2020/0160
Publikation hessische „Bildung integriert“-Kommunen
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2020/0160
4636 Zeichen
Magistratsvorlage
Eingang Magistrats -
geschäftsstelle:
03.06.2020
an den Magistrat
zur Kenntnis
zur Beschlussfassung
Beteiligt vor
Magistratsbeschlussfassung:
Dezernat II an die Stadtverordnet enversammlung
OBW zur Befassung
zur Kenntnis
zur Beschlussfassung
zur abschließenden Beschluss -
fassung Fachausschuss
Amt: Schulamt
OBW bei abschl.
Beschlussfassung Magistrat
Behandlung in
öffentl. Sitzung
Ja
Nein
Verteiler:
Ja
Nein
Vorlage-Nr. 2020/0160
Magistratsbeschluss -Nr.
Internetfähig
Produkt-Nr.:
Kostenstelle: Investitionsnummer:
Kostenträger: Sachkonto:
Betreff: Publikation hessische „Bildung integriert“ -Kommunen
Vorlage vom: 29.05.2020
Beschlussvorschlag :
Die Publikation wird zur Kenntnis genommen .
Anlagen: Publikation hess. Bildung integriert Kommunen
Datenschutzrelevante Anlage:
Folgekosten: Ja Nein
- 2 -
Beschluss des Magistrats vom
- 3 -
Begründung zur Magistratsvorlage vom 29.05.2020
Die Wissenschaftsstadt Darmstadt hat sich im Jahr 2016 mit der Teilnahme am Programm
„Bildung integriert“1 auf den Weg gemacht, ein datenbasiertes kommunales
Bildungsmanagement aufzubauen und zu etablieren. In dieser ersten Förderphase haben sich
2016 neben Darmstadt sechs weitere hessische Kommunen – eine weitere kreisfreie Stadt und
fünf Landkreise – auf den Weg gemacht, und den Fokus auf das Thema Bildung gelegt:
Landeshauptstadt Wiesbaden, Landkreis Darmstadt-Dieburg, Landkreis Fulda, Lahn-Dill-Kreis,
Landkreis Marburg-Biedenkopf, Odenwaldkreis.
Zunächst über Angebote der Transferagentur Kommunales Bildungsmanagement Hessen,
später dann auch im Eins-zu-Eins-Kontakt standen die Kommunen von Anfang an in einem
engen kollegialen Erfahrungsaustausch. Hierbei wurden Gelingensbedingungen und
Herausforderungen, die der Aufbau eines für die Kommunen neuen datenbasierten
kommunalen Bildungsmanagements mit sich brachte, gleichermaßen diskutiert. Dabei wurde
stets deutlich, dass sich – trotz der gleichen Zielsetzung von mehr Bildungsteilhabe und
Chancengerechtigkeit – die Arbeit der Bildungsmanager*innne und Bildungsmonitorer*innen in
den einzelnen Kommunen stark unterscheidet und stets an den Voraussetzungen vor Ort
anknüpfen muss. Das beginnt damit, dass die Stellen von Bildungsmanagement und
Bildungsmonitoring in unterschiedlichen Verwaltungseinheiten angesiedelt sind und setzt sich
über den Zugang zu statistischen Daten fort. Mit der Ansiedlung der Stellen im Schulamt der
Wissenschaftsstadt Darmstadt und einem Zugang zur abgeschotteten Statistikstelle im Amt für
Wirtschaft und Stadtentwicklung für das Bildungsmonitoring liegen in Darmstadt gute
Voraussetzungen vor.
Am Ende der dreijährigen ersten Förderphase beschlossen die hessischen „Bildung integriert“ -
Kommunen in Eigenregie eine gemeinsame Publikation zu erarbeiten, in der die Arbeit und
Erfahrungen der ersten drei Jahre dokumentiert werden. Neben der Sichtbarmachtung der
bisherigen Arbeit und Erfolge, kann die Publikation auch anderen Kommunen als Orientierung
und Motivation für die Einführung eines datenbasierten kommunalen Bildungsmanagements
dienen. Aus diesem Grund wurden bei der Beschreibung des Vorgehens sowohl
Gelingensbedingungen als auch Herausforderungen benannt. Neben den ‚Leuchttürmen‘ der
jeweiligen Kommune wurde darüber hinaus auch ein Blick auf die Wirksamkeit und
Nachhaltigkeit angestoßener Veränderungen und Projekte gelegt.
Die Wissenschaftsstadt Darmstadt stellt in ihrem Beitrag die Veröffentlichung des 1.
Bildungsberichts als wichtigen Meilenstein im Aufbau des datenbasierten kommunalen
Bildungsmanagements vor. Hierbei wird nicht nur das Produkt und die sich anschließende
Diskussion, sondern vor allem auch der dezernatsübergreifende Weg dorthin dargestellt. In
diesem Zusammenhang wird auch noch einmal die Relevanz der AG Bildung als
Begleitgremium für die Erstellung des Bildungsberichts, aber auch als Plattform für den
ämterübergreifenden Austausch zum Thema Bildung formuliert.
Darmstadt, 29.05.2020
Dezernat II
Rafael Reißer
Bürgermeister
1 Das Vorhaben „Strukturelle institutionalisierte Implementierung eines professionellen Bildungsmanagements mit der
Grundlage eines datenbasierten Bildungsmonitorings (BildungsNetzWerk Darmstadt – BMW_DA)“ wird im Rahmen des
Programms „Bildung integriert“ vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und dem Europäischen
Sozialfonds der Europäischen Union gefördert.
anlage 1
111354 Zeichen
GEFÖRDERT VOM
Die erste Förderphase
des Projektes
„Bildung integriert“
in Hessen
Impressum
Herausgeber:
Kreisausschuss des Landkreises Fulda
Wörthstraße 15, 36037 Fulda
Telefon: 0661 6006 1652
Telefax: 0661 6006 1630
bildungsbuero@landkreis-fulda.de
www.bildungsbuero-fulda.de
2
Das Vorhaben „Bildung integriert“ wird gefördert aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung
sowie des Europäischen Sozialfonds der Europäischen Union.
Redaktion:
Für die Redaktion der Textbeiträge zeichnen
sich die die jeweiligen Kommunen und
Verfasser verantwortlich.
Gestaltung und Druck:
Grafik Design 25, Fulda
Die Berichte der beteiligten Kommunen spiegeln in der Regel
den Projektstand nach Abschluss der ersten Förderphase wider.
3
Bildung integriert
Impressum . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2
Vorwort des Bundesministeriums für Bildung und Forschung . . . . . . . . . . . . . . . . . 4
Vorwort des Hessischen Kultusministeriums . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5
Über diese Publikation . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6
Lahn-Dill-Kreis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 8
Landeshauptstadt Wiesbaden . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 14
Landkreis Darmstadt-Dieburg . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18
Landkreis Fulda . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 24
Landkreis Marburg-Biedenkopf . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 30
Odenwaldkreis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 36
Wissenschaftsstadt Darmstadt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 40
Impressionen interkommunaler Zusammenarbeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 45
Glossar . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 47
Inhaltsverzeichnis
4
Vorwort des Bundesministeriums für Bildung und Forschung
Bildung auf kommunaler Ebene gemeinsam ge -
stalten – das ist eine Herausforderung, der sich in
der ‚ Transferinitiative kommunales Bildungsma -
nagement‘ immer mehr Kommunen stellen. Längst
haben die Städte und Kreise erkannt: Gute Bildung
ist ein Standortfaktor, dessen Ausgestaltung mit
allen Bildungsakteuren vor Ort abgestimmt wer -
den muss. Mit der ‚ Transferinitiative‘ unterstützt
das Bundesministerium für Bildung und Forschung
(BMBF) mit einem Bündel an Programmen bundes-
weit Kreise und kreisfreie Städte dabei, ihre Bil-
dungslandschaften zukunftsfähig zu gestalten.
Allein im Programm ‚Bildung integriert‘ fördert
das BMBF 124 Städte und Landkreise beim Auf -
bau eines datenbasierten kommunalen Bildungs -
managements. Ziel ist, die Grundlagen für eine
datenbasierte strategische Bildungsplanung und
eine integrierte Bildungssteuerung auf kommuna-
ler Ebene zu etablieren, die nachhaltig in den Ver -
waltungen verankert werden. Zu den Instrumenten
einer solchen Steuerung zählt eine kontinuierliche
Bildungsberichterstattung, die es erlaubt, Steue -
rungsentscheidungen in kommunalen Bildungs -
systemen auf einer validen Datenbasis zu treffen.
Steuerung meint dabei ein von staatlichen, kom-
munalen und zivilgesellschaftlichen Bildungsak -
teuren gemeinsam abgestimmtes Handeln, das auf
ein den Anforderungen des lebenslangen Lernens
aller Bürgerinnen und Bürger entsprechendes Bil-
dungsangebot zielt.
Am Transfer der aus dem Vorgänger-Programm
‚Lernen vor Ort‘ gewonnenen Erkenntnisse parti-
zipieren über die Förderung in ‚Bildung integriert‘
mittlerweile elf hessische Kommunen. In der vor -
liegenden Publikation ziehen sieben Kommunen
eine erste Bilanz ihrer Arbeiten, die deutlich macht,
dass die Ergebnisse bei den Bürgerinnen und Bür -
gern ankommen. Die Bildungsteilhabe steigt und
die Rolle bestehender Handicaps oder der sozialen
Lage für den Bildungserfolg wird geringer, weil ziel-
gruppenadäquat bedarfsgerechte Angebote bereit-
gestellt werden.
Im Namen des BMBF danke ich allen Akteuren herz-
lich für ihr Engagement und wünsche ihnen für die
Weiterentwicklung ihrer Bildungslandschaften Elan
und Zuversicht. Ihnen, liebe Leserinnen und Leser,
wünsche ich eine anregende Lektüre.
Dr. Michael Meister
Sehr geehrte
Leserinnen und Leser,
Vorwort des Hessischen Kultusministeriums
gesellschaftliche Veränderungen wie die Digitali-
sierung, die Abwanderung aus strukturschwachen
und ländlichen Regionen, die Integration von Neu-
zugewanderten und zunehmender Fachkräftebe -
darf stellen uns vor wachsende Herausforderungen.
Dem lebensbegleitenden Lernen für alle Bürgerin-
nen und Bürger – unabhängig von Herkunft oder
sozialem Status – kommt daher eine immer größe-
re Rolle zu.
Insofern freut es mich besonders, dass so viele
hessische Kommunen am Projekt „Bildung integ-
riert“ teilnehmen. Kommunales Bildungsmanage-
ment und Bildungsmonitoring tragen dazu bei,
dass Bildungsstrukturen vor Ort transparenter und
effektiver werden, und befördern so das Wohlerge-
hen unserer Gesellschaft und ihre zukunftsfähige
Weiterentwicklung.
Die Hessische Landesregierung misst dem Le -
bensbegleitenden Lernen und der Bildungsko -
ordination wie auch der guten Zusammenarbeit
mit den Kommunen einen hohen Stellenwert zu.
Hierfür stehen etliche gute Beispiele zielführender
Kooperationen u. a. im Rahmen des Hessischen
Bildungs- und Erziehungsplans 0 – 10 und im Rah-
men der Optimierung der lokalen Vermittlungs -
arbeit im Übergang Schule – Beruf (OloV). Auch
HESSENCAMPUS ist ein Beispiel für die gute Zu-
sammenarbeit zwischen dem Land Hessen und
den Kommunen. In den aktuell 16 regionalen Ver -
bünden, an denen auch etliche der in der vorlie -
genden Broschüre präsentierten Kommunen be -
teiligt sind, ist vor allem die trägerübergreifende
Bildungsberatung ein herausragendes Beispiel
für den aus der Zusammenarbeit in breiten Netz -
werken resultierenden Nutzen für die Bürgerinnen
und Bürger.
Die Broschüre dokumentiert anschaulich die bis -
her geleistete Arbeit der an „Bildung integriert“ be-
teiligten Städte und Landkreise. Sie zeigt auf, wie
gewinnbringend die Vernetzung der Akteur/-innen
sein kann und welche innovativen Impulse für die
Weiterentwicklung der Bildungslandschaft entste-
hen können.
Ich danke allen Beteiligten für ihr bisheriges
Engagement und wünsche eine anregende Lektüre!
Prof. Dr. R. Alexander Lorz
Sehr geehrte
Leserinnen und Leser,
5
6
Über diese Publikation
Es klingt wie ein Widerspruch, vielleicht auch wie
eine Anmaßung: Den Bildungsbereich, der seit je -
her durch ein kompliziertes Geflecht aus Landes-
und Bundeszuständigkeiten geprägt ist, auf kom-
munaler Ebene (mit-)gestalten zu wollen und das
im Hinblick auf die gesamte Bildungsbiographie
eines Menschen von der frühkindlichen über die
schulische, bis hin zur Erwachsenen- und Senio -
renbildung. Zusätzlich spielt es dabei keine Rolle,
ob es sich um formale oder non-formale Bildungs-
angebote handelt. Forciert wird eine ganzheitliche
Betrachtungsweise und Vernetzung der verschie -
denen Bildungsakteur/-innen einer Region. Dies
im festen Glauben daran, dass eine gemeinsam
verantwortete Bildungslandschaft, die darüber hin-
aus datenbasierte Entscheidungen zum Wohle der
Bürger/-innen trifft, die Chancengerechtigkeit und
Bildungsteilhabe in der Gesellschaft verbessert.
So verstehen die sieben in der ersten Förderpha-
se von „Bildung integriert“ beteiligten hessischen
Kommunen ihren Auftrag. 2015 haben sich die Ers-
ten bereits auf den Weg gemacht, ihre regionale Bil-
dungslandschaft transparent zu machen und den
Dialog auf kommunaler Ebene zu fördern. So plural
sich die Bildung vor Ort gestaltet, so vielfältig sind
auch die jeweiligen Bedarfslagen, Besonderheiten
und Zugänge. Mit „Bildung integriert“ erfolgt ein
Perspektivwechsel und hierin sehen die beteiligten
Akteur/-innen auch den Schlüssel für den Erfolg
des Programms: Dort, wo es vor Ort sinnvoll und
möglich erscheint, können passgenaue und be -
darfsgerechte Angebote und Maßnahmen etabliert
werden. Neue Strukturen der Zusammenarbeit,
Dienstleistungsprodukte wie Bildungsberichte
oder Bildungskonferenzen, thematische Schwer -
punktsetzungen im Bereich der Ausbildungs- und
Fachkräftesicherung oder der Weiterbildungsbetei-
ligung – dies sind nur einige Beispiele, wie sich die
am Bundesprogramm beteiligten hessischen Kom-
munen dieser Aufgabe gewidmet haben.
Die vorliegende Publikation möchte hierzu kon-
kretere Einblicke ermöglichen. Sie beschreibt die
jeweiligen Ausgangslagen für das Vorhaben und
die spezifischen Zielsetzungen, mit denen sich
die Kommunen auf den Weg gemacht haben. Das
jeweilige Vorgehen wird deutlich und es werden
Leuchttürme skizziert, die anderen Kommunen als
Beispiel dienen können, wie Bildungsgestaltung
vor Ort gelingen kann. Die beteiligten Kommunen
haben in der ersten Förderphase die Erfahrung ge-
macht, dass diese für alle neuartige Aufgabe eines
kommunalen datenbasierten Bildungsmanage -
ments Lernfeld, Herausforderung und bereichern-
de Mission zugleich sein kann. Um ihr gerecht zu
werden, braucht es überregionale Vernetzung
und Unterstützung, was durch Strukturen auf Pro-
grammebene erreicht werden konnte. So wurden
die verschiedenen Prozessschritte von der bun-
desweiten Transferinitiative für Kommunales Bil-
dungsmanagement, dem Bundesministerium für
Bildung und Forschung, dem Europäischen Sozial-
fonds und dem Hessischen Kultusministerium ge -
fördert. Über die Transferagentur Hessen und die
Transferagentur für Großstädte fanden individu-
elle Beratungsleistungen, Fortbildungen und eine
Unterstützung der interkommunalen Zusammen-
arbeit statt. Dabei geht der besondere Dank an die
Transferagentur Hessen, welche die kommunale
Initiative zur Erstellung einer gemeinsamen Publi-
kation über die erste Förderphase begleitet hat.
Bildung kommunal gestalten.
Für die Bürger/-innen.
Landeshauptstadt
Wiesbaden
7
Alle hier dargestellten Kommunen befinden sich
mittlerweile in der zweiten Förderphase des Pro -
grammes. Die beteiligten Akteur/-innen glauben
fest an die Mehrwerte und die Nachhaltigkeit eines
datenbasierten kommunalen Bildungsmanage -
ments, sodass eine Fortführung der Ziele von „Bil-
dung integriert“ auch über eine finanzielle Betei-
ligung des Bundes hinaus innerhalb kommunaler
Regelstrukturen stattfinden sollte. Dies wird sich
für die meisten Kommunen mit dem Auslaufen der
Förderung in den Jahren 2020/2021 entscheiden.
Der eingeschlagene Weg lokaler Bildungsgestal-
tung findet somit in vielen hessischen Kommunen
und im bundesweiten Austausch seine erfolgreiche
Fortschreibung.
