SV-2015/0019
Antrag der Fraktion Die Linke. vom 10. Juni 2015 betr. Ehrengrab für Konrad und Ulla Mommsen
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SV-2015/0019
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Vorlage-Nr. SV-2015/0019 Antag der Fraktion Die Linke. vom 10. Juni 2015 betr. Ehrengrab für Konrad und Ulla Mommsen Darmstadt, 10. Juni 2015 Antrag auf ein Ehrengrab für Konrad und Ulla Mommsen Die Stadtverordnetenversammlung möge beschließen: Der Magistrat wird beauftragt, die Grabstätte IB8 auf dem Alten Friedhof in die Liste der Ehrengräber aufzunehmen. Beerdigt sind dort Konrad Mommsen (*8.10.1896 in Berlin, †28.2.1973 in München) und seine zweite Ehefrau Ulla, geb. Spiess (*29.8.1909 in Köln, †28.2.1973 in München). Begründung: Konrad Mommsen war Enkel des Althistorikers und Literaturnobelpreisträgers Theodor Mommsen, Sohn des Arztes Ernst Mommsen und Neffe der Brüder Max und Alfred Weber. 1914 machte er sein Abitur. Von 1914 bis 1918 nahm er als Kriegsfreiwilliger, später als Leutnant, am Ersten Weltkrieg teil und wurde dreimal verwundet. Nach dem Krieg war er in der Wirtschaft tätig und wurde Abteilungsleiter für Spezial-Exportgeschäfte der Firma Agfa. Im Jahre 1943 wurde er von der Gestapo verhaftet. Weil er für untergetauchte Juden gefälschte Papiere besorgt hatte, saß er sieben Mo nate in Untersuchungshaft und wurde danach mit einem Arbeitsverbot belegt. Nach Einmarsch der Alliierten im Frühjahr 1945 zog ihn die amerikanische Militärregierung (OMGUS) als Berater heran. Die Basis seiner Beratertätigkeit war zeitweilig Darmstadt, wo e r 1948 zusammen mit Ulla vorübergehend seinen Wohnsitz aufnahm. Beim Wiederaufbau engagierte er sich für die Dezentralisierung des sich bildenden neuen Staates. Als Mitglied der Deutschen Wählergesellschaft war er ein Befürworter des Personalwahlrechts und ein Gegner geheimer Abstimmungen im Bundestags. Ulla Mommsen entstammt einer gehobenen Darmstädter Familie; sie war Tochter des Oberregierungsrats Dr. jur. Walter Spiess und dessen Ehefrau Dora, geb. Bonte, die seit 1899 mit Unterbrechungen in dieser Stadt in der Frankensteiner Straße 8 lebten. Nach Studienabschluss wurde Ulla Fachärztin für Radiologie. Während des „Dritten Reichs“ stand sie ihrem Mann selbstlos und großherzig zur Seite. Dieser berichtete nach Ende der Naziherrschaft, er habe „in jeder möglichen Weise gegen das System Antrag Landgraf-Philipps-Anlage 32 64283 Darmstadt Telefon 06151 / 66 90 310 Telefax 06151 / 66 90 533 info@linksfraktion-darmstadt.de www.linksfraktion-darmstadt.de 2 gearbeitet, alles in herrlicher Gemeinschaft mit Ulla, die besonders in den Monaten [seiner] Haft fabelhaftes geleistet hat.“ In der Zeitschrift „Die Wandlung“ veröffentlichte Konrad Mommsen 1948 das „politische Testament“ seines längst verstorbenen Großvaters Theodor. Kurz nach dem Ende des Naziterrors erfuhr die Öffentlichkeit was der große Althistoriker Theodor Mommsen schon 1899 von den politischen Qualitäten der Deutschen gehalten hatte: nichts. In dieser am 2. September 1899 in Heringsdorf auf der Insel Usedom verfassten und unterzeichneten Urkunde hatte Theodor Mommsen geklagt, dass in diesem Land der Einzelne „über den Dienst im Gliede und den politischen Fetischismus“ nicht hinaus komme Das politische Vermächtnis des Nobelpreisträgers hätte nach der Hitlerzeit helfen können, eine neue geistige Grundlage zu legen, wenn die Gründerväter der Bundesrepublik es gewollt hätten. Wenn die Bereitschaft von Konrad und Ulla Mommsens, Juden zu helfen als diese Mitmenschlichkeit unter Strafe stand, ganz außergewöhnlich ist, so hat Konrad Mommsen sich durch eine andere, nicht minder mutige Tat seinen Ehrenplatz in der Geschichte verdient. Als unbestechlicher Enkel des großen Theodor Mommsen nahm er die Anfeindung der Verwandtschaft in Kauf und sorgte für die unzensierte Veröffentlichung des „Politischen Testaments“ seines Großvaters. Dem Testamentsvollstrecker Konrad Mommsen und seiner Ehefrau gebührt Ehre. Ihre sterblichen Überreste sind hier bei uns beigesetzt. Es stände der Stadt Darmstadt gut an, die letzte Ruhestätte der beiden als Ehrengrab zu pflegen. Karl-Heinz Böck Martina Hübscher-Paul Werner Krone
Beratungsverlauf (3)
Orte (2)
- Frankensteiner Straße 8
- Landgraf-Philipps-Anlage 32
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Details
- Vorlagen-Nr.
- SV-2015/0019
- Typ
- Antrag
- Datum
- 10.06.2015
- Erstellt
- 29.09.2026 00:00