitung der Daten zur Ausspielung durch KI
6.3. Qualität
Die Qualität der touristischen Angebote und Dienstleistungen ist Basisfaktor einer erfolgreichen
Destinationsentwicklung: ihre Erfüllung trägt nicht zur Zufriedenheit bei, aber die Nichterfüllung sehr
wohl zur Unzufriedenheit. Nur herausragende Leistungen hingegen stärken Image und
Kundenbindung, sie sorgen für Begeisterung bei Kunden (und damit für Weiterempfehlung bzw.
Besuchswiederholung).
Destinationen sind Netzwerke mit oft sehr unterschiedlichen Partner:innen - entspricht eine
Teilleistung in der Dienstleistungskette nicht den Erwartungen der Gäste, so kann darunter der Ruf der
gesamten Destination leiden. Sicherung und Weiterentwicklung von stringenter Qualität entlang der
Customer Journey gehören somit zu den Kernaufgaben der DMO. Diese Qualität gilt es stetig
auszubauen und an den Bedürfnissen und Wünschen der Zielgruppen auszurichten.
Wir von Münster Marketing
fokussieren uns- im Sinn unserer
strategischen Leitlinien (Kapitel
5) - auf Wertigkeit und Qualität
sowohl auf Produkt-/Service-
Ebene wie auch in den Stadt-
Erlebnissen. Dieses strategisch e
Ziel kann nur in einem ständigen
Dialog, in Wissens- und Methodentransfers und in co-kreativen Prozessen mit den
Leistungsträger:innen erreicht werden.
Produkt-Qualität
In den (in Kapitel 9) definierten sechs Profilthemen stellen wir den Anspruch auf
Qualitätsführerschaft. Mit den dabei ins Schaufenster gestellten Angeboten sorgen wir
gemeinsam mit unseren Systempartner:innen und Allianzen für wertige Kundenerlebnisse (Guest
Experiences), die den Ruf Münsters als attraktives Städte - und MICE-Ziel weiter festigen und für
die Zukunft absichern.
Erlebnis-Qualität
Reisen ist Sammeln von künftigen Erinnerungen. Damit sich Erlebnisse möglichst nachhaltig bei
unseren Besucher:innen verfestigen, denken wir Erlebnisse und Erfahrungen im Kontext der Reise
des Kunden und der dabei in Anspruch genommenen Räume und Orte. Produktentwicklung,
Experience Design und Narrative verschränken sich.
„Nachhaltiger Städtetourismus ist für mich qualitätsvoller Tourismus, der
nichttrivialisierte Angebote und Dienstleistungen zur Verfügung stellt. Das
wäre z.B. der Konsum von Manufakturen anstatt Starbucks.
Nachhaltiger Städtetourismus entsteht für mich dann, wenn wir den qualitativ
hohen Anspruch, den wir an die Stadt legen, auch touristisch erlebbar machen.
Weg vom Konsumieren billiger Highlights hin zu einer stärkeren Tuchfühlung
mit der Stadt, mit ihrem Alltagsleben. Touristen sollen teilhaben an der
Qualität der Stadt und ihre unterschiedlichen Facetten erleben.“
Robin Denstorff, Stadtbaurat Münster
27
Räume prägen Interaktions- und Erlebnismuster der Besucher:innen. Von großer Bedeutung für
den „Erlebnisraum Stadt“ sind die In-Wert-Setzung und Bespielung Dritter Orte und dabei
entstehende Möglichkeiten zur offenen Nutzung bzw. flüssigen Interaktion. Dabei ist besonders
achtsam mit jenen Räumen umzugehen, in denen sich Erlebnis - und Lebensraum überschneiden,
also Besucher- und Alltagswelten. Mögliche Nutzungskonflikte gilt es zu antizipieren bzw. ihnen
mit Maßnahmen entgegenzuwirken (z.B. mit Nachtbürgermeister-Aktivitäten u.a.).
Wertige Stadterlebnisse können nur in entsprechenden Resonanz-Räumen entstehen. Hier ist zum
einen auf ho he Aufenthaltsqualität zu achten - Münster ist ohnehin eine Stadt mit einer hohen
Gestaltungsqualität (z.B. Prinzipalmarkt, Domplatz mit „Domplatz -Oase“ und neue m Stadt-
Mobiliar).
Zum anderen müssen Besucherströme (temporär, saisonal etc.) über attraktive Narrative gelenkt
und smart über städtische Räume verteilt werden. „Münster ist eine der wenigen Städte in NRW,
bei der man den Overtourism anschauen muss. Da ist die digitale Besucherlenkung ein wichtiges
Instrument, um die Menschen vorausschauend mit K I durch die Stadt zu navigieren und ihnen
Alternativen anzubieten“ (Dr. Heike Döll-König, Geschäftsführerin NRW Tourismus).
Ein Stadtraum ist dann in Balance, wenn Besucher sich auf unterschiedliche Points of Interest und
andere Orte verteilen und wenn sich die Frequenzen über unterschiedliche Zeiträume erstrecken
(vgl. Schlüsselprojekte Kapitel 11). Diese Strategie deckt sich auch mit der Zielsetzung „Vielfalt der
Stadtteile“ des integrierten Stadtentwicklungskonzepts (ISEK 2030) der Stadt Münster.28
Schlüsselziele & Maßnahmen
🎯 Ziel: Kontinuierliche Weiterentwicklung der Qualität entlang der Customer Journey
Maßnahmen
Messung von Gästezufriedenheit, Weiterempfehlungsrate und Quote der
Wiederholungsbesucher:innen
Sensibilisierung und Unterstützung der Leistungsträger:innen für/bei deren
Qualitätssteigerung (Zertifizierungen, Wissens-Management, Dialogforen u.a.)
Benchmarking mit vergleichbaren Städten (z.B. Historic Highlights of Germany)
Beherbergungs-Analyse zur weiteren Steuerung der touristischen Entwicklung
Mögliche Nutzungskonflikte vorausschauend entschärfen (z.B. über
Nachtbürgermeister u.a.).
🎯 Ziel: Entwicklung profilorientierter und profilschärfender Angebote, siehe Schlüsselprojekte
und Profilthemen
Maßnahmen
Quartiers-Profile als Ausgangspunkt für systemische Angebotsentwicklung
Kontinuierliche Stärkung der Partnersysteme
Erfolgs-Monitoring
Konsequente Ausrichtung der Angebote an definierten Zielgruppen
28 Stadt Münster (2021): Integriertes Stadtentwicklungskonzept („ISEK 2030“)
28
🎯 Ziel: Innovationskultur fördern
Maßnahmen
Fokus auf nachhaltige und smarte Innovationen in der Destination
Entwicklung neuer, ungewöhnlicher Formate von Wissenstransfers (Zukunfts-Labs
etc.) wie z.B. „Offene Hörsäle“
29
7. Managementziele und
kritische Erfolgsfaktoren
Zur Messung des touristischen Erfolgs sind seit Jahrzehnten Kriterien wie Anzahl der Ankünfte und
Übernachtungen, Tourismusi ntensität, Aufenthaltsdauer u.a. etabliert. An diesen KPI’s wollen wir
weiterhin festhalten, nehmen aber künftig zusätzlich noch stärker Parameter ins Visier, die nicht nur
das lineare Wachstum messen, sondern zu einem verantwortungsvollen Tourismus und zum
städtischen Gemeinwohl beitragen. Wettbewerbsfähigkeit und Nachhaltigkeit gehen Hand in Hand.
Generell haben wir bei der zukünftigen Entwicklung von Tourismus und MICE die grundlegenden
Leitprinzipien im Fokus:
Nachhaltig und smart – das sind unsere Leitplanken. Dabei folgen wir auch den strategischen Zielen
der Stadt Münster mit möglichst schneller Klimaneutralität. Die touristische Entwicklung verschränkt
sich an wichtigen Hebelpunkten mit den generellen Nachhaltigkeitszielen der Stadt bzw. auch mit
ihrem „integrierten Stadtentwicklungskonzept“ . A uch die Schlüsselprojekte sind im
gemeinschaftlichen Prozess in diesem Sinn entwickelt worden. Nachh altigkeit bedeutet in der
touristischen Entwicklung aber auch, stets die nächsten Generationen und deren Wohl im Augen zu
haben.
Die Messkriterien, die wir priorisiert und Schritt für Schritt angehen, sind multidimensional und
umfassen die Bereiche:
Ökonomie
Traditionelle KPI’s: Anzahl der Ankünfte und Übernachtungen, Aufenthaltsdauer,
Saisonalität, Tourismus-Intensität
Steigerung der Aufenthaltsdauer
Wertschöpfung pro Kopf (Übernachtungs- wie Tagesgast)
Ganzjahrestourismus
RevPar (Umsatz pro verfügbarem Zimmer)
Ökologie
CO2-Reduktion
o Treibhausgasemission pro Nacht
Vorgehensweise: Um das touristische Ökosystem unter nachhaltigen Kriterie n in die
Zukunft zu führen, planen wir eine schrittweise Umsetzung unserer strategischen Ziele.
Wir konzentrieren uns zu Beginn auf einige wenige KPI’s und auf jene Bereiche, die die
größte Hebelwirkung auf die nachhaltige Transformation der Städte - und MI CE-
Destination Münster haben (allen voran die CO2- Reduktion).
Die „Schlüsselkennzahlen“ (KPI‘s) beschreiben jene Kriterien, anhand
derer wir k ünftig – neben den traditionellen Messkriterien - Erfolg in
Tourismus/MICE definieren und messen wollen.
Wie messen wir ihn?
Welches Wachstum wollen wir?
Generelle Leitprinzipien
# Qualität vor Quantität
# Lokale Wertschöpfung
# Achtsamer und smarter Umgang
mit Ressourcen.
30
o Anteil der CO2-freien Mobilität vor Ort (Rad, ÖPNV) bzw. Anteil der CO2-freien
Mobilität (An- /Abreise) an der Gesamtmobilität der Besucher:innen
o Anteil an erneuerbarer Energie (Betriebe)
Ausbau der grün zertifizierten Partnerbetriebe, mehrstufiges Engagement-System mit
niedrigschwelligem Einstieg
Nachhaltigkeits-Kommunikation (Information über Nachhaltigkeits-Angebote und deren
Nutzung durch Gäste, Dialogveranstaltungen mit Stakeholdern, Weiterbildungsangebote)
Motivation der Betriebe zu regionalen/saisonalen Angeboten
Motivation der Betriebe zur nachhaltigen Beschaffung
Soziales
Lebenszufriedenheit der Bewohner:innen (Umfragen/Monitoring)
Diversitäts- und Inklusions-Index in touristischen Betrieben
Gästebeteiligung (Einbindung der Gäste, Bewusstseinsbildung etc.)
Governance
Tourismusakzeptanz (regelmäßige Umfragen Monitoring)
Gästezufriedenheit (regelmäßige Umfragen)
Regelmäßiges Erstellen von Nachhaltigkeitsberichten
Einbeziehung der Next Generation in touristische Zukunftsfragen des Standorts
Zertifizierung der DMO
KPI’s für „Alltagsresilienz“ (z.B. Tourismusakzeptanz der Bewohner:innen, Kompatibilität mit
zentralen Stadt-Strategien und Werten der Friedensstadt etc.)
31
8. Next Generation
In Münster pulsiert das junge Leben wie in nur wenigen anderen Städten. Fast 20 Prozent der
Einwohner:innen der Stadt sind Studierende29. Die Jungen halten (nicht nur auf dem Rad) die Stadt in
Bewegung - Richtung Zukunft.
Und so ist es mehr als logisch, dass wir in Münster, wo die Durchmischu ng der Generationen seit eh
und je selbstverständlich ist, die Next Generation aktiv auch in den Dialogprozess im Rahmen der
vorliegenden Tourismus- und Kongress -Strategie mit eingebunden haben. Gemäß unserer Mission
(Kapitel 5) verfolgen wir die nachhaltige
touristische Entwicklung der Stadt,
indem wir „Impulse aus der sich ständig
erneuernden Stadtgesellschaft
aufnehmen und insbesondere auch die
junge Generationen aktiv mit
einbinden“.
