Strategie Klimaneutrales Köln– Zielformulierung und Sachstand April 2021
Mitteilung Ausschuss 1286/2021 vom 22.04.2021
Stand: Am 22.04.2021 im Ausschuss Klima, Umwelt und Grün beraten. Ergebnis: Kenntnis genommen.
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Mitteilung Ausschuss
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Die Oberbürgermeisterin Dezernat, Dienststelle V/V/7 Vorlagen-Nummer 22.04.2021 1286/2021 Mitteilung öffentlicher Teil Gremium Datum Ausschuss Klima, Umwelt und Grün 22.04.2021 Strategie Klimaneutrales Köln– Zielformulierung und Sachstand April 2021 Der Rat der Stadt Köln hat im Sommer 2019 den Klimanotstand ausgerufen (Beschluss-Nummer 2081/2019). Frau Oberbürgermeisterin Reker hat die Erreichung der Klimaneutralität Kölns deutlich vor 2050 im Rahmen ihrer Jahrespressekonferenz zum Arbeitsprogramm der Verwaltung als wichti- ges Ziel erklärt. Zur Erreichung des Ziels Klimaneutrales Köln wurde Anfang 2020 unter Leitung des Umweltdezernenten Dr. Harald Rau ein Klimarat eingerichtet. Über die Konstituierung des Klimarates wurde mit Mitteilung 1291/2020 sowie über die Sachstände Juli 2020 und Februar 2021 mit den Mit- teilungen 2714/2020 und 0629/2021 berichtet. In 2020 haben der Klimarat und seine zugeordneten Projektgruppen - Energie, Ernährung und Kon- sum, Gebäude, Industrie, Mobilität und Logistik sowie Kommunikation und Partizipation - konkrete sektorspezifische Ziele erarbeitet. Diese wurden in einem Arbeitspapier „Zwischenstand der Ziele auf dem Weg zur Klimaneutralität“ zusammengefügt und werden jetzt, ein Jahr nach der Gründung des Klimarates, der Politik und Öffentlichkeit vorgestellt (vgl. Anlage). Der Zwischenstand der Ziele auf dem Weg zur Klimaneutralität wird neben der Vorstellung im Ausschuss Klima, Umwelt und Grün am 22.April 2021 ebenfalls in einer Pressekonferenz vorgestellt, welche Ausgangspunkt für die Kommu- nikation in die Klima-Netzwerke und Stadtgesellschaft ist. Die Akteure des Klimarates und der Pro- jektgruppen tragen die Inhalte und Zielformulierungen zudem in ihre Netzwerke. Derzeit entwickeln der Klimarat und seine Projektgruppen sektorspezifische Maßnahmen und ein Kommunikationskonzept, sodass noch in 2021 konkrete Maßnahmen durch Akteure in Köln in Um- setzung gebracht werden. Das Gesamtdokument aller erarbeiteten Maßnahmen wird vom Klimarat und den Projektgruppen mit Unterstützung einer externen fachlichen Begleitung zusammen erarbeitet und in 2022 vorgestellt. gez. Dr. Rau -
Anlage Zwischenstand der Ziele auf dem Weg zur Klimaneutralität (Arbeitspapier)
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Köln.Klima.Neutral. Zwischenstand der Ziele auf dem Weg zur Klimaneutra lität (Arbeitspapier - Stand 04.02.2021) Köln. Klima. Neutral. Inhalt Abkürzungsverzeichnis ................................................................................ ........................... I Abbildungsverzeichnis ................................................................................ ........................... II Tabellenverzeichnis .................................................................................. ............................. II Prolog ............................................................................................... ..................................... 4 1 Vorwort .............................................................................................. ............................. 1 2 Einordnung in internationale, europäische und nationale Zusammenhänge ................... 2 3 Gremien, Strukturen und Instrumente .................................................................. ........... 5 3.1 Klimarat Köln ........................................................................................ ................... 5 3.1.1 Klimaräte weltweit, in Europa, Deutschland und NRW ..................................... 5 3.1.2 Ziel, Selbstverständnis und Wirkungsprinzipien des Klimarates Köln ............... 5 3.1.3 Mitglieder des Klimarates Köln ....................................................................... .. 6 3.2 Projektgruppen ....................................................................................... ................. 7 4 Zielformulierungen ................................................................................... ....................... 8 4.1 Systematik der Zielformulierungen .................................................................... ...... 8 4.1.1 S.M.A.R.T.-Grundsatz ................................................................................. ..... 8 4.1.2 Push & Pull ....................................... ................................................... ............ 9 4.2 Klimarat: Ziel für ein Klimaneutrales Köln und Zwischenziele 2030 und 2040.......... 9 4.2.1 Ziel Klimaneutrales Köln ............................................................................. ...... 9 4.2.2 Sektorspezifische Zwischenziele für 2030 .......................................................10 4.2.3 Zwischenziel 2040 .................................................................................... .......11 4.3 Projektgruppe Energie ................................................................................ ............12 4.3.1 Besonderheiten der Projektgruppe ..................................................................12 4.3.2 Ziele und CO 2-Einsparung ...............................................................................13 4.3.3 Mitglieder der Projektgruppe Energie ..............................................................16 4.3.4 Einordnung in den Gesamtzusammenhang .....................................................16 4.3.5 Beispiele/Maßnahmen .................................................................................. ...17 4.4 Projektgruppe Ernährung und Konsum ................................................................... 20 4.4.1 Besonderheiten der Projektgruppe ..................................................................20 4.4.2 Ziele und CO 2-Einsparung ...............................................................................21 4.4.3 Mitglieder der Projektgruppe Ernährung und Konsum .....................................23 4.4.4 Einordnung in den Gesamtzusammenhang .....................................................23 4.4.5 Beispiele/Maßnahmen .................................................................................. ...24 4.5 Projektgruppe Gebäude ................................................................................ .........26 4.5.1 Besonderheiten der Projektgruppe ..................................................................26 4.5.2 Ziele und CO 2-Einsparung ...............................................................................26 4.5.3 Mitglieder der Projektgruppe Gebäude ............................................................30 4.5.4 Einordnung in den Gesamtzusammenhang .....................................................31 4.5.5 Beispiele/Maßnahmen .................................................................................. ...31 4.6 Projektgruppe Industrie .............................................................................. ............33 4.6.1 Besonderheiten der Projektgruppe ..................................................................33 4.6.2 Ziele und CO 2-Einsparung ...............................................................................33 4.6.3 Mitglieder der Projektgruppe Industrie .............................................................35 4.6.4 Einordnung in den Gesamtzusammenhang .....................................................35 4.6.5 Beispiele/Maßnahmen .................................................................................. ...36 4.7 Projektgruppe Mobilität und Logistik ................................................................. ......38 4.7.1 Besonderheiten der Projektgruppe ..................................................................38 4.7.2 Ziele und CO 2-Einsparung ...............................................................................38 4.7.3 Mitglieder der Projektgruppe Mobilität und Logistik .........................................41 4.7.4 Einordnung in den Gesamtzusammenhang .....................................................42 4.7.5 Beispiele/Maßnahmen .................................................................................. ...42 4.8 Projektgruppe Kommunikation und Partizipation ....................................................43 4.8.1 Mitglieder der Projektgruppe Kommunikation und Partizipation .......................43 5 Ausblick ............................................................................................. ............................44 I Abkürzungsverzeichnis BHKW Blockheizkraftwerk EE Erneuerbare Energien EU Europäische Union FW Fernwärme GHD Gewerbe, Handel, Dienstleistungen GHDI Gewerbe, Handel, Dienstleistungen, Industrie GWh Gigawattstunde GWP Global Warming Potential KEP Kurier-Express-Paketdienst kWh Kilowattstunde kWp Kilowatt peak KWK Kraft-Wärme-Kopplung LANUV Landesamt für Natur, Umwelt und Verbrauchersc hutz NRW MIV Motorisierter Individualverkehr MWh Megawattstunde NGO non-governmental organisation (Nichtregierungs organisation) NVR Nahverkehr Rheinland P2H Power-to-Heat PG Projektgruppe PH Private Haushalte PPA Power Purchase Agreements THG Treibhausgas WW Warmwasser II Abbildungsverzeichnis ABBILDUNG 1: ORGANISATIONSSTRUKTUR DES KLIMARATES UND SEINER GREMIEN .................................................................. 6 ABBILDUNG 2: PHOTOVOLTAIK MIETERSTROMANLAGE IM WOHNQUARTIER CLOUTH -GELÄNDE IN KÖLN -NIPPES (C OPYRIGHT : ENERGIEGEWINNER E G) ...................................................................................................................................... 18 ABBILDUNG 3: FOTO DER PV-FREIFLÄCHENANLAGE KÖLN -WEIDEN (C OPYRIGHT : RHEIN ENERGIE AG) ....................................... 18 ABBILDUNG 4: MONTAGE EINES PHOTOVOLTAIK -PANELS (C OPYRIGHT : AFRICA STUDIO ) .......................................................... 19 ABBILDUNG 5: TREIBHAUSGASAUSSTOß PRO KOPF IN DEUTSCHLAND NACH KONSUMBEREICHEN (2017) (IN T CO 2E) ................... 20 ABBILDUNG 6: KID S-SCHULUNG 29.10.2020 (C OPYRIGHT : ERNÄHRUNGSRAT KÖLN UND UMGEBUNG 2020) ........................... 24 ABBILDUNG 7: STE RN-KITAS – SYMBOLFOTO (C OPYRIGHT : ERNÄHRUNGSRAT KÖLN UND UMGEBUNG 2020) ............................ 24 ABBILDUNG 8: STEGERWALDSIEDLUNG - PROJEKT IM RAHMEN DER 100 KLIMASCHUTZSIEDLUNGEN NRW (C OPYRIGHT : ENERGIE AGENTUR NRW) ................................................................................................................................... 31 ABBILDUNG 9: KÖLN -RIEHL (C OPYRIGHT : INGENIEURBÜRO ORTJOHANN , KÖLN ) .................................................................... 32 ABBILDUNG 10: KRAFTWERKSNEUBAU ZUR DAMPF UND ENERGIEERZEUGUNG IM SHELL ENERGY AND CHEMICALS PARK RHEINLAND (C OPYRIGHT : SHELL ) .......................................................................................................................................... 36 ABBILDUNG 11: KÖLN IM VERGLEICH DER AMBITIONSNIVEAUS DER THG-EINSPARZIELE (A NMERKUNG : LANDWIRTSCHAFT & ABFALL WURDEN IN DER THG-BILANZ 2015 NICHT ERFASST ) ............................................................................................... 44 Tabellenverzeichnis TABELLE 1: KLIMAZIELE VERSCHIEDENER GROßSTÄDTE IM TABELLARISCHEN VERGLEICH .............................................................. 3 TABELLE 2 SEKTORSPEZIFISCHE EINSPARZIELE BIS 2030 (GGÜ 1990) ................................................................................... 10 TABELLE 3: ENTWICKLUNG DER SEKTORALEN THG-EMISSIONEN 1990 BIS 2015 ................................................................... 10 TABELLE 4: ABSOLUTE SEKTORALE THG-EINSPARUNG BIS 2030 (GGÜ . 2015) ...................................................................... 11 TABELLE 5: THG EINSPARUNG IM SEKTOR ENERGIE DURCH ERREICHUNG DER AUSBAUZIELE BIS 2030 ....................................... 15 Alles beginnt mit einem Traum und dann geht die Reise los… unbekannt*e Autor*in Prolog Stille. Lachen. Buntes Treiben in der Stadt. Die Stadt leuchtet vor blauer und grüner Dächer. Auf den Belieferungs- und Logistikstraßen schleichen die LKW, voll beladen mit Baumaterial, regionalen Lebensmittelerzeugnissen und anderen Produktions- und Konsumgütern zu den zentralen Logistik- und Güterverteilzentren und begrüßen den neuen Tag in der Stadt. Auf den Radschnellwegen, die aus dem Umland direkt in die Stadt führen, strömen Menschen zum Arbeiten, Einkaufen und Verweilen in die Stadt. An den Fassaden der Museen, Galerien, Wohn- und Geschäftsgebäude in der Innenstadt wachsen Obst, Gemüse und Kräuter, die an Ständen verkauft und in den Straßencafés zubereitet werden. Die Generation Fridays for Future arbeitet in Unternehmen, die verantwortlich mit dem zur Produktion ihrer Produkte und Dienstleistungen notwendigen Rohstoffeinsatz umgehen und planen. Sie alle sind Teil eines Wirtschaftssystems, das Wohlstand und Teilhabe für alle Bevölkerungsgruppen schafft. Wir leben in einer Stadt, die gezeigt hat, wie lokaler Klimaschutz umgesetzt werden kann; die gelernt hat, dass Zukunftsfähigkeit und Lebensqualität ein hohes Gut darstellen; die eine Reise hinter sich hat. Kinder, die an diesem Tag geboren werden, leben in einer Welt, in der Aussicht auf eine Zukunft besteht, in der das Klima stabil ist. Köln ist klimaneutral. 1 1 Vorwort So oder so ähnlich wie im Prolog beschrieben, könnt e ein Tag im klimaneutralen Köln beginnen. Aber dies ist nur eine von vielen, vielen Geschichten, die sich ausmalen lassen, und noch viel mehr Geschichten werden die Menschen und Akteure Kölns erzählen auf dem Weg dahin, unsere Stadt klimaneutral und zukunftsfähig zu machen. Doch dieser Weg wird kein Spaziergang. Soviel ist k lar. Denn es geht um deutlich mehr als „nur“ um Verhaltensänderungen einzelner Menschen. D ie erforderlichen Wenden, also die Energie- und Mobilitäts-, vielleicht auch eine Ernä hrungswende, benötigen nicht nur technische Innovationen, sondern Transformationen, die in viele Lebensbereiche hineinwirken. Diese Transformationen werden schon m ittelfristig zu einer ganz erheblichen Steigerung unserer städtischen Lebensqualität und a uch unserer wirtschaftlichen Stärke führen. Für diese Entwicklung zu werben, Lust auf sie zu machen und daraus die nötige Kraft zu gewinnen, ist ganz wesentliche Aufgabe des Klima rates Köln und seiner Gremien. Alle Mitwirkenden - das sind unter anderem Persönlichkei ten aus städtischen Unternehmen, aus der Industrie, der Immobilienwirtschaft, der städtischen Verwaltung, Forschungseinrichtungen und zivilgesellschaftlichen Bewegungen – erkennen d ie Notwendigkeit einer hohen Priorisierung des Themas Klimaschutz an, für die die Haltung der Kölner Kommunalpolitik eine wichtige, treibende Kraft ist. Klar ist aber auch, dass zur Realisierung der im Pr olog beschriebenen, heute noch sehr utopisch anmutenden Szene, eine in allen ihren Dime nsionen heute noch kaum ermessbare Mammutaufgabe durch Wirtschaft, Politik und Gesells chaft in Köln zu bewältigen ist. Die Technologie, um vieles aus der Utopie zu erreichen, haben wir heute schon. Der wachsende Sektor der green finance zeigt, dass vielseitige Instrumente zur Finanzierung der notwendigen Investitionen verfügbar sind und neu entstehen. Gan z entscheidend werden jedoch die unzähligen Aushandlungsprozesse zwischen Akteuren s ein, um Verantwortlichkeiten zu definieren oder zu übertragen, um unterschiedliche Zielgrößen anzugleichen, Zielkonflikte zu beraten und zu lösen. Dies erfordert einen langen A tem, Geduld, Mut, Offenheit, Flexibilität, gegenseitiges Verständnis, Vorbilder, Motivatoren und vor allem eine attraktive, gemeinsame Vision. Und natürlich scheint an diesem Tag im Prolog die S onne – so ist das mit schönen Geschichten über die Zukunft. Doch nun erstmal ganz von vorne… 2 2 Einordnung in internationale, europäische und nat ionale Zusammenhänge Status Quo: Treibhausgase in Köln Der Klimaschutz ist als wichtiges globales Ziel int ernational und in der Staatengemeinschaft anerkannt. Insbesondere die Emission von Treibhausgasen (THG) trägt zum Klimawandel bei. Damit ist die Reduktion von THG, z.B. durch die Verbrennung von fossilen Energieträgern wie Kohle, Erdgas oder Erdöl, wichtigster Beitrag zum K limaschutz. Zudem entstehen in der Landwirtschaft mit Methan und Lachgas weitere Treib hausgase. Die THG-Emissionen im Stadtgebiet von Köln betrugen im Referenzjahr 1990 knapp über 12 Mio. Tonnen CO 2- Äquivalente und im Jahr 2015 noch rund 10 Mio. Tonn en. Damit liegt Köln mit einem Durchschnitt von ungefähr 10 Tonnen pro Person im Bundesdurchschnitt, allerdings 25% über dem EU-Durchschnitt und 100% über dem weltweiten Durchschnitt. Pariser Klimaschutzabkommens von 2015 Als Eichpunkt für den Klimaschutz wird das Pariser Klimaschutzabkommen von 2015 betrachtete, das seit dem 4. November 2016 internat ional gültig ist und dessen Ratifizierung am 22. September 2016 einstimmig vom Deutschen Bundestag beschlossen wurde. . Hierin wird festgeschrieben, dass die Erderwärmun g auf deutlich unter 2°C gegenüber vorindustriellen Werten begrenzt wird. Als Maßnahme dafür ist festgelegt, die Emission von Treibhausgasen rasch zu senken und bis zur Mitte de s Jahrhunderts keine Nettoemission mehr zu verursachen. 