2017/0068
Bewirtschaftung des Stadtwaldes Darmstadt Reduktion des Holzeinschlages ab 2017 und FSC-Referenzflächen
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2017/0068
9887 Zeichen
Magistratsvorlage
Eingang Magistrats -
geschäftsstelle:
22.03.2017
an den Magistrat
zur Kenntnis
zur Beschlussfassung
Beteiligt vor
Magistratsbeschlussfassung:
Dezernat III an die Stadtverordnetenversammlung
OBW zur Befassung
zur Kenntnis
zur Beschlussfassung
zur abschließenden Beschluss -
fassung Fachausschuss
Dezernat IV
Amt: Grünflächenamt
OBW bei abschl. B e-
schlussfassung Magistrat
Behandlung in
öffentl. Sitzung
Ja
Nein
Verteiler:
Ja
Nein
Vorlage-Nr. 2017/0068
Magistratsbeschluss -Nr.
Internetfähig
Produkt-Nr.: 555010
Kostenstelle: 067-030-1100 Investitionsnummer:
Kostenträger: 5550-11 Sachkonto: diverse Sachkonten
Betreff: Bewirtschaftung des Stadtwaldes Darmstadt
Reduktion des Holzeinschlages ab 2017 und FSC -Referenzflächen
Vorlage vom: 02.03.2017
Beschlussvorschlag :
1. Der Magistrat nimmt den Beric ht des Grünflächenamtes zur Bewirtschaftung des Stadtwaldes
Darmstadt zur Kenntnis und stimmt der vorgeschlagenen Reduktion des Holzeinschlages zu.
2. Der Magistrat stimmt der Ausweisung der vorgeschlagenen Referenzflächen im Rahmen der
FSC-Zertifizierung des Stadtwaldes Darmstadt zu.
Anlagen: Karte Stadtwald Darmstadt -gesamt
Datenschutzrelevante Anlage:
- 2 -
Folgekosten: Ja Nein
Beschluss des Magistrats vom
- 3 -
Begründung zur Magistratsvorlage vom 2. März 2017
Reduktion Holzeinschlag
Der Stadtwald Darmstadt umfasst eine Betriebsfläche von 1.973 ha. Der Betrieb ist zurzeit
bereits nach PEFC (Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes) zertifi-
ziert und wird zurzeit nach FSC (Forest Stewardship Council) zertifiziert.
Der Stadtwald ist geteilt in 2 große Waldkomplexe, nämlich den Ostwald (43 %) im nördlichen
Odenwaldvorland, in dem Laubbäume dominieren und mit überwiegend mittelalten und gesun-
den Waldbeständen, sowie den Westwald (57 %) in der hessischen Rheinebene mit hauptsäc h-
lich Kiefern. Der Westwald der Stadt Darmstadt ist zerschnitten durch Verkehrsflächen sowie
durch Bebauung. Der Westwald ist stark destabilisiert, teils lösen sich die Bestände bedauerli-
cherweise mittlerweile auf. Neben der Wirtschaftsfunktion ist der Stadtwald Darmstadt auch
ein intensiv genutzter Erholungswald mit einem ausgedehnten und sehr guten Wegenetz mit
hohem Standard und vielen Erholungseinrichtungen.
Im Stadtwald gibt es aktuell unter Naturschutz gestellte Flächen mit einer Gesamtgröße von
rund 170 ha. Die Zielsetzungen der Wissenschaftsstadt Darmstadt als Waldbesitzer wurden
dem Hessischen Forstamt Darmstadt in der mittelfristigen 10jährigen Planung (= Forsteinrich-
tung 2013) für die Bewirtschaftung des Stadtwaldes vorgegeben. Oberste Priorität haben dabei
die Erhaltung des Stadtwaldes sowie die Sanierung des Westwaldes. Weitere Ziele sind die G e-
währleistung der Schutz- und Erholungsfunktion, die naturnahe Waldbewirtschaftung, stabile
Waldbestände, nachhaltige Holznutzung sowie ein möglichst geringer jährlicher Zuschussb e-
trag. Durch die Forsteinrichtung ist sichergestellt, dass nie mehr als der Holzzuwachs einge-
schlagen werden darf. Dies sind u. a. Vorgaben des Bundeswaldgesetzes und des Hessischen
Waldgesetzes (ordnungsgemäße Forstwirtschaft). Die 10jährige Forsteinrichtungsperiode wird
in jährliche Waldwirtschaftspläne zergliedert, in denen dann die in der Forsteinrichtung festg e-
setzten zu erntenden Holzmengen auf 10 Jahre verteilt geschlagen werden.