Im Sinn unserer Dialogkultur
sammelten wir in einem Workshop speziell mit der Jungen Generation deren Wünsche und kritische
Erfahrungen, deren Visionen und Erwartungen bezogen auf den Tourismus in der Stadt Münster.
Was ein (touristisch) attraktives Münster aus Sicht der Jungen bieten muss:
Gut zugängliche öffentliche Räume zum Austausch und Abhängen („Cornern“), diverse (auch
kindgerechte) Begegnungsorte, mehr konsumfreie Orte, grün-blaue Stadt
Niedrigschwellige kreative Angebote (z.B. Events) und Räume, eine einfache digitale
Verfügbarkeit von Infos (App etc.)
Das Münstergefühl bewahren - kein Massentourismus, keine Museumsstadt, weniger (Food-)
Ketten
Niedrigschwellige Fahrradverfügbarkeit zur Leihe („Call a bike“)
Die jungen (divers zusammengesetzten) Workshop-Teilnehmer:innen adressierten in ihren Wünschen
und Erwartung en ein inklusives Münster mit niedrigschwelligen Angeboten und Orten , die
Kreativität, Teilhabe und aktive Mitgestaltung ermöglichen sollen – dies erfordert Mut und
Experimentierfreude seitens der Stadt.
29 Quelle: Statistisches Bundesamt
„Wir reden gerne über die Zukunft, aber nicht mit der Zukunft… Wir
müssen die Jungen unbedingt einbauen… Münster ist ja eine
Studentenstadt, da ist diese Zielgruppe ohnehin stark im Fokus. Wir
müssen die Jungen integrieren, schließlich dauern ja viele
Entwicklungen oft Jahre und Jahrzehnte… und es sind die Jungen, die
morgen mit den heute angestoßenen Dingen leben müssen.“
Andreas Weitkamp, Sprecher ISI (Initiative starke Innenstadt Münster)
32
Münster als Destination für die Next Generation
Die Erwartungen und Wünsche der Next Generation an ein attraktives Münster spitzen allgemein
relevante Themen aus Stadtgesellschaft und Stadtentwicklung zu (Leistbarkeit des Lebens, Diversität,
Zugänglichkeit von Orten, nachhaltige Lebensqualität etc.).
Wovon wollen wir mehr
•Nachtleben & Erlebnisquartiere, Nachtbusse
•Konsumfreie Räume (drinnen & draußen), Cornern
•Mehr Wasser, Trinkwasserbrunnen und Bademöglichkeiten
•Städtische Lebensqualität (grünere Fußgängerzone, noch mehr Vorfahrt für Fahrräder, Sitzmöglichkeiten, zentrale
konsumfreie Orte, kreative Freiräume)
Wovon wollen wir weniger
•Teure Gastro
•Elite-Veranstaltungen (Prinzipalmarkt)
•Überteuerte Wohnungen
•Autos
•Ketten (Food, Fashion etc.)
Was wollen wir beibehalten
•Die Clubs am Hawerkamp
•Saubere Stadt
Was wollen wir neu beginnen
•Unterstützung junger Ideen
•Kirchen umwidmen
•Budget Guides, Budget-Pakete für Münster-Aufenthalt, günstige Hotels mit zentraler Küche
Was wollen wir stoppen
•Sperrstunden & Verbot von Cornern
•Dominantes Image Münsters als Studi-Stadt
•Autos in Innenstadt, E-Scooter
• Was die Stadt bieten muss: Nachhaltigkeit (grün, blau, walkable & bikeable), Diversität und
Inklusion
• Wasser als Zukunftsthema einer Stadt im Klimawandel
• Wir sind die Stadt: Starkes Engagement der jungen Generation für „ihre“ Stadt & starker
Wunsch nach Mitgestaltung
• Nicht nur die Mitte, sondern auch die (Stadt-) Ränder in Wert setzen, Beteiligungskultur
fördern
• Kostengünstige Formate und niedrigschwellige Erlebnisse (touristische Budget-Konzepte).
Münster auf dem Weg zu einer Love Brand
für die Next Generation
33
Relevante Zielgruppe für den Städtetourismus
Die junge Generation Z (geboren zwischen 1995 und 2010) macht in Deutschland rund 14 Prozent der
Bevölkerung aus (in Münster sind 17,1% der Bevölkerung unter 20 Jahre jung)30. Sie hat somit eine
zentrale Bedeutung für Wirtschaft und Standort. Die Jungen sind im Zeitalter der Polykrisen
aufgewachsen und stark von Sinnfragen und Werten getrieben. Insbesondere der Klimawandel und
die nötige Anpassung von Konsum- und Lebensstilen treibt sie um. Nachhaltigkeit, Gesundheit (hier
vor allem Mental Health) und Selbstfürsorge sind Leitwerte dieser jungen Generation:
o 30% machen ihre Kaufentscheidung abhängig vom Impact einer Marke
o 81% wollen für ein Unternehmen arbeiten, „das ihren Werten entspricht“
o 70% wollen für ein Unternehmen, das einen „positiven Impact auf lokale Communities” hat.31
Ihre Freizeit ist geprägt durch Sport (55%), Musik (49%), Gaming (30%). Aufgewachsen mit dem
Smartphone als Navigationsinstrument durch das tägliche Leben, sind die Jungen äußerst Social Media-
affin (Tik Tok (53%), Instagram (50%), YouTube (42%) . Immerhin 49% der Generation Z folgen
Influencern.32
Bei Städtereisen werden individuelle Erlebnisse und Erfahrungen gesucht, die sie ins Alltagsleben der
bereisten Destination eintauche n lassen und Begegnungen mit Einheimischen und deren
Lebensumfeld ermöglichen. Events und Festivals, Local Food sind weitere führende Besuchermotive.
Diese Reiseerlebnisse müssen (durch KI aufbereitet) hyperpersonalisiert, die Customer Journey
möglichst einfach und bequem mit dem Smartphone in all ihren Phasen erleb- und gestaltbar sein.
Digitale Convenience und neue Formate bzw. digitale Services gehen Hand in Hand:
Rund 49% der Gen Z wollen Arbeit und Urlaub miteinander verbinden (Bleisure)
Mehr als 60% der Gen Z werden bei ihrer Urlaubsplanung von den Sozialen Medien beeinflusst
65% der Gen Z-Reisenden bevorzugen einen schnelleren automatischen Check-in, gleichzeitig
schätzen über 90% die Anwesenheit (und persönliche Zuwendung) von Personal vor Ort, 18%
sind dem Einsatz von Robotern oder Künstlicher Intelligenz in Hotels gegenüber
aufgeschlossen.33
Maßnahmen
Social Media-Kampagnen (TikTok, Instagram): z.B. Challenge „Low Budget-Urlaub in Münster um
100 Euro“
Aufbau Influencer-Pool/Next Generation, Fokus auf Mikro-Influencer
Perspektiven der jungen Generation auch weiterhin mit integrieren, z.B. Future Labs mit Next
Generation (Explore Münster aus junger Sicht, Themenradar für die Entwicklung hybrider
Formate Workation, Co-Living u.a.)
Nutzen der Schwarmintelligenz der jungen Generation, wie z.B. Hackathons zur Entwicklung
digitaler Tools/Services für Tourismus & MICE
Partner:innen: Kongressinitiative, ISI, Smart City, junge Generation
30 Quelle: Stadt Münster (2024)
31 Quelle: Euromonitor (2023): Top 10 Consumer Trends 2023/Lifestyle Survey 2022; Deloitte: Global Millennial and Gen Z Survey 2021;
LEWIS (2021): The World is changing. How will you help?
32 Quelle: appinio, fischerAppelt (2023): Teengeist. Die Gen Z im internationalen Vergleich
33 Quelle: SiteMinder (2022)
34
9. Profilfelder
Die touristischen Profilfelder Münsters sind jene Stärken, die uns als Destination besonders machen
und mit denen wir Resonanz bei unseren Besucher:innen erzeugen. Diese Stärken gilt es stetig
weiterzuentwickeln, an Umfeldveränderungen anzupassen und in der Kommunikation -
zielgruppengerecht aufbereitet – ins Schaufenster zu stelle n (Explore Münster , Social Media u.a.).
Lebendige Kultur und Geschichte. Kunst im öffentlichen Raum
Die Altstadt Münsters mit dem St. Pa ulus Dom, der St. Lambertikirche und dem Historischen
Rathaus repräsentiert d ie Geschichte der Stadt. Historisches Herz der Stadt ist das Rathaus des
Westfälischen Friedens. Es trägt gemeinsam mit seinem Osnabrücker Pendant das Europäische
Kulturerbesiegel. Die Verleihung des Internationalen Preises des Westfälischen Friedens, die
Dialoge zum Frieden mit der Schülerakademie oder der Friedenskulturmonat machen Münster
immer wieder zu einem Ort für den Dialog.
Künstlerisch zeigt das Eduardo Chilidas Skulptur „Toleranz durch Dialog“ auf dem Platz des
Westfälischen Friedens. Dieses Kunstwerk ist ein Beispiel dafür, wie präsent Kunst im öffentlichen
Raum in Münster ist – befördert durch die
internationale Ausstellung „Skulptur Projekte “, die
alle zehn Jahre internationales Kunstpublikum nach
Münster zieht. Große Museen wie das LWL-Museum
für Kunst und Kultur, das Kunstmuseum Pablo
Picasso Münster, die Kunsthalle Münster und eine
freie Kunstszene bereichern das kulturelle
Spektrum. Zu beiden Themen gibt es ein breites
Angebot an klassischen, kulinarischen und
unterhaltsamen Stadtführungen.
Wissenschaftsstadt/erlebbare Wissenschaft
Wissenschaft gehört zum Profil der Stadt Münster und ist Teil der Stadtmarke. Dies zeigt sich an
„Kultur-Tourismus hat große Potenziale. Kunst und Münster
gehören ja zusammen. Wir haben ja in Münster eine hohe
Dichte an Kultur-Institutionen, rund um den Domplatz. Da
könnte man ein Kunst-Quartier als Brand draus machen. Auch
die Vernetzung von Universität und Kultur birgt neue Chancen,
man könnte die Studenten mehr reinholen, aber sich auch mit
dem Umland, dem Münsterland noch stärker vernetzen.“
Dr. Hermann Arnhold, Direktor LWL -Museum für Kunst und
Kultur
Lebendige Kultur und
Geschichte
Kunst im öffentlichen Raum
Wissenschaftsstadt /
erlebbare Wissenschaft
Pulsierendes Stadt- und
Quartiersleben
Die aktive Stadt
(Fahrrad, Gesundheit)
Natur mittendrin &
rundherum
MICE
35
den elf Hochschulen mit rund 65.000 Studierenden, die in Münster ihren Platz haben, sowie an
den sechs großen außeruniversitären Forschungseinrichtungen und dem Universitätsklinikum. An
diesen Standorten findet
Spitzenforschung zu einem breiten
Spektrum wissenschaftlicher
Themen statt. Durch öffentliche
Veranstaltungen wie
KneipenScience, Schlauraum,
ALTERnativ, Dialoge zum Frieden
u.a. wird Wissenschaft erlebbar
gemacht.
Pulsierendes Stadt- und Quartiersleben
Münster vereint Internationalität und vielfältige Kulturen und zieht auch daraus s eine hohe
Anziehungskraft. Die Stadt der kurzen Wege bietet einen vielfältigen Einzelhandel, beliebte
Wochenmärkte, eine lebendige Gastronomie und junge Nachtszene. Das Stadtbild wird gepräg t
durch ein reiches Angebot an Begegnungen, Bildung, Festen und Kultur.
Mit 45 Stadtteilen , mit kleinen und große n
Quartieren mit je eigener Identität und
eigenem Charme zeigt sich Münster als
facettenreiche und erlebnisreiche Stadt.
Während der Bezirk Mitte mit der Innenstadt
von aufregendem Trubel, Ausgehvierteln und
Sehenswürdigkeiten geprägt ist, haben a uch
die fünf Außenbezirke mit ihren Stadtteilen
ihren eigenen Reiz und bieten mit ihrer
Naturnähe und ihren sportlichen Möglichkeiten einen entspannten Kontrast zur Innenstadt.
