A-R/0044/2021
Nahverkehr günstiger machen
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a-r-0043-2021-Grüne-SPD-Volt-Nahverkehr günstiger machen_FINAL
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Antrag an den Rat Nr.: A-R/0044/2021
Nahverkehr günstiger machen
- Ratsantrag zur sofortigen Beschlussfassung -
Der Rat der Stadt Münster möge beschließen:
1. Der Rat nimmt zur Kenntnis, dass eine Verkehrswende in Münster neben der
Stärkung von Rad - und Fußverkehr auch eine gesteigerte Attraktivität des
ÖPNV gegenüber dem Auto benötigt. Daher wird angeregt , die bisherige
Subventionierung des MIV, insbesond ere durch kostenloses und
kostenreduziertes Parken, zurückzuführen und die freiwerdenden Mittel dem
ÖPNV zugutekommen zu lassen.
2. Vor diesem Hintergrund werden die Stadtwerke und die Verwaltung beauftragt,
für die Zeit nach der Krise ein Konzept zur Zurück - und Neugewinnung von
Kund*innen - insbesondere im Abo-Segment - zu erarbeiten. Darin einbezogen
werden sollten ein Ausbau des Angebots sowie eine vereinfachte und
vergünstigte Ticket -Struktur, die auch ein attraktiveres Angebot für
Pendler*innen aus dem Münsterland macht.
3. Der Rat der Stadt Münster beauftragt die Verwaltung, die Einführung eines 365
Euro-Tickets für den ÖPNV (Münster -Modell) zum 01.08.2022 zu prüfen. Von
diesem neuen Modell sollen alle Abonnent*innen, einschließlich
Berufspendler*innen, Schüler*innen und Auszubildende, profitieren und eine
monatliche und/oder saisonale Bezahlung soll ermöglicht werden.
Entsprechende Regelungen sollen auch für MünsterPass-Inhaber*innen gelten.
4. Auch Gelegenheits -Nutzer*innen sollen von günstigen Tarifen profitieren
können, indem auf eine Tarifanpassung verzichtet wird. Darüber hinaus wird
eine Senkung der im städtischen Tarif gültigen Tickets (s. 90MinutenTicket,
Kurzstrecke) auf 1 Euro pro Ticket geprüft. Diese Tarife sollen auch in das
geplante E-Ticket-System des Landes integriert werden.
5. Verwaltung und Stadtwerke prüfen die finanziellen Auswirkung en der
Ticketmaßnahmen und stellen bis zum 3. Quartal 2021 (in Vorbereitung zu den
Haushaltsberatungen 2022) Finanzierungsmodelle vor, um die ÖPNV -
Finanzierung in Münster grundsätzlich neu zu strukturieren und die genannten
11.05.2021
Tarifmaßnahmen sowie einen weite ren Angebotsausbau zu finanzieren.
Langfristige negative Auswirkungen für die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit
der Stadtwerke Münster sowie eine weitere Belastung für den städtischen
Haushalt neben den bisherigen Zuschüssen sind nach Möglichkeit zu
vermeiden. Die neue Finanzierung soll daher über die Etablierung einer
sogenannten dritten Säule neben Ticketeinnahmen und Zuschüssen erfolgen.
Ein Teil davon ist Kostenwahrheit beim Autoverkehr, zum Beispiel eine
sogenannte Klimapauschale für das Parken, insbe sondere für
Gelegenheitsparker*innen, aber auch durch die Erhebung von Gebühren beim
Anwohnerparken. Hierzu sollen auch Gespräche mit dem Land aufgenommen
werden, um rechtliche Möglichkeiten auszuloten. Spätestens zu den
Haushaltsberatungen soll dazu ein Sachstand vorgelegt werden.
6. Verwaltung und Stadtwerke werden zudem beauftragt, zu prüfen, wie eine
Steigerung der Nachfrage für ÖPNV -Abonnements über die Attraktivität eines
Tickets hinaus erzielt werden kann. Dazu gehören z. B. Werbemaßnahmen bei
Nutzer*innen, Unternehmen, Einrichtungen des Gesundheitswesens,
Kooperationen mit Kultur -, Sport - und Bildungseinrichtungen, ein
Nahverkehrspaket für Neubürger*innen, etc..
7. Die Verwaltung prüft weiterhin die Anwerbung von Fördermitteln des Bundes
und Landes.
Begründung:
Die Stärkung des öffentlichen Personennahverkehrs ist wesentlicher Bestandteil
der Verkehrswende und der ÖPNV bildet als urbanes Massentransportmittel das
Rückgrat bei der angestrebten Verkehrswende der Stadt Münster. Bedingt durch
die Corona-Pandemie sind Fahrgast- und Abonnent*innen-Zahlen im ÖPNV stark
eingebrochen. Auch wird sich nach der Pandemie das Arbeits - und
Mobilitätsverhalten insgesamt weiter verändern.
Der Verkehr in der Stadt spielt auch bei der Umsetzung der ehrgeizigen und
notwendigen Klimaschutzziele eine besondere Rolle. Ziel muss es sein, mehr
Anreize zum Umstieg vom PKW auf den ÖPNV und auf das Rad zu schaffen.
Neben einer Beschleunigung des Busverkehrs bedarf es insbesondere auch
finanzieller Anreize zum Umstieg auf den ÖPNV. Dafür wollen wir Geld in die Hand
nehmen.