Die Bewirtschaftung des Stadtwaldes Darmstadt und damit die Forstwirtschaft in diesem sehr
stadtnahen Wald findet sowohl unter Beachtung der obengenannten Vorgaben der Forsteinric h-
tung aber immer auch unter den kritischen Augen der Waldbesucher statt. Für Waldbesucher
ist das forstliche Handeln sowie die Waldbewirtschaftung auf den ersten Blick oft nicht sofort
nachvollziehbar und ist oft erklärungsbedürftig, zumal es sich beim Thema Wald und Bäume
um ein sehr emotional besetztes Thema handelt. Da nicht jedes Jahr in jedem Waldstück Holz
eingeschlagen wird, sondern in der Regel in der 10jährigen Forsteinrichtungsperiode 2 - 3 mal
im selben Waldstück, erscheint das vielen Waldbesuchern oft als eine Übernutzung des Wal-
des.
Im Westwald ist eine geregelte Forstwirtschaft im Sinne der Forsteinrichtung aufgrund der h o-
hen Belastung (Zerschneidung, Grundwasserabsenkung, Insektenkalamitäten) bedauerliche r-
weise meist nicht mehr möglich, sodass hier in weiten Teilen ein sog. Sanierungswaldbau be-
trieben werden muss. Im Westwald fällt in einem Jahr oft mehr Holz an als in der Forsteinric h-
tung eigentlich vorgesehen ist. Dabei handelt es sich um absterbende oder bereits abgestorb e-
ne Bäume, sog. Kalamitätsholz.
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Im Ostwald ist noch eine weitgehend geregelte Forstwirtschaft im Sinne der Forsteinrichtung
möglich. Allerdings wird der reguläre Holzeinschlag von der Bevölkerung zunehmend krit ischer
gesehen. Aus diesem Grund wurde vom Grünflächenamt in Zusammenarbeit mi t dem Hessi-
schen Forstamt Darmstadt, welches die forsttechnische Betriebsleitung für den Stad twald
Darmstadt inne hat, ein Plan zur Reduktion des Holzeinschlages im Ostwald ausgea rbeitet,
womit von den Vorgaben der Forsteinrichtung abgewichen wird. Hiermit soll dem Wunsch der
Bevölkerung nach einer Verringerung des Holzeinschlages im Stadtwald Rec hnung getragen
werden.
Der Vorschlag des Grünflächenamtes zur Reduktion des Holzeinschlages (= Hiebsatz) sieht
Folgendes vor:
1. Der Hiebsatz für den gesamten Stadtwald Darmstadt (Westwald und Ostwald) verringert
sich von 6.726 Erntefestmeter (Efm) pro Jahr lt. Forsteinrichtung 2013 auf reduzierte
5.848 Erntefestmeter pro Jahr. Durch diese Änderung werden nur noch ca. 56 % des
durchschnittlichen Gesamtzuwachses im Stadtwald genutzt. Die Verringerung des Holzein-
schlages betrifft ausschließlich den Ostwald und dort hauptsächlich die Hauptnutzung bzw.
