2022/0081
Verleihung der Silbernen Verdienstplakette an Dr. Cihan Çelik
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2022/0081
12065 Zeichen
Magistratsvorlage
Eingang Magistrats -
geschäftsstelle:
16.03.2022
an den Magistrat
zur Kenntnis
zur Beschlussfassung
Beteiligt vor
Magistratsbeschlussfassung:
Dezernat I an die Stadtverordnetenversammlung
OBW zur Befassung
zur Kenntnis
zur Beschlussfassung
zur abschließenden Beschluss -
fassung Fachausschuss
Amt:
OBW bei abschl.
Beschlussfassung Magistrat
Behandlung in
öffentl. Sitzung
Ja
Nein
Verteiler:
Ja
Nein
Vorlage-Nr. 2022/0081
Magistratsbeschluss -Nr.
Internetfähig
Produkt-Nr.: 111070
Kostenstelle: 711-001-1002 Investitionsnummer:
Kostenträger: 1110-71 Sachkonto: 7290100
Betreff: Verleihung der Silbernen Verdienstplakette an Dr. Cihan Çelik
Vorlage vom: 09.03.2022
Beschlussvorschlag :
Der Magistrat beschließt, die Silberne Verdienstplakette an Herr n Dr. Cihan Çelik zu verleihen
und damit seine Verdienste um seinen unermüdlichen Einsatz um Information und Aufklärung in
dieser Pandemie, sowie seine Verdienste um das Gemeinwohl und die Förderung der Akzeptanz von
Wissenschaft innerhalb der Bevölkerung zu würdigen.
Anlagen:
Datenschutzrelevante Anlage:
Folgekosten: Ja Nein
- 2 -
Beschluss des Magistrats vom
- 3 -
Begründung zur Magistratsvorlage vom 09.03.2022
Dr. Cihan Çelik wurde am 4. September 1986 in Seeheim -Jugenheim als zweites Kind einer
türkischstämmigen Familie geboren. Die Eltern selbst waren als Fabrikarbeiter und später
selbständig tätig und hatten stets das Ziel, beiden Kindern (eine Tochter und ein Sohn) ei ne
akademische Laufbahn zu ermöglichen. Çeliks Schwester schrieb sich nach dem Abitur an
einer Hochschule ein und ging damit innerhalb der Familie als Pionierin voran. Sie war für
Çelik ein Vorbild.
Çelik studierte von 2007 bis 2013 Humanmedizin an der R uprecht-Karls-Universität in
Heidelberg. Er war von 2011 bis 2015 in der Kardiologie der Medizinischen Klinik Heidelberg
als Doktorand tätig und promovierte zum Thema kardiologischer Bildgebungsverfahren. Von
2015 bis 2018 war Çelik als Arzt in verschieden en internistischen Bereichen in Wiesbaden
tätig. Seit 2018 bis 2019 war er Assistenzarzt für Innere Medizin und Pneumologie in der
Medizinischen Klinik II – Gastroenterologie, Hepatopankreatologie, Endokrinologie und
Pneumologie am Klinikum Darmstadt. Seit 2019 arbeitete er dort als Funktionsoberarzt, seit
2021 als Facharzt für Innere Medizin und seit 1. Januar 2022 als Sektionsleiter
Pneumologie. Er steht damit dem gesamten Spektrum der konservativen und
interventionellen Pneumologie vor.
Das Spektrum der Abteilung umfasst die moderne Diagnostik und Therapie sämtlicher bös -
und gutartigen Erkrankungen der Lunge und der Atemwege sowie des Mittelfells
(Mediastinum) und des Rippenfells (Pleura). Die Sektion ist Teil des von der DKG
zertifizierten Onkolog ischen Zentrums, das durch seine hohe strukturelle Qualität bei jedem
Krebspatienten sicherstellt, dass ein fachübergreifender und ganzheitlicher Ansatz für
Diagnostik und Therapie umgesetzt wird, die nach dem medizinischen Standard der aktuell
geltenden S3-Leitlinien erfolgen.
Cihan Çelik ist seit Beginn der Corona -Pandemie für Medien bundesweit Ansprechpartner
geworden. Mit einem Beitrag auf Facebook im Frühjahr 2020 wandte er sich an die
Öffentlichkeit. Im März 2020, noch ganz zu Beginn der Corona -Krise, hatten die Menschen in
Deutschland vor allem Angst, Corona war noch neu und es schien zunächst auf die vielen
Fragen keine Antworten zu geben. Gleichzeitig starben in Europa unzählige Menschen
plötzlich, das Virus war objektiv für jeden lebensgefährlich. Viele Menschen waren in Sorge.
Mit Fachinformationen wollte Çelik zur Aufklärung beitragen und textete also in einem
Facebook-Eintrag sachlich über Präventionsmaßnahmen, Krankheitsverläufe und Abläufe in
der Klinik. Der Facebook -Eintrag wurde häufig gete ilt und erlangte schnell auch große
Aufmerksamkeit bei Journalisten. Es folgten Anfragen von deutschen Medien, türkischen
Medien und deutschsprachigen Medien, deren Zielgruppe di e türkeistämmige Community ist.
