2023/0166
Entwicklungskonzept Innenstadt
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Gemeinsam die Innenstadt gestalten mittendrin.DA Entwicklungskonzept Innenstadt Entwicklungskonzept Innenstadt Strategien und Projekte für das Zentrum Darmstadts INHALT Das Innenstadtkonzept | 2 Das Innenstadtversprechen | 16 Der Innenstadtcheck | 24 Mission | 52 Zukunftsprojekte | 58 Das Innenstadtkonzept Ein Jahr lang hat die Darmstädter Stadtgesellschaft debattiert und nachgedacht, Wissen geteilt, Ideen entwickelt und verhandelt. Das Ergebnis dieses co-kreativen Arbeitsprozesses ist das Entwicklungskonzept Innenstadt: eine gemeinschaftlich getragene Vision für die Darmstädter Stadtmitte. Als inspirierender Kompass zeigt es innerstädtischen Akteur*innen aus Verwaltung, Politik und Wirtschaft, Eigentümer*innen sowie zivilgesellschaftlichen Kräften Wege auf, wie die Stadt aktuelle und kommende Herausforderungen als Chancen nutzen kann, um frühzeitig die Weichen für eine zukunftsorientierte Innenstadtentwicklung zu stellen. 3 Noch ein Konzept? Was das Innenstadtkonzept bewirken soll Darmstadt ist in einer guten Ausgangsla- ge, um frühzeitig nach vorne zu schauen Von der Technischen Universität über das Staats- theater und das Landesmuseum bis hin zum historischen Residenzschloss und dem darmstadt- ium: Darmstadts Stadtmitte überzeugt durch eine Vielzahl von Qualitäten. Um dem Ruf eines viel- seitigen, innovativen und lebenswerten Zentrums auch in Zukunft gerecht zu werden, muss sich die Wissenschaftsstadt den Trends und Entwicklungen stellen, denen Innenstädte allerorts ausgesetzt sind. Der wachsende Online-Handel führt seit Jahren zu rückläufigen Frequenzen in den Fuß- gängerzonen. Das Konsum- und Freizeitverhalten der Menschen wandelt sich, hinzu kommen neue Anforderungen an urbane Mobilität und klimaan- gepasste Stadträume. Durch die Corona-Pandemie und die allgemeine Preissteigerung wird dieser Entwicklungsdruck zusätzlich befeuert – wodurch die traditionelle Bedeutung der Innenstadt als soziales und wirtschaftliches Stadtzentrum zuse- hends bedroht ist. Mit dem Entwicklungskonzept Innenstadt erkennt Darmstadt die Chance, frühzeitig zu handeln und die Innenstadt mit innovativen Ansätzen und neuen Nutzungskonzepten zukunftssicher aufzu- stellen. Die Bedingungen hierfür sind günstig: Die Ambitionen der einstigen Hauptstadt des Groß- herzogtums Hessen sind groß. Darmstadt ver- steht sich als Oberzentrum, das weit mehr kann als seine Größe andeutet. Als Teil der Metropol- region Rhein-Main liegt Darmstadt in einer der wirtschaftsstärksten Regionen Deutschlands. Die Wirtschaftsleistung der Stadt ist doppelt so hoch wie der Bundesdurchschnitt. Darmstadt behei- matet mehrere Dax-Konzerne, drei Einrichtungen der Fraunhofer-Gesellschaft, das Europäische Satellitenkontrollzentrum ESOC der ESA sowie die europäische Organisation für die Nutzung meteo- rologischer Satelliten EUMETSAT, eine Technische Universität, zwei Hochschulen und zahlreiche öffentliche und private Wissenschafts- und For- schungseinrichtungen. Viele Dinge des Alltags – von der Funkuhr bis hin zum ersten Waschmittel auf Enzymbasis – wurden hier erfunden. Laut dem Forschungs- und Beratungsinstitut Prognos zählt Darmstadt im Jahr 2022 zu den Städten mit den besten Zukunftschancen in Deutschland. Und auch als Kulturzentrum ist Darmstadt bestens aufgestellt: Davon zeugt nicht zuletzt die Aus- zeichnung der Künstlerkolonie Mathildenhöhe als UNESCO-Welterbe. Darmstadt strahlt als Wissenschafts- und Kulturstadt weit über die Region hinaus – die Innenstadt hingegen bleibt als Shopping-City aktuell hinter ihren Möglichkeiten zurück. In einem co-kreativen Dialog mit der Stadtgesellschaft ergreift Darmstadt die Chance, frühzeitig aktuellen und kommenden Heraus- forderungen zu begegnen und die Stadtmitte als zukunftsrobustes wirtschaftli- ches, kulturelles und gesellschaftliches Zentrum mit Aufenthaltsqualität für alle Darmstädter*innen zu stärken. Was lockt die Menschen auch noch morgen und übermorgen in die Darmstädter Innenstadt? Das Entwicklungskonzept Innenstadt schlägt konkrete Projekte vor, die – aufbauend auf relevanten Zukunftsfragen – die vorhandenen Energien in der Stadt aufgreifen, lokale Akteur*innen identifi- zieren, neue Nutzungen etablieren und alte ergänzen – und damit das Darmstäd- ter „Innenstadtversprechen“ erneuern. Das Innenstadtkonzept 4 „Der Wandel der Innenstadt ist eine einmalige Chance“ Viele Krisen sind über die Innenstadt der Wissenschaftsstadt Darmstadt in den letzen Monaten und Jahren hineingebro- chen und haben das bis dato existierende Innenstadtbild in Frage gestellt. Diese Entwicklungen haben wir rechtzeitig erkannt und die Chance ergriffen, ein weitreichendes Konzept zu erstellen. Unsere Innenstadt braucht eine Zukunft, sie braucht eine Vision und sie braucht vor allem uns, die Menschen aus Darm- stadt und Umgebung, die sich freuen in die Innenstadt zu kommen. Gemeinsam haben wir uns in den letzten Monaten auf den Weg gemacht, mutige Antworten auf die Frage zu geben, was die Leute auch morgen und übermorgen in unsere Innenstadt lockt. Für unsere urbane City liegt uns nun dieses Konzept mit wegweisenden Schlüsselprojekten vor. Damit beginnt jetzt die Arbeit und wir müssen gemeinsam alle Kräfte der Stadt aktivieren: Zivilgesellschaft, Ge- werbetreibende, Kreative, Kulturschaf- fende, Immobilieneigentümer*innen so- wie Stadtverwaltung und Politik. Packen wir es an mit Elan und langem Atem für unser neues Miteinander in der Mitte. Jochen Partsch Oberbürgermeister Die Innenstadt muss zum Dreh- und Angelpunkt der Darmstädter Dynamik werden Angesichts der überregionalen Strahlkraft Darm- stadts als prosperierende Wissenschafts- und Kulturstadt überrascht es, dass diese positiven Energien nur vereinzelt in der Innenstadt zu Tage treten. Als überwiegende Shopping-City bleibt sie hinter der Entwicklung der Gesamtstadt zurück. Obwohl die Innenstadt noch immer ein wichtiges Versorgungszentrum ist, strauchelt der Einzelhan- del allmählich auch hier. Jüngstes Beispiel ist die geplante Schließung der Kaufhof-Filiale am weißen Turm. Eine schwere Entscheidung, die aber auch ein enormes Entwicklungspotenzial für die Zukunft der City eröffnet. Dazu kommt, dass viele Orte, wie etwa das historische Residenzschloss, zwar über eine starke bauliche Repräsentativität verfügen, allerdings bisher wenig mit der Innenstadt in Re- sonanz treten und damit mehr schöne Kulisse als lebendiger Stadtraum der Zivilgesellschaft sind. Das Entwicklungskonzept Innenstadt baut auf der Annahme auf, dass die Innenstadt in Zukunft nicht mehr allein durch den Handel funktioniert. Um weiterhin attraktiv für Bewohner*innen, Be- sucher*innen und Zuziehende zu sein, muss Darmstadts City ein besonderes „Innenstadtver- sprechen“ bieten: In der Stadtmitte wird eingekauft, es wird aber auch gearbeitet und gewohnt, flaniert und pro- duziert, gelernt und gefeiert, regiert und reprä - sentiert, Kultur genossen und Muße getan. Dafür braucht es Orte, an denen Menschen unterschied- lichster Herkünfte und Lebensstile aufeinander- treffen. Anlässe, die Menschen rund um die Uhr in die Innenstadt locken, unabhängig von Alter, Ein- kommen oder Geschlecht: neue Gastronomie- und Einzelhandelskonzepte, konsumfreie Treffpunkte, Raum für gesellschaftliches Engagement, Wis- sen, Arbeit, Produktion und Kultur. Der Anspruch des Entwicklungskonzepts Innenstadt ist es, die verschiedenen Funktionen der Innenstadt – von Wohnen über Arbeit, Mobilität, Teilhabe und Kultur – nicht nur zu stärken, sondern sie durch kleinräu- mige Veränderungen miteinander zu verzahnen. Ziel ist eine lebendige Innenstadt – eine gesell- schaftliche Mitte – die Darmstadt als innovative Wissenschafts- und Kulturstadt repräsentiert. 5 Das Entwicklungskonzept Innenstadt holt Darmstadts vielfältige Qualitäten ins Zentrum In einem co-kreativen Arbeitsprozess hat die Wissenschaftsstadt Darmstadt zusammen mit einem breiten Kreis von Akteur*innen einen Blick in die Zukunft gewagt und – aufbauend auf den zentralen Zukunftsfragen der Innenstadt – konkrete Projekte auf räumlicher und organisatori- scher Ebene erarbeitet. Sie alle knüpfen an vor- handene Energien in Darmstadt an, identifizieren lokale Mitstreiter*innen und bedienen möglichst viele Nutzungen gleichzeitig mit dem Ziel, neu- artige hybride Orte für alle Darmstädter*innen zu schaffen. Darüber hinaus schlägt das Konzept neue Kommunikationskanäle und Governance- Strukturen vor, die die Stadt zur steuernden Akteu- rin des Wandels machen und zugleich die Kräfte der Zivilgesellschaft aktivieren. Das Entwicklungs- konzept Innenstadt ist somit auch eine Einladung, die Zukunft der Stadt gemeinsam und aktiv zu gestalten. „Gemeinsam die Innenstadt für die Zukunft entwickeln“ Das InnenstadtkonzeptDarmstadts Innenstadt bietet jede Menge Potenziale – es ist höchste Zeit, diese zu nutzen und „ins Machen“ zu kommen. Genauer heißt das: mit vereinten Kräften zukunftsweisende Projekte auf den Weg bringen und damit die Weiterentwicklung der City vorantreiben. In Zeiten sich an- kündigender Veränderungen im Einzel- handel gilt es, Herausforderungen als Chancen zu begreifen und den Wandel der Innenstadt durch mutiges Handeln aktiv zu gestalten. Mit dem co-kreativen Prozess rund um das Entwicklungskon- zept Innenstadt haben wir einen stadtge- sellschaftlichen Diskurs rund um die Zu- kunft der City angestoßen – darauf wollen wir aufbauen. Auch im weiteren Entwick- lungsprozess werden wir alle Akteur*in- nen der Stadtgesellschaft zusammenbrin- gen, um an gemeinschaftlich getragenen Lösungen zu arbeiten. Denn die Zukunft der Innenstadt geht uns alle etwas an: Bewohner*innen, Besucher*innen, Eigen- tümer*innen und Gewerbetreibende. Jeder Mensch hat dabei seine eigene Perspektive auf die Innenstadt – und alle Perspektiven sollten sich in Darmstadts Stadtmitte wiederfinden. Dafür braucht es vielfältige Angebote, neue Orte und attraktive Anlässe. Lassen Sie uns diese zusammen entwickeln. Michael Kolmer Planungsdezernent 6 „Ich wünsche mir für Darmstadts Innenstadt, dass sie ein grüner, entspannter, diverser und diskri - minierungsfreier Ort wird, an dem sich Menschen gerne treffen, sich gerne aufhalten und ohne Kommerz zusammen feiern.“ Winfried Kändler Evangelisches Dekanat Darmstadt „Leerstände überwinden, die Innenstadt am Leben halten und teilweise wiederzubeleben – das sind die nächsten Herausforderungen unserer Innenstadt.“ Thilo Hanke Vorsitzender DEHOGA Darmstadt-Dieburg „Für die Darmstädter Innenstadt wünsche ich mir die Offenheit der Bürger*innen, Angebote anzu - nehmen, der eigenen Stadt eine Chance zu geben und so die Innenstadt mit ihrer eigenen Persön - lichkeit zu beleben.“ Alexander Gemeinhardt Direktor der Schader-Stiftung „Für die Darmstädter Innenstadt wünsche ich mir, dass sie wieder zu einem anregenden Ort zum Verweilen wird, in dem ich dann wieder gern meine Mittagspause und den Samstagvormittag verbringe. Wenn das dann breiten Bevölkerungs - schichten so geht, kommt die nötige Transforma - tion ganz von allein.“ Prof. Andreas Pfnür Leiter Fachgebiet Immobilienwirtschaft, TU Darmstadt „Am gemeinsamen Innenstadtentwicklungsprozess hat mich am meisten begeistert, dass es – mit Hil - fe vor allem des Oberbürgermeisters – gelungen ist, so viele verschiedene Akteure in dieses Projekt zu involvieren. Das Besondere an dem Innen - stadtentwicklungsprozess ist der Anspruch, viele verschiedene Wünsche, Erfordernisse und Gege - benheiten einzufangen und zu kanalisieren. Die Umsetzung der vielen guten Ideen erfordert viel Energie, finanzielle Mittel und nicht zuletzt den politischen Willen, auch große Ideen zu gestalten.“ Dr. Moritz Koch Vorsitzender Darmstadt Citymarketing e. V. „Das Besondere an dem Innenstadtentwicklungs - prozess ist, dass Akteure aus Wirtschaft, Wissen - schaft und Zivilgesellschaft einbezogen waren und wichtige Impulse für eine lebendigere Innenstadt formuliert wurden, wie z. B. die bessere Sicht - barkeit von Wissenschaft und Raumfahrt und die Belebung durch frische Ideen.“ Prof. Klaus-Michael Ahrend Vorstand Heag Holding AG Stimmen aus dem Entwicklungsprozess „Am gemeinsamen Innenstadtentwicklungsprozess hat mich am meisten die Vernetzung von Stake - holdern aus ganz unterschiedlichen Branchen be - geistert. Die nächsten Herausforderungen unserer Innenstadt werden darin bestehen, dem Leerstand entgegenzuarbeiten und die Aufenthaltsqualität zu erhöhen.“ Dr. Martin Faass Direktor Hessisches Landesmuseum Darmstadt „Das Besondere am Innenstadtentwicklungspro - zess ist das Ziel eines funktionalen Netzwerkes von Wohnen, Geschäften, Gastronomie und Kultur.“ Prof. Ludger Hünnekens Kulturreferent der Wissenschaftsstadt Darmstadt 7 Nieder-Ramstädter Straße Brandt-Platz Willy- Marion- Grä/f_in- Dönhoff-Platz Kasinostraße Riedeselstraße Sandstraße Hügelstraße Landgraf-Philipps-Anlage Hindenburgstraße Riedeselstraße Hügelstraße Rückertstraße Heinrichstraße Eschollbrücker Straße Heinrichstraße Rückertstraße Hoffmanstraße Mathildenstraße Martinstraße Hochstraße Hoffmannstraße Mathildenplatz Luisenplatz Wilhelminenplatz Wilhelm-Glässing-Straße Wilhelminenstraße Am Alten Landtag Heidelberger Straße Rheinstraße Neckarstraße Neckarstraße Heinrichstraße Hölgesstraße Schützenstraße Hölgesstraße Wilhelm-Glässing-Straße Ludwigsplatz Elisabethenstraße Schützenstraße Hügelstraße Wilhelminenplatz Weyprechtstraße Stauffenbergstraße Elisabethenstraße Hügelstraße Marienplatz Elisabethenstraße Georg-Büchner-Platz Kennedyplatz Adelungstraße Kröhweg Hügelstraße Sandstraße Riedeselstraße Elisabethenstraße Saalbaustraße Saalbaustraße Zimmerstraße Adelungstraße Rheinstraße Grafenstraße Grafenstraße Grafenstraße Kasinostraße Friedrichstraße Bleichstraße Bleichstraße Kasinostraße Saalbaustraße Gustav-Lorenz-Straße Bleichstraße Rheinstraße Wilhelminenstraße Wilhelminenstraße Luisenstraße Luisenstraße Schuchardstraße Zeughausstraße Mathildenplatz Hochschulstraße Gustav-Lorenz-Straße Schleiermacherstraße Wilhelm-Leuschner-Straße Sieboldstraße Julius-Reiber-Straße Bismarckstraße Hochschulstraße Magdalenenstraße Benglerweg Mauerstraße Merckstraße Magdalenenstraße Ballonplatz Karlstraße Soderstraße Landgraf-Georg-Straße Mühlstraße Kapellplatz Kirchstraße An der Stadtkirche Alexanderstraße Karlstraße Rundeturmstraße Adolf-Spieß-Straße Holzstraße Erich-Ollenhauer-Promenade Riedlingerstraße Woogsplatz Lindenhofstraße Alexanderstraße Pädagogstraße Mühlstraße Kapellplatz Karolinenplatz Mühlstraße Landgraf-Georg-Straße Hochstraße Am Kleinen Woog Kaplaneigasse Große Bachgasse Würthweg Kaplaneigasse Ludwigs- Schlossgraben passage Ludwigstraße Schustergasse Riedlingerstraße Hochstraße Kiesstraße Kirchstraße Ludwigstraße Ernst-Ludwigs-Platz Ernst-Ludwig-Straße Friedensplatz Karlstraße Schulstraße Hoffmannstraße Hoffmannstraße Kiesstraße Mathildenplatz Fraunhoferstraße Platz Nagasaki- Hiroshima- Wittmann- Hanne- Platz Karl- Roth-Platz Alexander-von-Humboldt-Platz Gagernstraße Das Regierungspräsidium ist Verwaltungszentrum des Regierungsbezirks Darmstadt und zeugt zugleich von Darmstadts langer Geschichte als politisches Zentrum Das Luisencenter, ein Bau der 1970er und 80er Jahre, beherbergt heute ein Shopping Center und das neue Bürger- und Ordnungsamt. Das Stadthaus steht seit dem Umzug des Bürger- und Ordnungsamts in das Luisen- center leer. Als Gebäude in städtischer Hand ist das Stadthaus ein Potenzialort für zukünftige Entwicklungen Das Staatstheater Darmstadt zeigt Opern, Tanz, Theater und Konzerte und hat eine über 200-jährige Tradition. Heute befindet es sich in einem ikonischen Bau der 1970er Jahre am Georg-Büchner-Platz. Seit der Umgestaltung der Grafenstraße hat sich hier ein lebendiger gastronomischer Hotspot entwickelt. HBF Die Innenstadt mit ihren repräsentativen Plätzen und Gebäuden sowie den bedeutenden Institutionen strahlt weit über ihre Grenzen hinaus - sie kann weit mehr als nur Shopping-Destination zu sein. Es gibt große kulturelle Institutionen wie das Staatstheater Darmstadt oder das Hessische Landesmuseum Darmstadt - eines der ersten öffentlichen Museen Deutschlands! Das Regierungspräsidium ist das politische Zentrum des Regierungsbezirks Darmstadt, der mehr als die Hälfte der Hessischen Bevölkerung umfasst. Mit der Technischen Universität Darmstadt (TU) und dem darmstadtium ist auch die Darmstädter Forschungslandschaft am Innenstadtrand vertreten. Süd-östlich des Luisenplatzes befinden sich mit Carree und Luisencenter sowie der Fußgängerzone der Shopping-Hotspot der Stadt. Darmstadts Innenstadt: das starke Herz einer starken Region Das Innenstadtkonzept 8 Nieder-Ramstädter Straße Brandt-Platz Willy- Marion- Grä/f_in- Dönhoff-Platz Kasinostraße Riedeselstraße Sandstraße Hügelstraße Landgraf-Philipps-Anlage Hindenburgstraße Riedeselstraße Hügelstraße Rückertstraße Heinrichstraße Eschollbrücker Straße Heinrichstraße Rückertstraße Hoffmanstraße Mathildenstraße Martinstraße Hochstraße Hoffmannstraße Mathildenplatz Luisenplatz Wilhelminenplatz Wilhelm-Glässing-Straße Wilhelminenstraße Am Alten Landtag Heidelberger Straße Rheinstraße Neckarstraße Neckarstraße Heinrichstraße Hölgesstraße Schützenstraße Hölgesstraße Wilhelm-Glässing-Straße Ludwigsplatz Elisabethenstraße Schützenstraße Hügelstraße Wilhelminenplatz Weyprechtstraße Stauffenbergstraße Elisabethenstraße Hügelstraße Marienplatz Elisabethenstraße Georg-Büchner-Platz Kennedyplatz Adelungstraße Kröhweg Hügelstraße Sandstraße Riedeselstraße Elisabethenstraße Saalbaustraße Saalbaustraße Zimmerstraße Adelungstraße Rheinstraße Grafenstraße Grafenstraße Grafenstraße Kasinostraße Friedrichstraße Bleichstraße Bleichstraße Kasinostraße Saalbaustraße Gustav-Lorenz-Straße Bleichstraße Rheinstraße Wilhelminenstraße Wilhelminenstraße Luisenstraße Luisenstraße Schuchardstraße Zeughausstraße Mathildenplatz Hochschulstraße Gustav-Lorenz-Straße Schleiermacherstraße Wilhelm-Leuschner-Straße Sieboldstraße Julius-Reiber-Straße Bismarckstraße Hochschulstraße Magdalenenstraße Benglerweg Mauerstraße Merckstraße Magdalenenstraße Ballonplatz Karlstraße Soderstraße Landgraf-Georg-Straße Mühlstraße Kapellplatz Kirchstraße An der Stadtkirche Alexanderstraße Karlstraße Rundeturmstraße Adolf-Spieß-Straße Holzstraße Erich-Ollenhauer-Promenade Riedlingerstraße Woogsplatz Lindenhofstraße Alexanderstraße Pädagogstraße Mühlstraße Kapellplatz Karolinenplatz Mühlstraße Landgraf-Georg-Straße Hochstraße Am Kleinen Woog Kaplaneigasse Große Bachgasse Würthweg Kaplaneigasse Ludwigs- Schlossgraben passage Ludwigstraße Schustergasse Riedlingerstraße Hochstraße Kiesstraße Kirchstraße Ludwigstraße Ernst-Ludwigs-Platz Ernst-Ludwig-Straße Friedensplatz Karlstraße Schulstraße Hoffmannstraße Hoffmannstraße Kiesstraße Mathildenplatz Fraunhoferstraße Platz Nagasaki- Hiroshima- Wittmann- Hanne- Platz Karl- Roth-Platz Alexander-von-Humboldt-Platz Gagernstraße An der Technischen Universität Darmstadt studiert die Hälfte der Darmstädter Studierenden, rund 25.000. UNESCO Welterbe Mathildenhöhe Darmstadt Der Cityring leitet den Verkehr um die Innenstadt herum und stellt dadurch auch eine Barriere für viele Menschen dar. Um die historische Stadtkirche herum gibt es ein Netz von gut genutzten Gässchen und kleinen Plätzen. Das historische Residenzschloss ist heute der Sitz von Kultureinrichtungen, Forschungsinstituten und Gastronomie. Das Hessische Landesmuseum Darmstadt ist ein Universalmuseum und eines der ältesten öffentlichen Museen in Deutschland. Das Luisencenter, ein Bau der 1970er und 80er Jahre, beherbergt heute ein Shopping Center und das neue Bürger- und Ordnungsamt. öffentliche Gebäude 9 So ist das Innenstadtkonzept entstanden: Die Meilensteine des Prozesses In einem einjährigen co-kreativen Verfahren wurde mit der Darmstäd- ter Stadtgesellschaft das Entwicklungskonzept Innenstadt erarbeitet. Dabei galt es, möglichst viele Perspektiven einzufangen: von Men- schen, die hier wohnen, arbeiten und einkaufen, sozial oder kreativ tätig sind, ein Geschäft betreiben, sich bilden und ihre Freizeit in der City verbringen. Von Online-Befragungen, Verwaltungsworkshops und Stakeholder-Sessions über die Zukunftswerkstatt bis hin zu Think Tanks und der Creators Night: Gemeinsam arbeiteten Bürger*innen, Politik, Verwaltung, Gewerbetreibende und weitere Innenstadt- akteur*innen an zukunftsweisenden Lösungen für die Innenstadt. Online-Beteiligung Verwaltungsworkshops & Stakeholdersessions Think Tank 1 Think Tank 2 In einer Reihe von Verwaltungsworkshops und Stakeholder Sessions wurden Menschen aus unterschiedlichen Fachbereichen, z.B. Kultur, Soziales, Mobilität, Jugendbildung etc. eingeladen, ihr Wissen über und ihre Vorschläge für die Innenstadt zu teilen. Über 1000 Personen nahmen mit mehr als 3500 Beiträgen an der einmonatigen Onlinebefragung teil. Das Innenstadtkonzept 10 Zukunftswerkstatt Creators Night Think Tank 4 Politischer Beschluss Eine Gruppe von über 40 Stakeholder*innen entwickelte im November insgesamt 8 Projekte für die Innenstadt, die sie anschließend als Modell selbst gebaut haben. Mehr als 150 Menschen diskutierten in der Zu- kunftswerkstatt, wie man auch in Zukunft noch Besucher*innen in die Innenstadt locken kann. Sie haben sich intensiv mit Vorschlägen und Ideen auseinander gesetzt, die als Ergebnis der ersten Co-Kreationsphase entstanden sind. Think Tank 3 Ein fester Kreis von etwa 25 zentralen Stakehol- der*innen wurde eingeladen, im Rahmen von vier Think Tanks am Innenstadtkonzept mitzuarbeiten. An Orten wie der Stadtkirche oder dem Stadthaus machte sich der Think Tank erst Gedanken über die zentralen Zukunftsfragen und Lösungsansätze und entwickelte später eigene Projektideen. 