0622/2024
Open Drug Scene Cologne Survey 2023, Studienergebnisse
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Mitteilung Ausschuss
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Dezernat, Dienststelle V/53 Vorlagen-Nummer 27.02.2024 0622/2024 Mitteilung öffentlicher Teil Gremium Datum Ausschuss für Soziales, Seniorinnen und Senioren 29.02.2024 Gesundheitsausschuss 05.03.2024 Bezirksvertretung 1 (Innenstadt) 07.03.2024 Open Drug Scene Cologne Survey 2023, Studienergebnisse Die Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen (katho) und das dort ansässige Deutsche Institut für Sucht- und Präventionsforschung (DISuP) haben in Zusammenarbeit mit dem Ge- sundheitsamt die offene Drogenszene im Umfeld des Kölner Neumarkts untersucht. Aufgrund der bundesweiten Entwicklung des Crackkonsums und der in Köln fehlenden Datenlage zu diesem Thema kam es aufgrund der Kontakte zu Herrn Prof. Dr. Deimel von der katho Aachen zu der Idee, die illegale Drogenszene am Neumarkt zu befragen. Ziel war es, die Be- darfe, Probleme, Konsummuster und konsumierten Substanzen zu identifizieren, um eine ak- tuelle Beschreibung der Szene zu erhalten. Der "Open Drug Scene Cologne Survey" (ODSC) ist die erste Studie dieser Art in Köln. Die Erhebung fand in einem Zeitraum von zwei Monaten vom 25.04.2023 bis zum 27.06.2023 statt. Es wurden insgesamt 119 Personen der offenen Drogenszene mittels eines standardi- sierten Fragebogens mit 21 geschlossenen und offenen Fragen interviewt. Bei 73 Personen (61 %) wurde der Kontakt im öffentlichen Raum in der Umgebung vom Neumarkt aufgenom- men; bei 46 Personen (39 %) fand die Kontaktaufnahme im Drogenkonsumraum Neumarkt statt. Die Ansprache erfolgte durch die Mitarbeitenden des Aufsuchenden Suchtclearings (ASC) und des Drogenkonsumraums Neumarkt. Die Befragten in Köln waren im Durchschnitt 42 Jahre alt (Alterspanne 22 bis 67 Jahre) und mit 79 % überwiegend Männer (17 % weiblich, 4 % divers und/oder transsexuell). Der Drogen- konsumraum Neumarkt wurde im Zeitraum von Januar bis Oktober 2023 von 89 % Männern und 11 % Frauen aufgesucht. Beim ASC lag im Jahr 2022 die Verteilung bei 76 % Männern und 22% Frauen. 22 % der Befragten waren nicht krankenversichert. 2 Herkunftsland Einkommensquelle Wohnungssituation Deutschland 65% ALG I 3% eigene Wohnung 21% Türkei 5% ALG II 60% Notschlafstelle 10% Italien 4% Drogenhandel 13% Obdachlos 22% Sonst. 26% Rente 9% k. A. 47% Betteln 9% Unterstützung durch Angehö- rige 7% Diebstahl 5% Pfandflaschen 4% Arbeit u. Sexar- beit 2% Doppelnennungen mög- lich Die in Köln am häufigsten konsumierten Substanzen (24-Stunden-Prävalenz) waren: Konsumierte Substanzen Davon mehrmaliger täglicher Konsum Heroin 65% 78% Alkohol 57% Benzodiazepine 33% Cannabis 25% Kokain 25% 65% Crack 21% Fentanyl 1% Doppelnennungen möglich Aufgrund der kurzen Wirkungsdauer beim Konsum von Crack ist ein hochfrequentes Konsum- muster von 20-30 Konsumvorgängen am Tag typisch. Dies stellt gegenüber den anderen Sub- stanzen eine Ausnahme dar. 52 % der Personen konsumierten Crack ein bis zwei Mal; 24 % konsumierten Crack sieben Mal und mehr pro Tag. Im Vergleich zu dem anderen Konsumenten*innen waren die Crack-Konsument*innen jünger (37 Jahre gegenüber 43 Jahre) und übernachteten häufiger als Obdachlose im öffentlichen Raum. Sie konsumierten genauso häufig Heroin, waren aber signifikant weniger häufig in Substitutionsbehandlung als Heroinkonsument*innen, die kein Crack konsumierten. Die Crack-Konsument*innen mit einem zusätzlichen Heroinkonsum gaben jedoch signifikant häufi- ger an, dass sie sich eine Unterstützung in einer Substitutionsbehandlung wünschen würden. Die Befragung zeigte auch, dass der erste Heroin-Konsum am Tag in den Vormittagsstunden zu verzeichnen ist und der letzte Konsum häufig spät abends zwischen 22:00-24:00 h stattfin- det. Im Mittel wurde Heroin fünf Mal am Tag konsumiert. Crack wurde dagegen ohne erkennbare Muster „kontinuierlich“ über den Tag konsumiert. Hochfrequente Konsummuster von 20-30 Konsumvorgängen am Tag, wie sie aus Frankfurt oder Hamburg berichtet werden, konnten nicht identifiziert werden. Da Crack bisher noch nicht regelhaft