7
Lahn-Dill-Kreis
Landeshauptstadt
Wiesbaden
Landkreis
Darmstadt-Dieburg
Landkreis
Fulda
Landkreis
Marburg-Biedenkopf
Odenwaldkreis
Wissenschaftsstadt
Darmstadt
Ausgangslage
Steckbrief
Gebietskörperschaft: Landkreis
Einwohnerzahl: 253.817 zum 31.12.2017
Einwohner/km²: 238
Fläche: 1.066 Quadratkilometer
Gliederung der Gebietskörperschaft:
23 Städte und Gemeinden;
Teil des Regierungsbezirks Gießen (Mittelhessen)
Anbindung des datenbasierten kommunalen Bildungsmanagements:
Schulabteilung des Lahn-Dill-Kreises
Besonderheiten:
Wetzlar als Kreisstadt mit Sonderstatus
Teilnahme am Programm „Bildung integriert“:
1. Förderphase: 01.07.2016 – 30.06.2019
2. Förderphase: 01.07.2019 – 30.06.2021
Kontakt:
Nicole Brinkmann
nicole.brinkmann@lahn-dill-kreis.de
www.schulen.lahn-dill-kreis.de
8
9
Organisationsstruktur der „Bildungslandschaft Lahn-Dill“
Quelle: Eigentum Lahn-Dill-Kreis
Schulabteilung
Bildungsmanagement
Bildungsmonitoring
Bildungskoordination
für Neuzugewanderte
(bis 31.03.2019)
Ehrenamtlicher
Kreisbeigeordneter /
Schuldezernent Fachbereich 4
Lenkungskreis Vertreter / Schlüssel-
akteure der Bildung
Kompetenzteam 1
Vorschulische Bildung
(0 – 6 Jahre)
Kompetenzteam 2
Schule, Medien und kulturelle
Bildung (5 – 19 Jahre)
Kompetenzteam 3
Übergang Schule / Beruf /
Erwachsenenbildung (17 – 99 Jahre)
Weitere Akteure
Stiftungen, Vereine, Städte, Gemeinden etc.
B
ereits 2014 hat ein übergreifendes Bildungs-
forum stattgefunden, bei dem die Bedarfs-
lage der Bildungslandschaft im Lahn-Dill-
Kreis konkretisiert wurde. Darauf folgte die Grün-
dung von drei sogenannten Kompetenzteams, in
denen Bildungsziele für den vorschulischen Be -
reich, für den Bereich Schule, Medien und kultu-
relle Bildung sowie für den Übergang Schule-Beruf
und die Erwachsenenbildung formuliert wurden.
Mit Beantragung des Projektes „Bildung integriert“
wurden diese Ziele durch den Kreistag beschlossen.
Insgesamt sind der Lenkungskreis und die Kom -
petenzteams mit allen relevanten internen und
Lahn-Dill-Kreis
externen Akteuren im Lahn-Dill-Kreis besetzt, so -
dass deren Einbindung stets gewährleistet ist und
die dort getroffenen Entscheidungen auf einer
breiten Basis und Zustimmung fußen.
Beschreibung des Vorgehens
Die Grundlage für die Einführung des datenba-
sierten kommunalen Bildungsmanagements im
Lahn-Dill-Kreis wurde bereits vor dem eigentlichen
Projektstart gelegt. Es gab eine arbeitsfähige Or -
ganisationsstruktur und erste Ziele. Darauf konnte
aufgebaut werden. Das datenbasierte kommunale
10
Bildungsmanagement heißt seit Projektbeginn im
Lahn-Dill-Kreis „Bildungslandschaft Lahn-Dill“.
Nach einer anfänglichen Orientierungsphase wur -
de der Fokus auf die Veröffentlichung des ersten
Bildungsberichts des Lahn-Dill-Kreises gelegt. Der
Aufbau erfolgte analog zu den drei Kompetenzberei-
chen und orientierte sich an den beschlossenen Bil-
dungszielen. Die Datenbeschaffung erfolgte sowohl
verwaltungsintern als auch bei externen Bildungs-
partnern. Die Mitglieder der drei Kompetenzteams
und die Mitglieder des Lenkungskreises prüften aus
ihrer jeweiligen Expertensicht die Fortschritte der
Bildungsberichterstattung. Nachdem die Datenlage
gemäß den Anforderungen vollständig abgebildet
war, entwickelten die drei Kompetenzteams darauf-
hin die wichtigsten Handlungsempfehlungen für die
weitere Entwicklung der „Bildungslandschaft Lahn-
Dill“. Diese wurden vom Lenkungskreis freigegeben
und sind Bestandteil der Bildungsberichterstattung.
Die „Bildungslandschaft Lahn-Dill“ vernetzt sich
zusehends mit den Regelstrukturen der Kreisver -
waltung und baut den Kontakt zu anderen Akteu -
ren aus. Das Bildungsmanagement ist hierbei die
Schnitt- und Kommunikationsstelle. Werden inner-
halb der Struktur der „Bildungslandschaft Lahn-
Zielpyramide
Quelle: Eigentum Lahn-Dill-Kreis
12 Strategieziele
16 Maßnahmenziele
20 Handlungsempfehlungen
33 Maßnahmen (im Prozess)
Zieltransferprozesse
Quelle: Eigentum Lahn-Dill-Kreis
Dill“ Maßnahmen entwickelt oder Probleme identi-
fiziert, wird unmittelbar die Zusammenarbeit mit
der zuständigen Fachabteilung im Hause oder bei
externen In-stitutionen gesucht. Alle Akteure wer -
den immer eingebunden. Das stärkt das Vertrauen
und bildet die Transparenz der „Bildungslandschaft
Lahn-Dill“ ab.
Im Rahmen von Zieltransfergesprächen zwischen
dem Bildungsmanagement und ausgewählten Fach-
diensten wird der Input der Regelstruktur anhand
der Bildungsziele eingebunden. Dieses Vorgehen ist
sehr wertvoll, da es auf breiter Basis die Belegschaft
der Kreisverwaltung in die „Bildungslandschaft
Lahn-Dill“ einbindet.
Gelingensbedingungen:
Die umfängliche Unterstützung des zuständigen De-
zernenten und die dadurch gewährleistete kontinu-
ierliche Einbindung politischer Gremien ist bis heute
entscheidend für die erfolgreiche Projektumsetzung.
Im Prozess selbst hat sich eine offene und transpa-
rente Arbeitsweise und die enge Zusammenarbeit
zwischen Bildungsmanagement und Bildungsmoni-
toring bewährt. Basis der vielfältigen Kooperations-
strukturen ist ein gemeinsames Verständnis einer
kommunalen Verantwortungsgemeinschaft.
11
Herausforderungen:
In der Praxis zeigt sich, dass die Beschaffung aus -
sagekräftiger Informationen und Daten auf den
Kleinraum bezogen, oftmals eine Herausforderung
darstellt. Eine entsprechende Datenauswertung,
die bis in die Städte und Gemeinden hineinreicht
ist aber notwendig. Denn viele Bildungsprozes -
se finden vor Ort statt oder zeigen dort ihre Aus -
wirkungen. Die Erarbeitung und Umsetzung von
wirksamen Verbesserungen muss konsequent an
den Bildungszielen des Lahn-Dill-Kreis ausgerich-
tet sein, da sonst eine willkürliche Beliebigkeit an
Maßnahmen entsteht.
Leuchttürme
Im Frühjahr 2018 wurde der erste Bildungsbericht
des Lahn-Dill-Kreises veröffentlicht. Ziel war es,
Transparenz über Bildungszugänge im Lahn-Dill-
Kreis herzustellen und Chancengerechtigkeit zu
prüfen. Der Bildungsbericht ist nicht nur eine wert-
volle Unterstützung für die kommunale Steuerung
und Planung von Bildungsaktivitäten vor Ort, son-
dern auch ein kontinuierliches Beobachtungsins -
trument für die Städte, Gemeinden und Bildungs -
partner im Kreis. Darauf aufbauend erschien im
Februar 2019 der Datenkurzbericht Bildung, in dem
auch zukünftig jährlich die wichtigsten Kennzahlen
im Zeitverlauf dargestellt werden.
Wie steht es um das Thema Bildung im Lahn-Dill-
Kreis und welche Aufgaben kommen in den nächs-
ten Jahren auf die Bildungsakteure zu? Diese
Kernfragen diskutierten rund 160 Fachleute beim
zweiten Bildungsforum des Lahn-Dill-Kreises im
April 2018.
Mit der Einbindung der „Familienklassen“ in die
„Bildungslandschaft Lahn-Dill“ hat sich ein echter
Export-Schlager entwickelt. In der „Klasse für die
ganze Familie“ lernen Schüler mit Problemen im
Schulalltag, diesen wieder angemessen zu bewäl -
tigen und die Eltern lernen eigenständig und an-
gemessen auf schwierige Situationen im Umgang
mit ihrem Kind zu reagieren. Innerhalb kürzester
Zeit konnte das Angebot an Familienklassen von
sieben auf dreizehn Standorte im Lahn-Dill-Kreis
ausgebaut werden. Das Hessische Kultusministe -
rium ist so überzeugt von dem Konzept, dass mitt-
lerweile in fünf weiteren Landkreisen und Städten
Familienklassen an Schulen angeboten werden.
Erster Bildungsbericht 2018
Quelle: Eigentum Lahn-Dill-Kreis
Bildungslandschaft Lahn-Dill
Bildungsbericht
Das Vorhaben Bildungslandschaft Lahn-Dill (Förderkennzeichen: 01JL1603)
wird im Rahmen des Programms Bildung Integriert vom Bundesministerium für
Bildung und Forschung und dem Europäischen Sozialfonds gefördert.
Ziel der Europäischen Union ist es, dass alle Menschen eine berufliche Perspek-
tive erhalten. Der Europäische Sozialfonds (ESF) verbessert die Beschäftigungs-
chancen, unterstützt die Menschen durch Ausbildung und Qualifizierung und
trägt zum Abbau von Benachteiligungen auf dem Arbeitsmarkt bei.
Mehr zum ESF unter: www.esf.de
Dieser Bericht ist auf recyclingfähiges Papier gedruckt.
GEFÖRDERT VON
Bildungsbericht 2018 Lahn-Dill-Kreis
2018
2. Bildungsforum 2018
Quelle: Eigentum Lahn-Dill-Kreis
12
Wirksamkeit
Neben der Schaffung einer aussagenkräftigen Da-
tenlage und der damit verbundenen Klarheit über
die Bildungssituation im Lahn-Dill-Kreis, hat sich
ein Verständnis über die Faktoren entwickelt, die
die Qualität von Bildung beeinflussen. Der Aus -
bau der Zusammenarbeit zwischen verwaltungs -
internen Abteilungen und Fachdiensten sowie die
Erarbeitung von 20 Handlungsempfehlungen und
mehr als 30 Maßnahmen sind weitere strukturelle
Verbesserungen aufgrund des Projektes. Insgesamt
hat sich die „Bildungslandschaft Lahn-Dill“ als ak -
zeptiertes und wirksames Instrument der kommu-
nalen Bildungspolitik etabliert.
Neben den strukturell wirksamen Fortschritten
wurden auch kraftvolle operativ wirksame Verbes-
serungen erzielt: Um die Weiterbildungsbeteiligung
im Lahn-Dill-Kreis auszubauen, wurde die Einfüh-
rung einer Gebührenermäßigung für einkommens-
schwache Interessenten an Bildungsveranstaltun-
gen der Lahn-Dill-Akademie (VHS Lahn-Dill-Kreis)
in Höhe von 50 % beschlossen. Hiermit soll die Bil-
dungspartizipation auch von Personen mit gerin-
gem Einkommen unterstützt werden. Neben dieser
monetären Erleichterung stellt in einem Flächen-
landkreis wie dem Lahn-Dill-Kreis die Entfernung in
Kombination mit dem vorhandenen ÖPNV-Angebot
eine Herausforderung dar. Die Lahn-Dill-Akademie
hat es sich daher zum Ziel gesetzt, bis 2021 wieder
in allen 23 Städten und Kommunen im Lahn-Dill-
Kreis ein wohnortnahes Lern- und Bildungsange -
bot für Erwachsene anzubieten und gleichzeitig ihr
Online-Angebot wie z.B. Webinare auszubauen.
Dem Wunsch nach Transparenz über Unterstüt -
zungs- und Förderangebote, wurde mit der Durch-
führung einer praxisorientierten Fortbildung für pä-
dagogisches Personal begegnet. Diese hat bereits
zweimal mit insgesamt rund 200 Teilnehmenden
stattgefunden. Ergänzend wurde eine Übersicht
über „Früheinsetzende Bildungs- und Unterstüt -
zungsangebote“ im Lahn-Dill-Kreis veröffentlicht.
Die zweimalige Organisation des Theaterprojekts
„DeutschSommer“ in Kooperation mit dem Staat -
lichen Schulamt mit insgesamt 60 Kindern sowie
die Mitwirkung bei der Einrichtung einer „Zentralen
Koordinierungsstelle Sprache“ in Kooperation mit
dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge sind
weitere erfolgreiche Bausteine der Bildungsland-
schaft Lahn-Dill.
Wir wollen die Bildungs- und Chancengerechtigkeit
im Lahn-Dill-Kreis verbessern.
Heinz Schreiber, Dezernent für Schulverwaltung des Lahn-Dill-Kreises
13
Ausblick auf die 2. Förderphase:
Mit Ausblick auf die Verlängerungsphase ist die
nachhaltige Verstetigung der kommunalen Ko -
ordinierungs- und Steuerungsstrukturen und
-prozesse in Form der Integration in die Regel-
strukturen der Kommunalverwaltung und der Ko -
operationspartner eine Hauptaufgabe. Dies soll
durch die gemeinschaftliche Umsetzung der ver -
einbarten Handlungsempfehlungen, der Etablie -
rung von zusätzlichen themenspezifischen und
interdisziplinären Arbeitsgruppen sowie mit Hilfe
von Vereinbarungen zur interkommunalen Zusam-
menarbeit erreicht werden. Die Durchführung des
dritten Bildungsforums im Lahn-Dill-Kreis ist für
2020 geplant.
Der zweite Schwerpunkt in der Verlängerungs -
phase ist die Weiterentwicklung und nachhaltige
Nutzung des etablierten Systems der fach- und
bildungsbereichsübergreifenden kommunalen Be-
richterstattung. Hierfür ist die Veröffentlichung des
zweiten Bildungsberichts für Herbst 2020 fest avi -
siert. Ergänzend wird das IT-Tool komBi zur nach-
haltigen Nutzung ausgebaut werden.
Die thematischen Schwerpunkte der Verlänge -
rungsphase der Bildungslandschaft Lahn-Dill sind
insbesondere der Ausbau der digitalen Kompe -
tenzen von Beschäftigten, die stärkere Vernetzung
von schulischen und außerschulischen Bildungs -
angeboten sowie die Stärkung des öffentlichen
Bildungsdiskurs. Ein Leuchtturm 2020 wird die Ver-
leihung des ersten Bildungspreises der Bildungs -
landschaft Lahn-Dill sein.
„Wegweiser Elternberatung“, 16.09.2019 in Dillenburg
Quelle: Eigentum Lahn-Dill-Kreis
Ausgangslage
Steckbrief
Gebietskörperschaft: Wiesbaden (Landeshauptstadt)
Einwohner: 290.560 (Stand: 31.12.2018)
Einwohner/km²: 1.426
Fläche: 20.379 Hektar
Gliederung der Gebietskörperschaft:
26 Ortsbezirke
Anbindung des datenbasierten
kommunalen Bildungsmanagements:
Dezernat für Soziales, Bildung, Wohnen und Integration
(hier Amt für Soziale Arbeit, Abteilung Grundsatz und Planung),
Dezernat für Finanzen, Schule und Kultur (Schulentwicklungsplanung)
und bis Ende 2018 Amt für Statistik und Stadtforschung.
Die Landeshauptstadt Wiesbaden ist eine wachsende Stadt.
Mit zurzeit knapp 190 Kitas, 40 Grundschulen, 21 weiterführenden Schulen,
7 Förder- und 5 beruflichen Schulen stellt sie den hier lebenden Familien ein sehr
ausdifferenziertes Angebot an Bildung für Kinder und Jugendliche zur Verfügung.
Besonderheiten:
Landeshauptstadt, kreisfreie Stadt, Optionskommune mit kommunalem Jobcenter,
Teilnahme am Programm „Kommunale Koordinierung der Bildungsangebote für Neuzugewanderte“
Teilnahme am Programm „Bildung integriert“:
1. Förderphase: 01.07.2016 – 30.06.2019
2. Förderphase: 01.07.2019 – 30.06.2021
Kontakt:
Ingeborg Groebel (Projektleitung), Theresa Nagy, Beate Hock
bildungsmanagement@wiesbaden.de
www.wiesbaden.de/leben-in-wiesbaden/bildung/bildung-integriert/index.php
14
15
D
er Auf- und Ausbau eines datenbasierten
kommunalen Bildungsmanagements wird
in der Landeshauptstadt Wiesbaden durch
zwei Dezernate, das Dezernat für Soziales, Bildung,
Wohnen und Integration sowie das Dezernat für Fi-
nanzen, Schule und Kultur, verantwortet. Mit dem
Projektbüro steht auf operativer Ebene eine Koope-
rationsstruktur zur Verfügung, die dezernats- und
ämterübergreifend Kolleg/-innen aus Sozial-, Ju-
gendhilfe- sowie Schulentwicklungsplanung sowie
aus dem Büro für Kommunale Bildungsprojekte
umfasst. Bei den durch das Programm geförderten
Personen wird auf die Trennung zwischen Bildungs-
management und Bildungsmonitoring verzichtet
– vielmehr werden im Kernteam des Projektbüros
gemeinsam Teilprojekte angestoßen, begleitet,
evaluiert und mit dem operativen Geschäft der Ab-
teilungen und Ämter verzahnt. Die im Programm
„Kommunale Koordinierung der Bildungsangebo -
te für Neuzugewanderte“ geförderte Kolleg/-innen
sind im Amt für Zuwanderung und Integration an-
gesiedelt – durch einen im 6-Wochenturnus statt -
findenden Jour-Fixe ist der regelmäßige Austausch
zwischen beiden Projekten gewährleistet.
Um auch einen regelmäßigen Austausch zwischen
kommunalen und außerhalb der Kommunalver -
waltung angesiedelten Akteur/-innen der Bildungs-
landschaft Wiesbadens zu gewährleisten, wurden
externe Gremien in Form einer Lenkungsgruppe
und eines Fachbeirats etabliert. In regelmäßigen Ab-
ständen findet hier ein fachlicher Austausch zu ak-
tuellen bildungsrelevanten Entwicklungen in Wies-
baden statt, mit dem Ziel, im Sinne von integrierten
Betrachtungs- und Handlungsweisen gemeinsame
Zielsetzungen zu erarbeiten und umzusetzen. Nicht
Landeshauptstadt
Wiesbaden
selten erwachsen daraus Kooperationen, die in ent-
scheidendem Maße dazu beitragen, die Bildungs -
teilhabe der Wiesbadener Bürger/-innen langfristig
zu verbessern, beispielsweise durch die Bereitstel-
lung von zielgruppengerechten und niedrigschwel-
ligen Bildungsangeboten.
