A-R/0050/2024
Einrichtung von Biodiversitäts-Photovoltaik in Form von "Weideenergie"-Anlagen auf Münsteraner Stadtgebiet zur Erreichung der Biodiversitäts- und Klimaziele
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A-R-0050-2024
6537 Zeichen
Münster, 03.12.2024
Ratsantrag
Einrichtung von Biodiversitäts-Photovoltaik in Form von „Weideenergie“-Anlagen
auf Münsteraner Stadtgebiet zur Erreichung der Biodiversitäts- und Klimaziele
Der Rat der Stadt Münster möge beschließen:
1. Der Rat der Stadt Münster beabsichtigt, dass zur Unterstützung der Biodiversi-
täts- und Klimaziele eine oder mehrere Biodiversitäts-Photovoltaik-Anlagen in
Form von Weideenergie-Flächen auf Münsteraner Stadtgebiet entstehen sollen.
2. Die Stadtwerke Münster werden beauftragt, ein Weideenergie-Pilotprojekt mit
Beispielcharakter umzusetzen und eine finanzielle Beteiligung für die Bürger*in-
nen anzubieten. Die Naturschutzverbände sowie die NABU-Naturschutzstation
Münsterland sollen in die Planung und Umsetzung einbezogen werden.
3. Die Verwaltung prüft mögliche Fördertöpfe, sodass die Wirtschaftlichkeit der Wei-
deenergie-Anlage erhöht werden kann (z.B. durch Nutzung der Mittel des Akti-
onsprogramms Natürlicher Klimaschutz der Bundesregierung).
4. Die Verwaltung wird beauftragt, in Zusammenarbeit mit den Naturschutzverbän-
den und der NABU-Naturschutzstation Münsterland geeignete Flächen für ein
Weideenergie-Projekt (bevorzugt solche, die im Eigentum der Stadt Münster
sind), zu identifizieren und in Abstimmung mit den Stadtwerken Münster die ent-
sprechenden planungsrechtlichen Voraussetzungen zu schaffen. Suchraum für
Weideenergie-Projekte sind dabei zunächst die gesetzlich privilegierten Korridore
sowie die im integrierten Flächenkonzept Münster (IFM) dargestellten Potential-
und Prüfbereiche für Freiflächen-Solaranlagen, darüber hinaus. Darüber hinaus
kommen auch Flächen mit besonderer und herausragender Bedeutung für den
Naturschutz gemäß Regionalplan sowie in Münsters Kaltluftschneisen (PV rand-
lich, nicht überbaute Weidefläche in der „Kernzone“) in Betracht. Diese können
insbesondere zur Arrondierung von Schutzgebieten genutzt werden (Bsp.: „Aue“
der Münsterschen Aa südwestlich des oberen Zulaufs des Aasees).
Antrag an den Rat Nr. A-R/0050/2024
Begründung:
Vor dem Hintergrund der Biodiversitäts- und der Klimakrise sind innovative Lösungen
gefragt, um beide Krisen zu adressieren.
Durch eine Weideenergie-Fläche generiert die Stadt hochwertvolle Habitate zur Förde-
rung der Artenvielfalt, sorgt für Wasserretention in der Landschaft, trägt zum Ausbau
der Erneuerbaren Energien bei und fördert den fahrradtouristischen Wert des Münster-
landes bei Anbindung an das Radverkehrswegenetz. Bei Weideenergie-Flächen funkti-
oniert das, indem extensive Ganzjahresbeweidung mit hoch aufgeständerter Freiflä-
chen-Photovoltaik auf maximal 50 % der Fläche kombiniert wird. Zusätzlich kann durch
Wiedervernässungsmaßnahmen die Wasserretention und Grundwasserneubildung in
der Landschaft gestärkt werden. Wenn Weideenergie zusätzlich auf ehemaligen Ener-
giemais-Flächen eingerichtet wird, steigert sich zudem der Wert der Fläche hinsichtlich
der CO2-Speicherung im Boden durch Humusaufbau und Wurzelmasse sowie der Grad
der Energiegewinnung, die bspw. bei 30 %-iger Aufständerung mit Freiflächen-Photo-
voltaik um bis zu 10 % höher liegt im Vergleich zum Energiepflanzenanbau auf 100%
der Fläche.