11 Der Innenstadtprozess im Detail - Projektfahrplan und Beteiligungsformate Das Entwicklungskonzept Innenstadt verfolgt den Ansatz, co-kreativ – also gemeinsam mit den Men- schen vor Ort – an der Zukunft der Darmstädter Innenstadt zu arbeiten. In einem einjährigen Ver- fahren eröffneten unterschiedliche Beteiligungs- formate den Darmstädter*innen die Möglichkeit, sich in den Prozess einzubringen. Sowohl online als auch in Werkstätten vor Ort waren Bürger*in- nen gefragt, ihre Expertise zu teilen. Um die spezifischen Sichtweisen von Gewerbetreibenden und weiteren relevanten Stakeholder*innen Innenstadtcheck: Grundlagenanalyse Mit dem Innenstadtcheck wird eine gemeinsame Wissensbasis für alle beteiligten Akteur*innen geschaffen. Im Fokus steht hierbei die Analyse der Innenstadt in Bezug auf ihre Funktionen, deren Mischung und räumlich-funktionalen Zusammen- hänge. Hierfür wurden vorhandene Unterlagen, wie Analysen, Kennzahlen und Gutachten ausge- wertet, und mit aktuellen Trends und Entwicklun- gen abgeglichen. Darüber hinaus fand eine eigene Stadtraumanalyse in Kombination mit Hinter- grundgesprächen statt. Nicht zuletzt flossen die Ergebnisse der öffentlichen Online-Umfrage und weiteren Beteiligungsformaten in den Innenstadt- check mit ein. Entwurfsphase: Vision, Projekte und Raumbild Die Erkenntnisse aus dem Innenstadtcheck bilden zusammen mit den Ergebnissen aus der Beteili- gung die Grundlage für einen Innenstadtkonzept- entwurf. Dieser beinhaltet folgende Teilaspekte: • Benennung von strategischen Zielen und Handlungsansätzen, • Beschreibung von Schlüsselprojekten und Sofortmaßnahmen zur Zielerreichung, • Zielbild in Form eines Plans (Raumbild), ergänzt um eine narrativ-illustrierte Vision der Innenstadt, • Vorschläge für eine Governance-Struktur (Steuerungs- und Regelsystem) sowie Empfehlungen zu Umsetzungsinstrumenten. einzufangen, waren diese eingeladen, die Zukunft der Innenstadt in Think Tanks und Stakeholder- workshops zu diskutieren. Der Prozess setzt sich aus zwei aufeinander folgenden Co-Kreations- Phasen zusammen. In einem ersten Schritt identi- fizierten die Beteiligten zunächst die wichtigsten Fragen und Problemlagen der Innenstadt (Innen- stadtcheck), um dann in der anschließenden Entwurfsphase an konkreten Lösungen und Pro- jekten für die Innenstadt zu arbeiten. Bürger*innen Onlinebeteiligung Kinder- und Jugendumfrage EntwurfsphaseInnnenstadt-Check Umsetzung Verwaltung und andere Stakeholder Think Tank März 2022 Think Tank 1 Verwaltungs- workshop Creators Night Verwaltungsumfrage Zukunftswerkstatt Think Tank 2 Think Tank 3 Think Tank 4 Stakeholder Workhshops Juli Oktober Januar 2023 Der Prozessfahrplan Das Innenstadtkonzept 12 Bürger*innen-Beteiligung Als fester Bestandteil des Prozesses erfolgte eine Einbindung der Bürgerschaft zu bestimmten Fragestellungen der Innenstadtentwicklung. In zwei Dialog- und Co-Kreations-Phasen wurde der Prozess geöffnet und die Stadtgesellschaft einge - laden, sich intensiv mit den zentralen Fragestellun- gen und auch mit möglichen Antworten auseinan- derzusetzen. Online-Beteiligung Einen Monat lang konnten Interessierte zu den fol- genden Fragen Orte in der Darmstädter Innenstadt auf einer Karte markieren und kommentieren: • Welcher Ort soll so bleiben? • Welcher Ort soll sich ändern? • Was fehlt noch komplett? Über 1000 Personen nahmen mit mehr als 3500 Beiträgen an der Umfrage teil, die in den Stadt- check eingeflossen sind. In Ergänzung zur Online-Beteiligung wurde im Februar 2023 eine Kinder- und Jugend befragung durchgeführt, deren Ergebnisse in die Projekte mit eingeflossen sind. Zukunftswerkstatt Im September 2022 fand die Zukunftswerkstatt für Bürger*innen statt. Hier ging es um die Frage, warum wir auch noch morgen und übermorgen in die Darmstädter Innenstadt kommen sollen. Über 150 Darmstädter*innen haben die Gelegenheit ge- nutzt und kamen ins Foyer des neuen Bürger- und Ordnungsamtes im Luisencenter. Sie haben sich intensiv mit Vorschlägen und Ideen auseinander gesetzt die als Ergebnis der ersten Co-Kreations- phase entstanden sind und wesentliche Themen für die weitere Entwicklung herausgearbeitet. Kinder- und Jugendbeteiligung: forschende Innenstadtspaziergänge Besucher*innen der Zukunftswerkstatt diskutieren über die Zukunft ihrer Stadt 13 Verwaltung und andere Stakeholder*innen Um auch ganz spezifische Sichtweisen, etwa von Gewerbetreibenden, Akteur*innen aus kulturellen und sozialen Institutionen oder von Schlüssel- personen der Verwaltung einzufangen, wurden gezielt Think Tanks mit Stakeholder*innen sowie Online-Workshops mit verschiedenen Fokusgruppen durchgeführt. Die Creators Night Auf der Creators Night im November 2022 entwi- ckelte eine Gruppe von über 40 Stakeholder*innen konkrete Projektideen für die Innenstadt. Die Teil- nehmenden wurden zu Gruppen zusammengewür- felt und erarbeiteten dann anhand von Leitfragen zukunftsweisende Projekte für die Innenstadt. Teil der Aufgabe war es, ein Modell des Projekts zu bauen. Nachdem die Gruppen die Modelle und Projektideen präsentiert hatten, stimmten die Teilnehmenden ab, welche Gruppe einen von insgesamt fünf Preisen erhalten sollte. Die Preis- kategorien: „Quick Win“, „Game Changer“, „Mehr DA geht nicht“, „Unmöglich aber Cool“ und „Crea- tors Choice Award“. Den Hauptpreis des Abends, der Creators Choice Award ging an die Gruppe „Darmstadt Mittendrin“, die mit ihrem Projekt einen zentralen Ort für die Zivilgesellschaft vor- stellte: Über mehrere Stockwerke hinweg finden an zentraler Stelle Kultur, Zivilgesellschaft und Stadt- politik einen Ort für Austausch und gemeinsames „Stadtmachen“. Einbeziehung der Verwaltung Zur Erarbeitung eines tragfähigen und umsetz- baren Entwicklungskonzepts für die Darmstädter Innenstadt, wurden frühzeitig die für den Prozess wesentlichen Ämter einbezogen. In mehreren Online-Workshops begleiteten Vertreter*innen der Verwaltung die Entwicklung des Innenstadtkon- zepts. In einem „Call to Action“ wurden die Ämter darüber hinaus aufgefordert weitere Projektvor- schläge für die Zukunft der Darmstädter Innen- stadt einzureichen. Impressionen der Creators Night im Stadthaus Das Innenstadtkonzept 14 Impressionen der Creators Night im Stadthaus Impressionen der Think Tanks im Stadthaus und der Stadtkirche Think Tank Innenstadt Ein fester Kreis von etwa 25 zentralen Innenstadt- akteur*innen wurde eingeladen, sich im Rahmen von vier Innenstadt-Workshops intensiv auszutau- schen und unter Anleitung schrittweise die kon- zeptionellen Grundlagen und Inhalte des Projekts zu erarbeiten. Während der erste und letzte Think Tank digital stattfanden, wurde der zweite Termin in der Stadtkirche abgehalten. Zum dritten Work- shop versammelten sich die Teilnehmenden im alten Stadthaus. An diesen zentralen Orten in der Innenstadt machte sich der Think Tank zunächst Gedanken über die zentralen Zukunftsfragen für die Innenstadt und entwickelte erste Lösungsan- sätze für die drängendsten Probleme. Anschlie- ßend wurden auch hier – wie bei der Creators Night – konkrete Projektideen formuliert. Die Projektsteckbriefe beschäftigten sich mit Fragen zur Finanzierung, wichtigen Meilensteinen oder Akteur*innenkonstellationen. 15 Der Ansatz: Darmstadts Innenstadtversprechen neu definieren 16 Ausgangspunkt und roter Faden des Innenstadt-Konzepts ist das Innenstadtversprechen. So wie eine Stadt im Ganzen ein „Stadtversprechen“ in sich trägt – zum Beispiel auf Entfaltungsmöglichkeiten, Teilhabe oder urbane „Erlebnisvielfalt“ – so trägt auch eine Innenstadt ein „Innenstadt- Versprechen“ in sich. Es sind die zentralen Orte der Städte, Orte an denen die Zivilgesellschaft zusammen kommt, Politik und Geschäfte gemacht werden, hier wird gewohnt, gearbeitet, gelebt. Geraten die Säulen, die dieses Versprechen tragen, jedoch aus dem Gleichgewicht, müssen wir neu definieren was eine Innenstadt für uns leisten soll und mit welchen konkreten Maßnahmen wir gegensteuern. 17 Der Ausgangspunkt: Die sechs Säulen, die das Innenstadtversprechen tragen Das Innenstadtversprechen gliedert sich in sechs Säulen auf, die sich aus dem Konzept der sogenannten Daseins-Grundfunk- tionen ableiten – Bedürfnissen wie Wohnen, Versorgung, Bildung etc., die Menschen ganz allgemein haben. Sie alle sollten sich in einer europäischen Innenstadt realisieren lassen. Hier wird ein idealisiertes Bild des Innenstadtversprechens beschrieben, wie es so nicht existiert oder existiert hat. Jede (Innen-)Stadt besitzt für sie typische Ausprägungen der Säulen, die in ihrer sozialräumlichen und funktionalen Gliederung, der geschichtlichen Entwicklung und Identität begründet liegen. Die Innenstadt als Drehscheibe und Verkehrsknoten (Mobilität) Die Innenstadt als Ort der Arbeit und der Produktion Die Innenstadt ist der zentrale Knoten des Mobilitätssystems der Stadt. Sie ist Start-, Ziel- und Umsteigepunkt für unter- schiedlichste Formen von Mobilität, vom ÖPNV, Fuß- und Radverkehr bis hin zum motorisierten Individualverkehr. Die Innen- stadt muss vielfältigen Ansprüchen genü gen und Konflikten vorbeugen. Die Innenstadt ist ein wichtiger Ort der Arbeit und Produktion – für verschiedene Branchen und nicht nur für die im Handel Tätigen. Hier werden Geschäfte gemacht, hier konzentrieren sich Dienstleistungen und Unternehmen. Das Innenstadtversprechen 18 Die Innenstadt als Ort des Handels und der Versorgung Die Innenstadt als Ort der Bildung, Teilhabe und Repräsentation Die Innenstadt als Ort der Kultur, der Freizeit und des Freiraums Die heutigen Innenstädte sind historisch gewachsene, besondere Wohnorte. Erst aus der Dichte ihrer Bewohnerschaft und Arbeitsstätten konnte sich die Grundstruk - tur der City bilden. Es gibt die Erwartung und Hoffnung vieler Menschen auf ein ge - wisses Maß an Alltagsleben zu verschiede - nen Tageszeiten auch in der City. Die Innenstadt ist ein Ort der Kultur, der Muße und der Gemeinschaftlichkeit. Hier gibt es große Museen und Theater, man kann zu fast allen Tageszeiten essen, trin- ken, sich auf Plätzen und in Grünanlagen treffen und Zerstreuung finden. Die Innenstadt ist der zentrale Ort des Han - dels und der Versorgung in der Stadt. Hier bekommt man alles, was eine Stadt bieten sollte – insbesondere die Dinge, die über den täglichen Bedarf hinausgehen. Das Sor - timent und die Breite des Warenangebots spiegeln den Wohlstand der Stadt wider. Die Innenstadt ist ein Ort der Bildung, Teilhabe und Repräsentation – auf politi- scher wie individueller Ebene. Hier trifft die Stadtgesellschaft aufeinander. Es werden wichtige, politische Entscheidungen ge - troffen, hier zeigt und trifft man sich zum privaten, geschäftlichen oder politischen Austausch. Schulen oder Universitäten setzen die Grundlagen für die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Die Innenstadt als Ort des Wohnens 19 Wie sich die Ausprägung der Säulen über die Zeit verschoben hat Industrialisierung und Citybildung – die Stadt um 1900 Die Industrialisierung ließ auch Darmstadt wachsen und führte zu grundlegen- den Veränderungen in der Innenstadt. Die stei- gende wirtschaftliche Bedeutung der Innenstädte führte zur erhöhten Nachfrage nach Geschäften, Banken, Büros und Bildungseinrichtungen. Dies führte zu Veränderung des städtischen Boden- markts und zur Herausbildung eines zentralen Geschäftsbezirks (Citybildung) und Gründerzeit- wohnvierteln wie dem Martinsviertel. Während sich der Einzelhandel in Form von Ladengeschäften, Passagen und Kaufhäusern in den Innenstädten etablierte, wurden kleinere Gewerbe- und Hand- werksbetriebe schrittweise aus dem Zentrum ver- drängt. Auch die Wohnnutzung begann unter den problematischen Verhältnissen in der mittelalter- lichen Innenstadt zu bröckeln. Der Handel wankt und neue Konzepte finden ihren Platz – die 80er und 90er Jahre Die hohe Nachfrage nach Citylagen führ- te zu immer höheren Immobilienpreisen, die in zunehmendem Maße nur noch von finanzkräfti- gen Filialisten und Dienstleistenden aufgebracht werden konnten. Mit dem umstrittenen Neubau des Luisencenters bekam die Innenstadt ihr erstes Shoppingcenter. Gleichzeitig zog sich die Verwal- tung aus der Innenstadt zurück. Übrig blieb eine monofunktionale Stadtmitte, die sich vorrangig auf den Konsum und den Einzelhandel fokussierte. Dies macht die Darmstädter Innenstadt anfällig für Veränderungen im Einzelhandel, wie sie heute auftreten. Wiederaufbau einer modernen Stadt – die Nachkriegszeit der 1950er/60er Jahre Nach dem Zweiten Welt- krieg lag auch Darm- stadt in Trümmern. Einige der repräsentativen Ge- bäude wurden wieder aufgebaut, viele Wohnbauten wurden hingegen zugunsten von Straßendurch- brüchen abgerissen und in modernen Formen neu errichtet. In der Innenstadt lag der Fokus auf dem Handel, der Versorgung und dem Konsum, wäh- rend andernorts reine Wohnviertel, Gewerbegebie- te oder Naherholungsbereiche geschaffen wurden. Über Jahrhunderte hielten die Städte das Verspre- chen einer lebendigen und vielseitigen Innenstadt intakt. Was heute Innenstadt oder Altstadt ist, war vor der Industrialisierung meist die gesamte Stadt - so auch in Darmstadt. Hier, innerhalb der Stadtmauern, befanden sich sämtliche Nutzungen und Angebote, die die Stadt zu bieten hatte. Hier wurde auf engstem Raum gewohnt, gearbeitet, regiert, gehandelt und gebetet. Mit dem enormen Wachstum der Städte während der Industrialisie- rung begannen erste Tendenzen der räumlichen Ausdifferenzierung und Funktionsteilung. Spä- testens seit der Moderne und dem Wiederaufbau dominierten Trends zur Monokultur – Handel und Dienstleistungen bestimmten zusehends das Bild der Innenstädte. Das Innenstadtversprechen 20 Altstadt und ihre Erweiterungen. Darmstadt um 1850 Der Marktplatz um 1900 Die Mollerstadt wird als Stadterweiterung gebaut. Darmstadt wächst und wird nach Westen erweitert. Luisenplatz, Mathildenplatz und Rheinstraße werden angelegt. Nach der Teilung Hessens wird Darm- stadt zur Residenzstadt. Das Schloss wird zur Renaissanceanlage ausgebaut. Die Industrialisierung sorgt für ein enormes Wachstum. Große Unterneh- men wie Merck werden gegründet und die Stadt dehnt sich weiter aus. Darmstadt litt unter schweren Zerstö- rungen im Zweiten Weltkrieg. Die re- präsentativen Gebäude wurden wieder aufgebaut, während Teile der Altstadt zugunsten einer veränderten Straßen- führung abgebrochen wurden. Dennoch behielt Darmstadt seine Straßenbahn. Eröffnung Luisencenter & Citytunnel Eröffnung Centralstation Eröffnung Bürger- und Ordnungsamt im Luisencenter ab 1945 1977 1999 2022 1810 1715 1567 1850 Darmstadt ist eine florierende Stadt des Handels, der Industrie und der Kunst so- wie Regierungssitz. 1901 findet die erste Ausstellung der Künstlerkolonie unter dem Titel „Ein Dokument deutscher Kunst“ auf der Mathildenhöhe statt. In dieser Zeit entstehen viele der repräsen- tativen Gebäude der Stadt, während die Altstadt zusehends vernachlässigt wird. Der erste Weltkrieg und die Wirtschafts- krise bedeuten für Darmstadt eine Stagnation der Entwicklung. 1901 1920 Wiederaufbau in Darmstadt. Die 50er Jahre Centralstation im Carree. Darmstadt heute Meilensteine der Innenstadtentwicklung 21 Nieder-Ramstädter Straße Brandt-Platz Willy- Marion- Grä/f_in- Dönhoff- Platz Kasinostraße Riedeselstraße Sandstraße Hügelstraße Landgraf-Philipps-Anlage Hindenburgstraße Riedeselstraße Hügelstraße Rückertstraße Heinrichstraße Heinrichstraße Rückertstraße Hoffmanstraße Mathildenstraße Martinstraße Hochstraße Hoffmannstraße Mathildenplatz Luisenplatz Riedeselstraße Wilhelminenplatz Wilhelm-Glässing-Straße Wilhelminenstraße Am Alten Landtag Heidelberger Straße Rheinstraße Neckarstraße Neckarstraße Heinrichstraße Hölgesstraße Schützenstraße Hölgesstraße Wilhelm-Glässing-Straße Ludwigsplatz Elisabethenstraße Schützenstraße Hügelstraße Wilhelminenplatz Dr. Valentin Degen Weg Weyprechtstraße Stauffenbergstraße Elisabethenstraße Hügelstraße Marienplatz Elisabethenstraße Georg-Büchner-Platz Kennedyplatz Adelungstraße Kröhweg Hügelstraße Sandstraße Riedeselstraße Elisabethenstraße Saalbaustraße Saalbaustraße Zimmerstraße Adelungstraße Rheinstraße Grafenstraße Grafenstraße Grafenstraße Kasinostraße Friedrichstraße Bleichstraße Bleichstraße Kasinostraße Saalbaustraße Gustav-Lorenz-Straße Bleichstraße Rheinstraße Wilhelminenstraße Luisenstraße Luisenstraße Schuchardstraße Zeughausstraße Mathildenplatz Hochschulstraße Gustav-Lorenz-Straße Schleiermacherstraße Wilhelm-Leuschner-Straße Sieboldstraße Julius-Reiber-Straße Bismarckstraße Hochschulstraße Bismarckstraße Bismarckstraße Magdalenenstraße Benglerweg Mauerstraße Merckstraße Magdalenenstraße Ballonplatz Karlstraße Soderstraße Landgraf-Georg-Straße Mühlstraße Kapellplatz Kirchstraße An der Stadtkirche Alexanderstraße Karlstraße Rundeturmstraße Adolf-Spieß-Straße Holzstraße Erich-Ollenhauer-Promenade Riedlingerstraße Döngesborngasse Woogsplatz Lindenhofstraße Alexanderstraße Pädagogstraße Mühlstraße Kapellplatz Karolinenplatz Mühlstraße Landgraf-Georg-Straße Hochstraße Am Kleinen Woog Kaplaneigasse Große Bachgasse Würthweg Kaplaneigasse Ludwigs- Schlossgraben Schustergasse passage Ludwigstraße Schustergasse Riedlingerstraße Hochstraße Kiesstraße Kirchstraße Ludwigstraße Ernst-Ludwigs-Platz Ernst-Ludwig-Straße Friedensplatz Karlstraße Schulstraße Hoffmannstraße Hoffmannstraße Kiesstraße Mathildenplatz Fraunhoferstraße Platz Nagasaki- Hiroshima- Wittmann- Hanne- Platz Karl- Roth- Platz Alexander-von-Humboldt-Platz Gagernstraße Jüngste Entwicklungen in der Innenstadt Umgestaltung Rheinstraße Neugestaltung Grafenstraße In den letzten Jahren hat sich bereits einiges in Darmstadts Stadtzentrum getan. Die Maßnahmen konzentrieren sich jedoch um das Schloss herum, während sich die Innenstadt selbst in den letzten Jahren kaum verändert hat. Die Maßnahmen umfassen die Aufwertung öffentlicher Räume oder die Etablierung neuer Nutzungen in alten Strukturen. In der Grafenstraße etwa hat die Erhöhung der Aufenthaltsqualität die Straße zu einem neuen gastronomischen Ziel werden lassen, während die Umgestaltung des Schlossgrabens, Friedensplat- zes und Ernst-Ludwigs-Platzes ganz neue Freiräu- me eröffnen und alte verbessern konnte. Auch im Schloss selbst stehen Veränderungen an: Die neue Schlosskirche wird zu einem Veranstaltungsort für die Hochkultur und nach Abschluss der Gebäude- sanierung und Herrichtung des Schlossgrabens zu einer öffentlichen Parkanlage wird die Universität zusätzliches Leben ins alte Schloss hauchen. Mit der Freilegung des Darmbachs fließt nun auch Wasser durch die Stadt, wenn auch nur am Rande und auf kurzer Strecke. Im Bereich der Mobilität zeigen sich erste Änderungen auf der Rheinstra- ße, wo die Fahrradinfrastruktur ausgebaut wird, und auch auf dem Paliplatz, wo aus dem großen Parkplatz ein öffentlicher Aufenthaltsort mit Mo- bilitätshub-Funktion entsteht. Die Sanierung von Waben + Umfeld und Hexagon sorgen dafür, dass auch erhaltenswerte Gebäude aus der Epoche der Nachkriegsmoderne als bauliches Erbe der Stadt weiter genutzt werden können. Die Öffnung der Stadtkirche als gesellschaftlicher, interkultureller Treffpunkt und Veranstaltungsort erzeugt einen gemischt genutzten Ort, der das Potenzial hat zum gesellschaftlichen Kristallisationspunkt in der Innenstadt zu werden. Mit der kürzlich an- gekündigten Schließung der Kaufhof-Filiale am Weißen Turm für 2024 wird ein wichtiger Anker des Einzelhandels verschwinden. Für diesen pro- minenten Standort müssen intelligente Nachnut- zungskonzepte entwickelt werden. Eine spannende Änderung hat sich im Luisencenter ergeben: das Bürger- und Ordnungsamt zog aus dem Stadthaus hier her und bringt damit wieder mehr städtische Verwaltung mit Publikumsverkehr in die Stadtmitte. Eröffnung Bürger- und Ordnungsamt Das Innenstadtversprechen 22 Nieder-Ramstädter Straße Brandt-Platz Willy- Marion- Grä/f_in- Dönhoff- Platz Kasinostraße Riedeselstraße Sandstraße Hügelstraße Landgraf-Philipps-Anlage Hindenburgstraße Riedeselstraße Hügelstraße Rückertstraße Heinrichstraße Heinrichstraße Rückertstraße Hoffmanstraße Mathildenstraße Martinstraße Hochstraße Hoffmannstraße Mathildenplatz Luisenplatz Riedeselstraße Wilhelminenplatz Wilhelm-Glässing-Straße Wilhelminenstraße Am Alten Landtag Heidelberger Straße Rheinstraße Neckarstraße Neckarstraße Heinrichstraße Hölgesstraße Schützenstraße Hölgesstraße Wilhelm-Glässing-Straße Ludwigsplatz Elisabethenstraße Schützenstraße Hügelstraße Wilhelminenplatz Dr. Valentin Degen Weg Weyprechtstraße Stauffenbergstraße Elisabethenstraße Hügelstraße Marienplatz Elisabethenstraße Georg-Büchner-Platz Kennedyplatz Adelungstraße Kröhweg Hügelstraße Sandstraße Riedeselstraße Elisabethenstraße Saalbaustraße Saalbaustraße Zimmerstraße Adelungstraße Rheinstraße Grafenstraße Grafenstraße Grafenstraße Kasinostraße Friedrichstraße Bleichstraße Bleichstraße Kasinostraße Saalbaustraße Gustav-Lorenz-Straße Bleichstraße Rheinstraße Wilhelminenstraße Luisenstraße Luisenstraße Schuchardstraße Zeughausstraße Mathildenplatz Hochschulstraße Gustav-Lorenz-Straße Schleiermacherstraße Wilhelm-Leuschner-Straße Sieboldstraße Julius-Reiber-Straße Bismarckstraße Hochschulstraße Bismarckstraße Bismarckstraße Magdalenenstraße Benglerweg Mauerstraße Merckstraße Magdalenenstraße Ballonplatz Karlstraße Soderstraße Landgraf-Georg-Straße Mühlstraße Kapellplatz Kirchstraße An der Stadtkirche Alexanderstraße Karlstraße Rundeturmstraße Adolf-Spieß-Straße Holzstraße Erich-Ollenhauer-Promenade Riedlingerstraße Döngesborngasse Woogsplatz Lindenhofstraße Alexanderstraße Pädagogstraße Mühlstraße Kapellplatz Karolinenplatz Mühlstraße Landgraf-Georg-Straße Hochstraße Am Kleinen Woog Kaplaneigasse Große Bachgasse Würthweg Kaplaneigasse Ludwigs- Schlossgraben Schustergasse passage Ludwigstraße Schustergasse Riedlingerstraße Hochstraße Kiesstraße Kirchstraße Ludwigstraße Ernst-Ludwigs-Platz Ernst-Ludwig-Straße Friedensplatz Karlstraße Schulstraße Hoffmannstraße Hoffmannstraße Kiesstraße Mathildenplatz Fraunhoferstraße Platz Nagasaki- Hiroshima- Wittmann- Hanne- Platz Karl- Roth- Platz Alexander-von-Humboldt-Platz Gagernstraße Umgestaltung Altstadtanlage Öffnung Stadtkirche Angekündigte Schlie- ßung des Kaufhof Neubau International House Öffnung Schlossgraben Sanierung Schloss Sanierung Hexagon Umgestaltung Friedensplatz Freilegung Darmbach Projekt in Planung Kultur, Freizeit und Freiraum Projekt in Umsetzung Mobilität und Verkehr Umgesetztes Projekt Bildung, Teilhabe und Repräsentation Handel und Versorgung Sanierung Ernst-Ludwigs-Platz Umgestaltung Pali(park)platz 26.08.2020 Stadtplanungsamt Darmstadt | 536_Paliplatz | Fahrradparken | 10 BILD 2 Sanierung Waben + Umfeld 23 Wo drückt der Schuh? Der Innenstadtcheck 24 Um zu verstehen, wo angesetzt werden muss, um das Stadtversprechen neu zu definieren, wurde Darmstadts Stadtmitte einem „Innenstadtcheck“ unterzogen. Dabei wurden für jede der sechs Säulen des Innenstadtversprechens gemeinsam mit der Stadtgesellschaft Chancen, Risiken und Zukunftsfragen formuliert, die Problemlagen und Lösungsansätze in den Fokus richten. Die Zukunftsfragen dienen als Leitschnur für die weitere Entwicklung von Zielen und Zukunftsprojekten, die die Säulen des Innenstadtversprechens wieder in Einklang bringen werden. 