Beschreibung des Vorgehens
Das Projekt Bildung integriert … Wiesbaden hat
zum Ziel, zu einer grundlegenden Verbesserung der
Bildungsteilhabe aller Bürger/-innen in Wiesbaden
beizutragen, insbesondere aber der (herkunfts-)be-
nachteiligten Bevölkerung. Die Bereitstellung pass-
genauer Bildungsangebote, die Verbesserung der
Übergänge zwischen einzelnen Bildungsstationen
und der Ausbau von Bildungs- und Förderketten sind
nur einige Maßnahmen, um dieses Ziel zu erreichen.
Das kommunale Vorhaben besteht aus einer Viel-
zahl unterschiedlicher Teilprojekte, die sich in drei
Säulen gliedern. Teilprojekte der ersten Säule set-
zen sich mit der verstärkten Integration von Be -
trachtungs- und Arbeitsweisen der wesentlichen
Akteur/-innen auseinander; hier geht es vor allem
um die Verstetigung von Strukturen innerhalb der
Bildungslandschaft, dem Ausbau von Koopera-
tionen zwischen bildungsrelevanten Akteur/-innen
und der Etablierung gemeinsamer Verfahren und
Standards. So wurde unter anderem eine adressa-
tengerechtere Gestaltung von Informationen zur In-
klusiven Bildung mit gleichzeitig verstärkter Öffent-
lichkeitsarbeit angestrebt und die Vortragsreihe
„Bildung schafft Zukunft“ für interessierte Bürger/-
innen etabliert.
16
Innerhalb der zweiten Säule werden Maßnahmen
konzipiert und realisiert, die der Sicherstellung
und Fortentwicklung eines kontinuierlichen, inte -
grierten und umfassenden Bildungsmonitorings
dienen. Das Bildungsmonitoring, das in Wiesbaden
bereits seit 2005 besteht, wurde um weitere Pro -
dukte ergänzt, die auf politischer Ebene als Pla-
nungs- und Steuerungsgrundlage dienen. Zu nen-
nen wären hier die Handlungsstrategie „Chancen
für herkunftsbenachteiligte junge Menschen“ so -
wie zahlreiche Geschäftsberichte, so zum Beispiel
zur Tagesbetreuung von Kindern, zum vergleichs -
weise neu eingeführten Kita-Platzvergabesystem
„WiKITA“, zu Angeboten der Ganztagsbildung und
-betreuung für Grundschulkinder, oder zum Über -
gang von Schule zu Beruf.
Die Teilprojekte der dritten Säule schließlich befas-
sen sich mit der Konzeptualisierung von Bildungs-
ketten und der Gestaltung von Übergängen. Her -
vorzuheben ist hier das Projekt „Bildung – Stadtteil
– Schelmengraben“, welches sich mit der räum-
lichen und pädagogischen Konzeptentwicklung in
einem sozial benachteiligten Stadtteil beschäftigt.
Das Projekt Bildung integriert … Wiesbaden und die
damit gemeinsam formulierten Zielsetzungen er -
leichtern die Zusammenarbeit über Fachbereichs-
und Dezernatsgrenzen hinweg. Wichtig für den Er-
folg und die Nachhaltigkeit des Vorhabens ist vor
allem der kontinuierliche Ausbau von Strukturen
in Form von kurzen Kommunikationswegen, syste-
matischen Kooperationen sowohl mit internen als
auch externen Akteur/-innen sowie des regelmäßi-
gen Austauschs aller Mitwirkenden.
Leuchttürme
Um der thematischen wie auch methodischen Viel-
falt des Vorhabens gerecht zu werden, sollen an die-
ser Stelle Projekte aus jeder Säule vorgestellt werden.
Teilprojekte der ersten Säule beschäftigen sich mit der
Verbesserung von internen und externen Kommuni-
kations- und Kooperationsstrukturen. Das dort veror-
tete und im Januar 2019 abgeschlossene Teilprojekt
„Abstimmung gemeinsamer Standards und Verfah-
ren zwischen Jugendhilfe, Sozial- und Schulentwick-
lungsplanung“ führte durch die kontinuierliche Ab-
stimmung gemeinsamer Produkte und Prozesse zu
einem qualitativen Ausbau der Zusammenarbeit der
Akteur/-innen aus Jugendhilfe, Sozial- und Schulent-
wicklungsplanung. Konkret kam es zur Einführung
von methodischen Verfahren zur Schätzung der Kin-
derzahlen und der benötigten Kita- und Schulplätze,
zur Entwicklung von Standards für die Festlegung
der Grundschulbezirke und zur Neustrukturierung
der Betreuungsangebote in Kindertagesstätten und
Grundschulen. Um neben externen Akteur/-innen
der Stadtverwaltung außerdem auch Bürgerinnen
und Bürger sowie lokale Fachakteur/-innen vermehrt
in den Bildungsdiskurs der Stadt Wiesbaden einzu-
beziehen, wurde die Vortragsreihe „Bildung schafft
Zukunft“ weitergeführt, die einen Rahmen für den
Austausch zu Themenstellungen aus dem gesamten
Spektrum von Bildungsfragen schaffen soll.
Aus Säule II ist das neu hinzugekommene und er -
folgsversprechende Teilprojekt zur Einführung
eines Wiesbadener Bildungsberichts hervorzuhe -
ben. Die Teilprojekte aus Säule II zielen, wie bereits
erörtert, auf die Etablierung und Erweiterung einer
einheitlichen, empirisch fundierten Datenlage als
Entscheidungs- und Handlungsgrundlage, sowohl
für Entscheidungsträger/-innen in der Kommunal-
politik als auch für institutionellen Akteur/-innen
der Bildungslandschaft. Das bereits bestehende
Bildungsberichtswesen soll in Zukunft durch einen
Bildungsbericht komplettiert werden, der die Bil-
dungsteilhabe (herkunfts-)benachteiligter Men-
schen über den gesamten Lebensverlauf hinweg
analysiert. Bewährte sowie neu hinzukommende
Indikatoren sollen weitergehende Handlungsbe -
darfe aufdecken mit dem Ziel, Empfehlungen und
Unterstützungsmöglichkeiten unter dem Schwer -
punkt der Chancengerechtigkeit für Alle abzuleiten.
Die Konzeptualisierung von Bildungsketten mit be-
sonderem Augenmerk auf die Bildungsübergänge
stellt ein wichtiges Anliegen der dritten Säule dar.
Ein Teilprojekt beschäftigt sich dezidiert mit dem
Übergang von Kindertagesstätte zur Grundschule
mit der Prämisse, diesen sowohl für Kinder als auch
für Eltern so positiv und fließend wie möglich zu
gestalten. In den letzten Jahren wurde intensiv an
diesem Schwerpunkt gearbeitet. Mit der „Wiesba-
dener Vereinbarung“1 liegt seit 2007 ein wichtiges
Instrumentarium zur Begleitung der Familien beim
Übergang vor, welches im Sinne des „Bildungs- und
Erziehungsplans für Kinder von 0 bis 10 Jahren in
Hessen (BEP)“ die Kooperation zwischen Wiesba-
1 vgl. dazu „Die Wiesbadener Vereinbarung. Trägerübergreifender Fachstandard zum Übergang von der Kindertagesstätte in die Grundschule.“, zu finden
unter https://www.wiesbaden.de/medien-zentral/dok/leben/gesellschaft-soziales/kinder/170310_Wiesbadener_Vereinbarung_ans.pdf (Stand: 14.03.2019)
17
dener Kindertagesstätten und Grundschulen unter-
stützt, indem Grundschulen ein lokales Netzwerk
mit im Durschnitt drei bis vier Bezugskindertages -
stätten bilden. Im Rahmen des Bi..W-Teilprojekts
„Bildung und Inklusion am Nachmittag – bedarfsge-
rechte Nachmittagsangebote für Kinder an Wiesba-
dener Grundschulen“ ging es darum, den Übergang
in die Nachmittagsbetreuung zu bearbeiten und
damit eine noch stärkere Verzahnung aller institu-
tionellen Akteur/-innen (Kindertagesstätte, Grund-
schule und die Anbieter der Nachmittagsbetreuung)
vor und nach dem Grundschuleintritt zu erreichen.
An vier Pilotstandorten wurden diese Akteur/-innen
dabei unterstützt, standortbezogene Lösungen für ei-
nen bedarfsgerechten Übergang in die Nachmittags-
angebote zu entwickeln. Die Anbieter und Fachkräfte
der Nachmittagsbetreuung wurden in die regelmäßi-
ge Kommunikationsstruktur zwischen Kindertages-
stätte und Grundschule eingebunden, Instrumente
wie etwa Elternabende, Treffen und Übergabebogen
entsprechend angepasst. Außerdem wurde ein Er-
gänzungsbogen zum Betreuungsbedarf eingeführt,
um eine frühzeitige Planung vonseiten der Nachmit-
tagsbetreuung zu ermöglichen. Aufgrund der positi-
ven Erfahrungen ist nun in der Konsequenz geplant,
dieses Vorgehen flächendeckend einzuführen und
die „Wiesbadener Vereinbarung“ um das Thema
„Übergang in die Schule auch als Übergang in die
Nachmittagsbetreuung“ zu erweitern.
Wirksamkeit
Die Arbeit im Rahmen von Bildung integriert …
Wiesbaden trägt bereits dazu bei, die Wirksam-
keit von Steuerungsstrukturen und -prozessen im
Sinne eines institutionenübergreifenden lokalen
Bildungsmanagements nachhaltig sicherzustellen
und Verwaltungshandeln und politische Steuerung
noch effizienter zu gestalten.
Die Teilprojekte haben Einfluss auf bestehende Ar-
beitsprozesse innerhalb und außerhalb der Stadt-
verwaltung. Dabei geht es in erster Linie darum,
Schnittstellen zu erkennen und Kommunikations-
und Kooperationsprozesse dort aufzulegen, wo
diese noch nicht vorhanden sind. Mit den „Vereinba-
rungen zur aktuellen und zukünftigen Kooperation
der Jugendhilfe- und Schulentwicklungsplanung in
Wiesbaden“ konnte im Rahmen des Projekts Bildung
integriert … Wiesbaden im Bereich der verwaltungs-
internen Prozesse eine wichtige Neuerung vorgelegt
werden. Für die Schnittstellen sowie Kommunikati-
ons- und Kooperationsstrukturen mit verwaltungs-
externen Akteur/-innen lässt sich festhalten: Dem
Integrierten Bildungsmanagement für Wiesbaden
liegt ein Kooperationsansatz zugrunde, der die Ei-
genständigkeit der einzelnen Projektbeteiligten er-
hält. Es arbeiten autonome Organisationen auf Au-
genhöhe miteinander. Sie entwickeln gemeinsame
Ziele, die auf identische Adressatengruppen ausge-
richtet sind. Die Leistungen der verschiedenen Ins-
titutionen werden mit Blick auf den jeweiligen Ad-
ressatenkreis miteinander verbunden. Beispielhaft
hierfür ist die Einrichtung eines runden Tisches mit
dem Ziel der Aufnahme von Koordinierungsstruktu-
ren von lebensbegleitendem Lernen, insbesondere
Geringqualifizierter (Wiesbadener Weiterbildungs-
konferenz). Hier werden ganz konkret die Hürden
für die Teilnahme an Weiterbildungsangeboten (z. T .
auch Grundbildungsangeboten, je nach Teilgruppe)
identifiziert und nach Möglichkeiten der Beseiti -
gung/Absenkung der Hürden geschaut.
Für die Aufstockungsphase zentral ist die Entwicklung
eines Berichtswesens, das ressort- und trägerüber-
greifend die Bildungsbeteiligung (herkunfts-)benach-
teiligter Menschen über den gesamten Lebensverlauf
zusammenfasst und zur Entwicklung von Handlungs-
empfehlungen und Unterstützungsmöglichkeiten
unter dem Schwerpunkt der Chancengerechtigkeit/
Bildungsteilhabe für Alle herangezogen werden soll.
Für die Teilnahme an „Bildung integriert“ haben wir uns auch deshalb entschieden, weil die soziale Struktur
und das Wachstum der Stadt mit besonderen Dynamiken einhergehen. Da empfinden wir es als besonders
wichtig, dass Angebote im Bereich Bildung gut bei den Wiesbadenerinnen und Wiesbadenern ankommen
und Bildungsteilhabe für alle gesichert ist. Etwaige Handicaps oder die soziale Lage sollen dabei kein Hindernis
darstellen. Dazu müssen zielgruppenadäquat und bedarfsgerecht die entsprechenden Angebote bereitgestellt werden.
Die Gestaltung und Verknüpfung von Übergängen in der Bildungsbiografie bietet dabei besondere Chancen.
Oberbürgermeister Sven Gerich, Oktober 2016
18
Ausgangslage
Steckbrief
Gebietskörperschaft:
Landkreis Darmstadt-Dieburg
Einwohner: 297.399
(Stand 31.12.2018, HSL,
Fortschreibung des Zensus 2011)
Einwohner/km²: 452
Fläche: 658,64 km²
Gliederung der Gebietskörperschaft:
23 Städte und Gemeinden
Anbindung des datenbasierten
kommunalen Bildungsmanagements:
Das Fachgebiet „Bildungsbüro, Schulentwicklung“ ist Teil des Fachbereiches VHS
und ist direkt dem Ersten Kreisbeigeordneten zugeordnet.
Besonderheiten:
Der Landkreis Darmstadt-Dieburg und die Wissenschaftsstadt Darmstadt arbeiten seit 2012
als Bildungsregion an der Gemeinschaftsaufgabe, die Zugänge zu den Bildungsangeboten
so zu gestalten, dass möglichst Alle daran teilhaben können. Weitere Informationen zur
Entstehung der Bildungsregion und deren Leitziele, inhaltliche Schwerpunkte und Umset-
zungsstrategien enthält der „Sachbericht Bildungsregion Darmstadt & Darmstadt- Dieburg
für den Zeitraum 2012 bis 2016“; der Landkreis Darmstadt-Dieburg nimmt am Programm
„Kommunale Koordinierung der Bildungsangebote für Neuzugewanderte“ teil.
Teilnahme am Programm „Bildung integriert“:
1. Förderphase: 01.09.2015 – 31.10.2018
2. Förderphase: 01.11.2018 – 31.10.2020
Kontakt:
Anna Barrett, Bildungsmanagement
Christina Steiger, Bildungsmonitoring
Anja Simon, Projektleiterin
bildungsbuero@ladadi.de
www.ladadi.de\bildungsbuero
19
D
er Landkreis Darmstadt-Dieburg gestal-
tet aktiv die kommunale Bildungsland-
schaft und hat dafür am 01.04.2014 das
Bildungsbüro eingerichtet. Noch im gleichen Jahr
hat sich der Landkreis Darmstadt-Dieburg für die
Teilnahme an dem Förderprogramm „Bildung in -
tegriert“ entschieden. Zum 01.01.2016 haben eine
Bildungsmanagerin und ein Bildungsmonitorer
ihren Dienst im Bildungsbüro aufgenommen. Seit
01.03.2017 ist das Bildungsbüro Teil des Fachbe -
reiches VHS, Bildungsbüro und ist weiterhin direkt
dem Ersten Kreisbeigeordneten zugeordnet.
Bildung ist eine Gemeinschaftsaufgabe, die auf
mehreren Ebenen Zuständigkeiten berührt. Sowohl
auf Ebene der Stadt- und Kreisverwaltung als auch
innerhalb der Kreisverwaltung des Landkreises
arbeiten diverse Arbeitsbereiche vernetzt miteinan-
der. Das Netzwerk des datenbasierten kommunalen
Bildungsmanagements des Landkreises Darmstadt-
Dieburg ist auf den Schaubildern „Vernetzung“ und
„Steuerung und Mitarbeit“ abgebildet.
Landkreis
Darmstadt-
Dieburg
Beschreibung des Vorgehens
In der Anfangsphase des Bildungsmonitorings wur-
de zunächst ein Kernindikatorenset entwickelt.
Anschließend standen Datenrecherche und Daten-
beschaffung sowie die Auswertung der Bildungsin-
dikatoren im Vordergrund.
Einer „AG Bildungsmonitoring“ gehören Mitarbei-
tende der Kreisverwaltung an, die bei Ihrer Arbeit
mit bildungsrelevanten Daten zu tun haben. An-
fangs diente die AG Bildungsmonitoring der Klä-
rung, welcher Fachbereich über welche Datenbe -
stände verfügt und hatte zusätzlich die Aufgabe, die
Datenqualität insgesamt zu erhöhen. Auch bei der
Interpretation der Daten wird von diesem Netzwerk
profitiert. Im Rahmen der zweiten Förderphase von
Bildung integriert wird die Expertise der Mitglieder in
thematisch zusammengesetzten Gruppen genutzt.
20
Das datenbasierte kommunale Bildungsmanage -
ment im Landkreis Darmstadt-Dieburg gestaltet
und steuert wirksam bildungspolitische Prozes -
se. Strategien für das lebenslange Lernen in der
Bildungsregion werden somit fortlaufend weiter -
entwickelt. So haben Bildungsmanagement und
Bildungsmonitoring in 2017 zum Beispiel zwei
Regionalkonferenzen im Ost- und Westkreis des
Landkreises Darmstadt-Dieburg organisiert und
durchgeführt. In diesem Rahmen wurden Haltung
und Setzungen des Landkreises Darmstadt-Die -
burg zu den Schwerpunktthemen „Demografischer
Wandel“, „Ganztag“ und „Schulische Inklusion“ be-
kannt gegeben und anschließend die Grundlinien
der Schulentwicklungsplanung zusammen mit den
Bildungsakteuren der Region diskutiert. Die Re -
gionalkonferenzen haben sich als gutes Instrument
des Transfers und der Kommunikation erwiesen,
auch als Instrument aktiver Beteiligung.