1 IPCC Sonderbericht über 1,5°C globale Erwärmung (SR1.5) Im Oktober 2018 wurde der Sonderbericht SR1.5 des Weltklimarats (Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC)) von den Mitgliedsstaaten des IPCC verabschiedet. Er besagt, dass die globale Erwärmung bei 1,5°C zu stoppen noch gelingen kann, wenn Emissionen vor 2030 substantiell gesenkt werden und spätestens 2050 Netto-Null Emissionen erreicht sind. EU: Klima- und energiepolitischer Rahmen bis 2030 Im Raumen des europäischen Grünen Deals schlug die Europäische Kommission unter Leitung von Frau von der Leyen im September 2020 vo r ,die Treibhausgasemissionen bis 2030 auf mindestens 55% gegenüber 1990 zu senken (b isher besteht Bekenntnis zur THG- Reduktion um 40%). Das Europaparlament verschärft im Oktober 2020 das EU-Klimaziel bis 2030: Der Ausstoß von Treibhausgasen soll im Vergleich zu 1990 im europäischen Durchschnitte um 60 Prozent sinken - stärker als die EU-Kommission zuvor gefordert hatte. Verabschiedet wird im Dezember 2020 letztlich das v orgeschlagene Ziel zur Senkung der THG bis zum Vergleich zu 2030 um mindestens 55 Prozent gegenüber 1990 Das Europaparlament verschärft damit mit dem „Europäischen Grünen Deal“ das EU-Klimaziel bis 2030. 2 Explizit ist dies ein Zwischenziel auf dem Weg zur klimaneutralen Wirtschaft. Konkretisiert wird das Zwischenziel mit folgenden Indikatoren: − Senkung der Treibhausgasemissionen − Steigerung des Anteils von Energie aus erneuerbare n Quellen − Steigerung der Energieeffizienz Die Nationalstaaten sind angehalten, langfristige S trategien zur Erreichung dieser Ziele zu entwickeln und umzusetzen. 1 https://ec.europa.eu/clima/policies/international/negotiations/paris_de 2 https://ec.europa.eu/clima/policies/strategies/2030_de 3 Klimaziele der Bundesrepublik Deutschland Auch die Bundesrepublik Deutschland hat in ihrem Kl imaschutzprogramm 2030, das im Oktober 2019 vom Kabinett beschlossen wurde, Ziele, Eckpunkte und Maßnahmen im Klimaschutz definiert. Bis 2030 will Deutschland 55 % Prozent weniger Treibhausgas im Vergleich zum Jahr 1990 emittieren. Die Elemente de s Klimaschutzprogramms sind unter anderem die CO 2-Bepreisung für Verkehr und Wärme, Fördermaßnahmen und gesetzliche Standards. Für den Beitrag Deutschlands zum Ziel des Europäisc hen Grünen Deal bedeutet dies eine Verschärfung von 55% Reduktion der THG-Emissionen bis 2030 auf 65%. Klimaziele des Landes Nordrhein-Westfalen Das Land Nordrhein-Westfalen hat im ersten NRW-Klim aschutzgesetz von 2013 die Klimaziele dahingehend gesetzlich festgelegt, dass bis zum Jahr 2050 eine Reduktion der Treibhausgase um 80% im Vergleich zu 1990 angestreb t wird. 3 In dem Gesetz sind neben technischen Lösungen zur Reduktion des Ressourcenve rbrauchs und der Steigerung von Energieeffizienz auch Maßnahmen zur Steigerung des allgemeinen Bewusstseins in der Bevölkerung im Hinblick auf Klimaschutz vorgesehen. Die Klimaschutzziele sind für die Landesregierung unmittelbar verbindlich und gegenüb er widersprechenden Gesetzen vorrangig. Im Dezember 2020 hat das Kabinett beschlossen, dies es Gesetz zu verschärfen und um ein Zwischenziel für 2030 zu ergänzen. Nordrhein-Westfalen will sich gesetzlich verpflichten, bis 2050 treibhausgasneutral zu wirtschaften. Das hat d as Landeskabinett im Januar 2021 Düsseldorf beschlossen. Das Gesetz wird noch im Lan dtag beraten und soll vor der Sommerpause 2021 in Kraft treten. Zielsetzungen verschiedener Großstädte Auch andere Städte und Gemeinden haben sich bereits ehrgeizige Klimaschutz- oder Klimaneutralitätsziele gesetzt. Die Tabelle 1 gibt einen tabellarischen Überblick über die Ziele verschiedener Großstädte. Tabelle 1: Klimaziele verschiedener Großstädte im tabellarischen Vergleich Stadt Zielsetzung Quelle / Verweis Berlin Der Berliner Senat verfolgt das Ziel, Berlin bis zum Jahr 2050 zu einer klimaneutralen Stadt zu entwickeln, u nd strebt an, die Kohlendioxidemissionen um 95 Prozent bezogen auf das Basisjahr 1990 zu reduzieren. www.berlin.de/sen/uvk /klimaschutz/klimasch utzpolitik-in- berlin/ziele-und- grundlagen/ Hamburg Klimaneutralität bis 2050 München München hat sich zum Ziel gesetzt bis 2035 Klimaneutral zu werden. Frankfurt am Main Reduktion der THG Emissionen um rund 95% bis 2050 (ggü. 1990) Masterplan 100 % Klimaschutz Düsseldorf Klimaneutralität bis 2035 (ggü. 1990) und definiert Klimaneutralität mit 2t THG-Emissionen CO 2 pro Einwohner*in und Jahr 3 Klimaschutzgesetz Nordrhein-Westfalen (Klimaschutzgesetz NRW), Vom 29. Januar 2013, ( GV. NRW. S. 33 )); https://recht.nrw.de/lmi/owa/br_text_anzeigen?v_id=10000000000000000574 4 Zielsetzungen der Stadt Köln Die Stadt Köln definiert zurzeit ihre Klimaziele in Übereinstimmung mit den europäischen und deutschen Zielsetzungen sowie mit den Klimazielen d es Landes Nordrhein-Westfalen. Über die Frage, ob Köln dabei eine Kommune sein soll, die die extern gesetzten Ziele nachgehend umsetzt oder sich selbst als international herausragendes Beispiel für Klimaschutz verstehen will, ist noch keine politische Entscheidung getroffen worden. Klimaschutz ist sowohl eine globale, als auch eine wichtige lokale Aufgabe, derer sich die Stadt Köln seit Jahren aktiv annimmt. Einen Einblick in d ie Aktivitäten der letzten Jahre gibt die folgende Übersicht: - Seit 1993 ist Köln Mitglied im Kima-Bündnis der e uropäischen Städte mit indigenen Völkern der Regenwälder und verpflichtete sich beispielsweise dazu ihre CO 2-Emissionen bis 2030 (gegenüber 1990) um 50 Prozent zu senken. - 2012 bis 2014 wurden integrierte Klimaschutzkonze pte in den Bereichen Energie und Verkehr, ein Sofortmaßnahmenprogramm 2012 und ein Klimaschutzmaßnahmenprogramm als Integriertes Klima schutzkonzept Köln 2013 entwickelt und vorgestellt. - Im Februar 2019 beschloss der Rat der Stadt Köln das Maßnahmenprogramm für den Klimaschutz in der Stadt Köln – „KölnKlimaAktiv 2022 - Die Ausrufung des Klimanotstandes erfolgte mit de m Ratsbeschluss im Juli 2019. Hiermit bekennt sich die Stadt Köln zu den Zielen des Pariser Klimaschutzabkommens, bekräftigte die ambitionierten Klimaschutzziele und unterstreic ht, dass die Eindämmung des Klimawandels hohe Priorität hat. - Mit dem Ziel die Stadt Köln bei der Entwicklung e iner Strategie zur Erreichung der Klimaneutralität zu unterstützen, wurde im April 20 20 der Klimarat als beratendes Expertengremium gegründet. 5 3 Gremien, Strukturen und Instrumente 3.1 Klimarat Köln 3.1.1 Klimaräte weltweit, in Europa, Deutschland un d NRW Auf internationaler Ebene gibt der Weltklimarat der Vereinten Nationen, auch häufig IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) genannt, als wissenschaftliches Gremium und gleichzeitig zwischenstaatlicher Ausschuss Impulse für die notwendigen, weltweiten Klimaschutzziele und –anstrengungen. Mehr als 800 W issenschaftler tragen weltweit den aktuellen Stand der Klimaforschung zusammen und hab en die Aufgabe, die wissenschaftlichen Erkenntnisse zum Klimawandel zu analysieren und zu bewerten. Der Klimarat der Bundesregierung ist ausschließlich mit Wissenschaftlern (2 Wirtschaftswissenschaftlern, einer Energieökonomin, einem Ingenieur und einer Klima- Physikerin) besetzt. Aufgabe dieses Klimarates ist es, Emissionsdaten und Klimaschutzmaßnahmen zu prüfen und zu bewerten. Auch auf Landesebene und kommunaler Ebene arbeiten Klimaräte beratend für die jeweiligen Landesregierungen und Stadtverwaltungen. Der Energi e- und Klimarat der Landesregierung Nordrhein-Westfalen ist mit Experten aus dem Bereic h Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Verwaltung besetzt und hat die Funktion, die Landes regierung im Hinblick auf Klimaschutzfragen zu beraten und ein Monitoring zu entwickeln und durchzuführen. Um einen Fahrplan für die Erreichung der Klimaneutr alität Kölns zu erstellen, hat die Oberbürgermeisterin nach der Ausrufung des Klimanot stands durch den Rat der Stadt Köln einen Klimarat einberufen. In Ergänzung und Abgrenz ung zum Weltklimarat und zum deutschen Klimarat ist der Klimarat Köln nicht rein wissenschaftlich besetzt, sondern besteht aus Experten aus Wissenschaft, Wirtschaft und Zivil gesellschaft, die gemeinsam Ziele und konkrete Maßnahmen entwickeln und die relevanten Ak teure dafür gewinnen, diese Maßnahmen zur Klimaneutralität umzusetzen. 3.1.2 Ziel, Selbstverständnis und Wirkungsprinzipie n des Klimarates Köln Der Klimarat Köln ist ein beratendes Gremium und Im pulsgeber für ein klimaneutrales Köln. Als Motivator und Organisator für das klimaneutrale Köln verleiht er dem Klimaschutz in Köln Schlagkraft. Klimaschutz wird als Chance für die zu kunftsfähige nachhaltige Entwicklung der Stadt begriffen. Ziel des Klimarates ist es, die Entwicklung und Umsetzung einer Strategie zur Erreichung der Klimaneutralität in Köln zu steuern und zu unterstü tzen. Er definiert mit seinen zugehörigen Projektgruppen sektorbezogene Meilensteine auf dem Weg zum klimaneutralen Köln. Seine Mitglieder verstehen sich als Multiplikator*innen u nd Werbende, die in ihre Netzwerke hineinwirken, um deren Bekenntnis und freiwillige S elbstverpflichtung zur Mitwirkung bei der Umsetzung der Strategie zu erreichen. Der Klimarat berichtet der Politik und der Öffentlichkeit über seine Ergebnisse und tritt mit der Politik und Stadtgesellschaft in Dialog. Des Weiteren unterbreitet der Klimarat Entscheidung svorschläge zur Schaffung politischer Rahmenbedingungen und Anreizinstrumente. Dazu haben der Klimarat und seine zugeordneten Projektgruppen im ersten Schritt 2020 konkrete, sektorspezifische Klimaschutzziele erarbeitet, die im Kapitel 4 vorge stellt werden. In 2021 stehen die Entwicklung, Steuerung und Umsetzung der Reduktionsmaßnahmen im Mittelpunkt. Dem Klimarat zugeordnet sind ein Managementteam und thematische Projektgruppen. 6 Abbildung 1: Organisationsstruktur des Klimarates und seiner Gremien Integraler Bestandteil des Momentums der gemeinsamen Anstrengungen aller Kölner Akteure zur Erreichung der Klimaneutralität bildet die Entw icklung einer attraktiven Marke. Diese soll eine substantielle Sogwirkung entfachen und beispie lsweise über eine Online-Plattform Erreichtes sichtbar machen, damit sich mehr und mehr Player zu einer Selbstverpflichtung zu bekennen. 3.1.3 Mitglieder des Klimarates Köln Die Mitglieder des Klimarates aus Wissenschaft, Wir tschaft, Wohnungsbau, Zivilgesellschaft und der Stadtverwaltung Köln, decken die Themenfeld er der großen Emissionsquellen Energie, Mobilität/Logistik, Gebäude, Industrie, Er nährung/ /Konsum ab und wurden von Oberbürgermeisterin Henriette Reker eingeladen und berufen: • Arbeitsgemeinschaft Kölner Wohnungsunternehmen e.V. (köln-ag), Vorstandsmitglied - Frau Marion Sett • Chemion Logistik GmbH, Geschäftsführung – Herr Dr. Hans Richter • Deutscher Gewerkschaftsbund (DGB) Köln, Vorsitzender – Herr Dr. Witich Roßmann, • Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt, Programmdirektor Energie – Herr Bernhard Milow • Landesverband Erneuerbare Energien NRW e.V., Vorsitzender – Herr Reiner Priggen • Scientists 4 Future, Regionalgruppe Köln/Bonn – Herr Dr. Sebastian Mayer • Stadt Köln, Beigeordnete Mobilität und Liegenschaften – Frau Andrea Blome • Stadt Köln, Beigeordneter Soziales, Umwelt, Gesundheit und Wohnen, Vorsitzender des Klimarates - Herr Dr. Harald Rau • Stadt Köln, Beigeordneter Stadtentwicklung, Planen, Bauen und Wirtschaft – Herr Markus Greitemann • Stadt Köln, Leiter des Amtes der Oberbürgermeisterin – Herr William Wolfgramm • Stadtwerke Köln Konzern, Vorsitzender der Geschäftsführung - Herr Dr. Dieter Steinkamp • Stiftung Energieeffizienz, Vorstand – Herr Jörg Ortjohann Die Geschäftsführung des Klimarates liegt bei der K oordinationsstelle Klimaschutz der Stadt Köln. 7 3.2 Projektgruppen Sechs Projektgruppen unterstützen den Klimarat in s einer Arbeit. Die Mitglieder der Projektgruppen aus NGOs, wissenschaftlichen Organis ationen, Verbandsorganisationen, großen Akteuren Kölns und der Stadtverwaltung Köln entwickeln sektor- und akteursspezifische Ziele und Maßnahmen, die dazu be itragen das Erreichen der Kölner Klimaschutzziele zu ermöglichen. Folgende Projektgr uppen hat der Klimarat ins Leben gerufen: - Projektgruppe Energie - Projektgruppe Ernährung und Konsum - Projektgruppe Gebäude - Projektgruppe Industrie - Projektgruppe Kommunikation und Partizipation - Projektgruppe Mobilität und Logistik Zwischen den Projektgruppen gibt es zahlreiche Ankn üpfungspunkte und thematische Schnittstellen, die bei der Maßnahmenentwicklung ab 2021 berücksichtigt werden. 8 4 Zielformulierungen Der Klimarat Köln hat ein Ziel für die Klimaneutralität in Köln definiert, sowie zwei Zwischenziele für 2030 und 2040. Die Projektgruppen haben sektorspezifische Ziele formuliert und werden entsprechende Maßnahmen erarbeiten, die auf das Ziel „Klimaneutrales Köln“ einzahlen. Die erarbeiteten Ziele und Maßnahmen werden in einen THG-Reduktionspfad gebracht, der konform ist zu den Zielen des Pariser- Klimaschutzabkommens. Zur Erreichung der Klimaneutralität Kölns und der Z iele des Pariser Klimaschutzabkommens ist ein ambitioniertes Zusammenwirken aller Akteure , die die wesentlichen Emissionen der Treibhausgase (THG) steuern können oder sie verursa chen, erforderlich. Dieses Zusammenwirken basiert auf einer gemeinsamen Verpfl ichtung auf das Ziel der Klimaneutralität. Es ist nach aktueller Lage nicht vorrangig durch kommunale ordnungspolitische oder Förderinstrumente erreichbar, sondern bedarf − einer freiwilligen Selbstverpflichtung der Kölner Akteure − des Zugangs zu den Anreizinstrumenten der Europäis chen Union, des Bundes, des Landes und der Kommune − wirksamer Steuerungsinstrumente auf der Ebene der EU, des Bundes, des Landes und der Kommune. Dem Rat und der Verwaltung der Stadt Köln kommt unter allen Akteuren eine besondere Rolle zu. Zum einen kann und muss sie in besonderem Maße Vorbild sein. Zum anderen hat sie die Möglichkeit, die Umsetzung der Klimaschutzmaßnahmen durch Anreize und politische Beschlüsse zu unterstützen. Auch dazu erarbeitet der Klimarat Anregungen. 