25 Innenstadt Die Erkenntnisse aus dem Stadtcheck: So steht Darmstadt heute da Arbeitsort und neue Formen des Arbeitens und Produzierens finden sich hier kaum. Die Innen- stadt verfügt über eine weiträumige Fußgänger- zone und bietet zugleich eine optimale Vernetzung mit zentralen ÖPNV Knotenpunkten am Luisen- platz und Schloss, sowie Parkmöglichkeiten direkt unter der Fußgängerzone. Die Untertunnelung stellt Barrieren für die weitere Entwicklung dar. Die öffentlichen Räume sind nicht zuletzt des- halb durch viel Grau und versiegelte Flächen geprägt. Obwohl in der Innenstadt auch gewohnt wird ist die Wohnfunktion in den umliegenden Vierteln dominanter. Insgesamt sind die Säulen des Innenstadtversprechens in und um die Innen- stadt herum gut ausgeprägt und Darmstadt ist in einer guten Ausgangslage. Dennoch sind die Nutzungen räumlich und funktional noch zu stark voneinander getrennt wodurch sich keine Syn- ergien ergeben können. Was Darmstadt braucht sind spannende Orte die an den Schnittstellen der Säulen liegen und auch räumlich die Barrieren zur restlichen Stadt abbauen. Die Säulen sind insgesamt gut ausgeprägt aber der Handel dominiert die Innenstadt, mit den anderen Nutzungen gibt es kaum Schnittmengen. Das Zentrum Darmstadts besitzt viele Qualitäten: große Kultureinrichtungen, regionale Verwaltung, ein breites Einzelhandelsangebot. Doch langsam wird sichtbar, dass die Innenstadt der Entwick- lung der Gesamtstadt hinterher hinkt und auf große gesellschaftliche Trendwenden nicht aus- reichend vorbereitet ist. Legt man das Innenstadtversprechen zugrunde, zeichnet sich für Darmstadt ein gemischtes Bild ab: Der Einzelhandel ist die dominierende Funk- tion der Innenstadt. Er funktioniert an und für sich gut, dennoch lassen sich erste Abwärtstendenzen z.B. durch hohe Fluktuation und erste Leerstän- de beobachten. Um die Innenstadt herum bieten insbesondere das Staatstheater, das Hessische Landesmuseum, das darmstadtium und die TU Darmstadt vielfältige kulturelle und wissenschaft- liche Angebote. Sie bieten großes Potenzial für die Innenstadt, bisher gibt es jedoch noch zu wenig Schnittpunkte. Abgesehen vom Einzelhandel und der Verwaltung ist die Innenstadt kein klassischer Mobilität Arbeit und Produktion Handel und Versorgung Bildung, Teilhabe und Repräsentation Kultur, Freizeit und Freiraum Wohnen Der Innenstadtcheck 26 Wo gibt es Raum für New Work und neue Formen der Produktivität? Wo kann die Innen- stadt grüner und blauer werden? Wie können der Erlebnischarakter und die Aufent- haltsqualität der Rheinstraße erhöht werden? Wie können Kultur- und Wissenschafts- einrichtungen die Innenstadt beleben? Wie gelingt der Brückenschlag zum Welterbe Mathildenhöhe? Ist es sinnvoll, mehr Wohnen in die Innenstadt zu bringen und wenn ja, wo? Wie können Menschen aus dem Umland einfach und nachhaltig in die Innenstadt kommen? Wie kann die Trennwirkung des Cityrings minimiert werden? Wie kann der innerstädtische Radverkehr besser integriert werden? Wie kann der Luisenplatz entschärft werden? Wo kann man sogenannte „Dritte Orte“ schaffen, in denen sich Arbeit, Freizeit und Alltag überblenden? Wie kann mehr Regionalität, z.B. durch regionale Produkte, in die City kommen? Was kommt nach den großen Kaufhäusern? Wie können die zentralen Einkaufsstraßen als Erlebnisräume attraktiver werden? Wie kann das Luisencenter weiterentwickelt werden? Wie kann man Leerstände erfassen und systematisch weiter nutzen? Wo kann / muss Klimaanpassung zum Gestaltungs- faktor werden? Wo lassen sich Räume und Angebote für Kinder und Jugendliche schaffen? Die wichtigsten Zukunfts- fragen für die Innenstadt Aus den Ergebnissen des Innenstadtchecks wur- den Zukunftsfragen abgeleitet, die für die Entwick- lung der Innenstadt entscheidend sind. Sie wurden mit den Teilnehmenden in den Beteiligungsveranstaltungen diskutiert. Diese Zukunftsfragen wurden von den Beteiligten für am wichtigsten befunden: Wie kann sich die kulturelle Vielfalt der Stadt in der Innenstadt abbilden? Könnte es in Darmstadt eine lebhafte Bibliothek nach skandina- vischem Vorbild geben? Und wo? Wo können kreative Freiräume niedrigschwellig verfügbar gemacht werden? 27 Darmstadt besitzt eine klassische Shopping-City, die geprägt ist von der Dominanz des Einzelhandels. Dies wird durch die Fußgängerzone unterstützt, die fast die gesamte Innenstadt umfasst. Obwohl der Einzelhandelsstandort insgesamt noch gut funktioniert, lassen sich lokal erste Abwärtstendenzen und Fluktuationsraten beobachten. Die anstehende Schließung eines ersten großen Kaufhauses stellt ein zusätzliches Risiko für den Einzelhandelsstandort Innenstadt dar. Die Innenstadt als Ort des Handels und der Versorgung Die Innenstadt ist das pulsierende Zentrum für Handel und Versorgung und strahlt dabei weit über die Grenzen der Stadt hinaus. Hier befinden sich die großen Kaufhäuser wie Galeria sowie Supermärkte und klassische Filialisten. Zeitgenössische Angebote wie eine moderne Markthalle im Carree mit einem vielfältigen gastronomischen Angebot konnte sich wirtschaft- lich leider nicht dauerhaft etablieren. Die Schulstraße bietet mit ihren inhabergeführten Geschäften ein Alleinstellungsmerkmal und wird durchweg positiv bewertet, sowohl hinsichtlich des Warenangebots als auch der Einkaufsatmosphäre. Auch als Gesundheitsstandort ist die Innenstadt von Bedeutung. Hier befinden sich zahlreiche Facharztzentren sowie das regional bedeutende Klinikum Darmstadt. Die Mollerstadt fällt durch ihre hohe Nutzungs- mischung auf. Auch hier befinden sich in den Erdgeschossen viele Geschäfte, Restaurants und Dienstleister, während in den oberen Etagen häufig gewohnt wird. Die Passantenfrequenz ist hier jedoch deutlich niedriger als im Bereich der Fußgängerzone. 1 2 3 4 Innenstadt Der Innenstadtcheck 28 1 24 Luisencenter Marktplatz Klinikum Darmstadt 3 Handel und Versorgung (signifikanter Anteil) Kaufhaus, Center, Passage Parken Klinikum Premiumlage Apotheke / Hausarzt Fußgängerzone Supermarkt, Discounter, Drogerie Wochenmarkt 29 Wo drückt der Schuh? Der Handel in der Innenstadt steht vor einer gro- ßen Transformation, nicht zuletzt durch den On- linehandel, die coronabedingten Ausfälle sowie die zu erwartenden Konsequenzen aus der derzeitigen Energie- und Wirtschaftskrise. Auch wenn das Warenangebot in der Innenstadt noch zufrieden- stellend ist, zeichnen sich mit ersten Leerständen Abwärtstendenzen ab. Dort, wo der Handel zurück weicht, ergeben sich Chancen für eine vielfältigere Innenstadt. Es braucht neue Konzepte und An- ziehungspunkte – auch im konsumfreien Bereich – die diese Lücken füllen. Auch wenn der Handel ein wichtiges Element der Innenstadt bleibt, wird Handel, der nur die Versor- gungsfunktion anspricht, zukünftig weniger Bedeu- tung haben als bisher. In Zukunft müssen Einkaufen und (Stadt-)Erlebnis verknüpft werden, was sowohl neue Formate des Handels, als auch ein Zusam- menspiel zwischen den Handelsangeboten und der Qualität der öffentlichen Räume, erfordert. Wichti- ger wird künftig das Erproben von zukunftsweisen- den Nutzungen und das Schaffen von Schnittstellen zwischen dem Stadterlebnis vor Ort und den Ange- boten und Möglichkeiten der Online-Sphäre. Die Vielfalt heutiger Einkaufsbedürfnisse, die unterschiedliche Lebensstilgruppen mitbringen, wird in der Innenstadt nicht mehr vollständig ab- gedeckt und immer stärker vom Online-Handel be- dient. Insbesondere die „neue Einzelhandelswelt“ – in Form von aktuellen Markenstores und neuen hybriden Formaten von Handel, Aufenthalt, Kultur und Gastronomie ist in Darmstadt noch nicht aus- reichend verankert. So könnten z. B. bestimmte Orte und Bereiche identifiziert werden, in denen gezielt neue Formate ausprobiert werden könnten. Große Veranstaltungen wie das Heinerfest, das Schlossgrabenfest und der Weihnachtsmarkt sowie kleinere Events wie bspw. das Weinfest in der Wil- helminenstraße oder der Flohmarkt auf dem Karo- linenplatz ziehen viele Menschen in die Innenstadt. Sowohl eine weitere Zunahme in Richtung einer Über- Eventi sierung der Innenstadt, als auch das schlei- chende Verbannen von etablierten Veranstaltungen könnten schädliche Auswirkungen haben. Für eine nachhaltige Belebung der Innenstadt müssen neben kommerziellen Events auch weiterhin vielfältige klei- nere Veranstaltungen und Kulturfeste Raum finden. Das Luisencenter stellt ein Spannungsfeld im Herzen der Innenstadt dar. Mit seiner prominen- ten Lage und der Vielzahl an Angeboten ist es ein zentraler Anziehungspunkt. Gleichzeitig wirkt es aufgrund der geschlossenen seitlichen Fassaden entlang der Luisenstraße und der Wilhelminen- straße als trennendes Element im Stadtraum mit einer nach außen unbelebten Erdgeschosszone. Neu gedacht hat das Luisencenter das Potenzial, zum multifunktionalen Magnet im Stadtgefüge zu werden. Begriffe wie Öffnung, Durchlässigkeit und Lebendigkeit werden hierbei sicher eine zentrale Rolle spielen. Viele Geschäftslagen funktionieren noch, haben jedoch keine starke Identität und das Waren- angebot ist wenig ortsspezifisch. Vor allem die stadträumliche Situation kann an vielen Stellen aufgewertet werden. Ein gutes Beispiel bietet die Schulstraße mit ihren Angeboten aus Nischenseg- menten, dem inhabergeführten Einzelhandel und einem attraktiven Straßenraum. Auch in weiteren Teilen der Innenstadt mit ihren Passagen, Plätzen und Durchgängen, kann eine neue Art von buntem und lebendigem Handelsort und Innenstadtraum entstehen. Der Handel wird in seinem Anteil langfristig weiter zurückgehen Nur einen Teil der Handelslagen kann man als attraktiv bezeichnen Der Erlebnischarakter der Handelslagen ist insgesamt zu schwach ausgeprägt Innovative Konzepte und „angesagte“ Brandstores sind unterrepräsentiert Märkte und Events: Spagat zwischen Frequenzbringer und Über-Eventisierung Das Luisencenter ist ein Schlüssel als Problem- und Potenzialort Der Innenstadtcheck 30 Neben dem privat geführten Einzelhandel stellen auch die überregionalen Filialisten die Ankerbetrie- be der Innenstadt dar. Fallen die großen Filialisten als Magnete weg, gerät das System Innenstadt als Ganzes ins Wanken. Um so wichtiger ist die Rolle von lokalen Akteuren als alternative Anker. Auch über mögliche Zwischen- und Nachnutzungen großer, frei werdender Handelsflächen sollte früh- zeitig nachgedacht werden. Die großen Kaufhausketten-Standorte brauchen einen Plan B Vor allem auf der kleinräumigen Maßstabsebene sind die Handels lagen in der Darmstädter Innen- stadt zu monostrukturiert. Dabei hat die Darm- städter Innenstadt durchaus das Potenzial, solche kleinräumigen Mischlagen auszubilden, indem bereits bestehende Nutzungen unterschiedlichster Art in der engeren und weiteren Innenstadt mit- einander verwoben werden. Als positiver Impuls ist hier das neue Bürger- und Ordnungsamt im Luisencenter zu nennen, das einen neuen Anlass schafft, den Handelsstandort Luisencenter zu besuchen. Der „Mix im Kleinen“ fehlt Aus den Befunden abgeleitete Zukunftsfragen Wie kann man die Alleinstellung des Handels aufbrechen? Was kommt nach den großen Kaufhäusern? Kann man den Klinik- und Verwaltungsbereich stärker mit der Innenstadt verknüpfen? Wie kann man Leerstände erfassen und systematisch nutzen? Wo und wie lässt sich der Erlebnischarakter des Handels durch gastro nomische und andere Angebote erhöhen? Wo können neue, innovative Handelsformate entstehen? Wie kann man das Luisencenter weiterentwickeln? Wie lassen sich Interaktionen zwischen Handel und den Kulturinstitutionen stärken? Wie kann mehr Regionalität, z. B. durch regionale Produkte und Akteure, in die City kommen? 31 Vor Allem der Nordosten der Innenstadt zeichnet sich durch eine große Dichte von kulturellen und gemeinschaftlichen Nutzungen aus. Als Beispiele der klassischen Hochkultur stehen das Hessische Landesmuseum und das Schlossmuseum, sowie im Süden das Staatstheater. Auch das darmstadt- ium, eine Schnittstelle zwischen Wissenschaft, Kultur und Wirtschaft ist hier zu nennen. Es gibt in der Stadt viele Freiräume die einen niedrigschwelligen gemeinschaftlichen Aufent- halt ermöglichen, allen voran das Schlossumfeld mit dem Herrngarten. Georg-Büchner-Platz und Karolinenplatz sind bei Nachtschwärmer*innen insbesondere in der wärmeren Jahreszeit beliebte Aufenthaltsorte. Die Nähe von Hoch- und Alltags- kultur ist eine Stärke der Innenstadt. Subkulturelle Orte, die meist besonders spannend und lebendig sind, fehlen jedoch. Auch wenn es einige Bars, Clubs und Veranstal- tungsorte wie z. B. die Centralstation in der Innenstadt gibt, spielt das Nachtleben keine herausragende Rolle. Die Mathildenhöhe ist nicht erst seit der Ernen- nung zum UNESCO-Welterbe ein Leuchtturm in der kulturellen Landschaft der Stadt. Zwischen Mathildenhöhe und Kunsthalle sind viele bedeuten- de Kultureinrichtungen der Stadt aufgereiht. Diese Verbindung gilt es zu stärken und noch stärker mit der Innenstadt zu verknüpfen. Neben den zahlreichen Standorten der Gastrono- mie wie dem Luisenplatz, dem Marktplatz und der Wilhelminenstraße, hat sich vor allem die Grafen- straße seit ihrer Neugestaltung als weiterer Stand- ort der (Außen)-Gastronomie herausgebildet. 1 2 3 4 5 Darmstadt ist ein Kulturstandort von Weltrang. In der Innenstadt selbst befinden sich das Schloss und die Centralstation als größere Kultureinrichtungen. Sie werden umgeben von weiteren wichtigen Orten wie dem Landesmuseum, dem Staatstheater oder dem Herrngarten. Grünflächen und Erholungsorte sucht man jedoch in der Innenstadt vergeblich, ebenso wie Angebote für Kinder, Jugend- liche und Familien. Das so bedeutende UNESCO-Welterbe Mathilden- höhe Darmstadt ist nicht gut mit der Innenstadt verknüpft. Die Innenstadt als Ort der Kultur, der Freizeit und des Freiraums Innenstadt Der Innenstadtcheck 32 Kulturelle Einrichtungen Bar / Club Beliebter Treffpunkt 4 1 2 2 3 5 Staatstheater Darmstadt Literaturhaus Darmstadt Festival Kino Centralstation Hessisches Landesmuseum Darmstadt Stadtbibliothek Darmstadt darmstadtium 33 Wo drückt der Schuh? Die Innenstadt hat ein großes, aber ungenutztes und zu wenig sichtbares Potenzial als Kultur- standort – auch als Standort der freien Szene und Spielort neuer Kulturformate. Die Bandbreite und der Reichtum der Kulturszene in Darmstadt wird in der engeren Innenstadt nicht sichtbar bzw. ver- zahnt sich nicht. Es gibt zwar bedeutende Kultur- standorte am Rand und in der Innenstadt – sie treten mit der Innenstadt jedoch zu wenig in Reso- nanz und sind nicht spürbar. Hier müssen stärkere Brücken geschlagen werden. Insgesamt muss die Innenstadt für die Vielfalt der Kulturakteur*innen aufgeschlossen werden. Mit dem Welterbe Mathildenhöhe und der ESA gibt es attraktive Anziehungspunkte außerhalb der Darmstädter Innenstadt. Durch eine attraktive Anbindung dieser Anziehungspunkte und deren stärkere Präsenz in der Innenstadt, kann diese von Besuchsströmen profitieren. Eine Innenstadt, in der gelebt, gearbeitet, einge- kauft und gefeiert wird – und das von möglichst al- len Alters- und Bevölkerungsgruppen – sollte auch ein möglichst vielfältiges Gastronomie angebot haben. Vom Imbiss zwischendurch über einen third-wave-coffee (qualitativ hochwertiger Kaffee – meist aus lokaler Rösterei) bis hin zum gehobenen 5-Gänge-Menü sollte alles vorhanden sein. In der Darmstädter Innenstadt fehlen vor allem innova- tive Gastronomiekonzepte, die hohe Qualität und Lässigkeit kombinieren und ein experimentier- freudigeres, erlebnisorientiertes Publikum anspre- chen. Mit der Centralstation, dem Staatstheater Darm- stadt und kleineren Veranstaltungsorten wie z. B. dem 806 qm, dem Schlosskeller, der Schlossbas- tion, der Stadtkirche, dem Justus-Liebig-Haus oder der Krone sowie der großen Auswahl an Gastro- nomie gibt es Angebote, die die Innenstadt auch in den Abendstunden beleben. Das Programmkino Pali hat seinen Betrieb eingestellt und hinterlässt eine Lücke in der Abendnutzung der Innenstadt. Es besteht die Gefahr einer Abwärtsspirale – ins- besondere in Kombination mit den pandemie- bedingten Herausforderungen für die Nachtöko- nomie, deren Folgen noch nicht abschließend abzuschätzen sind, den bereichsweise auftre- tenden Nutzungskonflikten und den anhaltenden Auswirkungen der Energie- und Wirtschaftskrise. Die Abendnutzungen sollten unbedingt gesichert werden, wobei Nutzungskonflikte gelöst werden müssen. Auch eine attraktive und nachhaltige Architekturbeleuchtung von Bauten und Räumen ist langfristig wünschenswert. Die Vielzahl der Plätze mit ihrer unterschiedlichen Gestaltung und Nutzung ist ein großes Potenzial für die künftige Entwicklung der Innenstadt. Ins- besondere die in den vergangenen Jahren neu ge- stalteten öffentlichen Räume wie der Georg-Büch- ner-Platz, der Schlossgraben, der Friedensplatz und die Grafenstraße werden gut angenommen. Viele weitere Räume haben dagegen noch unge- nutztes Potenzial. Hierzu zählen manche Straßen und heute etwas verborgene Plätze wie auch die häufig noch ungenutzten Dächer der Innenstadt. Sie werden bisher kaum genutzt und angeeignet – weder für soziale noch für ökolo gische Funktionen. Der Kulturstandort ist im Stadtraum Innenstadt noch immer zu wenig verankert Die engere Innenstadt ist zu wenig mit umliegenden Anziehungspunkten der Stadt vernetzt Trotz guter Gastrobandbreite gibt es zu wenige innovative Angebote Die (Innen-) Stadt nach 8 ist in Gefahr Es gibt viele versteckte öffentliche Räume mit ungenutztem Potenzial Der Innenstadtcheck 34 Eine weiträumige Untertunnelung und Unterkel- lerung öffentlicher Plätze in der Innenstadt er- schwert eine Begrünung mit Bäumen. Ein hoher Versiegelungsgrad der Innenstadt reduziert die Aufenthaltsqualität und verstärkt die Auswirkun- gen von Extremwetterereignissen wie Starkregen und Hitze. Darmstadt gilt bereits als eine der hei- ßesten Städte Hessens. Die dringend notwendige Anpassung an den Klimawandel gibt einen Impuls für mehr Grün in der Innenstadt – auf Dächern, an Fassaden oder als (mobile) Grün- Stationen im Stadtraum. Damit auch in 10 oder 20 Jahren noch Menschen in die Innenstadt kommen, muss die Innenstadt auch heute schon für diejenigen Menschen attrak- tiv sein, die sie in Zukunft nutzen werden. Der Innenstadt fehlt es jedoch an attraktiven An- geboten für die jüngeren Generationen. Angebote für Kinder können die Aufenthaltsqualität für die ganze Familie und damit deren Aufenthaltsdauer erhöhen. Für Jugendliche braucht es niedrig- schwellige Angebote und Aufenthaltsräume ohne Konsumzwang und „Kontrolle“ durch Ältere oder Autoritätspersonen. Jugend-, Kinder- und Familienfreund- lichkeit hat deutlich Luft nach oben Viel Grau, wenig Grün: Die Innenstadt ist an vielen Orten zu wenig auf den Klimawandel vorbereitet Wie können die zentralen Einkaufsstraßen als Erlebnisräume attraktiver werden? Wo kann die Innenstadt grüner und blauer werden? Können einzelne Straßen in der Mollerstadt zu Ausgehstraßen werden und so die Innenstadt beleben und ergänzen? Wo kann/muss Klimaanpassung zum Gestaltungs- faktor werden? Wie können die Kultur- und Wissenschafts- einrichtungen die Innenstadt beleben? Wie kann der Ludwigsplatz attraktiver werden? Können die zukünf- tigen Nutzungen im Schloss stärker in die Innenstadt hineinwirken? Ist der Gastronomie bereich in der Innenstadt ausreichend zeitgemäß? Wie soll sich der Bereich rund um die Stadtkirche entwickeln? Soll es einen neuen Anlauf für eine Markthalle geben? Wie lässt sich die Attraktivität des Georg-Büchner- Platzes in die Innenstadt tragen? Wo lassen sich Räume und Angebote für Jugendliche und für Kinder schaffen? Wo können Bewegungs angebote in der Innenstadt geschaffen werden? Wie gelingt der Brückenschlag zum Welterbe Mathildenhöhe? Wie können der Erlebnischarakter und die Aufenthalts qualität der Rheinstraße erhöht werden? Wie kann die Aufenthalts qualität des Luisenplatzes erhöht werden? Aus den Befunden abgeleitete Zukunftsfragen 35 Technische Universität und Forschungseinrichtun- gen sowie zahlreiche Schulen machen die Innen- stadt zu einem bedeutenden Bildungsstandort. Vor Allem im Osten der Innenstadt zieht sich ein „Bildungsband“ in Nord-Südrichtung durch die Stadt. Auf den zentralen Plätzen findet traditionell das öffentliche Leben statt. Hier treffen sich die Men- schen auf Festen oder abends zum Ausgehen. Außerdem dienen sie als Orte der politischen Wil- lensbildung, denn hier finden auch Kundgebungen und Demonstrationen statt. Der Cityring stellt mit seinem starken Verkehr eine Barriere in der Innenstadt dar. Die angrenzenden Plätze bilden teilweise keine klaren Raumkanten und schaffen somit eine Distanz zwischen der Innenstadt und den umliegenden Vierteln und verhindern zusätzliche ein Zusammenwachsen. So haben die Räume entlang des Cityrings nicht die Bedeutung für die Stadtgesellschaft, die sie durch ihre zentrale Lage und die umliegenden Institutio- nen haben könnten. 