Durch die zum Teil stark wachsenden Schülerzah-
len in vielen Kommunen des Landkreises und die
Realisierung von entsprechenden Schulraumkapa-
zitäten durch optimale Nutzung von Bestandsge -
bäuden, Erweiterungen bestehender Schulen und
den Neubau von Schulen wurde es erforderlich,
verwaltungsinterne Abläufe besser abzustimmen.
Die erforderlichen Standortplanungen verknüpfen
sich mit weiteren Herausforderungen wie der Inklu-
sion und der Entwicklung hin zum Ganztag. Hierfür
wurde in 2017 das interdisziplinäre „Projektteam
Schulstandortentwicklung“ gegründet. Aufgabe
des Projektteams ist die Prüfung und Priorisierung
von Raumbedarfsmeldungen der Schulen. Mittel-
fristiges Ziel ist die flächendeckende bauliche Er -
tüchtigung von Schulen zu inklusiven Ganztags -
schulen mit Öffnung in den öffentlichen Raum
(VHS, Vereine, Verbände und weitere). Schule wird
– nicht zuletzt befördert durch das Bildungsma-
nagement – als Teil des Sozialraums gesehen, nicht
nur als Ort der schulischen Bildungsvermittlung.
Zur Abstimmung der Bildungsberatung im Land-
kreis Darmstadt-Dieburg wurde die „Projektgruppe
Bestandsaufnahme Bildungsberatung“ aufgebaut
und etabliert. Geplant ist eine Bestandsaufnahme
von Bildungsberatungsanbietern durch das kom-
munale Bildungsmanagement in Zusammenarbeit
mit dem Fachteam Bildungsberatung, Grundbil-
dung der Volkshochschule. Ziel ist die schrittweise
Erstellung eines (digitalen) Wegweisers, beginnend
mit dem Fachbereich VHS, Bildungsbüro über den
Kreis (kommunal) bis in die gesamte Bildungsre -
gion reichend.
Vernetzung
81 Schulen im LK
Fortlaufende integrierte
Schulentwicklungsplanung
sowie Beratung bei Sonder-
fragestellungen bei organi-
satorischen Änderungen
Berufsschulentwick-
lung mit externen
Partnern und
Schulträgern
Entwicklung einer
Produktionsschule in
Zusammenarbeit mit
externen Partnern
Stelle für
Kreisstatistik
Mitglieder der
Schulkommission
Büro für
Migration und
Inklusion
VHS
Büro für
Betreuungsangebote
an Schulen
Pressestelle
Montag-Stiftung
Jugend & Gesellschaft
Planung einer inklusiven
Ganztagsschule
Kommunales
Kompetenzzentrum für
Bildungsinnovation
Verbraucherzentrale
Kostenlose Beratung für
Flüchtlinge
Bildungswerk
der Hessischen
Wirtschaft e. V.
Thema Analphabetismus
im Landkreis
Grundbildungszentrum
21
Fachbereiche, Büros und Gremien aus der
Kreisverwaltung Darmstadt-Dieburg
Federführung liegt im Fachbereich VHS, Bildungsbüro
Eigenbetrieb für Gebäude- und Umweltmanagement
des Landkreises Darmstadt-Dieburg
Schnittstellen der Stadt Darmstadt und
des Landkreises Darmstadt-Dieburg
Schulen und Kommunen des
Landkreises Darmstadt-Dieburg
Eine Zusammenarbeit mit externen Partnern findet
fortlaufend statt (ggf. bis zum Abschluss eines Prozesses)
Eine Zusammenarbeit mit externen Partnern
findet projekt- bzw. themenbezogen statt
Bildungsmanagement und Bildungsmonitoring
gehören dem Fachbereich VHS, Bildungsbüro an
Im Rahmen der zweiten Förderrunde von „Bildung
integriert“ soll es eine noch breitere Beteiligung
von Bildungsakteuren geben, z. B. in Workshops,
Experteninterviews und in einer Info- und Diskus -
sionsveranstaltung .
Leuchttürme
Neukonzeption Verteilung Mittel
für Hausaufgabenhilfe / Lernzeiten
Der Landkreis Darmstadt-Dieburg investiert bereits
seit Jahrzehnten in Angebote der Hausaufgaben -
hilfe. Die Verteilung der Angebote war allerdings
historisch gewachsen und auf einzelne Standorte
beschränkt. Durch das datenbasierte kommuna-
le Bildungsmanagement wurde die Verteilung der
Mittel komplett neu strukturiert, sodass die zur Ver-
fügung stehenden Mittel nun nach transparenten
und nachvollziehbaren Kriterien auf eine größere
Anzahl von Schulen verteilt werden als zuvor, so -
dass insgesamt mehr Schülerinnen und Schüler ge-
zielt erreicht werden. Die Neukonzeption wurde am
26.09.2016 vom Kreistag beschlossen.
Aufsuchende Bildungsberatung
Durch das datenbasierte kommunale Bildungsma-
nagement konnte die Vermutung, dass durch die
HESSENCAMPUS-Beratung nicht alle Personen-
gruppen erreicht werden, bestätigt werden. Die
Auswertung der Daten ergab, dass vor allem Men-
schen mit Realschulabschluss oder Abitur und we-
nige Menschen ohne Schul- oder Berufsabschluss
und auch nur wenige mit Migrationshintergrund
die Bildungsberatung des HESSENCAMPUS in Die -
burg wahrgenommen haben.
Die HESSENCAMPUS-Beratung ist auf das Individu-
um bezogen und ergebnisorientiert. Sie zielt darauf,
den Ratsuchenden individuelle Bildungsmöglich-
Steuerung und Mitarbeit
Steuerungsgruppe
„Ausbauplanung Pakt
für den Nachmittag
im LK“
Regionale Arbeits-
gruppe Süd Berufs-
schulentwicklung
Steuerungsgruppe für
den Ausbildungsinfotag
Steuergruppen
Campusplanung
Workshops, Einzel-
und Gruppengespräche
(Bildung & Chancengleichheit)
Steuerungsgruppe
„Kreisweite
Schulverpflegung“
Steuerungsgruppe
„Hessencampus“ (VHS)
Bestandsaufnahme
Bildungsberatung
AG Öffentlichkeits-
arbeit (VHS)
Steuergruppe
Alphabetisierung
Ausbildung- und
Arbeitsmarktstrategie
Inklusive
Schulbündnisse
Steuerungsgruppe
MINT-Zentrum mit IHK
Forschungsprojekt
mit der Hochschule
Darmstadt
Facharbeitskreis
„Frauen und
Erwerbstätigkeit“
Lokalen Bildungsbei-
rat im Fachgremium
Ganztag
Verwaltungsgruppe
und Lenkungsgruppe
der Bildungsregion
Steuergruppe
Grundbildungs-
zentrum
Runder Tisch
„Kinderarmut“
AG
Bildungsmonitoring
Austauschrunde
Statistikplanung
Zukunftswerkstatt
AG
Sozialraumplanung
Jour Fixe
„Schulstandort-
entwicklung“
Netzwerk Bündnis
Jugendberufswegebe-
gleitung des LK
Steuergruppe Lok
Da-Di
(Lokaler Bildungsbeirat)
Aktionsplan
Umsetzung der
UN-BRK
AG Vision
Info- und Diskussions-
veranstaltung
(Bildung & Chancengleichheit)
Schulkommission
Steuerung und Leitung
22
keiten zu eröffnen und ein Lernen im Lebenslauf zu
ermöglichen. Da davon ausgegangen werden kann,
dass auch die Menschen mit Migrationshintergrund
Bedarf an einer solchen zentralen, trägerunabhän-
gigen Bildungsberatung haben, wurde auf dieser
Datengrundlage ein Konzept entwickelt, wie diesen
Personen der Zugang zur Bildungsberatung erleich-
tert werden kann.
Seit 2018 bietet der HESSENCAMPUS der VHS
Darmstadt-Dieburg daher die aufsuchende Bil-
dungsberatung gezielt für Migrantinnen und Mi-
granten an. Dabei kommen die Beraterinnen und
Berater auf Anfrage in die Städte und Gemeinden
des Landkreises und beraten auf Deutsch oder
Englisch. Bei Bedarf ist das Hinzuziehen eines Dol-
metschers möglich. Im Rahmen der aufsuchenden
Bildungsberatung werden Fragen zu Arbeit, Beruf
und Bildung beantwortet. Außerdem erhalten die
Ratsuchenden Hilfe und Tipps beim Schreiben von
Bewerbungen oder auf der Suche nach der richti -
gen Weiterbildung.
Um auch junge Menschen besser zu erreichen, wird
seit Oktober 2018 eine aufsuchende Beratung zur
beruflichen Entwicklung für junge Erwachsene bis
35 Jahren mit Bedarf an Grundbildung angeboten.
In diesem Rahmen findet je nach Bedarf Lernbera-
tung, Kompetenz- und Perspektiventwicklung statt.
Ziel dieses neuen, kostenlosen Angebots ist die Ver-
mittlung in eine bedarfsgenaue Fördermaßnahme,
in ein Praktikum oder in eine Ausbildung.
Die aktuellen Datenauswertungen des Bildungsmo-
nitorings zeigen, dass die Zusammensetzung der
Ratsuchenden, seitdem die neuen Beratungsange-
bote vorhanden sind, deutlich heterogener ist und
somit mehr Menschen mit Migrationshintergrund,
mehr Menschen ohne (anerkannte) Schul- oder Be-
rufsabschlüsse, mehr Männer und mehr junge Men-
schen die Bildungsberatung des HESSENCAMPUS
wahrnehmen.
Campusplanung Dieburg
In 2018 erfolgte die Entwicklungsplanung des Schul-
standortes „Auf der Leer“ in Dieburg unter Einbezie-
hung der umliegenden Schulen in der „Phase Null“.
Das kommunale Bildungsmanagement hat an die-
sem partizipativen Prozess teilgenommen, um Ent-
wicklungsbedarfe am Schulstandort abzuklären und
eine Öffnung der Schulen in den Sozialraum hinein
mitzugestalten. Ziel dieser „Campusplanung“ ist eine
stärkere Einbindung der Standortkommune in Form
einer sozialraumorientierten Planung, um den Auf-
bau von lokalen Bildungslandschaften zu ermög-
lichen. Dabei beinhaltet die Idee des Schulcampus
mehr als die gemeinsame Nutzung von Gebäuden.
Übergänge – im Sinne einer Bildungskette – können
besser gestaltet und auch die Inklusion weiterentwi-
ckelt werden. Zudem unterstützt der Campus-Cha-
rakter die familiäre Schulatmosphäre, die eine beson-
dere Unterstützung der Schülerinnen und Schüler in
ihrer Persönlichkeitsentwicklung ermöglicht.
Erstellung Faktencheck „Bildung & Chancen-
gleichheit im Landkreis Darmstadt-Dieburg“
Ende 2017 wurde dem Schuldezernent sowie der
Sozialdezernentin die Idee vorgestellt, das The -
ma Bildung und Chancengleichheit im Landkreis
Darmstadt-Dieburg in der zweiten Förderphase ge-
nauer in den Blick zu nehmen. Ein Ziel war, unter
Beteiligung der jeweiligen Akteure in der Kreisver-
waltung, zu überprüfen, ob mit Hilfe von Bildungs-
indikatoren abgebildet werden kann wie sich die
Chancengleichheit im Bereich Bildung im Land-
kreis entwickelt.
In diesem Rahmen fanden 2018 Workshops, Exper-
teninterviews, Einzel- und Gruppengespräche statt,
die zur Positionierung des Themas und zur Kenn-
zahlenentwicklung beitrugen. 2019 wurden die not-
wendigen Daten gesammelt, aufbereitet und die
Ergebnisse, gegliedert nach den drei Lebensphasen
„frühkindliche Bildung“, „Schule und Jugend“ und
„Erwachsenenbildung und Weiterbildung“, in ei-
nem Bericht zusammengefasst dargestellt. Zudem
wurden vier ausgewählte Themen, die als mögliche
Handlungsfelder identifiziert wurden, genauer be-
trachtet und ebenfalls in dem Bericht abgebildet.
Der Bericht „Bildung und Chancengleichheit im
Landkreis Darmstadt-Dieburg“ bildet den Ist-Stand
und die Entwicklung der letzten vier Jahre im Be -
reich Chancengleichheit im Bildungsverlauf ab. Er
zeigt auch die Grenzen und Herausforderungen die-
ser Darstellung, sowie mögliche Handlungsfelder
für die Verbesserung der Chancengleichheit auf.
23
Das kommunale Bildungsmanagement ermöglicht,
das Bildungsgeschehen im Landkreis Darmstadt-
Dieburg transparent zu machen. Es dient als Grund-
lage für bildungspolitische Entscheidungen und stößt
öffentliche Diskussionen um Bildungsziele an.
Für 2020 ist eine Info- / Diskussionsveranstaltung
zum Faktencheck geplant. Dabei soll eine Fachöffent-
lichkeit einen Überblick über die entwickelten Kenn-
zahlen, Thesen und vertiefenden Aspekte erhalten.
Zudem sollen die Ergebnisse diskutiert und weitere
wichtige Themen gesammelt und konkretisiert wer-
den, sodass die Chancengleichheit in der Bildung im
Landkreis Schritt für Schritt gesteigert wird.
Wirksamkeit
Das datenbasierte Bildungsmanagement des Land-
kreises Darmstadt-Dieburg konnte im Laufe der ers-
ten Förderperiode von „Bildung Integriert“ erfolg-
reich etabliert und professionalisiert werden. Die
Vernetzung von und mit verschiedensten Bildungs-
akteuren der Bildungsregion konnte ausgebaut
und gefestigt werden. Das Bildungsmanagement
arbeitet inzwischen in vielen bildungsrelevanten
Gremien mit. Dadurch wurde die regionale Bil-
dungslandschaft in den letzten Jahren maßgeblich
mitgestaltet und weiterentwickelt.
Es wird weiterhin angestrebt, eine ausgewogene
Verteilung von infrastrukturellen Angeboten und
Dienstleistungen in der Fläche anzubieten, um
allen Menschen der Region die Möglichkeit zum
lebenslangen Lernen zu bieten. Ziel ist die Weiter -
entwicklung des Gesamtkonzeptes für eine kom -
munale Strategie für ein vor Ort gelingendes Ler -
nen im Lebenslauf für die Menschen im Landkreis
Darmstadt-Dieburg.
Abgesehen davon, sollen die kommunalen Koordi-
nierungs- und Steuerungsstrukturen weiter verstetigt
werden. Neben der Mitarbeit in diversen Steuerungs-
gruppen und Arbeitskreisen geschieht dies in Form
von Fachtagen, Regionalkonferenzen oder Info- und
Diskussionsveranstaltungen, die aktuelle Themen
wie Inklusion oder Chancengleichheit aufgreifen.
Viele der Arbeitsgruppen wie z.B. das Projektteam
Schulstandortentwicklung und die Projektgruppe
Bestandsaufnahme Bildungsberatung sind nachhal-
tig angelegt, sodass die Konzepte und Arbeitsaufträ-
ge weit über den Förderzeitraum hinaus reichen.
Die Stelle des Bildungsmanagements ist bereits ver-
stetigt. Für das Haushaltjahr 2020 wurde auch die
Stelle für das Bildungsmonitoring in den regulären
Stellenplan des Landkreises aufgenommen. Da-
durch können wichtige Bildungsindikatoren fortge-
schrieben und dauerhaft für politische und strategi-
sche Entscheidungen zur Verfügung gestellt werden.
Quelle: Eigentum Landkreis Darmstadt-Dieburg
Ausgangslage
Steckbrief
Gebietskörperschaft:
Landkreis mit Sonderstatusstadt Fulda
Einwohner: 223.014 (Stand 30.09.2019)
Einwohner/km²: 162
Fläche: 1380,41 km²
Gliederung der Gebietskörperschaft:
23 Städte und Gemeinden
Anbindung des datenbasierten
kommunalen Bildungsmanagements:
Fachbereich 4 „Bildung, Jugend, Familie, Sport“,
Volkshochschule des Landkreises Fulda
Besonderheiten:
Der Landkreis Fulda ist eine ländlich geprägte Region im Herzen Deutschlands mit Fulda
als sogenanntes Oberzentrum. An den Landkreis grenzen zwei weitere Bundesländer
(Bayern und Thüringen). Kennzeichnend sind ein stabiles Bevölkerungswachstum sowie
eine kontinuierlich niedrige Arbeitslosigkeit, was die wirtschaftliche Stärke und Attraktivität
des Standortes unterstreicht. In Bildungsfragen orientiert sich der Landkreis Fulda an
strategischen Zielsetzungen, die er mit dem Programm „Bildung integriert“ seit 2016 fördert.
Teilnahme am Programm „Bildung integriert“:
1. Förderphase: 01.09.2016 – 31.08.2019
2. Förderphase: 01.09.2019 – 31.08.2021
Kontakt:
Bildungsbüro Landkreis Fulda
Matthias Feuerstein, Bildungsmanagement
Julian Heins, Bildungsmonitoring
Uta Riegel, Bildungsmonitoring
Telefon 0661 6006 1652
bildungsbuero@landkreis-fulda.de
www.bildungsbuero-fulda.de
24
25
Landkreis
Fulda
und Bildungsmonitoring gehörten zu Beginn der
ersten Förderphase auch die Kolleginnen des Pro-
jektes der „Kommunalen Koordinierung für Neu-
zugewanderte“ zum Team. Ab Oktober 2017 wur -
de das letztgenannte Vorhaben aus Gründen der
Sachnähe dem Integrationsbüro im Kommunalen
Kreisjobcenter des Landkreises Fulda zugeordnet.