4.1 Systematik der Zielformulierungen Der Klimarat und die Projektgruppen erarbeiten Ziel e und Maßnahmen, die alle für die Erreichung der Klimaneutralität relevanten Sektoren des gesellschaftlichen Zusammenlebens abdecken. Diese zu formulieren, einzuordnen und bew erten zu können, erfordert Expertise aus den unterschiedlichsten Fachgebieten und Bereichen der Gesellschaft. Um dennoch eine möglichst hohe Transparenz sicher zu stellen und ei ne möglichst leichte Verständigung zwischen allen Akteuren zu unterstützen, verfolgen der Klimarat und die Projektgruppen den S.M.A.R.T.-Grundsatz (vgl. 4.1.1). Die Ziele und Maßnahmen adressieren sowohl technisc he als auch sozioökonomische Aspekte. Das Zusammenwirken aller Akteure und die d amit verbundenen unzähligen Aushandlungsprozesse zwischen Akteuren sind ganz en tscheidend, um das Ziel der Klimaneutralität mit der notwendigen Geschwindigkeit erreichen zu können. Daher kommt dem Buchstaben „A“ (Aktivierend) in der S.M.A.R.T.-Syst ematik und der klaren Benennung von Push & Pull-Faktoren bei allen Zielen und Maßnahmen eine sehr wichtige Rolle zu (vgl. 4.1.2.) 4.1.1 S.M.A.R.T.-Grundsatz Alle vom Klimarat formulierten Ziele folgen dem S.M.A.R.T.-Grundsatz. Buchstabe Bedeutung Beschreibung und Anmerkungen S Spezifisch Ziele müssen so präzise wie möglich form uliert sein. M Messbar Ziele müssen messbar sein. Eine möglichst genaue Messbarkeit erfordert die Erhebung von THG-Entstehung oder –Verbräuchen auf lokaler Ebene. Diese muss daher etabliert werden. Solange lokale 9 Erhebungen noch nicht vorliegen, kann jedoch auf Näherungs- oder Vergleichswerte zurückgegriffen werden. Diese können beispielweise aus anderen Kommunen, wissenschaftlichen Studien, oder aggregierten Zahlen auf Landes- oder Bundesebene gewonnen werden. A Aktivierend Ziele müssen ansprechend und erstrebens wert sein. Durch die tiefgreifende Transformation hin zu Klimaneutralität ist dieser Aspekt besonders herausfordernd. Hilfreich ist eine klare Benennung von Push- & Pull-Faktoren für die verschiedenen involvierten Akteure (vgl. 4.1.2.). R Realistisch Das gesteckte Ziel muss möglich und rea lisierbar sein. Aufgrund der tiefgreifenden Transformationen und dem Zusammenwirken aller Akteure hängt die Realisierbarkeit von vielen Randbedingungen ab. Daher wird stets transparent gemacht: • Ist die prinzipielle Machbarkeit gegeben? (wissenschaftliche Studien, Experteneinschätzungen) • Welche Rahmenbedingungen müssen gegeben sein und wie beeinflussen Abstriche in den Rahmenbedingungen die Realisierbarkeit. T Terminiert Das Ziel muss mit einem fixen Datum fest gelegt werden können. Durch die Dynamik einer Transformation werden viele Ziele real einen wiederkehrenden Charakter haben. Es müssen daher regelmäßig Neubetrachtungen und Nachsteuerungen, z.B. mit Aktualisierungen und Änderungen erfolgen. Ferner ist zu bedenken, dass der Zeitpunkt der Umsetzung einer Maßnahme nicht immer mit dem Zeitpunkt der Messung ihrer Wirksamkeit zusammen fällt. 4.1.2 Push & Pull Ziel ist es, dass nicht nur die THG-reduzierende Wirkung eines Ziels oder einer Maßnahme klar ist, sondern auch dessen beschleunigende Wirkung auf die sozioökonomische Transformation. Bei allen Zielen und Maßnahmen wird daher angegeben, welche Akteure involviert sind. 4.2 Klimarat: Ziel für ein Klimaneutrales Köln und Zwischenziele 2030 und 2040 4.2.1 Ziel Klimaneutrales Köln Klimaneutralität bedeutet keine Nettoemissionen (Ne tto-null-Emissionen) an THG. Dazu müssen die Emissionen gesenkt und die THG-Senken gesteigert und ertüchtigt werden. Dazu müssen die Netto-THG-Emissionen von rund 10 Million en Tonnen (Stand 2015) vollständig reduziert oder absorbiert werden. Die Stadt Köln versteht die angestrebte Klimaneutra lität als Anreiz und die erforderlichen Maßnahmen als Chancen einer ökologischen, sozialen und ökonomischen Zukunftsstrategie. 10 Erreicht werden soll das Ziel durch die Mitwirkung Aller, den großen Akteuren und Unternehmen Kölns und der Zivilgesellschaft. Zur Erreichung der Klimaneutralität müssen die THG-Emissionen in Köln in den Sektoren Energie, Gebäude, Industrie, Mobilität und Logistik, sowie Ernährung und Konsum, stark reduziert werden. Neben der Zieldefinition zur Klimaneutralität hat der Klimarat wichtige Zwischenziele für 2030 und 2040 definiert. 4.2.2 Sektorspezifische Zwischenziele für 2030 Der Klimarat hat in Anlehnung an die Sektorziele der Bundesregierung die sektorspezifischen strategischen Zwischenziele für 2030, wie in Tabelle 2 dargestellt definiert. Tabelle 2 Sektorspezifische Einsparziele bis 2030 (ggü 1990) Sektor Sektorspezifische Einsparung der THG Emissionen bis 2030 (ggü. 1990) in Prozent Energie 62 % Mobilität 42 % Gebäude 67 % Industrie 51 % Landwirtschaft. 34 % In Summe sollen durch die sektorspezifischen Einspa rziele die THG-Emissionen bis 2030 gegenüber 1990 mindestens halbiert werden und somit von rund 12 Millionen Tonnen (1990) auf mindestens rund 6 Millionen Tonnen gesenkt werden. Die aktuellste Energie- und Treibhausgasbilanz liegt in Köln für das Jahr 2015 vor. Seit 1990 konnten bereits einige Sektoren ihre THG-Emissionen senken. Die folgende Tabelle zeigt, wie sich die THG-Emissionen auf die unterschiedlichen Sektoren verteilen und von 1990 bis 2015 entwickelt haben. Tabelle 3: Entwicklung der sektoralen THG-Emissionen 1990 bis 2015 Sektoren THG -Emissionen 1990 (absolut) (in Mio. Tonnen) THG -Emissionen 2015 (absolut) (in Mio. Tonnen) Entwicklung der THG 1990 bis 2015 (in %) Energie 2,6 Mio. Tonnen 1,9 Mio. Tonnen -27 % Mobilität 2,5 Mio. Tonnen 2,6 Mio. Tonnen +4 % Gebäude 2,2 Mio. Tonnen 1,6 Mio. Tonnen -29 % Industrie 5,4 Mio. Tonnen 3,8 Mio. Tonnen -30 % Landwirtschaft. Keine Datengrundlage vorhanden Gesamtemissionen 12, 76 Mio. Tonnen 9,9 Mio . Tonnen -22,5% Die bisherigen Entwicklungen in Tabelle 3 zeigen di e Unterschiede in den Sektoren. Jeder Sektor weist eine unterschiedliche Ausgangbasis auf, bringt spezifische Voraussetzungen mit sich und hat spezifische Herausforderungen zu bewäl tigen. Dies begründet die unterschiedlichen sektorspezifischen Zielgrößen. Die absoluten THG-Reduktionen in Millionen Tonnen, die jeder Sektor bis 2030 (ggü. 2015) zur Z ielerreichung beiträgt, zeigt Tabelle 4. Jeder Sektor muss einen großen Beitrag zur THG-Reduktion leisten, um die Zwischenziele bis 2030 zu erreichen. 11 Tabelle 4: Absolute sektorale THG-Einsparung bis 2030 (ggü. 2015) Sektor Absolute sektorale THG -Einsparung bis 2030 (ggü 2015) (in Mio. Tonnen) Energie -0,9 Mio. t Gebäude -0,9 Mio. t Industrie - 1,1 Mio. t Mobilität und Logistik -1,2 Mio. t Ernährung und Konsum Keine Datengrundlage vorhanden 4.2.3 Zwischenziel 2040 Für das Jahr 2040 formuliert der Klimarat folgendes Zwischenziel: „Köln wird spätestens 2040 seine jährlichen THG-Emissionen auf höchstens 2t/Einwohner*in /Jahr senken“ Dieses Zwischenziel wird vom Klimarat als hoch ambi tioniert und unter der Voraussetzung erheblicher Beiträge aller Akteure (darunter auch L and und Bund) für realisierbar eingeschätzt. Begründet wird die Zielformulierung v on einer angenommenen Weiterführung der linearen THG-Reduktion und der Realisierbarkeit. Um das Zwischenziel 2040 zu erreichen, müssen die THG-Emissionen von rund 9,4 Tonnen pro Kopf in 2015 um 7,4 Tonnen pro Kopf bis 2040 re duziert werden. Im Zeitraum von 1990 bis 2015 konnten die Emissionen um 3,4 Tonnen pro K opf reduziert werden. Zur Zielerreichung müssen in allen Sektoren - Energiewirtschaft, Gebäude, Verkehr, Industrie und Landwirtschaft – erhebliche Beiträge zur THG-Einsparung geleistet werden. 12 4.3 Projektgruppe Energie Die Projektgruppe Energie entwickelt Ziele für die Reduktion der THG-Emissionen im Bereich Strom. Die THG-Einsparungen und somit die Erreichun g der Klimaschutzziele werden im Bereich der Stromerzeugung durch den Ausbau Erneuerbarer Energien (EE) und den Einsatz von Energiespeichern sowie im Bereich des Stromverb rauchs durch Energieeinsparung und Effizienzsteigerung erreicht. Die PG Energie entwic kelt im nächsten Schritt Maßnahmen für den Ausbau erneuerbarer Energien, Energiespeicherung und die Stromeinsparung für private Haushalte sowie Gewerbe, Handel und Dienstleistung. 4.3.1 Besonderheiten der Projektgruppe Die Geschichte der Energiewende in Deutschland begi nnt in den 70erJahren mit der Anti- Atomkraftbewegung. Aber schon sehr viel früher habe n sich Menschen mit Fragen der Energieversorgung und Energieerzeugung beschäftigt. Die ersten Photovoltaikzellen kamen 1958 auf der Mission des US-Satelliten Vanguard zum Einsatz, Biogasanlagen wurden ab Anfang des 20. Jahrhunderts im Ruhrgebiet betrieben und das gewonnene Gas in das Gasnetz eingespeist. Wind- und Wasserkraft reichen sogar bi s zu ca. 5000 Jahren zurück. Damals wurden sie zum Antrieb von Mühlen eingesetzt 4 Hinsichtlich des Sektors Energie kann also auf eine lange Geschichte, viel Erfahrung und damit auch auf eine Vielzahl an Studien zurückgegriffen w erden, die unterschiedliche Aspekte unseres Energiesystems, seiner Kapazitäts(grenzen), seiner Steuerung, Handlungsbedarfe und Ziele für ein klimaverträgliches Energiesystem beleuchten. Potenziale Erneuerbarer Energien in Köln Das Potenzial der erneuerbaren Energien für die Sta dt Köln wird vom Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (LANUV) mit rund. 5.000 MW installierbarer Leistung angegeben. Im Energieatlas NRW, der vom LANUV herau sgegeben wird, wird für die Stadt Köln für 2020 ein Stromverbrauch von rund 8.706 GWh/a angegeben, der durch Ausschöpfung des vollen Potenzials zu rund 55,8 % (d.h. Potenzial EE:4,9 TWh/a) mit Strom aus Erneuerbaren Energien auf dem eigenen Stadtgebiet bereitgestellt werden könnte . Mit Stand 2020 beträgt der bereits genutzte Anteil Erneuerbarer Energien lediglich 1,4%. Voraussetzung für Zielerreichung – Gewinnung von Ak teuren und ausreichendes Fachpersonal Zur Erreichung der Klimaneutralität in Köln ist es unabdingbar, dass die Potenziale Erneuerbarer Energien in der Stadt Köln effizient a usgeschöpft werden. Dies ist sowohl zur Deckung der Strombedarfe notwendig, als auch um den dringenden Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. Mit einer engagierten Ausschöpfung der Potenziale wird somit nicht nur die eigene Verantwortung wahrgenommen, sondern auch die wichti ge Vorbild- und Multiplikatorfunktion gestärkt. Nach derzeitigem Kenntnisstand müssen zur Erreichung der Sektorziele im Bereich Energie alle notwendigen Potenziale in der Stromerz eugung mit Erneuerbaren Energien und in der Reduktion des Stromverbrauchs so schnell wie möglich ausgeschöpft werden. Dieses Potenzial in den kommenden Jahren weitestgeh end zu heben, erfordert für die Umsetzung von sektor- und akteursspezifischen Maßna hmen qualifiziertes Personal. Vielfältige Akteure (z.B. Privatpersonen, Eigentüme rgemeinschaften etc.) müssen zielgerichtet angesprochen, die Umsetzungsziele mit ihnen in Handlungsempfehlungen übersetzt und bei der Umsetzung unterstützt werden. (Städtische) Beratungsstrukturen sollten aufgebaut werden, um z.B. einzelne Akteure/Zielgruppen zu aktivieren und die zur Umsetzung 4 Vgl. https://www.next-kraftwerke.de/wissen/erneuerbare-energien , Stand 23.12.2020 13 notwendigen finanziellen und organisatorischen Ress ourcen zu akquirieren. Ohne die Schaffung von entsprechenden Strukturen ist davon a uszugehen, dass die Akteure und Zielgruppen für den Ausbau der Erneuerbaren Energien (z.B. Dachflächen-Photovoltaik) und die Senkung des Stromverbrauchs nicht gewonnen und die angestrebten Ziele nicht erreicht werden. Um die Größenordnung und Tragweite des Sektorziels zu verdeutlichen: „ Es geht nach dem vorliegenden Vorschlag bis 2030 um den Bau eines de zentralen Kraftwerks von rund 2.500 MW Leistung. Das geht nur mit einem engagierten Ker nteam, das diesen Prozess kontinuierlich in den nächsten Jahren durchführt.“ Die nun folgenden Zielformulierungen im Sektor Ener gie wurden auf Grundlage der Potenzialberechnungen für Erneuerbare Energien des LANUV formuliert. Die Datengrundlage gibt keinen Aufschluss zu Wirtschaftlichkeit und Ma chbarkeit. Aus Sicht der Projektgruppe Energie müssen die Ziele und Maßnahmen im laufenden Prozess regelmäßig überprüft und aktualisiert werden. Dies vorausgesetzt, empfiehlt die Projektgruppe, folgende Ausbaupfade anzustreben. 4.3.2 Ziele und CO 2-Einsparung A - Stromerzeugung (zentral und dezentral): Im Zuge des Ausbaus von 2020 bis 2030 sollen die Pr obleme beim Ausbau und die Hemmnisse in der Nutzung von Potenzialen fortwähren d erfasst und analysiert und soweit möglich direkt behoben werden. Dabei sollen auch die zur Verfügung stehenden Potenziale in den einzelnen Bereichen ermittelt und aktualisiert werden. I. Photovoltaik (Dachflächen und Freiflächen) Strategisches Ziel: Nutzung des gesamten von dem LANUV ermittelten PV Potenzials auf Dachflächen (d.h. ca. 3.821 MW 5) und Freiflächen (d.h. ca. 1.040 MW 6) bis 2040, soweit das technisch und wirtschaftlich möglich ist. Operative Ziele: I.1. Verwaltungsgebäude der Stadt Köln: I.1.1. Bei Neubauten und größeren Sanierungen von D ächern wird immer die Installation von Solarstrom-Anlagen (Photovoltaik) vorgesehen. I.1.2. Bis 2025 werden auf allen eigenen Bestandsgebäuden mit geeigneten Dächern Solarstrom-Anlagen (Photovoltaik) errichtet. I.2. Bis 2025 haben alle Liegenschaften des Stadtwerke Konzerns und der Beteiligungsunternehmen der Stadt Köln ihr Photovoltaik-Potenzial zu 50% sowie bis 2035 das dann technisch und wirtschaftlich realisierbare Potenzial ausgeschöpft. I.3. Ausbau der Photovoltaik im Bereich Private Haushalte /GHD und Sonstige bis 2030 auf 50 % des Potenzials und somit auf ca. 1.900 MW (d.h. ca. 15.000 Dächer pro Jahr) sowie bis 2040 auf das dann technisch und wirtschaftlich realisierbare Potenzial. I.4. Ausbau der Photovoltaik auf Freiflächen bis 2030 auf 50% des Potenzials und somit ca. 520 MW sowie bis 2040, um das größtmögliche, te chnisch und wirtschaftlich realisierbare Potenzial. 5 Datengrundlage gemäß LANUV Energieatlas https://www.energieatlas.nrw.de/site/werkzeuge/planungsrechner Stand 06.10.2020 6 Datengrundlage gemäß LANUV Energieatlas https://www.energieatlas.nrw.de/site/werkzeuge/planungsrechner Stand 06.10.2020 14 II. Windenergie Strategisches Ziel: Nutzung des gesamten vom LANUV ermittelten Windenergiepotenzials bis 2040 soweit das rechtlich, technisch und wirtschaftlich möglich ist (d.h. max. 123 MW). Operative Ziele: II.1. Ausbau der Windenergie bis 2030 auf 50 % des Potenzials, d.h. ca. 62 MW, und bis 2040, um das größtmögliche, rechtliche, technische und wirtschaftliche Potenzial. II.2. Bis 2025 haben alle Liegenschaften des der Beteiligungsunternehmen der Stadt Köln und die Stadt Köln selber ihr Windkraft- Potenzial zu 100 % ausgeschöpft, soweit das rechtlich, technisch und wirtschaftlich möglich ist. III. Bioenergie Strategisches Ziel: Nutzung des Bioenergie-Potenzials zu möglichst 100% (d.h. rund 273 GWh), soweit das rechtlich, technisch und wirtschaftlich möglich ist. Operative Ziele: III.1. Nutzung des Bioenergiepotenzials im Strombereich unter Nutzung von Kraft-Wärme- Kopplung durch Ausbau im Bereich der Forstwirtschaft bis 2030 zu 100 %, d.h. ca. 1,69 GWh, soweit dies rechtlich, technisch und wirtschaftlich möglich ist. III.2. Nutzung des Bioenergiepotenzials im Strombereich unter Nutzung von Kraft-Wärme- Kopplung durch Ausbau im Bereich der Landwirtschaft bis 2030 zu 100 %, d.h. ca. 50,77 GWh, soweit dies rechtlich, technisch und wirtschaftlich möglich ist. III.3. Nutzung des Bioenergiepotenzials im Strombereich unter Nutzung von Kraft-Wärme- Kopplung durch Ausbau der Abfallwirtschaft bis 2025 zu 75%, d.h. ca. 165 GWh, und 2030 zu 100%, d.h. ca. 220 GWh, soweit dies rec htlich, technisch und wirtschaftlich möglich ist. IV. Energiespeicher: Strategisches Ziel: Nutzung des Potenzials von Ener giespeichern, das es der Großstadt Köln mit ihrer hohen Energie-, Leistungs-, Bevölkerungs- und Verkehrsdichte ermöglicht, in ihrem Energiebedarf flexibel auf das schwankende Dargebot erneuerbarer Energien zu reagieren. Operative Ziele: IV.1. Bestehende Fern- und Nahwärmenetze erhöhen du rch den Einsatz von Wärmespeichern ihre Flexibilität derart, dass der W ärmebedarf dieser Netze für mehrere Stunden ohne äußere Energiezufuhr sicherges tellt werden kann. Bis 2035 gilt dies für 100 % der Fern- und Nahwärmenetze, bi s 2030 für 50 %, bis 2025 für zwei Netze exemplarisch. Für alle neuen Wärmenetze gilt dies ab sofort. 