Endnutzung bei Buche und Eiche. Lt. Forsteinrichtung 2013 sollten dort 1.200 Efm Buche
und Eiche pro Jahr eingeschlagen werden. Nach der vorgeschlagenen Reduktion wären dies
dann in den nächsten 6 Jahren nur noch 500 Efm Eiche und Buche pro Jahr, d.h. es wü r-
den nur noch 42 % der ursprünglich geplanten Holzmenge genutzt.
2. Aufgrund der reduzierten Fläche für die Haupt- bzw. Endnutzung von Buche und Eiche re-
duziert sich die Verjüngungsfläche um 30,1 ha auf dann insgesamt nur noch 216,7 ha.
Diese immer noch sehr große Verjüngungsfläche im Verhältnis zur Betriebsgröße des
Stadtwaldes Darmstadt ist darin begründet, dass im Westwald im großen Umfang Kultu-
ren durch den Sanierungswaldbau angelegt werden müssen.
3. Das jährliche Defizit im Stadtwald erhöht sich durch die Einschlagsreduktion von
304.000,00 Euro lt. Forsteinrichtung 2013 auf zukünftig 363.000,00 Euro (plus 59.000,00
Euro). Die Mindereinnahmen aus dem Holzverkauf belaufen sich auf ca. 92.000,00 Euro
pro Jahr (312.000,00 Euro lt. Forsteinrichtung 2013 und künftig ca. 220.000,00 Euro).
Dem gegenüber stehen allerdings geringere Kosten für die Waldverjüngung, den Wald-
schutz (Zaunbau) und die Holzernte in Höhe von rund 33.000,00 Euro.
4. Durch die Reduktion des Holzeinschlages und die damit einhergehende Verringerung der
künftigen Kulturflächen werden insgesamt bei den städtischen Forstwirten ca. 430 Ar-
beitsstunden/Jahr eingespart. Aus diesem Grund sollen jeweils im Sommer 2 Forstwirte für
jeweils 5 - 6 Wochen in die Baumpflegekolonne des Grünflächenamtes umgesetzt werden,
um dort insbesondere bei der Beseitigung von Stamm- und Stockaustrieben entlang von
Hauptverkehrsstraßen eingesetzt zu werden.
Eine komplette Änderung und erneute Genehmigung der Forsteinrichtung 2013 durch das R e-
gierungspräsidium Darmstadt, Obere Forstbehörde, ist für die Umsetzung der vorgestellten
Planung lt. Auskunft der Obersten Forstbehörde im Hessisches Ministerium für Umwelt, Klima-
schutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz nicht erforderlich.
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Ausweisung von Referenzflächen
Im Rahmen der zurzeit laufenden FSC-Zertifizierung des Stadtwaldes Darmstadt sind in Kom-
munalwäldern ab einer Größe von 1.000 ha Waldfläche sog. Referenzflächen in einem U mfang
von mind. 5 % der Waldfläche auszuweisen. Referenzflächen sind von direkten menschlichen
Eingriffen ungestörte Lern- und Vergleichsflächen. Die dort beobachtete natürliche Waldent-
wicklung dient als Orientierung bei der Waldnutzung. In den Referenzflächen unterbleiben Nu t-
zungseingriffe außer den erforderlichen jagdlichen Maßnahmen sowie Verkehrssicherung s-
maßnahmen. Die Referenzflächen sollten für die entsprechenden Nutzwälder repräsentativ
sein. In den Referenzflächen unterbleibt die Holznutzung, d. h. es erfolgt dort kein Holzei n-
schlag mehr. Das Grünflächenamt schlägt in Abstimmung mit dem Hessischen Forstamt
Darmstadt folgende Waldabteilungen als Referenzflächen vor:
Waldabteilung 221 und 230 mit insgesamt 16, 7 ha als Dokumentationsfläche für die
Waldentwicklung im Westwald ohne Sanierung.
Waldabteilung 289 mit 48,2 ha als Fläche mit relativ hohem naturschutzfachlichem P o-
tential angrenzend an ein Naturschutzgebiet.
