V/0624/2019
Perspektivzentrum des Jobcenters Münster - Resümee und Ausblick
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Berichtsvorlage
23464 Zeichen
V/0624/2019
V/0624/2019
Öffentliche Berichtsvorlage
Betrifft
Perspektivzentrum des Jobcenters Münster - Resümee und Ausblick
Beratungsfolge
27.11.2019 Ausschuss für Soziales, Stiftungen, Gesundheit, Verbrauche r-
schutz und Arbeitsförderung
Bericht
Bericht:
Der Bereich „Berufliche Qualifizierung und Vernetzung“ war bis Ende 2014 in der Volkshochschule
der Stadt Münster verankert. Zum 01.01.2015 wurden diese individuellen Beratungsleistungen mit
arbeitsmarktlichem Kontext in das Jobcenter überführt und das „Perspektivzentrum“ eingerichtet. Das
Perspektivzentrum ist ein nach AZAV (Akkreditierungs - und Zulassungsverordnung Arbeitsförderung)
anerkannter Bildungsträger des Jobcenters der Stadt Münster.
Seit dem 01.01.2015 beraten freiberufliche und hauptamtliche Mitarbeitende im Jobcenter Münster
Bürgerinnen und Bürger, die Leistungen nach dem SGB II beziehen und erwerbsfähig sind, in indivi-
duell und gesellschaftlich relevanten Themenkontexten von beruflicher Entwicklung.
Mit den Beschlussvorlagen V/0860/2013 1, V/0365/2013 2, V/0062/2014 3, V/0120/2015 4 und
V/0583/20155 erfolgte die Festlegung der organisatorischen Rahmenbedingu ngen und der konzept u-
ellen Ausrichtung des Perspektivzentrums . Daneben wurde ein Abgleich der Erfolgserwartungen der
beteiligten Akteure und Akteurinnen aus Politik und Verwaltung und der Gruppe der potenziellen
Kunden und Kundinnen initiiert und aufbereitet.
Das Perspektivzentrum steht dafür, Beratung zur beruflichen Entwicklung im SGB II anders zu de n-
ken: Die persönliche Beratung zu Fragen der beruflichen Entwicklung wird als eine professionelle
soziale Dienstleistung verstanden, die systemisch, ressourcen- und lösungsorientiert und durchgä n-
gig transparent und wertschätzend gestaltet ist. Sie ist nachvollziehbar und qualitativ sowie quantitativ
gut steuerbar. Der Gesetzgeber hat mit den Gesetzesänderungen in der jüngeren Vergangenheit e i-
nen Wandel von der absolut priorisierten Arbeitsintegration hin zu einer eher sozialintegrativen Str a-
tegie entwickelt. Diese das gesamte Umfeld und die persönlichen Umstände der Kunden betreffende
1 „Projektbereich der VHS, Organisation der arbeitsmarktbezogenen Maßnahmen bei der Stadt Münster “
2 „Zukünftige Ausrichtung arbeitsmarktbezogener Maßnahmen bei der Volkshochschule Münster“
3 „Organisation der arbeitsmarktbezogenen Maßnahmen bei der Stadt Münster “
4 „Perspektivzentrum Jobcenter Münster“
5 „Perspektivzentrum – verbesserte Angebotsstruktur“
Jobcenter
14.11.2019
Ihr/e Ansprechpartner/in:
Herr Klaes-Klagge
Telefon: 492-9200
Klaes-Klagge@stadt-
muenster.de
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Betrachtungsweise wurde bereits vor dem gesetzgeberischen Wandel im P erspektivzentrum des
Jobcenters umgesetzt.
Die entscheidenden Erfolgskriterien der Arbeit des Perspektivzentrums sind die fachliche Gesta l-
tungsfähigkeit und –freiheit von Steuernden und Beratenden, die hohe Eigenmotivation der Kundi n-
nen und Kunden und deren freiwillige bzw. selbstbestimmte Teilnahme. Alle drei Faktoren zusammen
ermöglichen die Entwicklung eines persönlichen Unterstützungsauftrags und eine aktive Beteiligung
der Kundinnen und Kunden am Beratungsprozess, die über das, was man im SGB II klassi scher-
weise unter Mitwirkung versteht, weit hinausgeht. Letztendlich unterstützt das Perspektivzentrum se i-
ne Kundinnen und Kunden dabei , ihre gesellschaftlichen Teilhabechancen, insbesondere in den D i-
mensionen Selbstwirksamkeit, Erwerbsarbeit, Kompetenzen, Anerkennung und soziale Rechte zu
erkennen und wahrzunehmen. In sehr vielen Fällen scheint ihnen dieses laut ihrer eigenen Aussagen
nach der Beratung durch das Perspektivzentrum besser zu gelingen als zuvor.
