1232/2025
Beantwortung der schriftlichen Anfrage der SPD-Fraktion aus der Sitzung des Ausschusses für Soziales, Seniorinnen und Senioren am 13.03.2025 (AN/0443/2025) betreffend "Unterstützung und Anerkennung von pflegenden Angehörigen
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Beantwortung einer Anfrage (Ausschuss)
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Dezernat, Dienststelle V/503/2 Vorlagen-Nummer 28.05.2025 1232/2025 Beantwortung einer Anfrage nach § 4 der Geschäftsordnung öffentlicher Teil Gremium Datum Ausschuss für Soziales, Seniorinnen und Senioren 05.06.2025 Beantwortung der schriftlichen Anfrage der SPD-Fraktion aus der Sitzung des Ausschusses für Soziales, Seniorinnen und Senioren am 08.05.2025 (AN/0443/2025) betreffend "Unterstützung und Anerkennung von pflegenden Angehörigen" Die SPD-Fraktion bittet um Beantwortung folgender Fragen aus der o.g. Anfrage (AN/0443/2025). 1. Wie viele Menschen in Köln sind nach den aktuellen verfügbaren Zahlen pflegebe- dürftig im Sinne des SGB XI (unterteilt nach Pflegegraden) und wie viele werden nach Einschätzung der Verwaltung in der eigenen Häuslichkeit von Angehörigen mit und ohne ambulante Dienste betreut? Antwort der Verwaltung Laut zentralem statistischen Auskunftsdienst des Landes Nordrhein-Westfalen waren in der Stadt Köln zum Stichtag 15.12.2023 insgesamt 73.821 Personen pflegebedürftig im Sinne des SGB XI (etwa 6,7 % Anteil an der Kölner Bevölkerung): Pflegegrad 1: 7.545 Personen Pflegegrad 2: 30.015 Personen Pflegegrad 3: 23.910 Personen Pflegegrad 4: 9.153 Personen Pflegegrad 5: 3.174 Personen Zum Stichtag waren 24 Personen noch keinem Pflegegrad zugeordnet. 7.509 der pflegebedürftigen Personen wurden in vollstationären Pflegeeinrichtungen be- treut. Insgesamt 66.312 der Pflegebedürftigen in Köln wurden zum Stichtag in der eigenen Häuslichkeit betreut. Dies entspricht etwa einem Anteil von 86 %. Hiervon wurden 9.405 Pflegebedürftige von ambulanten Diensten betreut, sodass davon auszugehen ist, dass 56.907 Personen durch Angehörige oder nahestehende Personen betreut wurden, ohne dass zusätzliche Unterstützung durch einen ambulanten Pflegedienst erfolgte. Die Pflegestatistik wird von den Statistischen Ämtern des Bundes und der Länder zwei- jährlich durchgeführt. Der nächste Stichtag der Erhebung ist der 15.12.2025. Die Daten werden im Herbst 2026 veröffentlicht. 2 2. Welche Informationen liegen der Stadt Köln über die pflegenden Angehörigen selbst vor? (Z. B. Daten oder Einschätzungen zu Alter, Geschlecht, Erwerbstätigkeit und internationaler Familiengeschichte.) Antwort der Verwaltung Die Verwaltung selbst erhebt keine Daten zur Gruppe der pflegenden Angehörigen. Das Zentrum für Qualität in der Pflege gibt an, dass im Jahr 2020 etwa 60 % bis 80 % der in- formell Pflegenden weiblich und überwiegend enge Familienangehörige waren. Die AOK gibt für 2023 an, dass etwa 63 % der Menschen, die die Pflege von Angehörigen überneh- men, Frauen sind. Entsprechende Zahlen für das Jahr 2024 wurden bislang nicht veröf- fentlicht. Es ist davon auszugehen, dass auch in der Stadt Köln die Pflege durch Angehö- rige im etwa gleichen Maße von Frauen wahrgenommen wird. 3. Wie viele pflegende Angehörige erhalten Beratung oder Unterstützung über die städtischen Hilfeangebote? Antwort der Verwaltung Die Stadt Köln fördert eine Vielzahl an Beratungsangeboten bei unterschiedlichen Trägern und Verbänden bzw. stellt selbst Angebote zur Verfügung. Eine Statistik darüber, wie hoch hierbei die Anzahl der Beratungen von pflegenden Angehörigen ist, bzw. wie viele pfle- gende Angehörige Unterstützung über die städtischen Hilfsangebote erhalten, wird nicht geführt. Dies liegt u.a. daran, dass die bestehenden Angebote nicht primär für diese Ziel- gruppe entwickelt wurden. Die Senior*innenberatung, die von der Stadt Köln gefördert wird, berät beispielsweise Bürger*innen ab 60 Jahren zu Themen wie Pflegebedürftigkeit und