7 IV.2. Für neu zu errichtende Wohn-Quartiere werden Batterie- und Wärmespeicher so geplant und gebaut, dass dies die Flexibilität der Quartiere derart erhöht, dass deren 7 Wärmespeicher in Wärmenetzen erhöhen die Freiheiten des Einsatzes von Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen am Strommarkt und erhöhen kurzfristig die dort generierten Erträge. Mittelfristig erhöhen Wärmespeicher die Flexibilität des gesamten Energiesystems, indem KWK-Anlagen nicht dann Strom (und Wärme) produzieren müssen, wenn im Wärmenetz Wärme benötigt wird – sondern wenn entweder die Stromerlöse am höchsten sind bzw. wenn es einen Mangel an Solar- und Windstrom gibt. Zusätzlich müssen Wärmenetze durch P2H- und/oder GWP-Anwendungen flexibilisiert werden, um günstige überschüssige el. Energie in die Wärmenetze aufzunehmen und um den Betrieb fossiler KWK-Anlagen zu vermeiden. 15 Energieversorgung für mehrere Stunden ohne äußere E nergiezufuhr sichergestellt werden kann. 8 IV.3. Für neu zu errichtende Wärmepumpenheizungen e inzelner Liegenschaften sind Wärmespeicher derart zu integrieren, dass diese ihr en Wärmebedarf für mehrere Stunden ohne Stromzufuhr durch das Netz der allgeme inen Versorgung decken können 9. IV.4. Batteriespeicher in Elektroautos sollen ein Teil des Stabilitätskonzepts der Stadt Köln werden. Hierzu wird die dafür notwendige Ladeinfrastruktur bis 2030 entwickelt. 10 B - Stromverbrauch V. Stromeinsparung Strategisches Ziel: Größtmögliche Hebung des Strome insparpotenzials bis 2030 und 2040 Operatives Ziel: V.1. Einsparung im Bereich Private Haushalte/GHD/Sonstige um rund 25 % bis 2030 ggü. 2008 und somit rund 875 GWh. 11 C - CO 2-Einsparung Der Ausbau Erneuerbarer Energien führt gemäß der Annahmen in Tabelle 5 zu einer Reduktion der THG-Emissionen von rund 1,52 Mio. t CO 2. Tabelle 5: THG Einsparung im Sektor Energie durch Erreichung der Ausbauziele bis 2030 Erneuerbare Energien Ausbauziel bis 2030 THG-Einsparung Annahmen: (Basis THG-Bilanz 2015) Photovoltaik 2420 MW ca. 1,29 Mio. Tonnen (t) CO 2 - 910 Vollaststunden - 0,6 kg THG Emissionen je kWh - Abzug: bereits installierte Leistung: ca. 40 MW Windenergie 62 MW ca. 0,09 Mio. t CO 2- - 2500 Volllaststunden - 0,6 kg THG Emissionen je kWh Biomasse 272,46 GWh ca. 0,15 Mio. t CO 2- - 0,6 kg THG Emissionen je kWh - Abzug: 20 GWh (bereits bestehende Biogas BHKWs) Insgesamt ca. 1,52 Mio. t CO 2- Einsparung 8 Die Arbeitsgruppe Energie macht keine Zielformulierungen bezüglich Batteriespeicher in einzelnen Gebäuden. Hier erfolgt der Einsatz meist mit dem Ziel, den Eigenstromverbrauch zu maximieren und ist damit marktgetrieben. Bei neu zu entwickelnden Quartieren sind Speicherkonzepte aber unerlässlich, damit diese jetzt neu zu errichtenden Quartiere ein Baustein (und kein Hindernis) auf dem Weg zur Klimaneutralität darstellen. Hier ist bewusst von „Energiespeicher“ und nicht von „Wärmespeicher“ oder „Stromspeicher“ die Rede. 9 Wärmepumpen stellen einen wichtigen Baustein zur Defossilisierung des Wärmebereichs dar. Ohne zeitliche Entkopplung von Strom- und Wärmebedarf entstehen insbesondere in den frühen Morgenstunden im Anschluss an eine Nachtabsenkung der Heizungsanlagen Strompeaks, die es durch den Einsatz von Kurzzeit- Wärmespeichern zu verhindern gilt. Mittelfristig können diese Speicherkapazitäten zum Ausgleich von Schwankungen im Solar- und Winddargebot genutzt werden. 10 Hier gilt für Batteriespeicher ähnliches wie für Wärmespeicher in Wärmenetzen bzw. Wärmepumpenheizungen. 11 Bezug nehmend auf Aussagen des Umweltbundesamtes https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/378/publikationen/hintergrundpapier_stromsparen_we b.pdf 16 Grundlage für die Abschätzung der THG-Minderung sin d die Daten der Energie- und Treibhausgasbilanz der Stadt Köln 2015 12 : Der CO 2-Emissionsfaktor je kWh für das Jahr 2015 wurde anhand der folgenden Daten auf 0,6 kg CO2 je kWh errechnet: - Stromverbrauch gesamt (Industrie und Energiewirtsc haft): 6300 GWh - Emissionen aus Stromverbrauch: 3,8 Mio. Tonnen THG Durch den Ausbau EE in Köln kann somit eine erhebli che THG-Einsparung erreicht werden. Da die CO 2-Einsparung bei der Bilanzierung mit der PG Industrie geteilt werden muss, muss bei der Betrachtung der sektoralen Zwischenziele nicht nur ein Vergleich für den Sektor Energie bis 2030 in Höhe von rund 0,9 Mi o. t, sondern auch die geforderte THG-Einsparung für die Industrie in Höhe von 1,1 Mio. t. in Bezug gesetzt werden. Bei der überschlägigen Berechnung der CO 2-Emissionen bisher nicht mitbetrachtet sind die Emissions- und Energieeinsparung durch Stromein sparung und Effizienzsteigerung. Jedoch ist in den kommenden Jahren insgesamt von einer Steigerung des Strombedarfs auszugehen, da z.B. der Ausbau von Wärmepumpen und Elektromobilität zu einem Mehrbedarf führen wird. 4.3.3 Mitglieder der Projektgruppe Energie Die PG Energie setzt sich aus folgenden Mitgliedern zusammen: Elektroinnung Köln – Herr Dirk Mayer EnergieAgentur.NRW, Klimanetzwerkerin – Frau Sabin e Schneider EnergieAgentur.NRW, Leiter Themengebiet Photovolta ik – Herr Carl-Georg Graf von Buquoy GAG Immobilien AG, Vorstand – Herr Ingo Frömbling Landesverband Erneuerbare Energien NRW e.V. (LEE N RW), Vorsitzender – Herr Reiner Priggen (PG-Leitung) Energiegewinner Technik GmbH, Geschäftsführer – He rr Frank Schillig RheinEnergie AG, Leiter des Bereichs Energiewirtsc haftliche Grundsatzfragen – Herr Dr. Matthias Dienhart (stv. PG-Leitung) Scientists 4 Future und Klimawende Köln – Herr Jör g vom Stein Stadt Köln, Dezernat V, Koordinationsstelle Klimas chutz - Herr Aldo Perez Rodarte Stadt Köln, Dezernat V, Koordinationsstelle Klimas chutz – Frau Rebecca Hartmann Stadt Köln, Dezernat VI, Gebäudewirtschaft der Sta dt Köln, Abteilungsleitung Betriebsmanagement – Herr Garrit Tim Nellessen TH-Köln, Professor für Erneuerbare Energien – Herr Prof. Dr. Ingo Stadler Verbraucherzentrale NRW, Bereichsleiter Energie – Herr Udo Sieverding 4.3.4 Einordnung in den Gesamtzusammenhang Der gesamte weltweite THG-Ausstoß wird auf ca. 36,5 Mrd. Tonnen CO 2 geschätzt. Vielfach wird der relativ geringe Anteil europäischer einzel staatlicher Emissionen am weltweiten Ausstoß diskutiert. Tatsächlich beträgt der Ausstoß der Stadt Köln ca. 0,03 Prozent der Gesamtemissionen. Durch den Ausbau Erneuerbarer Energien und Nutzung der vorhandenen Potentiale kann Köln den Ausstoß an THG stark reduz ieren. Verschiedene Anreize und 12 IFEU Gutachten vom August 2018 „Fortschreibung der Energie- und Treibhausgasbilanz der Stadt Köln für die Jahre 2008-2015 und eine erste Bilanzierung ausgewählter Beteiligungsunternehmen“ 17 Rahmenbedingungen tragen heute schon dazu bei, den Ausbau erneuerbarer Energien voranzutreiben Dazu zählen beispielsweise das Förde rprogramm „Altbausanierung und Energieeffizienz – klimafreundliches Wohnen“ der Stadt Köln, das den Ausbau in erneuerbare Energien und Sanierungsmaßnahmen fördert, oder das Erneuerbare-Energien –Gesetz (EEG) der Bundesregierung, als Förderinstrument für die E rneuerbaren im Bereich der Stromerzeugung. Um Klimaneutralität in Köln, Deutschland und global zu erreichen, müssen die Rahmenbedingungen jedoch weiter stark verbesser t und erheblich in Anreize intensiviert werden. Das große Potenzial der Erneuerbaren Energien in Kö ln ist bisher mit rund 1,4% Anteil Erneuerbarer am Strombedarf kaum gehoben (vgl. Kapi tel 4.3.1). Im Vergleich zur Bundesrepublik mit einem Anteil erneuerbarer Energi en am Stromverbrauch von rund 42 Prozent (2019) 13 hat Köln noch erhebliches Ausbaupotenzial. Neben v ielen tausenden Dächern für Photovoltaik bietet das Stadtgebiet bei spielsweise auch Platz für PV- Freiflächenanlagen und Windenergie. Herausforderung en und Zielkonflikte zu anderen Themenfeldern wie Denkmalschutz und bezahlbarem Woh nraum bestehen natürlich auch in Köln, genauso wie in anderen Städten und müssen bei den nächsten Schritten berücksichtigt werden. Die technologischen Entwicklungen, z.B. an immer effizienteren PV-Anlagen und günstigeren Speichermodulen sind vorhanden und müssen in den nächsten Schritten genutzt werden, um die THG-Emissionen für Köln zu reduziere n und einen wichtigen Schritt zur Klimaneutralität zu gehen. 4.3.5 Beispiele/Maßnahmen Beispiel 1: Photovoltaik-Mieterstromanlage im Wohnquartier Clouth-Gelände in Köln- Nippes Photovoltaik auf Dachflächen bietet das größte Potenzial erneuerbarer Energien in Köln (vgl. Tabelle 5). Mieterstrom bildet dabei eine Möglichkeit, um Photovoltaik auf die Dächer, z.B. von Mehrfamilienhäusern, zu bringen. Als Mieterstrom wird dabei Strom bezeichnet, der nicht über das öffentliche Netz geleitet, sondern in räumlicher Nähe zum Abnehmer produziert wird. Durch das Mieterstromkonzept können auch Personen ohne Eigenheim an der Energiewende teilhaben. Die Energiegewinner eG aus Köln hat als Bürgerenergiegenossenschaft auf dem Clouth-Gelände in Köln Nippes erfolgreich Mieterstromprojekte realisiert. Dazu hat die Genossenschaft die Dächer direkt vom Gebäudeeigentümer gepachtet und vier Photovoltaikanlagen errichtet. Die Energiegewinner eG betreibt diese Photovoltaikanlagen, fungiert als Energieversorger und liefert den Strom an die Bewohnerinnen und Bewohner. Rund 87kWp installierte Leistung versorgen hier 47 Wohnparteien mit regional erzeugtem Strom aus erneuerbaren Energien. Wenn die vor Ort produzierte Strommenge den Bedarf einmal nicht abdeckt, stellt die Bürgerwerke eG als Partner der Energiegewinner eG Ökostrom bereit. Die Bürgerwerke eG ist ein deutschlandweiter Verbund von über 100 Bürgerenergiegenossenschaften, die gemeinsam zertifizierten Ökostrom aus Bürgerhand anbieten. Überschüssiger Strom wird ins Netz eingespeist und nach EEG-Umlage vergütet. Dieses Mieterstromprojekt ist ein Beispiel dafür, wie Photovoltaik auf die Dächer der zahlreichen Mehrfamilienhäuser in Köln gebracht und ein Beitrag zur Energiewende und zum Klimaschutz geleistet werden kann. 13 Quelle: https://www.bmwi.de/Redaktion/DE/Dossier/erneuerbare- energien.html#:~:text=Der%20Anteil%20der%20erneuerbaren%20Energien,42%20Prozent%20im%20Jahr%202 019 . 18 Abbildung 2: Photovoltaik Mieterstromanlage im Wohnquartier Clouth-Gelände in Köln-Nippes (Copyright: Energiegewinner eG) Beispiel 2: Freiflächen Photovoltaik in Köln Weiden Zur Nutzung von Sonnenenergie auf Freiflächen wurde in Köln Weiden ein Freiflächen- Solarpark durch die RheinEnergie errichtet. Mit ein er installierten Leistung von 750 kWp erzeugt er klimafreundlichen Strom für rund 215 Kölner Haushalte. Die 14.000 Quadratmeter große Fläche, die nicht für eine Wohnbebauung oder die Gewerbenutzung geeignet wäre, befindet sich unmittelbar neben der Weidener Kläran lage. Sie ist ein Beispiel, dass auch in Ballungsräumen PV-Freiflächenanlagen möglich sind u nd sie leistet einen wichtigen Beitrag zur Reduktion der Treibhausgasemissionen und Erreichung der Klimaziele. Abbildung 3: Foto der PV-Freiflächenanlage Köln-Weiden (Copyright: RheinEnergie AG) 19 Beispiel 3: Photovoltaik auf Ein- und Zweifamilienhäusern Photovoltaikanlagen auf dem Dach des Eigenheims sin d trotz sinkender Einspeisevergütung wirtschaftlich. Auf Ein-/Zweifamilienhäuser werden meist PV-Anlagen mit einer Größe von 5 bis 10 kWp Leistung installiert. Das entspricht einer durchschnittlichen Investitionssumme von 7.000 bis 14.000 Euro (zuzüglich der Mehrwertsteuer). Da die Einspeisevergütung mit derzeit weniger als 8,5 Cent pro Kilowattstunden unter dem durchschnittlichen Strompreis für private Haushalte in Höhe von ca. 29 Cent liegt, sollte der Eigenverbrauch möglichst hoch sein. Auf die persönliche Nutzung kommt es somit stark an. Mit Stromspeichern oder in Verbindung mit Wärmepumpen 14 kann der Eigenverbrauch zusätzlich erhöht werden. Zudem bezuschusst die Stadt Köln mit dem Förderprog ramms "Altbausanierung und Energieeffizienz - klimafreundliches Wohnen" den Au sbau von Photovoltaikanlagen auf Bestandsgebäuden (weitere Infos unter: www.stadt-koeln.de/altbausanierung ). Die Förderung beträgt 150 Euro je kWp installierte Leistung und w ürde somit bei dem genannten Beispiel zwischen 750 Euro und 1.500 Euro betragen und rund 10 Prozent der Kosten abdecken. Abbildung 4: Montage eines Photovoltaik-Panels (Copyright: africa studio) 14 Auch Wärmepumpen werden unter bestimmten Bedingungen gefördert. Förderprogramm „Altbausanierung und Energieeffizienz – klimafreundliches Wohnen“ der Stadt Köln: Der Austausch von Heizungsanlagen wird gefördert, wenn von fossilen Energien auf Wärmepumpen (JAZ > 4,0 nachgewiesen) umgestellt wird. „ Bundesförderung für effiziente Gebäude - Einzelmaßnahmen “ (BEG Einzelmaßnahmen): Falls Sie über eine alte Ölheizung verfügen und diese durch eine Wärmepumpe ersetzten wollen, gibt es dafür eine Bundesförderung von 45 %. Ggf. kann man auch auf die erhöhte Förderung von 60 000 Euro/Wohneinheit hinweisen 20 4.4 Projektgruppe Ernährung und Konsum Die PG Ernährung und Konsum beschäftigt sich mit den THG-Emissionen aus den Bereichen Landwirtschaft, Ernährung und Konsum. 4.4.1 Besonderheiten der Projektgruppe Individuelles Konsumverhalten hat einen hohen Einfluss auf das Klima. Laut einer Studie des Umweltbundesamtes machen die Emissionen in den Bere ichen Ernährung und Konsum zusammen mit rund 54,3% mehr als die Hälfte des per sönlichen Treibhausgasausstoßes aus.15 Abbildung 5: Treibhausgasausstoß pro Kopf in Deutschland nach Konsumbereichen (2017) (in t CO 2e) 16 Diese Aufteilung des Treibhausgasausstoßes pro Kopf in Deutschland nach Konsumbereichen zeigt, dass die Emissionen aus dem Bereich Ernährung für rund 15 % des pro Kopf Ausstoßes verantwortlich sind und der sonstige Konsum mit rund 39,3% einen noch höheren Anteil hat. Der persönliche Konsum beeinflusst dabei nicht nur die Emissionen in Köln oder Deutschland, sondern weltweit, da die konsumierten Lebensmittel und Güter weltweit produziert werden. Aus diesem Grund kommt dem Bereich und der Projektg ruppe Ernährung und Konsum eine besondere Rolle zu. Die Ziele und Maßnahmen wirken nicht nur lokal sondern unmittelbar global. Die Besonderheit bei der THG-Bilanzierung für die Projektgruppe sind einerseits, dass derzeit keine Daten zu den THG-Emissionen für 2015 aus dem Sektor Landwirtschaft für Köln vorliegen. Anderseits spiegeln die Daten der THG-Bi lanz, die bei der nächsten Bilanzierung für den Bereich Landwirtschaft vorliegen sollen, aus den oben genannten Gründen nur bedingt die THG-Emissionen wieder, die durch das Konsumverh alten der Kölnerinnen und Kölner entstehen. Hintergrund ist, dass die THG-Bilanz nach der Bilanzierungssystematik Kommunal 15 https://www.umweltbundesamt.de/themen/wirtschaft-konsum/konsum-umwelt-zentrale-handlungsfelder 16 Quelle: https://www.umweltbundesamt.de/themen/wirtschaft-konsum/konsum-umwelt-zentrale- handlungsfelder#umweltrelevanz-und-prioritare-bedarfsfelder 21 (BISKO) nach dem Territorialprinzip durchgeführt wi rd und somit die THG-Emissionen aus dem Stadtgebiet von Köln bilanziert werden. Globale Wirkungszusammenhänge können insofern nicht beachtet werden. Die Projektgruppe Ernährung und Konsum hat 2020 in Workshop-Formaten Ziele mit dem Fokus der THG-Minderung und im Sinne einer ganzheitlichen Betrachtung entwickelt. Neben den Schnittstellen zu den weiteren Projektgruppen d es Klimarates sind Anknüpfungspunkte zum Ernährungsrat der Stadt Köln vorhanden, die bei der Projektgruppenarbeit Berücksichtigung finden. 