1 2 3 4 Darmstadt ist Sitz des Regierungspräsidiums der Region Südhessen mit den vier kreisfreien Städten Darmstadt, Frankfurt, Offenbach und Wiesbaden. Darmstadt ist somit ein bedeutender Verwaltungs- standort in einer der wirtschaftsstärksten und wohlhabendsten Regionen Deutschlands mit über 4 Millionen Bewohner*innen. Zwischen Luisen- Mathilden- und Karolinenplatz befinden sich mit dem Regierungspräsidium, der Staatsanwaltschaft, dem Polizeirevier und den Landes- und Amtsgerichten wichtige Einrichtungen der staatlichen Organisation. Die Innenstadt kann als Ort der Bildung, Teilhabe und Repräsentation punkten, wobei einige Orte als „Blackbox“ funktionieren und noch nicht gut mit der Stadt verzahnt sind. Mit dem Regierungspräsidium und Schloss sind Orte der staatlichen und gesellschaftlichen Reprä- sentation mit langer Geschichte in der Innenstadt vertreten. Im Osten befindet sich ein Bildungsband aus Schulen, Stadtbibliothek und TU, die nach der Sanierung des Schlosses und der Schaffung neuer, auch durch die Öffentlichkeit nutzbarer Räume ihre Fühler in die Innenstadt ausstreckt. Die großen kulturellen und Bildungseinrichtungen sind jedoch vom Cityring von der Innenstadt getrennt. Die Stadt als Ort der Bildung, Teilhabe und Repräsentation Innenstadt Der Innenstadtcheck 36 3 Residenzschloss Darmstadt Landgericht Darmstadt Amtsgericht Darmstadt Regierungspräsidium Darmstadt Staatsanwaltschaft Darmstadt Technische Universität Darmstadt 2 1 3 3 3 4 Justus-Liebig-Schule Eleonorenschule Alice-Eleonoren-Schule Ludwig-Georgs-Gymnasium Orte der Bildung, Teilhabe und Repräsentation Identitätsstiftende Gebäude Stadtbibliothek Darmstadt Hessisches Landesmuseum Darmstadt darmstadtium Staatstheater Darmstadt 37 Wo drückt der Schuh? Die Innenstadt als Ort der Gemeinschaft und ge- sellschaftlichen Teilhabe funktioniert heute nur im Bereich einzelner Anziehungspunkte, wie dem neuen Bürger- und Ordnungsamt im Luisencenter, der Centralstation oder dem darmstadtium. Das Schloss, das Justus-Liebig-Haus mit Stadtbiblio- thek und VHS, das Haus der Geschichte oder das Stadthaus in der Grafenstraße könnten weitere An- ziehungspunkte für die Öffentlichkeit sein. Beson- ders im Zusammenspiel der Institutionen liegt die Chance, die Innenstadt zu einer „Agora“ des 21. Jahrhunderts, also dem zentralen Ort der Stadt- gesellschaft, zu entwickeln. Die Neugestaltung und Öffnung des Schlossgra - bens und des Schlossgartens haben das Schloss und das angrenzende Umfeld bereits wahrnehm- bar aufgewertet. Trotz seiner baulichen Reprä- sentativität und potenziellen Strahlkraft trat das Schloss – nicht zuletzt durch die langjährigen Sanierungsarbeiten – wenig in Interaktion mit der Innenstadt. Nach den Umbaumaßnahmen kann hier ein zentraler Anziehungspunkt der Innenstadt mit unterschiedlichen Nutzungen entstehen. Als Eigentümerin kommt der Technischen Universität hierbei eine zentrale Rolle zu. Die Technische Universität nimmt als große Bauherrin und wichtige Frequenzbringerin eine Schlüsselrolle bei der Belebung der Innenstadt ein. Von engen Abstimmungen und Kooperatio- nen zwischen Technischer Universität und Stadt können beide Seiten profitieren. Mit den Umbau- maßnahmen auf dem Innenstadt-Campus hat sich die Technische Universität in der Vergangenheit immer mehr der Innenstadt geöffnet. Die Errich- tung des Service- und Begegnungszentrums für internationale Studierende und Forschende auf dem „Saladin-Eck“ ist ein weiterer Schritt in die richtige Richtung, auf den weitere folgen sollten. Leerstände in Handelslagen eignen sich u.a. gut als Veranstaltungsorte oder als Treffpunkte für Vereine und andere Communities. Die Innen - stadt sollte im Rahmen des Leerstandsmanage - ments gezielt zivilgesellschaftlichen Akteuren Raum geben. Das Haus der Geschichte interagiert trotz seiner repräsentativen Erscheinung und städtebaulich imposanten Lage am Karolinenplatz nur marginal mit dem umliegenden Stadtraum. Die Geschichte im Innern des Hauses sowie des Hauses selbst bleiben von außen unsichtbar. Das Potenzial liegt in der Öffnung und Inszenierung als musealer Ort, an dem die Geschichte der Stadt erlebbar wird - ggf. in Kooperation mit dem Hessischen Landesmuseum. Die vielen öffentlichen Einrichtungen sind ein noch zu wenig genutztes Potenzial Das Schloss erwacht aus dem „Dornröschenschlaf“ Die Technische Universität kann zum wichtigen Treiber der Innenstadtbelebung werden Wo heute Handel ist, können morgen Gemeinschaftsorte entstehen Blackbox Staatsarchiv: Die Geschichte sollte in der Stadt erlebbarer werden Der Innenstadtcheck 38 Aus den Befunden abgeleitete Zukunftsfragen Wie kann der Bereich zwischen Regierungspräsidium, Darmstadt und Mathildenplatz mit seinen öffentlichen Einrichtungen lebendiger werden? Kann das Luisencenter zur zentralen Anlaufstelle für Bürger*innen werden? Können sich der Universitäts-Cam- pus Darmstadt Mitte und das darmstadtium stär- ker für die Stadtge- sellschaft öffnen? Wie kann der Bereich um das Justus-Liebig-Haus weiterentwickelt werden? Wo spielt das Thema Sicherheit und Sicherheits- gefühl in Zukunft eine Rolle? Wo können kreative Freiräume niedrigschwellig verfügbar gemacht werden? Wie kann sich die kulturelle Vielfalt der Stadt in der Innenstadt abbilden? Könnte es in Darmstadt eine lebhafte Bibliothek skandinavischen Vorbilds geben? Und wo? (Bsp.: Oodi in Helsinki) 39 Die Wohnnutzung, die früher stark in den Innenstädten vertreten war, spielt heute eine untergeordnete Rolle. Es ist jedoch zu beobachten, dass die Obergeschosse erster Gewerbeimmobilien zu Wohnraum umfunktioniert werden, eine hohe Wohnqualität aufgrund der bau- lichen Dichte jedoch nicht immer gegeben ist. In den umliegenden Quartieren wie der Mollerstadt ist Wohnen präsenter. Die Innenstadt als Ort des Wohnens Im engeren Innenstadtbereich wird in den oberen Etagen auch gewohnt. Von einem Wohnquartier kann jedoch keine Rede sein – hier dominiert der Handel. Allerdings finden bereits Umwandlungen von Handelsflächen in den oberen Etagen in Wohn- nutzungen statt. Diese Entwicklungen gilt es zu steuern, um den Handelsstandort Innenstadt zu stärken und gleichzeitig eine gute Wohnqualität sicherzustellen. Die Mollerstadt fällt durch ihre fast durchgängige Mischnutzung mit Wohnanteil auf. Sie bietet das Potenzial, die Innenstadt auch über die Laden- schlusszeiten hinaus zu beleben. Gleichzeitig bedeutet es, dass man die Innenstadt nicht als reinen Einkaufs- und Tourismusstandort betrach- ten darf, sondern die Bedürfnisse der ansässigen Wohnbevölkerung mitdenken muss. Die Wohngebiete am Innenstadtrand sind relativ homogen. Sie sind durch den Cityring klar von der Innenstadt abgetrennt, sodass es wenige Verknüpf ungspunkte der Teilbereiche gibt. Die vor- handenen Unter- und Überführungen können die Trennwirkung nur bedingt aufheben. Diese Orte werden häufig als Angsträume wahrgenommen und sind für mobilitätseingeschränkte Personen nur bedingt hilfreich. Das „Bildungsband“ und das Klinikum grenzen vielerorts die innerstädtischen Wohngebiete von den umgrenzenden Vierteln wie dem Martins- und Johannesviertel ab. So entsteht ein „Wohnvakuum“ am Innenstadtrand. 1 2 3 4 Innenstadt Der Innenstadtcheck 40 Gebiete mit überwiegen- der Wohnnutzung Studierendenwohnheim Spielplatz Mischnutzung mit Wohnanteil Wochenmarkt Apotheke/Hausarzt Kita / Schule Supermarkt, Discounter, Drogerie Seniorenresidenz 1 2 3 3 4 Justus-Liebig-Schule Eleonorenschule Alice-Eleonoren-Schule Ludwig-Georgs-Gymnasium Volkshochschule 41 Wo drückt der Schuh? Im Kern der Innenstadt zwischen Wilhelminen- straße und City-Ring wird bisher wenig gewohnt, auch wenn die Tendenz leicht steigend ist. In um- liegenden Quartieren wie der westlich gelegenen Mollerstadt, gibt es hingegen viele Wohnungen. „Spillover“-Effekte aus den Wohnquartieren in die Innenstadt und Synergien untereinander sind jedoch schwach ausgeprägt (z.B. Bewohner*in- nen nutzen die Innenstadt als ihren erweiterten „Kiez“). Eine stärkere Profilierung und funktionale Anreicherung der Innenstadt mit einem stärkeren Nutzungsmix in den oberen Etagen könnte zu einer Belebung auch zu den Tagesrandzeiten bei- tragen und Lücken, die durch den Rückgang des Innenstadthandels entstehen, schließen. Innenstädte sind vielfach auch gut geeignet, um neuen Wohnformen Raum zu geben. In der Darm- städter Innenstadt sind alternative Wohnmodelle und -formen praktisch nicht vorhanden. Beispiels- weise fehlen genossenschaftliche Wohnprojekte mit engagierten Menschen, die sich aktiv in die Entwicklung ihres Wohnumfelds einbringen. Im Leerstand sind bereits teilweise Umnutzungen von Gewerbe- zu Wohnräumen zu beobachten. Eine abschließende Bewertung dieser Prozesse ist der- zeit noch nicht möglich. Die Mollerstadt ergänzt den engeren Bereich der Innenstadt als Wohnviertel und ist ohne größere Barrieren mit diesem verbunden. Hier gibt es noch ein Entwicklungspotenzial – insbesondere wenn künftig mehr Familienwohnungen geschaffen werden als in der Vergangenheit – das eine große Auswirkung auch auf die alltägliche Nutzung der Innenstadt haben und diese beleben kann. Der Bereich zwischen Rheinstraße und Bismarck- straße ist wenig belebt und trennt das Johannes- viertel von der Innenstadt ab. Durch eine Belebung der Erdgeschosse und eine höhere Aufenthaltsqua- lität in den Außenbereichen könnte eine Verknüp- fung der Innenstadt mit den nördlichen Wohnvier- teln erfolgen. Wohnen ist bisher nur Rand-Erscheinung und entfaltet zu wenig Synergien mit der engeren Innenstadt Die Innenstadt könnte zum Experimen- tier feld für neue Wohnformen und -typologien werden Die Mollerstadt muss ihr Profil als Wohnquartier weiterentwickeln Der bisher etwas unbelebte nördliche Rand der Innenstadt kann durch Wohnen belebt werden Der Innenstadtcheck 42 Aus den Befunden abgeleitete Zukunftsfragen Ist es sinnvoll, mehr Wohnen in den engeren City-Bereich zu bringen – wo und wie? Welche besonderen Wohnformen, die in Darmstadt unterrepräsentiert sind, könnten in der Innenstadt integriert werden? Wo gibt es Grenzen des Wohnens und wie bekommt man Konflikte in den Griff? Wie kann die Quartiersidentität der Innenstadt gestärkt werden? (Community-Bildung) Wie kann der nördliche Innen- stadtrand zwischen Rheinstraße und Bismarckstraße wohnlicher und belebter werden? Wie kann der Bezug der südlich und östlich angrenzenden Quartiere zur Innenstadt gestärkt werden? Was braucht es, damit die Mollerstadt zur Belebung der Innen- stadt beiträgt? Wie kann die Wohn- qualität für die Bewohnenden der Innenstadt gestärkt werden? Kann Studierenden- wohnen zur Belebung der Innenstadt beitragen? 43 Der Luisenplatz ist der zentrale Ankunfts- und Umsteigeort in der Innenstadt. Hier verkehrt eine hohe Anzahl an Bussen, Straßenbahnen und Men- schen, die zu Fuß gehen oder mit dem Rad fahren. Während der Platz von vielen als im positiven Sinne lebendig und urban wahrgenommen wird, sind die Nutzungskonflikte trotz objektiv geringer Unfallzahlen deutlich spürbar. Darmstadt besitzt eine ausgedehnte Fußgängerzone im gesamten engeren Innenstadtbereich und ist da- mit vielen Städten voraus. Ermöglicht wird sie durch den Cityring und zahlreiche gut erschlossene Tiefga- ragen und Parkhäuser in zentraler Innenstadtlage. Beim Ausbau der Radinfrastruktur besteht weiter Handlungsbedarf. Auf vielen Abschnitten der offi- ziellen Radrouten gibt es nur unzureichende oder keine Radverkehrsanlagen, was vor allem auf den Hauptachsen zu erhöhtem Konfliktpotenzial führt und die Verkehrswende verlangsamt. Der Cityring stellt durch die Dominanz des moto - risierten Verkehrs eine große Barriere zwischen Innenstadt und den angrenzenden Stadtvierteln dar. Zum Überqueren sind in großen Teilen nur Unter- und Überführungen vorgesehen. Zudem gibt es eine hohe Lärm- und Feinstaubbelastung. Die östliche Rheinstraße als zentrale Achse der Innenstadt dient heute als Verkehrsraum – vor allem für Auto, Bus und Straßenbahn. Grünelemente gibt es nicht und die Geh- und Radwege sind wenig attraktiv. Nur die stadteinwärts führende „Protectet Bikelane“ in der mittleren Rheinstraße ist gut aus- gebaut. Auf ihrer gesamten Länge bietet die Rhein- straße das Poten zial, zu einem attraktiven Boule- vard zwischen Bahnhof und Innenstadt zu werden. Darmstadt verfügt über eine Vielzahl von unter- und oberirdischen Parkgaragen. Die zentrale Lage der Parkhäuser ermöglicht es, Autos aus der engeren Innenstadt herauszuhalten. Die Garagen bieten stets freie Plätze. Darmstadt verfügt über ein leistungsfähiges Stra - ßenbahnnetz. Dieses effiziente und umweltfreund- liche Verkehrsmittel hat das Potenzial in Zukunft noch mehr Menschen bei der Bewältigung Ihrer Alltagsmobilität zu unterstützen. Insbesondere die Anbindung der Landkreiskommunen von Weiter- stadt im Westen bis Groß-Zimmern im Osten ist hier von großer Bedeutung. Grafenstraße, Schulstraße und Schützenstraße sind die einzigen Straßen in der engeren Innenstadt, die mit dem Auto befahren werden können. Gleichzeitig gilt die Schulstraße als attraktive Einkaufsstraße. 1 2 3 4 5 6 7 8 Die Innenstadt ist optimal mit dem Rest der Stadt und der Region verbunden. Zwar liegt der Hauptbahnhof nicht in Gehweite, Darmstadt besitzt jedoch ein ausgezeichnetes ÖPNV-Sytem. Cityring und Rheinstraße verbinden die Stadt mit der Region, stellen aber auch starke Barrieren im Stadtraum dar. Obwohl Darmstadt beste Voraussetzungen für eine Fahrradstadt besitzt, ist die Radinfra - struktur noch ausbaufähig. Die Innenstadt als Drehscheibe und Verkehrsknoten (Mobilität) Innenstadt Der Innenstadtcheck 44 Fußgängerzone Fahrradroute Carsharing/Bikesharing Straßenbahn Fahrradroute mit unzu- länglicher Infrastruktur Haltestelle Airliner Buslinie Parkplatz, Tiefgarage, Parkhaus Straßenunterführung/ -überführung 2 3 1 7 8 6 4 Rheinstraße Fußgängerzone Cityring Luisenplatz 5 45 Wo drückt der Schuh? Der Luisenplatz ist Knotenpunkt und zentraler Ankunftsort der Innenstadt mit dem ÖPNV. Ein hohes Aufkommen an Straßenbahnen und Bus- sen machen ihn zu einem pulsierenden Mobili- tätsort und einem faktischen „shared space“. In den Ergebnissen der Beteiligung wird er zwar im positiven Sinne als urban gewürdigt, aber auch als gefährlicher und stressiger Ort eingeschätzt. Soll der Luisenplatz Aufenthaltsort oder zentraler Mobilitätshub der Stadt sein? Die Rheinstraße setzt als direkte Achse auf den Luisenplatz städtebauliche Akzente. Diese Funk- tion wird jedoch nur von wenigen repräsentativen straßenbegleitenden Nutzungen wie dem Literatur- haus im John-F.-Kennedy-Haus oder der Kunsthalle gestützt. Die Rheinstraße wirkt durch ihren Fokus auf den Auto- und Tramverkehr als unattraktive Barriere, anstatt als einladendes Eingangstor Men- schen in die Innenstadt zu leiten. Im Sinne einer guten Hinführung zur Innenstadt sollte die Rhein- straße als Eingangssituation neu gedacht werden. Der Cityring stellt eine wichtige Zubringerachse zur Darmstädter Innenstadt dar und entlastet diese vom motorisierten Durchgangsverkehr. Als städtebauliche Schneise entfaltet er aber auch eine Trennwirkung von den umliegenden Gebieten und Nutzungen und stellt eine Barriere für Fuß- und Radverkehr dar. An einigen Stellen schafft er für Gastronomie und Handel zudem eine unattrak - tive Rückseite der Innenstadt. Im Zuge der Innen - stadtentwicklung sollten Wege geprüft werden, diese Barrierewirkung zu minimieren. Die ausgewiesenen Fahrradrouten sind als solche teilweise nicht erkennbar und das Erreichen, Um- und Durchfahren der Innenstadt führt zu Konflik- ten zwischen Rad- und Fußverkehr. Darüber hinaus fehlen sichere Abstellplätze für Fahrräder und Las- tenräder an zentralen Orten. Die Planungen einer Fahrradabstellanlage am Pali-Platz werden die Situation in diesem Bereich verbessern. Bereits jetzt positiv hervorzuheben ist das Projekt Heiner- bike mit seinen über die Stadt und die Innenstadt verteilten Ausleihstationen für Lastenräder. Die Innenstadt ist von fast allen Bereichen Darm - stadts in 15 Minuten mit dem Fahrrad oder dem ÖPNV zu erreichen. Viele Anziehungspunkte in und um die Innenstadt liegen in fußläufiger Distanz zueinander. Die Ausgangslage für eine nachhaltige Mobilität ist also günstig. Jedoch be - steht vor Allem beim Ausbau der Rad infrastruktur weiterhin Handlungsbedarf und ÖPNV sowie neue Mobilitätsangebote (z. B. shared mobility) sollten stärker ausgebaut und gefördert werden. Der Knotenpunkt Luisenplatz muss entschärft werden Die Rheinstraße wird ihrer Rolle als Eingangstor zur Innenstadt nicht gerecht Cityring bildet einen „Graben“ um die Innenstadt Das Potenzial als fahrradfreundliche Innenstadt ist noch nicht ausreichend genutzt Trotz guter Voraussetzungen spielen „neue Mobilitätsangebote“ noch eine zu kleine Rolle Der Innenstadtcheck 46 Aus den Befunden abgeleitete Zukunftsfragen Wie kann man für alle die Orientie- rung verbessern und Zugangshürden abbauen? Kann die Rheinstraße zum Eingangstor werden? Wie kann das Umland attraktiv und zukunftsfähig in die Innenstadt kommen? Wie kann der Knotenpunkt Luisenplatz entschärft und attraktiver für das Verweilen der Menschen werden? Wie kann der innerstädtische Radverkehr besser integriert werden? Wie kann die Trennwirkung des Cityrings minimiert werden? Wie können neue Mobilitäts- formen wie z. B. Sharing-Angebote gestärkt werden? 