Seither ist Cihan Çelik zu einem gefragten G esprächspartner für die Medien geworden, die
FAZ berichtet seit März 2020 regelmäßig aus dem Darmstädter Klinikum, etliche TV -Auftritte
und die Teilnahme in verschiedenen Talk -Runden folgten. Seine Expertise ist bis heute häufig
gefragt, zuletzt in der Sen dung „hart aber fair“ vom 7. Februar 2022. Auch die
Bundesregierung hat Çeliks Bekanntheit für die Kampagne #Impfwissen genutzt.
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Im Rahmen dieser Videokampagne erklärt er in seiner Muttersprache Türkisch, warum es
wichtig ist, sich gegen das Virus im pfen zu lassen. „Das Informationsbedürfnis darf nicht an
der Sprache scheitern“, sagt Çelik. Die Aufklärung ist ihm ein wichtiges Anliegen, sie soll für
alle Menschen innerhalb unserer Gesellschaft ermöglicht werden. Deshalb war Çelik auch in
der Erstaufnahmeeinrichtung für Geflüchtete in Darmstadt und hat dort persönlich Fragen
beantwortet und die Menschen beraten.
Er unterstreicht damit auch die gesellschaftspolitischen und sozialen Aspekte der Corona -
Erkrankung: Bildungsferne, Geringverdienende, Mind erheiten waren einem höheren Risiko
ausgesetzt und hatten dadurch häufig schwerere Verläufe.
Ihnen, so sein Ansatz, müsse niederschwellig Zugang zur Impfung bzw. zum Impftermin
ermöglicht werden.
Auch unabhängig von Corona sieht er die Notwendigkeit, Ba rrieren zum Gesundheitssystem
abzubauen. Bildungsbenachteiligte und der deutschen Sprache nicht mächtige Menschen
müssten einen leichteren Zugang zu Angeboten des Gesundheitsschutzes haben.
Seit Beginn der Pandemie beobachtet Çelik die Entwicklungen und o rdnet sie für die
Allgemeinheit ein. Dabei steht er mehr und mehr stellvertretend für das Klinikpersonal in der
Öffentlichkeit und berichtet tagesaktuell aus dem Klinikalltag. Insbesondere, nachdem er im
Herbst 2020 selbst an Corona erkrankt war und für et wa eineinhalb Wochen im Krankenhaus
- davon auch einige Tage auf der Intensivstation - behandelt werden musste, stieg das
öffentliche Interesse weiter. Für Çelik selbst hat diese Erfahrung der Erkrankung am eigenen
Leib seine Intention verstärkt, über Cov id-19 aufzuklären. Obwohl Daten und Fakten
ausreichen, Covid -19 zu erklären, hat ihn die eigene Erkrankung besonders sensibilisiert.
Bis heute gilt es auch, Kritikern zu begegnen. Die Gespräche mit Angehörigen und Patienten
in der ersten und zweiten Welle 2020 waren oft geprägt von Widerständen und Misstrauen
gegenüber den Erkenntnissen der Praktiker und der Wissenschaft, von Schuldgefühlen und
Abwehr. Viele falsche Entscheidungen, ob von Angehörigen oder den Patienten selbst, hätten
zu vermeidbaren Sterbe fällen geführt.
Die kritischen Verläufe vieler Patienten auf den Intensivstationen heute fallen ebenso in diese
Kategorie: die Mehrheit der Fälle wäre durch das frühzeitige Impfen bzw. durch das Impfen
überhaupt abwendbar gewesen. Bereits im Juli 2021 mah nte Çelik auch an, dass die
Impfgeschwindigkeit zu schnell nachlasse, und der Herbst die entsprechenden
Konsequenzen mit sich bringen würde.
Neben der per se hohen Belastung im Klinikalltag sind die vielen vermeidbaren Fälle
frustrierend und auch emotion al belastend. Im Herbst 2021 schreibt er selbst: „Wie sehr
man auch damit rechnet, sich innerlich, personell und organisatorisch darauf vorbereitet: die
Pandemiedynamik verlangt uns im Krankenhaus immer wieder viel ab, man kann sich nicht
daran gewöhnen. G utes Durchhalten, liebe Kolleg:innen.“ (Twitter -Post vom 15.11.2021)
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Çelik nimmt in seinen Beiträgen auf Twitter immer wieder Bezug auf die gute
Zusammenarbeit unter den Kolleginnen und Kollegen, sowie die Kooperation mit anderen
Krankenhäusern, da d urch Patientenverlegungen der normale Ablauf in den Kliniken wie
operative Eingriffe oder Abklärungen zeitweilig nur so möglich waren. Diese kollegiale
Mentalität sowie der Humor unter dem Klinikpersonal helfen, die Belastungen des
Klinikalltags leichter z u nehmen. Das Lachen, so Çelik, dürfe man auch im Angesicht einer
solchen Krise nicht verlieren.