Neben den positiven Auswirkungen der Fläche für Biodiversität, Energiegewinnung,
Kohlenstoffspeicherung und Wasserretention werden weitere Synergien erreicht:
Modellcharakterund Vorreiterfunktion
Senkung des Nitrateintrags
Ggf. Kombination mit Kompensationsflächenpool
Aufwertung des Radtourismus durch Anbindung an das Radverkehrswegenetz
Produktion hochwertigen lokalen Rindfleischs und somit Förderung der lokalen
Wertschöpfung und Leistung eines Beitrags zur Öko-Modellregion Münsterland
Durch teilmobile Schlachtung können höchste Tierschutzanforderungenerreicht
werden
Möglichkeit der Akquirierung von Drittmitteln durch Nutzung des Aktionspro-
gramms Natürlicher Klimaschutz
Die Stadtwerke Münster haben als zentrale Partnerin bei der Umsetzung der Energie-
wende die notwendige Kompetenz zur Errichtung einer Weideenergie-Anlage und auch
gute Erfahrungen mit der finanziellen Beteiligung von Bürger*innen gemacht. Zur Zeit
befindet sich beispielsweise die erste Agri-PV-Anlage der Stadtwerke in Münster-A-
melsbüren in der Umsetzung. Die hieraus gewonnen Erkenntnisse können auch für eine
Weideenergieanlage hilfreich sein, sodass die Stadtwerke Münster nach Abschluss des
Agri-PV-Projekts diese zur Umsetzung einer Weideenergieanlage nutzen können. Die
NABU-Naturschutzstation Münsterland hat ebenfalls hohe Kompetenzen, v.a. im Bezug
auf extensive Weidebewirtschaftung und soll bei der Planung und Umsetzung beraten.
Da sich innovative Freiflächen-PV-Anlagen, z.B. mit aufgeständerten Modulen bisher
noch nicht wirtschaftlich betreiben lassen, soll sich die Stadtverwaltung um die Einwer-
bung von Fördermitteln bemühen, damit eine Weideenergieanlage als Pilotprojekt um-
gesetzt werden kann. Darüber hinaus soll auch geprüft werden, inwieweit der Strom di-
rekt vor Ort abgenommen und/oder von der Stadt selbst verbraucht werden kann. Ins-
besondere ist auch zu prüfen, ob eine Nachrangdarlehens-Finanzierung mit reduzier-
tem Zins oder eine Nutzung der Erträge aus dem optionalen Klimacent im Ökostromtarif
der Stadtwerke zur Herstellung der Wirtschaftlichkeit der Anlage anzuwenden wären.
Bisher waren die Anlage-Angebote in Rekordzeit gezeichnet, sodass bei entsprechen-
der Bewerbung des besonderen ökologischen Nutzens der Anlage ausreichende Kapi-
talmittel auch bei reduziertem Zins eingeworben werden könnten. Die reduzierten
Zinsansätze können dann das Delta bei Kosten und Ertrag der Anlage verringern.
Die Suche nach einer geeigneten Fläche kann beispielsweise durch das Stadtplanungs-
amt in Zusammenarbeit mit dem Grünflächenamt koordiniert und durchgeführt werden.
Auch Abweichungen von den im IFM dargestellten Potential- und Prüfbereichen sollen –
wie mit der Vorlage V/0192/2024 beschlossen – grundsätzlich in Betracht gezogen wer-
den, da eine Weideenergieanlage nicht ausschließlich dem Zweck der Energieerzeu-
gung, sondern auch und vor allem dem Naturschutz dient.
gez.
Dr. Leandra Praetzel Hedwig Liekefedt Dr. Martin Grewer
Dr. Robin Korte Lia Kirsch und Gruppe
und Fraktion und Fraktion
Weiterführende Informationen:
Kurzfassung des Modells Weideenergie:
https://neuewildnis.de/energieweide/Weide-Energie_NRW_kurz.pdf
Beratungsverlauf (1)
Details
- Aktenzeichen
- A-R/0050/2024
- Typ
- Antrag an den Rat
- Datum
- 03.12.2024
- Erstellt
- 03.12.2024 15:47