2015/0311
Darmstädter Bürgerhaushalt 2015 - Vorschlag # 105 'Krankenhauskeime vermeiden - Putzkräfte schulen'
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2015/0311
8911 Zeichen
Magistratsvorlage
Eingang Magistrats -
geschäftsstelle:
02.09.2015
an den Magistrat
zur Kenntnis
zur Beschlussfassung
Beteiligt vor
Magistratsbeschlussfassung:
Dezernat an die Stadtverordnetenversammlu ng
OBW zur Befassung
zur Kenntnis
zur Beschlussfassung
zur abschließenden Beschluss -
fassung Fachausschuss
Amt: Dezernat IV
OBW bei abschl.
Beschlussfassung Magistrat
Behandlung in
öffentl. Sitzung
Ja
Nein
Verteiler:
Ja
Nein
Vorlage-Nr. 2015/0311
Magistratsbeschluss -Nr.
Internetfähig
Produkt-Nr.:
Kostenstelle: Investitionsnummer:
Kostenträger: Sachkonto:
Betreff: Darmstädter Bürgerhaushalt 2015 - Vorschlag # 105
"Krankenhauskeime vermeiden - Putzkräfte schulen"
Vorlage vom: 24.08.2015
Beschlussvorschlag :
Der Bericht wird zur Kenntnis genommen
Anlagen:
Datenschutzrelevante Anlage:
Folgekosten: Ja Nein
- 2 -
Beschluss des Magistrat s vom
- 3 -
Begründung zur Magistratsvorlage vom 24.08.2015
Für den Darmstädter Bürgerhaushalt 2015 wurde folgender Vorschlag eingebracht:
Es ist unverantwortlich Billigkräfte einzustellen, die nicht richtig geschult sind. Jedes
Krankenzimmer mit dem gleichen Lappen zu wischen, den Boden mit dem gleichen Wasser. Das
Waschbecken mit dem gleichen Tuch wie den Nachttisch. Möglichst schnell mit wenig Wasser
riesige Gänge und Treppen zu wischen. Wer wundert sich da, dass die Keime sich verbreiten wie
Unkraut. Sicher liegt es auch an der fehlenden Zeit: Outsourcing und es wird im Akkord gearbeitet.
Der Vorschlag erhielt:
In der Online-Abstimmung: 64 Ja-Stimmen und 5 Nein-Stimmen.
In der Vor-Ort-Abstimmung: 2 Ja-Stimmen und 0 Nein-Stimmen.
Der Magistrat der Wissenschaftsstadt Darmstadt kann nur für die Klinikum Darmstadt GmbH
(KDA) Auskunft geben, da dies eine 100%-ige Tochter ist – nicht für die drei anderen
Darmstädter Krankenhäuser.
Alle Reinigungskräfte die im KDA eingesetzt werden sind ausnahmslos Mitarbeiterinnen und
Mitarbeiter der Starkenburg Service GmbH (SSG). Die SSG ist wiederum eine 100%-ige
Tochter der Klinikum Darmstadt GmbH. Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der SSG sind
dort nach Tariflohn festangestellt. Insgesamt 192 Reinigungskräfte sind im Klinikum in
Darmstadt und in Eberstadt, im Altenheim Emilstraße und im Lilienpalais im Einsatz und
täglich zuständig für 120.000 Quadratmeter Fläche.
Seit 2013 gibt es im Klinikum Darmstadt ein Vier-Farb-System für die Reinigungskräfte. Im
Klinikum Darmstadt wird jede neue Reinigungskraft sogar im sensibelsten Bereich jedes
Krankenhauses eingearbeitet: dem OP. Damit wird das Bewusstsein für die besonderen
Hygieneanforderungen geweckt. An jedem Putzwagen hängen Piktogramme, die das System
erklären. So werden WC und Urinale mit roten Lappen geputzt, die in roten Eimern Wasser und
Reinigungsmittel aufnehmen. Blau ist die Farbe für alle Oberflächen im Zimmer, grün ist dem
Patientenbett vorbehalten und gelb, dem Sanitärbereich. Alle Bereiche werden einer
desinfizierenden Reinigung unterzogen, es werden also keine anderen Produkte eingesetzt
(Haushaltsreiniger). Das Vier-Farb-System braucht zwar mehr Zeit bei der Einarbeitung der
Reinigungskräfte, aber dieser Aufwand lohnt sich für die Patientinnen und Patienten aber auch
für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Klinikum.
Einen Beitrag zur Hygiene und damit zum Stopp des Keimübertrags liefert auch die Falttechnik
der Lappen: Jeder Lappen wird geviertelt und bietet damit beim Öffnen acht Flächen zum
Putzen. Kein Lappen wird nach dem Putzen wieder in einen Eimer getaucht. Mit bis zu vierzig
Lappen ist ein Wagen ausgestattet. Sind die verbraucht, kann jede Reinigungskraft neue
nachordern.
2014 hat das Klinikum Darmstadt mit der Implementierung des neuen Wischsystems mit
vorpräparierten Wischbezügen begonnen. Auch ein neues Desinfektionsmittel, das
rückstandsfrei von den Oberflächen trocknet, wird seit 2014 eingesetzt. 2015 erfolgte die
Einführung neuer Sanitärgrundreiniger – mit einer verbesserten Reinigungsleistung.
- 4 -
Die Reinigung in den Patientenzimmern erfolgt je nach hygienischem Risiko an bis zu sieben
Tagen in der Woche. Hierbei wird innerhalb der Intensität der Reinigung unterschieden. Die
Einteilung richtet sich nach desinfizierender Vollreinigung und reduzierter Reinigung.