Darüber hinaus findet eine strukturell angelegte
Zusammenarbeit des Bildungsmonitorings mit der
Jugendhilfeplanung statt. Das Team wird ferner
regelmäßig von Praxissemesterstudierenden der
Sozialen Arbeit und durch Werkstudenten unter -
stützt. Das Bildungsbüro versteht sich als Partner,
Moderator, Impulsgeber, Dienstleister und Kom-
munikationsbrücke zwischen den einzelnen Fach-
diensten der Kreisverwaltung und den weiteren
örtlichen Akteur/-innen der Bildungslandschaft. Der
Ausgangspunkt des datenbasierten kommunalen
Bildungsmanagements war von Beginn an die Wert-
schätzung bestehender und gewachsener Struktu-
ren in der Region, das Eingehen von Kooperationen
sowie die Nutzung bereits vorhandener Expertise.
Bei den sieben Fachbereichen der Kreisverwaltung
findet das datenbasierte kommunale Bildungs -
D
ie Weiterentwicklung zu einer attraktiven
Bildungsregion, eine gute Vernetzung der
Bildungsakteur/-innen, mehr Transparenz
in Sachen Bildung und datenbasiertes kommuna-
les Bildungsmanagement sind wichtige Ziele des
Landkreises Fulda. Dieser versteht sich als eigen -
ständige Wirtschaftsregion, zentral in Deutschland
und Europa gelegen mit einer sehr guten Verkehrs-
infrastruktur auf Straße und Schiene.
Das Organigramm der Kreisverwaltung gliedert sich
in sieben Fachbereiche. Das Bildungsbüro für die
Region Fulda ist seit Gründung zum 01. September
2016 im Fachbereich 4 „Bildung, Jugend, Familie,
Sport“ innerhalb des Fachdienstes Volkshochschu-
le strukturell verortet. Die Arbeit des Bildungsbüros
organisiert sich in den Themenfeldern Bildungsma-
nagement und Bildungsmonitoring. Das kommu-
nale Bildungsmanagement lässt sich im Wesent -
lichen mit den Schlagworten Steuerungsimpulse,
Strategieentwicklung und Netzwerkarbeit gut um-
reißen. Zentrale Aufgabe des Bildungsmonitorings
ist die Sammlung und Analyse von Bildungsdaten
entlang des Lebenslangen Lernens. Neben den
beiden Mitarbeitenden für Bildungsmanagement
26
management vor allem in den Fachbereichen
„Bildung, Jugend, Familie, Sport“ und „Arbeit, So-
ziales“ inhaltliche Anknüpfungspunkte. So arbeitet
das Bildungsbüro unter anderem mit den Fach-
diensten „Volkshochschule“, „Schulen“, „Jugend,
Familie, Sport, Ehrenamt“, der „Regionalentwick -
lung“, dem „Kommunalen Arbeitsmarkt“ und dem
„Gesundheitsamt“ eng zusammen. Dabei geht es
generell um neue Strategien und Projekte zur Aus-
bildung und Weiterentwicklung einer gemeinsam
getragenen regionalen Bildungslandschaft. Dieser
Gedanke ist für die Region Fulda nicht vollkommen
neu, – so bildet beispielsweise der Hessencampus
Fulda seit vielen Jahren einen tragfähigen Zusam-
menschluss regionaler Bildungsträger zur Förde -
rung von lokalen Bildungsangeboten und der Bil-
dungsberatung. Gesetzt wird auf den Gedanken
einer Verantwortungsgemeinschaft zur Weiterent-
wicklung der Bildung für die Region, dies führt zu
engen Kooperationsbeziehungen.
Dabei soll sich die Bildungslandschaft vernetzt und
strukturübergreifend wichtigen Bildungsfragen
des Lebenslangen Lernens widmen. Als Ziele von
„Bildung integriert“ wurden definiert, die Vernet -
zung und Angebotstransparenz unterschiedlicher
Träger von Bildung zu erhöhen und nachfrage -
orientierte Bildungsangebote zu fördern. Konkret
werden hierzu die Themenfelder frühkindliche
Bildung, schulische Bildung, Ausbildungsstrategie
und Erwachsenenbildung in den Blick genommen.
Beschreibung des Vorgehens
Ab September 2016 und damit zu Beginn des Vor -
habens, wurde den regionalen Bildungsakteur/-in-
nen innerhalb und außerhalb der Verwaltung das
Projekt vorgestellt, um Schnittstellen, gemeinsame
Ziele und Aufgaben zu identifizieren. Die jährliche
Bildungskonferenz bietet darüber hinaus für die
Fachöffentlichkeit eine Möglichkeit zur Vernetzung
und Intensivierung von Kooperationsbeziehungen.
Auch können neue Impulse für die eigene Arbeit be-
zogen auf aktuelle Trends und wichtige Handlungs-
felder Diskussion finden. Gleichzeitig erhält das Bil-
dungsbüro Einblicke in die regionale Praxis und die
jeweiligen Bedarfslagen der Akteur/-innen.
Um mit den vielfältigen Kooperationspartnern und
lokalen Bildungsakteur/-innen einen fachlichen
Diskurs zu beginnen, wurden anfangs bestehende
Gremienstrukturen und Arbeitsgruppen identifi-
ziert. Hier konnte das Bildungsbüro eigene inhalt -
liche Impulse setzen. Gemeinsam mit der „Kom-
munalen Koordinierung für Neuzugewanderte“
wurden Arbeitsgruppen für Themenfelder gegrün-
det, die einen Mehrbedarf an Vernetzung erkennen
ließen. Dabei konnten Doppelstrukturen vermie -
den und eine Zusammenführung der Prozesse for-
ciert werden. Mit den hier beschriebenen Arbeits -
gruppen sowie der Teilnahme an einer Vielzahl von
Fachveranstaltungen gelang es dem Team des Bil-
dungsbüros innerhalb der ersten Förderphase, sich
schnell als Schnittstellenakteur und Kooperations-
partner zu etablieren.
Ein entscheidender Faktor in der Bildung von
Netzwerken und in der Festigung von Zusammen-
arbeitsstrukturen innerhalb und außerhalb der
Kreisverwaltung war die konsequente Wahrneh-
mung einer Dienstleisterrolle. Durch unterschied-
lichste Services und Unterstützungsangebote ha-
ben sich tragfähige Beziehungen gebildet, die im
Anschluss inhaltlich weiterführende Diskussionen
zu Bildungsthemen ermöglichten. Das Bildungs -
büro wurde in die Lage versetzt, vermehrt als An -
sprechpartner zu unterschiedlichsten Aspekten
des Lebenslangen Lernens angefragt zu werden. So
haben sich in der ersten Förderphase drei Schwer-
punkte herausgebildet, die gemeinsam mit ande -
ren Fachdiensten und Kooperationspartnern Be -
arbeitung finden: Die Qualitätsentwicklung in der
frühkindlichen Bildung, die digitale Kompetenzför-
derung der regionalen Bevölkerung und die Ausbil-
dungs- und Fachkräftesicherung in Form einer Stra-
tegieentwicklung.
Innerhalb der Kreisverwaltung konnte die Monito-
ringsoftware „InterMonitor“ nach umfangreichen
Überlegungen angeschafft werden. Sie eröffnet
neue Möglichkeiten des Datenmanagements, die
allen datenhaltenden Stellen zur Verfügung stehen.
Seitdem ist der fachdienstübergreifende Zugriff auf
eine einheitliche Datenbasis gegeben. Doppelstruk-
turen sind vermieden, eine professionelle Daten-
haltung und –auswertung ermöglicht. Bildungsmo-
nitoring und Gesundheitsmonitoring forcieren die
27
kennzahlenbasierte, kontinuierliche Betrachtung
zur Erstellung eines Berichtswesens, für die Hal-
tung, Analyse und Visualisierung von Daten sowie
weiterer Optionen. Eine solche „Lösung aus einer
Hand“ ist neu in der Kreisverwaltung. Eine konti-
nuierliche Bildungsberichterstattung war zu Beginn
des Programms „Bildung integriert“ nicht vorhan-
den, deshalb wurde hierzu ein eigenes Indikato -
ren- und Kennzahlenset entwickelt. Dieses stellt die
Basis für die künftige datenbasierte Bildungsland-
schaftsentwicklung im Landkreis Fulda dar.
Leuchttürme
Mit der Auftaktveranstaltung und den anschlie -
ßenden Bildungskonferenzen für die Region Fulda
konnte ein neues Format des Austauschs für die re-
gionale Bildungslandschaft etabliert werden. Hier
kommen einmal jährlich Bildungsakteur/-innen
entlang des Lebenslangen Lernens zusammen, bei
denen der fachliche Diskurs und der Vernetzungs -
gedanke im Vordergrund stehen. So fand im Jahr
2018 die Bildungskonferenz mit rund 200 Teilneh-
menden statt und für 2019 wurde zum Zeitpunkt
der Berichtslegung mit einer ähnlichen Anzahl von
Besuchern gerechnet. Mit Prof. Dr. Rita Süßmuth
und Prof. Dr. Wassilios E. Fthenakis konnten für
beide Konferenzen überregional bedeutende Per -
sönlichkeiten der Bildungsforschung und Bildungs-
politik gewonnen werden. Das Format spricht
Akteur/-innen aller Bildungsphasen an, so dass
das jeweilige Thema entlang des Lebenslangen
Lebens präsentiert und diskutiert werden konnte.
2018 stand die Bildungskonferenz unter dem Motto
„Bildung gemeinsam gestalten“, es wurden Ansätze
einer übergreifenden Zusammenarbeit für die Men-
schen in der Region diskutiert.
Die Arbeit des Bildungsbüros trägt
gerade durch unsere klare
Fokussierung auf Dienstleistungen
und den Ansatz der nutzergerechten
Datenaufbereitung Früchte
und wird mehr und mehr zum
unverzichtbaren Bestandteil
kommunaler Bildungsarbeit.
Michael Friedrich, Leiter der Volkshochschule des Landkreises Fulda
28
Auch die „AG Bildung und Digitales“ wurde mit
der Bildungskonferenz 2018 ins Leben gerufen. In
dieser AG kooperieren das Bildungsbüro und die
Volkshochschule des Landkreises sowie der Hes -
sencampus Fulda. Im Bereich der Digitalisierung
wurde ein großer Bedarf an Austausch und För -
derung erkannt. Das Ziel der multidisziplinär aus -
gestalteten Arbeitsgruppe ist eine Umsetzung der
sechs von der Kultusministerkonferenz beschrie -
benen Kompetenzbereiche zur digitalen Bildung
in praxisorientierte Lehr- und Lernmethoden für
unterschiedliche Zielgruppen und Bedarfslagen.
Die hier entwickelten Lernbausteine wurden ge -
meinsam mit Multiplikatoren der regionalen Bil-
dungslandschaft umgesetzt. Die stetig wachsende
Teilnehmendengruppe setzt sich unter anderem
aus Lehrer/-innen, Schulleitungen, anderen Volks-
hochschulen und Akteur/-innen der frühkindlichen
Bildung zusammen. Auch Weiterbildungsakteur/
-innen und Bürgerinitiativen sind vertreten. Die
entstandenen Lehr- und Informationsmaterialien
stehen allen Beteiligten dauerhaft online zur Verfü-
gung und eine Weiterentwicklung des Projekts wird
von den Verantwortlichen angestrebt.
Um den inhaltlichen Schwerpunkt der Ausbildungs-
marktstrategie auf eine valide Datenbasis zu stellen,
hat das Bildungsbüro auf der Bildungsmesse 2018
in Fulda eine Schülerinnen- und Schülerbefragung
durchgeführt. Inhalt der Fragestellungen waren das
berufliche Interesse und die Ansichten junger Men-
schen, eine Region als attraktiv einzuordnen. Die
gewonnenen Erkenntnisse wurden im Anschluss
den Akteur/-innen aus dem Bereich des Übergangs
Schule – Beruf vorgestellt und auch öffentlich zu-
gänglich gemacht. So wurde auch die hessenweite
OloV-Strategie (Optimierung der lokalen Vermitt -
lungsarbeit im Übergang Schule – Beruf) zu einer
Partnerin in der weiterführenden Konzeption und
Diskussion. Gemeinsam mit weiteren Akteur/-innen
innerhalb und außerhalb der Kreisverwaltung wird
ein Konzept mit Maßnahmen zur nachhaltigen Aus-
bildungsmarktförderung entwickelt, da in der Regi-
on viele Ausbildungsplätze unbesetzt bleiben. Weil
die Fach- und Nachwuchskräftesicherung auch ein
deutschlandweites Thema ist, hat das Bildungs -
büro gemeinsam mit dem Fachdienst für Kommu-
nalen Arbeitsmarkt die bisherigen Ergebnisse und
das weitere regionale Vorgehen auf der Bundes -
konferenz 2018 der Transferinitiative Kommunales
Bildungsmanagement in Berlin präsentiert.
Ein weiterer inhaltlicher Schwerpunkt des Bil-
dungsbüros ist die Qualitätsentwicklung in der
frühkindlichen Bildung. Der Fachdienst für Jugend,
Familie, Sport, Ehrenamt führt gemeinsam mit dem
Institut für Kinder und Jugendhilfe im Landkreis
Fulda einen Qualitätsentwicklungsprozess in der
Kinderbetreuung durch. Dieser wird in der Steue -
rungsgruppe durch das Bildungsmanagement er -
gänzt. Hier werden Workshops und andere Betei -
ligungsformate für eine partizipative Entwicklung
von Leitlinien erdacht und praktisch umgesetzt,
Fachkräfte in Einrichtungen werden ebenso daran
beteiligt wie Vertretungen von Trägern und Bürger-
meister/-innen.
Um dem ausgegebenen Ziel des Programms „Bil-
dung integriert“ Rechnung zu tragen und bei der
Herstellung von Transparenz in der Bildungsland-
schaft mitzuwirken, hat das Bildungsbüro das Web-
verzeichnis für Lernorte der Region Fulda entwi-
ckelt. Das online-Portal bildet in einer interaktiven
Karte alle Lernorte des Landkreises Fulda ab, diese
können nach Städten/ Gemeinden, nach der Art des
Lernortes gefiltert werden und sind nach Bildungs-
phasen geordnet. Diese übersichtliche Darstellung
soll den Bürger/-innen die komfortable Suche
nach passgenauen und wohnortnahen Bildungs -
angeboten ermöglichen und Zugangsbarrieren ab-
bauen. Das Verzeichnis wird laufend erweitert und
die Datenbank ist flexibel anpassbar, sodass neue
Lernorte und Kategorien Aufnahme finden können.
Der Dienstleistungsgedanke des Bildungsbüros fin-
det hier in konsequenter Kundenorientierung seine
Umsetzung.
Wirksamkeit
Mit dem datenbasierten kommunalen Bildungs -
management wurde die Vernetzung der Bildungs -
akteur/-innen und die Denkweise von Bildung als
ein zentrales Querschnittsthema in den Mittelpunkt
gerückt. Dies geschah durch die tägliche Arbeit: An
Runden Tischen oder durch Informationsweiter -
gaben, durch die Optimierung und Zusammenfüh-
rung von Prozessen oder das Angebot von Dienst -
29
leistungen. So wurde dank „Bildung integriert“ der
Austausch innerhalb verschiedener Fachdienste
gesteigert, was mit der neu initiierten jährlichen
Bildungskonferenz nochmals verstärkt werden
konnte. Auch eine Öffnung der Verwaltung hin
zur Einbeziehung weiterer Bildungslandschafts -
akteur/-innen war sichtlich zu beobachten. Diese
breite Beteiligung und der multiperspektivische
Ansatz ermöglichten eine Komplexitätsbewälti-
gung, die es auch in Zukunft für die zentralen He -
rausforderungen im Bildungsbereich braucht. Die
Datenbasierung generiert darüber hinaus steue -
rungsrelevantes Wissen, welches Entscheidern re-
gelmäßig zur Verfügung steht. Der „InterMonitor“
schafft hier eine professionalisierte Ausgangslage,
die gleichzeitig den Weg zu einer vermehrten fach-
dienstübergreifenden Zusammenarbeit in Fra-
gen des Datenmanagements weist. Die Software
und die damit einhergehenden Produkte werden
auch über den Förderzeitraum hinaus der Kreis -
verwaltung zur Verfügung stehen. So agiert das
Bildungsbüro als Impulsgeber, nicht zuletzt durch
die Etablierung eines Bildungsnewsletters, der sich
wachsender Beliebtheit erfreut. Die in der Region
geleistete Bildungsarbeit wird durch das Tun des
Teams transparenter, da erfolgreiche Maßnahmen
und Vernetzungsstrukturen sichtbarer werden.
Bürgerinnen und Bürger nutzen den Service des
Webverzeichnisses für Lernorte rege, Mitarbeite -
rinnen und Mitarbeiter aus der Verwaltung profi-
tieren von der umfangreichen und übersichtlichen
Darstellung. Damit konnten stabile Grundlagen ge-
schaffen werden. Die Schwerpunktthemen finden
auf Grund ihrer Komplexität in der zweiten Förder-
phase ihre Fortsetzung. Aktuelle Informationen
sind unter www.bildungsbuero-fulda.de zu finden.
Matthias Feuerstein, Bildungsmanager des Landkreises Fulda,
auf einem Fachtag der Transferagentur Hessen. Quelle: INBAS GmbH / Joachim Storch.
Das Team des Bildungsbüros mit Prof. Dr. Rita Süßmuth
auf der Bildungskonferenz 2018. Quelle: Eigentum Landkreis Fulda.
Das Webverzeichnis für Lernorte der Region Fulda.
Quelle: Eigentum Landkreis Fulda.
Ausgangslage
Steckbrief
Gebietskörperschaft: Landkreis
Einwohner: ca. 246.000 (Stand: 31.12.2018)
Einwohner/km²: 195
Fläche: 1.262,37 Quadratkilometer
Gliederung der Gebietskörperschaft:
22 Städte und Gemeinden
Teil des Regierungsbezirks Gießen (Mittelhessen)
Anbindung des datenbasierten kommunalen Bildungsmanagements:
Seit Mai 2019 im neu gegründeten Fachbereich Haus der Bildung als Büro Bildung integriert.
Von September 2016 bis April 2019 in der Stabsstelle des Ersten Kreisbeigeordneten.