4.4.2 Ziele und CO 2-Einsparung Die Projektgruppe Ernährung und Konsum hat 15 Ziele in 4 Clustern entwickelt. Diese bilden die Reduzierung der THG-Emissionen vor dem Hintergrund einer ganzheitlichen Betrachtung des Ernährungssektors vom Feld über die Warenströme und den Bezug bis hin zur Entsorgung ab. Die Ziele wurden entsprechen der SMART-Kriterien, d.h. spezifisch, messbar, realistisch, aktivierend und terminiert, entwickelt und bieten A nsatzpunkte für eine Ableitung konkreter THG-Einsparmengen in einem nächsten Schritt. I. Nahrungsmittelproduktion und -vermarktung I.1. Bis 2030 werden zentrale Umschlag- und Weiterverarbeitungsplätze für regionale und nachhaltige Lebensmittel zur Optimierung der Handelsströme erschaffen und gefördert, um THG-Emissionen durch Verkehrsströme zu reduzieren. I.2. Der Lebensmitteleinzelhandel verfügt über Prozesse und Anreizsysteme, ressourcenschonend produzierten Lebensmitteln beim zentralen Einkauf den Vorrang zu geben, um deren Anteil bis 2030 auf 30% zu erhöhen. I.3. Bis 2030 werden im Rahmen der Initiative „Essbare Stadt“ Flächen (z.B. Brachen und bestehende Grünflächen) in allen Stadtteilen für ‚Urban Gardening‘ zur Verfügung gestellt. Dies schließt die Zwischennutzung von Flächen ein. I.4. Der Anteil nachhaltig bewirtschafteter landwirtschaftlicher Fl ächen im Stadtgebiet liegt 2030 bei über 50% und 2040 bei üb er 90%. Es gilt der vom Ausschuss für Umwelt und Grün der Stadt Köln verabschiedete Kriterienkatalog zur Verpachtung städtischer Flächen. II. Kreislaufwirtschaft II.1. Bis 2030 ist die Anschlussquote der Biotonne auf mindestens 80% gesteigert. Bis 2040 ist eine bedarfsdeckende Bioabfallsammlung für das gesamte Stadtgebiet sichergestellt. II.2. Die laufende Steigerung bis hin zur flächende ckenden Implementierung von Mehrweg statt Einweg zur Reduzierung des Abfall- und Verpackungsaufkommens ist sichergestellt. II.3. Lebensmittelverschwendung II.3.1. In der Außer-Haus-Verpflegung (z.B. Gemeinschaftsverpflegung, Restaurants) werden ab 2021 Maßnahmen zur Lebensmittelsicherung umgesetzt, so dass signifikant weniger Lebensmittelabfälle anfallen. I nsbesondere ist die Quote der Tellerreste bis 2023 auf höchstens 15% und bis 2030 auf höchst ens 10% zu reduzieren. II.3.2. Der Lebensmittelhandel gibt nicht mehr verkaufsfähige aber noch verzehrfähige Produkte an Foodsharing-Initiativen oder Tafeln weiter. 22 II.4. Der Ausstoß von Methangas der Deponie Vereinigte Ville ist bis 2030 um 50 % und bis 2040 um 75 % verringert. Das gefasste Deponiegas ist bis zu 95 % energetisch genutzt.“ III. Bildung III.1. Im Rahmen der städtischen Öffentlichkeitsarbeit für Verbraucherinnen und Verbraucher werden spätestens ab 2023 im Sektor Ern ährung & Konsum gezielte Maßnahmen und Kampagnen umgesetzt, die zu einem kli mafreundlichen Verhalten motivieren und einen Beitrag zur THG-Reduktion leisten. III.2. Es finden regelmäßig (mind. einmal pro Jahr) konkrete Maßnahmen zur Bildung für nachhaltige Entwicklung im Themenbereich Ernährung & Konsum (z.B. Besuch Außerschulischer Lernorte mit Vor- und Nachbereitung) in allen Offenen Ganztagen der Schulen und in allen Kitas spätestens ab 2025 statt. III.3. Es erfolgt eine signifikante Ausweitung und strukturelle kommunale Verankerung der Netzwerk-Bildung bei der gemeinsamen Nutzung vo n Flächen und Gütern im Bereich Ernährung & Konsum mit eingebetteten Bildungsangeboten zur Reduktion des Ressourcenverbrauchs und der THG-Emissionen bis 2025. IV. Beschaffung IV.1. Alle Beschaffungen und Ausschreibungen der Stadt Köln sind bis spätestens 2027 klimafreundlich gestaltet und enthalten entsprechen de Vorgaben und Kriterien , die bis spätestens 2023 entwickelt und festgelegt werden. IV.2. Der kommunale Einfluss und die Marktposition werden zur Verankerung einer systematischen klimafreundlichen Versorgung aus der Region genutzt. IV.3. Alle städtischen Kantinen, Schulen, Kitas und alle weiteren kommunal en Verpflegungen werden bis spätestens 2027 klimafreundlich, d.h. mit regional und nachhaltig erzeugten Produkten, versorgt . Die entsprechenden Vorgaben und Kriterien werden bis spätestens 2023 entwickelt und festgelegt. Um dieses Ziel auch außerhalb des kommunalen Einflussbereichs zu erreic hen, ist bis 2025 eine strukturelle kommunale Verankerung zur Schaffung en tsprechender Rahmenbedingungen (Beratung, Koordinierung, Anreize) eingerichtet. IV.4. Bis 2023 wird ein Kölner Siegel entwickelt und implementiert, um „klimafreundlich und nachhaltig handelnde Akteure“ (z.B. Schulen und Kitas, Kantinen, Gastronomie) im Bereich Ernährung & Konsum auszuzeichnen. V. CO 2-Einsparung Aufgrund fehlender Datengrundlagen und noch nicht v orliegender Beispiel-Rechnungen zu THG-Einsparpotentialen konnte für die erstellten Ziele keine konkrete CO 2-Einsparung berechnet und zugeordnet werden. Mit der in 2021 an visierten Schaffung der Datengrundlage und externen wissenschaftlichen Begl eitung sollen den Zielen THG- Minderungspotenziale zugeordnet werden. 23 4.4.3 Mitglieder der Projektgruppe Ernährung und Ko nsum Die PG Ernährung und Konsum setzt sich aus folgenden Mitgliedern zusammen: Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BL E), Präsident – Herr Dr. Hanns- Christoph Eiden Deutscher Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA) N ordrhein e.V., stellv. Geschäftsführer - Herr Mathias Johnen Ernährungsrat Köln, Geschäftsführung – Herr Floria n Sander Gertrudenhof, Geschäftsführer und Landwirt – Herr Peter Zens (stv. PG-Leitung) KölnBusiness Wirtschaftsförderungs- GmbH, Geschäft sführer - Herr Michael Josipovic REWE Group, Vorsitzender der Geschäftsleitung - He rr Hanno Rieger Stadt Köln, Dezernat IV, Leiterin des Amtes für Sc hulentwicklung – Frau Anne Lena Ritter (PG-Leitung) Stadt Köln, Dezernat V, Leiter der Eigenbetriebsäh nlichen Einrichtung Abfallwirtschaftsbetrieb - Herr Dr. Thomas Kreitsch Stadt Köln, Dezernat V, Leiter des Umwelt- und Ver braucherschutzamtes - Herr Konrad Peschen Stadt Köln, Dezernat V, Umwelt- und Verbrauchersch utzamt – Herr Nils Becker 4.4.4 Einordnung in den Gesamtzusammenhang Klimaneutraler und nachhaltiger Konsum wird interna tional angeregt und angestrebt. So werden z.B. auf Europäischer Ebene Maßnahmen ergrif fen, die die Nutzung umweltschädlicher Konsumprodukte überprüfen und ein schränken (z.B. Verbote von Einweggeschirr und-besteck, Trinkhalme, Plastiktüte n, Einwegflaschen). Steigender Wohlstand und Luxusgüter- und Fleischkonsum (durchs chnittlich 60 kg/ Einwohner in Deutschland) führen zu tendenziell steigenden THG-Emissionen weltweit. Andererseits führen aber auch Globalisierung und Änderungen der Konsumm uster zu zunehmenden negativen Klimaeinflüssen (z.B. internationale Konsumwarenbes tellung, Internet-Shopping). Als Gegenbewegung beobachten wir weltweit Initiativen ( Zero-Waste, Repair-Cafés, Vintage- Läden, Unverpackt-Läden und Fleischalternativen). M omentan sind dies noch Nischenbewegungen; die Möglichkeit, in diesem Berei ch zu skalieren, verdient weitere Beachtung. Für klimaneutralen Konsum ist die Stadt Köln aber auch auf die Möglichkeiten von klimaneutralem Konsum angewiesen, die auch mitbesti mmt werden durch internationale Politik und Angebote aus der Industrie, aus Handel und Logistik. 24 4.4.5 Beispiele/Maßnahmen Beispiel 1: „Cooking für KidS 2020“ Lecker, gesund und nachhaltig - so soll das Essen i n den Kinder- und Jugendpädagogischen Einrichtungen der Stadt Köln (KidS) sein. Um dieses Ziel zu erreichen, unterstützen der ‚Ernährungsrat Köln und Umgebung‘ und die KidS die Hauswirtschaftskräfte der Einrichtungen dabei, Nahrungsmittel ökonomischer einzusetzen und mehr frische Produkte aus der Region zu verwenden. Im ersten Schulungsmodul wurden die Teilnehmenden bei der Verarbeitung und Zubereitung von regionalem und saisonalem Gemüse angeleitet. In den folgenden zwei weiteren Schulungsmodulen ging es um Beilagen sowie die Zubereitung von Fleisch und Fisch. Somit umfassten die insgesamt drei praktischen Schulungstage die Grundprozesse und Zubereitungsarten des Kochens. Im abschließenden theoretischen Schulungsmodul wurden strukturgebende der Organisation und Speiseplanung vermittelt. Beispiel 2: „Steigerung von Regionalität und Nachha ltigkeit in Kölner Kitas (SteRN Kitas)“ Das Ziel von ‚SteRN Kitas‘ ist die Regionalentwicklung durch Steigerung und Einführung von Ernährungsbildung sowie regional-nachhaltig produzierten Lebensmitteln in Kölner Kitas und Familienzentren. Der ‚Ernährungsrat Köln und Umgebung‘ hat in einem intensiven Prozess mit den am Projekt beteiligten Trägerverbänden der Kitas die Ziele erörtert und geplant. Unter anderem sollen frische und gesunde Lebensmitt el, die in der Kölner Region produziert werden, auf den Tellern der Kita-Kinder landen. Daz u muss an einer Versorgungsstruktur gearbeitet werden, die einerseits den Landwirt*innen feste Absatzmöglichkeiten zusichert und andererseits den Kitas einen erleichterten Zugang z u den Lebensmitteln aus der Region verschafft. Ein gut durchdachtes System kann unnötige Transportwege verhindern und somit einen Beitrag zur Treibhausgas-Reduktion und Nachhaltigkeit leisten. Das zweite Hauptanliegen des Projektes ist die Ernä hrungsbildung, die in den Kitas etabliert und ausgebaut werden soll. Vielfältige Bildungsmodule, Handreichungen und Praxistipps rund Abbildung 6: KidS-Schulung 29.10.2020 (Copyright: Ernährungsrat Köln und Umgebung 2020) Abbildung 7: SteRN-KiTas – Symbolfoto (Copyright: Ernährungsrat Köln und Umgebung 2020) 25 ums Thema zukunftsfähige Ernährung sind angedacht, die sich in erster Linie an die pädagogischen und hauswirtschaftlichen Fachkräfte r ichten, die das Wissen an die Kinder weitergeben und ihnen so ein nachhaltiges und genussvolles Ernährungsverhalten vermitteln. In 11 Kölner Kitas haben in Zusammenarbeit mit der Verbraucherzentrale NRW und dem AK80 (Zusammenschluss aller freien und städtischen Träge r der Kitas in Köln) Messungen der Tellerreste stattgefunden. Dabei ist ein erhebliche s Einsparpotential zur Verringerung von Nahrungsmittelabfällen und -verschwendung festgestellt worden. 26 4.5 Projektgruppe Gebäude Die PG Gebäude widmet sich inhaltlich den Themenfeldern Wärme- und Kälteversorgung und hat Strategien für die Reduktion der THG-Emissionen in diesem Bereich entwickelt. Hauptaspekte zur Reduktion der THG-Emissionen im Be reich Wärme- und Kälteversorgung bestehen in der Reduktion des Energiebedarfs, in der Steigerung der Effizienz und im Einsatz von erneuerbarer Energien. Hinzu kommen übergeordne te Aspekte wie z.B. graue Energie, Bildung oder Leuchtturmprojekte. Die PG Gebäude entwickelt im nächsten Schritt Maßnahmen für die im Folgenden unter 4.4.2 genannten übergeordneten Handlungsfelder. 4.5.1 Besonderheiten der Projektgruppe In Vorbereitung der Zielformulierung hat die Projek tgruppe zunächst bestehende Erarbeitungen vergleichbarer Städte recherchiert und verglichen. Durch sowohl systematische Auswertung der Vorgehensweisen und Erkenntnisse dieser bereits bestehenden Arbeiten als auch Köln-spezifischer Expertise wurden die Zielfor mulierungen für Köln erarbeitet. Die PG Gebäude hat vielfältige Anknüpfungspunkte zu andere n Klimarat-Projektgruppen, insbesondere zu den Projektgruppen Energie sowie Mo bilität und Logistik. Einer der übergeordneten Aspekte greift die Thematik der Ziel konflikte auf, die in vielfältiger Weise bestehen, und fordert dazu auf, diese themenübergreifend zu identifizieren und zu bewerten. 4.5.2 Ziele und CO 2-Einsparung Die PG Gebäude hat folgende Strategien als Ziele für den Sektor Gebäude formuliert. Die PG appelliert vor allem daran, die Umsetzung zukunftsf ähiger Strategien für klimagerechte Gebäude, als elementaren Bestandteil der Städte zu begreifen und entsprechend einer nachhaltigen Stadtentwicklung Ziele zu formulieren, die sowohl die Gebäude mit ihrer Konstruktion und Hülle berücksichtigen als auch all e Bestandteile von Stadt und Stadtentwicklung zu erfassen. Das zentrale Moment d abei ist der menschliche Maßstab und das Schaffen einer lebenswerten Stadt für ihre Menschen. I. Reduktion des Energiebedarfs I.1. Signifikante Steigerung der energetischen Sani erungsrate Die energetische Sanierungsrate (Wohn- und Nichtwoh ngebäude) ist durch geeignete Maßnahmen signifikant zu steigern. Die Erhöhung die ser Rate ist ein wichtiger Baustein zur Reduktion des Energiebedarfs im Gebäudebestand. Nur mit einer ambitionierten energetischen Ertüchtigung des Bestandes lassen sich der Wärmebedarf und damit der CO 2- Ausstoß reduzieren. Nachhaltigkeitskriterien sind stärker zu berücksich tigen als in der Vergangenheit (z. B. Reduktion der grauen Energie, „gesunde“ Baustoffe, Flächeneffizienz, Umnutzungsfähigkeit, Bedarfsorientierung, Kreislaufwirtschaft). Im Bereich des Denkmals ist in Abstimmung mit dem D enkmalamt abzuwägen, inwieweit Klimaschutz in Zukunft stärker berücksichtigt werden kann. I.2. Neubau und Ersatzneubau sind zukünftig klimane utral zu gestalten. Sobald wie möglich sind alle Neubau- sowie Ersatzneubaumaßnahmen klimaneutral zu planen und zu realisieren. Dies gilt zunächst für den Ener giebedarf in der Nutzungsphase, darüber hinaus sind Nachhaltigkeitskriterien über den gesam ten Lebenszyklus stärker zu berücksichtigen als in der Vergangenheit (z. B. Red uktion der grauen Energie, „gesunde“ Baustoffe, Flächeneffizienz, Umnutzungsfähigkeit, Bedarfsorientierung, Kreislaufwirtschaft). 27 Die Gebäude sind so auszugestalten, dass zum Beispi el durch den Einsatz von Photovoltaik dezentrale Energiegewinnung möglich ist (siehe Projektgruppe Energie). Klimaneutrale Gebäude bedingen eine frühzeitige Ber ücksichtigung (z. B. bereits in der Architektenwettbewerbsphase / B-Planung / Vorplanung). I.3. Mitnahme der Gebäudenutzer*innen / Betreiber*i nnen Klimaneutrale und nachhaltige Gebäude haben neben d er ökologischen und ökonomischen Qualität eine gesteigerte Aufenthaltsqualität und e inen höheren Raumkomfort. Die Gebäudenutzer*innen und das Gebäudemanagement haben bei der Realisierung eine hohe Verantwortung. Ihre Sensibilisierung, Schulung und Akzeptanz ist erforderlich. Dann entsteht über das Verständnis und das entsprechende Verhalten eine Win-Win-Situation. I.4. Anpassung der Rahmenbedingungen Baurechtliche Rahmenbedingungen sind so anzupassen, dass sie die Ziele zur Klimaneutralität im Gebäudesektor fordern und fördern. Die Maßnahmen aus KölnKlimaAktiv 2022 sind umzusetzen. Darüber hinaus gehend fokussi eren sich kommunale Förderprogramme auf den Klimaschutz. II. Zentrale Versorgung, Fern- und Nahwärme II.1. In bestehenden und zukünftigen Fern- und Nahw ärmenetzen sind Potenziale für Abwärme und Erneuerbare Energien (EE) vollumfänglich auszuschöpfen. Das Stadtgebiet Köln bietet eine Vielzahl von energ etischen Potenzialen für die Rückgewinnung von Wärme und die Nutzung Erneuerbare r Energien (z. B. Abwärme aus Abwasser, industrielle/ gewerbliche Abwärme, Solarthermie etc.). Diese Potenziale können für die Wärmeversorgung von Heizung und Warmwasser durc h Technologien, wie große Wärmepumpen und thermische Speicher, genutzt werden . Ein relevanter Teil des Energiebedarfs kann aus diesen Quellen gewonnen wer den, wie die Ergebnisse der strategischen Energieplanung (Maßnahme aus KölnKlimaAktiv2022) zeigen. Dies gilt analog für Nah- und Quartierswärmenetze im Bestand und Neubau. II.2. Der Netzausbau ist auf die Nutzung von Erneue rbaren Energien und Abwärme auszurichten. Dem Ausbau des Fern-, Nah- und Quartierswärmenetzes ist hohe Priorität beizumessen. Bei der Versorgung dieser Netze mit Wärme ist der Fokus auf die Nutzung Erneuerbarer Energien und Abwärme zu legen. Neue regenerative Nah- bzw. Quartierswärmenetze sin d unter Einbindung innovativer Technologien (z. B. Rheinwassernutzung, Kläranlagen , Abwasser, Erdwärme durch Wärmepumpen) zu schaffen. Umfassende Liegenschaftssanierungen und Neubaumaßna hmen im Wohn- und Gewerbebereich sind hier besonders geeignet. Wenn G ebäude saniert werden, sind sie gleichzeitig für geringere Vorlauftemperaturen vorzubereiten und umzurüsten. II.3. Die Energieeffizienz der aktuellen Fernwärmenetze ist zu steigern. Das aktuelle Fernwärmenetz der RheinEnergie ist dur ch weitere Flexibilisierung der Erzeugungsstandorte – auf Grund der zunehmenden fluktuierenden EE-Stromerzeugung – zu optimieren; hierzu sind Warmwasserspeicher – und P2H (power-to-heat) -Anlagen (inkl. Groß- WP) –zu prüfen. Dies gilt auch für zukünftige Nahwärme-/Quartiernetze. 