Mindestens fünf desinfizierende Vollreinigungen in den Zimmern auf den Stationen in der
Woche sind Vorschrift.
Da den ganzen Tag über neue Patienten auf Station kommen, kann es sein, dass eines der
bereits geputzten Zimmer schon wieder volle Mülleimer hat, wenn ein neuer Patient das
Zimmer bezieht. Das erweckt manchmal den falschen Anschein, es sei noch keine Reinigung
durchgeführt worden. Für diese Fälle kann von den Pflegekräften auf der Station eine zweit e
Reinigung angefordert werden.
Hygiene im Krankenhaus ist allerdings etwas anderes als die vermeintlich sichtbare Sauberkeit.
Seit zwanzig Jahren beschäftigt das Klinikum Darmstadt einen eigenen Facharzt für Hygiene.
Um der Hygiene einen verbindlichen Stellenwert zu verschaffen, gibt es eine eigenständige
Abteilung unter Leitung des Facharztes mit sechs Hygienefachkräften und -ingenieuren. Sie
sind in allen Bereichen aktiv, kontrollieren und beraten die Stationen und Abteilungen, sie
überwachen das Einhalten der Hygienevorschriften und werten Ereignisse aus. Sie erstellen die
Reinigungs- und Hygienepläne, nach diesen wird das Reinigen der einzelnen
Stationen/Bereiche durchgeführt. Dazu gehört die Bewertung von 50.000 Einzelbefunden
jedes Jahr. Die Abteilung schult aber auch alle Berufsgruppen des Klinikums – auch die
Reinigungskräfte, entwickelt Vorgaben zur Infektionsprophylaxe wie etwa das Konzept der
variablen Zusammenlegung von MRSA-Patienten. Dieses Konzept wurde hier deutschlandweit
erstmalig umgesetzt und gilt mittlerweile als Standard.
Trotz aller Vorkehrungen, das Risiko, sich in einer Klinik zu infizieren, ist real und besteht
in jedem Krankenhaus. Die Erreger werden von kranken Menschen ins Haus getragen,
aber auch von Besuchern und vom Personal. Was für Gesunde ungefährliche
Mikroorganismen sind, kann für einen immungeschwächten Klinikpatienten zur tödlichen
Gefahr werden.
Als Maß dafür, wie groß die Gefahr ist, sich im Krankenhaus an einem typischen
Krankenhauskeim anzustecken, wird der sogenannte MRSA-Keim genommen. Die
Ansteckungsrate im Klinikum Darmstadt sinkt seit über 20 Jahren immer weiter. 1995
lag sie bei knapp 1% - jeder 100.ste Patient hat damals den Keim aufgenommen, so dass
er in der Nase oder im Mund nachweisbar war - in der Regel ohne eine
Infektionskrankheit auszulösen. 2007 lag diese Rate bei einem Viertel Prozent (0,241%),
sodass nur jeder 400.ste Patient den Keim aufnahm, inzwischen (2014) liegt die Rate im
Klinikum bei 0,088%. Das bedeutet, dass nicht einmal jeder 1.000.ste Patient den Keim
aufnimmt.
Vergleicht man das mit dem sogenannten Erwartungswert, also der Häufigkeit für
Patienten in vergleichbaren Krankenhäusern Deutschlands, dann müsste es jeden 65.
Patienten treffen. Das Klinikum Darmstadt erzielt einen 15mal besseren Wert als das
durchschnittliche Großkrankenhaus.
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Jüngste Benchmarkingdaten der Hessischen Krankenhausgesellschaft nahezu aller
hessischer Krankenhäuser (87 von 88) aus dem ersten Halbjahr 2014 zeigen: Die
Klinikum Darmstadt GmbH ist in der Gruppe der hessischen Großkrankenhäuser das mit
der geringsten nosokomialen Infektionsrate – mit anderen Worten: Die Gefahr, sich im
Klinikum Darmstadt an einem sogenannten Krankenhauskeim anzustecken, ist
hessenweit am aller geringsten.
Auch bei der Reduzierung der Infektionsrate im operativen Bereich konnten Maßstäbe
gesetzt werden – durch den Einsatz modernster Raumlufttechnik, die die Keimzahl um
den Faktor 20 reduziert und einer modernen Zentralen Sterilgut-Versorgungs-Abteilung.
Das Hessische Ministerium für Soziales und Integration (HSMI) hat zur generellen
Verbesserung der Krankenhaushygiene eine Serie von Hygieneschulungsfilmen für
Fachpublikum in Auftrag gegeben. Als Würdigung des Hygienestandards im Klinikum
Darmstadt wurden fünf der sechs Filme im Klinikum Darmstadt gedreht, u.a. auch über die
Krankenhausreinigung nach den Kriterien der Keimreduktion. Hierin wird das oben
beschriebene Verfahren mit vier Farben, spezieller Lappenfalttechnik und Ablaufstrategie
mustergültig vorgeführt. Schon daran sollte erkennbar sein, dass die Desinfektion und
Reinigung bei der Haushygiene im Klinikum Darmstadt einen fachlich hohen Stellenwert
einnimmt und nur von fachlich geschultem Personal durchgeführt wird.
Darmstadt, 22.07.2015
Der Dezernent I Der Dezernent IV
Jochen Partsch André Schellenberg
Oberbürgermeister Stadtkämmerer
Beratungsverlauf (4)
Orte (1)
- Emilstraße
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Details
- Vorlagen-Nr.
- 2015/0311
- Typ
- Magistratsvorlage
- Datum
- 22.07.2015
- Erstellt
- 29.09.2026 00:00