2023/0034
Gründung einer Städtepartnerschaft mit Nahariya, Israel
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Punkt 3: Gründung einer Städtepartnerschaft mit Nahariya, Israel (V-Nr. 2023/0034) Der Haupt- und Finanzausschuss empfiehlt der Stadtverordnetenversammlung, der Vorlage zuzustimmen. Stimmenthaltung: Die Linke.
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12497 Zeichen
- 2 -
Magistratsvorlage
Eingang Magistrats -
geschäftsstelle:
19.05.2023
an den Magistrat
zur Kenntnis
zur Beschlussfassung
Beteiligt vor
Magistratsbeschlussfassung:
Dezernat I an die Stadtverordnetenversammlung
OBW zur Befassung
zur Kenntnis
zur Beschlussfassung
zur abschließenden Beschluss -
fassung Fachausschuss
Dezernat IV
Amt: Amt für Vielfalt und
internationale
Beziehungen
OBW bei abschl.
Beschlussfassung Magistrat
Behandlung in
öffentl. Sitzung
Ja
Nein
Verteiler:
I 531
IV
Stvv
Ja
Nein
Vorlage-Nr. 2023/0034
Magistratsbeschluss -Nr.
232
Internetfähig
Produkt-Nr.: 111120
Kostenstelle: 531-001-1000 Investitionsnummer: /
Kostenträger: 1111-21 Sachkonto: 7128000 / 6139000
Betreff: Gründung einer Städtepartnerschaft mit Nahariya, Israel
Vorlage vom: 17.05.2023
Beschlussvorschlag :
Der Magistrat stimmt der Gründung einer Städtepartnerschaft mit Nahariya, Israel, zu.
Anlagen:
Datenschutzrelevante Anlage:
Folgekosten: Ja Nein
- 3 -
Beschluss des Magistrats vom 31.05.2023
Der Vorlage wird zugestimmt.
- 4 -
Begründung zur Magistratsvorlage vom 17.05.2023
Die Wissenschaftsstadt Darmstadt versteht sich als eine weltoffene Stadt, die sich sowohl auf
nationaler als auch internationaler Ebene den gegenwärtigen globalen Herausforderungen
stellt. In den letzten sechs Jahrzehnten baute Darmstadt, weit über den europäischen
Rahmen hinaus, zahlreiche und vielfältige internationale Beziehungen auf, dabei immer im
Bewusstsein für eine gemeinsame globale Verantwortung.
In einem einzigartigen Verhältnis steht Deutschland zu Israel. Die s ist begründet durch die
Verantwortung Deutschlands für die Shoa, dem systematischen Völkermord an etwa sechs
Mio. Juden Europas in der Zeit des Nationalsozialismus. Seit der Aufnahme diplomatischer
Beziehungen am 12. Mai 1965 haben sich die deutsch -israelischen Beziehungen sowohl auf
offizieller Ebene als auch im zivilgesellschaftlichen Bereich kontinuierlich intensiviert und
vertieft.
Die einzigartigen Beziehungen zwischen Deutschland und Israel sind ein Grundpfeiler der
deutschen Außenpolitik. Deutschla nd steht ein für das Existenzrecht des Staates Israel. Es
fördert als aktiver Partner in der EU die Friedensbemühungen im Nahen Osten und setzt sich
innerhalb der Vereinten Nationen für einen fairen Umgang mit den Konfliktparteien ein.
Die Wissenschaftsst adt Darmstadt verfolgt diese Ziele gleichermaßen. Sie legt seit jeher
großen Wert auf eine lebendige Erinnerungskultur und die Beziehung zur jüdischen
Gemeinde sowie zu ehemaligen jüdischen Mitbürger*innen und deren Nachkommen.
Im Juni 2016 beschloss der M agistrat den Beitritt zur internationalen Kampagne „Mayors
United Against Antisemitism“ des American Jewish Committee (AJC) und bekräftigte damit
seine Grundhaltung zu einer Null -Toleranz-Politik im Kampf gegen Antisemitismus und zur
Gewährleistung der Sicherheit jüdischer Gemeinden.
Als weiteren Schritt unterzeichnete Oberbürgermeister Jochen Partsch im März 2021 auf
Initiative des Ramer Instituts, zugehörig zum Berliner Büro des AJC, eine gemeinsame
Erklärung deutscher Bürgermeisterinnen und Bürgermeis ter gegen Antisemitismus. Darin
verpflichten sich die Unterzeichnenden zur Sicherstellung eines friedlichen Zusammenlebens
aller Einwohnerinnen und Einwohner, unabhängig von religiösen und politischen
Einstellungen sowie kulturellen Hintergründen in ihren Städten.
