2015/0265
Verleihung der Johann-Heinrich-Merck-Ehrung der Stadt Darmstadt an den Gründer der Schader-Stiftung, Herrn Alois M. Schader
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2015/0265
7088 Zeichen
Magistratsvorlage
Eingang Magistrats -
geschäftsstelle:
07.07.2015
an den Magistrat
zur Kenntnis
zur Beschlussfassung
Beteiligt vor
Magistratsbeschlussfassung:
Dezernat I an die Stadtverordnetenversammlung
OBW zur Befassung
zur Kenntnis
zur Beschlussfassung
zur abschließenden Beschluss -
fassung Fachausschuss
Amt: Dezernat IBüro des
Oberbürgermeisters,
Repräsentationen und
Ehrungen
OBW bei abschl.
Beschlussfassung Magistrat
Behandlung in
öffentl. Sitzung
Ja
Nein
Verteiler:
Ja
Nein
Vorlage-Nr. 2015/0265
Magistratsbeschluss -Nr.
Internetfähig
Produkt-Nr.: 111070
Kostenstelle: 711-001-1002 Investitionsnummer:
Kostenträger: 1110-71 Sachkonto: 7290100
Betreff: Verleihung der Johann -Heinrich-Merck-Ehrung der Stadt Darmstadt an den Gründer
der Schader-Stiftung, Herrn Al ois M. Schader
Vorlage vom: 02.07.2015
Beschlussvorschlag :
Dem Gründer der Schader -Stiftung, Herrn Alois M. Schader, wird in Anerkennung und Würdigung
seiner Verdienste um die Wissenschaftsstadt Darmstadt und die Förderung der
Gesellschaftswissenschaf ten die Johann-Heinrich-Merck-Ehrung der Stadt Darmstadt verliehen.
Anlagen:
Datenschutzrelevante Anlage:
Folgekosten: Ja Nein
- 2 -
Beschluss des Magistrats vom
- 3 -
Begründung zur Magistratsvorlage vom 02.07.2015
Alois M. Schader, 1928 geboren und von 1953 bis 1993 freiberuflich als Beratender Bauingenieur
tätig, ist Stifter und Namensgeber der 1988 ins Leben gerufenen Schader-Stiftung mit Sitz in
Darmstadt. Im Zuge der großen Wohnungsnot nach dem Zweiten Weltkrieg trat Herr Schader
insbesondere als Berater gemeinnütziger Bauunternehmen hinsichtlich des sozialen
Wohnungsbaus in Erscheinung, wo er seine besonderen Kenntnisse im Bereich des
wirtschaftlichen Bauens einsetzen konnte. Als Leiter interdisziplinärer Planungsteams konnte er
für seine Auftraggeber erhebliche Kosteneinsparungen bei deren Großprojekten erzielen. Bereits
Anfang der 1980er Jahre konnte Herr Schader systematische Mängel in den von ihm betreuten
Wohnungsbauprogrammen feststellen. Die Nachfrage nach neuen Haushaltsformen und die
Tendenz zu kleineren Haushalten wurden zwar von den Gesellschaftswissenschaften
wahrgenommen, nicht aber von den für die Wohnungsbauprogramme zuständigen Behörde n.
Den entscheidenden Grund für dieses Defizit sah Herr Schader darin, dass Praktiker und
Gesellschaftswissenschaftler nicht zusammenarbeiteten. Den Gesellschaftswissenschaftlern waren
in den 1980er Jahren die veränderten Wohnungsanforderungen aufgrund der geringeren
Kinderzahlen und der vielfältigeren Haushaltsformen in Deutschland längst bekannt. Die
praxisferne Wissenschaftssprache und die geschlossenen Kontaktkreise der Gesellschafts -
wissenschaften blieben den Praktikern des Wohnungsbaus jedoch weitgeh end unzugänglich.
Unter dem Eindruck dieser wechselseitigen Verständnisprobleme entschloss sich Herr Schader
1988 zur Gründung einer gemeinnützigen Stiftung, deren Ziel es seitdem ist, die
Praxisorientierung der Gesellschaftswissenschaften und damit zugleich die Akzeptanz der
Gesellschaftswissenschaften in der Praxis zu fördern. Dabei benennt die Schader-Stiftung sechs
zentrale Themenfelder:
Gemeinwohl und Verantwortung
Demokratie und Engagement
Vielfalt und Integration
Stadtentwicklung und Wohnen
Kommunikation und Kultur
Demographie und Strukturwandel.