Das Angebotsspektrum wurde und wird so (weiter-)konzipiert, dass die Angebote des Perspektivzent-
rums zu den aktuellen beruflichen und persönlichen Entwicklungsaufgaben der Kundinnen und Ku n-
den passen. Es gliedert sich aktuell in die Angebotssegmente „Einstiegsberatung“, „Persönliche und
berufliche Standortbestimmung“, „Berufliche Orientierung “, „Stellensuche“ und „Coaching nach B e-
schäftigungsaufnahme“. Der Teilnahme an Angeboten ist eine Phase der Erstansprache vorgescha l-
tet. Am Ende einer Teilnahme findet immer ein gemeinsames Reflexionsgespräch vo n Kund innen,
Kunden, Beratenden des Perspektivzentrums und den jeweils zuständigen Jobcoaches statt.
Beratungserfolge
Die Erfahrungen der letzten Jahre zeigen, dass eine spezialisierte, professionelle, beschäftigungsor i-
entierte soziale Beratungsdienstleistung bei grundsätzlicher Offenheit für alle Belange der Lebensl a-
gen der Kundinnen und Kunden erfolgreich sein kann. Sie eröffnet Kunden und Kundinnen des Pe r-
spektivzentrums, deren Ziel die Aufnahme von Beschäftigung bzw. Erwerbsarbeit ist, konkrete Opti o-
nen für eine Verbesserung ihrer materiellen und sozialen Lebenslagen und befähigt sie, individuell
entwickelten Möglichkeiten zu priorisieren und zu nutzen.
Die vom Perspektivzentrum geleistete Beratung zur beruflichen Entwicklung wird immer als Ko -
Produktion auf Augenhöhe verstanden. Die Ansprache der Kunden und Kundinnen erfolgt selbstve r-
ständlich jederzeit respektvoll, positiv zugewandt und freundlich.
Die nachfolgenden Auskünfte geben einen kurzen Überblick über die Leistungsbilanz des Perspektiv-
zentrums. Die Erhebung der Daten erfolgt innerhalb des Perspektivzentrums nach einem speziell für
diesen Zweck entwickeltem Datenerhebungsplan, der aufgrund der jährlichen Audits nach AZAV und
aufgrund anderer interner Anforderungen und Optionen verschiedene Be richtszeiträume ausweist. In
dieser Gesamtschau werden deshalb die Bezugszeiträume jeweils pro Thema speziell ausgewiesen.
Die Informationen zum Beratungsumfang korrespondieren mit dem Berichtszeitraum 01.01.2015 bis
30.06.2019 und geben damit ein sehr umfassendes Gesamtbild der vergangenen Arbeit des Perspek-
tivzentrums ab: Mit der Anzahl von 1463 Teilnahmen durch 571 Personen und von 7225 realisierten
Beratungseinheiten wurde der angestrebte personelle und räumliche Auslastungsgrad des Perspe k-
tivzentrums erreicht. Erfreulich ist, dass sich die überwiegende Anzahl der Kunden und Kundinnen
nach der Einstiegsberatung auf eine weitere Zusammenarbeit mit dem Perspektivzentrum eingela s-
sen haben. Die Ausfallquote von 21 % liegt regelmäßig unter der selbst gesetzt en Toleranzschwelle
von 25%. Auch wird die Anzahl der vorzeitigen, negativ begründeten Teilnahmebeendigungen ve r-
mutlich nicht weiter zu reduzieren sein, da die meisten der Anlässe durch das Perspektivzentrum
nicht wirklich zu beeinflussen sind.
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Anzahl teilnehmende Personen und
Teilnahmen6
571 Personen sind im Zeitraum vom 01.01.15 bis zum
30.06.2019 in die Angebotssegmente eingemündet. Die
Mehrzahl der Eingemündeten hat mindestens an zwei
Angebotsmodulen (Einstiegsberatung und Standortbe-
stimmung) teilgenommen: es gab 1463 Teilnahmen
(Frauen: 939 / Männer: 524).
Teilnahmen differenziert nach Ange-
botssegmenten
Einstiegsberatung:585 / 211m / 374w
(14 Personen haben zweimal teilgenommen.)