Eine besondere Beziehung verbindet die Wissenschaftsstadt Darmstadt mit der israelischen
Stadt Nahariya, mit der sie schon seit mindestens 50 Jahren freundschaftliche Kontakte
pflegt.
Über Nahariya:
Die Stadt Nahariya liegt in der Region Westg aliläa, 30 Kilometer nördlich von Haifa, an der
Mündung des Flusses Ga’aton ins Mittelmeer. Damit ist Nahariya die nördlichste Küstenstadt
Israels. Aktuell leben dort circa 58.000 Menschen.
Nahariya wurde 1934 als landwirtschaftliche Genossenschaftssiedlu ng von circa 100
jüdischen Emigrant*innen gegründet, die vor den Nationalsozialisten geflüchtet waren.
Im Zuge des Israelischen Unabhängigkeitskriegs (1947 -48) wurden Nahariya und ganz
Westgaliläa im UN -Teilungsplan den Arabern zugesprochen. Dennoch legte die Stadt
weiterhin großen Wert auf ihre deutschen Wurzeln: „Jüdisch oder arabisch, Nahariya bleibt
deutsch!“
- 5 -
Nach dem Krieg erlebte Nahariya einen Wandel zum Ferienort und Zentrum der
Lebensmittelindustrie und damit ein rasches Wirtschafts - und Bevölkerungswachstum.
Innerhalb von wenigen Jahren stieg die Einwohnerzahl von ca. 1.700 (1948) auf ca. 23.800
(1972). In den darauffolgenden Jahren entwickelte sich Nahariya immer mehr zu einem
Einwanderungsziel. Insbesondere die verstärkte Einwanderung aus Äthio pien und der
ehemaligen Sowjetunion ab 1991 prägten die Entwicklung.
Die Stadt Nahariya zeichnet sich zudem durch ihren hohen kulturellen Wert aus und gilt als
historische Hauptstadt Westgaliläas. Auf dem HaGa’aton Boulevard, einer beliebten Straße
im Zentrum der Stadt, finden sich zahlreiche Geschäfte und Boutiquen, Cafés und
Restaurants, u.a. das Kultlokal „Pinguin“ aus der Gründungszeit Nahariyas. Darüber hinaus
beheimatet Nahariya eine Vielzahl an Museen, bspw. das Museum für Stadtgeschichte „Beit
Liberman“ („Lieberman -Haus“). Im direkten Umland Nahariyas befinden sich außerdem die
historische Hafen - und Kreuzritterstadt Akkon sowie die mittelalterlichen Burgruinen Kibbuz
Yehi’am.
Der aktuelle Bürgermeister Nahariyas, Ronen Marelly, gehört der sozialde mokratischen
„Labor“-Partei „Awoda“ an.
Der Weg zur Städtepartnerschaft:
Sigi Keren, damaliger Vize -Bürgermeister Nahariyas , knüpfte nach seiner Pensionierung
Kontakte zu alten Freunden nach Darmstadt und schloss neue Kontakte, u.a. zum
Stadtjugendpfleger der Evangelischen Kirche. Die Städtefreundschaft mit Nahariya wuchs im
Rahmen von regelmäßigen deutsch -israelischen Jugendb egegnungen. Die erste
dokumentierte Jugendbegegnung veranstaltete die Evangelische Jugend im Jahr 1972.
Im Jahr 1983 wandte sich der damalige Oberbürgermeister und ehemalige Präsident der
deutsch-israelischen parlamentarischen Gesellschaft Günther Metzger an Nahariya mit dem
Angebot, die Kontakte zwischen beiden Städten auf eine breitere Basis zu stellen. Bis dahin
gab es lediglich enge Beziehungen zwischen Privatpersonen und zu ehemaligen jüdischen
Mitbürger*innen in Nahariya.
Die Gesellschaft für Christ lich-Jüdische Zusammenarbeit e.V. in Darmstadt organisierte im
Jahr 1985 eine große Bildungsreise. Es folgten weitere Studienreisen mit verschiedenen
Bildungsträgern, auch in Zusammenarbeit mit der Stadt Bielefeld, die mit Nahariya seit
1980 verschwistert ist.
