2016/0269
Ausweisung von städtischen Ehrengräbern
KI-Zusammenfassung
Klicken Sie, um eine KI-Zusammenfassung dieses Vorgangs zu erstellen.
KI-Analyse läuft...
vergangen
Was passiert gerade?
- 📄 Dokumente werden analysiert...
- 🤔 KI denkt nach (Reasoning-Modell)...
- ✍️ Zusammenfassung wird geschrieben...
- ⏳ Das dauert etwas länger bei komplexen Dokumenten...
Dieser Vorgang kann 1-3 Minuten dauern. Bitte lassen Sie die Seite geöffnet.
2016/0269
10008 Zeichen
Magistratsvorlage
Eingang Magistrats -
geschäftsstelle:
08.08.2016
an den Magistrat
zur Kenntnis
zur Beschlussfassung
Beteiligt vor
Magistratsbeschlussfassung:
Dezernat I an die Stadtverordnetenversammlung
OBW zur Befassung
zur Kenntnis
zur Beschlussfassung
zur abschließenden Beschluss -
fassung Fachausschuss
Grünflächenamt
Dezernat III
Amt: Kulturamt
OBW bei absc hl.
Beschlussfassung Magistrat
Behandlung in
öffentl. Sitzung
Ja
Nein
Verteiler:
Ja
Nein
Vorlage-Nr. 2016/0269
Magistratsbeschluss -Nr.
Internetfähig
Produkt-Nr.: 533010
Kostenstelle: 067-112-1610 Investitionsnummer:
Kostenträger: 5330-11 Sachkonto: 6161820
Betreff: Ausweisung von städtischen Ehrengräbern
Vorlage vom: 28.07.2016
Beschlussvorschlag :
1. Als städtische Ehrengräber werden ausgewiesen die Grabstätten
Alter Friedhof 02/1 D 26
Wilhelm-Ludwig Hallwachs
Alter Friedhof 02/3 J 107
Dr. Otto Köhler
Alter Friedhof 02/1B 008
Konrad und Ulla Mommsen
2. Als historisch bedeutsame Grabstätte wird ausgewiesen die Grabstätte
Bessunger Friedhof 03/Mauer 37
Familie Delp/ Gedenktafel Heinrich Delp
- 2 -
3. Die Kosten für die Pflege und Unterhaltung werden aus dem Budget des
Grünflächenamtes getragen
Anlagen:
Datenschutzrelevante Anlage:
Folgekosten: Ja Nein
Beschluss des Magistrats vom
- 3 -
Begründung zur Magistratsvorlage vom 28.07.2016
Der Magistrat der Wissenschaftsstadt Darmstadt kann nach den Maßgaben der städtischen
Friedhofssatzung Grabstätten von Verstorbenen, die zu Lebzeiten besondere Leistungen
erbracht oder sich um die Stadt besonders verdient gemacht haben, den Status eines
Ehrengrabs verleihen. Die Unterhaltung von Ehrengrabstätten obliegt der Friedhofsverwaltung.
Im Zeitraum 2012 bis 2015 war ein Fachbeirat zur Neubewertung der bestehenden städti schen
Ehrengräber eingesetzt. Die Ergebnisse und Empfehlungen des Fachbeirats, die vom Magistrat
am 08.04.2015 (MV 2015/0109) beschlossen und der Stadtverordnetenversammlung am
07.05.2015 zur Kenntnis gegeben wurden, sind bei künftigen Entscheidungen über die
Verleihung des Ehrengrabstatus zu berücksichtigen. So kann eine Grabstätte erst dann zum
Ehrengrab erhoben werden, wenn das Nutzungsrecht erloschen und an die Stadt
zurückgefallen ist.
Für die Grabstätten der nachstehend genannten verdienten Persönlichkeiten ist nunmehr zu
entscheiden, ob diese als städtisches Ehrengrab geführt bzw. als historisch bedeutsame
Grabstätte erhalten werden sollen:
Wilhelm Ludwig Franz Hallwachs (geboren 09.07.1859 Darmstadt, gestorben 20.06.1922
Dresden)
Der Physiker Wilhelm Ludwig Hallwachs lebte bis zu seinem Abitur im Jahr 1877 in Darmstadt.
Nach Lehrjahren bei August Kundt und Friedrich Kohlrausch und als Schüler von Heinrich
Hertz wurde er 1893 Ordinarius für Elektrotechnik an der Technischen Universität Dresden.