28 (Hinweis: Für das Fernwärmenetz in Niehl besteht be reits ein Wasserspeicher, in dem FW- Netz Merheim ist dieser kurz vor der Beauftragung u nd im FW-Netz Merkenich ist dieser in konkreter Planung.) Das Temperaturniveau des Vorlaufs ist aus Effizienzgründen möglichst niedrig zu halten bzw. wenn möglich abzusenken. Insbesondere bei der Reali sierung von neuen Subnetzen ist ein vermindertes Temperaturniveau vorzusehen. II.4. Optimierung des Zusammenspiels zwischen Fernwärmenetz und Gebäuden Die Reduzierung von Vorlauftemperaturen im Zusammen hang mit Gebäudesanierungen ermöglicht erst die Absenkung des Fernwärmetemperat urniveaus und ist dementsprechend essenziell. Insbesondere in Bereichen mit starker Auslastung de s Fernwärmenetzes führt die Senkung des Wärmebedarfs angeschlossener Gebäude durch ener getische Sanierung zu einer Entlastung und ermöglicht den Anschluss weiterer Gebäude. III. Dezentrale Versorgung, Ersatz von Heizungen au f fossiler Basis III.1. Auslaufende Nutzung von Heizungen auf Heizöl-Basis Heizungssysteme auf Heizöl-Basis sind nicht das Zukunftsmodell und sind soweit möglich mit Systemen basierend auf erneuerbaren Energien und / oder Abwärme zu ersetzen. III.2. Erdgasheizungen sind nach und nach zu reduzieren und zu ersetzen Fossile Brennstoffe sind perspektivisch durch erneu erbare Energien zu ersetzen. Dazu gehören auch die Erdgasheizungen. Kurzfristig gilt dies insbesondere für nicht effiziente Anlagen (z. B. Gasetagenheizungen). III.3. Potenziale zur Nutzung von Erneuerbaren Ene rgien sind vollumfänglich auszuschöpfen Das Stadtgebiet Köln bietet eine Vielzahl von energ etischen Potenzialen für die Nutzung Erneuerbarer Energien (z. B. Solarthermie, Photovol taik). Diese Potenziale können für die Wärmeversorgung von Heizung und Warmwasser durch Te chnologien, wie zum Beispiel Wärmepumpen (Sektorenkopplung) und Speicher genutzt werden. (Schnittstelle PG Energie) IV. Städtische Gebäude / Projekte IV.1. Für die städtischen Gebäude ist eine Strategi e inkl. Klimaschutzfahrplan für den klimaneutralen Gebäudebestand der Stadt Köln auf Gebäudeebene zu entwickeln. Die Energieeffizienz der städtischen Liegenschaften ist vorbildlich in geeigneten Sanierungsschritten zu steigern. Der Restenergiebedarf ist mittelfristig durch eine 100%-ige Versorgung (Wärme und Kälte) mit erneuerbaren Energien und/ oder Abwärme zu decken. Eine Vielzahl der Liegenschaften wird über die Fernwärme versorgt. Eine Umsetzung ist nur im Zusammenspiel mit den hierfür notwendigen Anpassungen bei den Versorgern möglich. Neubauten und sonstige städtische Projekte sind entsprechend der Energieleitlinien an gelehnt an den Passivhausstandard zu realisieren. Die städtischen Gebäude übernehmen eine wichtige Vorbildfunktion. 29 IV.2. Beteiligungsunternehmen der Stadt Köln Für die Gebäude (Neubau und Bestand) der Beteiligungsgesellschaften der Stadt Köln ist die Energieeffizienz zu steigern und eine Energieversor gung auf Basis von erneuerbaren Energien und / oder Abwärme anzustreben, analog zu den städtischen Gebäuden. V. Übergeordnete Aspekte V.1. Städtebauliche Aspekte - Verkehrserzeugung durch Städtebau und Gebäude Jedes Gebäude und jede städtebauliche Entwicklung e rzeugt Mobilitätsbedarfe, die klimaneutral zu entwickeln sind. Deren Ausmaß und U mweltverträglichkeit sind von grundlegenden Weichenstellungen in frühen Projektst adien abhängig und auf kommunaler Ebene entscheidend beeinflussbar. Gute Versorgung d urch ÖPNV sowie durch schienengebundenen Nahverkehr bei neuen Wohn- und G ewerbegebieten ist zu beachten bzw. obligatorisch zu planen und umzusetzen. Zur Vermeidung von neuer Versiegelung ist bei der Stadtentwicklung klimaschonende Nachverdichtung vorrangig, sowie die Umsetzung der Stadt der kurzen Wege (15-min Stadt) zu verfolgen. (Schnittstelle PG Mobilität und Logistik) V.2. Schaffung einer positiven Sanierungskultur / Bestand als Mehrwert Aufgrund der Notwendigkeit, den Verbrauch von Resso urcen zu reduzieren, ist der Bestand vorrangig zu qualifizieren, zu aktivieren und umzubauen. Verbrauch neuer, insbesondere fossiler, Ressourcen ist zu verteuern, damit die Ressource Gebäudebestand ihren Wert behält, wenn möglich steigert. Förderung der Bestandserhaltung, insbesondere auch mit Nutzungsänderung, ist in der Genehmigungspraxis zu erleichtern und zu begünstigen. V.3. Graue Energie/ Fossile vs. Nachwachsende Rohst offe - Ressourcenschonendes & kreislaufgerechtes Bauen Die Zielvorgabe klimaneutraler Projekte ist effizie nt mit dem Prinzip des »Ressourcenschonendes Bauen« zu erreichen, durch die Vermeidung fossiler Rohstoffe und durch die Verwendung und Förderung nachwachsender R ohstoffe sowie kreislauffähiger Bauteile (cradle-to-cradle). Die Ermittlung einer klimaneutralen CO²-Bilanz von Projekten ist als ein verpflichtender Bestandteil zur Umsetzung von Bauvorhaben aufzunehm en. Positive CO 2-Bilanzen sind zugunsten der Auftraggeber*innen entsprechend zu begünstigen. V.4. Bildung & Leuchttürme Know-how und Leistungsfähigkeit im Bereich der komp lexen Thematik des klimaneutralen Bauens und Sanierens sind in der Stadtgesellschaft zu steigern. Bildung und Beratung sind, im Hinblick auf ganzheitliche Kompetenz zur Dekarbo nisierung unserer Gesellschaft, zu fördern. Leuchtturm- und Pilotprojekte, die viel fachliches und regulatorisches Know-how generieren und Herausforderungen deutlich machen, sind in groß em Maßstab unkompliziert zu ermöglichen und die daraus resultierenden Erkenntni sse stadtweit auszurollen. Regionale, überregionale und internationale Vernetzung sind zu fördern. 30 V.5. Ökologische Mietrechtsreform Ein Mietrecht, das alle Akteure in die Verantwortun g für die Energieeffizienz des Mietobjekts einbindet, ist zu unterstützen. V.6. Strategische Allianzen in der Stadt nutzen Strategische Allianzen innerhalb der Kölner Akteure sind hinsichtlich Klimaschutz aufzubauen und der Ausbau neuer administrativer Strukturen opt imiert zu nutzen. Sie sind Vorbild und Hebel zur Erreichung der Klimaschutzziele für alle Sektoren. V.7. Zielkonflikte lösen Zielkonflikte bestehen in vielfältiger Weise und sind themenübergreifend zu identifizieren und zu bewerten. Diese Aufgabe ist aktiv zu behandeln und zu lösen. V.8. Ressourcen / Kosten Finanz- und Personalmittel sind unerlässlich und fü r die Erreichung der Strategien und Ziele der Energiewende bereitzustellen, um die ehrgeizigen Klimaschutzziele zu verfolgen. VI. CO 2-Einsparung Aufgrund fehlender Datengrundlagen und noch nicht vorliegender Beispiel-Rechnungen zu THG-Einsparpotentialen konnte für die erstellten Strategien noch keine konkrete CO 2- Einsparung berechnet und zugeordnet werden. 4.5.3 Mitglieder der Projektgruppe Gebäude Die PG Gebäude setzt sich aus folgenden Mitgliedern zusammen: Arbeitsgemeinschaft Kölner Wohnungsunternehmen e.V . (köln ag), Vorstandsmitglied – Herr Uwe Seibel Bund Deutscher Architekten (BDA) – Frau Ay şin Ipekci Architektenkammer– Herr Erich Pössl Beiratsmitglied Stiftung Energieeffizienz – Herr U we Neuhaus EnergieAgentur.NRW, Leiter Themengebiet Wärme, Geb äude / Leiter Netzwerk Energieeffizientes und solares Bauen – Herr Andreas Gries (PG-Leitung) RheinEnergie AG, Leiter Vertrieb Privat- und Gewer bekunden, Wohnungswirtschaft – Herr Harry Gersabeck Scientists 4 Future Regionalgruppe Köln/Bonn – Fra u Gisela Renner Stadt Köln, Dezernat V, Koordinationsstelle Klimas chutz – Frau Julia Egenolf Stadt Köln, Dezernat V, Koordinationsstelle Klimas chutz – Herr Aldo Perez Stadt Köln, Beigeordneter Dezernat VI / Stadtentwi cklung, Planen, Bauen und Wirtschaft – Herr Markus Greitemann, Stadt Köln, Dezernat VI, Gebäudewirtschaft, Betrie bsmanagement - Herr Garrit Tim Nellessen Stiftung Energieeffizienz, Vorstand - Herr Jörg Or tjohann TH-Köln, Professorin für Green Building Engineerin g – Frau Prof. Dr. Michaela Lambertz (stv. PG-Leitung) 31 4.5.4 Einordnung in den Gesamtzusammenhang Die Stadt Köln als Ballungszentrum und Metropole mi t z.T. altem Gebäudebestand und bestehenden Veedels-Strukturen, unterschiedlichsten Besitzverhältnissen und beschränkten Flächen für Neubauvorhaben befindet sich in einer S ituation, in der die Klimaneutralität der Gebäude nur beschränkt zentral geplant oder beeinfl usst werden kann. Für nachhaltige Sanierungen bestehen Anreize sowohl auf Bundes- und Landesebene als auch lokal mit dem städtischen Förderprogramm „Altbausanierung und Ene rgieeffizienz – klimafreundliches Wohnen“. Die Umsetzung von energetischer Sanierung, die vielfach ökologisch und ökonomisch effizient ist, kann von Eigentümer*innen , –gemeinschaften oder –gesellschaften und auch der Stadt Köln vorangetrieben werden. Hier bieten sich Kommunikation und Beratung zu nachhaltiger Stadtplanung und -entwickl ung, Sanierung und zu Fördermöglichkeiten an. 4.5.5 Beispiele/Maßnahmen Beispiel 1: EU Projekt Celsius (Abwärme aus Kanalisation und Abläufe aus Kläranlagen) 3 Schulen in Köln (Otto-Lilienthal-Realschule, Maxi milian-Kolbe-Gymnasium und Hölderlin- Gymnasium) nutzen seit 2014 Abwärme aus Abwasser, u m die Wärme- und Wasserversorgung zu decken (EU Projekt Celsius). Sowohl die Abwärme aus der Kanalisation als auch die Abläufe von Kläranlagen bieten großes Potential für den Wärmebedarf Kölns. Die strategische Energieplanung (KölnKlimaAktiv 2022) kann dies aufzeigen. Bisher gibt es noch keine Pilo tanlagen in Köln, die Abwärme aus Abläufen nutzt. 17 Beispiel 2: EU Projekt GrowSmarter Abbildung 8: Stegerwaldsiedlung - Projekt im Rahmen der 100 Klimaschutzsiedlungen NRW (Copyright: EnergieAgentur NRW) Im Zuge der Sanierung der Stegerwaldsiedlung (Bauja hr 50-er - 60-er Jahre) wirkte sich die Umstellung von Gasversorgung auf Fernwärme in Kombi nation mit PV und Luft-Wasser Wärmepumpen für die neuen Heizungsanlagen in den 16 sanierten Gebäuden erheblich auf 17 Weitere Informationen unter https://www.stadt-koeln.de/politik-und- verwaltung/internationales/europaarbeit/celsius-combined-efficient-large-scale-integrated- systems?schriftgroesse=gross und https://www.smartcity-cologne.de/index.php/celsius.html 32 die CO 2-Bilanz des Nachrüstungseingriffs aus. In Köln hat die Sanierung der Stegerwaldsiedlung im Zusammenhang mit dem EU Proje kt GrowSmarter 18 die gesamte Endenergie, die von der Nachbarschaft gekauft wurde, um 37% auf Jahresbasis reduziert, was einer Einsparung von 57% der CO 2-Emissionen entspricht. In absoluten Zahlen bedeutet diese Einsparung eine Vermeidung von 741 Tonnen CO 2-Ausstoß pro Jahr. Da Umweltwärme großes Potential bietet, könnte jedes energetisch sanierte Gebäude in Köln unter verschiedenen Voraussetzungen, wie z.B. ausre ichend Platz für den Einbau, Luft- Wasser Wärmepumpen nutzen. 19 Beispiel 3: Ganzheitliche Sanierung Abbildung 9: Köln-Riehl (Copyright: Ingenieurbüro Ortjohann, Köln ) Als Beispiel einer weiteren Sanierung wurden in Köln-Riehl 2001-2004 14 Mehrfamilienhäuser aus den Baujahren 1926 - 1928 saniert. Die Hälfte dieser Wohnungen wurde vorher noch mit Strom oder festen Brennstoffen beheizt. Im Zuge der Sanierung wurden, wie auch in der Stegerwaldsiedlung, neue Dachgeschosswohnungen erst ellt. Die Kombination aus energetischer Sanierung, Einbau von Gas-Zentralheiz ungen (Brennwerttechnik) mit Warmwasserbereitung und der Einbau von Solaranlagen brachten den Heizwärmebedarf von 175 kWh/m²a auf 47 kWh/m²a und die CO 2-Emissionen von ca. 50 kg/m²a auf 12 kg/m²a (2005). Die Wärmeverbrauchswerte waren um ca. 70% g esunken. Die durch die Wärmeerzeugung für Heizung und Warmwasser entstehen den CO 2-Emissionen wurden um ca. 75% gemindert. 20 Projekte wie Bsp. 2 & 3 zeigen das Potential von in tegrierter Betrachtungsweise und tragen zur Erhöhung der Sanierungsrate bei, welche für Köln erheblich gesteigert werden sollte. 18 Im Jahr 2014 wurde Köln erste deutsche Leuchtturmstadt im Horizon 2020 EU-Projekt GrowSmarter (2015-19). Hier wurden Smart-City-Lösungen in den Bereichen Ener gie, Infrastruktur und Verkehr umgesetzt und anderen Städten wertvolle Erkenntnisse darüber geliefert, wie die Lösungen in der Praxis funktionieren. Das Projek t umfasste drei Lighthouse-Städte, Stockholm, Köln und Barcelona, sowie fünf Follower-Städte, Valletta, Suceav a, Porto, Cork und Graz. 19 https://grow-smarter.eu/home/ 20 https://www.erbbauverein.de/assets/483 33 4.6 Projektgruppe Industrie Die PG Industrie thematisiert die Bereiche Strom-, Kälte- und Wärmeversorgung der Industrie in Köln. Außerdem beschäftigt sie sich mit Möglichk eiten der Energieeinsparung, Energieeffizienz, dem Ausbau der erneuerbaren Energien sowie mit Mobilitätsthemen. 