Der erste offizielle Kontakt zwischen Darmstadt und Nahariya erfolgte 1991, als eine
Delegation der Partei Bündnis90/Die Grünen die befreundete Stadt in Israel besuchte.
Sieben Jahre später nahm Bürgermeister Horst Knechtel an einer internationalen K onferenz
„Partnerstädte und kommunale Organisationen“ in Jerusalem teil und besuchte im Anschluss
Nahariya.
Im Jahr 2005 begrüßte Darmstadt erstmals eine offizielle Delegation aus Nahariya anlässlich
des Europawochenendes und 675 -jährigen Stadtjubiläums.
Ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einer Städtepartnerschaft war der Besuch des aktuellen
Bürgermeisters Ronen Marelly auf Einladung von Oberbürgermeister Jochen Partsch. Dieser
Besuch fand in Begleitung seines persönlichen Referenten sowie Zecharia Hai, Stadtrat und
- 6 -
Geschäftsführer der Steel & Metal Works Ltd. im November 2021 statt. Anlass war die
gemeinsame Teilnahme am Abschluss des Festjahres „100 Tage, 1700 Jahre! Jüdisches
Leben in Darmstadt“ und die Stärkung der Zusammenarbeit zwischen den beiden Städten.
Im Rahmen des viertägigen Aufenthalts fanden intensive Gespräche sowohl mit
Oberbürgermeister Jochen Partsch als auch mit Dezernent Michael Kolmer über die künftige
Ausrichtung der Städtefreundschaft statt. Die Gäste zeigten sich zudem sehr beein druckt von
ihren Besuchen des Darmstädter Unesco -Weltkulturerbes Mathildenhöhe und des Fraunhofer
Instituts für Sichere Informationstechnologie (SIT).
Im Oktober 2022 fand ein Gegenbesuch von Oberbürgermeister Jochen Partsch in Nahariya
statt. Dabei konn ten beide Stadtoberhäupter ihren politischen wie persönlichen Kontakt
festigen und sich über die Möglichkeiten und Vorzüge einer Städtepartnerschaft
austauschen.
Die Freundschaft zu Nahariya wird über die offiziellen politischen Kontakte hinaus auch
durch bürgerschaftliche Aktivitäten begleitet und gestärkt.
Zudem besteht insbesondere ein großes Interesse an einer intensiveren Zusammenarbeit
seitens der Jüdischen Gemeinde und der Gesellschaft für Christlich -Jüdische
Zusammenarbeit e.V. in Darmstadt. Sie sind seit jeher wichtige Kooperationspartner der
Wissenschaftsstadt Darmstadt und waren mehrfach am Besuchsprogramm im November
2021 beteiligt, - u.a. mit einer Einladung zum Shabbat und bei der Besichtigung des
Erinnerungsorts Liberale Synagoge. Die sehr gute Zusammenarbeit zeigt sich auch darin,
dass beide Gruppen im Anschluss wiederholt ihre Unterstützung für die Gestaltung einer
Städtepartnerschaft zusicherten. Sogar Mitglieder außerhalb Darmstadts mit Beziehungen
nach Israel brachten ihre Bereitschaft, sich einzubringen, gegenüber der Stadtverwaltung
zum Ausdruck.
Derzeit ist ein weiteres Projekt der Gesellschaft für Christlich -Jüdische Zusammenarbeit e.V.
in Darmstadt für 2024 in Planung, die in besagtem Jahr ihr 70 -jähriges Bestehen feiert. Dies
nimmt die Gesellschaft zum Anlass, um die Verständigung zwischen Christen und Juden
weiter zu fördern, indem sie Familien aus Darmstadt und Nahariya miteinander ins Gespräch
bringt. Konkret sind in diesem Kontext gegenseitige Besuche geplant, u.a. um den jewei ligen
Alltag des Anderen für die Familien erlebbar zu machen.
Ebenso hat die Zivilgesellschaft in Nahariya großes Interesse an einem engeren Austausch
und wird intensiv in die Partnerschaft eingebunden. Ein Bürger, der sich speziell der Pflege
der partnerschaftlichen Beziehungen zwischen Darmstadt und Nahariya widmet, begleitete
die Delegation 2021 als Dolmetscher und Tourismusbeauftragter.
