2012/0463
Stadttaubenkonzept
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Konzept zur Realisierung von Taubenschlägen für Stadttauben in Darmstadt Autoren: Diplom Biologe Björn Kleinlogel und Frau Stürmer Stadttaubenprojekt Frankfurt 1. Aufgabenstellung Nach den Vorgaben des Augsburger Modells sollen in Darmstadt Taubenschläge für Stadt- tauben eingerichtet werden. Auf der Grundlage der bereits durchgeführten Zählung der Stadttauben sollen zum einen die notwendige Anzahl der Schläge, zum anderen mögliche Standorte benannt werden. Darüber hinaus sind Vorgaben für den Bau und den Betrieb der Schläge zu machen. Abschließend muss eine Kostenplanung getroffen werden. Es muss bei dem Konzept darum gehen, Bürgerinteressen und Tierschutz in Einklang zu bringen. 2. Kernpunkte des Augsburger Modells (Was verbessert sich durch Taubenschläge in Darmstadt?) Die Grundidee des Augsburger Modells ist es die Tauben an die Schläge zu binden, und sie somit den Fußgängerzonen, der Freiluftgastronomie und anderen sensiblen Bereichen zu entziehen. Eine merkliche Reduzierung der Anzahl der Tauben mittelfristig zu erreichen, also einen kleinen, stadtverträglichen gesunden Taubenbestand. In Frankfurt wurden z.B. an einem Standort begleitende Zählungen durchgeführt (West- bahnhof). Gegenüber der ursprünglichen Population vor Installation des Schlages wurde nach 5 Jahren ein Rückgang von 85% ermittelt. Ohne den Schlag wäre dagegen ein starker Zuwachs der Tiere zu erwarten gewesen. Es handelt sich bei der Taubenhausmethode um eine nach- haltige Bestandsreduzierung. Alle anderen Methoden führen zu dem bekannten JoJo-Effekt. Vorteile für den Menschen: • Geringere Kotbelastung Die in den Taubenschlägen angesiedelten Tauben halten sich nachts, und tagsüber gerne im sicheren Taubenschlag auf. Hierbei wird der Großteil des Taubenkotes im Schlag abgesetzt und dort entfernt. Die Kotbelastung im Umfeld des Schlages also in den o. g. Bereichen wird deutlich reduziert. Taubenkot konzentriert sich immer auf bestimmte Brennpunkte an denen sich die Tauben aufhalten. • Gesunder Taubenbestand Durch die Fütterung im Schlag werden die Tauben mit artgerechtem Futter versorgt, sie sind daher gesünder. Das Risiko von Erkrankungen und Parasiten verringert sich. Der Schlag bietet zudem den Vorteil, sollte einmal ein größeres Krankheitsgeschehen auftreten, sind die Tauben im Taubenhaus besser zu kontrollieren. • Geburtenkontrolle Die in Taubenschlägen in der Stadt angesiedelten Stadttauben vermehren sich nicht weiter, da durch eine regelmäßige Ei- Entnahme eine effektive Geburtenkontrolle sichergestellt ist 3. Anzahl der notwendigen Taubenschläge und mögliche Standorte Die von Björn Kleinlogel durchgeführte Taubenzählung und Abschätzung des Tauben- bestandes von Darmstadt hat ergeben, das ca. 5000 Stadttauben in Darmstadt leben (siehe Anlage 1/ Karte . Wir empfehlen zunächst einmal die Errichtung von Schlägen an so genannten Brennpunkten. Später sollte eine Erweiterung der Kapazität erfolgen. Diese Vorgehensweise hat sich zum Beispiel in Augsburg oder Aachen und anderen Städten bestens bewährt. Die Taubenschläge müssen dort eingerichtet werden wo die Tauben sind .Es macht keinen Sinn, Schläge an „nicht störende Orte“ zu setzen. Die Taubenschläge können in vorhandene Gebäude (Dach und Etagen) oder auf vorhandene Gebäude errichtet werden. Eine Aufstellung auf dem Boden (z.B. in einer Parkanlage) ist wegen Vandalismus nicht geeignet. Als Standort eignen sich am besten Gebäude der öffentlichen Hand bzw. mit öffentlicher Beteiligung .Dies sichert eine Planbarkeit für den erforderlich langen Zeitraum (mind. 10 Jahre). Mögliche Gebäude: Jedes in der Stadt liegende Gebäude könnte im Dachgeschoss oder auf dem Dach einen Taubenschlag aufnehmen, sofern es dort eine entsprechende Tauben- population gibt, die man erfassen will. 4. Taubenschläge (Varianten, Größe, Anforderungen an das Gebäude) Taubenschläge können relativ einfach gebaut werden. Die Schläge müssen für die Tauben geeignet sein, und sie sollten für Menschen leicht erreichbar und leicht zu reinigen sein (um die Betriebskosten niedrig zu halten) Was benötigt ein Taubenschlag um für Tauben