4.6.1 Besonderheiten der Projektgruppe Die Industrie in Köln ist charakterisiert durch ihr e Vielfalt und den innovativen Branchenmix. Die Region Köln ist eine der größten und traditionsreichsten Industrieregionen in Deutschland. Zahlreiche Unternehmen aus den Teilbranchen Automobile, Chemie, Maschinenbau, Energie- und Umweltwirtschaft sind hier ansässig. Großunternehmen und hoch produktiver Mittelstand, diese Mischung macht die Stärke des Wirtschaftsstandortes aus. Das breite Spektrum international aufgestellter Kon zerne und weltweit erfolgreicher Mittelstandsunternehmen spiegelt sich auch in der P rojektgruppe und ihren Besonderheiten wider. Die Unternehmen der PG Mitglieder agieren ei genständig, wirtschaftlich, global und haben zum großen Teil eigene Roadmaps zur Erreichung ihrer individuellen Klimaschutzziele. Zudem sind sie teilweise bereits vom Europäischen E missionshandel (EU-ETS) erfasst. Die Projektgruppenmitglieder sehen sich als Botschafter eines notwendigen Wandels für Köln. Diese Ausgangslage stellt eine Besonderheit dieser Projektgruppe dar. Bei der Formulierung der Ziele für den Sektor Industrie orientierte sich die Projektgruppe auch an den Nachhaltigkeitszielen der Unternehmen der PG Mitglieder. Auf Basis der von den PG- Mitgliedern definierten Maßnahmen werden diese als Ziele zusammengefasst sowie Lücken identifiziert und Rahmenbedingungen definiert, die aus Sicht der PG zur Zielerreichung notwendig sind. Die Projektgruppe betrachtet bei ihrer Arbeit nicht nur die THG-Emissionen der Branchen und Unternehmen, sondern auch deren Produkte und ihren Beitrag zum Klimaschutz. Hierbei werden auch die vielfachen Schnittstellen zu andere n Projektgruppen wie beispielsweise mit den Projektgruppen Energie, Gebäude sowie Mobilität und Logistik deutlich. Zudem wird der Aufbau von lokalen Kooperationen und gemeinsamen Projekten entlang der Wertschöpfungs- und Lieferketten einer der wesentlichen Schwerpunkte sein. 4.6.2 Ziele und CO 2-Einsparung Die PG Industrie hat folgende Ziele bzw. Maßnahmen zur Zielerreichung formuliert: I. Energieeffizienz I.1. Kontinuierliche Verbesserung der spezifischen Energieeffizienz (bspw. gemäß ISO 50001, ISO 14001, etc.) II. Energiebezug II.1. Verstärkter Einsatz erneuerbarer Energien , zusätzlich zum lokalen Strommix (bspw. werkseigene PV-Anlage, PPA mit Offshore-Wind-Anbieter, Ökostrombezug) II.2. Investitionen in neue CO 2-arme Erzeugungstechnologien (bspw. Ersatz eines Öl- durch ein Gaskraftwerk, Umstellung der Wasserstoffe rzeugung auf Biogas bzw. Strom, Wasserstoffgewinnung durch Pyrolyse von Abfällen). II.3. Verstärkter Einsatz von CO 2-armen Wasserstoff als Energieträger II.4. Verknüpfung/enger Austausch mit PG Energie 34 III. Prozesse III.1. Reduzierung von Prozessemissionen durch Technologiewechsel (bspw. Elektrifizierung, Reduzierung Schweröleinsatze zu G unsten von Erdgas) oder Prozessoptimierung (Kalttest statt Hottest zur Kraftstoffreduktion). III.2. Investition in neue Prozesse zur Wasserstofferzeugung aus erneuerbaren Energien (bspw. Refhyne). III.3. Reduzierung der Transport-/ Logistikemissionen (bspw. von Straße auf Schiene/Rhein). III.4. Verknüpfung/enger Austausch mit PG Mobilität/Logistik IV. Kreislaufwirtschaft IV.1. Steigerung der Kohlenstoffproduktivität (bspw. Nutzung von Brennstoffen oder CO 2 als Einsatzprodukt für die Chemieproduktion). IV.2. Stärkung der Kreislaufwirtschaft (bspw. Verwendung von Umlaufverpackungen, Wassereinsparprogramme, Reduzierung der Fackeltätigkeit) IV.3. Gemeinsame Projekte / lokale Kooperation entlang der Wertschöpfungskette (bspw. chemisches Recycling) V. Produkte V.1. Entwicklung und Herstellung von innovativen und CO 2 reduzierenden Produkten (bspw. synthetische Kraftstoffe, Herstellung von Hy brid- und Elektrofahrzeugen, Entwicklung und Produktion alternativer Antriebe (E lektro und Wasserstoff), Dämmmaterial, effizientere Pumpen). V.2. Entwicklung von Mobilitätskonzepten VI. CO 2-Senken VI.1. Natürliche Senken sollen genutzt und aufgebaut werden. VI.2. Nutzung/Speicherung von CO 2 (bspw. in Produkten wie Weichschäumen) (CCUS). VII. Abgrenzung der CO 2-Emissionen Um eine Abschätzung über konkrete THG-Minderungsziele geben zu können, wird auch in der PG Industrie die für 2021 geplante externe wissenschaftliche Begleitung benötigt (vgl. Kapitel 5 ). Insbesondere im Hinblick auf die Bilanzierungsgrenzen gibt es Klärungsbedarf. Dies betrifft insbesondere: • Bilanzierung Sektor Energie : Für die zumeist energieintensiven Unternehmen ste llt der Energiebezug einen wichtigen Hebel zur Reduzierung von THG-Emissionen dar, insbesondere weil das Potential für weitere Effizie nzsteigerungen, bspw. in Produktionsprozessen, weitgehend ausgeschöpft ist o der Investitionen in neue Industrieprozesse (z.B. Elektrifizierung) zu einem zusätzlichen Strombedarf führen. Werden bspw. THG-Emissionsmindernde Strombezugsprojekte (bspw. PPA mit Offshore- Windpark) nicht bei der Bilanzierung im Industriese ktor berücksichtigt, ist der Beitrag der PG Industrie stark beschränkt. Daher zählen auch de r Bezug von Grünstrom oder die Energieträgerwahl (bspw. Wasserstoff) zu den Zielen der PG Industrie. • Bilanzierung Sektor Mobilität und Logistik: Wie werden logistikbedingte THG- Emissionsreduktionen, die durch die Unternehmen der PG Industrie initiiert und den entsprechenden Unternehmen Mehrkosten verursachen ( bspw. Investitionen in neue Flottenfahrzeuge, Anforderungen an Logistikunterneh men für THG-freie Anlieferungen) bilanziert? 35 • Räumliche Bilanzierung Betriebe: Die in der PG Industrie beteiligten Unternehmen betreiben Betriebe, die teilweise dem Stadtgebiet der Stadt Köln, teilweise Nachbarstädten zugeordnet sind. Maßnahmen, die in den Betrieben du rchgeführt werden, können nicht trennscharf dem Stadtgebiet zugeordnet werden, bzw. es besteht ein nicht messbarer Austausch zwischen den Stadtgebieten (z.B. Investit ion in einem Teil des Betriebs am Standort A, außerhalb der Stadt Köln, liefert CO 2-arme Energie/Produkte zu einem Teil des Betriebs, der der Stadt Köln angehört und umgekehrt). • Räumliche Bilanzierung innovative Produkte : Werden bspw. innovative Produkte, die in Betrieben auf dem Gebiet der Stadt Köln hergeste llt werden, positiv auf die THG- Minderungsbilanz der PG Industrie angerechnet, auch wenn sie außerhalb der Köllner Stadtgrenzen THG-Emissionen einsparen (bspw. synthe tische Kraftstoffe, Dämmmaterialien für Gebäude, CO 2-freie Verbrennungsmotoren, etc.)? Die in der PG Industrie beteiligten Unternehmen erf assen ihre Treibhausgasemissionen teilweise bereits heute, allerdings für Bilanzierun gsräume, die nicht den Stadtgrenzen der Stadt Köln entsprechen oder auf dieser umzurechnen sind. Um Abschätzungen über die Einsparpotentiale der festgelegten Maßnahmen treffe n zu können, ist eine aktuelle und einheitliche Datengrundlage notwendig. 4.6.3 Mitglieder der Projektgruppe Industrie Die PG Industrie setzt sich aus folgenden Mitgliedern zusammen: Covestro, Global Energy Excellence Manager - Herr Andreas Dörfer Deutz AG, Senior Vice President Quality, Safety, H ealth and Environment - Herr Bernd Flashar Energiewirtschaftliches Institut an der Universitä t zu Köln (EWI), Manager und Leiter Gasmärkte - Herr Dr. Simon Schulte (PG-Leitung) Ford-Werke-GmbH, Manager Environmental Quality Off ice - Herr Andreas Reiss Industrie- und Handelskammer (IHK) Köln, stv. Haup tgeschäftsführer, Geschäftsbereich Standortpolitik - Herr Dr. Ulrich Soénius KölnBusiness Wirtschaftsförderungs-GmbH, Leitmärkt e & Innovation - Herr Max Thien Lanxess, Political Relations Germany, Corporate Co mmunications - Frau Dr. Silke Jansen (stv. PG-Leitung) Leybold GmbH, General Manager, Product Company Col ogne – Herr Axel Guddas Shell Rheinland, Leiter Entwicklung und Technologi e der Rheinland Raffinerie - Herr Dr. Jörg Dehmel Stadt Köln, Dezernat V: Soziales, Umwelt, Gesundhe it und Wohnen, Koordinationsstelle Klimaschutz – Frau Dr. Minh-Chau Tran 4.6.4 Einordnung in den Gesamtzusammenhang Wirtschaftlicher Wandel und die Transformation der Industrie tragen beispielsweise durch Innovationen, Effizienzsteigerungen und Technologie n oftmals positiv zum Klimaschutz bei. Die Entwicklung und Vermarktung innovativer und kli maschonender Prozesse und Produkte, auch über die Stadtgrenzen Kölns hinaus, oder die S ubstitution von Geschäftsreisen durch Videokonferenzen sind nur einige Beispiele für den industriellen Wandel zu mehr Nachhaltigkeit. Köln als attraktive Metropole biete t das Potential als Standort für weitere moderne und kreative Unternehmen attraktiv zu sein, weil hier auch eine Lebensumgebung angeboten wird, die Gründer und Professionals solch er Unternehmen bevorzugen. Die 36 Anwesenheit von internationalen Benchmarks für Nach haltigkeit in der Region Köln kann zudem eine Sogwirkung entfalten. Die Ansiedlung von nachhaltiger Industrie kann zudem mit weiteren Anreizen versehen werden. Die Anwesenheit der Automobilindustrie in Köln kann angesichts der bevorstehenden Entwicklung und einer zu erwartenden Abkehr von einem auf fossilen Kraftstoffen basierenden Individualverkehr als Chance gesehen werden, die au ch die Ansiedlung für weitere Unternehmen mit Innovativen Verkehrslösungen attraktiv macht. 4.6.5 Beispiele/Maßnahmen Beispiel 1: Shell - Kraftwerksneubau in Köln-Godorf Wo auf dem Gelände des Shell Energy and Chemicals Parks Rheinland einst 70 Meter hohe Kühltürme von 1958 in den Himmel ragten, wird voraussichtlich Ende des Jahres 2021 ein neues Kraftwerk den Betrieb aufnehmen. Mit dem Bau und der Umstellung von Schweröl- auf Gasbefeuerung reduziert der Park die CO 2-Emissionen des Standorts um jährlich mehr als 100.000 Tonnen und damit 20 % der Kraftwerks-Emissionen. Für die Rohölverarbeitung, die chemischen Anlagen und zur Beheizung benötigt das Werk große Mengen an Dampf. Dieser muss in verschiedenen Druckstufen und Temperaturen verfügbar sein. Über mehrere Dampfturbinen wird außerdem Strom erzeugt , mit dem der Godorfer Werksteil versorgt werden kann. Eine externe Beschaffung solcher Mengen Dampf wäre unwirtschaftlich und mit großen Energieverlusten beim Transport verbunden. Eine entscheidende Verbesserung ist die Leistung der drei geplanten Gaskessel: Pro Kessel werden künftig 150 Tonnen Dampf pro Stunde erzeugt. Shell kann demnach mit weniger Energieeinsatz mehr Energie erzeugen als bisher. Durch den Wechsel von Öl- auf Gasbefeuerung werden die Emissionen drastisch sinken , während der Wirkungsgrad steigt. Künftig wird auch der Aufbau von Energieeffizienz- Netzwerken dazu beitragen, in den Anlagen Energie zu sparen und die Umweltbilanz weiter zu verbessern. Abbildung 10: Kraftwerksneubau zur Dampf und Energieerzeugung im Shell Energy and Chemicals Park Rheinland (Copyright: Shell) 37 Beispiel 2: Deutz AG – Umbau Beleuchtung im Montagewerk Im Zuge der kontinuierlichen Marktbeobachtung nach innovativen Technologien zur Energieeffizienzsteigerung wurde die Technologie der intelligenten LED-Technik fokussiert. Die neue Technologie soll das in P40/41(Montagewerk) vorliegende Konzept ersetzen: 408 konventionellen Hallenstrahler (HQI-Leuchten) vs. 408 LED Panels mit intelligenter Steuerung. Zusätzlich kann mit einer Verbesserung der Lichtqualität von 100 Lux im Durchschnitt gerechnet werden; vorliegende Anforderungen aus den Bereichen Arbeitssicherheit und Qualität können als Synergieeffekt erfüllt werden. Zu erwartende Einsparungen: Jährliche Stromeinsparung: 670 MWh/a Jährliche CO 2-Einsparung: 300 t/a Beispiel 3: Deutz AG – Installation einer Photovoltaikanlage Steigende Energiekosten und Klimaschutz sind Gründe für den Einsatz von erneuerbaren Energien auch in den DEUTZ AG Werken. Eine vielversprechende Technologie ist die Photovoltaik – die Umwandlung von Solarenergie in elektrischen Strom. Die Vorteile sind klar: wartungsarm, emissionslos und hohe Standzeiten von ca. 30 Jahren. Die DEUTZ AG hat alleine im Werk Porz ca. 14.000 m² freie Dachflächen, welche potenziell nutzbar für PV sind (mögliche installierbare PV-Leistung:~2.300 kWp, mögliche jährliche Stromerzeugung:~ 2 GWh/a). Aufgrund der großen freien Dachfläche und der Nähe zu möglichen Einspeisepunkten wurde das Gebäude P041 (Montagewerk) gewählt. Geplant ist zunächst eine PV-Anlage mit einer Leistung von 351 kWp, welche in Zukunft auch problemlos erweiterbar ist Einspeisepunkt: Trafostation 4 in Geb. P040 Zu erwartende Einsparungen: Jährliche Stromerzeugung: 310 MWh/a Jährliche CO 2-Einsparung: 140 t/a 38 4.7 Projektgruppe Mobilität und Logistik Die Projektgruppe Mobilität und Logistik beschäftig t sich mit den verschiedenen Mobilitätsformen, wie ÖPNV, MIV, Rad- und Fußverkeh r, Flugverkehr sowie vernetzter Mobilität. 4.7.1 Besonderheiten der Projektgruppe Der Mobilitätsbereich steht vor einer Vielzahl von großen Herausforderungen, nicht nur in einer wachsenden Großstadt wie Köln. Verschiedene Bedürfnisse, Strategien und Schwerpunkte für die nächsten Jahre festzulegen gehört zu den zentra len und zugleich herausfordernden Aufgaben. Strategien und Konzepte (wie Köln mobil 2 025 und der GreenCityMasterplan) werden entwickelt und Maßnahmen umgesetzt, um die Mobilität in Köln zukunftsfähig, sicher und klimafreundlich zu gestalten. Bestehende Strategiedokumente im Bereich Mobilität waren auch der Grundstein für die von der Projektgruppe Mobilität und Logistik formuliert en Ziele. Durch Priorisierung und Konkretisierung von Maßnahmen und bestehenden Ziels etzungen entstanden die folgenden Zielformulierungen. Die PG ist sich darüber einig, dass alle benannten Ziele wichtig sind und umgesetzt werden müssen. Sie empfiehlt zudem, dass eine Priorisierun g nicht ausschließlich anhand der Klimaschutz-Bedeutung in Tonnen THG-Einsparung erfolgen sollte. Vielmehr ist eine zeitliche Priorisierung („Welche Maßnahmen müssen heute anges toßen werden?“) notwendig. Eine ausgewogene Mischung aus push & pull-Maßnahmen unte r Aufrechterhaltung der Mobilität wird als Schlüssel gesehen. Hierbei wird aufgrund d er vielfältigen Schnittstellen auch eine Abstimmung mit anderen Projektgruppen, wie den PGn Energie, Industrie und Gebäude, erfolgen. 4.7.2 Ziele und CO 2-Einsparung I. Allgemeine Maßnahmen I.1. Weiterentwicklung des Modal Splits zugunsten des Umweltverbundes. Dabei soll der Anteil des Umweltverbundes bis 2030 70% und 2040 mindestens 75% betragen. I.2. Die Umsetzung der Maßnahmen des Green City Masterplan s (GCM) soll 2030 abgeschlossen sein I.3. Mittels einer Kommunikationsstrategie und deren kontinuierlicher Umsetzung soll die Mobilitätswende schrittweise umgesetzt werden. Der Entwurf eines Zukunftsbilds manifestiert die gewünschte Veränderung, wie beispielsweise das vom Zukunftsnetz Mobilität NRW formulierte Zukunftsbild. I.4. Als Teil der integrierten Verkehrsplanung (Betrachtung innerhalb des Sustainable Urban Mobility Plans (SUMP)) sollen bis 2030 allgem eine Maßnahmen abgeschlossen sein. Ein kontinuierliches zielgruppe n- und standortbezogenes Mobilitätsmanagement soll als kommunale Aufgabe ins titutionalisiert werden. Dabei soll viel Mobilität mit wenig Verkehr realisiert we rden. Auch das Betriebliche Mobilitätsmanagement wird in den Unternehmen der Stadt implementiert. I.5. Der Ausbau von Mobilstationen soll vorangetrieben werden und gemäß dem NVR-Konzept bis 2030 rund 100 Mobilstationen und einzelne Quartiersmobilstationen umfassen. Bis 2040 soll ein flächenhaftes System an Mobilstationen realisiert sein. I.6. Regionale Kooperationen werden intensiviert. Die bisherige Zusammenarbeit im Rahmen des regionalen Mobilitätsmanagements über de n NVR / das Zukunftsnetz Mobilität NRW gilt es zu stärken. 39 I.7. Einsatz von emissionsarmen Baumaschinen per Ve rgabeverfahren. Bis 2030 ist hierfür ein Förderinstrument fest etabliert. II. ÖPNV: II.1. Die beschleunigte Umsetzung und Fortschreibung der ÖPNV-Roadmap ist bis 2030 abgeschlossen. II.2. Erweiterung des ÖPNV-Ausbau in Gewerbegebieten . Ein starkes ÖPNV-Angebot umfasst insbesondere auch die Gewerbe- und Industri egebiete, da mehr als 20 Prozent aller Wege Pendelverkehre sind und insbeson dere bei Einpendelnden der MIV-Anteil noch überdurchschnittlich hoch ist. Mögliche Teilmaßnahmen sind: II.2.1. Binnen-ÖPNV in größeren Gewerbegebieten (id ealerweise automatisiert) verbessern II.2.2. „Überbetriebliches Mobilitätsmanagement“ fördern II.2.3. Weitere Einbeziehung privater Dienstleister in den ÖPNV (Carsharing, Bikesharing, OnDemand, …) II.3. Die Jobticket-Konditionen werden verbessert u nd bis 2030 auch für geringere Abnahmequoten zugänglich gemacht. II.4. Förderung von EcoTaxis, so dass der Anteil 20 30 rund 70% und 2040 dann 100% beträgt. (Eine Zertifizierung der Taxis als EcoTaxis ist durch den ADAC möglich. III. Radverkehr: III.1. Die Umsetzung der Radverkehrskonzepte in den Bezirken ist 2030 abgeschlossen III.2. Ausbau der Radwege in den Gewerbegebieten IV. Fußverkehr: IV.1. Stärkung des Fußverkehrs bspw. durch Barriere freiheit auf Gehwegen. IV.2. Ausbau der Fußgängerwege in den Gewerbegebiet en. Auch für eine Anbindung an den ÖPNV. V. Motorisierter Individualverkehr: V.1. Steigerung der Anzahl von E-Fahrzeugen (auch Brenns toffzelle). Wenn angestrebt werden soll, die in zahlreichen Studien 21 geforderte, hohe Elektrifizierungsquote zu erreichen, müssten regulative Maßnahmen ergriffen w erden, für die bislang die gesetzliche Grundlage fehlt (z. B. ab 2025 keine Zulassung mehr von Fahrzeugen mit mehr als 95 g CO 2 pro km. Ab 2030 nur noch Zulassung emissionsfreier Fahrzeuge). Für das Handwerk gelten folgende Ziele: Fahrzeugklasse: Anteil der Verbrenner bis 2030 Anteil der Verbrenner bis 2040 Pkw 75 % 25 % Nfz bis 2,8 t 80 % 60 % Nfz 2,8-3,5 t 90 % 85 % Nfz > 3,5 t 100 % 98 % V.2. Ausbau der E-Ladeinfrastruktur bis 2030 auf 3.200 L adepunkte und bis 2040 auf 12.800 Ladepunkte (entsprechend der Empfehlung aus bundesweiten Studien). 