Persönliche/berufliche Standortbestimmung:545 / 361w /
184m
Berufliche Orientierung:211 / 138w / 73m
Stellensuche:40 / 20w / 20m
Coaching nach Beschäftigungsaufnahme:23 / 11w / 12m
Basiskompetenzen für Arbeit:59 / 35w / 24m
geplante Beratungsgespräche7 9794
realisierte Beratungsgespräche 7225
nicht realisierte Beratungsgespräche,
weil Teilnehmende nicht zu Gespräch
erschienen sind
20178
nicht realisierte Beratungsgespräche,
weil PZ bzw. Jobcoaches abgesagt
haben
5529
vorzeitige Teilnahmebeendigungen 152 Personen haben ein Angebotsmodul vorzeitig been-
det, das entspricht 10,87 % von 1398 Teilnahmebeendi-
gungen insgesamt. In 34,21 % der Fälle hatten der vor-
zeitigen Teilnahmebeendigungen einen positiv zu bewer-
tenden Grund. Dazu zählt bspw. die erfolgte Integration
in den Arbeitsmarkt, der Einstieg in eine weiterführende
Qualifizierung oder die Entscheidung, die psychische und
/ oder physische Gesundung aktiv zunächst als vorrangi-
ge persönliche Aufgabe anzunehmen und zu gestalten.
Länge der Beratungsprozesse
Die Prozesslänge betrug in den Phasen
Erstansprache / Einstiegsberatung: ca. 6,15 Beratungs-
einheiten, Standortbestimmung: 8,23 Beratungseinhei-
ten, Berufliche Orientierung: 7,31 Beratungseinheiten,
Stellensuche: 9,71 Beratungseinheiten, Coaching nach
Beschäftigungsaufnahmen: 12,19 Beratungseinheiten.
Die zentrale Fragen, die sich an die quantitativen Bilanzierung der Beratungsleistung des Perspekti v-
zentrums anschließen sind: Welche Wirkungen / Verbesserungen sind in den jeweils 75minütigen
Beratungseinheiten entstanden, in denen Teilnehmende mit ihren Ber atenden Potenziale und Wege
beruflicher Entwicklung reflektieren, entwickeln und erproben? Wie viele Kunden und Kundinnen
konnten für sich im Rahmen der Beratung ihren Lebensplan weiterentwickeln und in einer Weise re a-
lisieren, dass Erwerbsarbeit wieder eine bedeutsame Rolle spielt bzw. zukünftig spielen kann?
6 Es wird unterschieden zwische n der Anzahl der Personen (einmalige Zählung einer Person , obwohl diese ggf. an mehr e-
ren Angebotssegmenten teilgenommen hat und der Anzahl der Teilnahmen (u. U. mehrmalige Zählung einer Person, da
diese ggf. an mehreren Angebotssegmenten teilgenommen hat).
7 Berücksichtigt wurden alle Beratungsgespräche derjenigen Kunden und Kunden, die bis einschließlich 30.6.2019 ausgetre-
ten sind.
8 Das entspricht einer Ausfallquote von 21% bei einer Bezugsgröße von 9794 geplanten Beratungseinheiten.
9 Gründe waren i. d. R. gesundheitsbedingte Abwesenheiten von Beratenden und Jobcoaches. Die Absagen der zuletzt
Genannten waren im Zusammenhang mit Abschlussgesprächen relevant.
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Deswegen wurden und werden Teilnehmende im Rahmen der Vorbereitung ihres Abschlussg e-
sprächs beim Jobcoach dazu befragt, ob und inwiefern sich ihre Situation durch die Beratung des
Perspektivzentrums verbessert hat. I. d. R. äußern sich die meisten Kundinnen und Kunden des Pe r-
spektivzentrums aufgrund ihrer Teilnahme an mehreren Angebotssegmenten mehrfach. Betrachtet
werden der Status und der Entwicklungsprozess von persönlichem Wissen, Können und Woll en im
Kontext von Beruflichkeit und Beschäftigungsfähigkeit. Es geht gleicherma ßen um Haltung und Kom-
petenzen.
Die Mehrzahl der Kundinnen und Kunden, deren Reflexionen dem Perspektivzentrum - bezogen auf
den Zeitraum 01.01.15 bis 31.10.2018 - schriftlich vorliegen, nämlich 62,80%, hat dem Perspekti v-
zentrum eine eindeutig positive Rückmeldung zum Status und Entwicklung der von ihnen bei sich
beobachtbaren Verbesserungen gegeben. Sie drücken damit aus, dass sie konkrete positive Verän-
derungen, d. h., Verbesserungen in ihrem Verhalten, in ihrer Haltung und in ihrer Lebenssituation
bemerkt haben und schreiben diese eindeutig der Zusammenarbeit mit dem Perspektivzentrum zu.