Die aktive Stadt (Fahrrad und Gesundheit)
Münster ist aktiv. Das Fahrrad ist Fortbewegungsmittel Nr. 1. Mit rund 1,7 Fahrrädern pro Kopf
auf 320.000 Einwohner :innen ist das Stadtbild geprägt von Rädern. Aber nicht nur die
Einheimischen lieben die Leeze, sondern auch die Gäste bewegen sich auf den 270 km
ausgeschilderten Themenradwegen durch die Stadt. Neben der Leeze spielen in Münster natürlich
auch noch das Jogg en am Aasee, d as Kanufahren auf der Werse, das Speckbrettspielen
(münstereigene Sportart) oder das Skaten
eine große Rolle.
Auch weil in Münster die „Gesunde Stadt“
ernst genommen wird, gehört Fitness zur
Alltagskultur. Die sport - und
bewegungsorientierte Freizeitgestaltung
ist im Stadtbild unübersehbar. Rund um
Aasee und Promenade, Parks und
Sportanlagen halten sich Jung und Alt fit,
naturnahe Sportarten sind besonders beliebt. Das drückt sich auch beim Münsterland Giro und
beim Münster Marathon aus, die weit über die Stadtgrenzen Münsters hinaus strahlen.
„Die Stärken der Stadt sind zweifellos die vielen jungen Menschen, die
ein lebendiges Flair erzeugen, eine gute Wissenschafts-Community
und dann die DNA als Friedensstadt, die seit Jahrhunderten Dialoge
zwischen unterschiedlichen Lagern vermittelt, Konflikte austariert –
etwas, das den Grundstein für eine starke Tagungskultur gelegt hat
und gerade aktuell wichtiger denn je ist.“
Matthias Schultze, Geschäftsführer German Convention Bureau
„Die Einzelhandelslandschaft ist hier intakt und vielfältig wie nur in
wenigen Städten. Wir haben hier alles, bis auf Mono Brands, wie es
sie in großen Städten gibt. Nicht wenige Touristen kommen extra
nach Münster, weil es hier so ein besonderes Einzelhandelsangebot
gibt. Wir haben z.B. Kunden, die kommen sogar aus München zu uns.“
Andreas Weitkamp, Sprecher ISI (Initiative starke Innenstadt
Münster)
„Unser USP ist sicher die Kombination Stadt und Natur. Vom
Campingplatz aus machen die Leute Ausflüge ins Umland,
Radtouren, besuchen Hofläden. Im Sommer fahren die Leute gerne
mit dem Rad in die Stadt, wir bieten ja hier viele Radtouren an,
auch ins Umland. Man muss es den Gästen möglichst einfach
machen, eine App, die alles in einem anbietet: Shopping, Natur,
Freizeit.“
Gertrud Kampert, Heike Weller, Campingplatz Münster
36
Natur mittendrin und rundherum
Münster bietet vielfältige Naturerlebnisse: die vielen Parks, die Rieselfelder, der Botanische Garten
als Oasen der Erholung oder das
renaturierte Aa-Ufer. Der Aasee, Münsters
größter Naherholungsraum, lädt mit
zahlreichen Spazierwegen zum Verweilen
ein, ebenso das Radfahren auf de r
Promenade und Entspannen am Hafen.
Das Münster umgebende Münsterland
beeindruckt seinerseits mit einer
vielfältigen Natur von malerischen Picknickplätzen und idyllischen Radrouten auf 4.500 Kilometern
bis hin zu Parklandschaften, Heidegebieten und Mooren.
MICE
Münster ist eine bedeutende Hochschulstadt mit elf Universitäten und rund 65.000 Studierenden.
Die Stadt bietet ein starkes w issenschaftliches Profil mit dem Universitätsklinikum,
Exzellenzclustern wie „Religion und Politik“ sowie
„Mathematik Münster“ und dem
Batterieforschungszentrum MEET. Das Messe und
Congress C entrum Halle Münsterland, 22
Tagungshotels und 35 Eventlocations machen
Münster zu einem zentralen Kongressort für
nationale und internationale Kongresse. Jährlich
finden über 12.800 Veranstaltungen statt.
Mit Initiativen wie Nachhaltig tagen , dem
Willkommenticket (kostenfreie r ÖPNV) sowi e der Weiterentwicklung des Mes se und Congress
Centrums Halle Münsterland als Herzstück des Hafenquartiers wird Münster durch die
Neudefinition von Räumen, das Einbinden der Stadtgesellschaft und die Ausweitung der
Netzwerke zukunftsorientiert gestaltet.
Bei der Weiterentwicklung und der Kommunikation unserer sechs Profilthemen orientieren wir
uns an unseren touristischen Leitwerten:
Achtsam: Wir gehen verantwortungsvoll mit unseren Ressourcen um und stehen für einen
Tourismus, der für Mensch, Stadt und Umwelt gut verträglich ist.
Schön: Die hohe ästhetische, baukulturelle und stadträumliche Qualität der Innenstadt („Stadt in
Balance“) ist ein besonderes touristisches Gut, das wir auch für die Zukunft bewahren wollen.
Beständig: Die starke Verwurzelung in der Geschichte und in der Reg ion sowie die westfälische
Bodenständigkeit erzeugen ein Gefühl der Stabilität, des ritualisierten Wohlseins, des „Nach Hause-
Kommens“.
Überraschend: Historische Altstadt & pulsierendes junges Leben, Verschmelzung von Stadt & Natur,
honorige Wissenschaft & kreative Szenen - Münster bietet immer wieder überraschende
Gegensätze.
„Die Kombination Land mit einer sehr attraktiven Stadt ist sicher eine
Stärke. Die meisten unserer Gäste sagen, ich will im Münsterland
übernachten, muss aber unbedingt in die Stadt Münster hinein. Das ist
hier schon eine Besonderheit, eine Region mit der namensgebenden
Stadt mittendrin, das gibt es nicht so oft.“
Michael Kösters, Münsterland e.V., Generalbevollmächtigter
Bereichsleitung Tourismus
„Tagungen und Konferenzen sind DAS Instrument für
Universitäten, um die Internationalisierung
voranzutreiben… Das junge Flair der Stadt prägt
entscheidend den Münsteraner Alltag. Die weichen
Faktoren – Lebensqualität, pulsierendes junges Leben
etc. – sind absolut wichtig und auch für unser
Außenmarketing unbedingt wichtig.“
Prof. Johannes Wessels, Rektor Universität Münster
37
10. Märkte und Zielgruppen
10.1. Märkte
Die Stadt Münster ist ein klassisches Inlandsreiseziel, sowohl was den touristischen Markt als auch
den Markt für Geschäftsreisende be trifft: von den 747.157 Ankünften in 2023 waren 95.033
ausländischer Herkunft.
Bei den ausländischen Quellmärkten , die im Jahr 2023 175.357 Übernachtungen in den
Beherbergungsbetrieben generierten, halten die Niederlande mit 42.934 Übernachtungen den
größten Anteil.34
Die klare Vorrangstellung der benachbarten Niederlande unter den ausländischen Quellmärkten
spiegelt sich statistisch auch auf Landesebene wider: 2023 lag in NRW der niederländische Quellmarkt
mit 2.611.549 Übernachtungen unangefochten an ers ter Stelle und steuert damit jede vierte
ausländische Übernachtung bei.35
Marktbearbeitung:
Wir von Münster Marketing fokussieren unsere Markt-Aktivitäten auf erdgebundene Quellmärkte.
Dabei verfolgen wir den Grundsatz: Klimagerechte Mobilität wo möglich, F lüge wo nötig (MICE und
Geschäftsreisen sowie internationale Märkte).
Fokus Inlandsmärkte
Bei Übernachtungsgästen liegt der Fokus auf NRW, Niedersachsen, Schleswig -Holstein,
Hessen, Rheinland-Pfalz und Hamburg; bei den Tagesgästen auf dem Münsterland sowie dem
restlichen NRW und Niedersachsen.
Internationale Märkte : Die internationalen Hauptzielmärkte Münsters sind Niederlande,
Schweiz und Österreich sowie ausgewählte Märkte in Kooperation mit unserem
Kooperationspartner Historic Highlights of Germany (Spanien, USA).
Maßnahmen
Aktive Vermarktung Münsters als nachhaltige Städte-Destination mit Fokus auf
erdgebundene Quellmärkte
Gestaltung attraktiver, zielgruppenorientierter Pakete für Übernachtungsgäste zur
Verlängerung der Aufenthaltsdauer (Tourismus wie MICE). Stay Longer und Bleisure-
Angebote (siehe unsere Schlüsselprojekte) sollen Münster insbesondere auch als Place to be
für neue hybride Reise- und Arbeitsformate (New Work) unter jungen Zielgruppen
positionieren
Adressierung von Tagesgästen speziell in Nebensaisonen und auslastungsschwächeren
Monaten
Intensivierung der internationalen Marktbearbeitung im Sinn der Risiko-Diversifizierung in
Kooperation mit Historic Highlights of Germany (aktuell Spanien, USA), NRW Tourismus und
Deutscher Zentrale für Tourismus.
34 Quelle: Stadt Münster (2024)
35 Quelle: Tourismus NRW e.V. (2024)
38
Internationalisierung der MICE-Märkte
Angesichts des relativ niedrigen Anteils von 6,8% an ausländischen Tagungsgästen bei den
Business Events36 (vor allem Niederlande, Schweiz, Belgien) bei gleichzeitig hervorragendem
Image Münsters als Wissen schaftsstadt ist eine Intensivierung der internationalen
Marktbearbeitung dringend zu empfehlen. Damit sichern wir den Tagungsstandort Münster
auch in Zukunft ab und gewährleisten wichtige Impulse und Transfers für die
Weiterentwicklung der wirtschaftlichen Profilfelder des Standorts.
🎯 Ziel: Erhöhung des internationalen Anteils an Business- und MICE-Gästen
Maßnahmen
Forcierung der internationalen Akquise in den Top-Standortfeldern (wie z.B.
Batterietechnologie, Medizin und Public Health)
Strategische Offensive von Professoren, Brand Ambassador, Corporate Influencer
Forcierung der Botschafter-Programme über Alumni, Expats u.a. (Community-Pflege in
Clubs und regelmäßigen Events)
Partner: Münster Marketing, Kongressinitiative, German Convention Bureau.
10.2. Zielgruppen
Münster orientiert sich bei der Adressierung seiner touristischen Angebote am wertorientierten (und
an soziokulturelle Veränderungen laufend angepassten) Zielgruppenmodell der SINUS-Milieus. Dieses
Modell geht weit über sozio -demografische Segmentierungen hinaus. Es erfasst die Lebenswelten,
Lebensstile, die Werte und Einstellungen der Zielgruppen und bündelt diese zu Lifestyle-Clustern.
Abbildung 737
36 Quelle: EITW (2024)
37 Grafik und Milieubeschreibung © SINUS Markt- und Sozialforschung 2021, zitiert in Tourismus NRW e.V.: Landestourismusstrategie von
NRW/Die Sinus-Milieus für das Reiseland Nordrhein-Westfalen, online abrufbar unter https://bit.ly/46Iaqv8
39
Für Münster wurden folgende Sinus -Milieus
identifiziert:
Postmaterielles Milieu
Adaptiv-Pragmatische Mitte
Neo-Ökologisches Milieu.
Mit der Ansprache dieser Sinus -Milieus entsprechen w ir nicht nur unserem Marketingg rundsatz,
sondern schaffen auch eine größtmögliche Überschneidung und damit einen Synergiegewinn mit den
touristischen Zielgruppen von Münsterland e.V. (Adaptiv-Pragmatische Mitte, Postmaterielles Milieu)
und NRW Tourismus, welcher (neben dem Expeditiven Milieu und dem Milieu der Performer) ebenfalls
diese beiden Milieus anspricht.38
Abbildung 8: SINUS-Milieus und ihr prozentualer Anteil an der deutschen Bevölkerung; Quelle: © SINUS Markt- und
Sozialforschung 2021
Die Fok ussierung auf diese drei Hauptz ielgruppen bedeutet jedoch nicht, dass nicht auch andere
Zielgruppen (z.B. themenabhängig) angesprochen werden – nur konzentrieren wir unseren
Ressourceneinsatz auf diese drei Leitzielgruppen (die in Folge erfahrungsgemäß auch andere
Zielgruppen nachziehen).