Darüber hinaus bestehen viele Anknüpfungspunkte für eine fruchtbare Zusammenarbeit im
wirtschaftlichen und wissensc haftlichen Bereich. Die Gespräche mit Stadtrat Kolmer sowie
dem EAD im Rahmen der Delegationsreise von 2021 zeigten beispielweise, dass in den
Gebieten grüne Stadtregierung, Mobilität und Abfallentsorgung großes Potenzial für
gemeinsame Projekte besteht.
Ebenso war der Termin der Delegation beim Fraunhofer Institut SIT äußerst
vielversprechend. Bereits die Deutsch -Israelische Cyber -Konferenz im Juni 2021 bewies, dass
beide Nationen bzw. Städte von einem Wissensaustausch profitieren können. Die Gespräche
im Darmstädter Fraunhofer Institut SIT bestätigten und bestärkten diese Erkenntnis
nochmals.
Es wird deutlich, dass eine stärkere Annäherung der beiden Städte in Form einer
Städtepartnerschaft, vielversprechende Kooperationsmöglichkeiten birgt, auch aufgrun d der
vielen inhaltlichen Gemeinsamkeiten der politischen Führungen.
Nicht zuletzt würde eine offizielle Verschwisterung ein starkes und zeitlich günstiges Zeichen
setzen - für ein weltoffenes Darmstadt sowie dessen vertrauensvolle, aktive Beziehung zu
Israel und den unentwegten Einsatz im Kampf gegen Antisemitismus.
Finanzielle Auswirkungen der Gründung einer Städtepartnerschaft mit Nahariya, Israel auf
den jährlichen Haushaltsplan
Die städtische finanzielle Förderung sieht für die ersten zwei Jahren der
Partnerschaftsgründung höhere Kosten, bedingt durch intensivere Besuche zur
Kontaktaufnahme zu Stadtverwaltung, Organisationen und Vereinen aus Nahariya und
Darmstadt, vor. Für 2023 entstehen Kosten in Höhe von ca. 29.300 Euro und für 2024
Kosten in Höhe von ca. 33.500 Euro . In den Folgejahren wird von einer Angleichung der
Kosten für die neue Partnerschaftsarbeit an die Kosten der anderen Städtepartnerschaften
ausgegangen. Durchschni ttlich sollen 10.000 Euro pro Jahr für die Förderung dieser
Städtepartnerschaft eingeplant werden.
Darmstadt, den 17.05.2023
531
Dezernat I Dezernat IV
Jochen Partsch André Schellenberg
Oberbürgermeister Stadtkämmerer
2023/0034
12433 Zeichen
Magistratsvorlage
Eingang Magistrats -
geschäftsstelle:
19.05.2023
an den Magistrat
zur Kenntnis
zur Beschlussfassung
Beteiligt vor
Magistratsbeschlussfassung:
Dezernat I an die Stadtverordnetenversammlung
OBW zur Befassung
zur Kenntnis
zur Beschlussfassung
zur abschließenden Beschluss -
fassung Fachausschuss
Dezernat IV
Amt: Amt für Vielfalt und
internationale
Beziehungen
OBW bei abschl.
Beschlussfassung Magistrat
Behandlung in
öffentl. Sitzung
Ja
Nein
Verteiler:
Ja
Nein
Vorlage-Nr. 2023/0034
Magistratsbeschluss -Nr.
Internetfähig
Produkt-Nr.: 111120
Kostenstelle: 531-001-1000 Investitionsnummer: /
Kostenträger: 1111-21 Sachkonto: 7128000 / 6139000
Betreff: Gründung einer Städtepartnerschaft mit Nahariya, Israel
Vorlage vom: 17.05.2023
Beschlussvorschlag :
Der Magistrat stimmt der Gründung einer Städtepartnerschaft mit Nahariya, Israel, zu.
Anlagen:
Datenschutzrelevante Anlage:
Folgekosten: Ja Nein
- 2 -
Beschluss des Magistrats vom
- 3 -
Begründung zur Magistratsvorlage vom 17.05.2023
Die Wissenschaftsstadt Darmstadt versteht sich als eine weltoffene Stadt, die sich sowohl auf
nationaler als auch internationaler Ebene den gegenwärtigen globalen Herausforderungen
stellt. In den letzten sechs Jahrzehnten baute Darmstadt, weit über den europäischen
Rahmen hinaus, zahlreiche und vielfältige internationale Beziehungen auf, dabei immer im
Bewusstsein für eine gemeinsame globa le Verantwortung.