Zählt man die Rückmeldungen, in denen Kunden und Kundinnen bestätigen, dass sie sich im Bera-
tungsprozess im positiven Bereich stabilisiert haben hinzu, kommt man hinsichtlich positiver Ei n-
schätzungen auf einen Gesamtwert von 93,23%. Die ermittelten Werte sind als Hinweise zu verst e-
hen und keine klassischen Belege im eigentlichen Sinne des Wortes.
132 Kunden und Kundinnen von insgesamt 501 Personen, haben in einem Zeitraum von bis zu 6 Mo-
naten nach Austritt aus einem Angebot des Perspektivzentrums eine sozialversicherung spflichtige
Arbeit aufgenommen. Darunter waren 83 Frauen und 49 Männer. Di e Integrationsquote beträgt
26,34%. Betrachtet wurden an dieser Stelle Personen, welche die Angebote des Perspektivzentrums
im Zeitraum vom 01.07.2015 bis 31.01.2019 beendet haben.
Des Weiteren waren insgesamt 247 der 501 ausgetretenen Kundinnen und Kund en (49,30%) inne r-
halb von 6 Monaten im Anschluss an eine Angebotsteilnahme im Perspektivzentrum erneut in dem
Sinne aktiv, dass sie an weiterführenden Angeboten (außerhalb des Perspektivzentrums) zur Fö r-
derung ihrer beruflichen Entwicklung teilgenommen haben. In Anbetracht von 501 Personen, die im
Berichtszeitraum ausgetreten sind, beträgt die sog. Aktivierungsquote somit 49%. In die Messung
wurden Kunden und Kundinnen einbezogen, die vom 01.07.2015 bis zum 31.01.2019 ausgetreten
sind (501 Personen).
Die Beratungsqualität wird im Prozessverlauf mehrfach innerhalb der realisierten Beratungseinhe i-
ten und zusammenfassend vor den jeweiligen Abschlussgesprächen zwischen Beratenden und Ku n-
dinnen bzw. Kunden reflektiert. In der Gesamtbetrachtung ( 01.01.2015 bis zum 31.10.2018 stellt sich
das Ergebnis wie folgt dar: Im Mittel bewerten 98,90% der Kunden und Kundinnen, die eine Rüc k-
meldung gegeben haben, die Beratungsqualität des Perspektivzentrums positiv. Gefragt wurde u. a.
nach: der Einschätzung der Beratungsbe ziehung (Ich fühlte mich insgesamt gehört, verstanden und
respektiert…), der Einschätzung der Themenwahl (Wir haben insgesamt darüber geredet, worüber
ich reden wollte…), der Einschätzung der Arbeitsweise (Die Arbeitsweise der Beraterin / des Beraters
passte insgesamt zu mir…), der Einschätzung der Zufriedenheit (Insgesamt bin ich mit der Beratung
zufrieden...), der Einschätzung der Organisation des Angebotes und der Zufriedenheit mit der Ber a-
tungsqualität des Abschlussgesprächs.10
Neben den Erhebungen zur Beratungsqualität führt das Perspektivzentrum kontinuierlich allgemeine-
re – auch seitens der AZAV 11 geforderte - Kundenzufriedenheitsbefragungen durch. Die Teilnahme
an der Befragung ist freiwillig und erfolgt anonym.
10 Das Abschlussgespräch meint das Gespräch, welches Beratende und Kundinnen und Kunden des Persp ektivzentrums
zum Abschluss einer Beratungsphase (eines Angebotsmoduls) mit den jeweils zuständigen Jobcoaches führen.