Basierend auf den SINUS -Milieus können die jeweiligen Kunden-Kontaktpunkte passgenau
identifiziert und mit für die Zielgruppen relevanten Themen bzw. mit spezifischen Angeboten und
Dienstleistungen bespielt werden.
38 Eine ausführliche Beschreibung der definierten SINUS-Milieus und ihrer jeweiligen Persona-Steckbriefe etc. finden Sie auf der Webseite
von Münsterland e.V. https://bit.ly/46JSd0a bzw. in der Landestourismusstrategie von NRW https://bit.ly/46Iaqv8. Zudem wurde bereits
2021 in unseren Workshops zum Tourismus-Leitbild die „Reise des Kunden“ anhand der jeweiligen Personas entwickelt und an diese in
Angeboten/Dienstleistungen, Themen/Content etc. angepasst.
Definierte Zielgruppen für Münster
Postmaterielles Milieu 12%
•Engagiert-souveräne Bildungselite mit postmateriellen Wurzeln: Selbstbestimmung und -entfaltung sowie auch
Gemeinwohlorientierung; Verfechter von Post-Wachstum, Nachhaltigkeit, diskriminierungsfreien Verhältnissen und
Diversität. Sehr hoher Bildungsgrad, sehr hohes HH-Einkommen. Aktivitäten: Städtetrip mit Shopping, Bummeln und
kulinarischem Genuss. (Weiter-) Bildung: Museen & Ausstellungen, Veranstaltungen
Adaptiv-Pragmatische Mitte 12%
•Der moderne Mainstream: Anpassungs- und Leistungsbereitschaft, Nützlichkeitsdenken, aber auch Wunsch nach
Spaß und Unterhaltung; starkes Bedürfnis nach Verankerung und Zugehörigkeit; flexible Pragmatiker.
Unterdurchschnittlicher Bildungsgrad, mittleres HH-Einkommen. Aktivitäten: individuelle & abwechslungsreiche
Aktivitäten, Events, Spaß & Unterhaltung: Ausflüge, Natur, Rad
Neo-Ökologisches Milieu 8%
•Die Treiber der globalen Transformation: Optimismus und Aufbruchsmentalität bei gleichzeitig ausgeprägtem
Problembewusstsein für die planetaren Herausforderungen; offen für neue Wertesynthesen: Disruption und
Pragmatismus, Erfolg und Nachhaltigkeit, Party und Protest; Selbstbild als progressive Realisten; Umwelt- und
klimasensibler Lebensstil. Hoher Bildungsgrad, mittleres Einkommen. Aktivitäten: nachhaltiges und
verantwortungsvolles Reisen. Aktivitäten: Green City Explorer, Eco Mobility, Green Events
Grundsatz:
Im Marketing (B2B, B2C) adressieren wir jene Zielgruppen,
die
•-den größten Beitrag zur Erreichung unserer strategischen
Ziele leisten
•-möglichst positive Effekte auf das touristische und
gesamtstädtische Ökosystem haben.
40
Maßnahmen
Ausspielung von maßgeschneidertem Content
Dieser Content wird (in Form von Text, Fotos, Videos etc.) mittels KI genau nach den Bedürfnissen
und Wünschen der jeweiligen Zielgruppen auf den passenden Kanälen (ohne Streuverlust)
ausgespielt
Fokussierung auf Content-Marketing in Social Media
(Mehr als zwei Drittel der Städtereisenden im DACH-Raum nutzen Instagram zur Inspiration und
Information für Städtereisen.)39
Entwicklung zielgruppengerechter Narrative (Story Telling) besonders in der bislang noch schwach
ausgeprägten Vermarktung der Genusskultur Münsters
Explore Münster als zeitgemäßes Inspirations- und Navigationsmedium analog wie digital
kontinuierlich weiterentwickeln.
39 Vgl.: ETI – Europäisches Tourismus Institut et al. (2024)
41
11. Schlüsselprojekte
11.1. Schlüsselprojekt Tourismus
11.1.1. City & beyond
Wer an Münster denkt, denkt in erster Linie an die Innenstadt. Diese zieht mit ihrem Flair und ihrer
städtebaulichen Qualität sowie ihrer wertigen Einzelhandelslandschaf t Millionen Gäste (vor allem
Tagesgäste) an.
Ein verantwortungsvoller Städte -/MICE-Tourismus findet aber nicht nur in der Innenstadt statt. Wir
streben – im Sinn einer städtischen Resilienz - eine lokale Diversifizierung der Besucherströme an und
wollen mit attraktiven Angeboten, Formaten
und der In -Wert-Setzung Dritter (oft
unbekannter) Orte und Attraktionspunkte
(POIs) Besucher:innen besser über das
Stadtgebiet verteilen. Wir wollen damit
Stadterlebnisse schaffen, die für
Münsteraner:innen wie für Gäste attraktiv sind
und die besondere Diversität unserer Stadt erlebbar machen. Mit den (längst international
renommierten) Skulptur Projekten haben wir langjährige Erfahrung damit, städtische Räume
überraschend neu zu bespielen. Nun wollen wir zusätzlich neue Formate entwickeln.
In einem Workshop mit unseren Stakeholdern wurden folgende thematische Schwerpunkte
herausgearbeitet:
Explore Münster #10.000 Schritte
Stadtsoziologen wissen: Fußgänger erschließen sich Räume, indem sie mit wachsender Erkenntnis von
einem Ort zum anderen übergehen. Das gilt umso mehr für neugierige Besucher:innen: in kuratierten
Stadtspaziergängen gewinnen sie tiefere Einblicke - in Orte und in sich selbst.
Explore Münster #10.000 Schritte eröffnet nicht nur überraschende Einblicke in die Stadt (Deep Dive),
sondern verknüpft diese Entdeckungen auch mit gesundheitlichen Zielen (10.000 Schritte) und wird
damit auch unserem Profilfeld Die aktive Stadt41 gerecht. Schritte sammeln, Münster in echt erleben
und dabei an besondere schöne Orte geführt werden.
40 Quelle: Stadt Münster (2021)
41 Vgl. Profilfeld, Kapitel 9
„In den insgesamt 45 Stadtteilen Münsters zeigt sich eine
atmosphärische und lebensweltliche Vielfalt, die man
anderenorts nicht kennt. Man kann in Münster großstädtisch,
kleinstädtisch und ländlich leben. Dieses breite Spektrum macht
einen Teil des besonderen Flairs der Stadt und ihrer Attraktivität
aus.“40
Explore
Münster
#10.000
Schritte
Bespielung/In-
Wert-Setzung
besonderer
Orte
Cool Münster
42
Explore Münster #10.000 Schritte erfordert die Identifizierung relevanter Orte: Stadtteile, raus aus der
Stadt in die Stadtteile bzw. auch in die Natur (Münsterland) gehen, zu Fuß (Wald, Fluss, Rieselfelder,
Kanal, Gasselstiege…)
o Kulturorte
o Gastro
o Natur
o Klimaorte.
Diese Spaziergänge lassen sich skalieren (z.B. in #5.000 Schritten am Aasee, am Kanal, im Wald, auf
dem Leonardo-Campus, im Botanischen Garten usw.). Sie können individuell oder in Gruppen erfolgen,
eigenständig oder geführt sein (z.B. von interessanten Locals), sie sind auch für Münsteraner:innen
interessant, um versteckte Orte aufzuspüren und um die eigene Stadt besser kennenzulernen.
Sie können z.B. als Münster Walks etc. in die App Explore Münster integriert und bequem mit anderen
Angeboten kombiniert werden.
Systemische Partner:innen/Zuständigkeit: Open Data – Stadt Münster, Gastronomen vor Ort (Aasee,
Werse, Schlosspark, Stadtteile…), Kulturorte.
Bespielung und In-Wert-Setzung besonderer Orte
Signature Event (1 x im Jahr): Bespielung eines besonderen Ortes (Schloss, Wasserburg etc.) mit
junger relevanter Festival-Kultur, z.B. elektronische Musik mit internationalem Superstar
o Festivals & Events sind eines der Haupt-Besuchsmotive im europäischen Städtetourismus
o Überraschende In-Wert-Setzung von Orten.
Systemische Partner :innen/Zuständigkeit: Eventveranstalter, Technikfirmen,
Videokünstler:innen etc. und lokale Sponsoren, um den Eintritt niedrig zu halten.
Mini F estival bzw. Side-Event zu einem Großevent: eine Art vorgelagertes Mini -Festival an
dezentralen Orten in Münster sorgt für vielfältige Kulturprogramme und Belebung von Räumen
mit speziellem Charakter (historische Orte, ehemalige Industriegebäude, Parks mit Charme etc.).
Systemische Partner:innen/Zuständigkeit: Organisator:innen des Hauptevents, Partner:innen aus
Musikbranche & (Nacht-)Kultur & Sport, Stadt/Münster Marketing.
Konsumfreie Orte mit (punktuell) kultureller Bespielung: teilversiegelte/unversiegelte Freiflächen
(auch) außerhalb des Zentrums . An unbekannten & kaum touristischen Orten (mit hoher
Aufenthaltsqualität & hoher Klimaresilienz) entstehen neue soziale Treffpunkte ohne
Aufenthaltskosten für Benutzer:innen. Infrastruktur -Kosten (Toiletten, Strom, Kiosk, ggfs . Bühne
etc.) sind zu evaluieren.
Systemische Partner :innen/Zuständigkeit: Runder Tisch; Nachtbürgermeister (M ünster
Marketing, Ordnungsamt, Amt für Grünflächen, Kulturamt, Jugendamt etc.).
Cross Over Event: Ein exemplarisches Event wäre Münster Monster Mastership (Revival;). In einem
Crossover von Natur, Sport und Musik , Skaten & Vainstream Rockfest werden unterschiedliche
Orte der Stadt bespielt, z.B. MCC , Skaters P alace, Skatebereiche in der Stadt (Berg Fidel /
Gievenbeck / Hafen /…).
Diese Events sollen einen sozialen Impact für die Stadtgesellschaft erbringen, z.B. Integration
benachteiligter Milieus, Kinder aus Krisengebieten, Migrations -Kinder u.a.
Cross Over-Formate bespielen Orte, die nicht auf den ersten Blick im Fokus sind, z.B. Berg Fidel mit
einem Streetball-Turnier, gepaart mit Graffiti und Party. Niedrigschwellige, kostengünstige Events
(Sport & Subkultur), mit Einbindung von Jugendlichen auch aus benachteiligten Vierteln .
43
Systemische Partner:innen/Zuständigkeit (für MM): Kingstar (Vainstream) – Musik; Skaters Palace
(Sport) – WM / Olympia Quali / Legends; Skate Aid – für Jugend / Hubs; MCC Halle Münsterland .
Cool Münster
Die Klimaerwärmung nimmt auch in Münster zu und hat Auswirkungen auf Besucherverhalten
und N utzungsmuster, besonders im Sommer. Die Stadt Münster engagiert sich seit Jahren in
Klimaschutz- und
Klimaanpassung, mit
strategischem Monitoring,
Klimadashboard und mit
vielfältigen Maßnahmen (vom
„Hitzeknigge“ bis zu
Starkregengefahrenkarten).
Um auch an heißen Tagen
eine attraktive Tourismusdestination zu bleiben, bieten wir Alternativen zu klassischen
touristischen Zielen: Cool Münster eben.
In Kooperation mit der Stab sstelle Klima der Stadt Münster und unseren touristischen
Partner:innen bieten wir eine Karte/Map der kühlen und schattigen Orte in der Stadt an sowie
entsprechende Touren (Spaziergänge, Rad) zu Klimainseln im Stadtgebiet.