47 Die Innenstadt ist zwar ein Ort des Handels und der Verwaltung, abseits dieser Funktion gibt es jedoch wenige Angebote im Bereich der Arbeit und Produktion. Hier sitzen keine Konzernzentralen oder Repräsentanzen die das Wirtschaftsprofil der Stadt spiegeln könnten, auch findet hier keine (urbane) Produktion z.B. durch Kunsthandwerk oder Manufakturen statt. Auch moderne Formen des Arbeitens wie Co-Working findet man hier nicht. Die Innenstadt als Ort der Arbeit und der Produktion Die Innenstadt ist ein Zentrum der Arbeit und damit über Pendelbeziehungen stark mit dem Umland verknüpft. Klassische Produktionsbetriebe befinden sich hier keine, dafür wartet die Innen- stadt neben dem Handel und kundennahen Dienst- leistungen mit einem großen Angebot an akademi- schen und wissensintensiven Arbeitsplätzen auf. Im engeren Innenstadtbereich sorgt die Konzen- tration von Einzelhandel und kundennahen Dienst- leistungen für eine hohe Dichte an Arbeitsplätzen. Insgesamt gibt es aber einen hohen Anteil an reinen Gewerbeimmobilien, auch wenn in Teilberei- chen Wohnnutzung das Bild aufweicht. In den Bereichen nördlich der engeren Innenstadt gibt es einen Schwerpunkt von wissensbasierten Berufen: Der große Krankenhausstandort, die Institutionen der Verwaltung und Justiz sowie die wissenschaftlichen Einrichtungen der Technischen Universität sind von großer, regionaler Bedeutung. Südlich der Hügelstraße beginnen die Wohnviertel. Arbeitsorte – ausgenommen aus den Bereichen Bildung und Nahversorgung – dünnen hier schnell aus. Der Cityring hat hier eine große Trennwirkung zwischen der Innenstadt und den umliegenden Vierteln. Die schon heute stark ausgeprägte Nutzungsmi- schung macht die Mollerstadt zu einem spannen- den Potenzialort für eine Weiterentwicklung der Arbeits- und Produktionsstrukturen in der Stadt. Kleinteilige urbane Produktion oder New Work könnten hier ein Zuhause finden. 1 2 3 4 5 Innenstadt Der Innenstadtcheck 48 Mischnutzung mit überwiegend privatwirtschaftlichen Arbeitgebern Große Arbeitgeber Städtische Behörden & VerwaltungÖffentlichkeitsorientierte Arbeitgeber (Behörden, Bildung, Gesundheit) 1 5 2 4 3 Luisencenter Regierungspräsidium Darmstadt Technische Universität Darmstadt Staatstheater Darmstadt Klinikum Darmstadt 49 Wo drückt der Schuh? In der Innenstadt dominieren Handelsbetriebe und kundenorientierte Dienstleistungen den Arbeits- markt. Andere Arbeitsformen wie Handwerk und (emissionsarme urbane) Produktion in Werkstätten oder Manufakturen, die man früher in einer Innen- stadt fand, sind heute unterrepräsentiert oder schlicht nicht vorhanden. Umbrüche im stationä- ren Handel bieten die Möglichkeit, solche Nutzun- gen in der Innenstadt zu verankern. Die bereits vorhandenen Handwerksbetriebe sollten gestärkt und sichtbarer werden. Wissenschaft, Raumfahrt und Pharma: Darmstadt ist in vielen Bereichen Vorreiterin. Die engere Innenstadt ist jedoch in erster Linie eine Shopping- Destination und spiegelt nur begrenzt die Vielfalt und Dynamik der Wissenschaftsstadt wider. Hier finden sich weder Showrooms, in denen sich zen- trale Unternehmen und Institutionen präsentieren, noch beleben Technologie- und Gründerzentren mit Co-Working-Angeboten für Spin-offs und Start- ups die Innenstadt. Eine attraktive Innenstadt ist zudem ein wichtiger Standort faktor im Wettbe- werb um qualifizierte Arbeitskräfte. Moderne Arbeitsformen und -orte finden sich kaum in der City. Dabei ergeben sich durch die vielen wissensbasierten Arbeitgeber*innen in Darmstadt große Potenziale für die Etablierung von zeitgenössischen Formen und Orten des Arbeitens in der Innenstadt, die den Ansprüchen der jüngeren Generationen an ihre Arbeit gerecht werden. Der Fokus der Aufmerksamkeit bei der Betrach- tung der Innenstädte richtet sich auf die Han- delsflächen und hier insbesondere auf die Erd- geschosszonen. Eher unbemerkt vollzieht sich jedoch auch eine Krise der Obergeschosse. Die fortschreitende Automatisierung und Digitalisie- rung – und in Zukunft die Auswirkungen künst- licher Intelligenz – werden auch Veränderungen in der Arbeitsweise klassischer City-Dienstleistungen (z.B. Anwaltskanzleien und Sprachschulen) mit sich bringen, die auch Folgen für die Raumbedarfe dieser Branchen haben. Die Veränderungen in die- sem Sektor müssen tiefer analysiert werden und es müssen rechtzeitig neue Raumangebote oder Umnutzungsstrategien entwickelt werden. „Third Places“ sind Orte, die zwischen Arbeit und anderen Nutzungen überblenden. Das können Cafés sein, in denen gearbeitet wird, halb-öffent- liche Eingangsbereiche von Co-Working-Spaces, in denen man sich trifft oder öffentliche Orte wie die an vielen Orten entstehenden Bibliotheken nach skandinavischem Modell, die ausdrücklich zum „abhängen“, sich austauschen und Kaffee trinken einladen. „Third Places“ sind Treffpunkte und Orte des Austauschs für die Stadtgesellschaft, die unbedingt auch in der Darmstädter Innenstadt entwickelt werden sollten. Städtische Ämter und Abteilungen mit Publikums- verkehr sind aus dem renovierungsbedürftigen Stadthaus in das Luisencenter gezogen – andere Fachämter mit weniger Publikumsverkehr wurden u. a. an den Stadtrand in die Telekom-City ver- legt. Die Stadt sollte bei Standortentscheidungen neben Dependencen in den Stadtteilen die Innen- stadt mitdenken. Eine Stadtverwaltung sollte im Sinne einer erfolgreichen Repräsentation und Identifikation perspektivisch ins Zentrum und an den „Puls der Stadt“ rücken. Zudem sind auch die in der Verwaltung Arbeitenden ein wichtiger Teil einer Innenstadt-Nutzerschaft, die zur Belebung beiträgt. Die Innenstadt könnte deutlich mehr Raum für Handwerk und urbane Produktion bieten Eine Stadtverwaltung gehört auch in die Innenstadt Die Wissenschaftsstadt Darmstadt wird in der Innenstadt nicht spürbar Moderne Formen des Arbeitens sucht man in der Innenstadt vergeblich Es gibt eine verdeckte Krise der Obergeschosse „Third Places“ fehlen weitgehend Der Innenstadtcheck 50 Aus den Befunden abgeleitete Zukunftsfragen Wo gibt es Raum für New Work und neue Formen der Produktivität? Kann die Rheinstraße zur gefragten Unternehmens- adresse werden? Welches Profil soll/kann die Mollerstadt als Arbeitsort haben? Welche Rolle spielen dabei die Erdgeschosse? Wo kann man sogenannte „dritte Orte“ schaffen, in denen sich Arbeit, Freizeit und Alltag überblenden? Welche Konzepte neben Wohnen gibt es für leerfallende Obergeschosse im engeren Handelsbereich? Wie können die in den öffentlichen Einrichtungen Arbeitenden zu Innenstadt-Nutzen- den werden? Wie können die in Wissenschaft und Kultureinrichtungen Arbeitenden zu Innenstadt-Nutzen- den werden? 51 Die Mission: Darmstadts Innenstadt zum Kristallisationsort der Vielfalt und Dynamik der Stadt machen – mit innovativen, lebendigen und hybriden Orten, die die stadtweiten Energien ins Schwingen bringen und die Innenstadt heute schon fit für die Zukunft machen. 52 Die Mission beschreibt, ausgehend von den Befunden des Innenstadtchecks und den identifizierten Zukunftsfragen, in welche Richtung sich die Innenstadt entwickeln muss: Darmstadt muss sein Innenstadtversprechen erneuern – durch die kleinräumige Verzahnung seiner sechs Säulen. Dazu benennt das Kapitel drei grundlegende Strategien. Ein ergänzendes Raumbild illustriert räumliche Ansatzpunkte für die Umsetzung dieser Strategien. Die im weiteren Prozess erarbeiteten Zukunftsprojekte sind der Schlüssel, um die Mission zu erreichen. 53 Die Energien der Stadt in die Mitte holen Eine vielfältige Kulturszene, zukunftsweisende Unternehmen, renommierte Forschungs- einrichtungen und ein reichhaltiges Warenangebot: Darmstadt hat eine Menge zu bieten. Die Vielfalt der stadtweiten Qualitäten ist im Stadtzentrum allerdings kaum sichtbar. Die vorhandenen Energien treten zu wenig in Resonanz, sie sind nicht spürbar. Zentrale Stell- schraube für die Erneuerung des Innenstadtversprechens ist demnach die kleinräumige Verzahnung der sechs Säulen der Innenstadt. Um dies zu erreichen, gilt es, Brücken zu schlagen – mit neuen nutzungsgemischten Orten und Angeboten, die verschiedene Nutzun - gen integrieren. Durch das Zusammenspiel dreier grundlegender Strategien gelingt es, die Innenstadt zum Kristallisationsort der Vielfalt und Dynamik der Stadt zu machen. Darmstadts Innenstadt heute: Die unterschiedlichen Facetten einer guten Innenstadt sind nicht miteinander verbunden Darmstadts erneuerte Innenstadt: Durch gezielte Projekte werden die Energien rund um die Innen- stadt in die Mitte gebracht Innenstadt + + + + + + + + Mission Innenstadt Mobilität Arbeit und Produktion Handel und Versorgung Bildung, Teilhabe und Repräsentation Neues Projekt Kultur, Freizeit und Freiraum Wohnen 54 Grundlegende Strategien Hybride Orte als Schlüssel schaffen Hybride Orte sind Räume, an denen unterschiedliche Stadtfunktionen zusammentreffen, sich überlagern und gegenseitig befruchten. Die zentrale Strategie ist es, solche Orte neu zu schaffen und bestehende Orte in diese Richtung zu entwickeln. Dies erfordert, Räume neu zu denken, gewohnte Pfade zu verlassen und Experimente zu wagen. Die Innenstadt muss zu einem Ort werden, der zu allen Tageszeiten belebt ist und für möglichst viele Menschen attraktiv ist. Nur wenn vielfältige Anlässe zum Besuch geboten werden, kann die Stadt eine Bandbreite von Stadtbedürfnissen erfüllen und so zum Zentrum der gesamten Stadtgesellschaft werden. Den Wandel durch mutige Steuerung gestalten Die Wissenschaftsstadt Darmstadt tritt bei der Weiterentwicklung der Innenstadt als aktive und selbstbewusste Akteurin auf und steht an zentraler vermittelnder und leitender Stelle. Sie überlässt die Entwick- lungen weder Marktkräften, noch belässt sie es bei der reinen Verschö - nerung der öffentlichen Räume. Vielmehr betreibt sie ein aktives Ma- nagement der Innenstadtakteur*innen: Sie scheut nicht davor zurück, zentrale Immobilien und Flächen zu kaufen oder selbst zu nutzen bzw. zu vermieten und tritt in manchen Fällen auch als Bauherrin für zentrale Projekte auf. Das besondere Städtebaurecht hält für diese Fälle viele Werkzeuge bereit. Die Stadtgesellschaft zur Mitstreiterin machen Die Innenstadt mit neuen Energien aufzuladen ist eine Gemeinschafts- aufgabe. Um eine attraktive und zukunftsrobuste Innenstadt für die gesamte Stadtgesellschaft zu schaffen, müssen lokale Akteur*innen zu Mitstreiter*innen des Wandels werden. Indem die Stadt Spielräume für engagierte Anwohnende, Gewerbetreibende, Unternehmen und Eigen - tümer*innen schafft, können sie eigene Impulse setzen und Verant- wortung für Projekte zur Belebung der Innenstadt übernehmen. Mit ihrem Wissen, ihren Kompetenzen und Netzwerken gelingt es, Orte und Projekte zu schaffen, die unterschiedliche Bedürfnisse erfüllen und ver- schiedenste Menschen ansprechen. 55 Hier werden die Energien der Stadt zusammengeführt Die Innenstadt Darmstadts besitzt schon heute viele unterschiedliche Räume und Qualitäten, die es zu stärken und weiterzuentwickeln gilt. Da sich die sechs Säulen der Innenstadt in den Teilräumen unterschiedlich stark ausprägen, unter- scheiden sie sich nicht nur in ihrer Dynamik, sondern stehen auch vor ganz eigenen Herausforderungen, die unterschiedliche Herangehensweisen erfordern. Urbane Mitte Die Urbane Mitte ist Darmstadts Entrée in die Innenstadt: Sie vereint kontrast- reiche Stadträume mit großstädtischen Nutzungen. Das pulsierende Quartier ist geprägt von repräsentativen Achsen, dem quirligen Luisenplatz und einem breit gefächerten Mobilitätsangebot. Hier, wo viele Menschen aufeinandertreffen, wird es auch mal laut und wuselig, mitunter kann es auch zu Reibungen kommen. Gleichzeitig ist Darmstadt nirgendwo lebendiger, an keinem Ort mutet die Stadt großstädtischer an. Hier darf man mutig sein und moderne Großstadtarchitektur wagen, hier ist Platz für Überraschendes, wie etwa ungewöhnliche Nutzungskon- zepte in großen Kaufhausgebäuden. Innere Stadt Die Innere Stadt ist die Herzkammer der City: Sie bildet das ruhige Gegenstück zur Urbanen Mitte. Kleingroßstädtische Heimeligkeit trifft hier auf besondere Erlebnisorte. Die Innere Stadt lädt zum Flanieren ein. Hier gibt es kleine Gassen, kleinteiligen Einzelhandel und gastronomische Angebote. Die Innere Stadt hat das Zeug zum Wohnzimmer der Stadt: Nach dem Einkaufsbummel trifft man sich hier gerne zum Essen unter freiem Himmel oder auf einen Plausch mit der Nachbar- schaft. Durch kleinteilige, temporäre Interventionen im öffentlichen Raum, eine strategische Kuratierung der Erdgeschosszonen und Gestaltungssatzungen für Neu- und Umbauten wird dieser Charakter gezielt weiterentwickelt. Schlossumfeld Das Schlossumfeld ist die große Bühne der Stadt: ein Ort der Repräsentation, wo Feste, Bildung und Kultur vor beeindruckender Kulisse stattfinden. Umringt von großzügigen Freiräumen, die Austragungsorte von Heinerfest und Schlossgraben - fest sind, haben hier die Universität, das Schloss und das Landesmuseum ihren Sitz. Die zentrale Herausforderung des Schlossumfelds ist die Barrierewirkung des Cityrings. Hier gilt es, Lösungen zu entwickeln, die die Innenstadt in Zukunft noch besser mit den umliegenden Vierteln verknüpfen. Nieder-Ramstädter Straße Brandt-Platz Willy- Marion- Grä/f_in- Dönhoff- Platz Kasinostraße Hindenburgstraße Riedeselstraße Sandstraße Hügelstraße Landgraf-Philipps-Anlage Hindenburgstraße Havelstraße Riedeselstraße Rückertstraße Heinrichstraße Heinrichstraße Martinstraße Hochstraße Mathildenplatz Luisenplatz Riedeselstraße Wilhelminenplatz Wilhelm-Glässing-Straße Wilhelminenstraße Heidelberger Straße Rheinstraße Neckarstraße Neckarstraße Heinrichstraße Hölgesstraße Schützenstraße Hölgesstraße Wilhelm-Glässing-Straße Ludwigsplatz Elisabethenstraße Schützenstraße Hügelstraße Wilhelminenplatz Dr. Valentin Degen Weg Weyprechtstraße Stauffenbergstraße Elisabethenstraße Hügelstraße Marienplatz Elisabethenstraße Georg-Büchner-Platz Kennedyplatz Adelungstraße Kröhweg Hügelstraße Sandstraße Riedeselstraße Elisabethenstraße Saalbaustraße Saalbaustraße Zimmerstraße Adelungstraße Rheinstraße Grafenstraße Adelungstraße Grafenstraße Grafenstraße Kasinostraße Friedrichstraße Bleichstraße Bleichstraße Kasinostraße Saalbaustraße Gustav-Lorenz-Straße Bleichstraße Rheinstraße Wilhelminenstraße Luisenstraße Luisenstraße Schuchardstraße Zeughausstraße Mathildenplatz Mathildenplatz Hochschulstraße Gustav-Lorenz-Straße Schleiermacherstraße Wilhelm-Leuschner-Straße Hochschulstraße Bismarckstraße Bismarckstraße Magdalenenstraße Benglerweg Mauerstraße Magdalenenstraße Ballonplatz Karlstraße Soderstraße Landgraf-Georg-Straße Mühlstraße Kapellplatz Kirchstraße An der Stadtkirche Alexanderstraße Karlstraße Rundeturmstraße Holzstraße Erich-Ollenhauer-Promenade Woogsplatz Alexanderstraße Pädagogstraße Mühlstraße Kapellplatz Karolinenplatz Mühlstraße Landgraf-Georg-Straße Hochstraße Am Kleinen Woog Kaplaneigasse Große Bachgasse Würthweg Kaplaneigasse Ludwigs- Schlossgraben Schustergasse passage Ludwigstraße Schustergasse Riedlingerstraße Hochstraße Kiesstraße Kirchstraße Ludwigstraße Ernst-Ludwigs-Platz Ernst-Ludwig-Straße Ernst-Ludwig-Straße Friedensplatz Karlstraße Hügelstraße Schulstraße Hoffmannstraße Hoffmannstraße Kiesstraße Mathildenplatz Fraunhoferstraße Platz Nagasaki- Hiroshima- Wittmann- Hanne- Platz Karl- Roth- Platz Alexander-von-Humboldt-Platz Gagernstraße Rheinstraße Luisenplatz Marktplatz Cityring Stadtkirche Justus-Liebig-Haus / Stadtbibliothek Galeria Stadthaus Luisencenter Urbane Mitte Innere Stadt Schlossumfeld Mission 56 Nieder-Ramstädter Straße Brandt-Platz Willy- Marion- Grä/f_in- Dönhoff- Platz Kasinostraße Hindenburgstraße Riedeselstraße Sandstraße Hügelstraße Landgraf-Philipps-Anlage Hindenburgstraße Havelstraße Riedeselstraße Rückertstraße Heinrichstraße Heinrichstraße Martinstraße Hochstraße Mathildenplatz Luisenplatz Riedeselstraße Wilhelminenplatz Wilhelm-Glässing-Straße Wilhelminenstraße Heidelberger Straße Rheinstraße Neckarstraße Neckarstraße Heinrichstraße Hölgesstraße Schützenstraße Hölgesstraße Wilhelm-Glässing-Straße Ludwigsplatz Elisabethenstraße Schützenstraße Hügelstraße Wilhelminenplatz Dr. Valentin Degen Weg Weyprechtstraße Stauffenbergstraße Elisabethenstraße Hügelstraße Marienplatz Elisabethenstraße Georg-Büchner-Platz Kennedyplatz Adelungstraße Kröhweg Hügelstraße Sandstraße Riedeselstraße Elisabethenstraße Saalbaustraße Saalbaustraße Zimmerstraße Adelungstraße Rheinstraße Grafenstraße Adelungstraße Grafenstraße Grafenstraße Kasinostraße Friedrichstraße Bleichstraße Bleichstraße Kasinostraße Saalbaustraße Gustav-Lorenz-Straße Bleichstraße Rheinstraße Wilhelminenstraße Luisenstraße Luisenstraße Schuchardstraße Zeughausstraße Mathildenplatz Mathildenplatz Hochschulstraße Gustav-Lorenz-Straße Schleiermacherstraße Wilhelm-Leuschner-Straße Hochschulstraße Bismarckstraße Bismarckstraße Magdalenenstraße Benglerweg Mauerstraße Magdalenenstraße Ballonplatz Karlstraße Soderstraße Landgraf-Georg-Straße Mühlstraße Kapellplatz Kirchstraße An der Stadtkirche Alexanderstraße Karlstraße Rundeturmstraße Holzstraße Erich-Ollenhauer-Promenade Woogsplatz Alexanderstraße Pädagogstraße Mühlstraße Kapellplatz Karolinenplatz Mühlstraße Landgraf-Georg-Straße Hochstraße Am Kleinen Woog Kaplaneigasse Große Bachgasse Würthweg Kaplaneigasse Ludwigs- Schlossgraben Schustergasse passage Ludwigstraße Schustergasse Riedlingerstraße Hochstraße Kiesstraße Kirchstraße Ludwigstraße Ernst-Ludwigs-Platz Ernst-Ludwig-Straße Ernst-Ludwig-Straße Friedensplatz Karlstraße Hügelstraße Schulstraße Hoffmannstraße Hoffmannstraße Kiesstraße Mathildenplatz Fraunhoferstraße Platz Nagasaki- Hiroshima- Wittmann- Hanne- Platz Karl- Roth- Platz Alexander-von-Humboldt-Platz Gagernstraße Rheinstraße Luisenplatz Marktplatz Cityring Stadtkirche Justus-Liebig-Haus / Stadtbibliothek Galeria Stadthaus Luisencenter Urbane Mitte Innere Stadt Schlossumfeld 57 Zukunftsprojekte: Bausteine für die Innenstadt der Zukunft 58 Herzstück des Entwicklungskonzepts Innenstadt sind 12 Projekte auf räumlicher und organisatorischer Ebene – sie sind der Schlüssel, um die sechs Säulen des Innenstadtversprechens zu stärken und enger miteinander zu verzahnen. Sie alle folgen der Grundidee, Orte und Angebote zu schaffen, die mehr als nur eine Sache können und damit unterschiedliche Bedürfnisse der Darmstädter*innen erfüllen. Indem die Projekte möglichst viele Nutzungen bedienen, neue Akteur*innen zusammenbringen und vorhandene Energien bündeln, entstehen neue lebendige und hybride Orte, die helfen, Darmstadts Mission zu erreichen: die Innenstadt zum Kristallisationsort der Vielfalt und der Dynamik der Stadt zu machen. 59 60 61 Zukunftsprojekte Wie sieht die Innenstadt in Zukunft aus? Wenn wir in Darmstadts nicht all zu ferne Zukunft blicken, sehen wir eine lebendige, bunte und offene Innenstadt, die vielfältige Anreize für einen Besuch schafft. Egal bei welchem Wetter: Drinnen und draußen gibt es Angebote, die dazu einladen, Freund*innen zu treffen, sich zu enga- gieren, zu arbeiten oder einzukaufen. Darmstadt hat den Mut, große Projekte anzugehen und die Weitsicht, auch im Kleinen kontinuierlich an Verbesserungen zu arbeiten. Die Stadt ist eine zentrale und selbstbewusste Akteurin in der Innenstadt, die engagiert vorangeht und eigene Projekte entwickelt. Im Dialog mit der Stadtgesellschaft sind in einem einjährigen, co-kreativen Prozess 12 Projekte er- arbeitet worden, die auf den Qualitäten der Innen- stadt aufbauen. Sie dienen als Schlüssel, um die vorhandenen Energien in der Stadt im Zentrum zu bündeln und damit das Versprechen der Innen- stadt zu erneuern. Wie sind die Projekte entstanden? Viele der hier vorgestellten Projekte wurden so oder in ähnlicher Form im Rahmen der Creators Night und des Think Tanks entwickelt. Viele Vor- schläge haben sich etwa mit der Beruhigung des Cityrings auseinandergesetzt. Auch das Luisen- center-Karstadt-Gebäude befand sich für einige Gruppen in einem unzufriedenstellenden Zustand. Die Ideen reichten hier vom Komplettabriss bis zum behutsamen Umbau samt Dachgarten. Einigen Gruppen, insbesondere bei der Creators Night, fehlte es an zivilgesellschaftlichen Orten, die vielfältige Nutzungen und unkommerzielle Angebote vereinen. Die auf der Creators Night ausgezeichnete Projektidee „Mittendrin“ – ein zivil- gesellschaftliches Zentrum in einem leer stehen- den Kaufhausgebäude – diente als Inspiration für das Projekt „Darmstadthaus“. Andere Projekte befassten sich mit Dachnutzungen, der Nutzung öffentlicher Räume oder der Verbesserung der An- gebote für Kinder und Jugendliche. All diese Ideen flossen in dieses Konzept ein und finden sich in den unterschiedlichen Projekten wieder. Sie wur- den zusammengetragen, aufeinander abgestimmt und ergänzt, um ein kohärentes und ganzheitliches Programm für die Darmstädter Innenstadt zu ent- wickeln. Mit dem folgenden Projektkatalog wird ein Zukunftsbild der Darmstädter Innenstadt entworfen und konkrete Vorschläge zur Begegnung der zent- ralen Zukunftsfragen gemacht. Er gliedert sich in Rahmenprojekte, Langfristprojekte und Quick Wins. Rahmenprojekte dienen als konzeptionelle Grund- lage und wirken flächendeckend und langfristig. Sie haben meist noch keine direkten baulichen Veränderungen zur Folge, sondern rahmen die übrigen Entwicklungen in der Innenstadt ein und geben ihnen eine klare Richtung. Dazu gehören beispielsweise ein Mobilitätskonzept zur Förderung der Erreichbarkeit oder ein Innenstadtmanage- ment, das innerstädtische Leerstände kuratiert. Die Langfristprojekte sind bauliche Veränderun- gen im Stadtraum oder Nutzungsanpassungen, die großformatig sind, viele Akteur*innen betref- fen und daher längere Zeit für die Vorbereitung und Umsetzung benötigen. Dies ist zum Beispiel beim Projekt Darmstadthaus „mittendrin“ der Fall, einem Ort in dem Zivilgesellschaft, Wirtschaft und Wissenschaft