11 Die Verordnung über die Voraussetzungen und das Verfahren zur Akkreditierung von fachkundigen Stellen und zur Zula s-
sung von Trägern un d Maßnahmen der Arbeitsförderung nach dem Dritten Buch Sozialgesetzbuch (Akkreditierungs - und
Zulassungsverordnung Arbeitsförderung – AZAV) ist eine Rechtsverordnung des Bundesministeriums für Arbeit und Sozi a-
les (BMAS) aufgrund § 184 SGB III . Sie trat am 6. April 2012 in Kraft. / https://de.wikipedia.org/wiki/Akkreditierungs-
_und_Zulassungsverordnung_Arbeitsf%C3%B6rderung
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Die Kundenzufriedenheit lag im Mittel bei 87,80%. Eine große Anzahl und Vielfalt von qualitativen
Hinweisen in den Zufriedenheitsbekundungen unterstützen die ermittelten Zufriedenheitsquoten in
ganz besonders beeindruckender Weise. Den Angaben zur Kundenzufriedenheit wurden aus den 625
Rückmeldungen generiert, die von Kunden und Kundinnen abgegeben wurden, die im Zeitraum vom
01.01.15 bis 31.10.18 an einem oder mehreren Angeboten des Perspektivzentrums teilgenommen
haben. Insgesamt wurden in diesem Zeitraum 973 Teilnahmen beendet, sodass mit 625 eine Rüc k-
meldequote von erfolgten 64,23% erreicht wurde. Angebotsteilnahmen im Angebotssegment „ Basis-
kompetenzen für Arbeit “ sowie die vorzeitigen Teilnahmebeendigungen wurden bei der Zählung au-
ßen vorgelassen.
Steuerungserfolg
Das Perspektivzentrum wird wirkungsorientiert über Ziele gesteuert. Auf der Managementebene wur-
den Ziele entwickelt und vereinbart zur Aufrechterhaltung und zum Nachweis einer finanziellen Liqu i-
dität und Stabilität, zur Weiterentwicklung des Qualitätsmanagements, zu den Ergebnissen von inte r-
nen und externen Audits, zum Stand der Umsetzung von Korrektur - und Vorbeugemaßnahmen, zur
Kundenzufriedenheit, für das Beschwerdemanagement, zur Qualität und Weiterentwicklung des Pe r-
sonals, zur Qualität und zur Weiterentwicklung der internen und externen Kooperation, zur Umse t-
zung der vertraglichen Vereinbarungen mit den Teilnehmenden, zur Qualität der räumlich technischen
Ausstattung, zur Qualität der Organisation des Betriebes, zum Umfang und Art der an zubietenden
Beratungsdienstleistungen und zur Qualität der Beratung.
Als übergeordnetes Angebotsziel, d. h. auf der Entwicklungsebene der Kundinnen und Kunden fokus-
siert das Perspektivzentrum insbesondere die Verbesserung von Selbstwirksamkeit und Kompete n-
zen im Hinblick auf die Aufnahme von Beschäftigung bzw. von Erwerbsarbeit. Hier geht es um die
Höhe von Integrations - und Aktivierungsquote sowie um Ziele hinsichtlich der Verbesserungsgrade,
die sich bei den Kundinnen und Kunden auf den Ebenen von Einstel lungen, Verhalten und Leben s-
umfeld einstellen sollen. In der Konsequenz geht es im Perspektivzentrum immer darum, Wirkung zu
planen, zu analysieren und zu verstehen: Herausforderung und Bedarf sind zu kennen und Ziele und
Ansatz logisch zu verbinden. Und w enn das nicht auf dem kurzen und direkten Weg geht, dann sind
ggf. kreative Zwischenschritte zu entwickeln. Monitoring und Evaluation der Ergebnisse sowie Berich-
ten und Lernen ergänzen die Agenda der Aufgaben, die vom Perspektivzentrum zu erledigen sind.
Auf der Entwicklung einer s peziellen Indikatorik basierend ist eine interne Berichterstattung passend
zum Leistungs- und Wirkungsspektrum des Perspektivzentrums entwickelt worden.12 Das Qualitäts-
managementsystem des PZ ist bereits gut ausgereift, passend und einem lernenden System entspre-
chend entwicklungsfähig.
Personal
Im Perspektivzentrum üben zurzeit vier hauptamtliche Mitarbeitende folgende Funktionen aus: Le i-
tung Fachstelle Umsetzung von Angeboten (19,5 Wstd.), 1. Fachkraft PZ (39 Wstd.), Leitung Fal l-
steuerung (insgesamt 48 Wstd.) und Teamassistenz (14,5 Wstd.).
Darüber hinaus werden zeitgleich und durchgängig ca. zehn Beratende mit der Beratung zur berufl i-
chen Entwicklung beauftragt. Sie verstehen sich als freiberufliche Unternehmerinnen bzw. als Unt er-
nehmer. Das gesamte Auftragsvolumen der Freiberuflichen entspricht in etwa der Arbeitsleistung von
vier bis fünf Vollzeitstellenäquivalenten.
