A-R/0033/2008
Münster für alle
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Originalantrag
4867 Zeichen
Antrag an den Rat Nr. A-R/0033/2008
1
Antrag
01.06.2008
SPD-Fraktion
im Rat der Stadt Münster
Münzstr. 15
48143 Münster
Telefon: 0251/ 45 314
Fax: 0251/ 511 750
spdfrak@muenster.de
www.spd-muenster.de
Münster für alle
In Würde alt werden - Schutz vor Altersarmut wirkun gsvoll
entfalten
Der Rat der Stadt Münster möge beschließen:
1. Die Stadt Münster erstellt einen Armutsbericht u nter besonderer
Berücksichtigung der Altersarmut. Ziel des Berichts ist es, kommunale
Steuerungsinstrumente und Handlungsempfehlungen zu entwickeln, um der
Altersarmut entgegen zu wirken. Dabei soll der Armu tsbericht die Ist-Situation
in Münster darstellen und eine Prognose für das Jahr 2020 geben.
2. Als besondere Schwerpunkte des Berichts sollen d ie gesundheitliche Situation
sowie die Wohnraumversorgung von Menschen in Alters armut dokumentiert
und entsprechende Handlungsempfehlungen abgeleitet werden.
3. Der Bericht soll geschlechtsspezifisch erstellt und die
Handlungsempfehlungen geschlechtergerecht entwickelt werden.
4. Die Verwaltung prüft, ob eine Zusammenarbeit mit den örtlichen Hochschulen
zur Erstellung des Armutsberichts möglich ist.
Begründung:
Die aufschlussreiche Armutsberichterstattung, die v on SPD und Grünen in der
Legislaturperiode 1994–1999 auf den Weg gebracht wu rde, mündete im
münsterischen Armutsbericht, der 2002 veröffentlich t wurde. Schwerpunkt der
Berichterstattung war die Lebenssituation von in Ar mut lebenden Kindern und
Jugendlichen. Die SPD-Forderungen nach Fortsetzung der städtischen
Armutsberichterstattung fanden keine Mehrheit. Nunm ehr soll ein neuer
Armutsbericht erstellt werden, der die Altersarmut in den Vordergrund stellt. Die
Studien des Instituts für Soziologie zur Armutsfors chung in Münster sollen
einbezogen werden.
2
In Münster leben derzeit ca. 25.000 Menschen in Arm ut; davon sind 7.600 Kinder
und Jugendliche. Alleine 21.000 Menschen beziehen L eistungen gem. ALG II. Wie
groß die verschämte Armut ist, lässt sich nur erahn en: nach wie vor nehmen
Menschen aus Scham und Unwissenheit zustehende Leis tungen nicht in Anspruch.
Ein weiterer Personenkreis, der in Armut lebt, sind Menschen ohne Papiere
(„Illegale“); über diesen Personenkreis liegen nur Dunkelzifferschätzungen vor.
Expertenschätzungen belaufen sich auf 1.000 Personen im Stadtgebiet Münsters.
„Arm trotz Arbeit“ ist auch in Münster ein Thema: Alleine 3.657 Personen nehmen in
Münster aufstockende Leistungen in Anspruch, weil d as Erwerbseinkommen keinen
ausreichenden Armutsschutz bietet. Mindestlöhne sin d eine Möglichkeit, die
Armutsrisiken zu minimieren: sie sorgen für angemes sene Entlohnung, höhere
Kaufkraft und Zuflüsse in die Sozialversicherungssysteme.
Auf Grund veränderter Erwerbsbiografien, die auf lä ngeren Ausbildungszeiten,
befristeten Beschäftigungsverhältnissen und unsiche ren Teilzeitarbeitsverhältnissen
basieren, wird Armut im Alter für größere Bevölkeru ngsgruppen immer
wahrscheinlicher. Unterbrechungen in der Erwerbsbiografie führen zu Ausfallzeiten in
der Rentenversicherung, die sich im Alter verheeren d auswirken können. Besonders
Frauen werden hiervon betroffen sein, weil
- immer noch ein Mangel an qualitativ hochwertigen
Kinderbetreuungsangeboten fehlt
- die bestehenden Kinderbetreuungsangebote oft nicht an den beruflichen
Erfordernissen der Familien orientiert sind
- Kindererziehungszeiten oftmals nicht adäquat bei R entenversicherungszeiten
berücksichtigt werden.
Der Rechtsanspruch auf einen Kinderbetreuungsplatz auch bereits für unter 3 jährige
Kinder wäre ein wirksames Instrument, um Frauen mit ihren Fähigkeiten und
Fertigkeiten am Erwerbsleben abgemessen zu beteilig en und der drohenden
Altersarmut von Frauen entgegen zu wirken.
Statistisch belegt ist der Zusammenhang von Armut u nd Krankheit sowie Armut und
verkürzter Lebenserwartung. Unstreitig erhöht Armut das Risiko, an einer
chronischen Erkrankung zu erkranken. Risikofaktoren etwa für Gefäß- oder
Krebserkrankungen finden sich bei armen Menschen häufiger.
Viele ältere Menschen haben bereits jetzt Schwierig keiten sich mit preiswertem
Wohnraum am Wohnungsmarkt zu versorgen. Die steigen de Zahl älterer Menschen
mit Armutsrisiken macht eine aktive Steuerung des W ohnungsmarktes für diesen
Personenkreis erforderlich; hierbei sind auch innen stadtnahe Wohnlagen zu
berücksichtigen.
Beanka Ganser Ralf Hubert Udo Reiter
Wolfgang Heuer Dr. Michael Jung Anne Schulze Win tzler
Anika Bergner Marianne Koch Joachim Tonn
Hedwig Chudziak Gaby Kubig-Steltig Beate Vilhjal msson
Philipp Gabriel Kurt Pölling Holger Wigger
Anne Hakenes Karsten Rahn Karl-Heinz Winter
Marianne Hopmann
Beratungsverlauf (1)
Orte (1)
- Münzstraße 15
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Details
- Vorlagen-Nr.
- A-R/0033/2008
- Typ
- Antrag an den Rat
- Datum
- 11.06.2008
- Erstellt
- 06.10.2020 14:37