Durch eine Änderung der Stiftungssatzung hat der Stifter inzwischen das Aufgaben - und
Fördergebiet der Stiftung erweitert. Im Fokus der Stiftungsarbeit stehen nun umfassendere
Fragen zu den Auswirkungen des gesellschaftlichen Wandels auf das Leben in urbanen
Gesellschaften, internationale Stadtgesellschaft, demographischer Wandel sowie Kunst und
Gesellschaft, die praxisorientiert untersucht werden. Zu den von der Stiftung geförderten
Projektthemen gehören u.a. der Dialog zwischen Gesellschaftswissenschaft und Praxis, Wohnen in
einer alternden Gesellschaft, Integration von Zuwanderern, Stadtentwicklung im Zeichen
demographischen und sozialen Wandels, urbane Transformationen, Wohnungspolitik in den
osteuropäischen EU-Beitrittsländern sowie die öffentliche Daseinsvorsorge. Im Einvernehmen mit
seiner Familie hat Herr Schader sein privates Vermögen auf die Stiftung übertragen und ist bis
heute aktiv in die Führung und Arbeit der Stiftung eingebunden.
Ein besonderes Anliegen von Herrn Schader ist es, das Ansehen praxisorientierter Forschung in
den Gesellschaftswissenschaften zu verbessern. Auch deshalb vergibt die Stiftung seit 1993
jährlich den Schader-Preis in Höhe von 15.000 Euro an Gesellschaftswissenschaftler, die sich in
dieser Hinsicht besonders verdient gemacht haben. Der Preis wird vom Senat der Schader -
Stiftung verliehen, der sich aus den letztjährigen für diese Aufgabe zur Verfügung stehenden
Preisträgerinnen und Preisträgern bildet. Aktuell sind dies Angelika Nußberger (2015), Stephan
Leibfried (2014), Jutta Allmendinger (2013), Paul Kirchhof (2012), Jan-Philipp Reemtsma (2011)
und Wolf Lepenies (2010).
- 4 -
Die Schader-Stiftung ist eine der wenigen, aus der Mitte der Zivilgesellschaft heraus entstandene n
privaten Stiftungen in Deutschland. Mit ihrem Profil zählt sie zu den angesehensten und
bekanntesten deutschen Stiftungen im Bereich der Gesellschaftswissenschaften. Mit dem Bau des
Stiftungszentrums in der Goethestraße wurde ein bedeutender städtebaulicher Impuls gesetzt.
Dort hat sich ein in die Darmstädter Bürgerschaft und übergreifend in die nationale und
internationale wissenschaftliche Gemeinschaft wirkender offener Ort des Diskurses entwickelt.
Damit hat Herr Schader einen sehr wichtigen Beitrag zum Ansehen der Wissenschaftsstadt
Darmstadt, zur Förderung der Wissenschaften in Darmstadt und darüber hinaus zur
bürgerschaftlichen Diskussionskultur geleistet.
Ein aktuelles Beispiel dieser Tätigkeit ist die Initiierung des Runden Tisches Wissenschaft
gemeinsam mit dem Darmstädter Oberbürgermeister Jochen Partsch und dem Präsidenten der
TU Darmstadt, Prof. Dr. Hans Jürgen Prömel, der zur Sichtbarmachung des Leitbildes
Wissenschaftsstadt Darmstadt und zur Akzeptanzerhöhung von Wissenschaft beiträgt.
In Anerkennung seiner besonderen Verdienste um die Förderung der Wissenschaften und in
Würdigung seiner beispielhaften und wissenschaftsfördernden privaten Initiative zur Gründung der
Schader-Stiftung verlieh die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften Herrn
Schader im Jahr 2013 ihre Leibniz-Medaille.
Alois M. Schader hat sich durch Gründung der Schader-Stiftung und mit dem Bau des
Stiftungszentrums um die Wissenschaftsstadt Darmstadt verdient gemacht. Sein
beispielgebendes Wirken und seine großen Leistungen zur Förderung der Gesellschafts-
wissenschaften sollten durch die Verleihung der Johann-Heinrich-Merck-Ehrung der Stadt
Darmstadt gewürdigt werden.
Darmstadt, 02. Juli 2015
711 gö
Dezernat I
Jochen Partsch
Oberbürgermeister
Beratungsverlauf (1)
Orte (1)
- Goethestraße
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Details
- Vorlagen-Nr.
- 2015/0265
- Typ
- Magistratsvorlage
- Datum
- 02.07.2015
- Erstellt
- 29.09.2026 00:00