12 Im Rahmen einer Evaluation wird recherchiert, welche Wirkungen die Beratungsarbeit bei den Kunden und Kundinnen
zeigt. Diese werden bislang mittels einer jeweils direkten Frage zur subjektiv erlebten Veränderung im Kontext einer Vorher -
und Nachherbetrachtung erhoben. Ein Fragebogen, den das Perspektivzentrum analog zu seinen speziellen angebotsbez o-
genen Zielsetzungen mit exter ner Unterstützung entwickelt und erprobt hat, zeigt interessante Möglichkeiten einer Selbst e-
valuation der Wirksamkeit durch die Angebotsnutzenden auf. Er soll zukünftig zum Einsatz kommen. Experimentelle Unte r-
suchungen mit Kontrollgruppen oder Langzeitstud ien konnten bislang aus Ressourcengründen nicht umgesetzt werden,
wenngleich durchaus sehr interessante Untersuchungsgegenstände ermittelt werden könnten.
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Mitteleinsatz
Die im Eingliederungsbudget des Jobcenters für das Perspektivzentrum veranschlagten Finanzmitt el
werden zielorientiert, effizient und wirtschaftlich eingesetzt. Der Beauftragungsumfang des Perspe k-
tivzentrums konnte mit Bezug auf die Ressourcen stimmig entwickelt werden. Mit der Beschlussfa s-
sung zur Ratsvorlage V/0583/2015 im Juli 2015 wurde dem Per spektivzentrum fortlaufend jährlich
maximal 850.000,00 Euro aus dem Eingliederungstitel des Jobcenters Münster zugesprochen. Die
Veranschlagung der vorstehend genannten Summe ergab sich aus einer ersten Hochrechnung des
Beauftragungsvolumens des Perspektiv zentrums im Frühjahr 2015. Im Verlauf der nächsten Jahre
wurde deutlich, dass der höchstmögliche Auslastungsgrad realistisch mit einem Mittelvolumen von ca.
650.000,00 Euro korrespondieren kann. Dabei werden sowohl die zur Verfügung stehenden personel-
len und räumlichen Ressourcen als auch die Relation von Angebot und Nachfrage durch Kundinnen
und Kunden berücksichtigt.
2015: 386.948,38 €
2016: 531.529,95 €
2017: 621.986,00 €
2018: 588.942,35 €
Resümee und Ausblick
Der vom Perspektivzentrum entwickelte und mit viel Potenzial ausgestattete beraterische Weg
scheint ein geeigneter zu sein. Gleichwohl ist die alltägliche beraterische Herausforderung sehr hoch
und die Weiterentwicklung des Beratungsverständnisses und der zum Perspektivzentrum passenden
Beratungskonzeption ist eine Daueraufgabe. Nicht zuletzt auch deshalb, weil Qualitätsfragen immer
und sehr wesentlich mit Professionalisierungsanstrengungen und Professionalitätsentwicklung im
Hinblick auf das eingesetzte Personal verbunden sind. Die Erfolgsbedi ngungen für Beratungserfolge
sind zu identifizieren und zu definieren und die Beratungsumgebung entsprechend zu gestalten.
Um zukunftsfähig zu bleiben, wird es in den nächsten Jahren vor allem auch darum gehen, die Ko n-
zept- und Durchführungsqualität im Per spektivzentrum gut im Auge zu behalten und miteinander im
Gespräch zu bleiben, über das Wie und das Warum. Steuerungsrelevante Leitfragen, die sich in der
Vergangenheit – weil systematisch und wiederkehrend gestellt - als sehr hilfreich erwiesen haben,
sind auch zukünftig bedeutsam : Welche Adressatinnen und Adressaten will das Perspektivzentrum
erreichen? Was brauchen die potenziellen Kundinnen und Kunden? Was soll sich bei den Adress a-
tinnen und Adressaten positiv verändern? Welchen Beitrag leistet dies für Gesellschaft? Was muss
das Perspektivzentrum wollen, wissen, können und dürfen, damit es zu den gewünschten Veränd e-
rungen kommt? Welche Funktion und Bedeutung hat das Perspektivzentrum im Kontext der fallbez o-
genen Ko-Produktion innerhalb des gesamten Jobc enters? Welche erfolgsrelevanten Rollen spielen
andere Akteure und Akteurinnen im sozial - und arbeitsweltlichen Kontext? Wie wird die Arbeitswelt
zukünftig aussehen und welche Entwicklungsmöglichkeiten bietet sie? Wie sind „Beschäftigung“, „A r-
beit“, „Erwerbsarbeit“ u. ä. Begriffe zu definieren und zu verstehen, damit sie als Handlungsfelder für
die Ermöglichung von Beschäftigung als Element von sozialer Teilhabe weiterentwickelt werden kö n-
nen.