Besonderheiten:
Marburg-Biedenkopf ist ein Flächenlandkreis, der aus einer größeren und mehreren kleinen bis mittleren
Städten und Gemeinden besteht. Größte Stadt und einziges Oberzentrum im Kreis ist die Stadt Marburg,
die mit einem Sonderstatus ausgestattet ist. In attraktiven Fachwerkdörfern, historischen und jungen
Städten hat sich der Landkreis als starker Wissenschafts-, Industrie- und Dienstleistungsstandort etabliert.
Der Landkreis ist Optionskommune mit kommunalem Jobcenter und nimmt seit 2016 am Programm
„Kommunale Koordinierung der Bildungsangebote für Neuzugewanderte“ teil.
Teilnahme am Programm „Bildung integriert“:
1. Förderphase: 01.09.2016 – 31.08.2019
2. Förderphase: 01.09.2019 – 31.08.2021
Kontakt:
Silke Kaiser, Bildungsmanagement
bildungsmanagement@marburg-biedenkopf.de
www.mein-marburg-biedenkopf.de/dialoge/bildungslandschaft-marburg-biedenkopf
30
31
Landkreis
Marburg-
Biedenkopf
D
ie Bildungslandschaft des Landkreises ist
durch die Vielfalt der Städte und Gemein-
den, die historisch gewachsen sind und
ihre unverwechselbare eigene Identität erhalten
haben, geprägt. Bildungsangebote finden sich im
frühkindlichen Bereich mit Kita und Grundschule,
im Bereich weiterführender Schulen mit Förder-,
Haupt-, Real-, Gesamtschulen, Gymnasien und Be-
rufsschulen, im Bereich der Hochschulen sowie im
Weiterbildungsbereich mit beruflicher Qualifika-
tion, VHS und Seniorenbildung. Die klassische, vier-
säulige Struktur spiegelt sich nur teilweise in den
Organisationsstrukturen der Kommunalverwaltun-
gen und des Kreisausschusses wider. Hinzu kommt
die Unterscheidung zwischen eher sozialpolitisch
ausgerichteten Aktivitäten und Wissensvermittlung
sowie zwischen arbeitsmarktqualifizierenden und
allgemeinen Weiterbildungsangeboten.
Der Kreisausschuss gliedert sich in das Dezernat
der Landrätin und das Dezernat des Ersten Kreis -
beigeordneten mit insgesamt 13 Fachbereichen,
4 Stabsstellen und 61 Fachdiensten sowie weiteren,
kleineren Organisationseinheiten. Viele Bereiche
haben Bildungsbezüge und es wird in unterschied-
licher Intensität punktuell oder anlassbezogen zu-
sammengearbeitet.
So sind zusammen mit der Innovationskraft der brei-
ten Trägerlandschaft, bildungs- und sozialpolitischer
Akteur/-innen und dem politischen Gestaltungswil-
len viele Vernetzungsstrukturen und Kooperationen
auf unterschiedlichen Ebenen entstanden. Kenn-
zeichnend sind wirksame, akteursübergreifende An-
sätze, aber auch reaktive Variationen, die zu Doppel-
strukturen und Intransparenz führen.
Beschreibung des Vorgehens
Das Potenzial unserer Bildungslandschaft wird ge-
nutzt, um die weitere Zukunftsfähigkeit des Land -
kreises mitzugestalten. Handlungsleitend ist die
ganzheitliche Betrachtung von Bildung im Sinne des
lebenslangen Lernens. Entlang der Bildungskette
sollen sich die Angebote noch mehr an den Bedürf-
nissen der Menschen vor Ort ausrichten und Mög-
lichkeiten zur Teilhabe an Bildung chancengleich
berücksichtigen.
Die Vision, ein vernetztes Haus der Bildung denken
und realisieren, bildete Ausgangspunkt sowie gleich-
zeitig Ziel für den Aufbau vom datenbasierten kom-
munalen Bildungsmanagement (DKBM). Gemeinsa-
me strategische Planungen sind ein weiteres Ziel.
Steuerungsgruppe
· Beauftragung von thematischen Arbeitsgruppen
Vertreter/-innen der Verwaltungsspitze,
der Universitätsstadt Marburg, der kreis-
angehörigen Kommunen, der Agentur
für Arbeit, des staatlichen Schulamts
und der Philipps-Universität Marburg
Verwaltungsgruppe
· Aufarbeitung der Ergebnisse der Bildungskonferenz
· Erarbeitung Vorschläge für Arbeitsgruppen zur
Diskussion in Steuerungsgruppe
Vertreter/-innen bildungsrelevanter
Fachbereiche der Kreisverwaltung
Arbeitsgruppen
· Bearbeitung des Themenfelds
· Erarbeitung von Lösungsvorschlägen und
Handlungsempfehlungen
Vertreter/-innen der Fachbereiche der
Kreisverwaltung, Bildungsinstitutionen/-
träger und der Zivilgesellschaft
32
Die Stellen im Bildungsmanagement und -monito-
ring wurden dezernatsübergreifend ausgerichtet
und in der Stabsstelle des Ersten Kreisbeigeordneten
verortet. So können Querschnitts- und Koordina-
tionsaufgaben frei von Interessen der einzelnen Or-
ganisationseinheiten wahrgenommen werden.
„Wenn du schnell gehen willst, geh allein.
Wenn du weit gehen willst, geh mit anderen. “
Afrikanisches Sprichwort
www.natune.net/zitate/zitat/8022
Zur Erarbeitung konkreter Ziele wurden die Steu-
erungs-, Verwaltungs- und Arbeitsgruppen aufge -
baut. Verstanden als Kreislauf dient diese Struktur
der Verzahnung der beteiligten Akteur/-innen.
(siehe Abbildung S. 32 unten)
Die Steuerungsgruppe mit strategischer Funktion
stimmt zu erreichende Ziele ab, erteilt Aufträge ans
DKBM und agiert dabei über Institutionengrenzen
hinweg. (siehe Abbildungen S. 34/35)
Die Verwaltungsgruppe als internes, koordinierendes
Gremium kommt nach Bedarf mit Vertreter/-innen
aller Organisationseinheiten mit Bildungsbezug zu-
sammen. Themen aus Arbeitsgruppen, Bildungskon-
ferenzen und Fachbereichen werden aufgegriffen.
In zeitlich begrenzten Arbeitsgruppen wirken in-
terne und externe Bildungsakteur/-innen, Bürger/-
innen sowie die organisierte Zivilgesellschaft zu-
sammen. Aus Sicht der Teilnehmer/-innen werden
Handlungsbedarfe in der Bildungslandschaft be -
nannt und Empfehlungen daraus entwickelt.
(siehe Abbildung S. 35)
Als interne AG Bildungsbericht wirken Akteur/-in-
nen aus den Fachbereichen Integration und Arbeit,
Familie, Jugend und Soziales, Gesundheitsamt so-
wie dem Haus der Bildung mit den Fachdiensten
Schulentwicklung und VHS mit dem DKBM an der
Erarbeitung des Bildungsberichtes zusammen.
Mit dem Aufbau einer internen Bildungsdatenbank
wurde begonnen. Mitarbeiter/-innen mit internen
Statistikaufgaben können diese nutzen.
Quelle: Eigentum Landkreis Marburg-Biedenkopf
Beteiligungsformate
im Rahmen von „Bildung integriert“ im Landkreis Marburg-Biedenkopf
Digitale Beteiligung: www.mein-marburg-biedenkopf.de
Arbeitsgruppen
• Arbeitsgruppe Übergang Kita – Grundschule
• Arbeitsgruppe Non-formale Erwachsenenbildung
• Arbeitsgruppe Qualifizierung, Weiterbildung und akademische Bildung
• Arbeitsgruppe Bildungsgerechtigkeit (Integration, Inklusion, Teilhabe)
• Arbeitsgruppe Bildungsberatung 2020
• Arbeitsgruppe Außerschulische Lernangebote
• Arbeitsgruppe Übergang Grundschule – weiterführende Schule
Bildungskonferenz
Bildungsumfrage
Bewerbungsformular
für Arbeitsgruppen
33
Zielgruppenspezifisch werden vom DKBM struktu-
rierte Materialien erstellt, intern und extern Raum
für Austausch, Diskussion und Reflexion eröffnet.
Neben den beschriebenen Beteiligungsformen
werden für einen breiten Diskurs aktueller Themen
Formate wie digitale Bildungsumfrage und Bil-
dungskonferenz genutzt.
Eine Online-Bildungsumfrage ergab ein erstes Stim-
mungsbild zum Thema Bildung. In strukturierter
Form wurde dieses Bild in der ersten Bildungskonfe-
renz aufgegriffen, diskutiert und weiter konkretisiert.
Daraus abgeleitete Themenschwerpunkte wurden
reflektiert und führten zur Bildung der themati-
schen Arbeitsgruppen. (siehe Abbildung S. 33 unten)
Darüber hinaus gibt es Zugänge über die Plattform
www.mein-marburg-biedenkopf.de, auf der Aufrufe,
Dokumentationen sowie für die Arbeitsgruppen ge-
schlossene Dialogräume zugänglich sind. In
Verantwortung des Bildungsmanage-
ments können diese für den akti-
ven Austausch genutzt werden.
Leuchttürme
Mit dem Projekt Bildung integriert wird ein vor
Jahren angestoßener Prozess innerhalb der Kreis-
verwaltung zielgerichtet fortgeführt. Sowohl der
Vielfalt und Öffnung der internen wie externen Be-
teiligungsformate als auch dem ganzheitlicheren
Blick in der Herangehensweise kommt dabei eine
besondere Bedeutung zu.
Aktive Beteiligung von Bildungsakteur/-innen,
Dialoge zu thematischen Fragestellungen mit dif -
ferenzierteren Sichtweisen zu Handlungsbedarfen
ergänzen Überlegungen für weitere strategische
Ausrichtungen.
Mit dem neuen Fachbereich Haus der Bildung wur-
den zum 01.05.2019 daran orientierte strukturelle
Voraussetzungen im Dezernat des Ersten Kreisbei-
geordneten geschaffen. Als Büro Bildung integriert
ist das DKBM auf Fachbereichsebene verortet und
gemeinsam mit den Fachdiensten Volks -
hochschule, Schulentwicklung und
Seniorenbildung sowie Verwaltung
unter einem Dach verankert.
34
So werden weiterhin Bündelungs-, Vernetzungs-
und Steuerungsaufgaben wahrgenommen.
Wirksamkeit
Zu Beginn des Projektes Bildung integriert standen
der Aufbau der Gremienstruktur sowie die Ermitt -
lung von Handlungsfeldern unter Einbezug von
Bildungsakteur/-innen, Kreisgesellschaft und Ver -
waltung im Vordergrund.
Mit der Errichtung der Arbeitsgruppen wurde be -
gonnen, zu konkreten Problemlagen Handlungs -
empfehlungen zu entwickeln. Die Teilnehmer/-in-
nen arbeiteten gemeinsam daran, das jeweilige
Themenfeld zu strukturieren, Unterthemen zu iden-
tifizieren und zu priorisieren. Die persönliche Ver -
netzung und der Austausch spielten dabei ebenfalls
eine wichtige Rolle.
Unter zeitlicher Begrenzung und teils trotz Konkur-
renz im Bildungssektor sind die aktiv Beteiligten
herausgefordert, ihre Handlungsbedarfe im thema-
tischen Kontext für die Weiterentwicklung der Bil-
dungslandschaft einzubringen.
Kennzeichnend für diesen Weg der Zielfindung sind
von Gegensätzlichkeit geprägte Diskussionen. Sie
stellen eine Bereicherung dar, lassen Konsensbil-
dungen jedoch schwierig erscheinen.
Die Steuerungsgruppe, als Gremium
mit strategischer Funktion, stimmt
zu erreichende Ziele ab, erteilt
Aufträge ans DKBM und agiert dabei
über Institutionengrenzen hinweg.
Quelle: Eigentum Landkreis Marburg-Biedenkopf
Folglich variieren die Ergebnisse, machen Grenzen
deutlich und ließen Arbeitsgruppen auch ohne ziel-
gerichtetes Ergebnis auseinander gehen.
Hervorzuheben ist, dass es der Mehrzahl der Betei-
ligten mit Blick auf die Bildungslandschaft gelun-
gen ist, sich auf institutionen- und einzelinteressen-
übergreifende Themen einzulassen.
So hat sich die Art und Weise der Kommunikation
offener, zugewandter und verbindlicher gestaltet.
Gegenseitiges Kennenlernen hat dazu beigetra-
gen, die eigene Arbeit aus erweiterten Blickwinkeln
wahrzunehmen.
Sowohl in der Arbeit der Arbeitsgruppen als auch
in verwaltungsinternen Besprechungen zeigte sich,
dass in mehreren Fachbereichen mit Bildungsbezug
Kooperationsvereinbarungen mit Akteur/-innen zur
strukturellen Verbesserung der Zusammenarbeit
bestehen. Differenzierende Konkretisierungs- bzw.
Weiterentwicklungsbedarfe werden gesehen, an
denen weiter gearbeitet werden soll.
Eine Abfrage zu Bildungsangeboten und Netzwer -
ken innerhalb der Verwaltung machte deutlich,
dass in 30 Organisationseinheiten 166 Angebote
mit Bildungsbezug existieren. Diese zeigen sowohl
interne als auch externe Kooperationen auf. Die
Daten stehen intern zur Verfügung und können von
allen Mitarbeitenden genutzt werden.
Bildung ist für uns alles, was den Menschen bei der
Entfaltung seiner Möglichkeiten, Begabungen und
Interessen fördert – und zwar von 0 - 120 Jahren.
Deswegen sollte Bildung nicht in Schubladen gedacht
werden, sondern ganzheitlich.
Daher setzten wir auf breite Beteiligung und denken auch die Organisationsstruktur innerhalb der Kreisverwaltung
ganzheitlich. Mit dem neuen Fachbereich Haus der Bildung und dem darin verankerten dezernats- und behörden-
übergreifend ausgerichteten Büro Bildung integriert wurde eine weitere wichtige Grundlage gelegt, um weiterhin
eine zukunftsfähige Bildungslandschaft Marburg-Biedenkopf zu gestalten, bei der der Mensch im Mittelpunkt steht.
Marian Zachow, Erster Kreisbeigeordneter Landkreis Marburg-Biedenkopf
Die Arbeit im Bildungsmonitoring stützt sich auf
Daten aus heterogenen kommunalen und über -
regionalen Datenquellen. Begleitet von der AG Bil-
dungsbericht wurden zentrale Themen festgelegt.
Der uns vorliegende Entwurf des ersten Bildungs -
berichtes hat eine „Vermessung“ der Bildungs -
landschaft vorgenommen und allgemein über alle
Handlungsfelder und Spielräume der Bildungsbio-
graphie Daten zusammengetragen. Diese zu analy-
sieren und öffentlich zur Verfügung zu stellen ist der
geplante nächste Schritt.
Die hier beschriebenen Ansätze im Projekt Bildung
integriert stellen erste Schritte auf dem Weg zum
kommunalen datenbasierten Bildungsmanage -
ment dar. Aus unserer Sicht wichtige Schritte, um in
der zweiten Förderphase weiter an grundlegenden
Ziel- und Begriffsbestimmungen zu arbeiten. Dabei
sollen die Entwicklung eines Bildungsleitbildes, die
weitere Intensivierung der internen Zusammen-
arbeit sowie die datenbasierte Berichterstattung
und die dezernatsübergreifende Ausrichtung noch
mehr in den Fokus genommen werden.
35
Quelle: Eigentum Landkreis Marburg-Biedenkopf
Ausgangslage
Steckbrief
Gebietskörperschaft: Odenwaldkreis
Einwohner: 96.804 (Stand 30.09.2019, HSL,
Ergebnisse auf Basis Zensus 2011)
Einwohner/km²: 155
Fläche: 623,98 km²
Gliederung der Gebietskörperschaft:
12 Städte und Gemeinden
Anbindung des datenbasierten
kommunalen Bildungsmanagements:
Das Projekt Datenbasiertes kommunales Bildungsmanagement ist
Teil der Stabsstelle des Ersten Kreisbeigeordneten und damit unmit-
telbar der Behördenleitung zugeordnet.
Besonderheiten:
Zentrale Lage zwischen den Metropolregionen Rhein-Main und
Rhein-Neckar.
Der Landkreis ist Optionskommune mit kommunalem Jobcenter und
nimmt auch am Programm „Kommunale Koordinierung der Bil-
dungsangebote für Neuzugewanderte“ teil, das eng mit dem DKBM
vernetzt ist.
Teilnahme am Programm „Bildung integriert“:
1. Förderphase: 01.01.2017 – 31.12.2019
2. Förderphase: 01.01.2020 – 31.12.2021
Kontakt:
Bernd Pfau
b.pfau@odenwaldkreis.de
www.odenwaldkreis.de
36
37
D
er Kreistag des Odenwaldkreises hat am
26. September 2016 die Teilnahme am
Projekt „Bildung Integriert“ des Bundes -
ministeriums für Bildung und Forschung beschlos-
sen. Zielsetzung ist ein Dezentrales Kommunales
Management von Bildungsaktivitäten des Land-
kreises auf der Grundlage valider Zahlen und die Er-
stellung einer qualifizierten Bildungsberichterstat-
tung mit der Bildungsprozesse im Odenwaldkreis
gezielt gesteuert werden können.
Die organisatorischen Voraussetzungen wurden
zum 1. Januar 2017 geschaffen. Das Projekt „Bil-
dung Integriert“ ist in der Stabstelle des Ersten
Kreisbeigeordneten angesiedelt und wird von dort
umgesetzt. Das Projekt ist besetzt mit einer vollen
Stelle Bildungsmonitoring und zwei halben Stellen
im Bildungsmanagement.
Im Zuge der parlamentarischen Abstimmungspro-
zesse in den Gremien des Odenwaldkreises wurde
bereits vor dem offiziellen Start von „Bildung Inte-
griert“ frühzeitig deutlich, dass die Idee einer sinn-
vollen Zusammenfassung von Bildungsaktivitäten
von der großen Mehrheit der Parteien im Kreistag
getragen wird. Obwohl dies zunächst Zielsetzung im
Projektverlauf war, wurde der Eigenbetrieb – Aka-
demie für lebenslanges Lernen – Volkshochschule
Odenwaldkreis im Rahmen des parlamentarischen
Abstimmungsprozesses zu Bildung Integriert auf -
gelöst und als Abteilung in die Kreisverwaltung ein-
Odenwaldkreis
gegliedert. Neben den positiven Effekten einer di-
rekteren Steuerung des Geschäftsbetriebes, setzte
ein erheblicher Personalwechsel ein. Demzufolge
musste zunächst die Volkshochschule stabilisiert
und neues Personal gewonnen werden.
