2012/0176
Förderung des Projektes: Schutz vor Gewalt und Zwangsprostitution im Mornewegviertel aus Mitteln des Nachlasses Ihrig / Bezug auf Magistratsbeschluss 613 aus dem Jahr 2009
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2012/0176
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Magistratsvorlage Eingang Magistrats- geschäftsstelle: 27.06.2012 an den Magistrat zur Kenntnis zur Beschlussfassung Beteiligt vor Magistratsbeschlussfassung: Dezernat V an die Stadtverordnetenversammlung OBW zur Befassung zur Kenntnis zur Beschlussfassung zur abschließenden Beschluss- fassung Fachausschuss Amt: Amt für Soziales und Prävention Behandlung in öffentl. Sitzung Ja Nein OBW bei abschl. Beschlussfassung Magistrat Ja Nein Internetfähig Verteiler: Vorlage-Nr. 2012/0176 Magistratsbeschluss-Nr. Produkt-Nr.: 315110 Kostenstelle: 590-000-0032 Investitionsnummer: Kostenträger: 3156-10 Sachkonto: 7128000 Betreff: Förde rung des Projektes: Schutz vor Gewalt und Zwangsprostitution im Mornewegviertel aus Mitteln des Nachlasses Ihrig / Bezug auf Magistratsbeschluss 613 aus dem Jahr 2009 Vorlage vom: 20.06.2012 Beschlussvorschlag: 1. Der Magistrat unterstützt die Stärkung des Gemeinwesens im Mornewegviertel durch die Zustimmung zur Fortführung des obengenannten Projektes. 2. Der Magistrat stimmt gemäß beiliegender Kostenkalkulation zu, dass aus dem für besonders benachteiligte Zielgruppen zur Verfügung stehenden „Nachlass Ihrig“ 10.000,00 Euro zur Umsetzung der Projektinhalte zur Verfügung stehen. Anlagen: - Bericht über Projektinhalte - Kostenkalkulation für den Zeitraum vom 01.03.2012 bis einschl. 28.02.2013 - Statistik 2011 Projekt Oyá Datenschutzrelevante Anlage: - 2 - Folgekosten: Ja Nein Beschluss des Magistrats vom - 3 - Begründung zur Magistratsvorlage vom 20.06.2012 Mit der Umsetzung des Konzeptes zur Stärkung des Gemeinwesens im Mornewegviertel, welches dem Magistrat zur Beschlussfassung am 18.11.2009 vorgelegt wurde (Beschluss Nr. 613/2009), wird die Situation der kumulierten Problemstellung durch sozial benachteiligte Zielgruppen aufgegriffen. Besonders hervorzuheben ist in diesem Zusammenhang das Projekt „Entwicklung des Anlauf- und Clearingangebotes des Horizont e.V. für Frauen in der Straßenprostitution im Mornewegviertel“. Hier wurden im Zeitraum vom 01.03.2010 bis zum 28.02.2012 bei den in der Toleranzzone Bismarckstraße/Kirschenallee tätigen Prostituierten einerseits die Bedarfe der Frauen in Bezug auf die Verbesserung der individuellen Situationen analysiert, und darüber hinaus durch psychosoziale Angebote Ausstiegshilfen angeboten. Die zwischenzeitlich aufgebauten Kontakte zu den Betroffenen bilden die Grundlage, um den Frauen Perspektiven zum Schutz vor Gewalt zu bieten. Aus dem beiliegenden Bericht wird deutlich, dass sich die Situation der Prostituierten im Mornewegviertel verbessert hat. Insbesondere die zwischenzeitlich messbaren Erfolge in Bezug auf die stetig zunehmenden Beratungskontakte der betroffenen Frauen, die vermehrt auch die Unterstützungsangebote des Trägers in Anspruch nehmen machen deutlich, dass es sinnvoll ist die Arbeit weiterzuführen, damit den Frauen weiterhin Ansprechpartnerinnen zur Seite stehen, die sie