Als ein wichtiger Faktor zur Erhöhung der Attraktivität des ÖPNV soll ein
vergünstigtes Jahresabonnement eingeführt und auch die übrigen Tarifangebote
der Stadtwerke Münster signifikant vereinfacht werden. Das neue MünsterAbo soll
im Vergleich zum gegenwärtigen Abosegment deutlich günstiger werden und keine
Zeitgrenze beinhalten. Alle Abos mit Zeitgrenzen (8 Uhr/9 Uhr und 60plusAbo)
sollen in das neue unbegrenzte Angebot überführt werden. Ferner sollen die im
heutigen Tarifportfolio existierenden Zusatznutzen harmonisiert werden, so dass
die bestehende Tariflandschaft deutlich vereinfacht wird. Den Münsteraner
Bürger*innen wird dadurch der Umstieg vom Pkw auf den ÖPNV erleichtert, da die
neue Einfachheit im Tarif und der günstige Preis Zugangshemmnisse abbauen.
Neben dem neuen MünsterAbo für alle soll es zusätzlich rabattierte Abos für
Schüler*innen und Auszubildende geben, die sich nach den heutigen
Preisabständen zum regulären Tarif richten. Außerdem sollen Münster -Pass-
Inhaber*innen weiterhin vergünstigte Abos angeboten werden. Eine, u nter
genannten Vorgaben, mögliche Preisgestaltung für das neue MünsterAbo -Modell
sollte sich in etwa an einem Preis von 365 Euro orientieren und von den
Stadtwerken kalkuliert und vorgeschlagen werden. Daneben ist ein attraktives
Angebot für Pendler*innen genauso relevant, dies sollte zusammen mit den
Tarifpartnern im Westfalentarif erarbeitet werden. Dies wurde auch schon in der
Vergangenheit beantragt und es wird auch in den Verkehrsverbänden diskutiert,
diese Bestrebungen sollen hier nochmal befürwortet und bestärkt werden.
Mit Einführung des vergünstigten Abos sollen auch alle anderen Ticketpreise stabil
bleiben. Jährliche Preiserhöhungen der ÖPNV -Tickets stehen der angestrebten
Verkehrswende unverkennbar entgegen. Auch für das sogenannte Semesterticket
soll eine Lösung geprüft werden, die zumindest für den Anteil der Stadtwerke
Münster ohne Tariferhöhungen auskommt.
Die derzeitige Finanzierung des ÖPNV in Münster ist bereits heute stark gefährdet
und führt innerhalb der gegenwärtigen Rahmenbedingungen mittelfristig zu einem
Attraktivitätsverlust des öffentlichen Verkehrs. Durch das neue rabattierte
MünsterAbo entstehen zusätzliche Mindereinnahmen, die ausgeglichen werden
müssen. Zum Ausgleich dieses Defizites existieren in Deutschland aktuell jedoch
kaum ergänzende Finanzierungsmodelle, wie sie zum Beispiel die Finanzierung
des ÖPNV in Wien sichern. Für eine Umsetzung der angestrebten
Mobilitätsstrategie, die einen deutlichen Ausbau des ÖPNV vorsieht, muss die
ÖPNV-Finanzierung in Münster zwingend neu st rukturiert und durch die Stadt
langfristig abgesichert werden. Um den hierbei schon erheblich beanspruchten
städtischen Haushalt nicht weiter zu belasten, müssen auch neue
(beihilferechtskonforme) Finanzierungs - sowie Fördermöglichkeiten geprüft und
umgesetzt werden. Außerdem muss es endlich Kostenwahrheit auch beim Auto
geben und die Parkpreise entsprechend angepasst werden, wie es in vielen
europäischen Städten passiert.
Durch ein neues, attraktives Abo in Kombination mit einer Angebotsausweitung
sowie Infrastrukturverbesserung für den ÖPNV sollen langfristig Fahrten vom Pkw
auf den ÖPNV verlagert und die Fahrgastzahl in Bus und Bahn erhöht werden. Die
Stadtwerke Münster müssen hierfür prüfen, welche Maßnahmen im Bereich des
Angebots- und Kapazitätsausbau s zukünftig nötig sind, um der steigenden
Fahrgastnachfrage gerecht zu werden und neben dem neuen attraktiven Tarif,
auch ein qualitativ hochwertiges Angebot zu gewährleisten. Die Stadtverwaltung
muss parallel dazu einen Infrastrukturausbau sowie die Busbe schleunigung (inkl.
der beantragten Busspuren) vorantreiben, um die steigenden Kapazitäten ohne
Zeitnachteile realisieren zu können.
Zugleich verbindet sich mit der Tarifgestaltung für den ÖPNV eine bedeutende
soziale Komponente. Den Bus zu nutzen, darf ke ine Frage des Geldbeutels sein.
Wir wollen stabile und verlässliche Tarife statt weiterer Preissteigerungen. Eine
Senkung der Fahrpreise ist sowohl ein klima - und verkehrspolitisches Gebot als
auch eine Frage der sozialen Gerechtigkeit. Dabei geht es auch darum, die
Nachfrage für den ÖPNV weiter zu erhöhen. Dazu gehören auch gezielte
Werbemaßnahmen im Sinne einer Steigerung der Abonnent*innen - und
Nutzer*innen-Zahlen.
Die Verkehrswende ist eine echte Herausforderung, die wir jetzt im Sinne des
Klimaschutzes und einer echten Verkehrsentlastung umfassend angehen müssen.
gez. gez. gez.
Dr. Robin Korte Ludger Steinmann Tim Pasch
Albert Wenzel Marius Herwig Helene Goldbeck
Christoph Kattentidt Doris Feldmann
Sylvia Rietenberg Lia Kirsch
Jule Heinz-Fischer und Fraktion
Andrea Blome
Carsten Peters
und Fraktion
Beratungsverlauf (1)
Beschluss: mehrheitlich beschlossen
Zur SitzungDetails
- Aktenzeichen
- A-R/0044/2021
- Typ
- Antrag an den Rat
- Datum
- 11.05.2021
- Erstellt
- 11.05.2021 13:29