zusammen kommen. Durch den langfristigen Umbau einer großen Bestandsimmo- bilie entsteht ein neuer Kristallisationspunkt für die Stadtgesellschaft, der sich mit der Zeit wan- deln und entwickeln kann. Bei den Quick Wins handelt es sich um Projekte die relativ schnell und einfach umzusetzen sind und keine langfristigen Genehmigungs- und Bau- phasen zur Folge haben. Sie können sowohl tem- porär als auch dauerhaft im Stadtraum umgesetzt werden. Das Projekt „Pop-Up-Playground“ etwa umfasst eine temporäre Bespielung öffentlicher Plätze und Straßenräume als Kinderspielplatz mit mobilen Spielgeräten. Viele der Projekte verweisen aufeinander, da relevante Konzepte und Akteur*innen des einen Zukunftsprojekte62 Projekts auch federführend bei der Umsetzung eines anderen sein können. Dies ist zum Beispiel bei dem Projekt „Quartiersmanagement“ der Fall, das auch für die Durchführung des „Pop-Up-Play- grounds“ mitverantwortlich ist. Gleichzeitig do- cken die Projekte an bestehende Konzepte und Strukturen an. Förderprojekte Darmstadt war in den vergangenen Jahren nicht untätig. Im Gegenteil: Die Stadt gestaltet den Wan- del der Innenstadt bereits aktiv. Es gibt eine Reihe von Projekten, die durch das Landesprogramm „Zukunft Innenstadt“ sowie das Bundesprogramm „Zukunftsfähige Innenstädte und Zentren“ staat- lich gefördert und teilweise auch schon umgesetzt werden. Einige dieser Projekte, wie das CityLab, wurden in dem vorliegenden Konzept aufgegriffen und mit neuen Projektideen verknüpft. Andere Pro- jekte, wie das Innenstadt-Quartiersmanagement, wurden übernommen und weiter ausgeführt, da sie für die Entwicklung der Innenstadt von zentra- ler Bedeutung sind. Der vorliegende Projektkatalog ist damit nicht in Konkurrenz zu bereits laufenden Förderprojekten zu sehen, sondern unterstützt und ergänzt diese, wo es sinnvoll ist. Das erarbei- tete Raumbild setzt die Projekte in einen räumlich- planerischen Zusammenhang. Lieblingsorte Lokales Bündnis Innenstadt Kultur braucht Plätze Transformations- prozess gestalten City-Newcomer gesucht Projekte aus dem Landesprogramm „Zukunft Innenstadt“ Vertiefungskonzept zum Thema „Zukunftsfähige Nutzungsmischung“ Verfügungsfonds Doppelstandort Karstadt / Kaufhof (Gutachten) Aufbau eines Innenstadt-Quartiers- managements Innenstadtmarketing und Öffentlichkeitsarbeit Nachnutzung Stadthaus Grafenstraße Anmietung von Leerstand (CityLab) Baulich investive Maßnahmen Projekte aus dem Bundesprogramm „Zukunftsfähige Innenstädte und Zentren“ Aufwertung Luisen- centerfassade durch Begrünung (Planung) 63 Rahmenprojekte Klimafitte Mitte Mobil in die Mitte Aus Leer mach toll Second Level Quartiersmanagement im CityLab ZukunftsprojekteZukunftsprojekte64 Langfristprojekte Quick Wins Darmstadthaus „mittendrin“ Heiner Crossing Boulevard RheinstraßeWilhelmine und Luise Frei-Deck Pop-Up-Playground City Paten 65 Zukunftsprojekte Klimafitte Mitte Ein Klimawandelanpassungskonzept speziell für die Innenstadt 10 Uhr und bereits über 25 Grad im Schatten? In der Innenstadt ist das nicht der Fall! Viele Fassaden der großen Waren- und Parkhäuser sind mit rankenden Pflanzen begrünt. Auf den Flachdächern laden weitläufige Grünflächen zum Entspannen und Gärtnern ein und an Orten, an denen keine feste Begrünung möglich ist, stehen mobile Grüninseln. Kinder laufen barfuß durch begehbare Wasserspiele und wer Durst hat, füllt seine Wasserflasche an einem der vielen Trink - wasserbrunnen auf. Das Klimawandelanpassungs- konzept bereitet die Innenstadt gut auf die Gefahren des Klimawandels vor. Was an heißen Tagen kühlt, nützt aber auch im Falle der immer häufiger auftretenden Starkregen. Begrün - te Flachdächer und entsiegelte Flächen saugen das Regenwasser wie Schwämme auf. Das Ablaufen des Wassers wird auf diese Weise entschleunigt und Über - schwemmungen in den Tiefgeschossen verhindert. Für die Begrünung wurden Pflanzen gewählt, die mög - lichst widerstandsfähig sind und die Artenvielfalt von Flora und Fauna bereichern – eine der besten Möglich - keiten, um auch dem Artensterben zu begegnen. Darmstadt konnte für das Klimawandelanpassungskon - zept auf viele vorhandene Ressourcen zurückgreifen. Ein Gründach- und Entsiegelungskataster existierte bereits – genau wie Klimaanpassungskonzepte für die Gesamtstadt, die nur noch auf die spezifischen Herausforderungen und Anforderungen der Innenstadt zugeschnitten werden mussten. Das zentrale Credo lautete hierbei: Klimawandelanpassung ist immer auch eine Chance, die Aufenthaltsqualität und den Erlebnis - charakters der Innenstadt zu steigern – eine Win-win- Situation für alle. „ “ So könnte das Projekt in Zukunft aussehen: Projekttyp: Rahmenprojekt 66 Aus welchen Bausteinen besteht das Projekt? öffentlich ppp (Public-private-partnership) privat Welche zentralen Meilensteine gibt es? Welche Säulen des Innenstadt- versprechens bedient das Projekt? Wohnen Handel, Versorgung Bildung, Teilhabe, Repräsentation Mobilität Kultur, Freizeit, Freiraum Arbeit, Produktion Wer sollte beteiligt werden? Wie wird das Projekt finanziert? Welche Zukunftsfragen beantwortet das Projekt unter anderem? Potentiale für Dach- und Fassadenbegrünung identifizieren (Nutzung des Dachflächenkatasters) Standorte für Trinkwas - serbrunnen für mög - lichst flächendeckende Versorgung bestimmen (begehbare Wasser- spiele zur Kühlung mit- denken) Potentialflächen für größt- mögliche Entsiegelung der Innenstadt identifizieren und Art der Entsiegelung bestimmen (Biodiversität mitdenken) • Amt für Klimaschutz und Klimaanpassung • Eigentümer*innen • Amt für Wirtschaft und Stadtentwicklung • Stadtplanungsamt • Grünflächenamt • Umweltamt “ Sammeln und sichten vorhandener Ressourcen: Gründach- und Entsiegelungskataster + Klimaanpassungskonzepte Priorisierung und schrittweise Umsetzung von Maßnahmen Ausschreibung Klimawandel- anpassungskonzept Pilotprojekt: Begrünungskonzept Luisencenter (aus Bundesförderungs-Programm) Wo kann / muss Klimaanpassung zum Gestaltungs - faktor werden? Wie kann die Trennwirkung des Cityrings mini- miert werden? Wie können die zentralen Einkaufs - straßen als Erleb- nisräume attrakti - ver werden? Wo kann die Innen- stadt grüner und blauer werden? Wie kann das Lui- sencenter weiter- entwickelt werden? Wie kann der Luisenplatz ent- schärft werden? Wie können der Erlebnischarakter und die Aufent- haltsqualität der Rheinstraße er- höht werden? Wo lassen sich Räume und An- gebote für Kinder und Jugendliche schaffen? Kann die Rhein- straße zum Ein- gangstor werden? 67 Zukunftsprojekte Quartiersmanagement im CityLab Die zentrale Vernetzungs- und Anlaufstelle in der Innenstadt Das Quartiersmanagement (QM) in der Innenstadt ist die zentrale Vernetzungs- und Schnittstelle zwischen Stadtverwaltung, Gewerbetreibenden, öffentlichen Institutionen, Eigentümer*innen und Bürger*innen geworden. Denn ein grundlegender Wandel braucht Begleitung, Beratung, Unter - stützung und einen Ort, an dem er sichtbar und diskutierbar wird. Deshalb wurde das CityLab auch in einem leer stehenden Ladenlokal in der Innen - stadt eingerichtet. Das Spektrum der Aktivitäten im CityLab reicht von Ver- netzungstreffen, Ideen-Speeddatings und Diskussionen an einer großen Innenstadt-Karte über eine Übersicht aktueller Ladenleerstände und Nutzungsmöglichkeiten bis hin zur Beratung von Finanzierungsoptionen und einer Mobilitätsberatung Gewerbetreibender. Das QM ist so im - mer am Puls des Geschehens vor Ort – meldet Entwick - lungen und Ideen an Politik und Verwaltung und kommu - niziert Entwürfe und Entscheidungen an die Öffentlichkeit. Neben der Durchführung von Beteiligungsformaten zu den unterschiedlichen Maßnahmen im Kontext der Innen - stadtentwicklung ist das Ladenflächenmanagement eine der zentralen Aufgaben des QMs. Vor allem die Gewerbe - flächen werden im Auge behalten, um bei negativen Ent - wicklungen gegensteuern zu können. Durch den Kontakt zu Eigentümer*innen und möglichen neuen Mieter*innen bildet das Ladenflächenmanagement die Schnittstelle zwischen den Akteur*innen. Durch Zwischennutzung und gezielte Ansiedlungen etwa aus dem kreativen oder sozialen Bereich, von neuen gastronomischen Angeboten und neuartigen Handels- und Dienstleitungskonzepten werden die Entwicklungen gesteuert und die Identität der Innenstadt kuratiert und gestärkt. Darüber hinaus ist das QM aktiv an der Umsetzung der sogenannten Quick-Win-Projekte beteiligt (siehe S. 84-89) und begleitet damit auch die Bespielung der öffentlichen Räume und die Verbesserung der Aufenthaltsqualität in der Innenstadt insgesamt. „ “ Projekttyp: Rahmenprojekt So könnte das Projekt in Zukunft aussehen: 68 Aus welchen Bausteinen besteht das Projekt? öffentlich privat Welche zentralen Meilensteine gibt es? Welche Säulen des Innenstadt- versprechens bedient das Projekt? Wohnen Handel, Versorgung Bildung, Teilhabe, Repräsentation Mobilität Kultur, Freizeit, Freiraum Arbeit, Produktion Wer sollte beteiligt werden? Wie wird das Projekt finanziert? Welche Zukunftsfragen beantwortet das Projekt unter anderem? ppp (Public-private-partnership) “ Vernetzungsarbeit zwischen unterschiedlichen Innenstadt - akteur*innen betreiben Monitoring und ggf. Manage - ment von leerstehenden Ladenflächen Durchführung von Beteili - gungsformaten zum Thema Innenstadtentwicklung Kommunikationsarbeit, Informationskampagnen und Beratung für Bürger*in - nen, Gewerbetreibende und Eigentümer*innen Verwaltung eines Verfü - gungsfonds und Unterstüt - zung bei der Antragsstellung • Amt für Wirtschaft und Stadtentwicklung • Darmstadt Citymarketing e. V. • alle städtischen Ämter Ausschreibung Innenstadt- Quartiersmanagement Entwicklung von Infomaterialien und Beratungsangeboten fortlaufende Vernetzungs-, Beteiligungs- und Beratungsarbeit Anmietung eines geeigneten Leerstands Umsetzung von Quick-Win-Maßnahmen Wie kann der Luisenplatz ent- schärft werden? Wie kann sich die kulturelle Vielfalt der Stadt in der Innenstadt abbilden? Wie kann man Leerstände erfas - sen und systema- tisch nutzen?wer- den? Wie kann mehr Regionalität z.B. durch regionale Produkte in die City kommen? Wo lassen sich Räume und An- gebote für Kinder und Jugendliche schaffen? Wo kann man so- genannte „Dritte Orte“ schaffen, in denen sich Arbeit, Freizeit und Alltag überblenden? Wie können die zentralen Einkaufs - straßen als Erleb- nisräume attrakti - ver werden? Wo können kreative Freiräume niedrigschwellig verfügbar gemacht werden? Wie können Kul- tur- und Wissen- schaftseinrichtun - gen die Innenstadt beleben? 69 Zukunftsprojekte Second Level Dachnutzungsstrategie zur Aktivierung ungenutzter Flächenpotenziale Die Menschen genießen eine neue Ebene der Stadt: auf den Dächern ruhen sie sich vom Ein - kaufsbummel aus, treffen sich nach der Arbeit und zum Sport und genießen an klaren Tagen den Blick bis nach Frankfurt und auf die von der Abendsonne angestrahlte Mathildenhöhe. Die Vorgaben zum Klimaschutz und zur Klimaanpassung machten eine Erschließung ungenutzter Dachflächen für Begrünung und Solarpanele langfristig ohnehin er - forderlich. Die Frage lag auf der Hand: Wieso die neu zu erschließenden Flächen nicht gleich auch öffentlich zugänglich machen und für Nutzungen öffnen, die bisher in der Innenstadt fehlen? Mit der zukzessiven Erschließung der Dächer folgt Darmstadt einem Trend, der anderswo längst baulich präsent ist. Rooftop-Nutzungen in jeder Form sind pul- sierende Orte urbanen Lebens, insbesondere wenn der Publikumsverkehr nicht durch allzu hochpreisige Gastrono- miekonzepte exklusiv gehalten wird. Um das Interesse der Darmstädter*innen, von Gewerbe- treibenden und Eigentümer*innen zu wecken, wurden mit temporären Aktionen erste Dächer zugänglich gemacht und potenzielle Orte getestet. Im Vorfeld wurden geeig- nete Orte identifiziert, in einem Dachflächenkataster fest - gehalten und passende Akteur*innen für Dachnutzungen aktiviert. Auch bei der Umsetzung spielte die Stadt eine begleitende Rolle. Blickt man von oben auf die Innenstadt, sieht man nur noch wenig ungenutzte graue Flachdächer. Das Bild wird bunter – vor allem grüner – und belebter. Geeignete Dachflächen identifizieren Neue Nutzungen festlegen Dächer umbauen „ “ So könnte das Projekt in Zukunft aussehen: Projekttyp: Rahmenprojekt 70 Aus welchen Bausteinen besteht das Projekt? öffentlich ppp (Public-private-partnership) privat Welche zentralen Meilensteine gibt es? Welche Säulen des Innenstadt- versprechens bedient das Projekt? Wohnen Handel, Versorgung Bildung, Teilhabe, Repräsentation Mobilität Kultur, Freizeit, Freiraum Arbeit, Produktion Wer sollte beteiligt werden? Wie wird das Projekt finanziert? Welche Zukunftsfragen beantwortet das Projekt unter anderem? Dachflächenkataster mit Nutzungspotenzialen erstellen Pilotprojekt: (temporäre) aktivierende Dachnutzung starten gezielte Ansprache von Eigentümer*in - nen und Akteur*innen Förderprogramm entwickeln Erstellung eines Dachflä - chenkatasters mit beson - der Berücksichtigung von Flachdächern die sich für neue Nutzungen eigenen Durchführung eines Pilotprojektes Kontakt zu Eigen- tümer*innen suchen und Gespräche über mögliche Nutzungen führen (Aufklärung und Netzwerkarbeit) Neue Nutzungen identifizieren (z.B. Aufenthalt, Begrünung, Energieproduktion...) • Stadtplanungsamt • Eigentümer*innen • diverse Akteure (Gastronomie, Kultur, Sport) • Amt für Klimaschutz und Klimaanpassung • Bauaufsichtsamt “ Wo kann die Innenstadt grüner und blauer werden? Wo können kreative Freiräume niedrigschwellig verfügbar gemacht werden? Was kommt nach den großen Kaufhäusern? Wie kann die Wohnqualität für die Bewohnenden der Innenstadt gestärkt werden? Ist es sinnvoll, mehr Wohnen in die Innenstadt zu bringen und wenn ja, wo? Wo lassen sich Räume und An- gebote für Kinder und Jugendliche schaffen? Wie kann das Lui- sencenter weiter- entwickelt werden? Wo kann / muss Klimaanpassung zum Gestaltungs - faktor werden? Wo kann man so- genannte „Dritte Orte“ schaffen für Arbeit, Freizeit und Alltag? 71 Zukunftsprojekte Darmstadt ist eine echte 15-Minuten-Stadt! Durch die Umsetzung des neuen Mobilitätskonzeptes gibt es ein dichtes Netz umweltschonender Alter - nativen, die für die breite Masse attraktiv sind. Dabei gibt es unterschiedliche Lösungen für Besu - cher*innen und Beschäftigte, für den Wirtschafts- sowie den Lieferverkehr. Die neu eingerichtete Mobilitätsberatung gibt dazu Hilfestellungen bei der Umsetzung neuer Mobilitätskonzepte. Die zentralen Fragen, die sich im Rahmen des Mobili- tätskonzepts stellten, lauten: Wie lässt sich die Erreich- barkeit der Innenstadt für alle Verkehrsteilnehmenden weiter verbessern? Welche Infrastrukturen und Angebote braucht es hierfür? Außerdem stand schon seit langem die Frage im Raum, welche Lösungen es für die immer wieder aufkommenden Konflikte zwischen Radfahrenden und Fußgänger*innen geben kann. Wie lassen sich die Lieferketten – insbesondere auf der sogenannten letzten Meile – in der Innenstadt organisieren und bündeln? Das Ziel des Mobilitätskonzeptes war die smarte Verknüpfung unterschiedlicher Mobilitätsangebote und die Schaffung neuer nachhaltiger Infrastrukturen wie durchgängiger Mobil in die Mitte Mobilitätskonzept und Mobilitätsberatung für die Innenstadt Radschnellwege, um die Mobilitätswende effektiv umzu - setzen, und das ist gelungen. Die Projekte Boulevard Rheinstraße und Heiner Crossing sind zu wichtigen Bausteinen des Konzepts geworden.. Mit der Mobilitätsberatung für Gewerbetreibende und größere kulturelle und städtische Institutionen wurden diese befähigt, ihren Angestellten, Kund*innen und Gästen attraktive Angebote zu machen. Die Palette an Möglichkeiten ist groß: Mit Fahrradleasing, sicheren und nahegelegenen Fahrradabstellanlagen, (kostenlosen) Ladestationen und Umkleiden werden Anreize zum Rad - fahren in der Belegschaft geschaffen. Und mit einem Jobticket wird die ÖPNV-Nutzung attraktiver. Für Kund*in- nen werden größere Einkäufe und Onlinebestellungen direkt nach Hause geliefert und bedeutende kulturelle und städtische Institutionen kooperieren mit den Mobili - tätsanbieter*innen. Mit diesem Doppelpack ist die Innenstadt gut gerüstet für wiedererstarkte Menschen- und Warenströme und macht sie fit für die Zukunft. „ “ Projekttyp: Rahmenprojekt So könnte das Projekt in Zukunft aussehen: 72 Aus welchen Bausteinen besteht das Projekt? öffentlich ppp (Public-private-partnership) privat Welche zentralen Meilensteine gibt es? Welche Säulen des Innenstadt- versprechens bedient das Projekt? Wohnen Handel, Versorgung Bildung, Teilhabe, Repräsentation Mobilität Kultur, Freizeit, Freiraum Arbeit, Produktion Wer sollte beteiligt werden? Wie wird das Projekt finanziert? Welche Zukunftsfragen beantwortet das Projekt unter anderem? Einrichtung Mobilitätsberatung im Quartiersmanagement Abstimmung Mobilitätskonzept mit Maß nahmen am Cityring und der Rheinstraße Ausschreibung Mobilitätskonzept Kontinuierliche Umsetzung erarbeiteter Maßnahmen Evaluation: Wirkung Beratung und Konzept Konzepte für nach- haltigen Liefer- und Wirtschaftsverkehr (z.B. Last-Mile-Lieferung) Anbindungslücken im ÖPNV schließen, evtl. durch Sharing-Angebote Sharingkonzepte und andere neuartige Mobili - tätsformen testen und etablieren Beratungsangebot für Um - setzung neuer Mobilitäts- konzepte etablieren (z.B. für Arbeitgeber*innen) • Mobilitätsamt • Amt für Wirtschaft und Stadtentwicklung • Gewerbetreibende • Quartiersmanagement • HEAG mobilo • Verkehrsinitiativen (Radentscheid etc.) • IHK “ Wie gelingt der Brückenschlag zum Welterbe Mathildenhöhe? Wie kann der innerstädtische Radverkehr besser integriert werden? Wie können die zentralen Einkaufs - straßen als Erleb- nisräume attrakti - ver werden? Wo kann die Innen- stadt grüner und blauer werden? Wie kann das Umland attraktiv und zukunftsfähig in die Innenstadt kommen? Wie können der Erlebnischarakter und die Aufent- haltsqualität der Rheinstraße er- höht werden? Wie kann der Luisenplatz entschärft werden? Wie kann die Trennwirkung des Cityrings mini- miert werden? Kann die Rheinstraße zum Eingangstor werden? Radschnellwegnetz um - setzen und begleitende Infrastruktur zur Verfügung stellen (abschließbare Stellplätze, Reparatur- stationen...) 73 Zukunftsprojekte Aus leer mach toll Nachnutzungsstrategie für leer stehende Warenhäuser Um mögliche große Leerstände zu vermeiden, hat die Stadt ein Nachnutzungskonzept für große Warenhäuser entwickelt, deren Zukunft in Zeiten sich ändernder Konsummuster ungewiss wenn nicht sogar angezählt ist. Abwarten, bis ein größerer Leerstand die Nachbarschaft und die gesamte Innenstadt belastet, war keine Option. Die Stadt wollte vorbereitet sein, um im Fall der Fälle schnell reagieren zu können und vernetzte sich daher proaktiv mit Eigentümer*innen von großen Handelsimmo - bilien und möglichen Nach- und Zwischennutzer*innen. Der Einfluss der Stadt bleibt jedoch nicht auf eine Ver - mittlungsposition beschränkt. Wird ein Leerstand abseh - bar, ist ein mehrstufiger Prozess vorgesehen: Je nachdem, wie aufgeschlossen die Eigentümer*innen sind, kann die Stadt als Vermittlerin auftreten, leerfal - lende Warenhäuser anmieten oder sogar ankaufen. Bis Eigentumsverhältnisse neu geregelt, neue Mieter*innen gefunden und Umbaumaßnahmen durchgeführt werden, können bei großen Handelsimmobilien Monate bis Jahre vergehen. Pop-up- und Zwischennutzungen können dabei eine gute Option sein, um längere Leerstände zu vermei- den. Die Stadtgesellschaft und zuvor aktivierte Akteur*in - nen werden zum Experimentieren und Testen von neuen Ideen eingeladen und beleben das Gebäude. Parallel hier - zu wird ermittelt, welche Nutzungen tragfähig sind und verstetigt werden können, welche neuen Akteur*innen von außen dazu kommen können und welche Umbaumaß - nahmen notwendig sein werden. Das neu eingerichtete Quartiersmanagement im Citylab (siehe S. 68–69) ist als zentrale Anlaufstelle in der Innen - stadt mit unterschiedlichen Akteur*innen und Strukturen der Innenstadt vertraut und spielt eine wichtige Rolle bei der Umsetzung des Konzeptes. „ “ Projekttyp: Rahmenprojekt So könnte das Projekt in Zukunft aussehen: 74 Aus welchen Bausteinen besteht das Projekt? öffentlich ppp (Public-private-partnership) privat Welche zentralen Meilensteine gibt es? Welche Säulen des Innenstadt- versprechens bedient das Projekt? Wohnen Handel, Versorgung Bildung, Teilhabe, Repräsentation Mobilität Kultur, Freizeit, Freiraum Arbeit, Produktion Wer sollte beteiligt werden? Wie wird das Projekt finanziert? Welche Zukunftsfragen beantwortet das Projekt unter anderem? Entwicklung eines Aktions - fahrplanes der greift, wenn große Einzelhandelsgebäude leerzufallen drohen Klärung, ob die Stadt große Immobilien kaufen oder an - mieten kann Suche nach möglichen Zwischennutzungen Kommunikation mit Eigentümer*Innen • Stadtplanungsamt • Citymarketing • Eigentümer*innen • kulturelle und zivilgesellschaftliche Akteur*innen • Quartiersmanagement “ Vernetzung mit Eigentümer*innen und Akteur*innen Verständigung über Ziele des Nachnutzungskonzepts Zwischennutzung als Option prüfen Nachnutzung Identifizierung möglicher Leerstandskandidaten Ankauf/Miete bei anstehendem Leerstand Verstetigungsoptionen prüfen Wie kann man Leerstände erfas - sen und systema- tisch nutzen? Wie kann sich die kulturelle Vielfalt der Stadt in der Innenstadt abbilden? Wie kann das Luisencenter weiterentwickelt werden? Ist es sinnvoll, mehr Wohnen in die Innenstadt zu bringen und wenn ja, welche Wohn- formen und wo? Wo lassen sich Räume und An- gebote für Kinder und Jugendliche schaffen? Ist es sinnvoll, mehr Wohnen in die Innenstadt zu bringen und wenn ja, wo? Wie können die zentralen Einkaufsstraßen als Erlebnisräume attraktiver werden? Wo können kreative Freiräume niedrigschwellig verfügbar gemacht werden? Wie können Kultur- und Wissenschafts - einrichtungen die Innenstadt beleben? 