in den Bereichen Schutz vor Gewalt, Unterstützung beim Ausstieg aus der Prostitution durch psychosoziale Beratung begleiten. Im Herbst ist ein Treffen von Akteuren vor Ort zum gemeinsamen Erfahrungsaustausch geplant. Die seitherige Finanzierung in Höhe von 15.000 Euro jährlich erfolgte über Projektmittel der kommunalisierten Sozialen Hilfen in Hessen. Da diese Projektmittel für eine dritte Förderperiode nicht mehr in Anspruch genommen werden können, wird eine Fortführung des Angebotes durch die Finanzierung aus dem „Nachlass Ihrig“ angestrebt. Auch im Hinblick auf die sozialraumorientierte Stärkung des Mornewegviertels ist eine Weiterführung des Projektes für ein weiteres Jahr unabdingbar. Der Träger Horizont e.V. ist bereit, seinen Anteil der Eigenmittel zu erhöhen, so dass abweichend von der Kostenkalkulation ein Betrag von 10.000 Euro für die Weiterführung des Projektes im Zeitraum 01.03.2012 – 28.02.2013 benötigt und der städtische Haushalt nicht belastet wird. Über die Entwicklung des Projektes wird auf Wunsch berichtet. Statistische Daten sowie ein kurzer Abschlussbericht eines Förderzeitraumes liegen der Vorlage als Anlage bei. Darmstadt, 20.06.2012 Dezernat V Anlagen Barbara Akdeniz Stadträtin
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Monat
Statistik Projekt Oyá 2011
Anzahl der Kontakte
Anzahl der
Kontakte Kontakte 2010 Differenz
Monat
(Jahr 2011) (ab April) (Vergleich zu
2010)
Januar 57
Februar 48
März 47
April 46 14 32
Mai 55 25 30
Juni 62 30 32
Juli 55 38 17
August 58 39 19
September 53 40 13
Oktober 60 49 11
November 64 55 9
Dezember 68 57 11
Summe 673 347 174
Altersstruktur
Anzahl der
Kontakte gesamt 18 – 35 Jahre 35 – 60 Jahre 60 Jahre und älter
Januar
57
19
35
3
Februar 48 18 25 5
März 47 21 23 3
April 46 24 18 4
Mai 55 23 29 3
Juni 62 21 36 5
Juli 55 26 20 9
August 58 29 27 2
September 53 26 25 2
Oktober 60 25 27 8
November 64 26 32 6
Dezember 68 27 38 3
gesamt 673 285 335 53
Monat
Monat
Staatsangehörigkeit
Anzahl der
Kontakte gesamt
Europäisches
Deutsch Ausland andere
Januar 57 28 27 2
Februar 48 23 19 6
März 47 24 21 2
April 46 23 21 2
Mai 55 26 25 4
Juni 62 36 21 5
Juli 55 22 27 6
August 58 35 22 1
September 53 29 20 4
Oktober 60 24 34 2
November 64 34 27 3
Dezember 68 32 34 2
Summe gesamt 673 336 298 39
Beratungsthemen
Anzahl der
Kontakte Safer Sex Gesundheit
Januar 57 57 20
Februar 48 48 8
März 47 46 10
April 46 41 8
Mai 55 55 19
Juni 62 53 11
Juli 55 43 14
August 58 58 6
September 53 53 12
Oktober 60 59 19
November 64 59 20
Dezember 68 68 14
gesamt 673 640 161
Zusatzdaten
●
Außerdem wurden 6 Frauen in Wohnung oder Notunterkünfte vermittelt.
● 2 Frauen befinden sich in einem geregelten Arbeitsverhältnis und wurden
seither nicht mehr auf dem Straßenstrich gesehen.
● Es wurden 4 Schwangerschaften festgestellt und 1 Fr au bis zur Geburt und
darüber hinaus begleitet und betreut.
● Eine Frau wurde im Berichtszeitraum aufgrund von Gewaltdelikten durch
Unterstützung von FIM (Frauenrecht ist Menschenrecht) im Frauenhaus
untergebracht.
● Zwei Frauen wurden nach Gewalttaten untergebracht und unterstützt, eine
bis zum Termin bei der Staatsanwaltschaft begleitet, die andere Frau hat die
Verfolgung des Täters abgelehnt.