Hallwachs war ein Meister der Experimentalphysik, der viele Geräte selbst konstruierte und
baute. Durch seine experimentellen Erfolge wurde Hallwachs zum führenden Forscher auf dem
Gebiet der Photoelektrizität. Zu seinen Leistungen zählte u.a. die Erforschung des äußeren
Photoeffektes, lange Zeit auch Hallwachs-Effekt genannt. Der Photoeffekt führte im Bereich der
Technik zur Entwicklung der Photozelle, die eine wichtige Rolle beim Tonfilm un d der
Bildtelegraphie spielte. Im physikalischen Bereich erlangte der Photoeffekt große Bedeutung
bei der Entwicklung einer neuen Modellvorstellung vom Licht. Die Deutung des Effekts mit Hilfe
der Lichtquantenhypothese durch Einstein im Jahre 1905 führte in das durch Max Planck
begründete neue Gebiet der Quantenphysik. Hallwachs verstarb 1922 in Dresden und wurde
auf dem Alten Friedhof in Darmstadt bestattet.
Das Nutzungsrecht für die Grabstätte 02/1 D 26 ist bereits an die Stadt Darmstadt
zurückgefallen. Aufgrund der Bedeutung von Wilhelm Hallwachs für die
Wissenschaftsgeschichte wird die Übernahme der Grabstätte als städtisches Ehrengrab
empfohlen.
Dr. Otto Köhler (geboren 02.05.1863 Nieder-Roßbach/Kreis Friedberg, gestorben 04.04.1943
Darmstadt )
Dr. Friedrich Ludwig Karl Otto Köhler war Zahnarzt in Darmstadt und Zweiter Vorsitzender des
Vereins Hessischer Zahnärzte. Auf Köhlers Initiative hin fasste der Verein 1899 den Beschluss,
eine Schulzahnklinik in Darmstadt zu errichten. Auslöser war der katastrophale Zustand der
Zähne und des Zahnfleisches von Schulkindern, von denen nach ersten Erhebungen nur zwei
bis drei Prozent gesunde Zähne hatten.
- 4 -
Die Schulzahnklinik war die erste in Deutschland. Sie wurde am 1.12.1902 in der Luisenstraße
eröffnet. Dr. Köhler übernahm die Klinikleitung ehrenamtlich und behielt sie bis 1932. Seitdem
wurden regelmäßig zahnärztliche Reihenuntersuchungen bei Schulkindern durchgeführt. In den
ersten 10 Jahren wurden in Darmstadt fast 31.000 Schulkinder behandelt. Die Schulzahnklinik
hatte Modellcharakter. Nach dem Darmstädter Vorbild wurden in den folgenden Jahren in
mehr als 100 Städten ebenfalls Schulzahnkliniken gegründet.
Das Nutzungsrecht für die Grabstätte Alter Friedhof 02/3 J 107 ist bereits an die Stadt
zurückgefallen. Wegen der langjährigen, unentgeltlichen Initiative von Otto Köhler und der
Wirkung, die sie für ganz Deutschland hatte, wird empfohlen, die besonderen Verdienste
Köhlers mit der Ausweisung der Grabstätte als städtisches Ehrengrab zu würdigen.
Konrad Mommsen (geboren 08.10.1896 Berlin, gestorben 28.02.1973 München) und Ulla
Mommsen (29.08.1909 Köln, gestorben 28.02.1973 München)
Konrad Mommsen, Enkel des Historikers und Literaturnobelpreisträgers Theodor Mommsen,
lebte und arbeitete in Berlin und heiratete hier 1938 seine Frau Ursula, geborene Spiess, deren
Familie zeitweilig in Darmstadt lebte. In Berlin unterhielt Konrad Mommsen zusammen mit
seiner Frau, einer Ärztin, Kontakte zu einer Widerstandsgruppe und half versteckt lebenden
Juden. Dafür saß er 1943 sieben Monate in Untersuchungshaft und verlor seine gut dotierte
Stelle beim Filmhersteller AGFA. Nach Kriegsende arbeitete Konrad Mommsen für die
amerikanische Militärregierung und seit 1948 als Journalist. Von Oktober 1947 bis Oktober
1949 lebte er mit seiner Frau in Darmstadt.
Aufgrund der Hilfe des Ehepaars Mommsen für verfolgte Juden und des Widerstands gegen die
Nationalsozialisten wird die Übernahme der Urnengrabstätte als städtisches Ehrengrab
befürwortet.
Das Nutzungsrecht für die Grabstätte Alter Friedhof 02/1B 008 ist im März 2016 an die Stadt
zurückgefallen.