Systemische Partner:innen/Zuständigkeit: Stadtverwaltung (Stabsstelle Klima), Veranstaltungs-
Locations-/Organisationen; POI’s im Stadtgebiet, die Abkühlung bieten.
Maßnahmen für das Schlüsselprojekt City & beyond
Profil-Analyse/Mapping von Quartieren/Stadtteilen zur Identifizierung relevanter Orte und
Akteur:innen etc.
Digitale Aufbereitung und smarte Zusammenführung von Daten (Open Data, App/Plattform für
z.B. Cool Spots/Walk etc.)
Ausbau des Partnersystems
Co-Kreation im touristischen und städtischen Ökosystem.
11.1.2. Stay longer
Im (Städte -)Tourismus verschieben sich einige tradierte Erfolgsparameter – so rückt, neben
nachhaltigen Erfolgskriterien, immer stärker die Wertschöpfung pro Gast in den Fokus und weniger die
Zahl der Ankünfte/Übernachtungen. Stay longer -Angebote wollen den Aufenthalt der Gäste
verlängern und so die Wertschöpfung für Betriebe wie St andort maximieren und zugleich negative
(ökologische wie soziale) Effekte minimieren.
Trends wie Bleisure (Business & Leisure, Zielgruppe Business-Reisende/MICE) sowie Workation (Arbeit
& Freizeit, Zielgruppe digitale Performer, junge Generationen) spielen in dieses Thema mit herein, aber
auch eine Verlängerung d er Aufenthalte durch Besuche im, an Attraktionspunkten reichen ,
Münsterland. Diese hybriden Entwicklungen (Vermischung Arbeit & Freizeit) sind gerade aus dem
Business-Segment und bei jungen Gästen nicht mehr wegzudenken.
„Die größten Herausforderungen im Zuge der Klimaerwärmung sind für
Münster die zwei Themen Hitze und Starkregen. Die Wahrscheinlichkeit von
Extremwetterereignissen wird zunehmen. Dafür müssen und wollen wir
gerüstet sein.
Die Stadt Münster entwickelt gerade einen interaktiven Stadtplan, auch
unter Beteiligung der Bürger:innen. Dieser zeigt
o Kühle, schattige Orte
o Wasserbereitstellung (wo gibt es z.B. kostenloses Leitungswasser)
o Schutz vor Starkregen u.a.“
Thomas Möller, Stadt Münster, Stabsstellenleiter Klima
44
Eine Verlängerung des Aufenthalts hängt vor allem von der Attraktivität der Angebote und Orte ab.
Mit „Explore Münster“ liegen die attraktiven Angebote ja praktisch schon bereit („Es ist alles schon da,
es muss nur intelligent ve rknüpft werden und für
den Gast einfach buchbar sein“, so eine Workshop -
Teilnehmer:in).
Die smarte Vernetzung und Nutzbarmachung der
Daten ( Open Data ) ist dabei ein vorrangiges Ziel
(„ChatGPT arbeitet für uns“). Der Nutzen für
Besucher:innen besteht in d er Individualisierung
ihrer Erlebnisse (Besuch besonderer Orte) und dem
Gefühl „Einheimische/r auf Zeit“ zu sein, tiefer
einzutauchen in das „Münster Gefühl“.
Abbildung 942
Auch bei diesem Projekt ist eine Orts-Analyse (Profiling, Mapping) erforderlich, in diesem Fall der Co-
Working-Spaces und (hybriden) Dritten Orte.
Zielgruppe
o Tagungsgäste
o Urlauber: innen
o Internationale Gäste/digitale Performer
Angebote
o Individualisierte Erlebnisse (KI): ChatGPT arbeitet für uns individuelle Bedürfnisse
werden bedient
o Einfache Buchbarkeit (App etc.), 1-Stop-Lösung: Co-Working und Rundum-Erlebnis
(personalisierte Freizeit-Angebote wie z.B. saisonale Events (Yoga im Freien/Sommer),
bei allen Partnern buchbar), Rundum-Service-Kultur
o Mit DB kombinieren (klimagerechte Anreise)
o Stay longer-Angebote sollen auch saisonale Auslastung im Blick haben
o Internationale Gäste: Kultur, Nachtleben, Erreichbarkeit (europaweite Vermarktung als
Bleisure-Ziel, mit Partnern)
o Workation (für junge Zielgruppen) muss preislich attraktiv sein
o Intermodale Mobilität vor Ort Münsterland
Infrastruktur
o Gastro in Münster als Co-Working Space nutzen
o Clubs tagsüber als Co-Working Space nutzbar
o Unterkunft: spezielle Stay longer-Angebote/Incentives
o Mehr „grünes Gefühl“ für alle
Kommunikation
o Influencer-Marketing Vertrauen Angebote; Botschafter-Prinzip
o Zielgruppen-fokussierte MS-App/Landing Page
o Inspiration: Stay longer Landing Page Gestaltung & Einbindung
o KI-Guide zeigt den Gästen Münster
o Co-Working Spaces bekannt machen (Map, App etc.)
o Lokale Firmen müssen Münsterland-Angebote kennen
o Story Telling, „Münster-Gefühl“ soll das Länger-Bleiben aktivieren
o Bewerbung über Kooperationen (z.B. Historic Highlights of Germany)
42 Quelle: IPK International (2024): European Travel Monitor 2023
66%
34%
Anteil der Bleisure Reisen nach Deutschland
Business Trips 8,9 Mio
Bleisure Trips 4,6 Mio
45
Maßnahmen
Bestimmung relevanter Orte: Münster und Münsterland
Daten-Infrastruktur pflegen („Wir müssen zu 100% alles wissen, was es im Münsterland gibt“),
totale Zugänglichkeit; Partnerbetriebe gewinnen
Kommunikations-Strategie (Stay Longer-Landingpage etc.)
Münster europaweit als Bleisure-Ziel positionieren, (Mikro-)Influencer und Botschafter aus der
New Work- und Start-up-Szene einsetzen
Partner:innen:
o NRW Tourismus (Open Data, progressive Web-App)
o Münsterland e.V., Deutsche Zentrale für Tourismus, German Convention Bureau.
11.2. Schlüsselprojekt MICE
Die Ausgangslage
Münster ist ein bestens etablierter Veranstaltungsort und strahlt - als Wissenschaftsstadt mit den
Zukunfts-Kompetenzen wie z.B. Batterietechnologie, Medizin und Public Health in die
Veranstaltungsbranche. Dabei überwiegen kleinere Veranstaltungen ( zwei Drittel aller Tagungen
haben unter 100 Teilnehmer:innen).
Auch der Tagungsmarkt muss sich an rasante Umfeld-Veränderungen anpassen: „Green Meetings“, KI-
dominierte Geschäftsmodelle, tiefgehende Erlebnisse als Differenzierungsfaktor sowie New Work
angeschoben von der jungen Generation Z mit ihrem Werte-Set (4-Tage-Woche, multilokales Arbeiten
usf.) verändern die Spielregeln.
Business Events fördern Wissens- und Innovationstransfers, stärken co-kreative Netzwerke innerhalb
und zwischen Wirtschaftsbranchen, Fo rschung & Entwicklung etc. . Businessevents erfordern künftig
aber mehr als die funktionalen Basics: Der gut erreichbare, passende, digital befähigte Raum muss mit
personalisierten Dienstleistungen und
interaktiven Formaten überzeugen. Wir erleben
die Emotionalisierung und Gamification von
Kongressen und Tagungen. Es geht um
Gesamterlebnisse, und diese beziehen das
Umfeld, den Stadtraum explizit ein.
Das Zielbild: Münster als zukunftsfähiger Kongress- und Veranstaltungs-Standort43
Die Forschungsergebnisse und Szenarien des Innovationsverbunds Future Meeting Space zeigen: der
urbane Raum und sein Erleben werden zum Erfolgsfaktor für Business Events. Dabei geht es nicht um
eine maximale „Eventisierung“ des ganzen Stadtraums, sondern um kluges und vernetzt es
Management relevanter Orte und erforderlicher Ressourcen. Alle Akteure denken und handeln nicht
43 Quelle: Das Zielbild ist das Ergebnis von zwei Transfer-Workshops, bei denen die Forschungsergebnisse des „Future Meeting Space“
(Fraunhofer IAO, German Convention Bureau) auf Szenarien für den Standort Münster übertragen wurden.
„Die Entwicklung der Megatrends zeigt uns, dass wir uns auf
agilere Formate einstellen müssen, auf Pop-up-Locations
und auf authentische Erlebnisse und Begegnungen.“
Matthias Schultze, Geschäftsführer German Convention
Bureau
46
mehr in den Grenzen ihrer Organisation, sondern vernetzt und kollaborativ . Sie bilden „Pakete“
entlang der Kundenreise, denken in Gesamterlebnissen.
Abbildung 10, Quelle: Stadt Münster
Der solitäre Kongress-Standort Münster fächert sich auf in einen urbanen Eventraum. (Räumliche und
inhaltliche) Durchlässigkeit, Multifunktionalität und
Interaktion sind die Erfolgsfaktoren der künftigen
Veranstaltungs-Landschaft. Neue räumliche Beziehungen
schaffen schließlich neue soziale Beziehungen, neue
kognitive und emotionale Erfahrungen.
Münster ist als Stadt der kurzen Wege, als Fahrradstadt mit
starken Potenzialen der intermodalen Mikro -Mobilität und
mit agile n Netzwerken bestens geeignet für die nächste Generation der Business Events , die
städtische Quartiere zum Reallabor für Tagungen und Veranstaltungen machen. Übrigens: auch der
bislang wichtigste Kongress in Münster - der zum Westfälischen Frieden - bespielte bereits 1648 die
ganze Stadt.
Eine umfassende Vernetzung aller Akteure – z.B. zwischen Stadt, Wissenschaft und Kulturszenen - wird
nicht nur formal, sondern auch inhaltlich Ideen für neue MICE -Produkte
kreieren. Hochschulen sind in Münster entscheidende Akteure des
Kongressgeschehens, sie liefern Eventthemen und schaffen eine diskursive
Atmosphäre, in der Bildung und Begegnung – also auch Business Events –
zuhause sind.
Wenn Events verstärkt raum - und institutionenübergreifend gedacht,
Ressourcen zu sammen geschaltet werden, wenn Veranstalter und Anbieter
zunehmend gemeinsam die gesamte Stadt bespielen und - anlassorientiert - Quartier, Stadt wie
Umland vernetzen, dann braucht es Makler und Koordinatoren des Angebots.
Vom
Kongress-
Standort
zum
urbanen
Event-
Reallabor
MCC –
vom
Kongress-
Zentrum
zum Event
Hub
47
Das MCC44 wird, als Herzstück der städtischen Veranstaltungslandschaft, von der Location zum Makler,
zum Event-Hub und Inkubator . Es agiert künftig nicht mehr als programmatischer Solitär in der
Veranstaltungs- und Tagungslandschaft der Stadt und als räumlicher Solitär im sich dynamisch
entwickelnden Hafengebiet, sondern als Netzwerkknoten und Drehscheibe in die Stadt hinein. Weil
klassisch-analoge Business Meetings laut „ Future Meeting Space “-Forschungen weniger häufig
stattfinden, nutzen Messe - und Kongresszentren Hallen und Räume um. Freiflächen mit urbaner
Aufenthaltsqualität sollen 365 Tage im Jahr belebt sein, nicht nur bei Großkonzerten.
Das MCC öffnet sich stärker für die Stadt(gesellschaft) . Es entwickelt sich vom funktionalen Closed
Shop zum urbanen Kristallisationspunkt des Quartiers. Das Bespielen des Stadtraums ist dabei für das
MCC nichts Neues - schon heute managt es Weihnachts- oder Flohmärkte, war Impfzentrum u.a. Diese
Erfahrung lässt sich ausbauen: Die Stadtgesellschaft soll den Raum und die Institution alltäglicher
nutzen und erleben. Das fängt mit dem unbelebten Vorplatz an – erst wenn das Gelände und seine
Gebäude im Alltag genutzt und akzeptiert werden, wenn die Beziehungen zum Umfeld gestärkt sind,
wird aus der funktionalen Insel ein emotionaler Mittelpunkt.