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Arri? nt
Abschlussbericht {März 2011 bis Februar 2012)
zur Entwicklung des Anlauf- und Clearingangebotes, der Offerte des Horizont e.V. für
Frauen die in Darmstadts Mornewegviertel der Straßenprostitution nachgehen
Nach zwei Jahren Arbeit bestätigt sich, dass die gewählte Struktur für das Projekt OYA (Anlauf und
Clearingangebot für Straßenprostituierte) die richtige war. Auch die ergänzende Ausrichtung
Zwangsprastitution und Gewalt nach mehr in den Fokus zu nehmen war eine konsequente
Weiterführung des Konzeptes. Die psychosozialen Beratungs — und Unterstützungsangebote sind
auch in diesem Jahr kontinuierlich ansteigend wahrgenommen worden. Die stabilen Beziehungen die
im Laufe der vergangenen Jahre zu einigen Frauen aufgebaut werden konnten, kamen uns gerade im
sensiblen Bereich der Zwangsprostitution und bei Gewaltdelikten den Frauen gegenüber zu Gute, da
vir Informationen erhielten, die uns vor einem Jahr noch nicht vermittelt worden wären.
Unser Angebot, such über den Kontakt auf der Straße hinaus, für die Frauen zur Verfügung zu stehen
nehmen viele regelmäßig war. Fier geben die Frauen dann auch ihre Identität preis, um mit uns
zusammenarbeiten zu können. Das Anonym bleiben ist für die meisten Frauen der Einstieg in eine
vertrauensvolle Arbeit und führt in den meisten Fällen zu stabilen länger andauernden
en wir zwei Frauen, die wir in Unterkunft vermittelten auf ihrem Weg zum
Beziehungen. So kai
Ausstieg begleiten. Diese Frauen sind zuf dem Straßenstrich nicht mehr aufgetaucht.
Der Argwohn seitens der Anwohnerinnen und Anwohner bzw, der ansässigen Einrichtungen konnte
durch regelmäßige Ansprachen zuf einem verträglichen Maß gehalten werden. Es gibt in Abständen
Anfragen zu bestimmten auffälligen Situationen, die sich im Gespräch klären lassen. Wenn es sich um
Verfehlungen handelt, die in Richtung Ordnungswidrigkeit gehen, erklären wir, dass wir Frauen direkt
ansprechen werden, verweisen aber auch darauf, dass sich letztendlich jeder Bürger an die
Ordnungsbehörde wenden kann, wenn er sich gestört fühlt. \
Mit allen Beteiligten Einrichtungen im Netzwerk Darmstadts stehen die OYA-Mitarbeiterinnen
regelmäßig im Austausch.
Nach wie vor begegnen wir dem Problem versteckter Wohnungslosigkeit, dass wir dank der
konstruktiven Zusammenarbeit mit dem Amt für Soziales und Prävention und der Polizei, für sechs
Frauen, erfolgreich abwenden konnten. Diese Frauen wurden in Unterkünfte vermittelt, Für zwei
Frauen gelang es, über wohnungssichernde Maßnahmen, Wahnungsverlust zu vermeiden. Betonen
möchten wir an dieser Stelle, dass es immer wieder die kurzen Kommunikationswege zwischen den
beteiligten Institutionen sind, die schnelles und effektives Handeln ermöglichen.
Eine große Hilfe war auch in diesem lahr die Unterstützung durch den Malteser-Gesundheitsdienst
im Marienhospital. Die Mitarbeiter dort konnten auch zu Fachärzten vermitteln, was schr hilfreich
war, insbesondere bei einer schwangeren Frau.
im Zusammenhang mit konkreten Fällen wurden die Mitarbeiterinnen des Projektes aufklärerisch
tätig in den Ambulanzen von Kraenkenhausern oder bei Arztpraxen, die Frauen z.B. nach
Gewaltdelikten behandelten. Hier stellte sich heraus, dass einige schon mit FIM (Frauenecht ist
Menschenrechti Kontakt hatten, wenn es sich um Gewaltsituationen handeite, die aus
Zwangsprostitution herrührter, Zu den Mitarbeiterinnen besteht ein guter Kontakt. In Problemfällen
konnten sie wertvolle Tipps für die Arbeit vor Ort erhalten.
