A-R/0071/2010
Münster kauft fair
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Originalantrag
5107 Zeichen
Antrag an den Rat Nr. A-R/0071/2010 SPD-Fraktion im Rat der Stadt Münster Antrag Münster kauft fair 21.09.10 Der Rat der Stadt Münster möge beschließen: 1. Die Kriterien und Richtlinien für die Vergabe öf fentlicher Aufträge der Stadt Münster werden so verändert und angepasst, dass eine sozial-ökologisch verantwortun gsvolle Beschaffung und Auftragsvergabe gewährleistet ist. 2. Als Mindestkriterien für die Unternehmen sollten die Einhaltung sozialer Mindeststandards in Anlehnung a n die Normen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO ), sowie bei bestimmten Produktgruppen die Kriterien des „fa iren Handels“ gelten. 3. Die Bestätigung der Einhaltung der ILO-Kernarbei tsnormen in der gesamten Zulieferkette wird dabei mit unterschiedlichen Verfahren nachgewiesen. Vorausset zung ist die Kooperation mit einer unabhängigen Multi- Stakeholderorganisation, die • die relevanten Stakeholder des Bereichs an den Entscheidungen beteiligen (insbes. die Betroffenen „vor Ort“ in Form von ArbeitnehmerInnen, Gewerkschaften und NGOs); • die für den jeweiligen Produktbereich zutreffenden Standards gemeinsam definieren und konsequent umsetzen; • die Erfüllung dieser Standards unabhängig überwachen und verifizieren lassen; • zur umfassenden Transparenz verpflichtet sind. Der Nachweis, dass ein Produkt unter derartigen Be dingungen produziert wurde, kann erbracht werden: a) durch ein entsprechendes Label, das die Erfüllung der oben genannten Kriterien signalisiert (z.B. FSC-Label f ür Holz oder Fair Trade Label für Kaffee, Tee etc.) b) direkte Mitgliedschaft der Auftragnehmers in ein er derartigen Multistakeholder-Initiative (z.B. bei der „Fair-Wea r-Foundation“ für Bekleidung oder dem „Flower-Label-Program“ für Blumen) Bei Produktgruppen, zu denen weder ein entsprechend es Label noch die Mitgliedschaft in einer anerkannten Multi-Stakehold er Initiative gefordert werden kann, weist das Unternehmen mit einem entspr echenden Nachhaltigkeitsbericht die Einhaltung der ILO-Norme n nach. 2 4. Die Vergaberichtlinien der Stadt Münster werden im Sinne einer sozial- ökologischen und fairen Beschaffung regelmäßig über prüft und weiterentwickelt. 5. Die Stadt Münster prüft gleichzeitig, ob dabei d urch die Umstellung des Beschaffungswesens in der Stadt Münster und durch d ie gemeinsame Beschaffung von mehreren Kommunen Effektivitätsstei gerungen und Einsparmöglichkeiten geschaffen werden können. Begründung: Faire und verantwortungsvolle Beschaffung belohnt e ine nachhaltige Wirtschaftsweise, die die sozialen und ökologischen Auswirkungen ihres Handelns berücksichtigt und positiv gestaltet. Ein Mehrwert für Gesellschaft und Umwelt wird damit erreicht. 60 Prozent des gesamten öffentlichen Beschaffungsvo lumens geben die Kommunen aus, insgesamt mehrere 100 Mrd. € pro Jahr. Durch die Ausrichtung der Beschaffung am Ziel des nachhaltigen Wirtschaftens können die Kommunen – also auch die Stadt Münster - wichtige Impulse geben. Mit einem verantw ortungsvollen Beschaffungswesen nimmt die Stadt Münster nicht nur ihre Vorbildrolle für die Bürgerinnen und Bürger sowie für Unternehmen wahr, sondern fördert gleichzeitig die Nachfrage nach bestimmten Produkten und Dienstl eistungen und sorgt damit insgesamt für ein sozial und ökologisch zukunftsfäh iges Produktions- und Konsumverhalten. In der Folge können zunehmend attr aktive und stabile Marktverhältnisse in diesem Bereich entstehen. Nach der Modernisierung des Vergaberechts im April letzten Jahres kann auch die Stadt Münster ihre Vergabekriterien und Standards a n diese Anforderungen anpassen. Vorbildlich tut sie dies bereits seit ein igen Jahren durch den Ausschluss von Produkten aus ausbeuterischer Kinderarbeit. Ei ne Weiterentwicklung der Vergabekriterien ist jetzt möglich und notwendig. Zugleich hat die Stadt Münster im Oktober 2007 die Millenniums-Erklärung der Mitgliedskommunen des Rates der Gemeinden und Regio nen Europas unterzeichnet. Sie hat sich damit zur Mitwirkung an der Verwirklichung der Millenniums-Entwicklungsziele der Vereinten Natione n verpflichtet. Zu den dort geforderten Aktivitäten, die die Stadt Münster realisieren soll, gehören unter anderem „Maßnahmen zur Förderung einer global denkenden und in diesem Sinne Verantwortung übernehmenden Kommunalpolitik“. Dort werden ausdrücklich der Einsatz fair gehandelter Produkte und ein faires un d nachhaltiges Beschaffungswesen genannt. Mit der hier vorgeschlagenen Änderung der Vergaberi chtlinien und damit der zielgerichteten Beschaffung fairer Produkte kann di e Stadt Münster beginnen, ihre Verpflichtungen aus der Millenniumserklärung weiter zu erfüllen. Die Stadt Münster leistet damit nicht nur einen Beitrag zur nachhalti gen Entwicklung, sondern ebenfalls zur eigenen Imagebildung, da der faire Handel einen hohen Stellenwert hat und breite Zustimmung in der Gesellschaft findet. Anne Schulze Wintzler Raimund Köhn Gerd Kersting Ma rco Langenfeld und Fraktion und Fraktion und Gruppe
Beratungsverlauf (1)
Details
- Vorlagen-Nr.
- A-R/0071/2010
- Typ
- Antrag an den Rat
- Datum
- 21.09.2010
- Erstellt
- 06.10.2020 14:37