Maßnahmen
Identifizieren von Pop-up-Orten
Pop-up Orte, temporäre Veranstaltungsorte, stellen ein wichtiges Element in der Gestaltung der
zukünftigen Veranstaltungs-Landschaft dar. Um ein Angebot urbaner, temporär nutzbarer
Eventflächen zu entwickeln, ist eine Event Map zu erstellen wie z. B.
Event-Cluster Hafen
Pop-up-Piloten
Die Identifizierung von möglichen Pop-up Orten für temporäre Events im Stadtraum ist die
Voraussetzung für die Entwicklung von Reallaboren. 2-3 Piloten sollten entwickelt werden, um
Eventmodelle experimentell zu testen und Erfahrungen in der Vorbereitung, Durchführung und
Nachbereitung zu sammeln
Konzeption intermodaler Verkehrs-Map
Um die einzelnen Event Spaces zukünftig miteinander zu verbinden und eine nutzerfreundliche,
unkomplizierte Mobilitätslösung (ÖPNV, zu Fuß/Fahrrad) zu generieren, welche die
Teilnehmenden bereits am Hauptbahnhof in Empfang nimmt, ist die Konzeption einer solchen
Verkehrs-Map erforderlich
Konzeption einer „Schlender-Landkarte“
Um die temporären Eventorte miteinander zu verbinden und eine allgemeine Steigerung der
Attraktivität von Fußgängerwegen zu schaffen, empfiehlt sich eine „Schlender-Landkarte“, die
Informationen zu Spazierwegen in Münster bereitstellt. Mit enthalten sein sollten auch Lösungen
zur Entschärfung von Angsträumen (z. B. Hamburger Tunnel), etwa Kunstinstallationen
Neue MICE-Produkte
Sichtung von neuen Formaten, App-Lösungen etc. in Zusammenarbeit mit Branchenexperten.
Notwendig, um einen Überblick über neue, innovative MICE-Produkte, insbesondere im Bereich
digitaler und technologiebasierter Lösungen zu erhalten
Quartierskonzept und Rolle MCC
Das MCC stellt auch in der zukünftigen Veranstaltungslandschaft ein zentrales Element dar. Die
Entwicklung eines ganzheitlichen Quartierskonzepts in und um das MCC ist Voraussetzung für die
weitere Bearbeitung (zentrale Frage nach dem Mehrwert des MCC für unmittelbare Umgebung).
44 MCC ist die Abkürzung für Messe und Congress Centrum Halle Münsterland
48
12. Organisation, Umsetzung und Finanzierung
12.1. Organisation
Münster Marketing verantwortet als städtische Organisation Stadt- und Tourismusmarketing mit
zentralen Aufgabenbereichen wie
City- und Veranstaltungsmanagement
Touristik und Stadtinformation
Kongressbüro
Friedensbüro
Wissenschaftsbüro
Quartiersmanagement
und bündelt dabei vielfältige Aktivitäten unter einem Dach, wie z.B. die Aufwertung der Innenstadt,
die Profilierung des Wissenschafts - und Wirtschaftsstandorts und die Stärkung Münsters als
touristischer Anziehungspunkt im nationalen wie internationalen Städtewettbewerb.
Verändertes Aufgaben-Portfolio für DMO‘s
Angesichts sich ändernder touristischer und allgemeiner Rahmenbedingungen wie z.B. Digitalisierung
der Kundenreise, nachhaltige Transformation von Standorten, zunehmende Konvergenz von
Lebensraum der Einheimischen und touristischen Erlebnisräumen etc. ver ändert sich zwangsläufig
auch das Management touristischer (Städte -)Destinationen. Marketing- und
Kommunikationsaufgaben müssen sich anpassen an ein verändertes (digitales) Informations - und
Buchungsverhalten der Gäste sowie an den Vormarsch von KI (Open D ata, individualisierter
Zielgruppen spezifischer Content u.a.).
Generell gilt: die Aufgaben einer DMO verschieben sich von
einer reinen Marketingo rganisation hin zu einer
Managementorganisation, die nicht nur nach außen, sondern
vermehrt nach innen wirkt. Damit steigt die Bedeutung eines
Beziehungsmanagements mit den Stakeholdern , das wir bei
Münster Marketing gemäß unserem Selbstverständnis
ohnehin seit jeher pflegen.
Neben die traditionellen Aufgaben einer DMO wie strategische Planung, Angebotsentwickl ung,
Qualitätsmanagement, Markenführung, Marketing und Kommunikation treten immer stärker die
Aufgabenfelder
Agiles Netzwerk-Management (Steuerung projektorientierter Netzwerke)
Daten- und Contentmanagement (Einspeisung der aktualisierten Daten in den Data Hub als
Basis für KI-getriebene Zielgruppen-Adressierung)
Nachhaltige Transformation des touristischen Ökosystems (mit damit verbundenem
Zertifizierungsmanagement, Monitoring u.a.)
Initiierung und Steuerung touristischer Schlüsselprojekte (definiert in d er Tourismus- und
Kongress-Strategie)
Digitalisierung der Kundenkontaktpunkte entlang der Customer Journey sowie smartes
Besucher-Management.
In einem hyperdynamischen Wettbewerbsumfeld
müssen sich touristische Destinations-Organisationen
(DMO’s) verstärkt auf Dialogprozesse und agile
Kollaborationen mit ihren Stakeholdern fokussieren.
49
Je mehr sich Erlebnis- und Lebensraum in einer Destination überschneiden, desto wichtiger ist für eine
touristische Destinations -Organisation die Rolle als „Moderator und Vermittler von co-
produzierenden Erlebnissystemen“45.
Im Städtetourismus von morgen geht es weniger um quantitatives als um qualitatives Wachstum, es
geht um resiliente Strukturen und auf Kundenseite um besondere Erlebnisse entlang der „Customer
Journey“. Das strategische Ziel einer wettbewerbsfähigen und resilienten Destination kann nur in
einem ständigen Dialog und in agilen Netzwerk -Projekten mit den Stakeholdern sowie mit einer
vorausschauenden Befähigung der Partner und
Leistungsträger vor Ort (Wissenstransfer) erreicht
werden.
Wir von Münster Marketing verstehen uns als
Ermöglicher und Kurator eines
verantwortungsvollen Städte - und MICE -
Tourismus.
12.2. Umsetzung und Finanzierung
Der zunehmende Wettbewerb der Städte -Destinationen und die (oben beschriebenen) veränderten
Aufgabenfelder für Tourismusorganisationen erhöhen die Anforderungen auch an Münster
Marketing deutlich.
Die in der Tourismus- und Kongress-Strategie der Stadt Münster defi nierten Ziele, Maßnahmen und
Schlüsselprojekte machen Münster als Tourismus - und Tagungs -Destination zukunftsfit, sind aber
auch mit einem höheren organisationalen Aufwand verbunden.
Allein die konsequente Verfolgung und Umsetzung der touristischen Nachha ltigkeitsziele –
unabdingbar für die künftige Wettbewerbsfähigkeit, für die Resilienz und das Image Münsters – sind
Pflichtaufgaben, die mehr personelle Ressourcen erfordern. Die Implementierung der Strategie
erfordert ein verstärktes Stakeholder-Management (z.B. Initiierung und Steuerung touristischer
Schlüsselprojekte, die Unterstützung unserer Partnerbetriebe bei deren Nachhaltigkeitsentwicklung),
dazu kommen zentrale Aufgaben wie Daten- und Contentmanagement (Open Data) usw.
Im Kontext der nachhaltigen Transformation des Tourismus- und MICE-Standorts Münster benötigt
Münster Marketing daher zwei Mitarbeitende, die (neben ihrer bestehenden Position) nachhaltige
Projekte und Maßnahmen verfolgen und verantworten. Die für Nachhaltigkeitsbeauftragte
notwendige Fortbildung wird entsprechend erfolgen . Das Management der Schlüsselprojekte sollte
auch in unserer Organisation verankert und fachübergreifend umgesetzt werden.
Finanzierung zukunftsfitter touristischer Entwicklung
In einem kompetitiven Umfeld und angesichts wachsender Aufgaben für Tourismusorganisationen ist
die Sicherstellung des Managements und einer nachhaltigen Finanzierung von Schlüssel - und
Umsetzungsprojekten ein Gebot der Stunde.
45 Eine zentrale Rolle von DMO‘s liegt nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen „in der Entwicklung und Gestaltung von Erlebnissen
entlang der Customer Journey“; Quelle: Stettler, Jürg; Müller, Hansruedi (2024): Die hohe Kunst des Destinationsmanagements 4.0.
Wettbewerbsfähigkeit, Destinationsentwicklung, Nachhaltigkeit, Stakeholdermanagement. Hochschule Luzern – Wirtschaft, Luzern.
Münster Marketing ist...
Impulsgeber, Ermöglicher und Kurator
eines verantwortungsvollen Städte- und
MICE-Tourismus
Vermarkter qualitätsvoller Angebote
50
Im Städtetourismus zeigt sich dabei immer öfter, wie touristis che Organisationen mit
vorausschauender Verwendung der Mittel aus touristischen Abgaben ihren Standort zukunftsfit
machen und wettbewerbsfähig halten - so nutzt z.B. Amsterdam die Einnahmen aus der
Touristensteuer unter anderem für eine smarte Besucherlenk ung bzw. zur Weiterentwicklung
nachhaltiger touristischer Angebote u.a., in Berlin werden die Einnahmen aus der City Tax z.B. in die
Entwicklung digitaler Guides und Apps für Besucher investiert etc.
Best Practice Freiburg
Die Stadt Freiburg, touristisch in vielerlei Hinsicht mit Münster vergleichbar (beide Städte sind auch
Mitglied bei den Historic Highlights of Germany ), hat bei der Finanzierung folgende Vorgangsweise
gewählt:
Die Tourismusorganisation FWTM (Freiburg Wirtschaft Touristik und Messe GmbH & Co. KG) erhält
pro Jahr beträchtliche Mittel aus den Einnahmen der Übernachtungssteuer : zur Umsetzung der
Maßnahmen aus dem Tourism uskonzept erhielt die FWTM seit 2019 jährlich 700.000 Euro, mit der
Ausweitung der Übernachtungssteuer auf geschäftlich veranlasste Reisen seit Juli 2023 erhöht sich der
jährliche Betrag auf 1 Mio. Euro.
Die Mittelverwendung obliegt dem Aufsichtsrat der F WTM, basierend auf einer jährlichen
Vorschlagsliste seitens des Tourismusbeirats der FWTM für eine aus touristischer Sicht sinnvolle
Verwendung für jenen Teil der Übernachtungssteuer, der im städtischen Haushalt verbleibt.46
Legt man dieses Beispiel auf Mün ster um, müsste die Stadt Münster die
Beherbergungssteuer künftig in eine Tourismusabgabe umwandeln, da diese
zweckgebunden verwendet werden kann.
Dringend empfehlenswert wäre die zweckgebundene Verwendung z.B. für die
Unterstützung der Münsteraner Betriebe in deren Nachhaltigkeitsentwicklung (Teil-
Finanzierung von Zertifizierungen, Mitarbeiterschulungen etc.). Denn nur wenn die
Zahl nachhaltig zertifizierter Betriebe deutlich erhöh t wird, kann sich die Destination
als Ganze glaubwürdig und wettbewerbsfähig auf den Märkten positionieren.
Die zweckgebundene Verwendung von Tourismusabgaben stärkt nicht nur die
Unternehmen und die touristische Infrastruktur in einer Stadt, sie kommt letztlich auch
der lokalen Bevölkerung zugute.
46 Quelle: Freiburg Wirtschaft Touristik und Messe GmbH & Co. KG (2024): Tourismus Konzept Freiburg, https://bit.ly/476tZxi
„Die Bedeutung des Tourismus muss noch viel stärker in die Politik
hineingetragen werden. Es ist hier nicht allen bewusst, welch starken
Auswirkungen und Effekte der Tourismus auf die Stadt und ihre
Wirtschaft hat. In diesem Sinn muss auch die Verwendung der
Beherbergungssteuer diskutiert werden – diese versickert im
Stadtsäckel, ohne dass sie unmittelbar dem Tourismus zugutekommt.