geeignet zu sein? • Die Tauben brauchen ein Regal, in dem sie Brüten können. Hierin sind einzelne Brutzellen, mit jeweils einem vor geformten Nest • Die Tauben brauchen über das Brutregal hinaus Ansitzmöglichkeiten im Taubenschlag • Im Taubenschlag steht ein Futterbehälter den die Tauben nicht verkoten können und ein Wasserbehälter • Es muss einen Zugang für die Tauben zum Schlag geben Was benötigt ein Taubenschlag um praktisch im alltäglichen Betrieb zu sein? • Leichter Zugang, und Möglichkeit die großen Kotmengen abzutransportieren und das Futter und Wasser hinzutransportieren • Glatter Bodenbelag, um die monatliche Grundreinigung effektiv durchführen zu können(z.B. USB Platten) Die Größe der Taubenschläge richtet sich nach den örtlichen Gegebenheiten. Je nach Größe der ansässigen Population .Ein Taubenhaus für eine Größenordnung von 250 bis 300 Tieren braucht eine Grundfläche von 25 qm. Kleinere Tierbestände entsprechend weniger. Es können Taubenschläge in Dachböden eingebaut werden, oder in Etagen. In vielen Städten gibt es Taubenhäuser auf Flachdächern, z.B. auf Parkhäusern. 5. Betrieb der Schläge Es ist notwendig zuverlässige Personen oder Firmen zu finden, die den Betrieb des Taubenschlages übernehmen, und für die Arbeiten die Verantwortung übernehmen. Hierüber sind verbindliche, gegebenenfalls einklagbare Wartungsverträge abzuschließen. Die für den Tierschutz zuständige Veterinärbehörde ist über die Taubenschläge zu informieren, und die verantwortlichen Personen sind zu benennen. Die durchgeführten Arbeiten müssen dokumentiert und die Dokumente archiviert werden. Es sind regelmäßig Kontrollen durchzuführen. Im Einzelnen sind folgende Arbeiten regelmäßig durchzuführen: • In den Taubenschlägen müssen die abgelegen Eier alle 2-3 Tage entnommen werden. Über die Ei- Entnahme ist Protokoll zu führen. • Die Taubenschläge sind 2x wöchentlich mit einem Stundenaufwand von ca. 2 bis 2,5 Std. bei voller Auslastung zu reinigen und dabei die Tiere zu versorgen. • Kranke oder verletzte Tiere sind zu entnehmen und einer tierärztlichen Kontrolle zuzuführen. 6. Besiedlung der Schläge Wenn die Taubenschläge an den richtigen Stellen gebaut werden, d.h. dort, wo die Tauben leben, geht die Besiedelung sehr schnell. Es kann ein Richtwert von ca. 8-bis 12 Wochen angegeben werden. Nur bei falscher Ortswahl dauert es länger und kann sogar scheitern. Deshalb ist das wichtigste überhaupt die Schläge dorthin zu bauen wo die Tauben sind. 7. Abschätzung der entstehenden Kosten /xrhombus Kosten für den Bau eines Taubenschlages: Je nach den vorgegebenen Voraussetzungen entstehen unterschiedliche Kosten. Wenn ein vorhandener Dachboden oder Räume eines Gebäudes genutzt werden können sind die Kosten geringer, als wenn ein eigener Gebäudeteil auf einem Gebäude oder in einem Park errichtet werden muss. Die Kosten für die Errichtung eines Taubenschlages liegen daher zwischen ca. EUR 2000.- und EUR 5000.- Hier sollten die Möglichkeiten von Arbeitslosenselbsthilfegruppen geprüft werden um ev. Kosten noch zu minimieren. /xrhombus Kosten für den Betrieb eines Taubenschlages: • Die Schläge müssen nach obigen Muster gereinigt werden, also bei Auslastung jeweils ca. 5 Std. die Woche. • Der Schlag ist regelmäßig (ca. 1 mal pro Monat) gründlich zu reinigen und zu desinfizieren. Hierbei fallen ca. 3-4 Stunden Arbeit an zuzüglich der Kosten für die Müllentsorgung • Die entstehenden Kosten für Futter und Betreuung richten sich nach der Größe der zu betreuenden Population und sollten im Einzelfall abgeklärt werden es gibt hier ent- sprechende Modelle. Man kann je nach Aufwand von einem Richtwert von 300.- € ausgehen. Da fast alle Kommunen eine angespannte Haushaltslage haben, empfiehlt sich eine Pauschalierung. Grundsätzlich gilt, je mehr Schläge, umso kostengünstiger wird das Konzept. Gemessen an herkömmlichen Vergrämungs- bzw. jetzt wieder populären Tötungsmaßnahmen ist das Taubenhauskonzept nachhaltig und kostengünstig. Auch im Hinblick auf die Akzeptanz in großen Teilen der Bevölkerung, die zwar keine Taubenfreunde sind aber das Töten der Tiere als Bekämpfungsmaßnahme ablehnt, stellt das Taubenhausmodell eine ideale Lösung dar.