als fertige Konsumeinheit auf der Drogenszene verkauft wird, hatte die Verfügbarkeit des Kokains sowie die Möglichkeit, das Kokain als Crack aufzukochen, einen Einfluss auf die Konsumfrequenz. Sollte mit Crack-Steinen auf der Drogenszene gehandelt werden, dürfte dies zu einem weiteren Anstieg des Crack-Konsums und zu einer Verschärfung der Situation 3 führen. Mehr als jede*r Zweite der Befragten (55 %) hatte mindestens eine Drogenüberdosierung in seinem Leben erlebt, die im Zusammenhang mit Heroin lebensbedrohlich sein können und zu- dem als traumatische Erlebnisse zu verstehen sind. Von den Menschen mit Überdosierungs- Erfahrungen berichteten 33 %, dass sie vier oder mehr solcher Erfahrungen gemacht haben. Diese Befunde unterstreichen die Notwendigkeit von Drogenkonsumräumen. Ein weiteres Ergebnis der Studie ist, dass die Angebote des Drogenkonsumraums am Neu- markt 14 % der Befragten noch nicht bekannt waren und 28 % das Angebot noch nicht nutz- ten. Zusätzlich wurden die Drogenkonsument*innen zu ihren Wünschen befragt. 113 Personen ga- ben u.a. folgende Rückmeldungen: Sichere und stabile Wohnsituation Längere Öffnungszeiten der Drogenkonsumräume Ausbau der Notschlafstellen und Einrichtung von Tagesruhebetten Mehr Angebote für Frauen Bessere Abstimmung innerhalb der Suchthilfe-Behandlung Substitution auch für Nicht-Versicherte Weniger Diskriminierung und mehr Akzeptanz vom Hilfesystem Mehr Verständnis in der Gesellschaft für Suchtkranke Die Ergebnisse der Studie sind wichtige Hinweise für die Anpassung und Weiterentwicklung des Suchthilfeangebotes. Themen finden sich in Maßnahmen des Drogenhilfekonzeptes der Stadt Köln (3804/2019) bzw. in den Handlungsempfehlungen der Evaluation des Drogenhilfe- konzeptes (0589/2023) wieder. Die hohe Anzahl der Überdosierungen bestätigt die Notwen- digkeit der Drogenkonsumräume, aber auch von Naloxon-Schulungen sowie die Bedeutung des Themas Safer Use. Auch auf das Kölner Konzept zur Bekämpfung von Wohnungslosig- keit 2023 sei verwiesen. Bei Crack-Konsument*innen zeigt sich der Bedarf nach Tagesruhe- betten und einer Neuausrichtung der Notschlafstellen. Das im Rahmen des Aktionsplans Sucht finanzierte Projekt „Och me sind Nüümaat“ des Gesundheitsamtes greift das Thema der gesellschaftlichen Akzeptanz und Entstigmatisierung mit Fokus auf die Drogenszene am Neu- markt auf. Im Zusammenhang mit der ODSC-Studie hat die Katholische Hochschule zusätzlich 25 Sozi- alraumbegehungen geplant, um eine Kartographie der Szene-Hot-Spots zu erstellen. Das Ge- sundheitsamt steht mit der Katholischen Hochschule im Kontakt und eruiert die Möglichkeiten der Weiterführung und Verstetigung der Studie. In einer Folgebefragung könnte nach den Hin- tergründen der Nicht-Nutzung der Drogenkonsumräume gefragt werden, um die Angebote ggf. besser an die Zielgruppe anpassen zu können. Mit vertieften Informationen über die Gruppe der Crack-Konsument*innen könnten entsprechende Handlungsstrategien entwickelt werden. Ein kontinuierliches Monitoring der Drogenszene auf kommunaler Ebene bietet die Möglichkeit, Bedarfe zu erfassen, Hilfsangebote bedarfsgerecht zu gestalten und Entwicklun- gen und Trends frühzeitig abzubilden. Bisher liegen kaum Zahlen auf kommunaler Ebene vor, die die Lebenssituation von Drogenkonsumierenden und deren Entwicklung beschreiben. Als eine der wenigen Städte führt Frankfurt a.M. ein regelmäßiges Sucht-Monitoring durch, das sogenannte Monitoring-Systems Drogentrends (MoSyD). Die Befragung der offenen Drogen- szene wird dort seit 2022 alle zwei Jahre durchgeführt (MoSyD-Szenebefragung). Zudem gibt es in Frankfurt a.M. ebenfalls seit 2022 eine jährliche Befragung von rund 1.500 Schüler*in- nen. Das Gesundheitsamt empfiehlt die Vertiefung der ODSC-Studie und die dauerhafte Imple- mentierung eines Drogen-Monitorings für die Stadt Köln. Gez. Dr. Rau
Beratungsverlauf (3)
Beschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungBeschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungBeschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungDetails
- Aktenzeichen
- 0622/2024
- Typ
- Mitteilung Ausschuss
- Datum
- 27.02.2024
- Erstellt
- 15.02.2024 15:36