Im Verlauf des „Modellversuchs Perspektivzentrum“ wurden im Jobcenter Münster vielfältige Entwick-
lungspotenziale identifiziert, aus denen zukünftig weitere Erfolgsstrategien erwachsen werden: Stic h-
worte wie „Implementierung von Wirkungsorientierung als Gesamtsteuerungsmaxime des Jobcenters
Münster“ und „Professiona lisierung von Beratung im SGB II (als soziale Dienstleistung)“ verweisen
darauf.
Das Perspektivzentrum wird seinen erfolgreichen Weg zu einem „Regelangebot“ der Beratung zur
beruflichen Entwicklung im Jobcenter Münster fortsetzen, ohne den Anspruch innova tiv zu sein und
permanent besser zu werden aus den Augen zu verlieren. Die Rückmeldungen der Kundinnen und
Kunden und die Erfahrungen der Beratenden und Steuernden im Jobcenter lassen darauf schließen,
dass der mit dem Perspektivzentrum verbundene Handlung sansatz erfolgreich, nach wie vor vielver-
sprechend und nachahmenswert ist.
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V/0624/2019
Unter Berücksichtigung der dargestellten erfolgreichen Arbeit, wird angestrebt, d as zum Ende des
Jahres 2019 auslaufende Zertifikat neu zu erwerben. Die Vorbereitungen für das 2. Z ulassungsaudit
Ende November/Anfang Dezember sind bereits angelaufen.
In Vertretung
Gez.
Cornelia Wilkens
Stadträtin
Anlage A
5791 Zeichen
Anlage A zur V/0624/2019 Kurzüberblick Mit dem Beratungsangebot des Perspektivzentrums hat das Jobcenter seinen originären Aufga- benrahmen erweitert. Im Rahmen der sog. „Selbstvornahme“ beraten seit dem 01.01.2015 freibe- rufliche und hauptamtliche Mitarbeitende im Jobcenter Münster Bürgerinnen und Bürger der Stadt Münster, die Leistungen nach dem SGB II beziehen und erwerbsfähig sind, in individuell und ge- sellschaftlich relevanten Themenkontexten von beruflicher Entwicklung. Dabei geht es immer sowohl um einen Ausbau von Beschäftigungsfähigkeit als auch um die Ausschöpfung und Ent- wicklung von Potenzialen für soziale Teilhabe. In 2014 wurden dafür ein passendes Fachkonzept und ein Qualitätsmanagementsystem entwickelt. Den Anforderungen des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) für eine sog. Selbstvornahme entsprechend wurde es Ende 2014 nach AZAV zertifiziert. Dieses Zertifikat läuft Ende des Jahres 2019 aus und muss neu erworben werden. Die Vorbereitungen für das 2. Zulassungsaudit Ende November laufen bereits. Ziele/Teilziele/Zielerreichung Produktbereich 05 „Soziale Leistungen“ / Produktgruppe 0501 „Leistungen der Grundsicherung nach dem SGB II“ / Teilproduktbereich 05.01.06.01.01 Perspektivzentrum. Das Perspektivzentrum des Jobcenters Münster bietet seinen Kundinnen und Kunden -organisiert mittels Selbstvornahme- eigene Beratungs- und Weiterbildungsangebote zur beruflichen Entwick- lung an. Diese werden von Mitarbeitenden im Auftrag des Jobcenters konzipiert, organisiert, realisiert und evaluiert. Das Perspektivzentrum wird wirkungsorientiert über Ziele gesteuert. Erwünschte Wir- kungen werden als Ziele formuliert. Im Zentrum der Zielvereinbarungen stehen die Wirkungen, die die Stadt Münster erreichen will. Die Ziele sind formuliert im Hinblick auf die Qualität der Bera- tungs- und Weiterbildungsprozesse, die räumliche, sächliche und technische Infrastruktur, die Weiterentwicklung des Personals, die Kundenzufriedenheit, die Entwicklung der internen Zu- sammenarbeit, die Überwachung der Prozesse und des Leitungsreaktionsmanagements, die Wirtschaftlichkeit, die angestrebten Integrationen, die Entwicklung von Kompetenzen, Verhalten und Lebenssituation unserer Teilnehmenden in den verschiedenen Angebotssegmenten und im