21 Vgl. z.B. Prognos, Öko-Institut, Wuppertal-Institut (2020): Klimaneutrales Deutschland. Studie im Auftrag von Agora Energiewende, Agora Verkehrswende und Stiftung Klimaneutralität S.12. 40 V.3. Preissteigerung im Parkraummanagement mit Kopp elung an Inflation und ÖPNV- Ticketpreis V.4. Im Rahmen des Parkraummanagements soll die Anz ahl von Quartiersgaragen in Neubaugebieten gesteigert werden V.5. Im Rahmen des Parkraummanagements soll eine jä hrliche Reduktion der PKW- Stellplätze im öffentlichen Raum um 5% und bis 2030 verpflichtend erreicht werden. V.6. Im Rahmen des Parkraummanagements soll die För derung von Smart Parking bis 2030 auf das gesamte Stadtgebiet ausgeweitet werden , um Parksuchverkehr zu vermeiden. V.7. Im Rahmen des Parkraummanagements Errichtung e ines Mobilitäts-Hubs auf den Parkflächen der Koelnmesse zur Nutzung außerhalb de r Messezeiten. Ziel ist die Entlastung des innerstädtischen Verkehrs für Berufspendelnde und Besuchende der Stadt Köln. Bis 2030 sollen ca. 5.000 Stellplätze z ur Verfügung gestellt werden. Zudem soll ein Logistik-Hub mit Anbindung umweltfre undlicher Verkehrsmittel Richtung Innenstadt entstehen V.8. Bis 2030 sollen in einem Modellversuch „Verkehrsspa rende Raumstrukturen / Einrichtung von Superblocks“ auf dem Weg zur autoarmen Innenstadt möglichst inkl. Anbindung an die Ost-West-Achse für den MIV am Neum arkt erprobt werden. Bis 2040 sollen weitere einzelne Superblocks umgesetzt werden. VI. Szenarienuntersuchung (Explorative Studien) VI.1. Das Szenario „ Flächendeckend Tempo 30 als Höchstgeschwindigkeit “ bis 2030 wird für das gesamte Stadtgebiet untersucht. VI.2. Die Umverteilung des Straßenraums bei allen Straßen mit zwei MIV-Spuren pro Richtung soll untersucht werden. Ziel wäre eine Fah rspur für den MIV sowie eine Fahrspur für die Verkehrsmittel des Umweltverbundes bereitzustellen. VI.3. Untersuchung für die Einführung einer City-Maut, um bis 2030 eine autoarme Innenstadt (Ausnahmen für Busse, Taxis, Geschäfts-, Liefer- und Baustellenverkehr) zu erhalten. Bis 2040 sollte die City-Maut auf das gesamte Stadtgebiet ausgeweitet werden. Aus einer City-Maut generiete Einnahmen können beispielsweise dem Ausbau der Nahmobilität und des ÖPNV zur Verfügung gestellt werden. VI.4. Untersuchung über die Konsequenzen eines Verzichts auf bereits geplante Verkehrsinfrastrukturvorhaben : - Kein Ausbau der Kreuzung Luxemburger Straße / Militärring - Kein Bau der im Kölner Süden geplanten Rheinquerung (A555/A59) VII. Logistik VII.1. Betrieb von Speditions-LKWs und Flurförderfahrzeugen auf Kölner Stadtgebiet auf der Basis (grünen) Wasserstoffs. Bis 2030 Betrieb von 20 LKWs und zwölf Flurförderfahrzeugen (sog. Reachstac ker) in Kölner Häfen. Bis 2040 Betrieb von 100 LKWs und 14 Flurförderfahrzeug en (sog. Reachstacker) in Kölner Häfen (Annahme: Wachstum um zwei weitere Rea chstacker wird durch Ausweitung der Terminalflächen in Köln ermöglicht.) VII.2. 100% Umrüstung der Staplerflotte des Logistikpartners der Kölnmesse auf Brennstoffzellen/Wasserstoff-Antrieb bis 2030, sukz essive Umrüstung von 80% der Staplerflotte bis ca. 2025. 41 VII.3. Betrieb von fünf innerstädtischen Güterverteilzentren (sog. City Hub s ) bis 2030 und von 20 City Hubs bis 2040. Um das ambition ierte Ziel zu erreichen, müssen Fördermittel für den Aufbau der ersten Verteilzentren bereitgestellt sowie die Verfügbarkeit entsprechender Flächen in Köln sichergestellt werden. Bei nicht gegebener wirtschaftlicher Tragfähigkeit eines City Hubs ist ein Verlustausgleich zwingend notwendig (bei gleichzeitig angenommener R eduktion von CO 2 und Verkehrsstaus). VII.4. Einrichtung eines Logistik-Hubs über den Logistikpartner der Kölnmesse. Bis 2030 Abwicklung von 90% der teilbeladenen LKW über Köln-Niehl und Einsatz wasserstoffbetriebener LKWs zur Anlieferung der Koe lnmesse. Abwicklung der teilbeladenen LKW-Anlieferungen für Messen über den Logistik-Hub. Dortige Umladung zur Reduzierung der Fahrten zur Koelnmesse . Perspektivisch: Anlieferung dieser umgeladenen Güter über Wassersto ff- /Brennstoffzellenbetriebene LKW. VII.5. Ausbau von 20 Mikro-Hubs bis 2030 und 40 Mikro-Hubs bis 2040. Anbieterneutrale Mikrohubs mit 2 – 3 km Auslieferra dius für die verschiedenen Marktteilnehmer der KEP-Branche VII.6. Weitere Verlagerung von Container- und Trailertransporten v on der Straße auf die Schiene. Um das Ziel zu erreichen, müssen Flächen zum Aufba u entsprechender Terminals zum Warenumschlag und der Verlagerung von der Straße auf die Schiene bereitgestellt werden. Außer dem ist eine politische Unterstützung im Hinblick auf die Genehmigung solch er Umschlag-Terminals unverzichtbar. VII.7. Verbesserung der Nutzbarkeit von Lade- und Lieferzonen (orientiert am tatsächlichen Bedarf der Unternehmen). Bis 2025: er ste Umsetzung aus Ladezonen-Konzept. VII.8. Lösungen für Stückguttransporte entwickeln. Bis 2025 Schaffung der Datengrundlage, um abschätzen zu können, welche War enströme derzeit durch die Stadt Köln verlaufen, um auf dieser Grundlage e inen strukturierten Ansatz entwickeln zu können und bis 2030 ein Pilotprojekt umzusetzen. Ziel ist eine ordnungspolitisch sauber aufgestellte Lösung ohne z wangsweise Eingriffe in den Markt. VIII. CO 2-Einsparung Eine Quantifizierung des Klimaschutzbeitrages unter Abschätzung der THG-Emissionen ist beim überwiegenden Teil der (tlw. kleinteiligen) Zi ele und Maßnahmen derzeit nicht seriös darstellbar. Das Mobilitätsverhalten ist eine schwe r abschätzbare Größe. Daher soll die Berechnung der THG-Einsparung von einem qualifizierten Fachbüro übernommen werden. 4.7.3 Mitglieder der Projektgruppe Mobilität und Lo gistik Die PG Mobilität und Logistik setzt sich aus den folgenden Mitgliedern zusammen: ADAC Nordrhein e.V., Leiter des Fachbereichs Verke hr und Umwelt – Herr Prof. Dr. Roman Suthold (stv. PG-Leitung) Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club (ADFC) e.V. – H err Christoph Schmidt Häfen und Güterverkehr Köln (HGK) AG – Herr Kai F elix Gülden Handwerkskammer (HWK) – Herr Ulrich Fesser Industrie- und Handelskammer (IHK) – Herr Frederik Hupperts Kölnmesse GmbH – Herr Dr. Georg Klumpe 42 Nahverkehr Rheinland (NVR), Mobilitätsmanagement – Herr Theo Jansen Stadt Köln, Amt für Straßen- und Verkehrsentwicklu ng – Herr Christian Dörkes Stadt Köln, Amt für Verkehrsmanagement – Herr Patr ic Stieler Stadt Köln, Beigeordnete für Mobilität und Liegens chaften – Frau Andrea Blome (PG- Leitung) ver.di - Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft, Bez irksgeschäftsführer – Herr Daniel Kolle Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) e.V. – Herr Raimund Jünger Verkehrsclub Deutschland (VCD) e.V. – Herr Ralph H erbertz 4.7.4 Einordnung in den Gesamtzusammenhang International ist vom bevorstehenden Ende des kohle nstoffbasierten motorisierten Individualverkehrs auszugehen. Technologisch bedeut et die Verlagerung des motorisierten Individualverkehrs von Verbrennungs- auf Elektromot oren eine Verschiebung der THG- Problematik vom Verkehr auf die Energieerzeugung. G leichzeitig zeigt der internationale Vergleich die Möglichkeiten auf, die Städte im Hinblick auf eine Verkehrswende haben. In den Niederlanden ist die Verkehrswende schon in den 80e r Jahren eingeleitet worden, was auch zu einer Vergrößerung der Lebensräume von Individue n beigetragen hat. Kopenhagen und Oslo sind weit vorangeschritten mit Ihren Zielen, den Anteil der Verbrennungsmotoren in den Stadtgebieten zu reduzieren und Paris strebt einen Stadt-Strukturwandel an, in dem Menschen Mobilität und Raum gegeben wird. Köln bietet im int ernationalen Vergleich klimatisch und geografisch gute Möglichkeiten, Menschen Mobilität ohne Automobile zu geben. Köln ist flach, kompakt, klimatisch mild und relativ niederschlagsa rm, was gute Voraussetzungen für nicht- motorisierten Individualverkehr bietet. Die Veedels struktur verstärkt die Möglichkeiten der klimaneutralen Mobilität. 4.7.5 Beispiele/Maßnahmen Superblocks Die „Superblocks“ zeichnen sich dadurch aus, dass Bewohner*innen nicht mehr als 250 Meter zum nächsten ÖPNV-Haltepunkt laufen müssen. Innerha lb eines zu einem „Superblock“ zusammengefassten Gebiets soll der MIV durch verkeh rsberuhigende Maßnahmen (modale Filter, Einbahnstraßen, Wegnahme von öffentlichen P arkplätzen etc.) zugunsten der Nahmobilität benachteiligt werden. Planungsgrundsatz ist zudem die „Stadt der kurzen Wege“ mit nutzungsgemischten und kompakten Standortstrukt uren auf kommunaler und regionaler Ebene, „15-Minuten-Stadt“ nach Pariser Vorbild. Die „15-Minuten-Stadt“ nimmt die Bewohner*innen einer Stadt als den Ausgangspunkt der Planung. Diese sollen innerhalb von 15 Minuten zu Fuß oder mit dem Rad sämtliche alltäg lichen Wegeziele (Arbeit, Einkauf und sonstige Daseinsvorsorge, Freizeit, Bildung etc.) erreichen. 43 4.8 Projektgruppe Kommunikation und Partizipation Die Projektgruppe Kommunikation und Partizipation arbeitet als Querschnittsprojektgruppe übergreifend für den Klimarat und die Projektgruppen zu allen Themen der Öffentlichkeitsarbeit und Teilhabe. Besonderheit der Projektgruppe Klimaschutz betrifft jeden! Jeder ist betroffen und gefordert, weshalb gemeinsames Handeln gefragt ist. Daher ist Öffentlichkeitsarbeit und Be teiligung eine zentrale Aufgabe im Klimaschutz. Um Veränderungen zu erreichen und Akte ure zu aktivieren, müssen Ideen, Strategien, Projekte, Förderprogramme und alle weit eren Aktivitäten gut vermittelt werden. Auch die Beteiligung verschiedener Akteure und der engagierten Bevölkerung trägt maßgeblich zum Gelingen bei. Die Projektgruppe ist in der strategischen Planung der Kommunikation und Partizipation tätig. Sie erstellt hierzu eine Kommunikationsstrategie, entwickelt Ideen, berät und unterstützt. Zur Arbeit der Projektgruppe gehört auch die Erarbeitun g und Gestaltung einer attraktiven Markenidee, die Identifikationspotential stiftet, u m möglichst viele Akteure und Player hinter den Kölner Klimazielen zu versammeln und Selbstverpflichtungen zu substanziellen Beiträgen einzugehen. Die Projektgruppe spricht zu Fragen der Kommunikation Empfehlungen aus, über die der Klimarat berät und entscheidet. Ziel ist es, die Akteure und die Bevölkerung über die Ergebnisse und Aktivitäten des Klimarates und seiner Projektgruppen zu informieren und zur aktiven Teilnahme zu motivieren. Durch die Entwicklung von Beteiligungsformaten soll zudem der Austausch der Interessengruppen, Unternehmen und der Stadtgesellschaft unterstützt werden. 4.8.1 Mitglieder der Projektgruppe Kommunikation un d Partizipation Die Projektgruppe Kommunikation und Partizipation besteht aus folgenden Mitgliedern: • Allerweltshaus Köln/Agora Köln – Frau Sabrina Cali • Deutsches Luft- und Raumfahrtzentrum e.V., Abteilungsleitung Politikbeziehungen und Kommunikation - Herr Nils Birschmann • Energieagentur NRW GmbH, Klimanetzwerker - Herr J eff Roy Liem • Festkomitee Kölner Karneval von 1823 e.V. - Frau C hristine Flock • Industrie- und Handelskammer Köln, Leiterin Kommun ikation und Veranstaltungen, Pressesprecherin - Frau Dr. Susanne Hartmann • Kölner Verkehrs-Betriebe AG (KVB), Mediensprecher, Koordination Nachhaltigkeit - Herr Stephan Anemüller • RheinEnergie AG, Leiter der Unternehmenskommunikat ion - Herr Frank Bender • Stadt Köln, Dezernat V, Koordinationsstelle Klimas chutz – Frau Renate Kaiser • Stadt Köln, Dezernat. V Soziales, Umwelt, Gesundhe it und Wohnen, Kommunikationsbeauftragte – Frau Tina Schilp • Stadt Köln, Leiter des Amtes der Oberbürgermeister in - Herr William Wolfgramm • Stadt Köln, Leiter des Amtes für Presse- und Öffen tlichkeitsarbeit - Herr Alexander Vogel • Stadt Köln, Leiter des Referates Strategische Steu erung - Herr Dr. Rainer Heinz 44 5 Ausblick Nun kann die Reise losgehen. In sichtbarer Entfernung liegen die in den vorangeg angenen Kapiteln beschriebenen Etappenziele. Sie sind nach allgemeinem wissenschaf tlichem Kenntnisstand machbar und erreichbar, auch wenn sie manchem heute vielleicht noch utopisch erscheinen mögen. Jedoch verlangt das Streben nach einer klimaneutralen Welt , nach einem klimaneutralen Köln, dass wir mit Entschlossenheit noch kühnere Ziele ins Aug e fassen. Nur so kann es gelingen, das für das Ökosystem gerade noch verkraftbare, von der internationalen Staatengemeinschaft in Paris beschlossene Ziel, die Erderwärmung deutlich unter 2°C zu halten, und weitere Anstrengungen zu unternehmen, um den Temperaturanstieg auf 1,5°C zu begrenzen. Abbildung 11: Köln im Vergleich der Ambitionsniveaus der THG-Einsparziele (Anmerkung: Landwirtschaft & Abfall wurden in der THG-Bilanz 2015 nicht erfasst) 22 Die Europäische Union definiert mit dem „Europäisch en Grünen Deal“ erstmals eine Zielsetzung, die mit dem Pariser Ziel kompatibel ist. Dass der Aufstieg zu diesem Ziel bedeutet, einen noch steileren, anstrengenderen Berg zu bewäl tigen, zeigt Abbildung 11. Im Vergleich mit dem Bundesdurchschnitt ist zu sehen, dass Köln derzeit von einem relativ hohen Emissions-Niveau kommt. Es ist aber auch zu erkenne n, dass mit der Einigung der Akteure auf die in dieser Dokumentation beschriebenen Zielg rößen bereits ein Bekenntnis zu einer erheblichen Trendwende stattgefunden hat. Die Studie „Klimaneutrales Deutschland“ zeichnet nach, was die Zielerreichung der Klimaneutralität bedeuten würde: „Das als Teil des European Green Deal angepasste d eutsche 2030-Klimaziel von minus 65 Prozent Treibhausgase bedeutet eine deutli che Beschleunigung der Energie-, Ve rkehrs - und Wärmewende. Dazu gehören bis 2030 der vollständige Kohleausstieg, ein Erneuerbaren-Anteil am Strom von etwa 70 Prozent, 14 Millionen 22 Eigene Darstellung nach Prognos, Öko-Institut, Wuppertal-Institut (2020): Klimaneutrales Deutschland. Studie im Auftrag von Agora Energiewende, Agora Verkehrswende und Stiftung Klimaneutralität ; Umweltbundesamt (2020): Treibhausgasminderungsziele Deutschlands; Wuppertal Institut (2020): CO 2-neutral bis 2035: Eckpunkte eines deutschen Beitrags zur Einhaltung der 1,5-°C-Grenze 45 Elektroautos, 6 Millionen Wärmepumpen, eine Erhöhun g der Sanierungsrate um mindestens 50 Prozent sowie die Nutzung von gut 60 TWh sauberen Wasserstoffs.“ 23 Wie dies genau für Köln aussieht, dafür wird in 2021 mit einer Neuaufstellung der THG-Bilanz für Köln und der Entwicklung eines Monitorings eine Datengrundlage geschaffen. Mit wissenschaftlicher Unterstützung werden der Klimara t Köln und seine Projektgruppen im Folgenden Maßnahmen entwickeln, die Schritt für Sch ritt, aber sehr konsequent auf das Ziel eines klimaneutralen Kölns hinarbeiten. Jede Maßnah me wird eine andere Geschichte schreiben, von Menschen, Erfolgen, Lernerfahrungen. Auf dem Weg werden wir staunen, über den technischen und gesellschaftlichen Wandel, manc hmal werden wir inne halten, zurückblicken, unsere Reiseroute neu justieren. Gehen wir los! 23 Prognos, Öko-Institut, Wuppertal-Institut (2020): Klimaneutrales Deutschland. Studie im Auftrag von Agora Energiewende, Agora Verkehrswende und Stiftung Klimaneutralität, S. 3.
Beratungsverlauf
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22.04.2021
Ausschuss Klima, Umwelt und Grün
TOP 3.1, Kenntnisnahme (Mitteilung). Ergebnis: Kenntnis genommen
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