2014/0059
Bildung einer 'Kinderunfallkommission'
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2014/0059
7121 Zeichen
Magistratsvorlage
Eingang Magistrats-
geschäftsstelle:
26.02.2014
an den Magistrat
zur Kenntnis
zur Beschlussfassung
Beteiligt vor
Magistratsbeschlussfassung:
Dezernat III an die Stadtverordnetenversammlung
OBW zur Befassung
zur Kenntnis
zur Beschlussfassung
zur abschließenden Beschluss-
fassung Fachausschuss
Amt: Straßenverkehrs-
und Tiefbauamt
Behandlung in
öffentl. Sitzung
Ja
Nein
OBW bei abschl.
Beschlussfassung Magistrat
Ja
Nein
Internetfähig
Verteiler:
Vorlage-Nr. 2014/0059
Magistratsbeschluss-Nr.
Produkt-Nr.: 511060
Kostenstelle: 066-200-1000 Investitionsnummer:
Kostenträger: 5110-61 Sachkonto: 6779120
Betreff: Bildung einer „Kinderunfallkommission“
Vorlage vom: 17.02.2014
Beschlussvorschlag :
Der Magistrat stimmt der Einrichtung einer „Kinderunfallkommission“ zu.
Anlagen:
Datenschutzrelevante Anlage:
Folgekosten: Ja Nein
- 2 -
Beschluss des Magistrats vom
- 3 -
Begründung zur Magistratsvorlage vom 17. Februar 2014
„Kinderunfallkommissionen“ sind die Lobby für Kinder in Mobilitätsfragen auf kommunaler
Ebene. Sie setzen sich nachhaltig mit Verkehrsunfällen, an denen Kinder oder Jugendliche
beteiligt sind, auseinander und erarbeiten Maßnahmen und Projekte zur Unfallvermeidung.
„Kinderunfallkommissionen“ arbeiten nach einem Grundsatz: Jeder Unfall ist einer zu viel.
Deshalb ist es immer besser, einen Unfall zu verhindern, als ihn im Nachhinein
aufzuarbeiten.
Gerade Kinder, zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs, sind im Straßenverkehr besonders
gefährdet. Deswegen gilt es die Verkehrssicherheit von Kindern und Jugendlichen verstärkt in
den Blickpunkt rücken. Eine spezifische Kinderunfallkommission, wie sie in vielen
Kommunen bereits üblich ist, soll die Unfälle, an denen Kinder beteiligt waren, untersuchen
und Vorschläge erarbeiten, die zur Reduzierung der Unfallzahlen führen. Das können
Maßnahmen sein, die die Verkehrsinfrastruktur und die Verkehrsabläufe betreffen, aber auch
Maßnahmen des schulischen Mobilitätsmobilitätsmanagements, wie z.B. Schulungen der
jungen Verkehrsteilnehmer/-innen, Elternarbeit oder die Initiierung besonderer Aktionen
beinhalten.
„Kinderunfallkommissionen“ unterstützen die Kommunen dabei, Maßnahmen zu entwickeln,
die an die lokalen Gegebenheiten angepasst sind und maximale Sicherheit für die Mobilität
von Kindern und Jugendlichen vor Ort garantieren. Kinder sollen sich möglichst früh
selbstständig und sicher bewegen und ihre Umgebung nicht nur vom Rücksitz des Elterntaxis
aus erleben („Generation Rücksitz“). Zahlen belegen, dass Kinder und Jugendliche
mittlerweile 2/3 ihrer Wege als Mitfahrer im Auto zurücklegen.
Somit sind „Kinderunfallkommissionen“ das Kompetenzteam zur Förderung einer sicheren
und eigenständigen Mobilität von Kindern und Jugendlichen. Kinderunfallkommissionen
handeln vorwiegend präventiv und sind nicht mit den gesetzlich vorgeschriebenen
Unfallkommissionen zu verwechseln oder in ihrer Arbeitsweise zu vergleichen.
Nach aktuellen Auswertungen im Kinderunfallatlas der Bundesanstalt für Straßenwesen
verunglückten in der Bundesrepublik Deutschland im Jahr 2010 im Straßenverkehr 374.818
Personen, davon 28.629 Kinder.