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Zwei Frauen wurden nach Gewalttaten untergebracht und unterstützt, eine wurde bis zum Termin
bei der Staatsanwaitschaft begleitet, die andere Frau hat die Verfolgung des Täters abgelehnt,
Frauen in der Toleranzzone, die der Zwangsprostitution ausgesetzt sind, konnten wir lediglich über
kurze Kontakte beim Verteilen von Präventionsmittein begegnen. Hier kommen die Hinweise in der
Regel von anderen Sexarbeiterinnen. Die betreffenden Frauen bleiben meist nicht lange am selben
Einsatzort, so kommt kaum ein intensiverer Kontakt zustande. Wir sind im Umgang sehr vorsichtig,
da dies sowohl dem Schutz der Sexarbeiterinnen als auch dem Schutz der Mitarbeiterinnen dient.
Wie schon im letzten Bericht erwähnt, wissen wir nicht wo sich die Hintermänner aufhalten.
Wichtig für die frauen war auch, dass wir regelmäßig das Hotline-Heft verteilen können, dass wir in
aktuellster Fassung won der idh (Integrative Drogenhilfe e.V.) aus Frankfurt beziehen und darüber vor
gewalttätigen Freiern warnen können. Hier unterstützt uns auch die Polizei mit nützlichen Hinweisen
für die Frauen.
Nach wie vor ist es uns nicht möglich, für die Arbeit in der Toleranzzone, für alle Sprachen Über-
setzungen anzubieten. Auch die Fachfrauen von FIM konnten uns hier aufgrund der angespannten
Personallage nicht vor Ort aushelfen. So erreichen wir die Frauen über Gestik und Mimik, das
verteilen der Präventionsmittel und über Frauen zuf der Straße, die im Notfall erklärend
unterstützen.
Trotz dieser Problematik kommen aber zunehmend auch Frauen mit Sprachhandycap ir die
Sprechstunde, um das niedrigschwellige Angebot aufzusuchen. Oft in Begleitung einer Freundin die
etwas besser deutsch spricht, da sich herumgesprochen hat, dass es hier unkonventioneile
Hilfsangebote gibt
Am Tag der Vereine 2011, an dem wir auch das Projekt OYA vorstellten, ergaben sich Kontakte zu
Vereinen unterschiedlicher Nationalitäten, die uns ihre Unterstützung zugesagt haben, falls wir in
dringender Not Übersetzung benötigen.
Das Projekt erlangt immer mehr Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit. Wir werden zu Vorträgen und
, Präsentationen bei Veranstaltungen im Gesundheitswesen z.B. an Hochschulen oder anderen
Einrichtungen angefragt, was wir gerne bedienen, da so Aufklärung und Sensibilität für diese
Personengruppe hergestellt wird.
Problematisch für die Frauen ist immer noch der Mangel an Möglichkeiten sich zu Waschen, also die
Hygienischen Bedingungen. Wir begegnen diesem Umstand durch das Verteilen von Feuchttüchern.
Dies ist ein Posten in der Finanzierung der stetig zunimmt. Wir sehen uns immer wieder nach einem
möglichen Standort um, kommen bis dato aber auch zu keiner befriedigenden und das Problem
entlastenden Idee. Wir möchten dies weiterverfolgen und würden uns schon aus diesem Grunde
freuen, wenn das Projekt weiter bestehen bliebe.
Die bisher erfolgreich geleistete Arbeit mit den Frauen und für die Frauen sollte weitergeführt
werde, damit die Sexarbeiterinnen weiterhin Ansprechpartnerinnen haben die ihnen vorbehaltlos
und unvoreingenommern zur Seite stehen. Es ist weiterhin von Nöten dass für ihre Belange im
Bereich Schutz vor Gewalt, der Unterstützung beim Ausstieg, sowie der Begleitung bei drückenden
Alltagsproblemen ein niedrigschwelliges Angebot vorgehalten wird.
Auch im Verlauf des letzten Jahres konnten wir auf die hervorragende Zusammenarbeit der
unterschiedlichen Träger bauen. Wir bedanken uns für die Unterstützung der Wissenschaftsstadt
Darmstadt, die dem Projekt immer stützend zur Seite steht,
Beratungsverlauf (4)
Orte (2)
- Bismarckstraße
- Kirschenallee
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Details
- Vorlagen-Nr.
- 2012/0176
- Typ
- Magistratsvorlage
- Datum
- 21.05.2012
- Erstellt
- 29.09.2026 00:00