Waldabteilung 38 mit 10 ha, da sich die Fläche in einem FFH-Gebiet befindet und eine
hohe öffentliche Wahrnehmung der Fläche in der Bevölkerung besteht.
Teilflächen der Waldabteilung 62, 63 und 64 mit insgesamt 15,7 ha, die in einem FFH -
Gebiet liegen und ebenfalls eine hohe öffentliche Wahrnehmung haben.
Auf all den o. g. Flächen soll somit künftig ebenfalls keine Holzernte mehr durchgeführt we r-
den.
Aufgestellt:
Darmstadt, 2. März 2017
67-60 Gr/Schm 2923 Anlage
Dezernat III Dezernat IV
Dr. Barbara Boczek André Schellenberg
Stadträtin Stadtkämmerer
anlage 1
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Diese Karte ist gesetzlich geschützt. Vervielfältigung nur mit Erl. des Herausgebers. Als Vervielfältigung gelten z.B.: Nachdruck, Fotokopie, Mikroverfilmung, Digitalisieren, Scannen sowie Speicherung auf Datenträger. Kartengrundlage je nach Darstellung: Automatisierte Liegenschaftskarte (ALK), Topographische Karte 1:25.000 (TK 25), Topographische Karte 1:50.000 (TK 50), Hessen 1:200.000 (H 200). Mit Genehmigung des Hessischen Landesamtes für Bodenmanagement und Geoinformation; Vervielfältigungsnummer 2006-3-17. 1156 1129 1119 1118 1151 1117 1150 Forstwirtschaftskarte (FWK Bi) 2015/07/29 FWKBi_92_1_1 Forstamt: 1118 Darmstadt Blatt 1 von 1 Betrieb: 92 Stadtwald Darmstadt Forstamtsgrenze Reviergrenze Betriebs- und Reviergrenze Betriebsgrenze Abteilungsgrenze Unterabteilungsgrenze Bestandesgrenze Standard LKW-Weg Sonstiger LKW-Weg mit Lenkungsfunktion Sonstige Wege Wald außer regelmäßigem Betrieb Nichtholzboden Eiche 1-40 j. Eiche 41-160 j. Eiche üb. 160 j. Buche 1-40 j. Buche 41-120 j. Buche üb. 120 j. Edellaubbäume 1-40 j. Edellaubbäume 41-100 j. Edellaubbäume üb. 100 j. Weichlaubbäume Fichte, Tanne 1-40 j. Fichte, Tanne 41-80 j. Fichte, Tanne üb. 80 j. Douglasie 1-40 j. Douglasie 41-80 j. Douglasie üb. 80 j. Kiefer 1-40 j. Kiefer 41-80 j. Kiefer üb. 120 j. Lärche 1-40 j. Lärche 41-120 j. Lärche üb. 120 j. 158 Abteilung im Staatswald 158 Abteilung sonstiger Besitzarten A Unterabteilung (Baumbestandsfläche) a Unterabteilung (Nebenfläche) 1 Beschreibungseinheit M 1: 25.000 0 500 1.000 1.500 2.000 Meter ! ! ! ! Landesgrenze RP-, Kreis-, Gemeindegrenze Gemarkungsgrenze ! ! 468 70 72 74 76 78 80 82 84 486 5510 12 14 16 18 20 22 24 26 28 30 32 34 36 5538 468 70 72 74 76 78 80 82 84 486 5510 12 14 16 18 20 22 24 26 28 30 32 34 36 5538 3468 70 72 74 76 78 80 82 84 3486 5512 14 16 18 20 22 24 26 28 30 32 34 36 38 5540 3468 70 72 74 76 78 80 82 84 3486 5512 14 16 18 20 22 24 26 28 30 32 34 36 38 5540
Beratungsverlauf (4)
Details
- Vorlagen-Nr.
- 2017/0068
- Typ
- Magistratsvorlage
- Datum
- 02.03.2017
- Erstellt
- 29.09.2026 00:00