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- Magistratsvorlage Eingang Magistrats- geschäftsstelle: 27.11.2012 an den Magistrat zur Kenntnis zur Beschlussfassung Beteiligt vor Magistratsbeschlussfassung: Dezernat III Dezernat II Dezernat IV an die Stadtverordnetenversammlung OBW zur Befassung zur Kenntnis zur Beschlussfassung zur abschließenden Beschluss- fassung Fachausschuss Amt: Umweltamt Behandlung in öffentl. Sitzung Ja Nein OBW bei abschl. Beschlussfassung Magistrat Ja Nein Internetfähig Verteiler: Vorlage-Nr. 2012/0463 Magistratsbeschluss-Nr. Produkt-Nr.: Kostenstelle: 056-010-1000 Investitionsnummer: Kostenträger: 5540-11 Sachkonto: 6139000 / 6179700 Betreff: Stadttaubenkonzept Vorlage vom: 23.11.2012 Beschlussvorschlag: I. Der Magistrat nimmt das Konzept zur tierschutzgerechten Regulierung der Stadttaubenpopulation – Augsburger Modell – zur Kenntnis II. Der Magistrat stimmt zu, unter dem Sachkonto 6139000 (Sonstige weitere Fremdleistungen) einmalig 8.000 € zur Errichtung von Taubenschlägen zur Verfügung zu stellen. Des Weiteren stimmt der Magistrat zu unter dem Sachkonto 6179700 (Schädlingsbekämpfung) 4.800 € jährlich für die Umsetzung des Projektes und zur Gewährung von Zuschüssen für andere Taubenschläge gem. dem Projektmodell für die Dauer von zunächst 5 Jahren zuzustimmen. Anlagen: Projektskizze geografische Darstellung, Plätze Taubenzählung Datenschutzrelevante Anlage: - 2 - Folgekosten: Ja Nein Beschluss des Magistrats vom - 3 - Begründung zur Magistratsvorlage vom 23.11.2012 Mit Magistratsvorlage Nr. 2008/0184, Magistratsbeschluss Nr. 249 vom 14.05.2008 wurde eine innerstädtische Arbeitsgruppe unter Leitung des Umweltamtes mit Kollegen des Bürger- und Ordnungsamtes, des Amtes für Veterinärwesen und Verbraucherschutz, des Gesundheitsamtes sowie Vertretern des Bundesverbandes Menschen für Tierrechte, Bundesarbeitsgruppe Stadttauben beauftragt, ein Konzept zur Regulierung der Stadttaubenpopulation nach Vorgaben des Augsburger Modells zu entwickeln. Die Grundzüge des Augsburger Modells wurden in der Berichtsvorlage zur Kenntnis genommen. Unter Federführung des Umweltamtes wurden zunächst Vertreter von in Darmstadt ansässigen Unternehmen, Verwaltungen, öffentlichen Immobilienbesitzern und Gewerbe von den Gr undsätzen des Augsburger Modells unterrichtet. In der ersten großen Sitzung wurde vereinbart, dass als Grundlage für ein Stadttaubenkonzept zunächst die Anzahl der Tauben festzustellen ist. Die Taubenzählung hat an den bekannten 38 Plätzen in Darmstadt zeitgleich stattgefunden mit dem Ergebnis, dass von einem Bestand von ca. 5.000 Tauben auszugehen ist (Plätze siehe Anlage 1). Die größten Schwärme befinden sich am Hauptbahnhof und am Luisenplatz. In der nächsten Arbeitsgruppensitzung wurden die Zahlen präsentiert und es wurde vereinbart, eine Projektskizze zu entwerfen. Die Stadttaubenzahl wurde von der Fa. Kleinlogel ermittelt. Die Projektskizze zur weiteren Vorgehensweise wurde gemeinsam von Herrn Dipl.