In einem einzigartigen Verhältnis steht Deutschland zu Israel. Dies ist begründet durch die
Verantwortung Deutschlands für die Shoa, dem systematischen Völkermord an etwa sechs
Mio. Juden Europas in der Zeit des Nationalsozialismus. Sei t der Aufnahme diplomatischer
Beziehungen am 12. Mai 1965 haben sich die deutsch -israelischen Beziehungen sowohl auf
offizieller Ebene als auch im zivilgesellschaftlichen Bereich kontinuierlich intensiviert und
vertieft.
Die einzigartigen Beziehungen zwisc hen Deutschland und Israel sind ein Grundpfeiler der
deutschen Außenpolitik. Deutschland steht ein für das Existenzrecht des Staates Israel. Es
fördert als aktiver Partner in der EU die Friedensbemühungen im Nahen Osten und setzt sich
innerhalb der Vereint en Nationen für einen fairen Umgang mit den Konfliktparteien ein.
Die Wissenschaftsstadt Darmstadt verfolgt diese Ziele gleichermaßen. Sie legt seit jeher
großen Wert auf eine lebendige Erinnerungskultur und die Beziehung zur jüdischen
Gemeinde sowie zu e hemaligen jüdischen Mitbürger*innen und deren Nachkommen.
Im Juni 2016 beschloss der Magistrat den Beitritt zur internationalen Kampagne „Mayors
United Against Antisemitism“ des American Jewish Committee (AJC) und bekräftigte damit
seine Grundhaltung zu einer Null-Toleranz-Politik im Kampf gegen Antisemitismus und zur
Gewährleistung der Sicherheit jüdischer Gemeinden.
Als weiteren Schritt unterzeichnete Oberbürgermeister Jochen Partsch im März 2021 auf
Initiative des Ramer Instituts, zugehörig zum Berliner Büro des AJC, eine gemeinsame
Erklärung deutscher Bürgermeisterinnen und Bürgermeister gegen Antisemitismus. Darin
verpflichten sich die Unterzeichnenden zur Sicherstellung eines friedlichen Zusammenlebens
aller Einwohnerinnen und Einwohner, unabhängig von religiösen und politischen
Einstellungen sowie kulturellen Hintergründen in ihren Städten.
Eine besondere Beziehung verbindet die Wissenschaftsstadt Darmstadt mit der israelischen
Stadt Nahariya, mit der sie schon seit mindestens 50 Jahren freundschaftli che Kontakte
pflegt.
Über Nahariya:
Die Stadt Nahariya liegt in der Region Westgaliläa, 30 Kilometer nördlich von Haifa, an der
Mündung des Flusses Ga’aton ins Mittelmeer. Damit ist Nahariya die nördlichste Küstenstadt
Israels. Aktuell leben dort circa 58.000 Menschen.
Nahariya wurde 1934 als landwirtschaftliche Genossenschaftssiedlung von circa 100
jüdischen Emigrant*innen gegründet, die vor den Nationalsozialisten geflüchtet waren.
Im Zuge des Israelischen Unabhängigkeitskriegs (1947 -48) wurden Nahar iya und ganz
Westgaliläa im UN -Teilungsplan den Arabern zugesprochen. Dennoch legte die Stadt
weiterhin großen Wert auf ihre deutschen Wurzeln: „Jüdisch oder arabisch, Nahariya bleibt
deutsch!“
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Nach dem Krieg erlebte Nahariya einen Wandel zum Ferienort un d Zentrum der
Lebensmittelindustrie und damit ein rasches Wirtschafts - und Bevölkerungswachstum.
Innerhalb von wenigen Jahren stieg die Einwohnerzahl von ca. 1.700 (1948) auf ca. 23.800
(1972). In den darauffolgenden Jahren entwickelte sich Nahariya immer mehr zu einem
Einwanderungsziel. Insbesondere die verstärkte Einwanderung aus Äthiopien und der
ehemaligen Sowjetunion ab 1991 prägten die Entwicklung.
Die Stadt Nahariya zeichnet sich zudem durch ihren hohen kulturellen Wert aus und gilt als
historische Hauptstadt Westgaliläas. Auf dem HaGa’aton Boulevard, einer beliebten Straße
im Zentrum der Stadt, finden sich zahlreiche Geschäfte und Boutiquen, Cafés und
Restaurants, u.a. das Kultlokal „Pinguin“ aus der Gründungszeit Nahariyas. Darüber hinaus
beheimatet Nahariya eine Vielzahl an Museen, bspw. das Museum für Stadtgeschichte „Beit
Liberman“ („Lieberman -Haus“). Im direkten Umland Nahariyas befinden sich außerdem die
historische Hafen - und Kreuzritterstadt Akkon sowie die mittelalterlichen Burgruinen Kibbuz
Yehi’am.