Im Vergleich verunglückter Kinder pro 1000 Einwohner steht Darmstadt von insgesamt 412
Kreisen und kreisfreien Städten an 72. Stelle, was einer hohen Unfallbelastung entspricht. In
einem weiteren Vergleich von 65 Großstädten zwischen 100.000 und 500.000 Einwohnern ist
Darmstadt bei den Auswertungen zu verunglückten Kindern, verunglückten Kindern als
Fußgänger, verunglückten Kindern als Radfahrer, verunglückten Kindern als Mitfahrer in Pkw
ebenfalls im hinteren Drittel der jeweiligen Aufstellung zu finden. Die polizeiliche
Unfallstatistik ergab für das Jahr 2012 31 und für das Jahr 2013 40 verunfallte Kinder und
Jugendliche bis 14 Jahre.
Die zu bildende Kinderunfallkommission in Darmstadt soll 2 x jährlich tagen. Unter der
Federführung des Sachbearbeiters für Schulwegsicherung bei der Straßenverkehrsbehörde
setzt sich dieses Verwaltungsgremium aus jeweils einem Vertreter/-in des
Verkehrsmanagements (zuständig für Schulisches Mobilitätsmanagement) sowie der
ortsansässigen Polizei mit dem Ombudsmann für Kinderverkehrssicherheit zusammen.
- 4 -
Weitere Vertreter/-innen der Straßenverkehrstechnik oder Planungsabteilung des
Straßenverkehrs- und Tiefbauamtes, von Eltern, Schüler/-innen, ADFC, VCD, Verkehrswacht,
Kinderschutzbund sowie weiteren Verbänden können bei Bedarf beteiligt werden.
Die „Kinderunfallkommission“ erhält folgende Aufgaben:
• Örtliche Unfalluntersuchung aller Unfälle mit beteiligten Kindern oder Jugendlichen
und Erarbeitung von Vorschlägen zur Beseitigung von unfallbegünstigten Faktoren im
Straßenraum (Verkehrsraumgestaltung, Verkehrsüberwachung,...)
• Analyse und Festlegung der Zielsetzungen und Schwerpunkte der Verkehrserziehungs-
und Verkehrsaufklärungsarbeit aller Träger für die Kinder
• Analyse und Festlegung der Zielsetzungen und Schwerpunkte für die
Verkehrsüberwachungsmaßnahmen der Stadt und der Polizei zur Verhütung von
Kinderunfällen
• Öffentlichkeitsarbeit, einerseits aufklärend in Hinblick auf Gefahrenstellen und
Fehlverhaltensweisen und andererseits aber auch informierend wirken.
Die „Kinderunfallkommission“ stellt ein Netzwerk für Verkehrssicherheit von Kinder und
Jugendlichen dar, und ist eine Querschnittsaufgabe innerhalb der Verwaltung mit eindeutiger
Zielvorgabe und Festlegung von Zuständigkeiten. Die Erfahrungen haben gezeigt, dass
isolierte Maßnahmen in den einzelnen Dimensionen der Verkehrssicherheitsarbeit häufig nur
geringe Erfolge zeigen. Bei der „Kinderunfallkommission“ handelt es sich nicht um eine
Kommission im Sinne § 72 HGO.
Eine Vernetzung der Träger der örtlichen Verkehrssicherheitsarbeit setzt Synergieeffekte frei,
die sich positiv auf das Kinderunfallgeschehen auswirken. Hier kann die
Kinderunfallkommission auf das bereits existierende Netzwerk „Schule und Mobilität“, als
einen weiteren Baustein im schulischen Mobilitätsmanagement der Wissenschaftsstadt
Darmstadt zurückgreifen. Dieses Netzwerk, das im Rahmen des Agenda-Prozesses gegründet
und seit 2009 drei bis viermal jährlich tagt, besteht aus einem Zusammenschluss von rund
20 Institutionen aus den Bereichen Schule und Verkehr aus der Stadt Darmstadt und dem
Landkreis Darmstadt-Dieburg. Es setzt sich für eine Verbesserung und Intensivierung von
Verkehrserziehung und Mobilitätsbildung ein, um so eine nachhaltige gesellschaftliche
Entwicklung zu fördern. Das Netzwerk unterstützt derzeit u.a. Grundschulen bei der
Erstellung von Schulwegeplänen. Als weitere Maßnahme im Schulischen
Mobilitätsmanagement ist außerdem der Schülerradroutenplaner zu nennen, der seit
Dezember 2013 online verfügbar ist und Schulen ebenfalls in ihrer Mobilitätsbildung
unterstützen soll.
Darmstadt, den 17. Februar 2014
III-66/4 saa-br
Nst. 2820
Dezernat III:
Brigitte Lindscheid
Stadträtin
Beratungsverlauf (1)
Details
- Vorlagen-Nr.
- 2014/0059
- Typ
- Magistratsvorlage
- Datum
- 17.02.2014
- Erstellt
- 29.09.2026 00:00