Beschreibung des Vorgehens
Die Zusammenarbeit der Bildungsakteure der
Kreisverwaltung wurde durch die Erstellung eines
gemeinsamen Bildungsprogrammes für den Oden-
waldkreis untermauert. Dies beinhaltet seit dem
das Programm der Volkshochschule sowie der wei-
teren Bildungsaktivitäten in der Kreisverwaltung.
Im Zuge des Projektfortschrittes wurde eine regel-
mäßig tagende Arbeitsgruppe gegründet, deren
Mitglieder offensichtlich mit Bildungsaktivitäten in
der Kreisverwaltung befasst sind. Dieses waren die
Odenwald Akademie, OloV, Hessencampus sowie
die Europe Direct Informationsstelle. Neben einer
Schnittstellenanalyse war die Vorbereitung der Bil-
dungskonferenz Schwerpunkt der Tätigkeiten die-
ser Arbeitsgruppe. Ende 2017 wurden Bildungsak-
tivitäten der Kreisverwaltung bspw. das Netzwerk
OloV, Hessencampus, Bildungsberatung in einem
Bildungsbüro zusammengefasst. Im Frühjahr 2018
sind gemeinsame Räumlichkeiten mit der Abtei -
lung Volkshochschule bezogen worden.
38
Bildungsmanagement Odenwaldkreis: Struktur zu Beginn des Projektes 2016
Das Projekt „Bildung Integriert“ im Odenwaldkreis
wird von Beginn an auch als Chance verstanden,
die Bildungsaktivitäten des Landkreises zu er -
mitteln und, soweit sinnvoll, zusammenzufassen.
Synergien sollen genutzt und doppelte Zuständig-
keiten sowie mehrfache Aufgabenerledigungen ab-
gebaut werden.
Leuchttürme
Das Bildungsmonitoring hat in der ersten Förder -
phase eine umfassende Abfrage über sämtliche Bil-
dungsangebote in der Kreisverwaltung erarbeitet
sowie dazugehörende Daten und Zahlen ermittelt.
Wesentliches Ergebnis war zudem die Ausrichtung
der ersten Bildungskonferenz am 18. April 2018.
Hierzu haben sich 66 Akteure aus der Odenwälder
Bildungslandschaft getroffen. Ziel der Bildungs -
konferenz war es, das Projekt Bildung integriert
bekannt zu machen. Ein weiteres Ziel war es, die
bisher in der Kreisentwicklungsplanung eher vage
vorliegenden Zielsetzungen zu konkretisieren und
auf deren Aktualität zu überprüfen. Danach sollte
an Thementischen anhand des Lebenslaufs (Früh-
kindliche Bildung, Schule&Jugend, Berufliche Bil-
dung, Allgemeine Erwachsenenbildung) die künfti-
gen Anforderungen und mögliche Bedarfe ermittelt
werden, um die weiteren Aufgaben planen und
angehen zu können. Eine Priorisierung wurde vor-
genommen. Die Ergebnisse wurden in einer umfas-
senden Dokumentation zusammengestellt und den
Teilnehmer*innen zur Verfügung gestellt.
Weiteres Ziel im Projekt Bildung integriert ist es,
einen Bildungsbericht auf der Grundlage der ermit-
telten Rohdaten zu erstellen. Der Bildungsbericht für
den Odenwaldkreis wird bewusst breit angelegt sein,
da er sich an die Bildungspolitik, Bildungsverwal-
tung und ebenso an die interessierte Öffentlichkeit
wendet. Gleichzeitig werden aktuelle Informationen
über Bildung zur Verfügung gestellt. Bildungsbericht-
erstattung ist dabei als Bestandteil eines umfassen-
den Bildungsmonitorings zu verstehen, das darauf
abzielt, durch kontinuierliche, datengestützte Beob-
achtung und Analyse Informationen für politisches
Handeln aufzubereiten und bereitzustellen.
Richtlinienkompetenz,
Bedarfe und Information
Geschäftsführung,
Vorbereitung von
Beschlüssen, Empfeh-
lungen, Aufträge
Ergebnisse/Berichter-
stattung in die Gremien
des Kreisentwicklungs-
prozesses
Austausch, Kooperation,
Aufträge
Austausch und
Kooperation
Beschlüsse, Handlungs-
empfehlungen, Aufträge
und Informationen,
Richtlinienkompetenz
Richtlinienkompetenz, Bedarfe und Information
Austausch, Kooperation,
Bedarfe
INBAS
Institut
Begleitung
+ Transfer
Verwaltung
Erster Kreisbeigeordneter
– Dezernent für Bildung,
Schule und Jugend
Stabsstelle „Bildung
integriert“
Projektleitung
Bildungsmanagement
Bildungsmonitoring
Lenkungsgruppe – (derzeit AG Bildung)
Dezernent für Schule und Jugend
Odenwaldkreis, Amtsleitung Jugendamt,
Leitung der Volkshochschule, relevante
Vertreter der operativen Ebene der
Kreisverwaltung, die im Bereich
Bildung tätig sind
Vertreter der Wirtschaft, Wirtschaftsför-
derung und Staatliches Schulamt,
Agentur für Arbeit, Jobcenter;
Bürgermeister
Verwaltungsexterne Bildungsakteure
(Träger der freien Wohlfahrtspflege,
Stiftungen, Vereine etc.)
Kreistag
------
relevante Ausschüsse,
Kommissionen, Beiräte
Bürgermeister-
kreisversammlung
zentrale gemeinsame
Instrumente
Bildungsmonitoring,
Erfassung, Analyse
und Auswertung
------
Veranstaltungs-
management
------
Bildungsmarketing,
Öffentlichkeitsarbeit
Bildungsangebote/ -aktivitäten des Odenwaldkreises und bildungsrelevante Aktivitäten
im Kreislauf Lebenslanges Lernen (Finanzierung durch den Odenwaldkreis)
------
Verwaltung der Übergänge Kindergarten/Schule und Schule/Beruf
Schnittstelle zur Schulverwaltung
Volkshochschule Odenwaldkreis
Hessencampus Odenwaldkreis einschließlich Bildungsberatung
------
Bildungsprojekte:
Odenwald Akademie
Europe Direct Informationszentrum Odenwaldkreis
Lebenslanges Lernen (alle Nutzerinnen und Nutzer von Bildungsangeboten), breite Öffentlichkeit
Interessierte und Kunden
39
Bildungsmanagement ist ein fließender Prozess,
der den üblichen Bedingungen von Veränderungs-
prozessen folgt und auch Widerstände produziert.
Jedoch sind uns in der ersten Projektphase eini-
ge herausragende Projekten und Ergebnisse (sog.
Leuchttürme) gelungen. Zu nennen sind u. a.:
• Veränderung des Organisationsplanes der
Kreisverwaltung um einen eigenständigen
Bereich Schule und Bildung.
• Auflösung des Eigenbetriebs Volkshochschule
und Eingliederung in die Organisationsstruktur
der Kreisverwaltung
• Vernetzung von Bildungsaktivitäten der
Kreisverwaltung in einem Bildungsbüro
• Abschluss von Kooperationen im
Bildungsbereich
• Erste Bildungskonferenz im Odenwaldkreis
• Erfolgreiche Mitarbeit des Bildungsmonitorings
bei der Schulentwicklungsplanung
Wirksamkeit
Zentrales Ziel der Aufstockungsphase ist es, neben
der Bildungsberichterstattung, aufgrund von ver -
schiedenen Lernprozessen aus der ersten Phase von
„Bildung Integriert“, eine nachhaltige und erfolgrei-
che Organisationsstruktur für die Bildungsverwal-
tung zu definieren und festzuschreiben. In diesem
Zusammenhang liegt nahe, dass das Bildungsbüro
der Kreisverwaltung die zentrale Steuerungseinheit
mit Koordinierungs- und Steuerungsfunktion für
den Bereich Bildung wird. Hier sollen die Bildungs-
aktivitäten des Landkreises angestoßen oder Ideen
von außen überprüft werden. Im Rahmen von Pro-
grammplanungskonferenzen und der Organisation
der Steuerungsgruppe sollen vom Bildungsbüro
künftig die Bildungsrelevanten Tätigkeiten erfolgen.
Ebenso ist das weitere Ziel der Aufstockungsphase,
Kooperationen von Bildungspartnern innerhalb der
Kreisverwaltung und mit Bildungspartnern außer-
halb der Kreisverwaltung formell abzuschließen,
zu verstetigen und für die Bildungsambitionen des
Landkreises nutzbar zu machen.
Nach Fertigstellung des ersten Bildungsberichtes
wird dieser in den Gremien diskutiert werden. Auf-
grund dieser Berichterstattung werden wir Schluss-
folgerungen aus der öffentlichen Debatte formulieren
und daraus Zielsetzungen für das künftige Bildungs-
management im Landkreis ableiten. Zielsetzung wird
aus unserer Sicht die Ermittlung eines Kennzahlen-
sets für regelmäßige Bildungsberichte sein, aber es
sind auch Berichterstattungen nach Themenfeld und
Einzelfall möglich. Die stetige Bildungsberichterstat-
tung ist auch Grundlage dafür, schnell und zielsicher
im Bildungsbereich reagieren oder auch rechtzeitig
planen zu können. Eine grundlegende Unterstüt -
zung bei der Erstellung des Schulentwicklungsplanes
wird ebenso angestrebt. Erstes Ziel ist die Erstellung
eines Bildungsberichtes mit einer Übersicht über die
derzeitig existierende Bildungslandschaft. Darüber
hinaus fließen die Ergebnisse der ersten Bildungs-
konferenz in die Berichterstattung ein. Nach des -
sen Veröffentlichung und Gremienlauf erwarten wir
weitere Schlussfolgerungen, Fragestellungen und
Schwerpunkte von Bildungsaktivitäten.
Ebenso ist angedacht, das Bildungsmonitoring bei
der stetigen Entwicklung des Berufsschulstandor -
tes des Odenwaldkreises einzubeziehen, da dieses
umfassende Themenfeld eine fundierte Datenbasis
in Form eines Bildungsberichtes für das Berufliche
Schulzentrum Odenwaldkreis benötigt. Der Schul-
leiter und Geschäftsführer der als Anstalt des öffent-
lichen Rechts geführten Berufsschule hat diese Ko-
operation angeregt.
Ländliche Regionen sind bei der Bildung nicht benachteiligt. Es kommt nur darauf an, wie die Verantwortlichen
auf die örtlichen Bedingungen und Bedürfnisse der Menschen vor Ort reagieren. „Bildung Integriert“ ist dabei
ein herausragendes Mittel, die dafür notwendigen Grundlagen zu erheben und Strukturen zu schaffen, damit
bedarfsgerechte Entscheidungen von den politisch Verantwortlichen getroffen werden. Damit werden die
vorhandenen, vor allem finanziellen Mittel, gewinnbringend für die Menschen vor Ort eingesetzt.
Oliver Grobeis, Bildungsdezernent des Odenwaldkreises
Ausgangslage
Steckbrief
Gebietskörperschaft: kreisfreie Stadt
Einwohner: 161.843 (Stand: 31.12.2018)
Einwohner/km²: 1327
Fläche: 122 km2
Gliederung der Gebietskörperschaft:
9 Stadtteile (Arheilgen, Bessungen,
Darmstadt-Mitte, Darmstadt-Nord,
Darmstadt-Ost, Darmstadt-West, Eberstadt, Kranichstein, Wixhausen)
Anbindung des datenbasierten
kommunalen Bildungsmanagements:
Schulamt; räumliche Angliederung des Bildungsmonitorings an die
Abteilung Statistik und Stadtforschung im Amt für Wirtschaft und
Stadtentwicklung (abgeschottete Statistikstelle)
Besonderheiten:
Seit 2012 Teil der Bildungsregion der Wissenschaftsstadt Darmstadt und des Landkreises
Darmstadt-Dieburg, „Schwarmstadt“ mit niedrigem Altersdurchschnitt, Teilnahme am
Programm „Kommunale Koordinierung der Bildungsangebote für Neuzugewanderte“ seit
11/2016
Teilnahme am Programm „Bildung integriert“:
1. Förderphase: 01.01.2016 – 31.12.2018
2. Förderphase: 01.01.2019 – 31.12.2020
Kontakt:
Franziska Retzlaff (Bildungsmanagement), Rena Tilsner (Bildungsmonitoring)
und Katrin Bitzer (Bildungsmonitoring)
bildungsmanagement@darmstadt.de
www.darmstadt.de/leben-in-darmstadt/bildung/bildung-integriert/
www.darmstadt.de/leben-in-darmstadt/bildung/bildungsbericht/
40
41
Wissenschaftsstadt
Darmstadt
D
ie Aufgaben der Wissenschaftsstadt
Darmstadt gliedern sich in fünf Dezerna-
te, in drei Dezernaten finden sich Ämter
mit bildungsrelevanten Aufgaben. In Dezernat I
sind dies vor allem das Amt für Interkulturelles
und Internationales sowie die Abteilung Statis -
tik und Stadtforschung im Amt für Wirtschaft und
Stadtentwicklung. In Dezernat II sind als große
Bildungsakteur/-innen das Schulamt sowie die
Volkshochschule verortet. Auch das hier ange -
siedelte Sportamt hat Schnittstellen zum Thema
Bildung. In Dezernat V sind das Jugendamt sowie
das Amt für Soziales und Prävention zu erwähnen,
ergänzt durch die Projektkoordination und das
Frauenbüro. Vor der Einführung des datenbasier -
ten kommunalen Bildungsmanagements erfolgte
die Zusammenarbeit der Dezernate bzw. Ämter
in diesem Bereich vornehmlich anlassbezogen.
Sowohl die Stelle der Kommunalen Koordinierung
der Bildungsangebote für Neuzugewanderte als
auch die Geschäftsstelle der Bildungsregion Darm-
stadt – Darmstadt-Dieburg sind im Schulamt ange-
siedelt. Dies ermöglicht einen regelmäßigen Fach-
austausch und die Nutzung von Netzwerkwissen
über die unterschiedlichen Projekte hinweg.
Mit der breiten Datenlage, die in der Abteilung Sta-
tistik und Stadtforschung in Form einer abgeschot-
teten Statistikstelle vorliegt, trifft das Bildungsmo-
nitoring auf gute Ausgangsbedingungen. Neben der
Nutzung besonderer bestehender Datenquellen
(z. B. Einzeldaten der Lehrer- und Schülerdaten-
bank oder der Schuleingangsuntersuchung) er -
leichtert dies auch den Zugang zu neuen oder
detaillierteren Datenquellen, wie etwa der tolina
Kinderbetreuungsdatenbank.
Beschreibung des Vorgehens
Zu Beginn des Vorhabens erfolgte die Vorstellung
des datenbasierten kommunalen Bildungsma-
nagements und der damit einhergehenden neuen
Stellen des Bildungsmanagements und Bildungs -
monitorings auf unterschiedlichen Ebenen (Politik,
Verwaltung, Akteur/-innen aus dem Bildungsbe -
reich). In einem Auftakttreffen mit Akteur/-innen
aus Politik und Verwaltung wurden der Auftrag und
die Erwartungen an das datenbasierte kommu-
nale Bildungsmanagement genauer definiert und
die Erstellung des 1. Bildungsberichts der Wissen-
schaftsstadt Darmstadt als zentrales Ziel bestätigt.
Darüber hinaus einigte man sich zu diesem Zeit -
punkt bereits darauf, dass der Bildungsbericht in
dezernatsübergreifender Zusammenarbeit erstellt
und hierfür ein eigenes Gremium – die AG Bildung
– geschaffen werden solle. Hier finden sich viermal
im Jahr Vertreter/-innen der bildungsrelevanten
42
Fachbereiche sowie aus dem Staatlichen Schulamt,
seit 2019 auch dem Gesundheitsamt zusammen.
Neben der Konzeption und Gliederung des 1. Bil-
dungsberichts wurde hier auch ein gemeinsames
Bildungsverständnis erarbeitet.
Neben dem offiziellen Gremium, der AG Bildung,
erfolgte parallel ein enger Austausch zwischen
Schul- und Sozialdezernat – in einer informellen
Arbeitsgruppe bestehend aus Bildungsmonitoring,
Bildungsmanagement, Jugendhilfeplanung und
Projektkoordination des Sozialdezernats.
Ende 2016 konnte eine differenzierte Auswertung
der Daten der Schuleingangsuntersuchung ver -
öffentlicht und somit der Öffentlichkeit ein erster
Eindruck über die Potentiale des Bildungsmonito-
rings gegeben werden. Durch die breite Vorstellung
und Beteiligung anderer Verwaltungseinheiten
entwickelte sich das datenbasierte kommunale Bil-
dungsmanagement zu einem wichtigen Ansprech-
partner für das Themenfeld Bildung. Dies spiegelt
sich insbesondere auch in der Beteiligung in unter-
schiedlichen Facharbeitsgruppen mit Schnittmen-
gen zum Thema Bildung wider.
Durch die genannten unterschiedlichen Aktivitäten
sowie die Erstellung und Veröffentlichung des 1. Bil-
dungsberichts konnte das Thema Bildung verwal-
tungsintern, aber auch für die (Fach-) Öffentlichkeit
auf die Tagesordnung gesetzt und eine dezernats-
übergreifende Zusammenarbeit etabliert werden.