Der aktuelle Bürgermeister Nahariyas, Ronen Marelly, gehört der sozialdemokratischen
„Labor“-Partei „Awoda“ an.
Der Weg zur Städtepartnerschaft:
Sigi Keren, damaliger Vize -Bürgermeister Nahariyas, knüpfte nach seiner Pensionierung
Kontakte zu alten Freunden nach Darmstadt und schloss neue Kontakte, u.a. zum
Stadtjugendpfleger der Evangelischen Kirche. Die Städtefreundschaft mi t Nahariya wuchs im
Rahmen von regelmäßigen deutsch -israelischen Jugendbegegnungen. Die erste
dokumentierte Jugendbegegnung veranstaltete die Evangelische Jugend im Jahr 1972.
Im Jahr 1983 wandte sich der damalige Oberbürgermeister und ehemalige Präsident der
deutsch-israelischen parlamentarischen Gesellschaft Günther Metzger an Nahariya mit dem
Angebot, die Kontakte zwischen beiden Städten auf eine breitere Basis zu stellen. Bis dahin
gab es lediglich enge Beziehungen zwischen Privatpersonen und zu ehemal igen jüdischen
Mitbürger*innen in Nahariya.
Die Gesellschaft für Christlich -Jüdische Zusammenarbeit e.V. in Darmstadt organisierte im
Jahr 1985 eine große Bildungsreise. Es folgten weitere Studienreisen mit verschiedenen
Bildungsträgern, auch in Zusammena rbeit mit der Stadt Bielefeld, die mit Nahariya seit
1980 verschwistert ist.
Der erste offizielle Kontakt zwischen Darmstadt und Nahariya erfolgte 1991, als eine
Delegation der Partei Bündnis90/Die Grünen die befreundete Stadt in Israel besuchte.
Sieben Jahre später nahm Bürgermeister Horst Knechtel an einer internationalen Konferenz
„Partnerstädte und kommunale Organisationen“ in Jerusalem teil und besuchte im Anschluss
Nahariya.
Im Jahr 2005 begrüßte Darmstadt erstmals eine offizielle Delegation aus Naha riya anlässlich
des Europawochenendes und 675 -jährigen Stadtjubiläums.
Ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einer Städtepartnerschaft war der Besuch des aktuellen
Bürgermeisters Ronen Marelly auf Einladung von Oberbürgermeister Jochen Partsch. Dieser
Besuch fand in Begleitung seines persönlichen Referenten sowie Zecharia Hai, Stadtrat und
Geschäftsführer der Steel & Metal Works Ltd. im November 2021 statt. Anlass war die
- 5 -
gemeinsame Teilnahme am Abschluss des Festjahres „100 Tage, 1700 Jahre! Jüdisches
Leben in Darmstadt“ und die Stärkung der Zusammenarbeit zwischen den beiden Städten.
Im Rahmen des viertägigen Aufenthalts fanden intensive Gespräche sowohl mit
Oberbürgermeister Jochen Partsch als auch mit Dezernent Michael Kolmer über die künftige
Ausrichtung der Städtefreundschaft statt. Die Gäste zeigten sich zudem sehr beeindruckt von
ihren Besuchen des Darmstädter Unesco -Weltkulturerbes Mathildenhöhe und des Fraunhofer
Instituts für Sichere Informationstechnologie (SIT).
Im Oktober 2022 fand ein Gegenb esuch von Oberbürgermeister Jochen Partsch in Nahariya
statt. Dabei konnten beide Stadtoberhäupter ihren politischen wie persönlichen Kontakt
festigen und sich über die Möglichkeiten und Vorzüge einer Städtepartnerschaft
austauschen.
Die Freundschaft zu Nahariya wird über die offiziellen politischen Kontakte hinaus auch
durch bürgerschaftliche Aktivitäten begleitet und gestärkt.
