RAT/251/2025
Anfrage der Ratsfraktion DIE LINKE: CSD-Beflaggung und -Teilnahme – Unterstützung der Stadt für LSBTIQ*
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Anfrage
5416 Zeichen
RAT/251/2025
-
X öffentlich nicht öffentlich
Düsseldorf, 30.06.2025
An den
Oberbürgermeister
Herrn Dr. Stephan Keller
Anfrage der Ratsfraktion DIE LINKE. Düsseldorf zur Sitzung des Rates
am 10.07.2025
Betrifft:
Anfrage der Ratsfraktion DIE LINKE: CSD-Beflaggung und -Teilnahme –
Unterstützung der Stadt für LSBTIQ*
Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
zur Sitzung des Rates am 10. Juli 2025 stellt Die Linke Ratsfraktion Düsseldorf
folgende Anfrage:
Zum Bedauern der Linken gab es in diesem Jahr zwei Vorfälle in Düsseldorf, die
von Teilen der queeren Community als Andeutung einer nachlassenden
Unterstützung der Stadt für die Gleichstellung von LSBTIQ* interpretiert wurden.
Es gibt in dieser Frage eine starke Sensibilisierung, seit in den USA und in Teilen
Europas rechtsnationale und rechtsextreme Kräfte in Regierungsverantwortung
gelangt sind und einen Rollback der mühsam erstrittenen Fortschritte betreiben
oder unterstützen. Das betrifft insbesondere die Erschwerung der rechtlichen
Anerkennung von trans- und nicht-binären Identitäten sowie die Behinderung
von LSBTIQ*-Organisationen. Aber es gibt auch offene Hetze.
Auch in Deutschland sind Veränderungen feststellbar. In Deutschland wurden
2023 rund 1.785 Straftaten gegen die sexuelle Orientierung polizeilich erfasst.
Damit stieg die Zahl seit sieben Jahren in Folge.1 Die Zahl der Straftaten hat sich
seit 2010 nahezu verzehnfacht. Erstmal mussten Veranstaltungen zum
Christopher Street Day in einigen Kommunen wegen „Gefahrenlagen“
eingeschränkt oder abgesagt werden.
Spätestens aber, seit Bundestagspräsidentin Julia Klöckner den Beschäftigten
des Bundestages die offizielle Teilnahme am CSD als „Regenbogennetzwerk des
Bundestags“ mit der (nachträglichen) Begründung untersagte, diese sei ein
Verstoß gegen die politische Neutralität, befürchten queere Menschen in
1 BMI - Presse - Sicherheit von LSBTIQ* Menschen in Deutschland: BMI und BKA veröffentlichen
Lagebericht
Seite 2
Deutschland, dass die Anerkennung ihrer Identität von staatlicher Seite infrage
gestellt wird.
In dieser Situation wünschen sich viele Menschen klare Bekenntnisse deutscher
Behörden und Mandatsträger:innen zur unverminderten Unterstützung von
LSBTIQ*-Menschen.
Was in Düsseldorf stattdessen im Vorfeld des CSD geschah, war eine Anweisung
des Geschäftsführers des Jobcenters an seine Beschäftigten, dass ab jetzt die
Aktivitäten zum CSD „deutlich zurückgefahren“ werden sollten, weil sie eine
„politische Vereinnahmung“ des Jobcenters bedeuteten. Die queeren
Beschäftigten durften danach nicht wie in den Vorjahren mit einem „JC“-
Aufdruck (für „Jobcenter“) auf dem T-Shirt und einem Banner als Fußgruppe am
CSD teilnehmen, sondern nur ohne Hinweis auf ihren öffentlichen Arbeitgeber.
Ihnen wurde außerdem verboten, sich über ihre Teilnahme als Jobcenter-
Beschäftigte in den sozialen Medien oder in Presseinterviews zu äußern.2
Erstmals aufgrund des Drucks durch Medienberichte, hat das Jobcenter die
Teilnahme der Beschäftigten zugelassen.
Der andere Vorfall betrifft die Beflaggung vor dem Düsseldorfer Rathaus zum
Christopher Street Day 2025. Die Beflaggung wurde unterbrochen; offenbar
wurde die Queer-Flagge für einen Fototermin am Freitagmorgen gehisst, aber
vor dem Besuchstermin einer Delegation unserer chinesischen Partnerstadt
Chongqing wieder entfernt – um dann am Samstagmorgen wieder gehisst zu
werden. Die Verwaltung hat dieses Vorgehen gegenüber der Presse ausgiebig
begründet.3 Die Linke kann aber nachvollziehen, dass es trotz dieser
Begründung Irritation in Teilen der queeren Community gibt.
Unsere Fraktion möchte mit dieser Anfrage klären, ob es weiterhin ein klares
Bekenntnis der Stadt Düsseldorf zur Gleichstellung von LSBTIQ*-Menschen gibt
oder ob sie dies wie Bundestagspräsidentin Klöckner zu einer politischen
Meinungssache erklärt.
Die Linke Ratsfraktion Düsseldorf fragt an:
1. Wie bewertet die Landeshauptstadt Düsseldorf als öffentliche
Arbeitgeberin das Handeln des Geschäftsführers des Jobcenters,
der seinen Beschäftigten eine sichtbare Teilnahme mit Namen und
Logo des Jobcenters am Christopher Street Day untersagte, weil
er dies als eine nicht statthafte politische Vereinnahmung
betrachtete, statt als ein öffentliches Handeln in einer
gesellschaftlichen Vorbildfunktion?
2. Wird der Oberbürgermeister sicherstellen, dass zum CSD 2026 die
CSD-Flagge durchgängig von Freitag bis zum offiziellen Ende
Sonntag 18:00 Uhr vor dem Rathaus gehisst bleibt?
3. Wann plant Oberbürgermeister Keller sich öffentlich zu äußern
und beispielsweise der queeren Community in Düsseldorf und dem
CSD Düsseldorf e.V. seine Unterstützung im Angesicht eines
möglichen Rollbacks bei der Gleichstellung von LSBTIQ*-
Menschen auszusprechen und sie ggf. durch mehr Unterstützung
2 https://rp-online.de/nrw/staedte/duesseldorf/duesseldorf-streit-um-csd-teilnahme-von-jobcenter-team-
v1_aid-129522445
3 https://www.nrz.de/lokales/duesseldorf/article409341067/keine-regenbogenfahne-am-rathaus-vor-dem-
csd-das-sagt-die-stadt.html
Seite 3
für den CSD, für ein Queeres Zentrum o ä. zu konkretisieren?
(Wenn nicht, bitten wir um eine Stellungnahme.)
Mit freundlichen Grüßen
Sigrid Lehmann Anja Vorspel
f.d.R. Sönke Voigt
Beratungsverlauf (1)
Details
- Aktenzeichen
- RAT/251/2025
- Typ
- Anfrage Die Linke
- Datum
- 01.07.2025
- Erstellt
- 30.06.2025 12:09