Heinrich Delp (geboren 31.01.1878 Darmstadt-Eberstadt, gestorben 14.05.1945 Dachau)
Nach Schulausbildung und Maurerlehre arbeitete Heinrich Delp als Maurer in Mainz. Er trat
1901 in die SPD ein, war seit 1904 Sekretär des Deutschen Bauarbeiterverbands in Mainz und
seit 1906 Geschäftsführer desselben Verbands in Darmstadt, wo er sich in der Folgezeit
kommunal- und landespolitisch engagierte. Seit 1909 war er Stadtverordneter der SPD und
1919 bis 1933 hauptamtlicher Beigeordneter und Sozialdezernent, seit 1926 mit der
Amtsbezeichnung „Bürgermeister“. Von 1919 bis 1933 war Delp Mitglied des Hessischen
Landtags, 1928 bis 1931 Landtagspräsident, 1931 bis 1933 Vizepräsident, außerdem 1921
bis 1928 Vorsitzender des Finanzausschusses. Am 29.03.1933 wurde er in Ma inz „in
Schutzhaft genommen“. Am nächsten Tag entließ man ihn zwar wieder, doch er verlor alle
seine Ämter. In den 1930er Jahren unterhielt Delp konspirative Verbindungen zu
kommunistischen und sozialdemokratischen Widerstandgruppen. Nach dem gescheiterten
Hitlerattentat wurde er im August 1944 verhaftet und zusammen mit anderen Darmstädter
Sozialdemokraten in das KZ Dachau eingeliefert. Er starb 1945 nach der Befreiung aus Dachau
an den Folgen der Haft.
- 5 -
Die Grabstätte der Familie Delp befindet sich auf dem Bessunger Friedhof. Auf der Grabplatte
ist eine Inschrift zum Gedenken an Heinrich Delp angebracht. Heinrich Delp selbst, verstorben
in Dachau, liegt jedoch hier nicht begraben, so dass die Ausweisung eines personenbezogenen
Ehrengrabes aus formalen Gründen nicht möglich ist. Die Grabstätte auf dem Bessunger
Friedhof, die seit vielen Jahrzehnten schon in dieser Form besteht und an Heinrich Delp
erinnert, sollte als Gedenk- und Erinnerungsort aber an der Stelle erhalten bleiben.
Für Grabstätten, für die der Ehrengrabstatus nicht in Frage kommt, deren Bestand jedoch als
einzigartige, personalisierte Erinnerungsorte seitens der Stadt Darmstadt garantiert werden
soll, hat der Magistrat mit Beschluss vom 08.04.2015 die Kategorie der historisch
bedeutsamen Grabstätten eingeführt.
Das Nutzungsrecht für die Grabstätte Bessunger Friedhof 03/Mauer 37 ist bereits an die Stadt
zurückgefallen. Es wird empfohlen, die Grabstätte als historisch bedeutsame Grabstätte zu
erhalten und in die Betreuung der Friedhofsverwaltung zu übernehmen.
Der Ehrengrabstatus bzw. der Status als historisch bedeutsame Grabstätte wird mit Datum des
Magistratsbeschlusses wirksam. Für die Pflege der Ehrengräber und historisch bedeutsamen
Grabstätten entstehen Folgekosten von rund 250 Euro je Grabstätte und Jahr, die aus der
Kostenstelle des Grünflächenamtes 067-112-1610 Sachkonto 61616829 getragen werden.
Da während der laufenden Tätigkeit des Ehrengräberbeirats Entscheidungen über die
Ausweisung neuer Ehrengräber zunächst zurückgestellt waren, wird seitens der Verwaltung –
derzeit noch für weitere Grabstätten, die seitdem an die Stadt zurückgefallen sind, geprüf t ,
ob die Voraussetzungen für die Ausweisung als städtisches Ehrengrab vorliegen und dem
Magistrat zur Entscheidung vorzulegen sind. Prüfungen laufen für die Grabstätten Paul
Ottenheimer, Wilhelm Küchler, Otto Berndt und Wilhelm Loth.
Darmstadt, den 28.07.2016
Dezernat I Dezernat III
Jochen Partsch Cornelia Zuschke
Oberbürgermeister Stadträtin
Beratungsverlauf (4)
Orte (1)
- Luisenstraße
Ortsbezüge werden automatisch aus den Dokumenten ermittelt und können unvollständig sein.
Details
- Vorlagen-Nr.
- 2016/0269
- Typ
- Magistratsvorlage
- Datum
- 28.07.2016
- Erstellt
- 29.09.2026 00:00