Zudem besteht insbesondere ein großes Interesse an einer intensiveren Zusammenarbeit
seitens der Jüdischen Gemeinde und der Ges ellschaft für Christlich -Jüdische
Zusammenarbeit e.V. in Darmstadt. Sie sind seit jeher wichtige Kooperationspartner der
Wissenschaftsstadt Darmstadt und waren mehrfach am Besuchsprogramm im November
2021 beteiligt, - u.a. mit einer Einladung zum Shabbat u nd bei der Besichtigung des
Erinnerungsorts Liberale Synagoge. Die sehr gute Zusammenarbeit zeigt sich auch darin,
dass beide Gruppen im Anschluss wiederholt ihre Unterstützung für die Gestaltung einer
Städtepartnerschaft zusicherten. Sogar Mitglieder auße rhalb Darmstadts mit Beziehungen
nach Israel brachten ihre Bereitschaft, sich einzubringen, gegenüber der Stadtverwaltung
zum Ausdruck.
Derzeit ist ein weiteres Projekt der Gesellschaft für Christlich -Jüdische Zusammenarbeit e.V.
in Darmstadt für 2024 in Planung, die in besagtem Jahr ihr 70 -jähriges Bestehen feiert. Dies
nimmt die Gesellschaft zum Anlass, um die Verständigung zwischen Christen und Juden
weiter zu fördern, indem sie Familien aus Darmstadt und Nahariya miteinander ins Gespräch
bringt. Konkre t sind in diesem Kontext gegenseitige Besuche geplant, u.a. um den jeweiligen
Alltag des Anderen für die Familien erlebbar zu machen.
Ebenso hat die Zivilgesellschaft in Nahariya großes Interesse an einem engeren Austausch
und wird intensiv in die Partne rschaft eingebunden. Ein Bürger, der sich speziell der Pflege
der partnerschaftlichen Beziehungen zwischen Darmstadt und Nahariya widmet, begleitete
die Delegation 2021 als Dolmetscher und Tourismusbeauftragter.
Darüber hinaus bestehen viele Anknüpfungspu nkte für eine fruchtbare Zusammenarbeit im
wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Bereich. Die Gespräche mit Stadtrat Kolmer sowie
dem EAD im Rahmen der Delegationsreise von 2021 zeigten beispielweise, dass in den
Gebieten grüne Stadtregierung, Mobilität und Abfallentsorgung großes Potenzial für
gemeinsame Projekte besteht.
Ebenso war der Termin der Delegation beim Fraunhofer Institut SIT äußerst
vielversprechend. Bereits die Deutsch -Israelische Cyber -Konferenz im Juni 2021 bewies, dass
beide Nationen bzw . Städte von einem Wissensaustausch profitieren können. Die Gespräche
im Darmstädter Fraunhofer Institut SIT bestätigten und bestärkten diese Erkenntnis
nochmals.
Es wird deutlich, dass eine stärkere Annäherung der beiden Städte in Form einer
Städtepartnerschaft, vielversprechende Kooperationsmöglichkeiten birgt, auch aufgrund der
vielen inhaltlichen Gemeinsamkeiten der politischen Führungen.
- 6 -
Nicht zuletzt würde eine offizielle Verschwisterung ein starkes und zeitlich günstiges Zeichen
setzen - für ein weltoffenes Darmstadt sowie dessen vertrauensvolle, aktive Beziehung zu
Israel und den unentwegten Einsatz im Kampf gegen Antisemitismus.
Finanzielle Auswirkungen der Gründung einer Städtepartnerschaft mit Nahariya, Israel auf
den jährlichen Haushaltsplan
Die städtische finanzielle Förderung sieht für die ersten zwei Jahren der
Partnerschaftsgründung höhere Kosten, bedingt durch intensivere Besuche zur
Kontaktaufnahme zu Stadtverwaltung, Organisationen und Vereinen aus Nahariya und
Darmstadt, vor. Für 2023 entstehen Kosten in Höhe von ca. 29.300 Euro und für 2024
Kosten in Höhe von ca. 33.500 Euro. In den Folgejahren wird von einer Angleichung der
Kosten für die neue Partnerschaftsarbeit an die Kosten der anderen Städtepartnerschaften
ausgegangen. Durchschni ttlich sollen 10.000 Euro pro Jahr für die Förderung dieser
Städtepartnerschaft eingeplant werden.
Darmstadt, den 17.05.2023
531
Dezernat I Dezernat IV
Jochen Partsch André Schellenberg
Oberbürgermeister Stadtkämmerer
Beratungsverlauf (3)
Details
- Vorlagen-Nr.
- 2023/0034
- Typ
- Magistratsvorlage
- Datum
- 16.03.2023
- Erstellt
- 29.09.2026 00:00