-Biol. Kleinlogel und Frau Stürmer, Frankfurt erarbeitet. Frau Stürmer konnte zur Mitarbeit bei dem Projekt gewonnen werden. Sie hat für ihr Engagement zur tierschutzgerechten Reduktion von Stadttauben den hessischen Tierschutzpreis erhalten. Frau Stürmer hat in der letzten Projektsitzung dargestellt, dass sie im Zeitraum von 5 Jahren am Frankfurter Westbahnhof die dortige Population durch Einrichtung eines Taubenschlags um 85% tierschutzgerecht reduziert hat. Die Stadttauben werden in einem Taubenschlag gefüttert, der Schlag ist zu reinigen, die Eier werden gegen Gipseier ausgetauscht. Der Taubenschlag wird regelmäßig gereinigt. Die Tiere halten sich ca. 18 Stunden im Schlag auf. Die Verkotung auf anderen Bauten und die Futtersuche im Fußgängerbereich gehen merklich zurück, kurz: das Stadtbild wird erheblich verbessert und die Kosten für Gebäudereinigung sowie Vergrämungsmaßnahmen werden reduziert. Die Einrichtung eines Taubenschlags kostet in einem Dachgeschoßraum ca. 2.000 – 3.000 €. Die Unterhaltung durch Betreuer ist sicher zu stellen. Andere Städte haben hier leider schlechte Erfahrung bei der Betreuung durch Ehrenamtlich gemacht. Allerdings gibt es in Darmstadt interessierte Taubenzüchter und Bürger. Das Umweltamt plant, diese in die Versorgung mit einzubeziehen. Ein städtischer Taubenschlag kostet 400 € monatlich, somit 4.800 € jährlich. - 4 - Das Stadttaubenkonzept wird bereits in 40 größeren Städten erfolgreich umgesetzt. Orientierung geben insbesondere die Stadt Augsburg und die Stadt Aachen, aber auch Wiesbaden, das 8 Taubenschläge mit Betreuung durch das Stadttaubenprojekt Frankfurt unterhält. Taubenschläge sollten in der Nähe der vorhandenen Schwärme eingerichtet werden. Interesse haben die TU im Darmstädter Schloss, Henschel und Robertz und das Hessische Landesmuseum. Durch entsprechende Öffentlichkeitsarbeit sollen weitere Interessenten gesucht und ein Sponsorenkonto eingerichtet werden. Im Industriegebiet sind die Firmen Donges Steeltec und Evonik interessiert sowie am Bahnhof das Maritim Hotel. Außerdem gibt es bei der Fa. Merck konkrete Pläne zur Einrichtung von Taubenschlägen. Von den Beteiligten wird zunächst die weitere Koordinierung des Projektes durch die Stadt Darmstadt erwartet sowie ein Zuschuss für die Unterhaltung von Taubenschlägen im Innenstadtbereich, die von den jeweiligen Gebäudeeigentümern ausgebaut bzw. eingerichtet werden. Einigkeit besteht darin, keine Taubenhäuser aufzustellen, da diese vandalismusgefährdet sind. Darmstadt, 22.11.2012 Dezernat II Dezernat III Dezernat IV Rafael Reißer Brigitte Lindscheid André Schellenberg Bürgermeister Stadträtin Stadtkämmerer
Beratungsverlauf (4)
Orte (2)
- Luisenplatz
- Am Hauptbahnhof
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Details
- Vorlagen-Nr.
- 2012/0463
- Typ
- Magistratsvorlage
- Datum
- 23.11.2012
- Erstellt
- 29.09.2026 00:00