Hinblick auf die Entwicklung des gesellschaftlichen Umfeldes. Um eine wirksame Steuerung des Perspektivzentrums zu gewährleisten, hat die Stadt Münster entsprechende Zielfelder, Zielkennzahlen und Leistungsdaten festgelegt. Parallel dazu ist eine Verständigung auf qualitative und quantitative Indikatoren erfolgt, mit deren Hilfe der Grad der Zielerreichung "gemessen" wird. Der Zielkatalog des Perspektivzentrums ist Bestandteil des Ar- beitsmarktprogramms des Jobcenters Münster. Die Angebote "Impulse für Erwerbsarbeit" gliedert sich in 6 Module diese sollen mit 640 Teilneh- menden durchgeführt werden. Durch eine Evaluation soll Ende des Jahres festgestellt werden, dass 65 % der Kundinnen und Kunden nach dem regulären Ende der Angebotsteilnahme Kompetenzen, Verhalten und Lebens- situation im Hinblick auf Beruflichkeit verbessert haben und diese Verbesserung in Verbindung bringen mit der im Perspektivzentrum geleisteten Beratung zur beruflichen Entwicklung. Die Integrationsquote in Beschäftigung soll Ende des Jahres - bezogen auf unsere Teilnehmen- den, die ihren Beratungsprozess im Perspektivzentrum regulär beendet haben - mindestens 6 % betragen. 571 Personen sind im Zeitraum vom 01.01.15 bis zum 30.06.2019 in die Angebotssegmente ein- gemündet. Die Mehrzahl der Eingemündeten hat mehrfach teilgenommen: es gab 1463 Eintritte (Frauen: 939 / Männer: 524). Das Perspektivzentrum hat im vorstehend genannten Berichtszeitraum mit seiner Beratung in einer Spanne von 62,80 % bis 93,19 auf Verbesserungen im Leben der Teilnehmenden einge- zahlt. Die Mittelverausgabung erfolgte wie geplant. in 2015: 386.948,38 € in 2016: 531.529,95 € in 2017: 621.986,00 € in 2018: 588.942,35 €. Finanzierung Produktgruppe: Nr. der PG Bezeichnung der PG Auswirkungen auf den Ergebnisplan Ja x Nein Auswirkungen auf den Finanzplan Ja x Nein Im beschlossenen (Nachtrags-)Haushaltsplan JJJJ enthalten? Ja x Nein teilw. Im Entwurf des (Nachtrags-)Haushaltsplan JJJJ enthalten? Ja x Nein teilw. Belastungen in zukünftigen HH-Jahren? Ja x Nein Bereits veranschlagt? Ja x Nein Die Mittel für das Perspektivzentrum in Höhe von jährlich max. 850.000,00 € werden aus dem sog. Eingliederungstitel des Jobcenters bereitgestellt. Pflichtigkeitsgrad Die Maßnahme/Leistung ist vollständig pflichtig überwiegend pflichtig überwiegend freiwillig x vollständig frei- willig Die Aufgabe „Perspektivzentrum“ beruht auf zwei zentralen Ratsbeschlüssen, die mittels der Vorla- gen V/0120/2015 und V/0583/2015 herbeigeführt wurden. Die Höhe bereitzustellenden Mittel ist abhängig von der Anzahl der Menschen, die in das Angebot des Perspektivzentrums einmünden sollen und können (Nachfrage / Passung) und von den strukturellen Rahmenbedingungen (wie z. B. Mietkosten des Perspektivzentrums). Unmittelbare, grundsätzliche Relevanz für Querschnittsthemen (Demographie, Gleichstellung, Inklusion, Klimaschutz, Migration) Die Arbeit des Perspektivzentrums ist von hoher Relevanz für die Weiterentwicklung der Qualität der sozialen Beratungsdienstleistungen, die innerhalb des SGB II erbracht werden. Mit der wir- kungsorientiert angelegten Steuerung des Perspektivzentrums wird versucht, die per se immer wirkungsorientiert angelegte Beratung der Kunden und Kundinnen in einer geeigneten Art und Weise zu rahmen. Die Eignung misst sich an dem Nutzwert, den die Angebote für die Kunden und Kundinnen und den gesamtstädtischen Kontext haben.
Beratungsverlauf (1)
Beschluss: zur Kenntnis genommen
Zur SitzungDetails
- Aktenzeichen
- V/0624/2019
- Typ
- Vorlagen
- Datum
- 11.09.2019
- Erstellt
- 06.10.2020 14:37