75 Zukunftsprojekte Darmstadthaus „mittendrin“ Ein multifunktionaler Stadtbaustein für Bildung, Engagement, Erlebnis und Kreativität Wo geht man hin, wenn man Darmstadt zeigen und die Stadt spürbar machen möchte? Ins Darm - stadthaus! Hier kommen Gesellschaft, Wissen - schaft, Verwaltung und Wirtschaft an einem einmaligen Ort zusammen, der vor Leben und spannenden Angeboten strotzt. Die Mitte der Darmstädter Gesellschaft – sie ist hier! Der große, einladende Foyerbereich macht schon von Weitem deutlich – hier sind alle willkommen! Neben Einzelhandel erstreckt sich ein belebter Café- und Gastro - bereich bis in den Außenraum. Große Unternehmen und Forschungsinstitutionen nutzen den Ausstellungsbereich im Erdgeschoss als Showroom und die Stadt diskutiert ihre Zukunftspläne bei Debattenabenden an einem großen Stadtmodell. Eine Etage höher befindet sich der Kern und Anker des Hauses: eine Bibliothek nach skandinavischem Vorbild und mittlerweile begehrte Adresse für Co-Working in Darmstadt. Bücher, digitale Medien und kulturelle Angebote bilden den Hintergrund für Bildung, soziales Miteinander und zivilgesellschaftliches Engagement. Vor allem für letzteres gibt es offene und flexible Arbeitsräume, die das Darmstadthaus zu einer Art Social-Startup-Hub in der Region gemacht haben. Ein Spiel- und Bewegungsbereich für Kinder und Erwach - sene schafft Abwechslung und ein Betreuungsangebot ermöglicht Eltern die Angebote des Darmstadthauses und der Innenstadt zu nutzen. Der grüne Dachgarten mit Bistro lädt darüber hinaus zum Ausruhen ein – wer möchte kann hier sogar gärtnerisch tätig werden. Der Stadt gelang es, eine große leerfallende Handels - immobilie anzukaufen oder anzumieten, wodurch der Leerstand in der Innenstadt kurz- und langfristig reduziert wurde. Die Trägerschaft des Darmstadthauses gelang im Dreiklang aus städtischem Betrieb, einer privatwirt - schaftlich finanzierten Stiftung und dem zivilgesellschaft - lichen „Verein Darmstadthaus“ als zentraler Kümmerer und Mitgestalter des Hauses. Das Darmstadthaus ist ein lebendiger Organismus in ständiger Bewegung und Anpassung. Nutzungen über - lagern sich, befruchten sich gegenseitig und werden zu etwas Neuem. „ “ Projekttyp: Langfristprojekt So könnte das Projekt in Zukunft aussehen: 76 Aus welchen Bausteinen besteht das Projekt? öffentlich ppp (Public-private-partnership) privat Welche zentralen Meilensteine gibt es? Welche Säulen des Innenstadt- versprechens bedient das Projekt? Wohnen Handel, Versorgung Bildung, Teilhabe, Repräsentation Mobilität Kultur, Freizeit, Freiraum Arbeit, Produktion Wer sollte beteiligt werden? Wie wird das Projekt finanziert? Welche Zukunftsfragen beantwortet das Projekt unter anderem? öffentliche Bibliothek Öffentlicher Dachgarten und Gastronomie / Markthalle / Food Court Co-Working und Veranstaltungsräume Bewegungs und Spiel- landschaften (mit Betreuungsangeboten) Öffentliches Foyer als Agora mit Stadtmodell und Ausstellungsbereich • Stadtplanungsamt • Stadtbibliothek Darmstadt • Volkshochschule Darmstadt • Zivilgesellschaft • öffentliche Institutionen (Hochschulen etc.) • Wirtschaft (große Unternehmen aus DA) “ Konzeptentwicklung und Gründung eines Fördervereins Ermittlung potenziell geeigneter Immobilien aktivierende Zwischennut - zung des Gebäudes bis zur Umgestaltung Aktivierung weiterer (auch privat- wirtschaftlicher) Akteur*innen Sicherung von Flächen Eröffnungsfeier Wie kann sich die kulturelle Vielfalt der Stadt in der Innenstadt abbilden? Wo kann man so- genannte „Dritte Orte“ schaffen, in denen sich Arbeit, Freizeit und Alltag überblenden? Wo lassen sich Räume und An- gebote für Kinder und Jugendliche schaffen? Wie können Kultur- und Wissenschafts - einrichtungen die Innenstadt beleben? Wo gibt es Raum für New Work und neue Formen der Produktivität Was kommt nach den großen Kauf- häusern? Wie können die zentralen Einkaufs - straßen als Erleb- nisräume attrakti - ver werden? Könnte es in Darmstadt eine lebhafte Bibliothek nach skandina- vischem Vorbild geben? Und wo? Wo können kreative Freiräume niedrigschwellig verfügbar gemacht werden? 77 Zukunftsprojekte Heiner Crossing Verbesserung der Anbindung der umliegenden Wohngebiete und der Mathildenhöhe an die Innenstadt „ “ Projekttyp: Langfristprojekt Der Cityring hat sich schrittweise von einer Barrie - re zu einem verbindenden Stadtraum gewandelt, wodurch sich die Nutzung und Erreichbarkeit der Innenstadt entschieden verbessert hat. Der motori - sierte Individualverkehr musste dafür nicht wei - chen, sondern wurde lediglich den anderen Verkehrsteilnehmenden gleichgestellt, damit die Erreichbarkeit der Innenstadt für alle gut und sicher möglich wurde und die Qualität der öffent- lichen Räume erheblich verbessert wurde. Das Ziel war klar: Eine bessere Anbindung der umliegen- den Wohngebiete und der Mathildenhöhe mit der Innen - stadt sowie die Aufwertung der öffentlichen Räume ent- lang des Cityrings. Um dies umzusetzen gab es mehrere Maßnahmen: Die Einfachste bestand in der Aufwertung der vorhandenen Unter- und Überführungen des Cityrings durch attraktive Beleuchtung und hochwertige (künstleri- sche) Gestaltung dieser Orte. Die vorhandenen ebenerdigen Übergänge – wie beispielsweise zwischen Schloss und darmstadtium konnten künstlerisch gestaltet werden und so die Verbindung auch zur Mathildenhöhe optisch hervorheben. Ein neuer, ebenerdiger Übergang im Bereich der Stadtkir- che über den Cityring war eine weitreichendere Verbesse- rung der Anbindung mit den umliegenden Quartieren. Langfristig werden der Cityring und v. a. die Kreuzungs- bereiche umgestaltet werden. Bisher sind sie weite, graue und versiegelte Verkehrsräume die sich unangenehm anfühlen und sich im Sommer enorm erhitzen. So ent- steht mehr Raum für Entsiegelung und Fuß- und Radver- kehr. Welche Maßnahmen genau ergriffen werden, z.B. begrünte Straßenbahngleisbetten oder Begrünung von Verkehrsinseln, soll in co-kreativen Verfahren z. B. im CityLab entwickelt und von Verkehrsversuchen oder Pop-Up-Maßnahmen begleitet werden. So könnte das Projekt in Zukunft aussehen: 78 Aus welchen Bausteinen besteht das Projekt? öffentlich ppp (Public-private-partnership) privat Welche zentralen Meilensteine gibt es? Welche Säulen des Innenstadt- versprechens bedient das Projekt? Wohnen Handel, Versorgung Bildung, Teilhabe, Repräsentation Mobilität Kultur, Freizeit, Freiraum Arbeit, Produktion Wer sollte beteiligt werden? Wie wird das Projekt finanziert? Welche Zukunftsfragen beantwortet das Projekt unter anderem? • Mobilitätsamt • Stadtplanungsamt • HEAG mobilo • Umweltamt • Grünflächenamt • Amt für Klimaschutz und Klimaanpassung “ Prüfung rechtlicher Möglichkeiten/Hürden (Bundesstraße) Verbesserung der Querungsoptionen Verstetigung baulicher Veränderung Temporäre Intervention für Veränderung der Fahrspuren, Kreuzungen Analyse und Planung Verkehrsversuch Durchführung Co-Kreatives Verfahren zur Umgestaltung des Cityrings Ausreichend sichere Fuß- und Radverbindungen entlang des Cityrings und über den Cityring hinweg einrichten Künstlerische Gestaltung der Übergänge durch lokale Akteur*innen Ko-Kreatives Verfahren für die Gestaltung des City- rings durchführen (z.B. Beteiligung oder Werkstatt - verfahren) Verkehrsversuch zur Erprobung verbesserter Querungsmöglichkeiten Wie kann der innerstädtische Radverkehr besser integriert werden? Wo kann / muss Klimaanpassung zum Gestaltungs - faktor werden? Wo kann die Innen- stadt grüner und blauer werden? Wie kann die Trennwirkung des Cityrings mini- miert werden? Wie kann der Bezug der angren - zenden Quartiere zur Innenstadt gestärkt werden? Wie können Kul- tur- und Wissen- schaftseinrichtun - gen die Innenstadt beleben? Wie gelingt der Brückenschlag zum Welterbe Mathildenhöhe? Wie kann der Bereich um das Justus-Liebig-Haus weiterentwickelt werden? Wie kann das Umland attraktiv und zukunftsfähig in die Innenstadt kommen? 79 Zukunftsprojekte Wilhelmine und Luise Belebung der Erdgeschosszone entlang der Wilhelminen- und Luisenstraße Das Luisencenter stellt eine städtebauliche Her - ausforderung dar - aber auch eine große Chance! Durch die Umgestaltung der Straßenräume und Erdgeschosszonen wurde die Dominanz des Ge - bäuderiegels entschärft und eine spannende Kleinteiligkeit zurück auf die Straße gebracht. Auch für etwaige bauliche Veränderungen am Gebäude selbst ist die Stadt im Kontakt mit den Eigentümer*innen. Für die Aktivierung und Aufwertung des öffentlichen Stadtraums entlang des Luisencenters brauchte es jeweils eigene Ansätze. Die Luisenstraße ist schmal und schattig. Was im Winter weniger gemütlich ist, wird an heißen Sommertagen attraktiv. Nach dem Vorbild der lebendigen und schmalen Laneways aus Melbourne mit von Markisen überdachten Straßencafés, Bars und Streetart wurde die Enge als Qualität herausgearbeitet. Mit der Idee einer „urbanen Klamm“ wurden große Bereiche der grauen Betonfassade mit Moosen und Farnen begrünt und damit „belebt“. Auf der anderen Gebäudeseite wurde nach dem Vor - bild der Londoner Sayer Street eine lebendige Erdge - schosszone vor das Luisencenter gesetzt. Kleine bunte Holzhäuser wechseln sich mit grünen Hochbeeten und gemütlichen Sitzbereichen ab. In den Häuschen befinden sich Bistros, Cafés, ein Blumenladen und Räume für unterschiedliche Pop-up-Nutzungen in denen auch neue Einzelhandelskonzepte getestet werden können. Insge- samt ein neuartiges Stadterlebnis, das sich positiv auf die gesamte Umgebung auswirkt und auch in den Abend - stunden mit seiner Beleuchtung diesem Stadtraum einen lebendigen Charakter gibt. Die Umgestaltungen haben den Stadtraum entlang des Luisencenters deutlich aufgewertet – für weitere Verbes- serungen gibt es bereits Ideen, auch den Gebäudekörper selbst anzugehen. Zugängliche Dächer, Nutzung des Bal- kons in der ersten Etage oder den Durchbruch von der Adelung- zur Schuchardtstraße. Für dieses große Projekt ist das Quartiersmanagement bereits in Gesprächen mit den Eigentümer*innen des Luisencenters getreten. „ “ Projekttyp: Langfristprojekt So könnte das Projekt in Zukunft aussehen: 80 Aus welchen Bausteinen besteht das Projekt? öffentlich ppp (Public-private-partnership) privat Welche zentralen Meilensteine gibt es? Welche Säulen des Innenstadt- versprechens bedient das Projekt? Wohnen Handel, Versorgung Bildung, Teilhabe, Repräsentation Mobilität Kultur, Freizeit, Freiraum Arbeit, Produktion Wer sollte beteiligt werden? Wie wird das Projekt finanziert? Welche Zukunftsfragen beantwortet das Projekt unter anderem? “ Luisenstraße als Innenstadt - gasse aufwerten - mit kleinteiligen Gastro - angeboten oder begrünten Fassaden Wilhelminenstraße beleben durch neue grüne Aufenthaltsflächen und Ge - schäftsräume in bunten nach - haltigen Holzgebäuden Kooperation mit Eigen- tümer*innen des Luisen- center um etwaige bauliche Anpassungen abzustimmen • Stadtplanungsamt • Grünflächenamt • Eigentümer*innen • Gastronomie • Quartiersmanagement bauliche Vorhaben mit Eigentümer*in Luisencenter/Karstadtgebäude abstimmen architektonisches Konzept und Design für Straßenraum erstellen aktive Ansprache geeigneter Akteur*innen Umsetzung Maßnahmen im Straßenraum Umsetzung Maßnahmen am Luisencenter Wo kann man so- genannte „Dritte Orte“ schaffen, in denen sich Arbeit, Freizeit und Alltag überblenden? Wie kann das Lui- sencenter weiter- entwickelt werden? Wie kann das Lui- sencenter weiter- entwickelt werden? Wo und wie lässt sich der Erleb- nischarakter des Handels durch neue Angebote erhöhen? Wie kann mehr Regionalität z.B. durch regionale Produkte in die City kommen? Wie können die zentralen Einkaufs - straßen als Erleb- nisräume attrakti - ver werden? Wo lassen sich Räume und An- gebote für Kinder und Jugendliche schaffen? Wo können kreative Freiräume niedrigschwellig verfügbar gemacht werden? Wie kann sich die kulturelle Vielfalt der Stadt in der Innenstadt abbilden? 81 Zukunftsprojekte Boulevard Rheinstraße Das Eingangstor zur Innenstadt wird zur ersten Adresse Projekttyp: Langfristprojekt „ “ Seitdem die Rheinstraße von einer reinen Ver - kehrsachse zum großstädtischen Boulevard um - gestaltet wurde, ist sie wieder das repräsentative Entree zur Innenstadt. Die Rheinstraße ist die zentrale Verbindung zwischen Hauptbahnhof und Innenstadt und lädt Gäste und Besucher geradezu ein, in die Innenstadt zu kommen. Nicht nur des - halb ist sie vor allem bei Unternehmen als erste und gut zu erreichende Adresse begehrt. Ausgangspunkt der Umgestaltung war ein mehrtägiges Werkstattverfahren, bei dem eingeladene Fachplaner*in- nen aus den Bereichen Mobilität, öffentlicher Raum, Architektur und Städtebau vor Ort Testplanungen für die Rheinstraße zwischen Kennedyplatz und Luisenplatz entwarfen. Dabei wurden zunächst zwei grundlegende Fragen diskutiert: Welche Art von Stadterlebnis soll die Rheinstraße zukünftig bieten? Und: Welche Funktionen soll die Rheinstraße in Zukunft für Darmstadt als Verkehrs- raum erfüllen? Mit Probeentwürfen wurden Möglichkeiten einer Neuorga - nisation und Umgestaltung des Straßenraums ausgelotet. Die Teams machten nicht nur Aussagen zum Straßen- raum, sondern auch zum Städtebau, zur Architektur, zur Fassaden gestaltung sowie zur Nutzung der Gebäude. Die Vorschläge reichten von der kompletten Sperrung der Straße für den motorisierten Individualverkehr bis zur Einführung eines Shared Spaces, sowie vom Bau neuer Hochpunkte am Kennedyplatz als „Tor“ in die Stadt bis zur durchgehenden Begrünung der Fassaden. Manche Teams ließen sich von Paris inspirieren und seinen um - fassenden und international beachteten Maßnahmen zur Begrünung und Verkehrsberuhigung. Diese Testplanungen wurden im nächsten Schritt öffentlich vorgestellt und diskutiert. Ziel war es, die besten Elemente aus den unterschiedlichen Arbeiten herauszufiltern und an- schließend in einem Entwurf zusammenzufassen, der am besten zu Darmstadt passt. Das Ergebnis wird nicht nur den Anforderungen an eine innerstädtische Straße mit Bus- spuren und Straßenbahntrasse gerecht, sondern auch den Bedürfnissen an einen repräsentativen Freiraum mit hoher Aufenthaltsqualität. Vor der eigentlichen Ausführungspla- nung konnten Teilaspekte des Entwurfs durch Pop-up-Maß- nahmen temporär getestet und der finale Entwurf dadurch weiter geschärft werden. So könnte das Projekt in Zukunft aussehen: 82 Aus welchen Bausteinen besteht das Projekt? öffentlich ppp (Public-private-partnership) privat Welche zentralen Meilensteine gibt es? Welche Säulen des Innenstadt- versprechens bedient das Projekt? Wohnen Handel, Versorgung Bildung, Teilhabe, Repräsentation Mobilität Kultur, Freizeit, Freiraum Arbeit, Produktion Wer sollte beteiligt werden? Wie wird das Projekt finanziert? Welche Zukunftsfragen beantwortet das Projekt unter anderem? “ Veranstaltung eines Werk- stattverfahrens zur Ermitt - lung von Entwicklungsop - tionen (Testplanung) Definition von Entwick - lungskriterien für die Rheinstraße. Welche Funktion und Bedeutung soll sie haben? • Stadtplanungsamt • Amt für Wirtschaft und Stadtentwicklung • Mobilitätsamt • Fachplaner*innen: (Verkehr/Mobilität, Städtebau/Architektur, Freiraum) • Eigentümer*innen / HEAG mobilo Anforderungen an den Öffentlichen und privaten Verkehr im Zentrum und Umland klären (Mobilitäts - konzept) Durchführung eines öffentlichen Dialogpro - zesses zur Diskussion der Werkstattergebnisse und der Umsetzung der Maßnahmen Konzeption und Durchführung Werkstatt- verfahren Erarbeitung eines Entwurfs mit konkreten Maßnahmen Umsetzung von Maßnahmen Testplanungen öffentlich präsentieren/diskutieren ggf. Durchführung von Tests/Pop-up-Maßnahmen Wo kann die Innen- stadt grüner und blauer werden? Wie können Erlebnis und Aufenthalt in der Rheinstraße verbessert werden? Wie kann das Umland attraktiv und zukunftsfähig in die Innenstadt kommen? Wie kann der innerstädtische Radverkehr besser integriert werden? Kann die Rhein- straße zum Ein- gangstor werden? Wie kann der Luisenplatz ent- schärft werden? Wo kann / muss Klimaanpassung zum Gestaltungs - faktor werden? Kann die Rheinstraße zur gefragten Unternehmens- adresse werden? Welches Profil soll die Moller- stadt als Arbeits - ort haben? Welche Rolle spielen EG‘s? 83 Zukunftsprojekte City Paten Ein Akteursnetzwerk zur Innenstadtbelebung in Eigenregie Projekttyp: Quick Win „ “ Seitdem sich auf der Creators Night – einem Work- shop des Entwicklungskonzepts Innenstadt – eine Initiative von Akteur*innen rund um den Stadtkirch- platz als „City Paten“ zusammengetan hat, lebt die Innenstadt ganz neu auf. Bei den City Paten handelt es sich um ein Netzwerk von Menschen, die sich für ihre Stadt und die Belebung des öf- fentlichen Raums einsetzen. Geschäftstreibende, Vereine oder Kultureinrichtungen, wie die Stadt- kirche, übernehmen eine Mitverantwortung für den öffentlichen Raum, veranstalten zusammen kleine Events, wie Filmvorführungen oder Konzerte, und kümmern sich um den Freiraum. So bekommt zum einen die Zivilgesellschaft mehr Raum, und zum anderen profitieren die ansässigen Akteur*innen in der Innenstadt auch wirtschaftlich von der Belebung. Die City Paten kuratieren die Veranstaltungen und Konzep- te selbst, sie stimmen sich gegenseitig ab, kooperieren und profitieren voneinander. Dafür stellen sie zum Bei- spiel auch Tische, Bänke oder Catering zur Verfügung. Die Stadt steht ihnen dabei unterstützend zur Seite, etwa durch das Quartiersmanagement das bei inhaltlichen Fragen oder zu Formaten beraten kann, oder indem sie durch den Verfügungsfonds finanzielle Mittel für konkrete Projekte zur Verfügung stellt. Seit dem die City Paten als festes Netzwerk in der Innen- stadt etabliert sind, gibt es ein stärkeres Verantwortungs- gefühl der ansässigen Akteur*innen für Ihre Stadt. Durch die Eigeninitiative werden Projekte schnell umgesetzt und Neues ausprobiert. Von diesem Engagement profitiert die gesamte Stadt, denn die neue Aktivität strahlt weit über die Grenzen der Innenstadt hinaus. Die Beteiligten selbst profitieren nicht zuletzt auch wirtschaftlich, sodass der Standort Innenstadt heute auf breiteren Füßen steht als früher. So könnte das Projekt in Zukunft aussehen: 84 Aus welchen Bausteinen besteht das Projekt? öffentlich ppp (Public-private-partnership) privat Welche zentralen Meilensteine gibt es? Welche Säulen des Innenstadt- versprechens bedient das Projekt? Wohnen Handel, Versorgung Bildung, Teilhabe, Repräsentation Mobilität Kultur, Freizeit, Freiraum Arbeit, Produktion Wer sollte beteiligt werden? Wie wird das Projekt finanziert? Welche Zukunftsfragen beantwortet das Projekt unter anderem? “ • lokale Gewerbetreibende • lokale Gastronomie • Kultureinrichtungen und Vereine (z. B. Stadtkirche) • Anwohnende • Quartiersmanagement • Bürger- und Ordnungsamt Organisation und Durch- führung von Veranstal - tungen zur Belebung des öffentlichen Raumes, z.B. Filmvorführungen, Konzerte, Picknicks etc. Kooperation mit der Stadt (Abstimmung Ver- anstaltungen, evtl. Teilfinanzierung z.B. durch Verfügungsfonds) Aufwertung und Pflege des öffentlichen Raumes Kommunikation und Netz- werkarbeit der Beteiligten untereinander und mit der Stadtgesellschaft allgemein informeller Zusam- menschluss von Akteur*innen ggf. Unterstützung durch Quartiers- management Planung und Durchführung erster gemeinsame Veran - staltung in Eigeninitiative Erweiterung Akteursnetzwerk Wo lassen sich Räume und An- gebote für Kinder und Jugendliche schaffen? Lässt sich der Erlebnischarakter des Handels durch gastro nomische und andere Ange- bote erhöhen? Wie kann die Wohnqualität für die Bewohnenden der Innenstadt gestärkt werden? Wie kann die Quartiersidentität der Innenstadt gestärkt werden? Wo können kreative Freiräume niedrigschwellig verfügbar gemacht werden? Wo spielt das Thema Sicherheit und Sicherheits- gefühl in Zukunft eine Rolle? Wie lassen sich Interaktionen zwi - schen Handel und den Kulturinstitu- tionen stärken? Wie können Kultur und Wissenschaft die Innenstadt beleben? Wo kann man sogenannte „Dritte Orte“ schaffen für Arbeit, Freizeit und Alltag? 