Geld, das aus dem Tourismus kommt, sollte man auch wieder stärker in
diesen hineinstecken. Münster Marketing z.B. hat sehr gute Ideen, aber
knappe Ressourcen, da wäre mehr Budget erforderlich.“
Hendrik Eggert, Vorsitzender DEHOGA-Kreisverband
51
Ein anderes Beispiel insbeso ndere vor dem Hintergrund der nachhaltigen Transformation des
touristischen Ökosystems ist Zürich - Zürich Tourismus unterstützt seine Partnerhotels bei der
nachhaltigen Zertifizierung.47
Die mehrheitlich privat finanzierte Tourismusorganisation Zürich Tourismus (allein 33% der Einnahmen
stammen aus der City Tax) forciert die nachhaltige Destinationsentwicklung. So unterstützt Zürich
Tourismus proaktiv die Nachhaltigkeitsentwicklung der Partnerunternehmen in der Stadt. Alle City
Tax-zahlenden Betriebe der Subregion Zürich und Zürichsee erhalten eine Teilfinanzierung von 80%
der effektiven Kosten für die Erstzertifizierung sowie der ersten Rezertifizierung (max. je CHF 6.000).
Betriebe mit bestehenden Nachhaltigkeitszertifizierungen können Unterstützung für di e
Jahresgebühren, für die Umsetzung von Maßnahmen oder Weiterbildungen von Mitarbeitenden im
Bereich der Nachhaltigkeit erhalten (pro Betrieb max. CHF 12.000). Zürich Tourismus verfolgt damit
sein Ziel, dass bis 2030 60% aller Zürcher Tourismusbetriebe ein international anerkanntes
Nachhaltigkeitszertifikat tragen.
47 Quelle: Zürich Tourismus https://bit.ly/475KhXf
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13. Glossar
Bleisure: Dieser Begriff bezeichnet die Kombination von Geschäftsreisen (Business) und
Freizeitaktivitäten (Leisure).
Customer Journey : Die Customer Journey (=die Reise des Ku nden) umfasst alle Phasen eines
Prozesses, die der Gast durchläuft, wenn er eine Reise plant, bucht und erlebt.
DACH: Die Abkürzung DACH steht für D – Deutschland, A – Austria (Österreich) und CH –
Confoederatio Helvetica (die Schweiz).
Destination Steward ship: Der Begriff bezeichnet ein ganzheitliches verantwortungsvolles
Management einer Destination. Die Management Organisation legt einen starken Fokus auf den
Stakeholder-Ansatz – nur mit den Partnern zusammen können die positiven Effekte des Tourismus
gestärkt und dessen negative Auswirkungen minimiert werden.
DMO: Abkürzung für Destination Management -Organisation. DMO ist eine touristische
Organisation, die für das Management, die wettbewerbsfähige Weiterentwicklung und die
Vermarktung einer Destination verantwortlich ist. Sie stärkt das Profil und die Attraktivität der
Destination im nationalen wie internationalen Wettbewerb.
KPI: Abkürzung für Key Performance Indicator. Damit werden Schlüsselkennzahlen bezeichnet, die
sich auf kritische Erfolgsfaktoren konzentrieren und den Fortschritt bzw. Erreichungsgrad wichtiger
strategischer Ziele messen.
MICE: Diese Abkürzung steht für „Meetings, Incentives, Conventions, Exhibitions“ und beschreibt
jenen Geschäftstourismus, der die Organisation und Durchführung v on Tagungen, Ausstellungen
und Events umfasst.
Next Generation: Mit diesem Begriff wird die junge Generation Z bezeichnet, die zwischen 1990
und 2010 geboren wurde.
Off the beaten-track-Destination: Ziel abseits ausgetretener Touristenpfade.
Open Data : D ie allumfassende Verfügbarkeit von touristischen Daten ist für die
Wettbewerbsfähigkeit von Destinationen von größer Bedeutung. Daten müssen aus den jeweiligen
Silos zusammengeführt und in einer einheitlichen Struktur auffindbar und lesbar gemacht werden.
Diese Öffnung der Daten erlaubt es touristischen Akteuren, digitale Tools wie Künstliche Intelligenz
wirksam zu Vermarktungs- und Kommunikationszwecken einzusetzen.
Points of Interest (POIs): Bezeichnung für Orte, die für einen Besuch von besonderem Intere sse
sind. Dies können Touristenattraktionen, historische, kulturelle, architektonische u.a. Orte sein
oder generell attraktive Ziele, die man in seiner Freizeit aufsucht.
Remote Work: Dieser Begriff bezeichnet ein ortsunabhängiges Arbeiten. Digitale Techno logien
(Breitband, WLAN u.a.) und digitale Formate wie Videokonferenzen ermöglichen es
Mitarbeitenden, ihre Arbeit (teilweise oder zur Gänze) von überall her zu erledigen.
Signature Event: Ein großes, meist wiederkehrendes Event, das mit einem bestimmten Ort in
Verbindung steht und dessen Image stärkt.
Workation: Dieser Begriff beschreibt die Kombination aus Arbeit (Work) und Urlaub (Vacation).
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14. Quellenverzeichnis
appinio, fischerAppelt (2023): Teengeist. Die Gen Z im internationalen Vergleich
Bertelsmann Stiftung (2024): Sustainability Transformation Monitor 2024
Deloitte (2021): 2021 Global Millennial and Gen Z Survey
DRV (2023): Chefsache Business Travel 2023
dwif (2024): Wirtschaftsfaktor Tourismus für die Stadt Münster 2023
European Travel Commission (2023): Monitoring Sentiment / Intra European Travel Commission,
10/2023
ETI – Europäisches Tourismus Institut, PROJECT M, St. Elmo‘s Tourism (2023): Städtereisenstudie
2023/24
Euromonitor: Top 10 Consumer Trends 2023/Lifestyle Survey 2022
Europäisches Institut für TagungsWirtschaft GmbH (EITW) an der Hochschule Harz (2024): Meeting-
& EventBarometer Münster 2023/2024
Freiburg Wirtschaft Touristik und Messe GmbH & Co. KG (2024), Übernachtungssteuer in Freiburg, in:
Tourismuskonzept Freiburg 2024, online abrufbar unter https://bit.ly/476tZxi
GBTA (2023): 2023 GBTA Business Travel Index Outlook – Annual Global Report and Forecast
published by the Global Business Travel Association in collaboration with Visa
IPK International (2024): European Travel Monitor 2023
LEWIS (2021): The World is changing. How will you help?
MMGY Global (2023): Portrait of European Meeting & Convention Travel
MMGY/IPK International (2024): World Travel Monitor
Münsterland e.V. (o.J.): Zielgruppen Münsterland, online abrufbar unter https://bit.ly/46JSd0a
SiteMinder (2022), The Changing Traveller Report 2022
SKL/Institut für Finanzwissenschaft und Sozialpolitik (2024), SKL-Glücksatlas 2024
Stadt Münster (2021): Integriertes Stadtentwicklungskonzept („ISEK 2030“)
Stadt Münster (2021): Smart City-Strategie der Stadt Münster
Stadt Münster – Stadtplanungsamt, Statistikdienststelle (2024): Jahres-Statistik Gastgewerbe 2023
Stettler, Jürg; Müller, Hansruedi (2024): Die hohe Kunst des Destinationsmanagements 4.0.
Wettbewerbsfähigkeit, Destinationsentwicklung, Nachhaltigkeit, Stakeholdermanagement.
Hochschule Luzern – Wirtschaft, Luzern
Tourismus NRW e.V. (2022-2024): Die SINUS-Milieus für das Reiseland Nordrhein-Westfalen, online
abrufbar unter https://bit.ly/46Iaqv8
Tourismus NRW e.V. (2024): Tourismusbarometer NRW, Datenbarometer 2024
Zürich Tourismus (o.J.): Finanzierung Zürich Tourismus, online abrufbar unter https://bit.ly/475KhXf
Cover-Foto Credit: Dagmar Schwelle
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Beteiligte
Die hier vorliegende Tourismus- und Kongress-Strategie für die Stadt Münster ist in einem engagierten
Dialogprozess mit Akteur:innen aus folgenden Gremien und Sparten entwickelt worden.
Herzlichen Dank an alle Beteiligten, die mit ihrer Expertise unsere Workshops, Strategie-Meetings und
Interviews bereicherten:
Begleitende Gremien:
Aufsichtsrat Messe und Congress Centrum Halle Münsterland GmbH
Betriebsausschuss Münster Marketing
Beirat Münster Marketing
Gastgewerbe:
DEHOGA Westfalen e. V.
Gastronomie Münster
Hotellerie Münster
Campingplatz Münster
Einzelhandel:
Initiative starke Innenstadt Münster / Kaufmannschaft
Wirtschaft:
IHK Nord Westfalen
Wirtschaftsförderung Münster
Handwerkskammer Münster
Manufakturen für regionale Produkte
Wissenschaft:
Universität Münster
FH Münster
Freizeit:
Münsteraner Clubs
Freizeiteinrichtungen
Kultur und Museen
Anbieter:innen Münsteraner Stadtführungen
Partner:innen aus der Region:
Münsterland e.V.
NRW Tourismus
EUREGIO
MICE (Meetings, Incentives, Conventions, Exhibitions):
Kongressinitiative Münster
Messe und Congress Centrum Halle Münsterland GmbH
GCB German Convention Bureau e.V.
Fraunhofer-Institut IAO
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Next Generation
Ein ganz besonderer Dank gilt 20 Vertreter:innen der jungen Generation, die sich mit einem eigenen
Workshop an der Erarbeitung der Strategie beteiligt haben.