Eine ganz andere Form der Belastung entstand in der Vergangenheit auch durch Drohungen
gegenüber Çelik, die dazu geführt hatten, dass er sich zeitweise aus de r Öffentlichkeit
zurückzog. Mit dem festen Willen, sich nicht einschüchtern zu lassen, und weiterhin sachlich
und zielführend über die Entwicklungen der Pandemie, Wirkung der Impfung und die Lage in
der Klinik zu berichten, hält er die Öffentlichkeit auch derzeit wieder mit Interviews in Funk,
Fernsehen und Printmedien, sowie nicht zuletzt auch über seinen Twitter -Account auf dem
neuesten Stand. Dabei ist es ihm wichtig, die Realität nicht zu verzerren oder auf
Befindlichkeiten Rücksicht zu nehmen.
Corona beschäftigt nicht nur Kliniken, sondern im Besonderen auch die Politik. Als Arzt einer
Klinik sich selbst, sowie sein ganzes Team durch die vielen Entscheidungen der letzten
Monate zu navigieren, mitten in der Krise den Überblick und die Ruhe zu bewahren, die
Auswirkungen politischer Beschlüsse hautnah in der Arbeit am Patienten zu erleben, dieses
Spannungsfeld fasst der Beitrag vom November 2021 gut zusammen, nachdem der
Bundestag zwar neu gewählt, die Regierungsbildung in Berlin jedoch noch nicht
abgeschlossen war:
„ Viele vermeidbare Fälle innerhalb kurzer Zeit und immer schwierige Diskussionen auf
Station. Dazu müdes Personal und eine noch unklare gesundheitspolitische Richtung. Das
wird für uns die schwierigste Phase der Pandemie.“ (Twitter, 21.11.2021 )
Seine ruhige, unaufgeregte Art ist sein Markenzeichen und Qualitätsmerkmal zugleich. Dafür
ist er bekannt, ob als Arzt im Darmstädter Klinikum oder als Experte in den Talk -Runden.
Er sagt von sich selbst, er arbeite im Auge des Orkans. Für die Mitarbei tenden im Klinikum
ist er wie der Fels in der Brandung, unermüdlich werbend für die Impfung, ruhig und sachlich
informierend. Er steht für Offenheit und Transparenz und ist damit ein wichtiger Botschafter:
für das Klinikum, für ein vertrauenswürdiges Gesun dheitssystem, für alle kommunalen
Krankenhäuser und ihre Mitarbeitenden, für die Gesundheitsversorgung in Pandemiezeiten.
Die Belastung der Corona -Krise, die seit März 2020 durchgehend für das Klinikpersonal
besteht, macht auch weiterhin keine Pause, an e in Durchatmen ist nicht zu denken. Cihan
Çelik steht trotzdem innerhalb des Klinikums Darmstadt für Schulungen des Personals zur
Verfügung, neben dem Dienst auf der Station. In seiner freien Zeit gibt er fortlaufend
Interviews, in denen er bekräftigt, dass sich die Mitarbeitenden in der Klinik der
Herausforderung Corona aus Überzeugung weiter stellen, mit der festen Absicht und dem
Willen, die Pandemie zu überwinden. Für viele bedeutet das schlaflose Nächte, rund um die
Uhr an die Arbeit, die PatientInnen, die KollegInnen auf der Station zu denken. Und trotzdem
machen sie weiter.
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Cihan Çelik steht stellvertretend für die Mitarbeitenden in den Kliniken, die ihre Tätigkeit aus
Berufung ausüben und für die es kein Aufgeben, nur ein Durchhalten gibt. Wir, d ie
Allgemeinheit und insbesondere die Bürgerinnen und Bürger von Darmstadt, können uns
glücklich schätzen, dass diese Menschen ihre Berufung gefunden haben und sich Tag für Tag
und rund um die Uhr in den Dienst zum Wohle aller stellen.
Cihan Çelik hat sich durch seinen unermüdlichen Einsatz um Information und Aufklärung in
dieser Pandemie, durch seine fachliche Expertise und seine sachlichen Schilderungen der
Realität von Kliniken in Zeiten von Corona um das Wohl und Ansehen der Stadt Darmstadt in
der Region, in Deutschland und darüber hinaus, sowie um das Gemeinwohl und die
Förderung der Akzeptanz von Wissenschaft innerhalb der Bevölkerung besonders verdient
gemacht.
Darmstadt, 09.03.2022
Dezernat I
Jochen Partsch
Oberbürgermeister
Beratungsverlauf (1)
Details
- Vorlagen-Nr.
- 2022/0081
- Typ
- Magistratsvorlage
- Datum
- 09.03.2022
- Erstellt
- 29.09.2026 00:00