85 Zukunftsprojekte Frei-Deck Ein von und mit Jugendlichen entwickelter Freizeitort in der Innenstadt. Projekttyp: Quick Win „ “ Auf einem ehemals grauen (Park-)Hausdach in der Innenstadt ist ein bunter Freizeitort entstanden: für Jugendliche zum Sport treiben, um Freund*innen zu treffen, oder einfach um zu Chillen. Innerhalb kürzester Zeit hat sich das Frei-Deck zu einem der angesagtesten Orte in Darmstadt entwickelt und lockt Jugendliche und junge Erwachsene in die Innenstadt. Ein Verein ist verantwortlich für die Bespielung und Gestaltung des Ortes. Das Frei-Deck wurde in einem mehrstufigen Beteiligungs- prozess gemeinsam mit den Jugendlichen vor Ort entwor- fen und gebaut. Vor allem die Tatsache, dass Jugendliche nun einen Ort in der Innenstadt haben, an dem sie sich ungestört aufhalten können und nicht der Kontrolle von Erwachsenen ausgesetzt sind, macht diesen Ort für sie interessant. Neben überdachten Sitzgelegenheiten und Begrünung gibt es Möglichkeiten für Sport und Bewe- gung. Es gibt überdachte Bereiche für Yoga, Körbe und Markierungen für Basketball, Tischtennisplatten sowie kleine Rampen und Rails zum Skateboarden. Auf Graffiti- flächen entsteht ständig neue Streetart und auf einer Bühne können Bands und DJs auftreten oder Poetry Slams veranstaltet werden. Ein besonderes Highlight ist der Blick vom Dach über die Innenstadt. All diese Faktoren prägen die einzigartige Atmosphäre dieses Ortes: Das Frei-Deck ist bunt, jung, wild und kreativ chaotisch und damit der neue „instagrammable place“ in Darmstadt. Das Quartiers- management stieß initiativ die Entwicklung an, während sich nun ein Verein um die Gestaltung, Instandhaltung und Veranstaltungskoordinierung kümmert. So könnte das Projekt in Zukunft aussehen: 86 Aus welchen Bausteinen besteht das Projekt? öffentlich ppp (Public-private-partnership) privat Welche zentralen Meilensteine gibt es? Welche Säulen des Innenstadt- versprechens bedient das Projekt? Wohnen Handel, Versorgung Bildung, Teilhabe, Repräsentation Mobilität Kultur, Freizeit, Freiraum Arbeit, Produktion Wer sollte beteiligt werden? Wie wird das Projekt finanziert? Welche Zukunftsfragen beantwortet das Projekt unter anderem? “ Konzeptentwicklung mit Jugendlichen und Eigentü - mer*innen Umbau und Gestal- tung der Fläche EröffnungVereinsgründung Identifizierung geeigneter Flächen Fortlaufende Kuratierung, Kümmererschaft und Pflege klären • Jugendamt • Sportamt • Jugendliche • V.I.P.eers (aufsuchende Jugendarbeit) • Eigentümer*innen • Quartiersmanagement • Stadtplanungsamt Sportanlagen für Ball - sportarten, Körpertraining, Skaten Café/Kiosk, Grünele - mente verschiedene Sitzsituationen, Büh - ne/Podest Initiierung und Koordinie - rung zwischen Akteur*in - nen durch das Innenstadt - management Streetart: Graffiti-Flächen Gründung eines Vereins zur Koordinierung, Um- setzung und Pflege des Ortes Einrichten von Infrastruktur: Strom, WC, Wasserspender, W-Lan, Ladestationen für Mobilgeräte Wie kann sich die kulturelle Vielfalt der Stadt in der Innenstadt abbilden? Wo kann / muss Klimaanpassung zum Gestaltungs - faktor werden? Wo kann die Innen- stadt grüner und blauer werden? Wie kann das Lui- sencenter weiter- entwickelt werden? Wo kann man so- genannte „Dritte Orte“ schaffen für Arbeit, Freizeit und Alltag? Wie kann die Wohnqualität für die Bewohnenden der Innenstadt ge - stärkt werden? Wo lassen sich Räume und An- gebote für Kinder und Jugendliche schaffen? Wo können kreative Freiräume niedrigschwellig verfügbar gemacht werden? Wie kann man die Alleinstellung des Handels aufbrechen? 87 Zukunftsprojekte Pop-Up Playground Ein mobiler Spielplatz belebt wechselnde Standorte in der Innenstadt Projekttyp: Quick Win „ “ Am Freitag Nachmittag oder Samstag Vormittag mit der Familie in die Innenstadt? Na klar! Zwischen Einkaufsbummel und einem leckeren Mittagessen in einem der vielen Lokale können sich die Kinder am Pop-up-Spielplatz austoben und ausprobieren. Währenddessen können sich die Eltern aussuchen, ob sie mitspielen, einen Kaffee in einem der Lie- gestühle genießen oder sich aufteilen um weitere Erledigungen zu machen. Da es in der Innenstadt keinen Spielplatz gibt, war klar, dass es ein Angebot für Kinder und Familien zum Spielen, Bewegen, sich Treffen und Erholen braucht. Die wenigen öffentlichen Flächen in der Innenstadt sind durch eine hohe Taktung von Veranstaltungen sehr begehrt. Daher kam die Idee auf, die Innenstadt regelmäßig an wechseln- den Orten zu bespielen und damit immer neue Erlebnisse zu schaffen. Gerade kleine Zwischenräume und Restflächen können mit etwas Fantasie neu entdeckt und belebt werden. Rund um den Brunnen am Ludwigsplatz, zwischen den Bäumen auf dem Stadtkirchplatz oder auf der öffentlich zugäng- lichen Empore am Karstadt entlang der Wilhelminenstraße: solche Orte laden ein zum Spielen und Entdecken und sind viel spannender als ein großer, freier Platz. Durch eine Kooperation mit dem „Rotzfrechen Spielmobil“ konnten vorhandene Strukturen und Kompetenzen genutzt und er- weitert werden. Das Repertoire an Spielgeräten wurde für die Innenstadt-Spielplätze erweitert und auch mobile Sitz- gelegenheiten angeschafft, in denen Eltern sich Ausruhen und Getränke aus der umliegenden Gastronomie oder von einem Coffe-Bike genießen. Da das Angebot so gut angenommen wird, gibt es bereits Überlegungen, die Belebung der Innenstadt durch Familien auch an kalten und regnerischen Tagen zu stärken. Ein Pop-up-Spielplatz kann auch einen Ladenleerstand füllen! Und mit etwas Unterstützung und Querfinanzierung durch Gewerbetreibende wäre in Zukunft auch ein Indoorspiel- platz mit Betreuungsangebot ein wichtiger Baustein für eine Innenstadt für Alle. So könnte sich das Projekt in Zukunft anfühlen: 88 Aus welchen Bausteinen besteht das Projekt? öffentlich ppp (Public-private-partnership) privat Welche zentralen Meilensteine gibt es? Welche Säulen des Innenstadt- versprechens bedient das Projekt? Wohnen Handel, Versorgung Bildung, Teilhabe, Repräsentation Mobilität Kultur, Freizeit, Freiraum Arbeit, Produktion Wer sollte beteiligt werden? Wie wird das Projekt finanziert? Welche Zukunftsfragen beantwortet das Projekt unter anderem? “ • Quartiersmanagement • Jugendamt • Spielmobil • Grünflächenamt Anschaffung von hoch - wertigem Spielgerät und Mobiliar Bespielung erster Flächen Kooperation/Rahmenvertrag mit Spielmobil Prüfung: Bespielung Leerstände & Betreuungsangebote Kuratierung durch das Quartiersmanagement (Flächensuche, Bespielung, Genehmigungen einholen) mobile Spielgeräte (Rutsche, Kisten, Balancierbalken, Autoreifen, Fahrgeräte, etc.), Sitzgelegenheiten für Eltern Kooperation mit dem „Rotzfrechen Spielmobil“ Wie kann sich die kulturelle Vielfalt der Stadt in der Innenstadt abbilden? Wo können Bewegungs- angebote in der Innenstadt ge- schaffen werden? Wie soll sich der Bereich rund um die Stadtkirche entwickeln? Wo lassen sich Räume und An- gebote für Kinder und Jugendliche schaffen? Wie kann die Wohnqualität für die Bewohnenden der Innenstadt ge - stärkt werden? Wie kann der Ludwigsplatz attraktiver werden? Wie können die zentralen Einkaufs - straßen als Erleb- nisräume attrakti - ver werden? 89 City-Entwicklungsgesellschaft Eine städtische Entwicklungsgesellschaft als impulsgebende Entwicklungsträgerin: Sie ko - ordiniert und plant die notwendigen Schritte – von Machbarkeitsstudien bis hin zur Initiie - rung und Umsetzung notwendiger Baumaß - nahmen. Dabei ist sie nicht nur in der Lage, öffentliche und private Gelder zu mobilisieren, sondern auch selbst Investitionen zu tätigen. City Improvement District Als öffentlich-private Partnerschaften zielen sie darauf ab, die Lebensqualität in der Innen - stadt zu fördern. Mittels einer selbst auferlegten Abgabe können innerstädtische Akteur*innen Mittel und Ressourcen bündeln, um Projekte zu realisieren, die sonst schwierig oder unmöglich zu finanzieren wären. Flächenpool / Community Land Trust Darmstadt hat die Möglichkeit, gezielt Flächen und Schlüsselgrundstücke zur Bildung eines Flächenpools anzukaufen. Auch die Anmietung von Erdgeschossen und Schlüsselimmobilien, wie etwa großen Kaufhäusern, ist denkbar. Neue Organisationseinheiten Co-Kreative Partnerschaften Materielle Ressourcen Leitplanken Das Entwicklungskonzept Innenstadt schafft eine solide Grundlage für die strategische Weiter- entwicklung der Darmstädter Innenstadt. Ein Konzept ist allerdings nur etwas wert, wenn auch die Ebene der Umsetzung mit bedacht wird. Um die gemeinsam mit der Stadtgesellschaft er- arbeiteten Projekte zu realisieren, braucht es auch einen strategischen Steuerungsrahmen. Im Zentrum steht die Stadt als steuernde Akteurin – die öffentliche Hand ist aber nicht allein verant- wortlich. Um Darmstadts Mitte fit für die Zukunft zu machen, braucht es den Schulterschluss aller lokalen Kräfte: ob Eigentümer*innen, Gewer- betreibende, zivilgesellschaftliche Initiativen, Anwohnende, öffentliche Verwaltung, Politik oder Kulturschaffende. Es braucht einen langfristig tragfähigen und stabilen Rahmen für einen Ent- wicklungsprozess, in dem die Umsetzung der Zukunftsprojekte und das Zusammenwirken aller Kräfte gesichert werden kann. Der Rahmen be- steht aus vier Ebenen: Ausreichend materiellen Ressourcen, neuen, geeigneten Organisations- einheiten, Leitplanken für die Entwicklung sowie co-kreativen Entwicklungspartnerschaften. Mit diesen Strukturen ist Darmstadt gewappnet, um frühzeitig aktuellen und kommenden Heraus- forderungen zu begegnen und die Stadtmitte als zukunftsrobustes wirtschaftliches, kulturelles und gesellschaftliches Zentrum mit Aufenthalts- qualität für alle Darmstädter*innen zu stärken. Wie können die Projekte umgesetzt werden? Empfehlungen für Governancestrukturen und Prozesse Wie können die Projekte umgesetzt werden? Empfehlungen für Governancestrukturen und Prozesse ZukunftsprojekteZukunftsprojekte90 Kollaborative Projektentwicklung Die Stadtgesellschaft sollte auch in den wei - teren Prozess der Projektentwicklung einge - bunden werden: Mit ihrem Expert*innenwissen können sie wichtige Impulse setzen, Verantwor - tung bei der Umsetzung von Schlüsselprojekten übernehmen und zu „Kümmer*innen“ werden. City Zukunftsfonds Als zentraler Fördertopf für Innenstadtprojekte ermöglicht ein Zukunftsfonds finanzielle Mittel zu bündeln und für das Gemeinwohl einzuset - zen. Wer eine gute Idee hat, kann Fördergelder beantragen, egal ob Eigentümer*innen, Gewer - betreibende, sozialer Verein oder Anwohnende. Ein starker kommunikativer Rahmen Eine starke Marke und eine proaktive Kommunikationsstrategie sind Vor - aussetzung, um den Prozess in der Stadtgesellschaft sichtbar zu machen und über Teilerfolge zu informieren. Prozessfahrplan Ein klar strukturierter Prozessfahrplan inklusive Evaluationsphasen bietet Projektpartner*innen und Stakhol - der*innen eine gute Übersicht über den Prozessfortschritt. Die Roadmap sollte einen Zeithorizont von zehn Jahren umfassen. Besonderes Städtebaurecht Mithilfe des besonderen Städtebaurechts eröffnet sich Darmstadt die Chance, seine Steuerungsmöglichkeiten zu optimieren – durch Vorkaufsrecht, Genehmigungsvor - behalte, Qualifizierungsverfahren oder durch städtebauliche Verträge. 91 Impressum Herausgeber Der Magistrat der Wissenschaftsstadt Darmstadt Stadtplanungsamt Mina-Rees-Straße 12 64295 Darmstadt Amt für Wirtschaft und Stadtentwicklung Im Carree 1 64283 Darmstadt Darmstadt Marketing GmbH Elisabethenstr. 20-22 64283 Darmstadt in Zusammenarbeit mit: Darmstadt Citymarketing e. V. Elisabethenstraße 20-22 64283 Darmstadt www.darmstadt.de/damittendrin Bearbeitung Strategie, Prozess, Redaktion, Gestaltung urbanista Stadtentwicklung, Stadtforschung und Partizipation Springeltwiete 4 20095 Hamburg www.urbanista.de Illustrationen Ramón Springer Fotografien S. 11 oben links und oben rechts: Rüdiger Dünker, unten: urbanista S. 13 oben: Stadtsache, unten: Rüdiger Dünker S. 14 alle: Rüdiger Dünker S. 15 oben: urbanista, untere drei: Stadt Darmstadt S. 21 oben: lizenzfrei, Mitte oben: Stadtarchiv Darmstadt, Mitte unten: HEAG mobilo, unten: Stadt Darmstadt S. 22 Darmstadt Marketing GmbH S. 23 oben links: netzwerkarchitekten, oben rechts: Wissenschaftsstadt Darmstadt unten links: WerkStadt Architekten und Stadtplaner, unten rechts: studioinges Architektur und Städtebau 92
anlage 2
231 Zeichen
Punkt 10: Entwicklungskonzept Innenstadt (V-Nr. 2023/0166) Der Ausschuss für Bauen, Stadtplanung, Verkehr und Liegenschaften empfiehlt der Stadtverordnetenversammlung, der Vorlage zuzustimmen. Stimmenthaltung: FDP-Fraktion
2023/0166
7620 Zeichen
Magistratsvorlage
Eingang Magistrats -
geschäftsstelle:
10.05.2023
an den Magistrat
zur Kenntnis
zur Beschlussfassung
Beteiligt vor
Magistratsbeschlussfassung:
Dezernat I an die Stadtverordnetenversammlung
OBW zur Befassung
zur Kenntnis
zur Beschlussfassung
zur abschließenden Beschluss -
fassung Fachausschuss
Dezernat III
Amt: Amt für Wirtschaft
und Stadtentwicklung OBW bei abschl.
Beschlussfassung Magistrat
Behandlung in
öffentl. Sitzung
Ja
Nein
Verteiler:
Ja
Nein
Vorlage-Nr. 2023/0166
Magistratsbeschluss -Nr.
Internetfähig
Produkt-Nr.: 511010
Kostenstelle: 015-002-1000 Investitionsnummer:
Kostenträger: 5110-11 Sachkonto: 6779300
Betreff: Entwicklungskonzept Innenstadt
Vorlage vom: 05.05.2023
Beschlussvorschlag :
1. Der Magistrat beschließt das Entwicklungskonzept Innenstadt. Es bildet die Basis für die
kommunalpolitische Diskussion und Entscheidungsfindung und dient als Strategiepapier für die
zukunftsfähige Weiterentwicklung der Innenstadt.
2. Zur Umsetzung von Maßnahmen aus dem Entwicklungskonzept Innenstadt, welche nicht bereits
über das Bundesprogramm „Zukunftsfähige Innenstädte und Zentren“ finanziert werden, sind
die erforderlichen Mittel durch das jeweilige Fachamt anzumelden sowie die notwendigen
Gremienbeschlüsse im Vorfeld einzuholen.
3. Die verwaltungsinterne Steuerung der Umsetzung des Entwicklungskonzepts Innenstadt und
das Monitoring der Umsetzung erfolgen in gemeinsamer Federführung durch das Amt für
Wirtschaft und Stadtentwicklung und das Stadtplanungsamt. Die fachliche Begleitung erfolgt
durch das bestehende Projektteam aus Amt für Wirtschaft und Stadtentwicklung,
Stadtplanungsamt, Darmstadt Marketing GmbH und Darmstadt Citymarketing e.V.
- 2 -
Anlagen: 230503_Entwicklungskonzept_Innenstadt_Einzelseiten_FINAL
Datenschutzrelevante Anlage:
Folgekosten: Ja Nein
Beschluss des Magistrats vom
- 3 -
Begründung zur Magistratsvorlage vom
Bereits seit geraumer Zeit hatte die Darmstädter City, wie andere deutsche Innenstädte, mit
abnehmenden Frequenzen, sinkender Zentralität und punktuellen Trading-Down-Prozessen zu
kämpfen. Starke Zuwächse des Onlinehandels sowie die Dauerkrise der großen Kaufhäuser
hatten dort bereits ihre Spuren hinterlassen. Die Corona-Pandemie hat bestehende
Entwicklungen verschärft, obwohl auch festzustellen ist, dass die Darmstädter Innenstadt eine
gute Robustheit aufweist. Trotz dieser Robustheit hat sich die Stadt frühzeitig dem Thema der
Attraktivierung angenommen und schon in 2020 beschlossen, ein Entwicklungskonzept
Innenstadt mit breiter Beteiligung der Gewerbetreibenden, weiterer Stakeholder und vor allem
der Bürgerinnen und Bürgern zu erarbeiten (Vorlage-Nr. 2020/0288).
Weiterhin hat sich die Stadt erfolgreich um Fördermittel aus dem Landesprogramm „Zukunft
Innenstadt“ des Hessischen Ministeriums für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen
beworben. Mit diesen Fördermitteln wurde auch das Entwicklungskonzept Innenstadt
teilfinanziert (Vorlage-Nr. 2021/0316).
Auch die Bewerbung um Fördermittel aus dem Bundesprogramm „Zukunftsfähige Inn enstädte
und Zentren“ war erfolgreich. Hier stehen in der Projektlaufzeit bis August 2025 rund 2,9 Mio.
€ Fördermittel bereit, mit denen konkrete Handlungsansätze zur Gestaltung des
Transformationsprozesses der Darmstädter City hin zu einer multifunktionalen, resilienten und
kooperativen Innenstadt umgesetzt werden können. Bausteine sind u.a. die Erarbeitung eines
Vertiefungskonzeptes für eine zukunftsfähige Nutzungsmischung sowie die Einrichtung eines
interkulturellen Innenstadt-Quartiersmanagements (Vorlage-Nr. 2022/0289).
Warum sollten Menschen auch noch morgen und übermorgen in die Darmstädter Innenstadt
kommen?
Das ist die zentrale Frage aller Bemühungen und auch die zentrale Frage für das
Entwicklungskonzept Innenstadt. Das Entwicklungskonzept Innenstadt liefert eine Grundlage
für die Sicherung der Attraktivität der Darmstädter Innenstadt. Welche Angebote und
spannende Anlässe braucht es, damit die Innenstadt auch in 10 bis 20 Jahren möglichst viele
Menschen anzieht und ihre Funktion als gesellschaftliche wie räumliche Mitte der Stadt erfüllen
kann?
Die richtigen Ansätze und Projekte hierzu konnten nur gemeinsam mit der gleichen Vielfalt an
Menschen, die regelmäßig in der Innenstadt unterwegs ist, ob beruflich oder in der Fre izeit,
gefunden werden. Deshalb ist das Entwicklungskonzept Innenstadt als co-kreativer Prozess
erarbeitet worden. In zwei definierten Phasen des Prozesses wurde gemeinsam mit Fachleuten
und Bürgerinnen und Bürgern analytisch und konzeptionell an den Herausforderungen für die
Innenstadt gearbeitet.
Im März 2022 startete der Beteiligungsprozess für das Entwicklungskonzept Innenstadt. Über
1000 Bürgerinnen und Bürger haben sich an einer mehrwöchigen Onlinebefragung beteiligt
und Ihre Anregungen und Ideen eingereicht. Darauf aufbauend wurde mit rund 90
Stakeholdern (Schlüsselpersonen) aus den Themenbereichen Handel, Wirtschaft, Mobilität,
Soziales, Kultur und Wissenschaft über die Innenstadt diskutiert.
- 4 -
Im September 2022 fand eine Zukunftswerkstatt mit Bürgerinnen und Bürgern statt. Hier ging
es um die Frage, warum wir auch noch morgen und übermorgen in die Darmstädter Innenstadt
kommen sollen. Über 150 Darmstädterinnen und Darmstädter haben die Gelegenheit genutzt
und kamen ins Foyer des neuen Bürger- und Ordnungsamtes im Luisencenter. Sie haben sich
intensiv mit Vorschlägen und Ideen auseinander gesetzt und wesentliche Themen für die
weitere Entwicklung herausgearbeitet. Darüber hinaus wurde ein Think Tank mit Akteuren der
Stadtgesellschaft aus verschiedenen Bereichen (z.B. Wissenschaft, Handel, Kultur, Wirtschaft,
etc.) gegründet in dem die Ergebnisse aus der Onlinebefragung, verschiedener Onlinesessions
und einer detaillierten Standortanalyse kontinuierlich diskutiert wurden.
In Form einer „Creators Night“ ging es Anfang November 2022 in die letzte interaktive
Veranstaltung des Entwicklungskonzeptes Innenstadt. Auf Basis der Ergebnisse aus der
Zukunftswerkstatt wurden gemeinsam mit rund 40 Innenstadtakteuren verschiedene Projekte
entwickelt. Ziel war es, in Kleingruppen erste mögliche Projekte und Visionen zu kreieren, die
Darmstadts Innenstadt nachhaltig verändern und positive Impulse für die Zukunft setzen
könnten. Die Teilnehmenden diskutierten im ehemaligen Bürger- und Ordnungsamt in der
Grafenstraße darüber, wie sie gerne die Innenstadt verändern würden.
Das zum Beschluss stehende Entwicklungskonzept Innenstadt ist das Ergebnis dieses
intensiven Beteiligungsprozesses. Es ist die Grundlage dafür, frühzeitig aktuellen und
kommenden Herausforderungen zu begegnen und die Stadtmitte als zukunftsrobustes
wirtschaftliches, kulturelles und gesellschaftliches Zentrum mit Aufenthaltsqualität für alle
Darmstädterinnen und Darmstädter zu stärken. Das Entwicklungskonzept Innenstadt bildet
den Ausgangspunkt für künftige Impulse aus Bürgerschaft, Wirtschaft, Kultur und Stadtpolitik,
die in einer möglichst dauerhaften Entwicklung die Innenstadt Darmstadts sich ändernde
Rahmenbedingungen anpassen sollen.
Der Prozess der Erarbeitung des Innenstadtentwicklungskonzeptes und seine Ergebnisse
werden in einer Broschüre ausführlich dargestellt. Diese wird allen Interessierten wahlweise
digital oder in gedruckter Form zugänglich gemacht.
Dezernat I Dezernat III
Jochen Partsch Michael Kolmer
Oberbürgermeister Stadtrat
anlage 3
237 Zeichen
Punkt 3: Entwicklungskonzept Innenstadt (V-Nr. 2023/0166) Der Ausschuss für Wirtschaftsförderung, Wissenschaft und Digitalisierung empfiehlt der Stadtverordnetenversammlung, der Vorlage zuzustimmen. Stimmenthaltung: AfD-Fraktion
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207 Zeichen
Punkt 16: Entwicklungskonzept Innenstadt (V-Nr. 2023/0166) Der Haupt- und Finanzausschuss empfiehlt der Stadtverordnetenversammlung, der Vorlage zuzustimmen. Stimmenthaltung: SPD, Die Linke. und AfD
Beratungsverlauf (4)
Orte (83)
- Nieder-Ramstädter Straße
- Hügelstraße
- Wilhelminenstraße
- Wilhelm-Glässing-Straße
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- Bismarckstraße
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- Mathildenstraße
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- Kapellplatz
- Woogsplatz
- Würthweg
- Kiesstraße
- Citytunnel
- Im Carree 1
Ortsbezüge werden automatisch aus den Dokumenten ermittelt und können unvollständig sein.
Details
- Vorlagen-Nr.
- 2023/0166
- Typ
- Magistratsvorlage
- Datum
- 05.05.2023
- Erstellt
- 29.09.2026 00:00