Agentur und Medien:
Autor:innen und freie Journalisten
Mobilität:
Nachhaltige Mobilitätsanbieter
Stadtwerke Münster
Flughafen Münster/Osnabrück
Stadt Münster:
Dezernat für Planung, Bau und Wirtschaft
Fahrradbüro
Stabsstelle Klima
Stabsstelle Smart City
Münster Marketing
Beschlussvorlage
10095 Zeichen
V/0367/2025 V/0367/2025 Öffentliche Beschlussvorlage Betrifft Münster Experience- Tourismus- und Kongressstrategie für die Stadt Münster Beratungsfolge 25.06.2025 Betriebsausschuss Münster Marketing Vorberatung 02.07.2025 Hauptausschuss Vorberatung 02.07.2025 Rat Entscheidung Beschlussvorschlag: I. Sachentscheidung: 1. Der Rat nimmt die Ergebnisse der Tourismus-und Kongressstrategie für Münster „Münster Experience“ zur Kenntnis und bekräftigt die große wirtschaftliche Bedeutung, die dem Städte- tourismus in unserer Stadt auch im Wettbewerb der Städte national wie international zu- kommt. 2. Der Rat beschließt das Strategiekonzept „Münster Experience“ (s. Anlage) und bekräftigt das darin festgeschriebene Ziel eines zukunftsorientierten, wertschöpfungsstarken und verantwor- tungsvollen Städte- und Tagungstourismus in Münster Der Rat würdigt ausdrücklich das Ziel eines qualitativen Wachstums dieses Segments, das zur Resilienz und zum Gemeinwohl bei- tragen soll und das aus einem breit getragenen, partizipativen Erarbeitungsprozess hervorge- gangen ist. 3. Der Rat beauftragt den Eigenbetrieb Münster Marketing, gemeinsam mit möglichst vielen Partnerinnen und Partnern aus Wirtschaft, Wissenschaft, Verwaltung und anderen Institutio- nen die skizzierten Schlüsselprojekte sukzessive und im Rahmen der zur Verfügung stehen- den Ressourcen umzusetzen und die Aktivierung der Stadtgesellschaft für weitere Projekte im Sinne des Konzeptes voran zu treiben. 4. Der Rat beauftragt die Verwaltung, die Digitalisierungsstrategie im Tourismus mit besonderem Nachdruck umzusetzen und den Zugang zu den Angeboten in der Stadt möglichst barrierefrei im analog/digitalen Stadtraum zu organisieren. II. Finanzielle Auswirkungen: Münster Marketing 13.06.2025 Ihr/e Ansprechpartner/in: Herr Brockkötter Telefon: 492-2759 Brockkoetter@stadt- muenster.de - 2 - V/0367/2025 Im Rahmen der vorliegenden Vorlage steht die strategische Ausrichtung im Vordergrund. Etwaige Kosten für die Umsetzung operativer Maßnahmen sind abhängig von den künftigen Beschlüssen zur Ausgestaltung der Strategie sowie den Ergebnissen weiterer konzeptioneller Planungen und Prüfpro- zesse. Eine etwaige Mittelveranschlagung erfolgt zu gegebener Zeit im Wirtschaftsplan des Eigenbe- triebes Münster Marketing Begründung: 1. Mit knapp 2 Mio. Übernachtungen hat die Stadt Münster 2024 ihre bislang höchste Zahl an Übernachtungen erreicht und liegt damit mit über 600 000 deutlich über dem Volumen, das vor der Corona- Pandemie erreicht wurde. Diese exorbitante Steigerung ist der zunehmenden Attraktivität der Stadt einerseits, aber ganz besonders den neu errichteten Hotels zu verdan- ken, die die Bettenkapazitäten um rund 1600 zusätzliche Betten ausgeweitet haben. Mit 21 Mio. Tagesgästen ist Münster überdies Spitzenreiter im Ranking der vergleichbaren Städte (etwa Aachen, Freiburg, Heidelberg). Zusammen generieren die verschiedenen touristischen Bereiche einen Bruttoumsatz von mehr als einer Milliarde Euro (1.116 Mio) sichern ca. 17 000 Arbeitsplätze in unserer Stadt und sind die wichtigsten Stabilisatoren für den noch immer star- ken Einzelhandel und die Gastronomie. Ohne das touristische Income wäre Münster kaum in der Lage, seine Attraktivität auch für die Bewohnerinnen und Bewohner zu halten und weiter zu entwickeln. 2. Der Rat der Stadt Münster hat 2022 die Zukunftsstrategie für den Kongressstandort beschlos- sen (Vorl. V/0632/2022). Sie befindet sich bereits in der Umsetzung und ist bundesweit als zu- kunftsweisendes Konzept für den Tagungstourismus diskutiert und gewürdigt worden. Das Konzept „Münster Experience“ bindet die Kongressstrategie mit dem Konzept für den Städte- tourismus (Freizeittourismus) zusammen. Dies ist insofern konsequent als auch der Tagungs- tourismus immer stärker Elemente des Freizeittourismus in sich aufnimmt. Die Bedeutung au- ßergewöhnlicher Tagungsräume in der Stadt (nicht zwingend in klassischen Tagungsräumen) steigt dabei ebenso wie die der sog. Rahmenprogramme, die immer stärker das Tagungspro- gramm mitbestimmen. Die erarbeitete Strategie nimmt für sich in Anspruch, den Städtetourismus so zu organisieren und wo eben möglich zu steuern, dass er weiterhin wertschöpfend für die Stadt ist, eine hohe Zahl an Arbeitsplätzen generiert und für Einzelhandel, Gastronomie und andere Dienstleitungsbetriebe in Münster öko- nomische Effekte in maßgeblichem Umfang produziert ein vor allem qualitatives (nicht unbedingt quantitatives!) Wachstum bewirkt und sich damit in die Freizeitqualitäten der Stadt insgesamt integriert, die gleichermaßen für die Bewohner:innen wie für die Gäste entwickelt und vorgehalten werden verantwortungsvoll mit den Ressourcen und dem Stadtraum umgeht, auf die Balance zwischen Bevölkerung und Gästen achtet (gegen die Tendenzen von Overtourism) und die Belange der Klimastadt im Blick hat. Als übergeordnete Handlungsfelder zur Erreichung der Ziele der Strategie für einen zukunfts- sicheren Städtetourismus definiert das Konzept die Themen Qualität, Nachhaltigkeit und Digi- talisierung. Dabei bezieht sich die anzustrebende Qualität auf die Inhalte des touristischen Angebots, das eben nicht aus einer Aneinanderreihung von Sehenswürdigkeiten und bekann- ten Imageträgern besteht, sondern in einer besonderen Erlebnisqualität die Stadträume in Wert setzt, in denen sich Besucher- und Alltagswelten überschneiden. Eine ganz besondere Bedeutung kommt in diesem Konzept der Digitalisierung zu. Leicht zugängliche Informationen, klug aufbereitete, möglichst personalisierte Angebote und Ideen für den Aufenthalt in der Stadt und die Möglichkeit, sich sehr detailliert auch vor Ort zu informieren und zu orientieren, das sind die Zutaten, die ein Angebot für Bewohnerinnen und Bewohner wie für Gäste auszeich- nen muss. Und schließlich gehört es auch zur DNA der Klimastadt, dass Nachhaltigkeit zu- gleich Basis-und Resilienzfaktor auch für unsere Gäste- und Freizeitstrategie sein muss. Es - 3 - V/0367/2025 geht dabei darum, die positiven Effekte des Tourismus zu maximieren, seine negativen Aus- wirkungen zu minimieren und für dieses Ziel alle Leistungsträger mitverantwortlich zu machen. 3. Die formulierte Strategie wird das Konzept der Arbeit des Eigenbetriebs Münster Marketing und aller anderen Partnerinnen und Partner in der Stadt nicht gänzlich verändern – im Gegen- teil. Formate wie die Hansetafel, der Schauraum oder die Grünflächenunterhaltung etwa bil- den schon heute ab, wie sich Münster nach innen und außen präsentieren will. Mit den defi- nierten Schlüsselprojekten „City&Beyond (nicht nur die Innenstadt im Fokus) und Stay longer (zwei Nächte bleiben statt nur einmal übernachten, übernachten statt Tagesreise…) sollen nun weitere Angebote entwickelt und die bestehenden konsequent an den Zielen ausgerichtet werden (Strategiekonzept S.37 – 47). Die Schlüsselprojekte sollen die touristische Belastung und Konzentration auf die Innenstadt und wenige hoch frequentierte Orte reduzieren und sie besser verteilen. Niedrigschwellige große und kleine Stadtspaziergänge rund um die Innen- stadt und auch in den Quartieren und Stadtteilen ergänzen das Angebot für die Freizeitlieben- den und beleben auch die oft weniger präsenten schönen Orte in den lebenswerten Stadttei- len. Die Gewinnung neuer und besonderer Räume etwa für Kongresse und Tagungen, die die bestehende Tagungsinfrastruktur ergänzen und interessanter machen, gehören zum Gesamt- konzept hinzu. Diese Strategie ist bewusst nicht von den touristischen Leistungsträgern wie Hotels, Gastro- nomie, Stadtführungsunternehmen und Touristikexperten der Stadt allein entwickelt worden, sondern in einem sehr breiten Dialogprozess mit den unterschiedlichsten Gruppen aus mög- lichst vielen Bereichen der Stadtgesellschaft. Ganz bewusst und bislang erstmals haben wir dabei auch die junge Generation um ihre Expertise gebeten, die tatsächlich noch klarer und eindeutiger für einen verantwortungsvollen, in die Stadtgesellschaft integrierten Tourismus plädiert, der sich auch an ökologischer Nachhaltigkeit orientiert. Die Reaktionen der Tourismusexperten und -expertinnen aus Deutschland auf die Münster- Strategie in den sozialen Medien, in der Fachpresse und auf den einschlägigen Kongressen sind überaus positiv. Hervorgehoben wird vor allem die konsequente Fokussierung auf ein hohes Maß an Stadtverträglichkeit und den Wunsch, die Gäste wie Bewohnerinnen und Be- wohner gleich zu behandeln. 4. Ein wichtiger Erfolgsfaktor für die Strategie ist die konsequente und zügige Anpassung und Einpassung der Angebote in ein Digitalisierungskonzept. Die Zugänglichkeit der wichtigen In- formationen auf Open Data Plattformen ist gemeinsam mit der Citeq und dem Münsterland e.V. bereits in Arbeit und in einem ersten Schritt in den nächsten Monaten hergestellt. Die Zu- kunft der touristischen Information, der digitalisierten Besucherlenkung und vor allem der per- sonalisierten Angebotsentwicklung aber liegt in der Anwendung von Künstlicher Intelligenz. Durch die künftig enge Zusammenarbeit mit der Smart City Unit ist die Option geschaffen, dass zeitnah und effektiv die komplette Digitalisierung der sog. Customer Journey, (also von der ersten Idee des Münsterbesuchs, über die Anreise, den Aufenthalt bis zur Abreise und der Auswertung und Kommunikation der eigenen Erlebnisse) erfolgen kann. Die Aufgaben und Kompetenzen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden sich dahingehend deutlich ver- schieben. Mit der hier formulierten und in Kooperation mit einer großen Zahl an Partnerinnen und Partnern aus der Stadt erarbeiteten Strategie wird Münster – auch das zeigt sich schon jetzt in der großen überregionalen Resonanz des Konzepts – in der Lage sein, den Tourismus in der richtigen Balance zu halten und Wertschöpfung und Verantwortung zu verbinden. gez. Denstorff Stadtbaurat Anlagen: - 4 - V/0367/2025 Anlage A Auszug Tourismus- und Kongress-Strategie „Münster Experience“
Anlage A
1980 Zeichen
Anlage A zur V/0367/2025 Kurzüberblick Im Sinne der großen Bedeutung des Städtetourismus im Wettbewerb der Städte national wie in- ternational wurde mit „Münster Experience“ in einem umfangreichen Prozess eine Tourismus-und Kongressstrategie für Münster entwickelt, die auf Qualität, Digitalisierung und Nachhaltigkeit setzt. Die Umsetzung erfolgt durch Münster Marketing sowie ein breites Netzwerk an Stakehol- dern. Ziele/Teilziele/Zielerreichung Folgende Leitorientierungen aus dem ISM-Prozess werden unterstützt: Wir werden einer der führenden Bildungs-, Wissenschafts-, Forschungs- und Entwicklungs- standorte in Europa Wir werden als Wirtschaftsstandort die Stadt des dynamischen Mittelstandes in Nordrhein- Westfalen Wir werden als ein kulturelles Zentrum unseres Landes Projekte mit internationaler Ausstrah- lung entwickeln Wir wollen das Zentrum für Verwaltungen und Institutionen sowie für öffentliche und private Dienstleistungen in Westfalen bleiben und an ihrer Modernisierung aktiv mitwirken Wir werden das unverwechselbare Stadtbild bewahren und die City als Ort der Begegnung, als Marktplatz und als Motor der Stadtentwicklung stärken Wir werden Münster zu einer Stadt mit höchster Lebens- und Erlebnisqualität weiterentwi- ckeln: mit hoher Umwelt- und Naturqualität mit breitem Freizeit- und Sportangebot mit hohem Wohnwert, Familienfreundlichkeit und sozialer Balance in der Stadtgesellschaft Wir werden Münster auf der Basis unserer Geschichte und des Prinzips von „Toleranz durch Dialog“ zu einer weltoffenen Stadt weiterentwickeln Pflichtigkeitsgrad Die Maßnahme/Leistung ist vollständig pflichtig überwiegend pflichtig x überwiegend freiwillig vollständig freiwillig Unmittelbare, grundsätzliche Relevanz für Querschnittsthemen (Demographie, Gleichstellung, Inklusion, Klimaschutz, Migration) Die Tourismusstrategie hat direkte Auswirkungen auf die Themenfelder Wirtschaft und Klima- schutz
Beratungsverlauf (3)
Beschluss: einstimmig beschlossen
Zur SitzungBeschluss: einstimmig beschlossen
Zur SitzungOrte (7)
- Platz des Westfälischen Friedens
- Prinzipalmarkt
- Leonardo-Campus
- Am Hawerkamp
- Gasselstiege
- Domplatz
- Werse
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Details
- Aktenzeichen
- V/0367/2025
- Typ
- Vorlagen
- Datum
- 20.05.2025
- Erstellt
- 16.05.2025 14:48