Wichtige Gelingensbedingungen für die bisheri -
ge Arbeit des datenbasierten kommunalen Bil-
dungsmanagements in Darmstadt war zum einen
die breite Unterstützung aus dem Schulamt und
die räumliche, und damit kollegiale Anbindung
in der Abteilung Statistik und Stadtforschung des
Bildungsmonitorings, sowie die enge Rückkopp -
lung mit der politischen Entscheiderebene. Zum
anderen war das klare Ziel – die Erstellung des
1. Bildungsberichts innerhalb der ersten Förder -
phase – von zentraler Bedeutung. Die Einrichtung
der multiprofessionellen AG Bildung mit dem kla-
ren Auftrag, die Erstellung des Bildungsberichts
zu begleiten, erleichterte deren Etablierung. Da-
rüber hinaus war der vertrauensvolle informelle
Austausch über die Dezernatsgrenzen hinweg von
zentraler Bedeutung, um mögliche Stolpersteine
so gut wie möglich vorab aus dem Weg zu räumen.
Mitarbeit am 1. Bildungsbericht – AG Bildung
Bildungsmanagement + Bildungsmonitoring
Dezernat I
• Amt für Wirtschaft und Stadtentwicklung (Abtl. Statistik und Stadtforschung)
• Amt für Interkulturelles und Internationales
Dezernat II
• Schulamt (Leitung, päd. Schulentwicklungsplanung, Bildungskoordination für Neuzugewanderte)
• Volkshochschule
• Sportamt
Dezernat V
• Projektkoordination Dezernat V
• Jugendamt
• Frauenbüro
Staatliches Schulamt
Gesundheitsamt
Quelle: Eigentum Wissenschaftsstadt Darmstadt
Um Chancen- und Bildungsgerechtigkeit
zu ermöglichen, ist es notwendig,
die Stellschrauben zu finden,
an denen wir drehen können.
Denn bei ungleichen Voraussetzungen müssen die Lösungsansätze auch ungleich sein, um
strukturelle Defizite auszugleichen. Ziel des ersten Bildungsberichtes ist es, den Blick für
das Thema Bildung zu schärfen und Handlungsfelder zu identifizieren, um allen Bürgerin-
nen und Bürgern gerechte Bildungschancen von Anfang an zu ermöglichen. Der Bildungs-
bericht soll die Grundlage dafür legen, miteinander ins Gespräch zu kommen, um die
Wissenschaftsstadt Darmstadt nach vorne zu bringen.
Rafael Reißer, Bürgermeister und Schuldezernent der Wissenschaftsstadt Darmstadt
Der informelle Austausch ermöglichte den Einblick
und damit das Verständnis für die unterschiedli-
chen Arbeitsweisen in Ämtern und Dezernaten und
half, bestehende Spannungen zu entkräften bzw.
zu umgehen.
Leuchttürme
Als besondere Ergebnisse der Arbeit von Bildungs-
management und Bildungsmonitoring in der ersten
Förderphase des Programms „Bildung integriert“
in Darmstadt lassen sich zum einen die Erstellung
und Veröffentlichung des 1. Bildungsberichts, zum
anderen die Etablierung und Weiterentwicklung
der amts- und dezernatsübergreifend arbeitenden
AG Bildung benennen.
Der 1. Bildungsbericht der Wissenschaftsstadt
Darmstadt 2018 – Bildung im Lebensverlauf: Frühes
Kindesalter bis zum Einstieg in den Beruf wurde in
hohem Maße partizipativ mit unterschiedlichen
Verwaltungseinheiten erstellt. Dieses Vorgehen
führte zu einer hohen Identifikation der Verwal-
tung mit dem Bildungsbericht. Neben der Beteili -
gung der Ämter bei der Konzeption über die Mitar-
beit in der AG Bildung, erfolgten Datenlieferungen
an das Bildungsmonitoring aus unterschiedlichen
Quellen (z. B. Jugendamt, Amt für Soziales und
Prävention, Staatliches Schulamt). Darüber hin-
aus wurden von unterschiedlichen Akteur/-innen
(verwaltungsintern und verwaltungsextern) ein-
zelne, insbesondere qualitative Kapitel des Bil-
dungsberichts geschrieben.
Die genannten qualitativen Kapitel stellen eine
weitere Besonderheit des Darmstädter Bildungs -
berichts dar: Um dem zugrundeliegenden ganz -
heitlichen Bildungsverständnis gerecht zu werden,
wurden die detaillierten Datenanalysen um be -
schreibende Kapitel ergänzt. So war es möglich,
beispielsweise Themenfelder und Angebote aus
dem Bereich Familienbildung oder Jugendarbeit
abzubilden, obwohl hier noch relativ wenige quan-
titative Daten vorliegen.
Der Bildungsbericht endet mit einem Ausblick auf
Handlungsbedarfe, formuliert jedoch noch keine
Handlungsempfehlungen. Diese sollen in einem
längeren Prozess in Zusammenarbeit auf Grund-
lage weiterer Analysen und mit den themen-
spezifischen Fachexpert/-innen innerhalb und
außerhalb der Verwaltung erstellt und der Politik
vorgelegt werden.
Die Erarbeitung und Veröffentlichung des Bildungs-
berichts brachte auch ein verändertes Arbeiten in
Form eines verstärkten Austauschs und eines ver -
stärkten ‚Einander-Mitdenkens‘ in Bildungsfragen
mit sich. Die Reaktionen auf den Bildungsbericht
machen deutlich, dass die Bildungsberichterstat -
tung und die öffentliche Diskussion der Ergebnisse
von vielen Akteur/-innen als gewünscht und not -
wendig erachtet werden.
43
44
Die AG Bildung wurde zunächst mit dem klaren
Auftrag, die Erstellung des 1. Bildungsberichts der
Wissenschaftsstadt Darmstadt konzeptionell zu
begleiten, gegründet. Hier wird regelmäßig dezer-
natsübergreifend zusammengearbeitet und das
Thema Bildung aus den unterschiedlichen Fach-
richtungen heraus diskutiert. Schnell wurde klar,
dass die Diskussion von Bildungsfragen in der AG
Bildung einen Platz gefunden hat, den es in die -
ser Form bisher nicht gab, für den jedoch ein Be -
darf besteht. Auch von anderen Akteur/-innen aus
der Verwaltung wird die AG Bildung als ein solcher
Ort begriffen und die Vertretung der jeweiligen
Position in diesem Gremium als wichtige Aufgabe
wahrgenommen (vgl. z. B. Gleichstellungsaktions-
plan: Vertretung genderrelevanter Themen in der
AG Bildung).
Nach der Veröffentlichung des Bildungsberichts
wurde dieser Weiterentwicklung Rechnung getra-
gen, indem eine Erweiterung um einen Vertreter
aus dem Gesundheitsamt und eine Neuformu-
lierung der Aufgaben der AG Bildung erfolgte. Als
wichtige Aufgabe wurde die Begleitung der Weiter-
arbeit mit den Ergebnissen und dem daraus resul-
tierenden Prozess zur Entwicklung von Handlungs-
empfehlungen beschrieben. Darüber hinaus sollen
auch künftige Berichte oder die Schaffung einer
Datengrundlage für den Bereich der Erwachsenen-
bildung zu den Aufgaben der AG zählen. Auch wur-
de beschlossen, die AG Bildung noch stärker als
Expertengremium in Bildungsfragen zu nutzen und
einen regelmäßigen Tagesordnungspunkt „Vor -
stellung von Projekten“ aufzunehmen, der auch
Nicht-Mitgliedern die Möglichkeit gibt, aktuelle
Vorhaben vorzustellen und die Rückmeldung der
Expertenrunde einzuholen.
Wirksamkeit
Die AG Bildung füllt mit ihren Aufgaben eine Leer -
stelle im Gremiengefüge der Wissenschaftsstadt
Darmstadt, wird von den Teilnehmenden als eine
wichtige Einheit erachtet und ist somit auf Nach-
haltigkeit angelegt. Bildungsmanagement und
Bildungsmonitoring sind feste Bestandteile unter-
schiedlicher Gremien und haben sich im Laufe der
ersten Förderphase die Rolle als Ansprechpartner
für Bildungsfragen und Bildungsdaten erarbeitet.
Der Bildungsbericht bildet eine wichtige Grundlage
für den Bildungsdiskurs in den politischen Gremien.
Die positiven Reaktionen von politischen Akteur/-
innen wie Bildungsakteur/-innen betonen seine
Notwendigkeit und erleichtern eine Fortschrei-
bung. Um passgenaue Handlungsempfehlungen
entwickeln zu können, wurden bei der öffentlichen
Vorstellung des Bildungsberichts die Einschätzun-
gen zu aktuellen Handlungsbedarfen in den Stadt-
teilen seitens der Akteur/-innen abgefragt. In der
zweiten Förderphase folgen darüber hinaus spezi-
fische, kleinräumigere oder detaillierte Analysen
bestimmter, als Handlungsfelder identifizierter
Sachverhalte. Für die Formulierung von Handlungs-
empfehlungen werden gezielt themenspezifische
Fachexpert/-innen (verwaltungsintern und verwal-
tungsextern) eingebunden. Spezifische Ergebnisse
für einzelne Stadtteile sollen in den dort bestehen-
den Beteiligungsgremien vorgestellt werden.
Die im Bildungsbericht verarbeiteten Daten sollen
regelhaft fortgeschrieben und in Form von Tabel-
len online zur Verfügung gestellt werden. Hierzu
wurden und werden noch weitere Kooperations -
vereinbarungen mit den Datenlieferanten abge -
schlossen.
Der 1. Bildungsbericht der Wissenschaftsstadt
Darmstadt befasste sich mit den Lebensphasen
von der Frühen Kindheit bis zum Einstieg in den
Beruf, endet also mit den Daten zu den beruflichen
Schulen. Der Arbeit von Bildungsmonitoring und
Bildungsmanagement liegt jedoch ein ganzheit -
liches Bildungsverständnis im Sinne des Lebens -
langen Lernens zu Grunde. Um diesem Bildungs -
verständnis gerecht zu werden, soll in der zweiten
Förderphase auch die Erwachsenenbildung in den
Blick genommen werden und eine entsprechende
Datenlage aufgebaut werden.
45
Impressionen
interkommunaler
Zusammenarbeit
Quelle restliche Fotos: Transferagentur
Kommunales Bildungsmanagement Hessen
Quelle: INBAS GmbH/ Joachim Storch
Die Bilder sind im Rahmen von Gruppencoachings
und Fachtagen der Transferagentur Kommunales
Bildungsmanagement Hessen entstanden.
46
Quelle: Transferagentur Kommunales
Bildungsmanagement Hessen
Impressionen
interkommunaler
Zusammenarbeit
Die Bilder sind im Rahmen von Gruppencoachings und
Steuerungsgruppentreffen der Transferagentur Kommunales
Bildungsmanagement Hessen entstanden.
Glossar
Bildungsmanagement
Die Einführung eines Bildungsmanagements umfasst alle Aktivitäten zur
systematischen Gestaltung des Bildungssystems. Dazu gehört die strategische
Steuerung über Zielvorgaben, die Einführung neuer Steuerungsinstrumente und
die Entwicklung neuer Strukturen im Bildungswesen in Form von Netzwerken.
Bildungsmonitoring
Datengestützter, kontinuierlicher Beobachtungs- und Analyseprozess des
gesamten Bildungswesens bzw. einzelner Teilbereiche mittels empirisch-
wissenschaftlicher Methoden.
Bildungsverständnis
Bildung ist eine Grundvoraussetzung für die gesellschaftliche Teilhabe jedes
Einzelnen. Ausgehend vom Konzept des Lebenslangen Lernens wird dabei nicht
nur das formale Lernen z. B. in Schulen oder Universitäten in den Blick genommen,
sondern auch das non-formale (z. B. in Vereinen oder Museen) und informelle
Lernen (z. B. Persönlichkeitsentwicklung in der Familie).
Formale Bildung
Formales Lernen findet in Bildungs- und Ausbildungseinrichtungen statt und
führt zu anerkannten Abschlüssen und Qualifikationen.
Informelle Bildung
Informelles Lernen ist die natürliche Begleiterscheinung des Lebens. Hierunter
werden nicht zielgerichtete Lernprozesse durch (Lebens-)Erfahrung verstanden.
Lernorte
Die Umgebung, in der sich Lernen vollzieht. Lernorte umfassen alle potentiellen
Orte und Räume, in denen sich das Lernen vollzieht. In dieser Lesart werden auch
gesellschaftliche Institutionen wie z. B. Museen, Bibliotheken, Theater zu Lernorten.
Non-formale Bildung
Non-formales Lernen findet außerhalb des Hauptsystems der allgemeinen
und beruflichen Bildung statt und führt nicht zwangsläufig zum Erwerb von
Qualifikationsnachweisen.
47
anlage 2
4725 Zeichen
- 2 -
Magistratsvorlage
Eingang Magistrats -
geschäftsstelle:
03.06.2020
an den Magistrat
zur Kenntnis
zur Beschlussfassung
Beteiligt vor
Magistratsbeschlussfassung:
Dezernat II an die Stadtverordnet enversammlung
OBW zur Befassung
zur Kenntnis
zur Beschlussfassung
zur abschließenden Beschluss -
fassung Fachausschuss
Amt: Schulamt
OBW bei abschl.
Beschlussfassung Magistrat
Behandlung in
öffentl. Sitzung
Ja
Nein
Verteiler:
II 40
Stvv
Ja
Nein
Vorlage-Nr. 2020/0160
Magistratsbeschluss -Nr.
161
Internetfähig
Produkt-Nr.:
Kostenstelle: Investitionsnummer:
Kostenträger: Sachkonto:
Betreff: Publikation hessische „Bildung integriert“ -Kommunen
Vorlage vom: 29.05.2020
Beschlussvorschlag :
Die Publikation wird zur Kenntnis genommen.
Anlagen: Publikation hess. Bildung integriert Kommunen
Datenschutzrelevante Anlage:
Folgekosten: Ja Nein
- 3 -
Beschluss des Magistrats vom 10.06.2020
Der Magistrat nimmt die Vorlage zur Kenntnis.
- 4 -
Begründung zur Magistratsvorlage vom 29.05.2020
Die Wissenschaftsstadt Darmstadt hat sich im Jahr 2016 mit der Teilnahme am Programm
„Bildung integriert“1 auf den Weg gemacht, ein datenbasiertes kommunales
Bildungsmanagement aufzubauen und zu etablieren. In dieser ersten Förderphase haben sich
2016 neben Darmstadt sechs weitere hessische Kommunen – eine weitere kreisfreie Stadt und
fünf Landkreise – auf den Weg gemacht, und den Fokus auf das Thema Bildung gelegt:
Landeshauptstadt Wiesbaden, Landkreis Darmstadt-Dieburg, Landkreis Fulda, Lahn-Dill-Kreis,
Landkreis Marburg-Biedenkopf, Odenwaldkreis.
Zunächst über Angebote der Transferagentur Kommunales Bildungsmanagement Hessen,
später dann auch im Eins-zu-Eins-Kontakt standen die Kommunen von Anfang an in einem
engen kollegialen Erfahrungsaustausch. Hierbei wurden Gelingensbedingungen und
Herausforderungen, die der Aufbau eines für die Kommunen neuen datenbasierten
kommunalen Bildungsmanagements mit sich brachte, gleichermaßen diskutiert. Dabei wurde
stets deutlich, dass sich – trotz der gleichen Zielsetzung von mehr Bildungsteilhabe und
Chancengerechtigkeit – die Arbeit der Bildungsmanager*innne und Bildungsmonitorer*innen in
den einzelnen Kommunen stark unterscheidet und stets an den Voraussetzungen vor Ort
anknüpfen muss. Das beginnt damit, dass die Stellen von Bildungsmanagement und
Bildungsmonitoring in unterschiedlichen Verwaltungseinheiten angesiedelt sind und setzt sich
über den Zugang zu statistischen Daten fort. Mit der Ansiedlung der Stellen im Schulamt der
Wissenschaftsstadt Darmstadt und einem Zugang zur abgeschotteten Statistikstelle im Amt für
Wirtschaft und Stadtentwicklung für das Bildungsmonitoring liegen in Darmstadt gute
Voraussetzungen vor.
Am Ende der dreijährigen ersten Förderphase beschlossen die hessischen „Bildung integriert“ -
Kommunen in Eigenregie eine gemeinsame Publikation zu erarbeiten, in der die Arbeit und
Erfahrungen der ersten drei Jahre dokumentiert werden. Neben der Sichtbarmachtung der
bisherigen Arbeit und Erfolge, kann die Publikation auch anderen Kommunen als Orientierung
und Motivation für die Einführung eines datenbasierten kommunalen Bildungsmanagements
dienen. Aus diesem Grund wurden bei der Beschreibung des Vorgehens sowohl
Gelingensbedingungen als auch Herausforderungen benannt. Neben den ‚Leuchttürmen‘ der
jeweiligen Kommune wurde darüber hinaus auch ein Blick auf die Wirksamkeit und
Nachhaltigkeit angestoßener Veränderungen und Projekte gelegt.
Die Wissenschaftsstadt Darmstadt stellt in ihrem Beitrag die Veröffentlichung des 1.
Bildungsberichts als wichtigen Meilenstein im Aufbau des datenbasierten kommunalen
Bildungsmanagements vor. Hierbei wird nicht nur das Produkt und die sich anschließende
Diskussion, sondern vor allem auch der dezernatsübergreifende Weg dorthin dargestellt. In
diesem Zusammenhang wird auch noch einmal die Relevanz der AG Bildung als
Begleitgremium für die Erstellung des Bildungsberichts, aber auch als Plattform für den
ämterübergreifenden Austausch zum Thema Bildung formuliert.
Darmstadt, 29.05.2020
Dezernat II
Rafael Reißer
1 Das Vorhaben „Strukturelle institutionalisierte Implementierung eines professionellen Bildungsmanagements mit der
Grundlage eines datenbasierten Bildungsmonitorings (BildungsNetzWerk Darmstadt – BMW_DA)“ wird im Rahmen des
Programms „Bildung integriert“ vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und dem Europäischen
Sozialfonds der Europäischen Union gefördert.
Bürgermeister
Beratungsverlauf (1)
Details
- Vorlagen-Nr.
- 2020/0160
- Typ
- Magistratsvorlage
- Datum
- 29.05.2020
- Erstellt
- 29.09.2026 00:00