altersbedingten Schwierigkeiten. Das Beratungsangebot richtet sich jedoch explizit auch an Angehörige, Freund*innen und Nachbar*innen von hilfebedürftigen Senior*innen. Das zentrale Beratungstelefon für Senior*innen und Menschen mit Behinderungen ist ein Angebot des Amtes für Soziales, Arbeit und Senioren selbst. Hier können sich auch pfle- gende Angehörige zu Themen rund um Pflege und Hilfsangebote für pflegebedürftige Menschen beraten lassen. Das Kontaktbüro Pflegeselbsthilfe ist an die geförderte Selbsthilfe-Kontaktstelle Köln als Projekt des Landes NRW und der Landesverbände der Pflegekassen angebunden. Es bietet Information zu Angeboten für pflegende Angehörige, zu denen u.a. Gesprächskreise und Veranstaltungsreihen gehören. Die Selbsthilfe-Kontaktstelle wird von Bürger*innen, Selbsthilfegruppen und professionellen Einrichtungen kontaktiert. Im Jahresbericht der Selbsthilfe-Kontaktstelle für das Jahr 2023 sind 4.116 eingehende Kontakte erfasst, von denen 1.849 durch Bürger*innen erfolgten. 120 davon waren Angehörige, die weiteren An- fragen erfolgten durch Betroffene oder ihre gesetzlichen Vertretungen. Von den eingehen- den Anfragen betrafen 3,9 % Themen der seelischen Gesundheit und 3,4 % die Themen Familie/Eltern/Kind. Anfragen pflegender Angehöriger zählen zu diesen beiden Katego- rien. Eine Erfassung der Anfragen, die ausschließlich durch pflegende Angehörigen einge- hen, erfolgt nicht. Der Bericht für das Jahr 2024 wird derzeit noch erstellt. Die Förderung aller Kölner Selbsthilfegruppen im Sozial- und Gesundheitsbereich durch das Amt für Soziales, Arbeit und Senioren lag im Jahr 2024 bei 80.320,50 Euro. 3 4. Welche Formen der Öffentlichkeitsarbeit und aktiven Informationen setzt die Stadt derzeit ein, um pflegende Angehörige über bestehende Hilfen zu erreichen? Antwort der Verwaltung Derzeit gibt es keine städtisch koordinierte Öffentlichkeitsarbeit ausschließlich zum Thema pflegende Angehörige bzw. zur Bereitstellung von Information zu Beratungs- und Unter- stützungsangeboten für diese Zielgruppe. Im Rahmen von unterschiedlichen Runden Ti- schen sowie Veranstaltungen in Kooperation mit gemeinnützigen Trägern und anderen Organisationen (u.a. Gesundheits- und Vorsorgetag) wird jedoch regelmäßig auf beste- hende Angebote aufmerksam gemacht. Das Magazin KölnerLeben informiert regelmäßig in seiner Printausgabe sowie online über Angebote im Kontext Pflege, zu denen auch Be- ratungsangebote oder Veranstaltungsreihen für pflegende Angehörige gehören 5. Plant die Stadt Köln – analog zu Initiativen wie in Düsseldorf – ein Netzwerk von eh- renamtlichen Pflegebegleiter*innen oder vergleichbare niedrigschwellige Begleit- strukturen? Antwort der Verwaltung Aktuell gibt es zwar noch keine Planungen, ein Netzwerk von ehrenamtlichen Pflegebe- gleiter*innen oder vergleichbare niedrigschwellige Begleitstrukturen umzusetzen, die Schaffung eines solchen Angebots wird von der Verwaltung aber als erstrebenswert ein- geschätzt. Eine Planung und Umsetzung, etwa im Rahmen von Pilotprojekten, ist jedoch an die Verfügbarkeit von Ressourcen geknüpft. Denkbar wären beispielsweise Kooperationen mit Anbietenden digitaler Plattformen etwa zur Bereitstellung psychosozialer Angebote für pflegende Angehörige oder um informell Pflegende miteinander zu vernetzen. Projekte, bei denen die Stadt Köln Maßnahmen wie beispielweise die Erstellung eines Schulungskonzeptes für Pflegebegleiter*innen bei gleichzeitiger Schaffung von Anreizen wie ein kostenfreies Deutschlandticket für die Dauer der Tätigkeit unterstützen würde, sind hier ebenfalls denkbar. Voraussetzung hierfür ist al- lerdings ebenfalls die Verfügbarkeit entsprechender personeller und finanzieller Ressour- cen. Gez. Dr. Rau
Beratungsverlauf (1)
Beschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungDetails
- Aktenzeichen
- 1232/2025
- Typ
- Beantwortung einer Anfrage (Ausschuss)
- Datum
- 28.05.2025
- Erstellt
- 23.04.2025 13:51