1848/2025
Stellungnahme der Verwaltung zum Antrag der Fraktion Die Linke im Ausschuss Klima, Umwelt und Grün (AN/0032/2025) betreffend "Netto-Null-Versiegelung"
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Stellungnahme zu einem Antrag (Ausschuss)
5375 Zeichen
Dezernat, Dienststelle VIII/67 Vorlagen-Nummer 12.06.2025 1848/2025 Stellungnahme zu einem Antrag öffentlicher Teil Gremium Datum Ausschuss Klima, Umwelt und Grün 12.06.2025 Stellungnahme der Verwaltung zum Antrag der Fraktion Die Linke im Ausschuss Klima, Umwelt und Grün (AN/0032/2025) betreffend "Netto-Null-Versiegelung" Der Ausschuss Klima, Umwelt und Grün bittet die Verwaltung um Stellungnahme. Dieser Bitte kommt die Verwaltung gerne nach. Gemeinsame Stellungnahme des Amtes für Landschaftspflege und Grünflächen, des Amtes für Stadtentwicklung und Statistik sowie des Amtes für Liegenschaften, Vermessung und Ka- taster. Die Verwaltung der Stadt Köln beschäftigt sich intensiv mit den Fragestellungen zur Verringe- rung des Flächenverbrauchs durch Siedlungs- und Verkehrsflächen sowie Fragen zur Mehr- fachnutzung von Flächen. In der am 14.12.2021 beschlossenen Stadtstrategie „Kölner Per- spektiven 2030+“ wurde bereits der im Baugesetzbuch verankerte Grundsatz des sorgsamen Umgangs mit der knappen Ressource Fläche bekräftigt (Zielgerüst, Ziel 1.2). Ebenfalls wurde aber auch die Notwendigkeit der Option zur weiteren Außenentwicklung dargelegt, um den Gesamtziel einer nachhaltigen Stadtentwicklung einer Großstadt unter Wachstumsdruck Rechnung zu tragen. In Ergänzung zur Stadtstrategie wurde der Köln Katalog – Typologien für kompakte, nachhaltige und lebenswerte Quartiere entwickelt und ist als städtebauliches Ent- wicklungskonzept nach Paragraph 1 Absatz 6 Nummer 11 Baugesetzbuch in bebauungspla- nerischen Vorhaben zu berücksichtigen. Die im Köln Katalog angesetzten Zieldichten streben höhere Dichten als bestehende Bestandsstrukturen an. Aktuell erarbeitet die Stadt einen Köln Katalog für den Bestand. Der Flächenverbrauch in Deutschland durch Siedlungs- und Verkehrsflächen hat im Trend grundsätzlichen in den letzten Jahrzehnten abgenommen, allerdings kommen aktuell neue und steigende Flächennutzungsansprüche durch unter anderem die Energiewende hinzu. Zu Lasten gehen diese Entwicklungen von vor allem landwirtschaftlich genutzten Flächen. Flä- chenverbrauch ist dabei nicht gleichzusetzen mit Bodenversiegelung. Die Flächeninanspruch- nahme pro Kopf fällt regional unterschiedlich aus. So liegt in Köln die Siedlungs- und Ver- kehrsfläche je Einwohner nach ALKIS bei 225 m², im Rheinisch-Bergischen Kreis beispiels- weise bei 395 m². Deutschlandweit liegt dieser Wert bei 599 m² je Einwohner (2022, Statisti- sche Bundesamt). Für einen sorgsamen Umgang mit der Ressource Fläche werden regionale Strategien und Instrumente benötigt, um dieser komplexen Herausforderung nachhaltig be- gegnen zu können. 2 Hinweise zu Beschlusspunkt 1: Im Rahmen eines Forschungsprojektes hat das Amt für Liegenschaften, Vermessung und Ka- taster bereits auf Basis einer Luftbildauswertung eine Karte erstellt, aus der sich ein grund- sätzlicher Versiegelungsgrad der Stadt Köln in den einzelnen Bereichen ableiten lässt. Mit Blick auf Fragen zum Flächenverbrauch und zur Entwicklung der Flächenversiegelung können mit den aktuell vorliegenden Daten keine Aussagen mit hinreichender Verlässlichkeit getroffen werden. Daher erarbeitet die Verwaltung derzeit eine differenzierte Bewertung der methodischen Ansätze, der Datenqualität sowie ihrer Anwendbarkeit für verschiedene Frage- stellungen und prüft, wie diese Daten in geeigneter Weise für eine Nutzung veröffentlicht wer- den können. Hinweise zu den Beschlusspunkten 2 und 3: Die Verwaltung sieht eine kurzfristige Reduzierung des Flächenverbrauchs bis 2035 auf Net- tonull, auf Grundlage der aktuellen Rahmenbedingungen (insbesondere Wachstumsdruck auf den angespannten Wohnungsmarkt) auf dem Stadtgebiet Köln, aus dem Gesichtspunkt der gesamtstädtischen Entwicklung für nicht umsetzbar. Dies liegt zum einen begründet in fehlen- den steuernden Instrumenten (im Bestand), insbesondere aber auch an dem Fehlen einer übergeordneten regionalen Strategie (zum Beispiel auf Regionalplanungs- oder auch Landes- ebene). Um den Flächenverbrauch auf netto null zu reduzieren, braucht es eine Flächenkreis- laufwirtschaft. Der Kerngedanke der Flächenkreislaufwirtschaft besagt, dass Flächen im glei- chen Umfang an anderer Stelle wieder an, zum Beispiel die Landschaft, zurückgegeben wer- den. Diese Fragestellung kann die Stadt Köln als stark unter Wachstumsdruck stehende Großstadt nicht alleine beantworten. In Bezug auf die Reduzierung des Flächenverbrauchs ist die Stadt aktuell dabei ihre Flächenprogramme weiterzuentwickeln, wobei auch insbesondere die Transformationsbereiche der Stadt priorisiert werden. Hinweise zu Beschlusspunkt 4: Die Stadt Köln wächst bereits heute zu einem großen Teil über die bauliche Innenentwicklung, das heißt Bauprojekte auf Grundlage bestehender Bebauungspläne oder auf Grundlage von § 34 Baugesetzbuch. Aktuell beteiligt sich zudem die Stadt Köln am Bundesförderprojekt zur Erarbeitung eines Baupotentialregisters für Innenentwicklungspotentiale (Baulücken, Aufsto- ckungen und Umnutzungen). Stadtplanerisches Ziel ist es, die Aktivierung von Innenentwick- lungspotentialen weiter zu fördern. Das Ergebnis wird Ende des Jahres vorgestellt. Eine Ver- pflichtung von Eigentümer*innen zur Umsetzung von baulichen Entwicklungen bedarf einer vorherigen Vereinbarung (zum Beispiel städtebaulicher Vertrag). Gez. Wolfgramm
Beratungsverlauf (1)
Beschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungDetails
- Aktenzeichen
- 1848/2025
- Typ
- Stellungnahme zu e. Antrag (Ausschuss)
- Datum
- 12.06.2025
- Erstellt
- 06.06.2025 09:45